Kontinuität und neue Impulse

Seit der Erstausgabe vor 16 Jahren steht info@herz+gefäss für eine praxisnahe und unabhängige Einordnung aktueller Entwicklungen auf dem Gebiet der Herz-Kreislaufmedizin.

Fortbildungen zu den neuesten Themen werden von Kolleginnen und Kollegen praxisbezogen aufbereitet, um aktuelle Evidenz mit konkreten Handlungsempfehlungen für den klinischen Alltag zu verbinden. Um diesem Anspruch auch in Zukunft gerecht zu werden und der ­stetig zunehmenden Subspezialisierung der Kardiologie Rechnung zu tragen, freuen wir uns über eine Verstärkung in unserem Editorial Board, das sich auch weiterhin auf die engagierte Unterstützung durch Prof. Dr. med. Christoph Gräni als Board Member erfreut.

Mit der Erstausgabe 2026 begrüssen wir deshalb ganz herzlich folgende neue ­Kollegen im Editorial Board:

Prof. Dr. med. Alexander Breitenstein ist Leitender Arzt an der Klinik für Kardiologie/Rhythmologie am UniversitätsSpital Zürich (USZ). Er ist spezialisiert auf Elektrophysiologie, ­insbesondere Katheterablationen und Device-Therapien (Schrittmacher/ICD/CRT) sowie Device-Extraktionen. Eine vertiefte Ausbildung in invasiver Elektrophysiologie (Ablation und Device-Implantation) absolvierte er am Barts Heart Centre in London; seit 2015 ist er als Kardiologe/Rhythmologe am USZ tätig.

Prof. Dr. med. Micha Maeder ist Stv. Chefarzt und Leitender Arzt der Klinik für Kardiologie am HOCH Health Ostschweiz / Kantonsspital St. Gallen. Seine klinischen Schwerpunkte ­liegen in der invasiven und interventionellen Kardiologie, der Herzinsuffizienz, der pulmonalen Hypertonie sowie bei Klappenerkrankungen. Seine Ausbildung und klinischen Stationen führten ihn u. a. ans Universitätsspital Basel, ans Kantonsspital St. Gallen sowie ans Universitätsspital Zürich; zudem war er in der klinischen Herzinsuffizienz-Forschung am Baker IDI/Alfred Hospital in Melbourne tätig.

Prof. Dr. med. Christophe Wyss ist Kardiologe an der Herzklinik Hirslanden Zürich (Heart Clinic Zurich). Seine klinischen Schwerpunkte betreffen die nicht-invasive sowie invasive koronare und strukturelle Kardiologie. Zudem verfügt er über eine langjährige Erfahrung in der Standespolitik und Expertise bei Tariffragen. Zuvor war er mehrere Jahre am Universitätsspital Zürich tätig, u. a. im Andreas-Grüntzig-Herzkatheterlabor.

Mit Hilfe der breiten fachlichen Expertise und klinischen Erfahrung unseres neu aufgestellten Editorial Boards freuen wir uns, Ihnen, liebe Leserinnen und Leser von «info@herz+gefäss», auch in diesem Jahr interessante und vor allem klinisch relevante kardiologische Fortbildungen in hoher Qualität anbieten zu können.

Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre.

Prof. Dr. med. Otmar Pfister

Klinik für Kardiologie
Universitätsspital Basel
Petersgraben 4
4031 Basel

otmar.pfister@usb.ch

Hochsensitives kardiales Troponin

Kardiales Troponin ist ein strukturelles Protein des kontraktilen Apparats der Herzmuskelzelle und der spezifischste Biomarker zur Detektion eines Myokardschadens. Mit der Einführung hochsensitiver kardialer Troponin-Assays hat sich die Diagnostik des akuten Myokardinfarkts (AMI) grundlegend verändert. Diese ermöglichen den Nachweis minimaler Troponinfreisetzungen bereits kurze Zeit nach Symptombeginn und haben die bisherige Diagnostik revolutioniert. Insbesondere die in den aktuellen Leitlinien der europäischen Gesellschaft für Kardiologie verankerten 0/1-h- und 0/2-h-Algorithmen erlauben einen raschen Ein- und Ausschluss des AMI bei Patientinnen und Patienten, die sich mit akuten Brustschmerzen auf der Notfallstation vorstellen. Hierdurch wird der klinische Workflow in der Notfallstation erheblich beschleunigt. Dennoch erfordert die Interpretation von kardialen Troponin-Erhöhungen stets die Berücksichtigung klinischer und kontextueller Faktoren, da zahlreiche andere Krankheitsbilder ebenfalls mit erhöhten Troponinwerten einhergehen können. Neben den laborbasierten Verfahren gewinnen zunehmend auch Point-of-Care-Tests an Bedeutung.

Cardiac troponin (cTn) is a structural protein of the contractile apparatus of cardiomyocytes and the most specific biomarkers for the detection of myocardial injury. The introduction of high-sensitivity cardiac troponin assays has fundamentally transformed the diagnosis of acute myocardial infarction (AMI). These assays enable the detection of minimal troponin release within a short time after symptom onset and have revolutionized the diagnostic approach. In particular, the 0/1-h and 0/2-h algorithms endorsed by the European Society of Cardiology guidelines allow for rapid and reliable rule-in and rule-out decisions in patients presenting with suspected AMI, thereby substantially accelerating emergency department workflows. Nevertheless, interpretation of hs-cTn elevations always requires careful consideration of clinical and contextual factors, as numerous other conditions may also lead to elevated troponin levels. In addition to laboratory-based measurements, point-of-care tests are gaining increasing importance.
Keywords: high-sensitivity cardiac troponin; acute myocardial infarction; 0/1-hour algorithm; biomarker; point-of-care testing

Warum hochsensitives Troponin der kardiale Biomarker Nr. 1 ist

Das kardiale Troponin (cTn) ist ein strukturelles Protein des kontraktilen Apparats der Herzmuskelzelle und spielt eine zentrale Rolle in der Regulation der Myofilamentkontraktion (1, 2). Im Gegensatz zu Troponin C, das auch in der Skelettmuskulatur vorkommt, sind cTn T und I nahezu ausschliesslich im Myokard exprimiert und gelten daher als herzmuskelspezifische Marker (1–3). Die Freisetzung von Troponin in den Blutkreislauf ist ein direktes Zeichen für eine strukturelle Schädigung von Kardiomyozyten, unabhängig von deren Ursache (1–3). Damit ist Troponin der kardiale Biomarker zur Erfassung eines akuten oder chronischen Myokardschadens und essenzieller Bestandteil der Definition des akuten Myokardinfarkts (AMI) (4, 5). Vor der Einführung der hochsensitiven Assays konnten konventionelle Troponin-Tests nur deutlich erhöhte Konzentrationen nachweisen, sodass zur Diagnosestellung häufig serielle Messungen über 6–12 Stunden notwendig waren. Die Einführung der hochsensitiven Troponin-Assays (hs-cTn T und I) ab etwa 2010 markierte einen Paradigmenwechsel: Diese Methoden detektieren Troponinkonzentrationen, die bei bis zu 50–90 % gesunder Individuen messbar sind, und unterscheiden sich in zwei wesentlichen Punkten von konventionellen Troponin-Assays (1, 6–8). Erstens ermöglichen sie den Nachweis von Troponin bei einem erheblichen Anteil gesunder Personen und zweitens erlauben sie eine präzisere Definition des Normalbereichs (entsprechend der 99. Perzentile), wobei die analytische Präzision der Assays durch den Variationskoeffizienten beschrieben wird, der idealerweise <10 % betragen sollte (1). So wird eine präzise Quantifizierung minimaler Freisetzungen bereits kurz nach Symptombeginn ermöglicht. In der aktuellen ESC-Leitlinie 2023 werden hs-cTn T und I als Biomarker der Wahl für die Diagnose des AMI empfohlen (5). Zusammen mit Anamnese, klinischer Untersuchung und 12-Kanal-EKG bilden sie die diagnostische Trias (5). Dank der hohen analytischen Sensitivität und Reproduzierbarkeit lassen sich dynamische Veränderungen (Anstieg/Abfall) bereits innerhalb von 1–2 Stunden erfassen, was die Grundlage der modernen 0/1-h- und 0/2-h-Algorithmen bildet (6, 7, 9–12). Durch diese Innovation konnten die Infarktdiagnostik entscheidend beschleunigt und die Patientensicherheit verbessert werden (10). Frühe Rule-out-Entlassungen, rasche Identifikation von Hochrisikopatienten und eine zeitkritische Therapieeinleitung sind möglich.

Analytik

Hochsensitive Troponin-Assays zeichnen sich durch eine Messpräzision mit einem Variationskoeffizienten ≤ 10 % im Bereich der 99. Perzentile des oberen Referenzwerts sowie durch eine Nachweisrate ≥ 50 % bei gesunden Personen aus (1). Die Grosszahl der kommerziell erhältlichen hs-cTn T- und auch hs-cTn I-Assays erfüllt diese Kriterien. Wichtig ist zu beachten, dass die 99. Perzentile für jeden hs-cTn Assay in unterschiedlichen gesunden Populationen deriviert wird. Somit sind die Referenzwerte eines hs-cTn Assays nicht auf einen anderen übertragbar. Für eine valide Interpretation sind zudem präanalytische Faktoren wie korrekte Probenentnahme, zeitgerechte Zentrifugation und Vermeidung von Hämolyse entscheidend, welche einen Einfluss haben können (3, 13, 14). Auch wenn die analytischen Details komplex sind, ist die klinisch entscheidende Botschaft klar: Hochsensitive Troponin-Assays vereinen Genauigkeit mit hervorragender Reproduzierbarkeit und bilden damit die Grundlage für eine verlässliche und differenzierte Diagnostik des AMI.

Myokardschaden und Freisetzungskinetik

Die kardialen Troponine sind intrazelluläre Proteine, die im Zytosol und an den kontraktilen Myofibrillen der Herzmuskelzellen gebunden vorliegen (15). Kommt es zum Beispiel infolge einer ischämischen Schädigung zu einer gestörten Zellmembranintegrität, werden zytosolische wie auch gebundene Troponinanteile freigesetzt (15). Die Halbwertszeit von cTn T im Blut beträgt etwa 120 Minuten, wobei das verlängerte Nachweisfenster darauf zurückzuführen ist, dass während der zellulären Nekrose fortlaufend Troponin T aus dem myofibrillären Pool freigesetzt wird, während sich der kontraktile Apparat der Kardiomyozyten schrittweise abbaut (15). Die Freisetzung erklärt die Kinetik des hs-cTn-Anstiegs beim AMI: Der Troponinwert beginnt meist innerhalb von 1–3 Stunden nach Symptombeginn zu steigen, erreicht nach etwa 12–24 Stunden seinen Gipfel und fällt anschliessend über mehrere Tage wieder ab. Neben der Ischämie-induzierten Nekrose können auch andere Mechanismen, etwa Apoptose, Dehnung, Entzündung oder toxische Schädigung, zur Freisetzung von Troponin führen, wobei die Dynamik des Anstiegs meist geringer ausfällt. Die hochsensitiven Assays ermöglichen es, diese feinen Konzentrationsänderungen zu erkennen und damit zwischen akuter und chronischer Myokardschädigung zu unterscheiden, ein entscheidender Fortschritt für die differenzierte Interpretation erhöhter Troponinwerte.

Revolutionierte Infarktdiagnostik – Rolle des Troponins und der ESC-Algorithmen

Mit Einführung der hochsensitiven Troponin-Assays wurde die Diagnostik des AMI grundlegend verändert. Während frühere Testverfahren erst nach mehreren Stunden pathologische Werte zeigten, erlauben die hochsensitiven Assays den Nachweis minimaler Myokardschädigungen bereits kurz nach Symptombeginn (16–22). Damit wurde die Zeit bis zur gesicherten Diagnose deutlich verkürzt, was einen entscheidenden Vorteil mit sich bringt, denn weiterhin gilt: «Time is muscle».
Die aktuellen ESC-Leitlinien von 2023 empfehlen den 0/1-h-Algorithmus als bevorzugte Strategie zum schnellen und sicheren Ein- oder Ausschluss des AMI (Abb. 1) (5).

Dieser Algorithmus basiert auf zwei Troponinmessungen: einer initialen Bestimmung zum Zeitpunkt 0 (Stunden) und einer zweiten Messung 1 Stunde später (5). Alternativ kann, etwa bei organisatorischen Einschränkungen oder verzögerter Blutabnahme, der 0/2-h-Algorithmus angewendet werden (5). Beide Verfahren sind für verschiedene Assays validiert und liefern eine ausgezeichnete diagnostische Sicherheit, wobei der 0/1-h-Algorithmus aufgrund seiner frühzeitigeren Entscheidungsmöglichkeit bevorzugt wird. Das Konzept beruht auf zwei zentralen Prinzipien: Erstens ist das Troponin eine kontinuierliche Variable, deren absolute Konzentration eng mit der Wahrscheinlichkeit eines Myokardinfarkts korreliert (23). Zweitens liefern frühe absolute Änderungen («Deltas») der Troponinwerte zwischen der Erst- und der Folgemessung entscheidende Informationen zur Dynamik des Myokardschadens (24, 25). Während relative Veränderungen (z. B. + 20 %) in der Vergangenheit häufig verwendet wurden, empfehlen die Leitlinien heute die Verwendung Assay-spezifischer absoluter Deltas, da diese weniger durch Messvariabilität beeinflusst sind und eine höhere diagnostische Genauigkeit bieten (5).

Ein Rule-out ist möglich, wenn der Troponinwert entweder bereits bei der ersten Messung sehr niedrig ist oder wenn der Ausgangswert niedrig bleibt und sich innerhalb von 1 Stunde keine relevante Dynamik zeigt (5, 26). In mehreren grossen Validierungsstudien lag der negative Vorhersagewert (NPV) dieser Strategien bei über 99 %, was eine sichere Entlassung vieler Patienten bereits nach kurzer Zeit ermöglicht (22, 27, 28). Ein Rule-in erfolgt, wenn der Troponinwert bereits bei Aufnahme deutlich erhöht ist, oder wenn innerhalb von 1 bzw. 2 Stunden ein klarer absoluter Anstieg beobachtet wird (5). Der positive Vorhersagewert (PPV) liegt zwischen 70 und 75 %. Patienten, die weder die Rule-out- noch die Rule-in-Kriterien erfüllen, fallen in die sogenannte «Observe-Zone» und benötigen eine dritte Troponin-Messung nach 3 Stunden und weitere Abklärung, wie zum Beispiel eine ergänzende bildgebende kardiale Diagnostik (5, 29).

Wie bereits erwähnt sind die Grenzwerte Assay-spezifisch und dürfen nicht zwischen verschiedenen Assays übertragen werden (Tab. 1).

Für den weit verbreiteten Roche Elecsys hs-cTnT-Assay gelten nach ESC-Empfehlung folgende Schwellen: Ein Wert < 5 ng/L (bei Symptombeginn > 3 h) oder ein Ausgangswert < 12 ng/L ohne einen Anstieg von ≥ 3 ng/L nach 1 Stunde schliesst einen AMI aus (5). Ein Wert ≥ 52 ng/L oder ein Anstieg von ≥ 5 ng/L innerhalb 1 Stunde gilt als klarer Hinweis auf einen akuten Infarkt (5). Für den Abbott Architect hs-cTnI-Assay werden etwas andere Grenzwerte verwendet: Ein Wert < 4 ng/L (bei Schmerzbeginn vor > 3h) oder < 5 ng/L ohne Δ ≥ 2 ng/L nach 1 Stunde spricht für Rule-out, während Werte ≥ 64 ng/L oder ein 1-h-Δ ≥ 6 ng/L ein Rule-in definieren (5).

Bei Anwendung des 0/2-h-Algorithmus bleiben die Entscheidungsgrenzen ähnlich, die zulässigen Deltas sind jedoch etwas grösser, da die Zeit zwischen den Messungen länger ist und das Troponin kontinuierlich über die Zeit ansteigt (5). Auch hier liegt die diagnostische Sicherheit für den Ausschluss eines AMI bei über 99 %. In der Praxis wird der 0/2-h-Algorithmus insbesondere eingesetzt, wenn die 1-h-Blutabnahme organisatorisch nicht zuverlässig möglich ist.

Mehrere grosse prospektive Studien, darunter randomisierte Implementierungsstudien, haben gezeigt, dass der 0/1-h-Algorithmus im Vergleich zu älteren Strategien sowohl die Zeit bis zur Diagnose als auch die Aufenthaltsdauer in der Notaufnahme signifikant verkürzt, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen (22, 27, 28). Entsprechend wurde der frühere Algorithmus in den ESC-Leitlinien 2023 hinsichtlich des Empfehlungsgrades abgestuft, während der 0/1-h-Algorithmus eine Klasse-I-Empfehlung besitzt (5). Damit haben die hochsensitiven Troponin-Assays die Diagnostik des akuten Myokardinfarkts revolutioniert: Sie ermöglichen eine frühe, hochpräzise Abgrenzung zwischen akuter und chronischer Myokardschädigung, reduzieren unnötige Hospitalisierungen und verbessern die Risikostratifizierung. In Kombination mit klinischer Beurteilung und einem 12-Kanal-EKG bilden sie heute das zentrale Fundament der modernen Infarktdiagnostik.

Altersabhängige Effekte und Einfluss der Nierenfunktion

Die 99. Perzentile der oberen Referenzgrenze (upper reference limit, URL) bildet die zentrale diagnostische Schwelle für die Definition eines Myokardschadens und eines AMI. Troponin-Konzentrationen oberhalb dieses Wertes gelten als erhöht (4). Diese Schwelle ist Assay-spezifisch und beruht auf Messungen in grosse Kollektiven gesunder Personen. Dabei zeigte sich, dass biologische Unterschiede, insbesondere Alter und Nierenfunktion, einen relevanten Einfluss auf die Troponin-Konzentration haben können.

Mit zunehmendem Alter steigt die Prävalenz leicht erhöhter Troponinspiegel auch in Abwesenheit einer akuten Ischämie (31). Dieser Anstieg reflektiert meist subklinische strukturelle Myokardschäden, Fibrose, hypertensive oder diastolische Belastung. Dennoch wird derzeit kein altersadjustierter Grenzwert in den Leitlinien empfohlen, da die Sicherheit weiterhin gegeben ist und die Verwendung altersspezifischer Grenzwerte zu Herausforderungen in der klinischen Praxis führen könnte (32, 33).

Die chronische Niereninsuffizienz stellt einen weiteren häufigen und klinisch relevanten Confounder der Troponindiagnostik dar (34). Bei eingeschränkter glomerulärer Filtrationsrate finden sich häufig persistierend erhöhte hs-cTn-Konzentrationen, vermutlich bedingt durch eine Kombination aus verminderter renaler Clearance und chronischem Myokardschaden infolge Druck- und Volumenbelastung. Somit empfiehlt es sich, bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (ebenso bei Patienten im fortgeschrittenen Alter) nicht den absoluten Ausgangswert, sondern vor allem die Dynamik (Anstieg oder Abfall) zwischen den Messungen zu bewerten (5). Ein signifikanter Anstieg über die Assay-spezifische Δ-Schwelle hinaus gilt auch in dieser Population als starkes Indiz für eine akute Myokard schädigung z. B. im Rahmen eines ischämischen Prozesses. Folglich sollte die Diagnose eines AMI in diesem Kontext nur bei nachweisbarer Dynamik in Verbindung mit Symptomen und/oder EKG-Veränderungen gestellt werden. Ein persistierend stabil erhöhter Troponinwert ohne Klinik hingegen spricht eher für eine chronische kardiale Schädigung und ist prognostisch bedeutsam, ohne zwingend auf ein akutes Koronarsyndrom hinzuweisen.

Klinische Szenarien und Pitfalls

Die Interpretation erhöhter hochsensitiver Troponinwerte erfordert stets eine enge Verknüpfung mit Anamnese, klinischem Kontext und EKG-Befunden (Abb. 2). Eine Troponinerhöhung weist grundsätzlich auf einen Myokardschaden, aber nicht zwingend auf einen AMI hin. Erst das Zusammenspiel aus klinischer Präsentation mit Symptomen, ischämietypischer Dynamik und ggf. korrespondierenden EKG-Veränderungen erlaubt die sichere Diagnose eines AMI (4, 5). Der Typ-1-Myokardinfarkt entsteht infolge eines (plaqueassoziierten) koronaren (teilweise)-Verschlusses mit Thrombusbildung und akuter Myokardischämie. Der Typ-2-Myokardinfarkt hingegen beruht auf einer Ungleichgewichts-Ischämie zwischen myokardialem Sauerstoffbedarf und -angebot ohne akute Plaqueruptur (35). Er tritt sekundär im Rahmen anderer Erkrankungen auf, die zu einem verminderten Sauerstoffangebot (z. B. bei Hypoxie) oder einem erhöhten Sauerstoffbedarf (z. B. Tachykardie) führen (35). Aggraviert kann dies werden durch bestehende, unter «normalen Umständen» nicht-signifikanten Stenosen. Typische klinische Konstellationen sind die Anämie (reduziertes Sauerstoffangebot bei stabiler KHK oder auch blanden Koronarien), das tachykarde Vorhofflimmern oder andere tachykarde Herzrhythmusstörungen (erhöhter Sauerstoffverbrauch und diastolische Minderversorgung) und die Lungenembolie (akute Druckbelastung und Dilatation des rechten Ventrikels mit subendokardialer Ischämie) (35). In all diesen Fällen kann das ­hs-cTn deutlich erhöht sein, ohne dass eine akute Koronarobstruktion vorliegt. Entscheidend ist die Gesamtinterpretation der klinischen Situation: Ein Typ-2-Infarkt ist kein primär koronar-interventionelles Krankheitsbild, sondern Ausdruck eines sekundären myokardialen Schadens, der eine kausale Behandlung der Grunderkrankung erfordert (35).

Neben ischämischen Mechanismen existieren zahlreiche nicht-ischämische Ursachen für erhöhte hs-cTn-Werte, die eine differenzierte Beurteilung erfordern. Ein möglicher Befund in der klinischen Praxis ist die Troponinerhöhung nach Liegetrauma oder bei ausgeprägter Skelettmuskelschädigung, etwa bei einer Rhabdomyolyse oder rheumatischen Erkrankung (36, 37). Dabei kann das Troponin T erhöht sein, das Troponin I bleibt in der Regel normal (36). Auch die Myokarditis präsentiert sich mit Troponinerhöhung und Brustschmerz und kann somit ein akutes Koronarsyndrom imitieren (38). Charakteristisch ist häufig eine moderate, teilweise länger anhaltende Troponinfreisetzung ohne koronares Korrelat (38). Die Differenzierung gelingt insbesondere durch die kardiale MRT, welche ein myokardiales Ödem und Spätkontrastmittelaufnahme (late gadolinium enhancement, vorwiegend subepikardial oder mittmyokardial in einem nicht-ischämischen Verteilungsmuster) nachweist (39). Nach perkutaner Koronarintervention (PCI) oder koronarer Bypass-Operation (CABG) treten Troponinerhöhungen häufig auf (40). Diese spiegeln in der Mehrzahl der Fälle prozedurale Myokardschäden wider, die definitionsgemäss erst ab Überschreiten des fünffachen 99. Perzentils (PCI) bzw. des zehnfachen (CABG) als prozedurbezogener Myokardinfarkt (Typ 4a/5 MI) gewertet werden (in Kombination mit neuen EKG-Veränderungen/ neuen Veränderungen in der Bildgebung, zum Beispiel Wandbewegungsstörungen im Echo) (4). Eine isolierte moderate Troponinerhöhung ohne klinische oder elektrokardiographische Hinweise auf Ischämie sollte hier nicht als Infarkt fehlinterpretiert werden (4). Ein weiterer häufiger Sonderfall betrifft intensiven Sport, bei dem transiente, meist moderate Anstiege des hs-cTn beobachtet werden können (41). Die zugrunde liegende Mechanik ist multifaktoriell und umfasst myozytäre Membranpermeabilität, Dehnung, zellulären Stress und Skelettmuskelschäden, ohne dass strukturelle Nekrose vorliegen muss (41). Zusammenfassend gilt: Nicht jede Troponinerhöhung ist Ausdruck eines AMI. Die differenzierte Betrachtung von Ursache, Dynamik, Begleitsymptomen und EKG-Verlauf ist entscheidend, um Überdiagnosen zu vermeiden und eine gezielte Therapie einzuleiten.

Point-of-Care-Assays

Neben den laborbasierten Hochdurchsatzsystemen gewinnen in den letzten Jahren Point-of-Care-(POC)-Assays zunehmend an Bedeutung (42, 43). Sie ermöglichen eine schnelle Messung von Troponin ohne zeitliche Verzögerung durch den Probentransport und Laborprozess. Ziel ist es, den diagnostischen Ablauf weiter zu beschleunigen und insbesondere in präklinischen oder ressourcenlimitierten Settings, wie im Rettungsdienst, peripheren Spitälern, ambulanten Praxen oder ländliche Regionen eine zeitnahe Entscheidungsfindung zu ermöglichen.

Moderne POC-Systeme verwenden Technologien, die in ihrer analytischen Leistungsfähigkeit den Labor-Assays zunehmend nahekommen (42, 43). Einige der neueren Geräte, etwa der Siemens Atellica VTLi, der Abbott i-STAT Alinity oder der Roche LumiraDx hs-cTnI-Assay, erfüllen bereits viele Kriterien für «high-sensitivity». Damit können sie, im Gegensatz zu älteren POC-Tests, in standardisierte 0/1-h- oder 0/2-h-Algorithmen integriert werden, jedoch sind auch hier die Assay-spezifischen Grenzwerte zu beachten (42, 43). Der Hauptvorteil dieser Systeme liegt in der Zeitersparnis. Es konnte gezeigt werden, dass sich mit POC-Assays die «door-to-troponin result time» um bis zu 54 Minuten verkürzen lässt, bei neueren POC-Systemen ohne relevante Einbussen in diagnostischer Sicherheit (42–44). Dadurch können Rule-out-Entscheidungen bereits innerhalb einer Stunde getroffen werden (bei Schmerzbeginn vor > 3h), ein Vorteil insbesondere in überlasteten Notaufnahmen oder präklinischen Situationen (42, 43). Insgesamt stellen POC-Assays eine vielversprechende Ergänzung der etablierten Laboranalytik dar. Sie können die Versorgung von Patienten mit Verdacht auf akutes Koronarsyndrom deutlich beschleunigen und sind insbesondere für den Einsatz in präklinischen und dezentralen Strukturen geeignet. Mit der fortschreitenden Miniaturisierung und Standardisierung dieser Technologien ist absehbar, dass hochpräzise POC-Systeme künftig einen festen Platz in der AMI-Diagnostik einnehmen und die zeitkritischen ESC-Algorithmen auch ausserhalb des Krankenhauses ermöglichen werden.

Ausblick: KI-gestützte Pfade und ­transdermale Messung von Troponin I

Mit der Einführung hochsensitiver Troponin-Assays wurde die Diagnostik des akuten Myokardinfarkts bereits erheblich beschleunigt und standardisiert. Dennoch beruhen die aktuell empfohlenen ESC-Algorithmen auf festen Schwellenwerten und Zeitpunkten, die individuelle Unterschiede, etwa Alter, Nierenfunktion, EKG-Veränderungen (ausser ST-Hebungen), Komorbiditäten oder Zeitpunkt des Symptombeginns, nicht berücksichtigen (5). Hier setzt der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) an: Machine-Learning-Modelle ermöglichen eine individualisierte Interpretation von Labor- und EKG-Daten und könnten die bisher starren Entscheidungsgrenzen ablösen.

Hierzu wurde der CoDE-ACS-Algorithmus (Collaboration for the Diagnosis and Evaluation of Acute Coronary Syndrome) entwickelt und in internationalen Kohorten validiert (45, 46). Dieses System kombiniert Troponinkonzentrationen, sowohl bei Aufnahme als auch in seriellen Messungen, mit klinischen Variablen wie Alter, Geschlecht, Blutdruck, Herzfrequenz, Nierenfunktion, Hämoglobin, Symptombeginn und EKG-Befunden (45, 46). Aus diesen Informationen berechnet das Modell eine individuelle Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Myokardinfarkts (0–100 Punkte). In einer prospektiven Analyse zeigte CoDE-ACS eine ausgezeichnete Diskriminationsleistung (AUC ≈ 0.95) und identifizierte deutlich mehr Patienten mit niedriger Infarkt-Wahrscheinlichkeit (61 vs. 27 %) bei gleichem negativem prädiktivem Wert (45). Die Folgestudie bestätigte diese Ergebnisse in über 4000 Patienten und zeigte, dass CoDE-ACS unabhängig vom Zeitpunkt der Messung (0, 1 oder 2 h) stabil performt und mehr Patienten sicher als «low probability» klassifizieren kann als die ESC-0/1- oder 0/2-h-Algorithmen (46). KI-gestützte Entscheidungssysteme wie CoDE-ACS könnten künftig Labor-, EKG- und klinische Daten in Echtzeit integrieren und die Wahrscheinlichkeit eines AMI patientenspezifisch quantifizieren. Damit eröffnen sie den Weg zu dynamischen, adaptiven Diagnosepfaden, die sich an individuellen Risikoprofilen orientieren und Über- wie Unterdiagnosen reduzieren. Ob dieser Ansatz im klinischen Alltag zu einer verbesserten Versorgung und Ressourcennutzung führt, bleibt abzuwarten.

Eine vielversprechende Weiterentwicklung stellt die transdermale Messung von kardialem Troponin mittels optischer IR-Sensoren dar (47). Das neu entwickelte, nichtinvasive Wearable-Device («Infrasensor») ermöglicht eine Troponin I-Bestimmung innerhalb von nur 3 Minuten und zeigte in einer multizentrischen Pilotstudie eine gute Sensitivität (90 %) und eine C-Statistik-AUC von 0.90 zur Identifikation erhöhter cTnI-Spiegel (47). Künftige Studien müssen klären, ob diese Technologie in der Notaufnahme oder sogar präklinisch eingesetzt werden kann, um den diagnostischen Prozess beim akuten Koronarsyndrom weiter zu beschleunigen.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Zweitabdruck aus «der informierte arzt» 12/2025

Dr. med. Michael Kunz

Klinik für Kardiologie und
Cardiovascular Research Institute Basel (CRIB)
Universitätsspital Basel
Petersgraben 4
4031 Basel

Prof. Dr. med.Christian Müller

Klinik für Kardiologie und
Cardiovascular Research Institute Basel (CRIB)
Universitätsspital Basel
Petersgraben 4
4031 Basel

Dr. med. Jasper Boeddinghaus

Klinik für Kardiologie und
Cardiovascular Research Institute Basel (CRIB)
Universitätsspital Basel
Petersgraben 4
4031 Basel

jasper.boeddinghaus@usb.ch

Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • Hochsensitive Troponin-Assays (hs-cTnT und hs-cTnI) sind heute der zentrale Biomarker in der Diagnostik des AMI und ermöglichen den Nachweis minimaler Myokardschädigungen bereits kurz nach Symptombeginn.
  • Die ESC-0/1-h- und 0/2-h-Algorithmen haben die AMI-Diagnostik revolutioniert, indem sie eine schnelle und sichere Rule-out/Rule-in-Entscheidung mit hoher Sensitivität und Spezifität erlauben.
  • Die Interpretation der hs-cTn-Werte muss immer im klinischen Kontext erfolgen. Besonders Alter, Nierenfunktion und Begleiterkrankungen beeinflussen die Troponinkonzentration und erfordern eine individuelle Bewertung des Absolutwertes und auch der Dynamik.
  • Nicht jede Troponinerhöhung bedeutet einen AMI. Differenzialdiagnosen wie Myokarditis, Tachyarrhythmien, Lungenembolie oder Niereninsuffizienz sind häufige Fallstricke in der Interpretation.
  • KI-basierte Systeme wie CoDE-ACS kombinieren Labor-, EKG- und klinische Daten zu einem patientenspezifischen Risikoscore und könnten künftig die diagnostische Präzision und Effizienz weiter verbessern.

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2. Thygesen K, Mair J, Katus H, Plebani M, Venge P, Collinson P, u. a. Recommendations for the use of cardiac troponin measurement in acute cardiac care. European Heart Journal [Internet]. 2. September 2010 [zitiert 22. Oktober 2025];31(18):2197–204. Verfügbar unter: https://academic.oup.com/eurheartj/article-lookup/doi/10.1093/eurheartj/ehq251
3. Giannitsis E, Kurz K, Hallermayer K, Jarausch J, Jaffe AS, Katus HA. Analytical Validation of a High-Sensitivity Cardiac Troponin T Assay. Clinical Chemistry [Internet]. 1. Februar 2010 [zitiert 22. Oktober 2025];56(2):254–61. Verfügbar unter: https://academic.oup.com/
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4. Thygesen K, Alpert JS, Jaffe AS, Chaitman BR, Bax JJ, Morrow DA, u. a. Fourth Universal Definition of Myocardial Infarction (2018). Journal of the American College of Cardiology [Internet]. Oktober 2018 [zitiert 27. Oktober 2025];72(18):2231–64. Verfügbar unter: https://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S0735109718369419
5. Byrne RA, Rossello X, Coughlan JJ, Barbato E, Berry C, Chieffo A, u. a. 2023 ESC Guidelines for the management of acute coronary syndromes. European Heart Journal [Internet]. 25. August 2023;1–107. Verfügbar unter: https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article/doi/10.1093/eurheartj/ehad191/7243210
6. Reichlin T, Schindler C, Drexler B, Twerenbold R, Reiter M, Zellweger C, u. a. One-Hour Rule-out and Rule-in of Acute Myocardial Infarction Using High-Sensitivity Cardiac Troponin T. Arch Intern Med [Internet]. 10. September 2012 [zitiert 22. Oktober 2025];172(16):1211. Verfügbar unter: http://archinte.jamanetwork.com/article.aspx?doi=10.1001/
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7. Thygesen K, Mair J, Giannitsis E, Mueller C, Lindahl B, Blankenberg S, u. a. How to use high-sensitivity cardiac troponins in acute cardiac care. European Heart Journal [Internet]. 2. September 2012 [zitiert 22. Oktober 2025];33(18):2252–7. Verfügbar unter: https://academic.oup.com/eurheartj/article-lookup/doi/10.1093/eurheartj/ehs154
8. Than M, Cullen L, Reid CM, Lim SH, Aldous S, Ardagh MW, u. a. A 2-h diagnostic protocol to assess patients with chest pain symptoms in the Asia-Pacific region (ASPECT): a prospective observational validation study. The Lancet [Internet]. März 2011 [zitiert 22. Oktober 2025];377(9771):1077–84. Verfügbar unter: https://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S0140673611603103
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Swiss Prevention Summit 2025

«Vorbeugen ist besser als heilen» gilt mehr denn je. Die kardiovaskuläre Prävention konzentriert sich auf die Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Nierenversagen, Schlaganfall und frühem Tod. Aufgrund der weltweiten Adipositas-Epidemie und der steigenden Lebenserwartung gewinnen Bluthochdruck, Hypercholesterinämie, Diabetes und in der Folge chronische Nieren- und Herzinsuffizienz zunehmend an Bedeutung. Neben einem gesunden Lebensstil stehen uns heute neue, sehr wirksame und gut verträgliche Arzneimittel zur Verfügung: Glukagon-like-Peptid-1-Agonisten, Hemmer des Natrium-Glukose-Transporters, PCSK9-Hemmer und nichtsteroidale Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten. Die RNA-Interferenz ist zudem eine Revolution in der Pharmakotherapie: Zur Lipidsenkung und bald auch zur Behandlung der Hypertonie sind nur zwei Injektionen pro Jahr nötig – fast wie eine Impfung. So beschrieben es die Organisatoren Prof. T. F. Lüscher, F. Mahfoud, S. Windecker und F. Mach in ihrer Einführung. Im Folgenden wird über einige Referate dieser Veranstaltung berichtet.

Das Mikrobiom und seine Metabolite: Ein verkannter Risikofaktor


Prof. Thomas F. Lüscher, Brompton/London und Zürich, erläuterte die noch wenig bekannte Beziehung zwischen dem Darmmikrobiom, seinen Metaboliten, dem Körpergewicht und dem Risiko kardiovaskulärer Ereignisse.

Welche Rolle einzelne Darmmikroben bei der Regulation der Körperzusammensetzung spielen, ist weiterhin unklar. In einer Studie wurde das Darmmikrobiom erwachsener weiblicher Zwillingspaare, die sich hinsichtlich ihres Adipositas-Status unterschieden, in keimfreie Mäuse transplantiert. Die Tiere erhielten entweder fettarmes Standardfutter oder Diäten mit unterschiedlichen Anteilen gesättigter Fette sowie Obst und Gemüse, wie sie für die US-amerikanische Ernährung typisch sind. Eine Zunahme von Gesamtkörper- und Fettmasse sowie adipositasassoziierte metabolische Phänotypen liessen sich durch unkultivierte fäkale Mikrobengemeinschaften und entsprechende Bakterienkulturen übertragen. Wurden Mäuse, die das Mikrobiom eines adipösen Zwillings (Ob) trugen, gemeinsam mit Mäusen gehalten, die das Mikrobiom des schlanken Zwillings (Ln) trugen, blieb bei den Ob-Tieren eine Zunahme der Körpermasse und die Entwicklung adipositasassoziierter metabolischer Phänotypen aus. Dieser Effekt korrelierte mit der Übertragung spezifischer Bacteroidetes-Mitglieder aus dem Ln-Mikrobiom in das Ob-Mikrobiom und war ernährungsabhängig. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Wechselwirkungen zwischen Ernährung und Mikrobiom rasch eintreten, übertragbar sind und sich modifizieren lassen.

Auch klinisch wird die Modulation des Mikrobioms untersucht: Eine hochdosierte fäkale Mikrobiota-Transplantation aus mehreren Spenden kann bei aktiver Colitis ulcerosa zu klinischer Remission und endoskopischer Besserung führen. Gleichzeitig werden deutliche mikrobielle Veränderungen beobachtet, die mit dem Therapieansprechen zusammenhängen. Künftige Arbeiten sollten insbesondere die optimale Behandlungsintensität sowie die Bedeutung der Spender-Empfänger-Übereinstimmung anhand mikrobieller Profile definieren.

Das Darmmikrobiom steht zudem in einem mechanistischen Zusammenhang mit physiologischen Prozessen, die die Herz-Kreislauf-Gesundheit beeinflussen. Nahrungsbestandteile prägen die Zusammensetzung des Mikrobioms und den Metabolismus des Wirts. Als Beispiel nannte der Referent den Zusammenhang zwischen dem Konsum von rotem und weissem Fleisch und der Bildung von TMAO (Trimethylamin-N-oxid). TMAO entsteht durch mikrobiellen Abbau von Nährstoffen wie Cholin und L-Carnitin. Erhöhte TMAO-Spiegel im Blut wurden mit einem höheren Risiko kardiovaskulärer Ereignisse (z. B. Myokardinfarkt, Schlaganfall) assoziiert und könnten proinflammatorische Prozesse sowie bestehende Erkrankungen wie Arteriosklerose, Hypertonie und Diabetes ungünstig beeinflussen.

Gewichtsverlust und kardiovaskuläres ­Outcome: Was kann mit GLP1 und GIP/GLP1-RA erreicht werden?

«Weltweit ist das Leben der Menschen zwar länger geworden, aber nicht gesünder», sagte Prof. John Deanfield aus London zu Beginn seines Vortrags. Im Jahr 1960 betrug die mittlere Lebenserwartung weltweit 54 Jahre, im Jahr 2019 waren es 73 Jahre – ein Zuwachs von 19 Jahren. Der Anteil des Lebens, der bei schlechter oder mässiger Gesundheit verbracht wird, hat sich jedoch nicht geändert.

Krankheitsprävention – das sich wandelnde Gesicht der Medizin

Rauchen, Alkohol, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel prägen das Leben in den Industriestaaten. Entsprechend zählen kardiovaskuläre Erkrankungen, Nierenversagen und Typ-2-Diabetes zu den häufigsten Ursachen für eingeschränkte Gesundheit und Todesfälle. Die Prävalenz von Übergewicht hat aus mehreren Gründen zugenommen. Im Jahr 1950 litt weniger als 1 % der britischen Bevölkerung an Adipositas. Heute sind es ca. 30 %.

Ist dies Ausdruck eines kollektiven Verlusts an Willenskraft? Der Referent verneinte: Die Menschen hätten sich nicht verändert, wohl aber das Nahrungsangebot und die Ernährungsumgebung. Übergewicht resultiert aus einer anhaltenden positiven Energiebilanz, und jede Person, die mit Übergewicht lebt, weiss bereits, dass sie weniger essen und sich mehr bewegen sollte. Lebensstiländerungen, beispielsweise Diät und mehr Bewegung, werden zwar immer empfohlen, sind aber selten allein erfolgreich.

Übergewicht gilt inzwischen als chronische, multifaktorielle und rückfällige Krankheit, die mit erhöhter Morbidität und Mortalität einhergeht. Es ist eine Krankheit, bei der die besten verfügbaren Behandlungen ohne Schuldgefühle eingesetzt werden müssen. Wir behandeln LDL, Blutdruck und HbA1c direkt. «Die Adipositas-Biologie verdient denselben Ansatz», so der Referent.

Medikamente würden helfen, das Problem jedoch nicht vollständig lösen. Eine zentrale Stellschraube sei weniger die «Umgebung», sondern die Regulation des Appetits.
Eine wirksame Behandlung der Adipositas wäre ein Wendepunkt für das Gesundheitswesen. Mit GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RAs) gelingt erstmals eine zuverlässig signifikante und nachhaltige Gewichtsabnahme.

SELECT-Studie

Bei Patienten mit vorbestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht oder Adipositas, jedoch ohne Diabetes, war die wöchentliche subkutane Gabe von 2.4 mg Semaglutid gegenüber Placebo wirksamer, um die Inzidenz von Todesfällen aufgrund kardiovaskulärer Ursachen, nicht tödlichen Myokardinfarkten oder nicht tödlichen Schlaganfällen zu verringern. Dies wurde bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 39.8 Monaten festgestellt. Der Nutzen der Therapie mit Semaglutid war grösstenteils unabhängig vom Gewichtsverlust.

Pleiotrope Effekte von GLP-1-RAs bei Typ-2-DM

In einer Studie wurden 215 970 Patienten mit Diabetes, die GLP-1 RAs erhielten, mit einer entsprechenden Kontrollgruppe verglichen. Von 175 Gesundheitsergebnissen war die Verwendung von GLP-1-RAs mit einem verringerten Risiko für Atemversagen, COPD und Suizidgedanken verbunden. Von 175 Gesundheitsergebnissen war die Verwendung von GLP-1-RAs mit einem verringerten Risiko für 34 (19.43 %) Ergebnisse verbunden, darunter Lungenentzündung, Alkoholmissbrauch, Atemversagen, COPD und Suizidgedanken. Ein erhöhtes Risiko wurde für 17 Ergebnisse (9.71 %) gefunden, darunter Übelkeit und Erbrechen, GERD, Bauchschmerzen, Nephrolithiasis und Schlafstörungen.

Hinweise auf einen breiteren klinischen Nutzen

Zunehmend wird ein potenziell breiterer Nutzen von GLP-1-basierten Therapien diskutiert. Als Beispiele nannte der Referent Publikationen zu unterschiedlichen Indikationen (u. a. kolorektale Neoplasien, Morbus Parkinson, obstruktive Schlafapnoe, MASH sowie chronische Nierenkrankheit).

Beispiellose Akzeptanz in der Öffentlichkeit

Trotz begrenzter Zahl verfügbarer Präparate ist die Akzeptanz in der Bevölkerung hoch. Zum Vergleich: Rund zehn Jahre nach Markteinführung hatten Statine etwa eine Million Anwender; selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer lagen in ähnlicher Grössenordnung. Für Wegovy wurde bereits nach fünf Jahren eine deutlich höhere Nutzerzahl berichtet.
Und was kommt als Nächstes?

Neue Moleküle und Indikationen für GLP-1-basierte Wirkstoffe

Zu den in Entwicklung befindlichen Substanzen zählen:
• Retatrutid: Triple-Agonist (GLP-1-, GIP- und Glukagonrezeptor)
• Survodutid: dualer Agonist (GLP-1- und Glukagonrezeptor)
• Insulin degludec/Liraglutid (Fixkombination)
• Insulin glargin/Lixisenatid: Kombination aus Basalinsulin und GLP-1-RA
• Amycretin: dualer Agonist (GLP-1- und Amylinrezeptor)
• Semaglutid/Cagrilintid: Kombination aus GLP-1-RA und Amylin-Analogon

Bei neuen Indikationen wurde Folgendes diskutiert:
• metabolisch dysfunktionsassoziierte Steatohepatitis (MASH)
• periphere Erkrankungen
• polyzystisches Ovarialsyndrom
• Arthritis
• Krebs
• neuropsychiatrische Krankheiten (z. B. Alzheimer-Krankheit, Parkinson-Krankheit, Substanzmissbrauch, Depression, Schizophrenie, Migräne, intrakranielle Hypertonie)

Richtlinien

Die GLP-1-RA-Leitlinien betonen die Anwendung von Semaglutid und Cagrilintid bei Typ-2-Diabetes (T2D) und zur chronischen Gewichtsregulierung (BMI ≥30 oder ≥27 mit gewichtsbedingten Problemen wie Bluthochdruck oder einem hohen Cholesterinspiegel) in Verbindung mit Änderungen des Lebensstils. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Vorteilen für Herz und Nieren. Es sind jedoch auch Vorsichtsmassnahmen zu beachten: das Medikament muss vor Operationen abgesetzt werden, es ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, mögliche Pankreatitis-Symptome sind zu überwachen und eine Schwangerschaft ist zu vermeiden. Zu den wichtigsten Aspekten gehören die Aufklärung der Patienten über Nebenwirkungen (Magen-Darm-Probleme), Verhütung und die ordnungsgemässe Entsorgung von Injektionsmaterial.

Arterielle Erkrankungen, die Herzinfarkte und Schlaganfälle verursachen, lassen sich durch eine nachhaltige, frühzeitige Reduktion des Risikofaktors (RF) weitgehend verhindern, mahnte der Referent.

Trennung von Verhaltenseffekten und Gewichtsverlust

Es wurden Hinweise auf zwei unterschiedliche neuronale Mechanismen diskutiert: einerseits Gewichtsverlust durch Appetit- und Stoffwechselregulation, andererseits Nahrungsaversion. Semaglutid reduziert Hunger und fördert den Fettabbau, indem es auf Adcyap1+-Neuronen im dorsalen Vaguskomplex wirkt. Werden diese Zellen blockiert, ist Semaglutid weniger wirksam in der Reduktion von Appetit und Fettmasse. Eine Abneigung gegen Nahrung blieb hingegen bestehen. Dies spricht dafür, dass ­einzelne Semaglutid-Effekte über unterschiedliche neuronale Bahnen vermittelt werden. Perspektivisch könnte dies die Entwicklung wirksamerer und besser verträglicher Adipositas-Therapien unterstützen.

Durchbruch und Evidenz bei der Behandlung von ­Adipositas

Im Kontext der zunehmenden Verfügbarkeit medikamentöser Therapien stellte sich die Frage, welche Rolle Lebensstiländerungen künftig noch spielen. Sind Lebensstiländerungen im Zeitalter der Adipositas-Medikamente notwendig?

Diskutiert wurden mehrere Entwicklungen und Ansätze:
• Weiterbehandlung nach initialem Gewichtsverlust: Tirzepatid kann Patientinnen und Patienten nach bereits erzieltem Gewichtsverlust weiter unterstützen.
• Ultralang wirksame GLP-1-basierte Wirkstoffe: Länger wirksame Präparate könnten gegenüber kürzer wirksamen Substanzen Vorteile bieten.
• Therapie von Nebenwirkungen: Ein neuer Ansatz zielt darauf ab, Nebenwirkungen der Gewichtsabnahme bzw. der Therapie zu lindern.
• Duodenales Mukosa-Resurfacing (DMR): Das Verfahren basiert auf der Hypothese, dass eine fett- und zuckerreiche Ernährung die Funktion der Duodenalschleimhaut beeinträchtigen kann. Dies könnte abnorme metabolische Signale und Insulinresistenz begünstigen. DMR soll diese Signalwege funktionell «zurücksetzen».
• Amylin-Analoga: Eloralintid zeigte in einer Phase-2-Studie eine Gewichtsreduktion.
• Orale Therapieoptionen: Mit dem Abschluss der Phase 3 schreitet die Entwicklung einer Adipositas-Pille (Orforglipron) voran.
• Deeskalation/Erhaltung: Eine Deeskalation von GLP-1-basierten Therapien (z. B. alle zwei Wochen) wurde als mögliche Option zur Erhaltungstherapie diskutiert.

Sind GLP1Ras die bahnbrechendste Veränderung im Gesundheitswesen aller Zeiten?

Provokativ wurde ein Bonmot zitiert: «Die häufigsten Instrumente für Selbstmord sind Messer und Gabel.»
(Dr. Martin Fischer)

Adipositas wurde als eine der grössten Bedrohungen für Gesundheit und Wohlstand beschrieben. Sie verändert die kardiometabolische Landschaft, indem sie Typ-2-Diabetes, chronische Nierenkrankheit und kardiovaskuläre Erkrankungen fördert, mit negativen klinischen Folgen. GLP-1-RAs könnten zwar einen entscheidenden Beitrag zur Behandlung der Adipositas leisten, werden jedoch nicht als alleinige Lösung verstanden. Über die Gewichtsreduktion hinaus könnten sie mehrere altersassoziierte Erkrankungen beeinflussen und langfristig Verhaltensänderungen unterstützen. Damit besteht das Potenzial, das Gesundheitswesen zu verändern, indem Ursachen kardiometabolischer Erkrankungen adressiert werden – mit Konsequenzen nicht nur für Einzelne, sondern auch für Gesellschaft und Wirtschaft. Gleichzeitig wurde betont, dass GLP-1-RAs den Wandel nicht allein bewirken, jedoch das Spektrum ernährungsbedingter Erkrankungen beeinflussen könnten, indem sie Betroffene dabei unterstützen, weniger zu essen und sich gesünder zu ernähren.

Ist Lipoprotein(a) ein Risikofaktor oder ein ­therapeutisches Ziel?

«Lipoprotein(a) besteht aus einem Molekül Apolipoprotein B, das kovalent an Apolipoprotein(a) gebunden ist. Apolipoprotein(a) ist ein Plasminogen-ähnliches Protein, das aus einer variierenden Anzahl von sogenannten Kringles aufgebaut ist. Diese bestimmen seine Grösse und auch seine biologischen Eigenschaften», erklärte Prof. Arnold von Eckardstein (USZ) einleitend.

Lp(a) weist sowohl proatherosklerotische Eigenschaften wie eine verstärkte Proteoglykanbindung, eine Aufregulation von Adhäsionsmolekülen, eine Proliferation von glatten Muskelzellen, eine Schaumzellbildung, die Bildung eines nekrotischen Kerns oder eine Kalzifizierung von Läsionen auf. Es verfügt jedoch auch über prothrombotische Eigenschaften wie Plasminogen-Aktivierung, Fibrindegradation, PAI-1-Expression, TFPI-Aktivität und Thrombozyten-Reaktivität. Hohe Plasmakonzentrationen von Lp(a) erhöhen das Risiko für kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität. Lp(a)-Werte ≥30 mg/dl sagen unabhängig vom Baseline-ASCVD-Status unerwünschte kardiovaskuläre Ergebnisse voraus. Erstgradige Verwandte von Personen mit erhöhten Lp(a)-Werten haben ein erhöhtes Risiko für schwere unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse. Ein hoher Lp(a)-Spiegel erhöht das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, unabhängig von traditionellen Risikofaktoren. Die «International Declaration on Lipoprotein(a) Testing and Management» von Brüssel empfiehlt:
• Lp(a)-Werte von über 50 mg/dl (105 nmol/L) sollten bei allen Erwachsenen als kardiovaskulärer Risikofaktor betrachtet werden. Dabei gilt: Je höher der Lp(a)-Wert, desto höher das Risiko (Klasse IIa/Niveau B). Lp(a) sollte einmal im Leben gemessen werden und auch Familienmitglieder (Kinder) sollten getestet werden.

Medikamentöse Senkung von Lp(a)

Statine senken Lp(a) unwesentlich (–0.19 mg/dl, p = 0.58), Bempedoinsäure erhöht Lp(a) um +0.01 mg/dl (p = 0.99), Ezetimib senkt es um –0.21 mg/dl (p = 0.77), Omega-3-Fettsäuren senken Lp(a) um –0.28 mg/dl, Fibrate um –0.61 mg/dl (p = 0.14), Niacin um –706 mg/dl (p < 0.01), CETP-Inhibitoren um –0.77 mg/dl (p = 0.01), Inclisiran um –4.76 mg/dl (p < 0.01) und PCSK9-Antikörper um –6.37 mg/dl.

Take Home Messages

• Lp(a) ist ein LDL-ähnliches Lipoprotein, das als zusätzliches Protein das Apolipoprotein(a) trägt und mit oxidierten Phospholipiden angereichert ist.
• Die Anzahl der Kringle-IV-Domänen ist genetisch determiniert und bestimmt wesentlich die Plasmakonzentration von Lp(a).
• Lp(a) wirkt wegen seiner Ähnlichkeit mit LDL und Plasminogen sowie aufgrund seiner oxidierten Phospholipide atherogen, thrombogen und proinflammatorisch.
• Hohe Plasmaspiegel von Lp(a) und Allele für geringe Anzahlen von Kringle-IV-Repeats erhöhen das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit und Aortenklappenverkalkung (genetisch kausaler Risikofaktor!).
• Hohes Lp(a) und traditionelle Risikofaktoren interagieren, weswegen bei hohem Lp(a)-Spiegel das geschätzte Risiko höhergestuft werden sollte. Traditionelle Risikofaktoren sollen konsequent behandelt werden.
• Lp(a) trägt zum residuellen Risiko nach intensiver LDL-Cholesterinsenkung bei.
• Antisense-Oligonukleotide und siRNAs gegen LPA-mRNA senken den Lp(a)-Spiegel um 80–90 %. Ergebnisse klinischer Endpunktstudien werden ab 2026 erwartet.

Was gibt es Neues zum Thema Lipide?
Die aktualisierten Leitlinien der ESC/EAS


Die aktualisierten Leitlinien der ESC/EAS wurden von einer Task Force unter dem Vorsitz von Prof. Mach, Prof. Koskinas und Prof. Roeters van Lennep entwickelt. «Alle neuen Empfehlungen, die in der fokussierten Aktualisierung 2025 enthalten sind, ergänzen die Empfehlungen der ESC/EAS-Leitlinien 2019 zur Behandlung von Dyslipidämien. Alle geänderten Empfehlungen ersetzen die entsprechenden Empfehlungen der ESC/EAS-Leitlinien 2019», stellte Prof. François Mach einleitend fest.

Empfehlungen zur kardiovaskulären Risikoabschätzung

Bei scheinbar gesunden Personen unter 70 Jahren ohne etablierte ASCVD oder Diabetes mellitus wird SCORE2 zur Abschätzung des 10-Jahres-Risikos für tödliches oder nicht tödliches kardiovaskuläres Risiko bei CKD, genetischen/seltenen Lipid- oder Blutdruckerkrankungen (Klasse I, Evidenzgrad B) empfohlen.

SCORE2-OP wird bei Personen ≥70 Jahren ohne etablierte ASCVD, Diabetes mellitus, chronische Nierenerkrankungen, genetische/seltene Lipid- oder Blutdruckerkrankungen zur Abschätzung des 10-Jahres-Risikos für tödliches oder nicht-tödliches kardiovaskuläres Risiko empfohlen (Klasse I/Evidenzgrad B). Es werden drei Risikokategorien unterschieden.

Hohes Risiko
• Personen mit einem der folgenden Befunde: stark erhöhter einzelner Risikofaktor, insbesondere Gesamtcholesterin >8 mmol/l, LDL-C >4,9 mmol/l oder Blutdruck ≥ 180/110 mmHg).
• Familiäre Hypercholesterinämie (FH) ohne weitere wichtige Risikofaktoren.
• Patienten mit Diabetes mellitus ohne Zielorganschäden mit einer Diabetesdauer von ≥10 Jahren oder einem anderen zusätzlichen Risikofaktor.
• Moderate CKD (eGFR 30–59 ml/min (1.73 m²)).
• Ein kalkuliertes SCORE2- oder SCORE2-OP-Risiko von 10–20 % für das 10-Jahres-Risiko für tödliche oder nicht-tödliche kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD).

Mittleres Risiko
Personen mit einem der folgenden Merkmale:
• Junge Patienten mit T1DM (Diagnose vor dem 35. Lebensjahr) oder T2DM (Diagnose vor dem 50. Lebensjahr) mit einer Diabetesdauer von weniger als 10 Jahren ohne andere Risikofaktoren und einem berechneten SCORE2 oder SCORE2 OB ≥2 % und <10 % für das 10-jährige Risiko für tödliche oder nicht tödliche kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD).

Niedriges Risiko
• Berechneter SCORE2 oder SCORE2-OP von <2 % für das 10-Jahresrisiko für tödliche oder nicht tödliche kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD).

Wichtige Botschaften

Das ESC/EAS Focus Update zu Dyslipidämien betont die Bedeutung einer frühzeitigen, personalisierten und aggressiven lipidsenkenden Therapie. Es werden die Integration von SCORE2/Scores 2-OP, die Berücksichtigung von Lp(a) und der lebenslangen LDL-C-Exposition, die Erweiterung der Behandlungsoptionen (vermehrte Kombination mit Ezetimib und Bempedoinsäure) sowie die Einführung neuer Präventionsstrategien bei HIV und Kardio-Onkologie thematisiert.

Was wissen Patienten über kardiovaskuläre ­Prävention?


Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind mit einer hohen Krankheitslast verbunden und die häufigste Todesursache. Die wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Bluthochdruck, Hyperlipidämie und Diabetes, können mit Medikamenten wirksam behandelt werden. Eine gute Therapietreue setzt auch ausreichendes Wissen der Betroffenen voraus. Prof. Thomas Rosemann aus Zürich berichtete über eine Publikumsumfrage zur kardiovaskulären Prävention. Über ein Gesundheitsmagazin wurde ein anonymer Fragebogen an die Leser verteilt, den 3166 Personen beantworteten. Neben demografischen Daten wurden der Gesundheitszustand, die Kenntnis der persönlichen Werte (z. B. Blutdruck, Cholesterin) und die Einschätzung der Risikofaktoren erfasst. Die Ergebnisse wurden ausführlich in der Zeitschrift «PRAXIS» veröffentlicht. Die Mehrheit der Befragten war sich der Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Möglichkeit ihrer Behandlung bewusst. Körperliche Bewegung und Ernährung wurden als besonders wichtige Faktoren angesehen. Am bekanntesten waren der Blutdruck und der Body-Mass-Index. Als die stärksten Risikofaktoren wurden Rauchen, Cholesterin, Bluthochdruck und Bewegungsmangel eingeschätzt.

Die Ergebnisse zeigen einerseits erfreuliche Grundkenntnisse, andererseits aber auch Defizite. So unterschätzte ein erheblicher Anteil das mit dem Rauchen verbundene Risiko. Ein grosser Teil der Patientinnen und Patienten erreicht die für ihre Risikokategorie empfohlenen Zielwerte für Blutdruck und Lipide nicht. Ärzte sind in Bezug auf Lipide als Risikofaktor und medikamentöse Therapien teilweise skeptischer als Patienten. Die Mehrheit der Befragten lehnte die Aussage ab, Herz-Kreislauf-Erkrankungen seien in erster Linie eine Erfindung der Pharmaindustrie.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Update zum Hautkrebs: Prävention und Therapie in 2026

In diesem Webinar werden zentrale Grundlagen der Photo­protektion und aktuelle Entwicklungen in der Hautkrebsbehandlung für die hausärztliche Praxis eingeordnet. Im Fokus ­stehen konkrete Indikationen, sinnvolle Abklärungswege auch mit Teledermatologie, sowie die Umsetzung in Beratung und Management – evidenzbasiert und entlang typischer Versorgungssituationen.

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Perioperative Therapie des muskelinvasiven Urothelkarzinoms

Das muskelinvasive Urothelkarzinom (MIBC) der Harnblase ist eine aggressive Erkrankung mit hohem Rezidivrisiko. Die radikale Zystektomie bleibt der Goldstandard der lokalen Therapie. Der grösste Fortschritt in den letzten Jahren in der Verbesserung des Gesamtüberlebens (OS) wurde jedoch durch die Integration systemischer Therapien in das perioperative Setting erzielt. Die perioperative Chemo- und Immuntherapie ist bei Cisplatin-fitten Patient/-innen die etablierte Standardtherapie vor der Zystektomie. Zudem gibt es die Möglichkeit der adjuvanten Immuncheckpoint-Inhibition (ICI). Neu können nun auch die Cisplatin-unfitten Patient/-innen eine perioperative Therapie mit Enfortumab Vedotin und Pembrolizumab erhalten. Auch die multimodale Therapie mit dem Ziel des Blasenerhalts ist immer besser untersucht und bietet eine alternative Therapieoption.

Muscle-invasive urothelial carcinoma (MIBC) of the urinary bladder is an aggressive disease with a high risk of recurrence. Radical cystectomy remains the gold standard of local therapy. However, the greatest progress in improving overall survival (OS) in recent years has been achieved through the integration of systemic therapies into the perioperative setting. Perioperative chemotherapy and immunotherapy are the established standard therapies prior to cystectomy in cisplatin-eligible patients. In addition, there is the option of adjuvant immune checkpoint inhibition (ICI). Now, cisplatin-unfit patients can also receive perioperative therapy with enfortumab vedotin and pembrolizumab. Multimodal therapy with the goal of bladder preservation is also being increasingly studied and offers an alternative treatment option.
Keywords: Urothelkarzinom, perioperative Systemtherapie, Immuntherapie, radikale Zystektomie

Einleitung

Das Urothelkarzinom gehört zu den häufigen malignen Tumoren mit 1400 Neudiagnosen jährlich. Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei über 70 Jahren. In der Schweiz führt die Erkrankung zu 600 Todesfällen jährlich (1). Das MIBC (pT2-T4a) macht etwa 25 % aller Urothelkarzinome der Harnblase aus. Während die radikale Zystektomie (RC) die notwendige lokale Kontrolle bietet, sind Fernmetastasen der Hauptgrund für das erhöhte Mortalitätsrisiko. Die perioperative systemische Behandlung zielt darauf ab, allfällig vorhandene Mikrometastasen zu eliminieren und somit das krankheitsfreie Überleben (DFS) und das OS zu verlängern.

Neoadjuvante Chemotherapie (NAC) – der langjährige Goldstandard

Bei Cisplatin-fitten Patient/-innen führt die neoadjuvante oder adjuvante Chemotherapie gemäss diverser Metaanalysen zu einer absoluten Verbesserung des 5-Jahres-OS um ca. 5 % (2, 3). Die beiden am besten untersuchten Chemotherapie-Schemata, 4 Zyklen Cisplatin mit Gemcitabin (CG) à jeweils 3 Wochen und 6 Zyklen dosisdichtes Methotrexat, Vinblastin, Doxorubicin und Cisplatin (ddMVAC) à jeweils 2 Wochen, wurden in der Phase 3 VESPER-Studie gegeneinander verglichen. Das OS nach 5 Jahren war in der ddMVAC-Gruppe mit 66 % im Vergleich zur CG-Gruppe mit 57 % signifikant besser (4).

Adjuvante Immuntherapie

Trotz NAC und RC ist die Rezidivrate bei Patient/-innen mit Resttumoranteilen (ypT2-4 oder ypN+) deutlich erhöht. Aufgrund der Resultate der CheckMate 274-Studie ist Nivolumab bei einer PD-L1-Expression von ≥ 1 % als adjuvante Therapie über ein Jahr zugelassen, entweder nach einer neoadjuvanten Cisplatin-haltigen Chemotherapie in den Stadien ypT2-T4a, bei nachgewiesenen lokoregionären Lymphknotenmetastasen, bei Cisplatin-unfitten Patient/-innen in den Stadien pT3-T4a oder unabhängig vom T-Stadium mit lokoregionären Lymphknotenmetastasen. In der initialen Publikation 2021 zeigte sich bei einer PD-L1-Expression der Karzinomzellen von ≥ 1 % ein medianes DFS von 52.6 Monaten mit Nivolumab versus 8.4 Monaten mit Placebo (5). Beim ASCO GU 2025 wurden die Auswertungen des OS nach 36 Monaten präsentiert, wobei sowohl in der Gruppe der neoadjuvant vorbehandelten Patient/-innen das OS mit adjuvanter Nivolumab-Gabe über ein Jahr verbessert werden konnte (HR 0.74, 95 % CI 0.53–1.03) als auch bei den Cisplatin-unfitten Patient/-innen (HR 0.67, 95 % CI 0.47–0.95) (Abb. 1).

Perioperative Systemtherapie

Den grössten Fortschritt gab es in den letzten Jahren durch die neuen perioperativen Therapiekonzepte, die eine neoadjuvante Systemtherapie mit einer adjuvanten Immuntherapie kombinieren.

Bei den Cisplatin-fitten Patient/-innen kann, seit der Publikation der Phase 3 NIAGARA-Studie, die Immuntherapie Durvalumab neoadjuvant, in Kombination mit 4 Zyklen CG, gefolgt von der RC und anschliessend adjuvant alleinig für 8 weitere Zyklen à jeweils 4 Wochen verabreicht werden (6). Der primäre Endpunkt der Studie war das ereignisfreie Überleben (EFS). Nach einer Beobachtungszeit von 2 Jahren zeigte sich ein signifikant höheres EFS im Interventionsarm mit zusätzlich Durvalumab von 67.8 % (95 % CI 63.6–71.7) verglichen mit 59.8 % (95 % CI 55.4–64.0) in der Gruppe mit der alleinigen Chemotherapie. Beim sekundären Endpunkt OS nach 24 Monaten betrug der Unterschied 7 %, 82.2 % (95 % CI 78.7–85.2) im Durvalumab-Arm versus 75.2 % (95 % CI 71.3–78.8) im Kontrollarm. Cisplatin durfte in der Studie bei Patient/-innen mit einer mittelschwer eingeschränkten Nierenfunktion (errechnete glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) von 40–60 ml/min) aufgeteilt auf 2 Dosen à jeweils 35 mg/m2 an Tag 1 und Tag 8 gegeben werden, was die Anzahl der Cisplatin-fitten Patient/-innen erhöht. Ob durch den Einsatz von ddMVAC, anstelle von CG, bessere Ergebnisse erzielt würden, ist derzeit nicht untersucht.

Bei den Cisplatin-unfitten Patient/-innen war bisher die alleinige RC das Standardvorgehen. Analog zur Standard-Erstlinientherapie beim metastasierten Urothelkarzinom bestehend aus Enfortumab Vedotin und Pembrolizumab seit der Publikation der ­EV-302-Studie (7), wurde kürzlich in der Phase 3 KEYNOTE-905-Studie dasselbe Regime perioperativ getestet. Die Patient/-innen im Interventionsarm erhielten 3 Zyklen Enfortumab Vedotin in Kombination mit Pembrolizumab à jeweils 3 Wochen präoperativ. Postoperativ erfolgten weitere 6 Zyklen Enfortumab Vedotin in Kombination mit Pembrolizumab, wonach noch 8 Zyklen alleinig Pembrolizumab fortgeführt wurde. Im Kontrollarm wurden die Patient/-innen einer RC ohne perioperative Systemtherapie unterzogen.

Am ESMO-Kongress 2025 wurde die erste Auswertung des primären Endpunkts (EFS) präsentiert. Durch die perioperative Therapie konnte eine signifikante Verlängerung des mittleren EFS im Vergleich zur alleinigen RC bewirkt werden. So lag das mittlere EFS bei 15.7 Monaten in der Kontrollgruppe, wohingegen in der Interventionsgruppe mit perioperativer Therapie das mittlere EFS zum Zeitpunkt der Auswertung noch nicht erreicht worden war (HR 0.40, 95 % CI 0.28–0.57; p < 0.0001) (8). Auch einzelne Patient/-innen, die Cisplatin-fit gewesen wären, aber eine Chemotherapie abgelehnt haben, wurden eingeschlossen. Die Anzahl der Patient/-innen war aber zu klein, um eine Aussage bezüglich der Wirksamkeit in dieser Gruppe machen zu können (Abb. 2).

Im Dezember 2025 wurden am Jahreskongress der Society of Urologic Oncology (SUO) die erste Auswertung des OS und des pathologischen Ansprechens präsentiert. Das mittlere OS in der Interventionsgruppe war noch nicht erreicht, verglichen mit 41.7 Monaten in der Kontrollgruppe (HR 0.50; p = 0.0002). Bei 57.1 % der Patient/-innen in der Interventionsgruppe konnte eine komplette pathologische Remission (pCR) festgestellt werden, verglichen mit 8.6 % in der Kontrollgruppe (p < 0.000001) (10). Aufgrund dieser Resultate dürfte die perioperative Therapie mit Enfortumab Vedotin in Kombination mit Pembrolizumab sich zur neuen Standardtherapie für Cisplatin-unfitte Patient/-innen etablieren, wobei die Publikation der Studie noch aussteht. Mit Spannung erwarten wir die Resultate der EV-304/KEYNOTE-B15-Studie (NCT04700124), welche dieses perioperative Therapie-Konzept auch bei den Cisplatin-fitten Patient/-innen untersucht. Laut einer Pressemitteilung der Herstellerfirma dürfen wir hier positive Resultate erwarten.

Multimodale organerhaltende Therapie

Multimodale Therapiekonzepte sind vor allem für Patient/-innen mit einem lokal begrenzten muskelinvasiven Blasenkarzinom (insbesondere cT2 cN0 cM0) geeignet, die nicht für eine Zystektomie qualifizieren oder diese ablehnen. Ungünstige Prognosefaktoren sind multifokale Tumore, eine nicht urotheliale Histologie, eine Hydronephrose und das Vorliegen eines synchronen Carcinoma in situ (9). Vor der definitiven kombinierten Radio- und Chemotherapie muss mittels transurethraler Resektion der Blase (TUR-B) der Primarius möglichst komplett reseziert werden. Gemäss einer Single-Center-Studie mit 348 Patient/-innen wurde bei einem cT2-Stadium eine komplette Remission bei 81 % der Patient/-innen erzielt, im Vergleich zu 64 % bei cT3-4-Stadien (11). In einer retrospektiven Matched Pair-Studie von 722 Patient/-innen mit cT2-T4 cN0 cM0-Stadien war das onkologische Ergebnis zwischen trimodaler Therapie und radikaler Zystektomie, mit neoadjuvanter Systemtherapie, gleichwertig. Eine Salvage-Zystektomie nach trimodaler Therapie war bei 13 % der Patient/-innen erforderlich (12). Gross randomisierte Studien, welche die beiden Konzepte vergleichen, wurden bisher nicht durchgeführt.

Ausblick

Die zukünftigen Studien müssen die optimale Therapiesequenz von Chemotherapie, Immuntherapie und RC klären. Individualisierte, Biomarker-gesteuerte Behandlungsstrategien werden den Weg für verbesserte onkologische Ergebnisse ebnen. Das Ziel muss es sein, die pCR-Raten zu maximieren und dadurch das langfristige Überleben zu optimieren. Dies bei gleichzeitiger Minimierung therapiebedingter Toxizität. Auch Liquid Biopsy-gesteuerte Therapiekonzepte dürften in Zukunft in Studienkonzepte integriert werden.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Angela Kohler

Abteilung für Onkologie und Hämatologie
Kantonsspital Baselland
Rheinstrasse 26
4410 Liestal

angela.kohler@ksbl.ch

Dr. med. Pirmin Häuptle

Oberarzt meV
Abteilung für Onkologie und Hämatologie
Kantonsspital Baselland
Rheinstrasse 26
4410 Liesta

Die Autorenschaft hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • Beim muskelinvasiven Urothelkarzinom ist die perioperative Systemtherapie bei Cisplatin-fitten Patient/-innen die Standardtherapie und hat zu einer Verbesserung der Prognose geführt. Eine weiterhin wichtige Alternative ist ddMVAC, jedoch verbunden mit erhöhter Toxizität.
  • Neu können auch Cisplatin-unfitte Patient/-innen mit einer perioperativen Therapie mit Enfortumab Vedotin und Pembrolizumab behandelt werden.
  • Multimodale Therapiekonzepte sind beim lokal begrenztem muskelinvasivem Blasenkarzinom (insbesondere im Stadium cT2 cN0 cM0) eine mögliche Alternative zum operativen Vorgehen.

1. Krebsliga: Krebs in der Schweiz, Wichtige Zahlen, Stand Nov 2025; www.krebsliga.ch/ueber-krebs/zahlen-fakten
2. Neoadjuvant chemotherapy in invasive bladder cancer: a systematic review and meta-analysis. Lancet. 2003;361(9373):1927
3. Neoadjuvant chemotherapy in invasive bladder cancer: update of a systematic review and meta-analysis of individual patient data advanced bladder cancer (ABC) meta-analysis collaboration. Eur Urol. 2005;48(2):202. Epub 2005 Apr 21
4. Pfister, C, Gravis G, Flechon A et al. Perioperative dose-dense methotrexate, vinblastine, doxorubicin, and cisplatin in muscle-invasive bladder cancer (VESPER): survival endpoints at 5 years in an open-label, randomised, phase 3 study. Lancet Oncol, 2024. 25(2): p. 255-264
5. Galsky MD, Witjes JA, Gschwend JE et al. Adjuvant Nivolumab in High-Risk Muscle-Invasive Urothelial Carcinoma: Expanded Efficacy From CheckMate 274. J Clin Oncol, 2024: p. Jco2400340.
6. Powles T, Catto JWF, Galsky MD et al. Perioperative Durvalumab with Neoadjuvant Chemotherapy in Operable Bladder Cancer. N Engl J Med, 2024. 391(19): p. 1773-1786.
7. Powles T, Valderrama BP, Gupta S et al. Enfortumab Vedotin and Pembrolizumab in Untreated Advanced Urothelial Cancer. N Engl J Med. 2024;390(10):875
8. Vulsteke C, et al. Perioperative (periop) enfortumab vedotin (EV) plus pembrolizumab (pembro) in participants (pts) with muscle-invasive bladder cancer (MIBC) who are cisplatin-ineligible: The phase 3 KEYNOTE-905 study. ESMO Congress 2025
9. Onkopedia Leitlinien, Urothelkarzinom (Harnblasenkarzinom), Stand November 2024
10. Kaimakliotis HZ, Shore N, Adra N, et al: Primary efficacy and surgical details in KEYNOTE-905: Neoadjuvant and adjuvant enfortumab vedotin plus pembrolizumab in participants with muscle-invasive bladder cancer who are cisplatin ineligible. 2025 SUO Annual Meeting. Presented December 5, 2025.
11. Long-term outcomes of selective bladder preservation by combined-modality therapy for invasive bladder cancer: the MGH experience. Eur Urol. 2012 Apr;61(4):705-11.
12. Zlotta AR, Ballas LK, Niemierko A et al. Radical cystectomy versus trimodality therapy for muscle-invasive bladder cancer: a multi-institutional propensity score matched and weighted analysis. Lancet Oncol, 2023. 24(6): p. 669-681