Medikamentös induzierte Leberschäden (Drug Induced Liver Injury, DILI) stellen eine wichtige Differenzialdiagnose bei erhöhten Leberwerten dar und zählen in der westlichen Welt zu den häufigsten Ursachen eines akuten Leberversagens. Das klinische Spektrum reicht von asymptomatischen Transaminasenerhöhungen bis zu schweren Verläufen mit Ikterus, Koagulopathie und hepatischer Enzephalopathie. Pathophysiologisch werden dosisabhängige, intrinsische von dosisunabhängigen, idiosynkratischen Leberschäden, welche mit variabler Latenz auftreten, unterschieden. Zunehmend relevant sind zudem immuntherapieassoziierte Leberschäden durch Checkpoint-Inhibitoren. Da DILI eine Ausschlussdiagnose ist, kommt einer strukturierten Diagnostik zentrale Bedeutung zu; auch pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel sind als Auslöser zu berücksichtigen. Therapeutisch steht das frühzeitige Absetzen des auslösenden Medikaments im Vordergrund, ergänzt in ausgewählten Fällen durch spezifische Behandlungsansätze wie N-Acetylcystein oder Kortikosteroide.
Drug-induced liver injury (DILI) represents an important differential diagnosis in patients with abnormal liver tests and is among the most common causes of acute liver failure in Western countries. The clinical spectrum ranges from asymptomatic elevations of transaminases to severe courses with jaundice, coagulopathy, and hepatic encephalopathy. From a pathophysiological perspective, dose-dependent intrinsic liver injury is distinguished from dose-independent idiosyncratic forms, which occur with variable latency. Liver injury associated with immunotherapy, particularly immune checkpoint inhibitors, has become increasingly relevant. As DILI is a diagnosis of exclusion, a structured diagnostic approach is essential, and herbal products as well as dietary supplements should also be considered as potential causative agents. Therapeutic management primarily consists of early discontinuation of the offending drug, supplemented in selected cases by specific treatments such as N-acetylcysteine or corticosteroids.
Keywords: Medikamentƶse LeberschƤden, Paracetamol, Immuntherapie, pflanzliche PrƤparate, akutes Leberversagen
Einleitung
Medikamentƶs induzierte LeberschƤden (Drug Induced Liver Injury, DILI) sind eine relevante Ursache akuter und subakuter LeberschƤdigungen und stellen eine diagnostische Herausforderung dar. Obwohl DILI lange als selten galt (1ā:ā10ā000ā1ā:ā100ā000), zeigen populationsbasierte europƤische Studien eine jƤhrliche Inzidenz von etwa 14ā19 FƤllen pro 100ā000 Einwohnern (1, 2). Die tatsƤchliche HƤufigkeit dürfte aufgrund nicht erkannter oder nicht gemeldeter milder VerlƤufe hƶher liegen.
Das klinische Spektrum reicht von asymptomatischen Transaminasenerhöhungen bis zu schweren Verläufen mit Ikterus, Koagulopathie, hepatischer Enzephalopathie und Multiorganversagen (3). Die oft unspezifische Symptomatik erschwert die frühzeitige Diagnose. Während milde Verläufe nach Absetzen der Medikation meist vollständig ausheilen, sind schwere hepatozelluläre Verläufe mit Ikterus mit einer relevanten Mortalität assoziiert und erfordern eine rasche Risikostratifizierung. In der westlichen Welt ist DILI für etwa die Hälfte der Fälle des akuten Leberversagens verantwortlich (4, 5).
Pathophysiologisch werden direkte (intrinsische) und indirekte (idiosynkratische) LeberschƤden unterschieden. ZusƤtzlich haben immuntherapieassoziierte LeberschƤden, insbesondere im Rahmen moderner onkologischer Therapien, deutlich an klinischer Bedeutung gewonnen (6ā8).
Intrinsische medikamentƶse LeberschƤden
Intrinsische medikamentöse Leberschäden sind dosisabhängig, vorhersehbar und treten typischerweise nach kurzer Latenz von Stunden bis wenigen Tagen auf. Sie betreffen einen Grossteil exponierter Personen, sobald eine toxische Dosis überschritten wird. Der klinisch und epidemiologisch wichtigste Vertreter ist die Paracetamol-assoziierte Leberschädigung, die in Europa und Nordamerika eine der häufigsten Ursachen des akuten Leberversagens darstellt (4, 7).
Paracetamol wird in der Leber überwiegend durch Glukuronidierung und Sulfatierung metabolisiert. Ein kleiner Anteil wird über das Cytochrom-P450-Enzymsystem, insbesondere CYP2E1, zu dem hochreaktiven Metaboliten N-Acetyl-p-benzochinonimin (NAPQI) umgewandelt. Unter physiologischen Bedingungen wird NAPQI rasch durch Glutathion entgiftet. Bei Ćberdosierung oder verminderten Glutathionreserven kommt es zur Akkumulation von NAPQI, was mitochondriale Dysfunktion, oxidativen Stress und hepatozellulƤre Nekrose verursacht (8, 9).
Klinisch wird zwischen einer akuten, meist einmaligen toxischen Ćberdosierung, hƤufig im Rahmen suizidaler Handlungen, und einer kumulativen Ćberdosierung über mehrere Tage unterschieden. Die empfohlene maximale Tagesdosis von Paracetamol betrƤgt bei Erwachsenen 4 g und bei Kindern etwa 60 mg/kg KG. Eine schwere HepatotoxizitƤt wird ab einer einmaligen Dosis von etwa 150 mg/kg KG beschrieben. Bei wiederholter Einnahme kƶnnen bereits tƤgliche Dosen von 4ā10 g über mehrere Tage zu schweren LeberschƤden führen. Der hepatotoxische Schwellenwert kann durch Faktoren wie chronischen Alkoholabusus, enzyminduzierende Medikamenteninteraktionen (z.āB. Isoniazid, Rifampicin), Fasten, systemische Erkrankungen oder einen Glutathionmangel bei Malnutrition oder Anorexie weiter abgesenkt sein.
Der klinische Verlauf ist hƤufig initial symptomarm mit unspezifischen gastrointestinalen Beschwerden. Ein Anstieg von Transaminasen und Bilirubin tritt meist nach etwa 20 Stunden auf, bei schweren VerlƤufen kann sich nach 3ā4 Tagen ein akutes Leberversagen entwickeln. Typisch sind sehr hohe Transaminasenwerte, teils über 10ā000 U/l. Die Labordiagnostik sollte Transaminasen, Lebersyntheseparameter (INR, Bilirubin, Albumin, Faktor V), Kreatinin, Elektrolyte, Laktat, eine arterielle Blutgasanalyse sowie den Paracetamol-Spiegel umfassen. Eine initiale Behandlung auf einer Ćberwachungs- oder Intensivstation ist zu empfehlen. Neben der Gabe von Aktivkohle (1ā2 g/kg KG bei Vorstellung innerhalb von 4 h) stellt die frühzeitige Gabe von N-Acetylcystein (NAC) die zentrale therapeutische Massnahme dar, idealerweise innerhalb der ersten acht Stunden. NAC wirkt als Antidot durch Bereitstellung von SH-Gruppen und verbessert die Prognose auch bei bereits manifester LeberschƤdigung. In der Regel erfolgt die intravenƶse Gabe nach dem Prescott-Schema, bei wiederholter Ćberdosierung oder unklarer Einnahmeanamnese auch unabhƤngig vom gemessenen Paracetamol-Spiegel. In schweren FƤllen mit akutem Leberversagen ist eine frühzeitige Evaluation zur Lebertransplantation erforderlich. Zur AbschƤtzung der Transplantationsindikation werden unter anderem die Kingās-College-Kriterien herangezogen (4, 10, 11). Durch frühzeitige NAC-Therapie und intensivmedizinische Versorgung kann eine Lebertransplantation in den meisten FƤllen vermieden werden.
Idiosynkratische medikamentƶse LeberĀschƤden
Idiosynkratische medikamentƶse LeberschƤden sind nicht dosisabhƤngig und treten nur bei einem sehr kleinen Anteil exponierter Patienten auf. Die Latenzzeit ist variabel und reicht von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten oder Jahren nach Therapiebeginn. Pathophysiologisch spielen immunvermittelte Mechanismen, genetische PrƤdispositionen sowie pharmakologische Eigenschaften des jeweiligen Medikaments eine zentrale Rolle (8, 12, 13).
Risikofaktoren und Klinik
Zu den beschriebenen Risikofaktoren zƤhlen hƶheres Lebensalter, weibliches Geschlecht, KomorbiditƤten, Polypharmazie sowie genetische Faktoren, insbesondere Assoziationen mit bestimmten HLA-Allelen (z.āB. HLA-B*57:01 oder HLA-DRB1-Varianten) (13ā15). Diese sind bislang jedoch nicht ausreichend prƤdiktiv für eine individuelle Risikostratifizierung. Insgesamt bleibt die Identifikation klarer Risikofaktoren schwierig, da Art und AusprƤgung der LeberschƤdigung stark vom jeweiligen PrƤparat abhƤngen.
Klinisch prƤsentieren sich die Patienten hƤufig asymptomatisch oder mit unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Ćbelkeit oder Oberbauchbeschwerden. Idiosynkratische LeberschƤden werden in immunallergische Formen mit systemischen HypersensitivitƤtszeichen (z.āB. Fieber, Exanthem, Lymphadenopathie) und nicht immunallergische Formen unterteilt. In schweren FƤllen treten Ikterus, Pruritus und Zeichen der Leberfunktionsstƶrung auf.
Diagnostik
DILI ist eine Ausschlussdiagnose; eine sorgfƤltige Medikamenten- und Supplementenanamnese ist essenziell und muss auch frei verkƤufliche PrƤparate und pflanzliche Produkte einschliessen. Dabei sollte gezielt nach neu begonnenen Therapien, DosisƤnderungen und selbstmedizinierten Substanzen gefragt werden. Eine Ćbersicht hƤufiger und gut charakterisierter auslƶsender Medikamente findet sich in Tab.ā1. Die hƤufigsten Substanzen in einem amerikanischen DILI-Register waren Amoxicillin/ClavulansƤure, Isoniazid, Nitrofurantoin, Cotrimoxazol, Minocyclin, Cefazolin, Azithromycin, Ciprofloxacin, Levofloxacin, Diclofenac, Phenytoin, Methyldopa und Azathioprin (absteigende Reihenfolge; (3)). Antibiotika waren auch in einer europƤischen Multicenterstudie die hƤufigsten DILI-Auslƶser; als hƤufigste EinzelprƤparate fanden sich Amoxicillin/ClavulansƤure, Flucloxacillin, Atorvastatin, Nivolumab/Ipilimumab, Infliximab und Nitrofurantoin (16). Eine umfangreiche Ćbersicht potenziell hepatotoxischer Arzneimittel ist über die Plattform LiverTox verfügbar (www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK547852/).
SchƤdigungsmuster und klinische Bedeutung des R-Werts
Zur weiteren Einordnung hat sich die Bestimmung des R-Werts etabliert, berechnet aus dem VerhƤltnis ALT/ULN zu ALP/ULN. Er erlaubt die Einteilung in hepatozellulƤre (R ā„ 5), cholestatische (R ⤠2) und gemischte SchƤdigungsmuster (R 2ā5). Diese Klassifikation besitzt diagnostische und prognostische Relevanz. HepatozellulƤre Muster sind hƤufiger mit schweren VerlƤufen assoziiert, insbesondere bei zusƤtzlichem Ikterus. Cholestatische VerlƤufe prƤsentieren sich typischerweise mit Pruritus und zeigen meist einen protrahierten, insgesamt jedoch günstigeren Verlauf. Gemischte Muster vereinen Merkmale beider EntitƤten. Entsprechend sollten Differenzialdiagnosen gezielt priorisiert werden, etwa virale Hepatitiden oder ischƤmische LeberschƤden bei hepatozellulƤrem Muster und biliƤre Obstruktionen bei cholestatischem Verlauf (7, 8). Zu beachten ist, dass einzelne Medikamente unterschiedliche Muster verursachen kƶnnen. Ein strukturiertes diagnostisches Vorgehen ist in Abb.ā1 dargestellt.
Therapie und Prognose
Die entscheidende therapeutische Massnahme ist das sofortige Absetzen des auslƶsenden Medikaments. In der Mehrzahl der FƤlle kommt es innerhalb von Wochen bis Monaten zu einer vollstƤndigen Erholung der Leberfunktion. Die Normalisierung der Leberwerte ist auch ein wichtiges Kriterium der KausalitƤtsbeurteilung. Der Verlauf der Leberparameter sollte engmaschig kontrolliert werden, angepasst an Schweregrad, SchƤdigungsmuster und klinische Symptomatik (7, 8). Bei milder AusprƤgung kann nach initialer Kontrolle nach 48ā72 h und rücklƤufiger Tendenz eine erneute Kontrolle nach 1ā2 Wochen erfolgen, wƤhrend bei Ikterus oder Gerinnungsstƶrung eine sehr enge Ćberwachung erforderlich ist.
Für hepatozellulƤre SchƤdigungsmuster mit gleichzeitigem Ikterus gilt Hyās Law: Steigt das Gesamtbilirubin auf mehr als das Zweifache der oberen Normgrenze bei deutlich erhƶhten Transaminasen, betrƤgt das Risiko für ein Fortschreiten bis zum akuten Leberversagen etwa 10ā% (8). Auch ein rascher Transaminasenanstieg mit klinischer Verschlechterung ist als Warnsignal zu werten und erfordert die frühzeitige Ćberweisung an ein hepatologisches Zentrum. Bei Gerinnungsstƶrung oder Zeichen einer hepatischen Enzephalopathie ist eine notfallmƤssige Hospitalisation erforderlich. Die Indikation zur Lebertransplantation wird u. a. anhand kombinierter Kriterien wie den Kingās-College- und Clichy-Kriterien geprüft.
In ausgewƤhlten Situationen kann neben dem Absetzen des Medikaments eine spezifische Therapie notwendig sein. Eine akute Valproat-assoziierte HepatotoxizitƤt kann durch frühzeitige Gabe von L-Carnitin günstig beeinflusst werden. Leflunomid-induzierte LeberschƤden sind meist reversibel, kƶnnen jedoch selten progredient verlaufen. Aufgrund der langen Halbwertszeit kann eine Auswaschtherapie mit Cholestyramin erforderlich sein (8). Das sinusoidale Obstruktionssyndrom nach hƤmatologischer Stammzelltransplantation kann in ausgewƤhlten FƤllen auf Defibrotide ansprechen (17). Bei akutem Leberversagen mit hepatischer Enzephalopathie Grad 1ā2 kann auch bei idiosynkratischer HepatotoxizitƤt eine intravenƶse Gabe von NAC erwogen werden. Immunallergische Symptome stellen keine generelle Indikation für Steroide dar, bei schwerer systemischer Symptomatik kann jedoch ein zeitlich begrenzter Therapieversuch erfolgen.
Eine besondere Subgruppe ist die autoimmun-Ƥhnliche medikamentƶs induzierte Hepatitis (DI-ALH), beschrieben u. a. für Minocyclin, Nitrofurantoin, Infliximab, ĀMethyldopa oder Hydralazin. Sie weist klinische, serologische und histologische Merkmale einer Autoimmunhepatitis auf. Die Abgrenzung zur primƤren Autoimmunhepatitis ist diagnostisch anspruchsvoll. In den meisten FƤllen bessert sich die Hepatopathie nach Absetzen des Medikaments, eine Persistenz oder Progression ist jedoch mƶglich. In solchen FƤllen kann eine zeitlich begrenzte immunsuppressive Therapie analog zur idiopathischen Autoimmunhepatitis mit Steroiden und ggf. Azathioprin erforderlich sein. Im Gegensatz zur idiopathischen Autoimmunhepatitis treten nach Absetzen der Immunsuppression meist keine Rezidive auf, Nachkontrollen sind jedoch obligat (18).
Eine Reexposition mit einem verdächtigten hepatotoxischen Medikament sollte grundsätzlich vermieden werden, da ein rascheres und schwereres Rezidiv auftreten kann. Eine «Rechallenge» ist nur in Ausnahmefällen vertretbar, etwa bei vitaler Indikation ohne therapeutische Alternative, und erfordert eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung sowie eine umfassende Aufklärung der Patienten (7).
Immuntherapie-vermittelte LeberschƤden durch Checkpoint-Inhibitoren
Mit der zunehmenden Anwendung von Immuncheckpoint-Inhibitoren (CTLA-4-, PD-1- und PD-L1-Antikƶrper) haben immuntherapie-vermittelte LeberschƤden deutlich an Bedeutung gewonnen. Diese durch die Interaktion des Medikaments mit dem Immunsystem bedingte LeberschƤdigung tritt dosisunabhƤngig bei etwa 1ā16ā% der behandelten Patienten auf. Das hƶchste Risiko besteht bei CTLA-4-Antikƶrpern, insbesondere bei Kombinationstherapien oder Hochdosisregimen (6).
Das klinische Spektrum reicht von milden Transaminasenerhöhungen bis hin zu schweren Hepatitiden mit relevanter Leberfunktionsstörung. Therapeutisch hat sich ein stufenweises Vorgehen etabliert. Bei milden Verläufen stehen engmaschige Kontrollen im Vordergrund, bei moderaten Verläufen wird eine Therapiepause empfohlen, während bei schweren Verläufen der frühzeitige Einsatz systemischer Kortikosteroide indiziert ist. Bei fehlendem Ansprechen kann eine Eskalation mit weiteren Immunsuppressiva, etwa Mycophenolat-Mofetil, erforderlich sein. Dieses Vorgehen entspricht den Empfehlungen internationaler Leitlinien (8, 19) und sollte insbesondere bei höhergradigen Verläufen frühzeitig interdisziplinär abgestimmt erfolgen. Zusätzlich können neben der Hepatopathie weitere immunvermittelte Nebenwirkungen auftreten, die in die therapeutische Gesamtstrategie einzubeziehen sind.
Pflanzliche Produkte und ĀNahrungsergƤnzungsmittel
Auch pflanzliche Produkte und NahrungsergƤnzungsmittel (Herbal and Dietary Supplements, HDS) konnten als Ursache von DILI identifiziert werden. In den westlichen LƤndern wurde ein deutlicher Anstieg HDS-assoziierter LeberschƤden beschrieben. Nach Daten eines US-amerikanischen DILI-Registers entfallen etwa 16ā% der medikamentƶs-toxischen LeberschƤden auf HDS, wƤhrend in ostasiatischen LƤndern wie China, Korea und Singapur der Anteil auf 27ā62ā% aller DILI-FƤlle geschƤtzt wird. Diese PrƤparate werden hƤufig zur Gewichtsreduktion, Leistungssteigerung oder allgemeinen Gesundheitsfƶrderung eingenommen und nicht immer als relevante Medikation wahrgenommen.
Für die Diagnostik ist eine gezielte Anamnese essenziell. Neben dem Produktnamen sollten Beginn und Dauer der Einnahme, Dosierung, Bezugsquelle sowie die gleichzeitige Einnahme weiterer PrƤparate erfasst werden. Viele Produkte enthalten mehrere pharmakologisch aktive Substanzen oder sind mit nicht deklarierten Inhaltsstoffen kontaminiert. Da HDS hƤufig nicht als Ā«MedikamenteĀ» wahrgenommen werden, werden sie anamnestisch oft nicht spontan angegeben. Hilfreich kann es sein, Patienten zu bitten, die PrƤparate oder entsprechende Fotos mitzubringen. Typische Produkte sind in Tab.ā2 zusammengefasst. Aktuell sind mehr als 100 Substanzen mit hepatotoxischen Wirkungen beschrieben. Zu den hƤufigsten Auslƶsern zƤhlen anabole Steroide, Grüntee-Extrakte sowie KombinationsprƤparate zur Gewichtsreduktion. Insbesondere bei pflanzlichen Mischungen ist die Identifikation der verantwortlichen Substanz schwierig. Für einzelne Stoffe bestehen jedoch charakteristische SchƤdigungsmuster, etwa ein prolongierter, meist selbstlimitierender Ikterus bei anabolen Steroiden oder ein sinusoidales Obstruktionssyndrom durch Pyrrolizidinalkaloide aus der traditionellen chinesischen Medizin. Die Mehrzahl der Substanzen manifestiert sich als unspezifische akute Hepatitis. Eine Ćbersicht potenziell hepatotoxischer Substanzen ist in der Datenbank LiverTox verfügbar (www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK547852/).
Das Absetzen führt meist zur Erholung, schwere Verläufe bis hin zum akuten Leberversagen sind jedoch beschrieben (12, 20, 21).
Zusammenfassung
Medikamentös induzierte Leberschäden sind selten, aber klinisch hochrelevant. Eine strukturierte Diagnostik, frühzeitige Risikostratifizierung und das konsequente Absetzen des auslösenden Medikaments sind entscheidend für die Prognose.
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Der Autor hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.
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