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Aktuelles zur HPV-Impfung in der Schweiz

Humane Papillomaviren (HPV) gehören zu den häufigsten durch Intimkontakte übertragenen Infektionen mit der höchsten Prävalenz in den ersten Jahren nach den ersten Sexualkontakten. Einige dieser HPV-Viren sind onkogen und können zu Dysplasien und Krebserkrankungen verschiedener Organe und insbesondere Zervixkarzinomen führen. Als Schutz wird seit 2007 die HPV-Impfung empfohlen. Aktuell ist in der Schweiz als Impfstoff nur noch Gardasil9® zugelassen. Die Empfehlung für alle Geschlechter ist eine Impfung zwischen 11–26 Jahre unabhängig von der sexuellen Vorgeschichte und der Zervixzytologie bzw. HPV-Testung. Neu kann zwischen 15–26 Jahren off-label das 2-Dosen-Schema (0, 6 Monate) wie bei 11–14-Jährigen angewendet werden. Nicht mehr empfohlen wird die systematische HPV-Impfung nach zervikalen Exzisionen bei Frauen >26 Jahren.



Human Papilloma Viruses (HPV) belong to the infections most commonly transmitted through intimate contacts with the highest prevalence during the first years after the first sexual contacts. Some of these HPV viruses are oncogenic and can lead to dysplasia and cancer of various organs, especially cervical carcinoma. As protection, the HPV-vaccine has been recommended since 2007. Currently, Gardasil9® is the only approved HPV-vaccine in Switzerland. The vaccine is recommended for all sexes between 11–26 years, without considering their sexual history and previous cervical cytology or HPV-tests. Since recently, people between 15–26 years can also be given the 2-dose-scheme (0, 6 months) like the 11–14-year-olds, but as off-label use. The systematic HPV-vaccination after cervical excision in women >26 years is no longer recommended.
Keywords: Humanes Papillomavirus (HPV), HPV-Impfung, HPV-Impfempfehlung

Hintergrund

Infektionen mit HPV gehören zu den häufigsten durch Intimkontakte übertragenen Infektionen. Über 80 % der sexuell aktiven Bevölkerung infiziert sich mindestens einmal im Leben. Die höchste Prävalenz besteht in den ersten Jahren nach den ersten Sexualkontakten bis etwa zum 30. Lebensjahr. Ca. 40 der über 200 bekannten HPV-Genotypen infizieren den Genitalbereich und werden in zwei Gruppen unterteilt: die onkogenen und die nicht-onkogenen HPV-Typen. Die meisten HPV-Infektionen sind asymptomatisch und bei Immunkompetenten nur transient nachweisbar. Die nicht-onkogenen Typen können auch zu benignen Veränderungen wie Genitalwarzen führen und die onkogenen Typen zu Dysplasien und Krebserkrankungen der Zervix, der Vulva, der Vagina, des Anus und des HNO-Bereichs. Der HPV-Genotyp und seine Persistenz sind entscheidend für die onkogene Entwicklung, wobei HPV 16 und 18 für mindestens 70 % der Zervixkarzinome verantwortlich sind.

In der Schweiz gibt es pro Jahr 230–250 neue Zervixkarzinome, 120 bzw. 60–80 neue Analkarzinome bei Frauen bzw. Männern und ca. 5000 HSIL(CIN2) oder höher.

Seit 2007 wird die HPV-Impfung empfohlen; zuerst als Schutz vor Gebärmutterhalskrebsvorstufen und -krebs, im Verlauf als Basisimpfung für alle Kinder und Jugendlichen zum Schutz vor HPV-assoziierten Erkrankungen.
In der Schweiz wird seit 2019 nur noch der HPV-Impfstoff Gardasil9® verwendet, welcher gezielt gegen die nicht-onkogenen HPV-Genotypen 6 und 11 sowie die onkogenen 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58 schützt. Wenn die vollständige Impfung vor dem ersten sexuellen Kontakt erfolgt, ist der Schutz gegen HPV-assoziierte zervikale Erkrankungen vollständig und gegen HPV-bedingte HNO-, Vulva- und Analkarzinome gemäss der aktuellen Datenlage ebenfalls gut. Bei Impfung mit Gardasil® und Cervarix® vor dem 16. Lebensjahr besteht eine bis zu 80 % Reduktion von Zervixkarzinomen und bei Gardasil® ein sehr hoher Schutz vor anogenitalen Kondylomen. Die Prävalenz von HPV 16 und 18 bei geimpften und ungeimpften Frauen unter 26 Jahren ist ebenfalls rückläufig (59 % seit Einführung der Impfung), was auf einen ausgeprägten Herdeneffekt hinweist.

Die WHO verfolgt im Rahmen der «Cervical Cancer Elimination Strategy» aus dem Jahr 2020 festgelegte internationale Ziele zur Bekämpfung von Gebärmutterhalskrebs bis 2030, was das BAG unterstützt. Ein Ziel ist, dass 90 % aller Mädchen vor dem 15. Lebensjahr gegen HPV geimpft werden, weshalb das BAG das Schweizer HPV-Impfziel von 80 % auf 90 % Geimpfte angehoben hat.

Impfschema

Die HPV-Impfung in der Schweiz gilt seit 2024 unabhängig vom Geschlecht als Basisimpfung mit der Empfehlung, Kinder und Jugendliche ab 11 Jahren zu impfen. Dies erfolgt bis zum 31.12.2026 als Impf-Sondersituation im Rahmen kantonaler Impfprogramme und wird nur dann von den kantonalen Behörden finanziell übernommen. Es gibt Pläne, dass die HPV-Impfung wie andere Impfungen auf die Spezialitätenliste (SL) überführt wird (Tab. 1).

Empfehlung zur Impfung bis 26 Jahre unabhängig vom Zeitpunkt des ersten Intimkontakts und ohne vorherige Testung auf stattgefundene HPV-Infektionen.

Es gibt keine Hinweise, dass eine Auffrischimpfung nötig ist bei Einhaltung des Impfschemas. Eine Antikörperbestimmung nach Impfung ist nicht sinnvoll. Der HPV-Impfstoff kann mit allen anderen ggf. notwendigen Impfstoffen verabreicht werden (entgegen der Produkteinformation auch mit dem HBV-Impfstoff).

Schemata mit reduzierten Impfdosen

Immer mehr Länder und die WHO empfehlen, die Impfung ab 15 Jahren von 3 auf 2 Dosen zu reduzieren, auf Basis neuer wissenschaftlicher Evidenz mit vergleichbarer Wirksamkeit. Die Stellungnahme der EKIF und des BAG lautet: «Für die Altersgruppe 15 bis 26 Jahre existiert die Empfehlung für das zugelassene 3-Dosen-Schema. Auf Basis der nun neu vorliegenden Real-World-Evidenz-Daten kann auch ein 2-Dosen-Schema mit einem Mindestabstand von 6 Monaten zwischen den Impfdosen off-label angewendet werden, wie dies auch in benachbarten Ländern off-label empfohlen wird.» Es ist nicht absehbar, dass das Impfschema angepasst wird, da nur der Impfstoffhersteller als Zulassungsinhaber den Antrag zur Zulassungsanpassung bei der Swissmedic beantragen kann. Da parallel aktuell Bestrebungen bestehen, die HPV-Impfung vom kantonalen Programm in die Regelstrukturen zu überführen inkl. Spezialitätenliste (SL), kann diese Aufnahme nur innerhalb der Zulassung durch die Swissmedic erfolgen (d.h. für 15–16-Jährige mit 3-Dosen-Schema).

Nebenwirkungen

Die HPV-Impfung ist gemäss aktuellen Daten sehr sicher. Die häufigsten Nebenwirkungen sind 67–92 % Schmerzen und Rötungen der Injektionsstelle und 16.6 % Kopfschmerzen. Selten kommt es zu Übelkeit, Fieber oder Schwindel. Bei unter 1 % wurden Urtikaria-ähnliche Reaktionen und bei unter 0.01 % allergisch bedingte Atemnot beschrieben. Ein Zusammenhang zwischen der Impfung und autoimmunen und neurologischen Krankheiten wurde in keinen Daten festgestellt, wie auch kein Anstieg des sexuellen Risikoverhaltens von Geimpften.

Nachsorge bei HPV-geimpften Frauen

Die Vorsorgeuntersuchung zur Gebärmutterhalskrebsprävention wird unabhängig vom Impfstatus allen Personen mit Gebärmutter ab 21 Jahren gemäss Expertenbrief Nr. 50 der SGGG empfohlen.

HPV-Impfung nach zervikaler Exzision

Die HPV-Impfung soll Frauen >26 Jahren nach zervikaler Exzision neu nicht mehr systematisch empfohlen werden, da randomisierte, prospektive Studien keinen Nutzen zeigen konnten.

HPV-Impfung und Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft ist die HPV-Impfung nicht indiziert. Da es sich um einen inaktivierten Impfstoff ohne teratogenes Risiko handelt, ist ein Schwangerschaftsabbruch nach Impfung in üblicher Dosis zu Beginn einer unbekannten Schwangerschaft nicht indiziert. Eine ausstehende 2. und 3. Impfung können nach abgeschlossener Schwangerschaft direkt nach Entbindung durchgeführt werden, ohne Wiederholung.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Anthea K. Denz

Assistenzärztin Gynäkologie und
Geburtshilfe/Dysplasie-Rotation
Universitäts-Frauenklinik Basel
Vogesenstrasse 134
4031 Basel

Dr. med. André B. Kind, MPH

Stv. Chefarzt Gynäkologie/
Ärztlicher Leiter gynäkologisches Ambulatorium der Frauenklinik
Universitäts-Frauenklinik Basel
Vogesenstrasse 134
4031 Basel

Die Autorenschaft hat keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

Alle Geschlechter zwischen 11–26 Jahren sollen Zugang zur HPV-Impfung haben. Die sexuelle Vorgeschichte und die bisherigen ­Zytologien oder HPV-Testungen spielen keine Rolle. Das Durch­impfungsziel beträgt 90 %. Zwischen 15–26 Jahren kann basierend auf der wissenschaftlichen Evidenz off-label das 2-Dosen-Schema (0, 6 Monate) angewendet werden. Nach zervikaler Exzision wird Frauen > 26 Jahren nicht mehr systematisch die HPV-Impfung ­empfohlen.

1. Kommission Qualitätssicherung SGGG. (2021). HPV-Impfung. Expertenbrief Nr. 74. Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG).
2. Kommission Qualitätssicherung SGGG. (2026). HPV-Impfung. Expertenbrief ENTWURF. Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG).
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