info@gynƤkologie – von medinfo

Heftcharakteristika

Ā«info@gynƤkologieĀ» publiziert weiterbildungsorientierte BeitrƤge für alle gynƤkologisch tƤtigen Ƅrzte aus allen Bereichen der Frauenheilkunde und Geburtshilfe einschliesslich Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, gynƤkologischer Onkologie, Psychosomatik, JugendgynƤkologie, Infektiologie und UrogynƤkologie.

Das Herausgeberteam Prof. Dr. med. Cornelia Betschart, Zürich, Dr. med. David Ehm, Bern, Prof. Dr. med. Irene Hösli, Basel, Prof. Dr. med. Bruno Imthurn, Zürich, Prof. Dr. med. Gabriel Schär, Zürich, und KD Dr. med. Stephanie von Orelli, Zürich, definieren das Heft. Renommierte Autoren aus der ganzen Schweiz verfassen die Beiträge.

Fundiertes Wissen zu Prävention, Diagnostik, moderner Therapie und Komplikationsmanagement wird in Übersichtsartikeln praxisnah dargestellt. Eine weitere Säule jeder Ausgabe von «info@gynäkologie» ist die Berichterstattung über nationale und internationale Kongresse und Symposien.

Ā«info@gynƤkologieĀ» erhebt keine ā€žarticle processing chargesā€œ (APCs) oder ā€žpage chargesā€œ.

Patronage
SAPP – Schweizerische Arbeitsgemeinschaft Perinatale Pharmakologie

Zielgruppen
FachƤrztinnen und FachƤrzte für GynƤkologie, alle gynƤkologisch interessierten Ƅrzte in Praxis und Spital

Erscheinung
6x im Jahr,Ā  alle zwei Monate

Auflage
3000 Exemplare

 

Editorial-Board

  • Prof. Dr. med.
    Cornelia Betschart

    Zürich
    cornelia.betschart@
    usz.ch

  • Dr. med.
    David Ehm

    Bern
    david.ehm@hin.ch

  • Prof. Dr. med.
    Irene Hƶsli

    Basel
    irene.hoesli@usb.ch

  • Prof. em. Dr. med.
    Bruno Imthurn

    Zürich
    bruno.imthurn@uzh.ch

  • Prof. Dr. med.
    Gabriel SchƤr

    Zürich
    gabriel.schaer@ksa.ch

  • KD Dr. med.
    Stephanie von Orelli

    Zürich
    stephanie.vonorelli@
    triemli.zuerich.ch

Advisory-Board

  • Dr. med.
    Barbara Bass

    Zürich

  • Prof. Dr. med.
    Thomas Berger

    Luzern

  • Prof. Dr. med.
    Martin BirkhƤuser

    Basel/Bern

  • Prof. Dr. med.
    Johannes Bitzer

    Basel

  • Prof. Dr. med.
    Christine Brams

    Luzern

  • PD Dr. med.
    Nicole Bürki

    Liestal

  • PD Dr. med.
    Corina Christmann

    Luzern

  • Prof. Dr. med.
    Mathias Fehr

    Frauenfeld

  • Prof. Dr. med.
    Christian De Geyter

    Basel

  • Dr. med.
    Felix HƤberlin

    St. Gallen

  • Prof. Dr. med.
    Viola Heinzelmann

    Basel

  • Prof. Dr. med.
    RenƩ Hornung

    St. Gallen

  • PD Dr. med.
    Alexandra Kohl Schwartz

    Luzern

  • Prof. Dr. med.
    Brigitte Leeners

    Zürich

  • Dr. med.
    Franziska Maurer

    Solothurn

  • Prof. Dr. med.
    Christian Meier

    Basel

  • Dr. med.
    Francesca Navratil

    Zürich

  • Dr. med.
    Daniel Passweg

    Zürich

  • Dr. med.
    Katharina Schiessl

    Zürich

  • Prof. Dr. med.
    Sven Schulzke

    Basel

  • Prof. Dr. med.
    Daniel Surbek

    Bern

  • Prof. Dr. med.
    Sibil Tschudin

    Basel

  • Prof. Dr. med.
    Volker Viereck

    Frauenfeld

  • Prof. Dr. pharm.
    Ursula von Mandach

    Zürich

  • Prof. Dr. med.
    Dorothea Wunder

    Lausanne

  • Prof. Dr. med.
    Rosanna Zanetti

    Basel

  • Prof. Dr. med.
    Roland Zimmermann

    Zürich

Kombinationstherapien beim Lungenkarzinom

Das Lungenkarzinom bleibt die häufigste Ursache krebsbedingter Todesfälle weltweit (1). In der Schweiz ist es bei Männern die zweithäufigste, bei Frauen die dritthäufigste Krebserkrankung und verursacht jährlich über 3000 Krebstodesfälle (2). Im vorliegenden Artikel werden stadienabhängig die Therapieempfehlungen der kleinzelligen (SCLC) und nicht-kleinzelligen (NSCLC) Lungenkarzinome zusammengetragen, wobei insbesondere auf den Stellenwert des multimodalen Ansatzes eingegangen werden soll.

Le cancer du poumon reste la cause la plus frĆ©quente de dĆ©cĆØs par cancer dans le monde (1). En Suisse, c’est le deuxiĆØme cancer le plus frĆ©quent chez les hommes et le troisiĆØme chez les femmes, causant plus de 3000 dĆ©cĆØs par cancer chaque annĆ©e (2). Dans cet article, les recommandations thĆ©rapeutiques pour les carcinomes pulmonaires Ć  petites cellules (SCLC) et Ć  non petites cellules (NSCLC) sont compilĆ©es, selon le stade de la maladie, en insistant particuliĆØrement sur l’importance de l’approche multimodale.

Early stage NSCLC (stage I / II)

Surgical treatment remains the treatment of choice at an early stage according to international guidelines (3). The postoperative 5-year survival rates are 55-80% for stage I and 35-55% for stage II (4, 5). However, because postoperative recurrence risk is significant even after R0 resection (6), the benefit of adjuvant systemic therapy in a subgroup of high-risk patients has been widely studied over the past two decades. A survival advantage was seen with a primary tumor size> 4 cm (7, 8) and even more pronounced with N-positivity (7, 9-11). However, these risk factors are not prospectively validated. Adjuvant chemotherapy improves the 5-year survival rate by an absolute 5% in this population (12).
With regard to neoadjuvant chemotherapy, there are significantly fewer studies. The comparison of outcome after neoadjuvant and adjuvant chemotherapy did not show any significant differences in overall survival (13, 14).
Postoperative radiotherapy (PORT) has no benefit at an early stage (15). Irradiation, however, has become increasingly important as an alternative primal therapy, at least in patients who do not want to undergo surgery or whose co-morbidity does not permit surgery. With stereotactic irradiation, excellent local control rates can be achieved with good tolerability (16). There is insufficient data to evaluate the status of adjuvant chemotherapy after radiation.
Ob der Einsatz von Tyrosinkinaseinhibitoren, die im fortgeschrittenen Stadium in den vergangenen Jahren zum Standard avancierten, auch im adjuvanten Setting einen Benefit erzielen, wird derzeit geprüft [NCT01405079; NCT03381066]. Zahlreiche weitere neue zielgerichtete Therapieformen werden untersucht (17); für die Immuntherapie mit Checkpointinhibitoren beispielsweise sind sowohl Studien im adjuvanten [NCT02504372; NCT02273375] als auch neoadjuvanten Setting [NCT02998528] am Laufen.

Operables, lokoregionƤr fortgeschrittenes NSCLC (Stadium III)

Die Mehrheit der Patienten mit NSCLC wird im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. In der neuen UICC-Einteilung wurde eine Reklassifizierung des Stadium III vorgenommen, um dieser bezüglich Tumorgrösse und nodalem Befall heterogenen Subgruppe gerecht zu werden. Die im klinischen Alltag gebräuchlichere Einteilung erfolgt aber nach der Resektabilität.
Das optimale Therapiekonzept im operablen Stadium III muss unter Berücksichtigung individueller Patientenfaktoren und interdisziplinƤr festgelegt werden, insbesondere weil verschiedene TherapieansƤtze ein vergleichbares Gesamtüberleben zeigten. Diese „klinische Equipoise“ in der Therapiestrategie beim operablen, lokoregionƤr fortgeschrittenen Stadium geht im Wesentlichen aus drei grossen, prospektiven Studien hervor (18-20). Verfügbare multimodale Behandlungsoptionen sind die definitive Operation mit neoadjuvanter oder adjuvanter Chemotherapie, letztere alleine oder mit PORT sowie die definitive Radio-/Chemotherapie (RCT).
Die zusƤtzliche Radiotherapie im neoadjuvanten Setting im Sinne eines trimodalen Behandlungskonzeptes, erzielte keinen Vorteil (21, 22).
WƤhrend die PORT bei komplett resezierten pN0-1 Tumoren einen klar negativen Effekt auf das Gesamtüberleben zeigte (OS von 53% vs. 58% nach 2 Jahren) (15), ging aus bisher nur retrospektiven Daten ein mƶglicher Nutzen einer PORT bei pN2-Patienten hervor (23, 24). Dieser muss in prospektiven, randomisierten Studien bestƤtigt werden [NCT00410683]. Derzeit wird die PORT beim operablen LA-NSCLC trotz Fehlen von Level-I-Evidenz besonders bei Patienten mit multiplem pN2 Befall und / oder
extrakapsulƤrer Ausbreitung und/oder bei positivem Resektionsrand empfohlen (3).

Inoperables, lokoregionƤr fortgeschrittenes NSCLC (Stadium III)

Wenn ein chirurgisches Vorgehen als nicht mƶglich oder sinnvoll eingeschƤtzt wird, ist gemƤss internationalen Guidelines (ESMO, NCCN) eine RCT indiziert, wobei eine normofraktionierte Radiotherapie von 60 – 66 Gy mit 2-4 konkomittierenden Chemotherapiezyklen empfohlen wird. Dieses Vorgehen ist im Stadium IIIB-C unabhƤngig der OperabilitƤt Therapie der Wahl.
Die konkomittierende RCT erwies sich im Vergleich zur sequentiellen RCT als statistisch überlegen mit einem absoluten Gesamtüberlebensvorteil von 5.7% (von 18.1 % auf 23.8 %) nach 3 Jahren (25). Für Induktions-, sequentielle oder konsolidierende Chemotherapie gibt es weniger Evidenz (26).
Bahnbrechende Neuerung in der Behandlung des fortgeschrittenen NSCLC erbrachte eine kürzlich publizierte Phase-3-Studie (27, 28). Im Vergleich zu Placebo verlängerte die Behandlung mit dem PD-L1-Inhibitor Durvalumab sowohl das progressionsfreie Überleben (HR: 0.51, 95% CI, 0.41-0.63) als auch das Gesamtüberleben (HR: 0.68, 99.73% CI, 0.47-0.997) signifikant.

Metastasiertes NSCLC (Stadium IV)

Rund ein Drittel aller Patienten mit NSCLC haben eine primƤr fernmetastasierte Erkrankung, bei welcher die platinhaltige Chemotherapie als Haupttherapiepfeiler verwendet wird. Weitere neue zielgerichtete Therapieoptionen, wie Tyrosinkinaseinhibitoren, sind einem weiteren Artikel im Rahmen dieser Fortbildungsserie gewidmet.
Patienten mit palliativ intendierter thorakaler RT sollten möglichst hypofraktionierten bzw. kurz dauernden Behandlungen unterzogen werden mit dem Ziel der schnellen Symptomlinderung, tieferer Autotoxizitäten und kürzerer Hospitalisationsdauer (29, 30). Eine Kombination mit einer konkomitanten Chemotherapie bringt keinen Nutzen für diese Patienten und erhöht die Nebenwirkungsrate (31).
Der Stellenwert der lokal konsolidierenden Therapie beim oligometastatischen NSCLC (typischerweise definiert als 1-3 oder 1-5 Metastasen) ist unklar. In kleineren Phase-II Studien zeigte sich eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens um das Dreifache durch ergänzende konsolidierende Behandlung im Vergleich zur Erhaltungstherapie alleine (32, 33).

Kleinzelliges Lungenkarzinom (SCLC)

Sowohl im Frühstadium wie im lokal fortgeschrittenen Stadium Limited Disease (LD) des SCLC bleibt die kombinierte RCT die derzeitige Standardbehandlung, die im Vergleich zur alleinigen RT oder Chemotherapie die Überlebensrate deutlich verbessert (34-36).
Von radiotherapeutischer Seite kann sowohl das normofraktionierte (30 x 2 Gy, wƤhrend 6 Wochen) als auch das hyperfraktionierte Konzept (30 x 1.5 = 45 Gy, b.i.d. wƤhrend 3 Wochen) mit vergleichbarem ToxizitƤtsprofil und onkologischem Outcome als Standard erachtet werden (37, 38). Mit dem radiobiologisch vorteilhaften Ā«Twice-dailyĀ»-Schema wurde in der Ā«Landmark-StudieĀ» von Turrisi (37) ein deutlicher Überlebensvorteil gesehen, der allerdings auch mit der zu tiefen Gesamtdosis im Kontrollarm erklƤrt werden kann. Die im vergangenen Jahr publizierte Phase III-Studie (CONVERT) konnte die Überlegenheit des normofraktionierten gegenüber dem hyperfraktionierten Konzept nicht bestƤtigen, womit das hyperfraktionierte Konzept als Standard bleibt, die Entscheidung allerdings unter Berücksichtigung der PatientenprƤferenz und institutioneller Verfügbarkeiten getroffen werden kann. Bezüglich der Systemtherapie bleibt die Platin-Etoposid-Kombinationstherapie über 4-6 Zyklen das weltweite Standardprotokoll (39).
Beim metastasierten SCLC (ED-SCLC) kann nach 4-6 Zyklen Chemotherapie (Carboplatin / Etoposid) durch die konsolidierende thorakale RT (CTRT) eine prolongierte Progressions-Freiheit und ein verlängertes Gesamtüberleben erzielt werden (41-43). Hierbei scheint insbesondere die Subgruppe mit partiellem Ansprechen und residuellem intrathorakalem Tumorleiden zu profitieren (41, 42).
Die ergänzende prophylaktische Ganzhirnbestrahlung (PCI) reduziert beim LD-SCLC die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Hirnmetastasen innerhalb von 3 Jahren um etwa die Hälfte und verbessert das Gesamtüberleben bei Patienten ohne Progression nach initialer Behandlung (44, 45).
Auch bei Patienten mit ED-SCLC und Ansprechen auf die Chemotherapie, kann mittels PCI die Inzidenz symptomatischer Hirnmetastasen reduziert werden, wobei der Effekt auf das Gesamtüberleben nach zwei Phase-III-Studien unklar bleibt (46, 47). Während die EORTC-Studie eine signifikante Verbesserung im Gesamtüberleben nach einem Jahr zeigte (27 vs. 13%, HR 0.68 95% CI, 0.52-0.88), konnte dieser Vorteil in der japanischen Studie nicht bestätigt werden. Die Diskrepanz der Resultate kann durch die systematische Anwendung von MRI und/oder genetischen Unterschieden in letztgenannter Studie erklärt werden.

Dr. med. Elena Riggenbach

Universitätsklinik für Radio-Onkologie
Inselspital/Universität Bern
Freiburgstrasse 4
3010 Bern

Olgun Elicin M.D.

Universitätsklinik für Radio-Onkologie
Inselspital/Universität Bern
Freiburgstrasse 4
3010 Bern

olgun.elicin@insel.ch

OE hat Beratungshonorare von Merck Group, MSD und AstraZeneca im Rahmen von Verwaltungsratssitzungen erhalten.
ER hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Beitrag.

  • Im Frühstadium des NSCLC kann nach Operation die adjuvante Chemotherapie bei einer Subpopulation mit PrimƤrtumorgrƶsse > 4 cm oder N-PositivitƤt erwogen werden. Der Stellenwert der Chemotherapie nach stereotaktischer Radiotherapie ist nicht gesichert.
  • Weil verschiedene multimodale TherapieansƤtze im operablen Stadium III des NSCLC ein vergleichbares Gesamtüberleben zeigten, muss das Behandlungskonzept interdisziplinƤr festgelegt werden.
  • Im Stadium IIIB-C des NSCLC ist die Radio-/Chemotherapie unabhƤngig der OperabilitƤt Therapie der Wahl.
  • Die Behandlung mit Durvalumab verlƤngerte im fortgeschrittenen Stadium III des NSCLC im Vergleich zu Placebo sowohl das progressionsfreie Überleben als auch das Gesamtüberleben.
  • Patienten mit LD-SCLC sowie ED-SCLC profitieren von konkomittierenden und/oder sequenziellen Kombinationen der Chemo- und Radiotherapie

Messages Ć  retenir

  • Au stade prĆ©coce du NSCLC, une chimiothĆ©rapie adjuvante peut ĆŖtre envisagĆ©e aprĆØs une intervention chirurgicale dans une sous-population ayant une taille de tumeur primaire > 4 cm ou N-positivitĆ©. L’importance de la chimiothĆ©rapie aprĆØs une radiothĆ©rapie stĆ©rĆ©otaxique n’est pas assurĆ©e.
  • Ɖtant donnĆ© que diffĆ©rentes approches thĆ©rapeutiques multimodales au stade opĆ©rable III du NSCLC ont montrĆ© une survie globale comparable, le concept de traitement doit ĆŖtre interdisciplinaire.
  • Au stade IIIB-C du NSCLC, la radio/chimiothĆ©rapie est la thĆ©rapie de choix indĆ©pendante de la thĆ©rapie opĆ©ratoire.
  • Le traitement par le durvalumab a prolongĆ© la survie sans progression et la survie globale au stade III avancĆ© du NSCLC en comparaison au placebo.
  • Les patients atteints de LD-SCLC et ED-SCLC bĆ©nĆ©ficient de combinaisons concomitantes et/ou sĆ©quentielles de chimiothĆ©rapie et de radiothĆ©rapie.

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Zielgerichtete Therapien

Die Personalisierte Onkologie hat dank der Entwicklung von modernsten diagnostischen Werkzeugen und dem dadurch ermöglichten, therapeutischen Einsatz zielgerichteter Therapien über die letzten Jahre stark an Bedeutung gewonnen. Gerade das nicht-squamöse, nicht-kleinzellige Bronchuskarzinom ist ein Paradebeispiel dafür.

L’oncologie personnalisĆ©e est devenue de plus en plus importante ces derniĆØres annĆ©es grĆ¢ce au dĆ©veloppement d’outils diagnostiques de pointe et Ć  l’utilisation thĆ©rapeutique des thĆ©rapies ciblĆ©es qui en rĆ©sultent. Le carcinome bronchique non squameux et Ć  cellules non petites en est un bon exemple.

Zielgerichtete Therapien mit Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKIs) haben im Zeitalter der Personalisierten Onkologie (oder Ā«Precision OncologyĀ») über die letzten Jahre eine zunehmende Bedeutung erhalten. Nach ersten Erfolgen in der chronisch myeloischen LeukƤmie (CML) mit dem Einsatz von Imatinib (1) und im BRAF p.V600E-mutierten Melanom mit BRAF- und MEK-TKIs (2–4) hat sich das nicht-squamƶse, nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (nsqNSCLC) als eigentliches AushƤngeschild für den Einsatz zielgerichteter Therapien mit TKIs heraus kristallisiert. Das hƤngt einerseits mit der Vielfalt an entdeckten onkogenen VerƤnderungen zusammen, die einer zielgerichteten Therapie zugƤnglich sind (sogenannte Ā«actionable aberrationsĀ»). Zusammen gezƤhlt weisen rund 40% aller nsqNSCLC eine Aberration auf, für die eine in der Schweiz erhƤltliche zielgerichtete Therapie-Form existiert (Abb. 1) (5). Bei absolut rund 4’200 neu diagnostizierten Lungenkrebs-FƤllen pro Jahr (rund 50% davon nsqNSCLC) betrifft das in der Schweiz theoretisch rund 800–900 Patienten (6). Andererseits hat die Weiterentwicklung der molekular-pathologischen Diagnostik mit Einführung der Tiefensequenzierung (NGS) im Rahmen von Panel-Testungen in der Routine dazu geführt, dass diese Aberrationen rasch und zuverlƤssig bestimmt werden kƶnnen. Im Folgenden wollen wir die aktuell wichtigsten klinischen Daten zum Einsatz von TKIs im nsqNSCLC diskutieren.

EGFR-mutiertes NSCLC

Aktivierende Mutationen im EGFR-Gen stellen die hƤufigste onkogene genomische Aberration dar, für die eine zielgerichtete Therapie existiert. In über 90% der FƤlle handelt es sich um eine sogenannte klassische EGFR-Mutation (EGFR p.L858R oder eine Deletion im Exon 19). Mehrere randomisierte Studien haben in dieser Situation die Überlegenheit einer zielgerichteten Therapie gegenüber einer Chemotherapie gezeigt und drei EGFR-TKIs der ersten und zweiten Generation sind seither Standard in first-line: Erlotinib (Erlo), Gefitinib (Gefi) und Afatinib (Afa) (7–12). Bei den nicht klassischen (Ā«uncommonĀ») EGFR-Mutationen wird bevorzugt Afa eingesetzt, da es dort am besten dokumentierte AktivitƤt hat (13).
Über kurz oder lang werden die meisten Patienten eine Resistenz auf die EGFR-TKI-Behandlung entwickeln. Der hƤufigste Mechanismus ist das Auftreten einer EGFR p.T790M-Punktmutation, weitere Beispiele sind MET-Amplifikationen, HER2-Amplifikationen, epitheliale-zu-mesenchymale Transition, oder sogar Entwicklung einer kleinzelligen Histologie. EGFR-TKIs der dritten Generation sind gegen EGFR p.T790M wirksam, allen voran Osimertinib (Osi). Die randomisierte Phase-3 Studie AURA3 hat einen deutlichen PFS-Vorteil für Osi gegenüber einer Platin/Pemetrexed (Pem)-Kombination gezeigt (10.1 vs 4.4 Mt; HR 0.30 [95% CI 0.23–0.41]; P < 0.001) (14). Beim Auftreten von klinischer Resistenz gegenüber einer EGFR-TKI-Therapie soll daher immer aktiv nach EGFR p.T790M gesucht werden, sei es in einer liquid biopsy (Analyse an zirkulierender, freier Tumor-DNS) oder an einer Biopsie eines progredienten Herdes. Wir verfolgen im Allgemeinen die Strategie beides gleichzeitig zu testen, da die liquid biopsy nicht konklusiv sein kann (nƤmlich dann, wenn der Tumor zu wenig DNS in die Zirkulation abgibt), und da wegen intra- und intertumoraler HeterogenitƤt eine Biopsie falsch negativ sein kann. Durch die doppelte Analyse kann man somit das Risiko minimieren, eine T790M zu verpassen.
Osi wurde in der Zwischenzeit in der Phase-3 Studie FLAURA auch in first-line untersucht, randomisiert gegen Erlo oder Gefi (15). Osi hat bei noch nicht reifen OS-Daten zu einer deutlichen PFS-VerlƤngerung geführt, so dass es inzwischen hierfür die Zulassung erhalten hat und zum neuen Standard werden dürfte (18.9 vs 10.2 Mt; HR 0.46 [95% CI 0.37–0.57]; P < 0.001). Vor allem im ZNS ist Osi aktiver als die TKIs der ersten Generation (16).
Es gibt verschiedene weitere AnsƤtze, wie die Therapie in first-line verbessert werden kƶnnte. Einer ist die Hinzugabe des VEGF-gerichteten, monoklonalen Antikƶrpers Bevacizumab (Beva), infolge prƤklinischer Hinweise auf einen mƶglichen Synergismus (17). Die randomisierte japanische JO25567 Studie und die einarmige Phase-2 Studie ETOP 2-11 BELIEF haben beide eine eindrückliche VerlƤngerung des PFS auf rund 16 Mt gezeigt (18, 19). Der Enthusiasmus wurde allerdings am diesjƤhrigen Jahreskongress der Amerikanischen Krebsgesellschaft ASCO gedƤmpft: etwas überraschend hat die PFS-VerlƤngerung in der finalen Analyse nicht zu einer OS-VerlƤngerung geführt (20).
Ein anderer interessanter Ansatz ist die Kombination eines EGFR-TKIs mit Chemotherapie. In der Vergangenheit waren solche Studien negativ geblieben, hatten diese Kombination allerdings in anderen Situationen untersucht: Im Rahmen der INTACT-2 Studie in einer unselektionierten NSCLC-Population (21) und im Rahmen der IMPRESS-Studie in second-line nach Gefi Versagen (22). Ebenfalls am ASCO meeting 2018 wurden jetzt aber erste Resultate der NEJ009-Studie prƤsentiert, welche randomisiert Gefi mono vs Gefi / Carboplatin (Carbo) / Pem in first-line bei EGFR-mutierten Patienten untersuchte. Die Hinzugabe der Chemotherapie hat das OS statistisch signifikant um mehr als ein Jahr verlƤngert (52.2 vs 38.8 Mt; (HR 0.70 [95% CI 0.52–0.93]; p = 0.013) (23). Es wƤre nun spannend zu untersuchen, welche Wirksamkeit eine Kombination von Chemotherapie mit dem derzeit aktivsten EGFR-TKI Osi in first-line hat.

ALK-transloziertes NSCLC

Anders als beim EGFR-mutierten NSCLC ist der Mechanismus der onkogenen Aktivierung bei ALK getriebenen NSCLC: hier handelt es sich um Translokationen mit Bildung eines Fusions-Onkoproteins, in den allermeisten FƤllen EML4-ALK als Folge einer Inversion inv(2)(p21p23) (24). Dies führt zu einer konstitutiven Aktivierung der ALK-Kinase mit Hyperaktivierung von nachgeschalteten intrazellulƤren Signalwegen (25). ALK-Inhibitoren kƶnnen dies therapeutisch ausnützen und der Archetyp ist Crizotinib (Crizo). Im Vergleich zu Standard-Chemotherapie hat Crizo eine deutliche PFS-VerlƤngerung gezeigt, zuerst in second-line (PROFILE 1007 Studie), dann auch in first-line (PROFILE 1014; medianes PFS 10.9 vs 7.0 Mt; HR 0.45 [95% CI 0.35–0.60]; P < 0.001) (26, 27). Die abschliessende OS-Analyse wurde kürzlich publiziert und zeigt rund 46 Mt in beiden Armen (ns), allerdings haben 84.2% der Patienten aus dem Chemotherapie-Arm in spƤteren Therapielinien Crizo erhalten (28). Wird für diesen crossover korrigiert, zeigt sich ein deutlicher OS-Vorteil für Crizo (HR 0.35; 95% bootstrap CI 0.08–0.72). Überdies war das OS in derjenigen Subgruppe am lƤngsten, die Crizo und weitere ALK TKIs erhalten hat. Diese Daten sprechen klar dafür, dass im ALK-translozierten NSCLC zunƤchst eine ALK-Tyrosinkinase-Inhibition eingesetzt werden soll.
Auch im ALK-translozierten NSCLC kommt es allerdings zu Resistenzentwicklungen. Ein hƤufiger Mechanismus sind Punktmutationen in ALK, wobei es im Unterschied zu EGFR keine einzelne Mutation gibt, die klar überwiegt. Mehrere TKIs der nƤchsten Generation haben gezeigt, dass sie eine Crizo-Resistenz überwinden kƶnnen: Alectinib (Alec), Ceritinib (Ceri), Lorlatinib (Lorla) und Brigatinib (Briga), wovon die ersten beiden in der Schweiz zugelassen sind (29–33). Auch beim ALK-translozierten NSCLC wurde dann als nƤchstes untersucht, ob die effizienteren ALK-Inhibitoren in first-line eingesetzt das outcome weiter verbessern kƶnnen. Eine Überlegung dahinter ist, dass so die Entwicklung von Hirnmetastasen aufgeschoben oder gar verhindert werden kann. Hirnmetastasen sind bei ALK-translozierten NSCLC hƤufig und Crizo hat eine nur ungenügende AktivitƤt im ZNS. Ein weiteres Argument für einen Einsatz des effizientesten Medikamentes in first-line ist die Tatsache, dass man von Therapie-Linie zu Therapie-Linie immer Patienten verliert und somit nicht alle die Chance auf den effizientesten TKI erhalten, wenn man ihn sich für spƤtere Linien Ā«aufspartĀ». So hat Ceri gezeigt, dass es in first-line effizient ist – allerdings im Vergleich mit Chemotherapie und nicht mit dem Goldstandard Crizo (34). Letzten Sommer wurden dann auch die Resultate der ALEX-Studie voll publiziert, welche Alec gegen Crizo in unbehandelten Patienten untersucht hat (35). Das mediane PFS für Alec war noch nicht erreicht, aber die 12-Monats-Event-freie Rate war mit Alec signifikant hƶher (68.4% [95% CI, 61.0–75.9%] vs 48.7% [95% CI, 40.4–56.9%]; HR 0.47 [95% CI, 0.34–0.65]; P < 0.001). Ein Hauptgrund dafür war wie erwartet die wesentlich bessere ZNS-Kontrolle durch Alec mit einer kumulativen 12-Monats-Inzidenz einer ZNS-Progression von nur 9.4% (95% CI 5.4–14.7%) gegenüber 41.4% unter Crizo (95% CI 33.2–49.4%). Diese überzeugenden Daten haben auch zur Zulassung von Alec in first-line in der Schweiz geführt. Vor kurzem wurden auch erste Daten der ALTA-1L-Studie publiziert, welche Ƥhnliche Resultate für Briga versus Crizo in der first-line zeigen konnte (36).
In der Praxis stellt sich nun natürlich die Frage nach der optimalen Behandlungssequenz bei dieser grossen Anzahl zugelassener TKIs. Im allgemeinen wird man je nach Zulassungsstatus mit einem möglichst effizienten ALK-TKI beginnen (Stand heute in der Schweiz wäre das Alec). Beim Auftreten von klinischer Resistenz würden wir dann empfehlen, eine Re-Biopsie anzustreben. Es ist bekannt, dass gewisse Resistenzmutationen in vitro unterschiedlich sensitiv gegenüber anderen TKIs sind, und dieses Sensitivitäts-Muster könnte die Auswahl des nächsten TKIs leiten (37). Prospektive, klinische Daten zum Vorteil dieses Ansatzes fehlen allerdings.

Andere Aberrationen

Es sind eine Reihe weiterer Aberrationen bekannt, für die es ebenfalls zielgerichtete Therapie-Optionen gibt. So zum Beispiel die BRAF p.V600E-Mutation – wie eingangs erwƤhnt bestens bekannt im Melanom. Gleich wie beim Melanom wurde auch beim BRAF-mutierten NSCLC eine Kombination aus BRAF- und MEK-Inhibitor untersucht, da dies in den Melanom-Studien die Resistenzentwicklung verzƶgern konnte und überdies besser vertrƤglich war als eine reine BRAF-Inhibition (2-4). Eine doppelte TKI-Therapie (Dabrafenib/Trametinib) ist auch im nsqNSCLC sehr aktiv und hat zur Zulassung geführt. Sie stellt heute die Standardtherapie in second-line dar, in der EU auch in first-line (38).
Translokationen des ROS1-Gens sind eine weitere beschriebene Aberration. Interessanterweise sind eine Reihe unterschiedlicher Fusionspartner beschrieben worden, aber der onkogene Mechanismus ist eine Hyperaktivierung der ROS1-Kinase durch die Translokation und der Fusionspartner scheint dies nicht zu beeinflussen (39). Ebenso scheint die Sensitivität gegenüber ROS1-TKIs (welche alle auch Aktivität gegenüber ALK aufweisen) nicht vom Translokationspartner abzuhängen (39). Einzig Patienten mit der CD74-ROS1-Fusion scheinen häufiger Hirnmetastasen zu entwickeln. Da der erste bekannte ROS1-TKI Crizo war, hatte diese Gruppe ein tendenziell schlechteres Outcome (40). Inzwischen wurde aber gezeigt, dass bei ROS1-Translokationen auch Ceri und Lorla wirksam sind, welche bessere ZNS-Aktivität aufweisen (32,41).
Ebenfalls durch eine Translokation zum Onkogen wird das Proto-Onkogen RET – eine weitere Tyrosinkinase. Allerdings haben die bekannten TKIs eher bescheidene AktivitƤt, wie eine retrospektive Registeranalyse zeigen konnte (42). Prospektiv untersucht werden nun zur Zeit Alec (in der ETOP 12–17 ALERT Studie), sowie das Molekül LOXO-292 (LIBRETTO-001 Studie).
Anders ist der Mechanismus bei Veränderungen im cMET Gen. Hier treten eine Reihe von Mutationen auf, die wegen ihrer Vielfalt erst durch NGS-Techniken entdeckt werden konnten. Alle Mutationen haben aber gemeinsam, dass das Exon 14 des cMET Gens durch die splicing Maschinerie während der Transkription entfernt wird. Das führt dazu, dass im fertig translatierten cMET-Protein eine Domäne mit einer regulatorischen Phospho-Site fehlt (MET p.Y1003), welche ein Signal für eine Ubiquitin-Ligase darstellt. Ohne dieses Signal kann das Protein nicht effizient genug abgebaut werden und es kommt zu überaktiviertem MET-Signalling. Dies kann isoliert, wie auch in Kombination mit einer Amplifikation des cMET-Gens auftreten. Solche MET-Veränderungen wirken sensibilisierend gegenüber TKIs, wie zum Beispiel Crizo (43). Weitere Moleküle befinden sich zur Zeit in klinischen Studien (Tepotinib, Glesatinib oder Capmatinib).

Systemtherapie nach Ausschƶpfen der zielgerichteten Therapie-Mƶglichkeiten

Zu guter Letzt stellt sich die Frage, wie man diejenigen Patienten am besten behandeln soll, bei denen die Mƶglichkeiten der TKI-Therapie(n) ausgeschƶpft sind. Standard-Therapie ist hier sicher eine platin-basierte Kombinationschemotherapie, mit zum Beispiel Pem, falls diese nicht bereits als first-line Therapie vor einer TKI-Behandlung stattgefunden hat (44). Für Patienten mit EGFR-Mutationen konnte in Studien in second- und spƤteren Linien gezeigt werden, dass eine reine Immun-Checkpoint-Inhibition keinen Vorteil bringt, ganz im Gegensatz zu wild-typ Patienten (45–47). Es stellt sich allerdings die Frage, ob eine Chemo-/Immun-Therapie-Kombination einen Vorteil bringen kƶnnte. In der dreiarmigen IMpower150 Studie waren Patienten mit EGFR- und ALK-Aberrationen explizit zugelassen (nach einer gehabten TKI-Linie). Die Studie hat die Hinzugabe von Atezolizumab (A) zum Chemotherapie-Backbone Carbo (C) / Paclitaxel (P) +/– Beva (B) in der first-line untersucht und der Vergleich ABCP versus BCP wurde dieses Jahr voll publiziert (48). Die Vierfachkombination hat dabei eine statistisch signifikante und klinisch bedeutsame VerlƤngerung des medianen PFS und OS gezeigt (PFS 8.3 vs. 6.8 Mt; HR 0.62; 95% CI 0.52–0.74; P < 0.001. OS 19.2 vs. 14.7 Mt; HR 0.78; 95% CI 0.64–0.96; P = 0.02). Dies nota bene auch in der EGFR- und ALK-positiven Subgruppe. Diese Therapie stellt somit sicherlich eine Alternative zur reinen Chemotherapie dar.

Schlussfolgerungen

Für Patienten mit onkogen aktivierenden Treibermutationen, welche therapeutisch angegangen werden können, gibt es sehr gute Therapie-Optionen, welche das Überleben um mehrere Monate verlängern können (49). Entscheidend ist allerdings, dass diese auch aktiv gesucht und zuverlässig diagnostiziert werden. Das bedingt eine stete, enge Diskussion zwischen medizinischen Onkologen und (Molekular)-Pathologen, idealerweise im Rahmen eines institutionalisierten, molekularen Tumorboards. Oftmals liegt nur wenig Gewebe für die Diagnostik vor und es ist daher essentiell, dass dieses auch ökonomisch eingesetzt wird. Hier können NGS-basierte Panel-Testungen einen wichtigen Beitrag leisten.

Dr. med. Dr. rer. nat. Christian Britschgi

UniversitätsSpital Zürich
Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie
Comprehensive Cancer Center Zurich
RƤmistrasse 100
8091 Zürich

christian.britschgi@usz.ch

Prof. Dr. med. Alessandra Curioni-Fontecedro

– Clinic of Oncology, Cantonal Hospital Fribourg,
Fribourg, Switzerland

– Faculty of Science and Medicine University of Fribourg,
Fribourg, Switzerland

Prof. Dr. med. Rolf. A. Stahel

UniversitätsSpital Zürich
Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie
Comprehensive Cancer Center Zurich
RƤmistrasse 100
8091 Zürich

Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Beitrag deklariert.

  • Angesichts der Vielzahl an sensibilisierenden genomischen Aberrationen im nsqNSCLC mit der Mƶglichkeit zielgerichteter Therapien, ist es zentral, dass eine gleichermassen effiziente wie komplette molekular-pathologische Testung stattfindet.
  • Gleichermassen wichtig ist eine Re-Biopsie bzw. liquid biopsy beim Auftreten von klinischer Resistenz auf eine TKI-Behandlung, da die Behandlung in second-line von der Art des Resistenzmechanismus abhƤngen kann.
  • Die klinische Studienlandschaft im Bereiche der TKIs beim nsqNSCLC ist sehr dynamisch und entwickelt sich aktuell rasch. Zuletzt hat sich tendentiell gezeigt, dass sich ein Einsatz des jeweils aktivsten Moleküls in mƶglichst frühen Therapie-Linien auszahlt.

Messages Ć  retenir

  • Compte tenu de la multitude d’aberrations gĆ©nomiques sensibilisantes dans le nsqNSCLC avec la possibilitĆ© de thĆ©rapies ciblĆ©es, il est essentiel que le test pathologique molĆ©culaire soit aussi efficace que complet.
  • La rebiopsie respectivement la biopsie liquide est tout aussi importante en cas de rĆ©sistance clinique au traitement par TKI, car le traitement en deuxiĆØme intention peut dĆ©pendre du type de mĆ©canisme de rĆ©sistance.
  • Le paysage des Ć©tudes cliniques dans le domaine des TKIs chez le nsqNSCLC est trĆØs dynamique et se dĆ©veloppe actuellement rapidement. Les tendances rĆ©centes ont montrĆ© que l’utilisation de la molĆ©cule la plus active est rentable dans les lignes thĆ©rapeutiques les plus tĆ“t possibles.

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Monoklonale Gammopathien

Monoklonale Gammopathien umfassen eine heterogene Gruppe von Neoplasien der terminalen B-Zelldifferenzierung, welche sich durch eine überschiessende Produktion monoklonaler (M) Immunglobuline und Immunglobulinleichtketten auszeichnen. Das Spektrum der Erkrankungen reicht dabei von «low-tumor-burden diseases» (Bsp.: AL-Amyloidose), über prämaligne Erkrankungen wie die monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz bis hin zu eindeutig malignen, hämatologischen Systemerkrankungen wie das asymptomatische («smouldering») Multiple Myelom, Multiple Myelom oder Morbus Waldenström.

Les gammopathies monoclonales comprennent un groupe Ā­hĆ©tĆ©rogĆØne de nĆ©oplasies de diffĆ©renciation des cellules B terminales caractĆ©risĆ©es par une production excessive d’immunoglobulines monoclonales (M) et de chaĆ®nes lĆ©gĆØres d’immuno-
globulines. Le spectre des maladies va des « maladies Ć  faible charge tumorale » (p. ex. l’amyloĆÆdose Ć  chaĆ®nes lĆ©gĆØres) aux maladies prĆ©cancĆ©reuses comme la gammopathie monoclonale, dont la signification n’est pas claire, aux maladies hĆ©matologiques systĆ©miques clairement malignes, comme le myĆ©lome multiple asymptomatique (« smouldering »), le myĆ©lome multiple ou la maladie de Waldenstrom.

Eine antikƶrpersezernierende Plasmazelle (PZ) eines gegebenen Klons bildet ausschliesslich einheitliche Antikƶrpermoleküle mit schweren Ketten eines einzigen Isotyps (α, γ oder μ) und Leichtketten einer einzigen Art (Īŗ oder Ī»). Bei einer proliferativen Entartung nur jenes B-Zell-Klons, kommt es zur massenhaften Bildung von Immunglobulinen oder deren Fragmente mit identischer PrimƤrstruktur, Funktion und physiko-chemischen Eigenschaften. Folglich zeigen M-Proteine desselben Klons ein identisches elektrophoretisches Verhalten, was sich dann typischerweise als enger Peak mit schmaler Basis, auch als M-Gradient bezeichnet, manifestiert. Entsprechend der Grenzen, in denen die polyklonalen Immunglobuline normalerweise migrieren, besitzen M-Proteine meist eine MobilitƤt innerhalb der γ-Globulinfraktion – daher der Begriff Ā«monoklonale GammopathieĀ».
Die monoklonale Antikörperbildung ist unnatürlich und beruht häufig auf einer prämalignen oder malignen Transformation. Gelegentlich kommt es auch im Rahmen einer Reaktion gegen ein Immunogen, z.B. bei akutem Virusinfekt, zu einer limitierten, klonalen PZ-Proliferation, was vorübergehend zu einer schwach ausgeprägten monoklonalen Gammopathie führen kann. Damit ist auch ausgesagt, dass der Terminus «monoklonale Gammopathie» per se keine maligne Situation definiert. In mehr als der Hälfte der Fälle geht es nur um ein Laborphänom, welches auf Veränderungen hinweist, deren Dignität nicht eindeutig ist und die daher als Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) bezeichnet werden.
Jedem Multiplen Myelom (MM) geht eine MGUS voraus (1). Ob eine Transformation mit nachfolgender, permanenter Expansion klonaler Plasmazellen stattfindet, hƤngt von weiteren genetischen (Ā«second hitĀ») und epigenetischen LƤsionen ab. Bei einer durchschnittlichen Rate von 1% pro Jahr besteht ein relativ geringes Progressionsrisiko. Betroffen von einem MGUS sind bis zu 3% aller Menschen zwischen 50–70 Jahren und > 5% aller über 70-JƤhrigen. Formal liegt ein MM vor bei Nachweis von ≄ 10 % klonaler PZ im Knochenmark oder Myelom assoziierter EndorganschƤden (CRAB-Kriterien, siehe Tab. 1 und 2).
Beim Ā«smolderingĀ» MM (SMM) handelt es sich klinisch um ein zwischen MGUS und MM anzusiedelndes intermediƤres Stadium mit einem gegenüber dem MGUS deutlich erhƶhten Progressionsrisiko. Mit den revidierten IMWG-Kriterien (2) wurden drei Früherkennungsmarker (Ā«biomarkers of malignancyĀ») zur akkuraten Identifizierung von solchen SMM-Patienten eingeführt, die kurz vor der Ausbildung von EndorganschƤden stehen (Tab. 2). Ist mindestens eines dieser neuen, auch unter dem Akronym Ā«SLiMĀ» bekannten, Kriterien erfüllt, besteht eine Therapieindikation.

Labordiagnostik monoklonaler Immunglobuline

Der Nachweis von Synthese und Sekretion monoklonaler Zellproteine gehƶrt zu den charakteristischen Befunden einer monoklonalen Gammopathie und trƤgt richtungsweisend zur Diagnose, sowie zur Ermittlung von Stadium, Risiko und Therapieansprechen bei. In den meisten FƤllen handelt es sich bei diesen hochspezifischen Tumorprodukten um intakte Immunglobuline und freie Leichtketten (Bence Jones Proteine). In nur ca. 5% aller Gammopathien stellen freie Leichtketten die einzigen monoklonalen Komponenten dar.

Screening

Im Gegensatz zu anderen serologischen Tumormarkern handelt es sich bei M-Proteinen um strukturell sehr variable Moleküle, deren proteinchemische Analyse den Einsatz unterschiedlicher Methoden verlangt. Die International Myeloma Working Group (3) empfiehlt denn auch für das erste Screening den kombinierten Einsatz von Proteinelektrophorese (ELP), Immunfixationselektrophorese (IFE) und freie Leichtketten (FLC) aus Serum. Die diagnostische SensitivitƤt dieser Testkombination für alle einer monoklonalen Gammopathie zugrunde liegenden Diagnosen liegt bei durchschnittlich 97.4 % (4) (Tab. 3). Reduziert man das First-line Screening auf die Anwendung von ELP und FLC, so sinkt die SensitivitƤt auf klinisch immer noch akzeptable 94.3%. Der Miteinbezug von Urinanalysen wird insbesondere bei Verdacht auf eine AL Amyloidose empfohlen.
Die ELP ist ein kostengünstiger, automatisierbarer Erstlinienentest, welcher rasch einen Überblick über die quantitativ wichtigsten Proteinfraktionen in Form eines Densitogramms liefert. Typische, schmalbasige M-Gradienten wie eingangs beschrieben, sind mühelos erkennbar. Schwieriger ist die Interpretation, wenn die M-Komponente, niedrig konzentriert ist (< 10 g/l), bei Überlagerung durch eine starke polyklonale Reaktion oder bei Migration ausserhalb der γ-Fraktion. Mit einer diagnostischen SensitivitƤt von 79.0 % ist der alleinige Einsatz der ELP zur Erstdiagnose deshalb nicht zu empfehlen.
Mittels der IFE wird das Vorhandensein eins M-Proteins bestätigt und deren Schwer- und Leichtkettentyp charakterisiert. Die Methode ist zwar deutlich sensitiver als die ELP, jedoch stellt sich auch hier das Problem der Interpretation subtiler Abnormalitäten. Ein ausgeprägtes M-Protein kann an den scharf fokussierten und intensiv gefärbten Banden leicht ausgemacht werden. Nicht selten jedoch präsentieren sich in der IFE diskrete oder wenig fokussierte, inhomogene Zonen, deren isolierte Beurteilung die Unterscheidung zwischen einer potentiell malignen von einer immunreaktiven Situation nicht zulässt. Solche Zonierungen dürfen also einerseits nicht übergangen, anderseits auch nicht überbewertet werden.
Mittels stark aviden Antisera gegen die einzigartigen, Ā«kryptischenĀ» Epitope (Abb. 1) freier Immunglobulin-Leichtketten ist es mƶglich, diese getrennt nach Īŗ- und Ī»-Isotyp und ohne KreuzreaktivitƤt mit gebundenen Leichtketten nephelometrisch oder turbidimetrisch zu erfassen. Klinische Kernindikationen dieses mittlerweile gut etabilierten, quantitativen Tests bestehen insbesondere in den FƤllen, in denen die Leichtketten, die einzigen sezernierten monoklonalen Proteine darstellen (Bsp.: Leichtkettenmyelom). Die Īŗ- und Ī»-FLC Konzentrationen sind einerseits abhƤngig von deren Produktion durch die Plasmazellen bzw. den Tumor und andererseits deren renalen Elimination. Das Īŗ- /Ī»-VerhƤltnis bewegt sich normalerweise innerhalb enger Grenzen (0.26–1.65). Zu beachten ist, dass sich der Quotient bei Patienten mit geringer monoklonaler Produktion einerseits und Leichtkettenanstieg bei Niereninsuffizienz sowie bei entzündlichen Reaktionen andererseits überlappen kƶnnen. Aus diesem Grund erscheint die BestƤtigung der MonoklonalitƤt bei der Erstdiagnose allein aufgrund eines wenig verschobenen Īŗ/Ī»-VerhƤltnisses als problematisch. In der malignen Situation kann dagegen eine deutliche Konzentrationserhƶhung der involvierten Leichtketten im Serum (> 100 mg/l) mit eindeutiger Verschiebung der Leichtkettenratio als Zeichen der MonoklonalitƤt (> 100 oder < 0,01) erwartet werden (2).

Monitoring

Die Konzentration des M-Proteins wird klassischerweise mittels Integration des M-Proteinpeaks im Densitogramm der ELP ermittelt. Als Indikator für das Therapieansprechen sollte dies alle 3–6 Monate erfolgen (5). Bei niedriger Konzentration (< 10 g/L) oder unzuverlƤssiger Abgrenzbarkeit der M-Komponente ist die densitometrische Quantifizierung ungenau, wenn nicht gar irreführend. In solchen FƤllen ist die wiederholte Messung der Serum-FLC zu empfehlen, vorausgesetzt die initiale Konzentration der involvierten FLC ist > 100 mg/L und der FLC-Quotient ist abnorm. Vorteil gegenüber der densitometrischen M-Proteinquantifizierung ist zudem die kurze Halbwertszeit freier Leichtketten von 2–6 h, welche eine engmaschigere Verlaufskontrolle wƤhrend einer Therapie ermƶglicht. Durch die modernen Therapiemƶglichkeiten und das lƤngere Patientenüberleben steigt auch die Mƶglichkeit von sog. Ā«tumor escape mutantsĀ» im Rezidiv, was sich im Falle eines Ā«light-chain escapeĀ» nur am isolierten Anstieg monoklonaler FLC erkennen lƤsst. Bei hoher renaler FLC-Ausscheidungsrate (> 200 mg/24h) wird offiziell die densitometrische Quantifizierung mittels der ELP im Urin empfohlen. Die FLC-Messung im Serum hat nach neueren Studien demgegenüber den Vorteil, deutlich sensitiver und zudem prognostisch aussagekrƤftiger zu sein (6).
Seit wenigen Jahren ist auch die Quantifizierung von M-Gradienten niedriger Konzentration in einer festen Schwer- und Leichtkettenkombination (Ā«Hevylite®») mƶglich geworden (Abb. 2). Das sensitive Monitoring bei monoklonalen IgA-Proteinen, welche hƤufig eine β-MobilitƤt aufweisen und densitometrisch schwer zu erfassen sind, ist bereits in offiziellen Empfehlungen aufgenommen worden (7). Analog zur FLC-Ratio liefert das VerhƤltnis des involierten zum nicht-involierten Immunglobulin-Isotyp auch prognostische Informationen (8).

Patientenmanagement

Wie sollen Patienten mit einem MGUS im weiteren Verlauf kontrolliert werden?

Risikofaktoren für eine Progression eines MGUS

Die Voraussage, wie sich ein MGUS verhalten wird, ist schwierig. Als Risikofaktoren gelten Hƶhe und Typ des M-Proteins, Anteil Plasmazellen im KM und FLC Ratio. Aus diesen Faktoren entwickelte Rajkumar ein MGUS- Risikostratifizierungsmodell (9) (Tab. 4).
Kontrollintervalle Niedrig-Risiko MGUS, 0 Punkte im Risikostratifizierungsmodell, ca 40% der Patienten: Sofern klinisch keine Hinweise auf einen Organschaden vorliegen, bedürfen diese Patienten keiner weiteren Abklärungen, auch keine Knochenmarkpunktion. Jedoch muss eine Nachkontrolle nach 6 Monaten erfolgen mit Bestimmung des Blutbildes, Serum-ELP, sFLC, Calcium und Kreatinin. Bei stabilem Verlauf sind danach alle 2-3 Jahre oder bei Symptomatik Verlaufskontrollen empfohlen.
IntermediƤres und Hochrisiko-MGUS, 1-3 Punkte im Risikostratifizierungsmodell: Diese Patienten bedürfen einer Knochenmarkpunktion inklusive Flowzytometrie und Zytogenetik / FISH sowie Bildgebung mittels Osteoscan oder Ganzkƶrper-MRI. GemƤss aktuellen Daten ist keine der beiden BildgebungsmodalitƤten klar überlegen. Auch bei Verdacht auf eine AL-Amyloidose sollte eine Knochenmarkpunktion erfolgen. Liegt nach diesen Untersuchungen weiterhin ein MGUS vor, empfiehlt sich eine Verlaufskontrolle alle 3-6 Monate im ersten Jahr und bei stabilem Verlauf danach alle 6-12 Monate (Blutbild, Serum-ELP, sFLC, Calcium und Kreatinin).

Dr. med. Thomas Lehmann

Abteilung für HƤmatologie und Onkologie / Pathologie
Kantonsspital St. Gallen
Rorschacherstrasse 95
9007 St. Gallen

thomas.lehmann2@kssg.ch

Dr. phil. II Siegfried Stranders

Zentrum für Labormedizin
Frohbergstrasse 3
9001 St. Gallen

siegfried.stranders@zlmsg.ch

Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Beitrag deklariert.

  • Terminus monoklonale Gammopathie definiert per se keine maligne Situation
  • Progressionsrate MGUS in ein Myelom ca 1% pro Jahr
  • Screening-Empfehlung Kombination von Proteinelektrophorese, Immunfixationselektrophorese und freie Leichtketten aus Serum, Ā­SensitivitƤt 97%.
  • Follow-up abhƤngig von klinischer Situation und MGUS-RisikoĀ­stratifizierung

Messages Ć  retenir

  • Le terme gammopathie monoclonale ne dĆ©finit pas une situation maligne en soi.
  • Le taux de progression MGUS dans un myĆ©lome est dā€˜ environ 1% par an
  • La recommandation de dĆ©pistage est une combinaison de l’Ć©lectrophorĆØse protĆ©ique, de l’Ć©lectrophorĆØse d’immunofixation et des chaĆ®nes lĆ©gĆØres libres du sĆ©rum, la sensibilitĆ© est de 97%.
  • Le suivi dĆØpende de la situation clinique et de la stratification du risque de la gammopathie monoclonale de signification incertaine (MGUS)

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HereditƤres Mamma- und Ovarialkarzinom

Screeninguntersuchungen in der Allgemeinbevölkerung zur Früherkennung von Ovarial- oder Mammakarzinomen sind von umstrittener Nützlichkeit respektive Kosteneffizienz. Die Identifizierung von Risikogruppen dagegen ist von grosser Bedeutung, um sie einer frühzeitigen adäquaten intensivierten Vorsorge zuzuführen. Dies geschieht aktuell abhängig von persönlicher Anamnese und Familienanamnese mittels Hochdurchsatzsequenzierung hoch-penetranter Gene. Neben BRCA1/2, den Hauptgenen für den hereditären Brust- und Eierstockkrebs, können auch weitere mit Mamma- oder Ovarialkarzinom assoziierte Gene analysiert werden.

La question de savoir si les tests de dĆ©pistage pour la dĆ©tection prĆ©coce du cancer de l’ovaire ou du sein sont importants reste controversĆ©e. La situation est diffĆ©rente si un groupe Ć  risque peut ĆŖtre soumis avec succĆØs Ć  un examen prĆ©coce. Cela se fait actuellement en fonction de lā€™ā€ŠanamnĆØse personnelle et familiale par sĆ©quenƧage Ć  haut dĆ©bit de gĆØnes hautement pĆ©nĆ©trĆ©s. En plus de BRCA1/2, les principaux gĆØnes du cancer hĆ©rĆ©ditaire du sein et de lā€™ā€Šovaire, dā€™ā€Šautres gĆØnes associĆ©s au cancer du sein ou de lā€™ā€Šovaire peuvent Ć©galement ĆŖtre analysĆ©s.

Krebs ist die häufigste Todesursache bei Frauen zwischen 25 und 84 Jahren. Laut dem Bundesamt für Statistik ist das Mammakarzinom die häufigste Krebskrankheit der Frau. Das Ovarialkarzinom kommt nach dem Kolonkarzinom, Tumoren der Lunge/Bronchien/Luftröhre, Hautmelanom, Endometriumkarzinom, Non-Hodgkin-Lymphom und Pankreaskarzinom an 8. Stelle.

Screeninguntersuchungen

Es lässt sich ein Anstieg von jährlichen Brustkrebs-Neuerkrankungen feststellen. Aktuell liegt die Zahl bei ca. 8800/Jahr (BFS 2017). Reduziert hingegen haben sich die Brustkrebs-Sterbefälle, vermutlich die Folge von Krebsfrüherkennung und verbesserten Therapien. Wie die Krebsfrüherkennung geschehen soll ist schweizweit uneinheitlich und es stellt sich die Frage nach der Nützlichkeit eines Mammographie-Screenings der Allgemeinbevölkerung ab dem Alter von 50 Jahren (1). Zu beachten gilt auch, dass 20% der Brustkrebsfälle vor dem 50. Lebensjahr auftreten und somit durch ein Mammographie-Screening, das erst bei über 50-jährigen Frauen einsetzt, verpasst werden. Zudem ist wie Studien bei Hochrisikopatienten zeigen, die Sensitivität der Mammographie (ca. 40%) im Vergleich zum MRI (ca. 85%) gering (2). Die Kombination aus beiden bildgebenden Verfahren zeigte hier eine Sensitivität von ca. 93%, wobei die Spezifität der Mammographie mit ca. 94% im Vergleich zur Spezifität des MRIs mit ca. 85% und MRI plus Mammographie mit ca. 80% angegeben wird. Hierbei ist der Nutzen der intensivierten Vorsorgeuntersuchungen oder auch prophylaktischer Chirurgie im Sinne einer höheren Überlebenswahrscheinlichkeit bei Hochrisikopatientinnen mit BRCA-1/2 -Mutationen klar belegt (3).
Für das Ovarialkarzinom gibt es bisher keine als treffsicher erwiesene Vorsorgeuntersuchung. Eine starke Risikoreduktion kann bei BRCA-1/2-Mutationsträgerinnen mittels prophylaktischer Operationen erzielt werden. Deshalb ist die Identifizierung von genetisch bedingten Risikopersonen für intensivierte Vorsorgemassnahmen oder prophylaktische Chirurgie von grosser Wichtigkeit.

Genetik der Tumorentstehung

Karzinome entstehen immer durch eine AnhƤufung von Genmutationen. Dadurch kommt es schliesslich zu vermehrtem Wachstum, Invasion und Metastasenbildung. Im Rahmen der Ā«two hit hypotheseĀ» benƶtigt es zur Tumorinitiation je eine Mutation in den auf beiden Chromosomen (Allelen) vorhandenen Tumorsuppressor-Genen. WƤhrend beim sporadischen (nicht vererbten Krebs) diese VerƤnderungen im Verlauf des Lebens entstehen, ist beim hereditƤren Krebs eine Mutation (Keimbahnmutation) schon seit Geburt vorhanden. Es braucht im Verlauf des Lebens (vereinfacht dargestellt) dann nur noch eine Mutation zur Wegbereitung der Tumorentstehung, weshalb dann Tumoren hƤufiger und früher zu beobachten sind. Somit besteht im Falle des Vorliegens einer Keimbahnmutation z.B. im BRCA-1/2-Gen ein stark erhƶhtes Krebserkrankungsrisiko. Die genetische Testung auf eine Keimbahnmutation wird aktuell abhƤngig von persƶnlicher Anamnese und Familienanamnese empfohlen. Richtlinien hierzu wurden in der Schweizerischen Ƅrztezeitung publiziert (4) und sind unter folgendem Link auf der SAKK-Homepage zu Ā«Genetic counselingĀ» jederzeit einzusehen: https://www.sakk.ch/sites/default/files/2018-11/Swiss_guidelines_for_counseling_and_testing_for_genetic_predisposition_to_breast_and_ovarian_cancer.pdf.

BRCA1- und BRCA2-assoziiertes hereditƤres Mamma- und Ovarialkarzinom

BRCA-1/2-Mutationen führen zu einem erhƶhten Erkrankungsrisiko für Mammakarzinome bei Frauen und MƤnnern, Ovarialkarzinomen (inklusive Tuben- und primƤren peritonealen Karzinomen), Prostatakarzinomen, Pankreaskarzinomen und Melanomen. Die PrƤvalenz von BRCA-1/2-Mutationen wird generell bei ca. 1:400 bis 1:500 angenommen (5, 6, 7). Eine Zusammenfassung der wichtigsten Karzinomerkrankungsrisiken bei BRCA-1/2-Mutationen findet sich in (Tab. 1). ZusƤtzlich wird auch ein erhƶhtes Risiko für weitere Krebserkrankungen diskutiert.
Aufgrund oben genannter Erkrankungsrisiken werden bei MutationstrƤgerinnen aktuell folgende Vorsorgeuntersuchungen empfohlen (ESMO/ NCCN guidelines (17, 18)):
• Monatliche Selbstuntersuchung der Brust ab dem Alter von 18 Jahren
• HalbjƤhrliche klinische Brustuntersuchung ab dem Alter von 25 Jahren
• JƤhrliches MRI der Brust im Alter von 25-29 Jahren
• JƤhrliches MRI der Brust und zusƤtzlich Mammographie im Alter von 30-75 Jahren
• Option der prophylaktischen Mastektomie (mit Risikoreduktion um ca. 90-95%)
• Adnexektomie nach abgeschlossener Familienplanung typischerweise im Alter von 35-40 Jahren oder im Alter von 40-45 Jahren für BRCA2-MutationstrƤgerinnen (mit Risikoreduktion um ca. 95%)
• Allenfalls transvaginaler Ultraschall mit CA-125-Bestimmung auch bei unklarem Benefit falls keine Adnexektomie durchgeführt werden sollte
• optional ChemoprƤvention mit Tamoxifen für 5 Jahre

Bei mƤnnlichen MutationstrƤgern werden folgende Vorsorgeuntersuchungen empfohlen:
• Brustselbstuntersuchung ab dem
Alter von 35 Jahren mit allenfalls
Basismammographie
• JƤhrliche klinische Untersuchung der
Brust ab dem Alter von 30-35 Jahren
• Prostatakrebs-Screening ab dem
Alter von 40-45 Jahren bei BRCA2-
MutationstrƤgern, allenfalls auch bei
BRCA1-MutationstrƤgern

Für beide Geschlechter sind ab dem Alter von 30 bis 35 Jahren auch jährliche Haut- und Augenhintergrundsuntersuchungen bezüglich des erhöhten Melanomrisikos bei BRCA2-Mutationsträgern empfohlen.
Im klinischen Alltag berücksichtigen wir in der Schweiz grƶsstenteils die oben genannten Richtlinien in der Betreuung unserer Patientinnen und Patienten. Ein Unterschied besteht aber im Einsatz der bildgebenden Verfahren in der Überwachung hinsichtlich Mammakarzinomrisikos, siehe (Tab. 2). Hier sind die in der jeweiligen Risiko- und Alterskategorie von den Krankenkassen aktuell obligat rückvergüteten Vorsorgeuntersuchungen zusammengefasst. Eine MRI-Untersuchung wird bei BRCA1/2-MutationstrƤgerinnen und ihren Tƶchtern oder Schwestern ab dem Alter von 30 Jahren bis 50 Jahren, gegebenenfalls bis 60 Jahren vergütet. Bei Frauen mit einer TP53-Mutation, also einem SBLA-Syndrom (siehe auch Tab. 3) mit hƤufig sehr frühem Erkrankungsalter und ihren Tƶchtern oder Schwestern werden MRIs aber bereits ab dem Alter von 20 Jahren routinemƤssig rückerstattet. In einer besonderen Situation kann jeweils eine spezifische Kostengutsprache im Einzelfall angefragt werden. In der Regel fƤngt man mit der Bildgebung 5 bis 10 Jahre vor der Diagnosestellung bei der jüngsten Erkrankten an.
Aufgrund des oben beschriebe-nen Tumorentstehungsmechanis-
mus, hängt das Risiko für die Krebserkrankung nicht nur von der genetischen Prädisposition ab, sondern auch Umwelt- und Lebensstilfaktoren können einen Einfluss haben. Es zeigt sich insbesondere eine Reduktion des Brustkrebserkrankungsrisikos bei Mutationsträgerinnen durch körperliche Aktivität und gesundes Körpergewicht, ähnlich wie in der Allgemeinbevölkerung. Einen Übersichtsartikel auf Deutsch über die Auswirkungen des Lebensstils bei BRCA-Mutationsträgerinnen wurde mit entsprechenden Literaturangaben im Leading Opinions Gynäkologie und Geburtshilfe 3/2017 publiziert (19).
Zu beachten gilt auch ein Risiko für autosomal-rezessive Erkrankungen bei Nachkommen, wenn der Partner ebenfalls Träger einer Mutation in demselben Gen sein sollte. Biallelische Mutationen im BRCA2-Gen führen zur Fanconi-Anämie und biallelische BRCA1-Mutationen können zu einer Fanconi-Anämie ähnlichen Erkrankung mit Mikrozephalie, Kleinwuchs, Entwicklungsrückstand und Krebsprädisposition führen (20).
Bei nachgewiesener Mutation kann sich zudem die Therapie bei einem Karzinom ändern (z. B. Chemotherapie mit Cisplatin oder Therapie mit PARP-Inhibitoren bei BRCA1- oder -2-Mutationen; Zurückhaltung mit Bestrahlung bei TP53 und biallelischen ATM-Mutationen).

Hochdurchsatzsequenzierung bei Verdacht auf hereditƤres Ovarial- und Mammakarzinom

Neben den Genen BRCA1 und BRCA2 sind aktuell weitere hochpenetrante Gene bekannt, welche mit einem stark erhöhten Erkrankungsrisiko für Brust- oder Eierstockkrebs assoziiert werden. Da Mutationen in diesen Genen auch mit klaren klinischen Konsequenzen im Sinne von Vorsorgeuntersuchungen oder chirurgischen Massnahmen für damit assoziierte spezifische Krebserkrankungen verbunden sind, wird in der gängigen Praxis zunehmend eine Testung einer Gruppe von Genen durchgeführt, anstelle von lediglich einer BRCA1/2-Testung. Die genaue Anzahl der Gene, die in Frage kommen, richtet sich nach der individuellen persönlichen Anamnese und der Familienanamnese. Generell wird aktuell empfohlen eine Gruppe von Genen mit gut bekannten Erkrankungsrisiken und entsprechend vorgeschlagenen Vorsorgeuntersuchungen/ Massnahmen (nach ESMO/NCCN guidelines) im Falle einer detektierten Mutation zu testen (Empfehlung SAKK) und NICHT ein möglichst breites Panel von Genen mit wenig klinischer Relevanz. Unter folgendem Link finden Sie auf der SAKK-Homepage weitere Informationen: https://www.sakk.ch/sites/default/files/2018-11/CPTC_Network_statement_on_panels_combined.pdf

Bei hereditärem Brustkrebs sind dabei folgende Gene zu nennen: BRCA1/2, ATM, CHEK2, PALB2, PTEN, TP53, STK11, CDH1 (bei lobulärem Brustkrebs), beim hereditären Ovarialkarzinom sind es die Gene BRCA1/2, BRIP1, Lynch-Syndrom-Gene (MLH1, MSH2, MSH6), RAD51C und RAD51D. Laut aktueller Analysenliste kostet die Analyse von 1-10 Genen mittels Hochdurchsatzsequenzierung im Grundpreis 2900.- CHF, für 11-100 Gene 3300.- CHF. Zur Überprüfung einer detektierten Sequenzvariante oder Exon-Deletion- oder Duplikation können zusätzliche Analyseschritte mittels Sanger-Sequenzierung der entsprechenden Stelle bzw. mittels MLPA notwendig werden mit entsprechend höheren Kosten, so dass die Gesamtkosten einer Abklärung auf bis zu ca. CHF 4000.- zu stehen kommen. Je nach Anamnese bzw. Familienanamnese (4) sollte nach Artikel 12d KLV eine genetische Testung bei Patienten und Angehörigen ersten Grades von der Krankenkasse übernommen werden, wenn die Indikation dazu durch einen Facharzt medizinische Genetik oder ein Mitglied des «Network for Cancer Predisposition Testing and Counseling» der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK) gestellt wird. Bei Unklarheiten hinsichtlich Indikation oder Erfüllung der WZW-Kriterien wird das Einholen einer Kostengutsprache empfohlen.
Eine genetische Beratung vor der genetischen Testung mit Besprechung der mƶglichen Konsequenzen eines pathologischen Befundes in allen im Panel vorgeschlagenen Genen und der Mƶglichkeit eines eventuellen unklaren Befundes ist von grosser Wichtigkeit. Bei BRCA1 und 2 ergeben sich in ca. 5% unklare Resultate, bei grƶsseren Genpanels bis zu 30%. Je nach Situation und Wunsch des Patienten kann es auch sinnvoll sein, nur die Gene BRCA1/2 zu testen oder auch stufenweise vorzugehen. Dabei gilt v.a. auch zu beachten, dass Mutationen in den oben aufgeführten Genen nicht nur zu einem erhƶhten Mamma- und Ovarialkarzinomrisiko führen, sondern auch mit anderen Krebserkrankungen, je nach Mutation bereits im Kindesalter, assoziiert werden (Tab. 3). Das Wissen bezüglich spezifischer Erkrankungsrisiken je nach Mutation wird jedoch mit grosser Wahrscheinlichkeit zunehmen/bzw. sich Ƥndern und vor der genetischen Beratung v.a. im Falle eines pathologischen Befundes muss die aktuelle Literatur jeweils konsultiert werden.
Wie oben erwƤhnt, sollte auch im vornherein darauf hingewiesen werden, dass ein unklarer Befund folgen kann. Je mehr Gene untersucht werden, umso hƶher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine seltene Genvariante unklarer Krankheitsrelevanz identifiziert wird. Nach aktuellem Wissensstand kann der Befund dann noch nicht klassifiziert werden, ob es sich um eine pathogene oder benigne Genvariante handelt, so dass eine Ā«variant of un-known significance = VUSĀ» befundet wird. Aufgrund einer unklaren Variante sollen keine Konsequenzen, wie z.B. prophylaktische Operationen oder die Testung von gesunden Angehƶrigen, gezogen werden. Auch muss dem Patienten mitgeteilt werden, dass im Falle eines unauffƤlligen Resultates eine genetische PrƤdisposition dennoch nicht ausgeschlossen werden kann.

Dr. med. Silvia Azzarello-Burri

Institut für Medizinische Genetik der Universität Zürich
Schlieren

azzarello-burri@medgen.uzh.ch

PD Dr. med. Nicole Bürki

UniversitƤtsspital Basel, Frauenklinik
Spitalstrasse 21, 4031 Basel

nicole.buerki@usb.ch

Prof. Dr. med. Anita Rauch

Institut für Medizinische Genetik der Universität Zürich
Schlieren

Die Autoren haben deklariert, keine Interessenskonflikte in Ā­Zusammenhang mit diesem Beitrag zu haben.

  • Zur bestmƶglichen Betreuung und Überwachung ist die Identifizierung von Familien mit hereditƤrem Mamma- und Ovarialkarzinom von grosser Wichtigkeit. Es soll deshalb grosszügig an die genetische Beratung und Testung gedacht werden.
  • Eine genetische Testung erfolgt aktuell je nach persƶnlicher Anamnese und Familienanamnese in der Regel mittels Hochdurchsatzsequenzierung einer kleineren Gruppe von hochpenetranten Genen mit bekannten klinischen Konsequenzen im Falle einer detektierten Mutation und zunehmend nicht nur einer Testung auf BRCA1- und 2-Mutationen.
  • Aufgrund der unterschiedlichen Erkrankungsspektren je nach Mutation und mƶglichen Genvarianten unklarer Signifikanz ist eine ausführliche genetische Beratung vor und nach der genetischen Testung von grosser Wichtigkeit.

Message Ć  retenir

  • Lā€™ā€Šidentification des familles atteintes dā€™ā€Šun cancer hĆ©rĆ©ditaire du sein et de lā€™ā€Šovaire est dā€™ā€Šune grande importance pour les meilleurs soins et le meilleur suivi possible. Une rĆ©flexion gĆ©nĆ©reuse devrait donc ĆŖtre menĆ©e sur le conseil et le dĆ©pistage gĆ©nĆ©tique.
  • Selon lā€™ā€ŠanamnĆØse personnelle et familiale, les tests gĆ©nĆ©tiques sont gĆ©nĆ©ralement effectuĆ©s par sĆ©quenƧage Ć  haut dĆ©bit dā€™ā€Šun plus petit groupe de gĆØnes hautement pĆ©nĆ©trants, avec des consĆ©quences cliniques connues en cas de mutation dĆ©tectĆ©e, et de plus en plus non seulement pour les mutations BRCA1 et 2.
  • En raison des diffĆ©rents spectres de la maladie en fonction de la mutation et des variantes gĆ©nĆ©tiques possibles dont la signification nā€™ā€Šest pas claire, un conseil gĆ©nĆ©tique approfondi avant et aprĆØs les tests gĆ©nĆ©tiques est dā€™ā€Šune grande importance.

1. Biller-Andorno N, Jüni P. Abolishing Mammography Screening Programs? A View from the Swiss Medical Board. N Engl J Med 2014;370(21):1965-1967
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Ein umfassender Überblick über die neuesten Forschungsentwicklungen

Bereits zum dritten Mal fand in Zürich der Anlass «Meet the Myeloma Experts» unter der Leitung von Prof. Dr. med. Christoph Renner, Prof. Dr. med. Ulrich Mey, Dr. med. Christian Taverna und Dr. med. Thilo Zander statt. Dabei stellten die vier Schweizer Myelom-Experten Patienten-Fälle vor, die zunächst diskutiert und anschliessend durch die Darstellung der neuesten Erkenntnisse durch einen internationalen Experten ergänzt wurden.

Die Themen des Meetings waren die First line-Behandlung des transplantierbaren Multiplen Myeloms (MM), die First line-Behandlung des nicht transplantierbaren Myeloms, sowie die Behandlung des rezidivierten/refraktƤren Myeloms.

1st Line Behandlung bei für eine Transplantation geeigneten Myelom-Patienten

Der Fall eines 1950 geborenen Mannes, der für die operative Entfernung eines Horns am Schädel vorgesehen war, wurde von

Dr. med. Thilo Zander, Luzern, vorgestellt. In der Radiologie wurden verschiedene Osteolyseherde festgestellt. Die Biopsie zeigte ein Plasmozytom des Typs IgA/Kappa, diffuse interstitielle Variante, Ki-67 70%. Die Labordaten ergaben IgA/Kappa Paraprotein 13.2g/l, β2-Mikroglobulin 4.43g/l (n < 2.5g/l), Albumin 32g/l, LDH normal. Zytogenetik: High Risk Del 17p, R-ISS II.
Der Referent fragte zunƤchst nach der von der Zuhƶrerschaft verwendeten Standardbehandlung als Induktionstherapie und stellte die Behandlungsmƶglichkeiten VCD, VRD, VTD, oder KRD zur Diskussion:
Die Zuhörer äusserten sich mit überwiegender Mehrheit (86.1%) für VRD.
Die Behandlung erfolgte mit VRD x 4, VGPR, HD-Melphalan und ASCT. Danach komplette Remission. Was ist für den nächsten Schritt empfohlen? Als Auswahl nannte der Referent zweite HD-Mel, Konsolidierungs-VRD, Erhaltungstherapie, Follow-up. Die Antwort war mehrheitlich für Erhaltungstherapie (41%), aber Konsolidierungs-VRD (30.8%) und zweite HD-Mel (28.2%) wurden auch häufig genannt. Welches ist die Empfehlung für die Erhaltungstherapie? Lenalidomid bis PD? Lenalidomid während 2 Jahren, Lenalidomid + Bortezomib, Ixazomib? Die Publikumsmeinung war Lenalidomid bis PD (50%), Lenalidomid während 2 Jahren (39.5%), Lenalidomid + Bortezomib (10.5%), Ixazomib (0%). Eine Erhaltungstherapie mit Lenalidomid Monotherapie wurde im vorliegenden Fall durchgeführt.

Expertenmeinung aufgrund neuester Erkenntnisse :

Stellungnahme und PrƤsentation der entsprechenden neuesten Erkenntnisse erfolgte durch

Prof. Dr. med. Jospeh R. Mikhael, International Myeloma Foundation, North Hollywood. Der Experte wäre gleich vorgegangen, keine zweite Transplantation, Erhaltungstherapie mit Lenalidomid. Aber ist dies genügend?
Wir haben die Überlebenszeit verdoppelt, ja beinahe verdreifacht, aber es gibt noch keine Heilung, so der Referent. Die Transplantation spielt immer noch eine wichtige Rolle. Die optimalen Behandlungsziele beim Myelom sind Erreichen eines tiefen Ansprechens, bei beeinflussbarer Krankheit, Erreichen eines Langzeit-Überlebens (>10-20 Jahre), gute Lebensqualität und Verzögerung der Krankheitsprogression.
Der wahre Wert von CR ergibt sich aus dem MRD-Status. Der MRD-negative Status übertrifft die prognostische Bedeutung des CR-Werts für PFS und OS im gesamten Krankheitsspektrum, unabhƤngig von der Art der Behandlung oder der Risikogruppe des Patienten, wie aus einer gepoolten Analyse aus 3 PETHEMA/GEM Clinical Trials hervorgeht (Lahuerta JL et al. J Clin Oncol. 2017;35:2900-2910). Die MRD-NegativitƤt sollte als einer der relevantesten Endpunkte für transplantierbare und Ƥltere Patienten mit Multiplem Myelom (MM) angesehen werden. Nur wenige Patienten mit MM erreichen spƤtere Therapielinien. Bei jeder neuen Linie gehen 15-35% der Patienten verloren, wie der Referent zeigte. Die Komponenten der Therapie des MM sind Induktion, ASCT + Konsolidierung, Erhaltung, Behandlung der rezidivierten Krankheit. Bei der Induktion werden die besten Ansprechraten mit RVd und KRd erzielt (≄VGPR ca.75-80%, OR ca. 100%). Die Tiefe des Ansprechens nimmt mit den neueren Medikamenten zu (Carfilzomib, Lenalidomid, Dexamethason (KRD) >80% vs. Dexamethason allein 10%).

Wie behandeln?

Initialtherapie bei für ASCT geeigneten Patienten: Bortezomib-Lenalidomid-Dexamethason bei den meisten. Cyclophosphamid-Bortezomib-Dexamethasom bei einigen, Carfilzomib-Lenalidomid-Dexamethason bei einigen.
Initialtherapie bei für ASCT nicht qualifizierten Patienten: Lenalidomid-Dexamethason mindestens, zusätzlich Bortezomib bei Erkrankung mit hohem Risiko und wenn machbar, neuerdings Zusatz von Daratumumab.
In einer Phase I/II Studie bei neu diagnostiziertem Myelom zeigte die Kombination Lenalidomid-Bortezomib-Dexamethason eine günstige Verträglichkeit und war hocheffektiv bei einem medianen Follow-up von 21 Monaten mit einer geschätzten PFS und OS mit oder ohne Transplantation von 75% bzw. 97% (Richardson PG et al. Blood. 2010;116:679-86). Die IFM/DFCI Studie 2009 zeigte die isolierte Wirkung der Transplantation. IFM 2009 ergab ein signifikant längeres medianes PFS in der MEL-200+HSCT Gruppe gegenüber der RVd Gruppe allein (50 Monate vs. 35 Monate, p<0.001). In der MEL-200 +HSCT Gruppe hatte ein signifikant höherer Prozentsatz der Patienten ein komplettes Ansprechen im Vergleich zur Gruppe mit alleinigem RVd (69% vs. 46%, p=0.03). MRD wurde bei 65% der Patienten in der RVD Gruppe vs. 79% der Patienten in der MEL-200 +HSCT Gruppe gesehen (p<0.001). Der Mangel an OS Vorteil in der IFM Studie kann für die Möglichkeit einer Verzögerung der ASCT bis zum Rezidiv sprechen (79% der Non-ASCT Patienten hatten eine ASCT beim ersten Rezidiv. 17% der ASCT Patienten hatten eine zweite ASCT nach dem ersten Rezidiv.

Alter und Fitness

Die Transplantation ist der Pflegestandard. Alte Patienten sind dabei unterrepräsentiert. Die Transplantat-bezogene Mortalität ist gering. Es gibt keine obere Altersgrenze für die ASCT. Die Fitness ist dynamisch und sollte durchwegs analysiert werden. Dazu dient der Gebrechlichkeitsscore, der sich aus funktionellem Status und Komorbiditäten zusammensetzt. Er gibt Angaben zur Überlebenszeit und Toxizitätsinzidenz.

KomorbiditƤten

KomorbiditƤten kƶnnen die Behandlungsentscheidung beeinflussen, dazu gehƶren kardiovaskulƤre/kardiopulmonale Krankheiten, Niereninsuffizienz, periphere vaskulƤre Erkrankungen, vorexistierende periphere Neuropathie, vorbestehende Infektion/eingeschrƤnkte Immunantwort, eingeschrƤnkte Glukosetoleranz/Diabetes, Knochenmarkinsuffizienz, hepatische Dysfunktion, Gastrointestinalerkrankungen, MalignitƤt.

Drei-Medikamentenregime als initiale Induktion: Daten von SWOG SO777

Lenalidomid plus Dexamethason ist eine Referenzbehandlung für Patienten mit neu diagnostiziertem Myelom. Der SWOG S0777 Trial ist die erste Phase-III-Studie, die zeigte, dass die Integration eines Proteasominhibitors (Bortezomib) und eines immunmodulierenden Medikaments das Gesamtüberleben im Vergleich zum konventionellen Regime verbessert. Die Medikamentenkombination hatte ein akzeptables Risiko-Nutzen Profil.
Im prospektiven IFM 2013-04 Trial war VTD VCD vor ASCT bei Patienten mit de novo MM überlegen. Das komplette Ansprechen betrug unter VTD 13.0% vs. 8.9% unter VCD, das VGPR betrug 68.3% vs. 56.2% (p=0.05), und das partielle Ansprechen 92.3% vs. 83.4%. Laufende Studien werden den Stellenwert von RVD als Standard für neu diagnostizierte Patienten herausfordern.
Eine Phase-II-Studie der nächsten Proteasominhibitoren-Generation, Carfilzomib ergab in Kombination mit Lenalidomid eine eindrückliche tiefe Ansprechrate. Der hochaktive anti-CD38 monoklonale Antikörper Daratumumab wird ebenfalls bei neu diagnostizierten Fällen getestet.

Zusammenfassung 1st Line Therapie

Die Tiefe des Ansprechens ist bei der Frontline-Therapie wichtig. Die Induktion sollte idealerweise einen Proteasominhibitor und ein immunmodulierendes Medikament einschliessen. Triplett-Therapien haben bei der Frontlinien-Therapie gegenüber Dubletten einen Nutzen gezeigt. Schlüsselregimes schliessen KRD, VRD, VTD und VCD ein. Stammzelltransplantationen nehmen immer noch eine Schlüsselposition in der Behandlung des Myeloms ein. Die Transplantation kann aber bei gewissen Patienten mit niedrigem Risiko verzögert werden.

Erhaltungstherapie

Drei Studien mit insgesamt 1208 Patienten wurden mit Lenalidomid als Erhaltungstherapie durchgeführt und in einer Metaanalyse zusammengefasst (Mc Carthy PI J Clin Oncol. 2017;35:3279-3289). 1208 Patienten wurden in die Meta-Analyse einbezogen (605 Patienten in der Lenalidomid-Erhaltungsgruppe und 603 in der Placebo- oder Beobachtungsgruppe). Das mediane PFS betrug 52,8 Monate für die Lenalidomidgruppe und 23,5 Monate für die Placebo- oder die Beobachtungsgruppe (Hazard Ratio, 0,48; 0,41 bis 0,55). Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 79,5 Monaten für alle überlebenden Patienten war das mediane OS für die Lenalidomid-Erhaltungsgruppe nicht erreicht worden, während es für die Placebo- oder Beobachtungsgruppe 86,0 Monate betrug (Hazard Ratio, 0,75; 0,63 bis 0,90; P = .001). Die kumulative Inzidenzrate von Zweittumoren vor dem Fortschreiten der Erkrankung war mit Lenalidomid-Erhaltung im Vergleich zu Placebo oder Beobachtung höher, während die kumulative Inzidenzrate von Progression, Tod oder Tod als Folge des Myeloms mit Placebo oder Beobachtung im Vergleich zur Erhaltung mit Lenalidomid höher. Die Abbruchrate unter Lenalidomid betrug 29 %. Diese Meta-Analyse zeigt einen signifikanten OS-Nutzen und bestätigt den PFS-Nutzen mit Lenalidomid-Erhaltung nach ASCT bei Patienten mit neu diagnostiziertem multiplem Myelom im Vergleich zu Placebo oder Beobachtung.

FAZIT

Der Referent zog das folgende Fazit:

• Triplettinduktionstherapie für die meisten Patienten.

• ASCT für transplantable Patienten. Bei gebrechlichen Patienten sind Therapiemodifikationen in Betracht zu ziehen (Rvd-Lite oder Dublett).

• Erhaltungstherapie sollte für jeden Patienten optimiert und individualisiert werden.

• Aggressive Behandlung und sorgfƤltige Überwachung bei Patienten mit Hochrisiko-Krankheit, eine Proteasominhibitor basierte Erhaltungstherapie erwƤgen.

• Eine grosse Anzahl von Behandlungen ist im rezidivierten Fall verfügbar und wird im Upfront Setting untersucht.

1st Line Behandlung bei für eine Transplantation nicht wählbaren Myelom-Patienten

Der Fall eines 77jƤhrigen mƤnnlichen Patienten, wurde von

Prof. Dr. med. Ulrich Mey, Chur, vorgestellt. Früherer Raucher (40 py), arterielle Hypertonie, adäquat behandelt, koronare Herzkrankheit, letzte Koronarangiographie 2009, periphere arterielle Verschlusskrankheit, sonst aktiv und fit. Rechtsseitige lumbosakrale Schmerzen seit 01/2017, keine Besserung nach Physiotherapie und Akkupunktur. Hämoglobin 87g/l, ESR 100mm/h, Kreatinin 65µmol/l, Hyperkalzämie 2.88mmol/l, Gesamtprotein 98g/l, Immunfixation positiv für IgM Lambda. Die Elektrophorese ergibt einen M-Gradienten (29.1g/l), IgM im Serum 56g/l, β2-MG 4.0mg/l, Serumalbumin 36.6g/l. Es wurde eine CT-gesteuerte Biopsie der grossen Beckenläsionen und eine Knochenmarks-Biopsie durchgeführt, die eine Plasmazell-Neoplasie mit Lambda-Leichtkettenrestriktion zeigte: CD 138+, CD 79a+, CD 20 negativ, MYD88 L265P negativ. Die zytogenetische Analyse (FISH & aCGH) ergab einen near triploid Karyotyp, del (17p) Subklon. Welches ist die wahrscheinlichste Diagnose? 97.5% der Zuhörer sind für die Diagnose MM vom IgM Typ.
Der Referent erkundigte sich bei der Zuhörerschaft nach den Behandlungsregimes, welche für diesen Patienten bevorzugt eingesetzt werden. Die vorgeschlagenen Alternativen sind RD, VD, VMP, MPT, VCD, RVD. Die Zuhörer entschieden sich für RVD (60.0%). 15% stimmten für VMP und je 7.5% für RD bzw. VD.

Expertenmeinung aufgrund neuester Erkenntnisse:

Anstelle von Prof. Philippe Moreau, Nantes, der verhindert war, besprach

Prof. Dr. med. Paul Richardson, Boston, die neuesten Erkenntnisse bei der Behandlung von für ASCT nicht in Frage kommende Patienten in der Frontline-Therapie.
Alter ist ein wichtiger Faktor. Das mittlere Alter beträgt 70 Jahre, mehr als ein Drittel der Patienten ist mehr als 75jährig. Das Alter ist wichtig wegen der Komorbiditäten (Hypertonie, ischämische Herzkrankheit, Diabetes, Niereninsuffizienz, Osteoporose, psychologische Probleme), Gebrechlichkeit, veränderter Medikamentenmetabolismus, eingeschränkte soziale Unterstützung, finanzielle Gegebenheiten, eingeschränkte Unabhängigkeit/Mobilität.
ASCT mƶglich:

Neue Daten und die Zukunft
• Ja, Induktion mit 3 Medikamentenregime, VTD, VCD, RVD, PAD →200mg/m2 Melphalan gefolgt von ASCT→Erhaltungstherapie mit Lenalidomid
• Nein, Erste Option VMP, RD, VRD. Zweite Option VCD, MPT. Weitere Optionen BP, CTD, MP.
Überlebensvorteil: MP plus Thalidomid.
IFM 99-06, Thalidomid plus Melphalan: neu diagnostizierte Myelompatienten im Alter zwischen 65 und 75 Jahren wurden randomisiert mit Melphalan und Prednison oder Melphalan, Prednison und Thalidomid behandelt. Die Daten ergaben eine starke Evidenz, dass die Kombination von Thalidomid mit Melphalan und Prednison der alleinigen Therapie mit Melphalan und Prednison überlegen war.
Melphalan plus Bortezomib: Eine Multizenter Phase 1/2 Studie zeigte, dass bei älteren, für eine ASCT nicht in Frage kommenden Patienten die Kombination von Bortezomib plus MP signifikant besser war als MP allein, mit sehr hohen Raten für komplette Remission, inklusive kompletter Remissionen, sogar bei Patienten mit schlechter Prognose. Auch in der VISTA Studie (Mateos MV JCO 2010;26;2259-66) bestätigte sich, dass VMP das OS gegenüber MP signifikant verlängert. Im Hinblick auf Nebenwirkungen zeigte sich vor allem eine Zunahme peripherer Neuropathie vom Grad 3/4 unter VMP.
Der Referent gab die folgende Definition des klinischen Nutzens: TTP: Zeit bis zur Progression, TNT, Zeit bis zur nƤchsten Therapie, TFI Behandlungsfreies Intervall. Erreichen eines kompletten Ansprechens ist mit einem verlƤngerten behandlungsfreien Intervall assoziiert.
Lenalidomd/niedrig dosiertes Dexamethason bei älteren Patienten: In der ECOG-E4A03-Studie wurde Lenalidomid plus Dexamethason in Standarddosis oder plus niedrig dosiertem Dexamethason bei frisch diagnostiziertem MM untersucht. Die 2-Jahresüberlebenswahrscheinlichkeit betrug unter Len + high dose Dex 0.67 (0.56-0.77) gegenüber 0.82 (0.74-0.91) unter Len plus low dose Dex. In der FIRST/MM020/IFM 2007-01 Studie zeigte sich, dass im Vergleich zu MPT die kontinuierliche Verabreichung von Lenalidomid-Dexamethason bis zur Krankheitsprogression mit einer signifikanten Verbesserung des PFS und einem Gesamtüberlebensvorteil einherging.

Neue Daten und die Zukunft

• VMP/Rd sequentiell oder alternierend (Mateos MV m Blood 2016;127;420-5): Beide Schemata ergaben einen bemerkenswerten Nutzen. Zudem war das komplette Ansprechen mit besserem Outcome und akzeptablem ToxizitƤtsprofil assoziiert. Zwischen sequentieller und alternierender Therapie wurde kein Unterschied festgestellt. Das chronologische Alter erwies sich aber als PrƤdiktor für PFS und OS
• MP basiert: VMP +/- Daratumumab: ALCYLONE: Daratumumab ergab gegenüber der Kontrolle ein signifikant lƤngeres PFS (Nicht erreicht vs. 18.1 Monate). Die HR für Krankheitsprogression oder Tod betrug 0.50 (0.38-0.65), P<0.001. Das mediane Überleben wurde in keinem der beiden Behandlungsarme erreicht.
• RVD Lite: Modifiziertes Lenalidomid, Bortezomib und Dexamethason wurde als Regime, welches neue Medikamente bei nicht transplantierbaren Patienten bezüglich Wirksamkeit und ToxizitƤt optimal ausgleicht, untersucht (O’Donnell W et al Br J Hematol 2018;18:222-230). Das ORR betrug 86% und 66% der Patienten erreichten ein sehr gutes partielles Ansprechen. Das mediane PFS betrug 35.2 Monate, das mediane OS wurde nach einem 30 monatigen Follow-up nicht erreicht
• RD basiert: MLN-RD vs RD: TOURMALINE 1 untersuchte orales Ixazomib plus Lenalidomid-Dexamethason vs. Placebo plus Lenalidomid-Dexamethason. Die Zugabe von Ixazomib war mit einem signifikant lƤngeren PFS assoziiert (20.6 vs 14.7 Monate). Die zusƤtzlichen toxischen Effekte mit diesem gesamtoralen Regime waren begrenzt
• Elozutumab-RD vs RD, ELOQUENT 2: Elotuzumab plus Lenalidomid und Dexamethason wurde gegenüber Lenalidomid plus Dexamethason bei rezidiviertem/refraktƤrem multiplem Myelom untersucht. (Dinopoulos Ma et al, Cancer 2018; Sep 11. doi:10.10002/cncr.31680 (Epub ahead of print)). ELd reduzierte das Risiko für Krankheitsprogression um 29% vs. Ld (HR 0.71). Die Daten sprechen für Elotuxumab als wertvolle therapeutische Option für die Langzeitbehandlung von Patienten mit RRMM.
• Daratumumab-RD vs RD: MAIA: Die MAIA Studie zeigte, dass Daratumumab in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason einen grƶsseren Nutzen hat als Lenalidomid und Dexamethason allein bei Patienten mit neu diagnostiziertem MM, welche für eine ASCT nicht in Frage kommen.

Rezidiviertes Multiples Myelom

Die entsprechende Fallvignette stellte

Dr. med. Christian Taverna, Münsterlingen, vor. Es handelte sich um einen 1972 geborenen Mann mit M. Bechterew, behandelt mit dem TNFα Inhibitor Etanercept. 2013 schwere bilaterale Retinopathie unbekannter Ƅtiologie, zerebrovaskulƤrer Infarkt parietal linksseitig, BakteriƤmie mit Strep. salivarius. MM IgG Kappa, ISS Stadium II, gain 1q, del 13, Trisomie 9 und 15.
Die Therapie besteht aus Induktion mit 4 Zyklen VCD mit PR. 1/2013 Beginn mit ZoledronsƤure, 5/2013 Stammzellmobilisierung mit Vinorelbine, erfolgreiche Stammzellgewinnung, 6/2013 Single Hochdosis Chemotherapie mit Melphalan 200 mg/m2
Ansprechen: Immunfixation negativ, Knochenmark nicht durchgeführt, 11/13-011/15 Lenalidomid Erhaltungstherapie 10mg/d.

Welche Zweitlinientherapie?

• Re-Induktion und zweite ASCT
• Carfilzomib, Lenalidomid, Dexamethason
• Ixazomib, Lenalidomid, Dexamethason
• Daratumumab, Lenalidomid, Dexamethason
• Daratumumab, Bortezomib, Dexamethason
• Elotuzumab, Lenalidomid, Dexamethason
• Die Zuhƶrer stimmen für Re-Induktion und zweite ASCT (64.9%), je 16.2% für Carfilzomib,

Lokale Therapie für Th9?

Radiotherapie, Kypho- oder Vertebroplastie, Chirurgie oder keine lokale Therapie.
45.2% der Zuhörer stimmen für Radiotherapie, 41.9% für Kypho- oder Vertebroplastie

Welche Drittlinientherapie?

• Re-Induktion und ASCT
• CAR-T-Zelltherapie
• Carfilzomib, Lenalidomid, Dexamethason
• Ixazomib, Lenalidomid, Dexamethason
• Daratumumab, Lenalidomid, Dexamethason
• Daratumomab Bortezomib, Dexamethason
• Elotuzumab, Lenalidomid, Dexamethason
Die Zuhƶrerschaft teilte sich im Wesentlichen in Daratumumab, Lenalidomid, Dexamethason (34.2%), Daratumumab, Bortezomib Dexamethason (26.3%) und Carfilzomib, Lenalidomid, Dexamethason (23.7%) auf.

Expertenmeinung aufgrund neuer Entwicklungen auf dem Gebiet des rezidivierten und refraktƤren multiplen Myeloms (RRMM)

Die aktuelle Expertenmeinung und die neuesten Erkenntnisse wurden wiederum durch Prof. Paul Richardson, Boston, vorgetragen. Das MM ist beim Rezidiv sehr komplex in Hinblick auf genetische Veränderungen und der klonalen Evolution, so der Referent. Die Prognose für Patienten, die auf die derzeitig verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten refraktär sind, bleibt schlecht, wie eine Studie an Myelompatienten, die mindestens drei vorherige Therapielinien erhalten hatten und sowohl für Imide (Lenalidomid oder Pomalidomid) als auch für Proteasominhibitoren (Bortezomib oder Carfilzomib) refraktär waren und eine alkylierende Therapie erhalten hatten (Kumar SK et al. Leukemia 2017;31:2443-2448). Mittlerweile sind multiple Optionen zur Behandlung von Patienten mit neu diagnostiziertem RRMM vorhanden. Wie führen wir die Sequenz der Therapien durch, um das beste Outcome für den Patienten zu erreichen? Die Hauptziele im Jahre 2019 sind im Hinblick auf genetische Abnormalitäten die Überwindung von Mutationen, die kritische Rolle von Kombinationen und die fortlaufende Therapie, der Stellenwert und das Timing der ASCT, im Hinblick auf die überschüssige Proteinproduktion der Proteinabbau als Ziel und im Hinblick auf die Immunsuppression die Wiederherstellung der anti-Myelom Immunität.
Der Entscheid für die nächste Therapie bei einem Myelompatienten hängt von multiplen Faktoren ab, diese umfassen Patienten-bezogene Faktoren und Krankheits-bezogene Faktoren. Der Referent wies auf die Optionen bei RRMM entsprechend der NCCN Guidelines 2018 (USA) hin. Er präsentierte die zahlreichen Studien auf diesem Gebiet hin, so ASPIRE (KRd vs. Rd), TOURMALINE-MM1 (IRD vs. RD), POLLUX (DRD vs. RD), ELOQUENT-2(ERD vs. RD), ENDEAVOR (KD vs. VD), CASTOR (DVD vs. VD), PANORAMA (Pano-VD vs. VD), die Vorteile für Carfilzomib+Lenalidomid+Dexamethason vs. Lenalidomid+Dexamethason und die entsprechenden Kombinationen mit Ixazomib, Daratumumab, Elotuzumab und Panobinostat vs. Lenalidomid+Dexamethason ergaben. Lenalidomid wird jetzt vermehrt im Frontline Setting verwendet und die Patienten werden während einer längeren Periode behandelt.
Pomalidomid bei RRMM: Pomalidomid ist ein orales IMID mit direkter tumorizider und immunmodulatorischer Wirkung. In präklinischen Studien inhibierte es Lenalidomid-resistente Zellen. Pomalidomid zeigt einen OS-Vorteil bei Lenalidomid-refraktären Patienten. Die Triplettkombination Pomalidomid, Bortezomib und Dexamethason zeigt eine vielversprechende Wirksamkeit bei Lenalidomid-refraktären Patienten in der frühen Phase. Die Phase-III-Studie OPTIMISMM ergab signifikant bessere PFS und ORR mit PVD bei RRMM (100% Lenalidomid exponiert und 70% Lenalidomid refraktär, eine zunehmende Patientenpopulation, für welche Lenalidomid keine Therapieoption mehr darstellt). PVD reduzierte das Risiko für Krankheitsprogression signifikant um 39% vs. VD.

Weitere Studien und Therapielinien:

IKEMA (Isatuxumab+Carfilzomib+Dexamethason vs. Carfilzomib+Dexamethason)
OCEAN (Melflufen+Dexamethason vs. Pomalidomid + Dexamethason)
DREAMM-1 ( GSK2857016)
Der Referent wandte sich abschliessend einem weiteren Hauptziel beim MM zu, der überschiessenden Proteinproduktion und dem Proteasom. Marizomib ist ein strukturell und pharmakologisch einzigartiger irreversibler Proteasominhibitor, der für die Blut-Hirnschranke durchlässig ist und eine synergistische Wirkung mit Immunmodulatoren zeigt. Marizomib hat möglicherweise eine Wirkung auf ausgewählte ZNS Malignitäten.
Abschliessend wandte sich der Referent der ELOQUENT-3 Studie zu. ELOQUENT-3 ist die erste randomisierte Studie, die Pomalidomid mit oder ohne monoklonalen Antikörper vergleicht. EPD zeigte eine klinisch bedeutsame 46% Reduktion des Risikos für Progression oder Tod (HR 0.54 mit einem gegenüber PD verdoppelten PFS (10.2 vs. 4.7 Monate). Das ORR war mit Elotuzumab+Pomalidomid (EPD) doppelt so hoch wie mit Pomalidomid allein (53% vs. 26%). EPD zeigte ein günstiges Sicherheitsprofil mit niedrigeren Neutropenieraten als erwartet und wenigen Infusionsreaktionen (5%). EPD stellt eine neue Therapieoption bei Patienten mit RRMM dar, bei denen eine Therapie mit Lenalidomid und einem Proteasominhibitor nicht mehr wirksam ist.

Die neuen Moleküle Isatuximab und Selinexor beim multiplen Myelom

Neue Moleküle in der Therapie des MM wurden von Prof. Dr. Joseph Mikhael, North Hollywood, besprochen. Isatuximab ist ein monoklonaler anti-CD-38 Antikörper. Präklinische Studien deuten darauf hin, dass ADCC (Antikörperabhängige zelluläre Zytotoxizität) der wichtigste Faktor für die Wirksamkeit dieses speziellen monoklonalen Antikörpers ist. So könnten Medikamente, die NK-Zellen stimulieren können, optimale Kandidaten für rationale Kombinationen mit Isatuximab sein. Die ICARIA MM Studie ist eine multinationale klinische Studie zur Untersuchung von Isatuximab, Pomalidomid und Dexamethason im Vergleich zu Pomalidomid und Dexamethason allein bei Patienten mit RRMM. Die möglichen Vorteile von Isatuximab sind: Kürzere Infusionszeit, in vitro Überlegenheit, aber unklar ob klinisch signifikant, günstiges Nebenwirkungsprofil?
Selinexor ist der erste SINE (selective inhibitor of nuclear export), welcher spezifisch XPO1 (hauptsächliches nukleäres Export Protein) blockiert. XPO1 ist beim MM überexprimiert. Die Schlüsselpunkte für Selinexor sind:
Selinexor erfüllt eine klinische Notwendigkeit bei Refraktärität gegenüber sämtlichen 5 verfügbaren Standardoptionen. Seine Applikation ist einfach durch die orale Verabreichung. Selinexor erfordert eine aufmerksame unterstützende Behandlung vor allem im ersten Monat.

AusgewƤhlte neue Agentien beim multiplen Myelom: Focus auf Melflufen, Immuntherapie

Melflufen weist eine stƤrkere Anti-TumoraktivitƤt auf als das verwandte Melphalan, trotz der identischen AlkylierungskapazitƤt. Studien an Modellen mit soliden Tumoren zeigen, dass die Behandlung mit Melflufen eine 10-fach hƶhere Melphalan-Beladung bewirkt, was die hƶhere TumorzytotoxizitƤt erklƤrt.
In einer Phase-II-Studie (Richardson PG et al. ASH 2017) bei RRMM Patienten nach ≄2 vorhergƤngigen Therapielinien, einschliesslich Lenalidomid und Bortezomib zeigte Meflufen ein schnelles und dauerhaftes Ansprechen. Das ORR betrug 41% und das CBR 65% mit medianem PFS von 5.7 Monaten und medianem OS von 20.7 Monaten. Die VertrƤglichkeit war günstig, hƤmatologische ToxizitƤt hƤufig aber klinisch beherrschbar, nicht-hƤmatologische unerwünschte Wirkungen waren selten.

BCMA, APRIL und Antikƶrperkonjugate

BCMA (B-cell maturation antigen) und APRIL(a proliferation induced ligand) sind beim MM erhƶht. Sie fƶrdern Wachstum des MM und Immunsuppression im Knochenmark. Anti-Medikament-Konjugate (ADCs) kƶnnen Ziele selektiv ansteuern und Medikamente an Myelomzellen liefern. Der Referent besprach die Resultate mit dem Antikƶrper-Medikament-Konjugat GSK2857916 einem Antikƶrperkonjugat gegen BCMA. Die DREAMM-1-Studie ist eine open label Dosiseskalationsstudie zur Untersuchung der Sicherheit, Pharmakokinetik und Pharmakodynamik, ImmunogentitƤt und klinischen Wirksamkeit von GSK2847916 bei Patienten mit RRMM und bei anderen hƤmatologischen MalignitƤten, die BCMA exprimieren. Die Studie ist noch am Laufen. GSK2857916 resultierte in einem ORR von 60% bei stark vorbehandelten Patienten mit MM. Das mediane PFS war 7.9 Monate und DOR nicht messbar, da nur 4 ansprechende Patienten bis zum Zeitpunkt des Dateneinschlusses progredient waren.

Neue Medikamente: CART Zellen, Venetoclax

Die anti-BCMA CAR T Zelltherapien besprach Prof. Dr. med. Christoph Renner, Zürich. bb2121 ist eine chimƤre Antigenrezeptor (CAR) T-Zelltherapie der zweiten Generation, die auf das B-Zell-Maturationsantigen (BCMA) abzielt, um T-Zellen umzuleiten, damit maligne Myelomzellen erkannt und abgetƶtet werden. Die tiefen und dauerhaften Remissionen einer Phase 1-Studie mit der anti-BCMA chimƤren Antigenrezeptor (CAR) T-Zelltherapie bb2121 bei Patienten mit rezidiviertem/refraktƤrem, stark vorbehandeltem MM haben zu einer Phase-II-Studie geführt, die derzeit noch lƤuft. In dieser Studie betrug das ORR 95.5% bei der hƶchsten Dosierung, das mDOR 10.9 Monate. Das Tumoransprechen nach BCMA Expression zeigte ein ORR von 100% bei niedriger BCMA Expression und 91% bei hoher BCMA Expression. Das mediane PFS betrug bei aktiven Dosen (≄150 x 106 CAR-T Zellen).
Venetoclax beim rezidivierten MM: Venetoclax ist ein selektiver Bcl-2 Hemmer, der ein Absterben bei MM Zellen bewirkt, insbesondere bei solchen mit der t(11;14) Translokation, die hohe BCL-2 Werte exprimieren. In einer Phase-Ib-Studie (Moreau P et al. Blood. 2017;130:2392-2400) ergab Venetoclax in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason ein ORR von 67%; 42% erreichten ein sehr gutes partielles Ansprechen oder besser (≄VGPR). Die mediane Zeit bis zur Progression und die Dauer des Ansprechens betrugen 9.5 bzw. 9.7 Monate. Ein ORR von 97% und ≄VGPR von 73% wurden bei Patienten gesehen, die auf Bortezomib nicht refraktƤr waren. Patienten mit hoher BCL2 Expression wiesen ein hƶheres ORR auf (94%) als Patienten mit niedriger BCL2 Expression (59%). Die neuartige Kombination von Venetoclax mit Bortezomib und Dexamethason weist ein akzeptables Sicherheitsprofil und eine vielversprechende Wirksamkeit bei Patienten mit RRMM auf. Venetoclax scheint auch eine Hoffnung für Patienten mit Plasmazell-LeukƤmie und für solche mit AL-Amyloidose zu sein.
Venetoclax ist die erste zielgerichtete Therapie beim MM. Es eignet sich für die Kombination mit Proteasominhibitoren.

Quelle: Meet the Myeloma Experts, Zürich, 8.11.2018

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

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