AusgewƤhlte Studien aus der HƤmato-Onkologie

Ibrutinib in Kombination mit einer Immunchemotherapie mit oder ohne autologe Stammzelltransplantation versus einer Immunochemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation bei zuvor unbehandelten Patienten mit Mantelzell-Lymphom Erkrankung: Eine dreiarmige, randomisierte, offene Phase-3-Überlegenheitsstudie des Europäischen Mantelzell-Lymphom-Netzwerks (TRIANGLE)

Martin Dreyling et al., Lancet. 2024 May 2:S0140-6736(24)00184-3. doi: 10.1016/S0140-6736(24)00184-3. Epub ahead of print. PMID: 38705160.

Hintergrund

Die Hinzunahme von Ibrutinib zur Standard-Immunchemotherapie kƶnnte die Ergebnisse verbessern und den Stellenwert der autologen Stammzelltransplantation (ASCT) bei jüngeren (≤65 Jahre) Mantelzell-Lymphom (MCL) Patienten/innen hinterfragen. Mit dieser Studie sollte untersucht werden, ob die zusƤtzliche Gabe von Ibrutinib zu einem besseren klinischen Ergebnis im Vergleich zur Standard-Immunchemotherapie mit ASCT oder einer Ibrutinib-haltigen Behandlung ohne ASCT führt. Außerdem wurde untersucht, ob die Standardbehandlung mit ASCT einer Behandlung mit Ibrutinib, aber ohne ASCT, überlegen ist.

Methoden

Die offene, randomisierte, dreiarmige, parallele Studie wurde in 165 klinischen Zentren in 13 europäischen Ländern und Israel durchgeführt. Patienten/innen mit zuvor unbehandeltem, Stadium II-IV Mantelzell-Lymphom im Alter von 18-65 Jahren, die für eine ASCT geeignet waren, wurden nach dem Zufallsprinzip 1:1:1 der Kontrollgruppe A oder den experimentellen Gruppen A+I oder I zugeteilt. Die Behandlung in Gruppe A bestand aus sechs alternierenden Zyklen R-CHOP und R-DHAP (oder R-DHAOx) gefolgt von einer ASCT. In Gruppe A+I wurde zusätzlich Ibrutinib (560 mg täglich oral) an den Tagen 1-19 der R-CHOP-Zyklen und als Erhaltungstherapie mit fester Dosierung (560 mg täglich oral für 2 Jahre) nach ASCT gegeben. In Gruppe I wurde Ibrutinib auf die gleiche Weise verabreicht wie in Gruppe A+I, aber die ASCT weggelassen. Der primäre Endpunkt beruhte auf dem sog. failure-free-survival (FFS) und wurde in einer Intention-to-treat-Analyse erhoben.

Ergebnisse

Zwischen Juli 2016 und Dezember 2020 wurden 870 Patienten/innen (662 Männer, 208 Frauen) nach dem Zufallsprinzip der Gruppe A (n=288), Gruppe A+I (n=292) bzw. Gruppe I (n=290) zugeteilt. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 31 Monaten war die Gruppe A+I der Gruppe A mit einem 3-Jahres-FFS von 88% vs. 72% (einseitiges p=0,0008) überlegen. Eine Überlegenheit der Gruppe A gegenüber der Gruppe I konnte nicht nachgewiesen werden; das 3-Jahres-FFS betrug 72% vs. 86%. Der Vergleich der Gruppe A+I vs. der Gruppe I ist noch nicht abgeschlossen. Es gab keine relevanten Unterschiede bzgl. unerwünschter Ereignisse Grad 3-5 während der Induktion oder der ASCT zwischen Patienten/innen, die mit R-CHOP/R-DHAP bzw. in Kombination mit Ibrutinib behandelt wurden. Während der Erhaltungstherapie oder der Nachbeobachtung wurden mehr hämatologische Nebenwirkungen des Grades 3-5 und Infektionen nach ASCT plus Ibrutinib gemeldet.

Schlussfolgerung

Die Hinzunahme von Ibrutinib zur Erstlinienbehandlung führte bei jüngeren Mantelzell-Lymphom-Patienten/innen zu einer überlegenen Wirksamkeit mit erhöhter Toxizität, wenn sie nach ASCT verabreicht wurde. Die Ibrutinib Therapie sollte während der Induktions- und Erhaltungstherapie Teil der Erstlinienbehandlung jüngerer Mantelzell-Lymphom-Patienten/innen sein. Es ist noch nicht geklärt, ob eine ASCT eine ibrutinibhaltige Therapie ergänzt.

Die Studie wurde von Janssen und der Leukemia & Lymphoma Society finanziert und ist bei ClinicalTrials.gov (NCT02858258) registriert.

Vorhersage des Fortschreitens einer hochzelligen monoklonalen B-Lymphozytose anhand einer epigenetischen und immunogenetischen Signatur

Salma Abdelbaky et al., Blood. 2024 Apr 25;143(17):1752-1757. doi: 10.1182/blood.2023022180. PMID: 38194687.

Hintergrund

Die monoklonale B-Zell-Lymphozytose (MBL) entwickelt sich bei Betroffenen mit einer Rate von 1 bis 5% pro Jahr zu einer therapiebedürftigen chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) . Eine bessere Vorhersage des Fortschreitens der Erkrankung würde für Patienten mit MBL von großem Nutzen sein. Generell lassen sich CLL Patienten/innen in drei verschiedene epigenetische Subtypen (Epitypen) einteilen, die eine hohe prognostische Bedeutung haben. Kürzlich wurde gezeigt, dass der intermediäre Epityp mit der Hochrisiko-Immunglobulin-Lambda-Variable (IGLV) 3-21 angereichert ist, was sich auf die Therapieergebnisse dieser Patienten/innen auswirkt.

Methoden

In der vorliegenden Studie wurde diese kombinierte Analyse eingesetzt, um eine epigenetische und Leichtketten-Immunglobulin-Signatur (ELCLV3-21) zu erstellen und 219 Personen mit MBL zu klassifizieren.

Ergebnisse

Die ELCLV3-21-Hochrisikosignatur unterschied MBL-Patienten mit einer hohen Progressionswahrscheinlichkeit (39,9% und 71,1% nach 5 bzw. 10 Jahren). ELCLV3-21 verbesserte die Genauigkeit der Vorhersage bzgl. der Zeit bis zur Therapieeinleitung bei MBL-Patient/-innen im Vergleich zu anderen etablierten Prognoseindikatoren, einschließlich des internationalen CLL-Prognoseindex. Ein Vergleich der ELCLV3-21-Risikogruppen bei MBL mit einer Kohorte von 226 CLL-Patienten/innen ergab, dass ELCLV3-21-Hochrisiko-Patienten/innen mit MBL im Vergleich zu ELCLV3-21-Niedrigrisiko-Patienten/innen mit CLL eine signifikant kürzere Zeit bis zur Therapieeinleitung (p = 0,003) und ein verkürztes Gesamtüberleben (p = 0,03) aufweisen.

Schlussfolgerung

Die vorliegenden Ergebnisse unterstreichen die Leistungsfähigkeit des ELCLV3-21-Ansatzes zur Identifizierung von Personen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für einen ungünstigen klinischen Ausgang und könnten einen genaueren Ansatz zur Klassifizierung von Personen mit klonalen B-Zell-Erkrankungen darstellen.

Finanziert durch das National Institutes of Health, National Cancer Institute. Fƶrderung R01CA235026 und R01CA258465

Prof. Dr. med. Christoph Renner

Onkozentrum Hirslanden Zürich und Onkozentrum Zürich
Witellikerstrasse 40
8032 Zürich

Christoph.renner@hirslanden.ch

Interprofessionelles Teamwork in der Onkologie

Die Ā«St. Galler Fortbildung Klinische OnkologieĀ» hat zum zweiten Mal in ihrer Geschichte die Fortbildung interprofessionell ausgerichtet. Klassische VortrƤge zum heutigen Stand des Wissens wurden durch Workshops ergƤnzt. Wir berichten über einen Workshop, der sich dem interprofessionellen Ansatz selbst widmete.

Hintergrund

Mit der zunehmenden Verlagerung aus dem stationären in den ambulanten Sektor sind Patient/-innen und ihr Umfeld vermehrt damit konfrontiert, eine länger dauernde Behandlung in das Privat- und Berufsleben zu integrieren. Dies bedeutet für alle Beteiligten eine intensivere und auf die Bedürfnisse der Patient/-innen abgestimmte Koordination entlang des Behandlungspfades (1, 2).

Fachspezialisierung mit Subspezialisierung finden sich nicht nur in der Ƅrzteschaft. Auch in der Pflege sind die Anforderungen an Wissen und Fertigkeiten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Zunehmend werden Pflegefachpersonen auch in die Entscheidungsfindung über Behandlung und Interventionen einbezogen (shared decision-making) (3).

Unternehmen ausserhalb des Gesundheitssektors haben deshalb eine «Governance» oder «Führungsstrategie», welche die Zusammenarbeit verschiedener Professionen vorgibt. Im Alltag solcher interprofessionellen Teams spielen allerdings viele zusätzliche Faktoren eine prägende Rolle (4). Die Unterschiede in Ausbildung, fachlichem Verständnis, Fachsprache, sowie unterschiedlichen beruflichen Blickwinkeln, wie Patient/-innen am besten geholfen werden kann, können den interprofessionellen Austausch beeinflussen (5).

Fortbildungsveranstaltungen kƶnnen ein InteraktionsgefƤss zwischen den verschiedenen Berufsgruppen sein. Fortbildungen in der Medizin wenden sich traditionell sehr hƤufig von Ƅrzt/-innen an Ƅrzte/-innen oder an Pflegefachpersonen. Nur in seltenen FƤllen werden Fortbildungen von Pflegefachpersonen für Ƅrzt/-innen gehalten. Einer der Workshops der St. Galler Fortbildungstage widmete sich dem interprofessionellen Teamwork und wurde paritƤtisch von einer Pflegefachfrau und einem Arzt geleitet.

Methodik

Der Workshop wurde an zwei Tagen wiederholt und wurde zahlenmƤssig von mehr Pflegefachpersonen als von Ƅrzt/-innen besucht, aber auch Pharmazeut/-innen und Pharmavertreter/-innen nahmen daran teil. Mittels einer Ā«SWOT-AnalyseĀ» (6) nutzten wir die Expertise aller Teilnehmenden, um in multidisziplinƤr zusammengesetzten Arbeitsgruppen die RealitƤten zu beschreiben und in der Diskussion eine Synthese zu mƶglichen Handlungsfeldern zu erarbeiten.

Ergebnisse der SWOT-Analyse

Nachfolgend die Zusammenfassung des Workshops aus den multiprofessionell zusammengesetzten Arbeitsgruppen für die SWOT-Analyse (Tab 1).

Diskussion und Ausblick

Die Diskussion zeigte, dass sich Onkologiepflegefachpersonen, v.a. im ambulanten Setting als Teil eines breiteren multidisziplinären Behandlungsteams wahrnehmen. Eng verzahnte interdisziplinäre und interprofessionelle Betreuungsansätze ermöglichen die unterschiedlichen Bedürfnisse einer Person nahtlos und friktionsärmer anzugehen (8). Für das Gelingen ist aber nicht nur ausreichendes Fachpersonal notwendig, sondern auch die Notwendigkeit, die interprofessionelle Zusammenarbeit und deren Prozesse gemeinsam mitzugestalten (9). Dabei können die beruflichen Rollengrenzen in der Praxis durchaus nicht immer scharf getrennt verlaufen. Denn damit Patient/-innen nicht durch einen «Raster fallen», müssen alle Mitarbeitenden situativ flexibel auf die Anforderungen reagieren können. Informelle soziale Beziehungen, formalisierte Prozesse und institutionelles «Know-how» wirken komplementär. Hinderlich wirken sich hingegen Zeitdruck, Kommunikationsschwierigkeiten und konkurrierende Prioritäten in der Zusammenarbeit und der Patient/-innenversorgung aus (10). Um in einem Behandlungsteam im Gesundheitswesen effektiv zusammenarbeiten zu können, ist es also elementar, dass gemeinsame Ziele entwickelt werden, klare Rollen, Tätigkeitsfelder und Berufskompetenzen definiert sind, gegenseitiges Vertrauen vorhanden ist, eine effektive Kommunikation gelebt wird und die Prozesse und Ergebnisse transparent gemacht werden (11).

Diskutiert wurden auch AnsƤtze, um die Zufriedenheit und ProduktivitƤt in den interprofessionellen Teams positiv zu beeinflussen, wie die Ā«fish philosophyĀ» oder Ā«management for happinessĀ» (12, 13). Denn Ā«wer zusammen lachen kann, kann auch zusammenarbeitenĀ». Dies fƶrdere die Definition gemeinsamer Zielsetzungen und die Identifikation mit dem Arbeitsumfeld. Auch sei es sehr wertvoll, sich gemeinsam als interprofessionelles Team weiterzubilden und weiterzuentwickeln, wie es beispielsweise in diesen St. Galler Fortbildungstagen angestrebt werde. Die Integration neuerer pflegerischer Berufsrollen wie Ā«Nurse PractitionerĀ» im klinischen Alltag wird als sinnvolle Weiterentwicklung erachtet, wie auch die vermehrte und gezielte Nutzung der bestehenden technischen Mƶglichkeiten, welche oftmals nicht ausgeschƶpft würden.
Aus unserer Sicht war der Workshop für uns und die Teilnehmenden eine inspirierende Gelegenheit, sich ausserhalb des eigenen Arbeitsumfelds mit verschiedensten Anspruchsgruppen auszutauschen, sowie neue Aspekte, Mittel und Wege zu einer effektiveren interprofessionellen Zusammenarbeit zu diskutieren. Wir begrüssen die Schaffung von gemeinsamen Fortbildungen sehr. Ein Anfang wurde in St. Gallen gemacht.

Cornelia Kern Fürer ¹, Dr. med. Walter Mingrone ²
¹ Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland, Onkologiezentrum, 9472 Grabs
² Kantonspital Olten, Onkologie, 4600 Olten

1. Geese, F., Flieder, M. & Schmitt KU: Die Rolle von interprofessioneller Zusammenarbeit (IPZ) im Schnittstellenmanagement bei Personen in komplexen Situationen. Bundesamt für Gesundheit (BAG) Förderprogramm «Interprofessionalität im Gesundheitswesen (2017-2020)». 2020. Online unter https://arbor.bfh.ch/16536/1/Studie%20M20_Schnittstellenmanagement%20und%20 IPZ_BFH_Schlussbericht.pdf
2. Schmitz, Ch., Atzeni, G. & Berchtold, P.: Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (2020) Interprofessionelle Zusammenarbeit in der Gesundheitsversorgung: erfolgskritische Dimensionen und Fƶrdermassnahmen. Differenzierung, Praxis und Implementierung. Swiss Academies Communications, Vol. 15, No 2, 2020. Online unter
3. Mohile SG et al.: Praktische Beurteilung und Management von Schwachstellen bei älteren Patienten, die eine Chemotherapie erhalten: ASCO-Leitlinie für geriatrische Onkologie.J Clin Oncol 2018; 36: 2326-47.
4. Petrakou, A. (2009). Integrated care in the daily work: Coordination beyond organisational boundaries. International Journal of Integrated Care, 9(July), 1–8. doi:10.5334/ijic.325
5. Fliedner, M.C., Eychmüller, S. Ansprüche an die interprofessionelle Zusammenarbeit. Onkologe 22, 631–637 (2016)
6. Teoli D, Sanvictores T, An J. SWOT Analysis. 2023 Sep 4. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2024 Jan–. PMID: 30725987.
7. Łukasz Dekier ā€œThe Origins and Evolution of Lean Management Systemā€, Journal of International Studies, Vol. 5, No 1, 2012, pp. 46-51.
8. Zumstein-Shaha M, Grace PJ: Competency frameworks, nursing perspectives, and interdisciplinary collaborations for good patient care: delineating boundaries. Nurs Philos 2023; 24(1): e12402. Online unter doi:10.1111/nup.12402
9. Tremblay D et al.: Effects of interdisciplinary teamwork on patient-reported experience of cancer care. BMC Health Serv Res 2017; 17(1): 218. Online unter doi:10.1186/s12913-017-2166-7
10. Nic Giolla Easpaig B et al.: The complexities, coordination, culture and capacities that characterise the delivery of oncology services in the common areas of ambulatory settings. BMC Health Serv Res 2022; 22(1): 190. Online unter doi:10.1186/s12913-022-07593-3
11. Rowland P: Core principles and values of effective team-based health care. J Interprof Care 2014;28(1): 79-80. Online unter doi:10.3109/13561820.2013.8209 06
12. Lundin, Stephen C.; Paul, Harry; Christensen, John (2000). Fish!. Hyperion. ISBN 9780340819807
13. Managing for Happiness: Games, Tools, and Practices to Motivate Any Team. Jurgen Appelo; ISBN: 978-1-119-26868-0

ASCO 2024: Interviews mit Schweizer Experten aus Chicago

Schweizer Experten fassen die ASCO Ergebnisse zusammen, moderiert von Prof. Dr. med. Roger von Moos

Eleonore E. Droux, Verlegerin des Aerzteverlag medinfo AG, und Prof. Dr. med. Roger von Moos, Chefredaktor der info@onco-suisse, waren live am ASCO und trafen die Experten vor Ort, um für unsere Kongress-Zeitung über die aktuellen Ergebnisse zu berichten. Hier die wichtigsten Eindrücke und Zusammenfassungen der Schweizer Experten:


Begrüssung Prof. Roger von Moos, Direktor Tumor- und Forschungszentrum, Kantonsspital Graubünden, Chur und Chefredaktor bei info@ONCO-SUISSE


PD Dr. med. Alexander Siebenhüner, Zürich, zum Thema ā€œNeues zu den Gastrointestinaltumorenā€


PD Dr. med. Ursula Vogl, Bellinzona, zum Thema ā€œNeues zu den Urogenitaltumorenā€


PD Dr. med. Michael Mark, Chur, zum Thema ā€œNeues zu den Thoraxmalignomenā€


Dr. med. Michael Schwitter, Chur, zum Thema ā€œNeues zu den Mammakarzinomenā€


Prof. Dr. med. Olivier Michielin, Genf, zum Thema ā€œNeues zu den Melanomenā€


Dr. med. Andreas Müller, Winterthur, zum Thema ā€œNeues zu gynƤkologischen Tumorenā€


Prof. Dr. med. Roger von Moos zum Thema ā€œKnochenmetastasenā€

Update pour mƩdecins gƩnƩralistes

Le rapport suivant est un rĆ©sumĆ© du webinar de FOMF qui se dĆ©roulait le 6 fĆ©vrier 2024 avec la participation des Dres Sophie Waldvogel et Emilia Frangos de l’ HĆ“pital Universitaire de GenĆØve et du Dr Youssef Hosseini de l’ HĆ“pital du Jura.

Fer et paramètres hématologiques

Dre mƩd. Sophie Waldvogel, HUG

Le fer total est d’ environ 4 g chez l’ homme et d’ environ 3 g chez la femme. L’ apport minimal par l’ alimentation est 10 Ć  15 mg de fer, dont 10 % sont absorbĆ©s, ce qui rend environ 1 Ć  2 mg de l’ apport du fer. La perte intestinale est de 1 Ć  2 mg par jour. On perd le fer par la perte de sang. La perte menstruelle est d’ environ 30 mg par mois et 15 Ć  20 mg de fer est utilisĆ© (recyclĆ©) pour l’ érythropoĆÆĆØse constatait la Dre Sophie Waldvogel, GenĆØve. Le fer se rĆ©partit dans l’ organisme sur l’ hĆ©moglobine circulante, la moĆ«lle osseuse, la myoglobine et autres tissus, la transferrine, le foie et le systĆØme rĆ©ticulo-endothĆ©liale. On fabrique environ 180 x 109 Ć©rythrocytes, environ 5.4 g d’ hĆ©moglobine et environ 20 mg de fer. Deux tiers du fer se trouvent dans les Ć©rythrocytes. Le fer se trouve aussi en moindre quantitĆ© dans les muscles, dans la myoglobine et il est stockĆ© dans le foie. Le foie dans des situations pathologiques peut stockĆ© des grammes de fer.

L’ hĆ©pcidine (hormone)
L’ hĆ©pcidine dĆ©couverte en 2001 et synthĆ©tisĆ©e dans le foie, elle se fixe Ć  la ferroportine qui transporte normalement le fer hors de l’ intĆ©rieur des cellules, lorsque l’ hĆ©pcidine est liĆ©e Ć  la ferroportine. Ces cellules ne peuvent plus exporter le fer et le cĆ©der dans le sang Ć  la transferrine, une protĆ©ine de transport. L’ hĆ©pcidine est fortement exprimĆ©e lors d’ une inflammation. En routine l’ hĆ©pcidine n’ est pas mesurĆ©e.

L’ érythroferrone (hormone)
Elle Ć©tait dĆ©couverte en 2014. Elle est synthĆ©tisĆ©e par les progĆ©niteurs Ć©rythroĆÆdes. Elle inhibe l’ expression de l’ hĆ©pcidine et augmente en cas d’ hypoxie, anĆ©mie et Ć©rythropoĆÆĆØse inefficace. Elle n’ est pas non plus mesurĆ©e en routine.

→ Qui commande? Dans l’ anĆ©mie l’ érythroferrone est augmentĆ©e,
l’ hĆ©pcidine abaissĆ©e. L’ érythroferrone contribue Ć  la rĆ©cupĆ©ration
de l’ anĆ©mie en supprimant l’ hĆ©pcidine et en augmentant la disponi-
bilitƩ du fer.
→ Qui commande? Dans l’ inflammation l’ hĆ©pcidine est augmentĆ©e et
le fer ne peut plus être exporté des cellules.

La ferritine
Elle est une nanocapsule de 24 sous-unités (lourdes, légères) et peut enfermer 4500 atomes de fer. Elle protège la cellule contre la formation de radicaux libres. La ferritine est une molécule intra-cellulaire utilisée dans le plasma pour le dosage de la carence en fer.

La dĆ©finition de l’ anĆ©mie ferriprive
HĆ©moglobine <12 g/dl (femme), <13 g/dl (homme) (OMS), hypochromie, microcytose, rĆ©ticulocytes <50 g/L, ferritine <30 ng/ml, sidĆ©ropĆ©nie dĆ©finissent l’ anĆ©mie ferri prive.
L’ oratrice mentionne la publication dans le BMJ par Rushton DH et al: Why should women have lower reference limits for haemoglobin and ferritin concentrations than men (BMJ 2001;322:1355-1357).

L’ hypochromie
Une petite cellule hypochrome peut nous cacher des choses. Au niveau acquis: inflammation, insuffiance rƩnale, hƩmoglobinurie sur hƩmolyse. Au niveau congƩnital: dƩficit en matriptase (IRIDA), A. sidƩroblastique, hƩmoglobinopathie.

Diagnostic diffƩrentiel: ThalassƩmie
– Rapport MCV/MCH<1
– Anisocytose: indice de distribution des globules rouges <15 %
– Tests diagnostiques: HbA2(β), HbF, isoĆ©lectrofocalisation de l’ Hb
(HbC et E), biologie moléculaire (α), ferritine (hépcidine diminuée).

DƩficit en TMPRSS6 IRIDA
– Carence en fer, anĆ©mie rĆ©fractaire
– Mutation du TMPRSS6 avec absence de contrĆ“le sur la transportation de l’ hĆ©pcidine: expression constitutive
– Tests diagnostiques: ↑ hĆ©pcidine sĆ©rique, ↓ saturation de la transferrine et biologie molĆ©culaire
– PrĆ©valence : ā‰ˆ 1 x104

Fer sƩrique (attention au dosage)
Le fer est sujet Ć  une variation nycthĆ©mĆ©rale. Son taux semble atteindre un maximum au milieu de la journĆ©e et un minimum en milieu de la nuit. Son coefficient de variation biologique intra-individuelle est de 27 %. En cas de forte hĆ©molyse, qu’ elle soit intravasculaire in vivo ou in vitro, les taux sanguins de fer augmentent. Sa mesure isolĆ©e est surtout utilisĆ©e pour calculer la saturation de la transferrine (fer sĆ©rique/
transferrine).

La ferritine est le meilleur marqueur pour le diagnostic de l’ anĆ©mie ferriprive.

Le mĆ©tabolisme du fer n’ est pas indĆ©pendant. Il dĆ©pend de l’ inflamĀ­mation, du mĆ©tabolisme du fer, du mĆ©tabolisme hĆ©patique.
Ferritine abaissĆ©e ≤30 ng/ml: 30-50 ng/ml carence en fer fonctionnelle.

Le dosage complĆ©mentaire de CRP et d’ ASAT est justifiĆ©.

Diagnostic diffĆ©renciĆ©: AnĆ©mie inflammatoire. MĆ©canismes: DurĆ©e de vie des Ć©rythrocytes, prolifĆ©ration des progĆ©niteurs Ć©rythroĆÆdes, efficacitĆ© de l’ érythropoĆÆĆ©tine, augmentation de l’ hĆ©pcidine: hypochromie et microcytose (fer disponible dĆ©tournĆ©).

Bilan martial: genre ?
Il existe diffĆ©rents modĆØles d’ accumulation de fer en fonction de l’ âge, du sexe et de la race. Selon l’ étude NHANES les niveaux de ferritine sĆ©rique reflĆØtent des diffĆ©rences graduelles, basĆ©es sur la population, dans les rĆ©serves de fer de l’ organisme. La ferritine monte jusqu’ à l’ âge de 60 ans chez les hommes et descend aprĆØs, tandis que chez la femme il y a une augmentation aprĆØs l’ âge de 40 ans.
La confĆ©renciĆØre montrait l’ abaissement de la ferritine chez les donneurs de sang, qui ne pose pas de problĆØmes dans la communautĆ©.

HƩmolyse: Fer dans tous les Ʃtats
HƩmolyse intravasculaire: hƩmoglobinurie et perte de fer (dƩficit).
HĆ©molyse intra-mĆ©dullaire: (ex: Ć©rythropoĆÆĆØse inefficace en cas de thalassĆ©mie): augmentation de l’ érythroferrone, diminution de l’ hĆ©pcidine, augmentation de l’ absorption de fer.
Rappel: 1 transfusion = 250 mg de fer

Comparaison des mƩthodes de mesures de la ferritine
Toutes les mĆ©thodes de dosage courants se rĆ©alisent au moyen de tests immunologiques. Selon les mĆ©thodes il est possible pour un mĆŖme dosage d’ avoir une diffĆ©rence de l’ ordre de 40 ng/ml entre deux mĆ©thodes (entre deux laboratoires accrĆ©ditĆ©s).
En consĆ©quence : Traiter les analyses dans le mĆŖme laboratoire. Surtout Ć©valuer l’ efficacitĆ© d’ un traitement pour un patient (suivi) dans le mĆŖme laboratoire.

Fatigue inexpliquƩe et anƩmie, apport de fer et fonctions cognitives
Selon une Ć©tude de l’ annĆ©e 2003 (Verdon F et al. BMJ 2003;326 (7399):1124) les femmes non anĆ©miques souffrant de fatigue inexpliquĆ©e peuvent bĆ©nĆ©ficier d’ une supplĆ©mentation en fer. L’ effet peut ĆŖtre limitĆ© aux femmes dont les concentrations de ferritine sĆ©rique sont faibles ou limites.
L’ apport de 260 mg de fer Ć©lĆ©mentaire pendant 8 semaines amĆ©liorait l’ apprentissage verbal et la mĆ©moire chez des filles adolescentes.

Transferrine
La tranferrine est de Fe3+- dans le plasma. Elle est synthƩtisƩe dans le foie avec une demi-vie de 8 jours. Elle est utile avec la saturation pour Ʃvaluer la surcharge en fer (hƩmachromatose).

Conclusions

The winner is:
La ferritine reste le meilleur indicateur du stock total de fer, mais elle doit être mesurée par la même méthode (même laboratoire).
Elle doit ĆŖtre interprĆ©tĆ©e en fonction de l’ état inflammatoire et interprĆ©tĆ©e Ć  distance du traitement intra-veineux.
En cas de manque de fer : l’ anĆ©mie est indicatrice de la sĆ©vĆ©ritĆ© du dĆ©ficit.
En cas de suspicion de surcharge de fer : interprƩtƩe avec le taux de saturation de la transferrine.
Attention : il existe des cas rares d’ excĆØs hĆ©rĆ©ditaire d’ hĆ©pcidine.

GƩriatrie : Approche fonctionnelle et rƩadaption

Vieillissement de la population et espƩrance de vie

Dre mƩd. Emilia Frangos, HUG

Les donnĆ©es Ć©pidĆ©miologiques montrent que la population mondiale va doubler entre 2000 et 2050 et que les personnes Ć¢gĆ©es de plus de 80 ans vont mĆŖme ĆŖtre multipliĆ©es par 4 pour atteindre 395 millions de personnes, disait la Dre Emilia Frangos de l’ HĆ“pital Universitaire de GenĆØve. L’ espĆ©rance de vie Ć  80 ans en Suisse en 2019 Ć©tait 9 ans chez l’ homme et 10.5 ans chez la femme. Le vieillissement se traduit par une augmentation des coĆ»ts des soins. Les enjeux sont multiples non seulement sur le plan Ć©conomique, mais aussi sur le plan social et sanitaire.

Les enjeux du vieillissement de la population
Augmentation du nombre de maladies chroniques. Les annĆ©es de vie en bonne santĆ© correspondent aux annĆ©es qu’ une personne peut espĆ©rer vivre en bonne ou trĆØs bonne santĆ©. En 1992, les hommes de 65 ans pouvait s’ attendre Ć  vivre encore 11.1 annĆ©es en bonne santĆ© et les femmes 11.9 ans. La dĆ©finition de bonne santĆ© est Ā«un Ć©tat de complet bien-ĆŖtre physique, mental et social, qui ne consiste pas seulement en une absence de maladie ou d’ infirmité»
– SantĆ© prise en compte dans sa globalitĆ©
– AssociĆ©e Ć  la notion de bien-ĆŖtre
– DissociĆ©e de la Ā«seuleĀ» maladie

Healthy aging
«Processus de développement et de maintien des aptitudes fonctionnelles qui favorise le bien-être pendant la vieillesse».

DƩfinition fonctionnalitƩ
La dĆ©finition de la fonctionnalitĆ© est la qualitĆ© d’ ĆŖtre apte Ć  bien server. Etat d’ ĆŖtre fonctionnel d’ avoir un bon niveau de fonction corporelle, une capacitĆ© Ć  exĆ©cuter une tĆ¢che et Ć  participer aux activitĆ©s de la vie quotidienne.

Au contraire un handicap est la difficultƩ ou dƩpendance Ơ exercer des activitƩs essentielles Ơ une vie autonome, y compris pour prendre soin de soi et vivre de faƧon autonome dans un domicile et effectuer les activitƩs souhaitƩes jugƩes importantes pour sa qualitƩ de vie.

ModalitĆ©s d’ Ć©valuation de la fonctionnalitĆ©
Handgrip strength, 6 MWT: 6-minute walking test, 4-meter gait speed, TUG (Tuned up and Go), AVQ (activitĆ©s de la vie quotidienne), chair stands time, le SPPB (Short Physical Performance Battery Test) est un instrument de mesure objectif de l’ Ć©quilibre, de la force des membres infĆ©rieurs et de la capacitĆ© fonctionnelle chez les personnes Ć¢gĆ©es, extension des jambes.

FonctionnalitƩ: Facteur prƩdicteur
Handgrip, TUG altĆ©rĆ©, vitesse de marche ralentie, scores bas SPPB et 6MWT : Association avec la mortalitĆ© des patients. Performance au SPPB et vitesse de marche abaissĆ©e : Association avec le dĆ©clin cognitif. Atteinte fonctionnelle (et cognitive) : PrĆ©dicteur d’ assistance dans les AVQ et risque d’ institutionnalisation.

La mesure d’ indĆ©pendance fonctionnelle globale
18 items de fonctionnalité, 6 différents domaines. Score minimum 18 (dépendance totale), maximum 126 (indépendance complète).
Items moteurs : soins personnels, contrƓle des sphincters, mobilitƩ, locomotion.

Items cognitaux : Communication (compréhension, expression, interaction sociale, résolution de problèmes, mémoire), conscience du monde extérieur).

Facteurs pronostics de la fonctionnalitƩ
– Cohorte Trois-ChĆŖne (peu avant 2000) : 1951 patients, Ć¢ge moyen 64.2 ans, mĆ©diane 4 diagnostics, maximum 17, durĆ©e mĆ©diane de sĆ©jour 34 jours, survie mĆ©diane Ć  la sortie 3.26 ans. MIF (mesure de l’ indĆ©pendance fonctionnelle)
– Courbes de survie en fonction de la MIF Ć  l’ entrĆ©e.

Facteur pronostic MIF
Ƃge, sexe, diagnostics mĆ©dicaux = facteurs prĆ©dictifs significatifs de mortalitĆ©. AprĆØs ajustement pour Ć¢ge, sexe et nombre de difficultĆ©s dans la MIF, le risque de mortalitĆ© n’ est plus significativement associĆ© au nombre de diagnostics. Le nombre de difficultĆ© dans la MIF = prĆ©dicteur de mortalitĆ© et reste significatif aprĆØs ajustement pour Ć¢ge, sexe et le nombre de diagnostics mĆ©dicaux. Chaque dĆ©pendance supplĆ©mentaire dans la MIF augmente le risque de mortalitĆ© Ć  6 ans de 8 % (HR 1.08). FonctionnalitĆ© = meilleur prĆ©dicteur de mortalitĆ©.

Réadaptation personne âgée : Objectifs
Diminution des limitations des fonctions organiques et des structures anatomiques, des activitƩs et de la participation.

Autonomie optimale du patient gƩriatrique dans son environnement quotidien.

Diminution des besoins ultĆ©rieurs en soins et rĆ©duction de la dĆ©pendance (afin d’ Ć©viter des admissions inutiles en EMS).
Comment en pratique? → RĆ©habilitation.

Processus de rƩadaptation stationnaire
Evaluation du potentiel de rƩadaptation sur la base de la situation avant hospitalisation.

Bilan initial (Ʃchelles cliniques pluriprofessionnelles).

Lorsque les objectifs sont atteints (plus de potentiel) finalisation soins domicile ou attente des dƩplacement si pas de RAD (retour Ơ domicile).

Pronostic après réadaptation stationnaire
Notamment ortho-gƩriatrique et surtout multidisciplinaire, amƩlioration :
– de l’ indĆ©pendance fonctionnelle (AVQ), >30 % index de Barthel
– de la mobilitĆ© (SPPB)
– de la fonctionnalitĆ© (SPPB, AVQ et AIVQ)
– de la qualitĆ© de vie liĆ©e Ć  la santĆ©
– du risque d’ institutionnalisation Ć  la sortie
→ amĆ©lioration fonctionnelle en rĆ©adaptation dans le Service >10 points de gain entrĆ©e/sortie (delta) Ć  l’ Ć©chelle MIF (mesure d’ indĆ©pendance fonctionnelle)
↑ 5 points du delta MIF augmente la probabilitĆ© de RAD de 25 %

Coeur, rein: analyses biologiques et mƩdicales

Dr mƩd Youssef El Hosseini, HƓpital du Jura

L’ exemple d’ un patient adressĆ© Ć  la consultation de l’ hĆ“pital du Jura Ć©tait prĆ©sentĆ© par le Dr. Youssef El Hosseini, HĆ“pital du Jura, Porrentruy. Il avait 65 ans, syndrome mĆ©tabolique, obĆØse (BMI 28 kg/m2), HTA, diabĆ©tique, hyperuricĆ©mie, dyslipidĆ©mie, tabagique, crĆ©atinine 150-160 μmol/l,
albuminurie estimƩe Ơ 1 g/24h.

Ā« Est-ce que c’ est grave, docteur ? Ā» Par ailleurs : IC avec FEVG Ć  35 %, OMI lĆ©gers (OedĆØmes des membres infĆ©rieurs), TA145/85 mm Hg FC85 b/min. Traitement : Valsartan 80 mg/j, Metoprolol 25 mg/j, Aldactone, Atorvastatin 40 mg/j, TorasĆ©mide 10 mg/j, Metformine 2 x 1g/.

PrƩvention cardiovasculaire chez le patient avec IRC (insuffisance rƩnale chronique)
Le taux de mortalitĆ© standardisĆ© selon l’ Ć¢ge est 0.76 lors d’ une eGFR ≄ 60 ml/min/1.73 m2 et elle est 14.14 lors d’ une eGFR <15 ml/min/1.73 m2. Les Ć©vĆØnements cardiovasculaires sont Ć  2.11 lors d’ une eGFR ≄60 et 36.60 lors d’ une eGFR <15. Le risque de dĆ©cĆØs est supĆ©rieur au risque d’ arrivĆ©e en IRCT.

L’ IRC est une maladie progressive gravement sous-diagnostiquĆ©e Ć  un stade prĆ©coce, et qui conduit Ć  des consĆ©quences fatales lorsqu’ elle est diagnostiquĆ©e Ć  un stade plus avancĆ©.

La SociĆ©tĆ© Suisse de NĆ©phrologie recommande un dĆ©pistage annuel des patients atteints de diabĆØte, d’ hypertension artĆ©rielle et de maladies cardiovasculaires. Aussi selon la KDIGO les patients souffrant de diabĆØte, d’ hypertension et de MCVe devraient faire l’ objet d’ un dĆ©pistage de l’ IRC.

Le syndrome cardio-rƩnal
Insuffisance rĆ©nale associĆ©e Ć  l’ insuffisance cardiaque. Facteurs de risque communs aux pathologies rĆ©nales et cardiaques :
– DiabĆØte de type 2
– HTA
– ObĆ©sitĆ©
La prévalence des néphropathies et des cardiopathies augmente parallèlement.
Doublement de mortalitĆ© de toutes causes en cas d’ association de l’ IC Ć  l’ IRC.

La nouvelle classification de l’ IRC inclut la mesure de l’ albuminurie
Les recommandations sont :
L’ IRC est classifiĆ©e en fonction de (Kidney International 2022;VOL 102 | ISSUE 5S | NOVEMBER 2022
– Cause
– GFR
– Albuminurie

L’ albuminurie prĆ©dit une Ć©volution dĆ©favorable dans la maladie rĆ©nale chronique (MRC)



L’ algorithme pour le diagnostic de l’ insuffisance cardaque selon l’ ESC (Mc Donagh TA et al. Eur. Heart J. 2021; 42: 3599–372)

Facteurs de progression d’ une maladie rĆ©nale chronique et donc aussi d’ aggravation de la dysfonction cardiaque

– Stade de la maladie d’ origine
– Facteurs gĆ©nĆ©tiques
– DiffĆ©rences spĆ©cifiques liĆ©es au sexe
– Facteurs hĆ©modynamiques
• Pression sanguine au niveau du glomĆ©rule
• Statut volĆ©mique
• Pression sanguine systĆ©mique
– Facteurs mĆ©taboliques
• Tabagisme, obĆ©sitĆ©
• Acidose mĆ©tabolique
• Hyper- ou dyslipidĆ©mie
• Apport en protĆ©ine
• Facteurs du diabĆØte type 2

NouveautƩs dans la nƩphro- et cardio-protection
Les Ʃtudes avec des inhibiteurs de SGLT2
DT2 : EMPA REG OUTCOMES, CANVAS, DECLARE-TIMI58, VERTIS.CV
MRC : CREDENCE, DAPA-CKD, SCORED, EMPA-Kidney
IC : DAPA-HF, EMPEROR-Reduced, SOLOIST, EMPEROR Preserved, DELIVER
Les inhibiteurs de SGLT2 admins sont :
Canagliflozine InvocanaĀ®
Dapagliflozine ForxigaĀ®
Empagliflozine JardianceĀ®
Ertugliflozine
Sotagliflozine (inhibiteur double de SGLT1 et SGLT2)
Ipragliflozine (Japon)
Lusegliflozine (Japon)
Tofogliflozine (Japon)
SergliflozineRemogliflozin

Principaux effets physiologiques de l’ inhibition du SGLT2
Effets glycƩmiques de iSGLT2 : Glucosurie
↓HyperglycĆ©mie, ↓GlucotoxicitĆ©, ↑fonction des cellules bĆŖta, ↓poids corporel, ↑NatriurĆØse, ↑diurĆØse osmotique↓, liquide interstitiel, ↓volume du plasma, ↑hĆ©matopoĆÆĆØse, ↓Pression sanguine Le feed-back tubuloglomĆ©rulaire dĆ©signe un mĆ©canisme thĆ©orique de feed-back du systĆØme tubulaire rĆ©nal qui vise Ć  adapter le dĆ©bit de filtration glomĆ©rulaire Ć  la rĆ©sorption tubulaire.

Les iSGLT2 ont un effet bĆ©nĆ©fique chez les patients atteints d’ IRC avec et sans DT2 comme l’ a montrĆ© l’ Ć©tude DAPA-CKD. (RĆ©duction cumulative de 39 %, avec un NNT de 19).

Les traitements qui ont rĆ©duit la mortalitĆ© dans l’ insuffisance cardiaque Ć  FEVG diminuĆ©e sont les IECs et les bĆŖta-bloquants, NYHA II (FEVG ≤35 %) MRA HYHA II FEVG ≤35 % : ARNI, rythme sinusal, FC >70 b/min : Ivrabradine, appareils).

Update 2023 des ESC Guidelines 2021

Utilisation/indication des iSGLT2
Les iSGTL2 ont Ć©tĆ© initialement dĆ©veloppĆ©s pour le traitement du diabĆØte, mais ils ont montrĆ© des effets positifs inattendus sur la fonction cardiaque et rĆ©nale dans les Ć©tudes d’ enregistrement. Les rĆ©sultats de plusieurs grandes Ć©tudes de phase III publiĆ©s ont examinĆ© les effets de cette classe de mĆ©dicaments en cas d’ insuffisance rĆ©nale chronique et d’ insuffisance cardiaque, mĆŖme en l’ absence de maladie diabĆ©tique sous-jacente. Les rĆ©sultats, majoritairement positifs, ont permis d’ Ć©largir constamment le champ d’ application des iSGLT2.

HyperkaliƩmie
L‘ hyperkaliĆ©mie est un des motifs principaux de rĆ©duction ou d’ arrĆŖt d’ un traitement avec inhibiteurs du SRAA. L’ hyperkaliĆ©mie chronique et grave e associĆ©e Ć  une mortalitĆ© Ć©levĆ©e. Alors que les inhibiteurs du systĆØme rĆ©nine-angiotensine-aldostĆ©rone (iSRAA) sont des mĆ©dicaments essentiels dans la prise en charge de l’ IRC et de l’ IC, ces directives obligatoires provoquent malheureusement souvent une hyperkaliĆ©mie induite par les SRAA et les ARM, ce qui constitue une contrainte formidable pour un traitement durable. Dans une Ć©tude rĆ©trospective visant Ć  dĆ©terminer l’ impact de l’ hyperkaliĆ©mie sur le traitement par iSRAA, il a Ć©tĆ© examinĆ© des dossiers mĆ©dicaux dĆ©personnalisĆ©s provenant d’ une grande base de donnĆ©es de dossiers mĆ©dicaux Ć©lectroniques (Humedica ; analysĆ© N = 205 108 patients Ć  partir de 1,7 million de dossiers) afin d’ Ć©tudier l’ impact de l’ hyperkaliĆ©mie sur la dose de iSRAA, et d’ Ć©lucider l’ association entre les niveaux de dose et les rĆ©sultats cliniques. La dose de iSRAA a Ć©tĆ© rĆ©duite ou interrompue chez un nombre important de patients aprĆØs des Ć©pisodes d’ hyperkaliĆ©mie. Les Ć©vĆ©nements indĆ©sirables/morbiditĆ© cardio-rĆ©naux et la mortalitĆ© sont survenus chez 34,3 % des patients qui ont interrompu leur traitement par les iSRAA, contre 24,9 % des patients qui prenaient des doses infĆ©rieures Ć  la dose maximale.

Patiromer (VeltassaĀ®)
Le Patiromer agit en liant les ions de potassium libres dans le tractus gastro-intestinal et en libĆ©rant des ions de calcium pour l’ Ć©change, rĆ©duisant ainsi la quantitĆ© de potassium disponible pour l’ absorption dans la circulation sanguine et augmentant la quantitĆ© excrĆ©tĆ©e par les fĆØces. L’ effet net est une rĆ©duction des niveaux de potassium dans le sĆ©rum sanguin. VeltassaĀ® est disponible dans des doses de 8.4 g et 16.8 g. En gĆ©nĆ©ral l’ intervalle entre la prise de VeltassaĀ® et celle d’ un autre mĆ©dicament par voie orale devrait ĆŖtre de 3 heures. Lors d’ essais cliniques, il a Ć©tĆ© dĆ©montrĆ© que le VeltassaĀ® rĆ©duisait les taux de potassium d’ environ 1 Ć  1.5 mmol/l chez les patients souffrant d’ hyperkaliĆ©mie. Cette rĆ©duction reprĆ©sente un pourcentage de 15 Ć  30 %.

Exemple de patient adressĆ© Ć  la consultation de l’ HĆ“pital du Jura Analyses de laboratoire
Créatininémie: 150-160 μmol/l (MDRD ou CKD-EPI 30-40 l/min/173m2 K+ à 5.8 mmol/l, Bicarbonatémie à 18 mmol/l, Hb à 95 g/l, Ferritine à 90 μg/l et saturation-Trans à 20 %, Vitamines OK, TSH N, Bilan phosphocalcique : Ca2+ 2.4 mmol/l, PO4 2.8 mmol/l, PTH à 18 pmol/l, 25 (OH) Vit D à 40 nmol/l, Uricémie 450 μmol/l, HbA1c à 8 % Prise en charge ?

Cas clinique

Que faire pour amƩliorer la fonction cardio-rƩnale ?
Torasemide → Ć  adapter selon l’ Ć©tat hĆ©modynamique
Introduction d’ iSGLT2 ? Oui.
Supprimer l’ aladactone /Valsartan /MĆ©toprolol ? Ć  cause de l’ hyperkaliĆ©mie ? Non
Corriger l’ acidose mĆ©tabolique ± introduire du Patiromer.
Corriger la carence martiale ± EPO, bilan phsopho-calcique ; hyperuricĆ©mie, diabĆØte, HTA…

Conclusion

– Les mĆ©thodes de nĆ©phro- et cardio-protection se sont largement amĆ©liorĆ©es
– Les avancĆ©es sont trĆØs prometteuses
– L’ identification des patients Ć  risque doit ĆŖtre meilleure
• Informations des mĆ©decins de premier recours
• Information de la population
– L’ adhĆ©rence est un objectif important

Pr Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Windstille an der Tariffront

Dass der TARMED (eingeführt am 01.01.2004 als national einheitliche Tarifstruktur für ambulante Leistungen) veraltet ist und wegen seiner UnverƤnderbarkeit lƤngst hƤtte abgelƶst werden sollen, wird allgemein akzeptiert. Der Aufwand zur Entwicklung eines neuen Tarifsystems (TARDOC) hat der FMH und vielen Ƅrztinnen und Ƅrzten manche lange Nachtarbeit beschert, welche im Frühjahr 2019 abgeschlossen werden konnte.

Als es soweit war (Einreichung am 12.07.2019), wurde der Vorschlag vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) schubladisiert – und viele Monate spƤter zur Überarbeitung zurückgewiesen. Die damals letzte Nachreichung erfolgte am 19.12.2021, und nun war es am 01.12.2023 erneut soweit.
Das BAG hat in den 12 Jahren unter Bundesrat (BR) Berset seine Anzahl Mitarbeitende um über einen Drittel aufgestockt (und das Durchschnittseinkommen der BAG-Mitarbeitenden wesentlich angehoben). Ob dies den Steuerzahler teuer zu stehen kommt, steht hier nicht zur Debatte. Uns Ƅrztinnen und Ƅrzte kostet diese Administrationsflut viel unproduktive Mehrarbeit.

Ist diese Bürokratisierung sogar der Grund, dass der TARDOC bereits seit 5 Jahren beim BAG auf Eis liegt?

Nun ist eine andere BundesrƤtin zustƤndig, und wir sind gespannt, wie sie das Gesundheitswesen weiterentwickeln wird.
In den ersten 10 Wochen ist sie offensichtlich noch nicht dazugekommen, das Dossier, welches von BR Berset verschiedentlich in den Gesamtbundesrat getragen wurde, zu sichten. Eine Einführung des TARDOC auf 2025 dürfte somit vom Tisch sein, und falls TARDOC je eingeführt werden sollte, wird das vor vielen Jahren entwickelte Tarifwerk veraltet sein. Auch das ist eine allseits akzeptierte Feststellung – wirklich schade.

Von den Leistungserbringern, den Versicherungen, allen Tarifpartnern, den Kantonen mit ihrer Hoheit über das Gesundheitswesen bis zum SouverƤn selber sind sich also alle einig, dass es so nicht weitergehen kann – und dennoch geht es weiter (e pur si muove [1633] wird hier entsprechend dem Parkinson’s law [1955] modifiziert: Nichts bewegt sich, und trotzdem geht es weiter).

Die FMH macht es richtig: sie bleibt zwar an der Tariffront aktiv, aber sie startet eine neue Initiative, eine Kommunikationskampagne und blickt so zuversichtlich in die Zukunft. Die Leute sollen erfahren, mit welchem Enthusiasmus wir uns für unsere Patientinnen und Patienten einsetzen.

Was grämen wir uns über den TARMED, wenn wir doch nach wie vor die schönste aller möglichen Tätigkeiten haben? Die tägliche Arbeit bringt uns viel Befriedigung. Und wir dürfen (noch) täglich dieser schönen Arbeit nachgehen, auch wenn sich am Himmel düstere Kriegswolken zusammenballen und die Klimavorzeichen auf Alarm stehen.

Medizinisch steht die Welt keineswegs still, und damit ihr Ć  jour bleibt und die Neuerungen sofort in die Praxis umsetzen kƶnnt, bemühen wir vom medinfo Verlag uns, euch über alle praktischen Neuerungen auf dem Laufenden zu halten – und danken euch für eure aufmerksame Lektüre und für eure Rückmeldungen.
Und wenn wir eines Tages den TARDOC ganz vergessen haben werden, wird sich vielleicht eine Bundesrätin daran erinnern und ihn einführen.

KD Dr. med. Dr. phil. Marcel Weber

KD Dr. med. et lic. phil. Marcel Weber

Chefarzt emeritus Rheumaklinik Triemli
8800 Thalwil

marwebdr@gmail.com

Altersmedizinische Weiter- und Fortbildung in der Schweiz: quo vadis?

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Fast 20 Jahre lang konnte ich Ihnen, zusammen mit dem motivierten Verlagsteam von Ellen Droux, über aktuelle altersmedizinische Themen berichten, zuletzt seit über 13 Jahren im «der informierte arzt»! Zu den Themen Kognition, Mobilität und Ernährung habe ich jeweils selbst versucht, das für die Praxis Relevante zusammenzufassen. In vielen anderen Themen haben mich kompetente Autoren unterstützt und ergänzt. Angesichts Ihrer zahlreichen Rückmeldungen hat mir diese Tätigkeit umso mehr Freude bereitet, als diese Plattform des altersmedizinischen Wissensaustauschs mehr Echos und Rückfragen ausgelöst hat als mancher, in grossen internationalen Journals publizierte wissenschaftliche Originalartikel. Es hat mich sehr gefreut, dass gewisse unserer Beiträge sogar Anlass für angeregte Diskussionen in Balint-Gruppen und anderen Hausarzt-Weiterbildungszirkeln wurden.

Altersmedizinische Fort- und Weiterbildung war mir immer ein grosses Anliegen: Findet doch die altersmedizinische Hauptversorgung in der Hausarztpraxis statt! Angesichts der zunehmend in den Ruhestand tretenden Babyboomer-Generation werden in naher Zukunft altersmedizinische Inhalte in der täglichen Hausarzttätigkeit noch wichtiger werden. Hier stehen sicherlich neben präventiven Massnahmen für einen guten Alterungsprozess vor allem die Früherkennung von beginnender Frailty im Vordergrund. Aber auch die am Horizont stehenden neuen Therapien der Alzheimer-Demenz werden im Alltag einzuordnen sein!

Ich gehöre selbst auch zur Babyboomer-Generation und werde Ende Juni 2025 emeritieren. Die Planung meiner Nachfolge ist bereits in vollem Gang. Nach 38 vollen, interessanten, aber auch sehr dichten Berufsjahren ohne Sabbaticals oder Verschnaufpausen freue ich mich sehr auf die Zeit danach. Viele andere, vor allem auch nichtmedizinische Interessen, werden schon bald meinen Alltag füllen. In dieser Übergangszeit ist es für mich entscheidend, meine vielen Nebentätigkeiten in kompetente Hände weiterzugeben.

Ich fühle mich privilegiert, dass PD Dr. Mathias Schlƶgl meine Herausgeberfunktion fürs Geriatrie Forum im Ā«der Ā­informierte arztĀ» übernimmt. Vom jungen, hoch motivierten Assistenzarzt in meiner Klinik vor 15 Jahren – mit Bilderbuchkarriere in Altersmedizin, breiter klinischer Weiterbildung in Basel und Zürich, einem 3-jƤhrigen Forschungsaufenthalt in den USA und vielen Zusatzausbildungen (auch an der Harvard University) – ist er vor 2 Jahren Chefarzt der Geriatrie und Stv. Leiter des Departements Innere Medizin an der Klinik Barmelweid geworden. An der UniversitƤt Zürich hat er soeben habilitiert. Er ist nicht nur ein Spezialist der Vermittlung von altersmedizinischem Wissen, er ist damit auch Ƥusserst erfolgreich: Zum dritten Mal in Folge wurde er vor kurzem vom Schweizerischen Institut für Ƥrztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) mit dem Ā«SIWF-Award für besonderes Engagement in der WeiterbildungĀ» ausgezeichnet.

Ich danke Mathias von Herzen, dass er sich hier künftig mit all seiner Expertise einsetzen wird, danke aber auch dem Verlag- und Redaktionsteam für die jahrelange grossartige Zusammenarbeit. Letztlich bedanke ich mich aber auch bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser. Ihre Wertschätzung und Feedbacks waren mir Freude, Motivation und Inspiration zugleich!

Herzlich,

Reto W. Kressig, Basel

Prof. Dr. med. Reto W. Kressig

Ƅrztlicher Direktor & Klinischer Professor für Geriatrie
UniversitƤre Altersmedizin FELIX PLATTER & UniversitƤt Basel
Burgfelderstrasse 101
4002 Basel

RetoW.Kressig@felixplatter.ch