Sigmund Freud: 16 Jahre Krebspatient

1923 wurde bei Sigmund Freud Krebs in der Mundhöhle festgestellt. In den nächsten 16 Jahren unterzog er sich 32 Operationen. 1939 starb er im Exil in London an einer Überdosis Morphium, die ihm sein Arzt verabreichte.

Das Portrait von Ferdinand Schmutzer zeigt Sigmund Freud im Jahr 1926. Bild: Archiv

1882, im ersten Jahr der Assistenzarzttätigkeit von Sigmund Freud, wurde beim damals 26-Jährigen Typhus diagnostiziert. 1884 litt er wochenlang an Ischias. Im April 1885 erkrankte er an Pocken, die allerdings keine Narben hinterliessen. Er litt unter Arrhythmie, Spannen und Brennen in der Herzgegend, an «heissem Laufen» im linken Arm sowie Atemnot. Die befragten Ärzte waren sich nicht einig. Diskutiert wurden eine Herzmuskelentzündung und Angina-Pectoris-Anfälle. Übereinstimmend rieten ihm die Ärzte, das Rauchen einzustellen. Freud war starker Raucher: zwanzig Zigarren am Tag waren die Regel. Er war, wie er es ausdrückte, nikotinsüchtig, und er betonte, ohne Rauchen könne er keine schöpferische Arbeit leisten.

Seine persönliche Krankengeschichte weist in jener Zeit neben körperlichen Erkrankungen auch psychische Störungen auf. Er diagnostizierte bei sich selbst eine Neurasthenie, starke Stimmungsschwankungen mit ausgeprägten depressiven Perioden. Er hatte Anfälle von Todesangst, litt mehrere Jahre unter anhaltender Reiseangst, speziell in Eisenbahnen.

1917 entdeckte der 61-jährige Freud eine schmerzhafte Schwellung am Gaumen, die aber bald wieder verschwand. Mitte Februar 1923 meinte er, eine «leukoplastische Geschwulst» an seinem Kiefer und Gaumen festgestellt zu haben. In den folgenden 16 Jahren unterzog sich Freud 32 Operationen. Der Onkologe Professor Thomas Cerny beschreibt im nachfolgenden Beitrag Freuds Krankengeschichte aus heutiger Sicht.

Zwei Monate nach dem «Anschluss» am 12. März 1938 floh Freud mit Frau Martha, Tochter Anna und Chow-Chow Liin, der Kinderärztin Josefine Stross und dem Hausmädchen Paula im Orient Express Richtung London. Am 6. Juni kamen sie in Victoria Station an. Freud zog in sein neues Haus in Hampstead ein, heute Freud-Museum.

Am 27. August 1939 machte Freud die letzte Eintragung in seine «Chronik». Sie endete mit dem Wort «Kriegspanik».

Freud starb um drei Uhr morgens am 23. September 1939 an einer Überdosis Morphin, die ihm sein Arzt auf seinen Wunsch hin verabreichte. Er ist mit Frau Martha und Tochter Anna auf dem Urnenfriedhof Golders Green im Nordwesten von London beigesetzt.

Jörg Weber

Quellen: Schur, Max: «Sigmund Freud. Leben und Sterben», Suhrkamp, Frankfurt a.M., 2006
Gay, Peter: «Freud – A Life for Our Time», W.W. Norton & Co., New York, 1987

Die heutige Sicht von Prof. Dr. med. Thomas Cerny

Eine onkologische Epikrise: Sigmund Freuds Krebserkrankung

Aus heutiger onkologischer Sicht, mehr als 100 Jahre nach der Diagnose von Leukoplakien der Mundschleimhaut und später eines konsekutiven enoralen Plattenepithelkarzinoms am Gaumen, ist die Krankengeschichte von Sigmund Freud immer noch Anlass von neuen medizinischen Publikationen. Seine geniale Persönlichkeit als beobachtender Forscher, als einfühlsamer Arzt und sich selbst immer wieder ergründender Patient (in einem Brief von 1897 schrieb er: «Der Hauptpatient, der mich beschäftigt, bin ich selbst.») und sein schriftstellerisches Talent zeigen in vielen Zeugnissen beispielhaft auf, wie die chronifizierte Krebserkrankung sein Leben zunehmend beherrschte und wie er in den verschiedenen sehr beschwerlichen Phasen der Krankheit mit meist bewundernswerter Ruhe reagierte bis zur ersehnten Erlösung mittels aktiver Sterbehilfe. In der palliativen Onkologie ist die Krankengeschichte von Freud eine ergiebige historische Quelle durch seine sehr präzisen persönlichen Zeugnisse wie sich ein solcher Krankheitsverlauf auf das Leben und die Lebensqualität, den Beruf und die Familie auswirkt und wie sie auch das Denken und die Sicht auf das Leben und die Gesellschaft prägt.

Eine Epikrise aus heutiger Sicht muss die Ursache der Krankheit zuallererst erwähnen: der massive, Jahrzehnte andauernde Zigarrenkonsum vom Arzt Sigmund Freud. Wegen seiner schon im jungen Alter vorbestehenden Herz- sowie Asthenie-Beschwerden, den Migräneattacken und chronischen Infekten (Sinusitiden) wurde ihm früh von seinen behandelnden Ärzten vom Rauchen abgeraten. Damals war die ausgeprägte Karzinogenität des Rauchens allerdings noch nicht allgemein bekannt. Es wurde vielmehr in Reklamen propagiert, dass das Rauchen für die Atemwege gesund sei, weil der Rauch eine desinfizierende Wirkung ausüben sollte. Freud hatte dieses Argument gelegentlich herangezogen, um seinen weiteren Zigarrenkonsum im langen und von dauernden Infekten begleiteten Krankheitsverlauf zu rechtfertigen. Erst in den 1940er Jahren wurden die ersten epidemiologischen Studien publiziert, welche die massive Zunahme der Lungenkrebs Inzidenz und Mortalität bei starken Rauchern dokumentierten. Beobachtungen und Diskussionen zur Schädlichkeit des Rauchens gab es aber schon wesentlich früher. Freud war sich bewusst, dass er abhängig vom Zigarrenrauchen war und den (Nikotin)-Stimulus für seine Arbeit suchte, bis ans Lebensende. Aus der Krankengeschichte von Freud geht hervor, dass aus den präkanzerösen Leukoplakien (1917) sich über die Jahre ein gut differenziertes Plattenepithelkarzinom (1923) am Gaumen entwickelte. Ob es sich um eine Untervariante eines sog. verrukösen Karzinoms auf Grund des sehr langen Krankheitsverlaufs handelt, kann nicht mehr geklärt werden. Klar ist jedoch, dass er den ersten Eingriff bei einem Arzt machen liess, welcher einen Kardinalfehler beging und in einem von massiven Blutungen begleiteten ambulanten Eingriff den Tumor nur teilweise entfernen konnte. Von da an war ein kuratives Resultat nicht mehr realistisch. Warum Freud, der zu den weltbekannten Koryphäen der damals weltweit führenden Wiener Medizin problemlos Zugang hatte, sich von einem niedergelassenen, für Krebsoperationen nicht bekannten Kollegen operieren liess, bleibt ein Rätsel. Nur eine primär radikale im gesunden Gewebe erfolgte in toto Resektion hätte damals eine kurative Chance gehabt. Dabei muss allerdings vermerkt werden, dass bei starken Rauchern multiple syn- oder metachrone Karzinome nicht ungewöhnlich sind, insbesondere wenn der intensive Tabakkonsum weithin anhält, wie dies bei Freud ja der Fall war. So sind Rezidive auch in seinem Fall nicht für alle >30 weiteren Eingriffe gesichert, da es sich zumindest vereinzelt auch um neue Karzinome gehandelt haben könnte. Bemerkenswert ist, dass Freud sich bei seiner Krebsdiagnose die Frage stellt, ob es besser ist die Diagnose zu wissen oder eben nicht. Er schwankte in diese Frage. Bereits 1923 äusserte er gegenüber seinem Freund, Schüler und Leibarzt Felix Deutsch, ihm im Ernstfall zu helfen, «mit Anstand von dieser Welt zu verschwinden». Er hat eine schwere Leidenszeit erahnt und es hat ihm vielleicht geholfen so lange durchzuhalten, weil er ein selbstbestimmtes Ende von Anfang an in Betracht zog.

Heute wäre ein solches verpfuschtes primäroperatives Vorgehen bei Verdacht auf Karzinom mit makroskopisch subtotaler Resektion klar fahrlässig und würde wohl haftrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Eine Biopsie des Gaumentumors müsste heute als allererstes erfolgen zusammen mit einem endoskopischen, bildgebenden und laborergänzten Staging zur Sicherung des Tumorstadiums. Dann würde in einer kurativen Situation nach interdisziplinärer Tumorboard Vorstellung das empfohlene weitere Prozedere dokumentiert. Das Ergebnis müsste mit dem Patienten/Familie eingehend erläutert werden mit allen Konsequenzen an Risiken und Chancen und allfälligen weiteren Optionen.

Wir kennen das initiale Stadium nicht sicher, und es war damals auch keine den heute etablierten Stadien-Einteilungen analoge Vorgehensweise vorhanden. Doch auf Grund der damaligen Beschreibung und auch des sehr protrahierten Verlaufs über 16 Jahre ist es wahrscheinlich, dass es sich um ein noch limitiertes Stadium eines gut differenzierten Plattenepithelkarzinoms mit kurativer Chance gehandelt haben dürfte.

Für die Therapie lokoregionärer Karzinome steht heute neben der radikalen OP auch die alleinige Strahlentherapie, oder die Kombination mit systemischer Therapie, als kurative Option zur Verfügung. In den frühen Tumorstadien T1–2, N0, M0 kann die OP oder Strahlentherapie als alleinige Modalität zur Anwendung kommen. Hier müssen die Vor- und Nachteile der jeweiligen Therapieverfahren in der individuellen Situation berücksichtigt werden. Cobalt Bestrahlungen kommen bei uns heute nicht mehr zur Anwendung. Die dreidimensionale konformale Planung der Bestrahlungsfelder ist heute Voraussetzung einer kurativ intendierten Strahlentherapie. Durch die Anwendung der Intensitätsmodulierten Strahlentherapie (IMRT) oder die „imaging guided“ Strahlentherapie (IGRT) wird die Morbidität der Bestrahlung weiter reduziert. Für das primär chirurgische Vorgehen kommen heute Verfahren mit klassischen Kryoinstrumenten, mit Laserchirurgie und der transorale robotische Chirurgie zum Einsatz. Abhängig vom zu erwartenden Gewebsdefekt und funktionellen Störungen erfolgt eine rekonstruktive Chirurgie mit regionalen Lappenplastiken oder freier Lappenplastik. Standard der chirurgischen Behandlung der Halsweichteile ist heute die Neck Dissektion in entsprechenden Risikosituationen. Die Ausdehnung und Radikalität der kurativ intendierten Operation richtet sich nach der Histologie und dem T- und N-Stadium. Eine Salvage-Chirurgie kann bei Tumorprogression unter/nach primärer Radio(Chemo)therapie oder bei resektablen Rezidiv Tumoren in speziellen Situationen indiziert sein.

In den nun folgenden 16 Jahren folgten für den mit andauernden Komplikationen kämpfenden Sigmund Freud weitere 32 palliative Eingriffe, teils operativ teils mittels Cobalt-Bestrahlungen. Auch Gaumenprothesen wurden immer wieder neu angepasst und bereiteten ihm immer wieder grosse Probleme für das Sprechen und die immer schwierigere Ernährungssituation. Sie waren auch Ursache von Infektionen, Blutungen und weiteren Beschwerden wie Schmerzen und Dislokationen.

Damals standen noch keine onkologischen Systemtherapien zur Verfügung. Heute würde wohl auch die palliative Chemo und je nach Expressionsmuster des Karzinoms auch die Immuntherapie zur Palliation zumindest erwogen werden. Doch darf festgehalten werden, dass es sich vorwiegend um einen langsamen loko regionären Verlauf gehandelt haben muss, denn in einem bereits überregionär fortgeschrittenen Stadium wäre die Lebenserwartung wohl nur sehr kurz gewesen, median 1 bis maximal 2 Jahre. Gegen Ende des langen Verlaufs trotz aller Eingriffe durchbrach der Tumor immer mehr die Wange, es bildete sich ein Loch und der Tumor drohte in die Augenhöhle einzuwachsen. Qualvolle Schmerzen, eine zunehmende Kachexie, Atembeschwerden, Asthenie und Depressionen begleiteten diesen aussergewöhnlich langen Verlauf. Wegen nicht mehr beherrschbaren Infektionen mit Fäulnisbakterien war der Verlauf durch einen unausstehlichen Gestank begleitet, der sogar seinen Hund von seinem Krankenbett fernhielt.

Schliesslich wurde Sigmund Freud auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin durch aktive Sterbehilfe erlöst. Er wurde mit 2 Morphininjektionen durch seinen befreundeten Arzt Max Schur von diesen unerträglichen Qualen am 23. September 1939 in London von seinem langen Krebsleiden befreit. Am 1. September hat ­Hitler mit dem Überfall Polens den Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Das ganze Grauen des Krieges zumindest ist ihm als exiliertem Juden erspart geblieben.

Prof. em. Dr. med.Thomas Cerny

Rosengartenstrasse 1d
9000 St. Gallen

thomas.cerny@kssg.ch

Bei Patienten mit gastroösophagealer Refluxkrankheit

Nächtlicher Säuredurchbruch und ösophageale Übersäuerung während der Behandlung mit Dexlansoprazol im Vergleich zu Omeprazol

Der nächtliche Säuredurchbruch kann je nach Dauer der Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren (PPI) und einer Infektion mit Helicobacter pylori (H. pylori) unterschiedlich sein; der nächtliche Säuredurchbruch kann die Übersäuerung der Speiseröhre und Schleimhautschäden beeinflussen. Dexlansoprazol, ein langwirksamer PPI, wurde nicht mit Omeprazol in Bezug auf nächtlichen Säuredurchbruch, Magensäuresuppression und Übersäuerung der Speiseröhre im Zusammenhang mit einer H. pylori-Infektion verglichen.

Methoden

In einer prospektiven, offenen, vergleichenden Beobachtungsstudie wurden Patienten mit gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD) während der Behandlung mit Dexlansoprazol (60 mg, n = 39) und Omeprazol (20 mg, n = 41) mit Hilfe der 24-Stunden-Zweikanal-pH-Impedanz-Überwachung untersucht, um den Grad der Magensäuresuppression, die ösophageale Säureexposition und den nächtlichen Säuredurchbruch (primäre Ergebnisgrössen) zu untersuchen. H. pylori wurde mittels Urease-Schnelltest und Histologie nachgewiesen.

Resultate

Der nächtliche Säuredurchbruch war unter Omeprazol tendenziell häufiger als unter Dexlansoprazol (33/41 [80,5%] vs. 23/39 [59%]; p = 0,06). Obwohl der mittlere nächtliche Ösophagus-pH-Wert in der Dexlansoprazol- und der Omeprazol-Gruppe vergleichbar war, dauerte er in der Dexlansoprazol-Gruppe kürzer als in der Omeprazol-Gruppe (181,5 [15,2-334,2] vs. 283 [158-366] min, p = 0,03). Der nächtliche Säuredurchbruch war in der mit H. pylori infizierten Gruppe genauso häufig wie in der nicht infizierten Gruppe (11/19 [57,9 %] vs. 45/61 [73,8 %]; p = 0,1). Der nächtliche Magen- und Ösophagus-pH-Wert war in der H. pylori-infizierten Gruppe höher als in der nicht infizierten Gruppe (4,6 ± 1,7 vs. 4 ± 1,6, p = 0,157; 6,1 ± 0,6 vs. 5,8 ± 0,6, p = 0,128). Dexlansoprazol erhöhte den mittleren 24-Stunden- und nächtlichen Magen-pH-Wert bei H. pylori-Infizierten tendenziell stärker als Omeprazol (5,9 ± 1,1 vs. 4,2 ± 1,7, p = 0,023; 5,7 ± 1,2 vs. 3,8 ± 1,5, p = 0,006).

Schlussfolgerung

Dexlansoprazol ist bei der Unterdrückung der Magensäuresekretion wirksamer als Omeprazol, was zu einer geringeren ösophagealen Säureexposition und nächtlichem Säuredurchbruch führt, insbesondere in Gegenwart von H. pylori.

red.

Quelle: Uday C Ghoshal et al. Nocturnal acid breakthrough and esophageal acidification during treatment with dexlansoprazole as compared to omeprazole in patients with gastroesophageal reflux disease. Indian J Gastroenterol 2022 ;41 : 405-414. Doi : 10.1007/s12664-022-01270-3. Epub 2022 Jun 30.

Zum südlichsten Punkt der Schweiz

Die Collina del Penz birgt ein wunderbares Waldreservat und Weinberge, wie sie im Industriegebiet des Mendrisiotto und rund um Chiasso wohl kaum erwartet werden. Eine kleine Oase der Stille, umbrandet vom hektischen Alltag des Grenzgebietes zwischen der Schweiz und Italien, das zu einer kleinen erholsamen Wanderung bei jedem Wetter einlädt.

Wir starten bei der Kirche von Seseglio, wo auch ein Parkplatz zur Verfügung steht, und folgen vorerst der Strasse nach Pedrinate bis zur Haarnadelkurve mit der Höhenquote 357 Meter. Dort zweigt gegen Norden ein Waldweg ab, dessen einer Ast in östlicher Richtung durch den Bosco Penz zur Kirche S. Stefano hinaufführt (Abb. 1). Dort geniesst man einen herrlichen Ausblick über das Mendrisiotto bis hin zum Poncione d’Arzo, dem Monte S. Giorgio und über Chiasso hinaus in die Valle di Muggio (Abb. 2).

Für den Weiterweg gegen Osten wählen wir den Waldweg, der auf der Nordseite des Hügelkamms verläuft und durch Rebberge zur Hauptstrasse von Pedrinate nach Chiasso hinunterführt. Auf dieser ersten Strecke unserer Rundwanderung fallen die gegen Süden abtauchenden mesozoischen Nagelfluhbänke auf, die jüngeren weichen Flyschschichten und Ton aus dem Pliozän aufliegen. Sie erinnern an die mächtig aufragenden Nagelfluhbänke auf der Nordseite der Alpen, z. B. im Bereich des Rigigebietes. Allerdings laufen sie hier im Mendrisiotto gegen die südlichen Voralpen auf, während die Molasse auf der Nordseite durch die alpine Gebirgsbildung vor sich hergeschoben und aufgeworfen wurde. Die sandige Nagelfluh mit ihren rundgeschliffenen, zumeist kristallinen Einschlüssen wird uns auf der gesamten Wanderung begleiten.

Wir überqueren die Hauptstrasse und folgen weiter gegen Osten der Quartierstrasse bis zum Wald. Hier führt zwischen den zwei dem Waldrand folgenden Strässchen ein Pfad hangaufwärts in den Wald hinein. Über ihn erreichen wir die Zufahrt zum Rebberg in der Lichtung von Laghetto. Sobald wir den Grenzzaun erreichen, wenden wir uns gegen Westen und folgen der Landesgrenze bis zum Grenzstein 74 oberhalb einer kleinen Senke der Colma. Ein schmaler Weg auf der Hügelkrete führt uns gegen Westen zu einem Waldlehrpfad und einem Rastplatz mit Informationstafeln über Wald und Pilze. Gegen Südosten erreichen wir das Tälchen zwischen den Hügeln Colma und Moreggi. Letzteren umgehen wir gegen Süden bis zum südlichsten Grenzpunkt der Schweiz, wo wir auch wieder auf den hier mssiven Grenzzaun stossen, der im 2. Weltkrieg durch die Italiener errichtet wurde, im Versuch den Waren- und Menschenschmuggel zu unterbinden.

Wir folgen der Grenze bis zu den neu angelegten Rebbergen oberhalb von Ca Nova und weiter dem nördlichen Waldrand bis zu einem Weg, der von einem Ökonomiegebäude herkommend in den Wald hineinführt (Abb. 3). Nach wenigen Metern zweigt im Wald ein an Bollensteinen reicher Pfad talwärts ab, über den wir zur Strasse absteigen, die von Ca Nova herkommt. Dieser folgen wir auf kurzer Strecke bis zur ersten Abzweigung, wo wir wieder talwärts die ehemalige Osteria Helvezia erreichen. Hier stossen wir auf das ehemalige Fahrsträsschen, das von Campora zu den Reben von Roncaccio und Rompetti hinaufführte. Dieses leitet uns nach Sesseglio zurück. Stellenweise sind noch der gepflästerte Belag und die Randbefestigungen erhalten, die beide aus Bollensteinen gefertigt wurden (Abb. 4). Diese kleine Rundwanderung ist nicht nur äusserst abwechslungsreich, sondern liefert auf zahlreichen Informationstafeln viel Wissenswertes über den Bosco Penz und vor allem auch über den Rebbau im Mendrisiotto.

Prof. Dr. med. dent. Christian E. Besimo

Riedstrasse 9
6430 Schwyz

christian.besimo@bluewin.ch

Sarkom-Betreuung in der Schweiz und der Region Auvergne-Rhône-Alpes

Sarkome sind sehr seltene, bösartige Tumoren des Stütz- oder Bindegewebes. In der Schweiz werden jährlich ca. 300 Weichteilsarkome und 100 Knochensarkome diagnostiziert. Obwohl das Wissen über Sarkome in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat, ist die Prognose für die Betroffenen nach wie vor schlecht. Entscheidend für die Heilungssausichten sind die Vorstellung an einem interdisziplinären Sarkomboard und die Operation in einem Referenzzentrum. Um die Versorgungsqualität zu verbessern, ist eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen medizinischen Onkologen mit Sarkom-Schwerpunkt anzustreben. In diesem Artikel soll ein Blick auf die Betreuungssituation in der Schweiz, sowie in der französischen Region Auvergne-Rhône-Alpes geworfen werden.

Sarcomas are very rare, malignant tumors of the supporting or connective tissue. In Switzerland, approximately 300 soft tissue sarcomas and 100 bone sarcomas are diagnosed annually. Although knowledge about sarcomas has increased significantly in recent years, the prognosis for those affected is still poor. Presentation to an interdisciplinary sarcoma board and surgery at a referral center are crucial for cure prospects. To improve the quality of care, constructive collaboration among medical oncologists with a sarcoma focus is desirable. This article will take a look at the care situation in Switzerland, as well as in the French region Auvergne-Rhône-Alpes.
Key Words: sarcomas, sarcoma board, tumors, whoops lesions

Sarkome sind sehr seltene Tumoren des Stützgewebes und des Bewegungsapparats. In Europa beträgt die Sarkom Inzidenz 4-9/100’000/Jahr (1). Somit werden in der Schweiz mit derzeit 8.7 Millionen Einwohnern jährlich ca. 300 Weichteilsarkome und 100 Knochensarkome diagnostiziert (2). Zur Seltenheit von ­Sarkomen kommt hinzu, dass in der 2020 publizierten WHO-Klassifikation ca. 150 Sarkom Subtypen Erwähnung finden, viele sind also ultrarare Tumoren gemäss Definition der WHO (3, 4). Es ist für alle Beteiligten im Gesundheitswesen eine Seltenheit, Patienten mit einem Sarkom zu begegnen. Die Prognose von Sarkomen ist schlecht: die 5-Jahres Mortalität liegt bei 35-40% (5, 6, 7). Tumoren mit lokal aggressivem Verhalten können ausserdem zu einer relevanten Beeinträchtigung der Lebensqualität führen.

Zwar haben die diagnostische Sicherheit und das Wissen über die Molekularbiologie der Sarkome in den letzten Jahren deutlich zugenommen (8), diese übersetzen sich jedoch noch nicht in bessere Heilungsraten und damit eine wesentliche Verbesserung der Prognose.

Seit langem ist klar und auch mittlerweile wissenschaftlich gut belegt, dass die ersten Schritte bei der Diagnosestellung und Behandlung – Vorstellung an einem interdisziplinären Sarkomboard und Operation in einem Referenzzentrum – entscheidend sind für:

  • Heilungsaussichten,
  • Funktionelles Ergebnis,
  • Verhinderung wiederholter Eingriffe (welche Patienten und Gesundheitswesen belasten),
  • Vermeidung von Komplikationen (9, 10).

Trotz dieses Wissens gelingt es nicht, die Rate ungeplanter Sarkom Resektionen (sogenannte Whoops Prozeduren) relevant zu reduzieren. Diese liegt seit Jahren international bei ca. 20 – 40% (11).

Sarkomboard

Schon beim Verdacht auf ein Sarkom, sollten Patienten an ein Zentrum mit einem speziellen Sarkomboard überwiesen werden. Diese Überweisung muss also vor einer Biopsie und vor einer Operation initiiert werden. Hierbei sind Grundversorger, niedergelassene Chirurgen und Orthopäden, jedoch auch Organspezialisten gefordert, denn Sarkome können überall im Körper auftreten.

Ein Sarkom sollte in Betracht gezogen werden bei:

  • Tumoren ≥3cm (12)
  • raschem Wachstum
  • Schmerzen

Eine wichtige Aufgabe des Sarkomboards ist die primäre Einschätzung eines pathologischen Weichteil- oder Knochenbefunds. Mit Hilfe der Anamnese und des Bildmaterials wird die Entscheidung zur Biopsie mit Festlegung des Biopsiewegs getroffen, alternativ zur primären Resektion oder auch Beobachtung. Nur ein Teil der besprochenen Patientenfälle erweist sich schlussendlich als Sarkom, daneben werden Lipome, Schwannome, Knochenzysten, Karzinom Metastasen, Lymphome etc. diagnostiziert.

Betreuungssituation in der Schweiz

Die Patientenorganisation Sarkom Schweiz weist auf ihrer Internetseite 11 Standorte für die Sarkom Behandlung in der Schweiz aus (13). Es gibt einen Zusammenschluss von Orthopäden, welche einen Schwerpunk bei der Behandlung und Erforschung von Sarkomen haben (14). Und es gibt das «Swiss Sarcoma Network», welches jedoch entgegen dem Namen nicht die gesamte Schweiz umfasst (15).
Die Betreuungslandschaft von Sarkomen in der Schweiz ist unübersichtlich und teilweise von Konkurrenz geprägt.

Bislang gibt es keine Regulierung bezüglich der Behandlung erwachsener Sarkom Patienten. Es wird jedoch die Aufnahme von Sarkom Operationen in die Liste der Hochspezialisierten Medizin erwartet, welche Leistungsaufträge für komplexe stationäre Interventionen erteilt (16). Damit kann ggf. sichergestellt werden, dass zukünftig nur noch erfahrene Chirurgen und Orthopäden Sarkome operieren und eine qualitätssichernde jährliche Fallzahl erreichen. Dem Umstand, dass die kritische Betreuungsphase von Sarkom Patienten bereits vor der Diagnosestellung beginnt, wird hiermit jedoch nicht Rechnung getragen.

Betreuungssituation in Auvergne-Rhône-Alpes

Es lohnt ein Blick über die Landesgrenze nach Frankreich. Dort wurde 2010 ein klinisches Referenznetzwerk für Sarkome gebildet (NetSarc), dieses umfasst 28 Referenzzentren für Weichteilsarkome und 14 für Knochensarkome (17). NetSarc ist um die Vereinheitlichung der Sarkom-Therapie bemüht, reguliert den Versand von Tumorgewebe an Referenz-Pathologie-Institute, führt ein Register, koordiniert Projekte und erleichtert die Teilnahme an klinischen Studien. Eines der NetSarc-Referenzzentren ist das Centre Léon Bérard in Lyon (18). Lyon mit 523’000 Einwohnern ist die Hauptstadt der Region Auvergne-Rhône-Alpes, in der etwas mehr als 8 Millionen Menschen leben (19). Das Sarkomboard des Centre Léon Bérard hat 2021 427 neue und insgesamt 2’683 Patienten diskutiert. Die Bewältigung dieser Fallzahlen ist durch Spezialisierung und Fokussierung möglich: mehrere Radiologen, Pathologen, medizinische Onkologen, Chirurgen, Orthopäden, Radioonkologen, spezialisierte Pflegefachpersonen und Forschungsteams widmen sich ganz der Sarkom Diagnostik und Behandlung. Es bedarf jedoch zudem der regionalen und überregionalen Zusammenarbeit, der Mitwirkung von Zuweisern und lokalen Fachpersonen des Gesundheits­wesens.

Dr. Fadila Farsi, Direktorin des regionalen Krebsnetzwerks Auvergne-Rhône-Alpes ONCO AURA (20), nennt 6 Leitmotive:

  • Kultur
  • Überzeugung
  • Vertrauen
  • Transparenz
  • Expertise
  • Hingabe

Über Jahre ist eine Kooperation entstanden, welche die Versorgungsqualität in der Region verbessert hat und exemplarisch ist für andere französische Referenzzentren.

Sarcoma Medical Oncology Exchange

Auch in der Schweiz gelingt eine konstruktive und kollegiale Zusammenarbeit innerhalb einer Gruppe medizinischer Onkologen mit Sarkom Schwerpunkt aus allen Landesteilen (Abb. 1, Tab. 1): jede Woche findet eine Online-Konferenz statt, in deren Rahmen Patientenfälle diskutiert, klinische Studien in den einzelnen Zentren ausgetauscht und gemeinsame Projekte besprochen werden. Dieser «Sarcoma Medical Oncology Exchange» ist ein offenes Format und lädt ein, Patienten vorzustellen oder über diese Plattform einem Sarkomzentrum zuzuweisen. Die involvierten medizinischen Onkologen sind auch bei der SAKK Sarcoma Working Group aktiv und bemüht, die klinische Studienaktivität auszubauen (21).

Perspektive

Eine unserer Ambitionen ist es, zukünftig Whoops-Prozeduren in der Schweiz durch Vigilanz von Grundversorgern, Chirurgen, Orthopäden und Organspezialisten zu vermeiden, und andrerseits die Leitmotive in der Zusammenarbeit unter Sarkom-Experten erkennbar werden zu lassen: Kultur, Überzeugung, Vertrauen, Transparenz, Expertise und Hingabe.

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PD Dr. med. Christian Rothermundt

Leitender Arzt / Leitung Ambulatorium St. Gallen & Rorschach
Kantonsspital St. Gallen
Klinik für Med. Onkologie/Hämatologie
Rorschacher Strasse 95
9007 St. Gallen

Der Autor hat keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

1. de Pinieux G, Karanian M, Le Loarer F, et al. Nationwide incidence of sarcomas and connective tissue tumors of intermediate malignancy over four years using an expert pathology review network. PLoS One 2021;16(2):e0246958.
2. 1177-2100-de.pdf [Internet]. [cited 2022 Nov 10];Available from: https://www.nkrs.ch/assets/files/publications/Krebsbericht2021/1177-2100-de.pdf
3. CDM F, JA B, PCW H, F M. WHO Classification of Tumours of Soft Tissue and Bone [Internet]. [cited 2022 Sep 22]. Available from: https://publications.iarc.fr/Book-And-Report-Series/Who-Classification-Of-Tumours/WHO-Classification-
Of-Tumours-Of-Soft-Tissue-And-Bone-2013
4. Stacchiotti S, Frezza AM, Blay J-Y, et al. Ultra-rare sarcomas: A consensus paper from the Connective Tissue Oncology Society community of experts on the incidence threshold and the list of entities. Cancer 2021;127(16):2934–42.
5. Cancer of soft tissue including heart – Cancer Stat Facts [Internet]. SEER. [cited 2022 Nov 10];Available from: https://seer.cancer.gov/statfacts/html/soft.html
6. Kollár A, Rothermundt C, Klenke F, et al. Incidence, mortality, and survival trends of soft tissue and bone sarcoma in Switzerland between 1996 and 2015. Cancer Epidemiol 2019;63:101596.
7. Cancer of the Bones and Joints – Cancer Stat Facts [Internet]. SEER. [cited 2022 Nov 10];Available from: https://seer.cancer.gov/statfacts/html/bones.html
8. Vibert J, Watson S. The Molecular Biology of Soft Tissue Sarcomas: Current Knowledge and Future Perspectives. Cancers (Basel) 2022;14(10):2548.
9. Blay J-Y, Soibinet P, Penel N, et al. Improved survival using specialized multidisciplinary board in sarcoma patients. Ann Oncol 2017;28(11):2852–9.
10. Blay J-Y, Honoré C, Stoeckle E, et al. Surgery in reference centers improves survival of sarcoma patients: a nationwide study. Ann Oncol 2019;30(8):1407.
11. Traub F, Griffin AM, Wunder JS, Ferguson PC. Influence of unplanned excisions on the outcomes of patients with stage III extremity soft-tissue sarcoma. Cancer 2018;124(19):3868–75.
12. Kogosov V. Leitlinie Weichgewebesarkome. 2022;255.
13. Sarkom-Schweiz – Home [Internet]. [cited 2022 Nov 10];Available from:
https://www.sarkom-schweiz.ch/index.php/de/
14. UNIVERSITY SARCOMA NETWORK [Internet]. [cited 2022 Nov 10];Available from: https://www.university-sarcoma.ch/
15. SWISS SARCOMA NETWORK: Swiss Sarcoma Network [Internet]. [cited 2022 Nov 10];Available from: https://www.swiss-sarcoma.net/
16. Hochspezialisierte Medizin [Internet]. [cited 2022 Nov 10];Available from: https://www.gdk-cds.ch/de/hochspezialisierte-medizin
17. NetSarc-ResOs – Réseaux de référence Clinique [Internet]. [cited 2022 Sep 6];Available from: https://netsarc.sarcomabcb.org/
18. Centre Léon Bérard | Centre de lutte contre le cancer, hôpital cancer Lyon
[Internet]. [cited 2022 Nov 14];Available from: https://www.centreleonberard.fr/
19. Dossier complet − Région d’Auvergne-Rhône-Alpes (84) | Insee [Internet]. [cited 2022 Nov 14];Available from: https://www.insee.fr/fr/statistiques/2011101?geo=REG-84
20. Accueil [Internet]. ONCO AURA. [cited 2022 Nov 14];Available from:
https://onco-aura.fr/
21. https://www.sakk.ch/de/krebsarten/sarkome-0

Zeit der knappen Ressourcen, was bedeutet das für die Onkologie

Lehmann Pleite, Corona Pandemie und Krieg in Europa. Verschuldete Staaten, unterbrochene Lieferketten, nicht mehr verfügbares Personal. Die Auswirkungen spüren wir in den onkologischen Zentren unmittelbar. Nicht nur dass in vielen Spitälern Abteilungen geschlossen werden müssen wegen Pflegenotstand, auch bei der Rekrutierung neuer Ärzte gibt es auch bei uns Spezialisten mittlerweile Engpässe. Natürlich sind wir nicht die einzigen, welche über Personalmangel klagen. Aber es kommen nun erschwerend weitere Faktoren dazu.

In Zeiten von just in time und lean Lagerhaltung kommt es immer mehr zu Lieferengpässen. Dies meist nicht bei der sehr neuen, hochpreisigen Medikamentengruppe, sondern meist bei Medikamenten die nicht mehr patentgeschützt sind. Die «Geiz ist geil» Debatte hat nun die Entscheider im Gesundheitswesen ergriffen. Nur noch das günstigste Generikum soll in Zukunft vergütet werden. Versorgungssicherheit ist ein Luxus, den man sich nicht mehr leisten will. Das Gedächtnis im BAG und bei den Politikern scheint sehr kurz zu sein und das Maskendebakel bereits vergessen. Über 700 Lieferengpässe bestehen am 4.11.2022 gemäss Enea Martinelli. Einer davon, nämlich die Verfügbarkeit von liposomalen Doxorubicin beschäftigte meine Apothekerinnen und mich letzte Woche über Stunden. Über England ist das Medikament verfügbar, allerdings zum fast dreifachen Preis, welcher nach SL vergütet wird.

Eine übermässige Ökonomisierung im Gesundheitswesen hat ihren Preis, den bezahlen in allererster Linie die Kranken in unserer Gesellschaft. Hier muss ein neues Gleichgewicht gefunden werden, denn Geiz ist eben nicht geil.

Prof. Dr. med. Roger von Moos
roger.vonmoos@ksgr.ch

Prof. Dr. med. Roger von Moos

Direktor Tumor- und Forschungszentrum
Kantonsspital Graubünden
7000 Chur

tumorzentrum@ksgr.ch

Status der regionalen Hyperthermie in der Schweiz

Die moderate regionale Hyperthermie wird in der Schweiz als Radiosensitizer in Kombination mit der Radiotherapie angewandt. Mit dem technologischen Fortschritt, zunehmender klinischer Evidenz sowie der erhöhten Nachfrage für Therapieoptionen bei Rezidiv­situationen rückt sie erneut in den Fokus. In der Schweiz besteht seit 2017 eine Kostenübernahmepflicht für spezifische Indikationen. Die standardisierte, qualitativ hochstehende Anwendung der Hyperthermie wird durch das Schweizer Hyper­thermie Netzwerk und das entsprechende, wöchentliche Hyperthermie-Tumorboard sichergestellt. Die erhöhte Nachfrage führte zu einer breiteren Verfügbarkeit der Hyperthermie in der Schweiz.

Moderate regional hyperthermia is concurrently applied with radiotherapy and thereby acts as a radiosensitizer. Due to advances in technology, increasing preclinical and clinical evidence and the increasing need for additional treatment options for cancer recurrences, hyperthermia is attracting interest in the oncologic society. Since 2017 granted reimbursement for several indications exists. Standardized and high-quality application of hyperthermia is ensured by the Swiss Hyperthermia Network and the corresponding weekly hyperthermia tumorboard. The increased demand for this treatment modality led to a broader availability of hyperthermia in Switzerland.
Key Words: Moderate, regionale hyperthermia, Radiosensitizer, Radiotherapy, Swiss Hyperthermia Network

Die Applikation von Wärme im Bereich der Onkologie, zusammengefasst unter dem Begriff «thermal medicine», hält verstärkt Einzug in die onkologischen Therapiekombinationen. Mögliche Gründe sind die neuen technologischen Errungenschaften mit der Möglichkeit zur präziseren Anwendung und eine erhöhte Nachfrage für Therapieoptionen bei Rezidivsituationen. Dies spiegelt sich einerseits in einer vermehrten Anzahl an registrierten klinischen Studien wider. Beispielsweise haben wir 2015 im Studienregister «ClinicalTrials.gov» 23 registrierte Studien zur Evaluation der Hyperthermie (HT) analysiert (1), wobei das 5-Jahres-Update eine Verdoppelung mit 44 registrierten Studien (+95.6%) zeigt (2). Andererseits führte das steigende Interesse in der Schweiz zur Bildung des Schweizer Hyperthermie Netzwerks (SHN) (3) mit wachsender Anzahl an HT anbietenden Spitälern (4) (Abb. 1).

Bei der HT wird eine moderate Temperaturerhöhung von 39-43°C erzeugt und in enger zeitlicher Beziehung mit einer Radiotherapie (RT) oder Chemotherapie (ChT) angewendet. Sie wirkt nicht primär direkt zytotoxisch auf die Krebszellen, sondern sensibilisiert sie für die Angriffspunkte der RT- oder ChT (Radio-Sensitizer und Chemo-Sensitizer).

Die HT führt zu einer verbesserten Perfusion des Tumors mit besserer Oxygenierung des Gewebes und Reduktion der intrazellulären Azidose. Durch den Sauerstoffeffekt kann die in engem Zeitintervall mit der HT applizierte RT mehr DNA-Doppelstrangbrüche induzieren. Durch die temperaturabhängige Hemmung der DNA-Reparaturmechanismen (z.B. homologe Rekombination und nicht-homologe Rekombination) werden diese weniger effizient repariert. Diese stellen die Hauptmechanismen der HT-induzierten Radiosensibilisierung dar (5).

Wärme kann mit intrakavitärer, hyperthermer, lokaler ChT wie z.B. HIPEC oder von extern mittels radiativer, regionaler HT appliziert werden (6, 7). Die Überlegenheit der kombinierten RT+HT im Vergleich zur alleinigen RT wurde in randomisierten Phase-III-Studien insbesondere bei lokal fortgeschrittenen HNO-Tumoren, lokal fortgeschrittenen Zervixkarzinomen und Mammakarzinom-/Thoraxwandrezidiven gezeigt (8-10). Es änderte sich hingegen zeitgleich der Behandlungsstandard von alleiniger Radiotherapie zur kombinierten Radio-Chemotherapie, womit die Aussagekraft dieser Studien eingeschränkt wurde. Der konkomitierenden Chemotherapie mit ihrer wesentlich einfacheren Applikation und breiteren Verfügbarkeit wurde im klinischen Alltag trotz der höheren Toxizität den Vorzug gegeben. Im vorliegenden Artikel befassen wir uns ausschliesslich mit der regionalen HT, deren Geschichte und den häufigsten Indikationen hierzu in der Schweiz.

Geschichte und Entwicklung der regionalen Hyperthermie in der Schweiz

Die Radio-Onkologie des Kantonsspital Aarau gilt als Pionier der HT in der Schweiz. 1981 wurde das erste Oberflächenhyper­thermie-Gerät (OHT) in Betrieb genommen, worauf 1988 ein Tiefen­hyperthermie-Gerät (THT) und kurz darauf die erste HT-Publikation in der Schweiz folgte (11). Von 2004 an wurden die HT-Aktivitäten am Kantonsspital Aarau unterbrochen und die OHT ab 2005 an der Radio-Onkologie La Chaux-de-Fonds angeboten. Ab 2006 respektive ab 2010 wurde die OHT und THT am Kantonsspital Aarau wieder mit neuen Gerätschaften relanciert. Seit 2016 wird die OHT an der Radio-Onkologie Lindenhofspital Bern anstelle der Radio-Onkologie La Chaux-de-Fonds angeboten.

Für die HT in Kombination mit RT (RT+HT) musste vor jeder HT ein individuelles Kostenübernahmegesuch bei der Krankenkasse erfolgen. 2015 wurden Metaanalysen für die Indikationen Mammakarzinom (9), HNO Tumore (10) und das lokal fortgeschrittene Zervixkarzinom (12) erstellt, wobei sich ein signifikant besserer lokaler Effekt der Kombination HT+RT gegenüber der RT alleine, beim Zervixkarzinom zusätzlich ein Benefit im Gesamtüberleben zeigte.

Zur Vereinfachung der HT-Zuweisungen und Koordination von Forschungstätigkeiten wurde 2017 das Schweizer Hyperthermie Netzwerk (SHN) gegründet und die HT national organisiert. Dazu gehörte ein wöchentliches, virtuelles HT-Tumorboard. Zusätzlich kam es im selben Jahr zur Aufnahme von 4 OHT und 5 THT-Indikationen in den Pflichtleistungs-Katalog (OKP)(3). Bis zu diesem Zeitpunkt erfolgte noch keine erwähnenswerte Kooperation zwischen nationalen und internationalen HT-Gesellschaften. Dies änderte sich, als im November 2019 ein erstes Treffen des SHN, der Deutschen Hyperthermie-Gesellschaft sowie der European Society of Hyperthermia in Oncology (ESHO) zur Planung von gemeinsamen Studien und Förderprogrammen erfolgte. Ein Durchbruch gelang 2020, als das von den Niederlanden aus initiierte, internationale «HYPERBOOST» Projekt zur Förderung der Evidenzschaffung in der HT mit einem European Horizon 2020 Grant von 3.7 Mio Euro mit 14 PhD-Kandidaten ausgestattet wurde (13). Dieses Projekt erforscht die biologischen Aspekte der HT, entwickelt und validiert Therapieplanungs-Modelle und führt klinische Studien durch. Ab 2019 wurden die vier OHT-Indikationen definitiv in den Pflichtleistungskatalog aufgenommen, worauf dann 2021 auch zwei THT-Indikationen folgten. Zeitgleich wurden hingegen drei THT-Indikationen, namentlich Rektumkarzinom, Blasenkarzinom und Pankreaskarzinom, nicht mehr als Pflichtleistungen verlängert, da für diese Indikationen noch keine Level 1B Evidenz vorlag. Die Kostenübernahme der THT in Kombination mit RT muss für diese Indikationen erneut wieder per Kostengutsprachegesuch beantragt werden. Mittlerweile wurden aber insbesondere für die Behandlung des fortgeschrittenen Rektumkarzinoms zwei Phase-II-Studien publiziert (14, 15); eine nachfolgende internationale Phase-III-Studie ist in Planung. Die Nachfrage nach der regionalen HT in der Schweiz stieg, was sich in den aktuell vorhandenen 10 HT-Standorten in der Deutschschweiz, der Romandie und im Tessin zeigt. Die THT wird an 6 dieser Standorten angeboten (Abb. 2).

Eine Patterns-of-care Analyse der in der Zeitspanne von 2017 bis Mitte 2021 zur Evaluation einer RT+THT am Schweizer Hyperthermie Tumorboard vorgestellten und dann mit RT+THT behandelten Patienten zeigte über die Jahre eine leichte kontinuierliche Steigerung der Fallzahlen. Ca. 2/3 der Patienten wurden von externen Spitälern zur THT zugewiesen, wobei die häufigsten Indikationen Lokalrezidive mit Kompressionssymptomatik (20%), Rektum- (14.7%) und Blasenkarzinome (13.7%) waren.

Ca. 50% der Patienten wurden in kurativer Intention, 42% im Rahmen einer Re-Bestrahlung und 30% innerhalb oder analog eines laufenden Studienprotokolls behandelt (4).

Indikationen für eine kombinierte RT+HT

Die Effektivität der Kombination aus RT+HT wurde in einer Tumorentitäten-übergreifenden Metaanalyse von 3400 Patienten in 38 randomisierten und nicht-randomisierten 2-Arm Studien gezeigt. Die Kombination RT+HT führte dabei zu einer signifikanten Verbesserung der kompletten Ansprechrate um 15% (54.9% vs. 39.8% mit alleiniger RT; p < 0.001) ohne zusätzliche Grad 3-4 Nebenwirkungen (16).

Die kombinierte RT+HT ist somit insbesondere bei fortgeschrittenen Tumorsituationen, bei denen eine alleinige Radiotherapie wenig erfolgsversprechend ist, sinnvoll. Dies kann einerseits bei intrinsisch strahlenresistenten Tumoren wie z.B. Weichteilsarkomen sein oder in Situationen bei denen die benötigte RT-Dosis wegen angrenzenden gesunden Gewebe nicht appliziert werden kann; z.B. bei Re-Bestrahlungen oder wenn eine definitive RT mit dem Ziel des Organerhalts (z.B. tiefsitzendes Rektumkarzinom) notwendig ist.
Bei der Re-RT fördert die HT die Durchblutung des radiogen vorbelasteten und fibrosierten Gewebes und somit die lokale Verfügbarkeit von Sauerstoff (Reoxygenierung) (17).

In der Schweiz wird die moderate, regionale Hyperthermie meist mit elektromagnetischen Wellen gemäss den internationalen Richtlinien (18, 19) appliziert. Je nach Frequenz wird zwischen Radiofrequenz (3 Hz – 300 MHz), Mikrowellen (300 MHz – 300 GHz) und Infrarot (300 GHz – 430 THz) differenziert, welche sich insbesondere in der unterschiedlichen Eindringtiefe unterscheiden (6). Die radiativen und kapazitiven THT-Geräte verwenden eine Frequenz von 13.56 MHz, 70 MHz und 100-120 MHz und werden für Tumore in einer Tiefe von > 4 cm ab Körperoberfläche verwendet. Die radiativen OHT-Geräte verwenden 434 MHz und 915 MHz und können Tumore bis 4 cm ab Körperoberfläche erwärmen. Die OHT mit wasserfiltriertem Infrarotlicht (wIRA) kann grosse Hautoberflächen erwärmen (20), hat dabei aber eine eingeschränkte Eindringtiefe von ca. 1,5cm (21). Entsprechend der Flächen- und Tiefenausdehnung des Tumors wird die entsprechende HT-Technik am Schweizer Hyperthermie Tumorboard diskutiert.

In den Tabellen 1 und 2 sind die häufigsten Indikationen in der Schweiz für die Kombination RT+HT nach OHT und THT mit der entsprechenden Krankenkassen-Vergütung und entsprechenden Referenzen zusammengefasst.

Zusammenfassung und Diskussion

Unter Führung des Kantonsspitals Aarau konnte durch die strukturierte Zusammenstellung der Evidenz und die Bestrebungen einer nationalen Organisation im Rahmen des Schweizer Hyperthermie Netzwerks die Basis für eine strukturierte Anwendung der HT und Aufnahme einzelner Indikationen als Pflichtleistung in das OKP geschaffen werden. Das wöchentliche SHN-Tumorboard bildet die Grundlage für eine qualitativ hochwertige Indikationsstellung und anschliessende Durchführung der HT in der Schweiz (4). Diese Organisationsstruktur in der HT ist weltweit einzigartig und stellt einen Grund für die nun breitere lokale Verfügbarkeit dieser effektiven und zudem nebenwirkungsarmen onkologischen Therapieoption dar.

Dr. med. Emanuel Stutz 1*
Dr. med. Markus Notter 2*
Dr. med. Emsad Puric 3*
Dr. med. Boris Hübenthal 4*
Prof. Dr. med. Daniel M. Aebersold 1
Prof. Dr. med. Oliver Riesterer 3#
1 Universitätsklinik für Radio-Onkologie
Inselspital, Universität Bern
2 Radio-Onkologie, Lindenhofspital, Bern
3 Radio-Onkologie-Zentrum KSA-KSB, Kantonsspital Aarau
4 Zentrum für Integrative Onkologie, Zürich
* SHN Vorstand
# SHN Präsident

Danksagung: Ein grosser Dank gebührt den Pionieren der Hyperthermie in der Schweiz, Dr. Markus Notter, Dr. Emsad Puric und Prof. Stephan Bodis, die mit ihrem visionären Ideen und deren praktischen Umsetzungen die Hyperthermie in der Schweiz entscheidend weitergebracht haben.

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Emanuel Stutz

Oberarzt Radio-Onkologie
Universitätsklinik für Radio-Onkologie Inselspital
Freiburgstrasse
3010 Bern

emanuel.stutz@insel.ch

Prof. Dr. med. Oliver Riesterer

SHN Präsident
Radio-Onkologie-Zentrum KSA-KSB
Kantonsspital Aarau, Tellstrasse 25
5001 Aarau

Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

◆ Die konkomitierende, regionale Hyperthermie wirkt als Radiosensitizer und verbessert den Effekt der Radiotherapie
◆ Für spezifische Indikationen konnte dieser Effekt in randomisierten Studien nachgewiesen werden
◆ In der Schweiz wird die Hyperthermie bei verschiedenen Indikationen von den Krankenkassen bezahlt
◆ Aufgrund erhöhter Nachfrage wird die Hyperthermie nun an mehreren Standorten angeboten mit somit breiterer Verfügbarkeit in der Schweiz.

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