Webinar: Update zum Hautkrebs 2026

Am 28. April führte der Aerzteverlag medinfo AG ein Webinar zum Thema «Hautkrebs 2026» durch. Als Referenten wirkten Prof. Dr. med. Reinhard Dummer, Universität Zürich, Universitätsspital Zürich, Kantonsspital Aarau, Hauttumorzentrum und Praxis zur Pyramide Zürich, sowie Dr. med. Mirjam Nägeli, Universitätsspital Zürich, mit. Die Leitung übernahm Dr. med. Christian Häuptle, medizinische Leitung des Aerzteverlags medinfo. Das Webinar stiess auf sehr grosses Interesse: Mehr als 120 Personen nahmen teil und verfolgten die Veranstaltung bis zum Schluss.

Prävention von Hautkrebserkrankungen: Fotoprotektion, Chemoprotektion und mehr

In der Medizin wird es immer wichtiger, dass sich nicht nur Dermatologen, sondern alle Ärzte – auch Allgemeinmediziner und Internisten – mit den Themen Fotoprotektion, Prävention und Hautkrebs beschäftigen, stellte Prof. Dr. med. Reinhard Dummer fest.

Hautkrebs als Volkskrankheit
Hautkrebs ist, wie der Referent betonte, eine sehr häufige Erkrankung. Er präsentierte verschiedene Beispiele: ein malignes Melanom, ein Basalzellkarzinom, einen langsam wachsenden Tumor, ein sklerosierendes Basalzellkarzinom, das sich sehr schwierig behandeln lässt, und schliesslich eine Mykosis fungoides, die meistens erst beim Dermatologen diagnostiziert wird. Basalzellkarzinome und Melanome hingegen findet man regelmässig. Betrachtet man das Lebenszeitrisiko und die Inzidenzen, ist das Ergebnis erschreckend: Hautkrebserkrankungen sind eine Volkskrankheit.

Diese Krankheitslast können Dermatologen nicht allein bewältigen. Jeder Arzt sollte bei jeder Gelegenheit auf entsprechende Hautveränderungen achten, denn eine frühe Diagnose führt zu höheren Heilungsraten, in der Regel durch eine operative Behandlung. Hautkrebsarten sind häufiger als alle anderen Krebserkrankungen zusammen. Dabei spielen verschiedene Aspekte eine Rolle. Die Generation der «Babyboomer» ging häufig an den Strand, um braun zu werden. Das sollte man heute nicht mehr machen. Hinzu kommt, dass wir in der Schweiz eine sehr hohe Lebenserwartung haben. Das bedeutet: Je länger wir leben, desto höher ist das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken.
Schaut man sich die Population der über 90-Jährigen an, kann man davon ausgehen, dass etwa die Hälfte von ihnen an aktinischen Keratosen leidet. Zudem war die Sonne früher weniger aggressiv. Die UV-Intensität hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, und dieser Prozess wird sich fortsetzen. Erst wenn sich die Ozonschicht im Jahr 2050 wieder erholt hat, wird diese Zunahme aufhören. Verantwortlich für die häufigen Krebserkrankungen ist vor allem der exogene Schaden durch UV-Strahlung. UV-Licht ist der wichtigste exogene, beeinflussbare Faktor.

UV-Strahlung: Wirkung auf Haut und Krebsrisiko
Sonnenlicht besteht zu 50 Prozent aus sichtbarem Licht, das für Helligkeit und Farbe sorgt. Zu 44 Prozent besteht es aus Infrarotstrahlung, die Haut und Muskeln erwärmt. Die übrigen sechs Prozent entfallen auf ultraviolette Strahlung, die weder sichtbar noch spürbar ist. UV-C-Licht wird in der Ozonschicht zum grössten Teil blockiert, UV-B-Licht zu einem wesentlichen Teil, während UV-A-Licht zu einem grossen Anteil die Erdoberfläche erreicht.

Die Wirkungen der UV-Strahlung auf die Haut sind unterschiedlich. Einerseits hat sie eine immunmodulierende beziehungsweise immunsupprimierende Wirkung, andererseits führt sie durch eine vermehrte Melaninbildung in den Melanozyten zur Bräunung. Von den negativen Wirkungen ist vor allem die Schädigung der DNA in Keratinozyten durch UV-B-Strahlung zu nennen, da die DNA diese direkt absorbiert. UV-A-Strahlung dringt tiefer ein und schädigt Kollagene und elastische Fasern. Es ist das Licht, welches die unangenehmen Folgen der Hautalterung bedingt, erklärte der Referent.

Er führte weiter aus, dass sich die Anstrengungen in der Primärprävention auszahlen, wie sich am Beispiel Australiens zeigt. Das Land ist uns in puncto Präventionsmassnahmen stets etwa zehn Jahre voraus. Dort ist zu erkennen, dass die Melanom-Inzidenz vor allem in der mittleren Altersgruppe zurückgeht. Dies ist jene Altersgruppe, in der früh mit verstärkter Prävention begonnen wurde.

Fotoprotektion
Eine wirksame Fotoprotektion umfasst Verhaltensweisen, Kleidung und Lichtschutzmittel. Dicht gewebte Textilien bieten einen besseren Schutz als leichte Stoffe, synthetische Fasern einen besseren Schutz als Naturfasern, kräftige und dunkle Farben einen besseren Schutz als helle Farben. Nasses oder gedehntes Gewebe ist durchlässiger für UV-Strahlen. Auch bei Kleidung ist heute oft der Lichtschutzfaktor angegeben.

Hochwertige Lichtschutzmittel enthalten Kombinationen aus UV-Filtern. Gute Sonnencremes decken das gesamte UV-Spektrum von 290 nm bis 400 nm gleichmässig ab. Laut einer Studie ist die korrekt applizierte Menge des Lichtschutzes wichtig, denn die Reduktion aktinischer Keratosen ist von der Dosis der Sonnencreme abhängig (Thompson SC, N Engl J Med 1993; 329: 1147–1151). Es ist wichtig, mit einem hohen Lichtschutzfaktor zu beginnen, damit am Schluss noch ein ausreichender Schutz übrig bleibt.

Sonnenschutzmittel: Evidenz statt Mythen
Oft wird behauptet, Lichtschutzmittel würden Krebs erzeugen. Das ist nicht korrekt. In einer im Lancet veröffentlichten Studie wurde gezeigt, dass die tägliche Anwendung von Sonnenschutzmitteln über einen Zeitraum von 4.5 Jahren keine schädlichen Auswirkungen hat (Green A. et al., Lancet, 1999; 354: 723–729).

Eine Langzeitbeobachtung in einer randomisierten Studie zeigte, dass die regelmässige Anwendung von Sonnenschutzmitteln mit Lichtschutzfaktor 15+ bei Erwachsenen im Alter von 25–75 Jahren über einen Zeitraum von fünf Jahren die Häufigkeit neuer primärer Melanome offenbar bis zu zehn Jahre nach Beendigung der Studie verringert. Eine schützende Wirkung zeigte sich auch bei invasiven Melanomen: Deren Häufigkeit war bei denjenigen, die randomisiert der täglichen Sonnencreme-Anwendung zugewiesen worden waren, nach etwa 15 Jahren Nachbeobachtung um 73 % zurückgegangen (Green A. et al., J Clin. Oncol. 2011; 29: 257–263).

Chemoprävention bei Risikopatienten
Was kann man sonst noch tun? Der Referent machte auf einen Artikel aufmerksam, den er zusammen mit einer jungen Mitarbeiterin in der PRAXIS publizierte. Darin sind die verschiedenen Möglichkeiten präventiver Strategien bei Hautkrebs aufgelistet (Galdos A. und Dummer R., PRAXIS 2026; 114: 38–42). Dazu gehören auch Medikamente, die nachgewiesenermassen vor allem die Inzidenz von Plattenepithelkarzinomen reduzieren können. Hierzu zählen Nicotinamid und das Retinoid Acitretin. Diese Medikamente werden inzwischen von Dermatologen regelmässig eingesetzt, während Hausärzte Nicotinamid in Betracht ziehen könnten. Für diese Patienten ist es allerdings sinnvoll, die Therapie gemeinsam mit Dermatologen durchzuführen.

Take Home Messages
• Hautkrebs ist häufiger als alle anderen Krebserkrankungen zusammen.
• UV- Licht ist der wichtigste exogene beeinflussbare Faktor.
• Eine wirksame Fotoprotektion beinhaltet Verhaltensmuster, Kleidung und Lichtschutzmittel.
• Für Hochrisikopatienten kann eine Chemoprävention diskutiert werden.
• Die Behandlung von Hautkrebsvorstufen, insbesondere aktinischen Keratosen, reduziert die Zahl der Plattenepithelkarzinome.

Die Behandlung epithelialer Hauttumoren – von der Chirurgie zur Immuntherapie

Dr. med. Mirjam Nägeli sprach über den weissen Hautkrebs, auch Non-Melanoma Skin Cancer genannt. Dazu zählen alle Hautkrebsarten, die nicht dem schwarzen Hautkrebs, dem Melanom, zugeordnet werden. Das Basalzellkarzinom ist dabei die häufigste Form von Hautkrebs und zugleich die häufigste Krebsart in der Schweiz und in Europa.

Chronische UV-Exposition als zentraler Risikofaktor
Weisser Hautkrebs entsteht vor allem durch chronische UV-Exposition. Jede Stunde, die man bei Tageslicht verbringt, kann die Haut schädigen, und mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für weissen Hautkrebs. Er betrifft daher vorwiegend ältere Menschen, da jüngere Menschen in der Regel noch keine ausreichend hohe kumulative UV-Dosis erreicht haben – es sei denn, es liegt eine genetische Erkrankung vor.
Im Gegensatz dazu kann das Melanom auch junge Menschen betreffen und an Stellen auftreten, die kaum je UV-Licht erhalten haben. So zeigte eine Patientin, die stets Stirnfransen getragen hatte, an der Stirn eine sehr schöne Haut, während die Haut weiter unten UV-geschädigt war. Es ist also wichtig, sich bereits in jungen Jahren vor UV-Licht zu schützen, so die Referentin.

Basalzellkarzinom: häufig, aber selten metastasierend
Zunächst widmete sich Dr. Nägeli dem Basalzellkarzinom (BCC), das auch als Basaliom bezeichnet wird. Es bildet nur sehr selten Metastasen und ist somit weniger gefährlich als andere Hauttumoren. Wird es jedoch nicht behandelt, wächst es lokal destruktiv weiter und kann tiefe Wunden verursachen.

Es gibt verschiedene Formen von Basalzellkarzinomen. Am häufigsten ist der perlschnurartige, glänzende Knoten, also die noduläre Form. Daneben kommen oberflächliche, superfizielle, pigmentierte und narbenartige, sklerodermiforme Varianten vor. Eine fortgeschrittene Form ist das ulzerierte Basaliom, bei dem der Knoten aufbricht und ein blutendes Geschwür bildet. Ein Basalzellkarzinom ist somit zwar Hautkrebs, verläuft aber nur sehr selten tödlich.

Der Goldstandard in der Therapie ist die Chirurgie: Das Basalzellkarzinom wird geheilt, indem es vollständig herausgeschnitten wird. Die nach Frederic Mohs benannte Mohs-Chirurgie ist ein hochpräzises, mikroskopisch kontrolliertes Verfahren zur Entfernung von Basaliomen, insbesondere im Gesicht, am Hals und an den Händen. Sie bietet Heilungsraten von bis zu 98 % bei maximaler Schonung gesunden Gewebes. Da nur das befallene Gewebe entfernt wird, entstehen kleinere Narben als bei der herkömmlichen Exzision mit grossem Sicherheitsabstand.

Oberflächliche Basaliome können auch topisch oder mit Kryotherapie behandelt werden. Eine Radiotherapie kommt insbesondere bei älteren Patienten und bestimmten Tumortypen infrage, etwa beim nodulären Basalzellkarzinom.

Gorlin-Goltz-Syndrom und Systemtherapie beim fortgeschrittenen BCC
Bei jüngeren Patienten mit Basalzellkarzinomen liegt oft das Gorlin-Goltz-Syndrom, auch naevoides Basalzellkarzinom-Syndrom genannt, vor. Dabei handelt es sich um eine seltene, autosomal-dominant vererbte Erkrankung, die durch zahlreiche Basalzellkarzinome gekennzeichnet ist, welche oft bereits im jungen Erwachsenenalter auftreten. Ursache sind meist Mutationen im PTCH1-Gen, die zu unkontrolliertem Tumorwachstum führen können.

Neben der chirurgischen Behandlung kann eine Therapie mit den Hedgehog-Signalweg-Inhibitoren Vismodegib oder Sonidegib erfolgen. Diese Medikamente ­hemmen den Smoothened-Rezeptor und können das Tumorwachstum bei Erwachsenen mit lokal fortgeschrittenem Basalzellkarzinom stoppen, wenn eine Operation oder Bestrahlung nicht möglich ist. Die Ansprechrate beträgt jedoch nur etwa 60 %. Zudem bestehen Herausforderungen durch Resistenzen, primäres Nichtansprechen und Therapieabbrüche aufgrund von Unverträglichkeiten. Zu den unerwünschten Effekten zählen Muskelkrämpfe, Hypogeusie beziehungsweise Ageusie, Alopezie, Gewichtsverlust und Fatigue. Neu kann in der zweiten Linie eine Therapie mit dem Anti-PD-1-Antikörper Cemiplimab durchgeführt werden.

Take Home Messages BCC
• BCC werden durch Mutationen im Hedgehog-Signalweg verursacht. Es ist der häufigste Tumor in Europa und meist heilbar.
• Der Standard ist die chirurgische Exzision, bei nodulärem Typ ab 65 Jahren die Radiotherapie und bei superfiziellen BCC die topische Therapie.
• Eine Systemtherapie mit Hedgehog-Inhibitoren (HHI) ist in 2/3 der Fälle effizient (ORR 60–70 %). Die Herausforderungen bestehen im Patientenmanagement und in der Toxizität unter der HHI-Therapie (Möglichkeit der Intervalltherapie, Umstellung auf einen anderen HHI). Bei jungen Patienten ist Vorsicht geboten (Gorlin-Goltz-Syndrom): Es ist zwingend eine doppelte Verhütung erforderlich und eine Schwangerschaft ist für zwei Jahre nach Stoppen der Therapie nicht möglich.
• Eine Immuntherapie mit dem Anti-PD1-Antikörper Cemiplimab ist in der zweiten Linie zugelassen (ORR 31 % bei IaBCC) nach Versagen oder Unverträglichkeit der HHI-Therapie.
• Die Indikation muss interdisziplinär am Tumorboard gestellt werden.

Spinozelluläres Karzinom der Haut
Das spinozelluläre Karzinom der Haut ist nach dem Basalzellkarzinom der zweithäufigste Hautkrebs. Das Lebenszeitrisiko liegt bei etwa 1:20, während aktinische Keratosen sogar bei rund einem Drittel der Bevölkerung auftreten. In den meisten Fällen ist die Prognose sehr gut: Bei etwa 95 % der Patienten wird ein günstiger Verlauf beobachtet. Dennoch kommt es in rund 8 % der Fälle zu Lokalrezidiven, und die Metastasierungsrate liegt bei etwa 4–5 %. Über alle Stadien hinweg beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate rund 98 %; bei Vorliegen von Fernmetastasen sinkt sie jedoch deutlich auf etwa 11 %.

Die Inzidenz des spinozellulären Karzinoms hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. Je nach Population wird für die letzten 30 Jahre ein Anstieg um 50–200 % beschrieben. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die chronische UV-Exposition. Sowohl spinozelluläre Karzinome als auch Basalzellkarzinome weisen eine besonders hohe, durch UV-Strahlung verursachte Mutationslast auf. Hautkrebs tritt zudem gehäuft bei immunsupprimierten Patienten auf, beispielsweise nach Organtransplantation. In dieser Patientengruppe verändert sich auch das Verhältnis zwischen Basalzellkarzinomen und spinozellulären Karzinomen zugunsten Letzterer.

Therapie des cSCC: Exzision, Radiotherapie und Systemtherapie
Therapeutischer Goldstandard beim spinozellulären Karzinom ist die chirurgische Exzision. In bestimmten Situationen kann ergänzend eine Radiotherapie erforderlich sein. Dies gilt insbesondere für Hochrisiko-Karzinome, etwa bei Vorliegen einer Perineuralinvasion, bei denen eine adjuvante Radiotherapie erwogen wird. Trotz meist guter Prognose liegt das Risiko für eine Metastasierung bei etwa 2–5 %.

Eine Systemtherapie kommt vor allem bei lokal fortgeschrittenem kutanem spinozellulärem Karzinom infrage, wenn ein hohes Risiko für ein Rezidiv oder die Entwicklung von Metastasen besteht und eine Operation oder Radiotherapie nicht angemessen erscheint. Weitere Indikationen sind regionale Rezidive sowie metastasierte kutane spinozelluläre Karzinome. In der Schweiz steht hierfür in der Erstlinie der Anti-PD-1-Antikörper Cemiplimab zur Verfügung, der seit 2020 zugelassen ist. In den USA wird darüber hinaus auch Pembrolizumab eingesetzt. Ergänzend können molekulargenetische ­Analysen hilfreich sein, um eine individuell zugeschnittene Therapie zu ermöglichen.

Herausforderungen unter Anti-PD-1-Therapie
Die Behandlung mit Anti-PD-1-Therapien ist jedoch mit besonderen Herausforderungen verbunden. Häufig handelt es sich um invasive spinozelluläre Karzinome im Gesichts- oder Orbitalbereich, teilweise mit Beteiligung von Schädelnerven. Die Nachbeobachtung mittels Bildgebung, etwa PET-CT oder MRT, kann in diesen Fällen schwierig sein, da Narbengewebe und aktiver Tumor nicht immer einfach voneinander abzugrenzen sind.

Hinzu kommt, dass viele Patienten alt oder sehr alt sind, häufig polymorbide Begleiterkrankungen aufweisen und nicht immer über eine ausgeprägte Therapieeinsicht verfügen. Gerade bei systemischen Therapien ist daher besondere Aufmerksamkeit im Hinblick auf potenzielle Nebenwirkungen erforderlich.

Organtransplantierte als Hochrisikogruppe
Eine besonders vulnerable Hochrisikogruppe stellen organtransplantierte Patienten dar. Aufgrund der chronischen Immunsuppression entwickeln sie nicht nur häufiger spinozelluläre Karzinome, sondern weisen auch ein erhöhtes Risiko für aggressive Verläufe auf. Gleichzeitig ist der Einsatz immunonkologischer Therapien in dieser Gruppe besonders anspruchsvoll, da eine Aktivierung des Immunsystems potenziell mit dem Risiko einer Transplantatabstossung verbunden sein kann.

Take Home Messages Systemtherapie spinozelluläres Karzinom
• Lokal fortgeschrittene und metastasierte cSCC sind mit erheblicher Morbidität und einer Einschränkung der Lebensqualität verbunden, etwa durch Schmerzen oder Blutungen.
• Die Therapieplanung sollte bei fortgeschrittenem cSCC interdisziplinär am Tumorboard erfolgen.
• Der PD-1-Inhibitor Cemiplimab wurde 2020 in der Schweiz als erste First-Line-Systemtherapie beim fortgeschrittenen cSCC zugelassen, wenn eine Operation oder Radiotherapie nicht angebracht ist.
• Die Nebenwirkungen unter Anti-PD-1-Therapie mit Cemiplimab sind mit denjenigen anderer PD-1-Inhibitoren vergleichbar, trotz des höheren Alters dieser Patientenpopulation.
• Eine wichtige Hauptindikation ist die Verbesserung der Lebensqualität.
• Cetuximab kann nach Progression unter Anti-PD-1-Therapie in der Zweitlinie angewendet werden, gegebenenfalls kombiniert mit Radiotherapie oder Chemotherapie.
• Die adjuvante und neoadjuvante Anwendung von Anti-PD-1-Therapien beim SCC ist ein zukünftiges Therapiefeld.
• Eine molekulargenetische Untersuchung ist bei Progression unter Anti-PD-1-Therapie hilfreich, um eine alternative Therapie zu planen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Aktuelle Herausforderungen in der Arzneimittelversorgung

Zwischen globalen Abhängigkeiten, Kostendruck und steigender Komplexität im Praxisalltag gerät die Arzneimittelversorgung zunehmend unter Druck. Fragen zur Versorgungssicherheit und zur Finanzierbarkeit rücken immer mehr ins Zentrum. Die APA-Info-Veranstaltung 2026 beleuchtete diese Herausforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven.

Am 12. März 2026 lud der Verein «APA – Ärzte mit Pa-tientenapotheke» ins Landesmuseum Zürich zur öffentlichen Info-Veranstaltung ein. Im Fokus standen aktuelle Herausforderungen rund um die Arzneimittelversorgung – aus politischer, ökonomischer und hausärztlicher Sicht.

Im Spannungsfeld geopolitischer ­Entwicklungen

Dr. René P. Buholzer, Geschäftsführer der Interpharma, zeigte auf, wie geopolitische Entwicklungen die Arzneimittelversorgung prägten. Nationale Interessen manifestierten sich zunehmend in Produktionsverlagerungen, protektionistischen Massnahmen oder neuen Preisregimen, so Buholzer. Für die Schweiz als kleiner, aber innovationsstarker Pharmastandort ergebe sich daraus ein besonders sensibles Umfeld. Preisregulierungen im Ausland könnten dazu führen, dass Unternehmen ihre Markteinführungsstrategien anpassten – mit der Folge, dass innovative Therapien in der Schweiz nur verzögert oder gar nicht verfügbar seien. Die Versorgungssicherheit sei daher nicht nur eine Frage der Logistik, sondern hänge auch wesentlich von internationalen Entwicklungen ab.

Versorgungssicherheit und Finanzierbarkeit

Die Direktorin von prio.swiss, Saskia Schenker, beleuchtete die Versorgungssituation aus der Perspektive der Versicherer. Der Zugang zu Medikamenten sei in der Schweiz gut, gerate aber zunehmend unter Druck. Komplexe Vergütungsprozesse und langwierige Preisverhandlungen führten dazu, dass neue Therapien nicht immer zeitnah verfügbar seien. Gleichwohl gewinne die Vergütung im Einzelfall an Bedeutung – ein Instrument, das Zugang ermögliche, jedoch mit einem enormen Aufwand verbunden sei. Der Anspruch auf einen raschen Zugang zu Innovationen stehe in einem engen Spannungsfeld zur Finanzierbarkeit und stelle das System vor wachsende Herausforderungen.

Die Medikationsliste im Praxisalltag

Prof. Dr. med. Dr. phil. Sven Streit, Hausarzt und Leiter Interprofessionelle Grundversorgung an der Universität Bern, brachte die hausärztliche Sicht ein. Im Zentrum seines Beitrags stand die Medikationsliste als zentrales Instrument der Patientenversorgung. Streit führte aus, dass immer mehr Patientinnen und Patienten mehrere Medikamente gleichzeitig einnähmen. In Kombination mit der medizinischen Spezialisierung führe dies zu einer Fragmentierung der Behandlung, was die Übersicht erschwere und das Risiko von Medikationsfehlern erhöhe. Digitale Lösungen wie der eMediplan könnten Abhilfe schaffen, indem sie für Transparenz sorgten, Verantwortlichkeiten klärten und die interprofessionelle Zusammenarbeit stärkten.

Aktive Standespolitik

Die FMH-Präsidentin Dr. med. Yvonne Gilli bot abschliessend einen Überblick über die aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklungen in «Bundesbern». Im Fokus standen Tariffragen, Digitalisierungsprojekte sowie laufende Gesetzesrevisionen. Gilli zeigte auf, dass zahlreiche politische Vorstösse direkte Auswirkungen auf den ärztlichen Alltag hätten – etwa bei der Finanzierung der medizinischen Ausbildung, der Einführung elektronischer Gesundheitsdossiers oder bei Fragen rund um Medikamentenimporte und Substitutionspflichten. Eine geeinte Ärzteschaft sei deshalb für die standespolitische Interessenvertretung von grösster Bedeutung.

Abgestimmte Lösungen

Die Referate zeigten, wie eng globale Entwicklungen, Kostenfragen und die Versorgungsrealität im Praxisalltag verknüpft sind. Um tragfähige Lösungen zu finden, ist die Zusammenarbeit aller Akteure nötig. In diesem Sinn wird sich auch die APA als Vertreterin der selbstdispensierenden Ärztinnen und Ärzte weiterhin in die Diskussion miteinbringen.

Alina Güttinger, APA-Projektleiterin

Nachwuchsförderung in der Onkologie: Kongress-Highlights der YOA-Teilnehmenden – Teil 2

Nachwuchsförderung in der Onkologie: Kongress-Highlights der YOA-Teilnehmenden – Teil 2

Das Swiss Cancer Institute lanciert 2026 bereits zum elften Mal die Young Oncology Academy (YOA), ein Förderprogramm für den forschenden Nachwuchs. Es richtet sich an engagierte junge Ärzte aus den Bereichen Onkologie, Hämatologie, Radioonkologie, Urologie, Gynäkologie, Pathologie oder Dermatologie, die sich vertieft mit onkologischen und hämatologischen Fragestellungen auseinandersetzen möchten.

Das vielseitige einjährige Curriculum umfasst unter anderem Kongressbesuche im In- und Ausland (ESMO, EHA, ESTRO, ESP etc.), Präsentations- und Schreibtrainings, Networking, Grant-Submission-Workshops, Einblicke in Phase-I-Studien sowie in die klinische und translationale Forschung und Einführungen in statistische Grundlagen. Die Teilnehmer werden von erfahrenen onkologischen Fachpersonen als Mentoren begleitet und erhalten zudem die Möglichkeit, eigene Studienprojekte zu entwickeln und vorzustellen.

Zum Jahresende publizieren die YOA-Teilnehmer jeweils ein Paper zu ihren persönlichen Highlights eines internationalen Kongresses. Wir freuen uns, die Arbeiten aus dem Jahr 2025 in einer dreiteiligen Serie präsentieren zu dürfen. Nachdem in der letzten Ausgabe der Auftakt dieser Reihe erschienen ist, folgt in der vorliegenden Ausgabe der zweite Teil mit weiteren Beiträgen der Mentees.

Wir beide haben diese YOA besucht und können das Programm sehr empfehlen. Weitere Informationen finden sich auf der Website des Swiss Cancer Institute:
https://www.swisscancerinstitute.ch/de/forschende/young-oncology-academy/

Dr. med. Tämer El Saadany                             Dr. med. Eveline Daetwyler

My highlights on myeloproliferative neoplasms from the 2025 EHA Congress

Review YOA 2025: Häfliger Emmanuel

Mentee: Häfliger Emmanuel, Universitätsklinik für Hämatologie, Inselspital
Mentor: Prof. Dr. med. Gabriela Baerlocher, Klinik für Hämatologie und Onkologie, Hirslanden Zürich und Medica Medizinische Laboratorien und Pathologie, Zürich
Speciality: Hematology
Year: Young Oncology Academy 2025

Abstract S166 EHA 2025 by Andreas Hochhaus et al. (1)

Chronic myeloid leukemia (CML) has entered a new era of treatment with the introduction of tyrosine kinase inhibitors (TKIs), which have led to a near-normalization of life expectancy for most patients (2). Despite their remarkable efficacy, currently available TKIs all target the ATP-binding site of BCR::ABL1 and are associated with off-target toxicity. Asciminib represents a novel agent that targets the myristoyl pocket of BCR::ABL1, providing a new mechanism of action and the potential for an improved safety profile (3). In the ASC4FIRST trial, investigators evaluated whether asciminib achieved superior 48-week major molecular response compared with investigator-selected standard TKIs in newly diagnosed chronic-phase CML and found that asciminib demonstrated comparable – but not superior – efficacy relative to second-generation TKIs. Although a statistically significant advantage in efficacy over second-generation TKIs was not shown, asciminib appeared to offer a more favorable safety profile – an essential consideration in a chronic disease requiring lifelong therapy – thereby paving the way for a dedicated tolerability-focused trial.

The phase IIIb ASC4START trial evaluated the safety and efficacy of asciminib versus nilotinib as first-line therapy in adults with newly diagnosed chronic-phase CML. Patients were randomized to receive either asciminib 80 mg once daily or nilotinib 300 mg twice daily. The primary endpoint of the study was the time to treatment discontinuation due to adverse events – both hematologic and non-hematologic (including gastrointestinal, cardiovascular, and general symptoms such as fatigue) – or death. Key secondary endpoints included type of adverse events and molecular response rates. This abstract presents data from an interim analysis conducted after 50 treatment discontinuations due to adverse events and/or death. At a median follow-up of 9.7 months, asciminib was associated with a significantly lower risk of treatment discontinuation due to adverse events compared with nilotinib (HR 0.45; 95 % CI 0.25–0.81; p = 0.004). Overall, asciminib seemed to demonstrate superior tolerability compared with nilotinib, leading the authors to advocate for its use as a frontline therapy for newly diagnosed chronic-phase CML. A limitation of this analysis is that asciminib was only compared to nilotinib, rather than to all second-generation tyrosine kinase inhibitors, limiting the generalizability of the findings. As the study primarily focused on tolerability, it does not yet demonstrate an improvement in overall survival, underscoring the need for further long-term investigations to establish the full clinical benefit of asciminib in the first-line setting.

Abstract LB4002 EHA 2025 by John ­Mascarenhas et al. (4)

Essential thrombocythemia (ET) is the second most common myeloproliferative neoplasm, yet its treatment remains largely non-specific and is currently limited to hydroxyurea, anagrelide, and off-label interferon (5). In recent years, JAK inhibitors have introduced the possibility of targeting driver pathways. Unfortunately, JAK inhibitors failed to demonstrate clinical efficacy in ET in the MAJIC-ET trial (6). These findings paved the way toward the search of novel therapeutic agents, including targeting alternative pathways.

In their work, J. Mascarenhas et al., evaluated INCA33989, a monoclonal antibody targeting mutant CALR. This first-in-human, open-label, dose-escalation study enrolled patients with high-risk CALR-mutated ET and therapy refractoriness and/or intolerance. 49 patients were included and received monoclonal antibody doses ranging from 24 mg up to 2,500 mg intravenously every two weeks. Median treatment exposure was 22.6 weeks. No dose-limiting toxicities were identified and serious treatment emergent adverse events were only reported in 6.1 % of the patients (n=3). Those events were asymptomatic lipase increase (n=1), visceral venous thrombosis (n=1) and diverticulitis (n=1). Thrombocytopenia was not observed amongst the studied population. Higher haematologic response was observed in patients receiving higher doses of treatment (doses ranging from 400 mg to 2500 mg). A reduction in the variant allele frequency (VAF) of mutated CALR was observed in 89 % of evaluable patients with 47 % of patients reaching a VAF reduction of over 20 % and 21 % of the patients reaching a VAF reduction of over 50 % . These early-phase data suggest a good tolerability and efficacy of this new monoclonal antibody against mutated CALR, introducing a novel mutation-targeted approach for patients with ET. Further data and longer follow-up will have to assess durability of responses, impact regarding thrombosis and cardiovascular risk, risk of transformation and overall survival.

Literatur
1. Andreas Hochhaus THB, Francois-Xavier Mahon, Delphine Rea, David J. Andorsky, Susanne Saussele, Stephen Strickland, Thomas Cluzeau, Francoise Huguet, Jirí Mayer, Viviane Dubruille, DW Kim, Ilina Micheva, Gabrielle Roth Guepin, Virginia Pilipovic, Jacqueline Ryan, Aoife Smyth, Nabil Amirouchene Angelozzi, Ennan Gu, Himanshu Pokhriyal, Philipp Le Coutre. Asciminib (Asc) shows superior tolerability vs Nilotinib (Nil) in newly diagnosed chronic myeloid leukemia in chronic phase (CML-CP): primary endpoint results of the phase (ph) 3b ASC4START Trial. EHA2025.
2. Bower H, Bjorkholm M, Dickman PW, Hoglund M, Lambert PC, Andersson TM. Life Expectancy of Patients With Chronic Myeloid Leukemia Approaches the Life Expectancy of the General Population. J Clin Oncol. Aug 20 2016;34(24):2851-7. doi:10.1200/JCO.2015.66.2866
3. Yeung DT, Shanmuganathan N, Hughes TP. Asciminib: a new therapeutic option in chronic-phase CML with treatment failure. Blood. Jun 16 2022;139(24):3474-3479. doi:10.1182/blood.2021014689
4. John Mascarenhas HA, Abdulraheem Yacoub, Tania Jain, Lynette Chee, Vikas Gupta, Claire Harrison, Jean-Jacques Kiladjian, Ruben Mesa, William Shomali, Makoto Yoshimitsu, Rosa María Ayala Díaz, Aaron T. Gerds, Joan How, Steffen Koschmieder, Lucia Masarova, Caroline McNamara, Francesca Palandri, Francesco Passamonti, Andrew Perkins, Beth Psaila, Kazuki Sakatoku, Frank Stegelmann, Natasha Szuber, Alessandro Vannucchi, Hiroki Yamaguchi, Erin Crowgey, Betty Lamothe, Chenwei Tian, Tatiana Zinger, Evan Braunstein, David Ross. INCA33989 is a novel first in class, mutant calreticulin-specific monoclonal antibody that demonstrates safety and efficacy in patients with essential thrombocythemia (ET) EHA2025.
5. Tefferi A, Vannucchi AM, Barbui T. Essential thrombocythemia: 2024 update on diagnosis, risk stratification, and management. Am J Hematol. Apr 2024;99(4):697-718. doi:10.1002/ajh.27216
6. Harrison CN, Mead AJ, Panchal A, et al. Ruxolitinib vs best available therapy for ET intolerant or resistant to hydroxycarbamide. Blood. Oct 26 2017;130(17):1889-1897. doi:10.1182/blood-2017-05-785790

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Filling the gap for Car T cell therapy

Review YOA 2025: Francesco Manfredi

Mentee: Dr. med. Dr. sc. nat. Francesco Manfredi, Klinik für medizinische Onkologie und Hämatologie, USZ
Mentor: Prof. Dr. med. Gabriela Baerlocher, Klinik für Hämatologie und Onkologie, Hirslanden Zürich und Medica Medizinische Laboratorien und Pathologie, Zürich
Speciality: Hematology – Cellular Therapies
Year: Young Oncology Academy 2025

Chimeric antigen receptor (CAR) T-cell therapy for hematological malignancies continues to expand rapidly, both in terms of approved products and new clinical indications. However, as applications broaden, the field increasingly faces delays in production and limited accessibility due to the constraints of current manufacturing processes.

Most approved CAR T-cell therapies are autologous – generated from a patient’s own T lymphocytes. This approach presents several challenges. In heavily pretreated patients or those with a high circulating tumor burden, it can be difficult to obtain enough viable T cells to expand and meet manufacturing requirements. In addition, CAR T-cell production usually takes several weeks, exposing patients to the risk of disease progression before infusion. The process is also costly, labor-intensive, and centralized in a few specialized facilities, leading to long waiting times, logistical bottlenecks, and limited treatment availability as demand increases.

At the 2025 Annual Meeting of the European Hematology Association (EHA), part of the cell therapy session focused on these manufacturing challenges, with a focus on the need to treat high-risk patients (i.e. those heavily pretreated, with high tumor burdens, or rapidly progressing) and to make therapy accessible to more centers. Two presentations were particularly noteworthy in proposing innovative solutions to these problems.

The first, presented by Dr. Long and colleagues from Beijing (Abstract S283) (1, 2), reported the phase I/II clinical trial results on allogeneic universal anti-CD7 CAR T-cell for T-cell acute lymphoblastic leukemia (T-ALL). Unlike autologous products, a total of eight healthy donors provided all the batches for this «off-the-shelf» CAR T-cells. To prevent CAR T rejection, graft-versus-host disease (GvHD), and fratricide among CAR T-cells, the team used genome editing to eliminate surface expression of HLA molecules, the T-cell receptor, and CD7. This allogeneic approach dramatically shortened production timelines: the median time from screening to infusion was approximately three weeks, eliminating the need for bridging therapy. Because the therapy did not depend on harvesting viable T-cells from each patient, no manufacturing failures occurred, and even patients with high circulating blast counts could be treated successfully. Safety remains a key concern for allogeneic CAR T products, given potential risks of immune rejection and off-target effects. Dr. Long’s team reported a safety profile comparable to approved autologous CAR T-cell therapies, including manageable rates of cytokine release syndrome (CRS), immune effector cell-associated neurotoxicity syndrome (ICANS), and immune effector cell-associated hematotoxicity (ICAHT). Long-term safety assessment was limited, as all patients underwent consolidative allogeneic stem cell transplantation about 60 days postinfusion, but no unexpected toxicities were observed. The combined CAR T-cell plus transplant approach achieved complete remission (CR) in approximately 60 % of patients with a median follow-up of two years. Importantly, efficacy was maintained in patients with extramedullary disease – a subgroup typically associated with poor prognosis – with a 57 % CR rate at the full therapeutic dose. These encouraging results represent a major milestone for allogeneic CAR T-cell therapy, supporting its feasibility, safety, and potential scalability.

The second notable presentation (Abstract S281) (3), delivered by Dr. Mutsaers, focused on accelerating and decentralizing autologous CAR T-cell production. The team introduced a novel manufacturing platform capable of generating a CAR T-cell product within seven days of leukapheresis, significantly faster than the traditional multiweek process. This was achieved by shortening the culture period and decentralizing production, thereby eliminating the need for shipping of patient material to the production centre. The resulting CAR T-cells maintained an early T-cell memory phenotype, which may contribute to improved persistence and long-term disease control. Early clinical results showed a favorable safety profile, with low rates of severe CRS and ICANS, possibly reflecting the slower, more sustained cytotoxic activity of memory T-cells. Efficacy was evaluated in patients with both aggressive (DLBCL, MCL) and indolent (FL, MZL) B-cell non-Hodgkin lymphomas. At dose level 2, responses in DLBCL were comparable to those seen with approved CAR T-cell products, while outcomes in indolent lymphomas were particularly favourable. Whether these superior responses are due to enhanced CAR T-cell persistence remains under investigation, as longer-term follow-up is needed, especially in indolent lymphomas where relapses can occur months or years after treatment.

Together, these two studies exemplify the innovation currently shaping the CAR T-cell field. The allogeneic «off-the-shelf» approach offers a scalable solution to production bottlenecks, while accelerated, decentralized manufacturing could make autologous therapies faster and more widely accessible. The findings presented at EHA 2025 underscore the field’s ongoing evolution toward making CAR T-cell therapy not only more efficient but also more clinically impactful. Continued research will determine how these advances translate into broader real-world adoption and improved patient outcomes.

Literatur
1. Xie L, Gu R, Yang X, Qiu S, Xu Y, Mou J, Wang Y, Xing H, Tang K, Tian Z, Rao Q, Wang M, Wang J. Universal Anti-CD7 CAR-T Cells Targeting T-ALL and Functional Analysis of CD7 Antigen on T/CAR-T Cells. Hum Gene Ther. 2023 Dec;34(23-24):1257-1272. doi: 10.1089/hum.2023.029. Epub 2023 Nov 24. PMID: 37861302.
2. Peihua Lu, Ying Wang, Jiang Cao, Keshu Zhou, Xiaoyu Zhu, Sanbin Wang, Kai Hu, Heng Mei, Yali Zhou, Jan K
Davidson-Moncada, Jiangtao Ren. (S283) CTD402: A UNIVERSAL ANTI-CD7 CHIMERIC ANTIGEN RE-CEPTOR T-CELL THERAPY FOR PATIENTS WITH RELAPSED OR REFRACTORY (R/R) T-CELL ACUTE LYMPHOBLASTIC LEUKEMIA/LYMPHOBLASTIC LYMPHOMA (T-ALL/LBL). Plenary Abstracts Session & Oral Presentations. HemaSphere 2025, 9: e70151. https://doi.org/10.1002/hem3.70151
3. Joost Vermaat, Sébastien Anguille, Maria Kuipers, Pim Mutsaers, Evelyne Willems, Michael Bishop, Tim Dekker, Martin Dreyling, Caron Jacobson, Sandra Blum, Omotayo Fasan, Harini Kothari, Eva Santermans, Jeevan Shetty, Kirsten Van Hoorde, Marie José Kersten. (S281) LOW RATES OF HIGH-GRADE TOXICI-TIES WITH GLPG5101, A FRESH, STEM-LIKE, EARLY MEMORY PHENOTYPE ANTI-CD19 CAR T-CELL THERAPY IN PATIENTS WITH NON-HODGKIN LYMPHOMA IN THE ATALANTA-1 STUDY. Plenary Ab-stracts Session & Oral Presentations. HemaSphere 2025, 9: e70151. https://doi.org/10.1002/hem3.70151

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Tämer El Saadany

Kantonsspital Graubünden
Onkologie / Hämatologie
Loestrasse 170
7000 Chur

Dr. med. Eveline Daetwyler

HOCH Health Ostschweiz
Rorschacher Strasse 95
9007 St.Gallen

Ausgewählte Studien aus der Hämato-Onkologie

PET-adaptierte Therapie-Eskalation beim Low-Risk Diffus-grosszelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL)

Hintergrund

Das diffus-grosszelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL) ist das häufigste Lymphom und bei Erstdiagnose in 25–30 % der Fälle lokalisiert. Für Patienten ohne Risikofaktoren gemäss adjustiertem Alters-IPI (aaIPI = 0) – d.h. normale LDH, Stadium I–II, guter Allgemeinzustand – ist R-CHOP der etablierte Therapiestandard. Die exzellente Langzeitprognose dieser Patientengruppe (10-Jahres-OS ≥ 70–80 %) wirft die Frage auf, ob sechs Zyklen R-CHOP für alle Patienten notwendig sind oder ob eine PET-gesteuerte Therapieverkürzung möglich ist, ohne die Wirksamkeit zu kompromittieren.

Methoden

LNH2009-1B ist eine zweiarmige, offene, multizentrische, prospektive, randomisierte Phase-3-Noninferiority-Studie (NCT01285765), koordiniert von der Lymphoma Study Association (LYSARC) an 64 Zentren in Frankreich und Belgien. Eingeschlossen wurden Patienten im Alter von 18–80 Jahren mit unbehandeltem CD20-positivem DLBCL und aaIPI = 0.

Im experimentellen PET-adaptierten Arm erhielten Patienten mit negativem PET nach 2 Zyklen R-CHOP (PET2-negativ) insgesamt 4 Zyklen; Patienten mit positivem PET2 erhielten 6 Zyklen. Im Standardarm wurden unabhängig vom PET-Ergebnis 6 Zyklen R-CHOP verabreicht. Primärer Endpunkt war das 3-Jahres-progressionsfreie Überleben (PFS). Nichtunterlegenheit war definiert als obere Grenze des 90 %-KI des Hazard Ratio < 1.6.

Ergebnisse

Nach median 5.0 Jahren Follow-up wurden 650 randomisierte Patienten ausgewertet (319 PET-adaptiert, 331 Standardarm):
• 3-Jahres-PFS: 92.0 % vs. 89.2 %; HR 0.72 (95 %-KI 0.47–1.12); Nichtunterlegenheit statistisch demonstriert
• 77.7 % der Patienten im PET-adaptierten Arm hatten ein negatives PET2 und konnten auf 4 Zyklen R-CHOP deeskaliert werden
• 5-Jahres-OS: 94.7 % (PET-adaptiert) vs. 91.6 % (Standard)
• Komplettremissionsrate am Therapieende: 86.2 % vs. 86.0 %
• Patienten > 60 Jahre profitierten besonders: 3-Jahres-PFS 91.7 % (PET-adaptiert) vs. 86.3 % (Standard), log-rank p = 0.036
• Schwere Nebenwirkungen (Grad ≥ 3) signifikant seltener im PET-adaptierten Arm: 54.7 % vs. 62.7 % (p = 0.046)
• Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SAE): 9.5 % vs. 14.2 % (p = 0.039); Sekundärmalignome: 4.1 % vs. 7.3 %

Schlussfolgerung

Ein PET-gesteuerter Ansatz nach 2 Zyklen R-CHOP ermöglicht bei Low-Risk-DLBCL-Patienten (aaIPI = 0, 18–80 Jahre) eine sichere Therapieverkürzung auf 4 Zyklen, ohne den Therapieerfolg zu gefährden. Die Nichtunterlegenheit gegenüber dem Standardarm wurde klar demonstriert. Gleichzeitig waren Toxizität und Sekundärmalignome im PET-adaptierten Arm signifikant reduziert. Die Studie unterstützt einen frühen PET-gesteuerten Therapieansatz als neuen Standard für Low-Risk-DLBCL.

Literatur
J.-M. Michot, S. Bologna, J.-N. Bastie et al., Annals of Oncology, Vol. 37, Issue 3, S. 403–413, 2026. DOI: 10.1016/j.annonc.2025.11.006

Studie
Finanzierung: LYSARC Organisation und Programme Hospitalier de Recherche Clinique du Ministère des Affaires Sociales et de la Santé (PHRC 11-276). Akademisch-initiierte Studie ohne kommerzielle Beteiligung.

Cilta-cel beim Lenalidomid-refraktären Multiplen Myelom

Hintergrund

Lenalidomid-refraktäres Multiples Myelom tritt zunehmend häufig auf – bereits beim ersten Rezidiv – und ist mit einer schlechten Prognose verbunden. Ciltacabtagene Autoleucel (Cilta-cel) ist eine BCMA-gerichtete CAR-T-Zelltherapie, die von der FDA und der Europäischen Kommission für die Behandlung des Lenalidomid-refraktären rezidivierten Multiplen Myeloms nach mindestens einer Vortherapie zugelassen wurde. Im vorliegenden Artikel werden die Ergebnisse der präspezifizierten zweiten Interimsanalyse des Gesamtüberlebens (OS) sowie aktualisierte Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten berichtet.

Methoden

CARTITUDE-4 ist eine offene, multizentrische, randomisierte Phase-3-Studie an 81 Zentren in den USA, Europa, Asien und Australien (NCT04181827). Eingeschlossen wurden erwachsene Patienten (> 18 Jahre) mit Lenalidomid-refraktärem Multiplen Myelom, 1–3 Vortherapien (inkl. Proteasominhibitor und Immunmodulator) und einem ECOG-Performance-Status von 0 oder 1. Ausgeschlossen waren Patienten mit vorheriger CAR-T- oder BCMA-gerichteter Therapie. Die Randomisierung erfolgte 1:1 zu Cilta-cel (Apherese, Bridging-Therapie, Lymphodepletion, dann einzelne Cilta-cel-Infusion mit 0.75 × 10⁶ CAR-T-Zellen/kg) oder zur Standardtherapie nach Wahl des Prüfarztes (PVd oder DPd, kontinuierlich bis zur Progression). Ein Crossover war nicht erlaubt. Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS); in dieser Analyse wird das OS als präspezifizierter zweiter Interimsendpunkt berichtet.

Ergebnisse

419 Patienten wurden zwischen Juli 2020 und November 2021 randomisiert (Cilta-cel n = 208, Standardtherapie n = 211). Bei einem medianen Follow-up von 33.6 Monaten (IQR 20.3–35.0):
• Medianes PFS nicht erreicht mit Cilta-cel vs. 11.8 Monate mit Standardtherapie (HR 0.29 [95 %-KI 0.22–0.39]); 30-Monats-PFS-Rate 59.4 % vs. 25.7 %
• Medianes OS in beiden Armen nicht erreicht (HR 0.55 [95 %-KI 0.39–0.79]; p = 0.0009); 30-Monats-OS-Rate 76.4 % vs. 63.8 %
• Komplettremission oder besser bei 77 % (Cilta-cel) vs. 24 % (Standardtherapie); Gesamtansprechrate 85 % vs. 67 %
• MRD-Negativität: 62 % (Cilta-cel) vs. 18 % (Standardtherapie) bei einem Schwellenwert von 10–5; bei MRD-evaluierbaren Patienten: 89 % vs. 38 %
• Lebensqualität: Medianer Zeitraum bis zur Symptomverschlechterung nicht erreicht mit Cilta-cel vs. 34.3 Monate (Standardtherapie) (HR 0.38 [95 %-KI 0.24–0.61]; p<0.0001)
• Sicherheit: Grad-3/4-Nebenwirkungen traten in 89 % (Cilta-cel) vs. 93 % (Standardtherapie) auf. Häufigste Grad-4-Ereignisse: Neutropenie (73 % vs. 54 %). Schwerwiegende Nebenwirkungen in je 47 % beider Gruppen. Grad-5-Infektionen: 8 % vs. 9 %
• Sekundärmalignome: Hämatologische Zweitmalignome bei 3 % (Cilta-cel, inkl. 2 MDS/AML, 2 CAR-T-positive T-Zell-Lymphome) vs. <1 % (Standardtherapie). Alle MDS/AML-Patienten hatten präexistente Treibermutationen

Schlussfolgerung

Eine einmalige Cilta-cel-Infusion führte bei Patienten mit Lenalidomid-refraktärem Multiplen Myelom nach 1–3 Vortherapien zu einem signifikanten OS-Vorteil gegenüber der Standardtherapie. CARTITUDE-4 ist die erste Phase-3-Studie, die einen signifikanten OS-Benefit einer CAR-T-Zelltherapie beim Multiplen Myelom zeigt. Die Ergebnisse unterstützen den frühen Einsatz von Cilta-cel bereits nach dem ersten Rezidiv.

Literatur
H. Einsele, J. San-Miguel, B. Dhakal et al., The Lancet Oncology 2026; 27: 254–268. DOI: 10.1016/S1470-2045(25)00653-9

Studie
Finanzierung: Johnson & Johnson und Legend Biotech USA

Prof. Dr. med. Christoph Renner

Onkozentrum Hirslanden Zürich und Onkozentrum Zürich
Witellikerstrasse 40
8032 Zürich

Christoph.renner@hirslanden.ch

Ausgewählte Studien zu soliden Tumoren

Tumortherapiefelder in Kombination mit Gemcitabin und Nab-Paclitaxel bei lokal fortgeschrittenem ­Pankreasadenokarzinom

Tumortherapiefelder (TTFields) nutzen wechselnde elektrische Felder, um die Proliferation von Krebszellen zu stören. Die Machbarkeit der TTFields-Therapie in Kombination mit Gemcitabin/nab-Paclitaxel wurde zuvor bei Patienten mit fortgeschrittenem Pankreasadenokarzinom gezeigt. PANOVA-3 wurde entwickelt, um die Sicherheit und Wirksamkeit von TTFields bei Patienten mit nicht resezierbarem lokal fortgeschrittenem Pankreasadenokarzinom (LA-PAC) zu bestätigen.

Methoden

In dieser globalen Phase-III-Studie wurden 571 Patienten mit neu diagnostiziertem LA-PAC randomisiert und erhielten entweder Gemcitabin 1000 mg/m² und Nab-Paclitaxel 125 mg/m² als intravenöse Infusion einmal täglich an den Tagen 1, 8 und 15 eines 28-tägigen Zyklus mit oder ohne TTFields. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben (OS). Sekundäre Endpunkte waren das progressionsfreie Überleben (PFS), das lokale PFS, das schmerzfreie Überleben und die Gesamtansprechrate (ORR). Das distale PFS wurde post hoc analysiert.

Ergebnisse

Das OS war bei Verwendung von TTFields mit Gemcitabin/Nab-Paclitaxel im Vergleich zu Gemcitabin/Nab-Paclitaxel signifikant verlängert (Median 16.2 Monate [95 % KI, 15.0 bis 18.0] gegenüber 14.2 Monaten [95 % KI, 12.8 bis 15.4]; Hazard Ratio [HR], 0.82 [95 % KI, 0.68 bis 0.99]; P = 0,039). PFS, lokales PFS und ORR wurden nicht verbessert. Das schmerzfreie Überleben wurde durch TTFields in Kombination mit Gemcitabin/Nab-Paclitaxel signifikant verlängert (Median 15.2 Monate [95 % KI, 10.3 bis 22.8] gegenüber 9.1 Monaten [95 % KI, 7.4 bis 12.7]; HR, 0.74 [95 % KI, 0.56 bis 0.97]; P = 0,027) verlängert, ebenso wie das distale PFS (Median 13.9 Monate [95 % KI, 12.2 bis 16.8] gegenüber 11.5 Monaten [95 % KI, 10.4 bis 12.9]; HR, 0.74 [95 % KI, 0.57 bis 0.96]; P = 0,022). Bei 76.3 % der Patienten traten gerätebedingte unerwünschte Hautereignisse (AE) auf. Die meisten gerätebedingten unerwünschten Hautereignisse waren leicht bis mittelschwer, wobei 7.7 % der Patienten ein unerwünschtes Ereignis des Grades 3 meldeten.

Schlussfolgerung

Diese Studie zeigte signifikante Vorteile hinsichtlich der Gesamtüberlebenszeit, der schmerzfreien Überlebenszeit und des fernmetastasenfreien Überlebens bei TTFields in Kombination mit Gemcitabin/Nab-Paclitaxel im Vergleich zu Gemcitabin/Nab-Paclitaxel bei Patienten mit inoperablem LA-PAC, ohne zusätzliche systemische Toxizität.

Quelle: Babiker HM et al. Tumor Treating Fields With Gemcitabine and Nab-Paclitaxel for Locally Advanced Pancreatic Adenocarcinoma: Randomized, Open-Label, Pivotal Phase III PANOVA-3 Study. J Clin. OncolJ 2025; 43: 2350-2360(2025)

Neoadjuvante Taxane plus Trastuzumab/Pertuzumab mit oder ohne Carboplatin bei HER2-positivem Brustkrebs

Die neoCARHP-Studie hatte zum Ziel, die Wirksamkeit und Sicherheit von vom Prüfer ausgewähltem Taxan (Docetaxel, Paclitaxel oder Nab-Paclitaxel) plus Trastuzumab und Pertuzumab mit Carboplatin (TCbHP) oder ohne Carboplatin (THP) bei HER2-positivem Brustkrebs im Stadium II und III zu untersuchen.

Methoden

Die Studie war eine multizentrische, randomisierte Phase-III-Nichtunterlegenheitsstudie. Teilnahmeberechtigt waren Frauen ab 18 Jahren mit zuvor unbehandeltem, HER2-positivem invasivem Brustkrebs im Stadium II und III. Die Patientinnen wurden randomisiert (1 : 1) einer Behandlung mit sechs 3-wöchigen Zyklen TCbHP oder THP zugewiesen. Der primäre Endpunkt war die pathologische Komplettremissionsrate (pCR) in der Brust und der Achselhöhle (ypT0/is ypN0) in der modifizierten Intent-to-treat-Population (mITT) (alle randomisierten Patientinnen, die mindestens eine Dosis der Studienbehandlung erhielten). Die Sicherheit wurde bei allen Patientinnen bewertet, die eine Studienbehandlung erhielten.

Ergebnisse

Zwischen dem 30. April 2021 und dem 27. August 2024 wurden 774 Patientinnen randomisiert und 766 in die mITT-Population aufgenommen (382 in THP und 384 in TCbHP). Eine pCR wurde bei 245 (64.1 % [95 % CI, 59.1 bis 69.0]) Patientinnen in der THP-Gruppe und bei 253 (65.9 % [60.9-70.6]) in der TCbHP-Gruppe erreicht (absolute Differenz, –1.8 % [95 % KI, –8.5 bis 5.0]; Odds Ratio, 0.93 [95 % KI, 0.69 bis 1.25]; P-Nichtunterlegenheit = 0.0089). Die THP-Gruppe wies weniger unerwünschte Ereignisse des Grades 3 und 4 (20.7 % gegenüber 34.6 %) und schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (1.3 % gegenüber 4.7 %) auf als die TCbHP-Gruppe. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse der Grade 3 und 4 unter THP waren Neutropenie (6.8 % gegenüber 16.4 % unter TCbHP), Leukopenie (5.5 % gegenüber 14.8 %) und Diarrhoe (2.6 % gegenüber 4.2 %). Es traten keine behandlungsbedingten Todesfälle auf.

Schlussfolgerung

THP zeigte im Vergleich zu TCbHP nicht unterlegene pCR-Raten und eine verbesserte Verträglichkeit. Der Verzicht auf Carboplatin könnte bei HER2-positivem Brustkrebs in Betracht kommen.

Quelle: Gao HF et al. Neoadjuvant Taxane Plus Trastuzumab and Pertuzumab With or Without Carboplatin in Human Epidermal Growth Factor Receptor 2–Positive Breast Cancer: The Randomized Noninferiority Phase III neoCARHP Trial. J. Clin. Oncol. 2026 DOI: 10.1200/JCO-25-02;

Prof. Dr. med. Beat Thürlimann

SwissBreastCare
Bethanienspital
Toblerstrasse 51
8044 Zürich

Klinische Untersuchung und Whole-Body Imaging

Die Häufigkeit von malignen Hautmelanomen nimmt weltweit zu. Dadurch steigt die Zahl der Betroffenen, die nach einer Exzision eine medizinische Nachsorge benötigen. Eine strukturierte Nachsorge ist entscheidend, um Rückfälle frühzeitig zu erkennen und Behandlungschancen zu verbessern. Internationale Nachsorgeprogramme unterscheiden sich deutlich in Bezug auf Bildgebungsverfahren sowie hinsichtlich der Häufigkeit und Dauer der Kontrollen, da keine relevanten Studien vorliegen. Die schwedische TRIM-Studie untersucht derzeit, ob ein gezielter zusätzlicher Einsatz von Bildgebung in der Nachsorge das Gesamtüberleben bei Hochrisiko-Melanom-Patienten positiv beeinflussen kann. Ziel der Nachsorge ist es, Rückfälle und neue Primärtumoren frühzeitig zu erkennen und die Überlebensrate zu verbessern.

Methoden

Die randomisierte Phase-3-Studie wurde an insgesamt 19 Standorte durchgeführt. Die Rekrutierung und Zuteilung der Patienten erfolgte im Zeitraum vom Juni 2017 bis August 2023 innerhalb von 8 Wochen nach der Operation. Einschlusskriterien waren Alter ≥ 18 Jahre, Exzisionen bei Stadium IIB-C oder III kutanes malignes Melanom, ausreichende Nierenfunktion für Kontrastmittel-CT. Ausschlusskriterien waren unter anderem Lebenserwartung < 2 Jahre durch andere Erkrankungen, Teilnahme an anderen Studien mit Interferenzen der TRIM-Studie, bestehende oder in den letzten 5 Jahren diagnostizierte Krebserkrankungen (mit Ausnahme von in-situ Mamma- und Cervixkarzinomen, Melanomen in-situ, malignem Melanom, nichtmelanozytärem Hautkrebs) Schwangerschaft oder geplante Schwangerschaft. Die Standardgruppe umfasste klinische Untersuchungen alle 6–12 Monate, ein Ultraschall der Lymphknoten bei positivem Sentinel-Lymphknoten sowie Bildgebung bei adjuvanter Therapie nach 6 Monaten. Die Interventionsgruppe umfasste Blutuntersuchungen von S100B und LDH bei 0, 6, 12, 24, 36 Monaten sowie ein CT oder FDG-PET-CT zu denselben Zeitpunkten.

Der primäre Endpunkt der TRIM-Studie ist das Gesamtüberleben über fünf Jahre. Sekundäre Endpunkte umfassen die gesundheitsbezogene Lebensqualität, welche durch eine Umfrage QLQ-30 erhoben wurde sowie Angst und Depression (HAD-Skala) während der dreijährigen Interventionsphase. In der Zwischenanalyse wurden zusätzlich rückfallfreies Überleben, fernmetastasenfreies Überleben und lokal-regional rückfallfreies Überleben betrachtet, mit Fokus auf den Gruppenvergleich über den gesamten Beobachtungszeitraum.

Ergebnisse

In der Zwischenanalyse der TRIM-Studie wurden 1008 Teilnehmende randomisiert, davon verblieben 498 in der Standardgruppe und 485 in der Interventionsgruppe. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 33.6 Monaten zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich Gesamtüberleben, rückfallfreiem Überleben, Fernmetastasen oder lokal-regionalen Rückfällen. Auch der Vergleich von CT- und FDG-PET-CT innerhalb der Experimentalgruppe ergab keine statistisch relevanten Unterschiede.

Schlussfolgerungen

Die TRIM-Studie ist die erste randomisierte Untersuchung zur Bildgebung in der Nachsorge bei Hochrisiko-Melanom. In der Zwischenanalyse zeigte sich kein signifikanter Überlebensvorteil für Patientinnen und Patienten. Frühere Studien und aktuelle Evidenz deuten darauf hin, dass Bildgebung zwar zu einer früheren Erkennung von Fernmetastasen führen kann, dies aber nicht zwangsläufig das Gesamtüberleben verbessert. Die Ergebnisse sind vorläufig und sollten mit Vorsicht interpretiert werden. Die finale Auswertung könnte zukünftige Leitlinien beeinflussen.

Aus prospektiven randomisierten Studien zur adjuvanten Therapie in dieser Risikogruppe wissen wir, dass etwa 30 % der Rezidive viszerale Organe alleine betreffen. Diese werden ohne Ganzkörper Bildgebung verpasst.

Bei sehr erfolgreichen therapeutischen Optionen für die Therapie der Fernmetastasierung ist das schon bedenklich. Wer kann hier mit Sicherheit sagen, dass einzelnen Patienten kein Nachteil entsteht?

Alexander Khau, Prof. Dr. med. Reinhard Dummer

Quellen
Ladjevardi C. et al._Physical examinations and whole body imaging versus physical examinations alone during follow up after radical surgery of stage IIB C_Lancet Oncol 2025

Prof. Dr. med. Reinhard Dummer

– Senior Consultant
Klinik für Dermatologie
Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100, 8091 Zürich
reinhard.dummer@usz.ch

– Leiter Hautkrebszentrum
Kantonsspital Aarau, Hautkrebszentrum
Bahnhofplatz 3C
5001 Aarau
reinhard.dummer@ksa.ch