Blähungen und abdominale Distension

Funktionelle Blähungen und Distension des Abdomens (FABD) sind häufige gastrointestinale Beschwerden, mit denen Gastroenterologen und Hausärzte täglich konfrontiert werden. Funktionelle abdominale Blähungen sind ein subjektives Gefühl, das häufig mit einer objektiven abdominellen Distension assoziiert wird. FABD kann als eine einzige Einheit (als einzige oder kardinale Beschwerde) diagnostiziert werden oder sich mit anderen funktionellen gastrointestinalen Störungen wie funktioneller Obstipation, Reizdarmsyndrom und funktioneller Dyspepsie überschneiden.

Die Pathophysiologie der FABD ist nicht vollständig verstanden. Zu den vorgeschlagenen Mechanismen gehören viszerale Überempfindlichkeit, verhaltensinduzierte abnorme Bauchwand-Zwerchfellreflexe, die Wirkung schlecht resorbierter fermentierbarer Kohlenhydrate und Mikrobiomveränderungen.
Im 2016 überarbeitete die Arbeitsgruppe Rom IV die diagnostischen Kriterien für Rom III und aktualisierte die klinische Bewertung und Behandlung von funktionellen Blähungen und Dehnungen des Abdomens (FABD) (1). Gemäss Rom IV ist die FABD durch (subjektive) Symptome eines rezidivierenden abdominalen Völlegefühls, Druck oder ein Gefühl von Gaseinschlüssen (Blähungen) und/oder messbare (objektive) Zunahme des Bauch-umfangs (Distension) gekennzeichnet (1). Die primäre FABD sollte als eine Einheit diagnostiziert werden, die sich nicht mit anderen funktionellen gastrointestinalen Störungen (FGID) wie funktioneller Obstipation (FC), Reizdarmsyndrom (IBS) und funktioneller Dyspepsie (FD) überschneidet.

Evaluation

Zunächst sollten jegliche organische Ursachen für Blähungen und Völlegefühl ausgeschlossen werden, einschliesslich Zöliakie oder andere malabsorptive Störungen, Darmstörungen und chronische Darmpseudoobstruktionen. Darüber hinaus sollte das Vorliegen von Alarmzeichen, wie Gewichtsverlust, rektale Blutungen oder Anämie, sofort untersucht werden. Die Anamnese sollte sich auf tageszeitliche Veränderungen, die Beziehung zu bestimmten Nahrungsmitteln oder Nahrungsmittelkomponenten (Milchprodukte, Weizen, Fruktane, Fett, Ballaststoffe, schlecht verdaute und absorbierte Kohlenhydrate) und veränderte Darmgewohnheiten konzentrieren.
Für die Beurteilung von FABD empfiehlt die Arbeitsgruppe Rom IV 2016 grundlegende diagnostische Tests wie ein vollständiges Blutbild (CBC) bei Verdacht auf Anämie, Zöliakieserologie (und bei positivem Befund sollten Zwölffingerdarmbiopsien hinzugefügt werden), abdominale Röntgenaufnahmen, um eine Obstruktion auszuschliessen, und einen Atemtest zur Diagnose von SIBO (2).

Therapeutische Optionen

Nach dem Ausschluss von Alarmzeichen, organischen Erkrankungen und Überschneidungen mit anderen FGID ist der nächste Schritt das Angebot einer schrittweisen, individualisierten Behandlung. Diese umfasst neben der symptomatischen Behandlung die diätetische Intervention, die Linderung der Konstipation und die Modulation des Mikrobioms zur Anwendung,
Eine weitere Option ist die Aufklärung der Patienten über den Gebrauch ihrer Bauch- und Zwerchfellmuskeln. Diese Biofeedback-Therapie verringerte sowohl die subjektive Blähung als auch den Bauchumfang (3). Die Modulation der Darm-Hirn-Achse durch Antidepressiva und selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer kommen bei Patienten mit Reizdarmsyndrom ebenfalls zur Anwendung.
Für die symptomatische Behandlung von FABD stehen mehrere Wirkstoffe zur Verfügung, die bei einigen Patienten einen gewissen klinischen Nutzen bei der Linderung der Symptome gezeigt haben (4). In einer Doppelblindstudie wurde festgestellt, dass Simethicon die Häufigkeit und den Schweregrad von Blähungen, Völlegefühl und Blähungen reduziert (5). In zwei weiteren kontrollierten Studien reduzierte Pfefferminzöl das Völlegefühl im Vergleich zu Placebo signifikant (6, 7). Trotz ihrer Beliebtheit fehlen Belege für andere häufig verwendete Mittel wie Aktivkohle, Iberogast und Magnesiumsalze.

Fazit

  • Funktionelle Blähungen und Völlegefühl im Abdomen sind eine weit verbreitete Erkrankung mit nachteiligen Auswirkungen auf das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität.
  • Die Therapie kann auf Darmmotilität, Muskeltonus, Mikrobiota, viszerale Empfindlichkeit, Ernährung und/oder psychologische Komorbidität abzielen. Ein schrittweiser, multidisziplinärer, individualisierter Ansatz ist wünschenswert.
  • Neben der Mikrobiom-Modulation, der abdominellen Biofeedback-Therapie und der Modulation der Darm-Hirn-Achse empfehlen sich pflanzliche Heilmittel wie Pfefferminzöl oder die Pfefferminz/Kümmelölkombination (Carmenthin®) zur Behandlung.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

Quelle: Mari A et al . Bloating and abdominal distension: clinical approach and management. Advances in Therapy 2019 ; 36,1075–1084(2019)

1. Lacy B, Mearin F, Chang L, et al. Bowel disorders. Gastroenterology. 2016;150(6):1393–407.
2. Dukowicz AC, Lacy BE, Levine GM. Small intestinal bacterial overgrowth:
a comprehensive review. Gastroenterol Hepatol. 2007;3:112–22.
3. Barba E, et al. Abdominothoracic mechanisms of functional abdominal distension and correction by biofeedback. Gastroenterology. 2015;148(4):732–9.
4. Malagelada J et al. . Bloating and abdominal distension: old misconceptions and current knowledge. Am J Gastroenterol. 2017;112(8):1221–31.
5. Bernstein J, Kasich A. A double-blind trial of simethicone in functional disease of the upper gastrointestinal tract. J Clin Pharmacol. 1974;14(11):617–23
6. Liu J, Chen G, et al. Enteric-coated peppermint-oil capsules in the treatment of irritable bowel syndrome: a prospective, randomized trial. J Gastroenterol. 1997;32(6):765–8.
7. Cappello G, et al. Peppermint oil (Mintoil®) in the treatment of irritable bowel
syndrome: a prospective double blind placebo-controlled randomized trial.
Dig Liver Dis. 2007;39(6):530–6.

COVID-19 – ein Lagebericht aus dem Tessin

Der erste «Corona-Patient» in der Schweiz wurde in Lugano in eurem Spital Moncucco behandelt. Wie seid ihr auf die Diagnose gekommen und wie war der Verlauf?

Dr. med. Daniel Hagara

D. Hagara: Der erste Coronavirus-Patient war ein 70-jähriger Zahnarzt, der sich wahrscheinlich bei einem Ärztesymposium in Mailand angesteckt hat. Die Diagnose wurde am 25.2.2020 gestellt, da bei uns im Spital Moncucco bereits ab 24.2.2020, also 3 Tage nach den alarmierenden Nachrichten der Lombardei, eine Notfalltriage auf Covid errichtet worden war. Dieser Patient wurde regelhaft isoliert und hatte in der Folge einen guten Krankheitsverlauf. Seine durchgemachten sozialen Kontakte wurden in Zusammenarbeit mit dem Kantonsarzt zurückverfolgt.

Prof. Dr. med. Andreas Cerny

A. Cerny: Am 7.2. hatten wir schon einen jungen Patienten auf dem Notfall gesehen, welcher seit kurzem aus China zurückgekehrt war. Gottlob waren seine Grippesymptome nicht auf das SARS CoV-2 zurückzuführen. Diese Erfahrung half uns, das interne Dispositiv zu verbessern. Obschon wir täglich von den Ereignissen in den italienischen Medien informiert worden waren, traf uns die Epidemie mental unvorbereitet. Es ist die enorme Geschwindigkeit der Ausbreitung, welche wir alle unterschätzten.

Was waren die unmittelbaren Konsequenzen aus diesem ersten Fall fürs Personal, Spital und den Kanton?

D. Hagara: Bereits in dieser ersten Woche nach den Ereignissen in der Lombardei wurden in unserem Spital wie auch im Kanton Krisenstäbe täglich abgehalten. Meiner Meinung nach war die Tragweite der Geschehnisse allen Akteuren des Gesundheitswesens wie auch den politischen Kräften klar. Die ersten Entscheidungen waren aber zunächst sehr umstritten: so wurde der Karneval von Bellinzona noch abgehalten und Grossanlässe wie z.B. Sportanlässe wurden durchgeführt. Am 26.2.2020 wurden dann Karneval und Grossanlässe verboten. Die Schulen aber blieben weiterhin geöffnet und wurden dann erst am 11.3.2020 (post-obligatorische Schulen) und 16.3.2020 (alle) geschlossen.
In unserer Klinik wurden bereits nach 2 Tagen Massnahmen auf der Notfallstation ergriffen, die dem Covid-Verdacht Rechnung trugen. Nach einer Woche wurden stationäre Betten errichtet für die Covid-Verdachtsfälle. Es wurde erst nach 10 Tagen eine allgemeine Maskentragpflicht des Personals eingeführt.

Wie konnte der ambulante und stationäre Spitalbetrieb aufrechterhalten werden, auch um Schaden bei Patienten mit anderen Problemen abzuwenden?

D. Hagara: Wie das Tessin stark mit der Lombardei verknüpft ist, zeigt folgende Anekdote: eine 80-jährige Frau wurde am 2.3.2020 (also in einer Zeit, als die Klinik die Sicherheitsmassnahmen hochfuhr) bei uns wegen einer Synkope aufgenommen. Beim Eintritt klagte sie über keinerlei Beschwerden, die auf Covid hingewiesen hätten. Erst nach 2 Tagen stellte sich heraus, dass diese Frau, die ihre Angehörigen im Tessin hat und sich oft im Tessin aufhält und auch in der Schweiz versichert ist, am 22.2.2020 von der roten Zone in Lodi (Lombardei) «geflüchtet» ist, um bei ihren Kindern im Tessin zu verweilen. Unmittelbar auf Covid positiv getestet, zeigte sie einen akut sich verschlechternden Verlauf mit intensivmedizinischer Beatmung. Diese Episode führte in der Folge dazu, dass sich 5 Mitarbeiter und 1 Patientin auf dieser Abteilung mit dem Covid infiziert haben.

Wie hat diese Corona-Pandemie euren beruflichen Alltag verändert? (z.B. wie habt ihr die vielen Coronapatienten betreut, welche nicht, beziehungsweise nicht mehr, intensivmedizinisch behandelt werden mussten? Zusammenarbeit mit niederge-lassenen Kollegen etc.)

D. Hagara: In unserer Gemeinschaftspraxis haben wir sofort täglich einen Krisenstab durchgeführt. Ambulante Patienten wurden ab sofort einen Tag vor der geplanten Visite telefonisch auf eventuelle grippeähnliche Symptome befragt. Wir haben auch sofort hygienische Massnahmen erarbeitet und umgesetzt für Covidverdachtsfälle. Dies trifft ebenfalls auf Niveau der Klinik zu. Mitte März wurde die gesamte Klinik in eine Klinik verwandelt, welche ausschliesslich Covid-Patienten aufnimmt mit max. 180 Spitalbetten und 40 Intensivplätzen.
Die niedergelassenen Ärzte waren am Anfang überfordert, v.a. aufgrund von mangelndem Schutzmaterial. Letzteres wurde dann durch die Tessiner Ärztegesellschaft den niedergelassenen Ärzten zu Verfügung gestellt. Ebenfalls hat die Ärztegesellschaft in der Folge sogenannte Checkpoints errichtet, wo die Covid-Beurteilung und Diagnose mittels Nasenabstrich durchgeführt werden konnte.

Wie hat diese Corona-Pandemie euren persönlichen Alltag verändert?

D. Hagara: Mir erscheint diese relativ kurze Zeit von 2 Monaten wie gefühlte durchgemachte 3 Jahre. Dies aufgrund von einer Vielzahl von neuen Anforderungen, wie unzählige Telefonate, Kommunikation und Kollaboration mit Ärzten, Hygienemassnahmen, etc.
Am 4.4.2020 habe ich mich mit dem Coronavirus angesteckt: Die Krankheit ist bei mir relativ glimpflich verlaufen, vielleicht gerade, weil ich sofort mit Plaquenil 3x200mg, Azithromycin 1x500mg und Clexane 80 U s.c.1×1 angefangen habe (mit prompter EKG-Kontrolle). Nach ein paar Tagen mit deutlichen Grippesymptomen wurde ich von einem trockenen Husten eingeholt, der über 3 Wochen anhielt. Für meine Familie bedeutete diese Krankheit, dass ich währende 4 ganzen Wochen komplett isoliert in einem Zimmer blieb (zum Glück mit einem separaten WC), sodass sich niemand meiner Familie angesteckt hat.
A. Cerny: Es ging alles viel schneller, sehr viele Kommunikationen auf allen Kanälen, oft wusste ich gar nicht mehr, welchen Wochentag wir hatten, wenig Schlaf und stressige Träume.

Wie habt ihr euch lokal und international ausgetauscht, um die Diagnostik und Behandlung zu optimieren?

A. Cerny: Ja, wir hatten enge Kontakte mit unseren Kollegen in Mailand, Pavia, Bergamo und Parma und hatten so Zugang zu vielen Informationen wie dem Thromboserisiko, den ersten Erfahrungen mit antiviralen Substanzen und Immunsuppressiva und bekamen regelmässig die letzten Versionen ihrer Guidelines. Wir erfuhren auch vom stark erhöhten Risiko, sich bei der Arbeit mit dem Virus zu infizieren. Wir tauschten diese Erfahrungen regelmässig mit Kollegen in der Deutschschweiz und im Welschland aus, welche initial etwas skeptisch waren.

Was kam von wissenschaftlicher Seite dazu, wie z.B. Studienteilnahme, Compassionate use Programme, Patienten-Register oder Biobanking etc.

A. Cerny: Die neuesten Studienresultate wurden rasch untereinander ausgetauscht und in unserer WhatsApp-Gruppe rege diskutiert. Bei uns und auch im Ente Ospedaliero wurden das Compassionate-use Programm für Remdesivir regelmässig benützt und es wurden verschiedene Studien begonnen. Dank grosszügiger und unkomplizierter Unterstützung von Privaten konnten wir eine Biobank für COVID-19 Patienten aufbauen, welche gekoppelt mit einer klinischen Datenbank helfen wird, diese heimtückische Erkrankung in Zukunft besser zu verstehen.

Wie hat sich die mediale und kommunikative Begleitung angesichts der Bedrohungslage abgespielt?

A. Cerny: Da ich die Landessprachen spreche und meine Infektiologen-Kollegen im Krisenstab eingebunden waren und somit weniger frei waren, über die Ereignisse zu berichten, wurde ich oft von den Medien im Tessin und anderswo in der Schweiz angefragt. Mir war es wichtig, vor allem in der Anfangsphase, als der Rest der Schweiz noch keine konkrete Erfahrung mit der Krankheit und deren Gefährlichkeit hatte, darüber zu berichten.

Wie war die Zusammenarbeit mit den Behörden und Medien? (Haben die Behörden in dieser Notlage zeitgerecht und angemessen gehandelt, sowohl gegenüber der Bevölkerung wie auch gegenüber den Ärzte-Pflegenden etc?)

D. Hagara: Im Nachhinein ist es immer leicht zu kritisieren. Denn es musste schnell gehandelt werden. Für einige wichtige Massnahmen, wie zum Beispiel Contact Tracing, fehlte es sowohl an Zeit als auch Personal. Der grosse Fehler allerdings war in der Anfangsphase die Zulassung des Bellinzoneser Karnevals, welche meiner Meinung nach der breiten Ansteckung der Bevölkerung Vorschub leistete. In der folgenden Phase hat man auch den Altersheimen zu wenig Beachtung geschenkt, was man an der sehr grossen Zahl der Toten in Altersheimen ersehen kann (fast 50% der Toten im Tessin).

Wie seht ihr die Rolle der WHO und der internationalen politischen Zusammenarbeit in dieser und auch kommenden Pandemien?

A. Cerny: In der Anfangsphase war die Mensch-zu-Mensch-Übertragung noch in Frage gestellt und die Gefährlichkeit der Krankheit unterschätzt worden. Wie sehr politische Einflüsse den raschen  Austausch vitaler Informationen behinderte, wird sicher Teil der Aufarbeitung dieser katastrophalen globalen Krise sein. Der Ende Februar publizierte Report, der von Experten der WHO und des chinesischen CDC verfasst worden war, war trotzdem sehr hilfreich. Leider hat sich ausser Italien kaum ein Land daran gehalten. Ich denke, wir hätten uns auch auf Nationaler Ebene mehr mit italienischen Experten und Behörden austauschen sollen.

Welches sind für euch die wesentlichsten Erkenntnisse für eine zukünftige Pandemie für unser Land?

D. Hagara: Ich sehe keine einzeln eruierbare Erkenntnis, aber bin der Überzeugung, dass diese Pandemie global äusserst viel verändern wird. Die Menschheit hat vor allem erfahren, dass das, was als selbstverständlich galt, in einem Augenblick nicht mehr sicher sein kann. Und: Händewaschen wird nicht mehr nur eine Frage der Hygiene sein, sondern eine Frage des Überlebens.
A. Cerny: Das Pandemiekonzept wird sicher überarbeitet werden müssen, dieses muss raschere Entscheidungsprozesse vorsehen, die Reserven an persönlichem Schutzmaterial und Desinfektionsmaterial müssen angepasst werden. Das Kommunikationskonzept von Bund und Kantonen muss verbessert werden, insbesondere im Hinblick auf Klarheit und Koordination. Die rasche wissenschaftliche Aufarbeitung neuer Erkenntnisse muss verbessert werden, insbesondere sollte die Task Force in eine ständige Beratungseinheit übergeführt werden, welche sich vermehrt mit WHO und ECDC austauscht und auch im Inland offene Kanäle mit den wichtigen Stakeholdern wie z.B. der forschenden Pharmaindustrie, den Universitäten und Swissmedic etabliert.

Nun werden zunehmend Lockerungen wirksam: seid ihr auf eine weitere Welle gefasst und was ist die persönliche Erwartung in die nahe Zukunft (z.B. Stichwort: Neue Normalität, Medikamente und Impfung?)

A. Cerny: Ich erwarte eine erneute Zunahme der Fälle Ende Juni anfangs Juli. Die Lockerungs-Massnahmen betreffen zu rasch gleichzeitig weite Bereiche des öffentlichen Lebens und ich befürchte, dass das «contact tracing» bei einem erneuten Anstieg der Fälle rasch dekompensiert. Die nächsten Wochen im Mai und Juni, wo wir weiterhin wenig neue Fälle sehen werden, könnten für viele als Zeichen missgedeutet werden, dass der «böse Traum» vorbei sei und dass wir unsere normalen Sommeraktivitäten wieder aufnehmen dürfen. Es wird vermehrt Stimmen geben, welche den Lockdown als unnötig bezeichnen und Verantwortlichkeiten fordern. Unser Spital und Ambulatorium werden die Achtsamkeit bestimmt nicht vermindern und sicherstellen, dass wir nicht wieder auf dem linken Fuss erwischt werden.
Zur Bewältigung der zweiten Welle hoffen wir auf neue Medikamente, die Resultate der vielen z.T. schon abgeschlossenen und z.T. noch laufenden Studien sollten uns neue Informationen zur Pathogenese und Impulse für die Behandlungen geben. Ich zweifle, dass wir im Juli schon soweit sind. Die Impfung scheint noch weit weg.

medinfo bedankt sich ganz herzlich bei Prof. Dr. med. Thomas Cerny, der dieses Interview organisiert und geführt hat.

Covid-19 und Onkologie

Ich hatte mir zunächst vorgenommen, der Redaktion einen Covid-19 NEG Artikel zuzustellen. Geprägt vom aktuellen Alltag sah ich mich dennoch veranlasst, mal nachzusehen, wieviel und was für Literatur zum Thema «Covid-19 und Onkologie» denn bislang erschienen ist. PubMed mit den search commands «covid-19 AND cancer» ergab Ende März 2020 83 Publikationen, mit «covid-19 AND oncology» nur 47. Die entsprechenden Zahlen Ende April 2020, d.h. zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Übersicht, sind 350, bzw. 235. Die Fokussierung der Suche auf «clinical trials» erzielte mit beiden Suchstrategien im März 2020 0 Treffer, Ende April 2020 je 2 gleiche Studien, die mit Covid-19 allerdings rein gar nichts zu tun haben. Ein gutes Beispiel, dass die Suche nach Literatur via PubMed sehr davon abhängt, wie man technisch sucht. Ich lege eine Auswahl vor.

Sidaway P. Covid-19 and cancer: what we know so far. Nat Rev Clin Oncol https://doi.org/10.1038/ s41571-020-0366-2

Ueda M et al. Managing cancer care during the COVID-19 pandemic: agility and collaboration toward a common goal. J Natl Compr Canc Netw 2020; 18: 1–4

Cortiula F et al. Managing COVID-19 in the oncology clinic and avoiding the distraction effect. Ann Oncol 2020: https://doi.org/10.1016/j.annonc.2020.03.286

Swain SM et al. Pertuzumab, trastuzumab, and docetaxel for HER2 positive metastatic breast cancer (CLEOPATRA): end-of-study results from a double-blind, randomised, placebo-controlled, phase 3 study. Lancet Oncol 2020 https://doi.org/10.1016/S1470-2045(19)30863-0

Fabi A et al: Cancer-related fatigue: ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis and treatment. Ann Oncol https://doi.org/10.1016/j.
annonc.2020.02.016.

Andersen C & Nichols HB. Trends in late mortality among adolescents and young adult (AYA) cancer survivors. J Natl Cancer Inst 2020; 112: djaa014

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Prof. em. Dr. med. Martin Fey

Bern

martin.fey@insel.ch

Beratungsmandat bei Nestlé Health Sciences, Epalinges, Aktien von Novartis, Roche und Johnson & Johnson

Ruxolitinib bei glukokortikoidrefraktärer akuter Graft-versus-Host-Krankheit

Ruxolitinib bei glukokortikoidrefraktärer akuter Graft-versus-Host-Krankheit

Quelle: Zeiser R et al. Ruxolitinib for Glucocorticoid-Refractory Acute Graft-versus-Host Disease. New Engl J Med 2020 22. April; DOI: 10.1056/NEJMoa1917635

Hintergrund

Die akute Graft-versus-Host-Krankheit (GVHD) stellt nach wie vor eine wesentliche Komplikation der allogenen hämatopoietischen Stammzelltransplantation (allo-HSZT) dar; nicht alle Patienten sprechen auf die Standardbehandlung mit Glukokortikoiden an. In einer Phase 2-Studie (REACH1) zeigte Ruxolitinib (Rux), ein selektiver Januskinase-Inhibitor (JAK1 und JAK2), potenzielle Wirksamkeit bei Patienten mit glukokortikoid-refraktärer akuter GVHD.

Methoden

REACH2 ist eine multizentrische, randomisierte, offene Phase-3-Studie, in der die Wirksamkeit und die Sicherheit von oralem Rux (10 mg zweimal täglich) mit der Therapiewahl des Prüfarztes aus einer Liste von neun häufig verwendeten Optionen (Kontrolle) geprüft wurde. Eingeschlossen wurden Patienten im Alter von 12 Jahren oder älter, die unter einer Glukokortikoid-refraktären akuten GVHD nach allo-HSZT litten. Der primäre Endpunkt war das Gesamtansprechen (vollständiges Ansprechen oder Teilansprechen) am Tag 28. Der wichtigste sekundäre Endpunkt war ein dauerhaftes Gesamtansprechen am Tag 56.

Resultate

Insgesamt wurden 309 Patienten randomisiert; 154 Patienten wurden der Rux-Gruppe und 155 der Kontrollgruppe zugeordnet. Das Gesamtansprechen am Tag 28 war in der Rux-Gruppe höher als in der Kontrollgruppe (62% [96 Patienten] vs. 39% [61Patienten]; Odds Ratio, 2,64; 95% Konfidenzintervall [CI], 1,65 bis 4,22; P<0,001). Auch das dauerhafte Gesamtansprechen an Tag 56 war in der Rux-Gruppe höher als in der Kontrollgruppe (40% [61 Patienten] vs. 22% [34 Patienten]; Odds Ratio, 2,38; 95% CI, 1,43 bis 3,94; P<0.001). Die geschätzte kumulative Inzidenz des Ansprechverlustes nach 6 Monaten betrug 10% in der Rux-Gruppe und 39% in der Kontrollgruppe. Das mediane «versagensfreie» Überleben (failure-free survival) war mit Rux deutlich länger als in der Kontrolltherapie (5.0 Monate vs. 1.0 Monate; Hazard Ratio für ein Rezidiv oder Fortschreiten der hämatologischen Erkrankung, nicht rückfallbedingten Tod oder Zugabe einer neuen systemischen Therapie bei akuter GVHD, 0,46; 95% CI, 0,35 bis 0,60). Das mediane Gesamtüberleben betrug 11.1 Monate in der Rux-Gruppe und 6.5 Monate in der Kontrollgruppe (Hazard Ratio für Tod, 0,83; 95% CI, 0,60 bis 1,15). Die häufigsten unerwünschten Ereignisse bis zum Tag 28 waren Thrombozytopenie (bei 50 von 152 Patienten [33%] in der Rux-Gruppe und 27 von 150 [18%] in der Kontrollgruppe), Anämie (bei 46 Patienten [30%] bzw. 42 Patienten [28%]) und Zytomegalievirus-Infektion (bei 39 Patienten [26%] und 31 Patienten [21%]).

Schlussfolgerungen

Die Rux-Therapie zeigte eine signifikant bessere Wirksamkeit mit einer höheren Inzidenz von Thrombozytopenie im Vergleich zur Kontrolltherapie.

ICARIA-MM: eine randomisierte, multizentrische, open label, Phase-3-Studie mit Isatuximab plus Pomalidomid und niedrig dosiertem Dexamethason vs. Pomalidomid und niedrig dosiertem Dexamethason bei Patienten mit rezidiviertem und refraktärem Multiplem Myelom

Quelle: Attal M et al.Isatuximab plus pomalidomide and low-dose dexamethasone versus pomalidomide and low-dose dexamethasone in patients with relapsed and refractory multiple myeloma (ICARIA-MM): a randomised, multicentre, open-label, phase 3 study. Lancet. 201;394(10214):2096-2107.

Hintergrund

Isatuximab ist ein monoklonaler Antikörper, der an ein spezifisches Epitop auf dem menschlichen CD38-Rezeptor bindet und antitumorale Aktivität über multiple Wirkungsmechanismen aufweist. In einer früheren Phase-1b-Studie wurden bei Patienten mit rezidiviertem und refraktärem Multiplen Myelom mit einer Kombination von Isatuximab mit Pomalidomid und niedrig dosiertem Dexamethason ein Gesamtansprechen von ca. 65% erreicht. Das Ziel dieser Studie war die Bestimmung des progressionsfreien Überlebens von Isatuximab plus Pomalidomid und Dexamethason im Vergleich zu Pomalidomid und Dexamethason bei Patienten mit rezidiviertem und refraktärem Multiplen Myelom.

Methoden

ICARIA-MM ist eine randomisierte, multizentrische, open label Phase-3-Studie, welche an 102 Krankenhäusern in 24 Ländern Europas, Nordamerikas und dem asiatisch-pazifischen Raum durchgeführt wurde. Die Studienteilnehmer waren erwachsene Patienten mit rezidiviertem und refraktärem Multiplem Myelom, die mindestens zwei vorangegangene Behandlungslinien erhalten hatten, darunter Lenalidomid und einen Proteasom-Inhibitor. Sie wurden 1:1 in die Isatuximab 10 mg/kg plus Pomalidomid 4 mg plus Dexamethason 40 mg (20 mg für Patienten im Alter von ≥ 75 Jahren) Gruppe, oder in die Pomalidomid 4 mg plus Dexamethason 40 mg Gruppe randomisiert. Die Randomisierung erfolgte mit Hilfe der Inter-active-Response-Technologie und stratifiziert nach der Anzahl der vorangegangenen Behandlungslinien (2-3 vs. > 3) und Alter (< 75 Jahre vs. ≥ 75 Jahre). Die Behandlungen erfolgten auf der Grundlage eines permutierten blockierten Randomisierungsschemas mit einer Blockgrösse von vier. Die Isatuximab-Pomalidomid-Dexamethason-Gruppe erhielt Isatuximab intravenös an den Tagen 1, 8, 15 und 22 im ersten 28-Tage-Zyklus, dann an den Tagen 1 und 15 in den nachfolgenden Zyklen. Beide Gruppen erhielten orales Pomalidomid an den Tagen 1 bis 21 in jedem Zyklus und orales oder intravenöses Dexamethason an den Tagen 1, 8, 15 und 22 von jedem Zyklus. Die Behandlung wurde bis zur Progression der Krankheit, nicht akzeptablen Toxizität oder zum Entzug der Einwilligung fortgesetzt. Dosisreduktionen bei unerwünschten Nebenwirkungen waren für Pomalidomid und Dexamethason, aber nicht für Isatuximab erlaubt. Der primäre Endpunkt war das progressionsfreie Überleben, beurteilt durch ein unabhängiges Komitee in der ITT-Population. Die Sicherheit wurde bei allen Teilnehmern, die mindestens eine Dosis des Studienmedikaments erhielten evaluiert.

Ergebnisse

Zwischen dem 10. Januar 2017 und dem 2. Februar 2018 wurden 307 Patienten nach dem Zufallsprinzip einer Gruppe zugeteilt: 154 zu Isatuximab-Pomalidomid-Dexamethason und 153 zu Pomalidomid-Dexamethason. Bei einem medianen Follow-up von 11.6 Monaten (IQR 10.1-13.9) betrug das mediane progressionsfreie Überleben 11.5 Monate (95% CI 8-9-13-9) in der Isatuximab-Pomalidomid-Dexamethason-Gruppe gegenüber 6.5 Monaten (4.5- 8.3) in der Pomalidomid-Dexamethason-Gruppe; Hazard Ratio 0-596, 95% CI 0-44-0-81; p = 0-001 stratifizierter Log-Rank-Test. Die häufigsten behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse (jeder Grad; Isatuximab-Pomalidomid-Dexamethason vs. Pomalidomid-Dexamethason) waren Infusionsreaktionen (56 [38%] vs. 0), Infektionen der oberen Atemwege (43 [28%] vs. 26 [17%]) und Durchfall (39 [26%] gegenüber 29 [20%]). Unerwünschte Ereignisse mit tödlichem Ausgang wurden bei 12 Patienten (8%) in der Isatuximab-Pomalidomid-Dexamethason-Gruppe und 14 (9%) in der Pomalidomid-Dexamethason-Gruppe dokumentiert. Todesfälle aufgrund von behandlungsbedingten unerwünschten Ereignissen wurden bei einem Patienten (< 1%) in der Isatuximab-Pomalidomid-Dexamethason-Gruppe (Sepsis) und zwei (1%) in der Pomalidomid-Dexamethason-Gruppe (Pneumonie und Harnwegsinfektionen) registriert.

Interpretation

Die Zugabe von Isatuximab zu Pomalidomid-Dexamethason verbessert das progressionsfreie Überleben bei Patienten mit rezidiviertem und refraktärem Multiplem Myelom. Isatuximab ist eine wichtige neue Option für die Behandlung des rezidivierten und refraktären Myeloms, insbesondere für Patienten, die refraktär auf Lenalidomid und einen Proteasom-Inhibitor sind.

Belantamab-Mafodotin für das rezidivierte oder refraktäre Multiple Myelom (DREAMM-2): eine zweiarmige, randomisierte, open-label, Phase-2-Studie

Quelle: Lonial S et al. Belantamab mafodotin for relapsed or refractory multiple myeloma (DREAMM-2): a two-arm, randomised, open-label, phase 2 study. Lancet Oncol 2020: 21: 207–21

Hintergrund

Belantamab mafodotin (GSK2857916), ein Immunkonjugat, das gegen das B-Zell-Maturations-Antigen (BCMA) gerichtet ist, zeigte Monotherapieaktivität in der Phase-1-Studie DREAMM-1 bei stark vorbehandelten Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Multiplem Myelom. In der DREAMM-2-Studie wurde die Sicherheit und die Aktivität von Belantamab mafodotin weiter untersucht.

Methoden

DREAMM-2 ist eine offene, zweiarmige Phase-2-Studie, die an 58 Spezialzentren für Multiples Myelom in acht Ländern, Patienten (Alter ≥18 Jahre) mit rezidiviertem oder refraktärem Multiplem Myelom mit Progression der Erkrankung nach drei oder mehr Therapielinien rekrutierte. Die Patienten waren gegen immunmodulierende Medikamente und Proteasom-Inhibitoren refraktär, und refraktär oder intolerant (oder beides) gegenüber einem monoklonalen anti-CD38-Antikörper bei einem ECOG-Score von 0-2.
Sie wurden zentral nach dem Zufallsprinzip (1:1) mit permutierten Blöcken (Blockgrösse 4) randomisiert und stratifiziert nach vorherigen Therapielinien (≤4 vs >4) und zytogenetischen Merkmalen, zu Belantamab mafodotin 2-5 mg/kg oder 3-4 mg/kg über intravenöse Infusion alle 3 Wochen am Tag 1 jedes Zyklus bis zum Fortschreiten der Krankheit oder zu inakzeptabler Toxizität zugeteilt. Die Intention To Treat (ITT) Population umfasste alle randomisierten Patienten, unabhängig von der Behandlungsart. Die Sicherheitspopulation umfasste alle Patienten, die mindestens eine Dosis Belantamab mafodotin erhielten. Der primäre Endpunkt war das durch ein unabhängiges Komitee untersuchte Gesamtansprechen.

Ergebnisse

Zwischen dem 18. Juni 2018 und dem 2. Januar 2019 wurden 293 Patienten geprüft und 196 in die ITT Population aufgenommen (97 in der 2.5 mg/kg-Kohorte und 99 in der 3.4 mg/kg-Kohorte). Mit Stand 21. Juni 2019 (primärer Stichtag der Analysedaten) erreichten 30 (31%; 97-5% CI 20-8-42-6) von 97 Patienten in der 2.5 mg/kg-Kohorte und 34 (34%; 23.9-46.0) von 99 Patienten in der 3.4 mg/kg-Kohorte ein Gesamtansprechen. Die häufigste Nebenwirkung der Stufe 3-4 in der Sicherheitspopulation waren Keratopathie (bei 26 [27%] von 95 Patienten in der 2.5 mg/kg-Kohorte und 21 [21%] von 99 Patienten in der 3.4 mg/kg-Kohorte), Thrombozytopenie (19 [20%] und 33 [33%]) und Anämie (19 [20%]) und 25 [25%]); 38 (40%) von 95 Patienten in der 2.5 mg/kg-Kohorte und 47 (47%) von 99 in der 3.4 mg/kg-Kohorte berichteten über schwerwiegende unerwünschte Ereignisse. Zwei Todesfälle waren potenziell behandlungsbedingt (ein Fall von Sepsis in der 2.5 mg/kg-Kohorte und ein Fall von hämophagozytischer Lymphohistiozytose in der 3.4 mg/kg-Kohorte).

Interpretation

Belantamab mafodotin zeigt als Einzelwirkstoff eine Anti-Myelom-Aktivität mit einem beherrschbaren Sicherheitsprofil bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Multiplen Myelom.

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Prof. Dr. med.Markus G. Manz

Zentrum für Hämatologie und Onkologie
UniversitätsSpital Zürich

PD Dr. med. Alexandre Theocharides

Zentrum für Hämatologie und Onkologie
UniversitätsSpital Zürich

Alexandre.Theocharides@usz.ch

Hirnmetastasen: Take Home Messages 2020

Das Interesse an einem differenzierten Management von Hirnmetastasen ist gross, zum einen dank Fortschritten der therapeutischen Disziplinen, zum anderen der Grundlagenforscher, welche unser pathophysiologisches Verständnis laufend erweitern. Beides kommt der zunehmenden Zahl betroffener Patienten zugute, die sich durch längeres Überleben mit Hirnmetastasen (BM) konfrontiert sehen. Besonders drei Tumorentitäten haben ein hohes kumulatives Risiko für BM.

La gestion différenciée des métastases cérébrales suscite un grand intérêt, grâce d’une part aux progrès des disciplines thérapeutiques, et d’autre part aux chercheurs de base qui élargissent constamment notre compréhension physiopathologique. Les deux sont bébéfiques pour le nombre croissant de patients atteints de métastases cérébrales (BM) en raison d’une survie plus longue. Trois entités tumorales en particulier présentent un risque cumulé élevé pour des BM.

Beim metastasierten Melanom geht man von einer kumulativen Inzidenz von bis zu 80% aus, für das kleinzellige Bronchuskarzinom ist sie 50-60%, Adenokarzinome der Lunge mit einer Driver-Mutation erreichen 50-70% und beim Her2-positiven metastasierten Mammakarzinom ist sie um die 50% (Abb.1). Wir verstehen heute besser, wie sich BM molekular vom Primärtumor unterscheiden, wie wichtig das ZNS–«Microenvironment» für das Entstehen von BM ist, das sich in Zukunft vielleicht für eine Prävention nutzen lässt. BM sind in klinischen Studien nicht mehr automatisch ein «exclusion criterion», was positive Beobachtungen hinsichtlich Wirksamkeit vieler neuer Substanzen im Gehirn erst möglich macht. Der Mythos einer exklusiven Bluthirnschranke für Systemtherapien ist Vergangenheit.

Das Therapieangebot hängt von der Prognose ab und umgekehrt

Eine Datenbank der RTOG (Radiation Therapy Oncology Group) mit knapp 4000 Patienten ist die Grundlage für einen Prognose-Score, der seit Jahren für die häufigsten Tumoren mit hohem BM- Risiko vorliegt. Der DS-GPA-Score (Diagnosis-Specific Graded Prognostic Assessment) wird mit molekularen Daten laufend angereichert, die neueste Version finden Sie im Internet unter http://brainmetgpa.com (1). Prognosen variieren von einer Tumor(sub)-entität zur anderen und werden durch molekulare und klinische Faktoren beeinflusst. Klinisch spielen das Alter, der Karnofsky-Performance Status sowie das Ausmass der extrakraniellen Erkrankung eine Rolle. Die Anzahl der BM scheint bei zielgerichteten Therapiemöglichkeiten (ALK, EGFR) eher eine untergeordnete Rolle zu spielen (2). Beim ALK-positiven NSCLC mit BM wird heutzutage ein medianes Überleben von mehr als 6 Jahren erreicht unter Einsatz aller zugänglichen ALK-Inhibi-toren, wohingegen bei NSCLC ohne angehbare molekulare Alterationen das mediane Überleben erst knapp über einem Jahr liegt (Abb. 2) (3).

«verzweigte Evolution» und ein Gliom-ähnliches Wachstumsmuster von gewissen Hirnmetastasen
Ein Primärtumor und seine zugehörigen Hirnmetastasen (BM) zeigen unterschiedliche molekulare Alterationen, die im Verlauf der Erkrankung separat erworben werden (sogenannte «branched evolution»), diese müssen nicht identisch sein mit Metastasen in der Peripherie, welche besser zugänglich wären, um mögliche therapeutische Targets zu finden (Abb. 3) (4). Die Konkordanz von therapierbaren Driver-Mutationen im Primärtumor und den zugehörigen Hirnmetastasen ist höher bei BRAF-mutierten Melanomen, bei ALK- positiven NSCLC und etwas weniger zuverlässig bei EGFRmut NSCLC und bei Hormonrezeptor – positiven oder Her2 – amplifizierten Mammakarzinomen.
Etwa 50% der BM zeigen ein infiltratives Wachstum («glioma-like»), was sowohl die lokale Tumorkontrolle (Operation und stereotaktische Radiotherapie, SRT) als auch die Wirksamkeit der Systemtherapie beeinträchtigt (Abb. 4) (5). Infiltrierende Tumorzellen «verstecken» sich hinter einer intakten Bluthirnschranke und sind damit einer Systemtherapie weniger gut zugänglich. Eine infiltrierende Umgebungskolonisation ist typisch für Bronchialkarzinome (SCLC, NSCLC), triple negative Mammakarzinome und Melanome (6).
Ausserhalb von Studien werden Metastasen radiologisch nach dem grössten Diameter ausgemessen, die Vollständigkeit einer Metastasenresektion (EOR, extent of resection) ist aber vom Tumorvolumen abhängig und wird deshalb häufig überschätzt (7).

Entitätsspezifische Therapiemöglichkeiten & Grenzen

1. Lunge
Die kumulative Inzidenz von BM für EGFRmut NSCLC Stadium IIIB/IV beträgt nach 3 Jahren über 45% und für ALK-translozierte Tumoren über die Jahre bis zu 70%. Diese Zahlen sind deutlich höher als für nicht molekular alterierten NSCLC, wo sich die Inzidenz für BM zwischen 20-30% bewegt (Abb. 1) (8). Neben der Lokaltherapie bestehen für molekular alterierte NSCLC-Subtypen sequentielle Systemtherapie- Optionen. Neuere Proteinkinase-Hemmer (meist Tyrosinkinase-Hemmer, TKI) sind mehrheitlich aktiv im ZNS und lassen ein Ansprechen wie in der Peripherie erwarten. Die Frage, ob bei guter Remission auf eine SRT verzichtet werden darf, kann man heute wie folgt beantworten: eine Kombination von SRT und TKI ergibt insgesamt bessere Ergebnisse als die alleinige TKI-Therapie (9), der ideale Zeitpunkt der SRT (upfront versus früh versus spät) bleibt durch weitere Studienergebnisse zu belegen und dürfte durch Krankheitsdynamik und Ansprechen auf Systemtherapie mitbestimmt sein. Bei fehlenden molekularen Alterationen ist auch eine konventionelle Chemotherapie bei manifesten BM wirksam, da diese nicht durch eine intakte Bluthirnschranke geschützt sind, die Präparate-Wahl richtet sich nach der Empfindlichkeit extrakranieller Tumormanifestationen und berücksichtigt Vorbehandlungen.

1.1. Immuntherapie bei Bronchuskarzinomen
Auch Immuncheckpoint-Inhibitoren (IO) sind bei BM wirksam. Das erstaunt, als bisher das Dogma vorherrschte, das Gehirn sei ein immunisoliertes Organ. Dem ist nicht so, der Begriff «immunprivilegiert» trifft hier besser zu. Antigen-präsentierende Zellen (APC) und aktivierte zirkulierende T-Zellen können Barrieren im Gehirn überwinden, über virtuelle perivaskuläre Räume (im Bereich postkapillärer Hirnvenulen), via arachnoidale Granulationen und über den Choroidplexus findet immunologische Kommunikation zu den zervikalen und lumbalen Lymphknoten statt (10).
Eine erste Phase II Studie, publiziert 2016 (11), mit Pembrolizumab bei therapie-naiven BM ergab eine intrakranielle ORR von 29.4% und ein medianes OS von 8.9 Monaten bei PDL-1 positiven NSCLC. Daten zu Nivolumab nach erfolgter Chemotherapie und eine Subgruppen Analyse der OAK Studie mit Atezolizumab zeigen unabhängig vom PDL-1 Status eine vergleichbare Wirksamkeit im ZNS wie in der Peripherie und ein ähnliches Nebenwirkungsprofil (12, 13). Die Evaluation der Tumorantwort nach Immuntherapie ist für den Neuroradiologen herausfordernd. Um eine Vereinheitlichung zu ermöglichen, hat die RANO Expertengruppe (RANO: Response Assessment in Neuro-Oncology) RANO-Kriterien für Hirnmetastasen (7) und iRANO Kriterien für Hirnmetastasen unter Immuntherapie definiert. Wichtig sind dabei neben radiologischen auch klinische Parameter, wie der neurologische Zustand und der Steroidbedarf. Die Gruppe empfiehlt bei fehlender neurologischer Verschlechterung eine MR Kontrolluntersuchung nach 3 Monaten (14). iRANO Kriterien sind auf intraaxiale Raumforderungen beschränkt, leptomeningealer Befall und Schädelknochenmetastasen sind schwierig zu objektivieren. Zwischen SRT und Immuntherapie scheint es eine Synergie zu geben, wenn beide Optionen innerhalb von 4 Wochen stattfinden, das lässt eine Metaanalyse mit 534 Patienten vermuten (15). Ob damit auch die Häufigkeit von Radionekrosen zunimmt, bleibt zu beobachten (16).

2. Mammakarzinom
Die kumulative Inzidenz für BM ist mit knapp 50% am höchsten beim Her2-positiven und Hormonrezeptor (HR)-negativen Mammakarzinom Stadium IV (17). Das mediane Überleben mit BM erreicht bei Her2-positiven und HR-positiven Tumoren über zwei Jahre und ist damit besser als für die anderen Subgruppen (18, http://brainmetgpa.com). Zwischen dem Primärtumor und den zugehörigen Hirnmetastasen können Diskordanzen für den Her2- und/oder HR-Status bestehen, was gelegentlich eine erneute Bestimmung dieser Marker am Metastasengewebe rechtfertigt, sofern eine Resektion klinisch indiziert ist. So waren in einer grösseren Serie die Hormon-Rezeptoren (HR, ER oder PR) bei BM in 40/160 (25%) nachweisbar bei sonst HR-negativem Primärtumoren. Her2 war in 22/173 (13%) positiv bei Her2-negativem Primärtumor (19).
Von den neueren Her2-gerichteten TKI war Neratinib (plus Capecitabine) zwar im Hirn gut wirksam, aber mit deutlicher Toxizität verbunden (Diarrhoe Grad 2 und 3), das mag an der zusätzlichen Hemmung des EGFR liegen (20). Tucatinib, ist ein Her2-spezifischer TKI mit deutlich weniger Nebenwirkungen. In einer Phase I erreicht Tucatinib in der Doppelblockade mit Trastuzumab und Capecitabine bei vorbehandeltem Mammakarzinom im ZNS eine Responserate von 42%. Der primären Endpunkt PFS in der nachfolgenden Placebo-kontrollierten Phase III Studie ergab für die ganze Kohorte (mit und ohne BM) für die Kombination Tucatinib mit Trastuzumab und Capecitabine einen Vorteil mit einen HR von 0.54 (95% CI 0.42-0,71) gegenüber Trastzumab und Capecitabine. In den beiden Armen wiesen 46 % respektive 48% der Patietinnen BM auf (21). Eine erste Interimsanalyse für die BM- Kohorte konnte den PFS Vorteil für die Tucatinib-Kombination bestätigen, das mediane PFS lag bei 7.6 Monaten.
Für CDK 4/6 Inhibitoren liegen erst präliminäre Resultate vor für das Ansprechen von BM auf Abemaciclib und zwar für HR-positive, Her2-negative Tumoren (unpublished). Für triple negative Mammakarzinome gibt es kaum neue und auf Studien gestützte Empfehlungen, Capecitabine, Eribulin, Taxane sind Optionen.

3. Melanom
Zwanzig bis 25% der Patienten mit einem metastasierten Melanom weisen bereits bei Diagnose BM auf. Im Verlauf der Erkrankung erhöht sich die Inzidenz auf 40-60% und in Autopsien findet man bis zu 80% BM. Die prinzipielle Wirksamkeit von Immuntherapie (IO) im Gehirn wurde bereits weiter vorne beschrieben. Erste Phase II Daten für Ipilimumab (CTLA-4 AK) wurden 2012 publiziert (22). Ipilimumab war besser wirksam, wenn die BM asymptomatisch und nicht steroidbedürftig waren. Pembrolizumab zeigt 2016 bei unbehandelten BM ohne Steroidbedarf ebenfalls Wirksamkeit in einer Phase II Studie (11). Es folgten Phase II Kombinationsstudien mit Ipilimumab und Nivolumab (23) und hier war die ORR mit 54 % (davon 29 % CR) erfreulich hoch, unabhängig vom PDL-1 Status und auch dauerhaft (Plateau). Wenn keine Steroide für die BM benötigt wurden, war das Ansprechen im ZNS vergleichbar mit dem in der Peripherie. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die randomisierte Phase II ABC Studie, sie vergleicht die Kombination Ipilimumab und Nivolumab versus Nivolumab-Monotherapie. In dieser Studie konnte zusätzlich gezeigt werden, dass die Ergebnisse mit Immuntherapie ohne vorgängige TKI-Therapie etwas besser ausfielen. Dies könnte Einfluss haben auf die Wahl der Therapie-Sequenz, sind doch beide Therapiestrategien bei BRAFmut Melanomen bezüglich initialem Ansprechen ähnlich. Eine CR (bis 30% in der IO Kombination) scheint einen günstigen, längerfristigen Outcome vorauszusagen (24).
Da sich ein Steroidbedarf aufgrund von BM ungünstig auf die IO Wirkung auswirkt stellt sich die Frage, ob Bevacizumab als Steroidersatz eingesetzt werden könnte, dies wird in Rahmen von Studien untersucht.
Bei BRAFmut Melanomen wirkt die Kombination von BRAF- und MEK-Inhibitoren gleich schnell und gut wie in der Peripherie, allerdings etwas weniger lang (COMBI-MB Studie, 25). Aktuelle Studien prüfen bereits eine Triple Therapie mit BRAF- und MEK-Inhibitoren kombiniert mit IO, eine weitere Erhöhung der Remissionsraten ist zu erwarten, aber auch vermehrt höhergradige Toxizitäten.
Toxizitäten (auch finanzielle) bleiben ein sehr wichtiges Thema. Dosis-Beschränkung von Ipilimumab in der Induktion auf 1mg/ kg anstelle von 3mg/kg (wie in den bisherigen Studien) oder Kombinationen mit besser verträglichen Antikörpern werden geprüft.

Hinweis: Der Artikel «Primäres Management von Hirnmetastasen» von Dr. Silvia Hofer ist mit einem Prognose-Score in der «info@onkologie» Ausgabe 02-2017 erschienen.

Copyright bei Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Silvia Hofer

Universitätsspital Zürich
Institut für Pathologie und Molekularpathologie
Schmelzbergstrasse 12
8091 Zürich

silvia.hofer@usz.ch

Die Autorin deklariert keine Interessenskonflikte für diesen Beitrag

  • Die Prognose von Patienten mit Hirnmetastasen (BM) ist abhängig von der Klinik, der Tumorentität und von molekularen Subgruppen. Jahrelange Verläufe mit guter Lebensqualität sind bei molekular alterierten Entitäten durchaus möglich.
  • Seit dem Einschluss von Patienten mit BM in klinische Studien wissen wir, dass die neueren onkologischen Therapien (TKI und Immuntherapien) eine vergleichbare Wirkung im ZNS aufweisen wie in der Peripherie.
  • Immuntherapien sind auch im Gehirn wirksam, das Gehirn ist nicht immun-isoliert.
  • Der Stellenwert der Lokaltherapien bei BM, die Resektion und die stereotaktische Radiotherapie, ist etabliert und abhängig vom Ausmass und der Anzahl der Raumforderungen. Die Ganzhirnbestrahlung hingegen ist heute weitgehend verlassen, Ausnahmen bleiben die prophylaktische Hirnbestrahlung beim SCLC, ein diffuser leptomeningealer Tumorbefall und seltener palliative Gründe.

Messages à retenir

  • Le pronostic des patients atteints de métastases cérébrales (BM) dépend de la clinique, de l’entité tumorale et des sous-groupes moléculaires. Des années de progression avec une bonne qualité de vie sont tout à fait possibles dans les entités altérées au niveau moléculaire.
  • Depuis l’inclusion des patients atteints de BM dans les études cliniques, nous savons que les nouvelles thérapies oncologiques (IKT et thérapies immunitaires) ont un effet comparable dans le SNC comme dans la périphérie.
  • Les immunothérapies sont également efficaces dans le cerveau ; le cerveau n’est pas immuno-isolé.
  • L’importance des thérapies locales en BM, résection et radiothérapie stéréotaxique, est établie et dépend de l’étendue et du nombre de demandes spatiales. La radiation du cerveau entier, en revanche, est aujourd’hui largement abandonnée, les exceptions restant la radiation prophylactique du cerveau dans le cas du SCLC, une attaque tumorale leptoméningée diffuse et, plus rarement, des raisons palliatives.

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2. Alam, M. and D. Ratner, Cutaneous squamous-cell carcinoma. N Engl J Med, 2001. 344(13): p. 975-83.
3. Nagarajan, P., et al., Keratinocyte Carcinomas: Current Concepts and Future Research Priorities. Clin Cancer Res, 2019. 25(8): p. 2379-2391.
4. Que, S.K.T., F.O. Zwald, and C.D. Schmults, Cutaneous squamous cell carcinoma: Incidence, risk factors, diagnosis, and staging. J Am Acad Dermatol, 2018. 78(2): p. 237-247.
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6. Eigentler, T.K., et al., Survival of Patients with Cutaneous Squamous Cell Carcinoma: Results of a Prospective Cohort Study. J Invest Dermatol, 2017. 137(11): p. 2309-2315.
7. Lansbury, L., et al., Interventions for non-metastatic squamous cell carcinoma of the skin: systematic review and pooled analysis of observational studies. BMJ, 2013. 347: p. f6153.
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11. Borradori, L., et al., Rescue therapy with anti-programmed cell death protein 1 inhibitors of advanced cutaneous squamous cell carcinoma and basosquamous carcinoma: preliminary experience in five cases. Br J Dermatol, 2016. 175(6): p. 1382-1386.
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14. Guminski, A., Phase 2 study of cemiplimab, a human monclonal anti-PD-1 antibody, in patients witih metastatic cutaneous squamous cell carcinomal (mCSCC; Group 1) 12-month follow-up. J Clin Oncol, 2019. 37(suppl):9526.
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Bronchuskarzinom – NSCLC ohne Treibermutationen

In den letzten Jahren hat die therapeutische Anwendung von Checkpoint Inhibitoren die Therapie des NSCLC revolutioniert. Unter Berücksichtigung der Evidenz aus fünf zwischenzeitlich publizierten randomisierten Phase III Studien – IMPOWER 130 (1), KEYNOTE 189 (2), KEYNOTE 042 (3) IMPOWER 150 (4), KEYNOTE 407 (5) – veröffentlichte die ASCO zusammen mit dem Ontario Cancer Care Center im Januar 2020 ein Update der ASCO Guidelines zur Behandlung des metastasierten Nicht Kleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) ohne Vorliegen einer behandelbaren Treibermutation und ohne programmed death ligand 1 (PD-L1) Vorselektion (6). Die Literaturrecherche umfasste dabei den Zeitraum von Dezember 2015 bis August 2018. Die Ergebnisse der später publizierten CHECKMATE 227 Studie (7) werden in einem zusätzlichen Kommentar diskutiert, führen aber nicht zur Änderung der Empfehlungen und werden hier daher nicht erläutert. Die Empfehlungen zur alleinigen Chemotherapie, zur Zweitlinientherapie und zu weiteren Therapie-linien haben sich nicht geändert, so dass dieser Artikel allein die neuen Empfehlungen zur Erstlinientherapie diskutiert.

Ces dernières années, l’  utilisation thérapeutique des inhibiteurs du checkpoint a révolutionné la thérapie du CPNPC. En tenant compte des résultats de cinq études randomisées de phase III publiées entre-temps – IMPOWER 130 (1), KEYNOTE 189 (2), KEYNOTE 042 (3) IMPOWER 150 (4), NOTA CLÉ 407 (5) – En janvier 2020, l’ ASCO et l’ Ontario Cancer Care Center ont publié une mise à jour des lignes directrices de l’ ASCO pour le traitement du cancer du poumon non à petites cellules (CPNPC) métastatique sans mutation traitable du conducteur et sans présélection du ligand de mort programmé 1 (PD-L1) (6). La recherche documentaire a porté sur la période allant de décembre 2015 à août 2018. Les résultats de l’ étude CHECKMATE 227 (7), publiée ultérieurement, sont examinés dans un commentaire supplémentaire mais n’ entraînent pas de modification des recommandations et ne sont donc pas expliqués ici. Les recommandations pour la chimiothérapie seule, la thérapie de deuxième ligne et les autres lignes de thérapie n’ ont pas changé, de sorte que cet article traite uniquement des nouvelles recommandations pour la thérapie de première ligne.

Die Autoren erarbeiten in den Guidelines nacheinander die Empfehlungen für die Erstlinientherapie des Nicht-Plattenepithel (NSCC) – und Plattenepithelkarzinoms (SCC) entsprechend der PD-L1 Expression am Tumorgewebe (PD-L1 tumour proportion score – TPS) und analysieren hierfür in den fünf als praxisrelevant beurteilten Phase III Studien das Outcome (progressionsfreies Überleben – PFS, Gesamtüberleben – OS) für die Subgruppen mit PD-L1 TPS ≥ 50%, PD-L1 TPS 1-49% bzw. PD-L1 TPS < 1%. Der Empfehlungsgrad wird aus den jeweiligen Subgruppenanalysen abgeleitet. Tabelle 1 gibt eine Übersicht über die genannten Studien. Tabelle 2 enthält die jeweiligen Empfehlungen im Original. In diesem Übersichtsartikel werden die Empfehlungen zu Themenblöcken zusammengefasst.

Alleinige Therapie mit einem Checkpoint-Inhibitor

Unverändert zu 2017 gilt die alleinige Therapie mit dem Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab als Erstlinien-Therapie der Wahl bei Patienten ohne Kontraindikation für Immuntherapie mit NSCC und SCC, einem PS von 0 -1 und einem PD-L1 TPS von ≥ 50%. Die 2017 Empfehlung bezieht sich auf die Daten der KEYNOTE 024 Studie (8), das 2020 Update betrachtet darüber hinaus das Outcome der Patienten mit PD-L1 ≥ 50% der Patienten in der KEYNOTE 042 Studie. In der KEYNOTE 042 Studie wurden 1274 Patienten mit SCC und NSCC und einer PD-L1 Expression ≥ 1% 1:1 randomisiert zwischen platinhaltiger Chemotherapie und Pembrolizumab Monotherapie. Der primäre Endpunkt war das OS in der Population mit PD-L1 ≥ 50%, ≥ 20% und ≥ 1%, für alle drei Populationen war das OS signifikant länger im Pembrolizumab-Arm. Für die Gesamtpopulation der Patienten mit PD-L1≥ 50% (599 Patienten) ergab sich ein OS Benefit mit einer hazard ratio (HR) von 0.69 (95% CI, 0.56 to 0.85; p = .0003). Eine explorative Analyse für die Subgruppe der Patienten mit einer PD-L1 Expression von 1-49% zeigt allerdings, dass diese Patienten keinen signifikanten Überlebensvorteil durch die Pembrolizumab Monotherapie erfahren (HR 0.92, 95% CI 0.77- 1.11), und somit der Überlebensvorteil in der Gesamtpopulation durch die Subgruppe mit einem PD-L1 TPS ≥ 50% getragen wird. Entsprechend wird die Pembrolizumab Monotherapie für Patienten mit einer PD-L1 TPS 1-49% in den ASCO Guidelines als Möglichkeit im Einzelfall (Patienten, welche nicht für eine Chemotherapie qualifizieren oder diese ablehnen) mit allerdings schwacher Evidenz diskutiert. Wir denken, dass die Empfehlung so unterstützt werden kann und würden ebenfalls von einer unselektionierten Anwendung von Pembrolizumab in der Gruppe der Patienten mit einem PD-L1 TPS 1-49% warnen, insbesondere auch bei Patienten, bei welchen ein rasches Ansprechen erreicht werden sollte. Zudem wäre bei diesen Patienten zuerst eine Kostengutsprache einzuholen, da Pembrolizumab bei einer PD-L1 Expression < 50% in der Schweiz in der Erstlinientherapie nicht zugelassen ist.
Zum Zeitpunkt der Literaturrecherche gibt es keine ausreichende Evidenz zur alleinigen Immuntherapie mit anderen Checkpoint Inhibitoren bei Patienten mit hoher PD-L1 Expression (Daten der IMPOWER 110 Studie nicht berücksichtigt).

Checkpoint Inhibitor und Platinhaltige Kombina-tionschemotherapie bei PD-L1 TPS von 0% -49%

Für Patienten ohne Kontraindikation für eine Immuntherapie mit NSCC und SCC, PD-L1 TPS von 0% -49% sowie einem PS von 0 -1 wird in der ersten Therapielinie die Therapie mit Checkpoint Inhibitor plus platinhaltiger Kombinationschemotherapie empfohlen. Hierfür stehen mittlerweile verschiedene Behandlungsschemata zur Verfügung, welche im Folgenden kurz erörtert werden.
Beim NSCC wird die Therapie mit Carboplatin/Pemetrexed und Pembrolizumab analog der KEYNOTE 189 Studie als bevorzugte Behandlungsoption empfohlen. In der KEYNOTE 189 Studie wurden 616 Patienten mit NSCC unabhängig von der PD-L1 Expression 2:1 randomisiert und erhielten Cis-bzw. Carboplatin/Pemetrexed und Pembrolizumab für vier Zyklen mit anschliessender Erhaltungstherapie mit Pemetrexed und Pembrolizumab (bis zu 35 Zyklen) oder alleinige Chemotherapie. Das Gesamtüberleben war im Interventionsarm signifikant besser und die 12- Monats-Überlebensrate betrug 69 % mit der Pembrolizumab- Kombination versus 49% mit alleiniger Chemotherapie (HR 0,49; 95% CI 0.38-0.64, p < 0.001). Der Benefit war unabhängig von der PD-L1 Expression statistisch signifikant. Auch Patienten mit einer PD-L1 Expression < 1% profitierten von der zusätzlichen Pembrolizumabtherapie (geplante Subgruppenanalyse für PD-L1 <1%, 1-49%, > 50%, Stratifikationsfaktor PD-L1 < 1%, > 1%). Der grösste relative Benefit war bei einer PD-L1 Expression ≥ 50% zu beobachten.
Als weitere Therapieoptionen beim NSCC werden Carboplatin/Paclitaxel/Bevacizumab und Atezolizumab (IMPOWER 150 Studie) und Carboplatin/Nab-Paclitaxel und Atezolizumab (IMPOWER 130 Studie) diskutiert. Auch diese beiden Studien schlossen Patienten unabhängig vom PD-L1 Status ein. Die IMPOWER 150 Studie zeigt einen Vorteil im progressionsfreien Überleben mit Atezolizumab/Carboplatin/Paclitaxel und Bevacizumab im Vergleich zur Therapie mit Carboplatin/Paclitaxel und Bevacizumab, auch der berichtete Überlebensvorteil zum Zeitpunkt der publizierten Interimsanalyse ist statistisch signifikant mit einem medianen OS von 19.2 Monaten mit der Vierfach-Kombination versus 14.7 Monate ohne Atezolizumab (HR 0.78; 95% CI 0.64-0.96, p = 0.02). Neben den fehlenden finalen Überlebensdaten ist einschränkend zu erwähnen, dass in dieser dreiarmigen Studie nur zwei der Arme berichtet wurden – die Resultate des Armes Atezolizumab/Carboplatin und Paclitaxel sind nicht bekannt, so dass der Benefit der Bevacizumabaddition zu Atezolizumab unklar bleibt. Auch entspricht das Testverfahren für PD-L1 mit dem Ventana SP142 nicht dem aktuellen Antikörper, da die Sensitivität gegenüber anderen Verfahren zur PD-L1 Detektion eingeschränkt ist. Die IMPOWER 130 Studie zeigt einen signifikanten Überlebensvorteil für die Kombinationstherapie mit Atezolizumab/Carboplatin und (nab-)Paclitaxel gegenüber alleiniger Chemotherapie bei Patienten mit einem NSSC mit einem medianen OS von 18,6 Monaten im Interventionsarm versus 13.9 Monaten im Chemotherapie Arm HR 0,79 (95% CI 0.64-0.98, p =0.033). Auch hier wird der PD-L1 Status mit dem Ventana SP142 Testverfahren erhoben.
Patienten mit SCC, einer PD-L1 Expression von 0% -49% sowie PS von 0 -1 sollen in der ersten Therapielinie analog zum Vorgehen in der KEYNOTE-407 mit Pembrolizumab/Carboplatin/Paclitaxel oder nab-Paclitaxel behandelt werden. Im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie zeigt sich für die Gesamtpopulation hier ein signifikanter Überlebensvorteil mit einem medianen OS von 15.9 Monaten mit der zusätzlichen Pembrolizumabgabe versus 11.3. Monaten im Kontrollarm (HR 0.64, 95% CI 0.49-0.85, p< 0.001) und alle Subgruppen profitierten.
Während die Resultate der KEYNOTE 407 Studie auch in der Schweiz zur Zulassung beim metastasierten SCC geführt haben, ist beim NSCC weder die Kombination mit Atezolizumab, Bevacizumab, Carboplatin/Paclitaxel (IMPOWER 150) noch die Therapie mit Carboplatin /(nab-) Paclitaxel plus Atezolizumab zugelassen. Ersteres Regime wird aktuell in einer in der Schweiz offenen ETOP Studie bei Patienten nach Entwicklung einer EGFR-TKI Resistenz (ETOP ABC Studie) geprüft, da eine Subgruppenanalyse der IMPOWER 150 Studie einen Effekt der Quadruplettherapie bei EGFR- und ALK positiven Patienten nach TKI Resistenz suggeriert.
Das Regime der IMPOWER 130 Studie kann nach vorgängiger Kostengutsprache bei Patienten mit Kontraindikationen gegen Alimta erwogen werden.

Checkpoint Inhibitor und platinhaltige Kombinationschemotherapie bei PD-L1 TPS ≥ 50%

Aktuell gibt es keine vergleichenden Studien, die zeigen ob Patienten mit einer hohen PD-L1 Expression von einer zusätzlichen Chemotherapie im Vergleich zur alleinigen Pembrolizumabtherapie profitieren. In den ASCO Guidelines wird bei Patienten mit einem PD-L1 TPS ≥ 50% die Therapie mit Checkpoint Inhibitor plus platinhaltiger Kombinationschemotherapie als eine mögliche Behandlungsoption genannt, es wird jedoch betont, dass da sowohl Kosten als auch Toxizität der Dreifachtherapie deutlich höher sind, in den meisten Fällen die Pembrolizumab Monotherapie die Therapie der Wahl ist. Als mögliche Situationen, in denen eine Dreierkombination bevorzugt werden könnte, werden unbekannte PD-L1 Expression oder hohe Tumorlast genannt. Die Empfehlung zur Wahl des jeweiligen Therapieregimes entspricht den genannten Empfehlungen für Patienten mit einer PD-L1 Expression von 0%-49%.
In der Schweiz sind beide Optionen prinzipiell zugelassen. Ein Bevorzugen der Kombinations-Immun-Chemotherapie bei hochsymptomatischer Erkrankung eines ansonsten fitten Patienten macht aufgrund der tendenziell höheren Ansprechraten prinzipiell Sinn.

Diskussion

Die Ableitung des Empfehlungsgrades allein aus Subgruppenanalysen von zwar für Lungentumorpatienten eher grossen Phase 3 Studien ist grundsätzlich nicht unproblematisch. Solche Subgruppenanalysen stellen jedoch in der Medizin oft die einzige Evidenz dar, wenn prospektive randomisierte Studien zu einer spezifischen Fragestellung fehlen. Insgesamt können die Empfehlungen der ASCO Guidelines 2020 aus Schweizer Sicht jedoch gut mitgetragen werden und entsprechen der gängigen Praxis, wobei die etwas anderen Zulassungs- und Rückvergütungsbedingungen als in den USA gut berücksichtigt werden sollten. Dies ist im klinischen Alltag aufgrund der zunehmenden Kosten nicht irrelevant, besonders auch dann wenn ein rascher Therapiebeginn notwendig ist. Zumindest formal muss bei jeder der genannten Therapieoptionen eine Kostengutsprache eingeholt werden.
Hervorzuheben ist hier nochmals die Einstufung der Pembrolizumab Monotherapie als Therapie der Wahl bei Patienten mit hoher PD-L1 Expression: solange vergleichende Studien ausstehen, ist dies ein pragmatischer und kostengünstigerer Ansatz. Zu erwähnen ist hier auch, dass uns mit dieser Behandlung längere Follow-up Daten aus der KEYNOTE 024 (25.2 Monate) (9) und KEYNOTE 001 Studie (5 Jahre) (10) vorliegen, während die Langzeitdaten der initialen Chemo-Immunokombinationsbehandlung noch fehlen. Abhängig von der individuellen Situation scheint jedoch bei im indirekten Vergleich etwas höherer Ansprechrate auch der primäre Einsatz der Dreierkombination gerechtfertigt. Verschiedene Studien aus unterschiedlichen Gesundheitssystemen haben quality adjusted life years (QALYs) der Dreier- oder sogar Viererkombinationen berechnet und die fehlende Kosteneffizienz nachgewiesen. Dies gilt es zukünftig bei knapper werdenden Ressourcen im Gesundheitssystem bei der Therapiewahl mitzuberücksichtigen. Für die Schweiz sind solche Analysen zurzeit noch ausstehend bzw. noch nicht publiziert.
Ein wichtiger praktischer Punkt bei der Wahl der Therapie ist neben der PD-L1 Expression auch der Ausschluss behandelbarer Treibermutationen vor Therapiebeginn. Leider führt das Abwarten der molekularen Analysen nicht selten zur Zeitverzögerung – Zeit, die man im klinischen Alltag bei symptomatischen Patienten nicht hat. Das Vorhandensein von genügend Tumorgewebe sowie das umgehende Einleiten (zum Beispiel Reflextesting) der molekularen Analyse und der PD-L1 Bestimmung ist deshalb entscheidend geworden. Ein «blindes» Beginnen einer Immuntherapie bei einem Patienten, bei welchem «im Nachhinein» eine EGFR Mutation detektiert wird, muss aufgrund der Datenlage mit klar eingeschränkter Wirksamkeit einer Immuntherapie bei diesen Patienten als inkorrekte Therapie beurteilt werden.
Abschliessend gilt festzuhalten, dass der Einsatz der Immuntherapie die Langzeitbehandlungsergebnisse eines kleineren Anteils der Patienten mit NSCLC revolutioniert hat und die Immuntherapie fester Bestandteil in der Erstlinienbehandlung geworden ist. Insbesondere die ersten Daten zum 5-Jahres-Überleben der KEYNOTE 001 Studie, welche Überlebensraten von knapp 30% bei Patienten mit PD-L1 TPS ≥ 50% mit Pembrolizumab in der Erstlinientherapie zeigen sind eindeutig besser, als wir dies von historischen Daten kennen. Diese Resultate werfen die Frage auf, ob wir sogar allenfalls eine kleine, bisher noch ungenügend definierte Subgruppe von Patienten langfristig als «geheilt» betrachtet können. Ob diese Langzeitresultate mit einer initialen Chemo-/Immuntherapie oder einer Immunkombinationstherapie noch weiter verbessert werden können bleibt jedoch noch abzuwarten, da die Beobachtungszeiten dieser Studien noch zu kurz sind.

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Susanne Weindler

Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie
Kantonsspital St. Gallen
Rorschacher Strasse 95
9007 St. Gallen

PD Dr. med.Martin Früh

Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie
Kantonsspital St. Gallen
Rorschacherstrasse 95
9007 St. Gallen

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  • Um die optimale Therapie des NSCLC im Stadium IV festzulegen, muss initial beim NSCC das Vorliegen einer primär behandelbaren Treibermutation ausgeschlossen werden und unabhängig von der Histologie der PD-L1 Status bestimmt werden.
  • Alle Patienten mit PS 0-1 ohne Kontraindikationen für eine Immuntherapie sollten heute in der Erstlinientherapie einen Checkpointinhibitor erhalten
  • Bei einer PD-L1 Expression von 0% und 1-49% sollte der Patient in der Erstlinientherapie eine Kombination aus Checkpointinhibitor und platinhaltiger Kombinationschemotherapie erhalten.
  • Bei einer PD-L1 Expression ≥ 50% kann sowohl die alleinige Pembrolizumab Therapie als auch eine Kombination aus Checkpoint-Inhibitor und Chemotherapie eingesetzt werden. Vergleichende Studien gibt es nicht – Pembrolizumab alleine ist deutlich weniger toxisch und kostengünstiger, bei hoher Tumorlast oder unbekanntem PD-L1 Status stellt die Kombinationstherapie aber eine sinnvolle Alternative dar.

Messages à retenir

  • Afin de déterminer la thérapie optimale pour le CPNPC de stade IV, la présence d’ une mutation conductrice primaire traitable doit être exclue initialement dans le NSCC et le statut PD-L1 doit être déterminé indépendamment de l’ histologie.
  • Tous les patients présentant une PS 0-1 sans contre-indication à l’ immunothérapie devraient recevoir aujourd’ hui un inhibiteur checkpoint dans le cadre d’ un traitement de première intention
  • Avec une expression PD-L1 de 0 % et de 1 à 49 %, le patient doit recevoir une combinaison d’ inhibiteur de checkpoint et de chimiothérapie combinée contenant du platine en première intention.
  • Dans le cas d’ une expression PD-L1 ≥ 50%, on peut utiliser à la fois la thérapie au pembrolizumab seul et une combinaison d’ inhibiteur du checkpoint et de chimiothérapie. Il n’ existe pas d’ études comparatives – le pembrolizumab seul est nettement moins toxique et moins cher, mais en cas de charge tumorale élevée ou de statut PD-L1 inconnu, la thérapie combinée est une alternative raisonnable.

1 West H, McCleod M, Hussein M et al: Atezolizumab in combination with carboplatin plus nab-paclitaxel chemotherapy compared with chemotherapy alone as first-line treatment for metastatic non-squamous non-small-cell lung cancer (IMpower130): a multicentre, randomised, open-label, phase 3 trial. Lancet Oncol 2019; 20: 924-937.
2 Gandhi L, Rodríguez-Abreu D, Gadgeel S et al: Pembrolizumab plus Chemotherapy in Metastatic Non–Small-Cell Lung Cancer. N Engl J Med 2018; 378: 2078-2092.
3 Mok TSK, Wu Y-L, Kudaba I et al. Pembrolizumab versus chemotherapy for previously untreated, PD-L1-expressing, locally advanced or metastatic non-small-cell lung cancer (KEYNOTE-042): a randomised, open-label, controlled, phase 3 trial. Lancet 2019; 393: 1819-1830.
4 Socinski MA, Jotte RM, Cappuzzo F et al: Atezolizumab for First-Line Treatment of Metastatic Nonsquamous NSCLC. N Engl J Med 2018; 378: 2288-2301
5 Paz-Ares L, Luft A, Vicente D et al: Pembrolizumab plus Chemotherapy for Squamous Non–Small-Cell Lung Cancer. N Engl J Med 2018; 379: 2040-2051
6 Hanna NH, Schneider BJ, Temin S et al: Therapy for Stage IV Non–Small-Cell Lung Cancer Without Driver Alterations: ASCO and OH (CCO) Joint Guideline Update. J Clin Oncol 38.
7 Hellmann MD, Ciuleanu TE, Pluzanski A et al: Nivolumab plus ipilimumab in lung cancer with a high tumor mutational burden. N Engl J Med 2018; 378:2093-2104
8 Reck M, Rodrıguez-Abreu D, Robinson AG et al: Pembrolizumab versus Chemotherapy for PD-L1aPositive Non–Small-Cell Lung Cancer N Engl J Med 2016;375:1823-33.
9 Reck M, Rodrıguez-Abreu D, Robinson AG et al: Updated Analysis of KEYNOTE-024: Pembrolizumab Versus Platinum-Based Chemotherapy for Advanced Non–Small-Cell Lung Cancer With PD-L1 Tumor Proportion Score of 50% or Greater, J Clin Oncol 37:537-54
10 Garon EB, Hellman MD, Rizvi NA,et al: Five-Year Overall Survival for Patients With Advanced Non–Small-Cell Lung Cancer Treated With Pembrolizumab: Results From the Phase I KEYNOTE-001 Study, J Clin Oncol 37:2518-2527