- Lasertherapie bei Belastungsinkontinenz
Die intravaginale Lasertherapie stellt eine neue, minimalinvasive und ambulant durchführbare Behandlungsoption für die Belastungsinkontinenz dar. Unterschiedliche Lasersysteme, Einschluss- und Erfolgskriterien sowie Behandlungsstrategien erschwerten lange die Evaluation der Studienergebnisse. In den letzten Jahren wurden jedoch zahlreiche randomisiert kontrollierte Studien (RCTs) und damit Untersuchungen mit hohem Evidenzgrad publiziert. Während die Mehrheit der Meta-Analysen einen positiven Effekt der Lasertherapie zeigt, bewertet der Cochrane-Review aus dem Jahr 2025 diese Therapieform zurückhaltend. Der vorliegende Artikel gibt einen kritischen Überblick über die aktuelle Datenauswertung.
Intravaginal laser therapy represents a new, minimally invasive, and outpatient treatment option for stress urinary incontinence. For a long time, differences in laser systems, inclusion and success criteria, and treatment strategies made it difficult to evaluate study results. In recent years, however, numerous randomized controlled trials (RCTs) – and thus studies with a high level of evidence – have been published. While the majority of meta-analyses show a positive effect of laser therapy, the 2025 Cochrane Review evaluates this form of therapy with caution. This article provides a critical overview of the current data analysis.
Keywords: Harninkontinenz; Stressinkontinenz/SUI; intravaginale Laserbehandlung; konservative Therapie; minimal-invasive, ambulante Laserbehandlung
Intravaginale Lasertherapie bei BelastungsÂinkontinenz
Die intravaginale Lasertherapie bei Belastungsinkontinenz (Stress Urinary Incontinence, SUI) mit einem Erbium:YAG-Laser (Fotona SMOOTH®) oder einem CO2-Laser (DEKA, MonaLisa Touch®) beruht auf einer kontrollierten thermischen Stimulation des Vaginalepithels und des darunterliegenden Bindegewebes (Abb. 1) (1). Die abgegebene CO2-/ Er:YAG-Laserenergie wird von Wasser absorbiert und erzeugt eine Erwärmung des darunterliegenden Gewebes (2). Dadurch kommt es zunächst zu einer Verkürzung bestehender Kollagenfasern und in der Folge zu Kollagen-Neubildung und strukturellem Kollagen-Remodeling (3).
Durch diese Gewebestraffung verbessert sich die Stabilität der vorderen Vaginalwand und des periurethralen Stützapparates. Die Harnröhre erhält dadurch einen besseren funktionellen Support, sodass bei Druckerhöhung im Bauchraum – etwa beim Husten, Niesen oder Sport – der urethrale Verschlussmechanismus effektiver arbeiten kann. Zusätzlich werden Neoangiogenese, eine verbesserte Mikrozirkulation und regenerative Prozesse im Gewebe beschrieben, was die trophische Situation weiter optimiert (4).
Datenlage und Heterogenität der Studien
Im Schweizer Expertenbrief No. 69 aus dem Jahr 2021 wurde «die neue vulvovaginale Lasertherapie für die minimalst-invasive Behandlung von milder Belastungsinkontinenz» empfohlen (5) und in der deutschen S2k-Leitlinie «Harninkontinenz der Frau» aus dem Jahr 2022 erhielt die intravaginale Lasertherapie als «therapeutische Möglichkeit zur Behandlung der leichten bis mittleren Belastungsinkontinenz» eine «offene Empfehlung» (6). Trotzdem ist die Lasertherapie zur Behandlung der SUI seit Jahren Gegenstand intensiver Diskussionen. Die Debatte wird nicht selten emotional geführt – zwischen grundsätzlichem Vertrauen in die Technologie und kategorischer Ablehnung (7).
Die Zahl randomisiert kontrollierter Studien (RCTs) zur Evaluierung der intravaginalen Lasertherapie ist zwischen 2021 und 2026 von 2 auf 13 deutlich gestiegen. Das ist grundsätzlich positiv, da RCTs als Goldstandard klinischer Evidenz gelten. Allerdings erschwert eine erhebliche Heterogenität der Studien eine klare Beurteilung.
Der Cochrane-Review 2025
Systematische Reviews der Cochrane gelten international als methodisch besonders streng und dienen Ärztinnen/Ärzten/Wissenschaftlern als Orientierung. 2025 erschien ein entsprechender Review zur Lasertherapie bei SUI, publiziert in der Serie der Cochrane Systematic Reviews (8) und im J Urol (9).
Das Fazit des Reviews war tendenziell negativ: «Vaginale Laserbehandlungen haben möglicherweise nur geringe oder keine Auswirkungen auf die Belastungsinkontinenz. Die Evidenzlage ist sehr unsicher.» Hingegen wurde die Lasertherapie selbst als sicher eingestuft; es wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Nebenwirkungen gemeldet.
Kritik an der Cochrane-Analyse
Für die Cochrane-Übersichtsarbeit berücksichtigten die Autoren 9 Publikationen, die alle als RCTs geplant worden sind (Tab. 1). Allerdings muss die Auswahl von 6 der 9 RCTs als sehr kritisch betrachtet werden (10).
Einschluss von drei Abstracts (Edell 2023;
O’Reilly 2021; Tu 2023)
Bei 3 der 9 ausgewählten RCTs wurden lediglich die publizierten Abstracts ausgewertet (11–13). Dies war gemäss dem im Jahr 2020 veröffentlichten Studienprotokoll (14) erlaubt und vorgesehen, wobei auch Studienregister oder nicht-englische Artikel berücksichtigt werden konnten, um den Publikationsbias zu reduzieren (15).
Die verwendeten Abstracts unterlagen allerdings keinem strengen Peer-Review und lieferten nur unvollständige Informationen. In den 3 Abstracts (11–13) fehlten Angaben zu Alter und Lasereinstellungen; in Tabelle 1 des Cochrane-Review (8, 9) wurden diese Daten entsprechend als «Not reported» vermerkt. Bei einer Studie basierten diese Angaben auf dem Abstract, obwohl das Full-Paper zum Zeitpunkt der Cochrane-Analyse bereits publiziert – und in der Cochrane-Review sogar zitiert war (16).
Einschluss einer Cross-Over-Studie (Tu 2023)
Bei einem Abstract (12) handelte es sich um eine 3-armige Studie, mit nur teilweiser Verblindung. Zudem wurden die Patientinnen des Placebo-Arms nach 6 Monaten in die aktiven Studienarme randomisiert (Cross-Over-Studie). Dieselben Patientinnen wurden also doppelt ausgewertet und die Daten waren abhängig. Der Abstract wurde dennoch in die Cochrane-Analyse aufgenommen, obwohl Cross-Over-Studien gemäss StudienÂprotokoll der Cochrane explizit ausgeschlossen sind (14).
Einschluss einer GSM-Studie (Salvatore 2021)
Bei der Salvatore-Studie (17) wurden Frauen mit Genitourinary Syndrome of Menopause (GSM) und nicht mit SUI eingeschlossen. Inkontinenz-relevante Parameter wurden zwar mituntersucht, waren aber nicht das primäre Behandlungsziel. Spezifische, objektive urodynamische Untersuchungen zur Verifizierung der SUI erfolgten nicht. Ferner waren die Lasereinstellungen für GSM optimiert und entsprachen nicht den Einstellungen für SUI.
Einschluss bei gleichzeitiger Zusatztherapie (Temtanakitpaisan 2023)
In einer weiteren eingeschlossenen Studie erhielten Laser- und Placebo-Arm zusätzlich Beckenbodentraining (Pelvic Floor Muscle Training, PFMT) (18). Die Autoren der Cochrane argumentierten, dass eine identische Zusatztherapie in beiden Armen keinen Einfluss habe (15). Allerdings erlaubt ein begleitendes PFMT keine Rückschlüsse auf die Effektivität der alleinigen Lasertherapie. Und im Studienprotokoll der Cochrane wurden Laserbehandlungen, kombiniert mit Zusatztherapien, explizit ausgeschlossen (14).
Einschluss von Patientinnen mit schwerer Belastungsinkontinenz und unrealistisch strenge Outcome-Kriterien (Alexander 2022; Edell 2023/Lee 2025)
Die Lasertherapie zielt nicht auf eine vollständige Heilung ab, sondern auf eine symptomatische Verbesserung der SUI, und hilft vor allem bei milder bis moderater SUI, nicht aber bei schwerer SUI (SUI III) (19, 20).
Bei zwei der in die Cochrane-Analyse eingeschlossenen Studien (13, 21, 22) wurden aber mehrheitlich Patientinnen mit SUI III (54 % (21) bzw. 72 % (22)) eingeschlossen, und nicht die Symptomverbesserung, sondern die komplette Heilung wurde als primärer Endpunkt gewertet, d.h. nicht ein einziger Tropfen Urinverlust in den letzten 4 Wochen. Ein negatives Gesamtergebnis dieser beiden RCTs war geradezu vorprogrammiert (23). In der Alexander-Studie stuften sich lediglich 1 von 49 Patientinnen im Laserarm und 2 von 48 im Sham-Arm als «geheilt» ein (21), in der Edell/Lee-Studie waren es 1 von 76 im Laserarm und keine von 68 im Sham-Arm (22).
Sieben neue RCTs und neun Reviews/Meta-Analysen zur Lasertherapie bei SUI
In einer Literatursuche vom März 2026 zur Lasertherapie bei SUI wurden 13 RCTs identifiziert (Tab. 2), nur 6 davon wurden in der Cochrane-Analyse ausgewertet. Acht der 13 RCTs verglichen Laser- und Sham-Behandlung (16, 20–22, 24–27), 3 Studien die Lasertherapie vs. PFMT (28–30), und jeweils eine vs. Platelet-Rich Plasma (PRP) (31), vs. Radiofrequenz (24) oder vs. Promestrien (32). Die Behandlungsprotokolle umfassten eine bis sechs – meistens drei – Sitzungen mit Nachbeobachtungszeiten von zwei Wochen bis zu einem Jahr.
Die Auswertung dieser RCTs zeigte überwiegend positive Ergebnisse zugunsten der Lasertherapie. Elf von 13 Studien fanden eine Verbesserung im Laserarm; in 5 von 8 Sham-kontrollierten Studien waren die Resultate signifikant besser zugunsten des Lasers. Kein Unterschied zeigte sich in RCTs mit zwei aktiven Armen, also bei den Vergleichen Laser mit PFMT, PRP oder Radiofrequenz. Die beiden RCTs (13, 21, 22), bei denen die Lasertherapie keinen Erfolg brachte, zielten auf die vollständige Heilung der Inkontinenz ab, siehe Diskussion oben. Solch unrealistisch strenge Kriterien werden nicht einmal bei operativen Verfahren verwendet – und sind auch nicht leitlinienkonform (23, 33).
Zwischen 2021 und 2026 wurden 9 Reviews/Meta-Analysen zur Lasertherapie bei SUI publiziert (8, 34–41), 5 davon allein 2025/2026. Auch die Reviews/Meta-Analysen waren sehr heterogen, schon die Auswahl der eingeschlossenen RCTs und/oder Originalartikel variierte stark. Dementsprechend waren auch die Schlussfolgerungen unterschiedlich. Meist zeigten die Analysen eine Verbesserung im Laserarm (34–37, 39, 41). Bei den 5 in 2025/2026 erschienen Reviews wurde 1x wegen der Heterogenität der RCTs keine Meta-Analyse gemacht (40), während die 4 Meta-Analysen zu unterschiedlichen Fazits kamen: 1) eine unsichere Evidenzlage in der Cochrane-Analyse, siehe oben (8), 2) einen signifikant besseren Outcome für die Lasertherapie als für die Placebo-Behandlung (34), 3) Verbesserungen gegenüber Placebo für gewisse aber nicht alle Outcomes (35), oder 4) eine Verbesserung gegenüber Sham, vor allem bei der nicht-ablativen Er:YAG Behandlung (41).
Fazit
Die Auswahl der RCTs für die Cochrane-Review 2025 wird in diesem Artikel als äusserst kritisch angesehen. Die aktuelle Gesamtevidenz – inklusive 7 zusätzliche RCTs und 9 Reviews/Meta-Analysen – spricht dafür, dass die vaginale Lasertherapie bei sorgfältiger Patientinnen-Selektion eine effektive, sichere und minimalinvasive Behandlungsoption darstellt. Entscheidend bleibt eine differenzierte Indikationsstellung – nicht die ideologisch geführte Grundsatzdebatte.
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Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.
- Beste Wirksamkeit bei milder bis moderater Belastungsinkontinenz
- Drei ambulante Sitzungen à 30 Minuten im Abstand von einem Monat, gegebenenfalls mit Wiederholung, z. B. nach 1–2 Jahren (Top-up)
- Keine vollständige Heilung, aber klinisch signifikante Verbesserung
- Kein operativer Eingriff, kein Fremdmaterial, keine Nebenwirkungen
- Geeignet bei Wunsch nach minimalinvasiver Therapie, insbesondere für Frauen zwischen Geburten und nicht abgeschlossener Familienplanung
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- Vol. 16
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- Juni 2026










