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Source : Sullivan KN et al. Safety and efficacy of recombinant and live herpes zoster vaccines forprevention in at-risk adults with chronic diseases and immunocompromising conditions. Vaccine 2023; 41: 36ā48
Pr Walter F. Riesen
riesen@medinfo-verlag.ch
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27. Merck. Zostavax US Prescribing Information (PI). Revised January 2019.
Gut mƶglich, dass Sie auf die Umschlagseite des Heftes, das Sie in den HƤnden halten, zweimal hingeschaut haben. Ja, das Cover hat eine Ćnderung erfahren und: Ā«der informierte arztĀ» teilt seinen Titel mit Ā«die informierte ƤrztinĀ».
Ćber zehn Jahren war Ā«der informierte arztĀ» der Brand, die Marke unserer Fortbildungszeitschrift für HausƤrztinnen und HausƤrzte. Immer waren unsere Leserinnen mitgemeint, ganz im Sinne des generischen Maskulinums. Die gegenwƤrtig erregte Gender-Diskussion, welche nicht selten politische Inhalte vermitteln und transportieren mƶchte, ist für uns nicht von Belang. Auch haben wir in Sachen Frauen-MƤnnerquote bei uns weder ein Problem noch ein Defizit: der Verlag ist in Frauenhand, Frauen sind als Mitarbeitende in Redaktion und Verlag tƤtig und die Ā«PRAXISĀ» wird von Frau Prof. Dagmar Keller Lang als verantwortliche Herausgeberin geleitet; notabene eine Premiere in der Schweizerischen Medizinal-Printlandschaft. Dennoch ist festzustellen, dass sich das SprachverstƤndnis in den letzten Jahren verƤndert hat und man dem generischen Maskulinum kritischer gegenübersteht, auch unserem Zeitschriftentitel. Ćberall dort, wo beide Geschlechter explizit gemeint sind, sollte die Paarform, also zum Beispiel Leserin und Leser, verwendet werden; die Deutsche Sprache macht es uns einfach. Wir haben dies nun umgesetzt und so erscheint nun unser Titel als Paar: die informierte@rztin der informierte@rzt. Der Titel ist nun unmissverstƤndlich: beide Geschlechter sind explizit angesprochen.
Auch die Umschlagseite hat ein kleines Make-up erhalten. Sie erscheint in einem frischen und ansprechenden Kleid und soll die Freude auf das Lesen der Artikel wecken. Das Cover wurde mit denjenigen der beiden anderen Fachzeitschriften, der Ā«PRAXISĀ» und der Ā«TheraĀpeutischen UmschauĀ» abgestimmt. Aber: am Ende kommt es auf den Inhalt der Zeitschriften an! Alle drei Zeitschriften sind der inhaltlichen QualitƤt verpflichtet und behandeln medizinisches Wissen aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Ā«der informierte@rzt / die informierte@rztinĀ» mit Fokus auf die hausƤrztliche Fortbildung, die Ā«PRAXISĀ» mit aktuellen BeitrƤgen aus verschiedenen Bereichen der Schweizerischen Medizin und der Guidelines in Hausarztmedizin vom IHAMZ sowie die Ā«Therapeutische UmschauĀ», welche sich schwerpunktmƤssig relevanten hausƤrztlichen Themen widmet. Schauen Sie in die verschiedenen Zeitschriften rein und profitieren Sie von den speziellen Abo-Angeboten (www.medinfo-verlag.ch).
Wir danken Ihnen für Ihre Treue und freuen uns auf das gemeinsame Jahr!
Topisches Kühlen kein Schutzmittel bei zukünftigen Hitzewellen?
Bei Hitzewellen steigt auch in der Schweiz die MortalitƤt, v.a. bei Ƥlteren Individuen. Dies ist u.a. bedingt durch das altersabhƤngig reduzierte Durstgefühl, die Zufuhr von elektrolytfreiem Wasser (mit Gefahr der HyponatriƤmie) und eingeschrƤnktem Zugang zu Flüssigkeit (MobilitƤtsprobleme). In einer kleinen, aber feinen Studie wurden im Durchschnitt 72-jƤhrige Individuen 6 Stunden einer Umwelttemperatur von 38ā°C ausgesetzt. Danach war kein Temperaturgradient zwischen Umwelt und Kerntemperatur (die rektal gemessen dann bei 38ā°C lag) mehr nachweisbar. Kühlende FussbƤder und kühlende Wickel im Nackenbereich (Massnahmen, die auch bei einem hitzebedingten Stromunterbruch anwendbar wƤren) hatten im Vergleich zur Kontrolle keinen Effekt. Allerdings schwitzte die experimentelle Gruppe signifikant weniger (trank daher auch weniger) und entwickelte eine kleinere Pulsbeschleunigung. Die Unterschiede (sog. Effektgrƶsse) waren aber sehr klein und gemƤss den Autoren klinisch irreĀlevant. Die zu kühlende KƶrperoberflƤche war wohl zu klein und die Methode hat keinen anhaltenden Effekt auf die Temperaturkonvektion auf der KƶrperoberflƤche. JAMA 22023, doi:10.1001/jama.2023.24417, verfasst am 22.12.2023
Wieder einmal: Wer hat, dem wird gegeben
Das Wissenschaftsjournal Ā«ScienceĀ», resp. die es herausgebende American Association of Sciences, überweist jedes Jahr 2,5 Mio. für den wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres. Dieses Jahr ist der prƤmierte Durchbruch die Klasse der GLP-1 Rezeptoragonisten in ihrer Wirkung als Gewichtsreduktoren. Zwei der dabei involvierten Firmen wurden fast innert Jahresfrist zu den wertvollsten Unternehmen der Welt, und auch den typischerweise von ihnen finanziell gefƶrderten Forschern und Klinikern dürfte es ƶkonomisch schon vor der Preisverleihung deutlich besser als vor einem Jahr gegangen sein … Science 2023, https://www.science.org/boty2023 (Video und/oder Podcast), verfasst am 22.12.2023
Clozapin: Zu wenig oft verschrieben?
Clozapin wurde 1988 zur Behandlung von Psychosen/Schizophrenie zugelassen und erwies sich als speziell wirksam bei auf andere Therapien nicht ansprechenden Formen. Auch das Fehlen extrapyramidaler Nebenwirkungen ist wichtig, nicht nur bei vorbestehenden neurodegenerativen (extrapyramidalen) Erkrankungen. Es gibt begründete Hinweise, dass Clozapin wegen der Angst vor Neutropenien (weshalb das Medikament vorübergehend vom Markt genommen wurde) zu oft nicht angewendet wird und so den Patientinnen und Patienten (sowie deren Umfeld) eine gute Therapieoption vorenthalten wird. Vor allem die regelmƤssigen, anfƤnglich wƶchentlichen Blutbildkontrollen sind für psychiatrische Praxen ein Imponderabilium. Die folgenden Daten kƶnnten dies Ƥndern: Die hƶchste wƶchentliche Inzidenz ernsthafter Neutropenien (< 1000/ul) lag nach 9 Wochen bei 0.128%, wobei die kumulative, mediane Zeit bis zum Absetzen des Clozapins knapp 18 Wochen betrug. Die Inzidenzrate neuer Neutropenien sank danach progredient und betrug nach 2 Jahren nur mehr 0.001%. Die Autoren empfehlen ā gut nachvollziehbar ā wƶchentliche Blutbildkontrollen bis 18 Wochen nach Therapiebeginn, dann VerlƤngerung des Kontrollintervalles auf alle
4 Wochen und Stopp der Kontrollen nach 2 Jahren. The Lancet Psychiatry 2023, doi.org/10.1016/S2215-0366(23)00343-7, verfasst am27.12.2023
Angststƶrung zur eigenen Gesundheit (Hypochondrie) und Prognose
Fast sicher betreuen auch Sie in Ihrer Praxis solche Patientinnen und Patienten, die glauben, an mindestens einer Organerkrankung zu leiden oder/und die kƶrperliche Symptome im Sinne eines Katastrophenszenarios überinterpretieren. Laut einer schwedischen Kohorte von gut 4100 sogenannten hypochondrischen Individuen war die MortalitƤt (natürliche und nicht-natürliche Ursachen) innerhalb von 25 Jahren fast doppelt so hoch (+ 86ā%) wie jene von 10-mal mehr (über 41’000) Individuen ohne Hypochondrie. Die Ursachen nicht natürlicher TodesfƤlle sind u.a. in Suiziden (4-fach erhƶhtes Risiko) zu finden, was ein Zeichen des subjektiven, vielleicht durch die Mitmenschen nicht adƤquat akzeptierten Leidens und von psychiatrischen Ko-MorbiditƤten sein dürfte. Schwieriger zu erklƤren ist die natürliche Ćbersterblichkeit, vorwiegend an Herzkreislauf- und Lungenerkrankungen. Diese Patientengruppe dürfte signifikant mehr medizinischen AbklƤrungsuntersuchungen zugeführt werden, weshalb der medizinische Interventionismus zumindest als Teilursache in Frage kommt. JAMA Psychiatry 2023, doi:10.1001/jamapsychiatry.2023.4744, verfasst am 03.01.2024
⢠Eine infektiöse Konjunktivitis ist die häufigste Augenerkrankung, die zu einer Konsultation in der Hausarztpraxis führt.
⢠Erwachsene: 80ā% virale Erreger, 20ā% bakterielle ĀUrsachen.
⢠Kinder: 20ā% virale, 80ā% bakterielle Erreger.
⢠60-90ā% der viralen Konjunktivitiden werden verursacht durch Adenoviren, inkl. die Serotypen 8, 37, 64, welche eine hochkontagiƶse Form (inkl. Keratitis, sog. Epidemische Keratokonjunktivitis) auslƶsen.
⢠Klinik der viralen Konjunktivitis: Wässriger Augenausfluss, assoziierte Pharyngitis, Halslymphadenopathie.
Die Therapie ist symptomatisch.
⢠Erreger bakterieller Konjunktividen: In der Mehrzahl Staph.aureus, Strept. pneumoniae, Haemophilus influenzae und Moraxella catarrhalis. Aber auch Neisserien und Chlamydien. Therapie: Topische Antibiotika.
⢠Typische, aber nicht beweisende Klinik der bakteriellen Konjunktivitis: Eitriger Ausfluss, verkrustete Lider nach der Nachtruhe. NEJM 2023, doi: 10.1056/NEJMra2216081, verfasst am 27. 12. 2023
Die moderne antidiabetische Therapie mit einem SGLT2-H. und/oder einem GLP1-RA hat neben der kardio- und renoprotektiven auch eine sehr viel versprechende hepatoprotektive Wirkung. Letztere bei einer nicht alkoholischen Fettleber resp. einer Steatohepatitis; bis anhin als NAFL resp. NASH bezeichnet. GLP1-RA und weitere neue Hormon Rezeptoragonisten führen zu einer signifikanten Gewichtsreduktion von ā„10-15% des Kƶrpergewichts und senken das Risiko der steatotischen Leber- und deren Folgeerkrankungen. Die Lebersteatose und die Steatohepatitis ist unter diesen Medikamenten reversibel.
Modern antidiabetic therapy with an SGLT2-H. and/or a GLP1-RA has a very promising hepato-protective effect in addition to the cardio- and renoprotective effect. The latter in the case of non-alcoholic fatty liver or steatohepatitis; previously referred to as NAFL or NASH. GLP1-RA and other new hormone receptor agonists lead to a significant weight reduction of ā„10-15% of body weight and reduce the risk of steatotic liver disease and its sequelae. Hepatic steatosis and steato-hepatitis are reversible with these drugs. Key Words: Non-alcoholic fatty liver disease; NAFLD/NASH, MASLD/MASH; SGLT2-I.; GLP1-RA; Cardiovascular disease; Adipositas
Dieser Artikel ist eine Ergänzung zu den beiden Publikationen über SGLT2-H. bei der Herz- und Nieren-insuffizienz (1, 2) und stützt sich auf einen aktuellen online Vortrag von Diabetes Live (Streamed up) vom November 2023.
Neu werden seit dem EASL-Kongress 2023 anstelle der Ausdrücke NAFL und NASH die Ausdrücke MASLD und MASH (metabolic dysfunction associated steatotic liver disease resp. metabolic dysfunction associated steatohepatitis) verwendet. Der neue Begriff MASLD zeigt die enge Vernetzung hepatischer und metabolischer Faktoren der Erkrankung auf. Zudem verdeutlicht dies die Notwendigkeit einer interdisziplinƤren Betreuung durch Hepatologen und Stoffwechselspezialisten. Zur neuen Nomenklatur gehƶren auch SLD/Steatotic Liver Disease als Ćberbegriff, ALD/Alcoholic associated Liver Disease, MetALD/MASLD + Alkoholaufnahme >10 resp.20g/die. Es gibt dann noch eine specific aetiology SLD (Medikamente, Viren, Autoimmun u.a.) und eine cryptogenic SLD (3).
Eine nicht alkoholische Fettleber (NAFLD/MASLD) hat beim Typ 2 Diabetes mellitus (T2DM) eine PrƤvalenz von bis zu 70%, eine Steatohepatitis (NASH/MASH) von bis zu 40% und eine fortgeschrittene Lebererkrankung von bis zu 20%. Eine MASLD liegt vor, wenn bei Menschen mit Steatose der Leber mindestens einer von fünf kardiometabolischen Risikofaktoren vorliegt. Diese sind PrƤ-Diabetes, Ćbergewicht, Bluthochdruck, erhƶhte Triglyzeride und erhƶhtes LDL-Cholesterin. Selten tritt eine NAFL bei schlanken Personen auf (Genetik, NW Immuntherapie).
Die Sonographie der Leber sollte als diagnostische Bildgebung eingesetzt werden. Sie ist aber nicht sensitiv genug um eine Leberverfettung auszuschliessen, sie ist aber sehr spezifisch bei hohem Fettgehalt (>25%) beim Nachweis eines echogenen Musters der Leber verglichen mit dem Parenchym der rechten Niere. Eine sonographische Unterscheidung zwischen NAFL und NASH ist nicht mƶglich ā vgl. Abbildung 1. Die Transaminasen AST/GOT u. ALT/GPT kƶnnen nicht sicher zum Nachweis einer Lebersteatose verwendet werden. Diese sind nur in 6 resp. 10% erhƶht. Hilfreich ist der Fatty-Liver Index (FLI) mit einer hohen SensitivitƤt und SpezifitƤt für eine Fettleber bei einem Fettgehalt >25%. Dieser errechnet sich aus dem BMI, dem Taillenumfang, der y-GT und den Triglyceriden. Je hƶher der Fettgehalt in der Leber, desto hƶher das kardiovaskulƤre (cv) Risiko (4). Die entsprechende Hazard Ratio für cv Tod, nichtletalen Myokardinfarkt und ischƤmischen Schlaganfall betrug 1,98 bei vorher gesunden Personen. Der FLI ist ein Surrogatmarker für NAFLD und hat einen prognostischen Wert für die Erkennung von Personen mit einem hƶheren Risiko für kardiovaskulƤre Ereignisse und einen T2DM.
Aus einer Fettleber entwickelt sich in 7-30% eine Steatohepatitis mit einer zusƤtzlichen Fibrose. Bisher als NASH neu als MASH bezeichnet – metabolic dysfunction associated Steatohepatitis. Diese hat eine erhƶhte hepatische MorbiditƤt und MortalitƤt. Je stƤrker die Fibrose, desto schlechter die Langzeitprognose. Eine solche findet man in 12-20% der T2DM Patienten. Die Transaminasen sind auch bei einem T2DM und einer Leberzellfibrose nur in einem geringen Prozentsatz (18 resp. 28%) erhƶht (5). Die Diagnose einer Fibrose kann mit dem FIB-4 Score gestellt werden. Dieser errechnet sich aus Alter, Thrombozytenzahl (Abfall bei Zirrhose) und den Transaminasen. Dieser Score sollte bei einem T2DM 1x jƤhrlich durch den Hausarzt oder Diabetologen erhoben werden; wie die eGFR und UACR-Bestimmung zum Ausschluss einer CKD. Bei einem FIB-4 Score ā„1,3 sollte eine Ćberweisung an einen Gastroenterologen/Hepatologen zu einem Fibroscan erfolgen ā besteht doch ein erhƶhtes Risiko für eine Leberzirrhose resp. ein Leberzellkarzinom (HCC) ā vgl. Abbildung 1. Ein HCC kann auch ohne Zirrhose aus einer Lebersteatose entstehen, dies im Gegensatz zu einer Hepatitis C. Es besteht daher ein diesbezüglich hohes Risiko bei Patienten mit T2DM. Vgl. auch www.DDG.de/Diabetes und fatty liver.
Wie eine Lebersteatose entsteht, zeigt eine sehr schƶne Ćbersichtsarbeit von Xu (6). Neben der Genetik, einer zu hohen Kalorienzufuhr mit Adipositas und vermehrtem Fettgewebe, Adipokin und Leptin, spielt ein verƤndertes Mikrobiom, eine Entzündung, eine Insulinresistenz, eine de novo Lipogenese der Leber und der T2DM eine wesentliche Rolle.
Therapie
Von einer Adipositas sind weltweit mehr als 500 Millionen Menschen betroffen. In den nƤchsten 10 Jahren ca. ¼ der Weltbevƶlkerung. Adipositas ist eine komplexe chronische Erkrankung, die eine Vielzahl von FolgeĀerkrankungen induziert. Zu den wichtigsten KomorbiditƤten gehƶren T2DM, erhƶhte vaskulƤre TodesfƤlle, Thromboembolie, Schlafstƶrungen und Krebs.
Neben einer gesunden ErnƤhrung und einer ausreichenden kƶrperlichen AktivitƤt ist eine Gewichtsreduktion von 5-10% bei einer Hypertonie, Fettleber, einer DyslipidƤmie und zur PrƤvention eines T2DM sinnvoll. Noch besser ist eine Gewichtsreduktion von 10->15% zur cv PrƤvention, T2DM-Remission, Verbesserung der renalen und hepatologischen Parameter
inkl. NASH/Fibrose, einer Gonarthrose und Senkung der cv MortalitƤt. Ohne Medikamente ist dieses Ziel von 10->15% kaum erreichbar.
SGLT2-H., GLP1-RA und Metformin haben eine sehr positive Wirkung auf eine Lebersteatose und ihre Folgeerkrankungen. Sulfonylharnstoffe und Insuline erhƶhen aber diese Erkrankungen.
SGLT2-Hemmer: Sie senken in der Leber die freien Fettsäuren, hemmen die Lipogenese, fördern die Lipolyse, hemmen die Entzündung und Apoptose und erhöhen die Autophagie mit Verminderung des zellulären Stresses. Auch hemmen sie die Insulinresistenz und die de novo Lipogenese in der Leber. Dadurch wird neben dem HbA1c, dem Gewicht, den Leberenzymen und den Triglyceriden die Lebersteatose und Fibrose nach verschiedenen T2DM-Studien mit Cana-, Dapa- und Empagliflozin über 12-48 Wochen vermindert (6). Die SGLT2-H. sind für diese hepatologische Indikation ohne T2DM nicht zugelassen.
GLP1-RA: Neben dem Einsatz bei einem T2DM mit deutlicher Verbesserung der metabolischen Parameter und kardio- und nephroprotektiven Eigenschaften wird der GLP1-RA auch bei einer Adipositas verwendet. Eine effektive Gewichtsreduktion von 10->15% kann heute medikamentƶs erreicht werden. Nach den ESC-Guidelines 2023 Ā«Diabetes + HerzĀ» besteht eine Indikation für einen GLP1-RA bei einem T2DM mit einem BMI von 30kg/m2 oder ā„27 mit gewichtsadaptierten KomorbiditƤten. Es kommt in hohen Dosen je nach Substanz zu einer effektiven Gewichtsreduktion. Dieses Medikament soll wie der SGLT2-H. unabhƤngig vom HbA1c bei einem sehr hohen als auch bei einem hohen cv Risiko eingesetzt werden: T2DM + ASCVD oder schwere TOD oder 10 Jahres Risiko ā„20% Score2-Diabetes; T2DM und ein 10 Jahres Risiko von 10-<20% (IA). Bei einem BMI ā„35 kann nach erfolglosen konservativen Massnahmen inkl. einem GLP1-RA die metabolisch/bariatrische Chirurgie diskutiert werden (7).
In der STEP-HFpEF Studie konnte mit einem GLP1-RA bei einer Herzinsuffizienz (HI) mit erhaltener EF (>50%) und einer Adipositas (BMI ā„30kg/m2) neben einer Gewichtsreduktion, eine Verbesserung der HI-Symptome und eine Verbesserung der kƶrperlichen EinschrƤnkung, der LebensqualitƤt und eine CRP-Senkung erzielt werden (8).
In der aktuellen SELECT-Studie, welche am diesjƤhrigen AHA Kongress im November vorgestellt wurde, zeigte sich unter 2,4mg Semaglutid s.c. 1x wƶ. bei 8803 kardiovaskulƤren adipƶsen Risiko-patienten ohne T2DM eine signifikante Reduktion des primƤren Endpunktes (cv Tod, nicht tƶdlicher Infarkt/Schlaganfall) von 20%. Die kardiometabolischen Parameter (KG -9,4%, BD, Taille, HbA1c, Lipide) wurden verbessert: das hs-CRP sank um 39% (9). Die Studie zeigt erstmals Adipositas als einen behandelbaren kardiovaskulƤren Risikofaktor. Die Reduktion von Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall durch Semaglutid wurde, zusƤtzlich zu einer guten leitliniengerechten Therapie, beobachtet.
Semaglutid senkt in einer tiefen Dosis von 0,1/0,2/0,4mg s.c. tgl. über 72 Wochen bei einer nicht alkoholischen Steatohepatitis die ALT/GPT (10). Diese Phase-2-Studie mit Patienten mit einer MASH zeigte, dass die Behandlung zu einem signifikant höheren Prozentsatz von Patienten mit Verbesserung der Fettleberentzündung führte (59 vs 17%). Die Studie zeigte jedoch keinen deutlichen Unterschied zwischen den Gruppen im Prozentsatz der Patienten mit einer Verbesserung des Fibrose Stadiums.
Ein Dreifach-Agonist (GIP/GLP-1/Glucagon-RA) Namens Retatrutid 8 resp. 12mg/Wo führte bei adipƶsen Patienten ohne T2DM neben einer Gewichtsreduktion von ā„15% in 83% auch zu einer Reduktion der Leberverfettung; diese bildet sich bei mehr als 85% der Teilnehmer in 48 Wochen zurück. Effektive Gewichtsreduktion von bis zu 24%. ZusƤtzlich positive Wirkung bezüglich BD, Glukosehomƶostase und Lipidprofil (11, 12). Das Ausmass der Gewichtsreduktion scheint grƶsser zu sein als mit Semaglutid oder Tirzepatid, einem dualen Agonisten, bei vergleichbarem Sicherheitsprofil (13). Bei der Behandlung der reinen Adipositas ohne T2DM sind diese Medikamente oft noch off-label use. Sie kƶnnten in Zukunft die bariatrisch/metabolische Chirurgie partiell verdrƤngen.
Wir werden also zu diesem Thema in den kommenden Jahren noch einige hochinteressante Studien zur Behandlung der kardiometabolischen Parameter, der cv und renalen Protektion, der LeberĀsteatose und ihrer Folgeerkrankungen mit diesen vielversprechenden Rezeptor-Agonisten und deren Kombinationen erhalten.
Der Autor hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.
Durch eine effektive Gewichtsreduktion von ā„15% des Kƶrpergewichts kann eine Lebersteatose therapiert werden, das kardiovaskulƤre Risiko, die hepatische MorbiditƤt/MortalitƤt und die metabolische Stoffwechsellage deutlich verbessert werden. Dies ist nur mit Hilfe von GLP1-RA und weiterer innovativer Darmhormon-Rezeptor-Agonisten mƶglich. Inkretine stehen bei der Therapie des T2DM und bei der Adipositas zur Verfügung. Sie erhƶhen die postprandiale Insulinsekretion und haben eine Wirkung auf verschiedene Zielorgane.
SGLT2-Hemmer und GLP1-RA haben eine kardio-, nephro- und
hepatoprotektive Wirkung.
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1. Welche Ursache für die Nasenseptumperforation vermuten Sie?
A. Postoperativ nach Septumplastik
B. Mechanisch nach regelmƤssigen Manipulationen
C. Granulomatose
D. postinfektiƶs Antwort: Richtige Antwort ist C. Die hƤufigsten Ursachen für eine Nasenseptumperforation sind einerseits die stƤndige Manipulation mit dem Finger in der Nase, also das Ā«NasengrübelnĀ», andererseits postoperativ nach eiĀner Nasenseptumplastik. Die Anamnese mit regelmƤssiĀgem Abgang von blutigen Krusten und der klinische Befund mit flƤchenhaft blutig verkrusteten NasenschleimĀhƤuten neben der Perforation des Septums und des Gaumens sprechen jedoch in dieser Situation für eine sysĀteĀmiĀsche Erkrankung wie eine Granulomatose.
2.āWelche diagnostischen Massnahmen leiten Sie ein?
A. Ćberweisung an eine ORL-FachƤrztin zur Biopsie
B. ErgƤnzung der Anamnese
C. Computertomographie der Nase und Nasennebenhƶhlen
D. Labor: ANCA
Antwort: Richtig sind alle Antworten. Aus der erĀgƤnzenden Anamnese erfahren Sie bei genauerem Nachfragen, dass der Patient regelmƤssig Kokain konsumiert. Bei der Vermutung einer Granulomatose lassen Sie in den Laboruntersuchungen unter anderem die ANCAs bestimmen. Da die VerhƤltnisse in der Nase sehr unübersichtlich sind und grosse Destruktionen vorliegen, veranlassen Sie eine Bildgebung, wobei neben der Computertomographie auch ein MRI mƶglich wƤre. Zur Entnahme von endoskopisch kontrollierten, gezielten Schleimhautbiopsien in OberflƤchenanƤsthesie überweisen Sie den Patienten an eine ORL-FachƤrztin, mit welcher Sie regelmƤssig zusammenarbeiten. Zehn Tage spƤter kommt der Patient wie geplant zu Ihnen in die Sprechstunde, um die Resultate zu besprechen. Sie erklƤren ihm den Radiologiebefund und informieren ihn über die Laborresultate. Hier fallen die positiven c-ANCA auf. Die Histologie zeigt eine chronische Entzündung mit Granulomen.
3. Welche Diagnose kommt am ehesten in Frage?
A. Sarkoidose
B. Granulomatose mit Polyangiitis
C. Kokain induzierte, ANCA-assoziierte Vaskulitis
D. Adenokarzinom der Nasennebenhöhlen bei Nikotinabusus Antwort: Richtig ist Antwort C. Bei regelmässigem Kokainabusus kommt am ehesten eine Kokain induzierte, ANCA-assoziierte Vaskulitis in Frage (sogenannte «cocaine induced midline destructive lesion»)
Diskussion
Die Differentialdiagnose von destruktiven LƤsionen in der Mittellinie in der Nase zeigt diese Tabelle:
Bei unserem Patienten mit regelmässigem Kokainabusus liegt eine toxische Ursache dieser grossflächigen Destruktionen in der Nase, der Kieferhöhle und des Gaumens vor. Wie aktuelle Abwasseruntersuchungen zeigen, ist der Konsum von Kokain in der Schweiz weit verbreitet und muss bei Läsionen in der Nase gezielt erfragt werden. Kokain führt einerseits selbst zu einer ANCA-assoziierten Vaskulitis, welche oft schwierig von einer Granulomatose mit Polyangiitis zu differenzieren ist. Beide weisen im Labor nämlich positive c-ANCA auf. Hier kann neben der Anamnese die Bestimmung der Anti-Elastase-Antikörper weiterhelfen. Andererseits ist Kokain häufig mit Levimasol gestreckt. Levamisol ist ein Antihelminthikum, welches in der Veterinärmedizin eingesetzt wird. Zudem hat es eine immunmodulierende Wirkung und soll auch leicht euphorisierend wirken. Als Nebenwirkung kann es zu Haut- und Schleimhautnekrosen führen. So zeigt auch unser Patient neben den eindrücklichen Befunden in der Nase eine Hautnekrose am Rücken.