Thrombotische Thrombozytopenie nach ChAdOx1 nCov-19-Impfung

Quelle: Greinacher A et al. Thrombotic Thrombocytopenia after ChAdOx1 nCov-19 Vaccination. N Engl J Med 2021;384:2092-101

Hintergrund

Nach Impfung mit dem rekombinanten Adenovirus-Vektor, der für das Spike-Protein-Antigen des schweren akuten respiratorischen Coronavirus 2 (SARS-CoV-2) (ChAdOx1 nCov-19, AstraZeneca) kodiert, entwickelten mehrere Personen thrombotische Ereignisse und eine Thrombozytopenie. Mehr Daten zur Pathogenese dieser ungewöhnlichen Nebenwirkung sind notwendig.

Methode

Die klinischen und Labor-Merkmale von 11 Patienten in Deutschland und Österreich, bei denen sich nach der Impfung mit ChAdOx1 nCov-19 eine Thrombose und / oder Thrombozytopenie entwickelt hatte, wurden untersucht. Zum Nachweis von Plättchenfaktor 4 (PF4) Heparin-Antikörpern wurde ein Standard-Enzym-Immunoassay und zum Nachweis von Thrombozyten-aktivierenden Antikörpern ein modifizierter (PF4-verstärkter) Thrombozyten-Aktivierungstest unter verschiedenen Reaktionsbedingungen verwendet. Untersucht wurden Blutproben von Patienten, die zur Abklärung von Impfstoff-assoziierten thrombotischen Ereignissen überwiesen wurden, wobei 28 positiv auf das Screening mit dem PF4-Heparin-Immunoassay getestet wurden.

Ergebnisse

Von den 11 ursprünglichen Patienten waren 9 Frauen, mit einem medianen Alter von 36 Jahren (22 bis 49 Jahre). Fünf bis 16 Tage nach der Impfung traten bei diesen Patienten eines oder mehrere thrombotische Ereignisse auf, mit Ausnahme eines Patienten, der eine tödliche intrakranielle Blutung erlitt. Von den Patienten mit einem oder mehreren thrombotischen Ereignissen hatten 9 Patienten eine zerebrale Venenthrombose, 3 eine Thrombose der Splanchnikusvenen, 3 eine Lungenembolie und 4 hatten andere Thrombosen; sechs Patienten verstarben. Fünf Patienten hatten eine disseminierte intravasale Koagulation. Keiner der Patienten hatte jedoch vor dem Auftreten der Symptome Heparin erhalten. Alle 28 Patienten, die positiv auf Antikörper gegen PF4-Heparin getestet wurden, waren positiv im Thrombozyten-Aktivierungs-Assay in Anwesenheit von PF4 und unabhängig von Heparin. Die Thrombozytenaktivierung wurde gehemmt durch Heparin, Fc-Rezeptor-blockierende monoklonale Antikörper und Immunglobuline (10 mg/ml). Zusätzliche Studien mit PF4 oder PF4-Heparin-aufgereinigten Antikörpern bei 2 Patienten bestätigten die PF4-abhängige Thrombozytenaktivierung.

Schlussfolgerungen

Die Impfung mit ChAdOx1 nCov-19 kann zu der seltenen Entwicklung von immun-thrombotischer Thrombozytopenie führen, die durch Thrombozyten-aktivierende Antikörper gegen PF4 ausgelöst werden. Diese imitiert klinisch eine autoimmune Heparin-induzierte Thrombopenie.

(Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.)

Vemurafenib plus Rituximab bei refraktärer oder rezidivierter Haarzell-Leukämie

Quelle: Tiacci E et al. Vemurafenib plus Rituximab in Refractory or Relapsed Hairy-Cell Leukemia. N Engl J Med 2021;384:1810-23

Hintergrund

Die Haarzell-Leukämie (HCL) ist ein CD20+ indolentes B-Zell-Lymphom, bei dem eine BRAF V600E-Kinase-aktivierende Mutation eine pathogenetische Rolle spielt. In klinischen Studien mit Patienten mit refraktärer oder rezidivierter HCL führte die gezielte Behandlung von BRAF V600E mit dem oralen BRAF-Inhibitor Vemurafenib zu einem Ansprechen bei 91% der Patienten; 35% der Patienten hatten ein komplettes Ansprechen. Allerdings betrug das mediane rezidivfreie Überleben nur 9 Monate nach Absetzen der Behandlung.
In einer akademischen Phase-2-Studie mit Patienten mit refraktärer oder rezidivierter HCL wurde die Sicherheit und Wirksamkeit von Vemurafenib (960 mg, zweimal täglich über 8 Wochen) plus Rituximab (375 mg/m2 Körperoberfläche, verabreicht in 8 Dosen über einen Zeitraum von 18 Wochen) untersucht. Der primäre Endpunkt war ein vollständiges Ansprechen am Ende der geplanten Behandlung.

Ergebnisse

Bei den 30 eingeschlossenen Patienten mit HCL betrug die mittlere Anzahl der vorangegangenen Therapien drei. Ein vollständiges Ansprechen wurde bei 26 Patienten (87%) in der Intention-to-treat-Population beobachtet. Alle Patienten mit HCL, die auf Chemotherapie (10 Patienten) oder Rituximab (5 Patienten) refraktär waren und alle Patienten, die zuvor mit BRAF-Inhibitoren behandelt worden waren (7 Patienten), zeigten ein komplettes Ansprechen. Die Thrombozytopenie klang im Median nach 2 Wochen und die Neutropenie im Median nach 4 Wochen ab.
Von den 26 Patienten mit komplettem Ansprechen waren 17 (65%) frei von minimaler Resterkrankung (MRD). Das progressionsfreie Überleben aller 30 Patienten betrug 78% bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 37 Monaten; das rezidivfreie Überleben bei den 26 Patienten mit einem Ansprechen lag bei 85% bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 34 Monaten.
In Post-hoc-Analysen korrelierten MRD-Negativität und keine vorherige BRAF-Inhibitor-Behandlung mit einem längeren rezidivfreien Überleben. Die Nebenwirkungen, meist vom Grad 1 oder 2, waren die gleichen, die zuvor für diese Wirkstoffe festgestellt worden waren.

Schlussfolgerungen

In dieser kleinen Studie war eine kurze, chemotherapiefreie, nicht-myelotoxische Behandlung mit Vemurafenib plus Rituximab bei den meisten HCL-Patienten mit einem dauerhaften kompletten Ansprechen verbunden.

Prof. Dr. med.Markus G. Manz

Zentrum für Hämatologie und Onkologie
UniversitätsSpital Zürich

PD Dr. med. Alexandre Theocharides

Zentrum für Hämatologie und Onkologie
UniversitätsSpital Zürich

Alexandre.Theocharides@usz.ch

Systemtherapie des hepatozellulären und cholangiozellulären Karzinoms

Während beim hepatozellulären Karzinom in den letzten beiden Jahren mit der Kombination Atezolizumab und Bevacizumab eine neue Empfehlung für die Erstlinientherapie herausgekommen ist, konnten beim cholangiozellulären Karzinom noch keine wesentlichen Durchbrüche registriert werden. Der folgende Beitrag fasst die derzeitigen Erkenntnisse zur Systemtherapie zusammen.

Alors que pour le carcinome hépatocellulaire, une nouvelle recommandation pour le traitement de première ligne est apparue ces deux dernières années avec l’association atezolizumab et bevacizumab, aucune avancée significative n’a encore été enregistrée pour le carcinome cholangiocellulaire. L’article suivant résume les résultats actuels de la thérapie systémique.

Hepatozelluläres Karzinom (HCC)

Seit Einführung des Thyrosinkinasehemmers (TKIs) Sorafenib, und später von Lenvatinib, hat sich die Therapielandschaft in der Erstlinientherapie des HCCs bis 2020 wenig verändert.
Phase-II-Studienresultate mit Checkpoint-Inhibitoren haben grosse Hoffnungen in die Immunoonkologie (I-O) gesetzt. Die ersten randomisierten Studien in der Erstlinientherapie (CheckMate 459: Nivolumab versus Sorafenib), als auch in der Zweitlinientherapie (KEYNOTE-240: Pembrolizumab versus Plazebo) haben jedoch enttäuscht: eine therapeutische Überlegenheit eines I-O-Medikaments konnte nicht nachgewiesen werden. Die Vorteile der I-O-Therapie, nämlich eine deutlich bessere Verträglichkeit und eine verbesserte Lebensqualität gegenüber einem TKI, haben für eine Zulassung als I-O-Monotherapie nicht ausgereicht.
Seit Juni 2020 empfiehlt die ESMO erstmalig eine Kombinationstherapie bestehend aus Atezolizumab und Bevacizumab, neben den beiden TKIs Sorafenib und Lenvatinib, als präferenzierte Erstlinientherapien auf der höchsten Evidenzstufe (I,A).
Die Therapieempfehlung für die Kombinationstherapie mit Atezolizumab und Bevacizumab basiert auf den Resultaten der IMbrave150-Studie (1), welche 501 nicht systemisch vorbehandelte Patienten mit fortgeschrittenem HCC (80% BCLC-Stadium C, 20% BCLC-Stadium B) mit erhaltener Leberfunktion (Child-Pugh A) eingeschlossen hat. Die Randomisierung erfolgte im 2:1-Verhältnis in Atezolizumab und Bevacizumab zu Sorafenib. Vor Studieneinschluss wurden zahlreiche HCC-spezifische Ausschlusskriterien abgefragt. Hervorzuheben sind folgende: Patienten mit viel, bzw. rasch rezidivierendem Aszites wurden ausgeschlossen. Zudem waren eine obere Panendoskopie und eine bestmögliche Behandlung aller Varizen erforderlich. Patienten mit chronischer Hepatitis B-Infektion erhielten eine antivirale Medikation, die mindestens 14 Tage vor Therapiestart eingeleitet wurde.
In der Überlebensanalyse zeigte sich eine statistisch signifikante Überlegenheit (HR 0.66) von Atezolizumab und Bevacizumab gegenüber Sorafenib (Abb. 1).

Mehr Patienten in der Sorafenib-Gruppe erhielten nach Tumorprogress weitere Systemtherapien (52%), inkl. I-O-Therapien, gegenüber den Patienten in der Atezolizumab und Bevacizumab-Gruppe (36%), die nachfolgend vorwiegend mit TKIs behandelt wurden.
Der Überlebensvorteil von Atezolizumab und Bevacizumab basiert auf einer längeren progressionsfreien Zeit (7 versus 4 Monate, HR 0.65) und einer höheren Tumoransprechrate gemäss RECIST 1.1 (30% versus 11%). Die mediane Behandlungszeit war demzufolge deutlich länger unter Atezolizumab und Bevacizumab (8 und 7 Monate), als unter Sorafenib (3 Monate).
Bezogen auf behandlungsassoziierte Grad-3- und -4-Toxizitäten ergaben sich keine deutlichen Unterschiede (43%/46%). Das Nebenwirkungsspektrum zeigte hingegen Unterschiede: Hypertension, Proteinurie, Pyrexie traten häufiger unter Atezolizumab und Bevacizumab auf; hingegen dominierte eine Diarrhoe, eine Appetitminderung und ein Hand-Fuss-Syndrom unter Sorafenib. Blutungen traten bei 7% bzw. 5% der Patienten auf.
Viele Patienten erhalten seither die Therapie mit Atezolizumab und Bevacizumab. Es ist zu wünschen, dass diese Behandlung, wie auch nachfolgende Therapiesequenzen innerhalb des SAKK-Registers für Immuntherapien (AlpineTIR) verfolgt werden können. Durch den Einsatz einer I-O-Therapie verschieben sich die nachfolgenden Therapien jeweils um eine Linie. Diese Neuanordnung der Behandlungsabfolge, welche von der ASCO empfohlen wird (3), erfordert eine Neuüberprüfung der Wirksamkeit der TKIs nach Vorbehandlung mit I-O-Therapien.
In naher Zukunft wird es weitere Erkenntnisse aus grossen Therapiestudien in der Erstliniensituation geben.
Einen Überblick hierzu gibt Tabelle 1: Interessant sind dabei Kombinationen aus I-O und TKIs, sowie I-O-Kombinationen.
Ferner werden I-O-Therapien auch in 4 grossen adjuvanten Studien (CheckMate 209-9DX, EMERALD-2, Keynote-937, und IMbrave050) entweder als Monotherapie, oder als Kombinationstherapien studiert.

Cholangiozelluläres Karzinom (CCA)

Gallenwegs-, respektive cholangiozelluläre Karzinome (CAA) sind ein Sammelbegriff für klinisch und biologisch heterogene Tumore. Abgesehen von CCA im frühen Tumorstadium ist die Prognose schlecht. Nach Tumorresektion ist eine adjuvante Chemotherapie mit Capecitabine über 6 Monate gemäss BilCAP-Studie (4) ein Behandlungsstandard. Bei R1-Resektion kommt auch eine Radiochemotherapie in Frage.
In der Palliativsituation wird bei Patienten in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1) eine Chemotherapie mit Cisplatin und Gemcitabine durchgeführt. Diese Behandlung basiert auf einer längeren medianen Lebensdauer (12 versus 8 Monate) unter dieser Kombinationschemotherapie, verglichen mit einer Gemcitabine-Monotherapie in einer randomisierten Studie (5). Eine Monotherapie mit Gemcitabine wird bei eingeschränktem Allgemeinzustand bevorzugt. Die progressionsfreie Zeit in der ABC-02 Studie (5) war bei einer Therapiedauer von bis zu 6 Monaten verlängert (8 versus 5 Monate). Die Tumoransprechrate lag bei 27% versus 16%.
Nach Progression unter bzw. nach der Erstlinientherapie wird frühzeitig von der ESMO eine breite molekulare Paneldiagnostik empfohlen (6), da bei ca. 50% eine prädiktive Veränderung gefunden wird, die eine zielgerichtete Therapie ermöglicht (Abb. 3; abgewandelt von (7)).
Abbildung 2 zeigt die einzelnen Therapieoptionen. Die Verteilung der einzelnen prädiktiven Veränderungen ist abhängig von der Primärlokalisation der Tumore. Beim intrahepatischen CCA dominieren FGFR-1-3-Fusionen oder Rearrangements, sowie IDH 1/2 Mutationen. HER-2-Amplifikationen und BRAF-Mutationen finden sich hingegen gehäuft beim Gallenblasenkarzinom.
In einer Phase III-Studie (8) bei IDH1-mutierten, prädominanten intrahepatischen CCAs konnte der IDH-Inhibitor Ivosidenib gegenüber Placebo ein verlängertes PFS (HR 0.37) nachweisen. 70% der Patienten im Plazeboarm erhielten im weiteren Verlauf Ivosidenib, weswegen kein statistisch signifikanter Überlebensvorteil nachweisbar war. Das gut verträgliche Medikament lässt sich aktuell leider nur in einem «for charge program» via Clinigen beziehen.

Pemigatinib (Pemazyre) ist ein Vertreter von FGFR-Inhibitoren, die in Phase II-Studien eine gute Tumorwirksamkeit bei Patienten mit CCA- und FGFR2-Fusionen oder Rearrangements zeigen. Pemigatinib wurde von der FDA als erstes zielgerichtetes Medikament zur Behandlung des CCAs zugelassen und hat einen «Orphan Statuts» der EMA. Es ist als «Named Patient Programm» in der zweiten Therapielinie verfügbar. Drei FGFR-Inhibitoren (Pemigatinib, Infigratinib und Futibatinib) werden aktuell in Phase III-Studien in der Erstlinientherapie gegenüber einer Chemotherapie mit Cisplatin und Gemcitabine untersucht.
Alle weiteren zielgerichteten Therapien basieren auf Phase II-Studienevidenz. Checkpoint-Inhibitoren zeigten bislang bei unselektionierten Patienten eine geringe Wirksamkeit, ausgenommen bei Patienten mit mikrosatelliteninstabilen CCAs.
Nur wenn keine zielgerichtete Therapie möglich ist, wird eine palliative Zweitlinienchemotherapie mit FOLFOX oder FOLFIRI empfohlen.

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Prof. Dr. med. Dieter Köberle

St. Claraspital AG
Tumorzentrum
Kleinriehenstrasse 30
4058 Basel

tumorzentrum@claraspital.ch

Advisory-Board-Teilnahme Roche und BMS.

1. Finn RS et al. Atezolizumab plus Bevacicizumab in unresectable hepatocellular carcinoma. NEJM 2020;382:1894-95
2. Finn RS et al. IMbrave150: updated overall survival data from a global, randomized, open-label Phase III study of atezolizumab + bevacizumab vs sorafenib in patients with unresectable hepatocellular carcinoma. ASCO GI 2021. Abstract 267
3. Gordan JD et al. Systemic therapy for advanced hepatocellular carcinoma: ASCO guideline. J Clin Oncol 2020 (36):4317-45
4. Primrose JN et al: Capecitabine compared with observation in resected biliary tract cancer (BILCAP): a randomized, controlled, multicentre, phase 3 study. Lancet Oncol 2019 (5): 663-673
5. Lamaraca A et al. Second-line FOLFOX chemotherapy versus active symptom control for advanced biliary tract cancer (ABC-06): a phase 3, open-label, randomized, controlled trial. Lancet Oncol 2021; 1:690-701
6. Mosele F et al: Recommendations for the use of next-generation sequencing (NGS) for patients with metastatic cancers: a report from the ESMO Precision Medicine Working Group. Ann Oncol 2020;11:1491-1505
7. Harsha Tella S et al: Second-line therapies in advanced biliary tract cancers. Lancet Oncol 2020;21(1):e29-e41
8. Abou-Alfa GK et al: Ivosidenib in IDH1-mutant, chemotherapy-refractory cholangiocarcinoma (ClarIDHy): a muticentre, randomized, double-blind, placebo-controlled, phase 3 study. Lancet Oncol 2020;21(6): 796-807

Onkologische Therapie der alten Frau

Das Alter unserer gynäkologischen Patientinnen steigt stetig an. Aktuell liegt die durchschnittliche Lebenserwartung einer Frau in der Schweiz bei ca. 86 Jahren. Erreicht sie das
80. Lebensjahr ohne kompromittierende Nebendiagnosen, so hat sie gute Chancen, ein noch deutlich höheres Alter zu erreichen (1). Somit haben onkologische Erkrankungen und die damit verbundene Behandlung starken Einfluss auf die Lebensqualität und die noch verbleibende Lebenserwartung einer Patientin.

L’âge de nos patientes gynécologiques augmente continuellement. En Suisse, à l’heure actuelle, l’espérance de vie d’une femme se situe à env. 86 ans. Une femme qui arrive à 80 ans sans diagnostics accessoires compromettants, a de bonnes chances d’atteindre même un âge bien plus élevé (1). De ce fait, les affections oncologiques et les traitements qui en découlent influencent largement la qualité de vie d’une patiente et le nombre d’années qu’elle peut encore espérer de vivre.

Wir als behandelnde Ärztinnen sind plötzlich damit konfrontiert, Entscheidungen zu fällen, ob eine adäquate, teils belastende Therapie einer Patientin noch zugemutet werden kann oder ob der Weg der leitliniengerechten Behandlung aufgrund des Alters der Patientin verlassen werden muss. Plötzlich müssen wir uns Fragen stellen, die bei einer jungen Patientin gar nicht erst aufkommen: «Wie alt ist alt?», «Auf Grund welcher Aspekte treffen wir Therapieentscheidungen?», «Was soll die onkologische Therapie bewirken?», «Welche Evidenz haben wir für die Altersgruppe >65 Jahre bzw. >80 Jahre?» und letztendlich auch die volkswirtschaftlich und ethisch schwierige Frage «Unter welchen Bedingungen sollen die Kosten für eine teure onkologische Therapie bei Überschreiten der durchschnittlichen Lebenserwartung übernommen werden?».

Mammakarzinom

Die Behandlung des Mammakarzinoms der älteren Frau oder, deutlich seltener, des älteren Mannes stellt uns, wie manch anderes Karzinom im Alter, vor teilweise schwierige Entscheidungen, insbesondere wenn es sich nicht um ein kleines, Hormonrezeptor-positives Karzinom handelt. Je älter die Patientinnen, desto häufiger sind Co-Morbiditäten, welche die Entscheidungsfindung deutlich beeinflussen. Zum einen reduziert sich die Lebenserwartung bei einem Mammakarzinom und gleichzeitigem Vorliegen von Co-Morbiditäten um stattliche 50% (2), zum anderen steigt das Risiko von Nebenwirkungen und somit deutlicher Einschränkung der Lebensqualität hervorgerufen durch die onkologische Therapie.
Insgesamt treten 50% aller Mammakarzinome bei Frauen über 65 Jahre auf und das Risiko, an einem Mammakarzinom zu erkranken, steigt mit dem Alter. Während das Risiko bei 40-49 Lebensjahren noch bei 1:68 liegt, ist es bei 60-69 Lebensjahren schon bei 1:26. Ist eine Frau älter als 70 Jahre, liegt ihr Lifetime-Risiko sogar bei 1:8. Die «Standard»-Mammakarzinom-Patientin ist also nicht 35-50 Jahre alt, sondern 61 Jahre!
Ältere Frauen sind jedoch sehr oft von den üblichen adjuvanten Mammakarzinom-Studien ausgeschlossen, weswegen es keine gute Evidenz für die Behandlung in dieser Population gibt. Ausserdem sind die üblichen Online-Tools, wie z.B. Adjuvant Online!, nicht validiert für Frauen >69 Jahre und lassen relevante Komorbiditäten ausser Acht.
Gemäss Literatur erhalten ältere Patientinnen häufiger eine primäre endokrine Therapie ohne Operation oder direkt eine Mastektomie und seltener eine Radiotherapie nach brusterhaltender Operation (3).
Eine weitere Studie mit fast 50 000 Brustkrebspatientinnen zeigte, dass die Rate an adjuvanter Chemotherapie für das Mammakarzinom Stadium I-II, HR-negativ und nodal positiv bei den 67- bis 69-Jährigen bei 80% lag und bei den über 85-Jährigen nur noch <10% (4).
Zudem konnte gezeigt werden, dass das Risiko, am Mammakarzinom Stadium 1 und 2 zu versterben, bei den 85-89-Jährigen im Vgl. zu den 67-69-Jährigen höher liegt (hazard ratio 1.5, 95% Cl 1.3-1.7) (4, 5). Dies ist sicherlich auch damit zu begründen, dass höheres Alter meist weniger Therapie bedeutet, und die Karzinome wegen fehlendem Mammographiescreening ab 70 Jahre später entdeckt werden.
Die Entscheidung betreffend der Therapie des Mammakarzinoms der älteren Frau sollte individualisiert erfolgen und neben der Tumorbiologie und dem allgemeinen Gesundheitszustand auch die persönlichen Präferenzen der Patientin und allenfalls ihrer Familie miteinbeziehen. Das Alter alleine sollte nicht primär für eine Therapieentscheidung relevant sein.
Verschiedenste Tools und Assessments sind mittlerweile zur Standortbestimmung bei älteren Patientinnen verfügbar und in Studien getestet. So schätzt beispielsweise das Online Tool ePrognosis (6) die Lebenserwartung aufgrund verschiedenster Parameter ab. Dieses Tool wurde auch in einer Studie mit älteren Patientinnen mit frühen Mammakarzinom-Stadien untersucht (7). Da es das Mortalitätsrisiko ohne Karzinomerkrankung berechnet, kann es vor allem bei der Entscheidung über eine Chemotherapie hilfreich sein.
Anhand der vorliegenden Daten zeigt sich nämlich, dass bei Patientinnen über 65 Jahre das Risiko, aufgrund einer Nebenwirkung einer adjuvanten Chemotherapie hospitalisiert zu werden, mehr als doppelt so hoch ist als bei den jüngeren Frauen (8). Der Chemo-Toxicity Calculator (www.mycarg.org, Copyright © 2020 Cancer and Aging Research Group) könnte in Zukunft auch ein nützliches Tool sein, da er sich auf die Berechnung der Wahrscheinlichkeit von Grad 3-5 Toxizitäten während der Chemotherapie bei älteren Patienten spezialisiert (9). Andere Modelle zur Voraussage der Chemotherapietoxizität werden aktuell in Studien erarbeitet und/oder getestet (10).
Eine prätherapeutische geriatrische Standortbestimmung ist ebenfalls sehr hilfreich. Auch hier gibt es verschiedenste Fragebogen, auf welche wir später noch eingehen werden.
Gemäss den aktuellen Empfehlungen soll die Behandlung des Mammakarzinoms der älteren Frau, welche sich in einem guten Allgemeinzustand befindet, analog der Behandlung der jüngeren Frau erfolgen. Die chirurgische Therapie sollte gemäss den aktuellen Leitlinien erfolgen, wobei aber ein axilläres Staging nur empfohlen ist, wenn es einen Einfluss auf die Nachbehandlung hat. Da mit dem Alter das Risiko eines Lokalrezidives sinkt, kann unter folgenden Bedingungen auf eine Radiotherapie verzichtet werden: Alter >70 Jahre, T1-Tumor, ER positiv, cN0 oder pN0, compliant für endokrine Therapie (Abb. 1) (11). Eine Alternative zur herkömmlichen Radiotherapie kann das hypofraktionierte Schema mit 15-16 Sitzungen sein. Auch die Indikation zur Chemotherapie soll in Analogie zu jüngerem Alter erfolgen. Der Benefit einer Chemotherapie ist identisch bei der älteren Altersgruppe, wobei aber die Toxizität, wie bereits erwähnt, bis zu 10-fach höher liegt. Alternative Chemotherapie-Regimes zu einer Anthrazyklin-haltigen Chemotherpie sind z.B. Docetaxel/Cyclophosphamid (TC), orales CMF oder eventuell Capecitabine. Ist die Patientin über 70 Jahre alt, wird eine primäre Prophylaxe der febrilen Neutropenie mit G-CSF empfohlen.
Bei der älteren Mammakarzinom-Patientin in einem reduzierten Allgemeinzustand bzw. mit relevanten Co-Morbiditäten, ist, falls möglich, die Chirurgie der medikamentösen Therapie vorzuziehen. Das Rezidivrisiko ist nach Chirurgie mit oder ohne adjuvanter endokriner Therapie deutlich kleiner als nach alleiniger endokriner Therapie (12, 13).
Eine adjuvante Nachbehandlung, ausser der endokrinen Therapie, ist insbesondere bei erniedrigter Lebenserwartung und zu erwartender hoher Toxizität nicht empfohlen.
Ist eine chirurgische Therapie nicht möglich oder nicht gewollt, sind folgende Vorgehen empfohlen: Beim ER-positiven Karzinom eine primär endokrine Therapie, beim ER-negativen Karzinom eine single-agent Chemotherapie in Analogie zur metastatischen Situation, beim Her-2-positiven Karzinom Trastuzumab mit/ohne Chemotherapie analog einer metastatischen Situation oder alternativ eine rein supportive Therapie. Eine primäre Radiotherapie sollte im Falle einer nicht möglichen chirurgischen Therapie rein palliativ aufgrund von Resistenz auf die primäre endokrine Therapie bzw. von lokalem Progress erfolgen.

Gynäkologische Tumore

Die Diagnose eines Ovarial- oder Endometriumkarzinomes wird häufig im höheren Alter gestellt und dann nicht selten in einem fortgeschrittenen Stadium. So ist die Inzidenz des Ovarialkarzinoms in der Altersgruppe der 75- bis 79-Jährigen am höchsten. Entgegen der oftmals verbreiteten Meinung, dass es sich im Alter um weniger aggressive Tumoren handle, zeigt sich gerade bei älteren Patientinnen mit diesen Karzinomen häufig sogar eine aggressivere Tumorbiologie (14, 15).

Ovarialkarzinom

Bezüglich des Ovarialkarzinoms ist das Tumordebulking mit möglichst R0-Resektion, gefolgt von einer platinhaltigen Chemotherapie, seit Langem die leitliniengerechte Therapie. Eine Studie aus Frankreich zeigte jedoch, dass lediglich rund die Hälfte aller Patientinnen älter als 70 Jahre eine adäquate operative und systemische Therapie erhalten haben (16). In dieser Metaanalyse von 2007 wurde gezeigt, dass in einzelnen Kohorten fast die Hälfte aller Patientinnen >80 Jahre keine Chemotherapie erhielten, in der Gruppe >65 Jahre waren es lediglich ein Viertel (17). Dies mit der entsprechend negativen Auswirkung auf die Mortalität. Oftmals zeigt sich die Nachbehandlung bei älteren Patientinnen nicht adäquat: eine adjuvante Chemotherapie beginnt aufgrund von postoperativen Komplikationen verzögert oder wird aufgrund von Toxizität vorzeitig abgebrochen. Es zeigte sich, dass eine vermehrte Rate an Komplikationen mit erhöhter Krebsmortalität assoziiert ist: bei zwei oder mehr postoperativen Komplikationen oder Verzögerung des Beginns der adjuvanten Chemotherapie erhöht sich das Risiko, am Ovarialkarzinom zu versterben, um 30% (18). Eine retrospektive Kohortenstudie in den USA von 7938 Frauen älter als 65 Jahre zeigte, dass das alleinige Tumordebulking ohne nachfolgende Chemotherapie den gleichen Outcome bezüglich Survival hatte wie rein supportive Massnahmen. Die alleinige Chemotherapie führte zu einem Survival Benefit von 14.4 Monaten, während die optimale Therapie ein medianes Überleben von 39 Monaten zeigte (19).
Die bei älteren Frauen mit FIGO III Karzinom häufiger durchgeführte neoadjuvante Chemotherapie hat somit durchaus ihre Berechtigung, jedoch nur mit optimalem Resultat, wenn diese Patientinnen in der Folge auch dem Intervalldebulking zugeführt werden. Wenn jedoch nach der systemischen Therapie keine anschliessende Operation durchgeführt wird oder werden kann, wirkt sich dies für die Patientinnen nachteilig aus (20).

Endometriumkarzinom

Auch beim Endometriumkarzinom wird eine Untertherapie bei älteren Patientinnen häufiger beobachtet, obwohl die Mehrheit der Patientinnen minimalinvasiv operiert werden kann. Die systematische pelvine und paraaortale Lymphonodektomie mit der damit verbundenen Morbidität wurde insbesondere bei den nicht high-risk Histologien mittlerweile durch das Sentinel-Verfahren zunehmend abgelöst. Ein nodales Staging soll aber nur indiziert werden, wenn eine adjuvante Systemtherapie oder Radiotherapie in der Folge auch durchgeführt werden würde. In Bezug auf adjuvante Behandlungen zeigte sich ebenfalls, dass bei betagteren Patientinnen diese signifikant seltener durchgeführt werden, was Auswirkungen auf die Rezidivrate und die Mortalität zeigt (14, 15) und als negativer prognostischer Faktor gilt (14).
In der prätherapeutischen Tumorboard-Besprechung ist es von essentieller Bedeutung, dass der Alterszustand einer Patientin durch eine onkologisch erfahrene ÄrztIn eingeschätzt wird, welche sie persönlich kennt und das Gremium bezüglich individueller Risiken und Nutzen von Behandlungsstrategien wie auch Behandlungswünschen der Patientin beraten kann. Dabei können geriatrische Assessments hilfreich sein. Präoperativ diejenigen Patientinnen herauszufiltern, welche ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Komplikationen aufweisen und welche nicht fit genug sind, ein radikales Tumordebulking durchzustehen, ist essentiell. Das Gleiche gilt für Patientinnen, welche einer aggressiven Chemotherapie zugeführt werden sollen.
Eine deutsche Arbeitsgruppe konnte den prognostischen Nutzen des age-adjusted Charlson Comorbidity Index (ACCI) (Abb. 2
und 3) auf die postoperative Morbidität und das Overall-Survival bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom klar nachweisen (21). Residueller Tumor nach Debulking-Operation war in der Gruppe mit einem hohen ACCI-Score signifikant häufiger als in der Gruppe mit einem tiefen ACCI-Score. Das Gleiche gilt für die postoperativen Komplikationen sowie das Overall-Survival: ein hoher ACCI-Score ist mit mehr Komplikationen sowie einem geringeren Overall-Survival assoziiert.


In der prospektiven multizentrischen Kohortenstudie ONCODAGE konnte gezeigt werden, dass der G8 geriatric questionaire (Abb. 4) mit guter Sensitivität aktuell eines der besten Screening-Tools ist, um Patientinnen zu identifizieren, welche von einer geriatrischen Einschätzung profitieren (22) und die behandelnden Ärzte eine maximale Therapie möglicherweise nochmalig überdenken lassen sollte. Das Erfassen des G8 dauert ungefähr 5 Minuten und kann sowohl durch den Arzt als auch durch Pflegefachpersonal oder wissenschaftliche Mitarbeiter erfasst werden. Er lässt sich einfach in die tägliche praktische Tätigkeit integrieren und kann so in der Beurteilung bezüglich Morbidität im Rahmen einer Krebsbehandlung hilfreich sein.


Wünschenswert wäre es, mit Hilfe solcher Assessment-Tools sowie weiterer Forschung die prätherapeutischen Prozesse so zu verfeinern, dass jede Patientin – insbesondere die ältere und alte Frau – die für sie optimale Therapie erhält, welche sowohl ihre individuellen Risikofaktoren als auch Ressourcen berücksichtigt, und ihr trotz Co-Morbiditäten eine möglichst leitliniengerechte Behandlung ermöglicht. Somit könnten unsere Patientinnen an den Tumorboards objektiver beurteilt und es könnte eine individualisierte Therapieempfehlung abgegeben werden.

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Zweitabdruck des in info@gynäkologie 06-2020 erschienen Originalartikels.

Dr. med. Sabrina Schraag

Frauenklinik Stadtspital Waid und Triemli Zürich
Birmensdorferstrasse 497
8063 Zürich

Dr. med. Nadja Bosshard

Frauenklinik Stadtspital Waid und Triemli Zürich
Birmensdorferstrasse 497
8063 Zürich

Dr. med. Natalie Gabriel

Frauenklinik Stadtspital Waid und Triemli Zürich
Birmensdorferstrasse 497
8063 Zürich

Die Autorinnen haben im Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte deklariert.

◆ Bei älteren Patientinnen ist eine onkologische Untertherapie aufgrund von postoperativen Komplikationen mit damit verbundenem verspätetem Beginn einer adjuvanten Therapie oder vorzeitigem Therapieabbruch wegen Toxizitäten häufiger zu beobachten als bei jüngeren Frauen, was sich nachteilig auf die Prognose auswirkt.
◆ Bei der älteren Patientin sollte eine individualisierte Karzinomtherapie unter Einbezug des Gesundheitszustandes mit Zuhilfenahme der aktuell verfügbaren Tools und Assessments erfolgen.
◆ Die Behandlung des Mammakarzinoms bei der Seniorin in einem guten Allgemeinzustand erfolgt analog der Behandlung der jüngeren Patientin.
◆ Beim Ovarialkarzinom FIGO III-IV bei älteren Patientinnen muss die Indikation zum primären Tumordebulking vorsichtig gestellt werden, damit die im Anschluss notwendige Chemotherapie nicht wegen postoperativen Komplikationen deutlich verzögert oder gar nicht durchgeführt werden kann.
◆ Beim Endometriumkarzinom ist auch bei alter Patientin nach Möglichkeit die minimal-invasive Hysterektomie mit Adnexektomie die Therapie der Wahl. Ein nodales Staging soll nur durchgeführt werden, wenn weitere adjuvante Therapien in Frage kommen würden.

Messages à retenir
◆ Chez la patiente plus âgée, un sous-traitement oncologique s’observe plus souvent que chez la patiente plus jeune, notamment en raison de complications post-opératoires retardant le début du traitement adjuvant ou de toxicités provoquant un arrêt prématuré du traitement. Ceci péjore le pronostic.
◆ Chez la patiente plus âgée le traitement oncologique devrait être individualisé et prendre en considération son état de santé global, en utilisant les tools et assessments actuellement disponibles.
◆ La prise en charge du cancer du sein chez la patiente plus âgée en bon état général est comparable à celle de la patiente plus jeune.
◆ En cas de cancer de l’ovaire du stade FIGO III – IV, le debulking maximal primaire doit être indiqué avec prudence. Il s’agit d’éviter des complications postop. qui retarderaient de manière importante – ou rendraient même impossible – le début de la chimiothérapie.
◆ En cas de cancer de l’endomètre, la thérapie de premier choix chez la patiente plus âgée est, pour autant que possible, l’hystérectomie mini-invasive avec annexectomie bilatérale. Une lymphadénectomie devrait seulement être indiquée si un traitement adjuvant postop. était réellement envisagé.

1. Bundesamt für Statistik BFS – BEVNAT, STATPOP, ESPOP.
2. Extermann M, Aapro M. Assessment of the older cancer patient. Hematol Oncol Clin North Am 2000; 14:63.
3. Bastiaannet E, Liefers GJ, de Craen AJ, et al. Breast cancer in elderly compared to younger patients in the Netherlands: stage at diagnosis, treatment and survival in 127,805 unselected patients. Breast Cancer Res Treat 2010; 124:801.
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Moderne bildgestützte Radiotherapie – Techniken und Perspektiven

In der modernen Radioonkologie ist die bildgestützte Einstellung inzwischen ein fester Bestandteil der Therapie. Die neueste Entwicklung in diesem Bereich ist die Zusammenführung der MRI-Bildgebung mit einem Linearbeschleuniger zu einem sogenannten MRI-LINAC. Dieser Beitrag beleuchtet die aktuelle Entwicklung und Vorteile der modernen bildgeführten Radiotherapie inklusive der neuesten Technologie des MRI-LINAC.

Dans la radio-oncologie moderne, le guidage par l’ image fait désormais partie intégrante de la thérapie. Le dernier développement dans ce domaine est la combinaison de l’ imagerie IRM avec un accélérateur linéaire pour former ce qu’ on appelle un IRM-LINAC. Cet article met en lumière le développement actuel et les avantages de la radiothérapie moderne guidée par l’ image, y compris la toute dernière technologie de l’ IRM-LINAC.

In der modernen Radioonkologie ist heutzutage die sogenannte bildgestützte Einstellung, also die Nutzung diagnostischer Verfahren zur Lokalisation des Zielvolumens, ein fester Bestandteil der Therapie. Mit dem Einsatz intensitätsmodulierter Techniken und Fortschritten bei Geräten und Software wurden die Bereiche, die «unbeabsichtigt» mitbehandelt werden, immer kleiner.
Eine weitere Reduktion der Dosisbelastung für Normalgewebe konnte nur noch mit einer Erhöhung der Präzision bei der Applikation weiter reduziert werden. In den letzten 15 Jahren wurden somit stetig neue Techniken entwickelt, mit denen mittels verschiedenster Bildgebung die erforderlichen Sicherheitsabstände zwischen klinischem Zielbereich (Clinical target volume, CTV) und tatsächlichem Planungsvolumen (Planning target volume, PTV), weiter reduziert werden konnten. Hinzu kamen neue Techniken zur Kontrolle der Atembeweglichkeit, diese werden als Gating bzw. Tracking bezeichnet.
Ursprünglich erfolgte die Bildgebung mit Röntgenbildern, indem die knöchernen Strukturen in Übereinkunft gebracht wurden. Im 21. Jahrhundert kam die Entwicklung des heutzutage zum Standard gehörenden kv-Cone-Beam-CT (CBCT), bei dem mit einer Rotation einer an den Linearbeschleuniger angebrachten kv-Röhre ein CT generiert wird (Abb. 1). Dieses lässt neben der knöchernen Übereinstimmung auch bis zu einem gewissen Grad die Beurteilung der Weichteile und damit auch z.B. der inneren Organe wie Blase oder Darm zu. Diese sogenannte «Image Guided Radiotherapy» (IGRT) konnte sich in klinisch merkbar reduzierter Toxizität niederschlagen und legte den Grundstein für die Einführung von stereotaktischen Techniken (1).
Zusätzlich zur Einstellungs-Bildgebung wurden auch Techniken entwickelt, um Bewegungen des Ziels während der Bestrahlung zu überwachen. Dazu gehören implantierte Goldmarker oder Transponder mit elektromagnetischem Signal, Oberflächenscanner, sowie externe Aufnahme der Atemkurven. Diese Methoden lassen sich alle mit der Radiotherapie koppeln, so dass ausserhalb der prädefinierten Toleranz diese automatisiert gestoppt wird. Diese Techniken haben nochmals die Präzision bei beweglichen Organen deutlich erhöht (2).
Mit der zunehmenden Entwicklung der Radiotherapie hin zu stereotaktischen hypofraktionierten Verfahren, d.h. Applikation einer ablativen Dosis in wenigen Fraktionen, nimmt die Bedeutung dieser intrafraktionellen Überwachung, sowie Techniken zur Verringerung der Sicherheitsabstände stetig zu. Dies brachte die Hybrid-Kombination aus MRI und Beschleuniger, die 2014 erstmals klinisch beschrieben wurde (3).
In der Schweiz wurde diese Technik erstmals im April 2019 am USZ eingeführt. Bis heute wurden hier über 200 Patienten damit behandelt. Anfang 2020 nahm das Hôpital Riviera-Chablais in Rennaz den zweiten MRI LINAC in der Schweiz in Betrieb. Aktuell gibt es zwei kommerzielle Anbieter von MRI LINAC Geräten: der «MRIDIAN» von ViewRay (ViewRay Technologies Inc, Oakwood Village, Ohio) und «Unity» von Elekta (Elekta AB, Stockholm, Sweden).

Anwendungsgebiete der IGRT

Stereotaktische Strahlentherapie

Die intensitätsmodulierte Strahlentherapie, welche hoch-konformale Bestrahlung insbesondere von irregulär konfigurierten Zielvolumina erlaubt, hat sich in der kurativen Behandlung von Tumoren der Lunge, der Kopf-Hals- und Becken-Region mit Nutzung der IGRT mittels CCBCT als Standard etabliert.
Neben dieser Technik gewinnen stereotaktische Hochpräzisionsverfahren zunehmend an Bedeutung. Diese Techniken ermöglichen die Applikation einer hohen, biologisch aktiven Einzeldosis im Tumor, mit steilem Dosisabfall in der Umgebung, und somit die Schonung des umliegenden gesunden Gewebes.

Stereotaktische Radiochirurgie von Hirnmetastasen
Für intakte Hirnmetastasen hat sich die Radiochirurgie, bei der eine sehr hohe Strahlendosis in nur einer Sitzung appliziert wird, als Standardbehandlung etabliert. Für dieses Verfahren wird je nach Technik CBCT und/oder kv-Röntgenbilder in Serie zur Einstellung genutzt. Zunehmend wir die Radiochirurgie inzwischen nicht nur bei solitären Metastasen, sondern auch bei 4-10 Hirnmetastasen durchgeführt, nachdem erste Studien keine Einbusse im Gesamtüberleben zeigen konnten (4).

Extrakranielle stereotaktische Strahlentherapie (SBRT)
Aktuell ist die SBRT für Tumore der Lunge im Frühstadium als Alternative zur Operation, sowie bei Lungen-, Leber- und Knochenmetastasen fest etabliert. Es können dabei lokale Kontrollraten von 80-90% nach 3 Jahren erreicht werden, sofern aufgrund von Grösse und Lage der Metastasen eine ablative Strahlendosis appliziert werden kann (5). Je nach Lokalisation reicht die Einstellung mittels CBCT aus, jedoch sind bei abdominellen Zielen auch Techniken zur Atemkontrolle und –Überwachung nötig. (Abb. 2)

Adaptive Strahlentherapie

Technologische Weiterentwicklungen im Bereich der automatisierten Konturanpassung und Bestrahlungsplanung erlaubten die Einführung der adaptiven Bestrahlungsplanung.
Die Rationale für die adaptive Radiotherapie ist, geometrische oder biologische Veränderungen des Tumors oder von Risikoorganen während einer Strahlenbehandlung zu detektieren und eine Anpassung des Bestrahlungsplans durchzuführen. Dies erhöht die Präzision und Wirksamkeit der Therapie im Tumor, bei gleichzeitig besserer Schonung von Normalgewebe.
Grundsätzlich wird die adaptive Planung bereits in der klinischen Routine gelebt, indem bei relevanten systematischen Veränderungen der Anatomie eine Planadaptation durchgeführt wird (z.B. Verkleinerung eines Bronchialkarzinoms im Laufe der Behandlung). Tagesaktuelle Veränderungen (z.B. täglich wechselnde anatomische Lage von Risikoorganen) oder Reaktionen des Tumors bleiben hierbei bisher unberücksichtigt.
Idealvorstellung einer adaptiven Strahlentherapie ist jedoch Änderungen am Bestrahlungsplan gemäss der aktuellen Anatomie kurz vor der tatsächlichen Strahlenbehandlung durchführen zu können, mit anschliessend sofortiger Applikation der Dosis gemäss den aktuellen Gegebenheiten. Hierfür existieren bereits diverse technische und technologische Ansätze, von denen die Erfahrungen mittels MRI-Linac im Moment am weitesten fortgeschritten ist. Auf die technischen Herausforderungen und klinischen Möglichkeit soll im Folgenden eingegangen werden.

MRT-geführte Radiotherapie (MRgRT)

Wie bereits ausgeführt haben in der Vergangenheit beträchtliche technologische Entwicklungen zu einer Verbesserung der Präzision in der Radiotherapie geführt. Am (vorläufigen) Ende der Entwicklung der IGRT steht die Einführung der MRgRT. Bestrebungen die MRI-Bildgebung mit ihrem besseren Weichteilkontrast in die Bestrahlung zu integrieren, bestehen bereits seit Jahrzenten. Eine der grossen Herausforderungen in der Entwicklung lag in der Wechselwirkung zwischen dem Magnetfeld des MRIs, welches permanent wirkt, und dessen Auswirkungen auf die Bahn der durch die Photonenstrahlung erzeugten Sekundärelektronen. Dies muss in den Berechnungen während des Planungs-Prozesses berücksichtigt werden.
Die Gefahr der geometrisch verzerrten Darstellung der Anatomie im MRI («geometrical distortion») ist in der Radio-Onkologie äusserst relevant, insbesondere bei der Stereotaxie, in welcher eine Präzision bis auf wenige Millimeter gefordert ist. Diese «geometrical distortion» nimmt zu, je weiter weg sich die darzustellende Struktur vom Zielpunkt befindet. Zudem führen Unterschiede in der Magnetisierbarkeit von Eigen- oder Fremdgewebe im Patienten – z.B. Metallimplantate, Clips oder Lufthöhlen – auch zu geometrischen Verzerrungen. Dies muss bei der Selektion von Patienten für die Behandlung am MRI-LINAC bedacht werden.
Von dem unter Versuchsbedingungen erfolgreichen «proof of concept» der Anwendung dieser Hybrid-Technik bis zur ersten klinischen Behandlung an einem MRI-LINAC 2014 vergingen einige Jahre (3). Seither hat die Verfügbarkeit der MRI-LINAC Geräte kontinuierlich zugenommen, mit zuletzt weltweit insgesamt 60 verfügbaren Geräten der zwei oben genannten Firmen (6, 7). Eine weitere Zunahme ist in nächster Zeit zu erwarten. Denn nebst dem verbesserten Weichteilkontrast bietet sich mit den neuen Hybridgeräten auch das erste Mal die Möglichkeit die Anatomie live unter Bestrahlung abzubilden. Damit ist ein «Live-Tracking» des Behandlungsziels möglich. Dies ist insbesondere bei atemvariablen Tumoren von Vorteil, da damit das zu bestrahlende Volumen kleiner gehalten werden kann: indem in Atemanhaltetechnik in einer vordefinierten Atemphase bestrahlt wird, muss die Läsion nicht mit Ihrer ganzen Amplitude erfasst werden. Ein weiterer Vorteil dieses «Live-Trackings» ist die Möglichkeit zum Verzicht auf implantierte Marker, da damit ein invasiver Eingriff vermieden wird und weder Röntgenstrahlen noch elektromagnetische Wellen zur intrafraktionellen Überwachung benötigt werden.
Nicht nur die Atemvariabilität der Organe ist ein bekanntes Phänomen, auch die Lagevariabilität der inneren Organe, insbesondere Magen und Darm, können bei der Strahlentherapie relevant werden (8). Am MRI-LINAC wird diese Variabilität berücksichtigt, indem täglich in Bestrahlungsposition eine Aufnahme durchgeführt wird und anhand dieser der Bestrahlungsplan täglich in ca. 15-20 Minuten adaptiert wird, während der Patient noch auf dem Behandlungstisch liegt. (Abb. 3)
Diese verlässlichere Darstellung der Lage der Normalgewebsstrukturen, des Tumors sowie deren Lagebeziehung zueinander hat zusammen mit den oben erwähnten weiteren Vorteilen des MRI-LINACs den Weg zur weiteren Dosiserhöhung innerhalb des Zielvolumens unter gleichzeitiger Schonung kritischer Risikostrukturen geebnet und damit die sogenannte Therapeutische Breite verbessert (9).
Dem erwarteten Nutzen bei ausgewählten Indikationen gegenüberzustellen ist der erhöhte Aufwand einer MRT-geführten Radiotherapie, der auch einhergeht mit einer deutlich längeren Liegezeit für den Patienten in immobilisierter Position. Diese erstreckt sich von im Mittel circa 40 Minuten, wenn keine tägliche Planadaptation erfolgt bis zu 47-60 Minuten, wenn eine Planadaptation erfolgt (10, 11). Der Arbeitsablauf im interprofessionellen Team wird in (Abb. 4) dargestellt.
Ein weiterer Aspekt ist, dass Radio-OnkologInnen heutzutage v.a. in der Beurteilung von CT-Bildern vertraut sind, da bisher auf dem CT, häufig gestützt durch fusionierte PET- oder MRI-Bildgebung, die Bestrahlungsplanung stattfindet und die IGRT bisher hauptsächlich mit CBCT erfolgt. Mit dem MRI-LINAC ist der Gebrauch von MRI-Bildern nicht mehr nur auf den initialen Planungsprozess beschränkt, sondern wird zum Haupt-Arbeitsinstrument. Folglich ist die Fähigkeit zur Interpretation von MRI-Bildern bei der Arbeit an der Maschine essentiell. Mittlerweile sind am MRIDIAN auch Aufnahmen in verschiedenen Sequenzen möglich – damit gewinnen radiologische Kenntnisse in der Radio-Onkologischen Weiterbildung an Bedeutung.

Aktuelle klinische und wissenschaftliche Fragestellungen

Die beschriebene adaptive Strahlentherapie wird die Radio-Onkologie entscheidend verändern. Dafür gilt es basierend auf den bisherigen Daten und praktischen Erfahrungen wichtige Aspekte zu verbessern und wissenschaftlich zu fundieren. Nur so wird eine flächendeckende und praktisch mögliche Umsetzung tatsächlich in greifbare Nähe kommen. Dazu gehören folgende Aspekte:

  • Verbesserung des adaptiven Workflows: Verkürzung der Bildakquisitionszeit; Automatisierung der Konturadaptierung; Optimierung der Bestrahlungsplanung und Qualitätssicherung
  • Tägliche Dosisakkumulation durch Berechnung der «Dose of the day», um eine präzisere Abschätzung der tatsächlich applizierten Dosis zu ermöglichen und Dosis-Wirkungsmodellierung verlässlicher zu machen
  • Entwicklung von bildgebenden Biomarker unter Anwendung von klassischen qualitativen und semi-quantitativen Verfahren, um eine Patienten-individuelle Vorhersage des Tumoransprechens zu ermöglichen und Anpassung von Zielvolumina ohne Einbusse der lokalen Kontrolle auf eine biologische Basis zu stellen.
  • Geräte, bei denen die Plananpassung auf CBCT-Basis erfolgen kann, sind in der klinischen Erprobung.

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Helena Garcia Schüler

Universitätsspital Zürich
Radioonkologie
Rämistrasse 100
8091 Zürich

Helena.Garcia@usz.ch

Prof. Dr. med. Nicolaus Andratschke

Universitätsspital Zürich
Radioonkologie
Rämistrasse 100
8091 Zürich

Nicolaus.Andratschke@usz.ch

Dr. med. Matea Pavic

Oberärztin, RadioOnkologie
Universitätsspital Zürich
Radioonkologie
Rämistrasse 100
8091 Zürich

Matea.Pavic@usz.ch

keine; NA: Forschungsstipendium ViewRay und Brainlab, Referentenhonorar ViewRay; MP: Forschungsstipendium ViewRay.

◆ Die Bildgestützte Einstellung mit verschiedensten Techniken ist Standard in der modernen Radioonkologie und insbesondere bei stereotaktischen Verfahren nicht mehr wegzudenken.
◆ Die MR-geführte Radiotherapie bringt Vorteile wie höhere Weichteilauflösung, die Möglichkeit einer täglichen Planadaptation bei variabler Anatomie und einem zuverlässigen intrafraktionellen Monitoring und Gating atembeweglicher Tumore. Demgegenüber steht die höhere Liegezeit für den Patienten mit einem aufwendigen und personalintensiveren Workflow.
◆ Bei richtiger Patientenselektion ist die MR-geführte Radiotherapie v.a. in Tumoren des Oberbauchs, Leber aber auch für Stereotaxie der Lunge und Prostata eine wertvolle Technik, die die Präzision erhöht und Potential birgt, Nebenwirkungsraten weiter zu verringern.
◆ Insbesondere laufende klinische Studien werden weiter dazu beitragen, die Kollektive zu erkennen, die besonders von dieser Technik profitieren können.
◆ Eine weitere Zunahme von MRI-LINAC Geräten ist aufgrund der Vorteile für bestimmte Krankheitsbilder in Zukunft zu erwarten. Aufgrund der zeit- und personalintensiven Abläufe ist jedoch ein flächendeckender Einsatz in nächster Zukunft unwahrscheinlich. Bis dahin können geeignete Patienten entsprechend an die Zentren mit verfügbarer Technik zugewiesen werden.

Messages à retenir
â—† L’ ajustement guidé par l’image à l’ aide d’ une grande variété de techniques est la norme en radio-oncologie moderne et est devenu indispensable, notamment pour les procédures stéréotaxiques.
◆ La radiothérapie guidée par RM apporte des avantages tels qu’ une résolution plus élevée des tissus mous, la possibilité d’ adapter le plan quotidien à une anatomie variable, ainsi qu’ un monitoring intrafractionnel fiable et le gating des tumeurs respiratoires. D’ un autre côté, le temps de repos du patient est plus long, car le flux de travail est plus complexe et nécessite davantage de personnel.
◆ Avec une sélection adéquate des patients, la radiothérapie guidée par RM est une technique précieuse, en particulier pour les tumeurs de l’ abdomen supérieur et du foie, mais aussi pour la stéréotaxie du poumon et de la prostate, qui augmente la précision et a le potentiel de réduire davantage les taux d’ effets secondaires.
◆ En particulier, les essais cliniques en cours permettront de mieux identifier les collectifs qui peuvent particulièrement bénéficier de cette technique.
◆ On peut s’ attendre à une nouvelle augmentation des appareils IRM-LINAC à l’ avenir, vu les avantages qu’ ils présentent pour certaines pathologies. Toutefois, en raison du temps et du personnel nécessaires, il est peu probable qu’ une utilisation généralisée soit envisagée dans un avenir proche. En attendant, les patients appropriés peuvent être orientés de manière adéquate aux centres disposant de la technologie disponible.

ASCO 2021 – Ein erster Eindruck

Das zweite virtuelle ASCO Annual Meeting hat an den Börsen weniger Staub aufgewirbelt als auch schon und die überraschenden alltagstauglichen «Breaking News» waren sehr überblickbar. Besonders positiv herausgestochen ist sicherlich der Bereich der urologischen Onkologie, insbesondere für Prostata- und Nierenzellkarzinome.

Dagegen eher blass waren die Neuigkeiten in der gastrointestinalen Onkologie. Beim Mamma- und Lungenkarzinom waren in spezifischen Teilbereichen positive Resultate durchaus vorhanden, wie auch bei vielen weiteren Entitäten.
Das heisst auch, dass an den vielen Fronten wie gehabt in kleineren Schritten gearbeitet wird, neue Targets und Substanzen erprobt, bewährte Therapien optimiert, prädiktive und prognostische Faktoren sowie «companion diagnostics» getestet werden. Da und dort wird über erwartete Langzeit-Daten berichtet und natürlich sind auch erste COVID-19-bezogene Daten bei Krebspatienten bereits greifbar. Nicht überraschend, aber bedrückend sind die vielen Berichte über schlechtere Behandlungsergebnisse bei sozial deprivierten Patientinnen und Patienten – nicht nur, aber vor allem auch wegen massiv zu hohen Kosten sowie fehlender Informationen und fehlender sozialer Unterstützung.
Für unsere LeserInnen mag die Liste der Late Breaking Abstracts (LBA) und die Best-of-Wahl der Kolleginnen und Kollegen vom «Chicago in the Mountains» ein hilfreiches Instrument sein, um sich schnell einen ersten Überblick zu verschaffen. Diese Nachbearbeitung und Einordnung der wichtigsten Präsentationen des ASCO war wiederum ausgezeichnet gemacht und allen Beteiligten gehört ein grosses Kompliment ausgesprochen. Die Diskussion der GU-Session, z.B. mit Zuschaltung von Tom Powles direkt aus London, war herausragend.
Hier also die LBAs der Plenary Session des ASCO 2021und die Hitliste des Teams «Chicago in the Mountains», wobei die LBAs auch Teil davon sind:

Prof. em. Dr. med.Thomas Cerny

Rosengartenstrasse 1d
9000 St. Gallen

thomas.cerny@kssg.ch

Patienten mit AML oder Hochrisiko-MDS und FLT3-Mutation: Chemotherapie unter Zugabe von Gilteritinib oder Midostaurin

Bei etwa 30% aller Patienten mit einer neu diagnostizierten, akuten myeloischen Leukämie (AML) bestehen aktivierende Mutationen des FMS-Tyrosinkinase 3-Gens (FLT3). Bei diesen Patienten kann die Zugabe des Kinaseinhibitors Midostaurin zur Standard-Chemotherapie das ereignisfreie Überleben (EFS) und das Gesamtüberleben (OS) verlängern – dennoch ist das Risiko für ein Therapieversagen resp. ein Rezidiv in dieser Patientengruppe sehr hoch. Der Wirkstoff Gilteritinib kann das mutierte FLT3 stärker und spezifischer hemmen als Midostaurin; in verschiedenen klinischen Studien hat Gilteritinib bei AML-Patienten vielversprechende Aktivität gezeigt.
In der Studie HOVON 156 wird die Wirksamkeit von Gilteritinib und Midostaurin direkt verglichen. Patienten mit einer neu diagnostizierten AML und einer FLT3-Mutation, die sich einer intensiven Chemotherapie unterziehen, werden in zwei Gruppen randomisiert: Patienten der Gruppe A erhalten während Induktions-, Konsolidierungs- und Erhaltungstherapie zusätzlich Midostaurin, Patienten der Gruppe B zusätzlich Gilteritinib (Abb. 1). Insgesamt sollen 768 Patienten in die Studie eingeschlossen werden (384 Patienten pro Arm), davon ca. 50 Patienten in der Schweiz. Der primäre Endpunkt besteht im EFS, sekundäre Endpunkte sind unter anderem OS, Sicherheit, Verträglichkeit und Lebensqualität. Wir hoffen, dass die zusätzliche Gabe von Gilteritinib zur Chemotherapie dazu beiträgt, das Rezidivrisiko von AML-Patienten mit FLT3-Mutation zu senken und ihre Prognose zu verbessern.
Diese Studie wird unterstützt durch Forschungsvereinbarungen mit folgenden Institutionen: Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI, Stiftung Krebsforschung Schweiz und Krebsliga Schweiz.

Studiendesign: Prospective, multicenter, open-label, randomized, phase III clinical study.
Studientitel: HOVON 156 / AMLSG 28-18: A phase 3, multicenter, open-label, randomized, study of Gilteritinib versus Midostaurin in combination with induction and consolidation therapy followed by one-year maintenance in patients with newly diagnosed acute myeloid leukemia (AML) or myelodysplastic syndromes with excess blasts-2 (MDS-EB2) with FLT3 mutations eligible for intensive chemotherapy.
Teilnehmende Zentren: Kantonsspital Aarau, Universitätsspital Basel, EOC – Istituto Oncologico della Svizzera Italiana,
Inselspital Bern, Hôpital Fribourgeois – Hôpital Cantonal, Hôpitaux Universitaires de Genève, CHUV – Centre hospitalier universitaire vaudois, Luzerner Kantonsspital, Kantonsspital St. Gallen, UniversitätsSpital Zürich.
Coordinating Investigator: Prof. Dr. med. Thomas Pabst, Inselspital Bern, thomas.pabst@insel.ch
Clinical Project Manager: Corinne Vorburger, Klinische Forschungseinheit Onkologie, Inselspital Bern, corinne.vorburger@insel.ch.
SAKK Verantwortliche: Céline Hummel, SAKK Koordinations-zentrum Bern, celine.hummel@sakk.ch.

Weitere Informationen zur SAKK
www.sakk.ch

Prof. Dr. med. Roger von Moos

Direktor Tumor- und Forschungszentrum
Kantonsspital Graubünden
7000 Chur

tumorzentrum@ksgr.ch