- Neoadjuvante Taxane plus Trastuzumab/Pertuzumab mit oder ohne Carboplatin bei HER2-positivem Brustkrebs
Methoden
Die Studie war eine multizentrische, randomisierte Phase-III-Nichtunterlegenheitsstudie. Teilnahmeberechtigt waren Frauen ab 18 Jahren mit zuvor unbehandeltem, HER2-positivem invasivem Brustkrebs im Stadium II und III. Die Patientinnen wurden randomisiert (1 : 1) einer Behandlung mit sechs 3-wöchigen Zyklen TCbHP oder THP zugewiesen. Der primäre Endpunkt war die pathologische Komplettremissionsrate (pCR) in der Brust und der Achselhöhle (ypT0/is ypN0) in der modifizierten Intent-to-treat-Population (mITT) (alle randomisierten Patientinnen, die mindestens eine Dosis der Studienbehandlung erhielten). Die Sicherheit wurde bei allen Patientinnen bewertet, die eine Studienbehandlung erhielten.
Ergebnisse
Zwischen dem 30. April 2021 und dem 27. August 2024 wurden 774 Patientinnen randomisiert und 766 in die mITT-Population aufgenommen (382 in THP und 384 in TCbHP). Eine pCR wurde bei 245 (64.1 % [95 % CI, 59.1 bis 69.0]) Patienten in der THP-Gruppe und bei 253 (65.9 % [60.9-70.6]) in der TCbHP-Gruppe erreicht (absolute Differenz, –1.8 % [95 % KI, –8.5 bis 5.0]; Odds Ratio, 0.93 [95 % KI, 0.69 bis 1.25]; P-Nichtunterlegenheit = 0.0089). Die THP-Gruppe wies weniger unerwünschte Ereignisse des Grades 3 und 4 (20.7 % gegenüber 34.6 %) und schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (1.3 % gegenüber 4.7 %) auf als die TCbHP-Gruppe. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse der Grade 3 und 4 unter THP waren Neutropenie (6.8 % gegenüber 16.4 % unter TCbHP), Leukopenie (5.5 % gegenüber 14.8 %) und Diarrhoe (2.6 % gegenüber 4.2 %). Es traten keine behandlungsbedingten Todesfälle auf.
Schlussfolgerung
THP zeigte im Vergleich zu TCbHP nicht unterlegene pCR-Raten und eine verbesserte Verträglichkeit. Der Verzicht auf Carboplatin könnte bei HER2-positivem Brustkrebs in Betracht kommen.
Kommentar
Diese Studie reiht sich in der Perspektive der selektiven De-Eskalation in der Behandlung von Brustkrebs, in dieser konkreten Studie sogar bei Patientinnen mit hohem Rückfallrisiko, unabhängig vom Hormonrezeptorstatus und Ausmasses des Lymphknotenbefalls. Obwohl bei so hohem Risiko in dieser Studie angezeigt, zeigen die Resultate die reale Gefahr der Überbehandlung durch die neoadjuvante Vorgehensweise. Die neoadjuvante Vorgehensweise ist der zu «bezahlende Preis» für die «Jagd» nach pathologisch kompletter Remission und für die Information für allfällig weitere Behandlungsschritte, all diejenigen Patientinnen, die mit weniger (adjuvanter) Therapie ohnehin krankheitsfrei geworden wären, respektiv krankheitsfrei geblieben wären. Zudem haben wir beschränkte Informationen über Langzeittoxizität vieler der eingesetzten Substanzen. Schon niedrige Platinexposition kann zu Langzeit-Gefässschäden zum Beispiel mit später auftretender Nierenfunktionseinschränkung und Hypertonie führen. Über 90 % der Frauen mit niederem und moderatem Sterberisiko überleben die HER2-positive Krankheit ohne Rückfall und die Mehrheit hat eine brustkrebspezifische Lebenserwartung von 30 und mehr Jahren.
Quelle
Gao HF et al. Neoadjuvant Taxane Plus Trastuzumab and Pertuzumab With or Without Carboplatin in Human Epidermal Growth Factor Receptor 2–Positive Breast Cancer: The Randomized Noninferiority Phase III neoCARHP Trial. J. Clin. Oncol. 2026 DOI: 10.1200/JCO-25-02
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