Buchbesprechung

Prof. Thomas D. Szucs: Gen Recht in der Schweiz



Die Anwendung des zentralen Dogmas der Molekularbiologie – das Auslesen von DNA zur Erstellung von RNA und daraus von Proteinen – ist das grosse Privileg des 21. Jahrhunderts.

Sie beschreibt das Programm zum Bau eines Lebewesens, und viele Menschen, also Lebewesen zusammen, schaffen die legale Basis zur Forschung am eigenen Bauplan. Thomas D. Szucs’ «Gen Recht in der Schweiz» greift diese Faszination auf und verbindet sie mit der Frage, wie eine rechtsstaatliche Gesellschaft die Manipulation unseres genetischen Codes reguliert.

Das Buch ist ein interdisziplinärer Leitfaden für Mediziner, Juristen und interessierte Laien.

Der erste Teil widmet sich der Bedeutung der Genomforschung in der modernen Gesellschaft: Der Autor definiert anschaulich Grundlagen der Genetik, erläutert medizinische Anwendungen und zeichnet nach, wie sich genetische Tests und ihre Kosten in der Schweiz über Jahrzehnte drastisch verringert haben. Bereiche wie die Diagnostik seltener Krankheiten, pränatale Untersuchungen und personalisierte Medizin werden behandelt – bis zu den Grenzen des technisch Machbaren. Szucs ordnet diese Entwicklungen historisch ein, erklärt die Rolle der testenden Leistungserbringer und stellt die grossen Fragen nach Krankheitsursache, Akzeptanz und gesellschaftlicher Verantwortung.

Der zweite Teil widmet sich den juristischen Grundlagen. Neben der Darstellung einschlägiger Bundesgesetze wie des Bundesgesetzes über genetische Untersuchungen am Menschen (GUMG), des Heilmittelgesetzes oder des Datenschutzrechts wird erläutert, wie diese Regelwerke miteinander verzahnt sind und wo Lücken bestehen. Der Blick reicht dabei über die Landesgrenzen hinaus und vergleicht europäische und US amerikanische Regelungsansätze.

Die Grenzen der Technik verschieben sich rasant; gleichzeitig bleibt die Verantwortung gegenüber künftigen Generationen, gegenüber Menschen, die auf neue Heilungsmöglichkeiten hoffen, und gegenüber den Grundwerten der Menschheit. Der «One Health»-Ansatz, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt als untrennbar begreift, verdeutlicht diese Verantwortung. Dass das Buch diesen ganzheitlichen Blick aufnimmt, zeigt seine Aktualität und macht es zu einer wichtigen Lektüre für alle, die Genetik nicht nur als medizinische Innovation, sondern als gesellschaftliche Aufgabe verstehen.

Insgesamt besticht «Gen Recht in der Schweiz» durch seinen interdisziplinären Ansatz. Szucs hat den Anspruch, Praktiker, Studierende und eigenverantwortliche Bürgerinnen und Bürger gleichermassen anzusprechen. Das Werk liefert einen Bauplan für die legale Basis der Genmedizin und regt zum Dialog zwischen Wissenschaft, Recht und Gesellschaft an.

Dr. med. Christian V. Eisenring, EMBA

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  • Vol. 15
  • Ausgabe 12
  • Dezember 2025