Wissen Aktuell

SGAIM-Frühjahrskongress 2026 – Teil 3

Unter dem Motto «The good doctor» fand im Swiss Tech Convention Center in Epalinges der Frühjahreskongress der SGAIM statt. Angesichts der aktuellen Herausforderungen im Gesundheitswesen sollte erneut in den Mittelpunkt gerückt werden, was den Beruf des Arztes wesentlich ausmacht: Zuhören, eine sorgfältige Untersuchung, klinische Argumentation, umfassende Kenntnisse für eine ganzheitliche Betreuung sowie Empathie. Dies betonte Kongresspräsident Prof. Jacques Donzé in seiner Begrüssung. Der dritte Teil des Kongressberichts fasst ausgewählte Präsentationen zu Endokrinologie, Impfungen im Erwachsenenalter, aktuellen Entwicklungen in der Infektiologie und pneumologischen Neuerungen zusammen.



Update Endokrinologie

Schilddrüse


Prof. Dr. med. Felix Beuschlein, Vorsitzender und Direktor des Departements für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung am Universitätsspital Zürich, befasste sich zunächst mit Referenzwerten. Er zitierte eine Querschnittsanalyse auf Basis einer amerikanischen und chinesischen Probandenkohorte ohne Schilddrüsenerkrankung. Das Referenzintervall ist als 2,5.–97,5. Perzentil definiert und wurde nach Alter, Geschlecht und Ethnie unterteilt. So liegt das TSH-Referenzintervall beispielsweise bei 60- bis 70-jährigen Frauen zwischen 0,56 und 7,16 mU/l.

Kaum ein Labor bietet altersadaptierte Referenzwerte an. Deshalb muss der physiologische TSH-Anstieg im Alter mitgedacht werden.

Schilddrüsenhormontherapie bei Hypothyreose

Die Leitlinien zur Schilddrüsenhormontherapie bei Hypothyreose wurden von einer internationalen Expertengruppe der European Thyroid Association verfasst. Levothyroxin bleibt die Standardtherapie, ist jedoch nicht immer optimal, insbesondere in Bezug auf TSH-Kontrolle und Symptomkontrolle. Empfohlen wird die Einnahme 60 Minuten vor dem Frühstück oder mindestens vier Stunden nach einer Mahlzeit. Wechselwirkungen mit Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln sind zu beachten.

Bei stabiler Einstellung sollte kein Markenwechsel erfolgen. Falls ein Wechsel notwendig ist, wird eine Kontrolle nach sechs Wochen empfohlen. Als Dosisrichtwerte gelten > 1,5–1,7 µg/kg bei intakter Schilddrüse und > 1,8–2,0 µg/kg nach Thyreoidektomie. Bei höheren Dosisanforderungen sollte an Non-Compliance oder Malabsorption gedacht werden. Flüssig- oder Weichkapsel-Formen können bei Malabsorption oder persistierend hohem TSH empfohlen werden.

Behandlungspräferenz bei Hypothyreose

Trotz Levothyroxin-Therapie bleiben manche Patienten symptomatisch. Eine systematische Metaanalyse von 11 randomisierten kontrollierten Studien bis April 2024 mit 1135 Patienten verglich LT4-Monotherapie mit LT4 plus LT3 oder Schilddrüsenextrakt. Die Kombinationstherapie wurde signifikant häufiger bevorzugt: 24 % hatten keine Präferenz, 24 % bevorzugten LT4 und 52 % LT4 plus LT3. Zu beachten ist, dass keine klare Aussage über Gesamtfallzahlen im klinischen Alltag sowie über Nebenwirkungen oder Übertherapie möglich ist.

Schilddrüse und Schwangerschaft

Eine neue Leitlinie des Royal College of Obstetricians and Gynaecologists gibt Empfehlungen zur Schilddrüse in der Schwangerschaft.

1. Für die Diagnostik sollen trimester- und herstellerspezifische Referenzbereiche für TSH und fT4 verwendet werden. Falls diese nicht verfügbar sind, gilt im ersten Trimenon ein TSH-Wert von 4,0 mU/l als Orientierung.
2. Die Jodzufuhr sollte täglich 200–250 µg über die Nahrung oder 150 µg Kaliumjodid betragen.
3. Bei manifester Hypothyreose oder subklinischer Hypothyreose mit TSH > 10 mU/l sollte vor der Schwangerschaft ein Ziel-TSH ≤ 2,5 mU/l erreicht werden. Bei positivem Schwangerschaftstest wird eine eigenständige Erhöhung der L-Thyroxin-Dosis um 25–30 % empfohlen, beispielsweise durch doppelte Dosis an zwei Tagen pro Woche. TSH und fT4 sollten alle vier bis sechs Wochen bis zur 20. Schwangerschaftswoche sowie erneut in der 28. Schwangerschaftswoche kontrolliert werden. Das Ziel bleibt ein TSH ≤ 2,5 mU/l.

Bei subklinischer Hypothyreose mit TSH > 10 mU/l sollte eine Behandlung erfolgen. Im ersten Trimenon kann bei positiver TPO-Antikörperlage eine Behandlung erwogen werden. Isolierte Hypothyroxinämien ohne TSH-Erhöhung sollten nicht behandelt werden. Bei TPO-Antikörperpositivität ohne Schilddrüsenfunktionsstörung wird keine prophylaktische L-Thyroxin-Gabe empfohlen.

Bei Hyperthyreose wird im ersten Trimenon Propylthiouracil gegenüber Carbimazol oder Thiamazol bevorzugt, danach Thiamazol. TSH und fT4 sollten alle zwei bis vier Wochen kontrolliert werden; ab der 20. Schwangerschaftswoche kann das Intervall auf vier bis acht Wochen verlängert werden. Ziel ist ein fT4 im oberen Normbereich und ein TSH im Normbereich. Bei gestationsbedingter Hyperthyreose erfolgt nur eine symptomatische Therapie, etwa mit Betablockern.

Morbus Basedow
Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung mit Hyperthyreose. Kausal und pathognomonisch sind TSH-Rezeptor-Antikörper. Die Therapie erfolgt zunächst mit Thyreostatika über 6–18 Monate, anschliessend wird die Behandlung beendet. Bei Rezidiv wird eine definitive Therapie mittels Operation oder Radiojodtherapie erwogen.
Eine endokrine Orbitopathie ist eine Augenbeteiligung bei Morbus Basedow, die teilweise auch ohne Schilddrüsendysfunktion auftreten kann. Die Inzidenz liegt bei etwa 0,5–3,3 Fällen pro 100 000. Klinisch zeigen sich Exophthalmus, Protrusion, Konjunktivitis, Ulzera und Visusminderung. Therapeutisch wurden bisher meist Steroide eingesetzt, gegebenenfalls in Kombination mit Mycophenolatmofetil. Auch Methotrexat bei Morbus Basedow wurde thematisiert.

Fazit für die Praxis: Schilddrüse

Alters- und geschlechtsspezifische Referenzbereiche sollten verwendet werden, um Übertherapie zu vermeiden. Im Alter kann das Absetzen von Schilddrüsenhormonen zur Vermeidung einer Übertherapie sinnvoll sein. Über 50 % der Patienten scheinen eine Kombinationstherapie mit LT4 und LT3 zu bevorzugen, die Datenbasis ist jedoch noch limitiert. Der IGF-1-Hemmer Teprotumumab stellt eine vielversprechende Therapie bei endokriner Orbitopathie dar. Zudem nimmt der Evidenzgrad für einen zurückhaltenden und stufengerechten Einsatz der Radiojodtherapie beim Schilddrüsenkarzinom weiter zu.

Nebenniere

Der Frust mit dem primären Hyperaldosteronismus
Der primäre Hyperaldosteronismus ist die häufigste Form der sekundären Hypertonie. Er betrifft 6–8 % aller Hypertoniker, was rechnerisch etwa 200 000 Patienten in der Schweiz entspricht. Etwa ein Drittel der Fälle ist unilateral und damit potenziell durch Operation heilbar. Zwei Drittel sind bilateral und werden mit Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten behandelt. Dennoch wird der primäre Hyperaldosteronismus weiterhin häufig ignoriert.
Gründe dafür sind, dass die Diagnostik als kompliziert und langwierig wahrgenommen wird. Zudem wird das vermeintlich notwendige Absetzen antihypertensiver Medikamente oft als zu gefährlich eingeschätzt. Dabei haben Patienten mit primärem Hyperaldosteronismus selbst bei gleicher Blutdruckeinstellung eine signifikant höhere kardiovaskuläre Morbidität und Gesamtmortalität.

Brauchen wir einen Bestätigungstest?

In einer prospektiven Studie von Leung et al. wurden 156 Patienten mit pathologischem Aldosteron-Renin-Quotienten untersucht. Sie erhielten einen Kochsalzbelastungstest mit 2 l 0,9 %iger Kochsalzlösung über vier Stunden. Der Test wurde mit dem klinischen Behandlungserfolg nach sechs Monaten korreliert, definiert durch Blutdrucksenkung, Reduktion der Antihypertensiva und Normalisierung der Biochemie.

Eine Besonderheit der Studie war, dass die Kliniker gegenüber dem Kochsalztest geblindet waren und alle Patienten eine aldosterongerichtete Therapie erhielten, entweder Operation oder Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten. Der Ansatz ist interessant, die Studie war jedoch sehr klein, mit insgesamt nur 14 Non-Respondern, und die Kohorte war nicht vollständig repräsentativ, da beispielsweise 74 % eine Hypokaliämie und 60 % ein Nebennierenadenom aufwiesen.

Neue internationale Leitlinie zum primären Hyperaldosteronismus

Die neue internationale Leitlinie zum primären Hyperaldosteronismus stellt eine grundlegende Überarbeitung der Leitlinie von 2016 dar. Ein neues Autorenteam verfolgte den wesentlichen Grundgedanken, dass bisherige Leitlinien Unterdiagnostik und Unterbehandlung nicht verhindern konnten. Das Management soll daher einfacher werden. Nach Auswahl von zehn klinischen Fragen wurden zehn konkrete Empfehlungen auf Basis einer systematischen Literaturrecherche formuliert.

Bei allen Patienten mit Hypertonie sollte unabhängig von der Therapie Kalium, Aldosteron und Renin bestimmt werden. Die Diagnosekriterien für primären Hyperaldosteronismus sind erfüllt, wenn die Renin-Konzentration < 5,3 ng/l, Aldosteron per Immunoassay ≥ 100 ng/l und der Aldosteron-Renin-Quotient > 40 beträgt.

Bei negativem Ergebnis muss ein falsch-negativer Befund in Betracht gezogen werden, insbesondere bei Hypokaliämie, Therapie mit Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten, Amilorid oder Triamteren sowie unter anderen Diuretika, ACE-Hemmern, ARB oder Dihydropyridin-Kalziumantagonisten. In solchen Fällen kann eine Umstellung der Medikamente über zwei beziehungsweise vier Wochen erforderlich sein. Bei Betablockern oder α2-Agonisten ist auch ein falsch-positives Ergebnis möglich; dann sollte die Medikation mindestens zwei Wochen umgestellt werden. Ist ein falsch-positives Ergebnis unwahrscheinlich, gilt der Hyperaldosteronismus als gesichert.

Therapeutisch stellt sich zunächst die Frage, ob eine Operation gewünscht ist. Falls nicht, werden Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten eingesetzt. Therapieziel sind normales Renin und Normotonie. Falls eine Operation gewünscht wird, muss die Wahrscheinlichkeit einer unilateralen Erkrankung beurteilt werden. Eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht bei Hypokaliämie, Renin < 1,3 ng/l und Aldosteron ≥ 200 ng/l. Eine niedrigere Wahrscheinlichkeit besteht eher bei Normokaliämie und Aldosteron < 110 ng/l. Zur Lokalisationsdiagnostik werden CT und Nebennierenvenenkatheter eingesetzt. Bei unilateralem Befund kann eine Operation erfolgen.

PA Severity Classification

Die PA Severity Classification, kurz PASC, wurde in einem Delphi-Consensus-Verfahren mit 45 internationalen Experten für primären Hyperaldosteronismus entwickelt. Ziel ist es, den primären Hyperaldosteronismus anhand klinischer Parameter und Laborwerte nach Schweregraden zu kategorisieren. Drei bis vier Punkte entsprechen einer milden Form, fünf bis sieben Punkte einer moderaten Form und acht bis neun Punkte einer schweren Form.

Empfohlen wird ein Screening aller Hypertoniker, idealerweise vor Therapiebeginn, aber auch unter laufender Therapie. Das Screening erfolgt weiterhin mit dem Aldosteron-Renin-Quotienten. Häufig kann auf einen Bestätigungstest verzichtet werden. Ist ein Patient kein Operationskandidat oder liegt nur ein milder Hyperaldosteronismus vor, wird ein Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonist eingesetzt. Bei ausgeprägtem Hyperaldosteronismus erfolgt direkt die Lokalisationsdiagnostik. Standard ist dabei der Nebennierenvenenkatheter; in Einzelfällen kann funktionelle Bildgebung ergänzend eingesetzt werden. Therapeutisch kommen Spironolacton, Eplerenon oder eine Operation infrage.

Bei schwer einzustellendem Typ-2-Diabetes sollte auch an Hyperkortisolismus als mögliche Ursache gedacht werden.

Update Impfung für Erwachsene

Bedeutung der Impfung


Die Impfung ist eine der wichtigsten Gesundheitsinterventionen zur Reduktion der Sterblichkeit, stellte Dr. med. Barbara Jakopp, Leitende Ärztin AIM und Hausarztmedizin am Kantonsspital Aarau, eingangs fest.

1974 wurde das WHO-Impfprogramm eingeführt. Dies führte dazu, dass Impfstoffe weltweit besser verfügbar wurden. Insgesamt konnten dadurch 154 Millionen Todesfälle verhindert werden, 95 % davon bei Kindern unter fünf Jahren. Ältere Erwachsene weisen aufgrund der Immunseneszenz und chronischer Begleiterkrankungen ein erhöhtes Risiko für schwere Erkrankungen und eine erhöhte Sterblichkeit auf. Impfungen eignen sich deshalb auch in dieser Altersgruppe als präventive Massnahme, selbst wenn ihre Wirksamkeit aufgrund der Immunseneszenz eingeschränkt sein kann. Um die Immunantwort zu verbessern, werden Impfstoffe mit höheren Dosen eingesetzt (beispielsweise der Hochdosis-Influenza-Impfstoff Efluelda®, oder Impfstoffe mit Adjuvantien, wie AS01B in Shingrix®).

Durch Impfungen lassen sich verschiedene Erkrankungen und deren Komplikationen verhindern. Zu den grundlegenden Impfungen gemäss Schweizer Impfplan gehören unter anderem Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Frühsommer-Meningoenzephalitis. Die Pneumokokken-Impfung dient der Prävention von Pneumonie, Sepsis, Meningitis, kardiovaskulären Komplikationen und Tod. Die jährliche Influenza-Impfung kann Pneumonie, ARDS, kardiovaskuläre Komplikationen und Tod verhindern. Auch die jährliche COVID-19-Impfung zielt auf die Prävention von ARDS, kardiovaskulären Komplikationen und Tod ab. RSV wird ebenfalls als impfpräventable Erkrankung aufgeführt; die Impfung erfolgt einmalig, wobei die Booster-Frage noch unklar ist. Die Shingrix®-Impfung gegen Gürtelrose umfasst zwei Dosen und schützt vor Gürtelrose, disseminiertem Zoster, ophthalmologischen Komplikationen und postherpetischer Neuralgie.

Pneumokokken-Erkrankung

Von Streptococcus pneumoniae sind mehr als 90 verschiedene Serotypen bekannt. Viele Menschen sind im Nasopharynx kolonisiert. Die Übertragung erfolgt über Tröpfcheninfektion beim Niesen, Husten oder Sprechen.
Zu den Risikofaktoren für invasive Pneumokokken-Erkrankungen und Hospitalisationen zählen ein Alter von mindestens 65 Jahren, chronische Komorbiditäten, insbesondere Herz-, Lungen-, Nieren- und Lebererkrankungen, sowie Immunsuppression. In der Schweiz wurden 2025 rund 1100 laborbestätigte Pneumokokken-Fälle registriert, was einer Zunahme um 2,9 % entspricht.

In Hochrisikogruppen manifestiert sich die invasive Pneumokokken-Erkrankung am häufigsten als Pneumonie. Pneumokokken verursachen rund 35 % aller ambulant erworbenen Pneumonien und 41 % der Fälle mit positiven Blutkulturen. Weitere relevante Manifestationen sind primäre Bakteriämie beziehungsweise Sepsis und Meningitis.
Die Prognose invasiver Pneumokokken-Infektionen ist deutlich altersabhängig. Die Spitalmortalität beträgt insgesamt 17–21 %, bei Personen über 65 Jahren 24–26 % und bei über 80-Jährigen 67 %. Auch die Langzeitmortalität bleibt 2,6-fach höher als in der Allgemeinbevölkerung. Die Pneumokokken-Impfrate bei Erwachsenen über 65 Jahren liegt in der Schweiz bei lediglich 9,6 %.

RSV, Influenza, COVID-19 und Herpes zoster

RSV wird über Tröpfchen oder direkten Kontakt übertragen und kann insbesondere bei älteren Menschen Bronchitis, Bronchiolitis und Pneumonie verursachen. Die Saison dauert meist von November bis März oder April. Bei Personen über 65 Jahren sind RSV-Infektionen mit relevanten Hospitalisationsraten, ICU-Aufnahmen und Mortalität verbunden. Die RSV-Impfung wird für Personen über 75 Jahre sowie für Patienten über 60 Jahre mit chronischen Erkrankungen, gebrechliche Personen und Bewohner von Langzeitinstitutionen empfohlen; die Vergütung ist derzeit noch nicht geregelt.

Influenza wird durch Influenza-A- und -B-Viren verursacht und über Tröpfchen oder direkten Kontakt übertragen. Sie kann schwere Komplikationen auslösen, darunter ein deutlich erhöhtes Risiko für Schlaganfall, Myokardinfarkt und Pneumonie. Die jährliche InfluenzaImpfung im Herbst wird insbesondere für Personen ab 65 Jahren und für jüngere Risikopatienten empfohlen. Bei älteren Patienten kann der Hochdosisimpfstoff Efluelda® eingesetzt werden. Die Impfstoffeffektivität ist variabel, reduziert aber Hospitalisationen, ICU-Aufnahmen und Mortalität.

COVID-19 wird durch SARS-CoV-2 verursacht, wobei weiterhin verschiedene Varianten zirkulieren. Die Übertragung erfolgt über Tröpfchen, Aerosole oder direkten Kontakt. Auch SARS-CoV-2 ist mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre und zerebrovaskuläre Komplikationen assoziiert. Die COVID-19-Impfung wird im Herbst für Personen ab 65 Jahren sowie für Personen ab 16 Jahren mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe empfohlen. Sie schützt vor allem vor schweren Erkrankungen, jedoch nicht zuverlässig vor Infektion oder Transmission.

Herpes zoster entsteht durch Reaktivierung des Varicella-Zoster-Virus. Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter; wichtige Komplikationen sind postherpetische Neuralgie und Herpes zoster ophthalmicus. Die Shingrix®-Impfung wird für Erwachsene über 65 Jahre empfohlen und erfolgt mit zwei Dosen im Abstand von zwei Monaten. Eine vorgängige VZV-Serologie ist nicht erforderlich. Die Wirksamkeit beträgt rund 92 %, auch gegen postherpetische Neuralgie; lokale Reaktionen sind häufig.

Mehrere Impfstoffe können gleichzeitig verabreicht werden, wobei unterschiedliche Injektionsstellen empfohlen werden. Inaktivierte Impfstoffe können ohne Mindestintervall gegeben werden. Lebendimpfstoffe sollen entweder gleichzeitig oder mit einem Mindestabstand von vier Wochen verabreicht werden und sind bei Immunsuppression sowie in der Schwangerschaft kontraindiziert. Insgesamt sollte der Impfausweis regelmässig überprüft werden, auch unter Berücksichtigung von Haushaltskontakten.

Update Infektionskrankheiten


Was macht einen guten Arzt auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten aus? Mit dieser Frage eröffnete Prof. Dr. med. Stefan Kuster, Chefarzt der Klinik für Infektiologie, Infektprävention und Reisemedizin am Kantonsspital St. Gallen, seinen Vortrag.

Ein guter Arzt im Bereich der Infektionskrankheiten verfügt über fundiertes Wissen zu Mikroben und Therapien, achtet auf Prävention und öffentliche Gesundheit, denkt diagnostisch präzise, trifft sorgfältige evidenzbasierte Entscheidungen und besitzt gute Kommunikations- und Teamfähigkeiten.

Um im Bereich der Infektionskrankheiten auf dem Laufenden zu bleiben, sollte man regelmässig an Fortbildungen teilnehmen, vertrauenswürdige klinische Leitlinien verfolgen, sich in professionelle Netzwerke und Diskussionen einbringen, wichtige Fachzeitschriften effizient lesen und Ressourcen am Behandlungsort nutzen. Der Referent spannte den Bogen von der globalen zur individuellen Gesundheit, von der ambulanten Versorgung bis zur Intensivmedizin und von der Prävention bis zur Behandlung.

Die Global-Burden-of-Disease-Studie 2023 zeigt eine Verschiebung der Sterblichkeit von Infektionskrankheiten hin zu nichtübertragbaren Krankheiten. Dennoch bleiben Investitionen in die Infektionsprävention und -behandlung entscheidend. In einem Investitionsszenario wurde eine Reduktion der Gesamtmortalität um 15 % und der Mortalität bis zum fünften Lebensjahr um 32 % beschrieben. Zwischen 2001 und 2021 konnten dadurch 91,8 Millionen Todesfälle verhindert werden. Wird die Finanzierung bis 2030 eingestellt, drohen mehr als 14 Millionen zusätzliche Todesfälle. In einem Desinvestitionsszenario wären zwischen 2025 und 2030 rund 8 Millionen zusätzliche Todesfälle zu erwarten, darunter 4,1 Millionen AIDS-bezogene Todesfälle, 607 000 Todesfälle durch Tuberkulose, 2,5 Millionen Kindertodesfälle sowie 40 bis 55 Millionen ungewollte Schwangerschaften.

Globale Gesundheit und Klimawandel

Der Klimawandel beeinflusst die Eignung von Regionen für die Übertragung von Infektionskrankheiten. Für verschiedene Erkrankungen ist das Übertragungspotenzial gestiegen. Die klimatische Eignung für die Übertragung von Dengue durch Aedes albopictus und Aedes aegypti nahm zwischen 1951–1960 und 2012–2023 um 46,3 % beziehungsweise 10,7 % zu.

Auch für Malaria hat sich die geografische Eignung ausgeweitet. Zwischen 1951–1960 und 2014–2023 wurden zusätzlich 17,1 % der globalen Landfläche für die Übertragung von Plasmodium falciparum geeignet, für Plasmodium vivax waren es zusätzliche 21,8 %. Die Umweltgeeignetheit für die Übertragung von Vibrio cholerae erreichte 2023 einen Rekordwert: 88 348 km Küstenlinie wiesen für die Übertragung geeignetes Wasser auf, was einer Steigerung um 14,8 % gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2018 entspricht. Die Temperatureignung für die Übertragung des West-Nil-Virus stieg von 1951–1960 bis 2014–2023 um 4,3 %.

Dengue ist inzwischen auch in der Schweiz angekommen. Im Kanton Basel-Stadt wurde bei einer Untersuchung gefangener Tigermücken erstmals das Dengue-Virus nachgewiesen. In Europa verkürzte sich zwischen 1990 und 2024 das Intervall von der ersten regionalen Etablierung von Aedes albopictus bis zum ersten Ausbruch von Dengue oder Chikungunya von 25 Jahren auf weniger als fünf Jahre. Auch das Intervall vom ersten bis zum zweiten Ausbruch nahm ab: von 12 Jahren im Jahr 1990 auf weniger als ein Jahr im Jahr 2024. Unter extremen Klimawandelszenarien dürfte sich dieser Trend weiter verstärken. Prognosen gehen bis in die 2060er-Jahre von einem nahezu fünffachen Anstieg der Dengue- oder Chikungunya-Ausbrüche im Vergleich zum Basiszeitraum 1990–2024 aus.

Impfungen zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten

Impfungen können nicht nur schwere Infektionsverläufe verhindern, sondern möglicherweise auch nichtübertragbare Krankheiten beeinflussen. Eine Gürtelrose-Impfung kann möglicherweise Demenz verhindern oder ­verzögern.

In einer Studie von Eyting et al. in Nature wurde der Einfluss der Lebendimpfung gegen Herpes Zoster auf das Auftreten von Demenzdiagnosen untersucht. Die Studie lieferte Hinweise auf eine demenzvorbeugende oder demenzverzögernde Wirkung der Zoster-Impfung, die weniger anfällig für Störfaktoren und Verzerrungen ist als bisherige Assoziationsdaten.

Auch die Influenza-Impfung hat über die Prävention respiratorischer Erkrankungen hinaus Bedeutung. Sie senkt die Sterblichkeit deutlich und bietet kardiovaskulären Schutz bei Patienten mit ischämischer Herzkrankheit oder Herzinsuffizienz. Dies unterstützt die jährliche Impfung als wirksame Strategie der Sekundärprävention.

Die MenB-Impfung kann zudem Gonokokken-Infektionen verhindern. Gleichzeitig nehmen die Resistenzraten bei Gonokokken zu. Neue orale Medikamente gegen Gonorrhoe befinden sich in der Entwicklung.

Staphylococcus aureus-Bakteriämie
Bei der Staphylococcus aureus-Bakteriämie wurde die CloCeBa-Studie vorgestellt, eine prospektive, randomisierte, open-label, multizentrische Nichtunterlegenheitsstudie. Sie zeigte, dass Cefazolin eine Alternative zur Cloxacillin-Behandlung bei MSSA-Bakteriämie darstellt. Cefazolin zeigte eine nicht unterlegene klinische Wirksamkeit und möglicherweise eine bessere Verträglichkeit.

Ambulant erworbene Pneumonie und Kortikosteroide
Bei der ambulant erworbenen Pneumonie besteht weiterhin eine gewisse «Konfusion» in den internationalen Guidelines. Die ERS/ESICM/ESCMID/ALAT-Guideline von 2023 schlägt bei Patienten mit schwerer ambulant erworbener Pneumonie den Einsatz von Kortikosteroiden vor, wenn ein Schock vorliegt. Es handelt sich um eine konditionelle Empfehlung bei niedriger Evidenzqualität.

Die SCCM empfiehlt 2024 die Gabe von Kortikosteroiden bei hospitalisierten Patienten mit schwerer bakterieller ambulant erworbener Pneumonie. Diese Empfehlung ist stark, bei moderater Sicherheit. Für erwachsene Patienten, die mit weniger schwerer bakterieller ambulant erworbener Pneumonie hospitalisiert sind, wird keine Empfehlung für Kortikosteroide ausgesprochen.

Die ATS empfiehlt 2025 bei erwachsenen hospitalisierten Patienten mit nicht schwerer ambulant erworbener Pneumonie keine systemischen Kortikosteroide. Bei schwerer ambulant erworbener Pneumonie wird die Gabe systemischer Kortikosteroide hingegen empfohlen, allerdings nur konditionell und bei niedriger Evidenzqualität.

Sepsisüberlebenskampagne 2026

Die neuen Empfehlungen der Sepsisüberlebenskampagne 2026 betreffen unter anderem die antimikrobielle Therapie. Für Erwachsene mit Sepsis oder septischem Schock, die mechanisch beatmet werden müssen, wird in Krankenhäusern mit niedriger Prävalenz antimikrobieller Resistenzen eine selektive intestinale Dekontamination vorgeschlagen, um das Risiko für beatmungsassoziierte Pneumonie und Bakteriämie zu reduzieren. Es handelt sich um eine bedingte Empfehlung bei Evidenz mittlerer Qualität.

Für Erwachsene mit Sepsis oder septischem Schock ohne Risikofaktoren für anaerobe Infektionen wird ein empirisches Antibiotikaregime ohne anaerobe Abdeckung vorgeschlagen. Diese Empfehlung ist bedingt und beruht auf sehr niedriger Evidenzqualität. Bei Erwachsenen mit hohem Risiko für eine Infektion durch einen spezifischen multiresistenten Erreger wird eine empirische antimikrobielle Therapie empfohlen, die diesen MDR-Erreger abdeckt. Auch diese Empfehlung ist bedingt und basiert auf sehr niedriger Evidenzqualität.

Für Erwachsene mit Sepsis oder septischem Schock wird vorgeschlagen, keine Candida-Biomarker zur Steuerung des Beginns einer empirischen antimykotischen Therapie zu verwenden. Dies ist eine bedingte Empfehlung gegen den Einsatz solcher Biomarker bei niedriger Evidenzqualität.

Bei Patienten mit Verdacht auf Sepsis und ohne klare Indikation für eine antianaerobe Therapie war Piperacillin-Tazobactam im Vergleich zu Cefepim mit einer höheren Mortalität und einer längeren Dauer der Organfunktionsstörung verbunden. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass der verbreitete empirische Einsatz antianaerober Antibiotika bei Sepsis potenziell schädlich sein könnte.

Zusammenfassung

Globale politische und klimatische Entwicklungen gefährden die Fortschritte, die in den vergangenen Jahrzehnten im Kampf gegen Infektionskrankheiten erzielt wurden. Neue Krankheiten werden in der Schweiz endemisch werden. Prävention kann nicht nur durch Impfstoffe erreicht werden, und Impfstoffe verhindern mehr als nur schwere Infektionsverläufe. Gleichzeitig ist zu beachten, dass die Empfehlungen zum Umgang mit der anaeroben Mikrobiota weiterhin auf schwacher wissenschaftlicher Evidenz beruhen.

Update Pneumologie


Über Nerandomilast bei idiopathischer Lungenfibrose und anderen unspezifischen fibrosierenden interstitiellen Pneumopathien sowie über Biotherapien bei Asthma und COPD sprach Prof. Pierre-Olivier Bridevaux von der Abteilung für Pneumologie des Hôpital du Valais.

Prof. Bridevaux stellte zunächst den Fall eines 62-jährigen Patienten mit IPF vor. Der Patient war ehemaliger Raucher, körperlich aktiv und im Dienstleistungssektor tätig. Im Jahr 2020 hatte er einen Fahrradunfall bei hoher Geschwindigkeit erlitten, der ohne Folgen blieb. Seit zwei Jahren bestand eine Belastungsdyspnoe. Als Therapie nahm er gelegentlich Paracetamol ein.

Im Status zeigten sich ein BMI von 26 kg/m², ein Blutdruck von 138/80 mmHg, Rasselgeräusche, eine Sauerstoffsättigung von 94 % in Ruhe und 85 % unter Belastung. Das FEV1 lag 2020 bei 100 % und 2024 bei 88 %. Die forcierte Vitalkapazität betrug 2020 87 % und 2024 72 %.

Die CO-Transportkapazität sank von 75 % im Jahr 2020 auf 38 % im Jahr 2024.
Die Diagnose einer idiopathischen Lungenfibrose wurde durch ein multidisziplinäres Gremium bestätigt. Eine Behandlung mit Nintedanib oder Pirfenidon wurde abgelehnt. Im Jahr 2025 kam es zu einer Exazerbation der Fibrose, woraufhin eine palliative Behandlung eingeleitet wurde.

Epidemiologie interstitieller Pneumopathien

Die Inzidenz der idiopathischen Lungenfibrose liegt bei 5–9 Fällen pro 100 000 Personen. Nicht-IPF-Formen, darunter NSIP, LIP und PHS, treten mit einer Inzidenz von 25–80 pro 100 000 Personen und Jahr auf. Die häufigste Diagnose erfolgt zwischen dem 40. und 80. Lebensjahr. Die Prävalenz der IPF beträgt bei Männern 20,2 pro 100 000 und bei Frauen 13,2 pro 100 000. Der Prävalenzgipfel liegt zwischen 65 und 79 Jahren.

Zu den Risikofaktoren für IPF zählen Luftverschmutzung, Ergrauen der Haare als Hinweis auf Alterungsprozesse, familiäre Veranlagung, genetische Dispositionen, wiederkehrende Schädigungen der pulmonalen Mikroumgebung und weitere Faktoren.

Schlussfolgerungen für den Allgemein-Internisten

Nerandomilast ist bei fibrosierenden pulmonalen Erkrankungen wirksam und stellt 2026 eine neue therapeutische Option dar. Biotherapien bei Asthma bleiben in der Schweiz unterverwendet. Zwei Biotherapien, Mepolizumab und Dupilumab, sind bei COPD wirksam und reduzieren die Frequenz von Exazerbationen. Die wiederholte Bestimmung der Eosinophilen im Blut ist für Diagnostik und Verlaufskontrolle bei Asthma und COPD unverzichtbar.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

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  • Vol. 16
  • Ausgabe 8
  • August 2026