Der diesjƤhrige ESMO-Kongress in Berlin war ein Feuerwerk an Daten ā und ein eindrückliches Zeugnis dafür, wie schnell sich die Onkologie weiterentwickelt. Die neuen Resultate zu zielgerichteten Therapien, Antikƶrper-Wirkstoff-Konjugaten (ADC), bispezifischen Antikƶrpern und innovativen Immuntherapie-Kombinationen Āzeigten eindrucksvoll, dass PrƤzisionsmedizin lƤngst klinische ĀRealitƤt ist. Die Schlagworte lauten nicht mehr Ā«ObĀ», sondern Ā«Wie schnellĀ» und Ā«für wenĀ».
Akademisches Umfeld und Industrie: AuffƤllig war die enge Verzahnung akademischer Gruppen mit der Pharmaindustrie. Viele der wichtigsten Studien stammen aus kooperativen Netzwerken, die translationale Forschung, Real-World-Daten und industrielle Entwicklungsprogramme miteinander verbinden. BiomarkerĀbasierte Therapieentscheidungen, molekulares Staging und Āadaptive ĀStudiendesigns werden zunehmend zum Standard ā der akademische Beitrag bleibt dabei zentral, um klinische Relevanz und Nachhaltigkeit sicherzustellen.
Berlin als Austragungsort: Die Stadt bot KreativitƤt, Energie und eine forschungsstarke Bühne ā aber auch Chaos, VerspƤtungen und eine Portion typisch deutsche Improvisation. Zwischen ausfallenden Zügen und dichtem Kongressbetrieb blieb Berlin lebendig, laut und widersprüchlich ā genau wie die moderne Onkologie selbst. Fortschritt entsteht eben selten im perfekten System, sondern dort, wo Reibung und Innovation aufeinandertreffen.
Fazit: ESMO 2025 war ein Kongress der Bewegung ā wissenschaftlich brillant, organisatorisch herausfordernd, inhaltlich inspirierend. Wer dabei war, spürte, dass Europa die Richtung in der KrebsĀmedizin zunehmend selbst vorgibt ā mit Tempo, Teamgeist und der nƶtigen Portion Unruhe.
Herzliche Grüsse
Prof. Dr. med. Roger von Moos, Chefredaktion
Eleonore E. Droux, Verlegerin und Publizistische Leitung
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Die radikale Zystektomie stellt zwar eine onkologisch wirksame Salvage-Option dar, ist jedoch mit substanzieller Morbidität und oft relevanter Beeinträchtigung der Lebensqualität assoziiert. Der ausgeprägte Wunsch vieler Patienten nach Organerhalt sowie die seit 2012 bestehenden globalen Engpässe in der BCG-Verfügbarkeit unterstreichen den dringenden Bedarf an effektiven und alternativen organerhaltenden Therapiestrategien.
WƤhrend initiale therapeutische Innovationen primƤr auf das BCG-unresponsive (BCGu)(1) NMIBC fokussierten, adressieren neuere Wirkstoffe zunehmend auch BCG-naive HR und IR NMIBC. Parallel rückt die invasive Therapiedeeskalation bei niedriggradigen Tumoren (LG), welche etwa 50ā% aller NMIBC ausmachen, zunehmend in den Fokus. Angesichts der Limitationen repetitiver TUR-B ā einschliesslich kumulativer MorbiditƤt mit potentiellem Funktionsverlust ā gewinnen daher bei den LG Tumoren Konzepte wie chemotherapeutische oder immunologische Ablationsstrategien an Bedeutung (2).
Im Folgenden werden vielversprechende therapeutische AnsƤtze vorgestellt, die das Management des NMIBC revolutionieren kƶnnen. Eine Ćbersicht zentraler Studienergebnisse findet sich in Tabelle 1. Eine schematische Darstellung der Subklassen neuer intravesikaler Medikamente bietet Abbildung 1.
Neue intravesikale Medikamente
Intravesikale Immunotherapien
Die virale Gentherapie stellt einen vielversprechenden Ansatz zur Steigerung der Wirksamkeit intravesikaler Behandlungen dar, indem rekombinante Proteine mittels viraler Vektoren direkt in urotheliale Zellen eingebracht werden. Nadofaragen-Firadenovec (Adstiladrinā¢), ein rekombinanter Adenovirus, der für den Transport und die intrazellulƤre Produktion des Gens Interferon alfa-2b konstruiert wurde, war die erste solche Therapie, die im Jahre 2022 von der FDA mit 3 und 12 Monats complete -response-Raten (CR) von 53ā% und 24ā% zur Behandlung von BCGu NMIBC mit Carcinoma in situ (CIS) zugelassen wurde (3). Im Jahr 2024 wurden die Fünfjahresdaten publiziert, wobei nach 57 Monaten immer noch 13ā% der Patienten kein high-grade (HG) Rezidiv erlitten.
Eine weitere vielversprechende virale Therapie stellt Cretostimogene Grenadenorepvec (CG0070) dar, ein modifizierter Adenovirus, der darauf ausgelegt ist, maligne Blasenzellen mit defizienter oder mutierter Expression des Retinoblastom-Tumorsuppressorgens gezielt anzugreifen. In der Phase-III-Studie BOND-003 Studie konnte CG007 eine CR nach einem Jahr von 46ā% bei BCGu NMIBC Patienten mit CIS +/- HG Ta/T1 erreichen. Im Rahmen der Phase-3-PIVOT-006 sowie Phase-2-CORE-008-Studien wird CG0070 weiter untersucht.
Ein nichtvirales Therapieverfahren ist Nogapendekin Alfa-inbakicept (N-803) (AnktivaTM), ein Interleukin-15 Superagonist, der zusammen mit BCG intravesikal appliziert wird. N-803 wirkt über eine VerstƤrkung der Aktivierung natürlicher Killerzellen und T-Zellen. Im Rahmen der QUILT 3.032 Studie erreicht N-803 in Kombination mit BCG eine CR von 45ā% nach 12 Monaten und wurde in einem beschleunigten Verfahren im April 2024 durch die FDA zugelassen (4), neuerdings auch in Kombination mit dem rekombinanten BCG VPM1002BC (5), im Falle, dass nicht genügend BCG Tice in den US zur Verfügung stehen sollte.
Ćber eine synergistische Stimulation der angeborenen sowie der adaptiven Immunantwort wirkt das nicht eiweisshaltige und nichtvirale, ebenfalls intravesikal verabreichte DNA Plasmid Detalimogene Voraplasmid (EG-70), wobei über Aktivierung des RIG-I Rezeptor natürliche Killerzellen stimuliert werden und IL-12 zu einer T-Zell abhƤngigen Zytokinantwort führt. Erste Resultate der Phase-II-LEGEND-Studie kƶnnen bei einer CR nach 6 Monaten von 60ā% als vielversprechend gewertet werden.
Die intravesikale Verabreichung von Durvalumab (Imfinziā¢) wurde im Rahmen einer Phase II Studie bei BCG failure Patienten durch die Hellenic GU Cancer Group untersucht und erreichte eine CR nach 12 Monaten von 39ā% (6).
Intravesikale Photodynamische Therapien
Belzupacap sarotalocan (bel-sar, AU-011) ist ein Konjugat aus Nanopartikeln des Humanen Papillomavirus (HPV-NPs) und wirkt über Infrarotlicht aktivierbare fluoreszendierende Tinte IR-700. Nach Injektion in die Tumorbasis bindet HPV-NP an Heparansulfatierte Proteoglykane, welche durch die Tumorzellen überexprimiert werden. Ćber Infrarotlicht erfolgt die Aktivierung von IR-700 mit Freisetzung freier Sauerstoffradikale mit SchƤdigung der Tumorzellmembranen. Zudem führt HPV-NP zusƤtzlich zu einer Immunreaktion. Im Rahmen einer Phase-I-Studie (NCT05483868) konnte bei vier von fünf Patienten mit einem IR-NMIBC in der TUR-B, die sieben bis zwƶlf Tage nach der Applikation durchgeführt wurde, kein vitales Tumorgewebe mehr nachgewiesen werden.
Ćber die Freisetzung freier Sauerstoffradikale wirkt ebenfalls TLD-1433, welches nach intravesikaler Instillation durch die Ćberexpression des Transferrin Rezeptors vermehrt in Tumorzellen aufgenommen und mittels 520nm Laser aktiviert wird. In einer Phase-II-Studie (NCT03945162) konnte in der BCGu Gruppe eine CR von 38ā% nach 12 Monaten erreicht werden.
Neue intravesikale Chemotherapien/Chemotherapien mit prolongierter WirkstoffadhƤrenz/ADC
Die sequenzielle intravesikale Kombinationstherapie mit Gemcitabin und Docetaxel (GemDoce) hat als alternative off-label Behandlungsoption für Patientinnen und Patienten als Ersatz für BCG oder mit BCGu NMIBC zunehmend an Bedeutung gewonnen. Gem/Doce, das die zytotoxischen und antitumoralen Eigenschaften beider Wirkstoffe nutzt, wurde zunƤchst als Salvage-Therapie beim BCGu eingesetzt, wobei hier CR-Raten von 57ā% nach 12 Monaten erreicht werden kƶnnen (7).
In retrospektiven Studien scheint Gem/Doce zumindest gleichwertig wie BCG zu wirken, und da Gemcitabin alleine beim BCGu NMIBC der BCG Re-Induktion überlegen ist, ist zu erwarten, dass Gem/Doce möglicherweise noch besser wirkt. Resultate der aktuell laufenden randomisierten BRIDGE-Studie, welche BCG versus GemDoce in BCG-naiven Patienten untersucht, sind frühestens 2030 zu erwarten (8).
Bei Oncofid-P-B handelt es sich um ein neues, wasserlƶsliches Konjugat aus HyaluronsƤure und dem Zytostatikum Paclitaxel zur intravesikalen Administration. Die spezifische Bindung der HyaluronsƤure an den auf Blasentumorzellen überexprimierten CD44-Rezeptor erlaubt eine selektive Paclitaxel-Aufnahme und eine 800-fach erhƶhte intrazellulƤre Konzentration gegenüber der alleinigen intravesikalen Applikation von Paclitaxel. In der Phase-I-Studie konnte beim BCGu NMIBC eine CR von 40ā% nach 15 Monaten erreicht werden. Aktuell wird Oncofid-P-B im Rahmen der Phase-III-Studie Orion-BC untersucht.
UGN-102 (VesiGelā¢) ist eine Mitomycin-haltige reverse-thermal-Gel-Formulierung, die gekühlt flüssig ist und sich bei Kƶrpertemperatur verfestigt. Dadurch verlƤngerte sich die intravesikale Wirkstoffexposition von 1ā2 Stunden auf 4ā6 Stunden. Es handelt sich hierbei um einen neuartigen Verabreichungsmechanismus für einen in der Blasenkrebstherapie bereits etablierten Wirkstoff. Im Rahmen der Phase-III-ENVISION-Studie wurde die primƤre Chemoablation von LG NMIBC untersucht. Eine CR nach 15 Monaten konnte bei 61ā% der Patienten beobachtet werden.
Phase-I-Studien mit reverse-thermal Hydrogel welche Imiquimod (TLR-7 Agonist) (UGN-201) und Zalifrelimab (CTLA-4 Antikƶrper) (UGN-301) enthalten, laufen aktuell.
Das Antikƶrper-Wirkstoff-Konjugat (ADC) Enfortumab / Vedotin (EV) hat die Therapie des lokal fortgeschrittenen, nicht resezierbaren sowie metastasierten Urothelkarzinomes revolutioniert. Die intravesikale Verabreichung von EV bei BCGu NMIBC wird im Rahmen der Phase-I-Studie EV-104 untersucht. Ergebnisse, mit Ausnahme der TolerabilitƤt und zum Sicherheitsprofil, welche keine unerwünschten Arzneimittelwirkungen ā„Grad 3 zeigten, sind aktuell noch ausstehend.
Intravesikale Wirkstofffreisetzungssysteme
TAR-200 (InlexzoTM) stellt eine neuartige und innovative intravesikale Applikation beim NMIBC dar. Die Platzierung des TAR-200 Devices in der Harnblase erfolgt transurethral im Rahmen eines ambulanten Eingriffs und ermƶglicht eine kontinuierliche, über 3 Wochen dauernde lokale Freisetzung von Gemcitabin ohne Notwendigkeit der wiederholten Katheterinstillation. Dieses System adressiert zentrale Limitationen bisheriger intravesikaler Behandlungen, wie kurze Verweilzeiten von 1ā2 Stunden und anschliessendes Entleeren der Blase, was eine gleichmƤssige und langanhaltende Exposition gegenüber dem Wirkstoff verhindert. Die Sicherheit und Wirksamkeit von ĀTAR-200 in verschiedenen Settings des NMIBC ā sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit Immuncheckpoint-Inhibitoren ā werden im Rahmen des randomisierten SunRISe-Studienprogramms untersucht. In der Kohorte 2 (TAR-200 Monotherapie, CIS +/- papillary disease) der Ende Juli publizierten Phase-2b-Studie SunRISe-1 erreichte TAR-200 eine Gesamt-CR von 82.4ā% und eine CR von 45.9ā% nach 12 Monaten bei einer medianen Responsedauer von 25.8 Monaten. Therapiebedingte Nebenwirkungen ā„āGrad III traten bei 12.9ā% der Patienten auf, ein Therapieunterbruch war bei 31.8ā% notwendig, nebenwirkungsbedingt musste die Therapie bei 3.5ā% der Patienten abgebrochen werden (9). Anfang Semptember 2025 wurde TAR-200 durch die FDA zur Behandlung von BCGu NMIBC mit CIS +/- papillƤre Tumoren zugelassen.
Den gleichen Prinzipien wie TAR-200 folgt TAR-210, wobei hier eine kontinuierliche Freisetzung des Pan-FGFR3 Tyrosin Kinase Inhibitors Erdafitinib erfolgt. Die Evaluation erfolgt im Rahmen der Phase-3-MoonRISe-1 Studie beim IR NMIBC bei Patienten mit einer FGFR3-Alteration. Als Vergleichsarm dient allerdings nicht BCG als aktuelle Standardtherapie, sondern eine intravesikale Chemotherapie mit Mitomycin oder Gemcitabin.
Systemische Therapien / Kombinationstherapien
2020 wurde Pembrolizumab (Keytrudaā¢) als intravenƶse Immuncheckpoint-Inhibitor (ICI) Therapie basierend auf den Resultaten der Keynote-057-Studie zur Behandlung des BCGu NMIBC als erstes Medikament aufgrund einer nicht randomisierten Phase-2-Studie durch die FDA zugelassen. Die relativ geringe CR von 19ā% nach 12 Monaten und die vergleichsweise hohe ToxizitƤt unterstrich allerdings den Bedarf einer Therapieweiterentwicklung. Eine Reihe von Studien untersucht die Kombinationstherapie zwischen systemischem ICI und intravesikalem BCG in verschiedenen Settings des NMIBC.
Pembrolizumab wird aktuell im Rahmen der Keynote-676-Studie in Kombination mit BCG untersucht. Die Kohorte A vergleicht die Kombinationstherapie gegenüber der alleinigen Fortführung der BCG-Therapie bei HG-Rezidiv/Persistenz nach adäquater BCG-Induktion beim HG-NMIBC (papillary disease +/- CIS). Kohorte B vergleicht die alleinige BCG-Therapie gegenüber der Therapie mit Pembrolizumab + BCG mit voller und reduzierter Erhaltungstherapie bei BCG-naiven Patienten. Resultate werden in naher Zukunft erwartet.
Die ALBAN-Studie untersucht die Kombination des PD-L1-Inhibitors Atezolizumab (Tecentriqā¢) in Kombination mit BCG bei BCG-naiven Patienten. Resultate werden nicht vor 2028 erwartet.
Kürzlich wurden im Nature Medicine die Resultate der CREST Studie verƶffentlich, welche die subkutane Verabreichung von Sasanlimab (anti-PD1 Antikƶrper) mit intravesikalem BCG (Induktion (I) + Erhaltung (M) (Arm A) oder nur Induktion (Arm B)) mit der alleinigen BCG-Therapie (Arm C) beim BCG-naiven HR-NMIBC verglich. In Bezug auf das eventfreie Ćberleben (high-grade Rezidiv, Progression, CIS Persistenz, Tod) zeigte der Interventionsarm A ein 7.3ā% geringeres Risiko gegenüber dem Vergleichsarm C (10). Dies bei einer allerdings 4.6x hƶheren Rate an Grad ā„ III Nebenwirkungen (6.3ā% (BCG I&M) vs. 29.1ā% (Sasanlimab + BCG I&M)). Wird Sasanlimab nur mit einer BCG-Induktion ohne Erhaltung verabreicht, zeigte sich kein signifikanter Unterschied gegenüber der BCG-Monotherapie mit Induktion und Erhaltung.
Ćber das praktisch gleiche, dreiarmige Studiendesign verfügte die POTOMAC-Studie, wobei als ICI Durvalumab fungiert. GemƤss einer kürzlich verƶffentlichten Pressemitteilung des Herstellers zeigt eine Interim-Analyse ein Ā«statistisch signifikantes und klinisch relevantes lƤngeres krankheitsfreies ĆberlebenĀ» im Interventionsarm. Daten wurden bisher noch nicht verƶffentlicht (11).
Kombinationstherapien von ICI und viralen Gentherapien wurden im Rahmen der CORE-001-Studie (Pembrolizumab + GC0070) beim BCGu NMIBC sowie im Rahmen der ABLE-22-Studie (Pembrolizumab + Nadofaragen-Firadenovec) untersucht. WƤhrend in der publizierten Phase-II-Studie CORE-001-Studie eine CR nach 24 Monaten von 51.4ā% erreicht werden konnte, sind die Resultate der ABLE-22-Studie noch ausstehend.
Die multi-arm, multi-stage Studie ADAPT-BLADDER untersucht die Kombination von intravenƶsem Durvalumab mit BCG, Radiotherapie, Gem/Doce allein oder in zusƤtzlicher Kombination mit Tremelimumab (CTLA-4 Inhibitor) (Imjudoā¢). Erste Resultate der Kohorte 4 (Durvalumab + GemDoce) wurden am diesjƤhrigen ASCO GU Meeting prƤsentiert, eine CR konnte nach 12 Monaten in knapp 70ā% der 37 Patienten beobachtet werden.
Die systemische Verabreichung von Erdafitinib (Balversaā¢) beim BCGu NMIBC mit FGFR-Alteration wurde im Rahmen der THOR-2-Studie im Vergleich zu einer intravesikalen Chemotherapie mit Mitomycin C oder Gemcitabin untersucht. Nach einem Jahr betrug das rezidivfreie Ćberleben in der Interventionsgruppe 77ā% vs. 41ā%. Aufgrund von Nebenwirkungen mussten allerdings 29ā% der Patienten der Interventionsgruppe die Therapie abbrechen, gegenüber 0ā% in der Vergleichsgruppe.
Ein mƶglicherweise revolutionƤrer Therapieansatz kƶnnte die Anwendung von Nanorobotern darstellen. So konnte im Mausmodell eine Reduktion des Tumorvolumens um 90ā% nach einmaliger Instillation von mit Harnstoff betriebenen Nanorobotern beobachtet werden. Die Nanoroboter werden in die Blase instilliert und bewegen sich dann durch Verstoffwechselung des sich im Urin befindlichen Harnstoffes selbstƤndig in Richtung Urothel. Aus bisher noch nicht geklƤrten Gründen findet im Tumorgewebe eine deutlich hƶhere Anreicherung statt. Die Zerstƶrung des Tumorgewebes findet über sich auf der OberflƤche der Nanoroboter befindliche Radioisotope statt (12).
Radiotherapie beim NMIBC
Während sich die Radiotherapie beim MIBC im Rahmen der Trimodaltherapie als fester Therapiebestandteil etablieren konnte, könnte sie in Zukunft auch vermehrt beim NMIBC zum Einsatz kommen. Basierend auf den Resultaten des 2024 veröffentlichten Phase-II-Protokolls NRG Oncology/RTOG 0926 fand sie bereits als Bestandteil der Trimodaltherapie bei rezidivierenden T1 NMIBC Eingang in die NCCN-Guidelines. Die kürzlich eröffnete Nachfolgestudie NRG-GU014 vergleicht die Radiotherapie nach vorausgehender TUR-B beim rezidivierenden T1 NMIBC in Kombination mit einer systemischen Chemotherapie mit einer systemischen ICI-Therapie mit Pembrolizumab. Weitere Studien, welche die Radiotherapie im Setting des NMIBC untersuchen, sind die beiden Phase-II-Studien PREVERT und HOPE-04 sowie die Kohorte 3 der Phase-I-Studie ADAPT-BLADDER.
Zusammenfassung
Die Therapielandschaft des NMIBC befindet sich derzeit in einem tiefgreifenden Wandel. Bis zum Jahr 2020 standen als adjuvante Therapien fast ausschliesslich BCG und intravesikale Chemotherapien zur Verfügung. Erste FDA-Zulassungen von, Nadofaragen-Firadenovec , TAR-200 und CG0070 plus BCG (alle beim BCGu NMIBC) unterstreichen diesen Wandel und haben das Therapiespektrum substanziell erweitert. Bisher wurden diese Substanzen bis auf Pembrolizumab, welches als Monotherapie keinen überzeugenden Therapie-Effekt hat, in der Schweiz noch nicht zugelassen. Eine Vielzahl weiterer innovativer Wirkstoffe mit dem Potential, die Therapie des NMIBC weiter zu verbessern, befindet sich aktuell in verschiedenen Studienphasen in Erprobung. Nebst der Entwicklung neuer Therapien wird in Zukunft auch der Validierung prädiktiver Biomarker ein hoher Stellenwert zukommen, um effizient und kosteneffektiv die optimale Therapie für betroffene Patienten zu finden.
Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.
Hohe Rezidiv- und Progressionsraten beim NMIBC sowie BCG-Versagen und -UnvertrƤglichkeit erfordern neue Therapiekonzepte. Der Wunsch nach Blasenerhalt und die BCG-Knappheit verstƤrken den Bedarf an effektiven, organerhaltenden Alternativen zur radikalen Zystektomie.
Eine Vielzahl innovativer intravesikaler Immun- und Chemotherapien befindet sich in unterschiedlichen Stadien der klinischen Prüfung. Dazu zählen virale Gentherapien wie Nadofaragen-Firadenovec und CG0070, Immunmodulatoren wie N-803 sowie kombinierte Chemotherapeutika wie Gemcitabin/Docetaxel.
Medikamentenhaltige Reverse-Thermal-Gele und intravesikale Medikamentenapplikationssysteme wie UGN-102 und TAR-200 ermƶglichen eine verlƤngerte Medikamentenexposition. Diese neuen Technologien haben das Potential herkƶmmliche intravesikale Therapien zu verbessern.
Kombinationstherapien mit Immuncheckpoint-Inhibitoren werden intensiv untersucht. Erste Resultate in Kombination mit BCG zeigen Vorteile, welche aber gegen die stark erhöhten Nebenwirkungen der Kombinationstherapie versus BCG alleine abgewogen werden müssen.
Zukünftige Therapieansätze wie nanotechnologische Plattformen oder hochspezifische Wirkstofffreisetzungssysteme (z. B. FGFR-gerichtetes TAR-210) könnten die Behandlung weiter revolutionieren. Erste präklinische und klinische Daten sind vielversprechend, ihre Rolle im Therapiestandard bleibt jedoch durch weitere Studien zu evaluieren.