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Kardiovaskuläres Risiko bei Rauchenden: Was die Hausarztpraxis tun kann

Das Thema Rauchen bleibt ein Dauerbrenner. Denn obwohl der konventionelle Tabakkonsum weiter sinkt, nimmt der Nikotinkonsum wieder deutlich zu. Auch wenn viele Schadstoffe von klassischen Zigaretten durch moderne «Alternativen» wie Vapes reduziert wurden, bleibt die Gefahr durch andere Schadstoffe bestehen. Was viele Konsumenten nicht wissen: Rauchen – egal auf welche Art – ist nicht nur schlecht für die Lunge, sondern insbesondere auch für die kardiovaskuläre Gesundheit, warnte Prof. Dr. med. Isabella Sudano (Universitätsspital Zürich) an ihrem Vortrag zum Thema Rauchstopp am diesjährigen Kongress für Hausarztmedizin KHM 2026.



Rauchen gehört zu den wichtigsten beeinflussbaren kardiovaskulären Risikofaktoren. Für die Hausarztpraxis ist dabei eine Botschaft besonders relevant: Auch wenige Zigaretten sind aus kardiovaskulärer Sicht nicht harmlos. Bereits der Konsum von ein bis vier Zigaretten pro Tag ist mit einer signifikant erhöhten kardiovaskulären Mortalität gegenüber Nichtrauchenden verbunden, betonte Prof. Sudano. Eine Reduktion des Zigarettenkonsums kann das Risiko zwar senken, erreicht jedoch nicht den präventiven Nutzen einer vollständigen Tabakabstinenz.

Auch alternative Nikotin- und Tabakprodukte lösen dieses Problem nicht automatisch. Dass diese Produkte häufig als «weniger schädliche» Alternative wahrgenommen werden, kann dazu führen, dass ihre gesundheitlichen Risiken unterschätzt werden, was auch bei Nichtrauchenden die Hemmschwelle senkt. «Leider ist Rauchen wieder salonfähig», fasste Prof. Sudano diese Entwicklung pointiert zusammen. E-Zigaretten und erhitzte Tabakprodukte enthalten weiterhin eine Vielzahl potenziell schädlicher Substanzen, welche die Gefässfunktion beeinträchtigen können und ein erhöhtes Risiko für Myokardinfarkt bergen. Besonders irreführend seien dabei die als «nikotinfrei» deklarierten Produkte, da die Definition von «nikotinhaltig» synthetisch hergestelltes Nikotin nicht einschliesse, warnte Prof. Sudano.

Rauchstopp als Teil des kardiovaskulären Risikomanagements in der Hausarztpraxis

Das Thema Rauchen sollte in der Praxis genauso selbstverständlich angesprochen werden wie Blutdruck, LDL-Cholesterin oder Bewegung. Gerade bei Patient:innen mit Hypertonie, Dyslipidämie, Diabetes mellitus, positiver Familienanamnese oder bereits manifester kardiovaskulärer Erkrankung bietet die individuelle Risikosituation einen guten Gesprächseinstieg. Prof. Sudano schlägt dafür die etablierte 5-A-Strategie vor: Tabakkonsum erfragen, Motivation und Abhängigkeit einschätzen, Rauchstopp empfehlen, beim Aufhören unterstützen und die Patient:innen kurz- und langfristig weiterbetreuen (Tab. 1).

Beratung und Pharmakotherapie gehören zusammen

Entscheidend ist, Rauchen nicht nur als pharmakologisch behandelbare Nikotinabhängigkeit zu betrachten. Gewohnheiten und automatisierte Situationen spielen eine zentrale Rolle und müssen parallel bearbeitet werden. Motivierende Gesprächsführung – wertfrei, empathisch und respektvoll – hilft, Ambivalenzen sichtbar zu machen und eigene Veränderungsargumente der Patient:innen zu fördern.

Das konkrete Vorgehen richtet sich nach der Veränderungsbereitschaft der Betroffenen (nicht motiviert, ambivalent oder motiviert). Verhaltensberatung bildet hierbei eine wichtige Grundlage der Tabakentwöhnung. Auch medikamentöse Ansätze sind wirksam; den grössten Erfolg verspricht die Kombination beider Strategien. Ist eine medikamentöse Unterstützung angezeigt, sollte sie daher stets in ein Beratungskonzept eingebettet werden. Als etablierte medikamentöse Optionen wurden im Seminar Nikotinersatztherapie, Bupropion und Vareniclin/Cytisin diskutiert. Der PEPra Algorithmus zur pharmakologischen Behandlung bietet hierzu eine detaillierte Orientierung und richtet die Therapie am individuellen Ausmass der Nikotinabhängigkeit aus.

Bei der Nikotinersatztherapie kann insbesondere die Kombination einer kontinuierlichen Basistherapie, etwa als Pflaster, und einer rasch wirksamen Form wie Kaugummi oder Spray sinnvoll sein. Daneben kommen mit Bupropion und Vareniclin auch zentral wirksame, nicht nikotinhaltige Pharmakotherapien infrage. Die Auswahl der geeigneten Therapie sollte individuell erfolgen und Begleiterkrankungen, mögliche Interaktionen und Kontraindikationen berücksichtigen. Für Bupropion müssen beispielsweise gewisse Medikamenteninteraktionen beachtet werden; zudem ist bei Leber- und Nierenfunktionsstörungen sowie bei bipolarer Erkrankung Vorsicht geboten. Vareniclin zählt zu den wirksamsten medikamentösen Optionen der Tabakentwöhnung und ist seit Februar 2026 in der Schweiz wieder zugelassen. Die Vergütung ist derzeit nur unter strengen Bedingungen und bei sehr starker Nikotinabhängigkeit gegeben.

Fazit für die Praxis

Beim kardiovaskulären Risikomanagement von Rauchenden sollte das Ziel nicht lauten, «etwas weniger» zu rauchen, sondern möglichst vollständig aufzuhören. Schon wenige Zigaretten pro Tag sind mit relevantem kardiovaskulärem Risiko verbunden, und alternative Tabakprodukte sind nicht risikofrei. Die Hausarztpraxis hat dabei eine Schlüsselrolle: Rauchstatus konsequent erfragen, das individuelle Risiko sichtbar machen, wertfrei motivieren und konkrete Hilfe anbieten. Schon eine kurze Intervention ist sinnvoll. Und wer aufhören möchte, profitiert am meisten von einer Kombination aus kontinuierlicher Begleitung, Verhaltensänderung und einer individuell passenden Pharmakotherapie.

red.

1. Bjartveit K, Tobacco Control 2005;14:315-20
2. AlzahraniT et al, Am J PrevMed2018
3. https://www.pepra.ch/application/files/5816/8052/8538/Basisdok_A4_Algorithmus1_dt_web.pdf verfügbar unter https://www.pepra.ch/de/tabak
4. https://www.pepra.ch/application/files/7116/8052/8394/Basisdok_A4_Algorithmus2_dt_web.pdf verfügbar unter https://www.pepra.ch/de/tabak
5. Anthenelli RM, Benowitz NL, West R, St Aubin L, McRae T, Lawrence D, Ascher J, Russ C, Krishen A, Evins AE. Neuropsychiatric safety and efficacy of varenicline, bupropion, and nicotine patch in smokers with and without psychiatric disorders (EAGLES): a double-blind, randomised, placebo-controlled clinical trial. Lancet 2016 Apr 22. doi: 10.1016/S0140-6736(16)30272-0 [Epub ahead of print].

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  • Vol. 16
  • Ausgabe 5
  • Oktober 2026