Im Rahmen des Geriatrie-Seminars der Barmelweid-Akademie sprach PD Dr. med. Florian Strasser, Cancer Fatigue Clinic (Onkologie Schaffhausen, KS Münsterlingen, Zentrum Radiotherapie Rüti, Zentrum für Integrative Medizin, Kantonsspital St.āGallen) zum Thema Fatigue. Dabei wies der Vorsitzende Dr. med. Matthias Schlƶgl, Barmelweid, darauf hin, dass Fatigue im klinischen Alltag hƤufig unterschƤtzt wird.
Die erste Botschaft des Referenten lautete: Machen Sie das Assessment, verpassen Sie es nicht! Es ist wichtig, zwischen Fatigue im Zusammenhang mit der Krebstherapie und Fatigue im Zusammenhang mit der Krebserkrankung zu unterscheiden. Fatigue ist nicht durch kƶrperliche AktivitƤt erklƤrbar und beeintrƤchtigt auch nicht die gewohnten Funktionen. Ruhe- und Schlafphasen bringen wenig oder keine Erholung.
Krebsbedingte Müdigkeit bei älteren Menschen
Die Erkenntnisse aus dem Jahr 2013 waren:
Inflammation ā Zytokine,
Depression, Antikrebs-Therapie ToxizitƤt,
Energie- und Muskel Dysregulation,
KomorbiditƤten.
Die Erkenntnisse aus dem Jahr 2023 sind:
Inflammaging, Krebskachexie, Depression, Antikrebstherapie, ToxizitƤt aller ModalitƤten
Kognitiv, Mitochondrien
Energie- und Muskeldysregulation
Definition der Krebs-Fatigue
Krebsbedingte Fatigue stellt eine belastende, anhaltende, subjektive Empfindung von physischer, emotionaler und/oder kognitiver Müdigkeit oder Erschöpfung dar, die durch die Krebserkrankung (Cancer disease related) oder durch die Krebsbehandlung (Cancer therapy associated) verursacht wird. Die Fatigue lässt sich nicht durch körperliche Aktivität erklären und beeinträchtigt das gewohnte Funktionieren. Ruhe- und Schlafphasen erweisen sich als wenig oder gar nicht regenerativ.
Tumorkachexie – eine Ursache von Fatigue
Im Kontext einer aktiven Krebserkrankung sind Wahrnehmungen rund um das Essen und körperliche Funktionen verändert. Tumorgewebe ist metabolisch aktiv und verursacht Entzündungen sowie Muskelabbau. In Stress-Situationen werden Hungersignale herunterreguliert. Die verschiedenen Sättigungssignale sind aktiv, jedoch ohne Magenfüllung und trotz eines Energiedefizits. Die Patientin bzw. der Patient erlebt Appetitlosigkeit, frühe Sättigung, Dysgeusie, Verstopfung, Durchfall, Müdigkeit (physisch)/Fatigue, Angst und Ungewissheit.
Tumorkachexie, Malnutrition und Sarkopenie sind überlappende Syndrome.
Malnutrition bezeichnet einen Zustand, bei dem die Nahrungsaufnahme reduziert ist, was zu einem Verlust an Muskelmasse führt.
Sarkopenie bezeichnet den Verlust an Muskelmasse, der durch verschiedene Faktoren bedingt sein kann, darunter Malnutrition, Alter, Kachexie oder Tumorkachexie.
Tumorkachexie bezeichnet ein Spektrum, das sich aus folgenden Kriterien zusammensetzt:
- PrƤkachexie: Appetitlosigkeit, kƶrperliche Fatigue, CRP > normal
- Kachexie: Gewichtsverlust > 5 % oder BMI < 20 und Gewichtsverlust > 2 %. Sarkopenie und Gewichtsverlust > 2 % oft mit eingeschrƤnkter Nahrungseinnahme/systemischer Inflammation
- Refraktäre Kachexie: variabler Grad an Kachexie. Die Krebserkrankung ist prokatabolisch, wobei sie zudem resistent gegenüber einer onkologischen Therapie ist.
- Der Leistungsstatus ist reduziert (2, 3, 4).
Die Survivorship Fatigue stellt sich zwei Jahre nach einer multimodalen, Krebs-gerichteten Behandlung in kurativer Intention als Cancer Treatment Related Fatigue (CTRF) dar. Das Energielevel liegt bei voller Performance bei 2, bei limitierter Performance bei 3 Stunden.
CtRF (Survivorship Fatigue) Was ist der Mechanismus?
- Reduktion der Mitochondrien (Zahl, Grƶsse,) im Muskel in astralen Gliazellen, noch experimentell
- Stƶrungen des autonomen Nervensystems: HRV mittels Biofeedback, noch experimentell
- Dysregulation inflammatorischer Zytokine (i. Blut Veränderungen variabel und unter den üblichen Normwerten, z. B. IL-10)
- Störung hypothalamischer, serotoninerger und zirkadianer Regelkreise ( u. a. Melatonin: im ZNS, nur bezüglich Schlafmedizin teilweise therapeutisch verwertbar
- Stƶrungen der neuro-kognitiven Funktion: Neuropsychologische Untersuchung
- Genpolymorphismen für Regulationsproteine führen zu unterschiedliche Veranlagungen für CtRF.
Die Chemotherapie führt zu einer Verringerung der Anzahl und Grösse der Energiekraftwerke (Mitochondrien) in den Muskeln. Dies signalisiert dem Muskel, sich abzubauen (neue Medikamente sind in Entwicklung). Allerdings kann die Chemotherapie den Abbau des Muskels, der durch die Krebserkrankung bedingt ist, bekämpfen. Die Chemotherapie kann somit zu einer Verbesserung des Muskelabbaus führen.
Chemotherapie-assoziierte kognitive Dysfunktion (Chemobrain)
GegenwƤrtig wird das glia-zentrische Modell favorisiert.
Es besteht eine Ćberlappung von CtRF und Chemobrain. Diagnostisch und therapeutisch Ƥhnelt das Vorgehen bei alleiniger CtRF: neurokognitive Untersuchung und multimodales Programm. Alle krebs-spezifischen Therapien kƶnnen Fatigue verursachen. Die am hƤufigsten auftretende Ursache ist die Chemotherapie.
In einer im Jahr 2017 veröffentlichten Studie (Kogure E et al. J Phys Ther Sci 2017;29:2004-8) wurden die Veränderungen der körperlichen Funktion und der Müdigkeit untersucht. Die Unterschiede zwischen postoperativen Patienten mit gastroenterologischen Karzinomen, die 65 Jahre oder älter waren, wurden mit solchen unter 64 Jahren verglichen. Zudem wurden die Korrelationen zwischen dem Alter und jeder Bewertung bei den drei Gelegenheiten untersucht. Die 6MWD erwies sich als der Hauptunterschied zwischen der älteren und der jüngeren Gruppe. Dabei zeigte sich, dass die erstere nach der Operation signifikant niedrigere 6MWD-Werte als die letztere aufwies. Das Alter korrelierte positiv mit der 6MWD und Albumin nach der Operation und nach der Entlassung.
Des Weiteren konnte eine negative Korrelation zwischen dem Alter und dem CFS (Cancer Fatigue Scale) nach der Operation sowie nach der Entlassung festgestellt werden. Es wird angenommen, dass ältere Patienten mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Abnahme der Belastungstoleranz und eine Zunahme der Müdigkeit erfahren.
Vollnarkosen können kognitive Fatigue verursachen, wobei das Narkosemittel eine Rolle spielt. Diesbezüglich sei auf die Studie von De Bias G et al. (Neurosurgery 2022; 90: 186-191) verwiesen.
Fatigue ist häufig bei allen Tumorarten, vor allem aber bei Mamma- und ZNS-Karzinomen. Die Fatigue stellt eine häufige Langzeit-Nebenwirkung der krebsspezifischen Therapie sowie der Krebserkrankung selbst dar. Von entscheidender Bedeutung ist das systematische (!) Erkennen der Symptomlast sowie der Funktionseinschränkungen, wie der Referent hervorhob. «Welcher Standard ist in Ihrer Klinik bereits implementiert?», fragte er in die Runde.
ESAS oder andere Tools:
Proaktiv, kƶrperlich und psychisch, quantitativ, verbal auch mƶglich (kein, mittel, stark) ā dies ermƶglicht die Erfassung des Empfindens von Patienten. Dabei wird oft unterschƤtzt, dass Angst, Anorexie und Depressionen sowie Fatigue bei Patienten auftreten kƶnnen. Schwellenwerte: ā„ 4/10 oder individuelles Symptomziel.
Der Schwellenwert für Fatigue liegt bei ℠4/10.
Lassen sich Unterschiede bezüglich der Symptomlast bei Depression bzw. Fatigue zwischen älteren und jüngeren Krebsüberlebenden feststellen? Wie ist der Unterschied zwischen Frauen und Männern? Hinsichtlich Depressionen zwischen älteren und jüngeren Erwachsenen wurden keine Unterschiede festgestellt. Frauen berichten jedoch über höhere Raten von Depressionen und höhere Schmerz- und Müdigkeitswerte.
Assessment
Kƶrperlich manifestieren sich die Symptome in Form von Müdigkeit, Erschƶpfung, SchwƤche, Kraftlosigkeit und einer reduzierten LeistungsfƤhigkeit. Emotionale BeeintrƤchtigungen Ƥussern sich in Form von psychischer Erschƶpfung, mangelndem Antrieb, Motivationsproblemen, Interessenverlust, Niedergeschlagenheit, Ćngsten und Frustration. Kognitive BeeintrƤchtigungen zeigen sich in Form von Konzentrationsproblemen, GedƤchtnisproblemen und Problemen beim Denken.
Im Anschluss erfolgte eine Erƶrterung des diagnostischen Vorgehens bei Fatigue. Dabei wurden die folgenden Aspekte thematisiert: die StƤrke der Müdigkeit, die drei DomƤnen der Müdigkeit (Müdigkeit āim Kopfā, ākeine Freudeā, ākeine Kraftā) sowie die Verbesserung der Müdigkeit durch Schlaf. Die Bewertung erfolgte jeweils anhand einer Skala von 0 bis 10 Punkten. Ein weiteres Assessment verwendet die Cancer Fatigue Scale (CFS-D: 15 Punkte). Ein weiteres diagnostisches Interview zum Cancer Treatment Related Fatigue Syndrome stellt der Interview-Guide von Alexander Kiss dar. Der Fragebogen umfasst 12 Fragen, die sich auf verschiedene Aspekte der Fatigue beziehen. Dazu zƤhlen SchwƤche, Müdigkeit, Konzentration, GedƤchtnis, Schlaf, AlltagstƤtigkeiten und die Belastung durch Fatigue.
Diagnose des krebsassoziierten Fatiguesyndroms
DICRFS: (Diagnostic Interview for Cancer-Related Fatigue) >6/12
Genaue Anamnese: Geschichte der Krebsbehandlung: Ist Fatigue wƤhrend der Krebsbehandlung aufgetreten?
a) Systemische, (medikamentƶse) Krebsbehandlung, typisch G2/3. Fatigue zwischen Tag 4 – 11. Die Schwere der Fatigue nimmt mit der Anzahl der Zyklen zu. Eine Assoziation mit Chemotherapie/induzierter Neuropathie sowie anderen Nebenwirkungen.
Ursachen und deren AbklƤrung
Kƶrperlich: Malnutrition: Essprotokoll. Albumin, Vitamine (B12, D), Eisenstatus, Zn. Tumorkachexie: Gewichtsverlust, Anorexie, CRP, TumoraktivitƤt. Sarkopenie (Muskelverlust): InaktivitƤt, Alter, Kachexie, C-Steroide. ToxizitƤt (Muskel) krebsspezifische Therapie: Anamnese,
Emotional: Angst, Depression: ESAS, HADS, BAI, BDI-II, Trauma: SkPTBS. Ungewissheit: Krankheits- und PrognoseverstƤndnis.
Medikamentös: Anamnese (!) Opiat, Benzodiazepine, Antidepressiva, Krebstherapie-assoziiertes Müdigkeitssyndrom (CtRF).
Kognitiv: Vollnarkosen, kognitive EinschrƤnkungen Schlaganfall, Unfall
Gemischt: Dehydrierung, Anamnese (Urin, Trinken), Haut, Halsvenen
Elektrolyte: Phosphat, Calcium, ev. Na, ev Mg
Organfunktion: Biere, Leber, Herz (NT-proBNP), Lunge (AF, O2-SƤttigung)
Entzündung (Tumor)/Infektion): Anamnese, CRP:
Endokrin: TSH, freies Testosteron. (MƤnner)
AnƤmie (Hb <10g/dl)
Schlafstƶrungen (SAS, Beinbewegungen, Stƶrungen): ESS, PSQ)
Atemlosigkeit korreliert mit Fatigue
Atemlosigkeit, die anhand von D-12 und MDP gemessen wurde, war bei älteren Männern mit einer schlechteren Müdigkeit verbunden, und zwar in ähnlicher Weise bei den verschiedenen Dimensionen der Atemlosigkeit (Cristea I et al PLOSone 2023;18:e0296016.
Risikofaktoren für CtRFS
Vorbestehende psychosoziale Belastung, Traumata, kƶrperlich/emotional vorbestehende psychiatrische Krankheit, UnverstƤndnis von Angehƶrigen, Mitarbeiter/-innen, Stigma Behinderung, chronisches Schmerz-Syndrom,
Fibromyalgie, schwere CIN P. Unzureichende persƶnliche Ressourcen, um mit Stress umzugehen, die finanzielle oder soziale (Ćber-)Belastung, die fehlenden kƶrperlichen AktivitƤtsgewohnheiten sowie die ungesunden Essgewohnheiten stellen weitere Risikofaktoren dar.
ā Oft Ā«multiple hitĀ»: AnhƤufung wiederkehrender
Ursachen-SchƤdigungen
ā VulnerabilitƤts-Stress-Modell (aus der Psychiatrie)
Parameter eines umfassenden Tumorkachexie-Assessments mit Empfehlungen für Tools
Kƶrpergewicht, Gewichtsverlust (3 Monate)
Die Messung der Nahrungsaufnahme erfolgt anhand des individuellen Bedarfs. Evtl. auch Messung der Muskelmasse (wenn mƶglich in Klinik; B/A Waage
CRP, Albumin /ev. indirekte Kalorimetrie)
ECOG PS, individuell (z.B. n Stockwerke)
Handkraft (Jamar), FTSTS (Five Times Sitt o Stand Test, praktisch wenig validiert)
ev. 4-Meter gait-speed (1.5-4-1.5m)
Nutritition Impact & GI-Symptome (Checkliste, PG-SGA)
Symptome, Belastung (ESAS, EORTC-QIQ-Cax24)
Onkologische Situation: Tumor behandelbar aktuell?
ā Wichtiger ist Ā«machenĀ» im klinischen Alltag, als das perfekte Instrument finden.
Behandlung
Behandlung von Menschen mit (Survivorship-) Fatigue:
Beginnt mit der Diagnose der Krebserkrankung und der Krebsbehandlung. Regelmässige körperliche Aktivität im Alltag und formelles Ausdauer- & Krafttraining. Eiweissreiche (vorwiegend pflanzliche), entzündungshemmende Ernährung. Umgang mit emotionaler Belastung, Information, Kommunikation. Stärkung von Selbstwirksamkeit und Kohärenz
Die Behandlung ist immer multimodal
- Energiemanagement
- Kƶrperliche AktivitƤt
- Achtsamkeitsinterventionen, Mind-Body
- Psychologische Begleitung & Behandlung: Energiefresser (emotional, traumat.)
- ErnƤhrung
- Arzneimittel pflanzlich: ev. Mistel, ev. GinsengYoga, ev. Akupunktur, ev. Massagen
- Gemeinschaft (peer-support) ist hilfreich
- CIM-Behandlungen:
Medikamentƶse Behandlung von Patient:innen mit Survivorship-Fatigue
«Es gibt nichts»
Methylphenidat (Ritalin) evtl. bei AD(H)S
Antidepressiva: bei Depression (als Co-Faktor), nicht bei CtRF
Kortikosteroide: nicht bei CtRF, nur bei Tumorkachexie (NUR < 2 Wochen!)
Melatonin: RCT negativ
Testosteron: nur bei Hypogonadismus (MƤnner, nicht Prostata-CA)
Ginseng und Guarana: wenige Studien, unklar
Mistel: nur wƤhrend Chemotherapie, Bestrahlung und nicht kurativ
Bewegungsrichtlinien für Krebsüberlebende Konsenerklräung eines internationalen multidisziplinären Roundtables
Erwarteter Patientennutzen von Bewegungstraining nach Modus

Der Effekt von Ausdauer- und Krafttraining auf Fatigue ist am besten bei moderater bis energischer IntensitƤt (aerobic) nachgewiesen.
Ausdauertraining (oder Cardio-Kraft) sollte 2-3 x pro Woche (1 h Pause) über einen Zeitraum von 30-40 Minuten durchgeführt werden. Ein fünfminütiges Training (oder High Intensity Intervall Training) mit Ćberwindung (Borg 5-7/10), Schwitzen sowie erhƶtem Puls ist empfehlenswert.
Supervidiertes Training hilft, zudem wirkt ein Trainingsprotokoll motivierend (zudem gut für die Kostengutsprache). In einer randomisierten, kontrollierten Studie bei Brustkrebspatientinnen konnte nachgewiesen werden, dass eine pflanzliche, proteinreiche Ernährung während der adjuvanten Chemotherapie die Entwicklung von Fatigue reduzieren kann (Sathiara E. et al. Nutr Cancer 2023;75:848-856).
Des Weiteren konnte in einer Studie nachgewiesen werden, dass eine antientzündliche ErnƤhrung den ErnƤhrungsstatus und die Fatigue im Vergleich zur Kontrollgruppe verbessern kann. Des Weiteren wies der Referent auf die Broschüre der Krebsliga āFatigue bei Krebsā hin, welche unter anderem folgende Inhalte umfasst: VerstƤndnis von Fatigue, adƤquate Diagnostik, angemessene Begleitung, multimodales Interventionsprogramm, Dokumentation für Versicherungen, Energiemanagement, Schlaf, Fƶrderung und Begleitung von Selbstmanagement, auch (geführte) Selbsthilfegruppen.
Information und Motivation sind wesentliche Elemente, um die Betroffenen zu erreichen und zu einer Verhaltensänderung zu motivieren. Dabei ist es wichtig, die individuellen Bedürfnisse und Lebensumstände zu berücksichtigen.
Der Calman-Cap ist ein Messinstrument, das die LebensqualitƤt als Differenz zwischen Erwartungen und der RealitƤt beschreibt.
Energie-«Management» erlernen
Energie-Level (NRS, Pfeile, ā¦), Energiereserven (Zeit), Müdigkeit: Energie-Fresser und Energie-Quellen beobachten, Reha-Interventionen dokumentieren.
Schlaf
Energie-Fresser: Emotionale Belastung, Erwartungen, Nicht nein-sagen
Energie-Geber/Quellen: Entspannung, Sich was Gutes tun, Reha-Therapien
Im Rahmen der PrioritƤtensetzung ist zunƤchst eine Differenzierung zwischen den Bereichen Alltag, Freizeit, Beruf und Reha-Therapien vorzunehmen. Dabei stellt sich die Frage, in welchen Bereichen die eigenen Energiereserven investiert werden und welchen Sinn dies hat.
Im Rahmen einer Studie wurde festgestellt, dass die Durchführung von regenerativem Yoga zu Hause fünf Mal pro Woche für die Dauer von 50 Minuten die Intensität der Fatigue-Symptome sowie die Funktion verbessert und zudem entzündliche Blutmarker reduziert.
ErnƤhrung bei Krebs
Es ist zu eruieren, ob der Patient einem Ernährungsrisiko ausgesetzt ist. Dazu ist eine umfassende Bewertung durchzuführen, welche den Ernährungszustand, den Stoffwechselzustand, den funktionellen Status, die auftretenden Symptome, Schmerzen, Dyspnoe usw. berücksichtigt. Zudem sind die psychische und soziale Belastung sowie die eingenommenen Medikamente zu evaluieren. Basierend auf den eruierten Daten ist eine massgeschneiderte Intervention zu initiieren, welche eine individuelle Ernährungsintervention durch ein ernährungswissenschaftlich geschultes Team, die Linderung/Behandlung von ernährungsbedingten Symptomen beinhaltet.
Des Weiteren ist eine psychologische/soziale Unterstützung sowie ein angeleitetes körperliches Training (Kraft, Ausdauer) indiziert. Zudem ist eine Berücksichtigung von Behandlungsmöglichkeiten erforderlich.
Die Espen-Richtlinien enthalten Empfehlungen zur ErnƤhrung von Krebspatienten. Im Rahmen einer Ćberarbeitung wurden die Richtlinien gekürzt und die Anwendung in der Praxis vereinfacht. Insgesamt wurden 43 Empfehlungen mit kurzen Kommentaren für das ErnƤhrungs- und Stoffwechselmanagement von Patienten mit neoplastischen Erkrankungen vorgestellt. Den krankheitsbezogenen Empfehlungen sind allgemeine Empfehlungen zur Diagnostik des ErnƤhrungszustandes bei Krebspatienten vorangestellt. Der Leitfaden bietet Gesundheitsdienstleistenden, die an der Behandlung von Krebspatienten beteiligt sind, eine praktische Anleitung für eine optimale ErnƤhrungsversorgung (Mucaritoli M. et al. Clin Nutr. 2021; 40: 2898-2913).
Die Frage, welche ErnƤhrungsweise dazu geeignet ist, das Risiko einer Krebserkrankung zu reduzieren, zu minimieren oder deren Fortschreiten zu verhindern, ist Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass eine mediterrane ErnƤhrung, die reich an ungesƤttigten FettsƤuren ist, einen positiven Einfluss auf die Gesundheit hat. Auch eine vegetarische oder vegane ErnƤhrungsweise kann das Risiko einer Krebserkrankung reduzieren. Mikrobiom: Erde (āDreckā), Ballaststoffe, geringer Zuckergehalt (Dessert nach Mahlzeiten akzeptabel), Fastenimpulse (Intervall, Tage etc.), keine NƤhrstoffdefizite
āWelche ErnƤhrungsweise ist empfehlenswert, wenn eine aktive Krebserkrankung vorliegt?ā
Eine proteinreiche ErnƤhrung (>1,4 g/kg Kƶrpergewicht), eine adƤquate Energiezufuhr (30 kcal/kg Kƶrpergewicht) sowie das Fehlen von NƤhrstoffdefiziten (Vitamin D, B12, FolsƤure u. a.) sind wesentliche Elemente einer solchen ErnƤhrung. Zudem ist eine hohe Frequenz der Mahlzeiten zu beachten.
Ein Grossteil des Fatigue-Managements betrifft Empfehlungen für ein gesundes und selbstwirksames Leben mit und nach Krebs sowie für ein langes Leben.
Die ErnƤhrung ist bewusst, mediterran und beinhaltet Fastenimpulse. Viel Bewegung, viel Gehen, inklusive Treppensteigen. Der Schlaf-Rhythmus und Rituale sind ebenfalls wichtige Elemente. Achtsamkeit im Hier und Jetzt, das Spüren und Atmen sind ebenfalls von Bedeutung. Das āWozuā des eigenen Lebens, Dankbarkeit und Freude sind ebenfalls wichtige Faktoren. Die Naturverbundenheit ist von Bedeutung.
Bei Leben mit Krebs wird das Leben, Empfinden, die Gefühle und die Liebe oft intensiver, so die Schlussworte des Referenten.
Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen
riesen@medinfo-verlag.ch