- Matro – Wehrhafter Aussichtsgipfel
Die Bergkrete zwischen der Piano di Magadino und der Val d’Isone bietet nicht nur mit der Cima di Medeglia einen herrlichen Aussichtsgipfel. Ein Geheimtipp ist der weiter östlich gelegene, auf drei Seiten abschüssige Felskopf des Matro, der im Gegensatz zur Cima di Medeglia deutlich seltener bestiegen wird. Matro oder Màtar sind im Tessin Flurnamen, die markante, oft felsige Erhebungen im Gelände bezeichnen. Wir beginnen unseren Aufstieg bei der Kirche San Bartolomeo in Medeglia, an deren Aussenwänden Fresken einer Madonna (15. Jahrhundert), einer Verkündigung und des Martyriums einer Heiligen aus dem 18. Jahrhundert, sowie Reste einer möglicherweise spätgotischen Beweinung erhalten sind.1 Wir folgen den engen Gassen bergwärts in Richtung der Colma Piana bis zum oberen Rand des Dorfs. Dort stossen wir gegen Westen auf den durch die Val di Treccio führenden Zuweg zu den Monti di Medeglia. Dieser ist über eine weite Strecke noch sehr gut erhalten und gepflastert, auch wenn er seine frühere Funktion verloren hat, da die Maiensiedlungen in der Val di Treccio längst durch Fahrstrassen erschlossen sind. Auf einem markanten Felsrücken stossen wir auf eine alte Wegkapelle mit Fragmenten farbenfroher Fresken. Später kommen wir an den Häusern von Cugnöö du Göpp vorbei, bevor wir die Maiensiedlung Al Sass de Premusán erreichen. Dort steht zwischen den Häusern eine prächtige Buche mit weit ausladenden Ästen.
Wir umgehen den Hügel mit der Höhenquote 962 Meter gegen Westen und gelangen so auf ein Strässchen, das gegen Nordosten zu den Häusern von Camarè hinaufführt. Nach der Rechtskurve zweigt in nördlicher Richtung ein schmaler Pfad ab, der uns zu den Häusern von In Sèll bringt, die – nomen est omen – in einem Sattel liegen. Dort öffnet sich erstmals der Blick über die Piano di Magadino zu den Berghängen des Sopraceneri. Gleichenorts stossen wir auf die alte Militärstrasse, die nördlich der Krete, also geschützt vor einem in den Weltkriegen erwarteten Beschuss aus dem Süden, die Stellungen im Bereich des gesamten Bergkammes zwischen Cima di Dentro und Cima di Medeglia erschliesst. Bis unterhalb der Häuser von Pedrinasco kommen wir zweimal an in den Felsen geschlagenen Unterständen vorbei. Die Militärtrasse quert den stotzigen Südhang des Matro in Richtung des Westgrats. Kurz nachdem wir diesen passiert haben und die Strasse sich zu senken beginnt, zweigt bergwärts ein unscheinbarer schmaler Pfad ab, der offensichtlich vor nicht langer Zeit vom Gestrüpp befreit worden ist. Dieser führt uns in mehreren Kehren durch den steilen, von Felsen durchsetzten Hang direkt zum Gipfel des Matro hinauf. Hier gebietet das im Herbst und Winter am Boden liegende, trockene Gras zur Vorsicht und verlangt gutes Schuhwerk sowie Trittsicherheit. Es besteht die Möglichkeit, diese stotzige Wegpartie gegen Osten zu umgehen und über den nordöstlichen Gratrücken den Gipfel zu gewinnen.
Je mehr wir uns dem Gipfel auf dem direkten Pfad nähern, desto häufiger stossen wir auf alte Wegbefestigungen in Form von Trockensteinmauern und Treppen. Zuoberst erwarten uns dann gemauerte Lauf- und Schützengräben, die den gesamten Gipfel umschliessen. Im Schutz der Schützengräben wurden während des 1. Weltkrieges zudem Unterstände nach amerikanischem Vorbild erstellt. Diese bestehen aus halbkreisförmigen Tunnels aus Wellblech, die mehrere Meter in den Berg getrieben und mit einer dicken Schicht aus Erde uns Gestein überdeckt wurden. Gegen Süden führt zudem ein Laufgraben steil zu einem vorgelagerten Schützengraben hinunter, der auf einem Felsvorsprung liegt und den kleinen Passübergang bei Pedrinasco dominiert (Abb. 1 bis 3).

Für den Abstieg wählen wir den gemütlichen Pfad über den nordöstlichen Rücken bis zur Cima di Fuori, wo wir uns gegen Südosten wenden und der asphaltierten Fahrstrasse bis zu den Häusern von Boffalora folgen. Am Ende der Strasse beginnt talwärts des dort stehenden Gebäudes ein schmaler Pfad Richtung Medeglia. Um das Neujahr 2020 finden wir dort neue rot-weiss-rote Wegmarkierungen, der Zustand der Trasse dagegen ist schlecht. Vorerst führt diese noch gut sichtbar in wenigen Kehren zu Gebäuderuinen hinunter und verläuft von da an praktisch eben aus, aber kaum erkennbar bis in die erste Runse. Zahlreiche Wildwechsel sollen nicht dazu verleiten, sich bereits in diesem Bereich talwärts zu wenden. Erst nach der Runse fällt der Pfad stetig, an einer Stelle sogar stotzig Richtung Medeglia ab. Hier ist erneut und insbesondere bei viel trockenem oder feuchtem Laub am Boden Vorsicht sowie Trittsicherheit notwendig.
Kurz vor Medeglia lassen wir den markierten Weg Richtung Westen bergwärts liegen und gelangen so zur Wasserfassung beim Sasso di Rovegno. Durch das Tälchen zwischen dem Felskopf und dem Südhang der Colma Piana finden wir auf Pfadspuren zu einer von Trockensteinmauern gesäumten Gasse hinunter, durch die wir im Dorf auf den Beginn unserer Aufstiegsroute stossen (Abb. 4).
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