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Wir berichten über vier Patienten, welche über den Zeitraum von 2014 bis 2021 mit rasch fortschreitenden kognitiven, neuropsychiatrischen und neurologischen Symptomen behandelt wurden. Der Fall von zwei Patienten wird im Folgenden exemplarisch geschildert.
Ein 67-jƤhriger Patient stellte sich mit progredienten Stƶrungen des KurzzeitgedƤchtnisses, Desorientiertheit, Tremor an verschiedenen Kƶrperstellen sowie neu aufgetretener Urininkontinenz vor. Im Neurostatus fielen eine Ataxie, eine verminderte sensible Diskrimination (Spitz-Stumpf- sowie Warm-Kalt-SensibilitƤt und reduzierter Vibrationssinn an den unteren ExtremitƤten) sowie ein Rigor mit ZahnradphƤnomen aller ExtremitƤten auf. Des Weiteren fanden sich Myoklonien und okulomotorische Stƶrungen mit sakkadierten Blickfolgebewegungen, ein blickgerichteter Nystagmus beidseits, eine Blickparese nach oben und deutlich verlangsamte vertikale Sakkaden.
Beim zweiten Patienten handelte es sich um einen 56-jährigen Mann, der über einen progredienten Verlust des Geruchssinns sowie einen Gewichtsverlust von 8 kg innerhalb von zwei Monaten klagte. Es fielen Konzentrationsstörungen mit Schwierigkeiten beim Folgen von Aufforderungen, eine Verschlechterung des Kurzzeitgedächtnisses sowie eine Schwäche der unteren Extremitäten auf. Im Weiteren fanden sich eine Desorientiertheit, eine Apraxie sowie eine inkomplette globale Aphasie mit insbesondere Wortfindungsstörungen und vermindertem Sprachfluss.
Differenzialdiagnostische Ćberlegungen
Aufgrund der Beteiligung von verschiedenen Hirnregionen bei vorherrschend kognitiven Beschwerden, aber auch zerebellƤren, extrapyramidalmotorischen und aphasischen Symptomen, ist die breite Differenzialdiagnostik der Enzephalopathie respektive des enzephalitischen Syndroms in Betracht zu ziehen. Dazu gehƶren neuroinvasive infektiƶse Erkrankungen (wie Neuroborreliose, Neurolues und virale Erkrankungen wie HIV, Herpes- und FSME-Viren), autoimmun bedingte Enzephalitiden und Vaskulitiden, multifokale zerebrale IschƤmien, beispielsweise im Rahmen einer Endokarditis, oder primƤre und sekundƤre ZNS-Neoplasien (Lymphome, ein metastasierender Tumor, seltener auch eine Meningeosis carcinomatosa oder paraneoplastische Enzephalopathien) (1).
Letztlich gibt es einige rasch progrediente neurodegenerative Erkrankungen, an die gedacht werden muss. Aufgrund der MultifokalitƤt sollte eine Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung erwogen werden, aber auch eine Alzheimer-Erkrankung oder eine frontotemporale Demenz kƶnnen relativ rasch fortschreiten, mit aphasischen Stƶrungen im Kontrast zu nur diskreten motorischen Beschwerden. Daneben gibt es Parkinson-Plus-Syndrome, zum Beispiel die suĀpranukleƤre Blickparese oder Lewy-Kƶrperchen-Erkrankung, bei der typischerweise kognitive und extrapyramidalmotorische Stƶrungen kombiniert auftreten. Auch eine Multisystematrophie ist mƶglich. Diese lƶst zwar oft weniger kognitive Symptome aus, kann aber sowohl zerebellƤre als auch extrapyramidalmotorische Symptome mit Tremor und autonomen Stƶrungen wie Urininkontinenz aufweisen. Auch eine kortikobasale Degeneration kann gelegentlich rasch fortschreiten mit kognitiven Einbussen und initial stark asymmetrischen extrapyramidalmotorischen Beschwerden mit ausgeprƤgtem Rigor, Myoklonien und Apraxie (1).
Aufgrund der breiten Differenzialdiagnose sind eine detaillierte zerebrale Bildgebung mittels MRI des SchƤdels mit Kontrastmittel und Angiographie indiziert, eventuell zusƤtzlich mit Dark-blood-Sequenzen bei Vaskulitis-verdacht. Die zeitnahe Labor- und LiquorabklƤrung ist essenziell. Im Serum werden Antikƶrper auf ausgewƤhlte infektiƶse Erreger und im Liquor infektiƶse Erreger mittels PCR oder Liquor-/Serum-Index analysiert. Zudem werden autoimmune und paraneoplastische Antikƶrper gesucht. Im Weiteren sollte bei Lymphom- oder Tumorverdacht eine Zytologie abgenommen werden wie auch Demenzmarker bei Alzheimer-Verdacht und Bestimmung des Proteins 14-3-3 und Ā«Real-time quaking induced conversionĀ» (RT-QuIC) bei mƶglicher PrionenĀerkrankung. Auch die Durchführung eines Elektroenzephalogramms (EEG) ist bei starker Desorientierung, WesensƤnderung und Myoklonien indiziert, um Hinweise für eine AllgemeinverƤnderung oder epilepsietypische Potenziale zu erhalten (1).
Weitere AbklƤrungsschritte und Verlauf
Das MRI des SchƤdels des ersten Patienten war unauffƤllig. Die Basisanalytik in der Liquoruntersuchung fiel unauffƤllig bei Zellzahl und Protein in der Norm aus. In Liquorkultur, -PCR und serologisch fanden sich keine Hinweise auf eine infektiƶse Ursache. Es zeigte sich jedoch eine positive RT-QuIC für Prionen sowie ein positives Protein 14-3-3, passend zur Verdachtsdiagnose einer sporadischen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (Ā«sporadic Creutzfeldt Jakob diseaseĀ», sCJD). Im EEG fanden sich eine Verlangsamung der GrundaktivitƤt und triphasische Potenziale (Abb.ā1).
Im MRI des SchƤdels des zweiten Patienten zeigten sich streng kortikale, hyperintense SignalverƤnderungen ohne Einbezug der subkortikalen weissen Substanz, ein sogenanntes Ā«cortical ribboningĀ» (Abb.ā2). Im Liquor wurden ebenfalls eine positive RT-QuIC für Prionen und ein positives Protein 14-3-3 festgestellt. Hinweise für eine infektiƶse oder entzündliche Ursache fanden sich nicht.
Das klinische Erscheinungsbild war bei beiden Patienten rasch progredient und ohne Mƶglichkeit zur spezifischen Therapie. Beide Patienten verstarben im kurzzeitigen Verlauf innerhalb eines Jahres nach Diagnosestellung.
Diagnose
Bei charakteristischer Klinik mit rasch progredientem Verlauf und den typischen Befunden im MRI des SchƤdels sowie in Liquor und EEG lag bei beiden Patienten das Bild einer sCJD vor. Bei Patient 2 wurde die Diagnose post mortem in der Histopathologie des Hirngewebes gesichert (Abb.ā3).
Kommentar
Die sCJD gehört zur Gruppe der subakuten spongiformen Enzephalopathien, welche durch abnorm gefaltete Prionen verursacht wird (2). Im Gehirn und in den hinteren Augenabschnitten ist die Konzentration der Prionen am höchsten, was den Symptomenkomplex aus rasch progredienter Demenz, extrapyramidalen Störungen, Myoklonien sowie visuellen und Kleinhirnstörungen verursacht (2, 3). Aufgrund der heterogenen und unspezifischen Symptomatik, insbesondere bei Krankheitsbeginn, gestaltet sich die klinische Diagnosestellung schwierig (2). Um unnötige Diagnostik zu vermeiden und möglichst Klarheit in den differenzialdiagnostischen Herausforderungen zu schaffen, ist es wichtig, die Erkrankung als mögliche Differenzialdiagnose bei rasch progredienten neurodegenerativen Erkrankungen einzubeziehen. Die rasche Dynamik der neurokognitiven sowie motorischen Symptome gerade bei Krankheitsbeginn führt zum klinischen Verdachtsmoment, die Fremdanamnese durch nahe Angehörige ist oft hilfreich. Diese Fallserie hat den Zweck, das Krankheitsbild bekannter und auf den Symptomkomplex aufmerksam zu machen.
In unserem Spital wurde im Zeitraum von 2014 bis 2021 bei vier mƤnnlichen Patienten im Alter von 56ā85 Jahren mit rasch progredienter neurokognitiver Symptomatik eine sCJD diagnostiziert, bei drei Patienten wurde die Diagnose post mortem autoptisch gesichert. Das Einzugsgebiet des Spitals zƤhlt etwa 150ā000 Bewohner. In der Literatur wird eine Krankheitsinzidenz von 1ā2:1ā000ā000 in der Durchschnittsbevƶlkerung angegeben (4), sodass die Krankheit eventuell unterdiagnostiziert wird. In der Schweiz liegt die Inzidenz bei 0.4ā2.63/1ā000ā000 Einwohner/-innen, wobei es Anfang des 21. Jahrhunderts zu einem vorübergehend signifikanten Anstieg der Fallzahlen kam. Dies wurde im Rahmen der Etablierung neuer diagnostischer Methoden mit infolgedessen vermehrter Aufmerksamkeit für die Erkrankung interpretiert (5 [WG1.1]).
Allen Patienten in unserer Fallserie gemeinsam war eine rasche Progredienz der Symptomatik in Kombination mit einer Demenz und neurologischen AuffƤlligkeiten wie pyramidalen und extrapyramidalen Zeichen sowie visuellen und zerebellƤren Symptomen oder Myoklonien (Tab.ā1).
Es gibt 4 Hauptformen der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung: sporadisch, genetisch, iatrogen und erworben; die sporadische Form stellt mit 80ā95ā% die hƤufigste Form dar (4, 6). Das mediane Erkrankungsalter liegt bei 67 Jahren (4, 6), wobei es auch deutlich jüngere betroffene Personen gibt (6). Die Geschlechtsverteilung variiert je nach Region (7, 8). Bis heute gibt es keine kurative Therapie, die meisten Betroffenen sterben innerhalb eines Jahres nach Diagnosestellung (4, 6, 9). Jüngere Patienten scheinen eher einen lƤngeren Krankheitsverlauf zu haben (6). Die sporadische Form der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung wird durch abnorm gefaltete, nicht lƶsliche Prionen (PrPsc) (10) verursacht, welche teilweise bereits Jahrzehnte vor den ersten Symptomen nachweisbar sind (4). Die Fehlfaltung der Prionen beginnt spontan (6) und führt zu Ablagerungen als Amyloid im Gewebe (10), was wiederum zu einer spongiformen Degeneration von Hirngewebe, neuronalem Untergang und astrozytƤrer Gliose führt (9, 11). Die Ursache der Erkrankung ist bisher nicht bekannt, es gibt jedoch Hinweise auf eine mƶgliche genetische Komponente (12). Das normale Prionprotein (PrPc) wird durch Chromosom 20 kodiert. Bisher ist keine klare Funktion des physiologischen Prion-proteins bekannt, es kƶnnte jedoch eine Rolle im Kupferstoffwechsel und in antioxidativen Systemen spielen (10). Interessanterweise wird das Krankheitsbild in asiatischen LƤndern kaum beschrieben, wobei dies eventuell auch durch die Seltenheit der Erkrankung und somit diagnostische Herausforderung sowie fehlende Dokumentation und Informationsweitergabe bedingt sein kƶnnte (6).
Im Folgenden werden die wichtigsten diagnostischen AbklƤrungen und Analysen beschrieben, die bei der klinischen Verdachtsdiagnose einer sCJD angewendet werden. Die Diagnosekriterien sind in Tab.ā2 aufgeführt (siehe auch S1-Leitlinie zur Creutzfeldt-Jakob-Krankheit der DGN [7]).
MRI-SchƤdel
Bei den meisten Patienten sind der zerebrale Kortex und die Basalganglien involviert. Typisch ist ein sogenanntes «cortical ribboning» (2, 6), also kortikale Signalalterationen in den Sequenzen der «fluid attenuated inversion recovery» (FLAIR) sowie in den diffusionsgewichteten Aufnahmen («diffusion weighted imaging», DWI) (13).
Liquoruntersuchung
In der Basisanalytik im Liquor kann die Proteinmenge leicht erhƶht sein. Zudem kann eine Pleozytose mit normaler Glukose im Liquor vorliegen (6).
Die Liquoruntersuchung dient insbesondere dazu, Infektionen und Entzündungen des zentralen Nervensystems oder andere Differenzialdiagnosen auszuschliessen. Es gibt typische Befunde, welche auf eine sCJD hinweisen, dazu zählen das Protein 14-3-3 und die RT-QuIC (6).
Die SensitivitƤt und SpezifitƤt des Proteins 14-3-3 sind sehr variabel. In einer Metaanalyse wurde über eine SensitivitƤt von ca. 92ā% bei einer SpezifitƤt von ca. 80ā% (14) berichtet, wobei in frühen Krankheitsstadien die SensitivitƤt geringer zu sein scheint (15).
Die SpezifitƤt des RT-QuIC liegt bei nahezu 100ā% bei einer SensitivitƤt von 70ā% (6, 16) bis 90ā% (17, 18, 19) bei Tests der ersten Generation. Solche der zweiten Generation zeigen eine etwas hƶhere SensitivitƤt von 92ā% (20) bis 97ā% (21).
Weiter kann eine starke Erhöhung des totalen Tau im Liquor die Diagnose untermauern (15, 22), aktuell ist dies jedoch nicht in den Diagnosekriterien für sCJD integriert (13). Wichtige Differenzialdiagnosen für eine Erhöhung des Tau-Proteins im Liquor sind die Alzheimer-Demenz sowie entzündliche und neoplastische ZNS-Erkrankungen (3).
EEG
Im EEG sind periodische Ā«Sharp waveĀ»-Komplexe (Ā«periodic sharp wave complexesĀ», PSWC) mit einer Frequenz von ca. 1ā1.5 Hz typisch für sCJD (6). PSWC kƶnnen jedoch auch bei anderen Erkrankungen auftreten (2). In sehr frühen Krankheitsstadien kann das EEG noch normal sein, das Fehlen von solchen Komplexen schliesst eine sCJD somit nicht aus (2, 6, 23).
Biopsie
Da eine definitive Diagnose nur histopathologisch gestellt werden kann, ist die Hirnautopsie bzw. -biopsie weiterhin der Goldstandard zur Diagnose einer sCJD (6, 24). Die Hirnbiopsie erfolgt aufgrund der Invasivität und oft auch fehlender Verfügbarkeit der Diagnostik (24) in der Regel erst post mortem. Es besteht das Risiko eines falsch negativen Resultats, da die fehlgefalteten Prionen nicht in allen Hirnregionen zu finden sind (15).
Bei potenziellem Kontakt mit Gewebe bei Verdacht auf sCJD muss ein mƶgliches Ćbertragungsrisiko auf das beteiligte Gesundheitspersonal berücksichtigt werden. Dies gilt insbesondere beim Umgang mit Probematerial aus dem zentralen Nervensystem, da hier die Prionenkonzentration am hƶchsten ist (2). Gerade [WG2.1] bei einer AuĀtopsie mit Verdacht auf eine sCJD sind strenge Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Dazu gehƶren beispielsweise ein Speziallabor (Biosicherheitslabor, BSL3) sowie Ganzkƶrperschutzanzüge für das Personal (25).
Janine Badertscher, Gaby Schoch, Robert Escher, Gabriel Waldegg
Die Autorin hat keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.
Die sporadische Creutzfeldt-Jakob-Krankheit ist eine diagnostische Herausforderung mit infauster Prognose. Die Kombination einer schnellen kognitiven Verschlechterung innert weniger Wochen bis Monate mit begleitenden neurologischen Symptomen wie Ataxie, Sehstörungen, extrapyramidalen Symptomen sowie Myoklonien, sollte an eine sCJD denken lassen (6, 2). Der klinische Verdacht zusammen mit der zerebralen Bildgebung mit MRI des Schädels, der Liquorpunktion mit Bestimmung spezifischer Marker und dem EEG führen zur Verdachtsdiagnose. Die einzige Art der Diagnosesicherung führt über die Autopsie mit Nachweis der pathologisch gefalteten Prionen im neuropathologischen Gewebe. In der Schweiz sind Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfälle meldepflichtig (26).
1. Hermann P, Zerr I. Rapidly progressive dementias ā aetiologies, diagnosis and management. Vol. 18, Nature Reviews Neurology. Nature Research; 2022. p. 363ā76.
2. Salehi P, Clark M, Pinzon J, Patil A. Sporadic Creutzfeldt-Jakob disease. American Journal of Emergency Medicine. 2022 Feb 1;52:267.e1-267.e3.
3. Lehmann S, Paquet C, Malaplate-Armand C, Magnin E, Schraen S, Quillard-Muraine M, et al. Diagnosis associated with Tau higher than 1200āÆpg/mL: Insights from the clinical and laboratory practice. Clinica Chimica Acta. 2019 Aug 1;495:451ā6.
4. Uttley L, Carroll C, Wong R, Hilton DA, Stevenson M. Review Creutzfeldt-Jakob disease: a systematic review of global incidence, prevalence, infectivity, and incubation [Internet]. 2020. Available from: www.thelancet.com/infection
5. Stoeck K, Hess K, Amsler L, Eckert T, Zimmermann D, Aguzzi A, et al. Heightened incidence of sporadic Creutzfeldt-Jakob disease is associated with a shift in clinicopathological profiles. J Neurol. 2008 Oct;255(10):1464ā72.
6. Khan S, Khan S. Sporadic Creutzfeldt-Jakob disease: Diagnosing typical and atypical presentations under limited circumstances. Dement Geriatr Cogn Disord. 2021 Jun 1;50(1):36ā42.
7. Hermann P, Treig J, Unkel S, Goebel S, Bunck T, Jünemann M, et al. Sporadic Creutzfeldt-Jakob disease among physicians, Germany, 1993ā2018. Emerg Infect Dis. 2020 Aug 1;26(8):1710ā9.
8. Feng S, Zhao X, Zhou X, Ye X, Yu X, Jiang W, et al. Epidemiological and Clinical Characteristics of Sporadic CreutzfeldtāJakob Disease: A Retrospective Study in Eastern China. Front Neurol. 2021 Oct 6;12.
9. Kojima G, Tatsuno BK, Inaba M, Velligas S, Masaki K, Liow KK. Creutzfeldt-Jakob Disease: A Case Report and Differential Diagnoses. Vol. 72. 2013.
10. Knight RSG. PRION DISEASES. J Neurol Neurosurg Psychiatry [Internet]. 2004 Mar 1;75(90001):36iā42. Available from: https://jnnp.bmj.com/lookup/doi/10.1136/jnnp.2004.036137
11. Fabiano Marin L, Carvalho FelĆcio A, Bernardi Bichuetti D, Adolfo Celso dos Santos W, Raquel Rodrigues Borges L, Parissi Buainain R, et al. CliniCal findingS in Creutzfeldt-Jakob diSeaSe mimiCking dementia with lewy bodieS. Vol. 66, Arq Neuropsiquiatr. 2008.
12. Windl O, Dempster M, Collinge J. Genetic basis of Creutzfeldt-Jakob disease in the United Kingdom a systematic analysis of predisposing mutations and allelic variation in the PRNP gene. 1996;
13. Zerr I, Kallenberg K, Summers DM, Romero C, Taratuto A, Heinemann U, et al. Updated clinical diagnostic criteria for sporadic Creutzfeldt-Jakob disease. Brain. 2009 Oct;132(10):2659ā68.
14. Muayqil T, Gronseth G, Camicioli R. Evidence-based guideline: Diagnostic accuracy of CSF 14-3-3 protein in sporadic Creutzfeldt-Jakob disease Report of the Guideline Development Subcommittee of the American Academy of Neurology [Internet]. 2012. Available from: www.neurology.org
15. Hermann P, Appleby B, Brandel JP, Caughey B, Collins S, Geschwind MD, et al. Biomarkers and diagnostic guidelines for sporadic Creutzfeldt-Jakob disease. Vol. 20, The Lancet Neurology. Lancet Publishing Group; 2021. p. 235ā46.
16. Groveman BR, OrrĆŗ CD, Hughson AG, Bongianni M, Fiorini M, Imperiale D, et al. Extended and direct evaluation of RT-QuIC assays for Creutzfeldt-Jakob disease diagnosis. Ann Clin Transl Neurol. 2017 Feb 1;4(2):139ā44.
17. McGuire LI, Peden AH, OrrĆŗ CD, Wilham JM, Appleford NE, Mallinson G, et al. Real time quaking-induced conversion analysis of cerebrospinal fluid in sporadic Creutzfeldt-Jakob disease. Ann Neurol. 2012 Aug;72(2):278ā85.
18. Hermann P, Laux M, Glatzel M, Matschke J, Knipper T, Goebel S, et al. Validation and utilization of amended diagnostic criteria in Creutzfeldt-Jakob disease surveillance. Neurology. 2018 Jul 24;91(4):e331ā8.
19. Rudge P, Hyare H, Green A, Collinge J, Mead S. Imaging and CSF analyses effectively distinguish CJD from its mimics. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2018 May 1;89(5):461ā6.
20. Foutz A, Appleby BS, Hamlin C, Liu X, Yang S, Cohen Y, et al. Diagnostic and prognostic value of human prion detection in cerebrospinal fluid. Ann Neurol. 2017 Jan 1;81(1):79ā92.
21. Franceschini A, Baiardi S, Hughson AG, McKenzie N, Moda F, Rossi M, et al. High diagnostic value of second generation CSF RT-QuIC across the wide spectrum of CJD prions. Sci Rep. 2017 Dec 1;7(1).
22. Otto M, Wiltfang J, Cepek L, Neumann M, Mollenhauer B, Steinacker P, et al. Tau protein and 14-3-3 protein in the differential diagnosis of Creutzfeldt-Jakob disease [Internet]. 2002. Available from: https://www.neurology.org
23. Geschwind MD. Prion Diseases. Vol. 21, CONTINUUM Lifelong Learning in Neurology. Lippincott Williams and Wilkins; 2015. p. 1612ā38.
24. Ahmad S. Neurodegenerative Diseases. 2012.
25. Reimann Regina. CJD autopsy guidelines (external) Ćnderungshinweis: fachlich unverƤndert. 2024.
26. Leitfaden zur Meldepflicht übertragbarer Krankheiten und Erreger 2025 [Internet]. [cited 2025 Oct 25]. Available from: https://www.bag.admin.ch/de/meldepflichtige-infektionskrankheiten
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hingegen kaum. Zwischen Sprechstunde, Administration und Versorgungsalltag bleibt oft
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Das Thema kƶnnte kaum aktueller sein. So nehmen Keratinozytenkarzinome weiter zu, aktinische
Keratosen sind hƤufig Ausdruck einer chronischen LichtschƤdigung, und zugleich
wƤchst die Bedeutung einer konsequenten PrƤvention.
Mit Prof. Dr. med. Reinhard Dummer konnten wir für dieses Webinar einen ausgewiesenen
Experten gewinnen. ErgƤnzt wird der fachliche Input durch Dr. med. Mirjam NƤgeli, die weitere
praxisnahe Aspekte des Themas beleuchtet.
Im anschliessenden Q&A-Teil sollen zudem Fragen der Teilnehmenden aufgegriffen und konkret
beantwortet werden.
Wir freuen uns, mit diesem Webinar ein neues Fortbildungsformat anbieten zu kƶnnen, das
AktualitƤt, PraxisnƤhe und InteraktivitƤt verbindet. Die Anmeldung finden Sie auf der nƤchsten
Seite 3. Wir freuen uns auf Ihr Mitmachen!
Einen Einstieg zum Thema des Webinars finden Sie im Artikel «(Chemo-)Präventive Strategien
beim HautkrebsĀ» von Prof. Dummer.
Salpingektomie bei Abdominaloperation reduziert das Ovarialkarzinomrisiko
Es ist bekannt, dass das Eileiterepithel eine wichtige Quelle für ein tubo-ovariales Karzinom ist. Daher wird seit Jahren diskutiert, ob die Entfernung der Eileiter während einer anderweitig indizierten Becken- oder Bauchchirurgie (opportunistische Salpingektomie) das zukünftige Risiko für Eierstockkrebs senken könnte. Eine internationale Arbeitsgruppe von 14 Personen, darunter ein Patientenvertreter, wurde von der European Society of Gynaecological Oncology beauftragt, eine Konsenserklärung zur opportunistischen Salpingektomie zu entwickeln.
Von 230 gefundenen Studien wurden 129 als relevant angesehen. Als wichtigste Endpunkte wurden das Auftreten eines tubo-ovarialen Karzinoms, das Auftreten einer Ovarialinsuffizienz, kurz- oder langfristige Gesundheitsrisiken und postoperative Komplikationen definiert. Bei 18 Aussagen wurde ein Konsens mit mehr als 75 % Ćbereinstimmung erzielt, mit Empfehlungsstufen von B bis D und Evidenzwerten von II bis V. Die Datenlage ergab, dass die opportunistische Salpingektomie signifikant mit einem geringeren Risiko für ein anschliessendes tubo-ovariales Karzinom verbunden war, ohne nachteilige kurzfristige Auswirkungen auf die Ovarialfunktion. Der Eingriff erschien sicher und verlƤngerte die Operationszeit unwesentlich. Die vorhandenen Evidenzen deuteten nicht auf eine SchƤdigung der Eierstockfunktion oder eine vorzeitige Menopause hin, wofür allerdings langfristige Belege fehlen.
Die Expertengruppe folgerte, dass die Salpingektomie sowohl bei gynƤkologischen als auch bei nichtgynƤkologischen Eingriffen machbar sei und bei Frauen, die sich einer gynƤkologischen Operation unterziehen, und bei ausgewƤhlten nichtgynƤkologischen Becken- oder Bauchoperationen in Betracht gezogen werden sollte.
Ā«ProphylaktischeĀ» Operationen sind historisch gesehen immer eine Herausforderung für die Behandler. Ist eine Salpingektomie eine verstümmelnde Operation, welche die Patientin ā trotz EinverstƤndniserklƤrung ā spƤter einklagen wird? Wird der Patientin etwas vorenthalten, wenn man die Salpingektomie beim Abdominaleingriff nicht durchführt, und kann man diesbezüglich eingeklagt werden? Im Zeitalter der Ā«shared decisionĀ» sollte diese PrƤventionsmassnahme in die prƤoperative Beratung aufgenommen werden, und das GesprƤch mit der HausƤrztin des Vertrauens mag für den Entscheid der Patientin wichtiger sein als das fachƤrztliche.
KD Dr. med. lic. phil. Marcel Weber
Literatur Piek J.M. Opportunistic Salpingectomy for Prevention of Tubo-Ovarian Carcinoma. The European Society of Gynaecological Oncology Consensus Statements. JAMA 2026;335;(10):894-902. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41627806/
Restless Legs Syndrom: Ein Review
Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist eine schlafbezogene Bewegungsstƶrung, von der etwa 3ā% der Erwachsenen in den USA in klinisch signifikanter Weise betroffen sind und die zu erheblichen Schlafstƶrungen führen kann.
Beobachtungen
Das Restless-Legs-Syndrom ist durch einen überwƤltigenden Drang gekennzeichnet, die Gliedmassen, typischerweise die Beine, zu bewegen, oft begleitet von unangenehmen Empfindungen in den Gliedmassen (z. B. Schmerzen, Kribbeln). Die durch Bewegungslosigkeit hervorgerufenen Symptome lassen bei Bewegung nach und treten typischerweise abends oder nachts auf oder sind dann am stƤrksten ausgeprƤgt. Die Symptome des Restless-Legs-Syndroms kƶnnen zu Einschlaf-, Durchschlaf- oder Wieder einschlafstƶrungen führen. Laut bevƶlkerungsbasierten Studien leiden etwa 8 % der Erwachsenen in den USA jƤhrlich an RLS-Symptomen unterschiedlicher HƤufigkeit und 3 % mindestens zweimal pro Woche an mittelschweren oder schweren, belastenden Symptomen. Patienten mit RLS haben eine beeintrƤchtigte LebensqualitƤt und erhƶhte Raten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (29,6 % mit koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz), Depressionen (30,4 %) und Suizidgedanken oder Selbstverletzung (0,35 FƤlle/1000 Personenjahre). Eine Polysomnographie wird zur Diagnose nicht empfohlen. Bei einem Serumferritinspiegel von weniger als oder gleich 100 ng/ml oder einer TransferrinsƤttigung von weniger als 20 % sollte eine Eisensupplementierung mit Eisensulfat (325ā650 mg tƤglich oder jeden zweiten Tag) oder intravenƶsem Eisen (1000 mg) begonnen werden.
Wenn mƶglich, sollten Medikamente, die mit RLS in Verbindung gebracht werden, darunter serotonerge Antidepressiva, Dopaminantagonisten und zentral wirkende H1-Antihistaminika (z. B. Diphenhydramin), abgesetzt werden. Gabapentinoide (z. B. Gabapentin, Gabapentin Enacarbil, Pregabalin) sind die pharmakologische Therapie der ersten Wahl. In randomisierten klinischen Studien zeigten etwa 70 % der mit Gabapentinoiden behandelten Patienten eine deutliche oder sehr deutliche Verbesserung der RLS-Symptome gegenüber etwa 40 % der Patienten, die Placebo erhielten (P < 0,001). Dopaminagonisten (z. B. Ropinirol, Pramipexol, Rotigotin) werden aufgrund des Risikos einer Augmentation, einer iatrogenen Verschlimmerung der RLS-Symptome, die bei diesen Medikamenten mit einer jƤhrlichen Inzidenz von 7 % bis 10 % auftritt, nicht mehr als Medikamente der ersten Wahl empfohlen. Patienten, bei denen sich mit der Erstlinienbehandlung keine Besserung einstellt oder bei denen eine Augmentation des RLS auftritt, profitieren hƤufig von niedrig dosierten Opioiden (z. B. Methadon 5ā10 mg tƤglich).
Schlussfolgerungen und Relevanz
Das Restless-Legs-Syndrom betrifft etwa 3 % der Erwachsenen und kann negative Auswirkungen auf den Schlaf und die LebensqualitƤt haben. Die Erstbehandlung umfasst das Absetzen von verschlimmernden Medikamenten sowie eine Eisensupplementierung bei Patienten mit niedrigen normalen Eisenwerten. Wenn eine medikamentƶse Therapie angezeigt ist, sind Gabapentinoide die Erstlinienbehandlung.
Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen
Literatur Winkelman JW, Wipper B. Restless legs syndrome: a review. JAMA. 2026;335(8):703ā714. doi:10.1001/jama.2025.23247. Published online January 21, 2026.
RSV-Impfung bei Ƥlteren Erwachsenen
Eine systematische Ćbersichtsarbeit mit Meta-Analyse untersuchte die reale Anwendung, Wirksamkeit und Sicherheit der RSV-Impfstoffe bei Ƥlteren
Erwachsenen nach Markteinführung.
Methode
Grundlage waren 36 Studien aus neun Ländern, publiziert zwischen Dezember 2023 und Oktober 2025, mit Daten von insgesamt mehr als 121,8 Millionen Personen aus den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich, Italien, Australien, der Tschechischen Republik, der Schweiz, Frankreich, Kanada und Israel. Die Literaturrecherche erfolgte als «living review» mit 11 monatlichen Suchen in Medline, Embase und Global Health. Eingeschlossen wurden Real-world-Studien zu Impfquote, Effektivität und Sicherheit bei älteren Erwachsenen.
Ergebnisse
Die Impfquote war insgesamt eher niedrig. In den USA lag die gepoolte RSV-Impfquote bei Personen ab 60 Jahren in der Saison 2023/24 bei 18,0ā% (95ā% KI: 12,2ā25,7; zehn Studien). Hƶhere Raten fanden sich bei Ƥlteren Personen ab 75 Jahren, bei Personen mit KomorbiditƤten und bei Immunsupprimierten. Gleichzeitig zeigten sich deutliche Unterschiede nach soziodemografischen Merkmalen.
Schlussfolgerung
Die vorliegende Meta-Analyse spricht für eine hohe Real-world-Wirksamkeit der RSV-Impfung bei älteren Erwachsenen bei insgesamt günstigem Sicherheitsprofil. Gleichzeitig bleibt die Impfquote vielerorts niedrig, und es bestehen relevante Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen. Für die Praxis stützen die Daten den Einsatz der RSV-Impfung bei älteren Risikopersonen, unter fortgesetzter Surveillance seltener unerwünschter Ereignisse.
Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen
Literatur Trusinska D, Lee B, Ferdous S et al.: Real-world evidence on RSV vaccine uptake, effectiveness, and safety in older adults: a systematic review and meta-analysis. Lancet Reg Health Eur. 2026 Feb 20;64:101623. doi: 10.1016/j.lanepe.2026.101623.