Chronischer Husten

Der chronische Husten ist als neuropathische Erkrankung zu betrachten. Er zeichnet sich durch eine gesteigerte SensitivitƤt des Hustenreflexes aus, weshalb schon geringe Stimuli zur Auslƶsung führen kƶnnen. Die Diagnostik sollte strukturiert und stufenweise erfolgen – von den hƤufigen Ursachen zu den seltenen. Trotz seiner HƤufigkeit sind Therapieoptionen limitiert und mit einschneidenden Nebenwirkungen vergesellschaftet.

Chronic cough should be considered a neuropathic disease. It is characterized by an increased sensitivity of the cough reflex, which is why even small stimuli can lead to triggering. Diagnosis should be structured and stepwise – from common causes to rare ones. Despite its frequency, therapeutic options are limited and associated with drastic side effects.
Key Words: chronic cough, neuropathic disease, cough reflex

Husten ist eine Reflexhandlung der Atemwege, die dazu dient, die oberen Atemwege zu befreien (1). Chronischer Husten, der lƤnger als 8 Wochen anhƤlt, ist in der Bevƶlkerung weit verbreitet. GemƤss einer Metaanalyse wird die PrƤvalenz des chronischen Hustens auf 10% geschƤtzt (2), wobei Frauen generell und insbesondere in der fünften und sechsten Lebensdekade überproportional betroffen sind (3, 4). Zu den Ursachen gehƶren Zigarettenrauchen, Exposition gegenüber Zigarettenrauch und Umweltverschmutzung, insbesondere Feinstaub. Zu den Krankheiten, die chronischen Husten verursachen, gehƶren Asthma bronchiale, Erkrankungen der oberen Atemwege (Ā«upper airway cough syndromeĀ» (UACS), die gastroƶsophageale Refluxkrankheit (GERD), Rhinosinusitis,
chronisch obstruktive Lungenerkrankung, Lungenfibrose und Bronchiektasie.

Bei einigen Patienten lässt sich keine Ursache feststellen, was zur Diagnose eines idiopathischen Hustens führt. Chronischer Husten ist häufig mit einer verstärkten Reaktion auf Reizstoffe verbunden. Plastische Veränderungen der intrinsischen und synaptischen Erregbarkeit im Hirnstamm, in der Wirbelsäule oder in den Atemwegsnerven können den Hustenreflex verstärken und auch ohne das auslösende Hustenereignis bestehen bleiben. Strukturelle und entzündliche Veränderungen der Atemwegsschleimhaut bei nicht-asthmatischem chronischem Husten könnten die Ursache oder die traumatische Reaktion auf wiederholtes Husten sein. Eine wirksame Kontrolle des Hustens erfordert nicht nur die Kontrolle der den Husten auslösenden Krankheit, sondern auch die Desensibilisierung der Hustenwege.

Neurophysiologie des chronischen Hustens

Chronischer Husten wird heute als ein Zustand neuronaler Dysregulation verstanden. Husten ist ein Reflex, der durch sensorische Nerven aus dem Gebiet der vagalen Afferenzen aktiviert wird (5). Als Reaktion auf die Erkennung potenziell schƤdlicher Reize durch sensorische Nozizeptoren der Atemwege wandern die Impulse den Nervus vagus hinauf über die Nodus- und Jugularganglien zur Medulla, wo sie durch zentrale Bahnen moduliert werden. Über somatische Efferenzen wird dann ein Signal an den Kehlkopf, die Atemmuskulatur und das Zwerchfell gesendet, das zu Husten führt (5-7). Chronischer Husten wird hƤufig durch eine geringe thermische, mechanische oder chemische Belastung ausgelƶst, was auf eine gemeinsame Ƅtiologie hinweist, die als Hustenüberempfindlichkeitssyndrom (CHS) bekannt ist (8, 9). Das CHS ist durch eine Dysregulation der Nervenbahnen und Rezeptoren im zentralen Nervensystem, in den vagalen afferenten sensorischen Nerven und in den Ganglien gekennzeichnet (2, 9-13) was durch die Beobachtung belegt wird, dass viele hustenstillende Medikamente neuromodulatorische Eigenschaften haben (7, 13, 14).

Bei der Entstehung des chronischen Hustens ging man traditionell von einem Zusammenhang mit Virusinfektionen der Atemwege oder durch klinisch diagnostizierte Krankheiten wie Asthma oder gastroƶsophageale Refluxkrankheit (GERD) aus. Diese werden neu mehr als Trigger des chronischen Hustens angesehen (15, 16). Es kƶnnen aber auch bestimmte Medikamente wie Angiotensin-konvertierende Enzyminhibitoren die Hustenempfindlichkeit erhƶhen (17). Diese Bedingungen erfassen jedoch nicht die komplexe HeterogenitƤt des Erscheinungsbildes dieser Atemwegserkrankungen in der Klinik, und in den letzten Jahren ist man dazu übergegangen, bei der Behandlung von Patienten mit chronischen AtemwegsĀ­erkrankungen von den behandelbaren Merkmalen auszugehen Insbesondere die Empfindlichkeit der Nervenbahnen, die für die Auslƶsung von Husten verantwortlich sind, scheint ein einheitliches Merkmal von Patienten mit chronischem Husten zu sein, unabhƤngig von der klinischen GesamtprƤsentation. Das Husten-HypersensitivitƤtssyndrom stellt daher einen spezifischen Krankheitszustand dar, der weiterer intensiver Forschung bedarf (9). Klinische Studien mit neuen TherapieansƤtze untermauern seine Relevanz (18).

AbklƤrung des chronischen Hustens

Jeder Husten, welcher länger als acht Wochen andauert, macht eine strukturierte Abklärung notwendig. Die Basisabklärung umfasst eine ausführliche Anamnese, die klinische Untersuchung, sowie ein Thorax-Röntgenbild (19). Die Basisdiagnostik erlaubt naheliegende Ursachen zu entdecken. Liegt eine zugrundeliegende Krankheit vor, sollten zielgerichtete Untersuchungen eingeleitet werden. Diese umfassen eine Echokardiographie bei Hinweisen auf eine Herzinsuffizienz oder eine Computertomographie bei Verdacht auf ein Malignom (20). Ein häufiger Grund für chronischen Husten ist die Einnahme von ACE-Hemmern. Bis zu 15% der PatientInnen unter einer ACE-Hemmer-Therapie klagen über chronischen Husten. In diesen Fällen empfiehlt sich die Umstellung auf eine andere antihypertensive Therapie oder ein Auslassversuch über mindestens 3 Wochen (21). Ein weiterer wichtiger Auslöser chronischen Hustens ist das Rauchen, welches direkt mit dem Auftreten der chronischen Bronchitis und der COPD verbunden ist.

Falls die Basisdiagnostik keine richtungsweisenden Angaben erlaubt, sollten die hƤufigsten Ursachen wie Asthma, UACS oder GERD mit weiteren diagnostischen Schritten abgeklƤrt werden (22).

Asthma bronchiale

Der asthmatische Husten wird in drei Subgruppen unterteilt: Klassisches Asthma, Husten als Asthmaäquivalent und Nichtasthmatische eosinophile Bronchitis (23). Neben den typischen Asthma-Symptomen kann Husten bei Asthma auch als alleiniges Symptom auftreten. Der Verdacht auf ein Asthma kann mit Hilfe einer Spirometrie objektiviert werden. Dabei ist der tiefe Voraus­sagewert dieser Untersuchung zu berücksichtigen. Eine normale Spirometrie schliesst ein Asthma bronchiale nicht aus. Die bronchiale Hyperreagilität, wie sie typischerweise beim klassischen Asthma oder beim Husten als Asthma-Aequivalent auftritt (24) kann mittels Methacholin-Provokationstest abgeklärt werden.

Eine Eosinophilie > 3% kann entweder auf ein eosinophiles Asthma oder auf eine nichtasthmatische eosinophile Bronchitis hinweisen. Die Eosinophilen kƶnnen im Blut, im Sputum oder in der bronchoalveolƤren Lavage (BAL) gemessen werden. ZusƤtzlich kann in der Atemluft fraktioniertes exhaliertes NO (FeNO) bestimmt werden. Deutlich erhƶhtes FeNO spricht für Allergien bzw. Asthma bronchiale (4, 5). Wenn sich trotz adƤquater Therapie der Husten nicht bessert, spricht man von einem refraktƤren Husten (5, 20, 25).

Gastroƶsophagealer Reflux

Die ZusammenhƤnge zwischen GERD und chronischem Husten werden mitunter kontrovers diskutiert (4, 26). Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2011 fand eine ungenügende Evidenz dafür, sodass eine Therapie mit Protonenpumpeninhibitoren nicht generell zu empfehlen ist. Bei tatsƤchlichem Vorhandensein von Refluxbeschwerden, hat sich in der Praxis ein mindestens zweimonatiger empirischer Therapieversuch mit Protonenpumpenhemmern bewƤhrt. Fehlen indes Reflux-Symptome ist eine ausführliche Refluxdiagnostik empfohlen. Bei fehlender Refluxsymptomatik gibt es keine empirische Therapie (4, 26).

Man tendiert heute zu der These, dass die Stimulation von Afferenzen in der Nase oder im Pharynx und im Larynx durch entzündliche Mediatoren den Husten verursacht. Eine einmonatige Therapie mit topischen Kortikosteroiden kann empirisch versucht werden. Bestehen Probleme der oberen Atemwege empfiehlt sich die Zuweisung zu einer HNO-Spezialistin, einem HNO-Spezialisten (27, 28). Bleiben obige AbklƤrungen ergebnislos, kƶnnen eine Computertomografie des Thorax und eine Bronchoskopie wegweisend sein, um auch seltene Ursachen aufzudecken (29).

Therapie des chronischen Hustens

Die Therapie richtet sich grundsätzlich nach dem Krankheitsbild, welches den chronischen Husten verursacht. Dadurch kann bei vielen PatientInnen eine Linderung der Symptomatik erreicht werden. Wenn sich der Husten nicht erklären lässt und die Hustenproblematik nur unzureichend kontrolliert werden kann, müssen alternative Therapieoptionen in Betracht gezogen werden. Eine gezielte medikamentöse Behandlung des unerklärten Hustens ist bislang nicht vorhanden. In der Praxis versucht man die Symptomatik mit neuromodulatorischen Medikamenten wie Gabapentin, Pregabalin oder Morphin zu bessern. Als nichtmedikamentöse Therapieform ist die Logopädie zu empfehlen. Dabei üben die PatientInnen den Hustenreflex zu unterdrücken und lernen zusätzlich unterstützende Atem- und Entspannungstechniken.

Das Nutzen-Risiko-VerhƤltnis bzw. mƶgliche Nebenwirkungen müssen bei jeder Therapie individuell mit den PatientInnen besprochen werden. Neue TherapieansƤtze, die auf bestimmte zentrale und periphere Rezeptoren abzielen, werden erforscht, konnten bisher aber keine entscheidenden Erfolge verbuchen (1, 13, 26). In einer Studie konnte durch einen TRPV1-Antagonisten (Transient receptor potential vanilloid 1) die SensitivitƤt auf Capsaicin (Inhaltsstoff von Chili) gesenkt werden, doch zu einer Verbesserung der Hustensymptomatik führte dies nicht (29). DemnƤchst steht uns der P2X3-Rezeptor-Antagonist Gefapixant zur Verfügung, welcher auf die vagalen afferenten Nerven der Atemwege wirkt und damit, wie es scheint, den unerklƤrten bzw. therapieĀ­refraktƤren Husten signifikant reduziert (30).

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Prof. Dr. med.Jƶrg D. Leuppi

Facharzt Allgemeine Innere Medizin und Pneumologie
Klinischer Professor für Innere Medizin Universität Basel
Chief Medial Officer und Leiter UniversitƤres Instiut Innere Medizin
Kantonsspital Baselland

joerg.leuppi@ksbl.ch

med. pract. Anja Makhdoomi

Medizinische UniversitƤtsklinik
Kantonsspital Baselland, 4410 Liestal
Medizinische FakultƤt, UniversitƤt Basel
4001 Basel

Prof. Dr. med. Andreas Zeller MSc

Universitäres Zentrum für Hausarztmedizin beider Basel | uniham-bb
Kantonsspital Baselland
Mühlemattstrasse 26
CH-4410 Liestal

andreas.zeller@unibas.ch

Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

ā—† Die Diagnostik des chronischen Hustens stellt eine Herausforderung dar und erfordert grossen Aufwand.
ā—† Bei der Diagnostik ist ein strukturiertes Vorgehen mit Priorisierung der Ursachen nach HƤufigkeit wichtig, d.h. von den hƤufigen Ursachen zu den seltenen.
ā—† GemƤss allgemeinem Konsens gilt der Husten als neuropathische Erkrankung, die sich durch eine gesteigerte SensitivitƤt des HustenĀ­reflexes auszeichnet. Somit lƶsen bereits geringe Stimuli den Husten aus.
ā—† Chronischer Husten ist ein hƤufiges Symptom, das die LebensqualitƤt Betroffener einschrƤnkt. Dennoch sind die Therapieoptionen leider limitiert und mit einschneidenden Nebenwirkungen verbunden. Die Erforschung neuer spezifischer Medikamente ist jedoch im Gang.

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Leiter Tarifwesen SGGG und Vorstandsmitglied des Swiss Laos Hospital Project

Dr. med. Pierre Villars
Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe mit eigener Praxis in Zürich seit 1988
Leiter Tarifwesen SGGG, Vorstandsmitglied SLHP

Lieber Pierre, wer bist du?

Ich wurde in Genf geboren, deshalb auch meine franzƶsische Muttersprache. Die Schulausbildung und das Studium habe ich in Zürich absolviert. Seit 1988 führe ich eine eigene Praxis in Zürich mit gynƤkologischer und geburtshilflicher BelegarzttƤtigkeit. Ich bin Vater von zwei Tƶchtern. Die Ƅltere hat an der ETH in Health Science über Agonisten und Antagonisten des Appetitzentrums promoviert. Die Jüngere, Master of Cancer Biology, sollte demnƤchst ihre Dissertation über CAR-T-Zelltherapie bei Glioblastomen abschliessen. Keine wollte in die Fussstapfen des Vaters treten und Medizin studieren, um spƤter meine Praxis zu übernehmen. Viel wichtiger ist jedoch, dass beide mit ihrer wissenschaftlichen TƤtigkeit glücklich sind.

Wie bringst du deine berufliche TƤtigkeit mit den standespolitischen AktivitƤten in Einklang?

Ich hatte das Glück, mit Prof. Renzo Brun del Re, Prof. Albert Huch und Dr. Giovanni Bass gute Mentoren gehabt zu haben, die mich für die standespolitische Tätigkeit motivierten. Diese bedeutet für mich einen intellektuellen Ausgleich zur Praxistätigkeit, auch wenn sie oft mit zusätzlicher Arbeit verbunden ist. Ich gönne mir jedoch genügend Ferien, um auszuspannen, und ich nehme mir Zeit für Reisen und mein Hobby, die Fotografie.

Du hast dir in den letzten Jahren national und international einen Ruf als äusserst geschickter Entferner von schwierigen Hormonimplantaten gemacht. So wurde kürzlich im hoch angesehenen amerikanischen «Contraception» eine Originalarbeit publiziert (Contraception 2021;104:577-580), die auf deinen Erfahrungen und Daten basieren. Was war dabei der häufigste Einlegefehler, der eine schwierige Entfernung zur Folge hatte?

Meine Daten wurden von der Kollegin Samia El Hadad ausgewertet. Dabei stellten wir fest, dass knapp 60% der Implanons subfaszial und knapp ein Drittel weit weg von der Insertionsstelle lagen, was mit einer fehlerhaften Insertionstechnik zu erklären ist. Beim alten Implanon war es möglich, den Applikator-Stempel vorzuschieben, anstatt die Kanüle über dem Stempel zurückzuziehen.

Was muss jede Einlegerin und jeder Einleger von Hormonimplantaten berücksichtigen, dass keine schwierige Entfernung nötig wird?

Wichtig ist die korrekte subdermale Lage. Das lässt sich leichter erzielen, wenn die Haut beim Einstechen der Insertionskanüle mit zwei Fingern etwas angehoben wird. Das neue Implanon NXT sollte verhindern, dass das Stäbchen irrtümlich vorgeschoben wird und damit zu tief zu liegen kommt. Zudem gilt es die neu empfohlene Insertionsstelle weiter dorsal am Oberarm zu beachten, um weniger Nervenschädigungen zu riskieren.

Du hast eine volle Praxis und kümmerst dich zudem an
vorderster Front um eine qualitativ hochstehende Frauenheilkunde in der Schweiz mit fairen Tarifen. Dabei kämpfst du seit Jahren für eine Modernisierung des TARMED. Woran liegt es, dass die Reformverhandlungen zwischen den Tarifpartnern so harzig laufen?

Das lag vor allem an der Konstellation der Verhandlungspartner innerhalb von Tarmedsuisse und der Blockade der Kostenträger bei vielen Reformvorschlägen. Man fürchtete, dass dringend nötige Anpassungen des TARMED zu einem Kostenschub führen könnten. Mir kam es oft vor wie das Vetorecht innerhalb des UNO-Sicherheitsrates.

Zusätzlich zum angestrebten Einzeltarifwerk TARDOC wird auch über die Einführung von ambulanten Pauschalen diskutiert. Wo liegen die Vor- und Nachteile dieser beiden Entschädigungsmethoden?

Der Vorteil von Pauschalen liegt bei der vereinfachten Abrechnung und besseren Kontrollmöglichkeit. Damit kann eine missbräuchliche Mengenausweitung verhindert werden. Pauschalen eignen sich jedoch nur für standardisierte Prozesse, wie z.B. einer ambulant durchgeführten Konisation oder einfachen Hysteroskopie mit Curettage. Ein Einzelleistungstarif ist transparenter, dafür durch die Kumulationsmöglichkeiten schwieriger zu kontrollieren.

Du arbeitest auch beim Swiss Laos Hospital Project mit. Was ist das Swiss Laos Hospital Project (SLHP)?

Das SLHP ist ein ZEWO-zertifiziertes humanitƤres Hilfsprojekt zur Verbesserung der Gesundheit von Mutter und Kind in Laos, einem der Ƥrmsten LƤnder der Welt, mit einer der weltweit hƶchsten Kinder- und Müttersterblichkeit. Es wurde im Jahr 2000 von Dr. med. Urs Lauper gegründet. Dank finanzieller Unterstützung konnten wir die Infrastruktur in diversen SpitƤlern verbessern (GebƤrabteilungen, OP, Neonatologie) und, was ebenso wichtig ist, die laotischen Ƅrzte und das Pflegepersonal schulen. Bedingt durch die Pandemie, haben wir in letzter Zeit diverse Webinare durchgeführt, die bei den laotischen Ƅrzten auf grosses Interesse stiessen.

Welche Rolle hast du beim Swiss Laos Hospital Project?

Ich bin im Vorstand des SLHP und u.a. für den Kontakt zu den niedergelassenen GynƤkologinnen und GynƤkologen verantwortlich. Zudem habe ich mich für die Schulung und für die materielle Ausstattung in endoskopischer GynƤkologie eingesetzt. Wir haben z.B. interessierten OberƤrzten einen Studienaufenthalt in Vietnam finanziert, um dem Ƅrztepersonal vor Ort eine endoskopische Ausbildung zu ermƶglichen.

Was ist deine Leibspeise?

Ich kann mich nicht auf eine einzige Leibspeise beschränken. Ich liebe die französische und die italienische sowie die asiatische Küche. Einem Eintopf (in der Cocotte) mit Lamm, frischen Teigwaren und feiner Sauce oder einer thailändischen Tom Kha Gai bin ich nie abgeneigt.

Und dein LieblingsgetrƤnk?

Unter der Woche Assam- oder Grüntee. Bei besonderer Gelegenheit oder am Wochenende gerne ein Glas Bordeaux, vor allem Pauillac und Saint Estèphe als Essensbegleiter. In letzter Zeit habe ich auch die spanischen Weine aus dem Priorat und die Blanc de Blanc Champagner entdeckt.

Herzlichen Dank für das Interview und den Einblick in Deine Aktivitäten bei der SGGG und dem SLHP!

Prof. em. Dr. med. Bruno Imthurn

Senior Consultant Kinderwunschzentrum
360° Zürich

bruno.imthurn@uzh.ch

Klares Ergebnis der LeserInnen in unserer Umfrage

Ginge es nach den LeserInnen von Ā«der informierte arztĀ», wƤre die Diskussion, ob man pro Ausgabe 1 oder 2 Kern-Credits der SGAIM erhƤlt, nicht zu führen – wenn dann eher über 2 oder 3 Fortbildungspunkte … Dennoch hat uns die Fortbildungskommission (Dr. Providoli, Dr. Tronnolone) nun mitgeteilt, Ā«die Anzahl Credits pro Ausgabe ab 2022 definitiv auf 1 Credit pro Ausgabe zu reduzieren, weil die Referenzzeit der eingereichten BeitrƤge weiterhin nicht der Zeit entspricht, welche für 2 Credits nƶtig wƤren.Ā»

Das heisst erneut, die wenigen Testleser der Kommission benƶtigen für alle Fortbildungstexte inkl. dem Ausfüllen der CME-Fragen für eine Erfolgsquote von mind. 60% weniger als 1 Stunde … Erforderlich für die derzeit 2 Credits sind 90 Minuten. Die grafische Darstellung der Ergebnisse von unserer entsprechenden Umfrage in den vergangenen beiden Ausgaben zeigen hingegen auf einen Blick: Die 42 TeilnehmerInnen (oder anders gesagt deutlich mehr Test-LeserInnen) benƶtigen überwiegend mehr als 2 Stunden für Lesen der Artikel und Lƶsen der CME-Fragen, um sich mit Ā«der informierte arztĀ» qualitƤtsgesichert fortzubilden – was unseren hierfür notwendigen enormen Aufwand bestƤtigt und die entsprechende Creditanzahl ergeben sollte. Wir kƶnnen uns nur wundern!

Doch eigentlich überlegen wir, Aufwand und Kosten für nur einen unverhältnismässigen Credit einzustellen. Wir können nicht nachvollziehen, warum eine solche anhand der richtig beantworteten CME-Fragen messbare Fortbildung nicht ausreichend honoriert wird. Und warum unsere 669 angemeldeten CME-Leser wie auch die Chefredaktorin und unser Hausärzte-Board als allesamt SGAIM-Mitglieder zumindest enttäuscht wenn nicht frustriert werden: Unsere LeserInnen für ihre Teilnahme an der Fortbildung, unser Editorial-Board für seinen Einsatz für die praxisrelevante Themenauswahl und ihre aktuelle, professionelle Umsetzung in «der informierte arzt».

Insbesondere mit Blick darauf, wie sehr auch die Umfrage-TeilnehmerInnen unsere Zeitschrift als Fortbildungsinstrument schätzen und über 90% von ihnen die SGAIM-Credits hiefür wichtig sind, bedauern wir den aktuell erhaltenen Beschluss für 2022 sehr und hoffen, dass die Geringschätzung von «der informierte arzt» resp. der engagierten Fortbildung unserer LeserInnen nochmals überdacht wird.

Eleonore E. Droux
Verlegerin und GeschƤftsinhaberin

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen
Wissenschaftlicher Leiter

Eleonore E. Droux

droux@medinfo-verlag.ch

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Die Blockade der «Bilateralen» wirft erste lange Schatten auf unsere Spitzen-Forschung

Die Schweizer Diplomatie geniesst weltweit einen hervorragenden Ruf und betreut seit Jahren internationale heikle Missionen. Leider ist das diplomatische Geschick des Bundesrates gerade weit darunter und schadet dem eigenen Land mit dem einseitigen Verhandlungsabbruch der Bilateralen.

Die Strategie, mit einem Eklat eine Blockade erfolgreich zu lösen, ist fürs Erste nicht aufgegangen. Was sich noch deutlicher abzeichnet ist die Illusion, dass hier zwei gleich starke Partner sich gegenüber­sitzen. Laut unseren stramm rechtsbürgerlichen Politikern müsse die EU gar froh sein, mit einem Partner wie der Schweiz verhandeln zu dürfen: so einmalig und erfolgreich, wie wir Rütli-Nachgeborenen schliesslich seien!?

Die Realität ist anders: Die Schweiz liegt nun mal seit je im Herzen Europas, ein unverzichtbar grosser Teil unserer Arbeitsleistung wird von EU-Bürgern täglich erbracht und unsere Produkte werden vor allem in Europa verkauft und zu einem guten Teil auch produziert. Der freie Waren- und Personenverkehrt ist Teil unserer «nationalen DNA» geworden, die jüngere Bevölkerung kennt es gar nicht anders. Wie nur konnte die Schweiz sich so überschätzen?

Die Folgen dieser unnötig irritierten Situation spüren inzwischen die Maschinen-Industrie in der Produkteanerkennung und insbesondere unsere Spitzenforschung in der ganzen Breite:

1. Der Zugang zum weltweit grössten milliardenschweren Forschungsprogramm «Horizon Europe» bleibt letzteren nun grösstenteils verwehrt.

2. Millionenschwere zugesprochene Grants für Forschende in der Schweiz dürfen nur ausbezahlt werden, wenn diese Arbeit an vom ERC (European Research Council) anerkannten Institutionen erbracht wird. Der EU-Forschungsrat behandelt die Schweiz neu nur noch als «nicht-assoziierten Drittstaat». Die Forschenden haben nun 2 Monate Zeit, sich zu entscheiden!

3. Dass die Eidgenossenschaft diese Gelder nun kompensieren will, ist leider kein gleichwertiger Ersatz für die ehrenvollen international kompetitiv erworbenen Grants. Der Wegfall dieser international anerkannten Netzwerk-Forschung und einer internationalen weit besser abgestützten Karriere sind ein monetär nicht kompensierbarer Attraktivitätsverlust. Dazu lastet auf dem Ganzen die Unsicherheit, wie es mit den Bilateralen weitergeht. Der SNF selber sagt klar, dass er keine Alternative zu «Horizon Europe» bieten kann.

4. Nun werden besonders erfolgreichen Forschenden in unserem Land bereits sehr attraktive Angebote gemacht, die Schweiz zu verlassen und in EU-Institutionen ihre Arbeit fortzusetzen. Wer annimmt, hat wieder Zugang zu den gewonnen Grants, den europäischen Forschungsnetzwerken und wieder die Zukunfts-Per­spektive, die aktuell in der Schweiz fehlt.

5. Durch den Weggang der besten Forschenden wird auch der Innovations-Werkplatz Schweiz für international führende Firmen in der Biomedizinischen Entwicklung in Diagnostik und Therapie, der Robotik, der Informatik und KI, der Physik und Chemie und vielen weiteren Bereichen an Attraktivität verlieren.

Ob sich dies noch aufhalten lƤsst? Was sich abzeichnen müsste, ist ein klarer politischer Wille der Schweiz, rasch zu handeln und einen glaubwürdig praktikablen bilateralen Weg aufzuzeichnen. Helfen Sie mit in ihrem Umfeld, dass dieses noch wenig beachtete Thema stƤrker in der Ɩffentlichkeit wahrgenommen und diskutiert wird! Es hat viele Milliarden Geld und Jahrzehnte gebraucht, die kleine Alpen-Schweiz an der Front der weltweiten Forschungsspitze zu positionieren. Dieser Platz kann schneller verspielt werden als wir uns vorstellen kƶnnen. Viele LƤnder sind heute auf einem Ƥhnlichen Niveau wie die Schweiz, aber weniger belastet durch politische Unentschlossenheit und lƤhmende Tabus. Europa ist nun einmal unser gesetzter Platz auf diesem Planeten, Teil unserer Geschichte, Kultur, IdentitƤt und damit unserer Zukunft. Auf keinem anderen Kontinent gibt es vergleichbare Freiheiten und Chancen.

So wollen wir hoffen, dass die Schweiz zurückfindet zu einem realistischen Pragmatismus, zu einem diplomatischen erfolgreichen Verhandeln und zum Mut, den neuen globalen Herausforderungen Rechnung zu tragen.

 

Prof. em. Dr. med. Thomas Cerny
thomas.cerny@kssg.ch

Prof. em. Dr. med.Thomas Cerny

Rosengartenstrasse 1d
9000 St. Gallen

thomas.cerny@kssg.ch

AusgewƤhlte Studien zu soliden Tumoren

Zusammenhang zwischen BehandlungsmodalitƤt, funktionellen Ergebnissen und Ausgangscharakteristika mit behandlungsbedingter Reue bei MƤnnern mit lokalisiertem Prostatakrebs

Quelle : Wallis CJD et al. Association of Treatment Modality, Functional Outcomes, and Baseline Characteristics With Treatment-Related Regret Among Men With Localized Prostate Cancer. JAMA Oncol. doi:10.1001/jamaoncol.2021.5160 Published online November 18, 2021

Behandlungsbezogenes Bedauern ist ein integratives, patientenzentriertes Mass für MorbiditƤt, onkologische Ergebnisse und Ƅngste im Zusammenhang mit der Diagnose und der Behandlung von Prostatakrebs. Das Ziel der vorliegenden Studie war die Bewertung des Zusammenhangs zwischen Behandlungsansatz, funktionellen Ergebnissen und Patientenerwartungen und behandlungsbezogenem Bedauern bei Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs.
Diese bevölkerungsbezogene, prospektive Kohortenstudie verwendete fünf beobachtungsbasierte, epidemiologische und Endresultat-basierte Register im Rahmen der Comparative Effectiveness Analysis of Surgery and Radiation Cohort. Die Teilnehmer waren Männer mit klinisch lokalisiertem Prostatakrebs vom 1. Januar 2011 bis zum 31. Dezember 2012. Die Daten wurden vom 2. August 2020 bis zum 1. März 2021 ausgewertet. Zu den Prostatakrebsbehandlungen gehörten Operation, Strahlentherapie und aktive Überwachung. Es wurden Patientenberichte über behandlungsbedingtes Bedauern anhand validierter Messgrössen analysiert. Die Regressionsmodelle wurden für demografische und klinisch-pathologische Merkmale, den Behandlungsansatz und die von den Patienten berichteten funktionellen Ergebnisse berichtigt.

Resultate

Unter den 2072 in die Analyse einbezogenen Männern (mittleres Alter 64 [IQR, 59-69] Jahre) wurde behandlungsbedingtes Bedauern 5 Jahre nach der Diagnose bei 183 Patienten (16 %) nach einer Operation 76 (11 %), einer Strahlentherapie und 20 (7 %) einer aktiven Überwachung untersucht. Im Vergleich zur aktiven Überwachung und unter Berücksichtigung der Unterschiede in der Ausgangslage war die aktive Behandlung mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit des Bedauerns bei denjenigen verbunden,
die sich einer Operation (bereinigte Odds Ratio [aOR], 2,40 [95 % KI, 1,44-4,01]), nicht aber einer Strahlentherapie (aOR, 1,53 [95 % KI, 0,88-2.66]) unterzogen. Bei Berücksichtigung der Mediation durch die von den Patienten berichteten funktionellen Ergebnisse, war die Behandlungsmodalität nicht unabhängig mit Bedauern verbunden. Sexuelle Dysfunktion, nicht aber andere von den Patienten angegebene funktionelle Ergebnisse, war signifikant mit Bedauern verbunden (aOR für die Veränderung der sexuellen Funktion gegenüber dem Ausgangswert, 0,65 [95% CI, 0,52-0,81]). Subjektive von den Patienten wahrgenommene Wirksamkeit der Behandlung (aOR, 5,40 [95% CI, 2,15-13,56]) und unerwünschte Wirkungen (aOR, 5,83 [95% CI, 3,97-8,58]), verglichen mit den Erwartungen der Patienten vor der Behandlung, waren mit behandlungsbedingtem Bedauern verbunden. Andere Patientenmerkmale zum Zeitpunkt der Behandlungsentscheidung, einschließlich der Ergebnisse der partizipativen Entscheidungsfindung (aOR, 0,80 [95% CI, 0,69-0,92]), soziale Unterstützung (aOR, 0,78 [95% CI, 0,67-0,90]) und Alter (aOR, 0,78 [95 % KI, 0,62-0,97]), waren signifikant mit Bedauern verbunden. Die Ergebnisse waren vergleichbar, wenn das Bedauern nach 3 Jahren und nicht nach 5 Jahren beurteilt wurde.

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse dieser Kohortenstudie legen nahe, dass mehr als einer von zehn Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs die Behandlung bereut. Die Raten des Bedauerns scheinen sich unter den Behandlungsmethoden zu unterscheiden, und zwar in einer Weise, die durch funktionelle Ergebnisse und die Erwartungen der Patienten bedingt ist. Eine Behandlungsvorbereitung, die sich auf Erwartungen und Behandlungstoxizität konzentriert und im Rahmen einer gemeinsamen Entscheidungsfindung sollte Gegenstand künftiger Forschung sein, um zu untersuchen, ob sie das Bedauern verringern kann.

Adjuvantes Capecitabin-enthaltendes Regime verbessert verlängert das Überleben von Patientinnen mit Brustkrebs bescheiden. Resultate der FinXX Studie

Quelle: Joensuu H et al. Adjuvant capectiabine for early breats cancer : 15 year overal survival results from a randomized trial. JCO Published oinline 12 January 2022 DOI :10.1200/JCO.21.02054

Zum Einfluss der adjuvanten Behandlung mit Capecitabin auf das Langzeitüberleben von Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium liegen nur wenige Daten vor. Die Finland Capecitabin Studie (FinXX) ist eine randomisierte, offene, multizentrische Studie, die die Integration von Capecitabin in eine adjuvante Chemotherapie mit einem Taxan und einem Anthrazyklin zur Behandlung von Brustkrebs im Frühstadium untersuchte (1). Zwischen dem 27. Januar 2004 und dem 29. Mai 2007 wurden 1 500 Patientinnen mit axillärem, knotenpositivem oder hochriskantem, knotennegativem Brustkrebs im Frühstadium in die Studie aufgenommen. Die Patientinnen wurden randomisiert entweder TX-CEX, bestehend aus drei Zyklen Docetaxel (T) plus Capecitabin (X), gefolgt von drei Zyklen Cyclophosphamid, Epirubicin und Capecitabin (CEX, 753 Patienten), oder T-CEF, bestehend aus drei Zyklen Docetaxel, gefolgt von drei Zyklen Cyclophosphamid, Epirubicin und Fluorouracil (CEF, 747 Patienten), zugewiesen. Es wurde eine nach dem Protokoll vorgesehene Analyse des Gesamtüberlebens auf der Grundlage einer etwa 15-jährigen Nachbeobachtung der Patienten durchgeführt.

Resultate

Die Datenerfassung wurde am 31. Dezember 2020 abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt betrug die mediane Nachbeobachtungszeit der noch lebenden Patienten 15,3 Jahre (Interquartilsbereich, 14,5-16,1 Jahre) in der TX-CEX-Gruppe und 15,4 Jahre (Interquartilsbereich, 14,8-16,0 Jahre) in der T-CEF-Gruppe. Die mit TX-CEX behandelten Patienten überlebten lƤnger als die mit T-CEF behandelten (Hazard Ratio 0,81; 95% CI, 0,66 bis 0,99; P = .037). Die 15-Jahres-Überlebensrate betrug in der TX-CEX-Gruppe 77,6 % und in der T-CEF-Gruppe 73,3 %. In explorativen Subgruppenanalysen lebten Patientinnen mit Ɩstrogenrezeptor-negativem Krebs und solche mit dreifach-negativem Krebs, die mit TX-CEX behandelt wurden, tendenziell lƤnger als diejenigen, die mit T-CEF behandelt wurden.

Schlussfolgerungen

Die Zugabe von Capecitabin zu einem Chemotherapieschema, das Docetaxel, Epirubicin und Cyclophosphamid enthielt, verlängerte das Überleben von Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium.

Gesamtüberleben bei Krebsmedikamenten, die für genomische Indikationen zugelassen sind

Quelle: Haslam A et al. Overall survival for oncology drugs approved for genomic indications. European Journal of Cancer, https://doi.org/10.1016/j.ejca.2021.10.028

Die Zahl der Arzneimittelzulassungen für genombasierte Indikationen hat in den letzten Jahren zugenommen, aber es ist nicht bekannt, wie viele davon eine Verbesserung des Gesamtüberleben (OS) gezeigt haben. In der vorliegenden Studie wurde die Häufigkeit der zugelassenen genominformierten Arzneimittel, die eine Verbesserung des OS und des progressionsfreien Überlebens (PFS) zeigen, und ob sich die Häufigkeit nach Krebsart unterschieden, untersucht.
Es wurden alle Zulassungen der Food and Drug Administration von 2006 bis 2020 analysiert, und für jedes Medikament, das für eine genomische Indikation zugelassen wurde, wurde danach in PubMed nach randomisierten Studien zur Untersuchung von OS oder PFS gesucht.

Resultate

Es wurden 53 Arzneimittel gefunden, die zwischen 2006 und 2020 für 92 verschiedene Indikationen zugelassen wurden. Es zeigte sich, dass für 50 Arzneimittel (55 %), die für eine genomische Indikation zugelassen waren, eine randomisierte Studie zur Bewertung des OS beinhalteten und von diesen zeigten nur 22 eine Verbesserung des OS. Ƅhnlich verhƤlt es sich bei 52 Medikamenten (57 %), die einen Nutzen für das Überlebenszeitverhalten (PFS) untersuchten. 51 dieser Studien zeigten eine Verbesserung des PFS. Medikamente, die für BRAF-V600-Melanome zugelassen sind, zeigten hƤufiger eine Verbesserung des OS als Medikamente, die für ALK-mutierten nicht-kleinzelligen Lungenkrebs zugelassen sind. Die mediane Verbesserung des OS betrug 4,7 Monate (Spanne 1,5 Monate bis 49,1 Monate).

Schlussfolgerungen

Obwohl die Begeisterung für diese Wirkstoffklasse weit verbreitet ist und viele beeindruckende Ansprechraten zeigen, sind weitere Studien oder Studien nach der Markteinführung erforderlich um die Auswirkungen auf das Überleben und die Lebensqualität, das Ausmass dieser Vorteile und die Kosteneffizienz dieser Wirkstoffe zu ermitteln.

Prof. Dr. med. Beat Thürlimann

SwissBreastCare
Bethanienspital
Toblerstrasse 51
8044 Zürich

AusgewƤhlte Studien aus der HƤmato-Onkologie

Axicabtagene Ciloleucel als Zweitlinientherapie für Patienten mit
grosszelligem B-Zell Lymphom

Quelle: F.L. Locke et al. N Engl J Med. 2021 Dec 11. doi: 10.1056/NEJMoa2116133. PMID: 34891224

Hintergrund

Die Prognose von Patienten mit früh rezidiviertem oder refraktärem grosszelligem B-Zell-Lymphom nach einer Erstlinien-Chemo-immuntherapie ist schlecht.

Methoden

In dieser internationalen Phase-II-Studie (ZUMA-7) wurden Patienten mit einem grosszelligen B-Zell-Lymphom in einem Verhältnis von 1:1 randomisiert. Patienten refraktär gegenüber einer Chemoimmuntherapie oder mit einem Rückfall innerhalb von 12 Monaten nach einer Erstlinien-Chemoimmuntherapie wurden randomisiert und erhielten entweder axicabtagene ciloleucel (Axi-cel) oder eine Standardbehandlung bestehend aus zwei oder drei Zyklen einer vom Prüfarzt ausgewählten, im Protokoll festgelegten Chemoimmuntherapie, gefolgt von einer Hochdosis-Chemotherapie mit autologer Stammzellentransplantation bei Patienten, die auf die Chemoimmuntherapie ansprechen. Der primäre Endpunkt war das ereignisfreie Überleben (EFS), wichtige sekundäre Endpunkte waren Ansprechraten und das Gesamtüberleben.

Ergebnisse

Insgesamt 180 Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip einer Behandlung mit Axi-cel bzw. 179 Patienten einer Standardbehandlung zugeteilt. Die primäre Endpunktanalyse des EFS zeigte, dass die Axi-cel-Therapie der Standardbehandlung überlegen war. Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 24,9 Monaten betrug das mediane EFS 8,3 Monate in der Axi-cel-Gruppe und 2,0 Monate in der Gruppe mit Standardtherapie. Das EFS nach 24 Monaten betrug 41% bzw. 16% (Hazard Ratio für Ereignis oder Tod, 0,40; 95% Konfidenzintervall, 0,31 bis 0,51; P<0,001). 83% der Patienten in der Axi-cel-Gruppe und 50% der Patienten in der Standardbehandlungsgruppe wiesen ein Ansprechen auf, mit einem vollständigen Ansprechen in 65% bzw. 32% aller Patienten.
In einer Zwischenanalyse betrug das geschätzte Gesamtüberleben nach 2 Jahren in der Axi-cel-Gruppe 61% und in der Standardbehandlungsgruppe 52%. Unerwünschte Ereignisse Grad 3 oder höher traten bei 91% der Axi-cel-Patienten und bei 83% der Patienten mit Standardtherapie auf. Bei Patienten, die Axi-cel erhielten, trat in 6% ein Zytokinfreisetzungssyndrom Grad 3 oder höher und bei 21% ein neurologisches Ereignis Grad 3 oder höher auf. Es traten keine Todesfälle in Zusammenhang mit dem Zytokinfreisetzungssyndrom oder neurologischen Ereignissen auf.

Schlussfolgerung

Die Axi-cel-Therapie führt zu einer signifikanten Verbesserung im Vergleich zur Standardbehandlung. Dies in Bezug auf das EFS und das Ansprechen, wobei das Ausmass an hochgradigen toxischen Nebenwirkungen im erwarteten Rahmen blieb.

Die Studie ist registriert unter Clinical Trials.gov-Nummer NCT03391466 und
wurde finanziert von Kite.

An die minimale Resterkrankung angepasste Therapie mit Daratumumab, Carfilzomib, Lenalidomid und Dexamethason bei Patienten neu diagnostiziertem Multiplen Myelom

Quelle : Costa LJ et al., J Clin Oncol. 2021 Dec 13:JCO2101935. doi: 10.1200/JCO.21.01935. PMID: 34898239

Hintergrund

Die MASTER-Studie kombinierte Daratumumab, Carfilzomib, Lenalidomid und Dexamethason (DaraKRd) bei Patienten mit neu diagnostiziertem Multiplem Myelom (NDMM), wobei die mittels Next-Generation Sequenzierung (NGS) bestimmte minimale Resterkrankung (MRD) den Einsatz und die Dauer von Dara-KRd nach einer autologen hƤmatopoetischen Zelltransplantation (AHCT) und die Beendigung der Behandlung bei Patienten mit zwei aufeinanderfolgenden MRD-negativen Bewertungen bestimmte.

Methoden

In dieser multizentrischen, einarmigen Phase-II-Studie wurden
Patienten mit NDMM mit zu erwartend gehäuften zytogenetischen Hochrisikoanomalien (HRCAs) aufgenommen. Die Patienten erhielten je nach MRD-Status Dara-KRd-Induktion, AHCT und Dara-KRd-Konsolidierung. MRD wurde mittels NGS am Ende der Induktion, nach der AHCT und alle vier Zyklen (maximal acht Zyklen) der Konsolidierung untersucht. Primärer Endpunkt war das Erreichen einer MRD-Negativität (<10-5). Patienten mit zwei aufeinanderfolgenden MRD-negativen Befunden wurden in eine behandlungsfreie MRD-Überwachung überführt.

Ergebnisse

Von den 123 Teilnehmern hatten 43% keine, 37% 1 und 20%
2+ HRCA. Das mittlere Alter betrug 60 Jahre (Spanne 36-79 Jahre), und bei 96% war die Erfassung einer MRD durch NGS möglich. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 25,1 Monate. Insgesamt, 80% der Patienten erreichten MRD-Negativität (78%, 82% und 79% bei Patienten mit 0, 1 bzw. 2+ HRCA), 66% erreichten MRD < 10-6, und 71% erreichten zwei aufeinanderfolgende MRD-negative Befunde während der Therapie und gingen in die behandlungsfreie Nachsorge über. Das zweijährige progressionsfreie Überleben (PFS) betrug 87% (91%, 97% und 58% bei Patienten mit 0, 1 bzw. 2+ HRCA). Die kumulative Inzidenz eines MRD-Wiederauftretens oder einer Progression 12 Monate nach Beendigung der Therapie betrug 4%, 0% bzw. 27% bei Patienten mit 0, 1 bzw. 2+ HRCA. Die häufigsten schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse waren Lungenentzündung (6%) und venöse Thromboembolien (3%).
Schlussfolgerungen Dara-KRd, AHCT und MRD-angepasste Konsolidierung führen zu einer hohen Rate an MRD-Negativität bei NDMM. Für Patienten mit 0 oder 1 HRCA bietet diese Strategie die Möglichkeit einer MRD-Überwachung als Alternative zur unbegrenzten Erhaltungstherapie.
Die Studie ist registriert unter Clinical Trials.gov-Nummer NCT03224507 und wurde finanziell unterstützt durch Amgen und Janssen.

Prof. Dr. med. Christoph Renner

Onkozentrum Hirslanden Zürich und Onkozentrum Zürich
Witellikerstrasse 40
8032 Zürich

Christoph.renner@hirslanden.ch