Kongressausgabe ASCO / EHA 2026



Hier finden Sie das PDF der ASCO/EHA-Kongresszeitung

Editorial ASCO-Kongresszeitung

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Während unsere Fussballer diesen Sommer mit dem Einzug ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft in den USA begeistert haben, haben wir in der medizinisch onkologischen Weltklasse Ähnliches erlebt. Am diesjährigen ASCO in Chicago hat die Schweizer Onkologie bewiesen, dass wir in der obersten Liga mitspielen.

Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr. Er ist das Ergebnis harter Arbeit innerhalb unserer Netzwerke. Besonders das Swiss Cancer Institute spielt hier eine entscheidende Rolle. Als ­starke Plattform für klinische Studien bündelt es unsere Ressourcen und ermöglicht uns eine wissenschaftliche Qualität, die international für Aufsehen sorgt. Ohne diesen Zusammenhalt wären solche ambitionierten Projekte kaum stemmbar.

Zwei Beispiele zeigen eindrücklich, wohin diese Reise geht. Roger von Moos hat mit der SAKK 96/12 Studie gezeigt, dass wir durch eine kluge Dosisreduktion bei Denosumab unsere Patienten entlasten und gleichzeitig die gleiche Wirksamkeit erzielen. Das ist ein echter Fortschritt für die Lebensqualität. Richard Cathomas wiederum hat mit der SAKK 06/19 Studie beim Blasenkrebs Resultate präsentiert, die Massstäbe setzen. Mit einer pathologischen Komplettremission von 65 Prozent zeigen wir, was möglich ist, wenn wir neue Wege in der Kombinationstherapie gehen.

Das Swiss Cancer Institute ist der Motor hinter diesen Erfolgen. Wir sind heute keine Zuschauer mehr, sondern Gestalter der internationalen Krebsforschung. Ich bin stolz darauf, was wir gemeinsam erreicht haben.

Erstmals führten wir an diesem ASCO zudem Interviews direkt vor Ort in Chicago durch und schalteten diese im Anschluss zeitnah auf unserer Webseite auf. So konnten wir aktuelle Einschätzungen, persönliche Eindrücke und fachliche Einordnungen unmittelbar vom Kongressgeschehen aufnehmen – und auch all jene, die nicht vor Ort dabei sein konnten, brandaktuell und aus erster Hand über die wichtigsten Entwicklungen informieren.

Die zahlreichen Aufrufe der Interviews zeigen eindrücklich, dass dieses Angebot einem echten Bedürfnis entsprach.

• Prof. Dr. med. Reinhard Dummer
• Prof. Dr. med. Roger von Moos
• PD Dr. med. Michael Mark
• Prof. Dr. med. Richard Cathomas
• Prof. Dr. med. Arnoud Templeton
• Dr. med. Michael Schwitter
• Dr. med. Tämer El Saadany

Zu den Video-Interviews

Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und freuen uns auf den Austausch und viele Diskussionen bei unseren nächsten Treffen.

Prof.  Dr. med. Roger von Moos
Chefredaktor

Eleonore E. Droux
Geschäftsinhaberin und Publizistische Leitung

Editorial EHA-Kongresszeitung

Immun- und zielgerichtete Therapien verändern unsere hämatologische Therapielandschaft

Der diesjährige Kongress der European Hematology Association (EHA) 2026 in Stockholm hat erneut vor Augen geführt, wie dynamisch sich die Therapielandschaft in der Hämatologie entwickelt – mit Fortschritten, die für viele Patientinnen und Patienten einen echten Unterschied ausmachen können und den Pfad zur personalisierten und individualisierten Medizin konsequent weiterverfolgen. Ich erlaube mir, Ihnen ein paar Kongress-Highlights in Kurzform vorzustellen und hoffe, Ihr Interesse für die einzelnen Beiträge wecken zu können.

So bestätigen die Phase-3-Studien MonumenTAL-3 und MajesTEC-9 in der Myelombehandlung, dass bispezifische Antikörper (BiMab) zunehmend früher im Behandlungsverlauf zum Einsatz kommen können. Talquetamab plus Daratumumab senkten in MonumenTAL-3-Studie das Risiko für Progression oder Tod bei vorbehandeltem, rezidivierten/refraktären Myelompatienten (rrMM) um bis zu 72 Prozent gegenüber der bisherigen Standardkombination (1) (S. 21). In MajesTEC-9 zeigte Teclistamab bereits nach dem ersten Rückfall eine deutliche Verlängerung des progressionsfreien und Gesamtüberlebens (2) (S. 17). Beide Studien sprechen dafür, dass BCMA- und GPRC5D-gerichtete BiMAb künftig in frühen Therapielinien eine wichtige Rolle spielen dürften.

Im Bereich der Lymphome hat die Phase-3-Studie frontMIND gezeigt, dass die Ergänzung von Tafasitamab und Lenalidomid zu R-CHOP (Tafa-Len-R-CHOP) das Risiko für Progression oder Tod bei neu diagnostiziertem Hochrisiko-DLBCL um 25 Prozent reduziert, somit eine neue Option in der Erstlinientherapie für diese schwer zu behandelnde Patientengruppe darstellt (3) (S. 23). Parallel dazu liefern erste In-vivo-CAR-T-Daten einen Ausblick auf eine potenziell einfachere und breiter verfügbare Zelltherapie: Bei rezidiviertem/refraktärem B-Zell-Lymphom wurden in einer kleinen Kohorte Ansprechraten von 100 Prozent bei guter Verträglichkeit berichtet (4) (S. 24). Langzeitdaten fehlen und werden hoffentlich zeigen, dass mit diesem eleganten Ansatz auch Heilungen möglich sind.

Bei der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) rücken mit der Kombination aus BCL2-Inhibitoren und BTK-Inhibitoren rein orale, zeitlich begrenzte Erstlinientherapien in greifbare Nähe, die dem etablierten Venetoclax-Obinutuzumab-Schema Konkurrenz machen können. Ergänzend zeigen erste Daten für BTK-Degrader (z.B. BGB-16673, CaDAnCe-101-Studie) bei CLL-Patienten/-innen mit BTKi- und BCL2i-resistenter Erkrankung eine hohe Wirksamkeit mit einer Gesamtansprechrate von 83.8% (5) (S. 17).

Auch bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) steht die Optimierung im Vordergrund: Die randomisierte OptiAML-Studie verglich bei älteren Patienten/-innen ein verkürztes 14-tägiges Venetoclax-Schema mit dem bisherigen 28-Tage-Standard, um Zytopenien und Infektionsrisiken zu reduzieren (6) (S. 17). Die Phase-1/2-Studie TUSCANY wiederum prüfte die Dreifachkombination aus Tuspetinib, Venetoclax und Azacitidin als mutationsunabhängige Erstlinientherapie – mit ermutigenden MRD-negativen Remissionen (> 62%) auch bei ungünstiger Zytogenetik wie TP53-Mutationen (7) (S. 20).

Diese Auswahl zeigt: Der Fortschritt in der Hämato-Onkologie verläuft zunehmend über zwei Schienen: 1. Die Entwicklung neuer zielgerichteter Substanzen und, 2. über die Kombination bekannter Wirk­prinzipien und Optimierung der Applikationsschemata. Somit können wir unseren Patienten/-innen wirkungsvolle und häufig besser verträglichere Therapien anbieten.

Nun wünsche ich Ihnen viel Spass bei der Lektüre der vorliegenden Sonderausgabe zum EHA 2026 Kongress!

Prof. Dr. med. Christoph Renner
Klinik für Hämatologie & Onkologie Hirslanden,
Hirslanden Cancer Institute
Zürich

 

1. Voorhees PM et al. MonumenTAL-3, Abstract S100; NEJM DOI: 10.1056/NEJMoa2604657
2. Touzeau C et al. MajesTEC-9, Abstract S195; NEJM DOI: 10.1056/NEJMoa2603870
3. Lenz G et al. frontMIND, Abstract S101; Lancet 2026;407:2528–2541
4. Fan L et al., Abstract LB5006
5. Stilgenbauer St et al. CaDAnCe-101, Abstract S152
6. Borate U et al. OPTI-AML, Abstract S126
7. Podoltsev N et al. TUSCANY, Abstract S134

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  • Vol. 16
  • Ausgabe 3
  • Juli 2026