Journal Watch

Melanome

Klinische Untersuchung und Whole-Body Imaging

Die Häufigkeit von malignen Hautmelanomen nimmt weltweit zu. Dadurch steigt die Zahl der Betroffenen, die nach einer Exzision eine medizinische Nachsorge benötigen. Eine strukturierte Nachsorge ist entscheidend, um Rückfälle frühzeitig zu erkennen und Behandlungschancen zu verbessern. Internationale Nachsorgeprogramme unterscheiden sich deutlich in Bezug auf Bildgebungsverfahren sowie hinsichtlich der Häufigkeit und Dauer der Kontrollen, da keine relevanten Studien vorliegen. Die schwedische TRIM-Studie untersucht derzeit, ob ein gezielter zusätzlicher Einsatz von Bildgebung in der Nachsorge das Gesamtüberleben bei Hochrisiko-Melanom-Patienten positiv beeinflussen kann. Ziel der Nachsorge ist es, Rückfälle und neue Primärtumoren frühzeitig zu erkennen und die Überlebensrate zu verbessern.



Methoden

Die randomisierte Phase-3-Studie wurde an insgesamt 19 Standorte durchgeführt. Die Rekrutierung und Zuteilung der Patienten erfolgte im Zeitraum vom Juni 2017 bis August 2023 innerhalb von 8 Wochen nach der Operation. Einschlusskriterien waren Alter ≥ 18 Jahre, Exzisionen bei Stadium IIB-C oder III kutanes malignes Melanom, ausreichende Nierenfunktion für Kontrastmittel-CT. Ausschlusskriterien waren unter anderem Lebenserwartung < 2 Jahre durch andere Erkrankungen, Teilnahme an anderen Studien mit Interferenzen der TRIM-Studie, bestehende oder in den letzten 5 Jahren diagnostizierte Krebserkrankungen (mit Ausnahme von in-situ Mamma- und Cervixkarzinomen, Melanomen in-situ, malignem Melanom, nichtmelanozytärem Hautkrebs) Schwangerschaft oder geplante Schwangerschaft. Die Standardgruppe umfasste klinische Untersuchungen alle 6–12 Monate, ein Ultraschall der Lymphknoten bei positivem Sentinel-Lymphknoten sowie Bildgebung bei adjuvanter Therapie nach 6 Monaten. Die Interventionsgruppe umfasste Blutuntersuchungen von S100B und LDH bei 0, 6, 12, 24, 36 Monaten sowie ein CT oder FDG-PET-CT zu denselben Zeitpunkten.

Der primäre Endpunkt der TRIM-Studie ist das Gesamtüberleben über fünf Jahre. Sekundäre Endpunkte umfassen die gesundheitsbezogene Lebensqualität, welche durch eine Umfrage QLQ-30 erhoben wurde sowie Angst und Depression (HAD-Skala) während der dreijährigen Interventionsphase. In der Zwischenanalyse wurden zusätzlich rückfallfreies Überleben, fernmetastasenfreies Überleben und lokal-regional rückfallfreies Überleben betrachtet, mit Fokus auf den Gruppenvergleich über den gesamten Beobachtungszeitraum.

Ergebnisse

In der Zwischenanalyse der TRIM-Studie wurden 1008 Teilnehmende randomisiert, davon verblieben 498 in der Standardgruppe und 485 in der Interventionsgruppe. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 33.6 Monaten zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich Gesamtüberleben, rückfallfreiem Überleben, Fernmetastasen oder lokal-regionalen Rückfällen. Auch der Vergleich von CT- und FDG-PET-CT innerhalb der Experimentalgruppe ergab keine statistisch relevanten Unterschiede.

Schlussfolgerungen

Die TRIM-Studie ist die erste randomisierte Untersuchung zur Bildgebung in der Nachsorge bei Hochrisiko-Melanom. In der Zwischenanalyse zeigte sich kein signifikanter Überlebensvorteil für Patientinnen und Patienten. Frühere Studien und aktuelle Evidenz deuten darauf hin, dass Bildgebung zwar zu einer früheren Erkennung von Fernmetastasen führen kann, dies aber nicht zwangsläufig das Gesamtüberleben verbessert. Die Ergebnisse sind vorläufig und sollten mit Vorsicht interpretiert werden. Die finale Auswertung könnte zukünftige Leitlinien beeinflussen.

Aus prospektiven randomisierten Studien zur adjuvanten Therapie in dieser Risikogruppe wissen wir, dass etwa 30 % der Rezidive viszerale Organe alleine betreffen. Diese werden ohne Ganzkörper Bildgebung verpasst.

Bei sehr erfolgreichen therapeutischen Optionen für die Therapie der Fernmetastasierung ist das schon bedenklich. Wer kann hier mit Sicherheit sagen, dass einzelnen Patienten kein Nachteil entsteht?

Alexander Khau, Prof. Dr. med. Reinhard Dummer

Quellen
Ladjevardi C. et al._Physical examinations and whole body imaging versus physical examinations alone during follow up after radical surgery of stage IIB C_Lancet Oncol 2025

Prof. Dr. med. Reinhard Dummer

– Senior Consultant
Klinik für Dermatologie
Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100, 8091 Zürich
reinhard.dummer@usz.ch

– Leiter Hautkrebszentrum
Kantonsspital Aarau, Hautkrebszentrum
Bahnhofplatz 3C
5001 Aarau
reinhard.dummer@ksa.ch

info@onco-suisse

  • Vol. 16
  • Ausgabe 2
  • Mai 2026