Die Zukunft mitgestalten: Ein Rückblick zur Arbeit von SHOOT

Seit seiner Gründung im Jahr 2021 hat SHOOT beeindruckende Meilensteine erreicht, welche nicht nur die Mitglieder direkt betreffen, sondern auch weitreichende Auswirkungen auf die beiden Fachrichtungen Hämatologie und Onkologie in der Schweiz haben. Mit rund 100 Mitgliedern aus der ganzen Schweiz hat SHOOT eine starke Basis geschaffen, die jungen Hämatologinnen und Hämatologen und Onkologinnen und Onkologen eine Plattform für Austausch, Vernetzung und professionelle Weiterentwicklung bietet.

Weiterbildung

Ein Kernstück der Aufgabe bilden die innovativen SHOOT Kurse in Onkologie und HƤmatologie, die seit 2023 angeboten werden und wesentlich zur Facharztausbildung beitragen. Besonders hervorzuheben sind dabei die Workshops Ā«SHOOT – Challenge the ExpertsĀ», die in einer Reihe von spezialisierten Veranstaltungen stattfinden. Die nƤchste Fortbildung am 8. Mai 2025 findet zum Thema Ā«seltene TumoreĀ» statt. Hier werden Diagnostik und TherapieansƤtze für seltenere TumorentitƤten mit namhaften Expertinnen und Experten diskutiert. Alle diese Veranstaltungen bieten eine einzigartige Plattform, auf der junge Ƅrztinnen und Ƅrzte direkt von führenden Experten lernen und komplexe FƤlle kennenlernen und diskutieren kƶnnen.

Darüber hinaus findet am 16. September 2025 in Zürich der von der SGMO anerkannte Ethikkurs statt, der seit 2024 ein fester Bestandteil des Bildungsangebots von SHOOT ist und direkt bei der Facharztausbildung angerechnet werden kann. Dieser Kurs bietet essenzielles Wissen und Orientierungshilfen zu ethischen Fragen, welche im medizinischen Alltag regelmässig auftreten.

Aufgrund der grossen Nachfrage wird zudem während des Schweizer Onkologie- und Hämatologie-Kongresses (SOHC) ein Kurs in molekularer Onkologie organisiert. Dieser Kurs zielt darauf ab, das Verständnis für molekulare Mechanismen in der Krebsentstehung und -behandlung zu vertiefen und die Teilnehmer mit den neuesten Technologien und Therapieansätzen vertraut zu machen.

Alle diese von SHOOT organisierten und praxisorientierten Kurse sind entscheidend, um die fachliche Kompetenz und das praktische VerstƤndnis der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu erweitern und sie optimal auf die grossen Herausforderungen in ihrer tƤglichen klinischen Praxis vorzubereiten.

Gestaltung Facharztausbildung

Darüber hinaus hat sich SHOOT zum weiteren Ziel gesetzt, wichtige Anliegen in den VorstƤnden der Schweizerischen Gesellschaft für HƤmatologie (SGH) und der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (SGMO) einzubringen und zu vertreten. Diese Aufgabe ist von grossem Wert, da sie es ermƶglicht, die Interessen und Bedürfnisse junger Onkologen und HƤmatologen rechtzeitig und zielorientiert direkt in die Weiterentwicklung der beiden Fachbereiche einzubringen und hier auch Ƅnderungen anzustossen. So wurde z. B. in enger Zusammenarbeit mit der SGH ein Antrag an das SIWF zur Revision/Anpassung des Weiterbildungsprogramms HƤmatologie mit dem Ziel, die Weiterbildung besser auf die Bedürfnisse der Weiterzubildenden abzustimmen, gutgeheissen.

Die laufenden Projekte zur Weiterentwicklung des Weiterbildungsprogramms Hämatologie und zur Reakkreditierung des Weiterbildungsprogramms Medizinische Onkologie zeigen das grosse Engagement von SHOOT, die Ausbildungsstandards konsequent zu verbessern und zu aktualisieren. Diese Bemühungen stellen sicher, dass die Ausbildung junger Hämatologinnen und Hämatologen und Onkologinnen und Onkologen auf dem neuesten Stand der medizinischen Forschung und Praxis bleibt.

Vertretung an Kongressen

Weiter ist SHOOT auf nationalen und internationalen Kongressen wie dem Schweizer Onkologie- und Hämatologie-Kongress (SOHC), dem Deutschen Kongress für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) und «medifuture» vertreten. Diese Präsenz auf wichtigen Fachtagungen ermöglicht es SHOOT, sich in die Diskussionen auf höchstem wissenschaftlichem Niveau einzubringen und die Interessen ihrer Mitglieder national und international zu vertreten. Auch wurde jeweils an den Tagungen auch ein «SHOOT-Apéro» organisiert, um den Austausch und die Vernetzung unter jungen Fachärztinnen und Fachärzten zu fördern.

Die Errungenschaften von SHOOT sind ein gutes Beispiel dafür, wie junge Fachärztinnen und Fachärzte auch in medizinischen Spezialgebieten durch gezielte Förderung und Vernetzung entscheidend zur Weiterentwicklung ihres Faches beitragen können. Diese Erfolge von SHOOT sind nicht nur für junge Hämatologinnen und Hämatologen und Onkologinnen und Onkologen von Bedeutung, sondern sie stärken auch die gesamte hämatologisch-onkologische Gemeinschaft in der Schweiz. Indem SHOOT rechtzeitig auch die Weichen für die Zukunft stellt, sichert es die hohe Qualität der Patientenversorgung und die Innovationskraft in der Schweizer Onkologie und Hämatologie.

Weitere Informationen
https://www.ssh-ssmo-shoot.ch

Dr. med. TƤmer El Saadany

Kantonsspital Graubünden
Onkologie / HƤmatologie
Loestrasse 170
7000 Chur

Dr. med. Eveline Daetwyler

HOCH Health Ostschweiz
Rorschacher Strasse 95
9007 St.Gallen

Journal Watch von unseren Experten

Semaglutid bei T2DM und CKD: FLOW-Studie und zwei Subanalysen

Diabetes mellitus Typ 2 (T2DM) und die chronische Nierenerkrankung (CKD) nehmen weltweit stark zu. Diabetes und Hypertonie sind die Hauptursachen einer CKD. Das MortalitƤtsrisiko ist bei Patienten mit einem T2DM und CKD über 10 Jahre 4 Ɨ hƶher als ohne diese beiden Erkrankungen; Die Lebenserwartung ist vor allem wegen den kardiovaskulƤren (cv) Folgeerkrankungen deutlich vermindert. Das Risiko für eine rasche Progression der CKD ist erhƶht. Durch eine Adipositas kƶnnen diese und die cv Folgeerkrankungen (Hypertonie, HI, KHK, VHFli) deutlich verschlimmert werden. Diese Krankheiten beeinflussen sich gegenseitig. Ab einer Urin-Albumin-Kreatinin Ratio (UACR) von 5 mg/g steigt das Risiko bez. cv MortalitƤt kontinuierlich an und je schlechter die eGFR, desto hƶher sind die cv Komplikationen.

GLP-1 Rezeptor-Agonisten (GLP-1 RA) reduzieren das Gewicht, verbessern den Blutzucker, verringern cv Ereignisse bei T2DM und haben wie die SGLT2-H. kardio- und nephroprotektive Wirkungen. An der Niere wirken sie antientzündlich und antioxidativ, verstärken die Natriurese und hemmen die Fibrose. Auch haben sie eine pluripotente Wirkung auf verschiedene Organe.

In der 2024 publizierten RCT-Studie FLOW (1) reduzierte Semaglutid das Risiko für klinisch bedeutsame renale Endpunkte sowie den kardiovaskulƤren Tod und die GesamtmortalitƤt in der Hochrisikopopulation von 3533 Patientinnen und Patienten mit T2DM und CKD mit einer eGFR von ≄ 50 – ≤ 75 ml/min/1.73m2 und einer UACR > 300 – < 5000 mg/g oder einer eGFR von ≄ 25 – < 50 ml und einer UACR > 100 – < 5000 mg/g; HbA1c ≤ 10 %., in der Vorgeschichte 22.9 % MI oder Apoplexie, 19.2 % HI.

Diese Studie ist insofern relevant, da 79.6 % eine eGFR von weniger als 60 ml/min/1.73 m² und 11.3 % eine eGFR von weniger als 30 ml/min/1.73 m² aufwiesen (96.9 % Stadium A2 oder hƶher, davon 68.5 % Stadium A3). Im Durchschnitt (D) waren die Patienten 66.6 Jahre, die D-eGFR betrug 47, die D-UACR 567.6 mg/g Kreatinin, 15.6 % hatten einen SGLT2-H. Die Studie wurde infolge positiver Resultate vorzeitig abgebrochen.

Mit einer s. c. Semaglutid-Dosis von 1 mg/Woche (Diabetes-Dosis) über durchschnittlich 3.4 Jahre vs. Placebo u. einer Standardtherapie (RAS-H., potentes Statin, Diuretika, Insulin) im Verh. 1 : 1 konnte der primƤr kombinierte Endpunkt: Nieren-Outcome, bestehend aus ≄ 50 % Abfall der geschƤtzten eGFR, eGFR < 15 ml/min/1.73 m², Beginn einer Nierenersatztherapie, renaler und kardiovaskulƤrer Tod, um 24 % (HR 0.76; p = 0.0003) gesenkt werden. Dies entspricht in 3 Jahren einer sehr guten NNT von 20, zur Verhinderung von einem primƤren Ereignis. Die sekundƤren Endpunkte cv-Tod, MACE (cv-Tod, MI, Apo) und GesamtmortalitƤt wurden auch reduziert, die jƤhrliche eGFR-Abnahme (Slope) war unter Semaglutid weniger stark als unter Placebo. Vorteile gab es auch in Bezug auf Albuminurie, Gewichtsreduktion (–4 kg), verbesserten Stoffwechsel und die BD-Kontrolle.

In einer vordefinierten Analyse der Flow-Studie konnte gezeigt werden, dass das Risiko eines kombinierten Ergebnisses von HI-Ereignissen oder kardiovaskulƤrem Tod und HI-Ereignissen allein signifikant um 27 % reduziert wurde. Das Risiko, allein am Herz-Kreislauf-Tod zu versterben, wurde um 29 % gesenkt. Die positiven Wirkungen von Semaglutid waren bei Teilnehmern mit und ohne HI zu Studienbeginn und in einer Reihe Ā­klinisch relevanter Untergruppen Ƥhnlich (2).

In einer weiteren vorab spezifizierten Analyse der FLOW-Studie wurden die Auswirkungen dieses GLP-1 RA auf die cv Ereignisse und die Sterblichkeit durch den Schweregrad der CKD untersucht (3). Die Ergebnisse zeigen, dass Semaglutid das Risiko für den cv-Tod, nicht-tƶdlichen Herzinfarkt und nicht-tƶdlichen Schlaganfall um 18 % sowie die Sterblichkeit jeglicher Ursache um 20 % reduziert. Diese positiven Effekte waren unabhƤngig von der Schwere der CKD, gemessen durch die geschƤtzte glomerulƤre Filtrationsrate (eGFR: < 60 oder ≄ 60 ml/min/1.73 m²), das Albumin-Kreatinin-VerhƤltnis im Urin (UACR-Werten von < 300 oder ≄ 300 mg/g) und die KDIGO-Risikoklassifikation Ā«heat mapĀ»: Albuminurie und eGFR, die in niedriges/moderates bei 6.8 % der Patienten (HR: 0.67), hohes bei 24.9 % (HR: 0.75) und sehr hohes Risiko bei 68.3 % der Patienten (HR: 0.84) eingeteilt wurde. Dieses Risiko bezieht sich auf den cv-Tod, den nicht fatalen MI und den nicht fatalen Stroke.

Fazit
Semaglutid reduziert deutlich das Risiko klinisch wichtiger Nierenergebnisse und des Todes durch kardiovaskulƤre Ursachen bei Hochrisiko-Patienten mit Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung.

• Das Risiko eines kombinierten Ergebnisses von HI-Ereignissen oder kardiovaskulƤrem Tod und HI-Ereignissen allein wurde signifikant reduziert.
• Auch reduziert dieser GLP-1 RA das Risiko für kardiovaskulƤren Tod/MI/Schlaganfall unabhƤngig vom Schweregrad der CKD zu Studienbeginn.

Semaglutid sollte als Teil der therapeutischen Strategie zur Verringerung des kardiovaskulären Risikos bei Menschen mit T2DM und CKD in Betracht gezogen werden. Grössere absolute Risikoreduktion mit zunehmender Schwere der CKD. Dies zusätzlich zur modernen «Hintergrundtherapie» mit RAS-H. und Statinen.

Dr. med. Urs Dürst

Literatur
1. Perkovic V et al., Effects of Semaglutide on Chronic Kidney Disease in Patients with Type 2 Diabetes. Published May 24, 2024. In: NEJM. DOI: 10.1056/NEJMoa240334

Vergleichende Analyse des grossen Blutbilds bei Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus und normalen Kontrollen: Assoziation und klinische Implikationen.

Hintergrund und Ziele
Der Zusammenhang zwischen dem grossen Blutbild undi Patienten mit Diabetes mellitus wurde in meherern Studien untersucht. Ziel einer im Jahre 2023 durchgeführten Studie (1) war es, eine umfassende Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Parametern des grossen Blutbilds und Diabetes mellitus zu liefern, wobei der Schwerpunkt auf Markern wie MPV, RDW und NLR lag. Durch die Synthese der verfügbaren Literatur wollen wir das Potenzial dieser Biomarker für das Verständnis der pathophysiologischen Mechanismen, die Diabetes und seinen Komplikationen zugrunde liegen, sowie ihre Rolle bei der Überwachung des Krankheitsverlaufs und der Prognose hervorheben. Letztendlich hoffen wir, Beweise zu liefern, die die Integration dieser Marker in die routinemäßige klinische Praxis als Instrumente zur Verbesserung des Managements und der Ergebnisse von Diabetikern unterstützen.

Methodik
Literatur in englischer Sprache wurde über die Suchmaschine Google Scholar und die PubMed-Datenbank (1980–2024) recherchiert und abgerufen. Als Schlüsselwƶrter wurden „Diabetes mellitus“, „Anzahl der Blutzellen“, „Mittleres BlutplƤttchenvolumen“, „Leukozyten“ und „Entzündung“ verwendet.

Ergebnisse
DM erhöht die vaskuläre Entzündung und den oxidativen Stress, während die vaskuläre Entzündung die Erythropoese und die Verformung der roten Blutkörperchen beeinflusst und so die Verteilungsbreite der roten Blutkörperchen (RDW) erhöht. Das mittlere Thrombozytenvolumen (MPV) ist ein weiterer nützlicher prognostischer Biomarker für DM-Patienten. Darüber hinaus sind erhöhte Spiegel des neutrophilen Lymphozytenverhältnisses (NLR) mit einer schlechten glykämischen Kontrolle bei T2DM-Patienten verbunden, so dass es als Screening-Instrument bei der Nachsorge von Diabetikern eingesetzt werden kann.

Schlussfolgerung
RDW kann als wertvoller unabhängiger Biomarker zur Beurteilung der Prognose von Patienten mit DM verwendet werden. MPV kann auch als nichtinvasiver, weit verbreiteter und kostengünstiger Marker als Schlüsselfaktor sowie als prognostischer/diagnostischer Biomarker verwendet werden, der für DM-Patienten verwendet werden könnte. Die Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen, NLR, das mittlere Thrombozytenvolumen-Lymphozytenverhältnis (MPVLR) und das Verhältnis von Monozyten zu High-Density-Lipoproteinen (MHR) sind wertvolle Biomarker bei der Vorhersage von DM.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

Quelle
Essawi K et al.: Comparative Analysis of Red Blood Cells, White Blood Cells, Platelet Count, and Indices in Type 2 Diabetes Mellitus Patients and Normal Controls: Association and Clinical Implications. Diabetes Metab Syndr Obes 2023;16:3123-3132.

Wer sich bewegt lebt besser – und lƤnger

Dass wir uns heute dank moderner Technik zu wenig bewegen, ist eine Binsenwahrheit – eine, die wir zwar kennen, aber allzu oft ignorieren. Dabei belegten neulich wieder zwei Studien, dass mehr Bewegung nicht nur die LebensqualitƤt verbessert, sondern auch die Lebensdauer deutlich verlƤngert (1, 2).

Die Unsterblichkeit ist ein Menschheitstraum. Die Sehnsucht, dem Altern zu entkommen, hat inzwischen einen eigenen Wirtschaftszweig hervorgebracht: Mit longevity (Langlebigkeit) lässt sich viel Geld verdienen. Zum Beispiel ist der US-amerikanische Unternehmer Bryan Johnson in den Medien präsent, weil er im Rahmen seines «Project Blueprint» mit 100 Pillen am Tag, speziellen Fitnessübungen, Vorsorgeuntersuchungen und sogar Blutplasma seines Sohnes den Leuten schmackhaft macht, dass sie mit derartigen Massnahmen länger leben werden.

In diesem Zusammenhang stellt sich die seit langem umstrittene Frage, wie hoch der Anteil der Genetik an der individuellen Lebenserwartung ist. Die aktuelle Antwort lautet: 10–30 % (3, 4). Eine neue Studie basierend auf der UK Biobank (n = 492 567) fand 17 % des Sterberisikos mit Ƥusseren Faktoren in Verbindung, wƤhrend weniger als 2 % auf Gene zurückzuführen waren (5). Das ist eine gute Nachricht, weil wir damit die Mƶglichkeit haben, unsere LebensqualitƤt und Lebenserwartung selber zu beeinflussen.

2019 wurde gezeigt, dass leichte kƶrperliche AktivitƤt wie Spazieren eine lineare Korrelation mit der Lebenserwartung hat. Bei 325 Minuten tƤglich ergibt sich eine ca. 50 % geringere frühzeitige Sterblichkeit (6). Wer sich noch lƤnger bewegt, hat keinen zusƤtzlichen Vorteil mehr. Sowohl akute als auch chronische kƶrperliche AktivitƤt vermindern die epigenetische Altersbeschleunigung (7).

Die Kombination von Vitamin D (2000 IU/d), Omega-3-FettsƤuren (1 g/d) und SEHP (simple home exercise program) für 3 Jahre ergab eine 39 %-ige Verminderung der frühzeitigen Gebrechlichkeit (und eine 61 %-ige Verminderung der Krebserkrankungen). Mit den modernen Biomarkern für den Alterungsprozess (PhenoAge, GrimAge, GrimAge2, DunedinPACE) konnte mit dieser Dreierkombination eine Verminderung des Alterns um 3–4 Monate in 3 Jahren berechnet werden (8).

Epigenetische Faktoren haben ein enormes Potential. Bekannt sind die von der Harvard University bezeichneten fünf Lebensstilfaktoren: nicht rauchen, ein normaler BMI (18.5–24.9 kg/m²), mindestens 30 Minuten tƤgliche Bewegung, moderater Alkoholkonsum und eine gesunde ErnƤhrung mit einem Ā­QualitƤtsscore über 40 %. Jeder einzelne dieser Faktoren verlƤngert das Leben, mit additivem Effekt der Kombination aller fünf.

Weniger bedeutend dürften einzelne Substanzen sein, obwohl auf dem Markt viele angeboten werden. Aus wissenschaftlicher Sicht ist Taurin in Tierstudien und beim Menschen zwar vielversprechend, aber eine doppelblinde Vergleichsstudie fehlt (9). Weitere diskutierte Substanzen sind Metformin, Rapamycin, Senolytika und GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA).

Doch zurück zur Bewegung als modifizierender Faktor für 30 chronische Erkrankungen, kognitive Fähigkeiten, mentale Gesundheit und Lebensqualität im Alter und möglicherweise wichtigster Faktor für Langlebigkeit. Eine kanadische Sportmedizinerin, die beim Internationalen Olympischen Komitee die Abteilung Gesundheit, Medizin und Wissenschaft leitet, hat sich unlängst für mehr Bewegung ausgesprochen (10). Auch die WHO fordert, dass ältere Menschen pro Woche 150 bis 300 Minuten in mässiger bis starker körperlicher Aktivität verbringen; ausserdem sollten sie nach Möglichkeit 2-mal wöchentlich eine Einheit Krafttraining und 3-mal wöchentlich Mehrkomponentenübungen mit Schwerpunkt Gleichgewicht absolvieren.

Die Schlussfolgerung für uns Ƅrztinnen und Ƅrzte ist klar: Wir sollten unseren Patienten Bewegung verordnen, und wir sollten sie auch selbst praktizieren. Denn wer sich bewegt, lebt besser – und lƤnger.

KD Dr. med. et lic. phil. Marcel Weber

Chefarzt emeritus Rheumaklinik Triemli
8800 Thalwil

marwebdr@gmail.com

1. Veerman L. et al. Physical activity and life expectancy: a life-table analysis. Br J Sports Med 2024:bjsports-2024-108125.
2. Cacciatore S. et al. Physical performance is associated with long-term survival in adults 80 years and older: Results from the ilSIRENTE study. J Am Geriatr Soc 2024;72:2585-2589.
3. López-Otín C. et al. The hallmarks of aging. Cell 2013;153(6):1194-1217.
4. Passarino G. et al. Human longevity: Genetics or Lifestyle? It takes two to tango. Immun Ageing 2016;13:12.
5. Austin Argentieri M. et al. Integrating the environmental and genetic architectures of aging and mortality. Nat Med 2025. doi: 10.1038/s41591-024-03483-9.
6. Ekelund U. et al. Dose-response associations between accelerometry measured physical activity and sedentary time and all cause mortality: systematic review and harmonised meta-analysis. BMJ 2019;366:l4570
7. Voisin S. et al. Exercise training and DNA methylation in humans. Acta Physiol (Oxf) 2015;213(1):39-59.
8. Bischoff-Ferrari H.A. et al. Individual and additive effects of vitamin D, omega-3 and exercise on DNA methylation clocks of biological aging in older adults from the DO-HEALTH trial. Nat Aging 2025;5(3):376-385.
9. Singh P. et al. Taurine deficiency as a driver of aging. Science 2023 Jun 9;380(6649):eabn9257.
10. Thornton J.S. et al. Move more, age well: prescribing physical activity for older adults. CMAJ 2025;197(3):E59-E67.

Vigilance sur la polymƩdication et ses enjeux

PolymƩdication en gƩriatrie: au-delƠ du nombre, une question de qualitƩ des prescriptions

Nous connaissons tous les enjeux de la polymĆ©di-cation chez nos aĆ®nĆ©s, en lien avec la prĆ©valence accrue des comorbiditĆ©s avec lā€™ā€ŠĆ¢ge. La polymĆ©di-cation est classiquement dĆ©finie par la prise de cinq mĆ©dicaments ou plus. Toutefois, cette dĆ©fini-tion purement numĆ©rique ne suffit pas Ć  apprĆ©hen-der pleinement la complexitĆ© du problĆØme. La dimension qualitative, fondĆ©e sur lā€™ā€ŠadĆ©quation des prescriptions aux conditions du patient, implique de repĆ©rer les pres-criptions inappropriĆ©es. Celles-ci, encore trop frĆ©quentes chez les personnes Ć¢gĆ©es, peuvent entraĆ®ner une iatrogĆ©nie significative, altĆ©-rant la qualitĆ© de vie et augmentant le risque dā€™ā€Šhospitalisation et de perte dā€™ā€Šautonomie. Il nā€™ā€Šest pas rare par exemple de constater Ć  lā€™ā€Šad-mission dā€™ā€Šun patient pour chute, la prĆ©sence de deux antidĆ©presseurs associĆ©s Ć  dā€™ā€Šautres psychotropes dont lā€™ā€Šindication nā€™ā€Šest plus Ć©tablie; ou des hĆ©morragies sous anticoagulants oraux associĆ©s Ć  une polymĆ©dication Ć  risque; ou encore des admissions pour Ć©tat confusionnel aigu Ć  la suite de la prise de plusieurs mĆ©dicaments Ć  effet anticholinergique Ā«caché». Ces exemples soulignent lā€™ā€Šimportance de vĆ©rifier lā€™ā€ŠadĆ©quation des traitements dans cette population fragile, polymĆ©diquĆ©e et plus sensible Ć  lā€™ā€ŠiatrogĆ©nie mĆ©dicamenteuse.

Vigilance accrue et bons rĆ©flexes pour la prĆ©vention de Ā­lā€™ā€Šā€ŠiatrogĆ©nie mĆ©dicamenteuse chez la personne Ć¢gĆ©e
Les effets indĆ©sirables mĆ©dicamenteux sont Ć©troitement liĆ©s Ć  la poly-mĆ©dication et surviennent deux fois plus souvent aprĆØs 65 ans. Ils conduisent chez un Ć  trois patients sur dix Ć  une hospitalisation, un chiffre alarmant dā€™ā€Šautant quā€™ā€Šau moins la moitiĆ© pourraient ĆŖtre Ć©vitĆ©s. Le plus souvent, ces effets indĆ©sirables rĆ©sultent dā€™ā€Šune prescription ou dā€™ā€Šune utilisation de mĆ©dicaments non justifiĆ©s cliniquement, de poso-logies, frĆ©quences ou durĆ©es inadĆ©quates, dā€™ā€Šun rapport risque/bĆ©nĆ©fice dĆ©favorable, ou dā€™ā€Šune inadĆ©quation avec lā€™ā€ŠespĆ©rance de vie et lā€™ā€Šauto-nomie du patient. Par ailleurs, la non-prescription dā€™ā€Šun mĆ©dicament indiquĆ© constitue Ć©galement une forme de prescription inappropriĆ©e. De faƧon gĆ©nĆ©rale, corriger lā€™ā€ŠiatrogĆ©nie mĆ©dicamenteuse suppose de suspecter systĆ©matiquement comme diagnostic diffĆ©rentiel une cause mĆ©dicamenteuse devant tout nouveau problĆØme clinique sans Ć©tiologie Ć©vidente, afin dā€™ā€ŠĆ©viter lā€™ā€Šescalade thĆ©rapeutique. Les cascades mĆ©dicamenteuses, phĆ©nomĆØne par lequel un effet indĆ©sirable dā€™ā€Šun mĆ©dicament est interprĆ©tĆ© Ć  tort comme un nouveau symptĆ“me et traitĆ© par un autre mĆ©dicament, sont souvent sous-estimĆ©es, alors quā€™ā€Šelles contribuent Ć  la prescription inappropriĆ©e et aggravent la polymĆ©dication. Parmi les exemples typiques, on peut citer les inhibiteurs calciques provoquant des œdĆØmes pĆ©riphĆ©riques, traitĆ©s Ć  tort par des diurĆ©tiques; les ISRS induisant des insomnies, menant Ć  la prescription de benzodiazĆ©pines; les anticholinergiques urinaires causant des troubles cognitifs, traitĆ©s par des procognitifs. RĆ©cemment Ć©laborĆ© par Lisa M. McCarthy et al, ThinkCascades (Drugs & Aging 2022) facilite lā€™ā€Šidentification et la prĆ©-vention de neuf cascades jugĆ©es cliniquement significatives, touchant les systĆØmes cardiovasculaire, nerveux central, musculosquelettique et urogĆ©nital. La SociĆ©tĆ© EuropĆ©enne de GĆ©riatrie va dā€™ā€Šailleurs Ć©tendre ce travail pour des dizaines de cascades mĆ©dicamenteuses jugĆ©es cliniquement significatives. Lā€™ā€Ši mputabilitĆ© dā€™ā€Šun effet indĆ©sirable Ć  un mĆ©dicament demeure toutefois complexe Ć  Ć©tablir, de surcroĆ®t lors quā€™ā€Ši l sā€™ā€Šagit de distinguer un Ć©vĆ©nement iatrogĆØne des manifestations dā€™ā€Šune maladie sous-jacente: lā€™ā€Šhypotension orthostatique chez un patient parkinsonien peut ĆŖtre liĆ©e aussi bien Ć  la pathologie elle-mĆŖme quā€™ā€ŠĆ  la prise de lĆ©vodopa.

Finalement, nā€™ā€Šoublions pas quā€™ā€Šune adhĆ©sion stricte aux recommandations cliniques, qui ne tiennent souvent pas compte de lā€™ā€Šensemble des co-morbiditĆ©s prĆ©sentes, peut induire des incitations nĆ©fastes lorsque ces derniĆØres ne sont pas adaptĆ©es au profil du patient et de son degrĆ© de fragilitĆ© au dĆ©triment du bĆ©nĆ©fice clinique attendu. La priorisation des traitements et la dĆ©-prescription des mĆ©dicaments inappropriĆ©s est un processus devenu essentiel lors de la rĆ©vision des traitements en gĆ©riatrie. Des outils dā€™ā€Šaide Ć  la (dĆ©)-prescription, tels que les critĆØres de Beers ou de STOPP/START, ou des recommandations de dĆ©-prescription basĆ©es sur les preuves (i.e www.deprescribing.org) peuvent guider cette dĆ©marche. Par ailleurs, une collaboration interprofessionnelle Ć©troite entre mĆ©decins, pharmaciens et soignants permet une meilleure sĆ©curisation de la prise en charge et la diminution du risque iatrogĆ©nique.

En somme, lā€™ā€Šā€Šenjeu central de la polymĆ©dication rĆ©side dans la qualitĆ© des prescriptions, pierre angulaire dā€™ā€Šā€Šune prise en charge mĆ©dicamenteuse optimale et sĆ©curisĆ©e de nos aĆ®nĆ©s. Il est essentiel dā€™ā€Šadopter une approche gĆ©riatrique globale dans la prescription qui tient compte du rapport risque bĆ©nĆ©fice des mĆ©dicaments et des objectifs de soins: prolonger la vie, maintenir les fonctions ou maximiser le confort, et de rĆ©guliĆØrement la rƩƩvaluer en raison de son caractĆØre rapidement Ć©volutif. Chers et chĆØres collĆØgues, pensez Ć  dĆ©dier quelques minutes prĆ©cieuses pour vĆ©rifier les traitements de vos patients Ć¢gĆ©s en pensant ThinkCascade, Think Deprescription, Think Health objectives afin de prĆ©server au mieux la santĆ©, lā€™ā€Šā€Šautonomie et la qualitĆ© de vie des patients Ć¢gĆ©s!

Source: Lisa M. McCarthy et al. Drugs & Aging 2022; 39:829–840

Pre Chantal Csajka

Centre de Recherche et dā€™ā€ŠInnovation en Sciences Pharmaceutiques
Cliniques
Centre Hospitalier Universitaire et UniversitƩ de Lausanne
Rue du Bugnon 17
1011 Lausanne

Chantal.Csajka@chuv.ch

Politik und Gesundheit: ein Paar in der Krise

Präsident Donald Trump hat nach seinem Amtsantritt in einer mittlerweile gut eingespielten Inszenierung alle möglichen Dekrete in verschiedenen Bereichen unterzeichnet, darunter natürlich auch im Bereich Gesundheit und Forschung. Eine kleine (unvollständige) Bestandsaufnahme:

Austritt aus der Weltgesundheitsorganisation im Januar 2026, Einfrieren von 3 Billionen US-Dollar an Bundeszuschüssen und -krediten, was die FunktionsfƤhigkeit von Medicaid (medizinische Versorgung für die Ƅrmsten) gefƤhrdet, Schliessung der US-Behƶrde für internationale Entwicklung (USAID)*. Darüber hinaus werden rund 1300 Stellen bzw. 10 % der Belegschaft des Zentrums für Krankheitskontrolle und -prƤvention (CDC) und bis zu 1500 Mitarbeiter der National Institutes of Health (NIH) gestrichen. Schliesslich wird der Impfskeptiker Robert Francis Kennedy Jr. vom US-Kongress als neuer Gesundheitsminister der Vereinigten Staaten bestƤtigt.

Die tatsächlichen Auswirkungen dieser Entscheidungen können aufgrund der eingereichten Rechtsmittel noch nicht wirklich abgeschätzt werden. Die Reaktionen vieler Wissenschaftler lassen jedoch vermuten, dass die Folgen katastrophal sein werden. Die britische medizinische Fachzeitschrift The Lancet prangerte in einem kürzlich erschienenen Leitartikel «interne und externe Massnahmen an, die keine angemessene Neubewertung der Prioritäten der USA darstellen, sondern einen schnellen und gefährlichen Angriff auf die Gesundheit der Amerikaner und all derer, die von amerikanischer Hilfe abhängig sind.»

«Die vergangenen drei Wochen haben Wut, Angst und Trauer ausgelöst, aber jetzt ist nicht die Zeit, um in Panik zu verfallen. Wir müssen fokussiert bleiben, strategisch vorgehen und natürlich hoffen. Die medizinische und wissenschaftliche Gemeinschaft hat eine lebenswichtige Rolle bei der Verteidigung der Patienten zu spielen.»

«In diesem Sinne wird The Lancet in den nächsten vier Jahren besonders wachsam sein und alle Massnahmen der US-Regierung und die Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf die Gesundheit untersuchen», heisst es im Leitartikel abschliessend.

Die Analyse ist korrekt, aber die Lƶsung wirkt sehr dürftig. Was kann die Ƅrzteschaft tun, um das Chaos zu verhindern, das sich offenbar anbahnt? Der Schlag gegen die verschiedenen ƶffentlichen Institutionen scheint im Moment weit entfernt von unserer Schweiz, aber auf lange Sicht werden die Folgen für unsere tƤgliche Praxis unwiderruflich spürbar sein.

Dr. med. JƩrƓme Morisod
Monthey

* Der Oberste Gerichtshof der USA setzte am 5. MƤrz ein Gerichtsurteil wieder in Kraft, das die Trump-Regierung aufforderte, die Zahlungen an internationale Hilfsorganisationen in Hƶhe von schƤtzungsweise 1.5 bis 2 Milliarden US-Dollar wieder aufzunehmen.

Quelle: American chaos: standing up for health and medicine, The Lancet, Editorial, Volume 405, Issue 10477, p439, February 08, 2025.
Übersetzung aus «la gazette médicale» 02/2025

Dr JƩrƓme Morisod

Monthey