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Prehabilitation als dankbare Aufgabe für die Hausarztpraxis
Prehabilitationsprogramme zur Verbesserung der postoperativen Genesung werden seit Jahren diskutiert. Die Ansätze basieren vorwiegend auf einer verbesserten körperlichen Fitness und auf einem ausgewogenen Ernährungszustand. Die Autorinnen und Autoren fanden im Zeitraum der Veröffentlichung zwischen 2004 und 2024 23 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt 2182 Teilnehmern, welche eine Verbesserung der chirurgischen Genesung dank Bewegungs- und ernährungsbasierten Prehabilitationsprogrammen anstrebten. Primärer Endpunkt waren Operationskomplikationen sowie die stationäre Aufenthaltsdauer (LOS). Sekundäre Ergebnisse umfassten Lebensqualität (QoL), Schmerzen und psychische Gesundheit. Random-Effects-Metaanalysen schätzten gepoolte Effektgrössen.
Bewegungs- oder ernährungsbasierte Prehabilitation reduzierte Komplikationen (Odds Ratio 0,52, p<0,002) und Aufenthaltsdauer (LOS) (mittlere Differenz [MD] -0,44 Tage, p=0,01) im Vergleich zur Standardbehandlung. Beim Vergleich der Interventionen zeigte die alleinige Ernährungsprehabilitation eine stärkere Reduktion der LOS als die alleinige Bewegungsprehabilitation (MD -1,09 Tage vs. MD -0,20 Tage; p=0,01). Während QoL in alleinigen Ernährungs-RCTs nicht berichtet wurde, verbesserte alleinige Bewegung die QoL (standardisiertes MD 0,94, p=0,01) im Vergleich zur Standardbehandlung. Insgesamt ergaben die Prehabilitationsprogramme statistisch signifikante Verbesserungen der Operationsergebnisse.
Fazit
Eine geplante Operation ist ein günstiger Zeitpunkt, das Gesundheitsverhalten unserer Patienten zu beeinflussen. Es bestehen gute Daten, welche zeigen, dass die Hospitalisationsdauer einer geplanten Operation und die Operationskomplikationen, aber auch Schmerzen, Lebensqualität und psychische Gesundheit, mit Prehabilitationsprogrammen günstig beeinflusst werden können.
Erstaunlich ist das Resultat, dass Bewegungsprogramme die Komplikationsrate, nicht jedoch die Aufenthaltsdauer reduzierten, während Ernährungsinterventionen die Verweildauer verkürzten, nicht aber die Komplikationsrate beeinflussten. Leider wurden in dieser Studie die finanziellen Auswirkungen nicht beleuchtet, aber es darf angesichts der kürzeren LOS und weniger Komplikationen vermutet werden, dass solche Prehabilitationsprogramme zumindest kostenneutral, wenn nicht sogar kosteneffizient sind. Wenn es in der Hausarztpraxis gelingt, Patientinnen und Patienten vor Operationen zu selbstständiger Verbesserung des Gesundheitszustands zu motivieren, wäre es «Dä Föifer und s’Weggli».
KD Dr. med. lic. phil. Marcel Weber
Literatur
Cascavita CT et al. Exercise- and Nutrition-Based Prehabilitation Programs in Surgery: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Am Coll Surg 2026 Jul 1;243(1):168-181. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42283400/
Eine Krebsdiagnose kann Menschen in die Kriminalität treiben
In der Fernsehserie «Breaking Bad» verwandelt sich ein sanftmütiger Chemielehrer in einen Drogenbaron, nachdem er erfahren hat, dass er an Krebs im Endstadium leidet. Eine neue Studie legt nahe, dass die Handlung der Fernsehserie weniger abwegig ist, als es scheint. Forscher in Dänemark und den Niederlanden haben herausgefunden, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Krebspatient eine Straftat begeht, in den zehn Jahren nach der Diagnose um 14 % höher ist als die Basisrate bei Menschen, die die Krankheit noch nicht entwickelt haben.
Die Studie – durchgeführt von Forschern der Copenhagen Business School, der Universität Kopenhagen und der Universität Tilburg – stützt sich auf Verwaltungsdaten, die die gesamte dänische Bevölkerung von 1980 bis 2018 abdecken. Die Kriminalität steigt nicht sofort an. Im Jahr der Diagnose und unmittelbar danach sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Straftat sogar, vielleicht weil sich die Patienten in Behandlung befinden. Einige Jahre später steigt sie jedoch an und bleibt mindestens ein Jahrzehnt lang erhöht.
Eine Vorstrafenhistorie hat keinen grossen Einfluss auf dieses Muster. Stattdessen sind die stärksten Prädiktoren für Kriminalität die finanzielle Situation der Patienten und ihre Prognose.
Kommentar
Selbst in Dänemark, wo die Gesundheitsversorgung kostenlos und die Sozialleistungen grosszügig sind, führt Krebs zu Einkommensverlusten und erhöht das Risiko der Arbeitslosigkeit. Der Anstieg der Kriminalität konzentriert sich auf finanziell und soziodemographisch schwache Patienten, wie beispielsweise Menschen ohne Partner oder mit geringem Bildungsniveau. Finanzielle Belastungen könnten erklären, warum Wirtschaftsdelikte – wie Drogenhandel und Einbrüche – in absoluten Zahlen den stärksten Anstieg verzeichnen (wenn auch ausgehend von einem höheren Ausgangsniveau). Doch Geld ist nicht der einzige Beweggrund. Gewaltverbrechen nehmen in den zehn Jahren nach einer Diagnose um durchschnittlich 21 % deutlich zu. Auch Sexualdelikte haben erheblich zugenommen. Die Autoren stellen fest, dass die Kriminalität bei Menschen mit schwereren Krebsformen stärker angestiegen ist.
Wenn die eigene Zukunft durch eine Krankheit plötzlich verkürzt werden könnte, erscheint eine Gefängnisstrafe weniger bedrohlich. Diese Verhaltensmuster sind in Ländern mit weniger dichtem Sozialnetzwerk wohl noch grösser und eine Herausforderung.
Prof. em. Dr. med. Beat Thürlimann
Literatur
https://www.economist.com/graphic-detail/2026/03/01/a-cancer-diagnosis-can-push-people-to-crime?giftId=YjlhYzdmMWItODBlOS00NWEyLWI0ZWYtYTU4N2Y2OGM5MmU3&utm_campaign=gifted_article





