
EDITORIAL ASCO
Auch dieses Jahr nahmen wir den Weg nach Chicago an den Kongress der American Society of Clinical Oncology wieder auf uns.
Bereits an der Immigration sah man, dass Corona definitiv als beendet erklƤrt wurde, die Warteschlange an der Passkontrolle hatte Gotthard Ƥhnliche VerhƤltnisse angenommen! Auch im Kongress-GebƤude war ā im Gegensatz zum vorherigen Jahr ā wieder NormalitƤt eingekehrt. Nur die allgegenwƤrtigen Alkoholspender, die kaum mehr genutzt wurden, und vereinzelte Kongressteilnehmer mit Maske erinnerten an die Pandemie.
Dass die Forschung trotz Pandemie keinen vollständigen Stopp gemacht hat, beweisen die vielen Highlights und zum Teil Resultate vom diesjährigen ASCO, die practice changing sind und über die Sie in unserer Kongresszeitung lesen.
Ferner finden Sie Interviews mit PD Dr. Richard Cathomas, Prof. Reinhard Dummer, Prof. Martin Früh, PD Dr. Michael Mark und Dr. Egle Ramelyte.
Stolz sind wir auch, dass wir vor Ort mit Schweizer Experten ein Video organisieren konnten zu den Themen:
Dr. med. TƤmer Philip EI Saadany, Chur, Thema: SAKK 80/19 Raucher Studie, Prof. Dr. med. Martin Früh, St.āGallen & PD Dr. med. Michael Mark, Chur: Thoraxmalignome, Dr. med. Michael Schwitter, Chur: Mammakarzinome, Dr. med. Andreas Müller, Winterthur: GynƤkologische Tumore, Dr. med. Alexander Siebenhüner, Schaffhausen: Obere Gastrointestinaltumore, Prof. Dr. med. et phil. nat. Markus Jƶrger, St. Gallen: Frühe klinische Studien,
PD Dr. med. Richard Cathomas, Chur: Urogenitalkarzinome.
Die Videos finden Sie hier.
Wir wünschen Ihnen bei der Lektüre viel Vergnügen.
Prof.āāDr.āmed.āRoger von Moos & Eleonore E. Droux
EDITORIAL EHA
Rückblick EHA 2023 Kongress: Die Immuntherapie schreitet voran!
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen
Ich freue mich, Ihnen erneut ein paar Hƶhepunkte vom diesjƤhrigen Jahreskongress der europƤischen Gesellschaft für HƤmatologie (EHA) vorstellen zu dürfen. Der Kongress fand in Frankfurt am Main statt und viele Kolleginnen und Kollegen nutzten die Gelegenheit des persƶnlichen Austausches. Die maligne HƤmatologie stellte wie in den Vorjahren Āeinen wesentlichen Schwerpunkt dar und greift zunehmend auf die ĀzellulƤre und humorale Immuntherapie als wesentlichen Eckpfeiler unseres zukünftigen Armamentariums zurück.
Ein gutes Beispiel dafür ist die S1826 Studie (F. Herrera et al., Abstract LBA4), die die Hinzunahme des PD-1-Inhibitors Nivolumab anstelle von Brentuximab Vedotin zur Erstlinien-Chemotherapie bei Kindern und Erwachsenen mit neu diagnostiziertem klassischem Hodgkin-Lymphom (cHL) im Stadium 3 oder 4 getestet hat. Fast 1000 Patienten/innen im Alter > 12 Jahren wurden randomisiert, um 6 Zyklen Nivolumab plus AVD (Doxorubicin, Vinblastin, Dacarbazin) oder Brentuximab-Vedotin plus AVD zu erhalten. Nach 12 Monaten war das progressionsfreie Ćberleben (PFS) mit Nivolumab-AVD signifikant hƶher als mit Brentuximab Vedotin-AVD (94% vs. 86%; HR 0,48). Dieser Vorteil war in allen Untergruppen gleich.
Generell ist die Immuntherapie in der Lymphom- und MyelomĀbehandlung weit fortgeschritten und uns stehen mit bispezifischen Antikƶrpern als auch CAR T Zellen beide neuen Immuntherapien zur Verfügung. Die CAR T Zelldaten sind derzeit ausgereifter und besondere Beachtung erlangte die CARTITUDE-4 Studie (H. Einsele et al., Abstrakt S100) zur Behandlung von Patienten/innen mit Lenalidomid-refraktƤrem Multiplem Myelom nach 1 bis 3 vorangegangenen Behandlungslinien. Verglichen wurde die einmalige Ciltacabtagene-Autoleucel-Infusion mit einer Standardbehandlung (Pomalidomid-Bortezomib-Dexamethason oder Daratumumab-Pomalidomid-Dexamethason). Nach 12 Monaten lag die PFS-Rate der CAR T Gruppe bei 75,9% im Vergleich zu 48,6% für die Standardtherapie. Darüber hinaus wies die CAR T Therapie hƶhere und lƤnger anhaltende Ansprechraten und eine hƶhere NegativitƤt der minimalen Resterkrankung (MRD) auf.
Als letztes mƶchte ich gerne der IELSG Studiengruppe ein KrƤnzchen binden. Sie hat wieder eine Industrie-unabhƤngige, klinisch relevante Therapieoptimierungsstudie in einer selten LymphomentitƤt, dem primƤr mediastinalen B-Zell Lymphom (PMBL), durchgeführt (M. Martelli et al., Abstrakt S101) und belegt, dass eine mediastinale Strahlentherapie bei Patienten/innen, die nach einer Chemoimmuntherapie eine komplette metabolische Remission (CMR) erreicht haben, sicher weggelassen werden kann. Das PFS war mit 96,2% für die Beobachtung vs. 98,5% mit Strahlentherapie nahezu identisch (P = .274) und die Studie unterstützt somit den Verzicht auf eine Strahlentherapie bei PMBL Patienten/innen, die nach einer ChemoĀimmuntherapie eine CMR erreichen.
Ich hoffe, mit diesen ersten Studien Ihr Interesse geweckt zu haben und wünsche viel Spass beim Lesen!
Prof. Dr. med. Christoph Renner