Direkte orale Antikoagulanzien in der Geriatrie

Die Geschichte der Antikoagulanzien nahm in den frühen 2000er Jahren eine neue Wendung, als die sog. direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) auf den Markt kamen. Diese neue Medikamentenklasse bietet eine Lösung für einige der Nachteile von Vitamin-K-Antagonisten (VKA) und wird als Erstlinientherapie zur Vorbeugung und Behandlung zahlreicher Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgeführt. Ihre Anwendung bei geriatrischen Patienten, häufig polymediziert und polymorbide, birgt jedoch das hohe Risiko unerwünschter Ereignisse, was eine sorgfältige Risiko/Nutzen Abwägung bei der Verschreibung erforderlich macht.

The history of anticoagulants took a new turn in the early 2000s with the arrival on the market of direct oral anticoagulants (DOACs). This new class of drugs overcomes some of the drawbacks of anti-vitamin K drugs (VKAs) and is one of the first-line treatments for the prevention and treatment of many cardiovascular diseases. However, their use in the geriatric population, which is often multi-mediated and polymorbid, is likely to result in an increased risk of adverse events, requiring a careful assessment of the benefit/risk balance when prescribing these drugs.
Key Words: Anticoagulants oraux directs – interactions médicamenteuses – polymédication – sécurité – Personnes âgées

Einführung

Die direkten oralen Antikoagulanzien Dabigatran (Thrombininhibitor), Rivaroxaban, Apixaban und Edoxaban (Faktor Xa Inhibitoren) werden häufig bei venösen Thromboembolien (VTE) und nicht-valvulärem Vorhofflimmern (1, 2) eingesetzt. Die Einführung der direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) wurde von vielen als ein wichtiger Fortschritt angesehen, da es keine Notwendigkeit mehr gab, die Patienten zu überwachen und auf eine fixe Dosierung zu achten. Grossangelegte Schlüssel-Studien und Metaanalysen zeigten eine mindestens ähnliche Wirksamkeit im Vergleich zu VKA bei zugleich geringerer blutungsbedingter Mortalität. Hauptgrund dafür ist das im Vergleich zu Cumarinpräparaten verminderte Auftreten intrakranieller Blutungen (3-9). Diese Vorteile bewähren sich auch bei geriatrischen Patienten (10). Im Gegensatz dazu sind gastrointestinale Blutungen unter DOAK im Vergleich zu Warfarin häufiger, bei Apixaban hingegen laut Datenlage geringer (11-13).

Variabilität der DOAK-Konzentrationen- eine Herausforderung für die Sicherheit älterer Patienten

Obwohl diese Medikamente über eine grössere therapeutische Breite verfügen als VKA, gibt es zunehmend Hinweise dafür, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen der Höhe der DOAK-Exposition und dem Auftreten von Blutungen gibt (3, 7, 14). Eine solche Korrelation scheint auch für ischämische Ereignisse zu gelten, wobei die Datenlage hier dünn ist (3, 7). In der Tat gibt es eine grosse Variabilität bei den DOAK-Konzentrationen in der Zielbevölkerung, die diese Medikamente erhalten. Grund dafür sind vor allem Niereninsuffizienz, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Gewicht und Alter (15-17). Aus pharmakologischer Sicht unterscheiden sich die DOAK in ihrer Metabolisierung und Ausscheidung (Abb. 1). Alle sind Substrate des P-Glykoproteins (P-gp), welches ihre Bioverfügbarkeit beeinflusst (18, 19). Der Haupt-Risikofaktor für eine Überdosierung ist die Niereninsuffizienz (11, 15, 20, 21). Hohes Alter oder starkes Übergewicht (<50 kg oder >120 kg) sind Risikofaktoren in geringerem Masse (3, 22-24). Eine Simulationsstudie, die den Einfluss verschiedener Faktoren auf Arzneimittelkonzentrationen evaluiert, zeigt, dass jeder Faktor für sich genommen die DOAK-Wirkung mässig erhöht, und dass vor allem die Kumulation dieser Risikofaktoren zu einem erheblichen Anstieg der Wirkung dieser Medikamente führen kann (23).

Polymedikation und Risikomanagement

Wechselwirkungen von Medikamenten sind ein wichtiger Faktor für die Konzentrationsvariabilität. Bei älteren Menschen, welche häufig polymediziert und polymorbide sind, kann deren Management komplex sein. Es gibt zwei Arten von Arzneimittelwechselwirkungen. Die pharmakodynamischen Interaktionen werden durch jedes Medikament verursacht, das einen additiven oder antagonistischen Effekt auf das Antikoagulans hat und dessen (therapeutische oder toxische) Wirkung verändert. Dagegen nehmen pharmakokinetische Interaktionen Einfluss auf die Konzentration des Medikamentes (19, 25). Diese Arzneimittelwechselwirkungen können zu einer Über- oder Unterdosierung führen und ein potenzielles unerwünschtes Arzneimittelereignis hervorrufen. Eine Kohortenstudie zeigte einen Anstieg des Blutungsrisikos proportional zur Anzahl der Arzneimittelinteraktionen. Hierbei lag die Odds Ratio bei 1,55 [95% CI: 1,46-1,63] bei gleichzeitiger Einnahme eines DOAK und eines einzigen Inhibitors, und bei 2,60 [95% CI: 2,44-2,77] bei Einnahme von ≥2 Inhibitoren (26). Zum gegenwärtigen Zeitpunkt und mit Ausnahme von Edoxaban gibt es keine validierte Dosisanpassung für DOAK bei Vorliegen einer Arzneimittelinteraktion. Bezüglich Wirkung steigert jede die Hämostase beeinflussende Ko-Medikation das Risiko für Blutungen oder Thrombosen. Die Medikamentenklassen, die klassischerweise im Zusammenhang mit einem hohen Interaktionspotential aufgeführt werden, sind in Tabelle 1 gelistet. Zahlreiche klinische Situationen rechtfertigen den Einsatz von zwei oder mehr zeitgleichen Behandlungsmassnahmen mit Auswirkung auf die Hämostase, sofern die Nutzen-Risiko-Abwägung es erlaubt. In solchen Fällen wird eine engmaschige Überwachung zur frühzeitigen Erkennung von Nebenwirkungen empfohlen.
Pharmakokinetische Wechselwirkungen betreffen modulierende Substanzen mit Wirkung auf Zytochrom P450 3A4 (CYP3A4) und P-gp. Diese werden von der FDA in starke, mässige oder schwache Inhibitoren/Induktoren eingeteilt, je nachdem, ob sie zu einer Erhöhung oder Verringerung der Exposition führen (Fläche unter der Kurve, kurz AUC) (27). Aufgrund der schweren Nebenwirkungen dieser Medikamente werden niedrigere Dosen für DOAK in der Praxis vorgeschlagen.

Tabelle 2 listet einige häufig verwendete Medikamente mit einem mässigen bis hohen Risiko für pharmakokinetische Wechselwirkungen. Im Allgemeinen stufen die Europäische Gesellschaft für Rhythmologie (28) und gewisse andere Experten (29) das Risiko einer Arzneimittelinteraktion als hoch ein, wenn diese eine Verdoppelung der AUC eines DOAKs durch einen Inhibitor, respektive eine Abnahme der AUC um mehr als 20 Prozent in Anwesenheit eines Induktors verursacht.

Prinzipiell müssten jedes Mal die Gegebenheiten (Literatur, Arzneimittel-Monographie) geprüft werden, welche darauf hinweisen, dass solche Schwellenwerte in Gegenwart eines Inhibitors/Induktors erreicht werden. Dies gilt vor allem für starke Inhibitoren/Induktoren von P-gp und für mässige Inhibitoren/Induktoren sowohl von CYP3A4 als auch von P-gp. Ein alleiniger starker Inhibitor von CYP3A4 wird nur für Apixaban und Rivaroxaban als hohes Risiko angesehen, welche weitgehend über die Leber via CYP-System eliminiert werden.

Aus praktischer Sicht ist bei einer Wechselwirkung mit einem Inhibitor oder starken Induktor sowohl von P-gp als auch von CYP3A4 ein Therapiewechsel auf VKA in Erwägung zu ziehen, insbesondere bei fehlendem routinemässigem Monitoring der DOAK-Therapie. Wenn eine Hemmung oder Induktion vorliegt, bei der ein moderater Inhibitor/Induktor involviert ist, und zwei oder mehr zusätzliche Risikofaktoren wie z. B. Niereninsuffizienz, starkes Übergewicht oder hohes Alter und/oder eine andere Arzneimittelwechselwirkung bestehen, wird ein Therapiewechsel von Experten (28, 29) empfohlen.

Ausblick und Schlussfolgerung

In der Literatur wird das Anstreben mittlerer Arzneimittelkonzentrationen in der Bevölkerung beschrieben, um das Risiko einer Über- oder Unterdosierung im Verlauf der therapeutischen Nachsorge zu minimieren; ihre Anwendung hängt gleichwohl von der Verantwortung des Verschreibers und der klinischen Situation ab (30). Der Einsatz von DOAK bei geriatrischen Patienten bleibt trotz fehlenden validierten Monitorings sicher und wirksam. Allerdings besteht bei allen DOAK das Risiko von Arzneimittelwechselwirkungen, die zu einer Unter- oder Überdosierung führen und hierdurch zu unerwünschten klinischen Ereignissen führen können, insbesondere im Zusammenhang mit Komorbiditäten wie Niereninsuffizienz, Polymedikation, sehr hohem Alter und starkem Übergewicht. Dies gilt insbesondere für geriatrische Patienten, bei denen die Kumulation dieser Risikofaktoren dazu führen kann, dass der verschreibende Arzt eine Behandlung mit VKA in Erwägung zieht bei Vorhandensein eines Inhibitors/Induktors von CYP450 3A4 und P-gp.

Claire Coumau 1, Apothekerin, Claire.Coumau@chuv.ch
Frederic Gaspar 1, Apotheker, Frederic.Gaspar@chuv.ch
Jean Terrier 2, Apotheker und Arzt, PhD, Jean.Terrier@hcuge.ch
Chantal Csajka 3, Professeure ordinaire, Chantal.Csajka@chuv.ch
1 Centre de Recherche et d’ Innovation en Sciences Pharmaceutiques
Cliniques Centre Hospitalier Universitaire et Université de Lausanne,
Suisse Rue du Bugnon 19, 1011 Lausanne
2 Division de médecine interne générale, Hôpitaux Universitaires de Genève/
Geneva Platelet Group, Faculté de Médecine, Université de Genève/
Service de pharmacologie et de toxicologie clinique, Service d’ anesthésiologie, de pharmacologie et de soins intensifs, Hôpitaux Universitaires de Genève, Suisse Centre Médical Universitaire, 1211 Genève
3 Centre de Recherche et d’ Innovation en Sciences Pharmaceutiques
cliniques Centre Hospitalier Universitaire et Université de Lausanne,
Suisse Rue du Bugnon 19, 1011 Lausanne

Zweitabdruck aus «la gazette médicale» 05-2022

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Claire Coumau, Apothekerin

Centre de Recherche et d’ Innovation en Sciences Pharmaceutiques
Cliniques Centre Hospitalier Universitaire et Université de Lausanne,
Suisse Rue du Bugnon 19
1011 Lausanne

Claire.Coumau@chuv.ch

Frederic Gaspar, Apotheker

Centre de Recherche et d’ Innovation en Sciences Pharmaceutiques
Cliniques Centre Hospitalier Universitaire et Université de Lausanne
Suisse Rue du Bugnon 19
1011 Lausanne

Frederic.Gaspar@chuv.ch

Prof. Dr. pharm.Chantal Csajka

Centre de Recherche et d’ Innovation en Sciences Pharmaceutiques
cliniques Centre Hospitalier Universitaire et Université de Lausanne
Suisse Rue du Bugnon 19
1011 Lausanne

Chantal.Csajka@chuv.ch

Die Autoren haben keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

◆ DOAK gehören zur Erstlinientherapie zahlreicher Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ihr pharmakologisches Profil verleiht ihnen gewisse Vorteile im Vergleich zu VKA.
◆ Obwohl sie mit dem Zielgedanken einer einzigen Dosis für alle vermarktet werden, führt die ausgeprägte interindividuelle Variabilität der Plasmakonzentrationen bei einigen Patienten zu hämorrhagischen und thromboembolischen Risiken im Falle einer Über- oder Unterdosierung.
◆ Hauptsächlich Niereninsuffizienz, Arzneimittelwechselwirkungen und die gleichzeitige Einnahme von Medikamenten, die die Hämostase beeinflussen, gehören zu den am weitesten verbreiteten Faktoren für das Auftreten von Nebenwirkungen dieser Medikamente.
◆ Die Kumulation von Risikofaktoren, die besonders bei geriatrischen polymorbiden und polymedizierten Patienten vorhanden sind, kann zu einer Verschiebung des Nutzen-Risko-Profils zugunsten der VKA führen.

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Rehabilitation bei pneumologischen Krankheitsbildern

Die pulmonale Rehabilitation (PR), ob stationär oder ambulant durchgeführt, stellt einen wichtigen Eckpfeiler in der nicht-medikamentösen Behandlung vieler Lungenerkrankungen dar. Sie ist eine individualisierte Zusammenstellung interdisziplinärer und evidenzbasierter Therapien mit dem Ziel die Lebensqualität der Patienten zu steigern bei gleichzeitiger Reduktion der Symptome und Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Zwischenzeitlich ist die Evidenz vor allem für die Chronic Obstructive Pulmonary Disease (COPD) hervorragend, aber auch für andere pulmonale Erkrankungen mehren sich die positiven Ergebnisse. Um die Effekte möglichst lang zu erhalten, ist die Anbindung der Patienten an Maintenance-Programme im Anschluss an die PR von besonderer Bedeutung.

Pulmonary rehabilitation (PR), regardless provided as an inpatient or outpatient PR, is an important cornerstone in the non-pharmacological treatment of many pulmonary diseases. It is an individualized set of interdisciplinary and evidence-based therapies with the goal of improving patients‘ quality of life while reducing symptoms and increasing exercise capacity. In the meantime, the evidence is excellent, especially for chronic obstructive pulmonary disease (COPD), but positive results are also increasing for other pulmonary diseases. In order to maintain the effects as long as possible, the connection of patients to maintenance programs following PR is of particular importance.
Key Words: Pulmonale Rehabilitation, COPD, Erhaltungsprogramme, körperliche Aktivität, körperliche Leistungsfähigkeit

Die pulmonale Rehabilitation (PR) ist eine hochwirksame Massnahme zur Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Symptome, sowie zur Verringerung von Krankenhausaufenthalten bei Patienten mit chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankungen. Sie ist definiert als die Durchführung von auf den Patienten zugeschnittenen Therapien, die darauf abzielen, den physischen und psychischen Zustand von Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen zu verbessern und die langfristige Aufrechterhaltung gesundheitsfördernder Verhaltensweisen zu stärken (1).

Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen wie chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), Asthma und intersti­tieller Lungenerkrankung (ILD) können unter vielfältigen körperlichen (pulmonalen und extrapulmonalen), emotionalen und/oder sozialen Einschränkungen leiden, die die Teilnahme an einem PR-Programm rechtfertigen. In der Versorgung pulmonaler Patienten wird man diesen komplexen Krankheitsbildern alleine nur durch eine reguläre medikamentöse Behandlung in der Regel nicht gerecht. Die krankheitsbedingten Auswirkungen sind aber nicht nur für die Patienten bedeutsam, sondern haben durch die häufig hohen Kosten in der Versorgung dieser Patienten für die Gesellschaft einen grossen Stellenwert (2). Tatsächlich klafft aber immer noch eine erhebliche Lücke zwischen dem Wissen über die Vorteile einer PR und der tatsächlichen Teilnahme von Patienten an einer PR. Die Gründe für diese Diskrepanz sind u.a. eine unzureichende Finanzierung, begrenzte Ressourcen für PR-Programme, unzureichende Kostengutsprachen, mangelndes Bewusstsein von und Wissen über den Prozess und die Vorteile einer PR bei Gesundheitsfachkräften, Kostenträgern, Patienten und Pflegepersonal, suboptimale Nutzung einer PR durch geeignete Patienten und begrenzte Ausbildung von PR-Fachkräften (3). In dieser Arbeit soll eine Übersicht über den Bereich der PR gegeben werden.

Kernelemente der pulmonalen Rehabilitation

Die PR hat physiologische, symptomlindernde, psychosoziale und gesundheitsökonomische Vorteile für Patienten mit chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankungen in verschiedenen Bereichen gezeigt (3). Typische Inhalte einer pulmonalen Rehabilitation sind in Tabelle 1 wiedergegeben. Die Dauer einer stationären PR ist der Regel ca. 3 Wochen. Ambulante Programme bestehen aus 2-3 Lektionen pro Woche (davon 2 Lektionen kardiopulmonales Ausdauertraining) und dauern 8-12 Wochen. Die Richtlinien der Schweizerischen Gesellschaft für Pulmologie (SGP), der Swiss-Reha und der Kantone gewährleisten in der Schweiz einen einheitlichen Qualitätsstandard (4-6).

In aller Regel ist es durch die pulmonale Erkrankung und der dadurch bedingten verminderten körperliche Aktivität zu einer physischen Dekonditionierung gekommen. Die hiermit verknüpfte verminderte Belastbarkeit und verstärkte Dyspnoesymptomatik sind die Beschwerden, welche die Patienten am häufigsten beschreiben. Deshalb steht im Zentrum der PR auch die Rekonditionierung mit dem Ziel der Steigerung der Belastbarkeit. Hierbei stellen Bewegungs-, Sport-, Trainingstherapie die Kernelemente der Rehabilitation dar. Im Rahmen des physischen Abbaus steigt die Sturzgefahr, weshalb Koordination und Balancefähigkeit im Rahmen des Trainings auch adressiert werden sollten (7). Die Abbildungen auf der nächsten Seite zeigen pulmonale Patienten beim Krafttraining (Abb. 1), Ausdauertraining (Abb. 2) und Koordinations- bzw. Balancetraining (Abb. 3 und 4).

Doch sind die anderen Komponenten nicht minder wichtig. Zum Beispiel sollte bei noch rauchenden Patienten die PR durch ein strukturiertes Raucherentwöhnungsprogramm ergänzt werden oder bei respiratorischer Insuffizienz eine Langzeitsauerstofftherapie eingeleitet werden. Beide Massnahmen gelten zumindest bei der COPD als lebensverlängernd (8, 9).

Zu Beginn einer PR werden standardisierte Eintrittsuntersuchungen durchgeführt und jeweils Ziele festgelegt, welche regelmässig im Verlauf der PR auf das Erreichen überprüft werden. Die Elemente der PR werden individuell auf die Bedürfnisse der Patienten zusammengestellt, gewichtet und je nach Verlauf der PR adjustiert.

Um den Bedürfnissen und den individuellen Problemstellungen der Patienten gerecht zu werden, braucht es ein erfahrenes interdisziplinäres Team, welches sich regelmässig bespricht. Neben den betreuenden Pneumologen arbeiten in einem solchem Team medizinisches Fachpersonal wie Physio-, Sport- und Ergotherapeuten, Krankenpflegepersonal, Psychologen, Logopäden, Sozialpädagogen und Ernährungsberater.

Indikationen zur pulmonalen Rehabilitation

Prinzipiell sollte an die Durchführung einer PR gedacht werden, wenn als Folge einer Schädigung, bei Vorliegen von voraussichtlich nicht nur vorübergehenden Funktionsstörungen oder drohender oder bereits manifester Beeinträchtigungen, über die kurative Versorgung hinaus, intensive Therapiemassnahmen erforderlich sind, um die Fähigkeitsstörung oder Beeinträchtigung zu vermeiden, zu beseitigen, zu bessern oder eine Verschlimmerung zu verhindern. Krankheitsbilder, bei denen an eine PR gedacht werden sollte, sind in Tabelle 2 aufgeführt. Die Patienten müssen eine Rehabilitationsbedürftigkeit aufweisen, die Rehabilitationsprognose sollte positiv sein und eine Rehabilitationsfähigkeit der Patienten sollte gegeben sein. Prinzipiell muss ein Kostengutsprachegesuch beim Kostenträger vor Beginn der Rehabilitation gestellt werden. Entsprechend müssen in diesem Gesuch die zuvor erwähnten Bedingungen adressiert werden. In aller Regel erfolgt eine Überprüfung des Gesuchs durch den medizinischen Dienst der Krankenversicherungen.

Ergebnisse der pulmonalen Rehabilitation

Vor allem für die COPD ist die Evidenz der PR umfangreich und überzeugend. In Tabelle 3 sind Evidenzlevel der Auswirkungen einer PR aufgeführt. Erstmalig wird im aktuellen GOLD-Report von 2023 die PR bei der COPD als lebensverlängernde Massnahme beschrieben (2). Aber auch bei den anderen Erkrankungen, welche in Tabelle 2 aufgeführt sind, mehren sich die positiven Ergebnisse, welche teils in randomisiert kontrollierten Studien gezeigt wurden und Einzug in die jeweiligen Therapieempfehlungen gefunden haben (10-14).

Ambulante oder stationäre Rehabilitation

Prinzipiell können Rehabilitationsmassnahmen mit vergleichbarem Erfolg der stationären Rehabilitation auch ambulant durchgeführt werden, gerade bei der COPD. Die Rahmenempfehlungen zur ambulanten und stationären pulmonalen Rehabilitation sind von der SGP erstellt worden und liegen vor. Es bestehen für beide Formen der Rehabilitation Listen der akkreditierten Einrichtungen (15-18).
Allerdings liegt es in der Natur des ambulanten Settings, dass die Patienten zwischen PR und häuslicher Umgebung hin- und herfahren müssen, was für schwerer erkrankte Patienten eine Limitation bedeutet. Insbesondere nach akut-stationärem Aufenthalt mit einer schwereren pulmonalen Erkrankung kommt zumeist nur die stationäre PR in Frage.

Pulmonale Rehabilitation und was dann?

Die PR ist eine effektive therapeutische Intervention. Trotzdem hat sich der Benefit als zumeist nicht nachhaltig erwiesen. Ohne strukturiertes Erhaltungsprogramm nach einer PR ist der Ausgangszustand wie vor der PR oft nach 12 Monaten wieder erreicht (19).
Als Erhaltungsprogramme nach einer PR bieten sich unter anderem folgende Optionen an:
Überwachtes Training in einer Physiotherapiepraxis, nicht überwachtes Training in der häuslichen Umgebung, zentrumsbasiertes Training in einer ambulanten PR, erneute stationäre PR, Telerehabilitation, -coaching, häusliches Training via Smartphone-Applikation, Aktivitätsmonitoring und führen von Trainings-Tagebücher.
Die Datenlage ist jedoch uneinheitlich, weshalb eindeutige Empfehlungen noch nicht ausgesprochen werden können.

Problemstellungen und Zukunft der pulmonalen Rehabilitation

Der demographische Wandel führt zu einem steigenden Bedarf an rehabilitativen Leistungen. Entsprechend müssen vermehrt Leistungsaufträge vergeben bzw. vorhandene erweitert werden. Durch das DRG-System steigt der Druck auf die Akut-Spitäler, die Patienten möglichst schnell zu entlassen bzw. in eine Rehabilitationseinrichtung zu verlegen. Dies führt dazu, dass die Krankheitsschwere in den Rehakliniken stetig steigt. Aber auch die Multimorbidität der Patienten fordert eine intensivere und aufwendigere Versorgung.

Historisch bedingt sind die Reha-Kliniken zum Teil eher zentrums- und spitalfern gelegen. Insbesondere bei einer unter Umständen notwendigen Rückverlegung ins Spital steigt der Aufwand. Der Personal- und Fachkräftemangel ist aus den Akutspitälern bereits hinreichend bekannt und betrifft selbstverständlich auch den Reha-Sektor. Im ärztlichen Bereich ist die Rehabilitation nicht im Fokus, sodass zumindest zum Teil eine Kompensation durch Ärzte aus dem Ausland erfolgen muss. Der bürokratische Aufwand hat auch in der Rehabilitation erheblich zugenommen, aber nur zum Teil kann dies durch Erweiterung der EDV ausgeglichen werden.

Schlussfolgerung

Die PR stellt einen wichtigen und erfolgreichen Bereich der therapeutischen Versorgung von Patienten mit pulmonalen Erkrankungen dar. Eine individualisierte, multimodale Zusammenstellung therapeutischer Interventionen supervidiert durch ein interdisziplinäres PR-Team verbessert die Symptomatik, steigert die Lebensqualität und die Leistungsfähigkeit. Neben einer stationären Versorgung für die schwerer Erkrankten gibt es in der Schweiz ein grosses Netz ambulanter PR-Einrichtungen. Um den PR-Erfolg möglichst lang zu konservieren ist die Etablierung eines auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnittenen Erhaltungsprogramms erforderlich. Da der Bedarf an PR steigen wird aber gleichzeitig vor allem ein Personalmangel im Reha-Sektor herrscht, ist ein beherztes Angehen der Problemstellungen im Bereich der PR notwendig, um den Patienten auch zukünftig rehabilitative Leistungen flächendeckend anbieten zu können.

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

PD Dr. med. Marc Spielmanns

1 Zürcher RehaZentren Klinik Wald und Davos
2 Faculty of Health, Department for Pulmonary Medicine,
Universität Witten/Herdecke, Witten, Deutschland

Der Autor hat keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

◆ Eine PR ist eine evidenzbasierte nicht-medikamentöse Therapie, welche bei zahlreichen pulmonalen Krankheitsbildern zu einer
Besserung der Leistungsfähigkeit und Symptomatik führt, sowie zur Steigerung der Lebensqualität beiträgt.
◆ Während ambulante Programme 8-12 Wochen dauern und eher für etwas leichter erkrankte Patienten in Frage kommen, sind stationäre Programme ca. 3 Wochen lang und vor allem für schwerer erkrankte Patienten nach Akutspital-Aufenthalt gedacht.
◆ Kernelemente einer PR sind die Trainings- und Sporttherapie, welche neben dem klassischen Ausdauertraining auch Kraft-, Koordinations- und Balancetraining beinhalten sollten. Andere Module werden nach den Bedürfnissen der Patienten individuell ergänzt.
â—† Strukturierte Erhaltungsprogramme im Anschluss an eine PR
intendieren einen möglichst langfristigen Erhalt der Verbesserungen im Rahmen der PR.

 

1. Spruit MA, Singh SJ, Garvey C, et al. ATS/ERS Task Force on Pulmonary Rehabilitation. An official American Thoracic Society/European Respiratory Society statement: key concepts and advances in pulmonary rehabilitation. Am J Respir Crit Care Med. 2013 Oct 15;188(8):e13-64. doi: 10.1164/rccm.201309-1634ST. Erratum in: Am J Respir Crit Care Med. 2014 Jun 15;189(12):1570. PMID: 24127811.
2. https://goldcopd.org/wp-content/uploads/2022/12/GOLD-2023-ver-1.1-2Dec2022_WMV.pdf. Zugriff 20.12.2022
3. Rochester CL, Vogiatzis I, Holland AE, et al. ATS/ERS Task Force on Policy in Pulmonary Rehabilitation. An Official American Thoracic Society/European Respiratory Society Policy Statement: Enhancing Implementation, Use, and Delivery of Pulmonary Rehabilitation. Am J Respir Crit Care Med. 2015 Dec 1;192(11):1373-86. doi: 10.1164/rccm.201510-1966ST. PMID: 26623686.
4. https://www.pneumo.ch/files/pneumo/pdf/Fachpersonen/Pulmonale%20Rehabilitation/Anforderung_Pulm_Rehabilitation_D_02.2020.pdf. Zugriff 20.12.2022
5. https://www.zh.ch/content/dam/zhweb/bilder-dokumente/themen/gesundheit/gesundheitsversorgung/spitalplanung_2013/20200616_SPL2023_%20Erläuterungen%20zum%20ZH-Leistungsgruppen-Modell%20Rehabilitation.pdf. Zugriff 20.12.2022
6. https://www.swiss-reha.com/api/rm/D63X8PK463A3PMR/211104-swiss-reha-kriterien-pulmonale-rehabilitati.pdf. Zugriff 20.12.2022
7. Beauchamp M, Hill K, Goldstein R et al. Impairments in balance dis- criminate fallers from non-fallers in COPD. Respir Med 2009; 103: 1885 – 1891
8. Kotz D, Batra A, Kastaun S. Smoking Cessation Attempts and Common Strategies Employed. Dtsch Arztebl Int. 2020 Jan 6;117(1-2):7-13. doi: 10.3238/arztebl.2020.0007. PMID: 32008606; PMCID: PMC7008148.
9. Branson RD. Oxygen Therapy in COPD. Respir Care. 2018 Jun;63(6):734-748. doi: 10.4187/respcare.06312. PMID: 29794207.
10. https://www.ginasthma.org. Zugriff 20.12.2022
11. https://www.escardio.org/Guidelines/Clinical-Practice-Guidelines/Pulmonary-Hypertension-Guidelines-on-Diagnosis-and-Treatment-of Zugriff 20.12.2022
12. https://www.esmo.org/guidelines/guidelines-by-topic/lung-and-chest-tumours Zugriff 20.12.2022
13. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5933636/ Zugriff 20.12.2022
14. https://europepmc.org/article/med/32164083 Zugriff 20.12.2022
15. https://www.pneumo.ch/files/pneumo/pdf/Fachpersonen/Pulmonale%20Rehabilitation/Akkreditierungsanforderungen%20pulmonale%20Reha_ambulant_D_10.2022.pdf Zugriff 20.12.2022
16. https://www.pneumo.ch/files/pneumo/pdf/Fachpersonen/Pulmonale%20Rehabilitation/Anforderung_Pulm_Rehabilitation_D_02.2020.pdf Zugriff 20.12.2022
17. https://www.pneumo.ch/files/pneumo/pdf/Fachpersonen/Pulmonale%20Rehabilitation/Liste%20ambulante%20Rehabilitationszentren_2022%2009%2026.pdf Zugriff 20.12.2022
18. https://www.pneumo.ch/files/pneumo/pdf/Fachpersonen/Pulmonale%20Rehabilitation/Liste%20stationäre%20Rehabilitationszentren_2022%2005%2025.pdf Zugriff 20.12.2022
19. Spruit MA, Pitta F, McAuley E et al. Pulmonary Rehabilitation and Physical Activity in Patients with COPD. A, J Respir Crit Care Med 2015; 192: 924 – 933.

Die kardiovaskuläre Bedeutung der saisonalen Grippeimpfung

Leider ist die Verabreichung der alljährlichen Grippeimpfung trotz einer sehr guten Datenlage bei der älteren Bevölkerung immer noch suboptimal. Durch diese einfache Massnahme könnten viele kardiovaskuläre Ereignisse und die Gesamtmortalität durch eine Grippe deutlich verringert werden.

Eine Infektion mit Influenza führt zu einem systemischen Entzündungszustand, der durch prothrombotische Aktivität und hämodynamische Ungleichgewichte kardiovaskuläre Ereignisse auslösen kann. Weiter diskutiert werden eine endotheliale Dysfunktion und eine Plaqueruptur (1, 2). Während einer Grippe besteht für einen älteren kardiovaskulären Risikopatienten ein 6-fach erhöhtes Risiko für einen Myokardinfarkt (3).

Gepoolte Analysen haben im Allgemeinen eine schützende Wirkung der Influenza-Impfung in Bezug auf Gesamtmortalität, kardiovaskuläre Mortalität und schwere unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse gezeigt (4).

Eine neue Metaanalyse von 18 Studien (5x randomisiert, 13x Beo­bachtungsstudien) zeigt bei 217’072 Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko oder einer kardiovaskulären Erkrankung eine signifikante Senkung der Gesamtmortalität um 29%, der kardiovaskulären Ereignisse um 17%, und eine Reduktion der sekundären Endpunkte kardiovaskuläre Mortalität und Myokardinfarkte um 22 respektive 18%. Eine Reduktion der Herzinsuffizienz konnte nur ­tendenziell festgestellt werden. Kein Effekt auf die Strokerate (5).

Somit bleibt die jährliche Grippeimpfung insbesondere bei älteren und kardiovaskulären Patienten oder einer Population mit kardiovaskulärem Risikoprofil eine wichtige hausärztliche Aufgabe. Damit diese im Herbst umgesetzt wird, muss auch der betreuende Kardiologe daran denken und seine Patienten zu dieser Massnahme motivieren.

Dr. med. Urs N. Dürst

Zelglistrasse 17
8127 Forch

u.n.duerst@ggaweb.ch

1. MacIntyre CR. et al.: «Influenza vaccine as a coronary intervention for prevention of myocardial infarction». Heart 2016;102:1953–1956.
2. Corrales-Medina VF. et al.: «Role of acute infection in triggering acute coronary syndromes». Lancet Infect Dis 2010;10:83–92.
3. Kwong JC. et al.: « Acute myocardial infarction after laboratory- confirmed influenza infection». N Engl J Med 2018;378:345–353.
4. Zangiabadian M. et al.: «Protective effect of influenza vaccination on cardiovascular diseases: a systematic review and meta-analysis». Sci Rep 2020;10:20656.
5. Jaiswal V. et. al.: «Cardioprotective effects of influenza vaccination among patients with established cardiovascular disease or at high cardiovascular risk: a systemic review and meta-analysis» EJPC 2022 ;29 :1881-1892.

4 Disziplinen – 1 Ziel

Worauf muss die entsprechende Fachärztin/Facharzt achten bei der Abklärung, der Behandlung und der Nachbetreuung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Krankheiten des Darms, der Haut und des Bewegungsapparates mit häufig überlappender Manifestation? Welche Rezepte und Checklisten gibt es oder braucht es in Zukunft, um bei einem bestimmten Krankheitsbild eine Überweisung an eine Spezialistin/einen Spezialisten in Erwägung zu ziehen (resp. eine Überweisung von einem Spezialisten /einer Spezialistin an einen Hausarzt/eine Hausärztin)?

Diese Frage und weitere Fragen waren Gegenstand einer Fortbildung des Stadtspitals Zürich und der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich, die am 2. Februar im Hotel Marriott, Zürich, unter der Leitung von Prof. Dr. med. Christoph Gubler, Chefarzt Gastroenterologie, Stadtspital Zürich und Dr. med. Josef Widler, ehemaliger Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich, stattfand. Der durch die Medworld AG, Steinhausen, professionell und exzellent durchgeführte Anlass wurde durch die Firmen Amgen und Galderma unterstützt. Die 4 Disziplinen waren Hausarztmedizin, Dermatologie, Rheumatologie und Gastroenterologie. Die Fortbildung fand interaktiv mit einer online Befragung und Auswertung statt.

1. Von den Schnittstellen der Hausarztmedizin zur Nahtstelle der Spezialisten – Wie betreuen wir Patienten professionell?

«Das Ziel meines Vortrags ist, die Bedürfnisse der Hausärzte zu erfassen und was die Hausärzte von den Spezialisten erwarten», erklärte Dr. Widler zu Beginn seiner Ausführungen. Nach Wikipedia ist der Hausarzt ein Arzt, eine Ärztin, der/die sich mit der Vorbeugung (Prävention), Erkennung (Diagnose), Behandlung (Therapie) und Nachsorge von Krankheiten und Verletzungen (Patientenversorgung) beschäftigt, insgesamt eine umfassende Tätigkeit. Die FMH beschreibt die Hausarztmedizin etwas dürftig wie folgt: Hausarztmedizin stellt normalerweise den ersten medizinischen Kontakt im Gesundheitssystem dar und gewährleistet einen offenen und unbegrenzten Zugang für alle Nutzer und für alle Gesundheitsprobleme, unabhängig von Alter und Geschlecht. Solches bieten auch die Apotheker an, wie der Referent feststellte. Dr. Widler sieht die Tätigkeit des Hausarztes in der umfassenden Beurteilung der Patientinnen und Patienten, in einer abschliessenden Diagnose und Therapie. Der Hausarzt sollte 80% der Patienten abklären und behandeln und mit gutem Gewissen nach Hause schicken können. Daneben gibt es jene Patienten, die einen Spezialisten benötigen. Dabei spielt die Wahl der Spezialistin eine grosse Rolle: Wenn sie gut ist, ist der Hausarzt auch gut, im andern Fall ist auch der Hausarzt betroffen. Dann gibt es noch den Notfall, der eine Spitalüberweisung benötigt.

Verdacht Autoimmunerkrankung

Das Thema der Fortbildung war den Autoimmunerkrankungen gewidmet. Wenn der Hausarzt einen Patienten mit einer Autoimmunerkrankung überweisen will, sollte er wissen, worauf zu schauen ist. Die Fragen an die Teilnehmer betrafen denn auch das Gebiet der Autoimmunerkrankungen.

Wie viele Ihrer Patientinnen stehen zurzeit unter einer immunsuppressiven Therapie?
1. weiss nicht, 2. keine, 3. 1-5, 4. 6-10, 5. mehr als 10
Von 24 Teilnehmern antwortete die Mehrheit (10) mit Antwort 5 (mehr als 10).

Was ist der häufigste Grund einer Immunsuppression Ihrer Patienten?
1. eine rheumatologische Krankheit? 2. eine gastroenterologische Krankheit? 3. eine dermatologische Krankheit? 4. eine neurologische Krankheit? 5. ein Karzinom? 6. eine stattgehabte Transplantation?
Die überwiegende Mehrheit votierte für eine rheumatologische Krankheit.

Tätigkeit bei immunsupprimierten Patienten.
1. BSR bestimmen, 2. CRP bestimmen, 3. Impfstatus überprüfen,
4. Keine Lebendimpfstoffe verimpfen, 5. Nierenfunktion prüfen
Alle diese Tätigkeiten wurden als wesentlich angesehen.

Wie schätzen Sie Ihr Wissen über den Einsatz von immunsupprimierenden Medikamenten ein?
– Ich kenne die meisten Indikationen
– Ich kenne die häufigsten Nebenwirkungen
– Ich kenne die Medikamente, die interagieren
– Ich kenne die Krankheiten, die eine Gefahr für Immunsupprimierte darstellen

1. Keine der Aussagen trifft zu, 2. Eine Aussage trifft zu, 3. Zwei Aussagen treffen zu, 4. Drei Aussagen treffen zu, 5. Alle Aussagen treffen zu
Das Wissen war über alle Antworten gestreut.

Verdacht einer Autoimmunerkrankung, die zur Überweisung an einen Spezialisten führen sollte:
Akne inversa/Hidradenitis suppurativa

Welche der folgenden Aussagen ist bezüglich Aetiologie und Pathophysiologie der Akne inversa richtig?
1. Primär beginnt die Erkrankung mit einem Follikelverschluss und
mit einer Entzündung des Haarfollikels, 2. Bis 40% der Patienten haben eine positive Familienanamnese für Akne inversa, was auf eine mögliche genetische Veranlagung hinweist, 3. Der Beginn ist meist eine bakterielle Infektion der apokrinen Drüsen, 4. Primär besteht eine Entzündung der Talgdrüsen, 5. Nikotinabusus zeigt keine Auswirkung auf die Akne inversa
Die Teilnehmer sprachen sich für 1, 2 und 4 aus.

Was sind die typischen und häufigsten Lokalisationen für Akne inversa/Hidradenitis suppurativa?
1. Kopf, Hals und Rücken, 2. Achselhöhlen, Leistengegend, Anogenitalbereich, 3. Stirn, Kinn, Nase, 4. Wangen, Brust, Oberschenkel
Die grosse Mehrheit votierte für Achselhöhlen, Leistengegend und Anogenitalbereich

Zusammenarbeit Spezialist/Hausarzt

Die Befragung der Teilnehmer umfasste die folgenden Punkte:
1. Die Spezialistin soll die Therapie vollständig übernehmen und mich nach jeder Konsultation orientieren, 2. Die Spezialistin soll die Therapie durchführen. Ich möchte den Patienten aber in gemeinsam definierten Intervallen in meiner Sprechstunde sehen, 3. Ich möchte die klinischen Kontrollen übernehmen, 4 ,Die Spezialistin soll die Therapie vorgeben, aber ich möchte die Laborkontrollen durchführen, 5. Die Spezialistin soll die Therapie vorgeben, aber ich möchte bei der Durchführung (z.B. Infusionen) mitwirken
Die Quintessenz war, dass der Spezialist wissen sollte, was der Hausarzt gerne möchte.

Zusammenarbeit

Hausarzt
Verdachtsdiagnose
Unklarer Befund
Behandlung und Komorbiditäten
Impfstatus
Klinische Kontrolle
Labor
Röntgen
EKG

→

Spezialist
Abklärungen
Diagnose, – Therapie
Spezialuntersuchungen
Diagnose
Beurteilung
Therapie
Planung
Risiken, – Interaktionen
Therapie-Überwachung
Zuzug weiterer Spezialisten

Falls der Spezialist einen weiteren Spezialisten in einem anderen Fach zuzieht, möchte der Referent dies wissen. Der Austausch sollte gegenseitig sein.

Morbus Crohn

Aktiv? Oder andere Ursache eines Durchfalls?
Welcher Test korreliert am besten mit einer signifikanten Crohn-Aktivität (verglichen mit dem Goldstandard Endoskopie)?
1. CRP >5mg/L, 2. Leukozyten >8G/L, 3. Klinik in Form einer standardisierten Beurteilung, 4. Calprotectin >100µg/g
Die überwiegende Mehrheit sprach sich für Calprotectin >100µg/g aus.

Der Bericht

Der Referent zeigte exemplarisch einen Bericht einer Patientin, wie er nicht verfasst werden sollte: 14 Diagnosen, 24 Medikationen und weitere Bemerkungen, die nicht unbedingt zielführend waren. Die Gefahr, dass das Wesentliche überlesen wird, ist dabei sehr gross.
Der Bericht sollte idealerweise den Verlauf, neue Erkenntnisse, Konsequenzen, Therapieanpassungen, wann, welche Kontrolle und durch wen, sowie die Caveats umfassen.

Wie soll die Berichterstattung erfolgen?
1. Telefon, 2. Mail, 3. Post
Eine beliebte Variante ist die Anfrage für ein Telefonat per Mail. Ein grosser Teil wünscht die Zustellung per Mail. Die postalische Zustellung oder das «zeitlich unpassende» Telefon sind eher unpopulär.

Mit welcher Frequenz soll der Bericht erfolgen?
1. Bei Therapiebeginn oder Therapieänderung, 2. Nach jeder Kontrolle, 3. Nach Gutdünken der Spezialistin
Mehrheitlich wurde für Antwort 1 votiert.

2. Expertise Dermatologie – Rezidivierende Abszesse


Zehn Jahre bis zur Diagnose. Es wurden mehr als 3000 Hauterkrankungen beschrieben, stellte Dr. med. Robert Artur Dahmen, Oberarzt Dermatologie, Stadtspital Zürich, fest. Auch die Dermatologen kennen nicht alle. Grundsätzlich gilt: Alles was rot ist kann man mit Elocom® Salbe/Pommade, Fucidin und Imazol® Crèmepaste behandeln. Wenn etwas nicht verheilt, sollte es von einem Dermatologen angeschaut werden. Wie steht es aber mit Abszessen? UBI PUS, IBI EVACUA. Wo Eiter ist, dort räume aus. Sollen wir alle Abszesse den Chirurgen überweisen? Was machen, wenn die Abszesse rezidivierend sind? Immer an die Chirurgen überweisen? Es gibt eine Erkrankung, die durch stets wiederkehrende Rezidive gekennzeichnet ist, die Acne inversa. Sie wurde vom Referenten für diese Fortbildung ausgewählt.

Acne inversa, Hidradenitis suppurativa

Acne inversa ist eine chronisch rezidivierende Hauterkrankung, die entzündlich und nicht infektiös ist. Sie tritt üblicherweise nach der Pubertät auf und kann vernarbend verlaufen. Sie manifestiert sich mit schmerzhaften, tief lokalisierten, entzündlichen Hautläsionen, die in Terminalfollikel- und apokrinen Drüsen-reichen Hautregionen auftreten, am häufigsten in den Axillen, sowie der Inguinal- und Anogenitalregion (Dessauer Definition), überall, wo es Reibung gibt. Die Prävalenz beträgt 0.7-1.2%. Ungefähr 1% (ca. 80’000 der Schweizer Bevölkerung) leidet an Acne inversa. Acne inversa wird oft mit anderen Abszessen verwechselt, was dazu führt, dass die Dauer bis zur Diagnosefindung oft 7-10 Jahre dauert. Die ersten Symptome kommen meistens im Alter von durchschnittlich 23 Jahren, Frauen sind häufiger betroffen als Männer, 50% sind adipös und 90% oder noch mehr sind Raucher. Acne inversa unterscheidet sich von Acne vulgaris dadurch, dass bei Acne inversa die Entzündung deutlich tiefer ist. Genetik, mechanische Belastung, Hormone und Rauchen spielen in der Pathogenese eine wichtige Rolle. Interleukine spielen eine Schlüsselrolle insbesondere in der Therapie.
Am Anfang kommen die Patientinnen mit schmerzhaften kleinen Papeln und Knoten, und es gibt 3 Möglichkeiten für den Verlauf: Die Knoten bilden sich zurück, sie persistieren oder sie wandeln sich in einen Abszess um. Das nennt man Hurley I. Weiter können die Abszesse verschmelzen. Dann entstehen Narben und Fistelgänge. Dieses Stadium nennt man Hurley II. Das schlimmste Stadium wird Hurley III genannt. Typisch ist ein flächiger Befall mit Abszessen und Fistelgängen.

Die Diagnose ist rein klinisch. Cave: Häufig tritt ein Plattenepithelkarzinom auf. Komorbiditäten sind metabolisches Syndrom, polycystisches Ovarialsyndrom, Diabetes Typ 2, psychische Störungen, M. Crohn usw. Die Patientinnen mit Acne inversa haben von allen dermatologischen Erkrankungen die schlechteste Lebensqualität.

Seit 2015 gibt es eine wirksame Therapie mit Adalimumab und kurz danach folgten die ersten Leitlinien (2017). Bei Patientinnen, die nur kleine Knoten und Papeln haben, reicht eine Antibiotika-Therapie mit topischem Clindamycin. Bei schwereren Verläufen braucht es eine systemische Therapie, z.B. mit Doxycyclin oder Rifampicin (beide haben anti-entzündliche Aktivität). Allerdings wurde das Auftreten von Clostridium difficile bei Patientinnen unter Clindamycin und Rifampicin beobachtet.

Adalimumab (Humira®) funktioniert «magic», so der Referent. Auch Secukinumab (Cosentyx®) zeigte klinisch bedeutende Symptomverbesserungen bei Patienten mit Hidradenitis suppurativa in Phase III Studien und wird bald entsprechend eingesetzt werden. Was bleibt sind die Narben, die chirurgisch behandelt werden müssen.

Die Häufigkeit von Rezidiven nach einer Operation beträgt nach radikaler Exzision 13%, nach einfacher Drainage 78-100%, nach einfacher Exzision 22-43% und nach Deroofing 17%.

Take Home Message

Patienten, die chronische Abszesse haben, bitte zum Dermatologen schicken.

3. Expertise Rheumatologie – Ganzheitliche Betreuung von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen unter Basistherapien: eine Teamleistung.


PD Dr. med. Christof Iking-Konert, Chefarzt Rheumatologie, Stadtspital Zürich, stellte zunächst eine 24jährige Medizinstudentin mit Schmerzen der Achillessehne, der LWS und des 4. Fingers links mit Schwellung vor. Familie nicht bekannt. Keine Vorerkrankungen bekannt. Keine Infekte bemerkt.

Labor: hat sie schon mal abnehmen lassen…. Die Laborbefunde (CRP, BSG, RF und ACPA) waren normal.

Die Hände sind die Visitenkarte des Rheumatikers, so der Referent. Die Patientin hatte eine Daktylitis, ein typisches Symptom einer Psoriasis-Arthritis.

Mythos 1: Ohne Rheuma im Blut, kein Rheuma…

Eine entzündliche Erkrankung soll als Diagnose nicht verworfen werden, nur weil die Laborwerte (Entzündungsmarker, Serologie) normal sind. Andererseits bedeuten positive ANA bei einer 80jährigen nicht unbedingt eine rheumatische Erkrankung.

Welches DMARD (Disease Modifying Anti-Rheumatic Drug) wäre nach Ihrer Meinung geeignet?
1. MTX 15mg /Woche, 2. TNF-Blocker (z.B. Adalimumab 40mg s.c./2 Wochen), 3. IL-17 Blocker (z.B. Secukinumab), 4. IL-23 Blocker (z.B. Guselkumab)
Die Schlüsselbereiche der Psoriasisarthritis sind axiale Erkrankung, Nagelerkrankung, Enthesitis, Hauterkrankung, periphere Arthritis, Daktylitis. In allen Fällen sind NSAR die erste Wahl. Bei ungenügender Wirkung stehen heute viele moderne Medikamente zur Verfügung.

Die Patientin will wissen, ob sie denn nun nicht ständig Infekte bekommen würde? Stimmt das?
1. Ja, 2. Nein, 3. Kommt darauf an
Infektionen steigen mit dem Alter, der Anzahl der Risikofaktoren und der Höhe der Glukokortikoidtherapie. Herpes Zoster und DMARD: Bei 12470 RA-Patienten war die Inzidenzrate von Herpes Zoster-Ereignissen pro 1000 Patientenjahre mit den meisten Antirheumatika in der Grössenordnung von 10/1000 Patientenjahre. Eine Ausnahme bildeten die JAK-Inhibitoren, bei denen sie 24.9/1000 Patientenjahre betrug. Die Empfehlungen zur Immunisierung gegen Herpes Zoster hängen von Alter und Therapie ab. Mit oder ohne Immunsuppression sollte jedermann ab 65jährig gegen Herpes Zoster geimpft werden; Immunsupprimierte bereits ab 50jährig.

Mythos 2: Gegen Rheuma kann man doch eh nichts machen.

Die neuen Medikamente heissen Disease modifying anti-rheumatic drugs (DMARD). Es gibt die konventionellen synthetischen DMARDs, z. B. Methotrexat, die gezielten synthetischen DMARDs, z. B. Tofacitinib (Xeljanz®) und die biologischen DMARDs (monoklonale Antikörper) z. B. Adalimumab (Humira®).
Welches Medikament für welches Stadium sollte der Spezialist entscheiden. Heute ist es eine rein klinische Entscheidung, welches Medikament am besten wirkt.

Mythos 3: Mit Rheuma kann man nicht schwanger werden

Die junge Patientin fragt Sie, wie es denn mit einer Schwangerschaft sei? Sie habe gelesen, dass das mit «Rheuma» unmöglich sei… Stimmt das?
1. Ja, 2. Nein, 3. Kommt darauf an

Schwangerschaft

Immer proaktiv nach Schwangerschaftswunsch fragen. MTX ist streng verboten. Es muss 3 Monate vorher abgesetzt werden. Das Gleiche gilt für Leflunomid (Spiegelmessung). Abatacept, Rituximab und Tocilizumab sollten 1 Monat vor Schwangerschaftsbeginn abgesetzt werden. Es gibt aber auch Medikamente, die in der Schwangerschaft und während der Stillzeit eingesetzt werden können, z.B. Prednisolon, Hydroxychloroquin, Sulfasalazin, Azathioprin.

Krebs

Die junge Patientin berichtet besorgt, dass sie gelesen habe, dass man von den Rheuma-Medikamenten Krebs bekomme und man ausserdem an Rheuma früher sterbe.
Stimmt das? 1. Ja, 2. Nein, 3. Kommt darauf an
Nach 20 Jahren Anwendung haben die Patienten in der Regel kein erhöhtes Krebsrisiko, aber sie sollten sich einer regelmässigen Untersuchung unterziehen. Diese sollte durch den Hausarzt erfolgen. Unter Biologika wurden keine Tumorkomplikationen beobachtet.

Kardiovaskuläres Risiko

Das kardiovaskuläre Risiko ist ein Problem durch die langjährige Entzündung im Rahmen einer rheumatischen Erkrankung.

Mortalität bei RA

RA-Patienten lebten gemäss einer Studie aus dem Jahre 2009 im Schnitt kürzer, dies insbesondere bei unzureichender Therapie der RA. Bei den heutigen Therapiemöglichkeiten und gutem Ansprechen auf die Therapie dürfte die Lebenserwartung kaum vermindert sein.

Fazit: Zusammenarbeit Hausarzt – Spezialist

Die Initialtherapie liegt meistens beim Hausarzt. Die Hausärzte müssen die Erstsymptome erkennen. Der Spezialist ist dabei gerne behilflich.
Die Initialtherapien (NSAR, ggf. Glukokortikoide) werden ebenfalls vom Hausarzt eingesetzt. Die Einleitung der spezifischen Therapie und die Wahl des Medikaments sollte der Spezialist vornehmen. Dies gilt auch für die Überwachung, bis der Patient das Ziel erreicht hat. Danach sollte der Hausarzt das Weiterführen der Therapie übernehmen.
Auch das Absetzen muss überdacht und sollte zusammen mit dem Spezialisten abgeklärt werden.
Die Schwangerschafts-Planung auch gerne über den Spezialisten.
Kardiovaskuläre Vorsorge und Krebsvorsorge durch den Hausarzt.
Das Impfen primär durch den Hausarzt. Der Spezialist weist daraufhin.

4. Expertise Gastroenterologie – Der Crohn Patient in Remission: Beispiel für wertvolle Zusammenarbeit zwischen Grundversorger und Spezialist.


Morbus Crohn wird immer häufiger. Wenn man hochrechnet, sind es mehrere Tausend Patienten im Kanton Zürich, die einen Morbus Crohn haben. Der Crohn-Patient in Remission ist ein Beispiel für eine rezidivierende-remittierende Erkrankung, so PD Dr. med. Bernhard Morell, Leitender Arzt Gastroenterologie, Stadtspital Zürich. Der Verlauf ist nicht absehbar und es besteht die Gefahr der Über- oder Unterbehandlung. Häufig ist zu Beginn die Aktivität höher und nimmt mit der Zeit ab. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall. Der Progress ist oft subklinisch und entwickelt sich mit der Zeit so, dass eine Operation unumgänglich wird. Man kann sich verschiedene Stadien des M. Crohn vorstellen. Es gibt zunächst die Empfindlichkeit für die Entwicklung eines M. Crohn. Sie hängt von der Genetik, der Umgebung, dem Darmmikrobiom und der Immunantwort ab. Hier könnte man erstmals eingreifen, was indessen schwierig ist. Darauf kommt das Fenster der mukosalen Inflammation, die mit Ulzera beginnt. Zuletzt folgt das Stadium der irreversiblen Fibrose mit Fisteln und Abszessen, bei denen die Medikamente nicht mehr helfen.

Diagnostische Mittel sind in der frühen Phase Calprotectin, die Endoskopie (Goldstandard) und der intestinale Ultraschall. CRP und Symptom-basierte Scores sowie hämatologische Indizes kommen erst später. Das Calprotectin ist besser als die Klinik, die nicht sehr zuverlässig ist. Die Gastroenterologen halten sich an die Europäischen Guidelines. Die Endoskopie wird bei neu auftretenden Symptomen oder bei Therapiewechsel gemacht. Die Betreuung während der Remission ist alle 3-6 Monate empfohlen. Die Messung des fäkalen Calprotectins wird empfohlen, da es einen Relapse voraussagt. Der Schub ist einfacher zu behandeln, wenn er früh erkannt wird. Die Klinik ist aber immer noch entscheidend. Man würde keine Therapieeskalation durchführen ohne entsprechende Klinik.
Das Calprotectin ist sehr wahrscheinlich ein Bestandteil des angeborenen Immunsystems. Es scheidet Eisen aus und wirkt dadurch antibakteriell. Das Calprotectin kann deshalb hoch sein, wenn Blut im Stuhl ist. Eine Ulcuskrankheit oder eine virale Gastroenteritis kann deshalb auch zu erhöhten Calprotectin-Werten führen. Das Calprotectin ist also nicht sehr spezifisch. Das Calprotectin hilft sogar quantitativ, gewisse klinische Entscheidungen zu treffen, vorausgesetzt, dass es ist nicht falsch positiv ist. Bei Calprotectin unter 100 ist keine relevante mukosale Inflammation vorhanden. Calprotectin-Werte zwischen 100 und 250 sind im Graubereich. Hier ist es möglich, dass eine residuelle Inflammation besteht: diese Patienten müssen gut überwacht werden. Werte über 250 zeigen, dass eine bedeutende Entzündung besteht. Diese Patienten eignen sich für eine Dünndarmsonographie. Die Dünndarmsonographie ist sehr genau, sie ist kosteneffizient und eignet sich sehr gut zum Überwachen des Ansprechens auf eine Therapie. Es gibt verschiedene Schnittstellen zwischen Hausärzten und Spezialisten beim Umgang mit M. Crohn: das Therapiemonitoring (Lymphozyten (Azathioprin, Ozanimod), Talspiegel (TDM), Medikamentenantikörper (ADA), Transaminasen, Impfungen (Herpes Zoster, Pneumokokken, Influenza…), Kontrolle Integument unter Immunsuppression, Diagnose und Substitution von Fe-, Vitamin D- und Vitamin B12-Mangel.
Beratung beim Nikotinstopp ist sehr wichtig.

Fazit

– Der Crohn Patient in Remission ist ein ideales Beispiel für
eine gute Zusammenarbeit zwischen Allgemeinmedizin und Spezialgebiet
– Chance für optimale/ganzheitliche Betreuung
– Diverse Schnittstellen und diverse Herausforderungen
– Koordination
– Konstanz
– Voraussetzung
– Effiziente Kommunikation

Quelle: Fortbildung «4 Diagnosen – 1 Ziel» des Stadtspitals Zürich und der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich am 2. Februar 2023, organisiert durch Medworld AG

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

«Zeitenwende»

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Leserinnen und Leser

Schon das Jahr 2022 war bei «info@onkologie» ein Jahr der grossen Änderungen. So wurde die Zeitschrift auch für die Oncosuisse zum offiziellen Organ für Publikationen. Dies nebst vielen anderen Fachgesellschaften, die sie im Impressum jeweils mit dem Logo wiederfinden. Das renommierte und viel gelesene Krebsbulletin wurde als separate Zeitung aufgegeben und ist nun in dieser Zeitschrift, die auch ein neues Layout und einen neuen Namen bekam («info@onco-suisse») aufgegangen. All diese grossen Veränderungen hat Prof. Thomas Cerny als Chefredaktor über viele Jahre begleitet oder teils selbst eingeleitet.

Mein geschätzter ehemaliger Chef, Mentor und Visionär hat nun also diese anspruchsvolle Aufgabe per 2023 an mich übergegeben. Ich freue mich auf diese Herausforderung zusammen mit einem tollen Team an Editoren aus den verschiedensten Bereichen der Onkologie/Hämatologie. Die Teamarbeit im Editorial Team, aber auch mit Ihnen wird in Zukunft noch mehr im Fokus stehen. Originalarbeiten, kritische Reviews von publizierten wissenschaftlichen Arbeiten, Übersichtsarbeiten zu wichtigen neuen Themen, aber auch News aus der Gesundheitspolitik bilden den groben Rahmen des Journals 2023. Wenn ich in die schon ­vorhandene Pipeline schaue, dann bin ich überzeugt, dass Sie sich auf jede Ausgabe freuen dürfen. Nun, unser Journal ist nur so stark wie Sie als Autoren und Leser. Darum möchte ich Sie alle einladen, wenn Sie etwas Interessantes zu berichten haben, uns zu kontaktieren. Darüber hinaus dürfen Sie sich auch noch auf ein paar weitere Neuerungen freuen, über die wir gerne später berichten.

Nun bleibt mir nur noch, Ihnen einen guten Start ins 2023 zu wünschen sowie Gesundheit, Glück und Erfolg.

Prof. Dr. med. Roger von Moos
roger.vonmoos@ksgr.ch

Mit grosser Freude sehe ich zurück auf 12 Jahre Aufbau und Redaktionsleitung von «info@onkologie» und seit 2021 auf  «info@onco-suisse», der inhaltlich gänzlich firmenunabhängigen und für viele Organisationen offiziellen schweizerischen Onkologie-Zeitschrift. Mein Entschluss, nach 10 Jahren das Zepter weiterzureichen, ist durch die Coronajahre um 2 Jahre verschoben worden.

Nun wird unter der Leitung von Prof. Roger von Moos, der diesem Publikum nicht mehr vorgestellt werden muss und mein Wunschkandidat war, eine neue erweiterte Redaktion die inhaltliche Verantwortung übernehmen und das Heft weiterentwickeln. Mit einem kleineren Pensum werde ich noch die News der Swissmedic und den Pressecorner mitgestalten und gelegentlich etwas aus Oldie-Sicht, z.B. zur Gesundheitspolitik oder Kultur, beitragen.

Allen aktiven Mitgestalter der alten und neuen Redaktion und des Editorial Boards, allen Autorinnen und Autoren und Mitarbeitern des Verlags, sowie insbesondere der innovativen Verlagsleitung von Eleonore Droux und der Wissenschaftlichen Leitung von Prof. Walter Riesen gilt mein aufrichtiger Dank!

Prof. em. Dr. med. Thomas Cerny
thomas.cerny@kssg.ch

ISROI – Building a pathway for future-oriented radiation oncology

Radiation oncology (RO) is a medical discipline that utilizes various forms of ionizing radiation to treat malignant and benign diseases. RO is an essential clinical discipline; approximately 50-60% of cancer patients receive radiation therapy. RO, as a discipline, produces a considerable quantity of information and simultaneously consumes information created by other clinical fields. However, it is currently impossible to automatically exchange or utilize data created during routine clinical care. In this writing, we describe the evolution of the International Society for Radiation Oncology Informatics (ISROI) and its activities and provide examples of how the clinical workforce may contribute to developing a future-oriented informational landscape in radiation oncology.

Key Words: Radiation therapy, Information Science, Oncology, Data exchange, Semantic Interoperability

How radiation oncology and informatics are connected

Radiation oncology (RO) is a medical discipline that utilizes various forms of ionizing radiation to treat malignant and benign diseases. Radiation therapy (RT) is an essential part of treating patients diagnosed with cancer in curative or palliative settings. Approximately 50-60% of cancer patients receive radiation therapy as part of their treatment (1).

Information technology is an engineering domain that develops informational infrastructures, such as hardware, networks, applications, and performs their maintenance. Information science includes applied and academic disciplines involved in developing solutions and solving problems connected with information collection, processing, retrieval, computing, utilization, and many more aspects of information processing.

In RO, the previously mentioned domains are heavily interconnected and dependent on each other in the clinical setting. As a result, modern RT frequently requires complex hardware and software integration within RT departments and external partners. In addition, RT is data-intensive, where evermore information is created along the patient’s course of treatment (2). This course involves several steps. For example, before RT treatment starts, physicians evaluate the disease stage and choose the best diagnostic and treatment strategy. This requires multidisciplinary assessment and collaboration with other data-intensive disciplines such as radiology and pathology. Patients are usually discussed on interdisciplinary tumor boards, where the final treatment decisions are made. After that follows the preparation of the RT, which consists of many smaller substeps requiring interaction between patients and caregivers (e.g., consultation with RO specialists).

Furthermore, a planning computer tomography organization and consequent radiation therapy planning, as well as quality assurance procedures create additional data. In addition, treatment delivery and associated processes contribute to data heterogeneity. Finally, follow-up and regular checkups in interdisciplinary settings form an extra data layer. We present a short, simplified overview of the data and the patient pathway in Figure 1.

Such an environment provides a unique possibility to engage a variety of modern aspects of information science to develop and apply a foundation for precise and personalized RT care. Ideally, all data or derived information generated from multiple sources across the care continuum should be available at the right time to the right person (3, 4). Therefore, data and information should be integrated into one standardized, universally accepted electronic health record under the patient’s direct control.

However, achieving such a level of integration is very difficult. For example, it has been shown, that fewer than one in three hospitals can find, send or integrate health-related information from another provider (5, 6). More recent studies additionally reveal significant problems in data management. For instance, inter-vendor data exchange on very minimal and highly standardized datasets, namely laboratory values and medications, is below 15% (7). Despite some progress in data interoperability, the problem is unlikely to be solved anytime soon. Furthermore, poorly designed user interfaces combined with inadequate workflows and user experience result in severe consequences. For example, recent study on clinical information systems and electronic health record in Switzerland showed that is almost impossible to make all medication prescriptions correctly (8, 9). Therefore, a new way of collaboration at all levels of healthcare is needed.

What does this mean?

Precise, personalized, and affordable healthcare will only be possible if the information is shared between all interested parties without technical or other obstacles. Furthermore, physicians, physicists, nurses, and radiation therapists must have a working environment that efficiently and effectively facilitates data-intensive tasks. Therefore, we need an additional communication layer on a syntactic and semantic level. On a practical level, we must be capable of transforming domain knowledge, which exclusively lies within the clinical environment and professional societies into computable and sharable formats. We must convert domain knowledge into the condensed form of computable clinical guidelines and common reusable data elements (4). Such transformation will create a virtuous cycle of knowledge (Figure 2).

The clinical information technology environment must adapt to everchanging requirements, implement new methodologies and new models, and fulfill the needs of healthcare workers and patients. In addition, patients should be empowered to control all of their data and share it between institutions, without significant effort, for clinical or research purposes. Finally, all data created during a disease course must be findable, accessible, interoperable, and reusable (10, 11).

What challenges do we have to confront?

Such a massive undertaking is not possible without fundamental changes and effort across the biomedical enterprise. The clinical environment is complex and interconnected with all aspects of society and dependent on sociological, political, and economic factors. Any systemic change requires interventions and movements across all levels.

The role of radiation oncology

RO is an already highly «digitalized» clinical domain. In modern RO, informational infrastructure is basic. It is an interconnected clinical discipline that consumes and produces large amounts of information and data. In order to treat a patient according to the latest standards of care, images created in radiology departments are used, pathology reports are evaluated while coordination with medical oncology and other disciplines for combined systemic treatment is crucial. With this in mind, we have founded ISROI as a society that aims to translate and transform theoretical and practical knowledge into a form suitable for a clinical environment.

ISROI history and role

ISROI has evolved from annual Radiation Oncology Informatics (ROI) meetings held in St. Gallen (CH) and Freiburg (D). ROI meetings were a platform for exchanging the latest developments in practical and research domains in clinical and administrative informatics tightly connected with RO. Through the years, contents of increasing quality and quantity were presented. As a result, the number of presenters and attendees grew. For this reason, members of a board decided to transform ROI meetings into a more suitable format. On 12.05.2020, in St. Gallen, board members officially agreed on the articles of association and formally founded ISROI. ISROI includes members from all domains of radiation oncology and connected disciplines. Currently, ISROI has 53 members from five countries.
The primary goal of the ISROI is to improve patient care and outcomes by advancing informatics in RO.

This higher goal is, however, achievable only by fulfilling subordinate goals. Therefore, we concentrate on our development milestones as follows. On the academic level, we have three major goals. First, ISROI will establish radiation oncology informatics as an academic discipline. Besides pure engineering principles, we want to introduce scientific methodology into the field. Second, we aim to educate the next generation of professionals. With our activities, we would support development through all stages of education. Third, we will promote and distribute knowledge created through our activities by disseminating scientific publications, organization of scientific meetings, and guest lectures. In the long term, we will support developing and maintaining a radiation therapy curriculum.

Further goals are practice-oriented. ISROI members will promote value-based radiation oncology and implement best clinical practices as a primary goal for the clinical environment. Furthermore, ISROI will actively contribute to optimizing clinical workflow and promote meaningful digitalization in RO and other clinical disciplines. We believe that improving the digital work environment will result in direct, measurable benefits for the clinical workforce. More ergonomic digital solutions should improve process quality, worker’s satisfaction and data quality, ultimately elevating safety and improving patient outcomes. Lastly, ISROI understands the importance of technical and semantic interoperability of data within and beyond the RO domain. Besides common practice and accompanying challenges in the clinical routine, we are witnessing the remarkable development of new artificial intelligence (AI) approaches. These technological advancements impose additional challenges for clinical departments. Development, implementation, validation, and verification of AI-based solutions will result in new challenges and requirements for a workforce equipped with new skills. ISROI will dedicate significant effort to early recognition of such needs and guiding for appropriate solutions. Therefore, we are engaged in developing semantic and syntactic resources for clinical routine and research purposes.

The next level of ISROI activities is concentrated on the administrative and managerial aspects. With our efforts in establishing the informational infrastructure standards, we will contribute to better transparency, efficient workflows, and proper billing. In addition, we would like to develop a new quantifiable measurement system such as key performance indicators for RO departments. This would allow hospitals to have a better foundation for its decisions.

ISROI activities are not exclusively oriented to the clinical environment. Essential aspects of our efforts are oriented toward developing new models for collaboration with the industry. We act as a facilitator of the communication process between users and manufacturers of RT equipment and software.

By incorporating all the activities mentioned above, ISROI will contribute to developing policies and regulations in the domain of radiation therapy.

Conclusion

The International Society for Radiation Oncology Informatics – ISROI is an excellent example of how the clinical workforce may contribute to developing a future-oriented informational landscape in radiation oncology. In addition, ISROI may serve as a model for other clinical domains.

Nikola Cihoric 1,5, Fabio Dennstädt 2,5, Heuser Michael 3,5,
Peters Samuels 2,5, Meinschad Marco 4,5, Paul Martin Putora 2,5
1 Department of Radiation Oncology, Inselspital, Bern University Hospital, University of Bern, Bern, Switzerland.
2 Department of Radiation Oncology, Kantonsspital St. Gallen, St. Gallen, Switzerland
3 Department of Radiation Oncology, Kantonspital Aarau
4 Academic Teaching Hospital, Institute of Medical Physics, Feldkirch, Austria
5 International Society for Radiation Oncology Informatic – ISROI

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med.Nikola Cihoric

Department of Radiation Oncology, Inselspital,
Bern University Hospital, University of Bern, Bern, Switzerland.
International Society for Radiation Oncology Informatic – ISROI

Dr. Nikola Cihoric is a technical lead for SmartOncology© project and medical advisor for Wemedoo AG, Steinhausen AG, Switzerland

1. Delaney G, Jacob S, Featherstone C, Barton M: The role of radiotherapy in cancer
treatment: estimating optimal utilization from a review of evidence-based clinical guidelines. Cancer 2005, 104(6):1129-1137.
2. Putora PM, Peters S, Bovet M: Informatics in Radiation Oncology. In: Machine Learning in Radiation Oncology: Theory and Applications. edn. Edited by El Naqa I, Li R, Murphy MJ. Cham: Springer International Publishing; 2015: 57-70.
3. Pronovost PJ: Procuring interoperability: achieving high-quality, connected, and person-centered care: nam. edu; 2018.
4. Osterman TJ, Terry M, Miller RS: Improving Cancer Data Interoperability: The Promise of the Minimal Common Oncology Data Elements (mCODE) Initiative. JCO Clin Cancer Inform 2020, 4:993-1001.
5. Turbow S, Hollberg JR, Ali MK: Electronic Health Record Interoperability: How Did We Get Here and How Do We Move Forward? JAMA Health Forum 2021, 2(3):e210253-e210253.
6. Holmgren AJ, Patel V, Adler-Milstein J: Progress In Interoperability: Measuring US Hospitals‘ Engagement In Sharing Patient Data. Health Aff (Millwood) 2017, 36(10):1820-1827.
7. Bernstam EV, Warner JL, Krauss JC, Ambinder E, Rubinstein WS, Komatsoulis G, Miller RS, Chen JL: Quantitating and assessing interoperability between electronic
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8. Wright AA, Katz IT: Beyond Burnout – Redesigning Care to Restore Meaning and Sanity for Physicians. N Engl J Med 2018, 378(4):309-311.
9. Fischera S, Schwappachb DLB, Sojere R, Kraftg E: Effizienz und Patienten­sicherheit von Klinikinformationssystemen. Schweizerische Ärztezeitung 2021, 102(46):1516-1520.
10. Wilkinson MD, Dumontier M, Aalbersberg IJ, Appleton G, Axton M, Baak A, Blomberg N, Boiten JW, da Silva Santos LB, Bourne PE et al: The FAIR Guiding
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11. Wilkinson MD, Dumontier M, Jan Aalbersberg I, Appleton G, Axton M, Baak A, Blomberg N, Boiten JW, da Silva Santos LB, Bourne PE et al: Addendum: The FAIR Guiding Principles for scientific data management and stewardship. Sci Data 2019, 6(1):6.