- Conference on Challenges in Sarcoma CCS2026 in Luzern
Am 19. und 20. Juni 2026 fand in Luzern die dritte Conference on Challenges in Sarcoma (CCS2026) statt. Nach den erfolgreichen Konferenzen 2022 und 2024 kamen erneut europäische Expertinnen und Experten zusammen, um aktuelle Herausforderungen in Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Weichgewebesarkomen zu diskutieren. Ziel der Veranstaltung war die strukturierte Bearbeitung klinischer Fragestellungen, für die aufgrund der Seltenheit dieser Tumoren bislang keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz vorliegt.
Weichgewebesarkome stellen eine heterogene Gruppe seltener maligner Erkrankungen dar. Für zahlreiche diagnostische und therapeutische Fragestellungen fehlen prospektive Studien oder ausreichend grosse Patientenkollektive, sodass Empfehlungen häufig auf retrospektiven Daten oder Expertenmeinungen beruhen.
Neue WHO-Klassifikation
Wie bei vielen anderen Tumorerkrankungen nimmt auch bei den ohnehin seltenen Sarkomen die Zahl der definierten Subentitäten kontinuierlich zu. Grundlage hierfür sind neue molekulare Erkenntnisse, die eine präzisere Charakterisierung biologisch unterschiedlicher Erkrankungen ermöglichen. Diese Entwicklungen finden Eingang in die 6. Edition der WHO-Klassifikation für Weichgewebesarkome, die 2026 erscheint. Die zunehmende diagnostische Differenzierung stellt die klinische Praxis vor Herausforderungen, da evidenzbasierte therapeutische Empfehlungen für viele der neu definierten Entitäten nur begrenzt verfügbar sind.
Den Auftakt der zweitägigen Konferenz bildete ein Überblick über die Neuerungen der WHO-Klassifikation, präsentiert von deren Mitautorin Prof. Judith Bovée aus Leiden. Sie zeigte auf, dass klassische histomorphologische Kriterien heute häufig nicht mehr ausreichen und für eine präzise Diagnosestellung zunehmend die Integration molekularpathologischer Befunde erforderlich ist.
Strukturierte Konsensus-Findung
Um diese Evidenzlücken systematisch zu adressieren, wurde CCS2026 als internationaler und interdisziplinärer Konsensus-Prozess organisiert. Die Vorbereitungen erfolgten über mehrere Monate im Rahmen eines modifizierten Delphi-Verfahrens. Ein europäisches interdisziplinäres Koordinationskomitee identifizierte Fragestellungen aus den Bereichen Pathologie, Bildgebung, Chirurgie, Radioonkologie, medikamentöse Therapie, Nachsorge sowie Versorgungsforschung und bereitete die verfügbare Literatur für die Teilnehmenden auf.
Vor der Präsenzveranstaltung wurden sämtliche Fragestellungen in einer strukturierten Online-Abstimmung bewertet. Die dort eingebrachten Kommentare und Änderungsvorschläge wurden für die Konsensus-Statements berücksichtigt und bildeten die Grundlage für die anschliessenden Diskussionen während der Konferenz. Ziel dieses mehrstufigen Vorgehens war die Entwicklung wissenschaftlich fundierter und breit abgestützter Konsensus-Statements zu klinisch relevanten Fragestellungen, die in bestehenden Leitlinien bislang nur unzureichend abgebildet sind.
Breite europäische Beteiligung
An CCS2026 beteiligten sich 79 ausgewiesene Sarkomexpertinnen und -experten aus 15 europäischen Ländern. Vertreten waren die Fachbereiche Pathologie, Radiologie, Chirurgie, Radioonkologie und Medizinische Onkologie.
Die Konferenz wurde zudem von einer Patientenvertreterin begleitet, die bereits in die Vorbereitungsphase eingebunden war. Dadurch konnten Aspekte der Patientenperspektive frühzeitig in die Diskussionen integriert werden und die Praxisrelevanz der behandelten Themen zusätzlich gestärkt werden.
Aktuelle Herausforderungen im Fokus
Das wissenschaftliche Programm umfasste diagnostische, therapeutische und gesundheitsbezogene Fragestellungen entlang des gesamten Behandlungspfades von Patientinnen und Patienten mit Weichgewebesarkomen.
Darüber hinaus wurden Fragen zur Nachsorge, zu innovativen Studiendesigns bei seltenen und ultra-seltenen Sarkomentitäten sowie zur zukünftigen internationalen Zusammenarbeit innerhalb der Sarkomgemeinschaft diskutiert.
Bedeutung für die klinische Praxis
Internationale Konsensus-Verfahren können wissenschaftliche Evidenz nicht ersetzen. Sie unterstützen jedoch die klinische Entscheidungsfindung in Bereichen, in denen prospektive Daten aufgrund der Seltenheit von Weichgewebesarkomen nur begrenzt verfügbar sind. Der strukturierte Austausch von Expertise trägt dazu bei, klinische Vorgehensweisen zu harmonisieren und Forschungsprioritäten für zukünftige Studien zu definieren.
Ausblick
Die im Rahmen von CCS2026 erarbeiteten Konsensus-Statements werden derzeit wissenschaftlich aufgearbeitet und in einem peer-reviewten internationalen Fachjournal publiziert.
Gerne danken wir an dieser Stelle allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und den unterstützenden Institutionen.
Dr. med. Silvia Hofer, Universitätsspital Zürich
Prof. Dr. med. Chantal Pauli, Universitätsspital Zürich
PD Dr. med. Christian Rothermundt, Luzerner Kantonsspital
Prof. Dr. med. Dimosthenis Andreou, Universitätsmedizin Essen







