Kardiale Amyloidose: Ein Update

Die kardiale Amyloidose entsteht durch die Ablagerung fehlgefalteter Proteine in Form von Amyloidfibrillen. Die beiden häufigsten Formen mit Herzbeteiligung sind die Immunglobulin-Leichtketten-Amyloidose (AL) und die Transthyretin-Amyloidose (ATTR), die entweder als Wildtyp (ATTRwt) oder als hereditäre Variante (ATTRv) vorkommt. In den letzten Jahren hat sich im Bereich der kardialen Amyloidose viel getan: Ein besseres Verständnis der Pathophysiologie, Fortschritte in der Bildgebung und die Entwicklung neuer Therapien haben diese Krankheitsbilder stark verändert. Was einst als seltene Krankheit mit einer sehr ungünstigen Prognose galt, hat sich mittlerweile zu einer Krankheit entwickelt, die viel häufiger auftritt als bisher angenommen und für die zunehmend mehr Therapien zur Verfügung stehen.

Cardiac amyloidosis results from the deposition of misfolded proteins in the form of amyloid fibrils. The two most common subtypes affecting the heart are light-chain (AL) amyloidosis and transthyretin (ATTR) amyloidosis, which occurs either in the wild-type form (ATTRwt) or in a hereditary variant (ATTRv). In recent years, major advances have been made in the field of cardiac amyloidosis: a better understanding of the pathophysiology, progress in imaging, and the development of new therapies have profoundly changed this field. What was once considered a rare disease with a devastating prognosis has now developed into a disease that occurs much more frequently than previously thought and for which more treatment strategies are available.
Keywords: Kardiale Amyloidose, Transthyretin, Herzinsuffizienz

Die kardiale Amyloidose galt lange als seltene, kaum behandelbare Erkrankung mit schlechter Prognose. Durch Fortschritte in Diagnostik und Therapie hat sich das Bild jedoch gewandelt: Die Erkrankung wird heute häufiger und in früheren Stadien erkannt, und neue Wirkstoffe verändern den klinischen Verlauf nachhaltig. Diese Übersicht zeigt, wie sich Diagnostik, Bildgebung und Therapieansätze in den letzten Jahren weiterentwickelt haben und welche Herausforderungen nun im Vordergrund stehen.

VerƤnderung der Studienpopulation

Die Patienten mit kardialer Amyloidose, die wir im klinischen Alltag sehen, haben sich in den vergangenen Jahren stark verƤndert. Dank des erhƶhten Bewusstseins der Kardiologen für das Krankheitsbild und der verbesserten Diagnosemƶglichkeiten wird die kardiale Amyloidose immer früher erkannt. Eine kardiale Amyloidose wird zunehmend bei der AbklƤrung von Patienten mit Herzinsuffizienz und erhƶhter Wanddicke (über 12 mm) aber auch in anderen klinischen Szenarien (z. B. low-flow low-gradient Aortenstenose, hypertrophe Kardiomyopathie oder bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion) vermutet. Patienten mit beidseitigem Karpaltunnelsyndrom als Ausdruck von frühen Amyloid-Ablagerungen werden systematischer auf eine zugrundeliegende Amyloidose untersucht, und Zufallsbefunde bei Biopsien oder typische Muster im Herz-MRI tragen ebenfalls zur früheren Diagnose bei. Diese VerƤnderungen haben dazu geführt, dass Patienten mit kardialer Amyloidose heute meist in einem früheren Krankheitsstadium diagnostiziert werden. Dies widerspiegelt sich auch in den aktuelleren klinischen Studien, bei denen die Erkrankung weniger fortgeschritten ist als in früheren Studien. Wie Tab. 1 zeigt, unterscheiden sich die Studienpopulationen der grossen klinischen Studien. Neuere Studien haben zunehmend Patienten in früheren Krankheitsstadien mit niedrigerer MortalitƤt eingeschlossen. Nichtsdestotrotz: Die Studien bestƤtigen auch ein besseres Therapieansprechen in früheren Krankheitsstadien (z.B. NYHA Klasse 1 und 2 oder NT-proBNP < 2000 ng/L) (1).

Fortschritte in der Bildgebung

Fortschritte in der Bildgebung haben das Feld bereits grundlegend verƤndert. So ermƶglicht die SPECT mit knochenaffinen Tracern (99mTc-DPD, -PYP, -HMDP) eine frühzeitige und verlƤssliche nicht-invasive Diagnose der kardialen ATTR-Amyloidose, wodurch eine Endomyokardbiopsie (EMB) in den meisten FƤllen überflüssig geworden ist. Wenn man mittels Serum- und Urin-Immunfixation sowie freier Leichtketten im Serum eine AL-Amyloidose ausgeschlossen hat – und das ist zentral bei jedem Verdacht auf eine kardiale Amyloidose –, erhƤlt man mit einem Perugini-Grad 2 oder 3 eine 100 %ige SpezifitƤt zur Diagnostik der ATTR-Amyloidose (2). In sehr frühen Krankheitsstadien nimmt die SensitivitƤt jedoch leicht ab: Oftmals wird dann ein Perugini-Grad 1 gefunden, der weiter abgeklƤrt werden muss (z.B. mittels Herz-MRI oder EMB). Abb. 1 illustriert diese Herausforderung. Der exemplarische Fall zeigt frühe Hinweise für eine kardiale Amyloidose in der Bildgebung und, dass auch ein milder, fokaler Uptake in der SPECT/CT eine weiterführende Diagnostik erfordert. Diese FƤlle reprƤsentieren oft frühe Amyloidablagerungen ohne manifeste Amyloidose, deren natürlicher Verlauf bislang wenig verstanden ist (3). Besonders bei sehr früher Erkrankung hat das Amyloid-PET eine hƶhere SensitivitƤt (4). Im Gegensatz zu den knochenaffinen SPECT-Radiotracern sind PET-Radiotracer speziell dafür entwickelt worden, direkt an Amyloidfibrillen zu binden. Dadurch ermƶglichen sie eine sehr genaue Diagnose und eine Quantifizierung der Krankheitslast. Ursprünglich für die Alzheimer-Diagnostik entwickelt, werden diese Tracer zunehmend auch für die kardiale Amyloidose erprobt, sind jedoch für diese Indikation bislang noch nicht zugelassen. In zwei Phase-3-Studien werden die Genauigkeit und der Nutzen von 124I-Evuzamitide (REVEAL, NCT06788535) und 18F-Florbetaben (CArdiag, NCT05184088) aktuell getestet. Neben der Diagnostik spielt die Bildgebung eine immer wichtigere Rolle beim Monitoring des Therapieansprechens. WƤhrend die Echokardiographie als kostengünstiges und breit verfügbares Verfahren strukturelle und funktionelle VerƤnderungen abbilden kann, zeigen sich VerƤnderungen hier frühestens nach 18 Monaten. Demgegenüber kƶnnen das kardiale MRI oder das Herz-PET bereits frühe VerƤnderungen unter Therapie visualisieren (5, 6).

Technologische Entwicklungen

In den vergangenen Jahren wurde die künstliche Intelligenz (KI) trainiert und validiert, um eine kardiale Amyloidose im EKG, der Echokardiographie, dem kardialen MRI, der Szintigraphie und in der Pathologie mit hoher diagnostischer Genauigkeit zu erkennen (7). So konnte in einer kürzlichen Studie die kardiale Amyloidose mittels KI im EKG und in der Echokardiographie um bis zu 3 Jahre früher erkannt werden (8). Das kann den Patienten potentiell einen schnelleren Zugang zur Therapie ermöglichen und die Krankheit früher stabilisieren. Neben den KI-basierten Verfahren zeigen auch automatisierte Auswertungen von elektronischen Gesundheitsakten Potenzial. So konnte ein Scoring-System, das unter anderem auf ICD-10-Diagnosen und Laborwerten basiert, Patienten mit erhöhtem Risiko für kardiale Amyloidose identifizieren (9). Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse ist die Evidenzlage für den Einsatz solcher KI-gestützten und datenbasierten Tools bislang gering (10). Es gibt noch keine prospektiven Studien und auch kaum Daten zur Umsetzung im klinischen Alltag. Diese Lücken müssen geschlossen werden vor einer breiten klinischen Einführung dieser Tools.

Neue TherapieansƤtze

Aktuelle Behandlungen der kardialen Amyloidose setzen bei den AmyloidvorlƤuferproteinen an. Bei der AL-Amyloidose sind dies Therapien, die gegen Plasmazellen im Knochenmark gerichtet sind und somit die amyloidogenen Leichtketten reduzieren. Bei der ATTR-Amyloidose zielen die Therapien dagegen auf das Transthyretin-Protein ab. Im Folgenden liegt der Fokus auf der ATTR-Kardiomyopathie (CM), da die AL-Amyloidose in enger Kooperation mit der HƤmatologie behandelt wird und spezifischen Therapieprinzipien folgt. Für die ATTRwt-Amyloidose sind aktuell in der Schweiz Tafamidis und Vutrisiran zugelassen – letztere Substanz wird jedoch noch nicht vergütet. Aktuell befinden sich mehrere Medikamente im Zulassungsverfahren oder in Phase 3 klinischen Studien. Bei der ATTR-Amyloidose werden drei Therapieprinzipien unterschieden: Stabilisatoren, Suppressoren und Depletoren (Tab. 2).

Als Stabilisator bereits zugelassen ist Tafamidis (11). Acoramidis ist ein weiterer Stabilisator, der in der Phase-3-Studie (ATTRibute-CM) die Mortalität und kardiovaskuläre Ereignisse reduziert hat und in der Schweiz nun im Zulassungsverfahren ist (12). Zu den Suppressoren zählen Gen-Silencing-Therapien wie Patisiran und Vutrisiran (small interfering RNA). In der Phase-3-Studie (HELIOS-B) zeigte Vutrisiran bei ATTR-CM eine Reduktion von Mortalität und kardiovaskulären Ereignissen und ist nun zugelasssen, aber noch nicht auf der Spezialitätenliste (13). Inotersen, ein weiterer Suppressor, wird in der Schweiz nicht mehr angewendet, während Eplontersen mit günstigerem Nebenwirkungsprofil für die ATTRv-PN bereits zugelassen ist. Zusätzlich läuft die Phase-3-Studie (CARDIO-TTRansform, NCT04136171) für den Einsatz von Eplontersen bei ATTR-CM. Andererseits zählt zu den Suppressoren auch ein Gen-Editing-Ansatz, der auf der CRISPR-Cas9-Technologie basiert und ebenfalls in einer Phase-3-Studie (MAGNITUDE, NCT06128629) getestet wird. Die dritte Klasse, die Depletoren, beinhaltet beispielsweise den monoklonalen humanen Antikörper Cliramitug, welcher auf die direkte Entfernung von Amyloidfibrillen abzielt und sich derzeit in einer Phase-3-Studie befindet (DepleTTR-CM, NCT06183931).

Die Therapie der AL-Amyloidose unterscheidet sich grundlegend. Hier hat die Einführung wirksamer Therapien, die gegen Plasmazellen oder reife B-Zellen gerichtet sind, die Behandlung deutlich verändert. Ein besonderer Fortschritt war der Einsatz monoklonaler Antikörper gegen das Oberflächenprotein CD38, wie Daratumumab, der mit relativ wenigen Nebenwirkungen die Prognose der Patienten deutlich verbessert hat. Zusätzlich wurde der antifibrilläre Antikörper Anselamimab in einer Phase-3-Studie (CAEL-101) geprüft, konnte jedoch die primären Endpunkte nicht erreichen, sodass der klinische Nutzen derzeit unklar bleibt (14, 15).

Herausforderungen für die Zukunft

Trotz enormer Fortschritte in Diagnostik und Therapie bestehen weiterhin Herausforderungen. Die derzeit für die ATTRwt-CM zugelassenen Behandlungen kƶnnen die Krankheit nicht rückgƤngig machen, und bei etwa 30–40 % der Patienten kommt es trotz Therapie weiterhin zu einem kardiovaskulƤren Ereignis oder sogar zum Tod. Vor diesem Hintergrund und der gleichzeitig wachsenden Anzahl an Therapieoptionen stellen sich zunehmend neue Fragen. Welche initiale Therapie ist für welchen Patienten am besten geeignet? Wie lƤsst sich das Ansprechen auf die Therapie zuverlƤssig beurteilen? Wann und unter welchen Bedingungen sollte von einem Wirkstoff auf einen anderen gewechselt werden? Und in welchen Situationen ist es sinnvoll, eine Therapie abzusetzen? Um diese Fragen beantworten zu kƶnnen, sind grƶssere, multizentrische Studien mit langen BeobachtungszeitrƤumen notwendig. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch Register, wie sie beispielsweise vom Schweizerischen Amyloidose-Netzwerk mit dem Schweizer Amyloidose Register (SAR) aufgebaut und kontinuierlich erweitert werden, da sie die Generierung grosser Mengen an Real-World-Daten ermƶglichen (16). Diese Studien und Register müssen funktionelle Tests, Biomarker, patientenberichtete Outcomes sowie bildgebende Verfahren beinhalten, um Schwellenwerte für das Fortschreiten der Krankheit wie auch das Therapieansprechen festzulegen. Schlussendlich wird ein multimodaler Ansatz, der klinische Parameter, Biomarker und Bildgebung kombiniert, entscheidend sein, um personalisierte Therapiestrategien zu entwickeln und die Versorgung von Patienten mit kardialer Amyloidose weiter zu verbessern (17).

Korrigendum und Nachtrag zur Publikation ā€žKardiale Amyloidse: Ein Updateā€œ vom Dezember 2025: Zum Zeitpunkt der Publikation war Eplontersen für die Indikation ATTRv-Polyneuropathie zugelassen und auf der SpezialitƤtenliste seit 01.07.2025 (Tabelle 2). Als Nachtrag mƶchten wir ergƤnzen, dass neu (Stand 01.04.2026) sowohl Acoramidis als auch Vutrisiran für ATTR-CM zugelassen und auf der SpezialitƤtenliste sind.

Amely Walser 1
Prof. Dr. med. Andreas J. Flammer 2
Dr. med. Rahel Schwotzer 3
PD Dr. med. Dominik C. Benz 1,2,4
1 Klinik für Nuklearmedizin, UniversitƤtsspital Zürich, RƤmistrasse 100, 8091 Zürich
2 Klinik für Kardiologie, UniversitƤtsspital Zürich, RƤmistrasse 100, CH-8091 Zürich
3 Klinik für Medizinische Onkologie und HƤmatologie, UniversitƤtsspital Zürich, RƤmistrasse 100, 8091 Zürich
4 Advanced Clinician Scientist Programm, UniversitƤre Medizin Zürich (UMZH)

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Amely Walser

Klinik für Nuklearmedizin
Universitätsspital Zürich
RƤmistrasse 100
8091 Zürich

Dr. med. Dominik C. Benz

- Klinik für Nuklearmedizin, UniversitƤtsspital Zürich,
Rämistrasse 100, 8091 Zürich
- Klinik für Kardiologie, UniversitƤtsspital Zürich,
Rämistrasse 100, CH-8091 Zürich
- Advanced Clinician Scientist Programm,
Universitäre Medizin Zürich (UMZH)

dominik.benz@usz.ch

Stipendien: Dr. Benz gibt an, ein Karrierestipendium des Advanced Clinician Scientist Programms der Universitären Medizin Zürich (UMZH) zu erhalten.

Amely Walser berichtet über keine Interessenkonflikte.
Dr. Flammer berichtet über Forschungsförderung von AstraZeneca und Novartis sowie Honorare von Alnylam, AstraZeneca, Bayer, Boehringer Ingelheim, Novartis, Pfizer, Roche und Vifor. Er ist nationaler Koordinator der DepleTTR-CM-Studie (Alexion/AstraZeneca).
Dr. Schwotzer berichtet über Forschungsförderung der Mach-Gaensslen-Stiftung; Förderung des Swiss Amyloidosis Registry durch Alnylam, AstraZeneca, SOBI und Pfizer; sowie Beratungshonorare von Alnylam, AstraZeneca und Johnson & Johnson.
Dr. Benz berichtet über Forschungsförderung der Olga Mayenfisch-Stiftung und der Immanuel-und-Ilse-Straub-Stiftung; investigator-initiierte Forschungsförderung von AstraZeneca und Life Molecular Imaging; sowie Beratungshonorare von Pfizer, Alnylam, Bayer Healthcare und AstraZeneca.

  • Durch verbesserte Diagnostik und erhƶhtes klinisches Bewusstsein werden Patienten heute in früheren Krankheitsstadien erkannt, wodurch der klinische Verlauf günstiger wird.
  • Die Entwicklung von KI-Modellen und insbesondere von amyloidbindenden PET-Tracern wird uns in Zukunft erlauben, die Pathologie vor der Erkrankung zu entdecken.
  • Für die kardiale ATTR-Amyloidose sind derzeit Tafamidis und Vutrisiran zugelassen, und Acoramidis befindet sich im Zulassungsverfahren. Weitere Therapien befinden sich in Phase-3-Studien und werden das Behandlungsspektrum künftig erweitern.
  • Mit der zunehmenden Zahl an Therapieoptionen wird die klinische Entscheidungsfindung komplexer. Ein multimodaler, personalisierter Ansatz unter Einbezug von Klinik, Biomarkern und Bildgebung ist entscheidend, um Therapieplanung und Monitoring individuell zu optimieren.

1. Maurer MS, Witteles RM, Garcia-Pavia P, Sheikh FH, Morbach C, Rodriguez Duque D, et al. Impact of Heart Failure Severity on Vutrisiran Efficacy in Transthyretin Amyloidosis With Cardiomyopathy. J Am Coll Cardiol. 2025;85(20):1927-39.
2. Gillmore JD, Maurer MS, Falk RH, Merlini G, Damy T, Dispenzieri A, et al. Nonbiopsy Diagnosis of Cardiac Transthyretin Amyloidosis. Circulation. 2016;133(24):2404-12.
3. Porcari A, Razvi Y, Cappelli F, Nitsche C, Serenelli M, Longhi S, et al. Clinical Phenotype and Prognosis of Asymptomatic Patients With Transthyretin Cardiac Amyloid Infiltration. JAMA Cardiol. 2025;10(5):437-45.
4. Smiley DA, Einstein AJ, O’Gorman KJ, Santana D, Teruya S, Chan N, et al. Early Detection of Transthyretin Cardiac Amyloidosis Using (124)I-Evuzamitide Positron Emission Tomography/Computed Tomography. JACC Cardiovasc Imaging. 2025;18(7):799-811.
5. Patel RK, Ioannou A, Sheikh A, Razvi Y, Mansell J, Martinez-Naharro A, et al. Transthyretin amyloid cardiomyopathy: natural history and treatment response assessed by cardiovascular magnetic resonance. Eur Heart J. 2025.
6. Benz DC, Clerc OF, Cuddy SAM, Singh V, Kijewski MF, Bianchi G, et al. Changes in Myocardial Light Chain Amyloid Burden After Plasma Cell Therapy. JACC Cardiovasc Imaging. 2025.
7. Kamel MA, Abbas MT, Kanaan CN, Awad KA, Baba Ali N, Scalia IG, et al. How Artificial Intelligence Can Enhance the Diagnosis of Cardiac Amyloidosis: A Review of Recent Advances and Challenges. J Cardiovasc Dev Dis. 2024;11(4).
8. Oikonomou EK, Sangha V, Vasisht Shankar S, Coppi A, Krumholz HM, Nasir K, et al. Artificial intelligence-enabled electrocardiography and echocardiography to track preclinical progression of transthyretin amyloid cardiomyopathy. Eur Heart J. 2025.
9. Pascoe MA, Kolodziej A, Birks EJ, Vaidya G. Using electronic medical records to identify patients at risk for underlying cardiac amyloidosis. J Cardiol. 2025;85(1):43-4.
10. Grogan M, Lopez-Jimenez F, Guthrie S, Kumar N, Langevin R, Lousada I, et al. Value of Artificial Intelligence for Enhancing Suspicion of Cardiac Amyloidosis Using Electrocardiography and Echocardiography: A Narrative Review. J Am Heart Assoc. 2025;14(8):e036533.
11. Maurer MS, Schwartz JH, Gundapaneni B, Elliott PM, Merlini G, Waddington-Cruz M, et al. Tafamidis Treatment for Patients with Transthyretin Amyloid Cardiomyopathy. N Engl J Med. 2018;379(11):1007-16.
12. Gillmore JD, Judge DP, Cappelli F, Fontana M, Garcia-Pavia P, Gibbs S, et al. Efficacy and Safety of Acoramidis in Transthyretin Amyloid Cardiomyopathy. N Engl J Med. 2024;390(2):132-42.
13. Fontana M, Berk JL, Gillmore JD, Witteles RM, Grogan M, Drachman B, et al. Vutrisiran in Patients with Transthyretin Amyloidosis with Cardiomyopathy. N Engl J Med. 2024.
14. Bianchi G, Zhang Y, Comenzo RL. AL Amyloidosis: Current Chemotherapy and Immune Therapy Treatment Strategies: JACC: CardioOncology State-of-the-Art Review. JACC CardioOncol. 2021;3(4):467-87.
15. Kastritis E, Palladini G, Minnema MC, Wechalekar AD, Jaccard A, Lee HC, et al. Daratumumab-Based Treatment for Immunoglobulin Light-Chain Amyloidosis. N Engl J Med. 2021;385(1):46-58.
16. Brouwers S, Heimgartner R, Laptseva N, Aguzzi A, Ehl NF, Fehr T, et al. Historic characteristics and mortality of patients in the Swiss Amyloidosis Registry. Swiss Med Wkly. 2024;154:3485.
17. Gonzalez-Lopez E, Maurer MS, Garcia-Pavia P. Transthyretin amyloid cardiomyopathy: a paradigm for advancing precision medicine. Eur Heart J. 2025;46(11):999-1013.

ESMO 2025 Highlights a New Therapeutic Landscape for SCLC

During the ESMO 2025 Congress we have realized the incredible ongoing developments for patients with small-cell lung cancer (SCLC).

This remains a lethal malignancy despite modest gains with chemo-immunotherapy. Data showcased at the ESMO 2025 signal a true therapeutic inflection point, driven by DLL3-targeted bispecific T-cell engagers and next-generation antibody–drug conjugates (ADCs). In first-line ES-SCLC, the phase Ib DeLLphi-303 trial of tarlatamab plus platinum–etoposide and PD-L1 blockade yielded an ORR of 71%, median PFS 10.3 months and 12-month OS 81%, with predominantly low-grade CRS/ICANS, supporting early DLL3 engagement rather than reserving it for relapse. Complementing this, the phase I DAREON-8 study of the DLL3ƗCD3 bispecific obrixtamig combined with carboplatin/etoposide–atezolizumab reported a 68% ORR and 89% disease control, with an acceptable safety profile, underscoring the feasibility of chemo-IO plus T-cell redirection in the frontline setting. Concerning ADCs, SEZ6-directed ABBV-706 demonstrated clinically meaningful activity in heavily pretreated SCLC in posters 2777P and 2778P, including rapid ctDNA/CTC clearance, raising the prospect of platinum-sparing, biomarker-integrated strategies. With phase III DeLLphi-304 results confirming an OS benefit for second-line tarlatamab versus chemotherapy, we have previously seen the impressive data as well by targeting B7-H3 with I-Dxd from the Ideate-Lung01 trial (ORR 55%) and new targets are emerging for not only ADCs but also for radioligands for the treatment of SCLC. These data collectively represent a shift from empiric cytotoxic drugs to precisely targeted, immune-integrative treatment paradigms in SCLC.

Prof. Dr. med. Alessandra Curioni-Fontecedro

– Clinic of Oncology, Cantonal Hospital Fribourg,
Fribourg, Switzerland

– Faculty of Science and Medicine University of Fribourg,
Fribourg, Switzerland

Gemeinsam gegen Krebs «United against cancer»

Der Vorstand der Oncosuisse hat sich in diesem Jahr ein neues Leitbild gegeben. Es formuliert die gemeinsame Vision, die zentralen Werte und die strategischen Ziele des nationalen Dachverbands für Onkologie in der Schweiz. Das Leitbild soll Orientierung geben – nach innen für die Mitgliedsorganisationen, nach aussen für Partner, Politik und Ɩffentlichkeit.
Die Fortbildungszeitschrift «info@ONCO-SUISSE», das offizielle Kommunikationsorgan der Oncosuisse und allen verbundenen Mitherausgebern, stellt das neue Leitbild hier erstmals vor.

Vision

Niemand in der Schweiz soll Krebs allein durchstehen müssen. Jede Person soll Zugang zu bestmƶglicher PrƤvention, Früherkennung, Behandlung und Unterstützung haben – unabhƤngig von Alter, Herkunft oder sozialer Lage. Dies auch nach abgeschlossener Behandlung.

Mission

Oncosuisse bündelt die Kräfte der schweizweit tätigen Non-Profit-Organisationen im Bereich der Krebsbekämpfung. Der Verein verfolgt drei Ziele:
• Strategische Koordination der nationalen KrebsbekƤmpfung
• Vernetzung aller relevanten Stakeholder
• Politische Interessenvertretung gegenüber Politik, Behƶrden und Medien
Darüber hinaus setzt sich Oncosuisse für Rahmenbedingungen ein, die einen chancengerechten Zugang zu wirksamen Therapien ermöglichen.

Hauptaufgaben

Dachverband: Oncosuisse vertritt die Gemeinschaft seiner Mitglieder nach aussen und fƶrdert deren Zusammenarbeit.
Krebspolitik: Oncosuisse ist erste Ansprechperson für Politik, Behörden und Medien in allen Fragen rund um Krebs.
Nationaler Krebsplan: Oncosuisse trƤgt die Verantwortung für das BAG-Mandat Ā«Nationaler KrebsplanĀ» – von der Redaktion bis zur Koordination der Umsetzung.
Projekte: In EinzelfƤllen übernimmt Oncosuisse Projektleitungen (z.B. AGZOS – Arbeitsgruppe Zertifizierungslandschaft Onkologie Schweiz).

Werte & Prinzipien

Engagiert: Wir arbeiten für bessere Lebensbedingungen von Patientinnen, Patienten und Angehörigen.
Zuverlässig: Seit 1999 ein verlässlicher Partner für Politik, Behörden, Medien und Bevölkerung.
Proaktiv: Wir entwickeln Lösungen für heutige und künftige Herausforderungen.
Non-Profit: Alle Mittel fliessen in den Vereinszweck.
UnabhƤngig: Als Dachverband handeln wir frei von Eigeninteressen.
Transparent: Wir verpflichten uns zu Offenheit und Klarheit.

Zusammenarbeit mit den Mitgliedern

Der Vorstand legt Aussenauftritt, Strategie, Nationalen Krebsplan und Projektentscheide fest – in regelmƤssiger Konsultation mit den Mitgliedern. Die Generalversammlung genehmigt jƤhrlich das Budget und die Stossrichtung.

Jedes Mitglied kann Anliegen einbringen; der Vorstand prüft und unterstützt diese nach Bedarf. Oncosuisse dient für solche Anliegen als «Amplifier».

Gemäss dem Subsidiaritätsprinzip erfüllt Oncosuisse die Funktion des Dachverbandes, fungiert als bündelnde Kraft und als Verstärkerin gemeinsamer Botschaften. Mitglieder führen losgelöst davon ihre eigenen (auch politischen) Kampagnen und Auftritte.

Mehr Informationen
info@oncosuisse.ch

Erfahrungen junger Kolleg/-innen im internationalen Umfeld

Auslandserfahrung erƶffnen neue Horizonte – sowohl fachlich als auch persƶnlich. In dieser Ausgabe berichten zwei junge Kolleg/-innen über ihre Erfahrungen an renommierten Institutionen: Dr. med. Reinhardt Krcek absolvierte ein Fellowship im Bereich der Radioonkologie am Princess Margaret Cancer Centre in Toronto; Dr. med. Astrid Beerlage vertiefte ihre hƤmatologische Expertise an der University of Pennsylvania in Philadelphia.

Fellowship in der Radio-Onkologie am Princess Margaret Cancer Centre in Toronto


Der Abschluss der Facharztweiterbildung in Radio-Onkologie eröffnet vielfältige Chancen für die weitere berufliche Orientierung. Wer eine akademische Laufbahn anstrebt und zudem seinen Horizont erweitern möchte, sollte deshalb ein Auslandsjahr in Betracht ziehen.

Insbesondere für Ƅrztinnen und Ƅrzte, die sowohl klinisch als auch wissenschaftlich tƤtig sein mƶchten, stellt das Clinical Research Fellowship am Princess Margaret Cancer Centre eine hervorragende Option dar. Formale Voraussetzungen hierfür sind der Facharzttitel in Radio-Onkologie, solide Englischkenntnisse sowie ein nachgewiesenes Interesse an Forschung.

Dieses Fellowship bietet nicht nur Zugang zu modernster Onkologie an einem der weltweit bedeutendsten onkologischen Zentren, sondern auch Integration in eine lebendige, internationale Gemeinschaft renommierter Spezialisten. Viele von ihnen haben zudem praxisverƤndernde Studien publiziert, wie z. B. CURB, PROFIT oder SU2C-SARC032. Das Radiation Medicine Programm verfügt über 18 Radiotherapie-Einheiten, darunter den MRI-Linac, Ethos HyperSight, Gamma Knife und eine Orthovolt Unit, ergƤnzt durch Brachytherapieeinheiten. Es bietet ein etabliertes Fellowship-Programm mit über 20 PlƤtzen pro Jahr. Die Fellows kommen aus aller Welt, wobei Kollegen und Kolleginnen aus englischsprachigen LƤndern deutlich überreprƤsentiert sind. Die Bewerbung ist zweimal jƤhrlich mƶglich, mit regulƤrem Start jeweils im Januar oder Juli – die meisten Fellows beginnen im Juli. Im Bewerbungsprozess kƶnnen PrƤferenzen für bestimmte Organteams angegeben werden (z. B. ZNS, HNO) und die angestrebte Dauer (ein oder zwei Jahre). Anschliessend erfolgt die Einladung zu virtuellen BewerbungsgesprƤchen und schliesslich die Entscheidung.

Ich habe mich für ein einjähriges Clinical Research Fellowship (das sich letztlich auf vierzehn Monate verlängerte) im Bereich Sarkome und okulare Onkologie entschieden und mir zusätzlich die Mitarbeit in der Hirnstereotaxie/Hirnmetastasenklinik gewünscht. Als Fellow wird man in der Regel einem Radio-Onkologen («Staff») zugeteilt, mit dem man die klinischen Aufgaben übernimmt. Diese Person fungiert gleichzeitig als persönlicher Mentor und zentrale Ansprechperson für Forschungsprojekte, welche vom Fellow auch erwartet werden.

Meine typische Woche umfasste dienstags einen ganzen Tag Klinik, am Vormittag in der Sarkomklinik, am Nachmittag in der onkologischen Augenklinik. Am Donnerstagmorgen fand die Review Clinic statt. Der Freitagvormittag war der Hirnmetastasenklinik, zusammen mit dem Hirnmetastasen-Tumorboard, gewidmet.

Die übrige Zeit ist für Radiotherapieplanung, Tumorboards und Forschung vorgesehen. In der Forschung hatte ich die Möglichkeit, neben mehreren retrospektiven Projekten mit sehr grossen Fallzahlen, an der Entwicklung der adaptiven Radiotherapie für Sarkome mit dem Ethos Hypersight mitzuwirken und darüber hinaus ein Konzept für eine Phase-I-Studie mit einer neuen Kombinationstherapie zu entwerfen.

Die Arbeitsbelastung ist hoch – speziell, wenn man diverse Forschungsprojekte entwickelt, durchführt und betreut. Selbstdisziplin und gutes Zeitmanagement sind dabei unverzichtbare Begleiter. Das Gehalt liegt unter dem Niveau der Facharztweiterbildung in der Schweiz, reicht jedoch aus, um die Lebenshaltungskosten in Toronto zu decken (2024: etwa CAD 2.600 nach Steuern/Abgaben alle zwei Wochen).

Von der Klinik abgesehen: Toronto ist einfach eine grossartige Stadt! International, weltoffen, mit einem enormen Kultur- und Kulinarikangebot.

Doch was ist der Preis all dieser Vorteile? Er zeigt sich bereits kurz nach der Zusage zum Fellowship: Die Vorbereitungen sind sehr aufwändig. Im Vorfeld sind sowohl eine «Work Permit» als auch die Zulassung durch das College of Physicians and Surgeons of Ontario erforderlich, beides sind finanziell wie zeitlich sehr aufwändige Prozesse. Für die «Work Permit» benötigt man unter anderem Fingerabdrücke von speziellen Agenturen (z. B. in Lyon oder Düsseldorf), eine Untersuchung durch einen Panelarzt (in Zürich oder Genf), Arbeitszeugnisse auf Englisch, inklusive Gehaltsangaben sowie Abschlusszeugnisse mit zertifizierten Übersetzungen. Das College verlangt zusätzlich «Certificates of Good Standing» von allen bisherigen Arbeitsorten, eine englischsprachige Zusammenfassung des Medizinstudiums (inklusive sämtlicher Kurse), einen speziellen «Police Check», der im Ausland mit erheblichem Aufwand zu organisieren ist (inklusive Fingerabdrücken bei der Kantonspolizei). Auch inhaltliche Rückfragen mit Anforderung von schriftlichen Stellungnahmen sind möglich, beispielsweise, weshalb man ein für den Facharzt obligatorisches Fremdjahr absolviert hat, da dies in Nordamerika nicht üblich ist.

Meine klare Empfehlung lautet daher: Nach der Zusage für das Fellowship muss man sofort mit der Organisation beginnen. Auch die University of Toronto fordert bestimmte Unterlagen. Für Bewerber aus der Schweiz aufwƤndig ist der zweifach im Abstand von einigen Wochen durchzuführende Tuberkulose-Hauttest, da ein solcher in der Schweiz nicht wirklich angeboten wird. Ein Gamma-Interferon-Test wurde bei mir leider nicht akzeptiert. Weiterhin sind z.B. Schweizer Banken nicht besonders hilfreich, wenn man seinen Wohnsitz temporƤr ins Ausland verlegt und sein Konto behalten mƶchte. Die dafür verlangten Gebühren und der administrative Aufwand sind – wohlwollend formuliert – sehr unverhƤltnismƤssig.

Hat sich das alles gelohnt?
Ja! Dieses Jahr war für mich in jeder Hinsicht horizonterweiternd – fachlich ebenso wie menschlich. Ich konnte zudem meine Englischkenntnisse verbessern und habe die Arbeit in diesem grossartigen Team sehr geschƤtzt. Darüber hinaus bot sich mir die Mƶglichkeit, mehrere Forschungsprojekte zu entwickeln und umzusetzen, die andernorts kaum realisierbar gewesen wƤren. Für akademisch orientierte Radio-Onkologinnen und Radio-Onkologen ist dieses Fellowship definitiv zu empfehlen.

Dr. med. Reinhardt Krcek

Post-Doc im Center for Cellular Immunotherapies an der University of Pennsylvania


Bis heute ist mir die Onkologievorlesung im Studium, in der ich zum ersten Mal lernte, wie Tyrosinkinaseinhibitoren die Behandlung der CML revolutionierten, im Gedächtnis. Den Mechanismus einer Krankheit zu verstehen und darauf aufbauend eine zielgerichtete Therapie zu entwickeln, fasziniert mich bis heute. Die enge Verzahnung von Forschung und Klinik in der Hämatologie war ein wichtiger Faktor für meine Entscheidung, meine experimentelle medizinische Doktorarbeit aber auch meine Facharztausbildung in der Hämatologie zu absolvieren.

Nach Abschluss meiner Facharztausbildung am Universitätsspital Basel entschied ich mich, Vollzeit in der experimentellen Forschung zu arbeiten, um meine Kenntnisse im Labor zu vertiefen und langfristig an der Schnittstelle zwischen Klinik und Forschung tätig sein zu können. Im Rahmen des Innovationsschwerpunktes für zelluläre Therapien nutzte ich die Chance, im Labor von Prof. Lukas Jeker am Departement für Biomedizin in Basel als Post-Doc zu arbeiten. Gemeinsam diskutierten wir in dieser Zeit auch Optionen für einen Forschungsaufenthalt im Ausland.

Durch mein Projekt im Bereich der Geneditierung von hƤmatopoietischen Stammzellen zur Verbesserung der allogenen Stammzelltransplantation konnte ich bereits erste Kenntnisse in meinem angestrebten Forschungsbereich nachweisen. Nach einem ersten persƶnlichen GesprƤch, vermittelt durch meinen Arbeitsgruppenleiter in Basel, im Rahmen des ASH 2023 und einem Besuch in Philadelphia im Anschluss entschied ich mich, meinen Auslandsaufenthalt im Labor von Prof. Saar Gill zu verbringen.

Die Vorbereitung auf einen solchen Aufenthalt sollte idealerweise mindestens ein Jahr im Voraus beginnen, um genug Zeit zu haben für die Beantragung des Visums, das Planen des Umzugs und das Schreiben von Grantanträgen. Ein Forschungsaufenthalt in den USA kann entweder über ein Stipendium, beispielsweise des Schweizerischen Nationalfonds (SNF), oder über eine direkte Anstellung in der Forschungsgruppe finanziert werden.

Am Center for Cellular Immunotherapies (CCI) arbeite ich seit Herbst 2024 an der Optimierung zellulärer Therapien bei AML. Das CCI unter der Leitung von Prof. Carl June zählt zu den international führenden Zentren der translationalen Immuntherapie und bietet ein Umfeld, das Grundlagenforschung und klinische Anwendung eng verknüpft. Die Möglichkeit, ein präklinisches Forschungsprojekt durchzuführen und gleichzeitig Einblicke in laufende klinische Studien zu erhalten, war für mich besonders reizvoll.

Der Forschungsalltag am CCI ist von grosser Eigenverantwortung geprägt. In einer Arbeitsgruppe mit über 25 Forschenden eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten zur Zusammenarbeit; gleichzeitig erfordert die Gestaltung des eigenen Projekts viel Selbstorganisation. Diese Freiheit bietet jedoch die Chance, eigene Ideen umzusetzen und wissenschaftliche Schwerpunkte aktiv weiterzuentwickeln.

Der Forschungsaufenthalt an der University of Pennsylvania ist für mich eine fachlich und persönlich bereichernde, aber auch herausfordernde Erfahrung. Er erlaubt mir, klinische und experimentelle Perspektiven zu verbinden und in einem internationalen Spitzenzentrum weiterzuentwickeln. Für Hämatolog/-innen mit Interesse an translationaler Forschung und akademischer Laufbahn kann ein solcher Aufenthalt eine hervorragende Möglichkeit sein, neue Impulse zu gewinnen und die eigene wissenschaftliche Kompetenz zu vertiefen.

Dr. med. Astrid Beerlage

Dr. med. TƤmer El Saadany

Kantonsspital Graubünden
Onkologie / HƤmatologie
Loestrasse 170
7000 Chur

Dr. med. Eveline Daetwyler

HOCH Health Ostschweiz
Rorschacher Strasse 95
9007 St.Gallen

Micro-RNA als Tumormarker beim Hodenkrebs: Ready for prime time?

Keimzelltumoren des Hodens sind die hƤufigsten malignen Tumoren junger MƤnner. Klassische Tumormarker wie AFP, β-HCG und LDH sind nur bei etwa 50 % der Patienten erhƶht. Zirkulierende MicroRNAs, insbesondere miR-371a-3p, haben sich in den letzten Jahren als vielversprechende neue Biomarker etabliert. Sie eignen sich für PrimƤrdiagnostik, Therapiemonitoring, Beurteilung postchemotherapeutischer Residualtumoren und die frühzeitige Rezidiverkennung. Erste prospektive Studien bestƤtigen einen klinischen Nutzen von miR-371a-3p. Die Integration in Leitlinien erfordert jedoch weitere Standardisierung und Validierung.

Testicular germ cell tumors are the most common malignancies in young men. Conventional tumor markers such as AFP, β-HCG, and LDH are elevated in only about 50% of patients. Circulating microRNAs, particularly miR-371a-3p, have recently emerged as promising new biomarkers. They show strong potential in primary diagnosis, therapy monitoring, evaluation of post-chemotherapy residual tumors, and early relapse detection. First prospective studies confirm the clinical utility of miR-371a-3p. Broader guideline integration, however, requires further standardization and validation.
Keywords: MicroRNA-371a-3p, Testicular germ cell tumor, Biomarker, RPLND, Active surveillance

Einleitung

Keimzelltumoren des Hodens sind die hƤufigsten malignen Tumoren junger MƤnner. Die bisherigen Standard-Tumormarker (α-Fetoprotein (AFP), humanes Choriongonadotropin (β-HCG), Laktatdehydrogenase (LDH)) sind bei Diagnosestellung nur bei etwa 50 % der Patienten erhƶht (1). Zirkulierende Mikro-RNAs, insbesondere miR-371a-3p, haben sich in den letzten Jahren als vielversprechende neue Biomarker etabliert, da sie mit Ausnahme von reinen Teratomen eine hohe SensitivitƤt und SpezifitƤt bei der Detektion makroskopischer Keimzelltumoren aufweisen (2).

Was sind microRNAs?

Die Entdeckung der embryonalen MicroRNAs des 371–373-Clusters stellt einen bedeutenden Fortschritt in der Entwicklung neuer Biomarker für Keimzelltumoren dar. Seit der ersten Beschreibung im Jahr 2006 konnte in zahlreichen klinischen Studien gezeigt werden, dass insbesondere miR-371a-3p derzeit der vielversprechendste Biomarker für Hodentumoren ist, sowohl in Gewebeproben als auch in Blutproben (3) (Abb. 1).

MicroRNAs sind kurze, nicht-kodierende RNA-Moleküle, welche die Genexpression auf epigenetischer Ebene regulieren, ohne die DNA-Sequenz zu verändern. Gerade bei Keimzelltumoren, die nur wenige genetische Veränderungen aufweisen und bei denen epigenetische Mechanismen in der Keimzellentwicklung und Embryogenese eine zentrale Rolle spielen, gewinnen epigenetische Biomarker zunehmend an Bedeutung (4).

Besonders attraktiv sind MicroRNAs als Tumormarker aufgrund ihrer hohen Stabilität im Blut, ihrer kurzen Halbwertszeit (31/2 bis 7 Stunden) und der Möglichkeit, sie mit weit verbreiteten, kostengünstigen und schnellen Methoden wie PCR-basierten Techniken nachzuweisen. Dies erlaubt eine zeitnahe Diagnostik und Verlaufskontrolle, ohne dass aufwendige oder teure Spezialanalysen erforderlich werden (5).

Potenzielle Einsatzgebiete

Die potenziellen Einsatzgebiete von zirkulierendem miR-371a-3p bei Keimzelltumoren sind vielfƤltig und umfassen sowohl diagnostische als auch therapeutische Entscheidungssituationen. In der PrimƤrdiagnostik kƶnnte der Marker einen entscheidenden Vorteil bringen. In Situationen, in denen sonographisch ein kleiner intratestikulƤrer Tumor entdeckt wird und die klassischen Tumormarker negativ sind, ist es oft unklar, ob es sich um eine maligne oder benigne VerƤnderung handelt. MiR-371a-3p kann hier mit einer hohen SensitivitƤt und SpezifitƤt von > 90 % zur Differenzierung beitragen und so die Indikationsstellung zur Orchiektomie prƤzisieren (6, 7).

Ein weiteres wichtiges Einsatzfeld ist das Therapiemonitoring. Während der systemischen Chemotherapie spiegeln die miR-371a-3p-Konzentrationen die Tumorlast oft genauer und schneller wider als klassische Marker. Rasche Veränderungen im Spiegel können ein Ansprechen oder ein Ausbleiben des Therapieerfolgs anzeigen und somit eine frühzeitige Anpassung der Behandlung ermöglichen (6).

Auch bei der Beurteilung postchemotherapeutischer Residualtumoren bietet miR-371a-3p relevante Informationen. Nach abgeschlossener Chemotherapie bleibt häufig ein Resttumor im Retroperitoneum oder in anderen Lokalisationen zurück. Die Differenzierung zwischen vitalem Tumor, Teratom und Nekrose ist für das weitere Vorgehen entscheidend. Da miR-371a-3p vor allem vitale Keimzelltumorkomponenten anzeigt, könnte der Marker helfen, unnötige Resektionen zu vermeiden oder Operationen gezielter zu planen (8). Der Nachweis von Teratomen bleibt jedoch eine Limitation, da dieser Subtyp miR-371a-3p-negativ ist.

In der Nachsorgephase schliesslich eröffnet miR-371a-3p die Möglichkeit, Rezidive früher als mit herkömmlichen Verfahren zu erkennen. Aktuelle Daten deuten darauf hin, dass der Marker oft Wochen bis Monate vor bildgebenden Befunden oder klinischen Symptomen ansteigt (9). Dies könnte zu einer deutlichen Reduktion der Strahlenbelastung durch CT-Untersuchungen führen, da Intervalle der Bildgebung verlängert oder Untersuchungen gezielter eingesetzt werden können. Gleichzeitig besteht das Potenzial, die psychologische Belastung der Patienten zu reduzieren, indem unnötige diagnostische Massnahmen vermieden werden.

Wo stehen wir in der Schweiz?

In der Schweiz wird der Einsatz von microRNA-371 während der Nachsorge im Rahmen einer prospektiven, multizentrischen Studie (NCT02229916 (microRNA-TARGET)) untersucht. Beteiligt sind aktuell 11 Schweizer Zentren, die gemeinsam Patienten mit lokalisiertem Hodenkrebs im Stadium I nach Orchiektomie unter aktiver Überwachung rekrutieren. Neben den etablierten Tumormarkern AFP, β-HCG und LDH wird bei jedem Nachsorgetermin ein CE-zertifizierter qRT-PCR-Test auf microRNA-371 durchgeführt. Bei zwei konsekutiv erhöhten und steigenden Werten erfolgt eine gezielte bildgebende Abklärung. Erste Zwischenergebnisse bestätigen eine frühere Rezidiverkennung und eine höhere Sensitivität, Spezifität sowie positiven und negativen Vorhersagewert gegenüber den klassischen Markern. Anfang 2026 ist die Publikation der ersten Studienergebnisse geplant. Zudem kann microRNA-371 auch für die anderen oben genannten Einsatzgebiete verwendet werden. Ausserhalb von Studien müssen die Kosten aktuell jedoch vom Patienten getragen werden, da die Krankenkassen diesen Test bisher noch nicht übernehmen.

Was verspricht die Zukunft

Die Entwicklung und klinische Validierung von miR-371a-3p stehen aktuell an einem entscheidenden Punkt. Mehrere grosse, prospektive Multicenter-Studien (NCT02229916, NCT04435756, NCT04914026) untersuchen derzeit die optimale Einbindung des Markers in bestehende diagnostische und therapeutische AblƤufe. Ziel ist es, robuste Daten zu generieren, die den Weg in die internationalen Leitlinien ebnen und eine flƤchendeckende Implementierung ermƶglichen. Eine zentrale Herausforderung bleibt die Standardisierung der Testmethoden. Unterschiedliche PrƤanalytik- und Analyseschritte kƶnnen die Vergleichbarkeit der Ergebnisse einschrƤnken, weshalb harmonisierte Protokolle unabdingbar sind.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Definition klinisch relevanter Cut-offs und Testintervalle. Um den Marker zuverlƤssig einsetzen zu kƶnnen, muss klar definiert sein, bei welchen Werten Handlungsbedarf besteht und in welchem zeitlichen Abstand Messungen sinnvoll sind. Dies betrifft nicht nur die Nachsorge, sondern auch die PrimƤrdiagnostik und das Therapiemonitoring.

Langfristig könnte miR-371a-3p zu einem Schlüsselelement einer stärker personalisierten Medizin werden. Denkbar ist beispielsweise eine risikoadaptierte Nachsorge, bei der Patienten mit persistierend negativen miR-371a-3p-Werten seltener bildgebend untersucht werden, während bei positiven Befunden eine intensivere Diagnostik und Therapieeinleitung erfolgen. Im Falle der Chemotherapie nach Orchiektomie wäre ebenfalls ein personalisierter Ansatz möglich, bei welchem die Anzahl der Chemotherapie-Zyklen bei gutem Ansprechen mit raschem Abfall der miR-371a-3p-Werte reduziert werden könnte.

Nach abgeschlossener Chemotherapie kƶnnte miR-371a-3p ebenfalls helfen, optimale Kandidaten für eine retroperitoneale Lymphadenektomie (RPLND) zu definieren. Da miR-371a-3p vor allem vitale Keimzelltumorkomponenten anzeigt und das Rezidivrisiko bei vitalem Tumor (> 10%) signifikant erhƶht ist, kƶnnten Patienten mit positivem miR-371a-3p gezielt für eine radikale RPLND mit bilateralem Full-Template ohne Nerven- und LumbalgefƤssschonung selektioniert werden, um die hƤufigen Rezidive zu minimieren. miR-371a-3p-negativen Patienten kƶnnte hingegen eine nervenschonende Resektion mit oder ohne unilaterale Resektion angeboten werden (10).

Auch die primƤre RPLND etabliert sich zunehmend als Alternative bei Keimzelltumoren im Stadium II. Ein wesentlicher Vorteil liegt im Verzicht auf die potenziellen Langzeitnebenwirkungen einer Chemotherapie oder Strahlentherapie. Mit Hilfe von miR-371a-3p erƶffnet sich zudem die Mƶglichkeit, selbst kleinvolumige retroperitoneale Tumormanifestationen zuverlƤssig zu identifizieren, was die Indikationsstellung stützt, um die pN0-Rate und somit eine Übertherapie zu minimieren (11, 12).

Dadurch liessen sich nicht nur Chemotherapien, Strahlenexposition und Kosten reduzieren, sondern auch die Patientenselektion für chirurgische Eingriffe präziser gestalten.

Insgesamt verspricht die Zukunft der microRNA-basierten Diagnostik beim Hodenkrebs eine deutliche Verbesserung der Patientenversorgung. Die Schweiz nimmt hierbei durch die eigene microRNA-TARGET-Studie eine zentrale Rolle ein. Wenn es gelingt, die verbleibenden methodischen und klinischen Fragen zu beantworten, kƶnnte miR-371a-3p in naher Zukunft vom Forschungsinstrument zu einem festen Bestandteil der Routineversorgung werden und damit die Diagnostik und Nachsorge von Keimzelltumoren nachhaltig verƤndern.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Ernest Kaufmann

Klinik für Urologie
Luzerner Kantonsspital
Spitalstrasse
6000 Luzern 16

Prof. Dr. med. Richard Cathomas

Klinik für Onkologie/Hämatologie
Kantonsspital Graubünden
Loƫstrasse 170
7000 Chur

richard.cathomas@ksgr.ch

Prof. Dr. med. Christian Fankhauser

Kantonsspital Luzern
Klinik für Urologie
Spitalstrasse
6000 Luzern

Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

1. Fischer S, Rothermundt C, Stalder O, Terbuch A, Hermanns T, Zihler D, et al. (2023) The Value of Tumour Markers in the Detection of Relapse-Lessons Learned from the Swiss Austrian German Testicular Cancer Cohort Study. Eur Urol Open Sci; 50:57-60.
2. Piao J, Lafin JT, Scarpini CG, NuƱo MM, Syring I, Dieckmann KP, et al. (2021) A Multi-institutional Pooled Analysis Demonstrates That Circulating miR-371a-3p Alone is Sufficient for Testicular Malignant Germ Cell Tumor Diagnosis. Clinical genitourinary cancer; 19:469-79.
3. Leão R, Albersen M, Looijenga LHJ, Tandstad T, Kollmannsberger C, Murray MJ, et al. (2021) Circulating MicroRNAs, the Next-Generation Serum Biomarkers in Testicular Germ Cell Tumours: A Systematic Review. European urology; 80:456-66.
4. Costa AL, Lobo J, Jerónimo C, Henrique R (2017) The epigenetics of testicular germ cell tumors: looking for novel disease biomarkers. Epigenomics; 9:155-69.
5. Almstrup K, Lobo J, MĆørup N, Belge G, Rajpert-De Meyts E, Looijenga LHJ, et al. (2020) Application of miRNAs in the diagnosis and monitoring of testicular germ cell tumours. Nat Rev Urol; 17:201-13.
6. Dieckmann KP, Radtke A, Geczi L, Matthies C, Anheuser P, Eckardt U, et al. (2019) Serum Levels of MicroRNA-371a-3p (M371 Test) as a New Biomarker of Testicular Germ Cell Tumors: Results of a Prospective Multicentric Study. Journal of clinical oncology : official journal of the American Society of Clinical Oncology; 37:1412-23.
7. Nazzani S, Busico A, Bernasconi V, Bruniera M, Gianninò M, Rusconi D, et al. (2025) Clinical evaluation of the role of miRNA 371 in small testicular masses. Results of the ā€žS1STeM 371ā€œ Trial. European journal of cancer (Oxford, England : 1990); 223:115494.
8. Leão R, van Agthoven T, Figueiredo A, Jewett MAS, Fadaak K, Sweet J, et al. (2018) Serum miRNA Predicts Viable Disease after Chemotherapy in Patients with Testicular Nonseminoma Germ Cell Tumor. The Journal of urology; 200:126-35.
9. Fankhauser CD, Christiansen AJ, Rothermundt C, Cathomas R, Wettstein MS, Grossmann NC, et al. (2021) Detection of recurrences using serum miR-371a-3p during active surveillance in men with stage I testicular germ cell tumours. British journal of cancer;
10. Antonelli L, Ardizzone D, Tachibana I, Adra N, Cary C, Hugar L, et al. (2023) Risk Factors for Relapse in Nonseminomatous Testicular Cancer After Postchemotherapy Retroperitoneal Lymph Node Dissection With Viable Residual Cancer. Journal of clinical oncology : official journal of the American Society of Clinical Oncology; 41:5296-305.
11. Antonelli L, Heidenreich A, Bagrodia A, Amini A, Baky F, Branger N, et al. (2025) Primary retroperitoneal lymph node dissection in clinical stage 2a/b non-seminomatous germ cell tumour. BJU international; 135:621-8.
12. Sigg S, Rothermundt C, Fankhauser CD (2025) Surgical management of testicular cancer with limited retroperitoneal disease. Current opinion in urology; 35:178-88.

Orale Tumortherapie: Patientensicherheit, AdhƤrenz und QualitƤtssicherung

Orale Tumortherapien sind nicht neu. Bereits Ende der 1940er- und Anfang der 1950er- Jahre kamen Antifolate, Thiopurine, sowie alkylierende Substanzen in oraler Form zum Einsatz und Tamoxifen seit den 1960er-Jahren (1). Jedoch steigt weltweit die Zahl der zugelassenen oralen Tumortherapien erheblich. In der Schweiz sind derzeit weit über 100 solcher Medikamente, einschliesslich Generika, zugelassen. Diese Entwicklung hat zu einem Wandel der Behandlungsparadigmen geführt: von der meist parenteralen Verabreichung der Medikamente in Spitälern und Ambulatorien hin zur Selbstverabreichung der Tumortherapien durch die Patientinnen und Patienten zu Hause oder im Pflegezentrum. Die Wirksamkeit, Sicherheit und Adhärenz oraler Tumortherapien hängen wesentlich davon ab, wie gut Patienten ihre Therapie verstehen und wie gut sie z. B. mit unerwünschten Wirkungen umgehen können, sowie von ihrer Fähigkeit, die Therapie selbst zu verabreichen.

Oral tumor therapies are not new. Antifolates, thiopurines, and alkylating agents in oral form were already in use in the late 1940s and early 1950s, and tamoxifen has been in use since the 1960s (1). However, the number of approved oral tumor therapies is increasing significantly worldwide. In Switzerland, well over 100 such drugs, including generics, are currently approved. This development has led to a shift in the treatment paradigm, from the mostly parenteral administration of drugs in hospitals and outpatient clinics to self-administration of tumor therapies by patients at home or in care centers. The efficacy, safety and adherence of oral tumor therapy can be significantly influenced by patients’ understanding of the therapy, how well they can manage e.g. side effects, and their ability to administer it themselves.
Keywords: orale Tumortherapie, AdhƤrenz, Sicherheit, Selfmanagement, Verein Orale Tumortherapie

Einleitung

Peroral eingenommene Medikamente mit zytotoxischen, antihormonellen, immunmodulierenden und zielgerichteten Wirkmechanismen sind heute wichtige Bestandteile in der Therapie diverser Tumorkrankheiten.

Seit Jahren wird mangelnde AdhƤrenz von Patientinnen und Patienten in wissenschaftlichen Arbeiten als wesentliches Sicherheitsproblem bei oralen Tumortherapeutika erkannt.

Für eine optimale Adhärenz zum Behandlungsplan benötigen die Patientinnen und Patienten ausreichend Informationen zu den Präparaten u.a. bezüglich Galenik, Einnahmemodus sowie erwünschten und unerwünschten Wirkungen. Oftmals sind auch Angehörige und ambulante Pflegefachpersonen in die Betreuung involviert. Sie benötigen ebenfalls sehr gute, verständliche Informationen und Kenntnisse rund um die Anwendung der oralen Tumortherapeutika (2).

Folgendes ist bekannt

Faktoren, welche die Therapie-AdhƤrenz beeinflussen kƶnnen:
• Falsche Vorstellungen der Patientinnen und Patienten über die orale Tumortherapie.
• Motivation der Patientin/des Patienten zur Durchführung der Therapie.
• Ƅngste und Befürchtungen im Zusammenhang mit der Behandlung.
• Komplexe Dosierungsschemata, insbesondere in Bezug auf den Zeitpunkt der Dosis und zur Nahrungsaufnahme.
• Ā«PolypharmazieĀ» und KomorbiditƤten (mƶgliche InkompatibilitƤten).
• Auftreten von unerwünschten Wirkungen.
• Sozioƶkonomische Faktoren inkl. einer zunehmenden Ƥlteren Bevƶlkerung.
• Gesundheitskompetenz (z.B. Schwierigkeiten beim Lesen und Verstehen von Packungsbeilagen).
• Erhƶhte Eigenverantwortung bei hƤuslicher Pflege oder in
Pflegeeinrichtungen.
• Hohe Preise der Medikamente (z.B. weggeworfene Medikamente, keine Kostenübernahme durch die Krankenversicherung).

Mƶgliche Folgen einer unzureichenden AdhƤrenz

• Geringere Wirksamkeit der Therapie.
• Verkürzte Überlebenszeit; Fortschreiten der Krankheit.
• VerstƤrkte und/oder zunehmende unerwünschte Wirkungen und ToxizitƤten.
• HƤufigere Besuche in der Notaufnahme und Spitaleinweisungen.
• BeeintrƤchtigte Kommunikation mit dem Behandlungsteam
• Reduzierte LebensqualitƤt.

PROJEKT: Verein Orale Tumortherapie

Zielsetzung des Vereins Orale Tumortherapie

Bereits 2010 wurde die Projektgruppe «Adhärenz und Sicherheit bei Oraler Tumortherapie» lanciert. Im Jahr 2022 wurde ein unabhängiger, multidisziplinärer Verein gegründet, für den die Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (SGMO) und die Onkologiepflege Schweiz (OPS) das Patronat übernommen haben.

Die Hauptziele des Vereins sind:
• Fƶrderung und Verbesserung der AdhƤrenz bei der Einnahme oraler Tumormedikamente.
• Fƶrderung gemeinsamer Entscheidungsfindung.
• Erhƶhung der Sicherheit und VertrƤglichkeit bei der Einnahme von oralen Tumormedikamenten (Management der unerwünschten Wirkungen).
• Verbesserung der individuellen Information und Beratung der Patientinnen und Patienten.
• Entwicklung der SelbstmanagementfƤhigkeiten der Patientinnen und Patienten.

Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Erstellung von Patienten-Informationsblättern. Angesichts der oft begrenzten Zeit, die Behandlungsteams für Gespräche mit den Patientinnen und Patienten zur Verfügung steht, sind leicht/klar verständliche Informationen zu den verordneten Medikamenten ein wichtiges Instrument/Hilfsmittel, um das Verständnis zu fördern.

Es ist bekannt, dass viele Patientinnen und Patienten und deren Betreuende die Beipackzettel nicht oder nur unzureichend lesen. Die häufigsten Schwierigkeiten liegen im Nichtverstehen des medizinischen Fachjargons, der Liste möglicher unerwünschter Wirkungen sowie der kleinen Schriftgrösse der Packungsbeilagen.

Durch die Merkblätter können die Patientinnen und Patienten orale Tumortherapeutika gemäss Verordnung korrekt und sicher einnehmen und unterscheiden, welche unerwünschte Wirkungen sie selbst korrekt behandeln können und welche der Aufmerksamkeit des Behandlungsteams bedürfen.

Polypharmazie ist ein bekanntes Problem. Durch das Beifügen eines Fotos des Medikaments und der Packung kann der Patient die Tumortherapie erkennen und von seinen anderen Medikamenten unterscheiden. Die Merkblätter dienen als Ergänzung und nicht als Ersatz für die Patienteninformationen in den Packungsbeilagen.

Medikamenten-MerkblƤtter

Über 100 Merkblätter mit Informationen zu den in der Schweiz verfügbaren oralen Tumortherapeutika sind auf der Website (www.oraletumortherapie.ch; www.anticancereuxoraux.ch; www.terapieoraliinoncologia.ch) in deutscher, französischer und italienischer Sprache kostenlos verfügbar.
Die gedruckte Information besteht aus einer zweiseitigen A4-Seite mit einem Bild des verschriebenen Medikaments.
Diese MerkblƤtter zum Ausdrucken kƶnnen im persƶnlichen BeratungsgesprƤch bei der Medikamentenabgabe, ob in der Klinik, Praxis oder Apotheke, an die Patientinnen oder den Patienten und betreuende Personen ausgehƤndigt werden, um die AdhƤrenz und Sicherheit bei der Einnahme der entsprechenden oralen Tumortherapie gezielt zu fƶrdern. (Beispiel eines Merkblatts, siehe Abb. 1).

GegenwƤrtiges Projekt – Durchführung einer Nutzerumfrage

Zu Beginn des Projekts im Jahr 2012 wurde eine Patientenbefragung durchgeführt, um die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten, die die Merkblätter nutzen, besser zu verstehen.

Um den Stellenwert der Merkblätter nach Ansicht der Patientinnen und Patienten nochmals zu untersuchen, wird dieses Jahr eine zweite Qualitätssicherungsstudie in Zusammenarbeit mit Prof. David Schwappach, Universität Bern, Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) durchgeführt. Patientinnen und Patienten mit einer oralen Tumortherapie werden befragt. Diese Umfrage soll helfen, die Medikamenten-Merkblätter inhaltlich, sprachlich und visuell zu optimieren.

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Dr. med. Mark Haefner

Verein Orale Tumortherapie
Speerstrasse 22
8038 Zürich

info@oraletumortherapie.ch

Anita Margulies, BSN

Fachexpertin Onkologiepflege
Verein Orale Tumortherapie
Speerstrasse 22
8038 Zürich

Die Autorenschaft hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

  • Um eine optimale AdhƤrenz und Sicherheit der Therapien zu gewƤhrleisten, ist es entscheidend, dass die Patientinnen und Patienten die Informationen über die Tumortherapie verstehen.
  • Ein erstes InformationsgesprƤch mit dem Onkologen/der Onkologin sowie der Pflegefachperson oder der Apothekerin/dem Apotheker unterstützt das VerstƤndnis der Inhalte des Medikamenten-Merkblattes.
  • Die MerkblƤtter sind in leicht verstƤndlicher Sprache verfasst und enthalten die wichtigsten Informationen für das Selbstmanagement.
  • Bei allfƤlliger Polypharmazie lƤsst sich das orale Tumortherapeutikum leicht anhand des Bildes auf dem Merkblatt identifizieren.
  • Für medizinisches Fachpersonal sind die MerkblƤtter kostenlos und unkompliziert abrufbar.
  • Um den Stellenwert der MerkblƤtter aus Sicht der Patientinnen und Patienten zu überprüfen, wird derzeit eine Nutzerumfrage durchgeführt.

1. DeVita VT et al. A History of Cancer Chemotherapy. Cancer Res 2008; 68: (21). November 1, 2008.
2. StƤuble C et al. Apothekerinnen und Apotheker kƶnnen die AdhƤrenz und Sicherheit gezielt fƶrdern. pharmaJournal 12.2024; 12-13.

Zum weiterlesen (Auswahl – 2022-2025)
– Di Nitto, M et al. Self-care behaviors in patients with cancer treated with oral anticancer agents: a systematic review. Supportive Care in Cancer 2022; Vol. 30, , 8465–8483
– Waseem H et al. Interventions to Support Adherence to Oral Anticancer Medications: Systematic Review and Meta-Analysis. Onocology Nursing Forum 2022; July Vol. 49, NO. 4
– McGrady M et al. Barriers to medication adherence among adolescents and young adults with cancer. Pediatr Blood Cancer 2023 March; 70(3): e30186.
– Masiero M et al. Adherence to oral anticancer treatments: network and sentiment analysis exploring perceived internal and external determinants in patients with metastatic breast cancer. Supportive Care in Cancer 2024; 32:458.
– Hester A et al. What are the needs in oral antitumor therapy? An analysis of patients’ and practitioners’ preferences. Front. Oncol. 2024; 14:1388087.
– Cuba L et al. Implications for medication safety and adherence in dermato-oncology: The AMBORA care program for oral antitumor therapeutics. J Dtsch Dermatol Ges 2025; Jul 17. doi: 10.1111/ddg.15809.
– Chen Y et al. ā€žThese Drugs Are Going to Save Our Livesā€œ A Mixed Methods Study on the Role of Medication Perceptions in Adherence to Oral Anticancer Agents Among Patients With Gastrointestinal Tract Cancer. Psychooncology 2025; Jul;34(7):e70213.
– Angus F et al. The effect of healthcare professional‑implemented interventionson adherence to oral targeted therapy in patients with cancer: a systematic review and meta‑analysis. Supportive Care in Cancer 2025; 33:110.