- Bedürfnisse junger Onkologiepflegefachpersonen
Im Rahmen des Projekts «Ermittlung der Bedürfnisse junger Onkologiepflegefachpersonen in der Schweiz und verbandsspezifische Unterstützungsmöglichkeiten» führte die Onkologiepflege Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Institut für Pflege der ZHAW eine schweizweite Befragung durch. Dieser Artikel fasst die wesentlichsten Ergebnisse zusammen – erkannte Bedürfnisse sowie bereits vorhandene Unterstützungsangebote – und stellt verbandsspezifische Unterstützungsmöglichkeiten vor.
Einleitung
Bereits heute fehlt es an ausreichenden Pflegefachpersonen in der Onkologie, und mit dem prognostizierten deutlichen Anstieg der Krebsfälle in den kommenden Jahren wird sich dieser Mangel weiter verschärfen. Umso wichtiger ist es, die Bedürfnisse von Berufseinsteiger/-innen in der Onkologiepflege genauer zu verstehen. Ein gelingender Berufseinstieg hat entscheidenden Einfluss auf Arbeitszufriedenheit und langfristigen Verbleib im Beruf. Gezielte Unterstützungsmassnahmen können dazu beitragen, Motivation, fachliche Entwicklung und Versorgungsqualität nachhaltig zu sichern.
Vor diesem Hintergrund hat die Onkologiepflege Schweiz (OPS) im Rahmen einer grösseren Initiative für Berufseinsteiger/-innen in der Onkologiepflege eine Studie in Auftrag gegeben.
Das Ziel des Projekts war es zu untersuchen: (1a) welche fachspezifischen Bedürfnisse junge Pflegefachpersonen haben, die onkologische Patientinnen und Patienten betreuen (1b) welche Unterstützungsangebote sie bereits nutzen und zusätzlich wünschen, (2) welche Strategie und Unterstützungsangebote Arbeitgebende ihnen bieten, sowie (3) welche Unterstützungsangebote der Verband Onkologiepflege Schweiz dieser Gruppe Pflegefachpersonen und ihren Arbeitgebern bieten könnte.
Methode
Im Rahmen dieses Projekts führten wir zwischen dem 28. Februar und 4. Mai 2025 eine Onlinebefragung in der Schweiz durch (deskriptive Querschnittsstudie).
Die Befragung richtete sich an zwei Zielgruppen: 1) Pflegefachpersonen aus den Versorgungssettings Onkologie – Akut- & Langzeitpflege (ambulant und stationär) – mit unterschiedlichen Ausbildungsniveaus, die entweder nicht älter als 35 Jahre waren (Young Care Nurses) oder über eine Berufserfahrung von maximal drei Jahren in der Onkologie verfügten (New Care Nurses). 2.) Zusätzlich wurden auch Führungspersonen im Bereich der Onkologie zur Teilnahme eingeladen.
Die Rekrutierung der Teilnehmenden erfolgte in erster Linie über den Verband Onkologiepflege Schweiz, welcher über den Newsletter, die Webseite sowie auf dem Jahreskongress des Verbands als auch über Kontaktpersonen von Partnerorganisationen (z. B. VFP) über das Projekt informierte und den Zugangslink zur online Befragung zur Verfügung stellte. Zusätzlich erhielten ehemalige Studierende, die kürzlich den Bachelor in Pflege an der ZHAW abgeschlossen haben oder sich in einer Weiterbildung in Onkologie befanden, die Einladung an der Befragung teilzunehmen.
Die Fragebögen wurden spezifisch für dieses Projekt entwickelt. Der Fragebogen für die Pflegefachpersonen umfasst 48 Fragen und jener für die Führungspersonen 47 Fragen, jeweils zu folgenden Themenbereichen: (1) demografischen Merkmalen, (2) Kompetenzen, Kenntnisse oder Fähigkeiten in der Onkologiepflege, (3) Schulungen in den Kompetenzen bei der Einarbeitung, (4) Relevante Unterstützungsangebote hinsichtlich Dokumente & Schulungen, Einarbeitung & Mentoring und zur allgemeinen Unterstützung. Zusätzlich konnten weitere relevante und fehlende Unterstützungsangebote sowie allgemeine Hinweise zum Thema ergänzt werden. Der Fragebogen stand in deutscher, französischer und italienischer Sprache zur Verfügung. Die Erhebung der Daten erfolgte elektronisch mithilfe des Datenerhebungstools REDCap .
Die Datenanalyse erfolgte deskriptiv unter Verwendung der Datenanalysetools R und RStudio Version 4.4.3 (2025). Entsprechend der jeweiligen Skalenniveaus wurden absolute und prozentuale Häufigkeiten, der Mittelwert (M), der Median (Mdn), die Standardabweichung (SD), der Interquartilsabstand (IQR) sowie der Wertebereich (Range) berechnet. Die Auswertungen wurden getrennt für Pflegefachpersonen und Führungspersonen durchgeführt. Anschliessend erfolgte ein deskriptiver Vergleich der beiden Gruppen.
Resultate
Teilnehmende
Von insgesamt 129 Teilnehmenden, welche die Befragung öffneten, füllten schlussendlich 71 Teilnehmende, 49 Pflegefachpersonen und 22 Führungspersonen, den Hauptfragebogen aus und konnten damit in die Analyse eingeschlossen werden. Dabei nutzen 41 Teilnehmende den Fragebogen in deutscher Sprache, 21 Teilnehmende in italienischer Sprache und neun Teilnehmende in französischer Sprache.
Die Pflegefachpersonen waren mehrheitlich weiblich (n = 46), grösstenteils dipl. Pflegefachfrau/-mann HF/FH (n = 43), meist junge Onkologiepflegefachpersonen (n = 33) und überwiegend im ambulanten Spitalsetting (n = 33) sowie im Bereich Hämato-Onkologie (n = 29) tätig. Die Führungspersonen waren mehrheitlich Stationsleitungen (n = 13), mehrheitlich im ambulanten Spitalsetting (n = 33) tätig und verfügten über 1–21 Jahre an Führungserfahrung.
Fachspezifische Bedürfnisse: Einschätzung der Kompetenzen
Bei der Einschätzung der acht Kompetenzen nach EONS Cancer Nursing Education Framework (2022) weicht die von den Pflegefachpersonen vorgenommene Selbsteinschätzung der eigenen Kompetenzen und die von den Führungspersonen eingeschätzte Wichtigkeit dieser Kompetenzen zum Teil stark voneinander ab (Abb. 1).
So schätzten bei vier dieser Kompetenzen 50 % der Pflegefachpersonen die eigene Kompetenz auf der gegebenen Skala von 0 (gar nicht kompetent) bis 10 (sehr kompetent) mit einem Wert von sieben oder weniger ein. Bei den anderen vier Kompetenzen schätzten 50 % der Pflegefachpersonen die eigene Kompetenz mit einem Wert von sechs oder weniger ein. Demgegenüber schätzen 50 % der Führungspersonen alle Kompetenzen auf der gegebenen Skala von 0 (gar nicht wichtig) bis 10 (sehr wichtig) mit einem Wert von acht oder höher ein.
Fachspezifische Bedürfnisse: Einarbeitung/Schulungen
Bei den Einschätzungen der fachspezifischen Bedürfnisse während der Einarbeitungszeit und den damit verbundenen Schulungen, zeigt sich zwischen den Schulungen, die die Pflegefachpersonen erhalten haben und deren Wichtigkeit aus Sicht der Führungspersonen eine gute Übereinstimmung (Abb. 2).
Hiervon ausgenommen sind Schulungen bezüglich «Fachwissens zu den häufigsten onkologischen Krankheitsbildern», welche nur 59 % der Pflegefachpersonen erhielten. Demgegenüber gaben 95 % der Führungspersonen an, auf diese Schulungen innerhalb der Einarbeitung Wert zu legen.
Unterstützungsangebote: Angebot und Relevanz
Zwischen den aus Sicht der Pflegefachpersonen relevanten Unterstützungsangeboten und der Unterstützung, welche die Institutionen gemäss der Führungspersonen anbieten, sind grössere Abweichungen feststellbar.
Bezogen auf die Unterkategorie Dokumente/Schulungen (Abb. 3), nannten nur 57 % der Pflegefachpersonen «Checklisten» als ein relevantes Unterstützungsangebot, hingegen nannten 82 % der Führungspersonen diese als ein relevantes Angebot. Während in der Unterkategorie Einarbeitung/Mentoring keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Pflegefachpersonen und den Führungspersonen erkennbar sind (Abb. 4), gaben in der Unterkategorie Allgemeine Unterstützung (Abb. 5) nur circa die Hälfte der Pflegefachpersonen die Angebote «Emotionale Unterstützung» mit 51 % und «Unterstützung in der Karriere» mit 45 % als relevant an, während 86 % beziehungsweise 82 % der Führungspersonen die beiden Angebote als vorhandene Unterstützung nannten.
Bezogen auf diese drei Angebotskategorien zur Unterstützung gaben die Pflegefachpersonen eine Vielzahl an Freitextergänzungen zu den Bedarfen an. Die Führungspersonen nannten diesbezüglich fehlende Werkzeuge. Die Freitextergänzungen der Pflegepersonen und der Führungspersonen konnten wie folgt zusammengefasst und geordnet werden:
Zusätzliche Bedarfe der Pflegefachpersonen:
• Dokumente/Schulungen: Regelmässige interne Fortbildungen und (Mikro-)Schulungen (onkologische Erkrankungen, Pflege, Kommunikation), mehr strukturierte Informationen, Zugriff auf Fachinformationen, z. B. Onkologika.ch
• Einarbeitung/Mentoring: Einführung in der Hämatologie, mehr Begleitung durch geschultes Pflegepersonal
• Allgemeine Unterstützung: Fallbesprechungen, Super-/Intervision, Rituale im Team, Beratungen mit Fachpersonal, weniger wertende Einstellung, mehr emotionale Unterstützung, Zugang zu externen Fort-/Weiterbildungen (theoretische Grundlagen, neue Therapien) und Teilnahme an Kongressen, Unterstützung der beruflichen Karriere, mehr Personal und Zeit im Arbeitsalltag.
Fehlende Werkzeuge aus Sicht der Führungspersonen:
• Dokumente/Schulungen: Werkzeuge zur Aufrechterhaltung der Kompetenzen
• Einarbeitung/Mentoring: Mehr Fachkräfte finden, um 1 : 1 Coaching anbieten zu können, evidenzbasierte Werkzeuge zur Integration für die neuen, unerfahrenen Pflegefachpersonen in der Onkologie.
• Allgemeine Unterstützung: Aus-/Fortbildungsangebot in Hämatologie.
Wie kann der Verband Onkologiepflege Schweiz unterstützen
Die Befragung von Pflegefachpersonen und Führungskräften zeigt, dass bereits verschiedene Angebote bestehen, um Berufseinsteiger/-innen in der Onkologie zu unterstützen. Gleichzeitig wird aber deutlich, dass es unterschiedliche Einschätzungen zu den besonders wirksamen Massnahmen gibt. Übereinstimmend lässt sich festhalten, dass in den Bereichen Fortbildung (insb. Hämatologie), Mentoring/Coaching sowie Tools zur Aufrechterhaltung der Kompetenzen ein erhöhter Unterstützungsbedarf besteht.
Die OPS wird sich im Rahmen ihres Fortbildungsprogramms und durch gezielte Projekte dafür einsetzen, dass Praxis und Management künftig auf zusätzliche Ressourcen und Angebote zählen können. Ziel ist es, Berufseinsteiger/-innen in ihrer Einführungsphase bestmöglich zu begleiten, ihre Motivation zu fördern und sie langfristig für die Onkologiepflege zu gewinnen.
Nicole Zigan MSc Pflege, dipl. Pflegefachfrau 1
Milena Marta Bruschini MSc Pflege, dipl. Pflegefachfrau 2
Prof. Dr. Maria Schubert dipl. Pflegefachfrau, PhD 3
Prof. Manuela Eicher 4
1 Wissenschaftliche Mitarbeiterin,
Forschung & Entwicklung und MSc Pflege
Institut für Pflege, ZHAW Gesundheit,
Katharina-Sulzer-Platz 9, 8400 Winterthur
nicole.zigan@zhaw.ch
2 Wissenschaftliche Mitarbeiterin,
Forschung & Entwicklung und MSc Pflege
Institut für Pflege, ZHAW Gesundheit
Katharina-Sulzer-Platz 9, 8400 Winterthur
milena.bruschini@zhaw.ch
3 Professur Pflege in der Akutversorgung und Dozentin
Co-Leiterin Forschung & Entwicklung und MSc Pflege
Institut für Pflege, ZHAW Gesundheit
Katharina-Sulzer-Platz 9, 8400 Winterthur
maria.schubert@zhaw.ch
4 Präsidentin Onkologiepflege Schweiz
Onkologiepflege Schweiz
Mauerrain 3, 3012 Bern
Projektteam: Natalie Battaglia, Nicole Corballis, Sara Kohler, Giovanni Presta, Petra Stolz Baskett, Natacha Szüts
Dies ist eine Zweitpublikation. Die Originalversion wurde in der Fachzeitschrift Onkologiepflege Ausgabe 03/2025.
EONS Cancer Nursing Education Framework, European Oncology Nursing Society (EONS) 2022, https://www.cancernurse.eu/cancer-nursing-education-framework R und R Studio Version 4.4.3, 2025, (https://www.r-project.org/).










