Cholesterin Senkung im Alter – wohin und mit welcher Evidenz?

Auf Grund eines ausgezeichneten Vortrages anlƤsslich der Frühjahrstagung 2022 der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie von Prof. Dr. U. Laufs vom UniversitƤtsklinikum Leipzig kann folgende Aussage zu diesem in der Praxis sehr relevantem Thema gemacht werden: Eine effektive LDL-Senkung <<1,4 mmol/l hat deutliche positive Auswirkungen auf die GefƤss-Plaques, insbesondere in den Koronarien. Nach einer aktuellen Arbeit im JAMA bei Infarktpatienten von L. RƤber et al. aus Bern nimmt bei einem LDL von 0,6mmol/l das Atherom-Volumen und der Lipidkern deutlich ab und die Dicke der fibrƶsen Kappe signifikant zu. Dies führt zu einer Hemmung der Atherogenese und zu einer signifikanten Plaques Stabilisierung. Der absolute klinische Benefit hƤngt vom individuellen kardio-vaskulƤren Risiko ab. Dieses ist ja im Alter deutlich erhƶht. So konnte in der CTT-Meta-Analyse in 28 Studien unabhƤngig vom Alter pro 1mmol/l LDL-Senkung das Risiko für kardiovaskulƤre Events (Infarkte) um 24%/Jahr gesenkt werden. Dieses Ergebnis wurde auch in einer grossen Metaanalyse mit 21’492 Patienten >75 Jahre bestƤtigt; es bestand kein Unterschied im Vergleich zu jüngeren Patienten. Auch in einer Ā«PrimƤr-PrƤventionĀ» bei Patienten ohne bekannte kardiovaskulƤre Erkrankungen im mittleren Alter von 81 Jahren zeigte sich in einer retrospektiven Kohorten Untersuchung eine deutliche Senkung der Gesamt- und der kardio-vaskulƤren MortalitƤt.

Der Unterbruch einer Statintherapie war bei 75-jährigen atherosklerotischen Patienten mit einer Risikoerhöhung von 33% behaftet. Somit zeigt sich, dass mit einer Statintherapie auch im hohen Alter akute kardiovaskuläre Ereignisse, insbesondere Myokardinfarkte, deutlich reduziert werden können. Es bleibt eine ärztliche individuelle Abwägung bei der Verschreibung von Statinen im Alter. Nicht jeder alte Patient/Patientin bedarf einer diesbezüglichen Behandlung resp. Prävention. Bei fitten, biologisch jüngeren Patienten ist eine solche Therapie aber nach einer individuellen Abwägung auch im hohen Alter gerechtfertigt.

Durch eine unabhƤngig vom Alter favorisierte KombinationsĀ­therapie mit einem potenten langwirkendem Statin (Rosuva-, Atorvastatin) und Ezetimib kommt es zu einer 65%-igen LDL-Senkung. Dabei bewƤhrt sich wegen der AdhƤrenz wie in der HypertonieĀ­behandlung eine Kombinationstablette. Eine weitere Mƶglichkeit ist bei einer StatinunvertrƤglichkeit die alleinige Einnahme der BempedoinsƤure zusammen mit Ezetimib – LDL -45%. Alle drei PrƤparate zusammen bewirken eine LDL Senkung von 70%. Durch die Kombination Statin u. Ezetimib u. einem PCSK9-Hemmer kann das LDL nach Katzmann und Laufs um 85% gesenkt werden. Die LDL-Zielwerte richten sich nach dem individuellen Risiko und den klaren Angaben in den ESC Guidelines. Ā«The lower, the better.Ā»

Natürlich sollten auch die restlichen kardiovaskulären Risikofaktoren beachtet und mit den gleichen Abwägungen gut behandelt werden. Betreffend Hypertonie im Alter bewährt sich gemäss ESC ein Home BD-Monitoring mit einem BD-Ziel bei guter Verträglichkeit von 130-139/70-79 mmHg. Davon können nach einer Substudie von SPRINT auch «frailty patients» profitieren (HR 0,68).

 

Dr. med. Urs Dürst, Forch
u.n.duerst@ggaweb.ch

Dr. med. Urs N. Dürst

Zelglistrasse 17
8127 Forch

u.n.duerst@ggaweb.ch

SpƤtdumping nach Bariatrischem Eingriff

Das SpƤtdumping ist eine hƤufige Komplikation im Langzeitverlauf nach Magenoperationen, speziell nach bariatrischem Eingriff wie beim Roux-Y-Bypass oder bei der Sleeve-Gastrektomie. Die (neuroglykƤmischen) SympĀ­tome fallen unterschiedlich aus und kƶnnen missinterpretiert werden. Die Diagnostik dazu ist entscheidend. Die Therapie basiert heute auf diƤtetischen Massnahmen, der Pharmakotherapie und in seltenen FƤllen der chirurgischen oder endoskopischen Reintervention. Trotz dem multimodalen therapeutischen Ansatz stellt die SpƤtdumpingproblematik in der haus – oder spezialƤrztlichen Praxis eine
Herausforderung dar.

Dumping syndrome is a common and frequent complication after gastric surgery, especially after bariatric surgery as Roux-Y-Gastric Bypass or Sleeve-Resection. The (neuroglycemic) symptoms in dumping are multiple and so different and should be suspected so physician awareness is important. Diagnostic tests afford time and may be repeated. Treatment should be primary a diet approach, followed by medication therapy and when this option fails then surgical reintervention can be considered. In spite of different therapeutical options dumping syndrome remains a challenging problem in the follow up after bariatric procedures.

Key Words: Bariatrische Chirurgie, Proximaler Magenbypass, Dumpings Syndrom, postprandiale HypoglykƤmie, Neuroglykopenie, Somatostatine,
GLP-1 Analoga, Magenbanding

Fallvignette

Anlässlich der 2-Jahres-Kontrolle an unserem Adipositaszentrum nach Magenbypassanlage bei III-Adipositas (BMI präoperativ von 46 kg/m2, aktueller BMI 28 kg/m2), klagt eine 34-jährige Patientin, Nichtdiabetikerin, seit etwas mehr als einem halben Jahr über Übelkeit, Zittern, Schwitzen und «schwache» Beine. Dies tritt typischerweise wie sie angibt etwa 2 Stunden postprandial auf,
ca. 1 mal die Woche, und unabhƤngig was sie einnimmt. Sie isst dabei recht schnell, hat beruflichen Stress und wenig Zeit über Mittag. Sie muss sich oft nach dem Essen ein paar Minuten hinlegen. Sie nimmt dann unterwegs Traubenzucker oder KnƤckers mit und kann so die Situation bei der Arbeit im Verkauf besser überbrücken. Gelegentlich muss sie wegen Erschƶpfung nach Hause und macht sich berechtigterweise auch Sorgen um ihre Arbeitsstelle. Zudem stellt sie wieder eine Gewichtszunahme von 8 kg fest was sie irritiert. Die repetitiven Bestimmungen des Blutzuckers zeigen teils normale Werte, teils Werte aber unter 3.5 mmol/l. Ein halbes Jahr postinterventionell als sie damals wieder Ā«normalĀ» essen konnte gab sie klassische Frühdumpingprobleme mit Übelkeit und Schwindel und hypotonen Blutdruckwerten an, die aber unter Anleitung unserer ErnƤhrungsberatung und erfolgreicher Ƅnderung des Ess- und Trinkverhaltens deutlich besserten. Mit der Diagnose eines sog. SpƤtdumpings wird sie nun wiederum engmaschig durch unsere ErnƤhrungsberatung betreut und die Kohlenhydratzufuhr optimiert. Flüssige KH-Zufuhr wie SüssgetrƤnke, Red Bull oder alkoholische GetrƤnke werden verneint, eher schon Süssspeisen und Snacks. Bei geringer Wirkung dieser Massnahmen erfolgt eine medikamentƶse Unterstützung, doch wegen fehlender Medikamenten Compliance haben wir uns schliesslich entschieden, laparoskopisch ein Minimizer-Band im Bereich der Anastomose zu implantieren. In der Zwischenzeit, 6 Monate postoperativ, haben die Beschwerden deutlich gebessert, treten auch nicht mehr regelmƤssig auf und ihr Gewicht konnte sie ebenso stabilisieren. Der Langzeitverlauf auch nach operativer Korrektur bleibt aber abzuwarten.

Einleitung

Trotz den auf dem Markt angepriesenen GLP1-Analoga ist die bariatrische Chirurgie heute noch immer die wirksamste Therapie für eine nachhaltige Reduktion des Gewichtes bei morbider Adipositas. Wie eine grosse noch nicht publizierte retrospektive Kohortenstudie mit über 25’000 analysierten Patienten aus einem nationalen Register (BAG) vom Zeitraum 2012 -2018 zeigt, wird in der Schweiz zu fast 80 % als Eingriffsmethode der proximale Magenbypass (PMB) favorisiert, zu knapp 20 % noch die Magen-Sleeve-Resektion (1).
Mit der weltweiten Zunahme bariatrischer Eingriffe beobachten wir analog zur medikamentƶsen Therapie auch bedeutende Nebenwirkungen und Komplikationen sowohl im Früh- wie im Langzeitverlauf. Ein relevantes Problem ist die postprandiale HypoglykƤmie mit unterschiedlichen Symptomen was allgemein als Dumping Syndrom (DS) bezeichnet wird (2). Wir kennen aber auch postprandiale HypoglykƤmien bei Bypasspatienten die symptomfrei bleiben wie auch bei Nichtoperierten (Abb. 1). Wir unterscheiden dabei zwei Arten von Dumping, ein Früh- und ein SpƤtdumping. Wegen der Magenverkleinerung und dem direkten Anschluss des proximalen Jejunums mit u.a. Ausschluss der duodenalen Passage kommt es zur raschen Entleerung relevanter Nahrungsportionen v.a. Kohlenhydrate in den Dünndarm. Beim Frühdumping kommt es dadurch 30-60 Minuten nach dem Essen zu einem Shift von FlüssigkeitsĀ­volumen in das Darmlumen sowie dem Auslƶsen gastrointestinaler Hormone was zu lƤstigen vasomotorischen und gastro-intestinalen Symptomen führt. Das SpƤtdumping erfolgt dagegen 2-3 Stunden spƤter postprandial, vorwiegend nach Einnahme niedrigwertiger Kohlenhydrate und folgender meist inkretingesteuerter HypoglykƤmie. In der Literatur ist der Begriff SpƤtdumping oft ungleich definiert, aber man ist sich einig, dass es den gleichen pathophysiologischen Hintergrund hat wie das Nichtinsulinoma Pankreatogene HypoglykƤmische Syndrom (NIPHS) und die Neisidioblastose. Als pathologischer Wert wird ein BZ von<2.8mol/l definiert.
Früh- wie SpƤtdumping kann nach allen Formen einer Ɩsophagus- oder Magenresektion auftreten, speziell nach totaler Ɩsophagektomie und nach Roux-Y-Magenbypass. Wegen der hohen Anzahl operierter Adipositaspatienten nimmt der PMB mit seinen Komplikationen eine grosse Bedeutung in der hausƤrztlichen und AdipositasĀ­sprechstunde ein, zumal oft fehl- oder unterdiagnostiziert, werden die Folgen davon trotz hohem Leidensdruck gelegentlich unterschƤtzt.
Diese Übersichtsarbeit zeigt die Problematik auf unter Analyse der aktuellen Datenlage aber auch aus der eigenen Erfahrung heraus nach über 25 Jahren bariatrischer Chirurgie.

Ursache

GemƤss neuester Literatur sind diese Insulin/Inkretin-Dysregulationen oft multifaktoriell und nicht eindeutig pathophysiologisch geklƤrt. Unklar auch weshalb die HypoglykƤmie nach MagenĀ­bypass meistens mehr als ein Jahr postoperativ auftreten kann. Man schƤtzt die HƤufigkeit bei 10-15 % oder mehr, zumal die Dunkelziffer hƶher liegt (3). Nur knapp 0,34 % der operierten Bypasspatienten in der Schweiz müssen gemƤss der zitierten Kohortenstudie aus dem KS Aarau deswegen hospitalisiert werden (1).
Die HypoglykƤmie ist meist charakterisiert durch eine unproportionale Insulinantwort nach Nahrungsaufnahme bei Magenoperierten, eine Art InsulinübersensitivitƤt v.a nach starker Gewichtsreduktion sowie eine Inselzelldysfunktion nach Bypassanlage. Durch die Passage der Nahrung direkt vom Magenpouch in den proximalen Dünndarm unter Umgehung des Duodenums (Abb. 2) bewirkt der Bypass einen starken glykƤmischen Effekt mit der Folge überschiessender Inkretin-Sekretion, z.B. bis 10-fach erhƶhter GLP-Sekretion. Zudem scheint, dass nach Bypassanlage die B-Zell-Suppression trotz HyperinsulinƤmie reduziert ist (4).

Diagnostik

Eine akkurate Anamnese ist essentiell zumal differentialdiagnostisch immer auch andere Formen der HypoglykƤmie in Frage kommen. Wie war die Mahlzeit vor Auftreten der Symptome, wie schnell wurde gegessen, was dabei getrunken? In welchem zeitlichen Abstand zur Mahlzeit traten die Symptome auf? Welche Medikamente werden regelmƤssig eingenommen?
Aber: viele Patienten nach Magenbypass klagen über Herzklopfen, Schwächegefühl, Schwindel. Dabei kann es sich wohl um Dumping-Symptome handeln allerdings ohne nachweisbare Hypoglykämie.
Treten die Beschwerden bei schwerer körperlicher Tätigkeit auf, in nüchternem Zustand (Fastentest!) oder nachts muss zwingend nach anderen Ursachen der Hypoglykämie gesucht werden, z.B. Nichtinselzelltumore, Insulinome, eine schwere Malnutrition etc.
Die Whipple-Kriterien für ein DS (Neuroglykopenische Symptome, messbarer tiefer BZ, Symptombesserung nach Kohlenhydrateinnahme) sind von zentraler Bedeutung (5). Die Symptome können mild oder eben sehr schwer sein und sind daher gefährlich: Kopfweh, Schwitzen, Schwäche, Verwirrung, Palpitationen, Sprachstörungen, Angstzustände, Tremor bis zum Bewusstseinsverlust.
Ein kontinuierliches Glukose-Monitoring kann hilfreich sein, wird aber bei uns nicht routinemässig und nur bei komplexen Fällen durchgeführt. Es gibt auch Fehlwerte, z.B. nachts, wenn der Patient auf dem Sensor liegt. Eine kapilläre BZ-Messung zum Zeitpunkt des Symptombeginns und entsprechend instruierten Patienten genügt in den meisten Fällen.
Ein verlängerter Mahlzeitentest mit Bestimmung von Glucose, Insulin und C-Peptid kann hilfreich sein; in speziellen Fällen bestimmen wir auch das Proinsulin, das GLP-1 und das Glucagon. Ein oraler Glukosebelastungstest ist problematisch bei Magenoperierten und sollte wegen den zu erwartenden schweren Nebenwirkungen nicht mehr durchgeführt werden.

Therapie

Als erste Massnahme nach Diagnose einer postprandialen HypoglykƤmie bedarf es einer exakten Ess- und Trinkanalyse durch den Hausarzt oder die ErnƤhrungsberaterinnen des Adipositaszentrums. Mittels Esstagebuch soll Portionengrƶsse, Nahrungszusammensetzung und Art und Zeitpunkt der aufgetretenen hypoglykƤmischen Symptome erfasst werden. Als DiƤtempfehlung macht dabei ein Verzicht auf Kohlenhydrate wenig Sinn. Vielmehr sollen einfache KH durch komplexe, hochwertige oder Fructose ersetzt werden; diese in kleineren Portionen eingenommen und am besten in Kombination mit Proteinen und essentiellem Fett (6).
Langsames und gutes Kauen der Nahrung, Trinken und Essen dabei strikt trennen gehƶrt ebenso zu den Eckpfeilern der Essumstellung. Eine engmaschige Begleitung durch die ErnƤhrungsberatung in dieser Phase ist selbstverstƤndlich. Zeitgleich muss auch die Supplementation der Vitamine und anderer NƤhrstoffe monitorisiert werden, um eine Mikro- oder Makromalnutrition auszuschliessen.
Koffein und Alkohol sollte wenn mƶglich vermieden werden da es den hepatisch induzierten Glukoseabbau hemmen kann.
Wichtig ist der Einbezug von Angehƶrigen und Arbeitskollegen/Arbeitsgeber, damit alle die Alarmsymptome kennen um mƶglichst vor Eintreten gefƤhrdender Symptome und Folgen entsprechend prƤventive Massnahmen zu ergreifen, z.B. Fahrverbot als Lastwagenchaffeur.
Eine weitere Behandlungsmƶglichkeit parallel zur DiƤtumstellung ergibt sich durch Medikamente. Acarbose, durch Hemmung der intestinalen Alpha-Glucosidase, bewirkt eine verlangsamte Resorption der Glucose. Um Nebenwirkungen wie abdominale KrƤmpfe und Gasretention so niedrig wie mƶglich zu halten soll dieses eintitriert werden, beginnend z.B. mit einer Dosierung von 25 mg p.os. Somatostatinanaloga wie Octreotid, subcutan verabreicht, hemmen die Insulin- und GLP1-Sekretion. Die initiale Dosis betrƤgt hier etwa 50 Microgramm s.c. vor dem Essen (7), spƤter Steigerung bis 100 Microgramm gefolgt von einem Langzeitsomatostatin i.m. verabreicht. Nebst den hohen Kosten haben Somatostatine als Nebenwirkung Durchfall, QT-IntervallverlƤngerung und Risiko einer Cholecystolithiasis.
Neuerdings werden vermehrt auch GLP1-Agonisten eingesetzt, meist Liraglutide, dies wurde bereits in einer Studie von 2013 empfohlen, evidenzbasierte Daten sind aber noch Inhalt laufender Studien (8).
Chirurgische Eingriffe gelten auch heute als letzte Option bei refraktärer medikamentöser Therapie oder bei Malcompliance. Bezüglich Rückwandlungen des Bypasses in die ursprüngliche Form zurück sind Einzelfälle beschrieben ebenso wie das aggressivere Vorgehen der distalen, sog. Linkspankreatektomie zur vermeintlichen Kontrolle der Hyperinsulinämie. Wegen der hohen Komplikationsrate wie auch der Rezidivrate (trotz ausgedehnter Parenchymresektion) können solche Eingriffe nicht empfohlen werden.
In unserem Adipositaszentrum favorisieren wir dagegen seit 7 Jahren eine sog. Magenoutletrestriktion, d.h. der Übergang vom kleinen Magenpouch in den Dünndarm wird durch ein laparoskopisch platziertes einfaches Magenband (Abb. 3) vorsichtig eingeengt (9). Im Gegensatz zur transoralen endoskopischen Anastomosenraffung mit der Gefahr der erneuten Dilatation bleibt das Band stabil an Weite. SƤmtliche Verfahren ob endoskopisch oder laparoskopisch haben aber ihre Risiken wie Magenperforation, zu enge Naht mit Dysphagie, Refluxbeschwerden, Magenbandmigration und das Dumpingrezidiv.

Dr. med. Alessandro Wildisen

Chefarzt Viszeralchirurgie LUKS Sursee
Co-Leiter Adipositaszentrum Zentralschweiz Standort Sursee
Spitalstrasse 38
6210 Sursee

Der Autor hat keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

ā—† Nach proximalem Magenbypass kann auch Jahre nach der Operation durch eine überschiessende Insulin/Inkretin-Sekretion als Reaktion auf die hohe Glucosezufuhr im proximalen Darm eine schwere HypoglyĀ­kƤmie resultieren mit neuroglykƤmischen Symptomen und so Kompromittierung der LebensqualitƤt trotz zufriedenstellender GewichtsĀ­Ā­abnahme. Diese Symptome müssen ernst genommen werden, benƶtigen eine umfƤngliche AbklƤrung und Therapie. Letztere besteht aus drei SƤulen: ErnƤhrungsberatung mit Ƅnderung der Essgewohnheit, Vorstellung am Adipositaszentrum/Endokrinologen und Evaluation einer medikamentƶsen Therapie, bei Persistenz der Symptome ErwƤgung einer restriktiven Chirurgie mit Anastomoseneinengung (gastric outlet restriction).

 

Literatur:
1. Wildisen A., Schütz P., Rate of cardiovascular events and safety outcomes seven years following gastric bypass versus sleeve gastrectomy, Division of Endocrinology, Diabetes and Metabolism; University Department of Med-icine, Kantons­spital Aarau, Aarau, Switzerland, publication in evaluation
3. Malik S.Recognition and Management of hyperinsulinemic hypoglycemia after bariatric surgery.Obes Res Clin Pract 2016;10(1):1-14
2. Banerjee A. The role of dumping syndrome in weight loss after gastric bypass surgery.Surg Endosc 2013;27:1573-1578
4. Dirkson C. No islet cell hyperfunction but altered gut-islet regulationand postĀ­prandial hypoglycemia in glucose tolerant patients 3 years after gastric Bypass surgery. Obes Surg 2016;26(9):2263-2267
5. Salehi M. Hypoglycemia after Gastric Bypass Surgery Current Concepts and Controversies. J Clin Endocrinol Metab 2018; 103(8):2815-2826

6. Stano S. Effect of mealsize and texture on gastric pouchemptying and
glucagonlike peptide 1 after gastric bypass surgery. Surg Obes Relat Dis
2017 ;13(12):1975-1983
7. Myint KS.Prolonged successful therapy for hyperinsulinaemic hypoglycemia
after gastric bypass: the pathophysiological role of GLP-+ and its response to
a somatostatine analogue. Eur J Endocrinol. 2012; 166(5):951-955
8. Abrahamsson N. GLP-1-analogs as treatment of postprandial hypoglycemia
following gastric bypass surgery: a potential new indication?. Eur J Endocrinol 2013; 169(6):885-889
9. Z’graggen K. Severe recurrent hypoglycemia after gastric bypass surgery 2008;18(8):981-988

GLP-1 Analoga für die Therapie der Adipositas

Übergewicht und Adipositas stellen eine der grƶssten globalen Herausforderungen für das Gesundheitssystem unserer Zeit dar (1-4). GemƤss den neuesten Zahlen des WHO European Regional Obesity Reports 2022 sind bereits jetzt fast 60% aller Erwachsenen und 1/3 aller Kinder in Europa von Übergewicht oder Adipositas betroffen (5) – und die Zahlen in Europa und weltweit sind weiter steigend. Adipositas ist ein Hauptrisikofaktor für zahlreiche Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ2 und verschiedenste Krebserkrankungen und ist mit einer erhƶhten Sterblichkeit assoziiert (6, 7). Für eine erfolgreiche Behandlung ist es wichtig, zu verstehen, dass es sich bei Adipositas um eine Erkrankung handelt und dass Menschen mit Adipositas eine spezifische, massgeschneiderte Therapie benƶtigen.

Obesity, represents a global socioeconomic health burden with epidemic dimensions worldwide (1-4). According to the WHO European Regional Obesity Reports 2022, already now 60% or adults and 1/3 of all children are affected in Europe (5) – and the numbers keep increasing in Europe and worldwide. Obesity is a major risk factor for multiple comorbidities such as type 2 diabetes, cardiovascular disease and cancer and is associated with an increased overall mortality (6, 7). To successfully fight this epidemic now and in the future, it is important to understand that obesity is a disease and that people with obesity need a specific, tailored treatment.

Key Words: obesity, GLP-1 analogues, stigmatization, tailored treatment

Dramatischerweise ist noch immer der Irrglaube weit verbreitet, dass Übergewicht und Adipositas eine Folge unzureichender WillensĀ­anstrengung seien und dass sich betroffene Menschen Ā«einfach mehr anstrengen, weniger Essen und mehr bewegen solltenĀ». Dies hat zur Folge, dass Menschen mit Adipositas nicht nur im gesellschaftlichen Rahmen sondern auch und gerade im Gesundheitssektor eine massive Stigmatisierung erfahren, die, zunƤchst externer Natur, über die Zeit internalisiert wird. So machen sich Menschen mit Adipositas sehr hƤufig grosse Selbstvorwürfe in Hinblick auf die eigene Gewichtsentwicklung und werten sich selbst ab. Dies kann in eine gefƤhrliche Spirale münden, die sowohl Folge als auch Ursache der Adipositas ist und wodurch emotionales Essverhalten, Essen als Coping-Strategie und eine Vermeidung der Exposition durch kƶrperliche AktivitƤt gefƶrdert werden aufgrund einer Zunahme von psychologischen Stressfaktoren (Abb. 1).

Abb. 1: Stigmatisierung von Menschen mit Adipositas (gemƤss 8-11)

Gerade die Stigmatisierung im Gesundheitssektor und durch behandelnde Ƅrzte, welche in einer grossen multinationalen, multiĀ­zentrischen Studie von fast 70% der Befragten mindestens einmalig erlebt wurde (12), kann schwerwiegende Folgen haben wie eine vollstƤndige Abwendung vom Gesundheitssystem, Substanzmissbrauch und eine erhƶhte SuizidalitƤt (12-14).

Diagnose und Pathogenese

Übergewicht und Adipositas werden weithin gemƤss dem sogenannten Body Mass Index (BMI, kg/m2) klassifiziert, wobei es sich hierbei nur um eine sehr grobe Einteilung handelt, welche durch die zusƤtzliche Anwendung des Ā«Edmonton obesity staging systemsĀ», das den Folgeerkrankungen der Adipositas Rechnung trƤgt, sinnvoll ergƤnzt wird (Abb. 2).
Bei Adipositas handelt es sich um eine multifaktorielle Erkrankung, bei der (epi)genetische, (neuro)biologische und äussere Faktoren, sogenannte «Lifestyle»-Faktoren, eine Rolle spielen. Eine entscheidende Rolle kommt hierbei den veränderten neurobiologischen Prozessen zu, da das Gehirn in weitestgehend autonomer Weise vorgibt, was, wann und wie wir essen und wie unsere Stoffwechsel­prozesse ablaufen. Diese Prozesse sind analog zu vielen anderen Prozessen im menschlichen Körper nur sehr marginal willentlich beeinflussbar. D.h., der Patient mit Adipositas ist nicht übergewichtig, weil er zu viel isst, er isst zu viel, weil er an Adipositas erkrankt ist!

Abb. 2: Body mass index und Edmonton obesity staging system (gemƤss 15, 16)

Adipositas-Therapie mit GLP-1 Analoga

Noch immer sind eine angepasste, ausgewogene ErnƤhrung und ein Ausbau der kƶrperlichen AktivitƤt Grundpfeiler der Adipositas-Therapie. Aber: Adipositas muss vor allem dort behandelt werden, wo sie entsteht, und zwar auf neurobiologischer Ebene. Mit den GLP-1 Analoga haben wir erstmals in der Geschichte der
Adipositas-Therapie Medikamente zur Verfügung, mit denen wir Adipositas gezielt therapieren kƶnnen bei guter VertrƤglichkeit und akzeptablem Nebenwirkungsprofil. GLP-1 Analoga bewirken auf Ebene des Gehirns eine VerstƤrkung des SƤttigungsgefühls und eine Verringerung des Hungergefühls, so dass es zu einer Reduktion der Nahrungsaufnahme kommt. In Studien konnte eine mittlere Abnahme des Kƶrpergewichts um 10% vom Ausgangsgewicht gezeigt werden (17, 18). Die individuellen Effekte kƶnnen aber stƤrker und schwƤcher ausfallen.
Patienten unter Therapie mit GLP-1 Analoga berichten vor allem, dass sie schneller satt sind, nur noch kleinere Portionen essen möchten bzw. können. Viele Patienten berichten, insgesamt eine grosse Entspannung zu erleben, weil sie nicht mehr so viel Energie darauf verwenden müssen «um das Essen herumzukommen». Neben der Gewichtsreduktion hat die Therapie mit GLP-1 Analoga andere positive Wirkungen auf Stoffwechselprozesse z.B. auf Ebene der Leber und positive Effekte auf das Herz­kreislaufsystem.
In der Schweiz ist das GLP-1 Analogon Liraglutid (Saxenda®) für die Therapie von Adipositas zugelassen. Die Kosten für eine Therapie mit dem GLP-1 Analogon Liraglutid (Saxenda®) werden in der Schweiz seit dem 01.04.2020 unter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse übernommen. Wichtig zu wissen ist, dass dieses Medikament ausschliesslich durch Fachärzte FMH Endokrinologie/Diabetologie oder Adipositas-Spezialisten
(gemäss Liste BAG) verordnet werden darf. D.h., Patienten müssen den jeweiligen Spezialisten für eine Therapie zugewiesen werden.
Voraussetzungen für eine Kostenübernahme für die Behandlung mit dem GLP-1 Analogon Saxenda® (Liraglutid) sind:

  • BMI ≄ 28kg/m2 mit Gewichts-bedingten Begleiterkrankungen (PrƤdiabetes, Diabetes mellitus Typ 2, DyslipidƤmie, Arterielle Hypertonie ODER BMI ≄ 35kg/m2 (unabhƤngig von Begleiterkrankungen)
  • Dokumentierte Einhaltung einer 500kcal/d Defizit-DiƤt.
  • Belegte Steigerung der kƶrperlichen AktivitƤt, z.B. durch SchrittzƤhler.
  • Erfolgskontrolle und Entscheid bezüglich weiterer Übernahme der Kosten nach 4 Monaten und nachfolgend jeweils alle
    6 Monate
  • Kostenübernahme für maximal 3 Jahre

Liraglutid (Saxenda®) muss täglich durch den Patienten subkutan appliziert werden. Die Injektion ist einfach und erfolgt mittels eines Pens. Dennoch ist es wichtig, den Patienten hinsichtlich der richtigen Injektionstechnik gut zu instruieren. Ebenso wichtig ist es, mit einer niedrigen Dosis (0.6mg/Tag) zu beginnen und die Dosis nur langsam, in wöchentlichen Abständen bis zu einer Maximaldosis von 3mg/Tag zu steigern, um dem Körper die Möglichkeit zu geben, sich langsam an das Präparat zu gewöhnen. So können mögliche Nebenwirkungen wie Übelkeit und sehr selten Erbrechen minimiert oder ganz vermieden werden. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Diarrhö oder Obstipation. Ebenso wie das Therapie­ansprechen ist auch das Auftreten von Nebenwirkungen von Patient zu Patient sehr verschieden.
Neben der Therapie mit GLP-1 Analoga stellt die bariatrische Chirurgie für ausgewählte Patienten eine sehr effektive und sichere Methode dar, das Gewicht zu senken und Adipositas-assoziierte Begleiterkrankungen zu behandeln oder vollständig zu heilen.
Egal bei welcher Therapieform gilt: der Patient muss im Zentrum der Behandlung stehen und für jeden Patienten muss ein individuelles, massgeschneidertes Vorgehen gefunden werden. Für eine erfolgreiche Adipositas-Therapie gilt viel mehr «state oft the heart» als «state oft the art»: der Patient muss spüren, dass er an einem Ort ist, an dem er mit seinen individuellen Bedürfnissen und Wünschen gesehen und mit seiner Lebenswirklichkeit wahrgenommen wird.

Abb. 3: Empfehlung zur AbklƤrung und Therapie von Patienten mit Adipositas
Prof. Dr. med. Katharina Timper

Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Metabolismus
UniversitƤtsspital Basel
Petersgraben/Spitalstrasse 21
4031 Basel

Die Autorin hat keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

ā—† Adipositas ist eine Krankheit āžž Patienten mit Adipositas brauchen eine gezielte Therapie.
ā—† State of the heart: wertschƤtzende, empathische, nicht-stigmatisierende
Einstellung gegenüber dem Patienten ist zentral,
Motivational Interviewing – Arzt-Patient=Team.
ā—† Erfassen von: Ess-Stƶrungen, emotionalem Essen, psychischer Gesundheit, Adipositas Grading (BMI und Edmonton Obesity Scale), Adipositas-assoziierten Begleiterkrankungen; Ausschluss endokrinoĀ­logischer Ursachen für Adipositas.
ā—† Aktions-/Behandlungsplan inklusive Behandlungsziele gemeinsam mit dem Patienten erstellen
ā—† Lebensstil-Ƅnderungen individuell gestalten und interdisziplinƤr
implementieren (ggf. Zuweisung Adipositaszentrum).
ā—† Adipositas gezielt therapieren mit GLP-1 Analoga (Zuweisung Facharzt FMH Endokrinologie/Diabetologie bzw. Adipositas-Spezialist gemƤss BAG-Liste).
ā—† Bariatrische Operation evaluieren und diskutieren
(Zuweisung Adipositas-Zentrum).

Literatur:
1. WHO Fact sheet 311 uA. Obesity an overweight. 2014 (accessed 30. October 2014).
2. Collaboration NCDRF. Trends in adult body-mass index in 200 countries from 1975 to 2014: a pooled analysis of 1698 population-based measurement studies with 19.2 million participants. Lancet 2016; 387(10026): 1377-96.
3. Collaboration NCDRF. Worldwide trends in body-mass index, underweight,
overweight, and obesity from 1975 to 2016: a pooled analysis of 2416 population-based measurement studies in 128.9 million children, adolescents, and adults. Lancet 2017; 390(10113): 2627-42.
4. Bluher M. Obesity: global epidemiology and pathogenesis. Nat Rev Endocrinol 2019; 15(5): 288-98.
5. https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/353747/9789289057738-eng.pdf.
6. Malik VS, Willett WC, Hu FB. Global obesity: trends, risk factors and policy
implications. Nat Rev Endocrinol 2013; 9(1): 13-27.
7. Kivimaki M, Luukkonen R, Batty GD, et al. Body mass index and risk of dementia:
Analysis of individual-level data from 1.3 million individuals. Alzheimers Dement 2018; 14(5): 601-9.
8. Puhl RM, Brownell KD. Confronting and coping with weight stigma: an investigation of overweight and obese adults. Obesity (Silver Spring) 2006; 14(10): 1802-15.
9. Himmelstein MS, Puhl RM, Quinn DM. Intersectionality: An Understudied Framework for Addressing Weight Stigma. Am J Prev Med 2017; 53(4): 421-31.
10. Pearl RL, Puhl RM. Weight bias internalization and health: a systematic review. Obes Rev 2018; 19(8): 1141-63.
11. Himmelstein MS, Puhl RM, Pearl RL, Pinto AM, Foster GD. Coping with Weight Stigma Among Adults in a Commercial Weight Management Sample. Int J Behav Med 2020; 27(5): 576-90.
12. Puhl RM, Lessard LM, Himmelstein MS, Foster GD. The roles of experienced and internalized weight stigma in healthcare experiences: Perspectives of adults engaged in weight management across six countries. PLoS One 2021; 16(6): e0251566.
13. Albury C, Strain WD, Brocq SL, et al. The importance of language in engagement between health-care professionals and people living with obesity: a joint consensus statement. Lancet Diabetes Endocrinol 2020; 8(5): 447-55.
14. Puhl RM, Phelan SM, Nadglowski J, Kyle TK. Overcoming Weight Bias in the Management of Patients With Diabetes and Obesity. Clin Diabetes 2016; 34(1): 44-50.
15. https://www.euro.who.int/en/health-topics/disease-prevention/nutrition/
a-healthy-lifestyle/body-mass-index-bmi.
16. Padwal RS, Pajewski NM, Allison DB, Sharma AM. Using the Edmonton obesity staging system to predict mortality in a population-representative cohort of
people with overweight and obesity. CMAJ 2011; 183(14): E1059-66.
17. Fujioka K, O’Neil PM, Davies M, et al. Early Weight Loss with Liraglutide 3.0 mg Predicts 1-Year Weight Loss and is Associated with Improvements in Clinical Markers. Obesity (Silver Spring) 2016; 24(11): 2278-88.
18. le Roux CW, Astrup A, Fujioka K, et al. 3 years of liraglutide versus placebo for type 2 diabetes risk reduction and weight management in individuals with preĀ­diabetes: a randomised, double-blind trial. Lancet 2017; 389(10077): 1399-409.

Subklinische Hypothyreose im Alter

Die subklinische Hypothyreose ist eine häufige Diagnose, die nicht immer einer Behandlung bedarf. Gerade im Alter sinkt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen ab, ohne dass klinische Symptome für eine Hypothyreose auftreten. Eine grosse, randomisierte Studie und mehrere Metaanalyen konnten bei TSH-Werten <7mU/l keinen relevant negativen Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko, die Knochengesundheit oder die neurokognitive Funktion zeigen. Jedoch ergaben die Untersuchungen, dass bei einem Anstieg des TSH >10mU/l eine Schilddrüsenhormonsubstitution nach sorgfältiger Prüfung sinnvoll sein kann. Insgesamt sollte die Substitutionstherapie bei über 65-Jährigen niedrigdosiert begonnen werden.

Subclinical hypothyroidism is a common disease and does not necessarily require treatment. Especially in the elderly, the need for thyroid hormones decreases, often without clinical symptoms. A large, randomized study and several meta-analyses showed no relevant negative influence on cardiovascular risk, bone health or neurocognitive function at TSH levels <7mU/l. However, in individuals with a TSH >10mU/l, thyroid hormone substitution may be beneficial after careful consideration. Overall, substitution therapy should be started at low doses in people over 65 years of age.

Key Words: Subclinical hypothyroidism; elderly people, levothyroxine treatment

Die Hypothyreose ist in allen Altersgruppen eine der häufigsten chronischen Erkrankungen. In Europa liegt die Prävalenz bei Frauen zwischen 5-20% und bei Männern zwischen 3-8% (1). Bei der manifesten Hypothyreose liegt der TSH-Wert über dem oberen Referenzbereich bei gleichzeitig erniedrigten freien Schilddrüsenhormonen (fT4 und fT3). Die subklinische oder latente Hypothyreose zeigt ein erhöhtes TSH bei normalen peripheren Schilddrüsenhormonwerten. Ein generelles Bevölkerungsscreening auf Schilddrüsenfunktionsstörungen wird gemäss den aktuellen Guidelines nicht empfohlen. Jedoch hat der weitverbreitete Einsatz automatisierter Laboranalysen dazu geführt, dass die Schilddrüsenfunktion öfter kontrolliert wird und auch milde Schilddrüsenfehlfunktionen gehäuft detektiert werden. Die klinische Bedeutung dieser oft relativ milden Schilddrüsenhormonveränderungen, insbesondere bei älteren Personen, ist nach wie vor ungewiss. In den letzten Jahren konnten mehrere Untersuchungen zeigen, dass bei einer subklinischen Hypothyreose in vielen Fällen keine Behandlung notwendig und insbesondere bei älteren Personen sogar nachteilig sein kann. Im Gegensatz dazu ist eine adäquate Behandlung der manifesten Hypothyreose zur Reduktion der Morbidität und Mortalität, sowie der Verbesserung der Lebensqualität wichtig (2).
Seit vielen Jahren ist bekannt, dass der Schilddrüsenhormonbedarf im Alter absinkt (3) und die TSH-Werte im Durchschnitt höher liegen als bei jungen Erwachsenen, ohne dass eine schilddrüsenspezifische Erkrankung vorliegt (4). Die verschiedenen Aspekte der oft nur laborchemisch gestellten Diagnose einer subklinischen Hypothyreose werden im Folgenden in der Patientengruppe der über 65-Jährigen genauer betrachtet.

TSH-Verlauf beim Ƅlterwerden

Grosse Observationsstudien konnten mit dem Ƅlterwerden eine Verschiebung des TSH hin zu hƶheren Konzentrationen nachweisen (2). In einer grossen amerikanischen Untersuchung an über 16’000 schilddrüsengesunden Personen ab zwƶlf Jahren zeigte sich ein kontinuierlicher Anstieg des TSH mit zunehmendem Alter. In der Gruppe der über 65-JƤhrigen fanden sich in ungefƤhr 15% der Studienteilnehmenden ein TSH-Wert >4.5mU/l. Interessanterweise lagen die TSH-Werte aber zum grƶssten Teil in einem Bereich von 4.5-7mU/l und nur in ca. 5% der Bestimmungen lag der TSH-Wert über 10mU/l (5).
Symptome bei subklinischer Hypothyreose HƤufig beschriebene Symptome der Hypothyreose (Müdigkeit, trockene Haut, MuskelschwƤche und Ɩdeme) sind in allen Altersgruppen bei der subklinischen Hypothyreose im Allgemeinen deutlich weniger stark ausgeprƤgt als bei einer manifesten Hypothyreose. Gerade bei Ƥlteren Patientinnen und Patienten mit einer subklinischen Hypothyreose sind die Symptome hƤufig sehr mild bis nicht vorhanden. Die TRUST-Studie ist eine der grƶssten, doppelblinden, randomisierten Studien, welche Patientinnen und Patienten im Alter über 65 Jahren (Durchschnittsalter 74 Jahre) mit einer subklinischen Hypothyreose untersucht hat. In dieser europƤischen Studie wurde an mehr als 700 Teilnehmenden der Zusammenhang zwischen Symptomen und dem Schilddrüsenhormonstatus untersucht. Die Studienteilnehmer wurden 1:1 in eine Behandlungsgruppe und eine Placebogruppe randomisiert. Die Personen in der Behandlungsgruppe erhielten zum Erreichen eines TSH-Wertes im Referenzbereich eine Schilddrüsenhormonsubstitution. Befragt nach der VerƤnderung der LebensqualitƤt, klinischen Symptomen einer Hypothyreose und speziell nach Müdigkeit zeigte sich im Follow-Up nach zwƶlf Monaten kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen (6).

Einfluss auf Kognition und Depression

In einzelnen Untersuchungen zur Assoziation zwischen subklinischer Hypothyreose und Gedächtnisstörung oder Demenz zeigten sich teilweise widersprüchliche Resultate, je nachdem ob es sich um Querschnitts- oder Beobachtungsstudien handelte. Insgesamt konnte aber in mehreren Metaanalysen bei Personen, welche älter als 65 Jahre waren, kein direkter Zusammenhang zwischen einer subklinischen Hypothyreose und kognitiven Einschränkungen hergestellt werden (7, 8). Auch in Bezug auf eine Depression ist die Assoziation geringer als im klinischen Alltag oft angenommen wird (9). Die Datenlage bezüglich depressiver Symptome bei älteren Patientinnen und Patienten mit einer subklinischen Hypothyreose ist spärlich. In eine Subgruppenanalyse von über 400 Teilnehmenden aus dem Kollektiv der TRUST-Studie konnte durch Gabe einer Schilddrüsenhormonsubstitution im Vergleich zur Placebogruppe nach 12 Monaten kein Unterschied bezüglich der depressiven Symptomatik detektiert werden (10).

Auswirkung auf das kardiovaskulƤre Risiko

Eine subklinische Hypothyreose mit TSH-Werten >10mU/l ist mit einer erhƶhten Rate von Herzinsuffizienz assoziiert. Ausserdem kann es durch eine subklinische Hypothyreose, v.a. bei TSH-Werten >7mU/l zu einer Verschlechterung einer bereits vorliegenden Herzinsuffizienz kommen. Auch das Auftreten einer koronaren Herzkrankheit ist bei TSH-Werten >10mU/l erhƶht (11).
Eine Auswertung von 55 Kohortenstudien ergab bei Personen mit einer subklinischen Hypothyreose eine erhƶhte MortalitƤt jeglicher Ursache (all-cause mortality) bei einem TSH >10mU/l. GemƤss den Autoren einer kürzlich publizierten amerikanischen KohortenĀ­studie mit mehr als 10’000 Teilnehmenden kƶnnte v.a. das hƶhere kardiovaskulƤre Risiko einen wichtigen Faktor für die Zunahme der MortalitƤt darstellen (12). Dahingegen konnte eine Metaanalyse von mehr als einer halben Million Patienten weder eine erhƶhte GesamtmortalitƤt noch eine Erhƶhung der TodesfƤlle durch kardiovaskulƤre Ereignisse in der Untergruppe der über 65-JƤhrigen mit einer subklinischen Hypothyreose zeigen, wohingegen in der Gruppe der unter 65-JƤhrigen eine Assoziation bestand.
Die TRUST-Studie war ursprünglich als kardiovaskuläre Outcomestudie geplant. Zur Analyse des Effekts der Levothyroxin-Substitution bei Personen mit einer subklinischen Hypothyreose war aber weder die Dauer noch der Umfang der Untersuchung ausreichend. Über den Beobachtungszeitraum von einem Jahr konnte in keiner der beiden Gruppen ein Effekt auf die kardiovaskulären Endpunkte erhoben werden. Ebenso konnte kein signifikanter Unterschied beim Auftreten von Vorhofflimmern detektiert werden (6). In einer kürzlich veröffentlichten englischen Studie wurden 95 Patienten mit einer milden, subklinischen Hypothyreose und einem akuten Myokardinfarkt untersucht. Nach einem Jahr wurde in der Gruppe mit einer Schilddrüsenhormonsubstitution keine signifikante Verbesserung der linksventrikulären Funktion erreicht. (13)

Effekt auf den Knochen

Der negative Einfluss einer Schilddrüsenüberfunktion auf den Knochenmineralgehalt ist bekannt. Der Einfluss einer subklinischen Hypothyreose ist weniger genau untersucht, jedoch haben zwei kürzlich publizierte Metaanalysen den Effekt einer subklinischen Hypothyreose auf die Knochendichte untersucht. In der einen Analyse hatten 450 von 5458 Personen eine subklinische Hypothyreose. In einer Metaanalyse von 2015, welche 13 Kohortenstudien eingeschlossen hat, erfüllten 4092 von 70’298 Patientinnen und Patienten die Kriterien einer subklinischen Hypothyreose. Keine der beiden Untersuchungen konnte einen negativen Effekt auf die Knochendichte oder das Frakturrisiko zeigen (14, 15).

Risiko für die Entwicklung einer manifesten Hypothyreose

Ein mögliches Argument zur Behandlung einer subklinischen Hypothyreose ist die Verhinderung der Entwicklung einer manifesten Hypothyreose. Das jährliche Risiko eine manifeste Hypothyreose zu entwickeln liegt jedoch im tiefen einstelligen Prozentbereich. Höhere TSH-Werte bei Erstdiagnose, weibliches Geschlecht und positive TPO-Antikörper sind hier als Risikofaktoren für die Entwicklung einer manifesten Hypothyreose zu nennen (16, 17). Im Gegenzug zeigen mehrere Untersuchungen, dass sich bei einem einmaligen Nachweis einer subklinischen Hypothyreose die Schilddrüsenhormonwerte in 20-50% der Fälle wieder normalisieren. Es ist jedoch anzumerken, dass die Rate der spontanen Erholung der Schilddrüsenfunktion hauptsächlich von der initialen Höhe des TSH abhängig war (18, 19).

Potentielle Überbehandlung

In den letzten Jahren haben die Patienten, welche mit Schilddrüsenhormonen behandelt werden, stetig zugenommen. Bei älteren Personen ist das Risiko für eine Übertherapie erhöht. In diesem Kollektiv entwickeln 13-28% eine iatrogene Hyperthyreose. Bei einer Schilddrüsenhormonübersubstitution insbesondere mit TSH-Werten <0.1mU/l stieg das Risiko für Vorhofflimmern und Frakturen signifikant an. (11) Aus diesem Grund sollte die Indikation zum Beginn einer Schilddrüsenhormonsubstitution streng gestellt und mit einer niedrigeren Dosis (Levothyroxin 25-50µg/Tag) begonnen werden.(6)

Schlussfolgerung

Es konnte gezeigt werden, dass durch eine subklinische Hypothyreose bei Patienten, welche Ƥlter als 65 Jahre sind, kein erhƶhtes krankheitsspezifisches Risiko in Bezug auf Symptome, LebensqualitƤt aber auch harte Endpunkte wie generelle MortalitƤt besteht. Neuere Daten aus randomisierten Studien sind mehrheitlich auf die TRUST-Studie und ihre Unterstudien begrenzt. Aber auch in Ƥlteren Observationsstudien und retrospektiven Analysen konnte bei TSH-Werten <7mU/l weder ein erhƶhtes Risiko für das Auftreten von klinischen Symptomen noch für eine erhƶhte MortalitƤt und MorbiditƤt gezeigt werden. Einzig im Kollektiv mit einem erhƶhten kardiovaskulƤren Risikoprofil konnte gezeigt werden, dass sich die Gefahr für das Auftreten einer koronaren Herzkrankheit, eines Schlaganfalls oder eine Herzinsuffizienz bei TSH-Werten >10mU/l erhƶht ist. Hier sollte nach wiederholt erhƶhten TSH-Werten eine niedrigdosierte Schilddrüsenhormonsubstitution erwogen und ein TSH-Ziel-Wert <7mU/l, idealerweise zwischen 3 – 6mU/l, angestrebt werden (11). Anhand der vorliegenden Daten kann aber keine generelle Empfehlung für eine Schilddrüsenhormonsubstitution bei Personen über 65 Jahren mit einer subklinischen Hypothyreose ausgesprochen werden (20).

Prof. Dr. med. Christian Meier

Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Metabolismus
UniversitƤtsspital Basel
Endonet Praxis und Osteologisches UniversitƤtsforschungszentrum DVO
Aeschenvorstadt 57
4051 Basel

christian.meier@unibas.ch

Dr. med. Claudia I. Maushart

Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Metabolismus
UniversitƤtsspital Basel
Petersgraben 4
4031 Basel

Endonet Praxis
Aeschenvorstadt 57
4051 Basel

claudia.maushart@usb.ch

Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

ā—† TSH-Werte im Abstand von 6 Monaten kontrollieren, da in 20-50% der FƤlle spontane Normalisierung der Schilddrüsenfunktion
ā—† Zurückhaltende Indikation bei Beginn einer SchilddrüsenhormonĀ­substitution bei Personen im Alter über 65 Jahren und TSH-Werten <10mU/l
ā—† Niedrigdosierter Beginn einer Schilddrüsenhormonsubstitution (25-50µg/Tag oder ca. 0.3-0.4µg pro Kilogramm Kƶrpergewicht)

Literatur:
1. Duntas LH, Yen PM. Diagnosis and treatment of hypothyroidism in the elderly. Endocrine. 2019;66(1):63-9.
2. Pearce SH, Brabant G, Duntas LH, Monzani F, Peeters RP, Razvi S, et al. 2013 ETA Guideline: Management of Subclinical Hypothyroidism. Eur Thyroid J. 2013;2(4):215-28.
3. Sawin CT, Herman T, Molitch ME, London MH, Kramer SM. Aging and the thyroid: Decreased requirement for thyroid hormone in older hypothyroid patients. The American Journal of Medicine. 1983;75(2):206-9.
4. Bremner AP, Feddema P, Leedman PJ, Brown SJ, Beilby JP, Lim EM, et al. Age-Related Changes in Thyroid Function: A Longitudinal Study of a Community-Based Cohort. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism. 2012;97(5):1554-62.
5. Surks MI, Hollowell JG. Age-Specific Distribution of Serum Thyrotropin and Antithyroid Antibodies in the U.S. Population: Implications for the Prevalence of Subclinical Hypothyroidism. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism. 2007;92(12):4575-82.
6. Stott DJ, Rodondi N, Kearney PM, Ford I, Westendorp RGJ, Mooijaart SP, et al. Thyroid Hormone Therapy for Older Adults with Subclinical Hypothyroidism.
N Engl J Med. 2017;376(26):2534-44.
7. Akintola AA, Jansen SW, van Bodegom D, van der Grond J, Westendorp RG, de Craen AJ, et al. Subclinical hypothyroidism and cognitive function in people
over 60 years: a systematic review and meta-analysis. Front Aging Neurosci. 2015;7:150.
8. Rieben C, Segna D, da Costa BR, Collet TH, Chaker L, Aubert CE, et al. Subclinical Thyroid Dysfunction and the Risk of Cognitive Decline: a Meta-Analysis of Prospective Cohort Studies. J Clin Endocrinol Metab. 2016;101(12):4945-54.
9. Bode H, Ivens B, Bschor T, Schwarzer G, Henssler J, Baethge C. Association of Hypothyroidism and Clinical Depression: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Psychiatry. 2021;78(12):1375-83.
10. Wildisen L, Feller M, Del Giovane C, Moutzouri E, Du Puy RS, Mooijaart SP, et al. Effect of Levothyroxine Therapy on the Development of Depressive Symptoms in Older Adults With Subclinical Hypothyroidism: An Ancillary Study of a Randomized Clinical Trial. JAMA Network Open. 2021;4(2):e2036645-e.
11. Biondi B, Cappola AR. Subclinical hypothyroidism in older individuals. The Lancet Diabetes & Endocrinology. 2022;10(2):129-41.
12. Inoue K, Ritz B, Brent GA, Ebrahimi R, Rhee CM, Leung AM. Association of Subclinical Hypothyroidism and Cardiovascular Disease With Mortality. JAMA Netw Open. 2020;3(2):e1920745.
13. Jabbar A, Ingoe L, Junejo S, Carey P, Addison C, Thomas H, et al. Effect of Levothyroxine on Left Ventricular Ejection Fraction in Patients With Subclinical Hypothyroidism and Acute Myocardial Infarction: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2020;324(3):249-58.
14. Segna D, Bauer DC, Feller M, Schneider C, Fink HA, Aubert CE, et al. Association between subclinical thyroid dysfunction and change in bone mineral density in prospective cohorts. J Intern Med. 2018;283(1):56-72.
15. Blum MR, Bauer DC, Collet T-H, Fink HA, Cappola AR, da Costa BR, et al. Subclinical Thyroid Dysfunction and Fracture Risk: A Meta-analysis. JAMA. 2015;313(20):2055-65.
16. Vanderpump MP, Tunbridge WM, French JM, Appleton D, Bates D, Clark F, et al. The incidence of thyroid disorders in the community: a twenty-year follow-up of the Whickham Survey. Clin Endocrinol (Oxf). 1995;43(1):55-68.
17. Huber G, Staub JJ, Meier C, Mitrache C, Guglielmetti M, Huber P, et al. Prospective study of the spontaneous course of subclinical hypothyroidism: prognostic value of thyrotropin, thyroid reserve, and thyroid antibodies. J Clin Endocrinol Metab. 2002;87(7):3221-6.
18. Somwaru LL, Rariy CM, Arnold AM, Cappola AR. The natural history of subclinical hypothyroidism in the elderly: the cardiovascular health study. J Clin Endocrinol Metab. 2012;97(6):1962-9.
19. RosĆ”rio PW, Carvalho M, Calsolari MR. Natural history of subclinical hypothyroidism with TSH ≤10 mIU/l: a prospective study. Clin Endocrinol (Oxf). 2016;84(6):878-81.
20. Bekkering GE, Agoritsas T, Lytvyn L, Heen AF, Feller M, Moutzouri E, et al. Thyroid hormones treatment for subclinical hypothyroidism: a clinical practice guideline. Bmj. 2019;365:l2006.

Fokaler Leberherd als Zufallsbefund

Fokale Leberherde sind ein hƤufiger Zufallsbefund in der sonografischen Routinediagnostik. WƤhrend es sich in gesunden Organen in der Mehrzahl um gutartige Tumore oder Pseudotumore handelt, sind in zirrhotischen Lebern Malignome, allen voran das HCC, hƤufiger. Wenn mittels B-Bild– und Duplexsonografie die Diagnose nicht sicher mƶglich ist, stehen mit der Kontrastmittelsonografie, der MRT und der CT hochwertige kontrastgestützte Bildgebungsverfahren zur Verfügung. Besonders für den fokalen Herdbefund in der Zirrhose existieren Diagnosealgorithmen mit Fokus auf der Bildgebung, die die laborchemische und bioptische Diagnostik zunehmend in den Hintergrund stellen. Der Artikel soll die Kenntnis der hƤufigsten LƤsionen, ihrer bildgebenden Charakteristika und ihres Managements vermitteln.

Focal liver lesions are frequent findings in routine abdominal ultrasound. The differential diagnosis covers a wide spectrum of causes, including
benign and malignant primary liver tumors, metastatic disease, or focal lesions related to infectious or metabolic diseases. In healthy livers the majority of solid lesions are benign, whereas the likelihood of malignancy, especially HCC, rises in cirrhosis or chronic hepatitis. When conventional
ultrasound cannot establish the diagnosis, further workup is needed and includes contrast-enhanced imaging (CEUS, CT, MRI) or biopsy in cases of diagnostic uncertainty. The article provides an overview of the frequently found lesions, their characteristic imaging features and their clinical management.

Key Words: focal liver lesion, ultrasound, contrast-enhanced imaging, liver cyst, hemangioma, focal nodular hyperplasia, adenoma, metastasis, HCC

Einleitung

Zufällig entdeckte Leberherde sind häufig, in verschiedenen Studien werden Prävalenzen von bis zu 30 % beschrieben. Leberherde werden aufgrund der weiten Verbreitung der Ultraschalldiagnostik meist zufällig im Rahmen von Routine- und Vorsorgeuntersuchungen entdeckt. Die Differentialdiagnose fokaler Leberherde umfasst ein breites Spektrum benigner und maligner Befunde, die von Pseudotumoren und Gewebsveränderungen im Rahmen metabolischer, inflammatorischer infektiöser und rheumatologischer Erkrankungen über lebereigene gutartige und bösartige Neoplasien bis zu Metastasen solider Tumoren und Mitbeteiligung bei hämatologischen Neoplasien reicht. Da viele dieser differenzialdiagnostisch zu erwägenden Befunde sehr selten sind und oftmals durch die bereits bekannte Grunderkrankung in Betracht gezogen werden können, stellt ein kleineres Spektrum fokaler Herde den Grossteil der im Alltag entdeckten Läsionen dar. In verschiedenen Studien hat sich gezeigt, dass ein zufällig gefundener Leberherd in der Mehrzahl der Fälle benigne ist (1). Seitz und Kollegen beschreiben in der grossen DEGUM-Multicenterstudie eine Häufigkeit benigner Läsionen von ca. 55%, in kleineren Serien waren bis zu 83% hepatischer Inzidentalome gutartig (2). Eine maligne Erkrankung in der Vorgeschichte erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Zufallsbefund maligne ist, um das ca. 1,8-fache (1). In Zirrhoselebern verhalten sich die Häufigkeiten anders, hier wurden in der o.g. DEGUM-Studie 83% der Läsionen als maligne identifiziert.

PrimƤre B- Bild – und Duplexsonografie

Eine Vielzahl diagnostisch wertvoller Informationen zu einem zufƤllig entdeckten Leberherd lassen sich bereits in der konventionellen B- Bild und Duplex-/ Dopplersonografie erlangen. Hierbei ist neben der Charakterisierung der LƤsion selbst die Beurteilung des Leberparenchyms sowie der intraabdominellen Organe und peritonealen Strukturen unumgƤnglich. Bezogen auf die LƤsion ist die Frage der Anzahl, Verteilung, EchogenitƤt und Echotextur zu beantworten. Wichtig ist vor allem auch, ob es sich um nicht raumfordernde Herdbefunde – die meistens fokalen Fettverteilungsstƶrungen, seltener ParenchymverƤnderungen durch Stoffwechselerkrankungen entsprechen kƶnnen – oder Raumforderungen mit oder ohne
Kriterien einer Invasion in Gefässe oder Nachbarstrukturen handelt. Da bestimmte Läsionen ein charakteristisches Perfusionsmuster aufweisen oder sich eine vermeintliche Zyste als Gefässmalformation entpuppen kann, muss in jedem Fall der farbkodierte Doppler wie auch der PW- Doppler zugeschaltet werden. Die Beurteilung der Restleber hat allen voran die Aufgabe, Hinweise auf eine möglicherweise nicht bekannte Zirrhose zu finden. Dies ist auch deshalb von Bedeutung, da die Wahrscheinlichkeit für einen malignen Prozess in einer Zirrhose deutlich höher liegt. Bei Verdacht auf ein Malignom sollte unbedingt versucht werden, Anhaltspunkte auf das Stadium der Erkrankung, (z.B. Aszites bei Peritonealkarzinose), Komplikationen (z.B. Darmpassagestörung, Pfortaderthrombose) oder gar den Primarius (Pankreas, Intestinaltrakt) zu erlangen,
was Umfang und Dringlichkeit der weiterführenden Diagnostik beeinflusst.

Weiterführende Diagnostik

Labordiagnostik, Tumormarker

Im klinischen Kontext einer zufällig entdeckten Leberläsion besitzen Laborparameter einschliesslich der Tumormarker kaum diagnostischen Nutzen und sollten daher sehr zurückhaltend bestimmt werden, auch um diagnostische Dilemmata zu vermeiden. Bei bereits bekannter maligner Erkrankung kann eine Bestimmung der spezifischen Marker sinnvoll sein.

Biopsie

Mit zunehmendem Stellenwert der kontrastmittelgestützen Bildgebung ist die Biopsie im Rahmen der Primärdiagnostik in den Hintergrund geraten, stellt aber bei diagnostischen Unsicherheiten den Goldstandard dar.

Kontrastmittelgestützte Bildgebung

Kontrastmittelsonografie (CEUS)

Zunehmende Bedeutung und Verbreitung auch im ambulanten fachƤrztlichen Bereich hat in den letzten Jahren die kontrastmittelverstƤrkte Ultraschalldiagnostik erlangt.
Hierbei wird nach intravenöser Applikation eines Kontrastverstärkers dessen Verteilung innerhalb der Läsion sowie im umgebenden Gewebe in Echtzeit dargestellt (real-time-Untersuchung). Die Beurteilung des arteriellen Vaskularisierungsmusters sowie des KM-Verhaltens im Laufe weniger Minuten nach Applikation ermöglicht in vielen Fällen eine Artdiagnose der Läsion sowie mit hoher Sicherheit eine Unterscheidung zwischen benignen und malignen Läsionen. Letztere gelingt insbesondere bei Leberraumforderungen deshalb, weil maligne Läsionen nicht über die duale Perfusion gesunden Lebergewebes verfügen- also nicht sowohl arteriell wie auch portalvenös versorgt werden. Das für den Ultraschall verwendete Kontrastmittel besteht aus Mikroblasen mit einem Lipidmantel, die nach der Untersuchung abgeatmet bzw. verstoffwechselt werden. Das Nebenwirkungsprofil ist extrem günstig, lediglich sehr seltene allergische Reaktionen sind beschrieben. Nachteil der Methode ist die Abhängigkeit von Erfahrung des Untersuchers und den Untersuchungsbedingungen.

CT, MRT

Die CT und gleichermassen die MRT mit Gadolinium oder leberspezifischen Kontrastmitteln sind heutzutage Standardverfahren, deren Vorteil gegenüber der CEUS die Untersucherunabhängigkeit ist, während das Nebenwirkungsprofil der Kontrastmittel sowie die höheren Untersuchungskosten Nachteile darstellen. In grossen Studien hat sich die Kontrastmittelsonografie in Bezug sowohl auf die Identifikation maligner versus benigner Läsionen als auch auf die Artdiagnose der kontrastverstärkten CT- wie auch MRT- Diagnostik als ebenbürtig erwiesen (3,4).

HƤufige Lebertumore

Zystische Leberherde

Die unkomplizierte dysontogenetische Leberzyste ist ein hƤufiger Zufallsbefund in ca. 2-3% der sonografischen Untersuchungen. Die Kriterien der sonografisch blanden Zyste umfassen vor allem eine zarte Kapsel und ein echofreies Lumen ohne Hinweise auf solide Zystenanteile oder eine Perfusion. Liegen diese Kriterien vor, ist die Diagnose ohne weitere Diagnostik sicher zu stellen. Zeigen sich Zysten mit verdickter Kapsel, echogenen, septierten, solide wirkenden oder gar perfundierten Binnenstrukturen, muss in der Regel, wenn nicht eindeutig der klinische Kontext weiterhilft, eine zusƤtzliche Kontrastbildgebung erfolgen. Mƶgliche Differenzialdiagnosen sind sekundƤr eingeblutete oder infizierte Zysten, Leberabszesse, Zysten im Rahmen infektiƶser Erkrankungen (z.B. Echinokokkosen), prƤdominant zystische Metastasen oder die seltenen biliƤren Zystadenome oder Zystadenokarzinome.

LeberhƤmangiome

Hämangiome sind die häufigsten gutartigen soliden Lebertumore. In Autopsien sind sie in bis zu 20% gesunder Lebern zu finden (5). In der überwiegenden Zahl der Fälle sind die Läsionen asymptomatisch, Ausnahmen können die > 10 cm messenden Riesenhämangiome darstellen. Grössenänderungen im Verlauf sind möglich. Unterschieden wird zwischen kavernösen Hämangiomen mit langsamem Blutfluss und meist im Verlauf vorhandenen Teilthrombosierungen und meist kleineren Läsionen mit hohem Blutfluss. Das klassische sonografische Bild des kavernösen Hämangioms entspricht einer < 3cm grossen, weitgehend homogenen, echoreicheren Läsion, die manchmal ein zuführendes Gefäss, jedoch in der Regel keine Binnenperfusion im Farbdoppler erkennen lässt. Auch hier ist bei typischem Erscheinungsbild die Diagnose durch B- Bild und Duplexsonografie möglich. Eine zusätzliche Kontrastbildgebung ist meist notwendig, wenn Hämangiome mit hohem Blutfluss oder Hämangiome in Fettlebern als echoarme Herdbefunde imponieren oder infolge intratumoraler Teilthrombosen und Sklerosierungen echoinhomogenere Gebilde vorliegen. Beinhaltet die Vorgeschichte des Patienten eine Tumor- oder chronische Lebererkrankung, empfehlen die aktuellen Leitlinien auch im Falle typischer sonografischer Befunde eine kontrastmittelgestützte Bildgebung (5). Hämangiome zeigen in allen bildgebenden Verfahren typische Kontrastphänomene: ein peripher- noduläres Enhancement und im Verlauf eine nach zentral zunehmende KM-Anflutung, auch als Irisblendenphänomen bezeichnet. In seltenen Fällen können vor allem sehr grosse Hämangiome komplexere KM- Bilder erzeugen, die eine Zuordnung schwierig machen.
Die Kontrastmittelsonografie zeigt in Studien SensitivitƤten um 75% und SpezifitƤten bis 100% (6). Alternativ kommen die Multidetektor-CT oder MRT in Frage, wobei die MRT mit SensitivitƤten und SpezifitƤten bis 99% bei Detektion und Artdiagnose die hƶchste Genauigkeit aufweist (7,8). RoutinemƤssige Verlaufskontrollen sind aufgrund des gutartigen und komplikationsarmen Verlaufs nicht notwendig, ebenso wenig muss die Einnahme eines Kontrazeptivums pausiert oder beendet werden.

Fokale nodulƤre Hyperplasie

Die FNH macht ca. 8% der gutartigen Lebertumore aus und wird gehäuft bei Frauen jungen und mittleren Alters gefunden. Die Läsion besteht histopathologisch aus einer Hyperplasie von Lebergewebe als Antwort auf gesteigerten lokalen arteriellen Blutfluss infolge einer Gefässmalformation (9). Sie tritt in bis zu 30% multifokal auf. Im B- Bild stellt sich die FNH als zumeist isoechogene Läsion mit feinen fibroseartigen Strangmustern und einer zentralen echoreicheren Narbe dar. Bei richtiger Duplexeinstellung lässt sich oft bereits ein bei der typischen Form zentral, bei atypischen Formen peripher liegendes stern- oder radspeichenartig sich aufzweigendes arterielles Gefäss erkennen. Im PW- Doppler weist es typischerweise einen niedrigen Resistenzindex mit Werten bis zu 0,2 auf (10). Die Erstdiagnose sollte eine kontrastgestützte Bildgebung umfassen. Sowohl Kontrastmittelsonografie als auch MRT mit hepatobiliären Kontrastmitteln besitzen eine sehr hohe diagnostische Aussagekraft. Die diagnostische Genauigkeit der Kontrastmittelsonografie betrug in einer aktuellen Studie knapp 99% bei einer Sensitivität von 85% und einer Spezifität von 99,5% (11). Typisch für die FNH sind das rasche arterielle Anfluten mit zentrifugaler Ausbreitung, die Radspeichenstruktur der Gefässe mit zentraler Narbe und das Isoenhancement in den späten Phasen. In seltenen Fällen diagnostischer Unsicherheit, insbesondere wenn die Abgrenzung vom hochdifferenzierten HCC schwerfällt, kann zunächst die Kombination einer MRT mit einer Kontrastmittelsonografie zusätzliche Sicherheit bringen (5), ansonsten können eine bioptische Klärung oder alternativ bildgebende Verlaufskontrollen im Abstand weniger Monate erwogen werden. Die FNH ist durch einen komplikationsarmen Verlauf gekennzeichnet, wenn auch in manchen Fällen ein Grössenwachstum beobachtet werden kann. Hämorrhagische Ereignisse sind extrem selten, eine maligne Entartung tritt nicht auf. Entgegen früherer Annahmen muss die Einnahme von Kontrazeptiva nicht beendet werden, dann sind jedoch anfängliche sonografische Verlaufskontrollen in Abständen von 1-2 Jahren sinnvoll.

Abb. 2: Diagnosealgorithmus bei HCC- verdƤchtigem Leberherd. Nach: S3- Leitlinie HCC. 2021

HepatozellulƤres Adenom

Das HCA ist ein seltener Lebertumor mit einer geschätzten Prävalenz von 1:25000 und tritt in 85% in Frauen jungen bis mittleren Alters auf (9). Besonders genetische Faktoren und hormonelle Einflüsse spielen bei der Entstehung eine Rolle. Neuere Studien konnten nachweisen, dass Leberadenome eine molekulargenetisch heterogene Entität darstellen, und Genotyp- Phänotyp- Korrelationen herausarbeiten(12). Im Gegensatz zur FNH besitzen bestimmte molekulargenetische Subtypen des Adenoms ( Beta-Catenin- aktivierte Tumore ) das Potential maligner Entartung. Auch hämorrhagische Komplikationen sind häufiger, wobei Blutungen in der Regel bei Adenomen > 5 cm Grösse auftreten. Die differenzialdiagnostische Abgrenzung zum gut differenzierten HCC, das selten auch in nicht zirrhotischen Lebern auftreten kann, bereitet beim HCA in allen bildgebenden Modalitäten Schwierigkeiten. Daher wird im Zweifel eine Biopsie angestrebt, selten auch eine primäre Resektion. Das Management hängt in erster Linie von Geschlecht, Tumorgrösse und Ergebnis der Molekulargenetik ab. Bei Tumorgrösse über 5 cm, bei Nachweis einer Beta-Catenin-Aktivierung, bei Männern oder bei Vorliegen einer Glykogenspeichererkrankung sollte primär eine Resektion angestrebt werden, alternativ stehen ablative Verfahren wie die Radiofrequenzablation oder die transarterielle Embolisation zur Verfügung. In allen andern Fällen ist eine Beobachtung mittels halbjährlicher Bildgebung möglich und eine Resektion im Falle signifikanter Grössenzunahme.

Metastasen

Die häufigsten bösartigen Leberläsionen sind Metastasen, vornehmlich bei Primärtumoren des Gastrointestinaltraktes. Das sonographische Erscheinungsbild ist vielgestaltig und erfordert eine weiterführende Diagnostik. Der Nachweis wie auch die bildgebende Charakterisierung gelingt am sichersten mit der MRT, die Kontrastmittelsonografie weist ebenfalls eine Sensitivität und Spezifität von bis zu 90 % auf (13). Die Notwendigkeit einer Biopsie zur histopathologischen Beurteilung wird im Rahmen eines onkologischen Gesamtkonzeptes festgelegt.

HepatozellulƤres Karzinom (HCC)

Das HCC tritt in der überwiegenden Zahl der FƤlle in einer zirrhotischen Leber auf. Ist keine Zirrhose vorhanden, sind in Europa die chronischen Hepatitiden die hƤufigsten PrƤkanzerosen. Insgesamt liegt über 90% der HCCs eine chronische Erkrankung zugrunde. Die differenzialdiagnostische Herausforderung liegt in der Abgrenzung von Regeneraten und dysplastischen Knoten in der Zirrhoseleber. Im konventionellen Ultraschall sind uni- oder multifokale, iso-, hyper- und hypoechogene Erscheinungsformen mƶglich. Jeder sonografisch entdeckte Herdbefund in einer Zirrhose muss wegen des Verdachts auf ein HCC einem durch die aktuellen Leitlinien festgelegten diagnostischen Algorithmus zugeführt werden (14,15). HCCs durchlaufen einen Prozess zunehmender Entdifferenzierung, dem eine Zunahme der arteriellen Vaskularisation entspricht. Die Leitlinien betonen den Stellenwert der kontrastgestützten Bildgebung, in der das HCC eine früharterielle Hyperperfusion und ein verzƶgertes Washout aufweist. Der Nachweis dieser typischen Kontrastmittelbefunde gelingt in CT, MRT und Kontrastultraschall mit vergleichbarer diagnostischer Genauigkeit (13) und erlaubt ohne weitere Diagnostik die Diagnose eines HCC (Abb. 2). Probleme bereiten in allen bildgebenden Verfahren kleinere Tumore < 2 cm, da diese nur in ca. 50% die charakteristischen KontrastmittelphƤnomene aufweisen (16). In solchen FƤllen wird, falls technisch mƶglich, primƤr eine Biopsie angestrebt. Herdbefunde < 1 cm Grƶsse in einer Zirrhose werden in der Regel in 6-monatigen AbstƤnden kontrolliert.

Prof. Dr. med. Hasan Kulaksiz

Hirslanden Klinik Im Park
Zentrum für Gastroenterologie und Hepatologie
Seestrasse 220
8027 Zürich

Hasan.kulaksiz@hin.ch

Der Autor hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

ā—† Fokale Leberherde treten als Zufallsbefunde in bis zu 30% der
Ultraschalluntersuchungen auf.
ā—† Der kontrastmittelgestützen Bildgebung mittels CEUS, MRT oder CT kommt für die weiterführende AbklƤrung herausragende Bedeutung zu.
ā—† In nicht zirrhotischen Organen stellen Zysten, HƤmangiome und FNHs die hƤufigsten gutartigen Tumore und Metastasen die hƤufigsten
bƶsartigen Raumforderungen dar.
ā—† In zirrhotischen Lebern muss jeder Herdbefund unter V.a. HCC einem diagnostischen Algorithmus zugeführt werden.

Literatur:
1. Seitz K, Greis C, Schuler A, Bernatik T, Blank W, Dietrich CF et al. Frequency of tumor entities among liver tumors of unclear etiology initially detected by sonography in the noncirrhotic livers of 1349 patients. Results of the DEGUM multicenter study. Ultraschall Med. 2011; 32(6): 598-603
2. Little JM, Richardson A, Tait N. Hepatic dystychoma: a five year experience. HPB Surg. 1991; 4(4): 291-7
3. Seitz K, Bernatik T, Strobel D, Blank W, Friedrich-Rust M, Strunk H et al. Contrast-enhanced ultrasound (CEUS) for the characterization of focal liver lesions in clinical practice (DEGUM multicenter trial): CEUS vs. MRI- a prospective comparison in 269 patients. Ultraschall Med. 2010; 31(5): 492-9
4. Xie L, Guang Y, Ding H, Cai A, Huang Y. Diagnostic value of contrast-enhanced ultrasound, computed tomography and magnetic resonance imaging for focal liver lesions: a meta-analysis. Ultrasound Med Biol. 2011; 37(6):854-61
5. EASL Clinical Practice Guidelines on the management of benign liver tumors. J Hepatol. 2016; 65: 386-98
6. Vilgrain V, Boulos L, Vullierme MP, Denys A, Terris B, Menu Y. Imaging of atypical hemangiomas of the liver with pathologic correlation. Radiographics. 2000; 20(2): 379-97
7. Halavaara J, Breuer J, Azyuso C, Balzer T, Bellin MF, Blomqvist L et al. Liver tumor characterization: comparison between liver-specific gadoxetic acid disodium-enhanced MRI and biphasic CT- a multicenter trial. J Comput Assist Tomogr. 2006; 30(3): 345-54
8. Bluemke DA, Sahani D, Amendola M, Balzer T, Breuer J, Brown JJ et al. Efficacy and safety of MR imaging with liver-specific contrast agent: U.S. multicenter phase III study. Radiology. 2005; 237(1) 89-98
9. Mounajjed T. Hepatocellular Adenoma and Focal Nodular Hyperplasia. Clin Liver Dis. 2021; 7(4): 244-8
10. Wermke W. Sonographische Differenzialdiagnose Leberkrankheiten. Lehrbuch und systematischer Atlas. Deutscher Ƅrzteverlag . 2006
11. Sirli R, Sporea I, Popescu A., Danila M, Sandulescu DL et al. Contrast-enhanced ultrasound for the assessment of focal nodular hyperplasia- results of a multicentre study. Med Ultrason. 2021; 23(2): 140-6
12. Zucman-Rossi J, Jeannot E, Nhieu JT, Scoazec JY, Guettier C, Rebouissou S et al. Genotype/phenotype correlation in hepatocellular adenoma: new classification and relationship with HCC. Hepatology 2006; 43(3): 515-24
13. Strobel D, Seitz K, Blank W, Schuler A, Dietrich C, von Herbay A et al. Contrast-enhanced ultrasound for the characterization of focal liver lesions/diagnostic accuracy in clinical practice ( DEGUM multicenter trial). Ultraschall Med. 2008; 29(5): 499-505
14. European Association for the Study of the Liver. EASL Clinical Practice Guidelines: Management of hepatocellular carcinoma. J Hepatol. 2016; 69: 182-236
15. S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des HepatozellulƤren Karzinoms und biliƤrer Karzinome. Version 2.0. Juni 2021. AWMF-Registernummer 032-053 OL
16. Sangiovanni A, Manini MA, Iavarone M, Romeo R, Forzenigo LV, Fraquelli M, et al. The diagnostic and economic impact of contrast imaging techniques in the diagnosis of small hepatocellular carcinoma in cirrhosis. Gut. 2010; 59(5):638-44

Vergessene Infektionskrankheiten, Impfungen und Infodemie – eine Einordnung

Durch Impfung verhinderbare Infektionskrankheiten dürfen – obwohl seltene Erkrankungen – nicht in Vergessenheit geraten. Ƅrztinnen und Ƅrzte haben hier eine wichtige Rolle, da sie Fachpersonen und hƤufig auch Vertrauenspersonen sind und durch AufklƤrung dazu beitragen kƶnnen, dass diese Infektionskrankheiten nicht in Vergessenheit geraten. Daneben benƶtigen Patientinnen und Patienten Unterstützung durch fundiertes Faktenwissen, um die Flut an Informationen über die (sozialen) Medien zu ordnen und verzerrte oder falsche Informationen einordnen zu kƶnnen. Das Ziel ist eine aufgeklƤrte und autonome Impfentscheidung, damit die verhinderbaren Infektionskrankheiten auch in der Zukunft seltene Erkrankungen bleiben.

Infectious diseases that can be prevented by vaccination – although rare diseases – must not be forgotten. Physicians have an important role to play here, as they are experts and often trusted persons and can help to ensure that these infectious diseases are not forgotten through education. In addition, patients need support in the form of sound factual knowledge in order to sort out the flood of information via the (social) media and to be able to classify distorted or incorrect information. The goal is an educated and autonomous vaccination decision, so that preventable infectious diseases remain rare diseases in the future.

Key Words: vaccination, infectious disease, disease prevention

Infektionskrankheiten, die durch Impfung verhindert werden kƶnnen, sind aus unserem Alltag inzwischen vielfach verschwunden. Was nicht mehr sichtbar ist, wird vergessen. Dies betrifft einerseits uns Ƅrztinnen und Ƅrzte. Der Umgang mit seltenen Erkrankungen wird zur Herausforderung. Andererseits entsteht bei einigen Menschen der Raum für die eigentümliche Idee, warum eine Impfung durchführen, wenn es die Krankheit gar nicht mehr gibt? Damit riskieren Impfungen, Opfer ihres Erfolgs zu werden. Wie so hƤufig hilft hier der Blick über den Tellerrand und ein Perspektivenwechsel weitet das Gesichtsfeld. Sichtbar wird, dass die Unsichtbarkeit dieser Erkrankungen hƤufig nur ƶrtlich begrenzt, aber global keineswegs selbstverstƤndlich ist. Nicht nur der Blick auf andere LƤnder, auch die gegenwƤrtige SARS-CoV-2 Pandemie lassen dies klar erkennen. Dieser Artikel beleuchtet – am Beispiel von Masern – in der Schweiz fast vergessene und damit vermeintlich verschwundene Infektionskrankheiten. Unter Berücksichtigung der aktuellen Pandemie werden zudem Lƶsungen für die medizinische Praxis aufgezeigt, um vermeidbare Infektionskrankheiten im GedƤchtnis zu erhalten.

Wiederauftreten von durch Impfung vermeidbaren seltenen Infektionskrankheiten

Seltene Krankheiten sind in der EU definiert als Krankheiten mit einer PrƤvalenz von weniger als 5 pro 10’000 Einwohner (1). Damit sind Infektionskrankheiten, die durch Impfung verhindert werden kƶnnen, in der Schweiz mehrheitlich seltene Erkrankungen und dies schon seit vielen Jahrzehnten. Obwohl Wirksamkeit und VertrƤglichkeit von Impfungen inzwischen über Jahrzehnte dokumentiert sind, ist das Beinahe Verschwinden verhinderbarer Infektionskrankheiten mitnichten ein SelbstlƤufer. Beispiele sind Masern aber auch die Poliomyelitis.

Masern in der Schweiz, globale Situation

Masern sind in der Schweiz selten geworden mit regelmƤssigen kleineren und grƶsseren Ausbrüchen über die vergangenen Jahre. 2019 gab es in der Schweiz letztmalig eine Zunahme der MasernfƤlle. Mehrheitlich manifestiert sich die Erkrankung inzwischen im Jugendlichen- und Erwachsenenalter und ist damit keine eigentliche Kinderkrankheit mehr. Dies zeigte sich auch 2019; mehr als die HƤlfte der 221 Erkrankten war bereits im Erwachsenalter. Von den Erkrankten mit bekanntem Impfstatus waren 91% ungeimpft. Zwei Erwachsene sind verstorben. Ein Erwachsener erhielt nach knapp 3 Tagen und vor Auftreten von Symptomen eine postexpositionelle Immunoprophylaxe, verstarb dann aber an der Erkrankung mit dem Wildtyp Virus (2). Nach dieser Zunahme gab es 2021 hingegen keinen einzigen Masernfall in der Schweiz und dies erstmalig seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1876. Wahrscheinlich sind die im Rahmen der Pandemie verstƤrkten Hygienemassnahmen wie auch die verminderte ReisetƤtigkeit verantwortlich. In vielen LƤndern sind die Masern jedoch immer noch hƤufige Erkrankungen. Und dies, obwohl in den letzten 30 Jahren die Anzahl der MasernĀ­erkrankungen global um mehr als 80% rücklƤufig war. Dabei zeigt sich ein klarer und gegenlƤufiger Zusammenhang zwischen der Durchimpfungsrate und der Maserninzidenz (3). Wie rasch aber ein vorgƤngiger Erfolg kippen und welche schwere Krankheit die Masern auch heute noch bedeuten kann, illustriert ein Masernausbruch im Herbst 2019 auf dem Inselstaat Samoa im Pazifik. Bei einer Bevƶlkerung von knapp 200’000 sind fast 3% erkrankt und mehr als 80 Menschen verstorben. VorgƤngig war die Durchimpfungsrate (1 Impfung im Alter von 1 Jahr) von 99% (2013) auf 40% (2018) gefallen (4). Entsprechend betrafen die meisten TodesfƤlle Kinder in den ersten 5 Lebensjahren. Bei uns geht das leider gerne vergessen, obwohl wir wie oben dargelegt, TodesfƤlle auch in der Schweiz registrieren. Was nicht mehr sichtbar ist, wird vergessen.

Einfluss der Pandemie – Masernausbrüche und seit Jahrzehnten wieder ein Fall von Poliomyelitis

Das komplette Ausbleiben der Masern 2021 in der Schweiz – wie auch fast aller respiratorischen Erkrankungen – illustriert, dass die HƤufigkeit von Infektionskrankheiten nicht nur von der Durchimpfung oder der medizinischen Versorgung und Verteilung der Impfstoffe abhƤngt. Auch Ereignisse wie die aktuelle SARS-CoV-2 Pandemie zeigen Auswirkungen in mehrfacher Hinsicht. Die Effekte sind bedauerlicherweise nicht immer vorteilhaft. Bekannt war schon lƤnger, dass mit Einführung der Schutzmassnahmen die Zahlen der verabreichten Routineimpfungen weltweit eingebrochen sind. Die Sorge bestand, dass dies zu einer Ā«Pandemie in oder nach der PandemieĀ» d.h. zum Wiederauftreten verhinderbarer Infektionskrankheiten bei Kindern führen kƶnnte. Damit wƤren Kinder erneut indirekt von Massnahmen gegen SARS-CoV-2 betroffen. Bei uns haben sich die Zahlen der Routineimpfung inzwischen fast wieder erholt. Nicht aber in anderen LƤndern, insbesondere auch in EntwicklungslƤndern. Entsprechend meldet die WHO nun, dass die Masern im Januar und Februar 2022 im Vergleich zum Vorjahr global wieder um 79% zugenommen haben (5). Doch nicht nur die Masern, auch eine weitere Infektionskrankheit kehrt aus der Vergessenheit zurück: Israel meldet nach über 30 Jahren wieder einen Polio Fall bei einem 4-Jahre alten Kind. In der Schweiz liegt der letzte Poliofall 40 Jahre zurück. Gründe für das Wiederauftreten der Polio in Israel sind nicht die fehlende medizinische Versorgung durch mangelnde Infrastruktur oder erschwerter Zugang zur Impfung bedingt durch einen Lockdown, sondern zunehmende Impfskepsis. Was aber erklƤrt die Skepsis gegenüber bewƤhrten PrƤventionsmassnahmen von schweren Erkrankungen?

Verunsicherung bei der Impfentscheidung durch Überfluss an Informationen

Aus dem nationalen Forschungsprogramm zur Impfskepsis (NFP74) des Schweizerischen Nationalfonds gibt es neue Erkenntnisse für die Schweiz und VorschlƤge, wie Ƅrztinnen und Ƅrzte eine erfolgreiche Impfberatung durchführen (6). Im Zentrum des Dialogs mit impfskeptischen Patientinnen und Patienten steht die ausgewogene und transparente Information (Vor- und Nachteile erlƤutern), wenn mƶglich sollen Pauschalaussagen vermieden werden (z.B. Ā«Impfungen sind wirksam und sicher!Ā») und idealerweise erfolgt das GesprƤch auf der Basis eines VertrauensverhƤltnisses. Dafür braucht es fundiertes Faktenwissen, sowohl zu Impfungen und Infektionskrankheiten, daneben auch Kommunikationskompetenz. Ersteres lƤsst sich aneignen und letzteres ist eine der KernĀ­kompetenzen der medizinischen Grundversorgung. Impfskeptische Patientinnen und Patienten sind sehr wohl einer guten Impfberatung zugƤnglich und verweigern sich nicht grundsƤtzlich den Impfungen. Ziel im gemeinsamen Entscheidungsprozess (shared decision making) ist kein Impfentscheid auf Basis der Angst vor Krankheit und Tod, vielmehr die aufgeklƤrte und autonome Entscheidung für das Wohlergehen der Patientinnen und Patienten und ihrer Kinder. Ein ergebnisoffener Dialog trƤgt hierzu bei. Das Gegenteil sehen wir in der derzeitigen Pandemie. Ein Überfluss an teilweise falschen oder verzerrten Informationen führt zur starken Verunsicherung und wird bereits als Infodemie (7) bezeichnet. Die unkomplizierte Verbreitung von Inhalten über die sozialen Medien spielt dabei eine wesentliche Rolle. Umso wichtiger ist hier die Einordnung der Fakten durch Fachpersonen, damit eine überzeugte Impfentscheidung mƶglich wird. Wie aber lƤsst sich fundiertes Faktenwissen aneignen und aktuell erhalten?

Fundiertes Faktenwissen

In der Schweiz gibt es unabhƤngige Fachinformationen für die Impfberatung über das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Das BAG wird beraten durch die ausserparlamentarische Eidgenƶssische Kommission für Impffragen (EKIF), die seit 2011 für die jƤhrlichen Impfempfehlungen zustƤndig ist. Die nachstehende Tabelle fasst online und kostenlos verfügbare Informationen für Ƅrztinnen und Ƅrzte für die Schweiz zusammen.
Neben diesen online Ressourcen steht allen Fachpersonen auch die Registrierung bei Infovac offen. Die Mitgliedschaft beinhaltet einen monatlichen Newsletter (Infovac-Bulletin), individuelle Impfberatung per E-Mail mit persönlicher Beantwortung aller Impffragen innert 1-2 Arbeitstagen sowie Zugriff auf verschiedene nützliche Dokumente und alle früheren Infovac-Bulletins. Eine Mitgliedschaft kostet 25 CHF pro Jahr. Unabhängige interaktive Fortbildungen, zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden im klinischen Alltag werden in jährlich mehrmals stattfindenden VacUpdate Seminaren angeboten (8).

Dr. med. Christian Kahlert

Leitender Arzt/Leiter
Ostschweizer Kinderspital, Infektiologie & Spitalhygiene
Claudiusstrasse 6
9006 St. Gallen

christian.kahlert@kispisg.ch

Dr. med. Anita Niederer

Reisemedizin, Klinik für Infektiologie/Spitalhygiene
Kantonsspital St. Gallen
Rorschacher Strasse 95
9007 St. Gallen

Frau Dr. Niederer-Loher ist Mitglied der Infovac-Experten und wird für diese Tätigkeit vom Bundesamt für Gesundheit entlohnt. Daneben arbeitet sie unentgeltlich in der eidgenössischen Kommission für Impffragen. Weitere Interessenskonflikte haben die Autoren im Zusammenhang mit diesem Artikel nicht deklariert.

ā—† Durch Impfung verhinderbare Infektionskrankheiten gehƶren in der Schweiz schon lange zu den seltenen Krankheiten.
ā—† Obwohl mehrheitlich unsichtbar, sind sie aber nicht verschwunden, verlaufen immer noch schwer (z.B. Masern) und dürfen daher keinesfalls vergessen werden.
ā—† Globale Krisen wie die SARS-CoV-2 Pandemie und die Infodemie
über die sozialen Medien zeigen zudem exemplarisch, wie fragil
dieses vermeintliche Verschwinden ist.
ā—† Die Ƥrztliche Grundversorgung spielt eine zentrale Rolle in der
Unterstützung des aufgeklärten und autonomen Impfentscheids der Patientinnen und Patienten.

Literatur :
1. EMA. EU Orphan Regulation No 141/2000 [Internet]. European Medicines
Agency. 2018 [cited 2022 Apr 27]. Available from: https://www.ema.europa.eu/en/human-regulatory/overview/orphan-designation-overview
2. BAG B für G. Masern Schweiz – Ausbrüche 2019 [Internet]. [cited 2022 Apr 27]. Available from: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/vergangene-epidemien-pandemien/masern-lagebericht-schweiz.html
3. Wang R, Jing W, Liu M, Liu J. Trends of the Global, Regional, and National Incidence of Measles, Vaccine Coverage, and Risk Factors in 204 Countries From 1990 to 2019. Frontiers in Medicine [Internet]. 2022 [cited 2022 Apr 24];8. Available from: https://www.frontiersin.org/article/10.3389/fmed.2021.798031
4. Craig AT, Heywood AE, Worth H. Measles epidemic in Samoa and other Pacific
islands. The Lancet Infectious Diseases. 2020 Mar 1;20(3):273–5.
5. UNICEF and WHO warn of perfect storm of conditions for measles outbreaks,
affecting children [Internet]. [cited 2022 May 5]. Available from: https://www.who.int/news/item/27-04-2022-unicef-and-who-warn-of–perfect-storm–of-conditions-for-measles-outbreaks–affecting-children
6. Lisa ST, Clara Z, J DM, Bernhard W, Caesar G, Peter C, et al. Impfskepsis: 10 Punkte für eine ­erfolgreiche Impfberatung. Primary and Hospital Care [Internet]. 2022 Mar 9 [cited 2022 Apr 24];(3). Available from: https://primary-hospital-care.ch/article/doi/phc-d.2022.20103
7. WHO Infodemic [Internet]. [cited 2022 Apr 27]. Available from:
https://www.who.int/health-topics/infodemic
8. Medvis | VacUpdate [Internet]. [cited 2022 May 5]. Available from:
https://www.medvis.ch/veranstaltungen/vacupdate