- Historische Spurensuche zur Weihnachtszeit
Das Jahr geht zu Ende. Die Tage werden ruhiger, die Abende länger, und es liegt eine besondere Atmosphäre in der Luft, wie sie nur die Weihnachtszeit mit sich bringt. Jetzt ist die Zeit, innezuhalten und zurückzublicken: auf das Gelungene, auf die Herausforderungen und auf die Momente, die dieses Jahr geprägt haben.
Zur weihnachtlichen Stimmung gehören nicht nur das Zusammensein mit unseren Liebsten und festliche Mahlzeiten, sondern auch jene kleinen und grossen Zeichen, die unser Zuhause verwandeln: Lichterglanz, Tannenduft, Adventskränze – und nicht zuletzt die traditionellen Weihnachtsblumen. Neben dem leuchtenden Weihnachtsstern und der majestätischen Amaryllis ist auch die Christrose eine typische Pflanze für die Festtage.
Die Christrose (Helleborus niger), auch Nieswurz genannt, ist hochgiftig und blickt auf eine lange Kulturgeschichte zurück. Schon die Römer sollen mit Nieswurz versetztes Fleisch als Festmahl geschätzt haben – und zugleich als Mittel, das schlank machen sollte. Im Spätmittelalter wagte Paracelsus die kühne Behauptung, alte Gelehrte hätten die Pflanze zur Lebensverlängerung genutzt. Entscheidend sei gewesen, die Blätter «zur rechten Zeit» zu sammeln: bei hochstehendem Saturn und im Licht von Jupiter und Mond (1).
Obgleich Paracelsus selbst kaum älter als 48 Jahre wurde, blieb die Pflanze über Jahrhunderte ein geschätztes Heilmittel. Von Hippokrates über Hildegard von Bingen bis zum Schweizer Mediziner Albrecht von Haller priesen viele ihre Wirkung. Haller meinte, dass die Nieswurz hilfreich sei «wider alle(n) hartnäckigen Verstopfungen der Pfortader und der Milz» und dabei helfe, «die dicken melancholischen Säfte aus(zu)führen.» Noch in den 1960er-Jahren wurde sie bei Herzleiden empfohlen, wenn auch ausschliesslich unter ärztlicher Aufsicht (2).
In der modernen Medizin spielt die Nieswurz heute kaum mehr eine Rolle. Als Symbol der Weihnachtszeit hat sie jedoch ihren festen Platz behalten – gerade, weil sie selbst in den dunkelsten Wintertagen blüht.
Ich habe unsere letztjährige Christrose «übersommert». Das ist gut gelungen, da sie sehr anspruchslos ist. Nun blüht sie am Hauseingang weissleuchtend.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern besinnliche Festtage, erholsame Stunden im Kreise der Liebsten und einen guten Start ins neue Jahr.

Otmarweg 8, 9200 Gossau
haeuptle@hin.ch
1. Siegfried G. Schäfer: Die Dosis macht das Gift. Heilende Pflanzen im Spiegel der Geschichte. Wiebelsheim 2021, S. 32
2. Hans Flück. Unsere Heilpflanzen. Thun 1965, S. 54.
der informierte @rzt
- Vol. 15
- Ausgabe 12
- Dezember 2025






