- Aktuelle Herausforderungen in der Arzneimittelversorgung
Zwischen globalen Abhängigkeiten, Kostendruck und steigender Komplexität im Praxisalltag gerät die Arzneimittelversorgung zunehmend unter Druck. Fragen zur Versorgungssicherheit und zur Finanzierbarkeit rücken immer mehr ins Zentrum. Die APA-Info-Veranstaltung 2026 beleuchtete diese Herausforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven.
Am 12. März 2026 lud der Verein «APA – Ärzte mit Pa-tientenapotheke» ins Landesmuseum Zürich zur öffentlichen Info-Veranstaltung ein. Im Fokus standen aktuelle Herausforderungen rund um die Arzneimittelversorgung – aus politischer, ökonomischer und hausärztlicher Sicht.
Im Spannungsfeld geopolitischer ÂEntwicklungen
Dr. René P. Buholzer, Geschäftsführer der Interpharma, zeigte auf, wie geopolitische Entwicklungen die Arzneimittelversorgung prägten. Nationale Interessen manifestierten sich zunehmend in Produktionsverlagerungen, protektionistischen Massnahmen oder neuen Preisregimen, so Buholzer. Für die Schweiz als kleiner, aber innovationsstarker Pharmastandort ergebe sich daraus ein besonders sensibles Umfeld. Preisregulierungen im Ausland könnten dazu führen, dass Unternehmen ihre Markteinführungsstrategien anpassten – mit der Folge, dass innovative Therapien in der Schweiz nur verzögert oder gar nicht verfügbar seien. Die Versorgungssicherheit sei daher nicht nur eine Frage der Logistik, sondern hänge auch wesentlich von internationalen Entwicklungen ab.
Versorgungssicherheit und Finanzierbarkeit
Die Direktorin von prio.swiss, Saskia Schenker, beleuchtete die Versorgungssituation aus der Perspektive der Versicherer. Der Zugang zu Medikamenten sei in der Schweiz gut, gerate aber zunehmend unter Druck. Komplexe Vergütungsprozesse und langwierige Preisverhandlungen führten dazu, dass neue Therapien nicht immer zeitnah verfügbar seien. Gleichwohl gewinne die Vergütung im Einzelfall an Bedeutung – ein Instrument, das Zugang ermögliche, jedoch mit einem enormen Aufwand verbunden sei. Der Anspruch auf einen raschen Zugang zu Innovationen stehe in einem engen Spannungsfeld zur Finanzierbarkeit und stelle das System vor wachsende Herausforderungen.
Die Medikationsliste im Praxisalltag
Prof. Dr. med. Dr. phil. Sven Streit, Hausarzt und Leiter Interprofessionelle Grundversorgung an der Universität Bern, brachte die hausärztliche Sicht ein. Im Zentrum seines Beitrags stand die Medikationsliste als zentrales Instrument der Patientenversorgung. Streit führte aus, dass immer mehr Patientinnen und Patienten mehrere Medikamente gleichzeitig einnähmen. In Kombination mit der medizinischen Spezialisierung führe dies zu einer Fragmentierung der Behandlung, was die Übersicht erschwere und das Risiko von Medikationsfehlern erhöhe. Digitale Lösungen wie der eMediplan könnten Abhilfe schaffen, indem sie für Transparenz sorgten, Verantwortlichkeiten klärten und die interprofessionelle Zusammenarbeit stärkten.
Aktive Standespolitik
Die FMH-Präsidentin Dr. med. Yvonne Gilli bot abschliessend einen Überblick über die aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklungen in «Bundesbern». Im Fokus standen Tariffragen, Digitalisierungsprojekte sowie laufende Gesetzesrevisionen. Gilli zeigte auf, dass zahlreiche politische Vorstösse direkte Auswirkungen auf den ärztlichen Alltag hätten – etwa bei der Finanzierung der medizinischen Ausbildung, der Einführung elektronischer Gesundheitsdossiers oder bei Fragen rund um Medikamentenimporte und Substitutionspflichten. Eine geeinte Ärzteschaft sei deshalb für die standespolitische Interessenvertretung von grösster Bedeutung.
Abgestimmte Lösungen
Die Referate zeigten, wie eng globale Entwicklungen, Kostenfragen und die Versorgungsrealität im Praxisalltag verknüpft sind. Um tragfähige Lösungen zu finden, ist die Zusammenarbeit aller Akteure nötig. In diesem Sinn wird sich auch die APA als Vertreterin der selbstdispensierenden Ärztinnen und Ärzte weiterhin in die Diskussion miteinbringen.
Alina Güttinger, APA-Projektleiterin










