Genetische Eingriffe am Embryo: Besser diskutieren als dƤmonisieren

Kürzlich wurden in der NZZ in einem ganzseitigen Artikel mögliche zukünftige Eingriffe in das Erbgut menschlicher Embryonen beleuchtet. Zu Recht wurde dort auf das erhebliche Missbrauchspotenzial solcher Technologien hingewiesen. Diese Sorge ist ernst zu nehmen: Jede medizinische Innovation, die so tief in das früheste menschliche Leben eingreift, erfordert eine besonders sorgfältige ethische und gesellschaftliche Abwägung.

Gleichzeitig fällt mir als ehemaligem Leiter eines Kinderwunschzentrums aber auf, dass die potenziellen Vorteile dieser Verfahren im Artikel nicht zur Sprache kommen. Diese einseitige Perspektive erinnert an frühere Debatten in unserem Land, etwa zur In-vitro-Fertilisation (IVF) oder zur Präimplantationsdiagnostik (PID). Beide Methoden wurden bei ihrer Einführung stark kritisiert und von breiten Kreisen vehement abgelehnt. Heute hingegen sind sie fester Bestandteil der modernen Reproduktionsmedizin und gesellschaftlich weitgehend akzeptiert.

Zwar wird die PID, die seit 2017 in der Schweiz unter strengen gesetzlichen Vorgaben erlaubt ist, im Artikel als ethisch vertretbare Alternative zu den genetischen Eingriffen am Embryo genannt. Dabei bleibt jedoch ein zentraler Nachteil der PID unbeachtet: Embryonen, bei denen im Rahmen der PID schwere genetische Erkrankungen festgestellt werden, werden nicht übertragen und sind dem Untergang geweiht. Mit dem hart kritisierten Eingriff ins Erbgut könnten diese Embryonen gerettet werden. Ein zumindest für mich ethisch sehr wertvoller Ansatz.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie stark ƶffentliche und politische Reaktionen auf neue reproduktionsmedizinische Verfahren ausfallen kƶnnen. Ich erinnere mich noch gut an die Geburt des ersten durch IVF gezeugten Kindes im Jahr 1978. Sie lƶste vor allem ablehnende Stellungnahmen aus. Die Reproduktionsmedizin wolle Gott spielen. Ƅhnliches hƶrte ich vor den eidgenƶssischen Volksabstimmungen zur PID in den Jahren 2015 und 2016. In beiden FƤllen wurden vorwiegend, wenn nicht sogar ausschliesslich, die MissbrƤuche der neuen Techniken thematisiert. Es gab wiederholt politische Vorstƶsse, sowohl die IVF als auch die PID in der Schweiz zu verbieten. Dennoch ist es in der Schweiz mit dem Fortpflanzungsmedizingesetz gelungen, diese TechnoĀ­logien nutzen zu kƶnnen und gleichzeitig deren Missbrauch zu verhindern.

Die Praxis bestƤtigt den Erfolg dieses Ansatzes: Die Schweizer Kinderwunschzentren halten sich an die gesetzlichen Vorgaben. Verstƶsse gegen das Fortpflanzungsmedizingesetz sind mir nicht bekannt, geschweige denn gerichtliche Klagen oder Verurteilungen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoll ist, zukünftige Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin wie genetische Eingriffe am Embryo zwar kritisch, aber mit Offenheit zu verfolgen – anstatt neue Technologien vorschnell zu dƤmonisieren.

PS: Art. 119 Abs. 2 lit. a der Schweizer Ā­Bundesverfassung: … Eingriffe in das Erbgut menschlicher … Embryonen sind unzulƤssig.

Prof. em. Dr. med. Bruno Imthurn

Senior Consultant Kinderwunschzentrum
360° Zürich

bruno.imthurn@uzh.ch

Highlights vom ELCC Congress 2026

Vom 25. bis 28. März fand in Kopenhagen, Dänemark, der European Lung Cancer Congress (ELCC) 2026 statt. Rund 4000 Teilnehmer aus über 80 Ländern nahmen dieses Jahr am Kongress teil. Von den über 480 präsentierten Abstracts werden im Folgenden einige Highlights vorgestellt.

Pharma-Info: Unser erstes Video vom ELCC in Kopenhagen, organisiert von PharmaMar

Wie lassen sich aktuelle Fortschritte in der SCLC-Behandlung in die Praxis der schweizerischen Versorgungslandschaft übertragen?

Vielversprechende Wirksamkeit insbesondere bei hƶheren Dosen von Obrixtamig und bei Patienten mit SCLC

Julien Mazieres, et al. 409O A phase I dose escalation trial of obrixtamig + ezabenlimab in patients (pts) with small cell lung cancer (SCLC) or other neuroendocrine carcinomas (NECs) expressing DLL3

Vorbemerkungen

DLL3 ist hƤufig auf NECs, darunter SCLC, zu finden. Obrixtamig, ein DLL3/CD3-T-Zell-Engager, erhƶht in SCLC-Modellen PD-1 und PD-L1. Die Kombination mit dem Immun-Checkpoint-Inhibitor Ezabenlimab kƶnnte die Antitumorwirkung steigern. In einer Phase-I-Studie (NCT05879978) wird Obrixtamig plus Ezabenlimab bei fortgeschrittenen oder rezidivierten DLL3-positiven NECs getestet.

Studiendesign

• Die Studie schloss Patienten ein, bei denen mindestens eine Linie einer platinbasierten Chemotherapie versagt hatte oder die für die Standardtherapie (SoC) nicht in Frage kamen.
• Obrixtamig wurde wƶchentlich in 3-Wochen-Zyklen verabreicht (1 Zyklus mit Dosissteigerung x3; anschliessend Zieldosis 30–1080 µg/kg); Ezabenlimab 240 mg wurde alle 3 Wochen verabreicht.
• Die Dosiseskalation erfolgte nach einem Bayes’schen Modell mit Überdosiskontrolle.
• PrimƤrer Endpunkt: DLTs wƤhrend des MTD-Bewertungszeitraums (Zyklus 1 + 1 Woche Zieldosis); weitere Endpunkte waren ORR, DCR und PFS.

Baseline

• Es erhielten 45 Patienten ≄ 1 Behandlungszyklus; Median der Zyklen: 5 (Bereich 1–31);
• Medianalter: 57 Jahre (Bereich 33–78); ECOG-PS 0/1: 33 %/67 %; vorherige Anti-PD-1/PD-L1-Therapie: 49 %.

VertrƤglichkeit

• WƤhrend der Dosiseskalationsphase traten drei DLTs auf, bei den Zieldosen keine; die MTD wurde nicht erreicht.
• Die hƤufigsten TRAEs sind unten aufgeführt.
• TRAEs des Grades (G)=3 traten bei 51 % der Patienten auf.
• 13 % der Patienten brachen die Behandlung aufgrund von TRAEs ab.
• Obrixtamig-bedingte neurologische unerwünschte Ereignisse (UE) des Grades 3 traten bei 3 (7 %) Patienten auf (ICANS [n = 2], Enzephalopathie).
• Es wurde kein CRS des Grades 3 beobachtet.

Behandlungsresultate

• 40 Patienten erhielten die klinisch wirksame Dosis von ≄ 90 µg/kg Obrixtamig.
• Bei diesen Patienten betrugen die ORR 30 %, die DCR 58 %, das mPFS 4,4 Monate und das mDoR 8,8 Monate.
• Bei der hƶchsten Dosis (1080 µg/kg; n = 12) betrugen die ORR 58 %, die DCR 83 %, das mPFS 10 Monate und das mDoR 8,8 Monate.
• Bei 18 Patienten mit SCLC in den Kohorten mit =90 µg/kg betrugen die ORR 33 %, die DCR 67 %, das mPFS 5,7 Monate und das mDoR NC.

Fazit

Obrixtamig + Ezabenlimab zeigte bei Patienten mit vorbehandelten DLL3+-NECs ein überschaubares Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil. Eine laut den Studienautoren vielversprechende Wirksamkeit wurde insbesondere bei höheren Dosen von Obrixtamig und bei Patienten mit SCLC beobachtet.

Osimertinib plus CTx verlƤngert das PFS im Vergleich zur osi-Monotherapie bei fortgeschrittenem EGFRm-NSCLC mit TP53-Komutationen signifikant

Yunpeng Yang, et al. 2O Osimertinib (osi) with or without chemotherapy (CTx) as first-line treatment in EGFR-mutant (EGFRm) advanced NSCLC with concurrent TP53 mutations (TOP study)

Vorbemerkungen

TP53-Mutationen kommen bei EGFRm-NSCLC hƤufig vor und verschlechtern das Ergebnis einer EGFR-TKI-Monotherapie. Die FLAURA2-Studie zeigte, dass Osimertinib plus Chemotherapie wirksamer ist, aber ob TP53-Komutierte besonders profitieren, ist offen. Diese Phase-III-Studie untersucht genau diesen Aspekt bei Hochrisikopatienten.

Studiendesign

• Teilnahmeberechtigt waren erwachsene Patienten mit zuvor unbehandeltem fortgeschrittenem nicht-squamƶsem NSCLC, die EGFR-Ex-19-del/L858R-Mutationen und begleitende TP53-Mutationen aufwiesen.
• Die Patienten wurden im VerhƤltnis 1:1 randomisiert und erhielten entweder osi + CTx (osi 80 mg einmal tƤglich + Pemetrexed 500 mg/m² + Carboplatin AUC5, alle 3 Wochen über 4 Zyklen, gefolgt von osi 80 mg einmal tƤglich + Pemetrexed 500 mg/m² alle 3 Wochen)
• oder eine osi-Monotherapie (80 mg einmal tƤglich) bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder bis zum Auftreten nicht tolerierbarer ToxizitƤten.
• Die Patienten wurden nach WHO-PS (0/1), Vorliegen von Hirnmetastasen (ja/nein) und Mutationstypen (Ex19del/L858R) stratifiziert.

Baseline

• 294 Patienten wurden randomisiert der Gruppe ā€žOsi + CTxā€œ
(n = 146) oder der Gruppe ā€žOsiā€œ (n = 148) zugewiesen.
• Ausgangsmerkmale: medianes Alter 57/57 Jahre; 51/56 % weiblich; 54/55 % Ex19del; 46/45 % L858R; 49/48 % ZNS-Metastasen.

Behandlungsresultate

• Osi + CTx verbesserte das PFS signifikant gegenüber Osi (HR 0,44; 95 % KI 0,32–0,61; p < 0,001; 59 % Reifegrad).
• Das mediane PFS betrug 34,0 gegenüber 15,6 Monaten. Dieser Vorteil war in allen vorab definierten Subgruppen konsistent, einschliesslich derjenigen mit ZNS-Metastasen oder L858R-Mutationen.
• Die ORR betrug 82,9 % in der Osi + CTx-Gruppe und 72,0 % in der Osi-Gruppe, und die mediane DoR betrug 32,7 Monate bzw. 15,3 Monate.
• Die OS war noch nicht ausgereift (30,6 %), es wurde ein Trend zu einem OS-Nutzen beobachtet, HR 0,57 (95 % KI 0,37, 0,87).

VertrƤglichkeit

• TRAE aller Grade ≄ 3 (osi + CTx/osi): 62,4 %/14,9 %; es wurden keine neuen Sicherheitssignale festgestellt.

Fazit

Dies ist die erste prospektive Phase-III-Studie, die laut den Studienautoren zeigt, dass osi plus CTx das PFS im Vergleich zur osi-Monotherapie bei fortgeschrittenem EGFRm-NSCLC mit TP53-Komutationen signifikant verlƤngert. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Hochrisikopopulation mƶglicherweise stƤrker von einer Kombinationstherapie profitiert.

 

Zeitpunkt der ersten ICI-Gabe kƶnnte in der ersten TageshƤlfte eine umsetzbare Intervention sein

Solange Peters, et al. LBA2 ETOP-Roche i-TIMES: Immunotherapy timing investigation on lung cancer survival

Vorbemerkungen

Die i-TIMES-Studie untersuchte, ob der Zeitpunkt der Immun-Checkpoint-Inhibitor-Gabe (früh oder spät am Tag) das Überleben von Lungenkrebspatienten beeinflusst. Zudem wird geprüft, ob dies auch für andere solide Tumoren gilt.

Studiendesign

• Für die Analyse kamen von Roche gesponserte Phase-II- oder Phase-III-RCTs in Frage, die mindestens einen ICI-Arm (allein oder in Kombination mit einer anderen Behandlung) und das OS als einen der primƤren Endpunkte aufwiesen.
• Die primƤre Kohorte umfasst Lungenkrebspatienten mit ≄ 2 Zyklen ICI-Gaben und verfügbaren Zeitangaben.
• Die Einteilung des Zeitpunkts der ICI-Gabe basiert auf dem Beginn der ersten beiden Zyklen: Früh: bis 12:00 Uhr; SpƤt: nach 12:00 Uhr.

Behandlungsresultate

• Die primƤre Zielkohorte umfasst 3165 Patienten mit einer medianen Gesamtnachbeobachtungszeit von 42,6 Monaten (m).
• 1272 (40 %) wurden der Early-Gruppe zugeordnet, 1014 (32 %) der Late-Gruppe, wƤhrend 879 (28 %) Patienten einen gemischten Zeitpunkt aufwiesen.
• Das Matching-Verfahren führte zu einer endgültigen Analysekohorte von 1610 Patienten (805 in jeder Gruppe; 580 TodesfƤlle in der Early-Gruppe; 601 in der Late-Gruppe).
• Die mediane Gesamtüberlebenszeit (OS) betrug 18,4 Monate (95 %-KI 16,5–19,8) in der Early-Gruppe und 15,9 Monate (14,3–17,5) in der Late-Gruppe.
• Die entsprechende OS-HR für ā€žSpƤtā€œ gegenüber ā€žFrühā€œ, stratifiziert nach Studie, betrug 1,104 (95 % KI 0,984–1,238), wobei die Obergrenze des 95 % KI den vorab festgelegten Grenzwert überschritt.
• In einer SekundƤranalyse der jeweiligen Lungenkrebspatienten, die nur mit Chemotherapie behandelt wurden und Ƥhnlich gematcht waren (n = 516), betrug das OS-HR 0,817 (95 % KI 0,673–0,992) zugunsten der spƤten Verabreichung.

Fazit

i-TIMES konnte keine Nichtunterlegenheit der späten gegenüber der frühen Verabreichung der ersten beiden ICI-Zyklen (allein oder in Kombination mit Chemotherapie) hinsichtlich des OS bei Lungenkrebspatienten nachweisen, was die Diskussion eröffnet, dass der Zeitpunkt der ersten ICI-Gabe in der ersten Tageshälfte eine umsetzbare Intervention sein könnte.
Für die Studie verantwortliche juristische Person: ETOP IBCSG Partners Foundation.

 

MK-1084 + Pembrolizumab zeigte in der KANDLELIT-001-Studie eine klinisch bedeutsame Wirksamkeit

Adrian Sacher, et al. 4MO Updated results for MK-1084 + pembrolizumab in KRAS G12C-mutated (mut) metastatic non-small cell lung cancer (mNSCLC) enrolled in KANDLELIT-001

Vorbemerkung

Die Phase-I-Studie KANDLELIT-001 (NCT05067283) bestƤtigt laut Forschern, dass der orale, selektive KRAS-G12C-GDP-Kovalenzinhibitor der nƤchsten Generation MK-1084 ein gutes Sicherheitsprofil aufweist und vielversprechende AntitumoraktivitƤt zeigt. Er wurde entweder allein oder in Kombinationstherapie bei Patienten mit soliden Tumoren, die eine KRAS-G12C-Mutation besitzen, eingesetzt.
Die Autoren berichten über aktualisierte Daten für Patienten mit KRAS-G12C-mutiertem mNSCLC.

Studiendesign

• Patienten in den Armen 1 und 3 wiesen einen beliebigen KRAS-G12C-mutierten soliden Tumor mit mindestens einer vorangegangenen systemischen Therapie auf und erhielten eine MK-1084-Monotherapie mit 25–800 mg/Tag.
• Patienten in Arm 2 hatten unbehandeltes mNSCLC mit einem PD-L1-TPS von ≄ 1 % und erhielten MK-1084 25–400 mg/Tag + Pembrolizumab 200 mg alle 3 Wochen.
• Patienten in Arm 4 hatten unbehandeltes nicht-squamƶses mNSCLC und erhielten MK-1084 50–200 mg/Tag + Pembrolizumab 200 mg, Carboplatin und Pemetrexed alle 3 Wochen.
• Dosislimitierende ToxizitƤten (DLTs) und Sicherheit waren primƤre Endpunkte; ORR, DCR und PFS gemƤss RECIST v1.1 nach Beurteilung durch den Prüfer waren sekundƤre Endpunkte.

Behandlungsresultate

• Zum Datencutoff am 23. Juli 2025 befanden sich 146 Patienten in den Armen 1 und 3, darunter 32 (22 %) mit mNSCLC, 87 Patienten in Arm 2 und 46 Patienten in Arm 4.
• Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 27,9 Monate, 14,1 Monate, 14,6 Monate bzw. 12,1 Monate. Die ORR in Arm 2 (MK-1084 + Pembro) betrug 92 % (TPS = 50 %), bei einem entsprechenden medianen PFS von 29 Monaten (Vergleiche Tabelle im Originalabstract).
• 15 (10 %) Patienten in den Armen 1 und 3, 26 (30 %) Patienten in Arm 2 und 28 (61 %) Patienten in Arm 4 wiesen arzneimittelbedingte unerwünschte Ereignisse (UE) des Grades 3–4 auf, darunter jeweils 3 %, 8 % und 11 % mit erhƶhten ALT-Werten des Grades 3–4 sowie 3 %, 9 % und 9 % mit erhƶhten AST-Werten des Grades 3–4.
• 1 Patient verstarb an einer arzneimittelbedingten Myelosuppression und einer verminderten Thrombozytenzahl (Arm 2) und 1 an einer arzneimittelbedingten immunvermittelten Myositis (Arm 4).

Fazit

MK-1084 zusammen mit Pembrolizumab erzielte in der KANDLELIT-001-Studie laut Studienautoren eine klinisch bedeutende Wirksamkeit – insbesondere zeigte sich bei Patienten mit PD-L1-TPS = 50 % eine Ansprechrate von über 90 %. Die Nebenwirkungen waren kontrollierbar; die Rate schwerwiegender ALT/AST-Erhƶhungen blieb unter 10 %. Das insgesamt positive VerhƤltnis zwischen Nutzen und Risiko unterstützt die weitere Untersuchung in der laufenden Phase-III-Studie KANDLELIT-004. Dort wird MK-1084 + Pembrolizumab als Erstlinientherapie gegen Placebo + Pembrolizumab bei KRAS-G12C-mutiertem mNSCLC mit PD-L1-TPS = 50 % verglichen.

 

Adagrasib zeigte einen bedeutenden klinischen Nutzen

Jarushka Naidoo, et al. 5MO Phase II ETOP ADEPPT trial: Adagrasib in patients with KRASG12C-mutant NSCLC who are elderly or have poor performance status – Final results

Vorbemerkungen

KRAS-G12C-Mutationen treten laut den Studienautoren bei 10–15 % der FƤlle von nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) auf.
Adagrasib ist ein KRAS-G12C-Inhibitor der zweiten Generation, der bei vorbehandelten NSCLC-Patienten mit einem ECOG-Leistungsstatus (PS) von 0–1 Wirksamkeit gezeigt hat. Ein grosser Teil der KRAS-positiven NSCLC-Patienten ist jedoch Ƥlter oder weist einen ECOG-PS von 2 auf.
Diese Studie bewertet die Wirksamkeit, ToxizitƤt und LebensqualitƤt (QoL) von Adagrasib in diesen unterreprƤsentierten Populationen.

Studiendesign

• ADEPPT (NCT05673187) ist eine prospektive, internationale Phase-II-Studie zu Adagrasib (600 mg zweimal tƤglich bis zur Progression oder inakzeptabler ToxizitƤt) bei vorbehandelten Patienten mit KRASG12C-mutiertem NSCLC, mit zwei parallelen einarmigen Kohorten.
• Teilnahmeberechtigt waren Patienten ≄ 70 Jahre mit einem ECOG-PS von 0–1 (Kohorte A [A]) oder ≄ 18 Jahre mit einem ECOG-PS von 2 (Kohorte B [B]).

Behandlungsresultate

• Es wurden 32 von 34 Patienten in die Kohorten A/B aufgenommen.
• In A/B: 66 %/62 % waren mƤnnlich, 97 %/97 % ehemalige bzw. aktuelle Raucher, 100 %/91 % Adenokarzinome, 16 %/32 % wiesen zu Studienbeginn HirnlƤsionen auf.
• Die mediane (m) Nachbeobachtungszeit betrug 16,8/18,5 Monate (Mo). Die mittlere relative DosisintensitƤt lag bei 72 %/79 %.
• In Kohorte A wurde der primƤre Endpunkt erreicht. Die cORR betrug 31 % (10 bestƤtigte Ansprechraten).
• Die Gesamt-ORR betrug 34 %, mPFS 7,6 Mo, mOS 9,5 Mo, mDoR NR.
• In Kohorte B wurde der primƤre Endpunkt nicht erreicht. Die cORR betrug 18 % (6 bestƤtigte Ansprechraten).
• Die Gesamt-ORR betrug 38 %, mPFS 2,7 Mo, mOS 4,3 Mo, mDoR 2,4 Mo.

VertrƤglichkeit

• Behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse (TRAEs) des Grades ≄ 3 traten bei 41 %/62 % der Patienten in A/B auf, mit 1 tƶdlichem TRAE (plƶtzlicher Tod, Ursache unbekannt, Kohorte B).
• Nach 12 Wochen betrug der mittlere Anstieg des QoL-Index gegenüber dem Ausgangswert 2,3/6,6 in den Gruppen A/B, basierend auf 18/11 Patienten, die noch in Behandlung waren.

Fazit

Adagrasib zeigte laut den Studienautoren einen bedeutenden klinischen Nutzen mit einem überschaubaren Sicherheitsprofil bei Ƥlteren Patienten mit ECOG-PS 0–1, wƤhrend die Wirksamkeit bei Patienten mit ECOG-PS 2 begrenzt war, jedoch eine verbesserte LebensqualitƤt (QoL) mit sich brachte.

 

Zugabe von Durvalumab nach SBRT scheint das Tumorwachstum mit fraglichem klinischen Nutzen zu verlangsamen

Andreas Hallqvist, et al. 221 MOStereotactic body radiotherapy (SBRT) followed by durvalumab in early-stage non-small cell lung cancer (NSCLC) patients: Results from a randomized phase II trial (ASTEROID)

Vorbemerkungen

SBRT gilt als Standardtherapie bei inoperablem Frühstadium-NSCLC und sorgt für gute lokale Kontrolle. Dennoch bekommen viele Patienten Fernmetastasen. Wegen fehlender Daten und hoher Gebrechlichkeit ist eine Chemotherapie selten, während Immuntherapie als vielversprechend betrachtet wird, da sie meist gut verträglich ist und mit Strahlentherapie Synergie zeigen könnte. Die ASTEROID-Studie prüft daher, ob Durvalumab nach SBRT die Tumorkontrolle bei peripheren T1-2N0M0-Tumoren verbessert.

Studiendesign

• Randomisierte, multizentrische, offene Phase-II-Studie zum Vergleich von SBRT allein in 3–4 Fraktionen (Arm A) mit SBRT gefolgt von Durvalumab 1500 mg i.v. alle 4 Wochen über 12 Monate (Arm B).
• PrimƤrer Endpunkt war die Zeit bis zur Progression (TTP), mit dem krankheitsfreien Überleben (DFS) und dem Gesamtüberleben (OS) als sekundƤren Endpunkten.

Baseline

• Zwischen 2018 und 2024 wurden 104 Patienten an 12 nordischen KrankenhƤusern eingeschlossen.
• 57 % waren Frauen, 71 % hatten Adenokarzinome, 83 % hatten T1A-Tumoren, 33 % hatten einen Leistungsstatus (PS) von 0, 67 % einen PS von 1–2.
• Das Medianalter betrug 78 (56–89) Jahre und der mittlere FEV1-Wert lag bei 1,8 (Bereich 0,7–4,5) L.
• Die mediane Anzahl der Durvalumab-Infusionen betrug 11 (1–12).

VertrƤglichkeit

• Nebenwirkungen (CTCAE v4.0) im Zusammenhang mit der SBRT wurden bei 22 von 54 Patienten (41 %) in Arm A und bei 15 von 49 (31 %) in Arm B berichtet, wobei die hƤufigsten Ereignisse Müdigkeit, Husten, Schmerzen und Dyspnoe des Grades 1–2 waren, mit einer Pneumonitis des Grades 3 in Arm A.
• In Arm B berichteten 36 von 49 Patienten (73 %) über unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit Durvalumab, hauptsƤchlich Grad 1 und 2, wobei die hƤufigsten Ereignisse Hautreaktionen (39 %), Pruritus (24 %) und Müdigkeit (22 %) waren und zwei Patienten symptomatische Ereignisse des Grades 3 (Hautreaktion und Pneumonitis) erlitten.

Behandlungsresultate

• Zum Zeitpunkt der Datenerhebung mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 33 Monaten (13–64) hatten zehn Patienten in Arm A und drei Patienten in Arm B eine Progression, wobei sich die TTP durch die Zugabe von Durvalumab signifikant verbesserte (p = 0,054), jedoch kein Unterschied hinsichtlich DFS oder OS festzustellen war.

Fazit

Die Zugabe von Durvalumab nach SBRT scheint laut den Studienautoren das Tumorwachstum zu verlangsamen, doch der klinische Nutzen bei dieser gebrechlichen Population mit hoher konkurrierender MortalitƤt bleibt ungewiss.

 

Becotarug plus Osimertinib zeigte ein vielversprechendes und klinisch bedeutsames Überleben

Jinhui Xue, et al. 7MO Becotarug (JMT101) and osimertinib (Osi) in patients (pts) with platinum-pretreated EGFR exon 20 insertion-mutated (ex20ins) non-small cell lung cancer (NSCLC): Final overall survival (OS) and subgroup analyses from the BECOME phase II study

Vorbemerkungen

In der Phase-II-Studie BECOME zeigte Becotarug (Beco) in Kombination mit Osi laut den Studienautoren vielversprechende Wirksamkeit und ein vertretbares Sicherheitsprofil bei platinvorbehandeltem EGFR-ex20ins-positivem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (vgl. ELCC 2024, 137MO). Hier berichten die Autoren über die endgültigen Analysen zum Gesamtüberleben (OS) und die Wirksamkeitsergebnisse in den Subgruppen.

Studiendesign

• Die Patienten erhielten Beco 6 mg/kg alle zwei Wochen und Osi 160 mg einmal tƤglich.
• Die OS sowie Subgruppenanalysen nach EGFR-ex20ins-Lokalisationen und ctDNA-Status zu Studienbeginn wurden als sekundƤre Endpunkte vorab festgelegt.
Behandlungsresultate
• Zum 18. August 2025 betrug die mediane (m) Nachbeobachtungszeit 26,7 Monate (Mo).
• Die mOS in der ITT-Gruppe (N = 112) betrug 18,0 Monate (95 % KI, 13,4–22,5).
• Bei den Insertionen (INS) handelte es sich um helikale Insertionen (HI, n = 9), Near-Loop-Insertionen (NL, n = 64) und Far-Loop-Insertionen (FL, n = 39);
• Patienten mit FL-INS zeigten ein numerisch lƤngeres PFS und ein statistisch signifikant lƤngeres OS im Vergleich zu NL-INS (HR = 0,58; P = 0,03), wie in der Tabelle im Originalabstract dargestellt.
• Unter den 43 Patienten mit gepaarten Gewebe- und Blutproben zum Studienbeginn waren 16 ctDNA-positiv (+) und 27 ctDNA-negativ (-).
• Ein unabhƤngiges Begutachtungskomitee bestƤtigte, dass ORR und DCR bei ctDNA-positiven (ctDNA+) Patienten 43,8 % (95 % KI, 19,8–70,2) bzw. 75,0 % (95 % KI, 47,6–92,7) betrugen, gegenüber 59,3 % (95 % KI, 38,8–77,6) bzw. 96,3 % (95 % KI, 81,0–99,9) bei ctDNA-negativen Patienten.
• Nach dem ctDNA-Status zu Studienbeginn wurden keine signifikanten Unterschiede bei der ORR (P = 0,361) oder der DCR (P = 0,056) beobachtet;
• die mPFS betrug 6,9 Monate (95 % KI, 2,7–NE) gegenüber 14,5 Monaten (95 % KI, 8,2–NE), p = 0,008; die mOS betrug 19,2 Monate (95 % KI, 13,4–NE) gegenüber 36,6 Monaten (95 % KI, 36,6–NE), p = 0,048, mit statistischen Unterschieden.

Fazit

Becotarug plus Osimertinib zeigte laut den Studienautoren ein vielversprechendes und klinisch bedeutsames Überleben bei platinvorbehandeltem EGFR-ex20ins-positivem NSCLC. Im Vergleich zu Patienten mit NL-INS zeigten Patienten mit FL-INS ein statistisch signifikant längeres OS. Bei Patienten mit ctDNA (-) zu Studienbeginn wurden deutlich grössere Überlebensvorteile beobachtet.

 

Daten sprechen für den Einsatz der perioperativen Pembro-Therapie plus neoadjuvanter Chemotherapie bei resektablem NSCLC im Frühstadium

Martin Reck, et a. 222MO Exploratory analysis of participants without pathological complete response (pCR) in the KEYNOTE-671 study of perioperative pembrolizumab (pembro) in early-stage NSCLC after 5 years of follow-up

Vorbemerkungen

In der Phase-3-Studie KEYNOTE-671 bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) im Frühstadium verbesserte laut den Studienautoren die perioperative Gabe von Pembrolizumab in Kombination mit einer neoadjuvanten Chemotherapie (Chemo) das ereignisfreie Überleben (EFS), das Gesamtüberleben (OS), das signifikante pathologische Ansprechen und die pCR im Vergleich zur neoadjuvanten Chemotherapie signifikant. Das EFS war in explorativen Analysen bei Teilnehmern, die keine pCR erreichten, verlƤngert (HR, 0,69; 95 % KI, 0,55–0,85).
Die Autoren berichten über die Ergebnisse bei Pt. ohne pCR aus der KEYNOTE-671-Studie nach 5 Jahren Nachbeobachtung.

Studiendesign

• Teilnahmeberechtigte Patienten im Alter von ≄ 18 Jahren mit zuvor unbehandeltem, resezierbarem NSCLC im Stadium II–IIIB (N2) gemƤss AJCC v8 wurden im VerhƤltnis 1:1 randomisiert und erhielten
• entweder 200 mg Pembrolizumab oder Placebo alle 3 Wochen plus Chemotherapie über 4 Zyklen, gefolgt von einer Operation und adjuvanter Behandlung mit Pembrolizumab oder Placebo alle 3 Wochen über bis zu 13 Zyklen (≄ 9 Monate).
• Zu den primƤren Endpunkten gehƶrten die EFS gemƤss RECIST v1.1 durch den Prüfer und das OS; zu den sekundƤren Endpunkten gehƶrte die pCR durch einen verblindeten Pathologen eines zentralen Labors.

Behandlungsergebnisse

• Von den 397 Patienten, die der Pembro-Gruppe zugewiesen wurden, und den 400 Patienten in der Placebo-Gruppe erreichten 72 (18,1 %) bzw. 16 (4,0 %) eine pCR; davon erhielten 67 Patienten (93,1 %) in der Pembrolizumab-Gruppe und 15 Patienten (93,8 %) in der Placebo-Gruppe mindestens eine adjuvante Dosis und 47 (65,3 %) bzw. 12 (75,0 %) schlossen die adjuvante Therapie ab.
• Die mediane Zeit von der Randomisierung bis zum Datencutoff (3. Juli 2025) betrug bei Patienten ohne pCR 60,2 (Bereich: 42,6–85,8) Monate.
• Die HR für das EFS betrug 0,69 (95 % KI: 0,57–0,83) zugunsten der Pembro- gegenüber der Placebo-Gruppe (Tabelle).
• Die OS-Daten für diese Untergruppe sind noch nicht ausgereift.

VertrƤglichkeit

• Behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse (UE) des Grades 3 traten bei 143 von 324 (44,1 %) mit Pembro behandelten Patienten und bei 146 von 383 (38,1 %) mit Placebo behandelten Patienten auf.
• Immunvermittelte unerwünschte Ereignisse (UE) des Grades 3 und Infusionsreaktionen traten bei 21 (6,5 %) bzw. 7 Patienten (1,8 %) auf. (Tab. 2)

Fazit

Bei Patienten ohne pCR in der KEYNOTE-671 verlängerte laut den Studienautoren die perioperative Pembro-Therapie plus neoadjuvante Chemotherapie auch nach 5 Jahren Nachbeobachtungszeit weiterhin das EFS, unabhängig von den klinischen Ausgangsmerkmalen. Diese Daten sprechen für den Einsatz der perioperativen Pembro-Therapie plus neoadjuvanter Chemotherapie bei resektablem NSCLC im Frühstadium.

 

Perioperative Pembro plus neoadjuvante Chemotherapie verbesserte die pCR in allen Untergruppen

Margarita Majem, et al. 223 MOFive-year outcomes of participants with pathological complete response (pCR) enrolled in the KEYNOTE-671 trial of perioperative pembrolizumab (pembro) in early-stage NSCLC

Vorbemerkungen

Die Phase-3-Studie KEYNOTE-671 zeigt, dass perioperativ Pembrolizumab plus neoadjuvante Chemotherapie bei frühem NSCLC das ereignisfreie und Gesamtüberleben sowie das pathologische Ansprechen und die pCR im Vergleich zur neoadjuvanten Chemotherapie allein signifikant verbessert. Teilnehmer mit vollstƤndiger pathologischer Remission hatten ein verlƤngertes EFS (HR 0,33; 95 % KI 0,09–1,22). Die Wirksamkeit nach fünf Jahren wird berichtet.

Studiendesign

• Teilnahmeberechtigte Patienten im Alter von ≄ 18 Jahren mit zuvor unbehandeltem, resektablem NSCLC im Stadium II, IIIA oder IIIB (N2) gemƤss AJCC v8 wurden im VerhƤltnis 1:1 randomisiert und erhielten
• entweder 200 mg Pembrolizumab oder Placebo alle 3 Wochen plus Chemotherapie über 4 Zyklen, gefolgt von einer Operation und anschliessend adjuvanter Therapie mit 200 mg Pembrolizumab oder Placebo alle 3 Wochen über bis zu 13 Zyklen (≄ 9 Monate).

Behandlungsergebnisse

• Von 397 Patienten, die Pembro zugewiesen wurden, und 400, die Placebo erhielten, erreichten 72 (18,1 %) bzw. 16 (4,0 %) eine pCR, von denen 67 Patienten (93,1 %) in der Pembro-Gruppe und 15 Patienten (93,8 %) in der Placebo-Gruppe mindestens eine adjuvante Dosis erhielten und 47 (65,3 %) bzw. 12 (75,0 %) die adjuvante Therapie abschlossen.
• Die mediane Zeit von der Randomisierung bis zum Datencutoff (3. Juli 2025) betrug bei Patienten mit pCR 62,3 (Bereich: 43,3–84,7) Monate.
• In allen Subgruppen nach Krankheitsmerkmalen bei Studienbeginn erreichten mehr Patienten im Pembro-Arm als im Placebo-Arm eine pCR (Tabelle).
• Bei den Patienten mit pCR betrugen die 5-Jahres-EFS-Raten 80,8 % (95 % KI, 68,3 %–88,8 %) bzw. 55,7 % (95 % KI, 26,0 %–77,6 %); die EFS-HR betrug 0,37 (95 % KI, 0,14–1,00).

Fazit

Die perioperative Behandlung mit Pembrolizumab in Kombination mit einer neoadjuvanten Chemotherapie führte laut den Studienautoren zu einer Verbesserung der pathologischen Komplettremission (pCR) über alle Untergruppen hinsichtlich der Ausgangsmerkmale der Erkrankung. Darüber hinaus wurde im Vergleich zur alleinigen neoadjuvanten Chemotherapie selbst nach fünfjähriger Nachbeobachtung bei Patienten mit pCR eine verlängerte ereignisfreie Überlebenszeit (EFS) festgestellt. Diese Ergebnisse unterstreichen weiterhin die Empfehlung für den Einsatz von perioperativem Pembrolizumab plus neoadjuvanter Chemotherapie bei resektablem NSCLC im Frühstadium, auch bei Patienten mit pCR.

 

Subkutan verabreichtes Toripalimab weist Ƥhnliche pharmakokinetische Profile und eine vergleichbare klinische Wirksamkeit wie intravenƶs verabreichtes Toripalimab auf

Lin Wu, et al. 8MO Subcutaneous versus intravenous toripalimab, in combination with chemotherapy, as a first-line treatment for recurrent or metastatic non-squamous (nsq) non-small cell lung cancer (NSCLC): A randomized phase III trial

Vorbemerkungen

Toripalimab in Kombination mit Chemotherapie ist in China sowie der EU (Anm. der Redaktion) für die Erstbehandlung von fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs zugelassen. Um die Immuntherapie zu vereinfachen, wurde eine subkutane Version entwickelt. In einer randomisierten Phase-III-Studie (NCT06505837) wurden Pharmakokinetik, Wirksamkeit und Sicherheit von subkutanem und intravenösem Toripalimab plus Chemotherapie verglichen.

Studiendesign

• Patienten mit histologisch oder zytologisch bestƤtigtem rezidiviertem oder metastasiertem nsqNSCLC ohne EGFR-sensitive Mutationen oder ALK-Fusionen wurden im VerhƤltnis 1:1 randomisiert und erhielten entweder subkutanes Toripalimab (360 mg) oder intravenƶses Toripalimab (240 mg) alle 3 Wochen plus Pemetrexed (500 mg/m²) und Carboplatin (FlƤche unter der Kurve [AUC] = 5) oder Cisplatin (75 mg/m²) über bis zu 4 Zyklen.
• Patienten ohne Krankheitsprogression erhielten eine Erhaltungstherapie mit entweder subkutanem oder intravenƶsem Toripalimab plus Pemetrexed.
• Die koprimƤren Endpunkte waren die beobachtete Talspiegelkonzentration im Serum (Ctrough) am Ende von Zyklus 1 und die durch ein populationspharmakokinetisches Modell simulierte AUC von 0 bis 21 Tagen (AUC0-21day) wƤhrend Zyklus 1.

Baseline

• Es wurden 396 Patienten aus 72 teilnehmenden Zentren in China randomisiert (198 in jedem Arm).
• Das geometrische MittelverhƤltnis [90 %-Konfidenzintervall (KI)] für die beobachtete Ctrough und die modellsimulierte AUC0-21day betrug 1,31 (1,00–1,72) bzw. 0,90 (0,86–0,95), was die Nichtunterlegenheit der Exposition bei subkutaner (SC) gegenüber intravenƶser (IV) Toripalimab-Gabe belegt.

Behandlungsergebnisse

• Die objektiven Ansprechraten betrugen 57,6 % in der subkutanen Gruppe und 49,5 % in der intravenƶsen Gruppe.
• Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 7,1 Monaten betrug das mediane progressionsfreie Überleben in beiden Gruppen 8,1 Monate.
• Es traten keine neuen Sicherheitssignale auf.

Fazit

Subkutanes Toripalimab zeigt ähnliche Wirksamkeit und Sicherheit wie intravenöses Toripalimab. Es eignet sich als Erstlinien-Therapie für fortgeschrittenes nsqNSCLC in Kombination mit Chemotherapie.

 

Bedeutung von Sac-TMT als vielversprechende neue Behandlungsoption

Yunpeng Yang, et al. LBA4 Sacituzumab tirumotecan (sac-TMT) in patients (pts) with previously treated advanced EGFR-mutated (EGFRm) non-small cell lung cancer (NSCLC): Final overall survival (OS) analysis from the randomized OptiTROP-Lung03 study

Vorbemerkungen

Sac-TMT ist ein ADC, das spezifisch für TROP2 wirkt und einen speziellen bifunktionellen Linker besitzt. In der OptiTROP-Lung03-Studie (NCT05631262) zeigte Sac-TMT gegenüber Docetaxel bei vorbehandeltem EGFRm-NSCLC signifikante Vorteile beim progressionsfreien und Gesamtüberleben (PFS-HR: 0,30; OS-HR: 0,49; Fang et al., BMJ 2025). Die Autoren präsentieren hier die finale OS-Analyse sowie aktualisierte PFS- und Sicherheitsdaten.

Studiendesign

• Patienten mit fortgeschrittenem EGFRm-NSCLC, bei denen nach einer Behandlung mit EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) und einer platinbasierten Chemotherapie eine Progression eingetreten war, wurden im VerhƤltnis 2:1 randomisiert und erhielten
• entweder alle zwei Wochen 5 mg/kg Sac-TMT oder alle drei Wochen 75 mg/m² Docetaxel.
• Patienten mit nachgewiesener Progression unter Docetaxel konnten bei Eignung auf Sac-TMT umgestellt werden.

Behandlungsergebnisse

• Insgesamt wurden 137 Patienten randomisiert, um entweder Sac-TMT (n = 91) oder Docetaxel (n = 46) zu erhalten.
• Zum 11. Dezember 2025, bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 23,8 Monaten (Mo), betrug das vom Prüfer bewertete mediane PFS 7,9 Mo gegenüber 2,8 Mo (Sac-TMT gegenüber Docetaxel; HR 0,23, 95 % KI 0,15–0,35) und das mediane OS betrug 20,0 Monate gegenüber 13,5 Monaten (HR 0,63, 95 % KI 0,40–0,98).
• In der Docetaxel-Gruppe erhielten 41,3 % der Patienten Sac-TMT als nachfolgende Krebsbehandlung.
• Die adjustierte mediane OS nach dem RPSFT-Modell betrug 20,0 Monate gegenüber 11,2 Monaten (HR 0,45, 95 % KI 0,28, 0,73; 18-Monats-OS-Rate: 54,7 % gegenüber 9,1 %).
VertrƤglichkeit
• Behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse des Grades 3 traten bei 60,4 % gegenüber 73,9 % auf, und behandlungsbedingte schwerwiegende unerwünschte Ereignisse bei 20,9 % gegenüber 41,3 % der Patienten (Sac-TMT gegenüber Docetaxel).
• In der Sac-TMT-Gruppe wurden keine FƤlle einer interstitiellen Lungenerkrankung berichtet.

Fazit

Sac-TMT bietet laut Studienautoren signifikante Verbesserungen beim PFS und OS gegenüber Docetaxel und weist ein gutes Sicherheitsprofil für Patienten mit fortgeschrittenem EGFRm-NSCLC auf. Die Daten sprechen für Sac-TMT als neue, vielversprechende Therapieoption.

 

Anhaltende Antitumoraktivität mit klinisch bedeutsamem Überlebensvorteil

Kai He, et a. 3O Anti-tumor activity of gotistobart compared to docetaxel in patients with metastatic squamous non-small cell lung cancer (sqNSCLC) progressing on PD-(L)1 inhibitors: Stage 1 PRESERVE-003 phase III trial

Vorbemerkungen

Gotistobart, ein neuartiger Antikƶrper, der Treg-Zellen in der Tumormikroumgebung gezielt durch CTLA-4-Hemmung angreift, hat in einer Phase-III-Studie bei Patienten mit fortgeschrittenem sqNSCLC unter PD-(L)1-Inhibitoren einen klinisch relevanten Überlebensvorteil gezeigt (HR: 0,46 [95 % KI: 0,25–0,84]; #OA01.01, NACLC 2025). Die Autoren prƤsentieren weitere Wirksamkeitsergebnisse aus Phase 1 dieser Studie.

Studiendesign

• Patienten mit metastasiertem NSCLC, deren Erkrankung unter PD-(L)1-Inhibitoren und platinbasierter Chemotherapie fortgeschritten war, wurden im VerhƤltnis 1:1 randomisiert und erhielten entweder Gotistobart (6 mg/kg mit zwei Initialdosen von 10 mg/kg alle drei Wochen) oder Docetaxel (75 mg/m² alle drei Wochen).

Behandlungsresultate

• Es wurden 217 Patienten in Phase 1 aufgenommen, darunter 87 Patienten mit sqNSCLC, die randomisiert Gotistobart (N = 45) oder Docetaxel (N = 42) erhielten, bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 14,5 Monaten.
• Das mediane PFS war Ƥhnlich (2,4 Monate vs. 2,6 Monate), aber die 12-Monats-PFS-Rate betrug 25 % für Gotistobart und 0 % für Docetaxel, mit einer HR von 0,69 (95 % KI, 0,42, 1,13) zugunsten von Gotistobart.
• Die bestƤtigte ORR betrug 20 % (95 % KI: 9,6, 34,6) für Gotistobart und 4,8 % (95 % KI: 0,6, 16,2) für Docetaxel.
• Die mediane DoR betrug 11 Monate für Gotistobart gegenüber 3,8 Monaten für Docetaxel.
• Weitere Wirksamkeitsdaten sind in der Tab. 3 aufgeführt.

Fazit

Die Gotistobart-Monotherapie bietet eine chemotherapiefreie Behandlung für Patienten mit sqNSCLC, bei denen eine Anti-PD-(L)1-Therapie nicht mehr wirkt. Laut den Studienautoren zeigt sie einen deutlichen Überlebensvorteil gegenüber Docetaxel und erfüllt einen wichtigen Bedarf an wirksamen Therapieoptionen. Die zulassungsrelevante Phase-2-Studie rekrutiert derzeit weltweit Patienten.

 

Zongertinib zeigte eine anhaltende systemische und intrakranielle Wirksamkeit

John Heymach, et al. 6MO Zongertinib in treatment-naĆÆve patients with HER2-mutant NSCLC, including those with active brain metastases: Beamion LUNG-1

Vorbemerkungen

Zongertinib ist laut den Studienautoren ein oral verabreichter, irreversibler TKI, der selektiv HER2 hemmt, wƤhrend der Wildtyp-EGFR verschont bleibt, wodurch die damit verbundenen ToxizitƤten minimiert werden.
Die Autoren berichten über die Wirksamkeit und Sicherheit von Zongertinib aus der Phase Ib der Beamion LUNG-1-Studie bei therapienaiven Patienten (Pts) mit HER2-mutiertem NSCLC (Kohorte 2) sowie bei Patienten mit aktiven Hirnmetastasen (Mets; Kohorte 4), einschließlich solcher ohne vorherige Hirnstrahlentherapie (RTx).

Studiendesign

• Patienten mit fortgeschrittenem/metastasiertem nicht-squamƶsem NSCLC mit einer HER2-Mutation innerhalb der TyrosinkinasedomƤne erhielten einmal tƤglich 120 mg Zongertinib.
• Die Patienten der Kohorte 2 waren therapienaiv; der primƤre Endpunkt war das objektive Ansprechen (bestes Gesamtansprechen als vollstƤndiges oder partielles Ansprechen; RECIST v1.1), und sekundƤre Endpunkte umfassten die Ansprechdauer (DoR) und das progressionsfreie Überleben (PFS).
• Die Patienten der Kohorte 4 waren therapienaiv oder zuvor behandelt und wiesen aktive (d. h. symptomatische) Hirnmetastasen auf; der primƤre Endpunkt war das objektive Ansprechen bei LƤsionen des Zentralnervensystems (ZNS) nach RANO-BM.

Behandlungsresultate

• Es erhielten 74 Patienten in Kohorte 2 120 mg Zongertinib.
• Die bestƤtigte objektive Ansprechrate (ORR) betrug 76 % (95 % KI: 65–84).
• Die mediane Ansprechdauer (DoR) betrug 15,2 Monate (95 % KI: 9,8–nicht auswertbar [NE]) und das progressionsfreie Überleben (PFS) 14,4 Monate (95 % KI: 11,1–NE).
• Die durch RANO-BM bestƤtigte intrakranielle ORR betrug 47 % (95 % KI: 30–64); die mediane intrakranielle DoR betrug 6,9 Monate (95 % KI: 2,9–NE) und das intrakranielle PFS betrug 8,2 Monate (95 % KI: 4,1–11,3).
• Bei 8 therapienaiven Patienten betrug die durch RANO-BM bestƤtigte intrakranielle ORR 50 % (4 Patienten; 95 % KI: 22–79).
• Bei 17 Patienten mit zentral bestƤtigter messbarer ZNS-Erkrankung und ohne vorherige Hirnbestrahlung betrug die durch RANO-BM bestƤtigte intrakranielle ORR 59 % (95 % KI: 36–78);
• die mediane intrakranielle DoR betrug 6,2 Monate (95 % KI: 2,7–NE).

VertrƤglichkeit

• TRAEs traten bei 91 % auf (Grad ≄ 3: 19 %); hauptsƤchlich leichtgradige Diarrhoe. In Kohorte 4 erhielten 30 Patienten 120 mg Zongertinib.

Fazit

Nach Angaben der Studienautoren zeigte Zongertinib sowohl im gesamten Kƶrper als auch im Gehirn eine anhaltende Wirksamkeit bei unbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem HER2-mutiertem NSCLC. Besonders beeindruckend ist die Wirkung bei Patienten mit aktiven Hirnmetastasen – einer Gruppe, die üblicherweise von Studien ausgeschlossen wird –, selbst wenn diese zuvor keine Bestrahlung des Gehirns erhalten hatten. Die meisten Nebenwirkungen durch die Behandlung waren mild.

 

Dr. med. Thomas Ferber

Vaccination against Covid-19 and Influenza in Ā­Switzerland: Perceptions and Attitudes

Introduction

Viral respiratory diseases inflict a significant burden on the health care system in Switzerland. In the 6 hospitals that participated in the CH-SUR hospital surveillance (now discontinued), 1652 people were hospitalized with influenza and 3484 people were hospitalized with COVID-19 in the 2023/24 season (1). In these 6 hospitals, there were 70 deaths with influenza and 246 with COVID-19. Almost 80 % of hospitalized people were above the age of 65 (1), underscoring why this age group is designated as ā€œhigh-risk populationā€ for COVID-19 and influenza by the Swiss Federal Office of Public Health (FOPH) and the Federal Commission for Vaccination (Eidgenƶssische Kommission für Impffragen, EKIF) (2, 3). Several hospitals in the canton of Vaud had to postpone elective surgical procedures during the winter of 2024/2025 (4). As vaccinations have shown to be a major preventive factor against hospitalizations and a severe course of the disease (5, 6), the FOPH and EKIF are currently recommending annual vaccinations against influenza, COVID-19 (both over the age of 65 years) and also respiratory syncytial virus (RSV, from the age of 75, or 60 years with specific comorbidities) since 2024. Despite the broad EKIF recommendations (3), widely available vaccines (7), and extensive public campaigns by the FOPH, vaccination rates are very low in Switzerland: While the target of the World Health Organization (WHO) is to vaccinate 75 % of the at-risk population, the estimated annual influenza vaccination rates in the at-risk population are only between 18–39 % in Switzerland and on average 45.7 % in the European Union (8–12). For COVID-19, vaccination rates in the at-risk population in Switzerland are estimated to be even lower, at a maximum of 18 % in 2023/24 and 12 % in 2024/25 (estimated vaccination rates based on data from the following source: (13)). Similarly, the median coverage in the EU in > 60-year-olds is at 14 % (14).

To better understand the reasons behind the low vaccination rates in the at-risk population in Switzerland, we conducted a survey following the 2023/24 season, investigating current perceptions and opinions from both health care professionals (HCPs) and the at-risk population (people from the age of 65 years) regarding annual vaccinations. The results aim to contribute to a better understanding of vaccination attitudes in both HCPs and the general population to develop better strategies to address existing knowledge gaps.

Methods

Study Design

This study was initiated, designed and funded by Moderna and was performed in adapted versions in several countries. Only the outcomes from participants in Switzerland are analyzed and presented here. The study included two parallel online surveys targeting 1) HCPs including general practitioners (GPs) and pharmacists, and 2) individuals aged ≄ 65 years (at-risk population, further referred to as patients) throughout Switzerland. The surveys were conducted in collaboration with the market research provider Dynata, an online digital collection company based in the United Kingdom, which has panels with active respondents around the world (consumer, B2B, patients, and HCPs) (15). Dynata utilized its proprietary online panels for participant recruitment and market-appropriate rates, and provided the equivalent of 25 GBP (Great Britain Pound) to GPs answering the survey and 40 GBP to pharmacists. For the general population (denoted as patients) the incentive for survey participation was 0.50–0.75 GBP, which respondents can collect as points for retailer vouchers. We present a descriptive analysis of selected survey questions and provide a list of all questions and answers in the supplementary.

HCP survey

The HCP survey was conducted between 8 November and 22 November 2024. Participants were required to be currently practicing as GP or pharmacist within Switzerland. Due to the inherent difficulty in recruiting licensed HCPs, no strict demographic quotas (e.g. age, gender, region) were applied. Demographic characteristics were collected to ensure broad representation.

HCP participants were recruited from Dynata’s existing verified medical panel. Panel members had previously been profiled according to their medical specialty (GPs or pharmacists), and only those relevant to the study topic were invited for the current survey. The medical panel was established using several recruitment channels, including the purchase of verified contact lists from local medical associations (with prior consent for third-party contact), referrals from existing panelists, as well as professional recruiter networks. All applicants underwent a rigorous verification process prior to inclusion in the panel. This process included submission of a valid medical registration ID, a government-issued form of identification, and contact information. Only after successful verification, individuals were admitted to the medical panel. Data on the HCPs’ preferred language, years in practice, and practice localization (canton) were gathered in the survey.

Patient survey

The parallel patient survey targeted individuals aged ≄ 65 years (at-risk population, as they are recommended annual vaccinations against influenza and COVID-19 at the time of the survey) residing in Switzerland and was conducted between 25 October and 11 November 2024. Enrollment in the patient panel occurred via self-registration through an online form, which was sent to selected people (≄ 65 years) from an already existing panel from Dynata. To verify the authenticity of the applicants, a series of internal validation surveys concerning their medical condition(s) was administered. Only verified individuals were included in the final patient panel, and their preferred language, gender, age, and number of annual doctor visits were inquired. In contrast to the HCP sample, it was more feasible to monitor quotas for gender and language. However, flexibility in age quotas was necessary, given the variability introduced by condition-specific prevalence within the target population.

Results

Characteristics of survey participants

In total, 130 HCPs including 50 GPs and 80 pharmacists, as well as 601 adults aged ≄ 65 (patients; at-risk population) filled in the survey (see Tab. 1 for characteristics). The majority of HCPs has been in practice since more than 11 years (71 %), and French speakers were slightly overrepresented in this survey with regards to the overall population in Switzerland (54 % German, 41 % French, 5 % Italian speakers; for detailed regional distribution see suppl. Tab. 1A). In the patient survey, men were overrepresented (65 %), and most patients were between 65–69 (37 %) and 70–74 (31 %) years old. No patient older than 89 years answered the survey. About 70 % of patients gave German as a preferred language (29 % French, and 1 % Italian), and the majority (73 %) consult an HCP a few times per year. More than half of the patients (54 %) indicated having at least one underlying health issue or comorbidity.

Perception of risk by patients

In our survey, 42 % of patients report actively taking precautions to decrease their risk of getting a respiratory infection in general (Tab. 2A). Active precaution was lowest in 65–69-year-old men (34 %), and highest in women above the age of 80 years (67 %, suppl. Tab. 1B). Those who were planning to receive a COVID-19 vaccination or who have had a COVID-19 infection in the past 12 months were more ready to actively take precautions (82 % of 121 patients and 60 % of 62 patients, see suppl. Tab. 1B). Only a minority of patients believe that COVID-19 poses a very high or high risk (6 %) to their health, and most patients (55 %) think that COVID-19 poses a low or even very low risk (Fig. 1A, Tab. 2A). The perception of risk was higher in patients planning to get a COVID-19 vaccine and in those with a COVID-19 infection in the previous 12 months.

Similar trends were visible regarding influenza: About 8 % of patients believe to be at high or very high risk, while the majority (51 %) think that influenza poses a low or very low risk to their health (Fig. 1A, Tab. 2A). However, among women above 80 years, 25 % perceive influenza as a high risk to their health. Also, risk perception is higher in those planning to get a COVID-19 vaccination or those with a recent COVID-19 infection (see suppl. Tab. 1B). As observed in the COVID-19 related-questions, the percentage of people perceiving the virus as a low or very low risk was higher in German speakers compared to French speakers (55 % vs. 41 %).

When asked about the burden of COVID-19 vs. influenza, 38 % of patients answered that they think that COVID-19 causes more cases of severe disease than the flu (Tab. 2A).

Knowledge about vaccination recommendation and vaccination readiness in patients

Even though all interviewed patients fall into the at-risk population and are recommended annual COVID-19 and influenza vaccinations by the Swiss authorities and other EU authorities with large public communications, almost two-thirds (62 %) of them are not aware that this is recommended for them: 25 % believe the annual COVID-19 vaccination is not recommended for them, while 37 % are unsure (Fig. 1B, Tab. 2B). Among those who had a COVID-19 infection in the previous 12 months, 60 % knew about the recommendation. Also, awareness of the COVID-19 vaccination recommendation seemed higher in French speakers compared to German speakers (45 % vs. 35 %; suppl. Tab. 1C). When asked whether they need to get a COVID-19 vaccine every year, 78 % of the ≄ 65-year-olds of this survey believed that this was not true (Tab. 2B).

Regarding the annual influenza vaccination, 57 % of the ≄ 65-year-old survey participants knew that it is recommended for them (Fig. 1B, Tab. 2B). Awareness among those with underlying health conditions (n=326) or a COVID-19 infection in the past 12 months was even higher (64 % and 77 %, suppl. Tab. 1C).

Overall, 41 % of patients had received a COVID-19, influenza or both vaccines in the preceding 12 months (21 % only Influenza; 5 % only COVID; 15 % both), while 59 % did not get any of the vaccines or were not sure if they did (see reported vaccination rates in Tab. 1). Even among those with underlying health conditions, 54 % had not received any vaccination against COVID-19 or influenza in the past 12 months or were not sure. Of all age and gender groups, the 65–69-year-old men (68 %) indicated the lowest vaccination rate (Suppl. Tab. 1A).

20 % of all patients were planning to get the COVID-19 vaccination during the 2024/25 season (Tab. 2B, Fig. 1C). The highest vaccination readiness was found in those aged 80+ (34 %), and the percentage of vaccination readiness was slightly higher in French compared to German speakers (25 % vs. 18 %, suppl. Tab. 1C). However, among those who indicated to have had COVID-19 in the previous 12 months, the readiness for vaccination doubled (40 %, suppl. Tab. 1C).

For influenza, the vaccination readiness was higher in the overall population (37 %) and reached 51 % in those aged 80+ years (Tab. 2B, suppl. Tab. 1C).

Main barriers and motivators for patients to get vaccinated

Among those who were not planning to get a COVID-19 vaccination in 2024/25, the most important reason was that they did not believe they needed another vaccination (31 %) followed by the belief that they already have a natural immunity against COVID-19 (21 %). Moreover, 15 % were worried about the safety of the updated COVID-19 vaccines, with women being more worried than men (Tab. 2C, suppl. Tab. 1D).

The most important motivational factor for patients to get the COVID-19 vaccination was a recommendation by an HCP or medical expert (36 %; Tab. 2C, suppl. Tab. 1D). Similarly, 39 % of patients reported the recommendation of an HCP or medical expert as a main motivator to get the annual influenza vaccination (Tab. 2C, suppl. Tab. 1D). Still, only 38 % of patients in our survey reported to have always or usually received a recommendation for an annual vaccination by an HCP (incl. COVID-19, influenza, and pneumonia) (Tab. 2C, suppl. Tab. 1D). This rate was higher in patients who reported underlying health issues (45 %) and increased with age, reaching 54 % in 80+ year-olds. Still, a third of all survey participants claimed to never have been recommended an annual vaccination.

HCPs knowledge, perception, and attitude towards COVID-19 and its vaccination

In the season preceding the survey (2023/24), the hospitalization burden with COVID-19 was around 2x higher than with influenza (1). Amongst HCPs, roughly a third were aware of this (34 %), whereas a majority thought that the annual COVID-19 disease burden was lower than for influenza (24 %) or that they were similar (42 %) (Tab. 2D).

Regarding COVID-19 vaccine effectiveness, 56 % of HCPs think that the vaccination is moderately effective and 39 % believe that it is very or extremely effective in preventing COVID-19 disease. Only 5 % of HCPs believe the vaccines are not effective at all (Tab. 2D, suppl. Tab. 1E).

Regarding vaccination barriers, HCPs mainly receive questions and concerns from the public due to worries about side effects and health risks (86 %). They rank the uncertainty about the efficacy as the second biggest concern of the public (56 %) followed by uncertainties about the need for a COVID-19 vaccination after previous infection (53 %) (Tab. 2D). However, HCPs seem to be aware that patients are not informed: a majority of HCPs (59 %) think that the public is only moderately aware of the importance of a COVID-19 vaccine, while 25 % believe that the public has a low or even very low awareness regarding the need for an annual COVID-19 vaccination. French speakers were more aware of the low or very low awareness in the public than German speaking HCPs (31 % vs. 21 %; Tab. 2D, suppl. Tab. 1E).

The most common concerns or questions that HCPs received from patients regarding COVID-19 vaccination were safety-related (86 % reported to receive these questions; Tab. 2D). Other main questions concerned the perceived efficacy (56 %) and the continued need (52 %).

Consistent with patients, HCPs ranked a medical expert’s recommendation as the highest motivator (22 % agreed) for a patient to get vaccinated. HCPs also found recommendations from the government or health ministry (15 %) and news that there is a resurgence of COVID-19 cases in their country (14 %) as important motivators (Tab. 2D).

Discussion

Current vaccination attitudes in the at-risk population and HCPs

At present and at the time of the survey, the Swiss authorities recommend a yearly vaccination against COVID-19 and influenza for people aged ≄ 65 years (3). However, more than half of the respondents believe that COVID-19 and influenza are a low or very low risk to their health, and almost two-thirds are not aware of this recommendation for them. The awareness of the recommendation was slightly better for influenza, with 43 % not being aware. This low awareness of the recommendations is reflected in the low number of people who have received a vaccine in the previous 12 months, and the low readiness to receive a COVID-19 or influenza vaccination in the upcoming season. Similarly low vaccination rates for influenza have been reported in other Swiss studies (8–10). Also, our survey suggests that there are differences in vaccination attitudes depending on age, gender, and region. French speakers were more aware of risks and more open to getting a COVID-19 vaccination than German speakers, even though German and French speakers report similar rates of received vaccination recommendations. Moreover, the awareness of the risks posed by an infection and the readiness to receive a vaccination both increased with age and/or female gender respectively.

Factors influencing vaccination attitudes in the at-risk population

The low awareness of disease risk and vaccination recommendations in the survey participants may be attributed to a lack of targeted and public communication. Indeed, HCPs reported concerns about the safety and efficacy of the vaccines as the most concerning barrier within the public, while patients themselves mostly reported that they just did not feel there was any need for an annual vaccination. While both patients and HCPs ranked the HCPs’ recommendation to get a vaccination as the most important motivator to get vaccinated, only 38 % of all survey participants (patients) reported to have been recommended the annual vaccines regularly. This may not be due to a perceived lack of effectiveness by HCPs, since most HCPs regard the COVID-19 vaccination as at least somewhat effective in preventing disease. Also, it can be hypothesized that the perceived effectiveness regarding the prevention of severe forms of the disease may have been even higher. Thus, infrequent primary care consultations may partly explain the observed low vaccination coverage, as the frequency of seeing a GP has previously been linked to a higher likelihood of getting the influenza vaccine (8). Since older patients might see the GP more often, they may develop a higher awareness regarding disease risk and recommended vaccinations.

HCPs listed safety concerns as the major question or concern they hear from patients (86 %). Surprisingly, amongst patients who do not plan to get vaccinated in the upcoming season, only 15 % reported safety concerns as a reason, whereas questioning the continued need for vaccination was listed much more often.

Limitations of the survey

First, selection bias is likely, as individuals who are more health-conscious or vaccine-accepting may be more inclined to participate in such a survey, which could lead to an overestimation of vaccine willingness. This bias would thus be conservative in nature. Against this background, vaccine-hesitant or critical attitudes may even be underestimated in the dataset and could be more pronounced in the general population. This may in part be reflected in the discrepancy between the readiness to receive a COVID-19 vaccination in 2024/25 (20 % in our survey) and our estimated true vaccination rate in that season (12 %) (13). Additionally, more men (65 %) than women answered the patient survey. Since women had different perceptions regarding the risk of infections, taking precautions, and the safety of the vaccine, this may slightly shift the overall outcome in favor of men’s attitudes.

Potential strategies to address risk perception and awareness of recommendations

According to our survey, informing the public on disease burden and vaccination recommendations should be a priority to close the apparent knowledge gap in the public and to relieve the burden on hospitals. Since vaccination rates are typically much higher in children than in adults (16), a similarly clear agenda might help adults to keep regular vaccination check-ups to prevent short term but also long-term disease and complications. Encouraging and funding systematic checking of the vaccination status in people at risk by HCPs and educating people on the burden of infectious diseases may be important in the implementation of such strategies. Additionally, the inclusion of vaccination as a preventive measure in school curricula may already raise awareness at an earlier age. Also, public mass campaigns by health authorities can be very effective (17). Some cantons have already set up campaigns (e.g. https://www.be-impft.ch/, https://www.sg-impft.ch/) and the FOPH has implemented an integrated respiratory disease campaign covering COVID-19, influenza, and RSV for the first time in the season of 2025/26 (3). The introduction of the exemption from the deductible for all recommended vaccines as well as time used for vaccination advice as of 2026 may further decrease existing barriers.

Conclusions

Our survey among people aged 65 years and older in Switzerland revealed low risk perception of viral respiratory diseases, and low awareness of vaccination recommendations. Recommendation by an HCP appears as a major driver of communicating vaccination recommendations to people at-risk (8). Thus, it may be advisable for GPs and pharmacists to adopt more proactive outreach strategies during the respiratory season, particularly targeting EKIF-defined risk groups (e.g., individuals aged ≄ 65 years), and to engage them in discussions regarding their vaccination status.

Philippe Eggimann 1, Thomas Steffen 2, Daphne McCarthy-Pontier 3, Thomas Rosemann 4

1 Medical Society of French-speaking Switzerland, Fribourg, Switzerland
2 Steffen Consulting GmbH, Basel, Switzerland
3 Medical Affairs, Moderna Switzerland GmbH, Basel, Switzerland
4 Institut für Hausarztmedizin, Universitätsspital Zürich, Switzerland

Abbreviations
COVID-19 coronavirus disease 2019
EKIF Federal Commission for Vaccinations (Eidgenössische Kommission für Impffragen)
FOPH Swiss Federal Office of Public Health
GP general practitioner
HCP health care professional
RSV respiratory syncytial virus
WHO World Health Organization

History
Manuscript received: 18.12.2025
Accepted after revision: 22.04.2026

Supplementary Materials online at
https://www.hausarztmedizin.uzh.ch/de/vaccination

Prof. Dr. Dr. med.Thomas Rosemann

Institut für Hausarztmedizin
Universitätsspital Zürich
Pestalozzistrasse 24
8091 Zürich

thomas.rosemann@usz.ch

The study was initiated, designed and funded by Moderna. Authors PE, TS and TR received financial compensation from Moderna Switzerland GmbH for the analysis of the data and manuscript preparation. DM is an employee and shareholder of Moderna. The content reflects the author’s independent analysis and interpretation. The manuscript was prepared by Iaculis GmbH in Zurich, Switzerland.

• Both patients and HCPs underestimate the burden of COVID-19 compared to influenza.
• Awareness of the annual COVID-19 and influenza vaccination recommendations among people aged ≄ 65 years is low.
• The fact that people aged ≄ 65 years do not think they need another vaccination appears as a key vaccination barrier.
• HCP recommendation is the strongest motivator for vaccination in people aged ≄ 65 years.

1. COVID-19 and Influenza Hospital Based Surveillance (CH-SUR). Bericht zum spitalbasierten Covid-19- und Grippe-Sentinel Überwachungssystem Woche 20/2024. Available at: https://www.bag.admin.ch/de/respiratorische-viren# %C3 %9Cberwachung-von-Covid-19-und-Grippe-in-Schweizer-Spit %C3 %A4lern-; last accessed August 2025.
2. Lorenz, N., et al., Decline of antibodies to major viral and bacterial respiratory pathogens during the COVID-19 pandemic. J Infect Dis, 2024.
3. Bundesamt für Gesundheit (BAG) & Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF). Schweizerischer Impfplan 2026. Available at: https://www.bag.admin.ch/de/schweizerischer-impfplan; last accessed April 2026.
4. Ɖtat de Vaud. Des opĆ©rations Ć©lectives sont reportĆ©es en raison d’une forte surcharge. PubliĆ© le 29 janvier 2025. https://www.vd.ch/actualites/communiques-de-presse-de-letat-de-vaud/detail/communique/des-operations-electives-sont-reportees-en-raison-dune-forte-surcharge; last accessed August 2025.
5. Baxter, R., G.T. Ray, and B.H. Fireman, Effect of influenza vaccination on hospitalizations in persons aged 50 years and older. Vaccine, 2010. 28(45): p. 7267-72.
6. Lin, D.Y., et al., Durability of XBB.1.5 Vaccines against Omicron Subvariants. N Engl J Med, 2024. 390(22): p. 2124-2127.
7. Current product information available at www.swissmedicinfo.ch.
8. Plate, A., et al., Influenza vaccination uptake among at-risk patients in Switzerland-The potential of national claims data for surveillance. Influenza Other Respir Viruses, 2023. 17(10): p. e13206.
9. Plate, A., et al., Influenza vaccination patterns among at-risk patients during the Covid-19 pandemic-a retrospective cross-sectional study based on claims data. Infection, 2024. 52(4): p. 1287-1295.
10. Bundesamt für Gesundheit (BAG). Saisonale Grippe und Grippeimpfung 2023/2024. BAG Bulletin 41 2023. Available at: https://www.infovac.ch/docs/public/influenza/saisonale-grippe-und-grippeimpfung-2023-2024-.pdf; last accessed August 2025.
11. World Health Organization (WHO). Managing seasonal vaccination policies and coverage in the European Region. Available at: https://www.who.int/europe/activities/managing-seasonal-vaccination-policies-and-coverage-in-the-european-region?utm_source=chatgpt.com; last accessed August 2025.
12. European Center for Disease Control and Prevention (ECDC), Survey report on national seasonal influenza vaccination recommendations and coverage rates in EU/EEA countries. Available at: https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/survey-report-national-seasonal-influenza-vaccination-recommendations; last accessed August 2025. 2024.
13. IQVIA MIDASĀ® Monthly sales volume data for Switzerland; Data period: September 2024 to December 2024; Market definition: International products COMIRNATY and SPIKEVAX, each as estimates of real market activity. Copyright IQVIA. All rights reserved.
14. European Center for Disease Control and Prevention (ECDC), COVID-19 vaccination coverage in the EU/EEA during the 2023–24 season campaigns, 1 September 2023 – 31 July 2024; Available at: https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/covid-19-vaccination-coverage-eueea-during-2023-24-season-campaigns-1-september; last accessed August 2025. 2024.
15. Dynata, https://www.dynata.com/; last accessed August 2025.
16. Federal Office of Public Health (FOPH). BAG Bulletin 13/24. Available at: https://www.bag.admin.ch/de/bag-bulletin; last accessed August 2025.
17. DubƩ, E., D. Gagnon, and N.E. MacDonald, Strategies intended to address vaccine hesitancy: Review of published reviews. Vaccine, 2015. 33(34): p. 4191-203.

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