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Der Spitz-NƤvus ist kein Melanom im Kindesalter

Der klassische Spitz-Nävus ist im Kindesalter eine gutartige, biologisch stabile melanozytäre Läsion und weder mit einem Melanom noch mit einer Vorstufe davon gleichzusetzen. Spitzoide Tumoren insgesamt bilden eine heterogene Gruppe melanozytärer Neoplasien mit variabler Biologie, die neben benignen Nävi auch intermediäre Läsionen mit unsicherem biologischem Verhalten sowie seltene maligne Spitz Melanome umfasst. Die differenzierte Einordnung stützt sich auf eine integrative Bewertung klinischer, histologischer und immunhistochemischer Befunde, ergänzt durch molekulargenetische Analysen in ausgewählten Fällen. Die altersabhängige Risikobewertung, das Wachstumsverhalten, die architektonische Symmetrie sowie Reifungs- und Proliferationsmarker sind zentrale Entscheidungsfaktoren. Ziel ist nicht die begriffliche Klassifikation, sondern die möglichst präzise Einschätzung des biologischen Potenzials. Dieses diagnostische Vorgehen ermöglicht es, unnötige Eingriffe bei stabilen Läsionen zu vermeiden und zugleich seltene progressive Verläufe frühzeitig zu erkennen. Eine strukturierte, altersgerechte und interdisziplinär abgestimmte Diagnostik bildet die Grundlage für eine differenzierte, klinisch verantwortungsvolle Entscheidungsfindung.

The classic Spitz nevus is a benign, biologically stable melanocytic lesion in children and should not be equated with melanoma or its precursors. In contrast, Spitz tumors as a group represent a heterogeneous spectrum of melanocytic neoplasms, ranging from benign nevi to intermediate lesions with uncertain biological behavior and, rarely, malignant Spitz melanomas. Accurate classification relies on an integrative assessment of clinical, histological, and immunohistochemical features, complemented by molecular analyses in selected cases. Age-related risk stratification, growth behavior, architectural symmetry, and markers of maturation and proliferation are key determinants. The primary objective is not semantic categorization but rather a precise estimation of biological potential. This diagnostic approach helps to avoid overtreatment of stable lesions while enabling early detection of rare progressive cases. A structured, age-appropriate, and interdisciplinary diagnostic strategy is essential for informed and responsible clinical decision-making.
Keywords: Spitz nevus, spitzoid tumors, melanoma, pediatric skin tumors

Einleitung

Spitz-Tumoren stellen eine eigenstƤndige, heterogene Gruppe melanozytƤrer Neoplasien dar, die ein breites Spektrum biologischer Verhaltensweisen aufweisen kƶnnen (1). Innerhalb dieses Spektrums werden drei Hauptgruppen unterschieden: der klassische Spitz-NƤvus, der atypische Spitz-Tumor (auch Spitz-Melanozytom genannt) und das Spitz-Melanom (2). Der klassische Spitz- NƤvus manifestiert sich überwiegend im Kindes- und Jugendalter und zeigt typischerweise ein rasches, lokalisiertes Wachstum (3). Weniger als 1 % aller im Kindesalter exzidierten melanozytƤren LƤsionen entfallen auf Spitz- Tumoren (4). Die PrƤdilektionsstellen sind der Kopfbereich sowie die ExtremitƤten (5). Etwa 70 % aller Spitz-Tumoren werden in den ersten beiden Lebensdekaden diagnostiziert, ein erstmaliges Auftreten im Erwachsenenalter ist jedoch ebenfalls mƶglich (3). Klinisch prƤsentiert sich der klassische Spitz-NƤvus in der Regel als symmetrische, kuppelfƶrmige oder flache HautlƤsion mit klarer Begrenzung, die eine rƶtliche, rosafarbene oder brƤunliche Pigmentierung aufweisen kann (6). In einzelnen FƤllen kƶnnen jedoch auch atypische Merkmale auftreten, etwa asymmetrische Strukturen, inhomogene Pigmentierung oder eine rasche Grƶssenzunahme, wodurch ein klinisches Bild entstehen kann, das einem kutanen Melanom Ƥhnelt (6). In der überwiegenden Mehrzahl der FƤlle erlaubt die histopathologische Analyse jedoch die beruhigende Diagnose eines benignen Spitz-NƤvus. Entscheidend bleibt, dass der klassische Spitz-NƤvus biologisch stabil bleibt und keinen malignen Verlauf nimmt (7).

Während klassische melanozytäre Läsionen meist klinisch und histopathologisch eindeutig als benigne eingestuft werden können, umfasst das Spektrum der Spitz-Tumoren neben klar benignen Nävi und sehr seltenen malignen Spitz-Melanomen auch intermediäre Formen mit uneindeutigen Eigenschaften, wobei klinisch meist ein gutartiger Verlauf beobachtet wird (6). Atypische Spitz-Tumoren weisen histopathologische Auffälligkeiten wie asymmetrisches Wachstum, Reifungsverlust, ausgeprägte zytologische Atypien und eine erhöhte mitotische Aktivität auf (6). Sie können in lokoregionäre Lymphknoten metastasieren, ohne dass dies die Prognose wesentlich beeinflusst, und eine hämatogene Metastasierung wird bei diesen Tumoren in der Regel nicht beobachtet (8). Eine Sentinel-Lymphknotenbiopsie ergibt daher bei atypischen Spitz-Tumoren keine prognostisch relevante Information (8). Spitz-Melanome hingegen weisen ein deutlich erhöhtes Risiko für extranodale und hämatogene Metastasierung auf und sind mit einem potenziell letalen Verlauf assoziiert (9).

Die historische Grundlage für das Verständnis dieser Tumorgruppe legte Sophie Spitz im Jahr 1948 mit ihrer Publikation «Melanomas of Childhood», in der sie 13 kindliche Hautläsionen beschrieb (10). Obwohl diese Läsionen histologisch Merkmale eines Melanoms aufwiesen, verliefen die meisten klinisch indolent. Nur ein Patient entwickelte eine fernmetastasierende Erkrankung, was zur Hypothese führte, dass altersabhängige Faktoren das biologische Verhalten dieser Tumoren günstig beeinflussen könnten (10). In späteren Jahren wurde erkannt, dass die meisten dieser Läsionen keine klassischen kutanen Melanome darstellen, sondern eine eigenständige Gruppe überwiegend benigner melanozytärer Tumoren (11). Dies führte Ende der 1960er-Jahre zur Einführung des Begriffs Spitz-Nävus, um gutartige Spitz-Läsionen klar von echten Melanomen abzugrenzen (11). Über mehrere Jahrzehnte galt dieser Tumor als vollständig benigne, und vereinzelte Fälle mit metastasierendem Verlauf wurden retrospektiv als fehldiagnostizierte Melanome mit Spitz-ähnlicher Morphologie interpretiert (12). Mit zunehmender Erfahrung zeigte sich jedoch, dass innerhalb dieses Spektrums auch atypische Spitz-Tumoren mit intermediärem Verhalten sowie Spitz-Melanome mit eindeutig malignem Potenzial existieren. Die differenzierte Betrachtung von Spitz-Tumoren ist nicht nur für die histopathologische Klassifikation, sondern auch für die therapeutische Strategie und die Einschätzung der Pro­gnose von wesentlicher Bedeutung, insbesondere da viele betroffene Patientinnen und Patienten sehr jung sind (3). Trotz aller Fortschritte in der histopathologischen, immunhistochemischen und molekulargenetischen Diagnostik existieren bis heute keine verlässlichen Kriterien, die eine sichere Unterscheidung zwischen benignen und malignen Spitz-Tumoren in jedem Einzelfall ermöglichen würden (13, 14). Der einzige definitive Beweis für das Vorliegen eines malignen Spitz- Tumors bleibt das Auftreten von Fernmetastasen oder ein letaler Verlauf (15). Trotz der beschriebenen diagnostischen Herausforderungen ist hervorzuheben, dass sowohl klassische Spitz-Nävi als auch atypische Spitz-Tumoren in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle eine exzellente Prognose aufweisen (8, 16). Fernmetastasen oder ein letaler Verlauf stellen eine Seltenheit dar (16). Insgesamt erlaubt das biologische Verhalten dieser Läsionen eine ausgesprochen günstige Einschätzung für die betroffenen Patienten und Patientinnen (17). Eine integrative dia­gnostische Abklärung ist daher insbesondere bei unklaren Befunden essenziell. Ziel bleibt es, unnötige Übertherapien zu vermeiden und gleichzeitig eine frühzeitige Erkennung seltener, potenziell progressiver Spitz-Tumoren zu ermöglichen.

Spitz-Tumoren: Definition und ­Abgrenzung gegenüber spitzoiden ­melanozytären Läsionen

Nicht jede melanozytƤre LƤsion mit Zügen einer histopathologischen spitzoiden Morphologie gehƶrt zur Gruppe der echten Spitz-Tumoren. Nach der aktuellen WHO-Klassifikation wird ein Spitz-Tumor sowohl durch eine charakteristische spitzoide Histomorphologie als auch durch spezifische genetische Alterationen definiert (2). Histologisch zeichnen sich Spitz-Tumoren durch das Vorherrschen von spindelzelligen und/oder epitheloidzelligen Komponenten aus (1). Auf genetischer Ebene finden sich typischerweise translokationsinduzierte Fusionen, die Gene für Rezeptor-Tyrosinkinasen wie ALK, ROS1, NTRK1–3, RET oder MET betreffen kƶnnen, oder sehr selten aktivierende Punktmutationen in HRAS (18–21). Diese genetischen VerƤnderungen stellen die primƤren Treiber der Tumorentstehung dar und sind somit für das initiale Wachstum und die morphologische AusprƤgung der LƤsion verantwortlich.

Es existieren jedoch auch konventionelle NƤvi oder Melanome, die Züge einer spitzoiden Morphologie aufweisen kƶnnen, deren genetisches Profil jedoch typische Treibermutationen wie BRAFV600E-, NRAS- oder inaktivierende Punktmutationen in NF1 zeigt (21–23). Solche LƤsionen sind formal nicht Teil der Spitz-Tumoren-Familie, obwohl sie histologisch spitzoide Merkmale imitieren kƶnnen. Dieses VerstƤndnis ist zentral für die korrekte Einordnung spitzoider LƤsionen. Da die spitzoide Morphologie allein keine zuverlƤssige Aussage über die biologische Natur einer melanozytƤren LƤsion erlaubt, ist eine integrative Bewertung von klinischen, dermatoskopischen, histologischen und in ausgewƤhlten FƤllen teils molekulargenetischen Befunden essenziell. Nur durch diese gesamtheitliche Betrachtung kann eine prƤzise diagnostische Einordnung erfolgen, mit unmittelbaren Konsequenzen für Prognose und therapeutisches Vorgehen. Abb. 1 zeigt die molekulare Einteilung melanozytƤrer Tumoren basierend auf den genetischen Alterationen, die jeweils als Treiber der Tumorentstehung gelten.

Klinische Erscheinungsbilder und Ā­diagnostische Herausforderung

Der klassische Spitz-NƤvus kann ein charakteristisches klinisches und dermatoskopisches Erscheinungsbild aufweisen, das die Diagnosestellung in vielen FƤllen erleichtert. Typischerweise zeigen diese LƤsionen entweder ein sogenanntes Sternmuster (starburst pattern) mit zentraler homogener Pigmentierung und symmetrisch angeordneten, radial ausstrahlenden Pseudopodien, regelmƤssig verteilte punktfƶrmige GefƤsse bei nicht pigmentierten Varianten oder ein globulƤres Muster mit begleitender retikulƤrer Depigmentierung (24). Allen diesen klassischen Mustern ist eine ausgeprƤgte Symmetrie der Farb- und Strukturverteilung gemeinsam. Diese Symmetrie gilt als diagnostisches Kennzeichen gutartiger Spitz-NƤvi und erleichtert die Abgrenzung gegenüber malignen LƤsionen (24). Sie allein bietet jedoch keine absolute Sicherheit, da insbesondere das Alter eine entscheidende Rolle für die diagnostische Einordnung spielt (13). WƤhrend Spitz-LƤsionen mit symmetrischem Erscheinungsbild im Kindes- und Jugendalter überwiegend benigne verlaufen, steigt das Risiko einer malignen Entartung mit zunehmendem Alter deutlich an (25). So liegt bei Patientinnen und Patienten unter 30 Jahren die Wahrscheinlichkeit, dass eine symmetrisch erscheinende Spitz-LƤsion ein Melanom darstellt, bei etwa 7 %, wƤhrend sie bei über 50-JƤhrigen auf etwa 50 % ansteigt (25). Abb. 2 zeigt drei unterschiedlich erscheinende Spitz-Tumoren aus der klinischen Praxis.

Ein weiteres klinisch relevantes Merkmal ist das Wachstumsverhalten der Läsion. Klassische Spitz-Nävi zeigen typischerweise eine kurze Phase rascher Grössenzunahme, die sich über Wochen bis wenige Monate erstreckt, gefolgt von einer Phase der Stabilität oder sogar partieller Regression (26). Zeichen einer beginnenden Regression wie zentrale Aufhellung oder Depigmentierung können klinisch erkennbar sein. Im Gegensatz dazu wächst ein Spitz-Melanom meist kontinuierlich weiter, ohne Anzeichen einer spontanen Stabilisierung. Diese unterschiedliche Dynamik liefert zusätzliche Hinweise auf das biologische Verhalten und sollte bei der Beurteilung mitberücksichtigt werden (24). Besonders anspruchsvoll gestaltet sich die klinische Einschätzung, wenn das architektonische Muster der Läsion untypisch ist. Spitz-Tumoren können ein breites Spektrum an Erscheinungsformen zeigen, das von symmetrischen, regelmässigen Befunden bis hin zu stark melanomverdächtigen Konstellationen reicht (27). In einzelnen Fällen ist die klinische Präsentation nicht von einem malignen Melanom zu unterscheiden, obwohl es sich histologisch um eine benigne Veränderung handelt. Umgekehrt kann eine unauffällige Läsion in der Histologie Kriterien eines malignen Tumors erfüllen (28). Solche Diskrepanzen unterstreichen die begrenzte Aussagekraft klinischer und dermatoskopischer Merkmale bei atypischer Präsentation. Die histopathologische Untersuchung ist in diesen Fällen zwingend erforderlich, um eine sichere diagnostische Einordnung zu ermöglichen.

Rolle der Histopathologie und Ā­Molekularbiologie

Die histopathologische Beurteilung ist der zentrale diagnostische Ansatz zur EinschƤtzung des biologischen Verhaltens von Spitz-Tumoren. Bei klassischen Spitz-NƤvi genügt in der Regel die Beurteilung histologischer und immunhistochemischer Merkmale, um eine gutartige Diagnose zuverlƤssig zu stellen. Typisch sind eine ausgeprƤgte Symmetrie, eine gewisse Reifung der Melanozyten und eine geringe mitotische AktivitƤt (6, 13, 29). ErgƤnzend liefern immunhistochemische Marker wie p16, Ki-67 und HMB45 Hinweise auf Seneszenz, Proliferation und Differenzierung (30, 31). Auch bei vielen atypischen LƤsionen, die histopathologisch vom klassischen Bild eines Spitz-NƤvus abweichen, kann ein Melanom ausgeschlossen werden, sofern zentrale Merkmale einer malignen Entartung fehlen. Dazu zƤhlen eine geringe mitotische AktivitƤt in der Tiefe, eine regelhafte Reifung der Melanozyten und das Fehlen signifikanter zytologischer Atypien (32). In einzelnen FƤllen mit auffƤlliger Zellmorphologie, asymmetrischer Architektur oder tief reichender Proliferation ist ein sicherer Ausschluss jedoch nicht mƶglich, sodass eine weiterführende diagnostische AbklƤrung erforderlich werden kann (32). In solchen FƤllen kann eine molekulargenetische Analyse mittels Next-Generation-Sequencing zur erweiterten diagnostischen EinschƤtzung beitragen (17). Ziel ist eine mƶglichst fundierte EinschƤtzung, ob zentrale Kontrollmechanismen wie Zellzykluskontrolle, Apoptose oder Seneszenz gestƶrt sind, wie es auch bei Melanomen vorkommt und Rückschlüsse auf die biologische StabilitƤt und das Progressionsrisiko ermƶglicht (33). Spitz-Tumoren mit intermediƤrem biologischem Potenzial zeigen in der Regel nur einzelne genetische VerƤnderungen in isolierten Signalwegen (13). Meist handelt es sich um kleine heterozygote Deletionen oder vereinzelte Punktmutationen in Genen, die an der Zellzykluskontrolle, Apoptose oder Seneszenz beteiligt sind (beispielsweise CDKN2A, TERT-p, TP53, PTEN oder ARID2) (33). Solche VerƤnderungen lassen zwar auf eine gewisse genetische InstabilitƤt schliessen, weisen jedoch in ihrer isolierten Form nicht auf eine umfassende Stƶrung der zellulƤren Regulation hin (13). Demgegenüber finden sich bei Spitz-Melanomen hƤufig komplexere molekulare VerƤnderungen, bei denen mehrere zentrale Kontrollmechanismen gleichzeitig betroffen sind. Diese gehƤufte BeeintrƤchtigung regulatorischer Signalwege deutet auf eine erhƶhte biologische AggressivitƤt hin (9, 13). ErgƤnzend bietet die Analyse der Tumormutationslast und von KopienzahlverƤnderungen zusƤtzliche Hinweise auf das Ausmass genomischer VerƤnderungen, wobei hƶhere Werte typischerweise mit einem gesteigerten MalignitƤtsrisiko einhergehen (34–36). Insgesamt ergƤnzt die molekulargenetische Diagnostik die histopathologische und immunhistochemische Beurteilung in ausgewƤhlten FƤllen mit intermediƤrem Profil oder unklarer Biologie. Sie liefert zusƤtzliche Informationen zur EinschƤtzung des Progressionspotenzials und unterstützt die therapeutische Entscheidungsfindung.

Diagnostisches Vorgehen und Ā­Managementempfehlungen

Das diagnostische und therapeutische Vorgehen bei Spitz-Tumoren richtet sich nach dem Alter der Patientin oder des Patienten, der klinischen PrƤsentation sowie den histologischen, immunhistochemischen und gegebenenfalls molekulargenetischen Befunden. Abb. 3 und Abb. 4 geben einen Überblick über das diagnostische Vorgehen sowie das daraus abgeleitete Management bei Spitz-Tumoren. Zu den zentralen klinischen Kriterien zƤhlen die architektonische Symmetrie, das Alter sowie das Verlaufsmuster der LƤsion. WƤhrend spitzoide LƤsionen im Erwachsenenalter grundsƤtzlich vollstƤndig entfernt werden sollten, kann bei Kindern unter zwƶlf Jahren mit kleinen symmetrischen LƤsionen und homogener Pigmentierung zunƤchst eine engmaschige Beobachtung erfolgen (24, 25). Eine rasche Grƶssenzunahme ist in dieser Altersgruppe hƤufig und per se nicht verdƤchtig (3). Entscheidend ist vielmehr der weitere Verlauf: Zeigt sich eine Stabilisierung oder gar Regression, kann unter dokumentierter Kontrolle zugewartet werden. Bei Persistenz, erneutem Wachstum oder dem Auftreten asymmetrischer Strukturen, polychromatischer Pigmentierung oder atypischer GefƤssarchitektur ist eine Exzision indiziert (24). Bei Jugendlichen und Erwachsenen empfiehlt sich aufgrund der erhƶhten Wahrscheinlichkeit eines malignen Verlaufs grundsƤtzlich die operative Entfernung (24).

Nach erfolgter Exzision erfolgt die histopathologische Beurteilung, ergänzt durch eine immunhistochemische Untersuchung (p16, Ki-67, HMB45, Melan A). Diese Marker liefern Hinweise zur Reifung, Proliferationsaktivität und Differenzierung und bilden den diagnostischen Mindeststandard (30, 31). In Fällen mit auffälliger Morphologie oder diskrepanten klinisch-histologischen Befunden kann eine molekulargenetische Analyse mittels Next-­Generation-Sequencing zusätzliche Hinweise zur biologischen Einschätzung liefern (13). Die Befundinterpretation sollte interdisziplinär und vorzugsweise an einem erfahrenen Zentrum erfolgen, das mit der differenzierten Diagnostik von Spitz-Tumoren vertraut ist. Die Einteilung in benigne, intermediäre oder maligne Spitz-Tumoren bestimmt das weitere therapeutische Vorgehen. Benigne Läsionen erfordern nach vollständiger Entfernung keine weiterführende Therapie, jedoch werden jährliche klinische Nachkontrollen empfohlen. Intermediäre Tumoren sollten nach Nachresektion mit Sicherheitsabstand klinisch engmaschig kontrolliert werden, ergänzt durch eine regelmässige sonographische Kontrolle der lokoregionären Lymphknoten. Eine Sentinel-Lymphknotenbiopsie wird in diesen Fällen aufgrund der fehlenden prognostischen Relevanz einer nodalen Manifestation nicht empfohlen (8). Bei eindeutig malignen Spitz-Melanomen erfolgt die stadiengerechte Behandlung gemäss den aktuellen ESMO-Leitlinien zum kutanen Melanom, inklusive Sentinel-Lymphknotenbiopsie und gegebenenfalls systemischer Therapie (37).

Dieses strukturierte, altersdifferenzierte Vorgehen ermöglicht eine individualisierte Entscheidungsfindung, bei der unnötige Eingriffe bei biologisch stabilen Läsionen vermieden, aber potenziell progressive Verläufe frühzeitig erkannt und adäquat behandelt werden.

Klinischer Ausblick

Spitz-Tumoren stellen insbesondere im Kindes- und Jugendalter häufig eine besondere diagnostische Herausforderung dar. Ihre klinisch auffällige Morphologie steht nicht selten in Kontrast zu ihrem biologischen Verhalten. Ausschlaggebend ist nicht ein einzelnes Merkmal, sondern das Zusammenspiel aller relevanten klinischen und pathologischen Faktoren im jeweiligen Kontext. Der klassische Spitz-Nävus ist in diesem Zusammenhang klar einzuordnen. Er stellt im Kindesalter eine eigenständige, biologisch stabile Entität dar, die weder einem kutanen Melanom noch dessen Vorstufen zuzuordnen ist. Seine gutartige Natur erlaubt ein zurückhaltendes, altersgerechtes Management, sofern die Befundkonstellation eindeutig auf ein biologisch stabiles Verhalten hinweist. Seit der Erstbeschreibung durch Sophie Spitz im Jahr 1948 hat sich das Verständnis von Spitz-Tumoren stetig weiterentwickelt. Die Einführung immunhistochemischer Marker und moderner molekularer Techniken hat die diagnostische Präzision verbessert und liefert insbesondere bei unklaren Befunden zusätzliche Anhaltspunkte. Dennoch bleibt die Abgrenzung im Einzelfall anspruchsvoll und erfordert klinische Erfahrung sowie eine interdisziplinäre Bewertung. Mit dem weiteren Fortschritt der molekularbiologischen Diagnostik ist zu erwarten, dass auch künftig neue Erkenntnisse zur Einordnung spitzoider Tumoren beitragen werden. Entscheidend bleibt, dass solche Entwicklungen mit Augenmass in die klinische Praxis integriert werden. Der Spitz-Nävus im Kindesalter steht exemplarisch für die Bedeutung eines differenzierten, verantwortungsbewussten und patientenzentrierten diagnostischen Vorgehens, das sich am biologischen Verhalten orientiert und nicht allein an morphologischen Auffälligkeiten.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Zweitabdruck aus «Therapeutische Umschau» 4/2025

Dr. med. Mario Teufer

Dermatologische Klinik
Universitätsspital Zürich
The Circle 59
8058 Zürich-Flughafen

mario.teufer@usz.ch

Prof. Dr. med. Reinhard Dummer

– Senior Consultant
Klinik für Dermatologie
Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100, 8091 Zürich
reinhard.dummer@usz.ch

– Leiter Hautkrebszentrum
Kantonsspital Aarau, Hautkrebszentrum
Bahnhofplatz 3C
5001 Aarau
reinhard.dummer@ksa.ch

Die Autoren haben keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

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Update Hypertensive NotfƤlle

Hypertensive Notfälle (HN) sind durch einen deutlichen Anstieg des Blutdrucks (BD) in Verbindung mit einer akuten Zielorganschädigung (ZOS) gekennzeichnet, die eine schnelle und kontrollierte Blutdrucksenkung erfordern. Sie müssen von schwerer arterieller Hypertonie (AHT) ohne ZOS unterschieden werden, die in akuten Situationen häufig auftritt und oft kontextabhängig ist und keine sofortige intravenöse Behandlung erfordert. Die Erstuntersuchung basiert auf der Bestätigung der AHT, der Identifizierung klinischer oder paraklinischer Anzeichen einer ZOS und der Suche nach einem auslösenden Faktor. Die Behandlung der HN umfasst eine titrierbare intravenöse Therapie, die an den klinischen Kontext angepasst ist, sowie eine kontinuierliche hämodynamische Überwachung. Im Gegensatz dazu wird eine schwere, unkomplizierte AHT meist ambulant mit oraler Medikation und engmaschiger Überwachung behandelt. Dieser Artikel bietet eine praktische Zusammenfassung der aktuellen europäischen und nordamerikanischen Empfehlungen.

Hypertensive emergencies (HE) are characterized by a significant increase in blood pressure (BP) in conjunction with acute target organ damage (AOTD), which requires rapid and controlled BP reduction. They must be distinguished from severe arterial hypertension (AH) without ZOS, which often occurs in acute situations and is often context-dependent and does not require immediate intravenous treatment. The initial examination is based on confirmation of AH, identification of clinical or paraclinical signs of ZOS, and search for a triggering factor. Treatment of HN includes titratable intravenous therapy tailored to the clinical context and continuous hemodynamic monitoring. In contrast, severe uncomplicated AH is usually treated on an outpatient basis with oral medication and close monitoring. This article provides a practical summary of current European and North American recommendations.
Keywords: Hypertensiver Notfall, Schwere Hypertonie, ZielorganschƤdigung (ZOS), Intravenƶse Blutdrucksenkung

Einführung

Arterielle Hypertonie (AHT) ist weltweit der wichtigste verƤnderbare Risikofaktor für kardiovaskulƤre MorbiditƤt und MortalitƤt (1). In akuten Situationen kann ein starker Anstieg des Blutdrucks (BD) zu einer SchƤdigung von Zielorganen (ZOS) – Gehirn, Herz, Nieren, Augen, GefƤsse oder Blut – führen oder diese verschlimmern, was kurzfristig lebensbedrohlich sein kann.

Diese Situationen, die unter dem Begriff hypertensive NotfƤlle (HN) zusammengefasst werden, erfordern eine sofortige Behandlung im Krankenhaus mit einer intravenƶsen blutdrucksenkenden Therapie, die auf die Ƅtiologie und den klinischen Kontext abgestimmt ist. Sie müssen von schweren Blutdruckanstiegen ohne ZOS unterschieden werden, die eine nicht dringende Therapieoptimierung erfordern und nicht unbedingt einen lƤngeren Krankenhausaufenthalt notwendig machen. Die schnelle Erkennung eines akuten Koronarsyndroms, die Interpretation des Kontextes und die Beherrschung der Empfehlungen sind unerlƤsslich, um sowohl Behandlungsverzƶgerungen als auch potenziell schƤdliche, unangebrachte Eingriffe zu vermeiden.

Definition

Die Klassifizierung schwerer Blutdruckanstiege basiert auf dem Vorliegen oder Nichtvorliegen einer organischen SchƤdigung. Die aktuellen Empfehlungen verschiedener Fachgesellschaften betonen die Abschaffung bestimmter historischer Begriffe, die zu Verwirrung führen, und die Einführung einer standardisierten Terminologie, die in Tab. 1 dargestellt ist (2–4).

Epidemiologie

Weltweit sind etwa 1.3 Milliarden Erwachsene von Bluthochdruck betroffen, wobei die Blutdruckkontrolle insgesamt sehr unzureichend ist: Fast die HƤlfte der Patienten weiss nichts von ihrer Erkrankung, weniger als jeder Zweite wird behandelt und nur 20 % erreichen die therapeutischen Ziele (8). Diese ohnehin schon hohe PrƤvalenz dürfte mit der Alterung der Bevƶlkerung und der VerƤnderung der Lebensgewohnheiten weiter zunehmen.

In der klinischen Praxis machen schwere Blutdruckerhƶhungen 4 bis 5 % der Gründe für Notaufnahmen aus (9). Echte NotfƤlle, die bei bekannten Bluthochdruckpatienten hƤufiger auftreten, sind jedoch selten und machen nur etwa 0.6 % der Notaufnahmen aus (10). Im Laufe ihres Lebens erleben etwa 1–2 % der hypertensiven Patienten eine Episode von hypertensiver Krise (11). Dieser Anteil scheint seit mehreren Jahrzehnten stabil zu sein oder sogar zu steigen, wƤhrend die Krankenhaussterblichkeit zurückgegangen ist, was die Fortschritte in der Patientenversorgung widerspiegelt und heute je nach Serie zwischen 0.2 % und 11 % liegt (11–13). Der eingeschrƤnkte Zugang zur Gesundheitsversorgung, anhaltende und unkontrollierte Hypertonie (sehr oft verbunden mit einer mangelnden Therapietreue) sowie bestimmte klinische Faktoren wie fortgeschrittenes Alter, mƤnnliches Geschlecht, chronische Niereninsuffizienz und vorbestehende kardiovaskulƤre Erkrankungen sind die wichtigsten Risikofaktoren oder Faktoren für eine schlechte Prognose im Zusammenhang mit einer HN (14–16).

Pathophysiologie

Die Pathophysiologie der HN ist nach wie vor unzureichend charakterisiert. Sie ist das Ergebnis einer komplexen, multifaktoriellen Kette von Ereignissen, deren Hauptelemente wie folgt lauten: Die am weitesten verbreitete Hypothese basiert auf einem akuten Versagen der vaskulären Autoregulationsmechanismen, was zu einem plötzlichen Anstieg des systemischen Gefäss­widerstands führt. Diese Kaskade führt zu diffusen mikrozirkulatorischen Läsionen, einer übermässigen Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS), einer ausgeprägten Vasokonstriktion sowie einer druckinduzierten Natriurese, was zu einem Volumenmangel führt. All dies ist Teil eines sich selbst verstärkenden Teufelskreises, der für einen raschen und anhaltenden Anstieg des Blutdrucks verantwortlich ist (17).

Im Gehirn führt eine lƤngere Exposition gegenüber unkontrollierter Hypertonie zu einer strukturellen und funktionellen Umgestaltung der arteriellen GefƤsswƤnde, wodurch die obere Schwelle der Autoregulation auf hƶhere Werte verschoben wird. So kƶnnen bestimmte Patienten einen deutlich über den physiologischen Werten liegenden mittleren Blutdruck ohne unmittelbare klinische Symptome tolerieren. Diese Anpassung, die mittelfristig unter Behandlung reversibel ist, stellt ein grosses Problem dar, da sie das Risiko einer Hypoperfusion und IschƤmie bei einer zu schnellen Blutdrucksenkung, insbesondere im Gehirn und im Herzen, erklƤrt (18–21).

Diagnostische Beurteilung bei Vermutung eines hypertensiven Notfalls

Die Untersuchung eines Patienten mit stark erhƶhtem Blutdruck (Hypertonie Grad III), sei es in der Arztpraxis oder in der Notaufnahme, muss unbedingt mit der BestƤtigung beginnen, dass es sich tatsƤchlich um eine echte Hypertonie handelt. TatsƤchlich kann ein schwerer Blutdruckanstieg aufgrund verschiedener kontextbezogener Faktoren wie technische Fehler bei der Blutdruckmessung, einer stressigen Umgebung, Schmerzen oder dem Weisskittel-Effekt hƤufig in akuten Situationen beobachtet werden (3). In der Notaufnahme treten solche Blutdruckanstiege hƤufig auf, und obwohl sie mit einem erhƶhten langfristigen kardiovaskulƤren Risiko verbunden sind, stellen sie in den meisten FƤllen keinen echten lebensbedrohlichen Notfall dar (22). Daten zeigen sogar, dass ein erheblicher Teil der in der Notaufnahme festgestellten Blutdruckerhƶhungen nach 30 Minuten Ruhe spontan abklingt (23). Eine randomisierte Studie hat sogar gezeigt, dass eine zweistündige Ruhepause den Blutdruck um etwa 30 mmHg senkt, ein Ergebnis, das mit einer blutdrucksenkenden Behandlung vergleichbar ist (24). In Übereinstimmung damit haben kleinere Studien gezeigt, dass Anxiolytika wie Diazepam, aber auch Entspannungsmassnahmen (Achtsamkeit, langsame Atmung) ebenfalls den Blutdruck senken, was die Rolle von Stress und kontextbezogener Angst bei diesen Blutdruckanstiegen unterstreicht, obwohl dieses Thema weiterhin umstritten ist (25).

Aus diesen Gründen betonen die aktuellen Empfehlungen nachdrücklich die Notwendigkeit, die Messungen nach einer Ruhephase zu wiederholen, eine standardisierte Methodik (angepasste Manschette, korrekte Position, Patient seit ≄ 15 min in Ruhe) und, wenn mƶglich, eine automatisierte, unbeaufsichtigte Messung zu verwenden, um den Einfluss des Pflegepersonals zu begrenzen (2).

Sobald eine schwere und anhaltende Hypertonie bestƤtigt ist, besteht der zweite Schritt darin, eine echte HN von einer schweren Hypertonie ohne ZOS zu unterscheiden, was für die Behandlungsstrategie und die Prognose entscheidend ist (Abb. 1).

Eine hypertensiver Notfall erfordert nämlich eine sofortige Krankenhausaufnahme, die Einleitung einer titrierbaren intravenösen blutdrucksenkenden Behandlung, die an die Art der hypertensiven Krise angepasst ist, sowie eine kontinuierliche hämodynamische Überwachung. Eine schwere Hypertonie ohne ZOS kann hingegen in den meisten Fällen ambulant behandelt werden, mit einer schrittweisen Senkung des Blutdrucks durch orale Medikation und einer engen Überwachung durch den behandelnden Arzt.
Zu diesem Zweck muss ein diagnostischer Ansatz verfolgt werden, der auf einer gezielten Befragung und einer systematischen klinischen Untersuchung basiert, um Anzeichen oder Symptome zu identifizieren, die auf eine neurologische, kardiovaskulƤre, renale oder ophthalmologische BeeintrƤchtigung hindeuten. Die wichtigsten Elemente sind in Tab. 2 zusammengefasst. Es müssen auch dringende, dem Kontext angepasste Zusatzuntersuchungen durchgeführt werden, um eine ZOS zu bestƤtigen und eine auslƶsende Ursache zu identifizieren, deren Details in Tab. 3 dargestellt sind.

Behandlung von hypertensiven NotfƤllen

Allgemeine GrundsƤtze

Bei Vorliegen einer ZOS muss der Blutdruck in den meisten FƤllen (ausser bei ischƤmischem Schlaganfall) schnell gesenkt werden, vorzugsweise intravenƶs mit titrierbaren Wirkstoffen (z. B. Labetalol, Nicardipin) und unter kontinuierlicher hƤmodynamischer Überwachung (Notaufnahme, Intermediate Care oder Intensivstation). Die Geschwindigkeit und das Ausmass der Senkung hƤngen vom Kontext ab: schnelle Senkung bei Lungenƶdem oder Aortendissektion, Ƥusserste Vorsicht bei ischƤmischem Schlaganfall, individueller Ansatz bei intrakranieller Blutung (27). Wie oben erwƤhnt, muss bei diesen Behandlungen stets das Risiko einer Hypoperfusion aufgrund einer übermƤssigen Senkung berücksichtigt werden, was die Einhaltung der Prinzipien der zerebralen und renalen Autoregulation erfordert (19). TatsƤchlich zeigen mehrere Studien, dass eine übermƤssige (> 50 % des mittleren Blutdrucks) und/oder zu schnelle Senkung des Blutdrucks, insbesondere in Situationen mit zentraler BeeintrƤchtigung (hypertensive Enzephalopathie oder ischƤmischer Schlaganfall), mit einem erhƶhten Risiko für ischƤmischen Schlaganfall, Erblindung und MortalitƤt korreliert (28, 29).

Spezifische Behandlung je nach Art des hypertensiven Notfalls

Tab. 4 fasst die empfohlenen Blutdruckziele und die Geschwindigkeit der Blutdrucksenkung je nach Art des hypertensiven Notfalls sowie die Erstlinienbehandlungen auf der Grundlage der neuesten Empfehlungen der EuropƤischen Gesellschaft für Hypertonie aus dem Jahr 2023 zusammen (2). Diese Elemente bilden die Grundlage für die Behandlung und ermƶglichen es, die Therapie an jeden klinischen Kontext anzupassen.

Auswahl des Therapeutikums

Die Wahl der blutdrucksenkenden Mittel hƤngt stark vom klinischen Kontext und der lokalen Verfügbarkeit ab. Am hƤufigsten wird Labetalol (α- und β-Blocker) verwendet, das oft als erste Wahl bevorzugt wird, insbesondere bei neurologischen NotfƤllen und Aortendissektionen, sowie Nicardipin, ein weit verbreiteter und gut vertrƤglicher Kalziumkanalblocker, der auch bei Niereninsuffizienz eingesetzt werden kann. Weitere Optionen sind Esmolol (ein sehr kurz wirksamer β-Blocker), Nitroglycerin (insbesondere bei Lungenƶdem oder akutem Koronarsyndrom) oder Natriumnitroprussid, dessen Verwendung bei intrakranieller Hypertonie vermieden werden sollte, kƶnnen je nach Indikation in Betracht gezogen werden. In der Praxis hƤngt die Auswahl des Wirkstoffs von der klinischen Situation, den Begleiterkrankungen, der Fachkompetenz des behandelnden Teams und den Überwachungsmƶglichkeiten ab. Die pharmakologischen und praktischen Eigenschaften der einzelnen Wirkstoffe sind Tab. 5 zu entnehmen.

Behandlung von schwerer arterieller Hypertonie ohne akute Zielorganbeschwerden

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass unabhängig von einer akuten Schädigung eines Zielorgans eine Episode schwerer Hypertonie mit einer erhöhten langfristigen kardiovaskulären Mortalität einhergeht und nicht bagatellisiert werden darf (30). Darüber hinaus sind schwere Blutdruckerhöhungen in der Notaufnahme oder in der Arztpraxis sehr häufig und bieten eine einzigartige Gelegenheit, eine bisher unerkannte chronische Hypertonie zu erkennen, die bei fast der Hälfte der Patienten auftritt, die wegen eines schweren Blutdruckanstiegs die Notaufnahme aufsuchen (31). Nachdem ein hypertensiver Notfall ausgeschlossen wurde (siehe oben), besteht der zweite Schritt darin, die Wahrscheinlichkeit einer zugrunde liegenden chronischen Hypertonie zu beurteilen: Diese ist umso wahrscheinlicher, je länger der Blutdruckanstieg bei wiederholten Messungen in Ruhe, mit einer geeigneten Manschette und korrekter Positionierung, anhält. Es ist zu beachten, dass die Nichteinhaltung der verschriebenen blutdrucksenkenden Behandlung eine sehr häufige Ursache für schweren Bluthochdruck ist. Bei hoher Wahrscheinlichkeit einer chronischen zugrunde liegenden Hypertonie, insbesondere bei Patienten, bei denen eine Nachsorge unwahrscheinlich ist oder die keinen Hausarzt haben, sollte die Einleitung einer blutdrucksenkenden Behandlung in Betracht gezogen und eine engmaschige ambulante Nachsorge organisiert werden (17). Bei Patienten, die sich nicht an die Therapie halten, kann die Behandlung unter Berücksichtigung der Gründe für die Nicht-Compliance (Nebenwirkungen, Unverträglichkeit usw.) erneut begonnen werden. Eine enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums ist dabei unerlässlich.

Wie oben erwähnt, gibt es in solchen Situationen in der Literatur keinen klar definierten Blutdruckgrenzwert, ab dem eine sofortige Senkung des Blutdrucks erforderlich wäre. Es scheint jedoch klar zu sein, dass eine schnelle Senkung des Blutdrucks in der Notaufnahme ohne akutes Koronarsyndrom keinen klinischen Nutzen hat und sogar schädliche Auswirkungen haben kann, indem sie die Durchblutung der Organe beeinträchtigt (32, 33). Dies wurde insbesondere mit sublingualem Nifedipin nachgewiesen, dessen Anwendung zu unvorhersehbaren, manchmal gefährlichen Blutdruckabfällen (Schlaganfall oder akute Erblindung) führt, ohne dass ein dokumentierter prognostischer Nutzen vorliegt. Ausserhalb geburtshilflicher Situationen (Präeklampsie/Eklampsie) wird seine Verwendung von wissenschaftlichen Gesellschaften mittlerweile nicht mehr empfohlen, obwohl es immer noch zu oft als Erstbehandlung eingesetzt wird (34). Gleiches gilt für schnell wirkende Antihypertensiva wie bestimmte Vasodilatatoren.

Es stellt sich daher die Frage nach der Wahl der Therapie in der Notaufnahme. Derzeit gibt es keine klar festgelegten Empfehlungen speziell für diesen Kontext. Dennoch scheint die Einleitung oder Anpassung einer Behandlung in der Notaufnahme sicher und wirksam zu sein: In der Studie von Brody et al. ist die Verschreibung in der Notaufnahme mit einem signifikanten Rückgang des systolischen Blutdrucks bei der kurzfristigen ambulanten Nachsorge verbunden, ohne dass es zu einer Zunahme von Nebenwirkungen oder zu einer Blutdrucksenkung über potenziell schädliche Schwellenwerte hinaus kommt (35). In Ermangelung spezifischer Empfehlungen werden die Behandlungsprinzipien aus der Behandlung der chronischen Hypertonie in Übereinstimmung mit den aktuellen Empfehlungen abgeleitet (2).

Diesen Empfehlungen zufolge müssen diese Patienten in der Regel nicht stationƤr aufgenommen werden. Die Senkung des Blutdrucks muss oral, schrittweise über 24–48 Stunden erfolgen, entweder durch die Wiedereinführung oder Intensivierung der vorherigen Behandlung oder durch die Einführung eines neuen Behandlungsschemas. Bei einem unbehandelten Patienten wird ein langwirksamer Kalziumkanalblocker vom Dihydropyridin-Typ als Erstbehandlung empfohlen (wenig Kontraindikationen, beeintrƤchtigt die Untersuchung auf sekundƤre Hypertonie nicht). Es ist auch mƶglich, andere langwirksame orale Kombinationen zu verabreichen, beispielsweise einen Renin-Angiotensin-Aldosteron-System-Blocker mit einem langwirksamen Kalziumkanalblocker und/oder einem Ā­Thiaziddiuretikum.

Wie bereits erwähnt, sollten intravenöse Behandlungen oder schnell wirkende orale Wirkstoffe in diesem Zusammenhang nicht angewendet werden. Eine kurze Überwachungsphase auf der Beobachtungsstation vor der Entlassung ist in der Regel angezeigt. Da der Blutdruck nach der Entlassung aus der Notaufnahme weiterhin erhöht sein kann, sind weitere Messungen in der Praxis und ausserhalb der Praxis (ABPM) erforderlich. Eine engmaschige ambulante Nachsorge ist daher von grundlegender Bedeutung, um die Wirksamkeit, Verträglichkeit und Therapietreue zu beurteilen. Da es sich um eine schwere Hypertonie handelt, sollte schliesslich auch eine Untersuchung auf sekundäre Hypertonie gemäss den aktuellen Empfehlungen organisiert werden.

Fazit

Die unverzügliche Unterscheidung zwischen einer echten HN und einer schweren Hypertonie ohne ZOS bleibt entscheidend. Ersteres erfordert eine schnelle, kontrollierte und titrierbare intravenöse Blutdrucksenkung mit auf den klinischen Kontext abgestimmten Zielen. Letzteres erfordert eine vorsichtige und strukturierte Strategie: Bestätigung des Blutdruckanstiegs, Bewertung des Risikos einer chronischen zugrunde liegenden Hypertonie, schrittweise Senkung des Blutdrucks mit langwirksamen oralen Medikamenten. Notfälle bieten daher eine hervorragende Gelegenheit, eine unerkannte chronische Hypertonie zu erkennen, eine Behandlung einzuleiten oder zu optimieren und die Kontinuität der Versorgung im ambulanten Bereich sicherzustellen. Schliesslich gibt es nur wenige randomisierte Studien zur Behandlung schwerer Hypertonie in der Notaufnahme, was die Notwendigkeit zusätzlicher Daten zur Orientierung in der klinischen Praxis unterstreicht.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Zweitabdruck aus «der informierte arzt» 11/2025

Dr. med. Maxime Berney

Abteilung für Innere Medizin
Ensemble Hospitalier de La CƓte
HƓpital de Morges
Chem. du CrĆŖt 2
1110 Morges

Prof. em. Dr. med. Michel Burnier

Fakultät für Biologie und Medizin,
UniversitƤt Lausanne

Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • Hypertensive NotfƤlle sind durch einen schweren Blutdruckanstieg in Verbindung mit einer akuten SchƤdigung eines Zielorgans definiert und nicht allein durch die Blutdruckwerte.
  • Die Wahl der Behandlung, die Geschwindigkeit und das Ausmass der Blutdrucksenkung müssen an die Art des betroffenen Organs und den klinischen Kontext angepasst werden.
  • Intravenƶs verabreichte, titrierbare Antihypertensiva sind nur in hypertensiven NotfƤllen unter kontinuierlicher hƤmodynamischer Überwachung angezeigt.
  • Eine schwere Hypertonie ohne ZielorganschƤdigung rechtfertigt keine intravenƶse Behandlung; eine schrittweise orale Behandlung auf ambulanter Basis wird empfohlen.
  • Eine engmaschige Nachsorge nach einer Episode schwerer Hypertonie mit oder ohne Organbeteiligung ist unerlƤsslich, um die Blutdruckkontrolle sicherzustellen und langfristige kardiovaskulƤre Komplikationen zu verhindern.

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Traitement des plaies chroniques au cabinet mƩdical

Le traitement des plaies chroniques au cabinet mĆ©dical est une tĆ¢che frĆ©quente mais souvent frustrante. Il est essentiel de considĆ©rer la plaie comme le symptĆ“me d’une maladie sous-jacente. Le traitement de cette derniĆØre est la condition sine qua non pour une cicatrisation rĆ©ussie. Le traitement local des plaies est gĆ©nĆ©ralement interdisciplinaire et suit le concept Ā«TIMEĀ», qui met l’accent sur le dĆ©bridement des nĆ©croses et des dĆ©pĆ“ts de fibrine et sur la crĆ©ation d’un environnement propice Ć  la cicatrisation Ć  l’aide de pansements. En cas de rĆ©ponse insuffisante au traitement local conservateur, des mesures de chirurgie plastique sont mises en œuvre. Mais mĆŖme les mesures reconstructives complexes les plus impressionnantes ne fonctionnent que si les conditions de base pour la cicatrisation de la plaie sont rĆ©unies.

The treatment of chronic wounds in outpatient practice is a common but often frustrating undertaking. It is crucial to consider the wound as a symptom of an underlying disease. Identifying and treating that disease is an absolute prerequisite for successful wound healing. Local wound care is usually interdisciplinary and follows the ā€œTIMEā€ concept. Its keys are the debridement of necrosis and fibrin deposits and the creation of a supportive environment for wound healing using appropriate dressings. If there is insufficient response to conservative local therapy, plastic surgical interventions are often necessary. However even the most complex reconstructive procedures will only be successful, if the basic conditions for wound healing are ensured.
Keywords: Chronic wounds, wound therapy, wound healing, TIME concept

Les plaies chroniques font partie des pathologies frĆ©quentes et exigeantes dans l’activitĆ© du mĆ©decin de premier recours et en mĆ©decine interne. Elles sont rarement un phĆ©nomĆØne purement local, mais gĆ©nĆ©ralement le signe d’une maladie systĆ©mique sous-jacente. Un traitement efficace nĆ©cessite donc une approche structurĆ©e et causale accompagnĆ©e d’une rƩƩvaluation rĆ©guliĆØre.

Phases de la cicatrisation

La cicatrisation physiologique des plaies se dƩroule en trois phases qui se chevauchent: la phase inflammatoire, la phase de prolifƩration et la phase de remodelage.

Les plaies aiguĆ«s sont le rĆ©sultat d’un traumatisme ponctuel, par exemple une coupure, une lacĆ©ration ou une blessure chirurgicale. Avec des soins adĆ©quats, elles guĆ©rissent gĆ©nĆ©ralement en deux Ć  quatre semaines sans autre intervention. Cependant, si les conditions de base nĆ©cessaires au bon dĆ©roulement de ce processus ne sont pas rĆ©unies, la plaie reste en phase inflammatoire.

On parle de plaie chronique lorsqu’aucune tendance Ć  la cicatrisation n’est visible dans un dĆ©lai de huit semaines. Celle-ci doit ĆŖtre considĆ©rĆ©e comme le symptĆ“me d’un problĆØme sous-jacent et non comme une maladie propre.

Facteurs perturbateurs de la cicatrisation

Les facteurs perturbateurs les plus frĆ©quents d’une cicatrisation physiologique sont en premier lieu une oxygĆ©nation insuffisante des tissus, une charge bactĆ©rienne, la formation d’un biofilm et une migration cellulaire perturbĆ©e. Sur le plan clinique, ils sont causĆ©s par des troubles circulatoires artĆ©riels et veineux, des forces de pression et de cisaillement, des infections, des œdĆØmes, le diabĆØte sucrĆ©, la malnutrition, l’abus de nicotine et la prise de mĆ©dicaments immunosuppresseurs ou cytotoxiques. Sans traitement ou au moins l’optimisation de ces facteurs, tout traitement local d’une plaie chronique, aussi complexe (et coĆ»teux) soit-il, restera sans effet.

Diagnostic diffƩrentiel des plaies chroniques

Dans la pratique clinique quotidienne, les ulcĆØres veineux, artĆ©riels et mixtes, le syndrome du pied diabĆ©tique et les escarres prĆ©dominent. Cependant, l’anamnĆØse des plaies chroniques est souvent ambiguĆ«. Ainsi, certains tableaux cliniques peuvent prĆ©senter les caractĆ©ristiques et une anamnĆØse suggestive d’une plaie chronique, tout en nĆ©cessitant un traitement complĆØtement diffĆ©rent. Le diagnostic diffĆ©rentiel de toute plaie chronique, en particulier en l’absence de rĆ©ponse au traitement dans un dĆ©lai de 2 Ć  4 semaines, comprend:
• les maladies auto-immunes (vasculites, lupus, etc.),
• pyoderma gangraenosum,
• les dĆ©gĆ©nĆ©rescences malignes (p. ex. ulcĆØre de Marjolin),
• des infections rares (p. ex. ulcĆØre tropical),
• des rĆ©actions cutanĆ©es induites par des mĆ©dicaments (p. ex. Marcoumar ou stĆ©roĆÆdes)
• des plaies factices

Diagnostic au cabinet mƩdical

La plupart des examens nĆ©cessaires au diagnostic initial d’une plaie chronique peuvent ĆŖtre rĆ©alisĆ©s ou prescrits au cabinet mĆ©dical.

Pour l’évaluation clinique de la plaie, il est important de documenter la taille, la profondeur, l’exsudat, les bords de la plaie, la zone environnante et les structures profondes Ć©ventuellement exposĆ©es (os, tendons, fascia musculaire). Une bonne documentation photographique est Ć©galement utile pour Ć©valuer l’évolution.

L’examen de base comprend Ć©galement:
– Status vasculaire (ICB: Indice cheville-bras, Ć©cho Doppler), Ć©ventuellement angiographie
– Laboratoire: hĆ©mogramme, paramĆØtres infectieux, HbA1c, Ć©quilibre protĆ©ique (albumine/prĆ©albumine), vitamines/oligo-Ć©lĆ©ments (zinc, sĆ©lĆ©nium, B12, acide folique)
– Frottis de la plaie (au fond de la plaie)
– Biopsie (toujours prĆ©levĆ©e sur le bord de la plaie et non au centre de celle-ci)
– Radiographie/IRM (recherche d’ostĆ©omyĆ©lite)
– PrĆ©sence de forces de pression/cisaillement (mauvaises chaussures, positionnement/coussin d’assise chez les patients en fauteuil roulant, etc.)

ThƩrapie causale comme condition prƩalable Ơ la guƩrison

Une fois les causes fondamentales de la plaie identifiĆ©es, leur traitement (ou au moins leur optimisation) est primordial. Cela comprend l’amĆ©lioration de la circulation artĆ©rielle (le cas Ć©chĆ©ant par intervention), l’allĆØgement systĆ©matique de la pression (chaussures/semelles spĆ©ciales, coussins de pression), la thĆ©rapie par compression et le drainage lymphatique manuel, l’optimisation du mĆ©tabolisme (ajustement du taux de glycĆ©mie, conseils nutritionnels, substitution des carences) ainsi que le traitement des infections locales ou systĆ©miques.

Traitement local des plaies chroniques au cabinet

Le traitement local des plaies chroniques est souvent trĆØs fastidieux et exige beaucoup de patience tant de la part du patient que des professionnels. La Ā«rĆ©partition des tĆ¢chesĀ» au sein d’une Ć©quipe interdisciplinaire composĆ©e de mĆ©decins (mĆ©decins gĆ©nĆ©ralistes, chirurgiens ou autres spĆ©cialistes), d’experts en plaies/infirmiers et de physiothĆ©rapeutes est donc indispensable.

La thĆ©rapie moderne des plaies s’appuie sur le concept TIME: Tissue (dĆ©bridement), Infection/Inflammation (contrĆ“le des germes), Moisture (gestion de l’exsudat) et Edge (favorisation de l’épithĆ©lialisation) (1).

Le dĆ©bridement, en particulier, est souvent effectuĆ© avec trop d’hĆ©sitation. En rĆØgle gĆ©nĆ©rale, tous les tissus infectĆ©s et/ou nĆ©crosĆ©s doivent ĆŖtre retirĆ©s. Cela vaut Ć©galement lorsqu’il s’agit d’une structure anatomique fondamentalement importante (p. ex. la peau, des tendons ou des muscles). Les dĆ©pĆ“ts sur la plaie, p. ex. la fibrine, ainsi que les tissus nĆ©crosĆ©s humides constituent un terrain extrĆŖmement favorable Ć  la prolifĆ©ration bactĆ©rienne. C’est pourquoi un dĆ©bridement radical, parfois rĆ©pĆ©tĆ©, est dĆ©terminant pour la cicatrisation. Les nĆ©croses mineures ou les dĆ©pĆ“ts de fibrine peuvent ĆŖtre facilement retirĆ©s sans anesthĆ©sie ou en anesthĆ©sie locale au cabinet.

DĆ©roulement d’un traitement typique de plaie: (Tab. 1)

1. Ɖvaluation et documentation
2. RinƧage/phase humide (n’ayez pas peur de l’eau du robinet!)
3. DƩbridement
4. Protection des bords de la plaie
5. Pansement
6. Fixation

Pansements

Le contrĆ“le de l’infection, la gestion des exsudats et la promotion de l’épithĆ©lialisation peuvent ĆŖtre considĆ©rablement facilitĆ©s par le choix appropriĆ© d’un pansement. La multitude de pansements disponibles sur le marchĆ© est impressionnante, ce qui indique qu’il n’existe pas de Ā«meilleurĀ» pansement. Selon la situation de la plaie, on utilise des pansements en mousse, des alginates, des hydrogels, des hydrocolloĆÆdes ou des pansements antimicrobiens (p. ex. Ć  base d’argent ou d’iode). Le choix dĆ©pend du stade de la plaie et de la quantitĆ© d’exsudat (Tab. 2).

Pansements «nouveaux»

Les matrices dermiques modernes ou Ć©quivalents au derme pour les plaies chroniques comprennent aujourd’hui principalement le Kerecis, des matrices dermiques acellulaires et des systĆØmes Ć  base de collagĆØne modulant les protĆ©ases. Kerecis est une matrice acellulaire Ć  base de peau de poisson (morue) contenant du collagĆØne naturel et des acides gras omĆ©ga-3. Elle sert de structure biologique en 3D pour la migration cellulaire et la nĆ©ovascularisation. Les matrices dermiques acellulaires issues de peau humaine de donneurs, telles que AlloDermĀ® ou DermaGraftĀ® (MEC), utilisĆ©es pour les ulcĆØres du pied diabĆ©tique et les plaies chroniques complexes, fonctionnent de maniĆØre similaire. Les matrices xĆ©nogĆ©niques telles que OasisĀ® (sous-muqueuse intestinale porcine), IntegraĀ® ou MatridermĀ® (Ć©chafaudages de collagĆØne/MEC) favorisent en particulier la granulation et l’épithĆ©lialisation ultĆ©rieure dans les ulcĆØres veineux et artĆ©riels.

En complĆ©ment, on utilise des matrices modulant le collagĆØne ou les protĆ©ases, telles que Promogran PrismaĀ® ou SuprasorbĀ® C, qui fixent les protĆ©ases en excĆØs, stabilisant ainsi le milieu perturbĆ© des plaies chroniques, en particulier les ulcĆØres diabĆ©tiques et veineux. Toutes ces Ā«mĆ©thodes avancĆ©esĀ» sont trĆØs coĆ»teuses et strictement rĆ©glementĆ©es en Suisse. Elles seront donc utilisĆ©es seulement aprĆØs la fin du traitement causal et lorsqu’aucun progrĆØs thĆ©rapeutique suffisant n’a Ć©tĆ© obtenu aprĆØs au moins 6 Ć  8 semaines de traitement standard optimal.

Quand faut-il adresser le patient au chirurgien?

Comme leur nom l’indique, les plaies chroniques Ć©voluent lentement, mĆŖme dans les meilleures conditions. Il peut donc ĆŖtre difficile de dĆ©terminer le moment opportun pour changer ou Ć©largir la stratĆ©gie thĆ©rapeutique. En rĆØgle gĆ©nĆ©rale, et pourvu que les Ć©ventuelles maladies sous-jacentes aient Ć©tĆ©/ soient traitĆ©es, une amĆ©lioration visible devrait ĆŖtre constatĆ©e dans les 3 Ć  4 semaines suivant le dĆ©but d’un traitement local. Comme Ā­mentionnĆ© plus haut, la photo-documentation rĆ©guliĆØre est trĆØs utile Ć  cet effet. Si aucune amĆ©lioration n’est constatĆ©e, il est recommandĆ© de consulter un chirurgien (plastique) pour Ć©valuation.

Les mesures chirurgicales comprennent en premier lieu le dĆ©bridement chirurgical de tous les tissus nĆ©crosĆ©s et le drainage des abcĆØs Ć©ventuels, ainsi que, le cas Ć©chĆ©ant, des biopsies tissulaires/osseuses. Il n’est pas rare qu’un traitement par pression nĆ©gative (TPN) soit temporairement utilisĆ© pour le Ā«conditionnement de la plaieĀ». Celui-ci stimule la perfusion et la nĆ©ovascularisation ainsi que la formation de tissu de granulation. De plus, l’exsudat est directement Ć©vacuĆ©, la stĆ©rilitĆ© est favorisĆ©e et les changements quotidiens de pansements sont Ć©vitĆ©s, ce qui est particuliĆØrement avantageux dans le cas de traitements ambulatoires. Les plaies mineures peuvent souvent ĆŖtre guĆ©ries par un TPN sans autre intervention. Pour les plaies plus importantes, on utilise des greffes de peau pour les plaies superficielles et des lambeaux pĆ©diculĆ©s ou libres pour les plaies profondes, en particulier celles qui exposent des structures profondes telles que les os ou les tendons.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Cet article est une traduction de Ā«der informierte arzt – die informierte ƤrztinĀ» 2/2026

Dre Natasha Forster

Swissparc – Clinique de chirurgie
plastique et dermatologie
Steinentischstrasse 5
8002 Zurich

Les auteurs n’ont pas dĆ©clarĆ© de conflit d’intĆ©rĆŖts en rapport avec cet article.

  • Les plaies chroniques doivent ĆŖtre considĆ©rĆ©es comme le symptĆ“me d’une maladie sous-jacente.
  • Le traitement causal prime sur le traitement local de la plaie
  • En cas de rĆ©ponse insuffisante au traitement dans un dĆ©lai de 4 semaines: exclure les diagnostics diffĆ©rentiels, impliquer un chirurgien si nĆ©cessaire
  • Traitement en Ć©quipe (mĆ©decins, experts en plaies, infirmiers, Ā­physiothĆ©rapeutes)

1. Schultz GS, Barillo DJ, Mozingo DW, Chin GA; Wound Bed Advisory Board Members. Wound bed preparation and a brief history of TIME. Int Wound J. 2004 Apr;1(1):19 32. doi:10.1111/j.1742-481X.2004.00008.x.
2. Wundkompendium der Schweizerischen Gesellschaft für Wundbehandlung (SAfW) https://www.safw.ch/images/pdf/Wundkompendium.pdf

Bibliographie complĆ©mentaire/Sources d’information
1. AWMF S3-Leitlinie Lokaltherapie schwerheilender und/oder chronischer Wunden aufgrund von peripherer arterieller Verschlusskrankheit, Diabetes Mellitus oder chronischer venƶser Insuffizienz (https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/091-001)
2. European Wound Management Association – The EWMA wound care resource library (https://ewma.org/resource-library)

Aktion statt Reaktion – PrƤvention demenzieller Ā­Erkrankungen in einer alternden Gesellschaft

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