Journal Watch

Ausgewählte Studien aus der Hämato-Onkologie



Teclistamab beim Multiplen Myelom nach ein bis drei Vortherapien (MajesTEC-9): randomisierte Phase-3-Studie

Hintergrund

Bei Patienten mit rezidiviertem/refraktärem Multiplem Myelom (rrMM) nach mindestens einer Vortherapie mit Lenalidomid-Refraktärität bleibt das progressionsfreie Überleben (PFS) mit Standardtherapien gering (median 3,8–4,6 Monate). Teclistamab ist ein bispezifischer Antikörper gegen BCMA und CD3, dessen Monotherapie-Wirksamkeit bereits in schwer vorbehandelten Kollektiven gezeigt wurde. MajesTEC-9 prüfte Teclistamab in früherer Therapielinie im direkten Vergleich zu etablierten Regimen.

Methoden

MajesTEC-9 ist eine offene, multizentrische, randomisierte Phase-3-Studie an 162 Zentren in 24 Ländern. Eingeschlossen wurden Patienten mit 1–3 Vortherapien, inklusive Anti-CD38-Antikörper und Lenalidomid, mit dokumentierter Progression. Die Randomisierung (1:1) erfolgte zu Teclistamab-Monotherapie versus Standardtherapie nach Wahl des Prüfarztes (Pomalidomid–Bortezomib–Dexamethason [PVd] oder Carfilzomib–Dexamethason [Kd]). Primärer Endpunkt war das PFS gemäss unabhängigem Review-Komitee.

Ergebnisse

• 593 Patienten randomisiert (296 Teclistamab, 297 PVd/Kd); medianes Follow-up 17,3 Monate.
• PFS signifikant verbessert: 18-Monats-PFS-Rate 69,8 % vs. 26,9 % (HR 0,29 [95 %-KI 0,23–0,38]; p < 0,001).
• Komplettremission (CR) oder besser: 65,9 % vs. 16,8 % (Risk Ratio 3,95); Gesamtansprechrate (ORR) 84,5 % vs. 54,2 %.
• MRD-Negativität (Schwelle 10–⁵) mit Komplettremission: 38,5 % vs. 6,7 % (ITT-Population).
• Gesamtüberleben (OS) signifikant verbessert: 18-Monats-OS-Rate 79,2 % vs. 68,6 % (HR 0,60 [95 %-KI 0,43–0,83]; p=0,002).
• Verzögerung der Symptomverschlechterung (MySIm-Q): HR 0,50 (95 %-KI 0,36–0,71; p < 0,001).
• Sicherheit: Grad-3/4-Nebenwirkungen 84,9 % (Teclistamab) vs. 76,3 % (PVd/Kd); häufigste: Neutropenie (54,3 % vs. 22,3 %). Zytokinfreisetzungssyndrom bei 66,0 % (meist Grad 1–2); ICANS bei 4,1 %. Grad-3/4-Infektionen: 41,6 % vs. 29,0 %.

Schlussfolgerungen

Teclistamab-Monotherapie verbesserte PFS und OS signifikant gegenüber PVd/Kd bei Patienten mit 1–3 Vortherapien trotz eines hohen Anteils an nachfolgender BCMA-gerichteter Therapie (Bispezifische Antikörper/CAR-T) im Kontrollarm. Infektionen waren häufig; eine konsequente Infektionsprophylaxe und Immunglobulinsubstitution sind für das Management essenziell.

Literatur
C. Touzeau, R. Mina, H. Quach et al., New England Journal of Medicine 2026; published online May 29, 2026. DOI: 10.1056/NEJMoa2603870

Studie
Finanzierung: Johnson & Johnson

Tafasitamab plus Lenalidomid und R-CHOP bei neu diagnostiziertem Hochrisiko-DLBCL (frontMIND): globale, randomisierte Phase-3-Studie

Hintergrund

Etwa 40 % der Patienten mit Hochrisiko-diffusem grosszelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) werden mit der Standardtherapie R-CHOP (Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison/Prednisolon) nicht geheilt. Tafasitamab ist ein Fc-verstärkter Anti-CD19-Antikörper, der in Kombination mit Lenalidomid beim rezidivierten/refraktären DLBCL zugelassen ist. Die frontMIND-Studie untersuchte den Zusatz von Tafasitamab plus Lenalidomid zu R-CHOP (Tafa-Len-R-CHOP) in der Erstlinie bei Patienten mit hoch-intermediärem oder hohem Risiko.

Methoden

frontMIND ist eine globale, multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-3-Studie an 298 Zentren (NCT04824092). Eingeschlossen wurden unbehandelte Patienten im Alter von 18–80 Jahren mit hoch-intermediärem oder hohem Risiko (IPI 3–5 bzw. altersadjustiertem IPI 2–3) und DLBCL oder hochgradigem B-Zell-Lymphom (HGBL). Die Randomisierung (1:1) erfolgte zu sechs Zyklen R-CHOP plus Tafasitamab (12 mg/kg i.v.) und Lenalidomid (25 mg/Tag oral, Tag 1–10) versus R-CHOP plus Placebo. Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS) im Intention-to-treat-(ITT)-Kollektiv.

Ergebnisse

• 899 Patienten randomisiert (448 Tafa-Len-R-CHOP, 451 R-CHOP); medianes Follow-up 35,2 Monate.
• PFS signifikant verbessert: HR 0,75 (95 %-KI 0,59–0,96; p=0,0194); 2-Jahres-PFS-Rate 71,1 % vs. 62,9 % (Differenz 8,2 Prozentpunkte).
• Event-free Survival (EFS) ebenfalls signifikant verbessert: HR 0,79 (95 %-KI 0,64–0,97; p=0,0260).
• Gesamtüberleben (OS, Interim-Analyse und somit noch unreif): HR 0,85 (95 %-KI 0,63–1,14; p=0,27), 3-Jahres-OS-Rate 81,1 % vs. 77,8 %.
• Subgruppenvorteil besonders ausgeprägt beim ABC-like-Subtyp (HR 0,59), weniger deutlich beim GCB-like-Subtyp (HR 0,69, 95 %-KI überlappt Null).
• Ansprechen am Ende der Therapie ähnlich (ORR 80,4 % vs. 76,1 %; PET-negative Komplettremission je ca. 65 %) trotz PFS-Vorteil.
• Sicherheit: Grad ≥3-Nebenwirkungen häufiger unter Tafa-Len-R-CHOP (87 % vs. 76 %), v.a. Neutropenie, Thrombozytopenie, Anämie; fatale Nebenwirkungen 6 % vs. 4 % (davon anteilig COVID-19-bedingt). Trotzdem weniger Gesamttodesfälle (19 % vs. 22 %).

Schlussfolgerungen

Die Hinzunahme von Tafasitamab und Lenalidomid zu R-CHOP reduzierte das Progressions-/Sterberisiko um 25 % gegenüber R-CHOP allein, bei akzeptabler, jedoch höherer Toxizität. Die Gesamtüberlebensdaten sind noch unreif. Tafa-Len-R-CHOP könnte eine neue Erstlinienoption für Hochrisiko-DLBCL/HGBL darstellen.

Literatur
G. Lenz, M. Trnený, J. M. Burke et al., The Lancet 2026; published online May 30, 2026. DOI: 10.1016/S0140-6736(26)00866-4

Studie
Finanzierung: Incyte Corporation

Prof. Dr. med. Christoph Renner

Onkozentrum Hirslanden Zürich und Onkozentrum Zürich
Witellikerstrasse 40
8032 Zürich

Christoph.renner@hirslanden.ch

info@onco-suisse

  • Vol. 16
  • Ausgabe 4
  • August 2026