Medizinische Reiseandenken

Urlaub ist die Erholung von der Arbeitszeit, und für viele bedeutet dies die Planung einer schönen Reise mit Sonne, Strand und Meer – barfuss im Sand laufen gibt uns dabei ein Gefühl der Freiheit (Abb. 1). Beim Strandspaziergang, Baden, Wassersport oder anderen Aktivitäten kann man sich allerdings Wunden, Hautausschläge, oder Parasiten zuziehen. Hier berichten wir über eine kleine Auswahl an «medizinischen Reiseandenken» und mögliche Folgen.

Seeigel

Der Sprung ins Wasser, Schnorcheln oder ein anderer Wassersport kann erfrischend sein, aber auch unangenehme Konsequenzen haben. In Küstenregionen sind Verletzungen durch Seeigel (Abb. 2)
häufig. Seeigel gehören zur Klasse der Echinoidea mit über 600 Arten (1). Bei Kontakt mit den Stacheln, welche aus Calciumcarbonat bestehen, können diese die Haut durchbohren und abbrechen, so dass diese unter der Haut stecken bleiben. Am häufigsten sind Hände oder Füsse betroffen. Die Schwere der Verletzung variiert von kleinen lokalen Wunden, einer bis Monate später verzögerten Bildung von schmerzhaften Granulomen in der Haut (2, 3), bis hin zu Arthritis oder Synovitis, die durch Stacheln in Gelenken hervorgerufen werden können (1, 4, 5). Bei den granulomatösen Entzündungsreaktionen ist bei bis zu 20% als Ursache eine Infektion mit Mycobacterium marinum beschrieben (6). Weiterhin gibt es über 80 Arten von Seeigeln, welche giftig sind. Deren Stacheln enthalten Toxine (z.B. Histamin, Serotonin oder Bradykinin), welche eine systemische Erkrankung mit starken Schmerzen, Nausea, Erbrechen, Muskelschwäche, Hypotonie und Atemnot hervorrufen können (7, 8). Der betroffene Körperteil, welcher durch Stacheln von Seeigeln verletzt wurde, sollte in warmem Wasser gebadet werden, um die Wirkung der Toxine zu reduzieren und den Schmerz zu lindern. Um Komplikationen zu vermeiden, ist die rasche Entfernung der Stacheln mit Pinzette oder einer sterilen Hohlnadel empfohlen (9). Bakterielle Superinfektionen können auftreten. Diese werden primär durch typische Hautbakterien ausgelöst (Staphylokokken, Streptokokken), können aber auch durch Wasserkeime (typischerweise gramnegative Erreger wie Pseudmonas spp., Vibrio spp. etc.) oder durch atypische Mykobakterien ausgelöst werden. Eine Kultur des Eiters oder des Stachels nach Extraktion ist empfehlenswert – spätestens aber klar indiziert nach einer ersten empirischen antibiotischen Therapie. Zudem sollte der Tetanusschutz wenn nötig aufgefrischt werden.

Tungiasis («jigger flea»)

Wenige Tage nach einer Madagaskar-Reise stellte sich eine 35-jährige Reisende wegen eines juckenden und leicht schmerzhaften Knotens an der Fusssohle vor. Die Reisende berichtete, die letzten Tage der Reise am Strand verbracht zu haben, wo sie viel barfuss im Sand gelaufen sei. Während der Reise habe sie keine Beschwerden gehabt. Klinisch zeigt sich ein praller, 5 mm grosser Knoten an der rechten Fusssohle, gelblich mit einem kleinen schwarzen Punkt in der Mitte (Abb. 3) (10). Dieser war mit einem Befall durch einen Sandfloh vereinbar, welcher mit einer sterilen Nadel entfernt werden konnte.
Die Tungiasis ist eine kutane Parasitose, eine Folge der Infektion von Sandflöhen der Gattung Tunga, meist Tunga penetrans und seltener Tunga trimamillata (11). Ursprünglich kamen die Sandflöhe in Südamerika vor und breiteten sich ab dem 16. Jahrhundert weiter nach Sub-Sahara-Afrika aus. Heute kommen sie in allen tropischen und subtropischen Gebieten vor (12). Die Sandflöhe leben im Sand, so dass der Mensch beim Barfusslaufen oder Liegen im Sand befallen werden kann. Meist sind die Füsse betroffen. Das Weibchen bohrt sich in die Haut und ernährt sich von subepidermalen Blutgefässen. Der Hinterleib ragt aus der Haut heraus und ist als schwarzer Punkt erkennbar. Über diesen kann das Weibchen atmen, sich begatten lassen und Fäkalien und Eier ausscheiden. Das Weibchen stirbt nach 3-5 Wochen ab (13).
In endemischen, v.a. armen Gegenden besteht eine hohe Morbidität, wobei insbesondere Kinder häufig chronisch infiziert sind und sekundäre Infektionen sowie ein starker Befall auch zu langfristigen Komplikationen führen können (12).
Touristen hingegen sind meist nur von einem einzelnen Sandfloh befallen (14, 15). Die Diagnose kann meist klinisch gestellt werden. Obwohl der Befall selbstlimitierend ist, da die Weibchen nach wenigen Wochen absterben, sollten die Sandflöhe mit einer sterilen Nadel oder chirurgisch entfernt werden, da bakterielle Superinfektionen als Komplikation häufig sind (16). Auch der Tetanusschutz sollte überprüft werden. Schützen kann man sich, indem man auf Barfusslaufen verzichtet und Insektizid-haltige Cremes oder Sprays auf die Füsse appliziert.

Kutane Larva migrans

Auch häufig an den Füssen auftretend oder an Hautstellen, die mit Sand / der Erde in Kontakt waren, sind Hautmanifestationen eines Hakenwurmbefalls. Die kutane Larva migrans ist bei Reisenden und Migranten einer der am häufigsten importierten Hauterkrankungen (17). Häufig stecken sich Reisende an Stränden in (sub-)tropischen Zonen an (18).
Allerdings sind Hakenwürmer auf der ganzen Welt verbreitet und es sind auch autochthone Fälle aus kälteren Regionen Europas beschrieben (19). Am häufigsten sind Larven vom Hakenwurm Ancylostoma braziliense oder Ancylostoma caninum, seltener Uncinaria stenocephala. Die Ansteckung erfolgt beim Kontakt mit den Nematodenlarven aus dem Kot von infizierten Tieren – meist Hunde oder Katzen. Häufig passiert dies beim Barfusslaufen am Strand oder Liegen auf dem Sand ohne Handtuch, wenn der Sand mit Kot von streunenden Hunden oder Katzen verunreinigt ist. Die Larven penetrieren die Haut und bilden leicht erhabene, geschlängelte Gänge (Abb. 4). In der Folge kommt es zu einem starken Juckreiz. Die Gänge werden von den wandernden Larven unter der Haut verursacht, welche sich ca. 1 cm pro Tag vorwärtsbewegen. Diese nicht humanen Hakenwurmlarven können die humane Basalmembran nicht durchdringen und bleiben daher sehr oberflächlich. Die typische Erscheinung, auch «creeping eruption» genannt, ist pathognomonisch, und tritt meist in den ersten vier Wochen nach Reiserückkehr auf, die Inkubationszeit kann aber auch mehrere Monate betragen (18).
Die kutane Larva migrans wird jedoch oft nicht erkannt, so dass Betroffene häufig einige Wochen durch den Pruritus geplagt sind und nicht wirksame Therapien erhalten (20). Allerdings ist der Mensch Fehlwirt der Hakenwürmer, so dass sich die Larven nicht weiterentwickeln können und nach fünf bis sechs Wochen absterben und resorbiert werden. Eine Therapie ist also nicht unbedingt notwendig, sollte aber vor allem wegen des ausgeprägten Juckreizes, der psychischen Belastung durch einen Parasitenbefall und Risiko von sekundären Superinfektionen erfolgen. Die Behandlung erfolgt in der Regel mit Albendazol 400 mg zweimal täglich für 3 Tage (21-24). Zudem sollte auch hier der Tetanusschutz kontrolliert werden. Nach der Therapie verschwindet der Pruritus meist innert weniger Tage bis Wochen (201). Als Prophylaxe gilt das Gleiche wie für die Sandflöhe – Tragen von Schuhwerk mit festen Sohle, Nutzen von Liegen, kein Abliegen direkt in den Sand.

Larva currens

Die serpiginösen Exantheme der kutanen Larva migrans sollten nicht mit denen der Larva currens verwechselt werden. Diese werden ausgelöst durch die Larven von Strongyloides stercoralis, ebenso ein Nematode. Die Infektion erfolgt meist durch transkutane Penetration der Larven, die sich in der Erde oder in sandigen Böden befinden, weshalb man sich ebenso beim Barfussgehen infizieren kann. Endemisch ist der Zwergfadenwurm in tropischen Ländern, er kommt aber weltweit auch in gemässigten Zonen vor (25, 26). Die Larven wandern nach Penetration der kutanen Schichten in den Blutgefässen durch die Lunge, werden hochgehustet, geschluckt, und siedeln sich im Dünndarm an, wo die Weibchen Eier legen (27, 28). Aus den Eiern schlüpft das erste Larvenstadium, welches mit dem Stuhl ausgeschieden wird. Sie können sich jedoch bereits im Darm zum dritten, infektiösen filariformen Larvenstadium weiterentwickeln und zu einer Autoinfektion führen, indem sie sich perianal wieder durch die Haut des gleichen Wirtes bohren. Die Infektion ist bei Immunkompetenten meist asymptomatisch oder ruft milde gastrointestinale Symptome oder respiratorische Beschwerden bei der Lungenpassage hervor. Die Hautmanifestationen sind weniger scharf begrenzte Gänge, die sich bis zu 5 cm pro Stunde ausbreiten und daher «Larva currens» genannt werden (Abb. 5). Insgesamt sind diese Symptome aber eher selten. Bei Immunsuppression (primär bei hochdosierten Corticosteroiden) kann es hingegen zu einem Hyperinfestationsyndrom kommen, einhergehend mit hoher Morbidität und möglicher Mortalität (29, 30). Die Therapie der Wahl ist Ivermectin (31). Vor Immunsuppression, insbesondere vor Einsatz von hochdosierten Steroiden, sollte daher ein Screening mit Serologie durchgeführt werden (30). Zur Vermeidung sollten auch hier Schuhe getragen werden.

Badedermatosen

Nach manch einem Bad im Meer oder einem schönen Badesee kann auch ein unangenehmer Juckreiz auftreten. Häufige Ursache ist die Zerkariendermatitis, hervorgerufen durch die Fehlbesiedelung des Menschen mit Larven (Zerkarien) von verschiedenen Saugwürmern der Familie Schisosomatidae. Diese befallen üblicherweise Wasservögel und -tiere, und können in Süss- und Salzwasser auf der ganzen Welt vorkommen (32). Da Enten typische Endwirte sind, spricht man häufig auch von «Entenflöhen». Schnecken dienen als Zwischenwirt für die Würmer. Die Zerkarien bohren sich beim Baden durch die Haut, können sich jedoch im Menschen nicht weiterentwickeln und sterben ab. Sie können eine entzündliche immunologische Hautreaktion hervorrufen, welche nach Minuten bis Stunden zu starkem Juckreiz, Pusteln oder Quaddeln in exponierten Hautstellen führen kann (33). Der Hautausschlag ist typischerweise an den von Badekleidung unbedeckten Stellen. Antihistaminika und topische Steroide lindern die Beschwerden.
Die Zerkariendermatitis sollte nicht mit der Nesseltierlarven-Dermatitis verwechselt werden. Diese wird durch Larven von bestimmten Seeanemonen und Quallen hervorgerufen, typischerweise beim Baden in suptropischen und tropischen Ozeanen. Die Larven bleiben zwischen Kleidung und Haut haften und durch Druck und Austrocknen werden Toxine frei, wodurch stark juckende Papeln im Bereich der Badekleidung, die sogenannte «sea bathers eruption», hervorgerufen wird (34). Selten können auch systemische Reaktionen wie Fieber und Erbrechen auftreten. Innerhalb von zwei Wochen verschwinden die Exantheme spontan, zur Linderung der immunologischen Reaktion können auch hier Antihistimanika und lokale Steroide verwendet werden (35).

Copyright Aerzteverlag medinfo

Dr. med. Anna Eichenberger

FMH Tropen- und Reisemedizin, FMH Innere Medizin
Universitätsspital Bern, Klinik für Infektiologie
Freiburgstrasse 16p
3010 Bern

anna.eichenberger@insel.ch

Dr. med. Cornelia Staehelin

Universitätsspital Bern, Klinik für Infektiologie
Freiburgstrasse 16p
3010 Bern

cornelia.staehelin@insel.ch

Die Autorinnen haben deklariert, in Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte zu haben.

◆ Häufige medizinische «Reisesouvenirs» sind banal und bleiben asymptomatisch oder verschwinden wieder spontan.
◆ Seeigelstachel können zu bakteriellen Superinfektionen führen oder Granulome hervorrufen, so dass sie wenn möglich rasch mit einer sterilen Nadel entfernt werden sollten.
◆ Um einer Infektion mit Sandflöhen, Strongyloides, den humanen Hakenwürmern (Necator americanus oder Ancylostoma duodenale) oder den tierpathogenen Hakenwürmern Ancylostoma braziliense oder Ancylostoma caninum vorzubeugen, sollte auf barfuss laufen verzichtet werden und sich nicht direkt in den Sand gesetzt werden.
◆ Vor Beginn einer Immunsuppressiven Therapie, insbesondere mit hochdosierten Kortikosteroiden sollte nach Auslandsreisen ein serologisches Screening für Strongyloides durchgeführt werden. Unter hoch dosierter Kortikosteroidtherapie kann eine unbehandelte Strongyloides-Infektion zu einem Hyperinfestationssyndrom führen.

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Diagnose und Therapie der Hypertonie

Bluthochdruck ist in der Schweiz die häufigste in der Arzt­praxis gestellte Diagnose, stellt die Schweizerische Herz­stiftung fest (1). Personen mit hohem Blutdruck sind nicht krank und spüren in der Regel keine Beschwerden. Personen mit Bluthochdruck haben aber ein hohes Risiko zu erkranken: Menschen mit unbehandeltem Bluthochdruck haben je nach Schweregrad ein doppelt bis zehnmal erhöhtes Risiko für Hirnschlag, Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz.

Die Praxis des Hausarztes ist der ideale Ort für eine frühzeitige Diagnose und Therapie des Bluthochdrucks. Erfahrungsgemäss benötigen die meisten Hypertoniker eine Kombination von nicht-pharmakologischen und pharmakologischen Strategien zur Erreichung eines normalen Blutdrucks. Dieser Artikel fasst die Themen rund um Bluthochdruck zusammen, die sowohl für Kardiologen als auch für Hausärzte wichtig sind.

Wie wird die Diagnose arterielle Hypertonie bestätigt?

Liegen die Blutdruckwerte bei einer einzigen Messung in der Praxis über 140/90 mmHg, sollen mindestens drei weitere Messungen innerhalb weniger Wochen die erhöhten Blutdruckwerte bestätigen, um sicher zu sein, dass ein Bluthochdruck vorliegt. Eine einzelne Messung oder Messungen, die nicht in Ruhe erfolgen, dienen zur Diagnose nicht. Zudem empfehlen die aktuellen Richtlinien (2, 3) Personen zu motivieren, Blutdruckwerte gemäss schriftlichen Instruktionen zu messen und wenn möglich sollte eine 24-Stunden-Blutdruckmessung erfolgen. Diese Untersuchung hilft spezielle Formen der Hypertonie (wie z.B. Weisskittel- oder die maskierte Hypertonie) zu identifizieren. Zudem kann damit eine nächtliche Hypertonie entdeckt werden.
Bei vielen Patienten ist es aber nicht einfach, die Diagnose zu stellen, weil ihre Blutdruckwerte stark schwanken oder nur in bestimmten Lebenssituationen zu hoch sind. Blutdruckwerte gemessen bei Symptomen (Kopfschmerzen, Angst, Palpitationen…) dürfen nicht mit den Normwerten in Ruhe verglichen werden.
Die normalen Blutdruckwerte sind in Tabelle 1 zusammengefasst.

Abklärungen bei bestätigtem Bluthochdruck

Nach Bestätigung der Diagnose arterielle Hypertonie ist es wichtig, den Grad der Hypertonie zu bestimmen (Tab. 1), eine evtl. vorhandene Ursache des Bluthochdrucks auszuschliessen, das gesamte kardiovaskuläres Risiko zu beurteilen und die möglichen Organschäden zu evaluieren.
Die detaillierten Tests, die zur Diagnose der verschiedenen Formen der sekundären Hypertonie dienen, sind in Tabelle 2 zusammengefasst.

Evaluation des kardiovaskulären Risikos

Zur Ermittlung des gesamten kardiovaskulären Risikos sollen bei jedem Patienten mit arterieller Hypertonie die folgenden zusätzlichen kardiovaskulären Risikofaktoren evaluiert werden: Herz-Kreislauferkrankungen in der Familie, Alter (Männer > 55-jährig, Frauen > 65-jährig), Tabak/Nikotin-Konsum, Adipositas, körperliche Inaktivität, Diabetes mellitus und Dyslipidämie. Als Hilfe dient der AGLA Score (4), der das absolute Risiko berechnet, innerhalb von 10 Jahren ein tödliches Koronarereignis oder einen nicht-tödlichen Myokardinfarkt zu erleiden oder der SCORE der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (5), der das absolute Risiko für einen tödlichen Herzinfarkt innerhalb der nächsten 10 Jahre berechnet.

Hypertonie-bedingter Endorganschaden

Ein 12-Kanal-EKG, Labor (Nierenfunktion und Urinanalyse mit mikroskopischer Urin-Untersuchung), Mikroalbuminurie (Albumin/Kreatinin-Ratio) und Proteinurie sollen bei jedem Patienten mit arterieller Hypertonie gemacht werden. Eine erweiterte Suche nach Hypertonie-bedingtem Endorganschaden soll basierend auf der Anamnese, dem klinischen Untersuch und den folgenden technischen Routine-Untersuchungen durchgeführt werden.
Spezifisch (2, 3):

  • Echokardiographie wird empfohlen bei hypertensiven Patienten mit EKG-Auffälligkeiten oder Symptomen/Befunden einer Herzinsuffizienz und kann erwogen werden, wenn eine linksventrikuläre Hypertrophie das weitere Management beeinflusst.
  • Nierensonografie und Nierenarterien-Doppler sollte erwogen werden bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, Albuminurie/Proteinurie oder bei Verdacht auf eine sekundäre Hypertonie.
  • Kognitive Funktionstests: sollten bei jedem hypertensiven Patienten über 75 Jahre erwogen werden.

Therapie der arteriellen Hypertonie

Ziel der antihypertensiven Therapie

Ziel der Behandlung von Hypertonikern ist die langfristige Senkung des kardiovaskulären Risikos. Für eine optimale Risikoreduktion ist die Erfassung und Behandlung aller zusätzlichen beeinflussbaren Risikofaktoren notwendig.
Generell gilt, dass der Blutdruck < 140/90 mmHg (Praxismessung) sein soll. Bei den meisten Patienten soll der Blutdruck innerhalb der idealen Range von 120-130/70-80 mmHg gesenkt werden (2, 3).

Änderungen des Lebensstils

Bei jedem Patienten mit arterieller Hypertonie sollen Änderungen des Lebensstils empfohlen werden, unabhängig vom Grad der Hypertonie und des kardiovaskulären Risikos. Diese Faktoren beeinflussen den Zeitpunkt der Anfang einer pharmakologischen Therapie (2, 3). Zusätzlich zu den bekannten Lebensstil-Änderungen (Nikotinabstinenz, Ernährung ohne Salz-Exzess, reich an Früchten und Gemüse, Alkoholeinschränkung, Körperausdauer­training, Gewicht- und Stress-Reduktion) sollen auch weitere Faktoren wie z.B. Lärm- oder Licht-Exposition, Schlafrhythmus berücksichtigt werden.

Pharmakologische Therapie

Fünf verschiedene Klassen von Medikamenten werden als Erstlinien-Behandlung von Bluthochdruck empfohlen: Angiotensin-Converting-Enzym (ACE)-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARBs), Betablocker, Calciumkanalblocker (CCBs) und Diuretika (Thiazide und Thiazid-ähnliche Diuretika wie Chlortalidon und Indapamid) (2, 3).
ACE-I oder ARBs allein oder in Kombination mit einem Calcium­antagonisten oder einem Diuretikum sind erste Wahl (Thiazid-ähnlich gegenüber Hydrochlorothiazid wird bevorzugt, Schleifendiuretika nur bei eingeschränkter Nierenfunktion). Die Verwendung von Betablockern ist auf spezielle Indikationen beschränkt (2, 3). Medikamente wie Aldosteron-Antagonisten, Alfa-Blocker oder zentrale Antihypertensiva kommen bei therapie-resistenter Hypertonie zum Einsatz.

Welche Patienten mit Hypertonie sollen eine pharmakologische Therapie erhalten und wie schnell soll diese etabliert sein?

Die Entscheidung, eine medikamentöse Therapie einzuleiten, sollte individualisiert werden. Die Patienten sollen in eine solche Entscheidung aktiv involviert werden. Gemäss den ESC/ESH-Richtlinien (3) sollte bei Patienten mit Hypertonie Grad 2 oder 3 die blutdrucksenkende pharmakologische Therapie gleichzeitig mit den Lebensstilveränderungen unverzüglich initiiert werden. Bei Personen mit hoch-normalem Blutdruck oder Hypertonie Grad 1 und sehr hohem kardiovaskulärem Risiko soll eine medikamentöse Therapie oder nach einiger Zeit eine nicht-pharmakologische Therapie eingeleitet werden (Abb. 1).

Bei den meisten Patienten bleibt der Blutdruck unter Monotherapie ausserhalb des Zielbereichs. Zudem hat die Kombinationstherapie mit Medikamenten aus verschiedenen Klassen eine wesentlich stärkere blutdrucksenkende Wirkung als die Verdoppelung der Dosis eines einzelnen Wirkstoffs (6).
Infolgedessen wird in den neuen Richtlinien zur Behandlung von Bluthochdruck vorgeschlagen, die Kombinationstherapie in einem frühen Stadium und, wenn möglich, als Einzelpillen-Kombinations­medikation mit fester Dosis zu verwenden, um die Adhärenz des Patienten zu verbessern (2, 3).
Wenn eine Kombinationstherapie benötigt wird, empfehlen die Guidelines als erstes eine Therapie mit einem langwirksamen ACE-Hemmer oder ARB in Kombination (fix, wenn dies möglich ist) mit einem langwirksamen Dihydropyridin-CCB oder einem Diuretikum. Die Kombination eines ACE-Inhibitors oder ARBs mit einem Thiazid-Diuretikum wird als vorteilhafter angesehen, wenn ein Thiazid-ähnliches Diuretikum (Chlortalidon oder Indapamid) anstelle von Hydrochlorothiazid verwendet wird (3, 7).
Selbst wenn Kopf-an-Kopf-Studien fehlen, legen die verfügbaren Daten nahe, dass Thiazid-ähnliche Diuretika wie Chlortalidon und Indapamid gegenüber klassischen Thiaziddiuretika (z. B. Hydrochlorothiazid und Bendrofluazid) bevorzugt werden sollten (3, 7, 8).
Der nächste Schritt ist die Kombination von RAAS-Blockern, Ca-Antagonisten und Thiazid/Thiazid-ähnlichen Diuretika (3).
Bleibt der Blutdruck unter dieser Dreifachkombinationstherapie unkontrolliert, kann ein Mineralocorticoidrezeptor (MR)-Antagonist (d.h. Spironolacton oder Eplerenon) hinzugefügt werden (9). Bei Patienten mit schwer zu behandelnder/resistenter Hypertonie könnten Betablocker, Alphablocker oder direkte Vasodilatatoren hinzugefügt werden. Im Allgemeinen sollte die gleichzeitige Anwendung von Betablockern und Nicht-Dihydropyridin-CCBs vermieden werden, da beide Wirkstoffklassen die Herzfrequenz senken (3).
Organschäden von Bluthochdruck lassen sich aber nur vermeiden, wenn der Blutdruck dauerhaft und langfristig gesenkt wird. Der Umstand, dass die nicht-pharmakologische/pharmakologische antihypertensive Therapie ein lebenslanger Begleiter sein muss, ist für viele Patienten schwierig zu akzeptieren. Offene Arzt-Patienten Gespräche über die positiven Effekte, Wirkmechanismus und mögliche Nebenwirkungen der Medikamente sowie regelmässigen Kontrollen sind für die zukünftige Adhärenz essentiell.

Folgekontrollen bei Patienten mit Bluthochdruck

Vor und kurzfristig nach Anfang einer antihypertensiven Therapie ist es notwendig, dass die Patienten beim Arzt kontrolliert werden. In diesen Phasen sind die Praxis-Messungen sowie evtl. die 24h Blutdruck Messung für die Diagnose und die Einstellung der Therapie sehr wichtig. Beim Einsatz von gewissen Medikamenten kann auch eine Labor-Kontrolle sinnvoll sein (Kreatinin bei RAAS-Blockern, Kalium bei Diuretika…). Die Häufigkeit der weiteren Kontrollen hängt vom Schweregrad des Bluthochdrucks, der Dringlichkeit Kontrolle des Blutdrucks zu erreichen, und der evtl. vorhandenen Komorbiditäten ab.

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Zweitabdruck des in info@herz+gefäss 3-2021;19-23 erschienen Originalartikels.

Prof. Dr. med. Isabella Sudano

Hypertonie-, Lipid-, Tabakentwöhnungssprechstunde
Kardiovaskuläre Forschung
Universitäres Herzzentrum, Klinik für Kardiologie
UniversitätsSpital Zürich
Rämistrasse 100
8091 Zürich

isabella.sudano@usz.ch

Consulting fees, travel grant and honoraria from: Amgen, Daiichi Sankyo, Medtronic, MSD, Recordati, Sanofi und Servier

◆ Bluthochdruck ist in der Schweiz die häufigste in der Arztpraxis gestellte Diagnose.
◆ Im Vergleich zu Personen mit normalem Blutdruck erleiden Menschen mit unbehandeltem Bluthochdruck je nach Schweregrad doppelt bis zehnmal so häufig einen Hirnschlag oder Herzinfarkt oder erkranken an Herzinsuffizienz.
◆ Eine korrekte Diagnose erlaubt eine frühzeitige antihypertensiv Therapie, die zur Reduktion dieser Komplikationen, vielen Folgeerkrankungen und Todesfälle dienen kann.
◆ Zur Behandlung des Bluthochdrucks stehen Änderungen des Lebensstils sowie blutdrucksenkende Medikamente: Erfahrungsgemäss benötigen die meisten Patienten die Kombination von nicht-pharma­ko­logischen und pharmakologischen Strategien.

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8. Roush GC, Ernst ME, Kostis JB, Tandon S, Sica DA. Head-to-head comparisons of hydrochlorothiazide with indapamide and chlorthalidone: antihypertensive and metabolic effects. Hypertension. 2015;65(5):1041-6.
9. Williams B, MacDonald TM, Morant S, Webb DJ, Sever P, McInnes G, et al. Spironolactone versus placebo, bisoprolol, and doxazosin to determine the optimal treatment for drug-resistant hypertension (PATHWAY-2): a randomised, double-blind, crossover trial. Lancet. 2015;386(10008):2059-68.
10. Sudano I, Suter P. Hypertonie: Wann und wie soll man eine sekundäre Ätiologie abklären? Schweiz Med Forum. 2014;14(08):146-50.

Streptokokken-Infektionen

Die Streptokokken sind eine Gattung mit mehr als 100 beschriebenen Arten, von denen einige eine hohe medizinische Relevanz besitzen. Diese als Gram-positive, zumeist in Ketten gelagerten Bakterien sind bei vielfältigen Krankheitsbildern anzutreffen und gehören sicher zu den bedeutenden Krankheitserregern im ärztlichen Alltag. Entsprechend vielfältig stellt sich die verfügbare Literatur dar. In der vorliegenden Übersicht werden zu ausgewählten Krankheitsbildern (Tonsillopharyngitis durch Streptococcus pyogenes, «Säuglingsmeningitis » durch Streptococcus agalactiae und Endocarditis durch Gruppe D Streptokokken) die verfügbaren internationalen Leitlinien beleuchtet.

Die Gattungen Streptococcus und Enterococcus sind mit anaeroben Gattungen taxonomisch in der Familie Streptococcaceae zusammengefasst. Kennzeichnendes Merkmal ist ihre mikroskopische Erscheinung in Form von Gram-positiven Kettenkokken (Abb. 1). Das Genus Streptococcus umfasst derzeit 109 valide beschriebene Spezies, von denen nur ein kleiner Teil in der Humanmedizin eine relevante Rolle als Infektionserreger spielt (Tab. 1).


Historisch wurden Streptokokken zunächst auf Grund ihrer Hämolyse auf Blut-haltigen Nährmedien unterschieden. Lancefield teilte später die β-hämolysierenden Streptokokken auf Grund von Kapselantigenen in Gruppen ein. Die Bezeichnungen Gruppe A Streptokokken (GAS) für Streptococcus pyogenes und Gruppe B-Streptokokken (GBS) für Streptococcus agalactiae haben sich bis heute gehalten und werden oft synonym zu den wissenschaftlichen lateinischen Namen verwendet. Während GAS und GBS im Labor relativ einfach mittels massenspektrometrischer Methoden (MALDI-ToF, Tab. 2) anzusprechen sind, ist die exakte Identifizierung der Arten in der Gruppe der Oral- oder vergrünenden Streptokokken nicht immer einfach. Mikrobiologisch werden diese überwiegend im oropharyngealen Raum beheimateten Streptokokken in die Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) und sechs Untergruppen eingeteilt.
Nicht nur mikrobiologisch, auch hinsichtlich der durch sie ausgelösten Krankheitsbilder sehen wir eine grosse Variabilität Streptokokken-assoziierter Infektionen (Tab. 1), weshalb eine Betrachtung der aktuellen Leitlinien eine gewisse Beschränkung erfahren muss. Im Folgenden werden daher die international vorhandenen Leitlinien zur akuten Tonsillopharyngitis (ATP), zum GBS-Screening zur Prävention der Early-onset-Sepsis/Meningitis des Neugeborenen sowie Leitlinien zur Endocarditis mit Blick auf Oralstreptokokken als Erreger diskutiert und zusammengefasst.

GAS-Tonsillopharyngitis

Die weitaus häufigste Manifestation der GAS ist die akute Tonsillopharyngitis (ATP), welche eine gewisse Saisonalität zeigt (1) und in jedem Alter auftreten kann, jedoch bei Kindern im Schulalter die höchste Inzidenz hat (2).
Die Unterscheidung von Pharyngitis, Tonsillitis und Tonsillopharyngitis ist in vielen Fällen nicht einfach, der Schweregrad der Symptomatik kann stark schwanken. Das klassische Symptom der exsudativen Tonsillitis mit vergrösserten, geröteten Mandeln und eitrigem Exsudat, kann oft auch ausbleiben (3). Späte Komplikationen sind in Europa mittlerweile selten (4). Beim Auftreten von Scharlach in Zusammenhang mit der ATP steht die systemische Immunantwort auf die pyrogenen Exotoxine mit den dazugehörigen Symptomen im Vordergrund. Schwere Verlaufsformen sind die nekrotisierende Fasziitis und das Streptokokken-Toxin-Schock-Syndrom (5).
Die Infectious Disease Society of America (IDSA) (2) und die Arbeitsgruppe für akute Halsschmerzen der European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ESCMID) (6) haben Leitlinien zur diagnostischen Aufarbeitung und dem Management von GAS ATP publiziert, das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) (7) zur Antibiotikatherapie bei akuten Halsschmerzen.
In den Leitlinien werden für die Diagnostik der GAS-ATP v.a. das klinische Scoring System nach Centor (CSS) bzw. McIsaac (MSS), die RADTs und die klassische Anreicherungskultur diskutiert (Tab. 2). Der Nachweis mittels NAAT/PCR scheint angesichts der im Vergleich hohen Kosten nicht adäquat (7). Serologische Nachweismethoden – mit Ausnahme des Ausschlusses von ARN und AGF – haben keine Bedeutung.
Die Unterscheidung von echten Infektionen vom Trägerstatus (bis zu 25% der Bevölkerung) (8) stellt eine wesentliche Hürde dar und ist mittels RADTs und NAATs nicht möglich, der klinischen Beurteilung kommt daher die höhere Gewichtung zu. Mittels CSS werden Punkte für definierte Symptome vergeben. Beim Maximum von 4 Punkten beträgt die Wahrscheinlichkeit einer positiven GAS-Kultur 56%, beim Minimumscore hingegen nur 2.5% (9). Das ähnlich aufgebaute MSS bezieht zusätzlich die höhere Wahrscheinlichkeit für eine GAS Infektion bei Kindern ein (10).
Es besteht Konsens darüber, dass die klinische Bewertung nach CSS bzw. MSS nicht zur Diagnosestellung ausreicht. Nur hohe klinische Scores (mind. 3 Punkte) sollten mit RADTs oder Kultur bestätigt werden. RADTs sind aufgrund der sehr kurzen Wartezeit bis zum Resultat vorzuziehen, wobei grosser Wert auf die korrekte Instruktion des Personals und Durchführung gelegt werden muss. Follow-Up Beprobungen nach erfolgter Therapie sind nicht indiziert (2). Der Spontanverlauf einer ATP ist nach wenigen Tagen selbstlimitierend. Die Gabe von Antibiotika verkürzt selbst unter der Voraussetzung guter Compliance lediglich bei 20% der behandelten Patienten die Krankheitsdauer um 16 Stunden (1). Bei
schwer erkrankten Patienten oder Komplikationen sind Penicillin/Amoxicillin Wirkstoffe der Wahl. Unabhängig von der antibiotischen Therapie sollten nichtsteroidale Antiphlogistika zur Symptomlinderung verwendet werden. Hinsichtlich detaillierter Therapieempfehlungen und Optionen für Allergiker sei an dieser Stelle nochmal auf die zuvor erwähnten Leitlinien verwiesen.

GBS Screening der Schwangeren

GBS sind Teil der normalen Darmflora (11). Die vaginale Kolonisationsrate von Schwangeren beträgt in Deutschland ca. 16% (12). Bei 1-2% der GBS-besiedelten Reif- und insbesondere Frühgeborenen treten schwere Infektionen in Form von Sepsis, Meningitis und/oder Pneumonie auf (13, 15) (Tab. 1). Die S2k AWMF Guideline empfiehlt ein GBS-Screening bei Schwangeren mittels kombiniertem Rektal- und Vaginalabstrich in der 35 + 0/7 bis 37 + 0/7 SSW (13). Von tiefen Vaginalabstrichen und Zervikalabstrichen wird abgeraten (13, 14). Für die labordiagnostische Abklärung empfehlen die Guidelines den Einsatz von GBS-Anreicherungsbouillons mit anschliessender Kultur (15, 16, 18).
Ziel des Screenings ist die Infektionen (Tab. 1) wie auch deren Folgen bei Neugeborenen zu verhindern resp. zu verringern. Die Neugeborenen-Sterblichkeit bei EOI und LOI beträgt um 9.4%, die Mortalität bei Reifgeborenen um 6% und bei Frühgeborenen um 18% (14). Die Entscheidung, ob eine IAP (intrapartum antibiotic prophylaxis) nötig ist, wird aufgrund eines erhöhen EOI-Risikos getroffen (14, 17). Risikofaktoren sind die Besiedlung der Schwangeren zum Zeitpunkt der Geburt, GBS-Bakteriurie während der Schwangerschaft, frühzeitiger Blasensprung (≥18h vor Geburt), Frühgeburt, eine vorangegangene Geburt mit einem an GBS erkrankten Kind, erhöhtes CRP der Mutter (>20mg/L), Anzeichen einer intrapartalen Infektion inkl. Chorioamnionitis der Schwangeren (12, 13, 14, 17).
Die klinischen Symptome der EOI stellen sich bei Neugeborenen divers, bei Frühgeborenen oftmals dezenter dar. Ca. 95% der GBS EOI treten innerhalb der ersten 48h nach Geburt auf (13, 19). Liegen entsprechende Symptome vor wird ein Erregernachweis mit anschliessender Antibiotikatherapie (Aminoglykosid kombiniert mit Amoxicillin) empfohlen (19). Zur Diagnose einer EOI, insbesondere einer Sepsis, ist der Erregernachweis aus Blutkulturen (BK) und/oder Liquor nötig. Dabei ist nur eine aerobe BK empfohlen, welche mit mind. 1 ml Blut beimpft werden sollte (13). Bei asymptomatischen Neugeborenen wird eine 48h Infektüberwachung nur bei Vorliegen von GBS-Risikofaktoren bzw. bei Müttern mit Anzeichen einer Chorioamnionitis empfohlen (19).
Der Nutzen laborchemischer Parameter ist insbesondere für die Evaluation eines Therapiestopps nach 36-48h wichtig (13, 19). Empfohlen sind neben der Blutkulturdiagnostik die Bestimmung des kindlichen CRP, IL-6 oder IL-8 und ein Differentialblutbild (13), da eine zu lange Therapie (> 5 Tage) zu vermehrten Todesfällen und nekrotisierender Enterokolitis bei Neugeborenen geführt hat (19).

Endocarditis

Die infektiöse Endokarditis (IE) ist keine homogene Entität, weder klinisch noch mit Blick auf die sie auslösenden Erreger (20). Mikrobiologisch dominieren innerhalb eines weiten Erregerspektrums die Streptococcaceae (21). Als singuläre Spezies gehört Streptococcus gallolyticus subsp. gallolyticus (früher Streptococcus bovis) wohl zu den herausragenden ätiologisch relevanten Spezies der IE (22).
Leitlinien für das Management der Endokarditis werden von der European Society of Cardiology (ESC) zuletzt 2015 (23) und der American Heart Association (AHA) in der revidierten Fassung von 2017 (24) herausgegeben. Daneben existieren weitere Leitlinien europäischer und amerikanischer Fachgesellschaften mit teils spezialisiertem Fokus, die an dieser Stelle nicht weiter besprochen werden. Hingewiesen sei auf die von der Expertengruppe «Infective Endocarditis Prevention» für die Schweiz ganz aktuell überarbeitete Version der Richtlinie für die Antibiotika-Prophylaxe (25).
Vergrünende Oralstreptokokken gehören zu den häufigsten Keimen im Zusammenhang mit IE. Schon das morgendliche Zähneputzen reicht aus, um eine transiente Bakterämie mit Oralstreptokokken hervorzurufen. Zahnmedizinische Eingriffe sind demzufolge nur für einen geringen Anteil der IEs verantwortlich. Eine antimikrobielle Prophylaxe (AM) wird zwar diskutiert, konsequenterweise aber nur bei Eingriffen bei Patienten mit hohem Risiko bzw. bei entsprechend Risiko-assoziierten zahnärztlichen Eingriffen empfohlen (23, 25, 26). Bei Patienten mit mittlerem oder hohem Risiko wird die Sanierung von Urämien bzw. chronischen Hautinfektionen empfohlen, auf den Nutzen der antibiotischen Therapie bei bekannten bakteriellen Infektionen zur IE-Prophylaxe wird hingewiesen (23).
Die Erregerdiagnostik ist Teil einer umfassenden Diagnostik (20, 23). Zum Erregernachweis bei V.a. IE ist die Blutkultur die Methode der Wahl. Diagnostisches Hauptkriterium ist der kulturelle Nachweis in zwei separaten, peripher entnommenen BK-Sets. Empfohlen wird die Abnahme von drei BK-Paaren (je ae und an) in einem Intervall von 30 min vor Beginn der antibiotischen Therapie (23), wobei die Wahrscheinlichkeit des Keimnachweises mit der Anzahl der Paare steigt und bei Abnahme von 4 Paaren bei 100% liegt (27). Da bei der IE der bakterämische Zustand konstant anhält, muss für die Entnahme von BKs keine febrile Phase abgewartet werden (23), hinsichtlich Einzelabnahme vs. Sammelabnahme der BK-Paare ergibt sich kein Unterschied (28). Mit den modernen Automatensystemen ist eine verlängerte Bebrütung (14 oder 21 Tage) nicht mehr erforderlich, eine 5-tägige Bebrütung reicht i.d.R. auch für den Nachweis langsam wachsender Keime (bspw. Cutibacterium sp., früher Propionibacterium) aus. In selten Fällen kann eine Verlängerung von 5 auf 7 Tage in Erwägung gezogen werden. Hervorzuheben ist hingegen das Einhalten der präanalytischen Anforderungen bzgl. Anzahl und Füllvolumen der Flaschen (weder Über- noch Unterfüllung) (28).
Kultur-negative IE (BCNIE) kann je nach Studienlage in ca. 1/3 aller Fälle auftreten. Insbesondere im Hinblick auf die in dieser Übersichtsarbeit relevanten Streptokokken treten BCNIE üblicherweise bei Abnahme der BKs nach Beginn der antibiotischen Therapie auf. In solchen Fällen kann eine eubakterielle PCR sinnvoll sein (23). Eigene Erfahrungen deuten jedoch darauf hin, dass diese nicht aus den BK-Flaschen erfolgen sollte, sondern aus dafür separat abgenommenem EDTA-Blut.


Da die häufigen Erreger der IE incl. der Staphylokokken gleichzeitig auch zu den häufigen Kontaminanten positiver BKs gehören, kann eine kritische Wertung eines positiven BK-Resultats im Sinne einer Abgrenzung zu einer möglichen Kontamination schwierig sein. Daher stellt erst der Nachweis typischer Erreger wie S. gallolyticus ssp. gallolyticus oder Mitglieder der Viridans-Streptokokken in zwei unabhängigen BKs ein Hauptkriterium dar (23). Ein Einzelnachweis, insbesondere ohne Vorliegen weiterer Hauptkriterien ist hingegen vorsichtig zu bewerten. Findet sich in Urinkulturen bei Patienten mit Verdacht auf IE (wiederholt) ein typischerweise als Kontaminant zu klassifizierender Keim aus der Gruppe der Oral- oder Gruppe-D Streptokokken (S. gallolyticus ssp. gallolyticus), kann dies die Bedeutung eines korrespondierenden Keimnachweises aus der BK stärken. Bleiben BKs mit demselben Erreger auch 48-72 Stunden nach Initiation einer eigentlich wirksamen Therapie positiv, stellt dies ein prognostisch ungünstiges Kriterium dar.
Im Zusammenhang mit der chirurgischen Sanierung der IE wird die Suche nach bzw. der Ausschluss von Foci relevant. Entsprechend ist die Erhebung eines Zahnstatus, eine Kolonoskopie bei Patienten mit IE durch S. gallolyticus ssp. gallolyticus, oder die Abklärung spinaler Infektionen wie bspw. Spondylodiscitis zu empfehlen (29).

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

PD Dr. sc. hum. Oliver Nolte

Zentrum für Labormedizin St. Gallen
Humanmedizinische Mikrobiologie
Frohbergstrasse 3
9001 St. Gallen

oliver.nolte@zlmsg.ch

PhD Salome N. Seiffert

Zentrum für Labormedizin St. Gallen
Humanmedizinische Mikrobiologie
Frohbergstrasse 3
9001 St. Gallen

salome.seiffert@zlmsg.ch

Dr. med. vet. Patrick Kindle

Zentrum für Labormedizin St. Gallen
Humanmedizinische Mikrobiologie
Frohbergstrasse 3
9001 St. Gallen

patrick.kindle@zlmsg.ch

Die Autoren geben an, dass in Zusammenhang mit diesem Artikel kein Interessenskonflikt besteht.

◆ Die Gattung Streptococcus umfasst mehr als 100 Arten, von denen wenige eine hohe Bedeutung als Infektionserreger haben.
◆ Gruppe-A-Streptokokken sind die häufigste bakterielle Ursache für eine akute Tonsillopharyngitis, jedoch ist die Unterscheidung von
Infektion und Trägerstatus mit diagnostischen Methoden schwierig, weshalb der klinischen Beurteilung ein hoher Stellenwert zukommt.
Der Spontanverlauf ist meist günstig, Antibiotika sind zurückhaltend einzusetzen.
◆ Gruppe-B-Streptokokken stellen insbesondere für Neugeborene eine potentielle Bedrohung dar. Durch geeignete Massnahmen (GBSScreening und IPA) können schwere Infektionen der Mütter und Neugeborenen (insbesondere die EOI) wie auch deren Folgen verhindert resp. verringert werden.
◆ Streptokokken, insbesondere Oralstreptokokken und S. gallolyticus ssp. gallolyticus, dominieren innerhalb eines weiten Spektrums als
Erreger der Endocarditis. Mikrobiologisch stellt die Blutkultur die wesentliche diagnostische Säule dar, wobei der korrekten Präanalytik
(Anzahl und Füllvolumen der Flaschen) grosse Bedeutung zukommt.

1. Toepfner N, Berner R. Gruppe-A-Streptokokken-Infektionen im Kindesalter. Monatsschr Kinderheilkd 2011;159:775-786
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23. Habib G, Lancellotti P, Antunes MJ, et al. ESC guidelines for the management of infective endocarditis: the task force for the management of infective endocarditis of the European Society of Cardiology (ESC) endorsed by: European Association for Cardio-Thoracic Surgery (EACTS), the European Association of Nuclear Medicine (EANM). European Heart Journal 2015;36(44):3075-3128.
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Verbesserung der kardiovaskulären Gesundheit durch Gewichtsreduktion

Die Adipositas gefährdet über mehrere Mechanismen die kardiovaskuläre Gesundheit. Durch die Gewichtsreduktion kann Gesundheit gewonnen werden. Jedermann weiss aber, wie schwierig es ist, eine substanzielle und lang anhaltende Gewichtsreduktion bei adipösen Personen zu erreichen. Verschiedene Diäten und/oder eine Änderung des Rhythmus der Nahrungsaufnahme in der Kombination mit körperlichem Training führen zu einem moderaten und leider zu selten zu einem anhaltenden Gewichtsverlust. «Abmagerungspillen» wie Aminorex, Fen-Phen etc. mussten wegen schweren kardiovaskulären Nebenwirkungen vom Markt genommen werden. Dieses Jahr sind nun bereits drei Medikamente vorgestellt worden, welche eine sichere und zuverlässige Gewichtsreduktion gebracht haben. Zwei Medikamente, das Semaglutid und das Liraglutid, sind bereits in randomisierten klinischen Studien getestet worden. Vom dritten Medikament, dem AM 833 sind die Resultate der Dosisfindungsstudie und des Vergleichs gegen das Liraglutid kommuniziert worden. AM833 scheint noch potenter als
Liraglutid zu sein. Damit besteht zum ersten Mal Hoffnung, dass wir unseren PatientInnen nicht nur Ratschläge bezüglich Training und Diät, sondern auch eine echte medikamentöse Hilfe bei der Gewichtsabnahme anbieten können.

In dieser Ausgabe von «info@herz+gefäss» finden sich Artikel zu den Themen Hypertonie, erhöhte Harnsäure, Herzinsuffizienz bei erhaltener Auswurffraktion und zum Vorhofflimmern. In all den Erläuterungen nimmt die Adipositas eine Rolle ein, auch wenn die differenzierte Darstellung der Themen weit darüber hinausgeht.
Ein weiteres Thema beleuchten Dr. med. Vignes Mohan und Prof. Dr. med. Nicolas Diehm, die moderne kathetertechnische Verfahren für Patienten mit erektiler Dysfunktion vorstellen.

Prof. Dr. med. Isabella Sudano erläutert in ihrem Artikel die Diagnose und Therapie der Hypertonie. Sie betont, dass die neuesten ESC-Richtlinien einen grossen Wert auf die korrekte Diagnose der Hypertonie legen. Obwohl die Normwerte weiterhin auf dem Praxisblutdruck bestehen, empfehlen die Richtlinien nun auch, eine Eigenmessung und vermehrt eine 24-Stunden-Blutdruckmessung einzusetzen. Der Artikel fasst auch die nötigen Abklärungen und die Therapieempfehlungen, inklusive den Lebensstilveränderungen, schön zusammen.
In einem informativen Artikel zum Pathomechanismus der erhöhten Harnsäure und zu den daraus resultierenden Gefahren für das kardiovaskuläre System zeigt PD Dr. med. Bernhard Hess auf, dass eine Senkung der Harnsäure auch zu einer Senkung des Blutdrucks führen kann. Er weist auch auf die Gefahr von hohen Dosen Fructose hin, welche viele Jugendliche durch Energy Drinks zu sich nehmen.

Prof. Dr. med. Otmar Pfister erläutert, dass die Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF) eigentlich nicht eine eigenständige Krankheit ist, sondern Teil eines Syndroms. Die Atemnot kommt nicht nur durch eine diastolische Dysfunktion zustande, sondern auch durch eine komplexe Interaktion mehrerer Organsysteme. Veränderungen der mikrovaskulären Struktur des Herzens, der Lunge, der Nieren und der Skelettmuskulatur führen zur Verschlechterung der Organfunktion, und dies potenziert die kardiale Dysfunktion. Pathophysiologisch steht eine systemische Inflammation im Vordergrund, welche durch die viszerale und epikardiale Adipositas begünstigt wird.

Die Adipositas kann zum Auftreten von Vorhofflimmern führen. Dr. med. univ. Sebastian Seidl et al. zeigen die Pathophysiologie dieses Zusammenhangs auf und geben Hinweise, wie eine Gewichtsreduktion die Therapie beim Vorhofflimmern unterstützen kann. Die Wichtigkeit der unterstützenden Wirkung von Lebensstilveränderungen hat dazu geführt, dass PatientInnen nach Vorhofflimmerablationen vermehrt in ein Rehabilitations-Programm eingeschleust werden, um den Erfolg der Ablation zu sichern. Der Artikel erinnert auch an die proarrhythmogene Wirkung von Alkohol. Sehr schön differenziert er die Wirkung des hilfreichen und des zu starken physikalischen Trainings.

Prof. Dr. med. Franz Eberli
Franz.Eberli@triemli.zuerich.ch

Prof. Dr. med. Franz R. Eberli

Stadtspital Zürich Triemli
Klinik für Kardiologie
Birmensdorferstrasse 497
8063 Zürich

franz.eberli@triemli.zuerich.ch

Auswirkungen von Lebensstilveränderungen auf das Vorhofflimmern

Die Bedeutung modifizierbarer kardiovaskulärer Risikofaktoren für den Verlauf der koronaren Herzkrankheit sind hinlänglich belegt und deren stete Überprüfung und Einstellung ärztliche Routinearbeit. Dass ebenjene Risikofaktoren auch eine krankheitsbeeinflussende Rolle beim Vorhofflimmern einnehmen, konnte in der jüngeren Vergangenheit eindrucksvoll nachgewiesen werden. Anhand dieses Artikels möchten wir den aktuellen Wissensstand zum Thema Lebensstilmodifikation und deren Auswirkung auf das Vorhofflimmern wiedergeben und daraus Therapieempfehlungen für die tägliche Praxis ableiten.

L’ importance des facteurs de risque cardiovasculaire modifiables dans l’ évolution des maladies coronariennes est bien établie et leur surveillance et leur ajustement constants font partie du travail médical de routine. Dans un passé récent, il a été démontré de façon impressionnante que ces mêmes facteurs de risque jouent également un rôle dans la fibrillation auriculaire. À l’ aide de cet article, nous souhaitons présenter l’ état actuel des connaissances sur le sujet de la modification du mode de vie et de ses effets sur la fibrillation auriculaire et en tirer des recommandations thérapeutiques pour la pratique quotidienne.

Das Kontinuum eines ungesunden Lebensstils, kardiovaskulärer Risikofaktoren oder bereits bestehender kardiovaskulärer Erkrankungen erhöht das Risiko für das Auftreten von Vorhofflimmern. Unter Berücksichtigung der bereits gegenwärtig hohen und künftig prognostiziert noch signifikant steigenden Vorhofflimmerprävalenz und den daraus resultierenden wirtschaftlichen Konsequenzen wurde der Stellenwert modifizierbarer Risikofaktoren in den letzten Guidelines der grossen Gesellschaften für Kardiologie daher deutlich stärker gewichtet (1-3). So wurden in ersten Ländern bereits eigene Vorhofflimmer-Ambulanzen eingeführt, mit dem Ziel, krankheitsmodulierende Risikofaktoren systematisch zu erfassen und Empfehlungen im Umgang damit abzugeben, um das Outcome von Vorhofflimmerpatienten künftig zu verbessern (4).

Übergewicht

Epidemiologische Studien konnten einen direkten Zusammenhang zwischen Übergewicht und einer erhöhten Vorhofflimmer-Inzidenz nachweisen, welche auch nach Korrektur für parallel auftretende krankheitsmodifizierende Risikofaktoren wie arterieller Hypertonie, Diabetes mellitus oder bereits existierender kardiovaskulärer Erkrankungen bestehen bleibt (5). So nahm das Risiko, an Vorhofflimmern zu erkranken, in der Framingham Heart Studien Population pro BMI-Einheit, im Sinne einer linearen Dosis-Wirkungs-Beziehung, um 4% zu (6). Reziprok konnte bewiesen werden, dass eine signifikante Gewichtsreduktion mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit an Vorhofflimmern zu erkranken einhergeht (7). Die eindrucksvollsten Daten diesbezüglich stammen aus der australischen LEGACY-Studie, in welcher bei Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern und BMI >27kg/m2 durch eine Reduktion des Körpergewichts um >10% vom Ausgangswert über einen Zeitraum von 5 Jahren gezeigt werden konnte, dass 6x weniger Patienten an Rezidiven von Vorhofflimmern litten als in der Kontrollgruppe (Gewichtsreduktion <3%) (8). Ferner führt Übergewicht zu einer gesteigerten Vorhofflimmerlast, einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmer-bedingten Hospitalisationen und Komplikationen sowie einem schlechteren Erfolg der medikamentösen oder interventionellen Rhythmisierung (9-11). Als Ursache hierfür wird ein multifaktorieller pathophysiologischer Zusammenhang zwischen Übergewicht und Vorhofflimmern postuliert. Übergewicht führt zu einer veränderten Hämodynamik, welche in erhöht-gemessenen linksatrialen Drucken in morphologisch dilatierten Vorhöfen mit konsekutiv verzögerter und heterogener Reizleitung resultiert. Zudem führen die vermehrten epi-und perikardialen Fetteinlagerungen zu komplexen neurohormonellen, entzündlichen und metabolischen Prozessen, einem bevorzugten Milieu für das Auftreten von Vorhofflimmern (11-13). Basierend auf dieser Evidenz sollten übergewichtige Patienten wiederholt motiviert werden, eine Gewichtsreduktion von mindestens 5% (sofern realisierbar besser 10%) durch Einhalten einer proteinreichen Diät mit einem tiefen glykämischen Index (z.B. mediterrane Diät) sowie regelmässige körperliche Aktivität anzustreben. Da Gewichtsfluktuationen >5% den entstandenen Vorteil zunichtemachen, ist das so erlangte reduzierte Körpergewicht konstant zu halten (8, 14). Um diese Gewichtskonstanz zu erleichtern, empfiehlt sich ein striktes Dokumentieren der zugeführten Kalorien mit regelmässigen Supervisionen.

Alkoholkonsum

Es besteht ein gut belegter Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und erhöhtem Risiko für das Auftreten von Vorhofflimmern. Die pathophysiologischen Ursachen hierfür sind gleichsam multifaktoriell wie komplex und können zum einen durch direkt toxische Effekte, zum anderen durch indirekte Faktoren (OSAS, arterielle Hypertonie und Übergewicht) erklärt werden. An direkt toxischen Alkoholeffekten werden vor allem elektrophysiologische (Reizleitungsverzögerung mit daraus resultierendem Substrat für Reentry-Kreisläufe sowie eine Verkürzung der Refraktärperiode) und strukturelle (atriales Remodelling und Fibrosierung sowie die Möglichkeit einer äthyltoxischen dilatativen Kardiomyopathie) kardiale Alterationen angenommen (15-17). So erhöht sowohl unregelmässig exzessiver Alkoholkonsum (= binge-drinking, definiert als >4 Standardgetränke bei Frauen und >5 Standardgetränke bei Männern bei einem Anlass) – im Sinne eines resultierenden «Holiday Heart» Syndroms, als auch regelmässiger Alkoholkonsum das Risiko für Vorhofflimmern (15). Die Frage hinsichtlich des Bestehens eines Alkoholschwellenwertes und für ebenjenen Fall dessen Höhe, ist bis dato nicht eindeutig geklärt. So lässt der derzeitige Wissensstand den Schluss zu, dass prinzipiell jeglicher Alkoholkonsum in ein erhöhtes Vorhofflimmerrisiko mündet, und dieses Risiko ab einem täglichen Konsum von >2 Standardgetränken (24g Alkohol) bei Frauen und >3 Standardgetränken (36g Alkohol) bei Männern stark zunimmt weshalb hiervon definitiv abgeraten werden muss (16, 18-20). In Ergänzung hierzu konnte kürzlich gezeigt werden, dass eine absolute Alkoholkarenz bei Patienten mit vorbestehend moderatem Alkoholkonsum (17 +/- 8 Standardgetränke/Woche) und paroxysmalem Vorhofflimmern in einem signifikant längeren vorhofflimmerfreien Intervall resultiert (21). Unabhängig davon stellt übermässiger Alkoholkonsum zudem ein Risiko für Blutungskomplikationen, schlechte Therapieadhärenz, Lebererkrankungen, Traumata und Tumoren dar (22).

Körperliche Aktivität

Der Benefit moderater regelmässiger körperlicher Aktivität für die kardiovaskuläre Gesundheit ist hinlänglich belegt. So wurde bei körperlich aktiven Probanden eine tiefere Vorhofflimmerprävalenz gefunden, als in der dazugehörigen Kontrollpopulation (23). Der Effekt körperlicher Aktivität geht über die alleinige Prävention von Übergewicht hinaus und basiert unter anderem auf einer verbesserten Insulinsensitivität, einem optimierten autonomen Nervensystem sowie einer Reduktion endogener Entzündungsprozesse (24-25). Allein die Frage durch welche Häufigkeit, Intensität und Dauer körperlicher Aktivität dieser protektive Effekt erzielt werden kann, ist bis anhin nicht abschliessend beantwortet, da gegenwärtig von einer U-förmigen Dosis-Wirkungs-Beziehung mit nachteiligem Effekt oberhalb eines bestimmten Schwellenwertes ausgegangen wird (26-27). Im Vergleich zu einem rein sedentären Lifestyle führt bereits moderates Jogging im Ausmass von 5-10 Minuten pro Tag zu einer signifikanten Reduktion der kardiovaskulären Mortalität, sodass Patienten im Allgemeinen empfohlen werden sollte, 3-4x pro Woche in leichter bis moderater Intensität (Walking, Radfahren) im Ausmass von je 30 Minuten bis zu einer Obergrenze von 2.000 MET-Minuten (entspricht in etwa 4h Joggen oder 8h flottes Gehen) pro Woche Sport zu treiben (28-29).
Patienten, denen es dadurch gelungen ist, ihr Fitnesslevel um ≥2 metabolische Äquivalente (METs) zu steigern, konnten nicht nur ihre Vorhofflimmerlast und Vorhofflimmersymptome, sondern auch die Notwendigkeit Vorhofflimmer-bedingter Hospitalisationen und Elektrokardioversionen signifikant reduzieren (25, 30).

Obstruktives Schlaf-Apnoe Syndrom (OSAS)

Es besteht ein gut belegter, BMI-unabhängiger Zusammenhang zwischen OSAS und einem ungünstigen Vorhofflimmerverlauf. So konnte nicht nur gezeigt werden, dass Patienten, welche unter einem unentdeckten/unbehandelten OSAS leiden, signifikant häufiger an Vorhofflimmern erkranken, sondern auch, dass sich OSAS negativ auf unterschiedliche Rhythmus-kontrollierende Therapieansätze (medikamentös, Ablation, als auch Elektro­kardioversion) auswirkt. Dieses Risiko nimmt zudem mit dem OSAS-Schweregrad zu (31-32). Gegenwärtig wird ein multifaktorieller pathophysiologischer Hintergrund postuliert. Neben den krankheitsspezifisch wiederkehrenden Apnoephasen, welche über intermittierend stark erhöhte intrathorakale Drucke letztendlich zu einer atrialen Dilatation führen, werden hierfür zudem Hypoxämie-bedingt schädliche Effekte auf die atriale Refraktärperiode, als auch entzündlich bedingte Fibrosierungs- sowie elektrische Remodellingprozesse verantwortlich gemacht (33-34).
Die nachteiligen OSAS-Effekte können durch eine adäquate Krankheitstherapie (CPAP) abhängig von den Studienangaben jedoch deutlich reduziert, bis vollkommen aufgehoben werden. Daher sollten Vorhofflimmer-Patienten routinemässig auf ein Vorliegen von OSAS gescreent werden (z.B.: STOP-BANG Sleep Apnea Questionnaire) und im Falle ebenjenes Vorliegens sollte eine CPAP-Therapie etabliert und deren Compliance regelmässig kontrolliert werden (35-37).

Koffeinkonsum

In der Vergangenheit konnte gezeigt werden, dass eine akute, exzessive Koffeinexposition durch Konsum von Energydrinks zu einem erhöhten Auftreten von Vorhofflimmern bei Jugendlichen führt, sodass man konsekutiv von einer proarrhythmogenen Eigenschaft koffeinhaltiger Getränke ausging (38-39). Diese Annahme liess sich in diversen Metaanalysen nicht bestätigen (40-42). Gegenteilig zeigten jene Analysen einen protektiven Effekt von einem regelmässigen und moderaten Koffeinkonsum, dessen exakter pathophysiologischer Mechanismus trotz diverser Hypothesen bis anhin nicht definitiv geklärt ist (41, 43-44). Inwiefern diese Erkenntnisse auf den Konsum von Energydrinks im Allgemeinen umgelegt werden können, ist aufgrund der teils schwer nachvollziehbaren Angaben zu Inhaltsstoffen und exakten Koffeinmengen gegenwärtig nicht eindeutig zu beantworten. Abschliessend lässt sich somit anhand des aktuellen Wissenstands keine generelle Empfehlung zu regelmässigem moderaten Koffeinkonsum aussprechen. Da Energydrinks teils sehr hohe Koffeinmengen aufweisen und häufig mit Alkohol kombiniert werden sind mehrere Fallberichte von Vorhofflimmern nach Einnahme dieser Substanzen publiziert (45). Interessanterweise gibt es trotz milliardenfacher Verkäufe dieser Getränke praktisch keine randomisierten prospektiven Studien zu diesen Themen (46).

Rauchen

Die Kausalität zwischen Rauchen und einer erhöhten Vorhofflimmerprävalenz ist weniger gut untersucht, als jene der zuvor genannten Risikofaktoren. Nichtsdestotrotz konnten einige Studien ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern unter Rauchern belegen, welches durch den Rauchstopp zu einem gewissen Grad reversibel war (47-52). Zudem konnten bei Rauchern mit Vorhofflimmern vermehrt thrombo-embolische Ereignisse sowie eine erhöhte Sterblichkeit aufgezeigt werden (53). Gegenwärtig wird von einer multifaktoriell-bedingten pathophysiologischen Grundlage (gesteigerter Sympathikotonus, erhöhte Wahrscheinlichkeit für entzündliche Prozesse, endotheliale Dysfunktion, atriale Fibrosierung sowie vermehrt oxidativer Stress) ausgegangen (54). Analog zur koronaren Herzkrankheit sollte bei allen Vorhofflimmerpatienten systematisch der Raucherstatus erhoben und von Rauchkonsum jeglicher Art strikt abgeraten werden.

Dr. med. univ. Sebastian Seidl
Dr. Dr. med. Roman Brenner
Dr. med. David Altmann
Prof. Dr. med. Peter Ammann

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. univ. Sebastian Seidl

Kantonsspital St. Gallen
Rorschacherstrasse 95
9007 St. Gallen

sebastian.seidl@kssg.ch

Die Autoren haben im Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte deklariert.

◆ Das systematische Erfassen und die Einstellung modifizierbarer kardiovaskulärer Risikofaktoren stellen einen wesentlichen Bestandteil in der Betreuung von Vorhofflimmerpatienten dar.
◆ Übergewichtige Vorhofflimmerpatienten sollten zur Körpergewichtsreduktion angeleitet werden, um die Vorhofflimmerlast und das Risiko vorhofflimmerbedingter Hospitalisationen, Komplikationen sowie eines schlechteren Therapieerfolgs zu minimieren.
◆ Regelmässige moderate körperliche Aktivität hilft das Auftreten von Vorhofflimmern zu reduzieren. Von exzessivem Ausdauersport wird abgeraten.
◆ Vorhofflimmerpatienten sollten regelmässig auf das Vorliegen einer obstruktiven Schlaf-Apnoe Erkrankung gescreent werden.
◆ Jeglicher Alkoholkonsum wirkt sich nachteilig auf das Auftreten von Vorhofflimmern aus und erhöht das Risiko für Blutungskomplikationen bei Patienten mit bestehender oraler Antikoagulation.
◆ Bei Vorhofflimmerpatienten sollte der Raucherstatus erhoben und von Rauchkonsum jeglicher Art abgeraten werden.

Messages à retenir
◆ L’ évaluation et la gestion systématiques des facteurs de risque cardiovasculaire modifiables sont une composante essentielle des soins aux patients souffrant de fibrillation auriculaire.
◆ Les patients en surpoids souffrant de fibrillation auriculaire doivent recevoir des instructions sur la réduction du poids corporel afin de minimiser le fardeau de la fibrillation auriculaire et le risque d’ hospitalisations, de complications et de mauvais résultats liés à la fibrillation auriculaire.
◆ Une activité physique modérée et régulière contribue à réduire l’ incidence de la fibrillation auriculaire. Il n’ est pas recommandé de faire des exercices d’ endurance excessifs.
◆ Les patients souffrant de fibrillation auriculaire doivent être régulièrement soumis à un dépistage de la maladie d’ apnée obstructive du sommeil.
◆ Toute consommation d’ alcool est préjudiciable à l’ apparition de la fibrillation auriculaire et augmente le risque de complications hémorragiques chez les patients ayant déjà une anticoagulation orale.
◆ Le statut de fumeur doit être obtenu chez les patients souffrant de fibrillation auriculaire et le tabagisme, quel qu’  il soit, doit être découragé.

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Katheter-Intervention bei erektiler Dysfunktion

Die erektile Dysfunktion (ED) ist ein in der Praxis auftretendes klinisches Problem mit zunehmender sozioökonomischer Bedeutung. Betroffene Männer sprechen nicht gerne über die Krankheit; sie ist schambehaftet, weil sie die Standhaftigkeit des Mannes infrage stellt. Häufig ist die ED ein Indiz für weitere schwerwiegendere bislang unentdeckte kardiovaskuläre Erkrankungen. Bei Vorliegen einer ED sind umfassende Abklärungen angezeigt. Damit ist die ED eine klinisch sehr wichtige Marker-Erkrankung.

La dysfonction érectile (DE) est un problème clinique émergent qui revêt une importance socio-économique croissante. Les hommes touchés n’ aiment pas parler de la maladie; c’  est honteux car cela remet en question la ténacité sexuelle de l’ homme. Souvent, la DE est le signe d’ autres maladies cardiovasculaires plus graves qui n’ ont pas encore été détectées. Les enquêtes approfondies sont indiquées en présence de la DE. Ainsi, la DE est une maladie marqueur très importante sur le plan clinique.

Prävalenz, sozioökonomische und medizinische Bedeutung der ED

Im Jahr 1995 litten weltweit schätzungsweise 150 Millionen Männer an ED. Bis zum Jahr 2025 soll diese Zahl auf 322 Millionen Männer angestiegen sein (1). Die Prävalenz der ED ist altersabhängig und reicht von 2% bei jüngeren (< 40 Jahren) bis zu 86% bei Männern über 80 Jahren (2).
Der Leidensdruck bei ED ist meistens enorm. Männer, die an ED leiden, haben typischerweise eine depressive Stimmungslage mit einem Mangel an Selbstwert. Die ED kann eine Partnerschaft schwer belasten. Die ED stellt nicht nur für die betroffenen Männer, sondern auch für deren Partner eine relevante Erkrankung dar. Zudem ist die ED ein Marker-Symptom für andere kardiovaskuläre Erkrankungen. Bei Auftreten von ED Symptomen muss nach medizinischen Abklärungen verlangt werden, da das lebensrettend ist. Bis zu 70 % der Männer mit angiografisch gesicherter koronarer Herzerkrankung (KHK) hatten vor der Herzkatheteruntersuchung ED-Symptome (3, 4). Häufig finden sich im Rahmen computertomographischer Abklärungen der ED atherosklerotische Manifestationen in anderen arteriellen Stromgebieten (5).

Angiologisches Work-up bei Patienten mit ED

Die Behandlung der ED erfolgt idealerweise interdisziplinär. Vaskuläre Ursachen sind mit Abstand die häufigsten und oft eine hinreichende Erklärung für die ED-Symptome. Zusätzlich sollten urologische fachärztlich ausgeschlossen werden und sichergestellt werden, dass kein Hypogonadismus vorliegt.
Eine Erektion ist eine sorgfältig orchestrierte Reihe von Ereignissen. Mehrere Komponenten sind erforderlich, um eine normale Erektion zu gewährleisten, nämlich, ein funktionierendes Nervensystem, einen guten arteriellen Fluss, gesunde Schwellkörper und die Fähigkeit, das Auslaufen von venösem Blut zu blockieren.
Das sympathische Nervensystem neigt dazu, Erektionen zu hemmen, und das parasympathische System ist einer von mehreren wichtigen Erregungswegen. Die exzitatorischen Nerven reagieren mit der Freisetzung von Neurotransmittern, einschliesslich Stickoxid und Acetylcholin. Diese chemischen Stoffe signalisieren den Muskeln der Penisarterien, sich zu entspannen, wodurch mehr Blut in das Organ fliesst. Wenn sich diese ausdehnen, komprimieren sie die Venen, die normalerweise Blut aus dem Penis ablassen. Dieser Druck drückt die Venen zusammen, bis sie fast geschlossen sind, wodurch Blut in den Kammern eingeschlossen und eine Erektion erzeugt wird. Ursächlich können die folgenden Risikofaktoren der ED sein: kardiovaskuläre Krankheiten, arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Medikation (Antidepressivum), Operationen (Prostata, Beckeneingriffe), neurologische Krankheiten, endokrinologische Krankheiten, positive Familienanamnese, Hyperlipidämie, Hyperlipoproteinämie (a), Nikotin- und Cannabisabusus (5, 6).
Die vaskulär bedingte ED ist eine Krankheit, die prinzipiell zwei Ursachen haben kann: ein nicht genügender arterieller Inflow oder ein zu schneller venöser Abstrom.
ED wird als durch arterielle Obstruktionen verursacht angesehen, wenn die arterielle systolische Spitzengeschwindigkeit einer oder beider Kavernosalarterien ≤ 0,3 m/s zehn Minuten nach einer intrakavernosalen Injektion von 10 μg Alprostadil (Prostaglandin E1, PGE-1) am proximalen Rand des Penisschafts beträgt. Das PGE-1 führt bei einem Gefässgesunden zu einem gesteigerten arteriellen Bluteinstrom nach Relaxation der kavernösen Muskelzellen und zur Erektion. Bei neurogener oder endokriner Ursache reicht eine initiale Dosis von 5 μg PGE-1 aus, bei vaskulärer Genese empfiehlt sich eine Dosis von 10–20 μg.
Eine end-diastolische Spitzengeschwindigkeit über 5 cm/s ist ein Hinweis für eine venöse Leckage. Bei gleichzeitig bestehenden arteriellen Obstruktionen kann eine venöse Leckage duplexsonographisch sehr schwer interpretierbar sein. Ebenso kann bei einer venösen Leckage die endsystolische Spitzengeschwindigkeit reduziert sein. Daher kann ein venöses Leck duplexsonographisch schwer zu diagnostizieren sein (7).
Vaskuläre Ursachen der ED werden auch heute noch nur unzureichend untersucht. In unserer Erfahrung werden Patienten oft als «Psychos» stigmatisiert ohne, dass eine vaskuläre Abklärung durchgeführt wurde. Dies kann zu unnötiger Kränkung und Vertrauensverlust des Patienten und auch zu einer Verzögerung der Behandlung führen.

Katheter-Therapie arterieller Obstruktionen bei ED

Führt die Verwendung vasoaktiver Medikamente wie PDE-5-Hemmer nicht mehr zu einer ausreichenden Erektion oder verursacht schwere Nebenwirkungen und liegen gleichzeitig arterielle Obstruktionen der Penis-zuführenden Arterien vor, so ist eine Angiographie in PTA-Bereitschaft gerechtfertigt. Die aktuelle Studienlage rechtfertigt keine endovaskuläre Revaskularisation bei Patienten, bei denen PDE-5-Hemmer noch wirken und ohne Nebenwirkungen sind.
Prinzipiell können Obstruktionen der folgenden arteriellen Segmente eine ED auslösen: Aorta abdominalis, A. iliaca communis, A. iliaca interna, A. glutea inferior (anamnestisch gleichzeitig bestehende Glutealclaudicatio möglich), A. pudenda interna, A. penis communis, A. cavernosa und A. dorsalis penis (anamnestisch oftmals harter Schwellkörper aber für eine Penetration zu weiche Eichel).
Die endovaskuläre Therapie erektionsrelevanter Arterien ist in den Händen erfahrener Interventionalisten technisch sehr gut machbar und sicher (8) und wurde seit vielen Jahren im Bereich der grösserkalibrigen Arterien durchgeführt. Die Miniaturisierung des Kathetermaterials hat in der Folge die endovaskuläre Therapie von Arterien kleinen Kalibers ermöglicht (9). Hierdurch kann der Blutfluss wiederhergestellt und die Symptome der ED wesentlich verbessert (9, 10, 11, 12, 13).
Nach örtlicher Betäubung wird ein arterieller Zugang zur A. femoralis communis erzielt. Hierfür ist eine Schleuse mit einem 6F Aussendurchmesser nötig, was neben der dualen Antiplättchentherapie die Notwendigkeit für einen stationären Aufenthalt begründet (14). Nach ausführlicher angiographischer Darstellung werden die Läsionen unter Verwendung eines 0,014-Zoll-Führungsdrahtes passiert. Anschliessend werden die Läsionen nach intra-arterieller Applikation von 5000 IE Heparin hauptsächlich mit einem dünnen Sirolimus-beschichteten Stent behandelt.
Nach unserer Erfahrung ist die Verwendung einer einfachen Ballonangioplastie allein oder ein Ansatz unter Verwendung von medikamentenbeschichteten Ballons zum jetzigen Zeitpunkt ausserhalb von Studien nicht ideal, da die pudendo-penilen-Arterien zu elastischem Recoil neigen (15). Dieser Prozess wurde auch in den Koronararterien beobachtet und hat heutzutage zu einem direkten medikamentenfreisetzenden Stenting-Ansatz für die meisten Koronar-Obstruktionen geführt. Nach der Stentimplantation erhalten unsere Patienten 300 mg Clopidogrel einmalig im Katheterlabor und danach einmal täglich 75 mg dieser Substanz für 6 Monate zusätzlich zum dauerhaft empfohlenen Aspirin 100 mg. Darüber hinaus empfehlen wir unseren Patienten, nach der endovaskulären Revaskularisation 3 Wochen lang ein Medikament mit Tadalafil (5 mg/d) einzunehmen.
In der aktuell verfügbaren Literatur wird über einen nachhaltigen klinischen Erfolg bei etwa zwei Dritteln aller behandelten Patienten berichtet, wobei diese Studien meistens «all-comers»-Studien waren und bei vielen Patienten gleichzeitig weitere Risikofaktoren für eine ED vorlagen. Welche Patienten ein besonders gutes Ansprechen auf die Therapie haben, ist aktuell noch nicht abschliessend geklärt und wird in weiteren Studien untersucht werden müssen.
Die Restenoserate im Rahmen einer Studie mit einem älteren Zotarolimus-beschichteten Stent lag bei 34.4% nach 6 Monaten (11), während nach unseren eigenen Erfahrungen diese unter Verwendung eines moderneren ultradünnen Sirolimus-beschichteten Stents bei 15.4% nach knapp 10 Monaten lag (13).

Katheter-Therapie venöser Leckagen bei ED

Das venöse Leck bezieht sich auf die infrapubischen Teile des Penis. Das venöse Leck tritt auf, wenn eine unvollständige Entspannung der glatten Muskulatur die venösen Abflusstrakte nicht verschliesst (16).
Eine Embolisation wurde als sicheres und wirksames Verfahren beschrieben, das bei 68% der Patienten zu einer Wiederherstellung der sexuellen Funktion führt (17).
Hier steht in unserer Erfahrung mit der transpenilen retrograden Embolisation ein erfolgversprechendes Therapieverfahren zur Verfügung. Ein Zugang nach Ultraschall-gesteuertet Punktion der Vena dorsalis penis profunda ermöglicht es, direkt an die venöse Leckage zu gelangen, während dies über einen transfemoralen Zugang herausfordernder sein kann.
Erfolgsraten nach einem Jahr wurden von einer Studie gezeigt, wobei die Patienten mit oben genanntem Eingriff weiterhin spontan Erektionen ohne medikamentöse Unterstützung haben (18, 19). Eine Embolisation ist auf jeden Fall kostengünstiger als ein chirurgischer Eingriff. Auch ist die Dauer des Verfahrens kurz aufgrund der Anwendung einer Lokalanästhesie und es ist kein Krankenhausaufenthalt erforderlich (20).

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Vignes Mohan

Zentrum für Gefässmedizin Mittelland
Aarenaustrasse 2B
5000 Aarau

vignes.mohan@usb.ch

Prof. Dr. med. Nicolas Diehm, MBA

Zentrum für Gefässmedizin Mittelland
Zentrum für Erektionsstörungen
Aarenaustrasse 2B
5000 Aarau
www.angiologie-aargau.ch
www.erektionsstoerungen-behandlung.com

nicolas.a.diehm@gmail.com

Die Autoren haben im Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte deklariert.

◆ ED ist frühzeitiger Marker atherosklerotischer Manifestationen wie Herzerkrankungen und Schlaganfall.
◆ Heutzutage können Patienten mit ED von interventionellen Behandlungen sicher profitieren. Bei der bisherigen Erstlinientherapie mit Phosphodiesterase-5 (PDE5)-Inhibitoren ergibt sich zunehmende Unverträglichkeit.
◆ Moderne kathetertechnische Verfahren ermöglichen heutzutage auch die arterielle Vaskularisation kleinkalibriger peniler Gefässe.

Messages à retenir
◆ La dysfonction érectile (DE) est un marqueur précoce des manifestations athérosclérotiques telles que les maladies cardiaques et les accidents vasculaires cérébraux.
◆ Aujourd’ hui, les patients atteints de DE peuvent bénéficier en toute sécurité de traitements interventionnels. Le précédent traitement de première ligne par des inhibiteurs de la phosphodiestérase-5 (PDE5)
a entraîné une augmentation de l’ intolérance.
◆ De nos jours, les procédures modernes par cathéter permettent également la vascularisation artérielle des vaisseaux péniens de petit calibre.

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