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Verheiratete haben weniger häufig Krebs
Es gilt epidemiologisch als gesichert, dass verheiratete Personen eine frühere Krebsdiagnose und ein besseres Überleben haben als unverheiratete. Weniger klar ist die Situation hinsichtlich Krebshäufigkeit. Die Autoren untersuchten die Krebsinzidenz abhängig vom Familienstand hinsichtlich verschiedener Krebsarten, Geschlecht, Rasse/Ethnie und Alter. Sie analysierten anhand des American Community Survey (2015–2022) Überwachungs-, Epidemiologie- und Endergebnisdaten in 12 US-Bundesstaaten für Erwachsene im Alter von ≥ 30 Jahren. Altersbereinigte Inzidenzraten wurden berechnet, und negative binomiale Regression schätzte Inzidenzratenverhältnisse (IRR) im Vergleich zwischen niemals verheirateten mit jemals verheirateten Erwachsenen, aufgeschlüsselt nach Geschlecht, Altersgruppe und Krebsart. Nie verheiratete Erwachsene hatten eine höhere Krebsinzidenz (IRR 1,68 bei Männern und 1,85 bei Frauen) für nahezu alle wichtigen Krebsarten und für rassische/ethnische Gruppen (beispielsweise IRR 1,62 bei weissen Männern bis 1,96 bei schwarzen Männern). Nie verheiratete schwarze Männer hatten die höchste Krebshäufigkeit; unter den jemals verheirateten Männern hatten schwarze Männer niedrigere Raten als weisse Männer. Bei Männern erreichten die artspezifischen IRRs bei Analkrebs 5,04; bei Frauen 2,64 bei Gebärmutterhalskrebs. Ausgeprägte Unterschiede wurden bei gynäkologischen Krebsarten sowie bei Krebsarten im Zusammenhang mit Infektionen, Tabak und Alkohol beobachtet, während die Unterschiede bei Brust-, Schilddrüsen- und Prostatakrebs geringer waren. Jemals verheiratete Erwachsene zeigten durchwegs ein geringeres Krebsrisiko.
Fazit
Das Ausmass und die Artspezifität deuten darauf hin, dass der Familienstand das Krebsrisiko durch kumulative soziale und verhaltensbezogene Wege beeinflusst, einschliesslich der Inzidenz für infektionsbedingte und lebensstilassoziierte Krebsarten. Diese Daten belegen zusätzlich zur früheren Krebs-Diagnosestellung und der besseren Überlebenschance, dass auch die eigentliche Krebshäufigkeit bei verheirateten Personen niedriger ist als bei unverheirateten, ohne dass plausible Gründe genannt werden.
KD Dr. med. lic. phil. Marcel Weber
Literatur
Pinheiro P.S. et al. Marriage and Cancer Risk: A Contemporary Population-Based Study Across Demographic Groups and Cancer Types. Cancer Res Commun 2026;6(4):783-791. doi: 10.1158/2767-9764.CRC-25-0814. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41949036/
Mehrsprachigkeit schützt vor beschleunigtem Altern
Longevity und Alterungsprozesse haben eine grosse Popularität. Die Autoren entwickelten ein System zur Messung des Alterns, indem sie verzögertes oder beschleunigtes Altern bei 86 149 Teilnehmern in 27 europäischen Ländern quantifizierten. Nationale Umfragen lieferten individuelle positive Faktoren (funktionelle Fähigkeit, Ausbildung, Kognition) und negative Faktoren (kardiometabolische Erkrankungen, weibliches Geschlecht, sensorische Beeinträchtigungen), und Mehrsprachigkeit diente als aggregierte Exposition. Biobehaviorale Faktoren konnten das Alter vorhersagen (R2 = 0,24, r = 0,49, Wurzelmittelwert 8,61), wobei positive Faktoren mit verzögertem Altern und negativen Faktoren mit beschleunigtem Altern verknüpft waren. Mehrsprachigkeit trat als Schutzfaktor in Querschnittsanalysen (Odds Ratio 0,46) und Längsschnittanalysen (relatives Risiko 0,70) hervor mit über zweifacher Schutzwirkung, während Monolingualismus das Risiko eines beschleunigten Alterns um über zweifach erhöhte (Odds Ratio 2,11; relatives Risiko 1,43). Das Sprechen einer zusätzlichen zweiten Sprache war 1,3 Mal, jenes von zwei Sprachen 1,96 Mal und das von drei oder mehr Sprachen 1,56 Mal stärker mit verlangsamtem Altern verbunden. Die Effekte blieben nach Anpassung an sprachliche, physische, soziale und soziopolitische Expositionen bestehen.
Fazit
Diese Studie in 27 europäischen Ländern unterstreicht die schützende Rolle der Mehrsprachigkeit für das Altern: mehrsprachige Personen altern langsamer. Dieses Resultat könnte Eingang in globale Gesundheitsinitiativen finden. Interessant wäre auch, eine Population von Personen zu untersuchen,
welche im Alter eine neue Sprache erlernen.
KD Dr. med. lic. phil. Marcel Weber
Literatur
Amoruso L. et al. Multilingualism protects against accelerated aging in cross-sectional and longitudinal analyses of 27 European countries. Nat Aging 2025;5(11):2340-2354. doi: 10.1038/s43587-025-01000-2. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41214212/
Tenside als WirkstoffÂträger gegen HIV
Tenside sind amphiphile chemische Verbindungen, welche die Oberflächenspannung von polaren und unpolaren Flüssigkeiten herabsetzen. Sie ermöglichen die Dispersion von eigentlich nicht miteinander mischbaren Flüssigkeiten, wie zum Beispiel Öl und Wasser.
Eine kürzlich publizierte Arbeit bietet einen detaillierten Überblick über die Funktion von Tensiden in der HIV/AIDS-Therapie, wobei der Schwerpunkt auf der Verabreichung von Medikamenten, direkten antiviralen Wirkmechanismen und Formulierungen von Mikrobiziden liegt.
Der Einsatz von auf Tensiden basierender Nanotechnologie in der antiretroviralen Therapie hat zur Entwicklung von Liposomen, polymeren Mizellen, Nanoemulsionen und tensidmodifizierten Biomaterialien geführt, die eine kontrollierte Freisetzung und eine erhöhte Bioverfügbarkeit von antiretroviralen Wirkstoffen ermöglichen.
Darüber hinaus besitzen viele Tenside eine inhärente antivirale Aktivität, die die virale Lipidhülle aufbricht, die Virusvermehrung hemmt und verhindert, dass HIV in Wirtszellen eindringt. Der Artikel untersucht zudem das Potenzial von Biosensoren auf Tensidbasis für die HIV-Diagnostik und hebt deren Rolle bei der Verbesserung von Sensitivität und Selektivität sowie die jüngsten Fortschritte bei der Formulierungsentwicklung unter Verwendung von Tensiden wie Natriumlaurylsulfat, Poloxameren und Biotensiden hervor, wobei deren Sicherheit, Biokompatibilität und klinisches Potenzial betont werden.
Zentrale Herausforderungen wie Skalierbarkeit, Umweltauswirkungen und Akzeptanz bei den Anwendern werden neben neuen KI-gestützten Ansätzen für die personalisierte Nanomedizin erörtert. Die Toxizität von Tensiden und ihre begrenzte Biokompatibilität bleiben jedoch zentrale Hindernisse. Die Entwicklung sicherer und wirksamerer Tenside ist für den künftigen klinischen Fortschritt unerlässlich.
Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen
Literatur
Nagaraj K Surfactant-based drug delivery strategies for HIV/AIDS therapy: advances in formulation and clinical translation. Pharm Dev Technol 2026 Jan;31(1):1-33.





