- Editorial: Alzheimer-Therapie im Wandel
Über Jahrzehnte war unsere therapeutische Rolle im Wesentlichen symptomlindernd, während Pathophysiologie und Krankheitsverlauf nur begrenzt beeinflussbar schienen. Mit den neuen Anti-Amyloid-Therapien zeichnet sich nun ein echter Paradigmenwechsel ab, der auch für die hausärztliche Versorgung von hoher Relevanz ist.
Der vorliegende Beitrag von Marc Aurel Busche und Kolleginnen und Kollegen ordnet diesen Wandel präzise, differenziert und praxisnah ein. Er zeigt, dass krankheitsmodifizierende Therapien wie Lecanemab und Donanemab weder Wundermittel noch ferne Zukunftsmusik sind, sondern einen klar definierten Platz im frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit einnehmen. Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Substanz als das dahinterliegende Prinzip: frühe Erkennung, präzise Diagnostik und strukturierte Zusammenarbeit.
Gerade Hausärztinnen und Hausärzte spielen in diesem neuen Versorgungspfad eine Schlüsselrolle. Sie sind meist die ersten Ansprechpersonen bei subtilen kognitiven Veränderungen und damit die entscheidenden «Gatekeeper», damit das therapeutische Zeitfenster nicht verpasst wird. Das Motto «time is brain» gilt heute nicht mehr nur für den Schlaganfall, sondern zunehmend auch für die Alzheimer-Diagnostik und -Therapie.
Der Artikel vermittelt nicht nur den aktuellen Stand der Evidenz, sondern auch die notwendige klinische Nüchternheit: Nutzen und Risiken müssen sorgfältig abgewogen, Patientinnen und Patienten gezielt ausgewählt und eng begleitet werden. Die Schweiz ist mit ihrem dichten Netzwerk an Memory Clinics und klaren nationalen Empfehlungen dafür hervorragend positioniert.
Als Herausgeber des Geriatrie Forums ist es mir ein besonderes Anliegen, solche Beiträge einzuordnen, die Brücken schlagen – zwischen Grundlagenforschung und klinischem Alltag, zwischen Spezialdisziplinen und Hausarztmedizin, zwischen internationaler Evidenz und nationaler Umsetzung.
Dieser Beitrag leistet genau das und bietet Ihnen eine fundierte, verlässliche Orientierung für Gespräche mit Patientinnen, Patienten und Angehörigen in einer Phase, in der sich die Demenzmedizin grundlegend weiterentwickelt.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Herausgeber Geriatrie Forum
Chefarzt Geriatrie
Stv. Leiter Department Innere Medizin
5017 Barmelweid
mathias.schloegl@barmelweid.ch






