Rasch progrediente neurokognitive Symptome – auch an Seltenes denken

Anamnese und Befunde

Wir berichten über vier Patienten, welche über den Zeitraum von 2014 bis 2021 mit rasch fortschreitenden kognitiven, neuropsychiatrischen und neurologischen Symptomen behandelt wurden. Der Fall von zwei Patienten wird im Folgenden exemplarisch geschildert.

Ein 67-jähriger Patient stellte sich mit progredienten Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, Desorientiertheit, Tremor an verschiedenen Körperstellen sowie neu aufgetretener Urininkontinenz vor. Im Neurostatus fielen eine Ataxie, eine verminderte sensible Diskrimination (Spitz-Stumpf- sowie Warm-Kalt-Sensibilität und reduzierter Vibrationssinn an den unteren Extremitäten) sowie ein Rigor mit Zahnradphänomen aller Extremitäten auf. Des Weiteren fanden sich Myoklonien und okulomotorische Störungen mit sakkadierten Blickfolgebewegungen, ein blickgerichteter Nystagmus beidseits, eine Blickparese nach oben und deutlich verlangsamte vertikale Sakkaden.

Beim zweiten Patienten handelte es sich um einen 56-jährigen Mann, der über einen progredienten Verlust des Geruchssinns sowie einen Gewichtsverlust von 8 kg innerhalb von zwei Monaten klagte. Es fielen Konzentrationsstörungen mit Schwierigkeiten beim Folgen von Aufforderungen, eine Verschlechterung des Kurzzeitgedächtnisses sowie eine Schwäche der unteren Extremitäten auf. Im Weiteren fanden sich eine Desorientiertheit, eine Apraxie sowie eine inkomplette globale Aphasie mit insbesondere Wortfindungsstörungen und vermindertem Sprachfluss.

Differenzialdiagnostische Überlegungen

Aufgrund der Beteiligung von verschiedenen Hirnregionen bei vorherrschend kognitiven Beschwerden, aber auch zerebellären, extrapyramidalmotorischen und aphasischen Symptomen, ist die breite Differenzialdiagnostik der Enzephalopathie respektive des enzephalitischen Syndroms in Betracht zu ziehen. Dazu gehören neuroinvasive infektiöse Erkrankungen (wie Neuroborreliose, Neurolues und virale Erkrankungen wie HIV, Herpes- und FSME-Viren), autoimmun bedingte Enzephalitiden und Vaskulitiden, multifokale zerebrale Ischämien, beispielsweise im Rahmen einer Endokarditis, oder primäre und sekundäre ZNS-Neoplasien (Lymphome, ein metastasierender Tumor, seltener auch eine Meningeosis carcinomatosa oder paraneoplastische Enzephalopathien) (1).

Letztlich gibt es einige rasch progrediente neurodegenerative Erkrankungen, an die gedacht werden muss. Aufgrund der Multifokalität sollte eine Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung erwogen werden, aber auch eine Alzheimer-Erkrankung oder eine frontotemporale Demenz können relativ rasch fortschreiten, mit aphasischen Störungen im Kontrast zu nur diskreten motorischen Beschwerden. Daneben gibt es Parkinson-Plus-Syndrome, zum Beispiel die su­pranukleäre Blickparese oder Lewy-Körperchen-Erkrankung, bei der typischerweise kognitive und extrapyramidalmotorische Störungen kombiniert auftreten. Auch eine Multisystematrophie ist möglich. Diese löst zwar oft weniger kognitive Symptome aus, kann aber sowohl zerebelläre als auch extrapyramidalmotorische Symptome mit Tremor und autonomen Störungen wie Urininkontinenz aufweisen. Auch eine kortikobasale Degeneration kann gelegentlich rasch fortschreiten mit kognitiven Einbussen und initial stark asymmetrischen extrapyramidalmotorischen Beschwerden mit ausgeprägtem Rigor, Myoklonien und Apraxie (1).

Aufgrund der breiten Differenzialdiagnose sind eine detaillierte zerebrale Bildgebung mittels MRI des Schädels mit Kontrastmittel und Angiographie indiziert, eventuell zusätzlich mit Dark-blood-Sequenzen bei Vaskulitis-verdacht. Die zeitnahe Labor- und Liquorabklärung ist essenziell. Im Serum werden Antikörper auf ausgewählte infektiöse Erreger und im Liquor infektiöse Erreger mittels PCR oder Liquor-/Serum-Index analysiert. Zudem werden autoimmune und paraneoplastische Antikörper gesucht. Im Weiteren sollte bei Lymphom- oder Tumorverdacht eine Zytologie abgenommen werden wie auch Demenzmarker bei Alzheimer-Verdacht und Bestimmung des Proteins 14-3-3 und «Real-time quaking induced conversion» (RT-QuIC) bei möglicher Prionen­erkrankung. Auch die Durchführung eines Elektroenzephalogramms (EEG) ist bei starker Desorientierung, Wesensänderung und Myoklonien indiziert, um Hinweise für eine Allgemeinveränderung oder epilepsietypische Potenziale zu erhalten (1).

Weitere Abklärungsschritte und Verlauf

Das MRI des Schädels des ersten Patienten war unauffällig. Die Basisanalytik in der Liquoruntersuchung fiel unauffällig bei Zellzahl und Protein in der Norm aus. In Liquorkultur, -PCR und serologisch fanden sich keine Hinweise auf eine infektiöse Ursache. Es zeigte sich jedoch eine positive RT-QuIC für Prionen sowie ein positives Protein 14-3-3, passend zur Verdachtsdiagnose einer sporadischen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit («sporadic Creutzfeldt Jakob disease», sCJD). Im EEG fanden sich eine Verlangsamung der Grundaktivität und triphasische Potenziale (Abb. 1).

Im MRI des Schädels des zweiten Patienten zeigten sich streng kortikale, hyperintense Signalveränderungen ohne Einbezug der subkortikalen weissen Substanz, ein sogenanntes «cortical ribboning» (Abb. 2). Im Liquor wurden ebenfalls eine positive RT-QuIC für Prionen und ein positives Protein 14-3-3 festgestellt. Hinweise für eine infektiöse oder entzündliche Ursache fanden sich nicht.

Das klinische Erscheinungsbild war bei beiden Patienten rasch progredient und ohne Möglichkeit zur spezifischen Therapie. Beide Patienten verstarben im kurzzeitigen Verlauf innerhalb eines Jahres nach Diagnosestellung.

Diagnose

Bei charakteristischer Klinik mit rasch progredientem Verlauf und den typischen Befunden im MRI des Schädels sowie in Liquor und EEG lag bei beiden Patienten das Bild einer sCJD vor. Bei Patient 2 wurde die Diagnose post mortem in der Histopathologie des Hirngewebes gesichert (Abb. 3).

Kommentar

Die sCJD gehört zur Gruppe der subakuten spongiformen Enzephalopathien, welche durch abnorm gefaltete Prionen verursacht wird (2). Im Gehirn und in den hinteren Augenabschnitten ist die Konzentration der Prionen am höchsten, was den Symptomenkomplex aus rasch progredienter Demenz, extrapyramidalen Störungen, Myoklonien sowie visuellen und Kleinhirnstörungen verursacht (2, 3). Aufgrund der heterogenen und unspezifischen Symptomatik, insbesondere bei Krankheitsbeginn, gestaltet sich die klinische Diagnosestellung schwierig (2). Um unnötige Diagnostik zu vermeiden und möglichst Klarheit in den differenzialdiagnostischen Herausforderungen zu schaffen, ist es wichtig, die Erkrankung als mögliche Differenzialdiagnose bei rasch progredienten neurodegenerativen Erkrankungen einzubeziehen. Die rasche Dynamik der neurokognitiven sowie motorischen Symptome gerade bei Krankheitsbeginn führt zum klinischen Verdachtsmoment, die Fremdanamnese durch nahe Angehörige ist oft hilfreich. Diese Fallserie hat den Zweck, das Krankheitsbild bekannter und auf den Symptomkomplex aufmerksam zu machen.

In unserem Spital wurde im Zeitraum von 2014 bis 2021 bei vier männlichen Patienten im Alter von 56–85 Jahren mit rasch progredienter neurokognitiver Symptomatik eine sCJD diagnostiziert, bei drei Patienten wurde die Diagnose post mortem autoptisch gesichert. Das Einzugsgebiet des Spitals zählt etwa 150 000 Bewohner. In der Literatur wird eine Krankheitsinzidenz von 1–2:1 000 000 in der Durchschnittsbevölkerung angegeben (4), sodass die Krankheit eventuell unterdiagnostiziert wird. In der Schweiz liegt die Inzidenz bei 0.4–2.63/1 000 000 Einwohner/-innen, wobei es Anfang des 21. Jahrhunderts zu einem vorübergehend signifikanten Anstieg der Fallzahlen kam. Dies wurde im Rahmen der Etablierung neuer diagnostischer Methoden mit infolgedessen vermehrter Aufmerksamkeit für die Erkrankung interpretiert (5 [WG1.1]).

Allen Patienten in unserer Fallserie gemeinsam war eine rasche Progredienz der Symptomatik in Kombination mit einer Demenz und neurologischen Auffälligkeiten wie pyramidalen und extrapyramidalen Zeichen sowie visuellen und zerebellären Symptomen oder Myoklonien (Tab. 1).

Es gibt 4 Hauptformen der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung: sporadisch, genetisch, iatrogen und erworben; die sporadische Form stellt mit 80–95 % die häufigste Form dar (4, 6). Das mediane Erkrankungsalter liegt bei 67 Jahren (4, 6), wobei es auch deutlich jüngere betroffene Personen gibt (6). Die Geschlechtsverteilung variiert je nach Region (7, 8). Bis heute gibt es keine kurative Therapie, die meisten Betroffenen sterben innerhalb eines Jahres nach Diagnosestellung (4, 6, 9). Jüngere Patienten scheinen eher einen längeren Krankheitsverlauf zu haben (6). Die sporadische Form der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung wird durch abnorm gefaltete, nicht lösliche Prionen (PrPsc) (10) verursacht, welche teilweise bereits Jahrzehnte vor den ersten Symptomen nachweisbar sind (4). Die Fehlfaltung der Prionen beginnt spontan (6) und führt zu Ablagerungen als Amyloid im Gewebe (10), was wiederum zu einer spongiformen Degeneration von Hirngewebe, neuronalem Untergang und astrozytärer Gliose führt (9, 11). Die Ursache der Erkrankung ist bisher nicht bekannt, es gibt jedoch Hinweise auf eine mögliche genetische Komponente (12). Das normale Prionprotein (PrPc) wird durch Chromosom 20 kodiert. Bisher ist keine klare Funktion des physiologischen Prion-proteins bekannt, es könnte jedoch eine Rolle im Kupferstoffwechsel und in antioxidativen Systemen spielen (10). Interessanterweise wird das Krankheitsbild in asiatischen Ländern kaum beschrieben, wobei dies eventuell auch durch die Seltenheit der Erkrankung und somit diagnostische Herausforderung sowie fehlende Dokumentation und Informationsweitergabe bedingt sein könnte (6).

Im Folgenden werden die wichtigsten diagnostischen Abklärungen und Analysen beschrieben, die bei der klinischen Verdachtsdiagnose einer sCJD angewendet werden. Die Diagnosekriterien sind in Tab. 2 aufgeführt (siehe auch S1-Leitlinie zur Creutzfeldt-Jakob-Krankheit der DGN [7]).

MRI-Schädel

Bei den meisten Patienten sind der zerebrale Kortex und die Basalganglien involviert. Typisch ist ein sogenanntes «cortical ribboning» (2, 6), also kortikale Signalalterationen in den Sequenzen der «fluid attenuated inversion recovery» (FLAIR) sowie in den diffusionsgewichteten Aufnahmen («diffusion weighted imaging», DWI) (13).

Liquoruntersuchung

In der Basisanalytik im Liquor kann die Proteinmenge leicht erhöht sein. Zudem kann eine Pleozytose mit normaler Glukose im Liquor vorliegen (6).

Die Liquoruntersuchung dient insbesondere dazu, Infektionen und Entzündungen des zentralen Nervensystems oder andere Differenzialdiagnosen auszuschliessen. Es gibt typische Befunde, welche auf eine sCJD hinweisen, dazu zählen das Protein 14-3-3 und die RT-QuIC (6).

Die Sensitivität und Spezifität des Proteins 14-3-3 sind sehr variabel. In einer Metaanalyse wurde über eine Sensitivität von ca. 92 % bei einer Spezifität von ca. 80 % (14) berichtet, wobei in frühen Krankheitsstadien die Sensitivität geringer zu sein scheint (15).

Die Spezifität des RT-QuIC liegt bei nahezu 100 % bei einer Sensitivität von 70 % (6, 16) bis 90 % (17, 18, 19) bei Tests der ersten Generation. Solche der zweiten Generation zeigen eine etwas höhere Sensitivität von 92 % (20) bis 97 % (21).

Weiter kann eine starke Erhöhung des totalen Tau im Liquor die Diagnose untermauern (15, 22), aktuell ist dies jedoch nicht in den Diagnosekriterien für sCJD integriert (13). Wichtige Differenzialdiagnosen für eine Erhöhung des Tau-Proteins im Liquor sind die Alzheimer-Demenz sowie entzündliche und neoplastische ZNS-Erkrankungen (3).

EEG

Im EEG sind periodische «Sharp wave»-Komplexe («periodic sharp wave complexes», PSWC) mit einer Frequenz von ca. 1–1.5 Hz typisch für sCJD (6). PSWC können jedoch auch bei anderen Erkrankungen auftreten (2). In sehr frühen Krankheitsstadien kann das EEG noch normal sein, das Fehlen von solchen Komplexen schliesst eine sCJD somit nicht aus (2, 6, 23).

Biopsie

Da eine definitive Diagnose nur histopathologisch gestellt werden kann, ist die Hirnautopsie bzw. -biopsie weiterhin der Goldstandard zur Diagnose einer sCJD (6, 24). Die Hirnbiopsie erfolgt aufgrund der Invasivität und oft auch fehlender Verfügbarkeit der Diagnostik (24) in der Regel erst post mortem. Es besteht das Risiko eines falsch negativen Resultats, da die fehlgefalteten Prionen nicht in allen Hirnregionen zu finden sind (15).

Bei potenziellem Kontakt mit Gewebe bei Verdacht auf sCJD muss ein mögliches Übertragungsrisiko auf das beteiligte Gesundheitspersonal berücksichtigt werden. Dies gilt insbesondere beim Umgang mit Probematerial aus dem zentralen Nervensystem, da hier die Prionenkonzentration am höchsten ist (2). Gerade [WG2.1] bei einer Au­topsie mit Verdacht auf eine sCJD sind strenge Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Dazu gehören beispielsweise ein Speziallabor (Biosicherheitslabor, BSL3) sowie Ganzkörperschutzanzüge für das Personal (25).

Janine Badertscher, Gaby Schoch, Robert Escher, Gabriel Waldegg

Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Spital Emmental, Burgdorf

Abkürzungen
DWI Diffusion weighted imaging
EEG Elektroenzephalogramm
FLAIR fluid attenuated inversion recovery
FSME Frühsommer-Meningoenzephalitis
HIV Humanes Immundefizienz-Virus
MRI Magnetic resonance imaging
PCR Polymerase chain reaction
PSWC Periodic sharp wave complexes
RT-QuIC Real-time quaking induced conversion
sCJD sporadic Creutzfeldt-Jakob-Disease

Historie
Manuskript eingegangen: 28.10.2025
Angenommen nach Revision: 11.02.2026

Janine Badertscher

Assistenzärztin
Spital Emmental Burgdorf
Oberburgstrasse 54
3400 Burgdorf

janine.badertscher@gmail.com

Die Autorin hat keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

Die sporadische Creutzfeldt-Jakob-Krankheit ist eine diagnostische Herausforderung mit infauster Prognose. Die Kombination einer schnellen kognitiven Verschlechterung innert weniger Wochen bis Monate mit begleitenden neurologischen Symptomen wie Ataxie, Sehstörungen, extrapyramidalen Symptomen sowie Myoklonien, sollte an eine sCJD denken lassen (6, 2). Der klinische Verdacht zusammen mit der zerebralen Bildgebung mit MRI des Schädels, der Liquorpunktion mit Bestimmung spezifischer Marker und dem EEG führen zur Verdachtsdiagnose. Die einzige Art der Diagnosesicherung führt über die Autopsie mit Nachweis der pathologisch gefalteten Prionen im neuropathologischen Gewebe. In der Schweiz sind Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfälle meldepflichtig (26).

1. Hermann P, Zerr I. Rapidly progressive dementias — aetiologies, diagnosis and management. Vol. 18, Nature Reviews Neurology. Nature Research; 2022. p. 363–76.
2. Salehi P, Clark M, Pinzon J, Patil A. Sporadic Creutzfeldt-Jakob disease. American Journal of Emergency Medicine. 2022 Feb 1;52:267.e1-267.e3.
3. Lehmann S, Paquet C, Malaplate-Armand C, Magnin E, Schraen S, Quillard-Muraine M, et al. Diagnosis associated with Tau higher than 1200 pg/mL: Insights from the clinical and laboratory practice. Clinica Chimica Acta. 2019 Aug 1;495:451–6.
4. Uttley L, Carroll C, Wong R, Hilton DA, Stevenson M. Review Creutzfeldt-Jakob disease: a systematic review of global incidence, prevalence, infectivity, and incubation [Internet]. 2020. Available from: www.thelancet.com/infection
5. Stoeck K, Hess K, Amsler L, Eckert T, Zimmermann D, Aguzzi A, et al. Heightened incidence of sporadic Creutzfeldt-Jakob disease is associated with a shift in clinicopathological profiles. J Neurol. 2008 Oct;255(10):1464–72.
6. Khan S, Khan S. Sporadic Creutzfeldt-Jakob disease: Diagnosing typical and atypical presentations under limited circumstances. Dement Geriatr Cogn Disord. 2021 Jun 1;50(1):36–42.
7. Hermann P, Treig J, Unkel S, Goebel S, Bunck T, Jünemann M, et al. Sporadic Creutzfeldt-Jakob disease among physicians, Germany, 1993–2018. Emerg Infect Dis. 2020 Aug 1;26(8):1710–9.
8. Feng S, Zhao X, Zhou X, Ye X, Yu X, Jiang W, et al. Epidemiological and Clinical Characteristics of Sporadic Creutzfeldt–Jakob Disease: A Retrospective Study in Eastern China. Front Neurol. 2021 Oct 6;12.
9. Kojima G, Tatsuno BK, Inaba M, Velligas S, Masaki K, Liow KK. Creutzfeldt-Jakob Disease: A Case Report and Differential Diagnoses. Vol. 72. 2013.
10. Knight RSG. PRION DISEASES. J Neurol Neurosurg Psychiatry [Internet]. 2004 Mar 1;75(90001):36i–42. Available from: https://jnnp.bmj.com/lookup/doi/10.1136/jnnp.2004.036137
11. Fabiano Marin L, Carvalho Felício A, Bernardi Bichuetti D, Adolfo Celso dos Santos W, Raquel Rodrigues Borges L, Parissi Buainain R, et al. CliniCal findingS in Creutzfeldt-Jakob diSeaSe mimiCking dementia with lewy bodieS. Vol. 66, Arq Neuropsiquiatr. 2008.
12. Windl O, Dempster M, Collinge J. Genetic basis of Creutzfeldt-Jakob disease in the United Kingdom a systematic analysis of predisposing mutations and allelic variation in the PRNP gene. 1996;
13. Zerr I, Kallenberg K, Summers DM, Romero C, Taratuto A, Heinemann U, et al. Updated clinical diagnostic criteria for sporadic Creutzfeldt-Jakob disease. Brain. 2009 Oct;132(10):2659–68.
14. Muayqil T, Gronseth G, Camicioli R. Evidence-based guideline: Diagnostic accuracy of CSF 14-3-3 protein in sporadic Creutzfeldt-Jakob disease Report of the Guideline Development Subcommittee of the American Academy of Neurology [Internet]. 2012. Available from: www.neurology.org
15. Hermann P, Appleby B, Brandel JP, Caughey B, Collins S, Geschwind MD, et al. Biomarkers and diagnostic guidelines for sporadic Creutzfeldt-Jakob disease. Vol. 20, The Lancet Neurology. Lancet Publishing Group; 2021. p. 235–46.
16. Groveman BR, Orrú CD, Hughson AG, Bongianni M, Fiorini M, Imperiale D, et al. Extended and direct evaluation of RT-QuIC assays for Creutzfeldt-Jakob disease diagnosis. Ann Clin Transl Neurol. 2017 Feb 1;4(2):139–44.
17. McGuire LI, Peden AH, Orrú CD, Wilham JM, Appleford NE, Mallinson G, et al. Real time quaking-induced conversion analysis of cerebrospinal fluid in sporadic Creutzfeldt-Jakob disease. Ann Neurol. 2012 Aug;72(2):278–85.
18. Hermann P, Laux M, Glatzel M, Matschke J, Knipper T, Goebel S, et al. Validation and utilization of amended diagnostic criteria in Creutzfeldt-Jakob disease surveillance. Neurology. 2018 Jul 24;91(4):e331–8.
19. Rudge P, Hyare H, Green A, Collinge J, Mead S. Imaging and CSF analyses effectively distinguish CJD from its mimics. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2018 May 1;89(5):461–6.
20. Foutz A, Appleby BS, Hamlin C, Liu X, Yang S, Cohen Y, et al. Diagnostic and prognostic value of human prion detection in cerebrospinal fluid. Ann Neurol. 2017 Jan 1;81(1):79–92.
21. Franceschini A, Baiardi S, Hughson AG, McKenzie N, Moda F, Rossi M, et al. High diagnostic value of second generation CSF RT-QuIC across the wide spectrum of CJD prions. Sci Rep. 2017 Dec 1;7(1).
22. Otto M, Wiltfang J, Cepek L, Neumann M, Mollenhauer B, Steinacker P, et al. Tau protein and 14-3-3 protein in the differential diagnosis of Creutzfeldt-Jakob disease [Internet]. 2002. Available from: https://www.neurology.org
23. Geschwind MD. Prion Diseases. Vol. 21, CONTINUUM Lifelong Learning in Neurology. Lippincott Williams and Wilkins; 2015. p. 1612–38.
24. Ahmad S. Neurodegenerative Diseases. 2012.
25. Reimann Regina. CJD autopsy guidelines (external) Änderungshinweis: fachlich unverändert. 2024.
26. Leitfaden zur Meldepflicht übertragbarer Krankheiten und Erreger 2025 [Internet]. [cited 2025 Oct 25]. Available from: https://www.bag.admin.ch/de/meldepflichtige-infektionskrankheiten

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Ein neues Fortbildungsformat für Ärztinnen und Ärzte bei medinfo

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Die medizinische Evidenz entwickelt sich ständig weiter, der zeitliche Spielraum für Fortbildung
hingegen kaum. Zwischen Sprechstunde, Administration und Versorgungsalltag bleibt oft
wenig Raum, neue Erkenntnisse umfassend zu rezipieren. Umso wertvoller sind Formate, die
Wissen verdichten, einordnen und direkt für die Praxis anschlussfähig machen.

Mit unserem neuen Webinar-Angebot möchten wir genau dafür einen geeigneten Rahmen
schaffen. Am Dienstag, 28. April, von 17.30 bis 19.00 Uhr laden wir Sie, liebe Leserinnen
und Leser, zu unserem Webinar «Update zu Hautkrebs: Prävention und Therapie 2026» ein.
Das Thema könnte kaum aktueller sein. So nehmen Keratinozytenkarzinome weiter zu, aktinische
Keratosen sind häufig Ausdruck einer chronischen Lichtschädigung, und zugleich
wächst die Bedeutung einer konsequenten Prävention.

Mit Prof. Dr. med. Reinhard Dummer konnten wir für dieses Webinar einen ausgewiesenen
Experten gewinnen. Ergänzt wird der fachliche Input durch Dr. med. Mirjam Nägeli, die weitere
praxisnahe Aspekte des Themas beleuchtet.

Im anschliessenden Q&A-Teil sollen zudem Fragen der Teilnehmenden aufgegriffen und konkret
beantwortet werden.

Wir freuen uns, mit diesem Webinar ein neues Fortbildungsformat anbieten zu können, das
Aktualität, Praxisnähe und Interaktivität verbindet. Die Anmeldung finden Sie auf der nächsten
Seite 3. Wir freuen uns auf Ihr Mitmachen!

Einen Einstieg zum Thema des Webinars finden Sie im Artikel «(Chemo-)Präventive Strategien
beim Hautkrebs» von Prof. Dummer.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

Dr. med. Christian Häuptle

Otmarweg 8, 9200 Gossau

haeuptle@hin.ch

Journal Watch von unseren Experten

Salpingektomie bei Abdominaloperation reduziert das Ovarialkarzinomrisiko

Es ist bekannt, dass das Eileiterepithel eine wichtige Quelle für ein tubo-ovariales Karzinom ist. Daher wird seit Jahren diskutiert, ob die Entfernung der Eileiter während einer anderweitig indizierten Becken- oder Bauchchirurgie (opportunistische Salpingektomie) das zukünftige Risiko für Eierstockkrebs senken könnte. Eine internationale Arbeitsgruppe von 14 Personen, darunter ein Patientenvertreter, wurde von der European Society of Gynaecological Oncology beauftragt, eine Konsenserklärung zur opportunistischen Salpingektomie zu entwickeln.

Von 230 gefundenen Studien wurden 129 als relevant angesehen. Als wichtigste Endpunkte wurden das Auftreten eines tubo-ovarialen Karzinoms, das Auftreten einer Ovarialinsuffizienz, kurz- oder langfristige Gesundheitsrisiken und postoperative Komplikationen definiert. Bei 18 Aussagen wurde ein Konsens mit mehr als 75 % Übereinstimmung erzielt, mit Empfehlungsstufen von B bis D und Evidenzwerten von II bis V. Die Datenlage ergab, dass die opportunistische Salpingektomie signifikant mit einem geringeren Risiko für ein anschliessendes tubo-ovariales Karzinom verbunden war, ohne nachteilige kurzfristige Auswirkungen auf die Ovarialfunktion. Der Eingriff erschien sicher und verlängerte die Operationszeit unwesentlich. Die vorhandenen Evidenzen deuteten nicht auf eine Schädigung der Eierstockfunktion oder eine vorzeitige Menopause hin, wofür allerdings langfristige Belege fehlen.

Die Expertengruppe folgerte, dass die Salpingektomie sowohl bei gynäkologischen als auch bei nichtgynäkologischen Eingriffen machbar sei und bei Frauen, die sich einer gynäkologischen Operation unterziehen, und bei ausgewählten nichtgynäkologischen Becken- oder Bauchoperationen in Betracht gezogen werden sollte.
«Prophylaktische» Operationen sind historisch gesehen immer eine Herausforderung für die Behandler. Ist eine Salpingektomie eine verstümmelnde Operation, welche die Patientin – trotz Einverständniserklärung – später einklagen wird? Wird der Patientin etwas vorenthalten, wenn man die Salpingektomie beim Abdominaleingriff nicht durchführt, und kann man diesbezüglich eingeklagt werden? Im Zeitalter der «shared decision» sollte diese Präventionsmassnahme in die präoperative Beratung aufgenommen werden, und das Gespräch mit der Hausärztin des Vertrauens mag für den Entscheid der Patientin wichtiger sein als das fachärztliche.

KD Dr. med. lic. phil. Marcel Weber

Literatur
Piek J.M. Opportunistic Salpingectomy for Prevention of Tubo-Ovarian Carcinoma. The European Society of Gynaecological Oncology Consensus Statements. JAMA 2026;335;(10):894-902. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41627806/

Restless Legs Syndrom: Ein Review

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist eine schlafbezogene Bewegungsstörung, von der etwa 3 % der Erwachsenen in den USA in klinisch signifikanter Weise betroffen sind und die zu erheblichen Schlafstörungen führen kann.

Beobachtungen
Das Restless-Legs-Syndrom ist durch einen überwältigenden Drang gekennzeichnet, die Gliedmassen, typischerweise die Beine, zu bewegen, oft begleitet von unangenehmen Empfindungen in den Gliedmassen (z. B. Schmerzen, Kribbeln). Die durch Bewegungslosigkeit hervorgerufenen Symptome lassen bei Bewegung nach und treten typischerweise abends oder nachts auf oder sind dann am stärksten ausgeprägt. Die Symptome des Restless-Legs-Syndroms können zu Einschlaf-, Durchschlaf- oder Wieder einschlafstörungen führen. Laut bevölkerungsbasierten Studien leiden etwa 8 % der Erwachsenen in den USA jährlich an RLS-Symptomen unterschiedlicher Häufigkeit und 3 % mindestens zweimal pro Woche an mittelschweren oder schweren, belastenden Symptomen. Patienten mit RLS haben eine beeinträchtigte Lebensqualität und erhöhte Raten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (29,6 % mit koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz), Depressionen (30,4 %) und Suizidgedanken oder Selbstverletzung (0,35 Fälle/1000 Personenjahre). Eine Polysomnographie wird zur Diagnose nicht empfohlen. Bei einem Serumferritinspiegel von weniger als oder gleich 100 ng/ml oder einer Transferrinsättigung von weniger als 20 % sollte eine Eisensupplementierung mit Eisensulfat (325–650 mg täglich oder jeden zweiten Tag) oder intravenösem Eisen (1000 mg) begonnen werden.
Wenn möglich, sollten Medikamente, die mit RLS in Verbindung gebracht werden, darunter serotonerge Antidepressiva, Dopaminantagonisten und zentral wirkende H1-Antihistaminika (z. B. Diphenhydramin), abgesetzt werden. Gabapentinoide (z. B. Gabapentin, Gabapentin Enacarbil, Pregabalin) sind die pharmakologische Therapie der ersten Wahl. In randomisierten klinischen Studien zeigten etwa 70 % der mit Gabapentinoiden behandelten Patienten eine deutliche oder sehr deutliche Verbesserung der RLS-Symptome gegenüber etwa 40 % der Patienten, die Placebo erhielten (P < 0,001). Dopaminagonisten (z. B. Ropinirol, Pramipexol, Rotigotin) werden aufgrund des Risikos einer Augmentation, einer iatrogenen Verschlimmerung der RLS-Symptome, die bei diesen Medikamenten mit einer jährlichen Inzidenz von 7 % bis 10 % auftritt, nicht mehr als Medikamente der ersten Wahl empfohlen. Patienten, bei denen sich mit der Erstlinienbehandlung keine Besserung einstellt oder bei denen eine Augmentation des RLS auftritt, profitieren häufig von niedrig dosierten Opioiden (z. B. Methadon 5–10 mg täglich).

Schlussfolgerungen und Relevanz
Das Restless-Legs-Syndrom betrifft etwa 3 % der Erwachsenen und kann negative Auswirkungen auf den Schlaf und die Lebensqualität haben. Die Erstbehandlung umfasst das Absetzen von verschlimmernden Medikamenten sowie eine Eisensupplementierung bei Patienten mit niedrigen normalen Eisenwerten. Wenn eine medikamentöse Therapie angezeigt ist, sind Gabapentinoide die Erstlinienbehandlung.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

Literatur
Winkelman JW, Wipper B. Restless legs syndrome: a review. JAMA. 2026;335(8):703–714. doi:10.1001/jama.2025.23247. Published online January 21, 2026.

RSV-Impfung bei älteren Erwachsenen

Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse untersuchte die reale Anwendung, Wirksamkeit und Sicherheit der RSV-Impfstoffe bei älteren
Erwachsenen nach Markteinführung.

Methode
Grundlage waren 36 Studien aus neun Ländern, publiziert zwischen Dezember 2023 und Oktober 2025, mit Daten von insgesamt mehr als 121,8 Millionen Personen aus den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich, Italien, Australien, der Tschechischen Republik, der Schweiz, Frankreich, Kanada und Israel. Die Literaturrecherche erfolgte als «living review» mit 11 monatlichen Suchen in Medline, Embase und Global Health. Eingeschlossen wurden Real-world-Studien zu Impfquote, Effektivität und Sicherheit bei älteren Erwachsenen.

Ergebnisse
Die Impfquote war insgesamt eher niedrig. In den USA lag die gepoolte RSV-Impfquote bei Personen ab 60 Jahren in der Saison 2023/24 bei 18,0 % (95 % KI: 12,2–25,7; zehn Studien). Höhere Raten fanden sich bei älteren Personen ab 75 Jahren, bei Personen mit Komorbiditäten und bei Immunsupprimierten. Gleichzeitig zeigten sich deutliche Unterschiede nach soziodemografischen Merkmalen.

Die Wirksamkeit der Impfung war in den gepoolten Analysen hoch: gegen jede laborbestätigte RSV-Infektion lag sie bei 75,3 % (95 % KI: 73,7–76,9; drei Studien), gegen RSV-bedingte Notfall- oder Urgent-care-Kontakte bei 76,4 % (95 % KI: 74,2–78,5; vier Studien), gegen RSV-bedingte Hospitalisationen bei 74,8 % (95 % KI: 66,8–82,9; sechs Studien) und gegen schwere RSV-Erkrankung bei 79,8 % (95 % KI: 68,1–91,5; vier Studien). Auch bevölkerungsbezogene Analysen aus Schottland und England zeigten nach Einführung der Impfprogramme rückläufige RSV-bedingte Hospitalisationsraten. Das Sicherheitsprofil war insgesamt günstig. Lokale Reaktionen waren häufig, systemische Reaktionen traten ebenfalls auf, meist in mildem bis moderatem Ausmass. Nach der Impfung wurde das Guillain-Barré-Syndrom in zwei Studien mit 5,2 bis 6,5 Fällen pro einer Million Dosen für SVPreF3+AS01-Impfstoffe und 9,0 bis 18,2 Fällen pro einer Million Dosen für RSVpreF-Impfstoffe berichtet. Die Autoren betonen, dass diese Beobachtung weiter überwacht werden sollte.

Schlussfolgerung
Die vorliegende Meta-Analyse spricht für eine hohe Real-world-Wirksamkeit der RSV-Impfung bei älteren Erwachsenen bei insgesamt günstigem Sicherheitsprofil. Gleichzeitig bleibt die Impfquote vielerorts niedrig, und es bestehen relevante Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen. Für die Praxis stützen die Daten den Einsatz der RSV-Impfung bei älteren Risikopersonen, unter fortgesetzter Surveillance seltener unerwünschter Ereignisse.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

Literatur
Trusinska D, Lee B, Ferdous S et al.: Real-world evidence on RSV vaccine uptake, effectiveness, and safety in older adults: a systematic review and meta-analysis. Lancet Reg Health Eur. 2026 Feb 20;64:101623. doi: 10.1016/j.lanepe.2026.101623.

Das geschwollene Bein: Ein Symptom mit vielen Ursachen

Beinschwellungen gehören zu den häufigsten Vorstellungsgründen in der hausärztlichen und internistischen Praxis.

Hinter diesem scheinbar einfachen Symptom verbirgt sich jedoch eine bemerkenswert breite Differenzialdiagnose – von harmlosen Flüssigkeitsretentionen bis hin zu potenziell lebensbedrohlichen Erkrankungen wie der tiefen Venenthrombose oder einer kardialen Dekompensation.

Der aktuelle Beitrag bietet hierzu eine ausgezeichnet strukturierte ­klinische Orientierung. Die Autoren führen systematisch durch die wichtigsten pathophysiologischen Mechanismen und Differenzialdiagnosen von Beinödemen – von kardialen, renalen und hepatischen Ursachen über venöse Erkrankungen bis hin zu lymphatischen Störungen. Dabei verbinden sie fundierte Hintergrundinformationen mit klaren diagnostischen und therapeutischen Handlungsschritten für den klinischen Alltag.

Gerade in der Geriatrie gewinnt dieses Thema besondere Relevanz, da Beinödeme bei älteren Patientinnen und Patienten häufig multifaktoriell entstehen. Eine strukturierte klinische Einordnung ist deshalb entscheidend, um sowohl gefährliche Ursachen rasch zu erkennen als auch unnötige Diagnostik zu vermeiden.

Als Herausgeber des Geriatrie Forums freue ich mich besonders über Beiträge, die wissenschaftliche Evidenz mit praktischer klinischer Entscheidungsfindung verbinden. Genau dies gelingt den Autoren in überzeugender Weise. Ich danke dem Autorenteam herzlich für diesen sorgfältig ausgearbeiteten und ausgesprochen praxisrelevanten Beitrag.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

PD Dr. med. Mathias Schlögl, MPH, EMBA HSG

Chefarzt Geriatrie
Stv. Leiter Department Innere Medizin
5017 Barmelweid

mathias.schloegl@barmelweid.ch

(Chemo-)Präventive Strategien beim Hautkrebs: Wissensstand und Konsequenzen für die Praxis

Angesichts weltweit steigender Inzidenzen ist die Prävention von Hautkrebs eine zentrale Säule des öffentlichen Gesundheitswesens. Während der UV-Schutz das Fundament der Primärprävention bildet, gewinnen pharmakologische Strategien (Chemoprävention) zunehmend an Bedeutung. Die vorliegende Arbeit bietet eine praxisorientierte Synthese aktueller Evidenz von der Verhaltensprävention über systemische Ansätze mit Nicotinamid und Retinoiden bis hin zu experimentellen Strategien wie Immuncheckpoint-Inhibitoren und DNA-Reparaturenzymen.

In view of rising incidence rates worldwide, the prevention of skin cancer is a central pillar of public health. While UV protection forms the basis of primary prevention, pharmacological strategies (chemoprevention) are becoming increasingly important. This paper provides a practice-oriented synthesis of current evidence, ranging from behavioural prevention and systemic approaches with nicotinamide and retinoids to experimental strategies such as immune checkpoint inhibitors and DNA repair enzymes.
Keywords: Skin cancer prevention, field cancerization, nicotinamide, actinic keratosis, chemoprevention

Einleitung

Hautkrebserkrankungen, insbesondere Keratinozytenkarzinome (KC) wie das Basalzellkarzinom (BCC) und das Plattenepithelkarzinom (SCC), stellen eine wachsende Herausforderung dar. Während das BCC meist lokal de­struierend wächst, weist das SCC ein signifikantes Metastasierungsrisiko auf (1). Eine zentrale Rolle spielt die aktinische Keratose (AK) als Vorläuferläsion und Indikator einer Feldkanzerisierung (2, 3). Angesichts kumulativer UV-Exposition und steigender Lebenserwartung ist die Prävention nicht nur medizinisch, sondern auch gesundheitsökonomisch essenziell. Die Kosten für die Behandlung fortgeschrittener Tumoren übersteigen die Ausgaben für präventive Massnahmen um ein Vielfaches (2, 4–7).

Verhaltensprävention und UV-Schutz

UV-Strahlung induziert eine Migration von epidermalen Langerhans-Zellen und eine lokale Immunsuppression und ist der Hauptrisikofaktor für die Entstehung der meisten nicht melanozytären Hautkrebse (NMSC) sowie der einzige modifizierbare Risikofaktor in der Pathogenese des malignen Melanoms (4, 8). Effektive Prävention beginnt bereits vor der Anwendung von Topika durch gezielte Schulung und Verhaltensänderung.

Edukation und Public Health

Frühzeitige Sensibilisierung in Schulen und Kindergärten ist der nachhaltigste Schutz vor UV-induzierten Neoplasien. Ein zentraler Faktor bildet das Expositionsmanagement, wobei Aufenthalte im Freien zwischen 11 Uhr und 15 Uhr, insbesondere bei starker Sonneneinstrahlung, gemieden werden sollen. Zusätzlich senken strukturelle Ansätze, wie beispielsweise die architektonische Schaffung von Schattenplätzen in öffentlichen Räumen, das kollektive Expositionsrisiko kosteneffizient (9–13).

Mechanischer Schutz (Textilien)

UV-Schutzkleidung ist eine sehr effektive mechanische Massnahme. Sie ist kostengünstig, vermeidet Anwendungsfehler und erfordert kein Nachcremen. Die Schutzwirkung (Ultraviolet Protection Factor, UPF) korreliert mit der Webdichte und Stoffdicke. Ergänzt wird dies durch Kopfbedeckungen und zertifizierte Sonnenbrillen (UV400), um auch das Risiko für die Entstehung okulärer Neoplasien zu minimieren (12, 13).

Topischer UV-Schutz

Die tägliche Anwendung von Sonnenschutzmitteln fungiert als Barriere gegen DNA-Schäden und unterstützt durch die Immunfunktionen der Haut (4). Moderne Präparate mit LSF > 50 decken das gesamte Spektrum von UVB über UVA bis hin zu hochenergetischem sichtbarem Licht ab. Die wegweisende Nambour-Studie belegt den hohen Stellenwert eines konsequenten UV-Schutzes in der Primärprävention. Die tägliche Anwendung (LSF 15) senkte die SCC-Inzidenz signifikant auf 1115 vs. 1832 Fälle/100 000 Personenjahre und besitzt einen Legacy-Effekt mit um 40 % niedrigerer SCC-Rate noch acht Jahre nach Studienende (4, 6).

Auch für das maligne Melanom zeigt eine Nachanalyse nach zehn Jahren eine Risikohalbierung, hinweisend auf eine latenzbegleitete Protektion (9).
Bei bestehender Feldkanzerisierung fördert konsequenter Schutz die Remission aktinischer Keratosen (AK), wobei eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung besteht (5).

Compliance-Barrieren und Kosten
Wichtig für die Schutzwirkung ist somit auch eine adäquate Auftragsmenge. Der klinische Erfolg scheitert oft an einer Unterdosierung. Da der Zusammenhang zwischen Schichtdicke und Schutzwirkung nicht linear, sondern exponentiell verläuft, führt eine Unterschreitung der empfohlenen 2 mg/cm2 zu einem drastischen Schutzverlust (14).

Des Weiteren limitieren drei Hauptgründe die Compliance:
1. Galenik: Klebriges Hautgefühl, Ölfilme oder das Abfärben auf Kleidung werden häufig als störend empfunden und verhindern die grossflächige Anwendung.
2. Das Sonnenschein-Paradoxon: Da die kutanen Schäden oft erst Jahrzehnte nach der UV-Exposition auftreten und die unmittelbare negative Konsequenz (abgesehen von Sonnenbrand) fehlt, ist die Motivation zur Adhärenz im Alltag gering. Hier ist frühzeitige Schulung von besonderer Wichtigkeit.
3. Kosten: Sonnenschutz muss meist privat finanziert werden, was häufig in insuffizientem und sparsamem Umgang endet. Hierbei ist es wichtig zu betonen, dass die Kosten einer konsequenten Prophylaxe bei Weitem nicht so hoch sind wie die Behandlungskosten von Hauttumoren (14, 15).

Ökologische Toxizität
Neben der dermatologischen Sicherheit rückt die ökologische Verträglichkeit von UV-Filtern in den Fokus. Chemische Filter wie Oxybenzon oder Octocrylen schädigen marine Ökosysteme, fördern virale Infektionen in symbiotischen Algen und führen zur Korallenbleiche sowie zum Absterben ganzer Riffe (16). Zur Schonung dieser gefährdeten Ökosysteme gewinnen «Reef Safe»-Präparate (physikalische Filter, meist auf Basis von Zinkoxid oder Titandioxid, und moderne chemische Filter) an Bedeutung. In Kombination mit Schattensuche und photoprotektiver Kleidung fördert dies nicht nur den Umweltschutz, sondern erhöht auch die Akzeptanz bei umweltbewussten Personen (17).

Systemische Chemoprävention bei ­Hochrisikogruppen

Nicotinamid

Nicotinamid, die Amidform des Vitamins B3, fungiert als essenzieller Vorläufer von NAD+ und ist damit ein zentraler Cofaktor der mitochondrialen ATP-Produktion. Durch die Bereitstellung dieser zellulären Energie optimiert die Substanz die Reparatur UV-induzierter DNA-Schäden und wirkt der lokalen Immunsuppression entgegen, ohne die endogene Vitamin-D-Synthese zu beeinträchtigen (18, 19). Von dieser Immunprotektion profitieren besonders Personen mit hellem Hauttyp, bei denen bereits eine einwöchige Gabe die UV-induzierte Immunsuppression signifikant und dosisunabhängig reduziert (18).

Einsatz bei Immunkompetenz
Die randomisierte ONTRAC-Studie belegte bei immunkompetenten Patienten die Effektivität von 2 x 500 mg Nicotinamid täglich als Sekundärprävention. Bei Patient/-innen mit mindestens zwei NMSC innerhalb von 5 Jahren sank die Inzidenz neuer Tumoren innerhalb von 12 Monaten um 23 % (SCC –30 %, BCC –20 %). Besonders superfizielle BCC-Subtypen sprachen stark an, was auf eine differenzierte Empfindlichkeit hinweist. Gleichzeitig sank die Zahl aktinischer Keratosen (AK) um 13 %, während erste Effekte bereits nach drei Monaten messbar waren (1).

Einsatz bei Hochrisikogruppen
Im Gegensatz dazu konnte die ONTRANS-Studie bei Organtransplantierten (OTR) keinen signifikanten präventiven Effekt auf NMSC oder AK nachweisen. Aufgrund vorzeitiger Beendigung und unzureichender Rekrutierung bleibt die Wirksamkeit unter manifester Immunsuppression unklar (20, 21).
Retrospektive Daten stützen allerdings die Annahme: In einer weiteren Studie profitierten OTR nicht von der Therapie, während das allgemeine Hautkrebsrisiko in der Gesamtkohorte sank (14 % Risikoreduktion). Besonders eindrücklich war der Effekt bei einem Einsatz unmittelbar nach dem ersten NMSC (Reduktion von Folgetumoren um bis zu 54 %), wobei der stärkste Effekt bei SCC beobachtet wurde (22, 23).

Klinische Implementierung und Kosten
Nicotinamid ist in der klinischen Praxis dadurch attraktiv, dass es ein kostengünstiges, nicht verschreibungspflichtiges Präparat ist, welches anders als Nicotinsäure kein «Flush­ing» verursacht. Eine Hürde bei der Compliance stellt allerdings die «Pill Fatigue» dar, was bedeutet, dass insbesondere multimorbide Patienten, welche bereits zahlreiche Medikamente einnehmen, das Präparat eher absetzen. Trotz dieser Hürde sollte der Einsatz von Nicotinamid aufgrund der geringen Kosten und des hohen Nutzens sowie der Sicherheit in Erwägung gezogen werden.

Retinoide (Acitretin)

Systemische Retinoide sind eine etablierte Methode zur Hemmung der malignen Transformation von Keratinozyten (7, 24). Ihre Wirksamkeit ist jedoch stark vom Immunstatus und dem Zeitpunkt des Therapiebeginns innerhalb der Tumorgenese abhängig.

Einsatz bei Hochrisikogruppen
Besonders bei immunsupprimierten Organtransplantierten (OTR) mit hoher Feldkanzerisierung zeigen Retinoide eine ausgeprägte chemopräventive Wirkung. Eine doppelblinde Studie an Nierentransplantierten belegt unter Acitretin (30 mg/d) eine drastische Reduktion der SCC-Inzidenz von 47 % auf 11 %. Parallel sank die Zahl der AKs um 13.4 %, während sie in der Placebogruppe signifikant anstieg (24).

Der protektive Effekt zeigt sich über Jahre stabil, betrifft allerdings primär das SCC, während für BCC lediglich ein nicht signifikanter Trend beobachtet wurde (7, 24).

Einsatz bei Immunkompetenz
Bei immunkompetenten Patienten scheint der präventive Nutzen vor allem in frühen Stadien der Feldkanzerisierung zum Tragen zu kommen. Die SKICAP-AK-Studie belegte bei Patient/-innen mit moderater Tumorlast eine signifikante SCC-Reduktion (HR 0.74) (25).

Wurden hingegen Hochrisikopatienten mit bereits ≥ 4 vorausgegangenen Tumoren behandelt (SKICAP-S/B- Studie), blieb ein signifikanter Nutzen aus (25, 26). Dies unterstreicht, dass Retinoide primär die Frühstadien der Tumorentwicklung beeinflussen (25).

Klinische Barrieren
Trotz der hohen Evidenz wird der klinische Einsatz von Retinoiden limitiert. Zum einen gibt es dosisabhängige Nebenwirkungen wie Cheilitis, Xerosis cutis und Haarausfall, welche die Compliance einschränken. Zum anderen erfordert die Therapie ein engmaschiges Labormonitoring (Leberwerte, Lipide), was die indirekten Behandlungskosten erhöht und Adhärenz ebenfalls vermindert.

Feldtherapie: Prävention durch Sanierung

Die Behandlung der Feldkanzerisierung zielt auf die Beseitigung subklinischer Dysplasien ab und dient so der Tertiärprävention, indem die Progression zu invasiven KC eingedämmt wird.

Topisches 5-Fluorouracil (5-FU)

5-Fluorouracil (5-FU) zerstört als Antimetabolit selektiv dysplastische Keratinozyten, gilt als eine der wirksamsten Therapien zur Stabilisierung der Feldkanzerisierung und hemmt die Progression zu invasiven Tumoren (27).

Evidenz
Eine gross angelegte RCT zeigt, dass ein konventionelles Schema (5 % 5-FU, 2 x täglich über 2–4 Wochen) das Risiko für chirurgisch interventionsbedürftige SCC um 75 % reduziert (27). Insbesondere galt dies für solche, welche aufwendige Mohs-Chirurgie erfordert hätten, was den hohen Stellenwert von 5-FU in der Vermeidung invasiver Verläufe unterstreicht. Für BCC hingegen konnte kein signifikanter präventiver Effekt nachgewiesen werden (19).

Nebenwirkungen und Verbesserung der Compliance
Die Anwendung im konventionellen Schema führt häufig zu schmerzhaften Erythemen und Erosionen, was die Compliance im Praxisalltag massiv limitiert. Um diese Barriere zu überwinden, rücken zwei Ansätze in den Fokus:

Einerseits gibt es inzwischen ein galenisch optimiertes Präparat mit einer Konzentration von 4 %, das in klinischen Studien eine vergleichbare Wirksamkeit zeigt, aber nur einmal pro Tag angewendet werden muss.

Andererseits zeigen intermittierende Protokolle, dass eine dreimal wöchentliche Applikation über 120 Tage (in Kombination mit Nicotinamid) (28) zu einer signifikanten Senkung der AK-Last und Lichtschäden führt, während die Lokalreaktionen mild und gut kontrollierbar bleiben (28). Diese moderneren Schemata adressieren direkt das Pro­blem der Therapieabbrüche und ermöglichen eine langfristige Sanierung der Feldkanzerisierung bei hoher Patientenakzeptanz.

Weitere Ansätze der Feldtherapie

Neben 5-FU tragen auch die photodynamische Therapie (PDT) wie auch medikamentöse Wirkstoffe wie Diclofenac oder Tirbanibulin zur präventiven Feldsanierung bei und verhindern wahrscheinlich in unterschiedlicher Ausprägung die Progression zu invasiven Karzinomen.

Photodynamische Therapie (PDT)
Die PDT ist ein Verfahren, das sowohl für einzelne Läsionen als auch zur Feldtherapie Anwendung findet. Die Wirkung beruht auf dem Applizieren von Vorstufen des Häm-Biosynthesewegs, die weiter intrazellulär in Porphyrine umgewandelt werden. Diese Porphyrine werden durch sichtbares Licht aktiviert, wobei reaktive Sauerstoffspezies (ROS) entstehen, die selektiv Zielzellen zerstören.

Die Therapie führt zur Verzögerung der Entstehung neuer Läsionen und zeigt sich bei immunkompetenten Personen effektiver als bei Immunsupprimierten. Der Vorteil ist, dass grossflächige Areale behandelt werden können und die Therapie keiner regelmässigen oralen Einnahme von Medikamenten bedarf, was eine bessere Compliance ermöglicht. Die PDT hat zudem die Eigenschaft, auch beginnende, klinisch noch nicht sichtbare Läsionen zu detektieren und anzugreifen (29, 30).

Weitere Ansätze und Zukunftsperspektiven

COX-2-Inhibition

Während Diclofenac als topisches Mittel Einsatz bei der Therapie von Feldkanzerisierung findet, gibt es auch Evaluationen zum systemischen Einsatz von COX-2-Inhibitoren (z. B. Celecoxib) in der Chemoprävention.

Evidenz
Die Cyclooxygenase-2 (COX-2) spielt eine Schlüsselrolle in der Pathogenese UV-induzierter Neoplasien. Die Einnahme von 2 x 200 mg Celecoxib täglich über neun Monate zeigte bei Personen mit ausgeprägten AKs eine differenzierte Wirkung je nach Stadium der Karzinogenese.

Nach neun Monaten ergab sich kein signifikanter Unterschied in der Anzahl verbliebener AKs, was verdeutlicht, dass die COX-2-Inhibition die klinisch sichtbare Feldkanzerisierung nicht reduziert.

Im Gegensatz dazu sank die Inzidenz neuer NMSC bis Monat 11 signifikant. Dieser protektive Effekt trat bereits nach drei (BCC) bzw. sechs Monaten (SCC) ein und blieb auch im Follow-up ohne Rebound-Phänomen stabil (23).

Limitationen
Trotz des nachgewiesenen chemoprotektiven Potenzials bleibt dieser Ansatz in der Langzeitprävention die Ausnahme. Das Haupthindernis stellt das kardiovaskuläre Risikoprofil der COX-2-Inhibition dar. Da diese Komplikationen statistisch meist erst bei einer Einnahmedauer von über einem Jahr auftreten, blieben sie in der genannten Neun-Monats-Studie aus (23). Dennoch limitiert das Nutzen-Risiko-Profil den breiten Einsatz, insbesondere bei der oft älteren, multimorbiden Zielgruppe der Hautkrebspatienten.

Immuntherapie mittels PD-1-/PD-L1-Blockade

Immuncheckpoint-Inhibitoren, insbesondere Antikörper gegen PD-1 oder PD-L1 (z. B. Cemiplimab, Pembrolizumab), haben die Therapie fortgeschrittener kutaner Malignome revolutioniert. Über die Tumortherapie hinaus rückt nun deren präventives Potenzial auf die Feldkanzerisierung in den Fokus.

Evidenz
Eine prospektive Studie (n = 23) verdeutlicht dieses Potenzial: Bei Patient/-innen, die aufgrund fortgeschrittener Neoplasien mittels I.v.-Therapie mit PD-1- oder PD-L1-Inhibitoren behandelt wurden, zeigte sich ein signifikanter Nebeneffekt auf Vorläuferläsionen. Die AK-Last sank innerhalb von 12 Monaten von 47.2 auf 14.3 Läsionen (70 %). Jüngere Patienten und solche mit anamnestisch schweren Sonnenbränden profitierten am stärksten.

Auch bei der Entwicklung invasiver Hauttumoren zeigte sich eine günstige Tendenz, diese allerdings nicht signifikant. Die Gesamtzahl der NMSC sank im Beobachtungszeitraum von 42 auf 17, die Zahl der SCC von 16 auf 5 (3).

Limitationen
Trotz dieser vielversprechenden Resultate ist die Datenlage derzeit noch begrenzt. Bei fast der Hälfte der Patienten (47.8 %) traten immunvermittelte Nebenwirkungen auf, primär makulopapulöse Exantheme und Pruritus. Ausserdem sind die Therapiekosten sehr hoch, was einen Einsatz ausserhalb der Onkologie in der Prävention derzeit nicht vertretbar macht. Die Ergebnisse unterstreichen die Rolle des Immunsystems bei der Kontrolle der Feldkanzerisierung, doch grössere randomisierte Studien sind erforderlich, um das Potenzial einer gezielten Immunprophylaxe für Hochrisikogruppen zu evaluieren (3).

DNA-Reparaturenzyme

Topische Reparaturenzyme wie Photolyase und Endonu­klease verfolgen den Ansatz, UV-induzierte DNA-­Schäden, insbesondere Cyclobutan-Pyrimidin-Dimere (CPDs), aktiv rückgängig zu machen und so die Karzinogenese chronisch lichtgeschädigter Haut abzuschwächen (19).

Eine kleine prospektive Studie (n = 28) verglich LSF 50 allein mit einer Kombination aus LSF 50 und Enzymen (1 % Photolyase/Endonuklease) über sechs Monate. Während die Hyperkeratose in beiden Gruppen sank, reduzierte die Enzymgruppe die Feldkanzerisierung signifikant stärker (–29 % vs. –10 %) und senkte die epidermalen CPDs um 61 % (vs. 35 % in der Kontrollgruppe) (19).

Eine Pilotstudie ohne zusätzlichen Sonnenschutz bestätigte diesen Trend. Die Enzymcreme senkte die AK-Zahl nach acht Wochen um 29.2 %, während die Placebogruppe eine Zunahme um 31.4 % verzeichnete (21).

Diese Ergebnisse legen nahe, dass DNA-Reparaturenzyme eine effektive Ergänzung zum Standardlichtschutz bei Patienten mit ausgeprägtem chronischem Lichtschaden darstellen könnten.

HPV-Impfung

Die Assoziation zwischen humanen Papillomviren (HPV) und kutaner Dysplasie ist insbesondere bei Immunsupprimierten bekannt, wo bis zu 85 % der SCC-Läsionen HPV-positiv sind. Die VAXAK-Studie untersuchte nun erstmals den Effekt der 9-valenten HPV-Impfung auf die AK-Last bei Immunkompetenten.

In dieser doppelblinden RCT (n = 70; ≥ 15 AKs) erhielten die Probanden die Impfung oder Placebo zum Monat 0, 2 und 6. Bereits nach zwei Monaten zeigte die Impfgruppe eine signifikant stärkere Reduktion der AK-Zahl sowie eine geringere Läsionsdicke im Vergleich zu Placebo. Der Effekt blieb bis zum 12. Monat stabil.

Obwohl die Inzidenz neuer Keratinozytenkarzinome im kurzen Beobachtungszeitraum nicht signifikant sank, liefert die Studie eine starke Evidenz für das präventive Potenzial der Impfung. Dies stützt die Hypothese, dass die gegen mukosale Typen entwickelte Vakzine eine immunologische Kreuzreaktion oder Protektion gegenüber kutanen HPV-Typen induziert, was die Tumorlast auf chronisch lichtgeschädigter Haut senken könnte (2).

Zusammenfassung und klinische ­Konsequenz

Angesichts der steigenden Inzidenzen von Hautkrebs rückt die Wichtigkeit einer wirksamen Präventionsstrategie immer weiter in den Vordergrund. Diese dient der Entlastung des Gesundheitssystems, indem chirurgische und medikamentöse Behandlungen invasiver Malignome minimiert werden können.

Die Grundlage bleibt die Verhaltensänderung sowie Public-Health-Massnahmen, da sie die Hautkrebsraten am kosteneffizientesten senken und in jeder Altersklasse implementierbar sind. Die Edukation bereits in frühen Jahren, besonders zur Aufklärung über das «Sonnenschein-Paradoxon», also dass UV-Schäden erst mit grosser Latenz klinisch manifest werden, ist essenziell. Weiterhin sollte der mechanische Schutz durch UV-Schutzkleidung nicht unterschätzt werden, insbesondere aufgrund der niedrigen Fehleranfälligkeit. Topischer Lichtschutz bleibt wichtig, ist jedoch im klinischen Alltag durch mangelnde Adhärenz limitiert. Neben galenischen Barrieren erschwert die private Finanzierung oft die konsequente Anwendung.

Bei Immunkompetenten mit einer Vorgeschichte multi­pler NMSC stellt Nicotinamid eine gut verträgliche und kostengünstige Option dar. Bei Hochrisikogruppen wie Organtransplantierten (OTR) mit ausgeprägter Feldkanzerisierung hingegen zeigt sich trotz des Monitoring-Aufwands ein früher Einsatz von Retinoiden (Acitretin) als geeignetes Mittel zur Senkung der SCC-Last.

Die Behandlung der Feldkanzerisierung, z. B. mittels 5-FU oder PDT, dient nicht nur der Therapie bestehender Läsionen, sondern auch der aktiven Karzinomprophylaxe und Verhinderung der Progression zur Invasivität. Hier zeigen moderne, intermittierende Schemata ein vielversprechendes Potenzial für eine verbesserte Adhärenz.

Der ökonomische Einfluss ist eindeutig: Die Behandlung fortgeschrittener oder metastasierter Hauttumoren mittels Chirurgie oder Immuntherapien belastet das Gesundheitssystem mit hohen Kosten. Dies kann durch eine konsequente, lebenslange Prophylaxe direkt adressiert werden, um die Gesundheitskosten nachhaltig zu senken.

Innovative Ansätze wie die HPV-Impfung oder der Einsatz topischer Reparaturenzyme bieten einen Blick in die Zukunft und könnten insbesondere bei therapierefraktärer Feldkanzerisierung eingesetzt werden. Was jedoch schlussendlich entscheidend bleibt, ist die langfristige Compliance und die ärztliche Rolle in der adäquaten Aufklärung.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Zweitabdruck aus der «PRAXIS» 02/2026

Cand. med. Ainoa Galdos

Universität Bern

Prof. Dr. med. Reinhard Dummer

– Senior Consultant
Klinik für Dermatologie
Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100, 8091 Zürich
reinhard.dummer@usz.ch

– Leiter Hautkrebszentrum
Kantonsspital Aarau, Hautkrebszentrum
Bahnhofplatz 3C
5001 Aarau
reinhard.dummer@ksa.ch

Angesichts weltweit steigender Inzidenzen ist die Prävention von Hautkrebs eine zentrale Säule des öffentlichen Gesundheitswesens. Während der UV-Schutz das Fundament der Primärprävention bildet, gewinnen pharmakologische Strategien (Chemoprävention) zunehmend an Bedeutung. Die vorliegende Arbeit bietet eine praxisorientierte Synthese aktueller Evidenz von der Verhaltensprävention über systemische Ansätze mit Nicotinamid und Retinoiden bis hin zu experimentellen Strategien wie Immuncheckpoint-Inhibitoren und DNA-Reparaturenzymen.

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