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ASH Congress 2025



Langzeitergebnisse der Umstellung von Acalabrutinib auf Zanubrutinib bei Patienten mit B-Zell-Malignomen: Patienten mit vorheriger Unverträglichkeit gegenüber Acalabrutinib sicher und effektiv auf Zanubrutinib umgestellt (1)

Bruton-Tyrosinkinase (BTK)-Inhibitoren spielen eine wichtige Rolle bei der Therapie von B-Zell-Malignomen, können aber durch Nebenwirkungen in ihrer Anwendung eingeschränkt werden. Laut klinischen Studien mussten zwischen 15 % und 23 % der Patientinnen und Patienten, die mit Acalabrutinib behandelt wurden, die Behandlung aufgrund von unerwünschten Ereignissen abbrechen (2–4). Beim ASH 2025 wurden nun Daten vorgestellt, die zeigen, wie erfolgreich ein Wechsel von Acalabrutinib zu Zanubrutinib gelingen kann (1).

Zanubrutinib ist ein BTK-Inhibitor der nächsten Generation, der durch seine besonders hohe Wirksamkeit und Selektivität überzeugt (5). Das Medikament wurde gezielt entwickelt, um eine möglichst vollständige BTK-Belegung zu erreichen und weist im Vergleich zu anderen BTK-Hemmern wie Ibrutinib eine stärkere Wirkung bei weniger Off-Target-Bindungen auf (6).

Ergebnisse aus der Phase-2-Studie BGB-3111-215 (NCT04116437) zeigen, dass Zanubrutinib bei Patienten mit B-Zell-Malignomen, die Ibrutinib und/oder Acalabrutinib nicht vertragen, gut verträglich ist (7).

Der vorliegende Bericht stellt die am ASH 2025 im Rahmen eines Posters vorgestellten Langzeitergebnisse dieser Studie vor, einschließlich einer zusätzlichen dreijährigen Nachbeobachtung zu Verträglichkeit und Wirksamkeit von Zanubrutinib bei Patienten, die Acalabrutinib nicht vertragen (Studienkohorte 2) (1).

Methodik

• Für die Studie wurden Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie/kleinzelligem lymphozytischem Lymphom (CLL/SLL), Waldenström-Makroglobulinämie (WM), Mantelzell-Lymphom (MCL) oder Marginalzonen-Lymphom (MZL) eingeschlossen, die die im Protokoll definierten Kriterien für eine Unverträglichkeit gegenüber Acalabrutinib erfüllten.
• Die Patienten erhielten Zanubrutinib in einer Dosierung von 160 mg zweimal täglich oder 320 mg einmal täglich.
• Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung unter vorheriger BTK-Inhibitor-Therapie wurden ausgeschlossen.
• Die Sicherheit und Wirksamkeit, insbesondere das Wiederauftreten von Unverträglichkeitsereignissen gegenüber Acalabrutinib, wurde von den Prüfern bewertet.

Baseline

• Bis zum Stichtag 1. Mai 2025 erhielten 39 Patienten, die zuvor Acalabrutinib nicht vertragen hatten, Zanubrutinib (CLL/SLL: n = 30; WM: n = 4; MCL: n = 3; MZL: n = 2).
• Das mediane Alter lag bei 71 Jahren (Spanne 51–87 Jahre) und die Patienten hatten im Median zwei vorherige Therapien (Spanne 1–6).
• 36 % der Patienten (n = 14) vertrugen auch vorheriges Ibrutinib nicht.
• Die mediane Dauer der vorherigen Acalabrutinib-Behandlung betrug 5.7 Monate (Spanne 0.2–68.6 Monate).

Behandlungsergebnisse und Verträglichkeit

Zum Zeitpunkt der Analyse lag die mediane Dauer der Zanubrutinib-Behandlung bei 18.2 Monaten (Spanne 0.5–55.8 Monate), die mediane Nachbeobachtungszeit bei 28.5 Monaten (Spanne 1.9–55.8 Monate).

Zum Stichtag erhielten 25 Patienten (64 %) weiterhin Zanubrutinib. Vierzehn Patienten brachen die Behandlung ab – sieben davon wegen unerwünschter Ereignisse (Diarrhö [n = 2], Hautausschlag, Hauttoxizität, Neutropenie, Sturz, Myalgie [jeweils n = 1]), vier auf Entscheidung des Arztes, zwei aufgrund fortschreitender Erkrankung und einer aufgrund Abbruch.

• Insgesamt wurden bei den 39 Patienten 55 Fälle von Acalabrutinib-Unverträglichkeit dokumentiert.
• Die häufigsten Ereignisse waren Myalgie (n = 8), Arthralgie und Kopfschmerzen (jeweils n = 7), Hautausschlag und Fatigue (jeweils n = 4), sowie Diarrhö und Blutungen (jeweils n = 3).
• Bei 24 von 39 Patienten (62 %) traten unter Zanubrutinib keine erneuten Fälle von Acalabrutinib-Unverträglichkeit auf.
• Von den 55 dokumentierten Unverträglichkeitsereignissen traten 37 (67 %) unter Zanubrutinib nicht erneut auf.
• Achtzehn Ereignisse (33 %) traten unter Zanubrutinib erneut auf, davon elf mit gleichem, sieben mit geringerem und keines mit höherem Schweregrad als unter Acalabrutinib.
• Drei Patienten brachen die Behandlung mit Zanubrutinib aufgrund desselben Ereignisses ab, das auch zum Abbruch der Acalabrutinib-Therapie geführt hatte (Myalgie, Hautausschlag, Diarrhö; alle mit gleicher Schwere wie zuvor).
• Fünf Patienten erlebten dasselbe Unverträglichkeitsereignis sowohl unter Acalabrutinib als auch unter Ibrutinib.
• Bei vier von ihnen trat unter Zanubrutinib entweder kein Wiederauftreten auf oder nur ein Ereignis vom Grad 1.
• Ein Patient hatte Diarrhö vom Grad 3 unter allen drei BTK-Inhibitoren.

Bei 39 auswertbaren Patienten lag die Krankheitskontrollrate bei 92.3 %. Davon zeigten 22 Patienten (56.4 %) nicht nur eine Stabilisierung, sondern auch eine weitergehende positive Reaktion auf die Behandlung.

Positives Fazit

Die aktuellen Daten zeigen, dass Patienten, die Acalabrutinib nicht vertragen haben, sicher und wirksam auf Zanubrutinib wechseln können. Obwohl die Behandlungsdauer mit Zanubrutinib im Schnitt länger war als mit Acalabrutinib (18.2 gegenüber 5.7 Monaten), traten 67 % der früheren Unverträglichkeiten nicht erneut auf. Außerdem erzielte die Umstellung auf Zanubrutinib bei Patienten, deren Wirksamkeit bewertet werden konnte, eine Krankheitskontrollrate von 92 %. Insgesamt sehen die Studienautoren Zanubrutinib als gut verträgliche und effektive Alternative für Patienten mit Unverträglichkeit gegenüber Acalabrutinib an.

Quelle: Zanubrutinib is Well Tolerated and Effective in Acalabrutinib-Intolerant Patients With B-Cell Malignancies: A Long-Term Follow-Up. Dr. Mazyar Shadman et al. ASH 2025, December 6–9, 2025, Abstract 5663.

Dr. med. Thomas Ferber

1. Shadman M, et al. Zanubrutinib is well tolerated and effective in acalabrutinib-intolerant patients with B-cell malignancies: A long-term follow-up. Blood, 2025;146 (Suppl 1): 5663
2. Sharman JP, et al. Blood. 2023;142 (Suppl 1): 636.
3. Ghia P, et al. Hemasphere. 2022;6 (12): e801.
4. Seymour JF, et al. Blood. 2023;142 (8): 687-699.
5. Tam CS, Blood. 2019 Jul 24;134(11):851–859.
6. Yazeed Sawalha, et al. OncoTargets and Therapy. 2020:13; 6573—658.
7. Shadman M, et al. Lancet Haematol. 2023;10 [1]: e35-e45.

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  • Vol. 16
  • Ausgabe 1
  • März 2026