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Langzeitverlauf nach partieller Meniskektomie

Die finnischen Autorinnen und Autoren präsentieren die 10-Jahres-Ergebnisse einer randomisierten, Sham-kontrollierten Studie zur arthroskopischen partiellen Meniskektomie (APM) bei degenerativen Meniskusrissen ohne fortgeschrittene radiologische Arthrose. Die Studie sollte die Frage beantworten, ob die häufig durchgeführte Operation langfristig einen klinischen Vorteil gegenüber einer Scheinoperation bietet. In der ursprünglichen Studie (Finnish Degenerative Meniscal Lesion Study (FIDELITY) N Engl J Med 2013;369(26):2515-24) konnte nach 12 Monaten keine Überlegenheit der APM gegenüber der Scheinoperation gezeigt werden.

In die ursprüngliche multizentrische Studie wurden 146 Patienten eingeschlossen. und randomisiert (APM vs. Sham-Operation). Die Patienten und Outcome-Assessoren waren verblindet. 10-Jahres-Follow-up-Daten konnten bei 64 von 70 Patienten in der APM-Gruppe und bei 69 von 76 in der Sham-Gruppe erhoben werden.

Nach 10 Jahren zeigte sich kein klinisch relevanter Vorteil der Meniskektomie gegenüber der Scheinoperation bezüglich der primären Studienendpunkte. Der Western Ontario Meniscal Evaluation Tool (WOMET)-Score war sogar signifikant schlechter in der APM-Gruppe (Differenz −9.4 Punkte), während sich der Lysholm-Score (8-Item-Fragebogen zur Kniefunktion und Symptome sowie Aktivitäten des täglichen Lebens) und Belastungsschmerzen sich nicht signifikant unterschieden. Insgesamt zeigte sich keine konsistente Verbesserung funktioneller oder schmerzbezogener Parameter durch die Operation.

Bezüglich struktureller Veränderungen trat eine radiologische Arthroseprogression numerisch häufiger nach APM auf (81 % vs. 70 %), ohne klare statistische Signifikanz. Knieprothesen oder hohe tibiale Osteotomien waren häufiger in der APM-Gruppe (12 % vs. 4 %).

Auch sekundäre Endpunkte (Zufriedenheit, Rückkehr zu Aktivitäten, mechanische Symptome) zeigten keine Vorteile der Operation.

Fazit
Die Ergebnisse der 10-Jahres-Langzeitdaten der ursprünglichen FIDELITY-Studie bestätigen die bereits in früheren Studien gezeigten Befunde: Die arthroskopische partielle Meniskektomie bietet bei degenerativen Meniskusrissen keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber konservativem Vorgehen bzw. einer Schein­operation.

Zudem bestehen Hinweise, dass die arthroskopische partielle Meniskektomie die strukturelle Degeneration des Kniegelenks tendenziell fördert und gelenkerhaltende oder -ersetzende Eingriffe in den ersten zehn Jahren nach der APM erhöht. Dementsprechend sollte die Indikation zur arthroskopischen partiellen Meniskektomie bei degenerativen Meniskusrissen zurückhaltend gestellt werden.

KD Dr. med. lic. phil. Marcel Weber

Literatur
Kalske R. et al. Arthroscopic Partial Meniscectomy for Degenerative Tear – 10-Year Outcomes. N Engl J Med 2026;394(17):1757-1759. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42054686

Sinkendes Vitamin B12 unter Metformin?

Metformin wird zunehmend auch bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt, etwa bei Typ-2-Diabetes, Adipositas, Insulinresistenz oder polyzystischem Ovarialsyndrom. Bei Erwachsenen ist ein Zusammenhang zwischen einer längerfristigen Metformintherapie und Vitamin-B12-Mangel gut beschrieben. Für pädiatrische Patienten war die Datenlage bislang jedoch unklar. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Single-Arm-Metaanalyse untersuchte deshalb erstmals gezielt den Einfluss von Metformin auf den Vitamin-B12-Status bei Kindern und Jugendlichen.

Methoden
Die Autoren durchsuchten PubMed, Scopus und Web of Science bis April 2025. Eingeschlossen wurden Studien mit Patienten unter 18 Jahren, die Metformin erhielten und bei denen Vitamin-B12-Werte erfasst wurden. Insgesamt erfüllten fünf Studien die Einschlusskriterien: drei randomisierte kontrollierte Studien und zwei Beobachtungsstudien. Die 307 mit Metformin behandelten Patienten waren zwischen 6 und 18 Jahre alt und litten unter anderem an Typ-2-Diabetes, Adipositas, Insulin­resistenz oder metabolischem Syndrom. Die Metformindosis lag zwischen 500 und 2000 mg täglich, die Nachbeobachtungszeit zwischen sechs Monaten und drei Jahren.

In allen eingeschlossenen Studien nahmen die Vitamin-B12-Spiegel unter Metformin ab. Nach sechs Monaten lagen die Veränderungen zwischen –1,35 und –57,1 pg/ml, nach zwölf Monaten zwischen –4,92 und –90,79 pg/ml. Insgesamt entwickelten 9 von 284 auswertbaren Patienten (3,1 %) einen Vitamin-B12-Mangel. In der Metaanalyse betrug die gepoolte Rate eines Vitamin-B12-Mangels nach mindestens zwölf Monaten in den randomisierten Studien 1,4 %. In den Beobachtungs­studien lag sie mit 18,7 % deutlich höher, allerdings bei ausgeprägter Heterogenität. Die Abnahme der Vitamin-B12-Spiegel nach sechs und zwölf Monaten war insgesamt weder statistisch noch klinisch signifikant. Auch bei höheren Metformindosen von mehr als 1000 mg/Tag und einer Behandlungsdauer von mindestens zwölf Monaten fand sich in der Subgruppenanalyse lediglich eine Mangelrate von etwa 5 %, ohne statistische Signifikanz. Hinweise auf einen möglichen Dosis- und Zeiteffekt ergaben sich dennoch. In einer der eingeschlossenen Studien waren nach drei Jahren unter höheren Metformindosen signifikante Veränderungen der Vitamin-B12-Werte nachweisbar.

Ergebnisse
Ein relevantes Problem der verfügbaren Daten sind die uneinheitlichen Definitionen eines Vitamin-B12-Mangels. Die eingeschlossenen Studien verwendeten unterschiedliche Cut-off-Werte, teilweise unter 150 pmol/l. Die Autoren weisen darauf hin, dass bei Jugendlichen neurologische Auffälligkeiten auch bei Werten beobachtet wurden, die nach Erwachsenen-Grenzwerten noch als niedrig-normal gelten würden. Dadurch könnte die tatsächliche Häufigkeit eines funktionellen Vitamin-B12-Mangels unterschätzt worden sein. Die Aussagekraft der Analyse wird vor allem durch die geringe Zahl eingeschlossener Studien und Patienten eingeschränkt. Darüber hinaus unterschieden sich Metformindosis und Behandlungsdauer deutlich zwischen den Studien. Auch der Umgang mit Vitamin-B12-Supplementen war nicht einheitlich dokumentiert. Die Diskrepanz zwischen den randomisierten Studien mit einer Mangelrate von lediglich 1,4 % und den Beobachtungsstudien mit 18,7 % zeigt ebenfalls, wie unsicher die derzeitige Evidenz ist. Insbesondere die hohe Heterogenität der Beobachtungsdaten erschwert eine verlässliche Quantifizierung des Risikos.

Schlussfolgerung
Die Metaanalyse liefert keinen Beleg dafür, dass Metformin bei Kindern und Jugendlichen bereits innerhalb der ersten sechs bis zwölf Monate regelmässig zu einem klinisch relevanten Vitamin-B12-Mangel führt. Gleichzeitig zeigen alle eingeschlossenen Studien einen Trend zu sinkenden Vitamin-B12-Spiegeln. Besonders bei längerer Therapiedauer und höheren Metformindosen könnte dieser Effekt an Bedeutung gewinnen. Für die Praxis lässt sich aus den Daten derzeit kein generelles routinemässiges Vitamin-B12-Screening für alle pädiatrischen Patienten unter Metformin ableiten. Bei langfristiger Behandlung, hoher Dosierung oder klinischen Hinweisen auf einen Vitamin-B12-Mangel erscheint eine Kontrolle jedoch plausibel. Die wichtigste offene Frage betrifft dabei nicht nur die Häufigkeit des Mangels, sondern auch die geeigneten diagnostischen Grenzwerte bei Kindern und Jugendlichen. Die Autoren selbst kommen zu dem Schluss, dass grössere randomisierte Studien mit standardisierten Metformindosen, längerer Nachbeobachtung und einheitlichen Vitamin-B12-Grenzwerten erforderlich sind, um das tatsächliche Risiko besser abschätzen zu können.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

Literatur
Tahir EA et al. The Impact of Metformin on Vitamin B12 Levels in Children and Adolescents: A Systematic Review and Single-Arm Meta-Analysis. Endocrinology, Diabetes & Metabolism. 2026;9.

der informierte @rzt

  • Vol. 16
  • Ausgabe 8
  • August 2026