AusgewƤhlte Studien aus der HƤmato-Onkologie

Langzeitergebnisse der ASAP-Studie: Nicht der Remissionsstatus, sondern das Krankheitsrisiko bestimmt die Transplantationsergebnisse bei AML

Bislang galt, dass eine allogene Stammzelltransplantation bei Patienten mit akuter myeloischer LeukƤmie (AML) kurativ sein kann – aber nur, wenn die AML zuvor in Remission gebracht werden konnte. Oft werden Patienten abgelehnt, wenn diese Remission nicht erreicht werden kann. In der vorliegenden Studie wurden Patienten mit AML, bei denen keine Remission erreicht werden konnte oder die ein Rezidiv hatten, randomisiert zwischen RIST (Remissions induzierendes Salvage-Treatment) und einer sofortigen allogenen Stammzelltransplantation mit sequenzieller Konditionierung, d. h. einer aplasierenden Chemotherapie, gefolgt von einer Stammzelltransplantation. Insgesamt wurden 281 Patienten multizentrisch eingeschlossen. Das 5-Jahres-Überleben betrug 46,1 % (Soforttherapie) vs. 47,5 % (RIST) in beiden Gruppen. In dieser Langzeitanalyse wurde gezeigt, dass die genetische ELN-Risikogruppe (European Leukemia Net) und in geringerem Umfang KomorbiditƤten, jedoch nicht die Studienarmallokation, mit dem Langzeitüberleben assoziiert waren.

Quelle
Matthias Stelljes, et al. on behalf of the Study Alliance Leukemia and the German Cooperative Transplant Study Group
BLOOD 2025; 146(19):2293-2305

Allogene CD19-CAR-T-Zellen bei Erwachsenen mit B-ALL: Wirksamkeit, ToxizitƤt und Stellenwert der Lymphodepletionschemotherapie

Bei der akuten lymphoblastischen LeukƤmie vom B-Zell-Typ haben sich CD19-gerichtete CAR-T-Zelltherapien etabliert. Dabei handelt es sich um autologe Produkte, die aus den T-Lymphozyten des Patienten gewonnen werden. Ihre Wirksamkeit ist gut, aber nicht hervorragend. In dieser Studie wurden allogene CD19-CAR-T-Zellen untersucht. Diese wurden bei Patienten mit Rückfall nach allogener Stammzelltransplantation im Sinne einer Spenderlymphozytentransfusion angewendet, jedoch mit dem zusƤtzlichen, transfizierten CD19-chimƤren Antigenrezeptor. Es wurden zwei Fragen untersucht: die Wertigkeit einer prƤinfusionellen lymphodepletierenden Therapie und die wiederholte Gabe der CAR-T-Zellen. 14 Patienten (im Durchschnitt 43 Jahre alt) wurden behandelt. Die Blastenlast betrug 50,5 %. Die ersten sieben Patienten erhielten CAR-T-Zellen allein, die Patienten 8–14 erhielten vor der CAR-T-Verabreichung eine lymphodepletierende Therapie mit Fludarabin und Cyclophosphamid. Das Ansprechen und die Expansion der CAR-T-Zellen waren wesentlich hƶher (ca. 20-fach) nach der lymphodepletierenden Therapie und die CAR-T-Persistenz war lƤnger (197 vs. 32 Tage). Die Patienten nach der lymphodepletierenden Therapie hatten ein besseres PFS und OS (57 % vs. 29 %; 83 % vs. 29 %). Eine Wiederholung der CAR-T-Therapie war nicht wirksam.

Quelle
Claire Roddie, et al. Blood. 2025 Oct 2;146(14):1664-1676

Ibrutinib in der Erstlinie der CLL/SLL: Ergebnisse nach bis zu zehn Jahren Follow-up aus RESONATE-2

Die RESONATE-2-Studie verglich bei Patienten mit chronisch lymphatischer LeukƤmie (CLL) den BTK-Inhibitor der ersten Generation Ibrutinib mit Chlorambucil. Über diese Studie wurde erstmals 2017 berichtet. Die finale Analyse dieser Daten zeigt einen anhaltenden PFS- und Überlebensvorteil von Ibrutinib. Von besonderem Interesse an dieser Langzeitstudie sind die LangzeitvertrƤglichkeit, die durch Dosisreduktion (25 % der Patienten) verbessert werden konnte, sowie die Langzeitwirksamkeit. Ursprünglich wurden Patienten, die Ƥlter als 65 Jahre waren und an bisher unbehandelter CLL litten, in die Studie eingeschlossen. Das progressionsfreie Überleben (PFS) betrug 8,9 Jahre im Ibrutinib-Arm vs. 1,3 Jahre im Chlorambucil-Arm. Das 9-Jahres-Überleben (OS) betrug 68 %. Die hƤufigsten Nebenwirkungen waren Diarrhƶ, Husten, Nausea, Arthralgien, Ɩdeme und Hypertonie. Zum Studienende nahmen 27 % der Patienten immer noch Ibrutinib ein. Diese Daten stellen Ibrutinib ein gutes Langzeitzeugnis aus. Neue BTK-Inhibitoren, nichtkovalente BTK-Inhibitoren und die noch neuere Generation der BTK-degradierenden Substanzen werden sich daran messen lassen müssen.

Quelle
JA Burger et al. BLOOD 2025; 146 (18): 2169-76

Ropeginterferon alfa-2b als wirksame Zweitlinie bei HydroxyurearefraktƤrer Essentieller ThrombozythƤmie (ET): Ergebnisse der SURPASS-ET-Studie

Zu den myeloproliferativen Neoplasien gehören die essenzielle Thrombozythämie (ET), die Polyzythämie vera (PV) und die primäre Myelofibrose (PMF). Pegyliertes Interferon ist bereits für die Behandlung der PV zugelassen. In der SURPASS-ET-Studie wurde Ropeginterferon alfa-2b bei Patientinnen und Patienten mit behandlungsbedürftiger, hochrisikobewerteter ET untersucht, die auf Hydroxyurea nicht angesprochen hatten oder diese nicht vertrugen. Eingeschlossen wurden ET-Patienten mit begleitender Leukozytose nach Versagen oder Intoleranz gegenüber Hydroxyurea. In der randomisierten, offenen Phase-III-Studie erhielten sie entweder Ropeginterferon alfa-2b (subkutan alle zwei Wochen) oder Anagrelid (oral). Primäres Ziel war das Erreichen einer ELN-Response nach 9 und 12 Monaten Therapie.

Von 245 gescreenten Patienten wurden 174 in die Studie aufgenommen. Die Ansprechrate, definiert nach ELN-Kriterien, betrug 43 % im Ropeginterferon-alfa-2b-Arm gegenüber 6 % im Anagrelid-Arm. Nebenwirkungen ≄ Grad III traten bei 34 % der mit Anagrelid und bei 23 % der mit Interferon behandelten Personen auf. Die hƤufigsten unerwünschten Ereignisse waren Infektionen. Ropeginterferon alfa-2b erwies sich damit in dieser Studie als wirksame und besser vertrƤgliche Zweitlinientherapie im Vergleich zu Anagrelid.

Quelle
Lancet Hematology 12(11): e862-e875 November 2025
Ruben Mesa et al the SURPASS-ET Study Group

Sequenzielle Therapie beim Multiplen Myelom: Talquetamab als Brückentherapie vor BCMA-CAR-T-Zellen

Für Patienten mit fortgeschrittenem Plasmazellmyelom stehen verschiedene Therapien zur Verfügung. Von einer BCMA-gerichteten CAR-T-Therapie verspricht man sich besonders langfristige Remissionen. Nach dem Versagen verschiedener Therapielinien können bispezifische Antikörper als Brücke zur CAR-T-Therapie dienen. Von Interesse sind zwei bispezifische Antikörper: Teclistamab adressiert ebenfalls BCMA und Talquetamab GPRC5D. Hier stellt sich die Frage, ob für die Überbrückung eine gleiche oder eine unterschiedliche Zielstruktur verwendet werden soll, bevor anschliessend eine CAR-T-Therapie erfolgt. Dies ist eine Beobachtungsstudie, die Daten von 20 Zentren ausgewertet hat. Von den 134 mit Talquetamab behandelten Patienten erhielten 119 anschliessend eine BCMA-CAR-T-Behandlung. 15 Patienten erhielten keine CAR-T-Therapie aufgrund von Progression, Herstellungsversagen oder Patientenentscheid. Die Patienten waren im Median 65 Jahre alt und hatten fünf Behandlungslinien hinter sich. Die CRS- und ICANS-Nebenwirkungen nach CAR-T waren meist mild. Unter Talquetamab erreichten 71 % der Patienten ein Ansprechen, nach CAR-T waren es 88 %. Die Autoren schliessen daraus, dass Talquetamab eine wirksame Überbrückungstherapie vor CAR-T ist.

Quelle
Binod Dhakal et al, Blood. 2025 Oct 23;146(17):2063-2072

Prof. Dr. med. Jakob R. Passweg

Klinik für Hämatologie
HƤmatologische Diagnostik Labormedizin
UniversitƤtsspital Basel und Blutspendezentrum beider Basel SRK
Petersgraben 4
4031 Basel

AusgewƤhlte Studien zu soliden Tumoren

Zweitkrebserkrankungen bei Frauen mit invasivem Brustkrebs im Frühstadium

Das Ziel dieser kürzlich publizierten Studie war es, die Langzeitrisiken für sekundäre Nicht-Brust-Primärtumoren und kontralaterale Brustkrebserkrankungen bei Frauen mit invasivem Brustkrebs im Frühstadium nach einer Primäroperation zu beschreiben.
Es handelte sich um eine bevƶlkerungsbasierte Beobachtungskohorten-Studie mit routinemƤssig erhobenen Daten des National Cancer Registration and Analysis Service for England.

Die 476 373 Teilnehmerinnen waren Frauen, bei denen zwischen Januar 1993 und Dezember 2016 in England Brustkrebs als erster invasiver (Index-)Krebs diagnostiziert wurde. Sie wurden bis Oktober 2021 nachbeobachtet.

Ergebnisse

Obwohl 64 747 Frauen einen zweiten PrimƤrtumor entwickelten, war das absolute zusƤtzliche Risiko im Vergleich zur Ā­Allgemeinbevƶlkerung gering. Nach 20 Jahren hatten 13.6 % (95 %-Konfidenzintervall: 13.5 % bis 13.7 %) der Frauen einen Nicht-Brustkrebs entwickelt. Das sind 2.1 % (2.0 % bis 2.3 %) mehr als in der Allgemeinbevƶlkerung erwartet. Zudem hatten 5.6 % (5.5 % bis 5.6 %) einen kontralateralen Brustkrebs entwickelt, was 3.1 % (3.0 % bis 3.2 %) mehr als erwartet sind. Das absolute Mehrrisiko für kontralateralen Brustkrebs war bei jüngeren Frauen grƶsser als bei Ƥlteren. Unter den spezifischen Arten von Nicht-Brustkrebs waren die grƶssten absoluten Mehrrisiken nach 20 Jahren für GebƤrmutter- und Lungenkrebs zu verzeichnen. Obwohl die standardisierten Inzidenzraten von Krebserkrankungen der GebƤrmutter, der Weichteile, der Knochen und Gelenke sowie der Speicheldrüsen und von akuten LeukƤmien diejenigen der Allgemeinbevƶlkerung um mindestens den Faktor 1.5 überstiegen, lagen die absoluten Mehrrisiken nach 20 Jahren für jede einzelne Krebsart ausser Brustkrebs unter 1 %.
Bei der Einteilung der Patientinnen nach adjuvanter Behandlung wurde eine Strahlentherapie mit einem erhƶhten Risiko für kontralateralen Brust- und Lungenkrebs, eine endokrine Therapie mit einem erhƶhten Risiko für GebƤrmutterkrebs (aber einem verringerten Risiko für kontralateralen Brustkrebs) und eine Chemotherapie mit einem erhƶhten Risiko für akute LeukƤmie in Verbindung gebracht. Diese Ergebnisse stimmten mit den in randomisierten Studien berichteten Wirkungen überein, jedoch wurden auch positive ZusammenhƤnge für Weichteil-, Kopf-Hals-, Eierstock- und Magenkrebs festgestellt, die in Studien bisher nicht beobachtet worden waren. Dies deutete darauf hin, dass etwa 2 % aller 64.747 Zweittumoren und 7 % der 15.813 zusƤtzlichen Zweittumoren in der Kohorte auf adjuvante Therapien zurückzuführen sein kƶnnten.

Schlussfolgerungen

Das Risiko einer zweiten PrimƤrtumorerkrankung ist bei Frauen, die wegen eines invasiven Brustkrebses im Frühstadium behandelt wurden, etwas hƶher als bei Frauen in der Allgemeinbevƶlkerung. Kontralateraler Brustkrebs macht etwa 60 % des Gesamtanstiegs aus, wobei das Risiko bei jüngeren Frauen hƶher ist. Das mit adjuvanten Therapien verbundene Risiko ist gering.

Quelle: Second cancers in 475 000 women with early invasive breast cancer diagnosed in England during 1993-2016: population based observational cohort study BMJ 2025;390:e083975

Die Untersuchung auf mehrere Krebsarten mit einem einzigen Bluttest hat das Potenzial, bahnbrechende VerƤnderungen zu bewirken

In einer kürzlich publizierten Arbeit wurden die Vorteile, die Genauigkeit und die Nachteile von Vorsorgeuntersuchungen mit blutbasierten Multicancer-Detection-Tests (MCD-Tests) bei asymptomatischen Erwachsenen bewertet.

Die Datenquellen waren MEDLINE, die Cochrane Library, Studienregister und relevante Websites bis MƤrz 2025. AusgewƤhlt wurden kontrollierte Studien zu MCD-Tests (z. B. zellfreie DNA) bei asymptomatischen Populationen, die über Krebserkennung, MortalitƤt, LebensqualitƤt und Nachteile (psychosoziale Aspekte, unerwünschte Ereignisse, Rückgang der Standard-Vorsorgeuntersuchungen) berichten und unkontrollierte Studien zu den Nachteilen der diagnostischen Bewertung und Studien zur Testgenauigkeit.

Datenextraktion und -synthese

Ein Reviewer extrahierte die Daten, ein zweiter überprüfte sie auf Richtigkeit; zwei Reviewer bewerteten unabhängig voneinander das Risiko für Bias (ROB) und die Stärke der Evidenz.

Es gibt keine kontrollierten Studien, die den Nutzen von Vorsorgeuntersuchungen evaluieren. Zwanzig Studien (n = 109 177) berichteten über die Genauigkeit von 19 MCD-Tests. Sieben Studien (5 mit hoher ROB, 2 mit unklarer ROB) berichteten über die Genauigkeit der zukünftigen Krebserkennung bei asymptomatischen Personen, die 1 Jahr lang beobachtet wurden (PrƤdiagnostikleistung); die übrigen schƤtzten die Genauigkeit anhand von Fall-Kontroll-Studien mit hoher ROB bei klinisch bestƤtigten KrebsfƤllen und gesunden, krebsfreien Kontrollteilnehmern (Diagnostikleistung). Über alle Tests hinweg lag die SensitivitƤt zwischen 0.095 und 0.998, die SpezifitƤt zwischen 0.657 und 1.0 und die FlƤche unter der Kurve (AUC) zwischen 0.52 und 1.0. Die SensitivitƤt und die AUC waren in Studien zur diagnostischen Leistung hƶher als in Studien zur prƤdiagnostischen Leistung. Es waren keine weiteren Muster in der Genauigkeit erkennbar. Eine Kohortenstudie berichtete über SchƤden; diese Daten waren jedoch begrenzt.

EinschrƤnkungen

Nur englischsprachige Studien. Die HeterogenitƤt schloss eine quantitative Synthese der Genauigkeit aus; SchƤtzungen aus den Studien zur diagnostischen LeistungsfƤhigkeit sind mƶglicherweise nicht auf das Screening anwendbar.

Schlussfolgerung

Es liegen keine kontrollierten Studien vor, die über Vorteile des Screenings mit MCD-Tests berichten; die Evidenz wurde als unzureichend bewertet, um Schäden und Genauigkeit zu bewerten. Die Genauigkeit variiert je nach Test und Studiendesign.

Quelle: Kahwati LC et al Multicancer Detection Tests for Screening: A Systematic Review. Annals of Internal Medicinehttps://doi.org/10.7326/ANNALS-25-0187

Prof. Dr. med. Beat Thürlimann

SwissBreastCare
Bethanienspital
Toblerstrasse 51
8044 Zürich

SWISS BRIDGE AWARD 2025

Seit einem Vierteljahrhundert setzt die Swiss Bridge Foundation mit dem SWISS BRIDGE AWARD ein starkes Zeichen für die europƤische Krebsforschung. In der diesjƤhrigen Ausschreibung zur PrƤzisionsmedizin wurden zwei Projekte ausgezeichnet, die neue therapeutische Angriffspunkte erschliessen wollen – und dafür insgesamt 500 000 Franken Fƶrdergeld erhalten.

v.l.n.r.: Philip Lübke, Dr. Inmaculada Martinez Reyes, Prof. Jakob Passweg, Prof. Andreas Moor und Prof. Adrian Ochsenbein

Seit 25 Jahren eine der bedeutendsten Auszeichnungen in der Krebsforschung

Wie Philipp Lübcke, der CEO der SWISS BRIDGE FOUNDATION, in seiner Begrüssung betonte, wird der mit insgesamt 500 000 CHF dotierte SWISS BRIDGE AWARD seit 25 Jahren von der Stiftung Swiss Bridge an herausragende Forscher verliehen. Damit ist der SWISS BRIDGE AWARD eine der bedeutendsten Auszeichnungen in der europƤischen Krebsforschung.


Das Thema des diesjƤhrigen Forschungspreises lautete: Ā«Neue Angriffspunkte in der PrƤzisionsmedizinĀ». Den Preis erhielten Frau Dr. Inmaculada Martinez Reyes vom Deutschen Krebsforschungszentrum und der CharitĆ©-UniversitƤtsmedizin Berlin sowie Prof. Dr. Andreas Moor von der Eidgenƶssischen Technischen Hochschule Zürich. Sie erhalten jeweils 250 000 CHF für die Realisierung ihrer vielversprechenden Forschungsprojekte.

Bedeutende Fortschritte der Krebsforschung in den letzten beiden Jahrzehnten

Der Präsident der SWISS BRIDGE FOUNDATION, Prof. Jakob Passweg, wies in seiner Eröffnungsrede auf die Fortschritte in der Behandlung von Krebserkrankungen hin und erläuterte dies am Beispiel einer seiner Patientinnen mit einer akuten myeloischen Leukämie die noch vor zehn Jahren an ihrer Krankheit verstorben wäre. Sie hat eine Stammzelltransplantation erhalten und darauf einen Rückfall erlebt. Sie hat Ivosidenib darauf erhalten, ein gezieltes Antikrebs-Medikament, welches die mutierte Isocitrat Dehydrogenase-1 (IDH1) hemmt und bei Patienten, die diese Mutation aufweisen, eingesetzt werden kann. Nach anderthalb Jahren Therapie ist nichts mehr von der Leukämie feststellbar.

IDH1 wurde vor etwa 15 bis 20 Jahren entdeckt, Medikamente etwa vor 4-5 Jahren, auf dem Markt sind sie seit letztem Jahr.

«Das sind etwa die Zeiträume mit denen wir arbeiten. Die Entdeckungen, die heute gemacht werden, werden etwa in 15 Jahren zur Anwendung kommen» so Prof Passweg. Er dankte allen Spendern, die ein Fortbestehen der Stiftung und die Unterstützung weiterer Forschungsprojekte ermöglichen. Die diesjährige Ausschreibung des SWISS BRIDGE AWARDS war denn auch der Erforschung neuer Angriffspunkte in der Präzisionsonkologie gewidmet.

Mechanismen der PrƤzisionsonkologie

Der Präsident der Wissenschaftlichen Jury, Prof. Adrian Ochsenbein, gab einen kurzen Einblick in die Mechanismen der Präzisionsonkologie. Dabei nutzt man die Spezifität von Antikörpern zur Behandlung von Tumoren. Er nannte insbesondere das Medikament Herceptin, das zur Behandlung einer spezifischen Form von Brustkrebs eingesetzt wird und welches die Rückfallrate dieser Patientinnen fast halbiert hat. Prof. Ochsenbein erwähnt die Immuncheckpointinhibitoren, die vielleicht nicht ganz so spezifisch sind, aber erfolgreich eingesetzt werden und die Antikörper-Drug-Konjugate, bei denen das Medikament an einen Antikörper gebunden ist. Das Medikament wird durch den Antikörper spezifisch an das Zielorgan, die mit Chemotherapie behandelt werden müssen und wo neue Ziele fehlen. herangebracht. Dadurch gibt es weniger unerwünschte Nebenwirkungen und es wird mehr Medikament an den Ort des Tumors geführt. Es gibt aber auch bispezifische Antikörper, die auf der einen Seite eine Krebszelle erkennen und auf der anderen Seite eine Immunzelle. Die Immunzelle wird dann die Krebszelle eliminieren. Ferner ist die CAR T Zelltherapie in den Medien stark präsent. Diese Zellen sind so verändert, dass sie einen Antikörperrezeptor haben, der das Ziel erkennt. Diese CAR-T-Zellen sind sehr effektiv aber auch sehr teuer. Trotz dieser Entwicklungen gibt es immer noch einen grossen Teil von Patienten, die mit Chemotherapie behandelt werden müssen und wo neue Ziele fehlen. Deshalb war die Idee für die diesjährige Ausschreibung die Entdeckung neuer Ziele für die Precision Onkologie. Auf diese Ausschreibung gab es ein grosses Echo. Es gab 61 Bewerbungen, die in einem zweistufigen Prozess mit externen Reviews beurteilt wurden, woraus die beiden Gewinnerprojekte von Frau Dr. Inmaculada Martinez Reyes und Prof. Andreas Moor selektioniert wurden.

Smartes Protein-Targeting gegen Lebermetastasen bei Darmkrebs

Das Team unter der Leitung von Prof. Andreas Moor von der ETH Zürich erforscht innovative Ansätze zur Verhinderung von Lebermetastasen bei Darmkrebs, die bei rund einem Drittel aller Patientinnen und Patienten auftreten und die Sterblichkeit deutlich erhöhen. Die Forschenden haben herausgefunden, dass ein Protein namens PlexinB2 auf Leberzellen die Ausbreitung von Darmkrebs in die Leber begünstigt. Um dieses ­Fortschreiten gezielt zu unterbinden hat das Team «smarte» Moleküle entwickelt, die PLEXINB2 und ähnliche metastasierungsfördernde Proteine in Leberzellen erkennen und abbauen. «Wir verwenden ein spezielles Leberprotein, das als Navigationshilfe für die Leber dient und kombinieren es mit einem Miniprotein, das gezielt an Zielproteine wie PlexinB2 bindet. So können diese selektiv zerstört werden» erklärt Prof. Moor. Ziel des Projekts ist es, mehrere dieser «smarten» Proteinmoleküle zu entwickeln, ihre Wirkung zu verbessern und sie in Tiermodellen zu testen. Dieser innovative Ansatz könnte künftig dabei helfen, Lebermetastasen zu verhindern und somit die Behandlungsergebnisse bei Darmkrebs deutlich zu verbessern.

Gezielte Eliminierung therapieresistenter Ā­Tumorzellen

Im Zentrum der Studie von Frau Dr. Inmaculada Martinez Reyes vom Deutschen Krebsforschungszentrum und der Charité Universitätsmedizin Berlin und ihrem Team steht die Entwicklung von künstlich hergestellten spezialisierten Immun-T-Zellen, die gezielt ruhende, therapieresistente Tumorzellen angreifen und eliminieren. Die ruhenden Tumorzellen sind ein Hauptgrund für Rückfälle bei Pankreaskarzinom und anderen Krebsarten. Durch Einstellen ihrer Zellteilung entziehen sie sich der Behandlung. Sie können aber später erneut wachsen. Ziel des Projekts von Frau Dr. Martinez Reyes ist es, diese therapieresistenten Zellen mithilfe einer neuartigen, personalisierten Immuntherapie auszuschalten. «unsere Forschungsresultate zeigen, dass ruhende Tumorzellen die Antigene auf ihrer Oberfläche verändern» erklärt Dr. Martinez Reyes. Diese Marker helfen dem Immunsystem die Krebszellen zu erkennen und bekämpfen. Frau Dr. Martinez und ihr Team entwickeln T-Zellen, die mit spezifischen Rezeptoren ausgestattet sind , um diese Antigene zu erkennen und die Tumorzellen gezielt zu eliminieren. Bei Gelingen könnte dieser Ansatz eine neue Klasse von Immuntherapien begründen und dazu beitragen Rückfälle zu verhindern sowie die Behandlungsergebnisse bei Pankreaskarzinom und anderen Tumoren mit ähnlichen Mechanismen langfristig zu verbessern.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Eleonore E. Droux

droux@medinfo-verlag.ch

ESMO in the ALPS 2025

Das 6. «ESMO in the Alps» wurde im KKL Luzern mit einer inspirierenden Eröffnungsrede von Prof. Dr. med. Miklos Pless, (Winterthur) dem Präsidenten des Swiss Cancer Institute eröffnet. Schweizer Experten hatten die neuesten Erkenntnisse aus der Onkologie ausgewählt, die auf dem ESMO-Kongress 2025 in Berlin präsentiert wurden, und kommentierten sie.

Das Steering Committee mit Prof. Dr. Jörg Beyer (Bern) und Dr. Daniel Helbling (Zürich) hatte auch dieses Jahr eine glückliche Hand bei der Auswahl der Präsentatoren, die interessante Studien aus ihrem Fachgebiet vorstellten und diskutierten. Entsprechend positiv fiel die Beurteilung durch die Teilnehmer des Meetings aus.

Die Experten PD Dr. Sabine Schmid (Bern) und Prof. Martin Früh (St. Gallen) prƤsentierten ausgewƤhlte Ergebnisse aus der Lungenkrebs-Session.

ChatGPT und Krebsbehandlung

Die Zukunft? Vorhersage ist sehr schwierig, insbesondere wenn es sich um die Zukunft handelt (Niels Bohr) stellte Prof. Jakob Nikolas Kather, der sich seit Jahren mit künstlicher Intelligenz befasste, einleitend fest. Die Entwicklung und behördliche Zulassung vieler KI-Modelle für einzelne Aufgaben erfolgte in den frühen 2020er Jahren. 2023 war der ChatGPT Augenblick. Large Language Models (LLMs) wie GPT-4, Gemini und Llama 3.1 sind heute fortschrittliche KI-Systeme, die auf Transformer-Architekturen basieren und anhand riesiger Datensätze trainiert werden, um menschenähnliche Texte zu verstehen und zu generieren. 2022: GPT-3 weist einige medizinische Kenntnisse auf. Ein Patient mit metastasierendem NSCLC stellt sich im onkologischen Ambulatorium vor. Welche potenziellen Therapieoptionen diskutieren Sie? Die potenziellen Behandlungsoptionen für diesen Patienten schliessen Chirurgie, Strahlentherapie, Chemotherapie und zielgerichtete Therapie ein.

Prof. Kather verglich die heutigen Large Language Models Ā«zero-shotĀ», Ā«web search contextĀ» und Ā«user provides explicit contextĀ». Ƅrzte setzen diese in grossem Umfang ein, und Anbieter behaupten, dass es medizinische FƤhigkeiten besitzt. Bald werden LLMs besser sein als Ƅrzte in allen Belangen, besser in der Konversation, besser in der Psychotherapie besser in Beziehungen.

ESMO Initiative ELCAP. Evaluierung von Language Ā­Models in der klinischen Praxis

Die ESMO hat die ESMO-Leitlinien zur Verwendung grosser Sprachmodelle in der klinischen Praxis (ELCAP) veröffentlicht, die ersten strukturierten Empfehlungen für den sicheren und effektiven Einsatz von KI-Sprachmodellen in der Onkologie. Die Veröffentlichung der ELCAP in der von Fachkollegen begutachteten Fachzeitschrift Annals of Oncology der ESMO fiel mit einer Sitzung zum Thema Chat GPT und Krebsbehandlung auf dem ESMO-Kongress 2025 in Berlin zusammen, was die wachsende Bedeutung der KI in der Onkologie unterstreicht.

«Die Priorität der ESMO besteht darin, sicherzustellen, dass Innovationen zu messbaren Vorteilen für Patienten und praktikablen Lösungen für Kliniker führen. Mit ELCAP bietet die ESMO einen pragmatischen, Onkologie-spezifischen Rahmen, der KI einbezieht und gleichzeitig klinische Verantwortung, Transparenz und robusten Datenschutz gewährleistet», sagte Fabrice André, Präsident der ESMO.

Da der Einsatz von Large Language Models (LLMs) in der Onkologie zunimmt, erkennt ELCAP an, dass Chancen und Risiken je nach Nutzer – ob Patienten, Ƅrzte oder Einrichtungen – variieren, und verankert die Empfehlungen daher in einer dreistufigen Struktur, die allgemeine GrundsƤtze in 23 KonsenserklƤrungen für die tƤgliche Praxis umsetzt:

Typ 1: patientenorientierte KI-Systeme: Symptomabfragen, PatientenaufklƤrung, Lebensstil-Verfolgung
Typ 2: Gesundheitsexperte und AI-Systeme: Unterstützung bei klinischer Entscheidungsfindung
Typ 3: Hintergrund-KI-Systeme, Datenextraktion, Hintergrund-Warnsysteme

Wie KI-Agenten die Forschung und Onkologie verƤndern werden. Alles, was ein Mensch mit einem Computer macht, kann automatisiert werden.

LLMs heute und wie man sie benutzt
Der Referent stellte den «Zero-shot», den Websuchkontext und den vom Benutzer explizit gelieferten Text einander gegenüber.

Zusammenfassung – ELCAP – Typ 2
Gesundheitsdienstleister sollten in die Aneignung von KI-Kenntnissen investieren. Gesundheitsdienstleister, die mit LLMs arbeiten, kƶnnten die Gesundheitsversorgung verbessern. Die Ergebnisse von LLMs sollten systematisch und empirisch bewertet werden.

Bedenken:
Automatisierungsverzerrung, Dequalifizierung von FachkrƤften, negative Auswirkungen auf die Arzt-Patienten-Beziehung, Datenschutz.

Gastrointestinale Krebsarten

Die Experten Prof. Dieter Kƶberle, St. Claraspital Basel und Dr. Christian Weisshaupt, Onkozentrum Zürich stellten 5 Studien zu diesem Thema vor.

ctDNA

Die Aussicht, das Vorhandensein bzw. Fehlen von zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) als Entscheidungshilfe nutzen zu kƶnnen, hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die auf dem ESMO-Kongress vorgestellten Studienergebnisse zeigen jedoch, dass ctDNA-Tests noch nicht den Standardpraktiken entsprechen.

Zwei Studien verfehlten ihre primären Endpunkte, was die Notwendigkeit unterstreicht, die Sensitivität von ctDNA-Tests zu verbessern, bevor sie in die klinische Praxis eingeführt werden.

Dynamic III

In der Dynamic III-Studie, die von Prof. Jeanne Tie (Melbourne) prƤsentiert wurde, konnte bei 702 Patienten mit Kolonkarzinom im Stadium III, die sich einer Resektion unterzogen hatten und ctDNA-negativ waren, keine Nichtunterlegenheit zwischen einer ctDNA-gesteuerten Behandlung und einer adjuvanten Standard-Chemotherapie bestƤtigt werden. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 47 Monaten betrug das 3-Jahres-rezidivfreie Überleben, der primƤre Endpunkt, 85,3 % in der ctDNA-gesteuerten Gruppe gegenüber 88,1 % in der Standardgruppe (absolute Differenz –2,8 %; 95 %-Konfidenzintervall –8,0–2,3) und überschritt damit die Untergrenze von –7,5 %.

PEGASUS

Auch die Phase II-Studie PEGASUS, die von Dr. Silva Masoni, Milano, prƤsentiert wurde, verfehlte ihren primƤren Endpunkt. Insgesamt traten bei 100 ctDNA-negativen Patienten mit hochriskantem Kolonkarzinom im Stadium II oder III nach zwei Jahren 12 Rezidive auf (was 12 % falsch-negativen FƤllen entspricht). Als statistischer Grenzwert für den primƤren Endpunkt wurden weniger als 14 Rezidive bei 134 ctDNA-negativen Patienten festgelegt, aber die Studie umfasste nur 100 ctDNA-negative Patienten. In der Gesamtpopulation war das Vorhandensein von ctDNA im Vergleich zum Fehlen von ctDNA mit einer schlechteren krankheitsfreien Überlebensrate (3 Jahre: 58,4 % gegenüber 82,8 %; Hazard Ratio [HR] 2,70; p = 0,0036) und Gesamtüberlebensrate (79,7 %) assoziiert.

Die PEGASUS-Studie belegt die operative Durchführbarkeit und das klinische Potenzial einer durch Flüssigbiopsie gesteuerten adjuvanten Therapie bei reseziertem Kolonkarzinom im Stadium III und bei Hochrisiko-Kolonkarzinomen im Stadium II.

Durch die Anpassung der Behandlungsdauer und -intensität an das molekulare Risiko kann dieser Ansatz unnötige Toxizität reduzieren und die postoperative Überwachung optimieren.

Matterhorn

Auf dem ESMO-Kongress stellte Prof. Josep Tabernero (Vall d’Hebron Institute of Oncology, Barcelona) die endgültigen Ergebnisse zur Gesamtüberlebenszeit aus der Phase-III-Studie MATTERHORN vor – einer globalen Doppelblindstudie.

Diese zulassungsrelevante Studie verglich Durvalumab (Imfinzi) plus FLOT-Chemotherapie (5-Fluorouracil, Leucovorin, Oxaliplatin und Docetaxel) mit Placebo plus FLOT bei Patienten mit resektablem Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs (G/GEJ). Die abschliessende Analyse bestätigt einen statistisch signifikanten Vorteil hinsichtlich der Gesamtüberlebenszeit und unterstützt Durvalumab plus FLOT als potenziellen neuen Standard in der perioperativen Behandlung.

Fortitude 101

Die FORTITUDE-101-Studie, die von Prof. Sun Young Rha vorgestellt wurde, untersuchte Bemarituzumab (BEMA), einen ersten monoklonalen Anti-FGFR2b-Antikörper seiner Klasse, in Kombination mit einer mFOLFOX6-Chemotherapie bei Patienten mit FGFR2b-überexprimierendem, nicht-HER2-positiven, inoperablen oder metastasierten Magen- und gastroösophagealen Übergangskrebs (G/GEJC). BEMA blockiert gleichzeitig die onkogene FGFR2b-Signalübertragung und aktiviert die antikörperabhängige zellvermittelte Zytotoxizität (ADCC) und bietet damit einen neuartigen therapeutischen Ansatz für diese durch Biomarker definierte Untergruppe mit schlechter Prognose.

Fortitude erreichte ihren primƤren Endpunkt der Gesamtüberlebenszeit und den sekundƤren Endpunkt der progressionsfreien Überlebenszeit bei Patienten mit FGFR2b-überexprimierendem Magen- und gastroƶsophagealem Übergangskarzinom (≄10% der Tumorzellen) und etablierte FGFR2b als validiertes therapeutisches Ziel in dieser Population. Der in der primƤren Analyse beobachtte OS-Vorteil war zwar statistisch signifikant, schwƤchte sich aber in einer anschliessenden deskriptiven Nachbeobachtung ab, was wahrscheinlich auf Behandlungen nach Fortschreiten der Erkrankung und einer lƤngeren Beobachtungszeit zurückzuführen ist.

Das Sicherheitsprofil von Bemarituzumab war in erster Linie durch unerwünschte Ereignisse an der Hornhaut geprägt, darunter vorübergehende Abnahme der Sehschärfe Diese Augenwirkungen waren jedoch bei angemessener Behandlung reversibel.

IKF-035/ABC-HCC Studie: Atezo/Bev vs TACE bei intermediƤrem HCC
Die von Prof. Peter Galle (Mainz) präsentierte Studie zeigte, dass die Kombination des PD-L1 Antikörpers Atezolizumab und dem anti-VEGF Antikörper Bevacizumab im Vergleich zu transarterieller Chemoembolisation (TACE) bei Patienten mit hepatozellulärem Karzinom im mittelschweren Stadium (HCC) die Überlebenszeit in der Erstlinientherapie verlängert. Dieser erste direkte Vergleich zwischen Immuntherapie und TACE könnte die Behandlung von HCC im mittleren Stadium neu definieren und einen Paradigmenwechsel hin zur systemischen Therapie in früheren Krankheitsstadien einläuten.

Fortsetzung
Eine Übersicht zu den Lungen-, Brust-, gynäkologischen und urogenitalen Krebserkrankungen folgt in der nächsten Ausgabe der info@onco-suisse.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Au cœur du soin: quelle place pour les robots en gĆ©riatrie?

Dans un contexte de vieillissement dĆ©mographique et de pĆ©nurie de personnel soignant, la robotique sā€™ā€Šinvite dans les institutions gĆ©riatriques comme solution possible pour soutenir le travail du soin. Cet article interroge ce nouveau paradigme Ć  travers le prisme de lā€™ā€ŠĆ©thique du care, tel que dĆ©fini par Joan Tronto. Loin dā€™ā€Šopposer technologie et humanitĆ©, il sā€™ā€Šagit de penser les robots non comme substituts, mais comme instruments pĆ©riphĆ©riques potentiels du prendre soin, Ć  condition quā€™ā€Šils sā€™ā€ŠintĆØgrent dans une dynamique relationnelle et respectueuse de la vulnĆ©rabilitĆ© des personnes, patients et soignants. Trois exemples concrets (robots interactifs, dā€™ā€Šassistance physique et de rĆ©habilitation) permettent dā€™ā€Šexaminer les apports, les limites et les conditions dā€™ā€Šune utilisation Ć©thiquement recevable.

In a context of demographic ageing and a shortage of healthcare staff, robotics is emerging in geriatric institutions as a potential solution to support caregiving work. This article explores this new paradigm through the lens of care ethics, as defined by Joan Tronto. Rather than opposing technology and humanity, it invites us to consider robots not as substitutes, but as potential peripheral tools of care–provided they are integrated into a relational dynamic that respects the vulnerability of both patients and caregivers. Three concrete examples (interactive, physical assistance, and rehabilitation robots) serve to examine the benefits, limitations, and ethical conditions for their use.
Keywords: robotics, geriatric care, care ethics, aging, assistive technologies, care relationship, Tronto, humanity

Introduction

Lā€™ā€Šassociation entre robotique et soins gĆ©riatriques suscite dā€™ā€ŠemblĆ©e un questionnement dā€™ā€Šordre Ć©thique et anthropologique: quelle place laisser Ć  ces technologies dans des pratiques fondĆ©es sur la relation, la temporalitĆ© humaine et la reconnaissance de la vulnĆ©rabilitĆ©? Nā€™ā€Šy a-t-il pas un risque rĆ©el de glisser vers une logique de substitution, où le robot apparaĆ®trait comme une rĆ©ponse fonctionnelle Ć  lā€™ā€Šaugmentation des besoins, Ć  la pĆ©nurie de personnel ou encore Ć  lā€™ā€Šaccroissement du vieillissement? Effectivement, le risque existe dĆØs lors que le soin est envisagĆ© avant tout comme une sĆ©rie dā€™ā€Šactes techniques Ć  optimiser. Une telle approche, bien que comprĆ©hensible dans un contexte de pression sur les ressources et les effectifs, rĆ©duit le soin Ć  sa dimension opĆ©ratoire, en nĆ©gligeant ce qui en constitue la substance: une prĆ©sence attentive, un geste ajustĆ©, une qualitĆ© dā€™ā€ŠĆ©coute. Cā€™ā€Šest prĆ©cisĆ©ment cette Ć©paisseur humaine que les soins gĆ©riatriques rĆ©vĆØlent avec acuitĆ©, dans leur rapport au corps fragilisĆ©, Ć  la temporalitĆ© singuliĆØre du vieillissement, Ć  lā€™ā€ŠaltĆ©ritĆ© parfois silencieuse. Ce sont ces dimensions, irrĆ©ductiblement relationnelles et sensibles, que le recours technologique ne doit ni effacer, ni standardiser. Ce glissement vers une vision fonctionnelle du soin sā€™ā€Šaccompagne dā€™ā€Šun autre danger: celui de rĆ©duire la personne soignĆ©e Ć  la somme des actes posĆ©s sur elle. On entend parfois, dans les discours professionnels, des expressions comme Ā«on a fait Madame X ce matinĀ» ou Ā«il reste Ć  faire Monsieur YĀ»; formulations apparemment anodines, mais qui traduisent une conception du patient comme objet de procĆ©dures. Dans cette logique, le patient devient celui que lā€™ā€Šon ā€œfaitā€, que lā€™ā€Šon manipule, que lā€™ā€Šon traite, au lieu dā€™ā€ŠĆŖtre celui avec qui, dā€™ā€Šabord et premiĆØrement, on entre en relation, dans une dynamique dā€™ā€Šaccompagnement. Or, cā€™ā€Šest prĆ©cisĆ©ment cette dynamique, un ĆŖtre humain face Ć  un autre ĆŖtre humain, qui constitue le cœur du soin; une rencontre où lā€™ā€ŠhumanitĆ© du soignant se laisse toucher par celle du patient, dans ce que chacun est, et non seulement dans ce que lā€™ā€Šun peut faire pour lā€™ā€Šautre. Le soin ne se rĆ©duit ni Ć  la guĆ©rison (cure), ni Ć  lā€™ā€ŠexĆ©cution de tĆ¢ches: il sā€™ā€Šinscrit dans un espace relationnel, parfois fragile, mais essentiel, où la prĆ©sence, lā€™ā€ŠĆ©coute et lā€™ā€Šajustement deviennent des formes dā€™ā€Šengagement Ć©thique (care).

Comment penser lā€™ā€Šintroduction des robots?

Peuvent-ils participer Ć  cette dynamique sans la figer ou la dĆ©naturer? Il convient dā€™ā€Šabord de reconnaĆ®tre quā€™ā€Šun certain type de robot prolonge, pour ainsi dire, le geste technique ou en affine la prĆ©cision. Cā€™ā€Šest notamment le cas en mĆ©decine chirurgicale, où des dispositifs robotiques permettent une prĆ©cision accrue dans lā€™ā€Šintervention, sans pour autant Ć©vacuer la responsabilitĆ© humaine. Dans cette logique, le robot nā€™ā€Šest pas un substitut du mĆ©decin ou du soignant, mais un outil au service dā€™ā€Šun geste ou dā€™ā€Šun art, au sens aristotĆ©licien du terme, maĆ®trisĆ©. Or le soin, en particulier dans sa dimension gĆ©riatrique, ne se limite pas Ć  lā€™ā€ŠefficacitĆ© technique: il engage une prĆ©sence, une relation, une attention Ć  lā€™ā€Šautre dans sa vulnĆ©rabilitĆ©. Si lā€™ā€Šon accepte que le soin est avant tout une rencontre dā€™ā€ŠhumanitĆ©, alors toute technologie introduite dans cet espace partagĆ© – que lā€™ā€Šon appellera ici le cœur du soin – doit se laisser interroger par cette exigence Ć©thique. Autrement dit, le robot ne peut ĆŖtre accueilli dans le cœur du soin quā€™ā€ŠĆ  la condition de ne pas altĆ©rer la qualitĆ© du prendre soin (take care); ce mouvement vers lā€™ā€Šautre, irrĆ©ductiblement humain. Ainsi, lā€™ā€Šenjeu nā€™ā€Šest pas de se mĆ©fier absolument de la robotique, mais dā€™ā€Šenvisager son intĆ©gration Ć  partir du soin, et non lā€™ā€Šinverse. LĆ  où elle soutient, prolonge et accompagne sans se substituer, elle peut avoir une place. Cet article propose dā€™ā€Šouvrir une rĆ©flexion articulĆ©e autour dā€™ā€Šune double exigence: penser la technicitĆ© comme mise au service du soin, et envisager le soin comme un espace dā€™ā€ŠhospitalitĆ© pour la technique, Ć  condition que celle-ci reste soumise Ć  une vigilance Ć©thique constante. Dans cette perspective, la robotique en soins gĆ©riatriques nā€™ā€ŠapparaĆ®t pas comme une solution clĆ© en main, mais comme un terrain de questionnement: sur ce que nous appelons Ā« soin Ā» – Ć  partir notamment de la dĆ©finition du care proposĆ©e par Joan Tronto –, sur la maniĆØre dont notre sociĆ©tĆ© considĆØre la vieillesse, et sur les formes quā€™ā€Šune cohabitation juste entre humains et technologies peut prendre. Pour explorer ces enjeux, nous nous appuierons sur trois exemples concrets analysĆ©s Ć  la lumiĆØre du cadre Ć©thique du care.

Vieillissement, assistance et robotique: quels enjeux Ʃthiques pour le soin en gƩriatrie?

Le vieillissement dĆ©mographique reprĆ©sente aujourdā€™ā€Šhui un dĆ©fi majeur pour les sociĆ©tĆ©s contemporaines ainsi que pour les systĆØmes de santĆ©. Selon lā€™ā€ŠOrganisation mondiale de la santĆ© (1), la proportion de personnes Ć¢gĆ©es de 60 ans et plus passera de 12 % en 2015 Ć  22 % dā€™ā€Šici 2050, atteignant environ deux milliards dā€™ā€Šindividus dans le monde. Cette Ć©volution nā€™ā€ŠĆ©pargne pas la Suisse, qui connaĆ®t elle aussi un vieillissement marquĆ© de sa population. Ce phĆ©nomĆØne sā€™ā€Šaccompagne dā€™ā€Šune augmentation de la prĆ©valence des maladies chroniques (polymorbiditĆ©s), au premier rang desquelles la dĆ©mence. Dā€™ā€ŠaprĆØs Alzheimer Suisse (2), environ 150 000 personnes sont aujourdā€™ā€Šhui concernĆ©es par ce trouble sur le territoire national, la majoritĆ© Ć©tant Ć¢gĆ©e de 65 Ć  95 ans. En milieu institutionnel, la rĆ©alitĆ© est encore plus marquĆ©e: prĆØs des deux tiers des rĆ©sidents en EMS souffriraient de troubles cognitifs liĆ©s Ć  la dĆ©mence. Lā€™ā€Šun des enjeux Ć©thiques fondamentaux dans lā€™ā€Šaccompagnement de ces personnes consiste Ć  prĆ©server, autant que possible, leur qualitĆ© de vie, en favorisant le maintien de leurs capacitĆ©s et de leur autonomie (3). Il ne sā€™ā€Šagit pas uniquement de rĆ©pondre Ć  des besoins mĆ©dicaux, mais de soutenir une existence digne et pleinement vĆ©cue, malgrĆ© la dĆ©pendance. Dans cette optique, les technologies dā€™ā€Šassistance, et en particulier la robotique, font lā€™ā€Šobjet dā€™ā€Šun intĆ©rĆŖt croissant (4). Elles sont envisagĆ©es comme des outils de soutien, de stimulation cognitive, de communication et dā€™ā€Šaide Ć  la mobilitĆ© ou Ć  lā€™ā€Šautonomie (5).

La littƩrature distingue gƩnƩralement trois grandes catƩgories de robots en soins gƩriatriques (6):
• Les robots thĆ©rapeutiques, qui visent Ć  stimuler les capacitĆ©s motrices ou cognitives.
• Les robots dā€™ā€Šassistance, qui facilitent les gestes de la vie quotidienne.
• Les robots sociaux, conƧus pour interagir avec les personnes et crĆ©er une forme de prĆ©sence relationnelle.

En Suisse, plusieurs EMS ont expĆ©rimentĆ© ces dispositifs, notamment Ć  travers lā€™ā€Šusage du robot Paro, un phoque interactif Ć  visĆ©e thĆ©rapeutique, ou de robots comme Nao, Zora et Sia, principalement utilisĆ©s dans des activitĆ©s ludiques ou dā€™ā€Šanimation (7). Ces expĆ©riences visent Ć  amĆ©liorer le bien-ĆŖtre des rĆ©sidents, tout en soutenant le travail des Ć©quipes soignantes. Cependant, lā€™ā€Šintroduction de telles technologies nā€™ā€Šest pas neutre: elle soulĆØve des questions Ć©thiques et anthropologiques majeures. Dans quelle mesure ces outils peuvent-ils contribuer au soin, sans le dĆ©shumaniser? Où se situe la frontiĆØre entre soutien et substitution (8)? Si lā€™ā€ŠefficacitĆ© de ces robots en matiĆØre de stimulation ou de rĆ©assurance Ć©motionnelle est documentĆ©e, leur usage appelle une vigilance constante quant au respect de la relation soignante, fondĆ©e sur la prĆ©sence, lā€™ā€ŠĆ©coute et la reconnaissance de lā€™ā€Šautre comme sujet. Lā€™ā€ŠintĆ©gration de la robotique en gĆ©riatrie ne saurait ainsi ĆŖtre pensĆ©e uniquement en termes dā€™ā€Šinnovation technique ou de gain dā€™ā€ŠefficacitĆ©. Elle interroge en profondeur le sens du soin, les attentes que nous plaƧons dans la technologie, et la place que nous voulons accorder Ć  ces entitĆ©s artificielles dans des espaces aussi sensibles que les institutions de long sĆ©jour. ƀ travers elles, cā€™ā€Šest notre rapport Ć  la dĆ©pendance, Ć  lā€™ā€ŠaltĆ©ritĆ©, au grand Ć¢ge et Ć  la vulnĆ©rabilitĆ© qui est mis en jeu.

Prendre soin du monde fragile: penser la place du robot dans le tissu du care

Joan Tronto, cĆ©lĆØbre Ć©thicienne du care, dĆ©finit le care comme une Ā«activitĆ© gĆ©nĆ©rique qui comprend tout ce que nous faisons pour maintenir, perpĆ©tuer et rĆ©parer notre monde, de telle sorte que nous puissions y vivre aussi bien que possibleĀ». Ce Ā«mondeĀ» inclut nos corps, nos environnements et nos relations, formant un rĆ©seau complexe en soutien Ć  la vie (9). Cette perspective Ć©largit la comprĆ©hension du soin bien au-delĆ  du face-Ć -face soignant-patient: le soin devient un acte dā€™ā€Šentretien – dans le sens de prise en soin – de soi, des autres, du monde commun, de ses fragilitĆ©s et de ses continuitĆ©s ƀ partir de cette conception, il devient possible dā€™ā€Šinterroger en quoi la robotique peut contribuer, non pas au soin entendu comme simple assistance fonctionnelle, mais au care en tant que geste de maintien des conditions de vie. Un robot qui facilite la mobilitĆ©, favorise lā€™ā€Šautonomie, stimule les capacitĆ©s, sĆ©curise lā€™ā€Šenvironnement ou soutient les routines quotidiennes, a vocation Ć  sā€™ā€Šinscrire dans le mouvement du prendre soin initiĆ© par lā€™ā€Šhumain. Il contribuerait ainsi Ć  maintenir un environnement portĆ© par des conditions propices au bien-vivre, en appui ou en prolongement Ć  lā€™ā€Šaction humaine. En ce sens, certains dispositifs robotiques sont susceptible dā€™ā€ŠĆŖtre envisagĆ©s comme des agents pĆ©riphĆ©riques ou auxiliaires du soin, Ć  condition quā€™ā€Šils soutiennent ou respectent le tissu relationnel du care (le cœur du soin). Le care, toujours selon Tronto, est un processus composĆ© de plusieurs phases (10): reconnaĆ®tre un besoin (caring about), y rĆ©pondre (taking care of), agir (care giving) et recevoir le soin (care receiving). Un robot pourrait ĆŖtre intĆ©grĆ© dans certaines de ces phases, par exemple dans lā€™ā€Šassistance aux gestes du quotidien, dans le maintien et la stimulation de capacitĆ©s ou encore comme support technique dans lā€™ā€Šenvironnement de vie.

Toutefois, sā€™ā€Šil peut contribuer Ć  maintenir une part du monde sensible ou matĆ©riel, le robot ne peut ni initier un geste Ć©thique, ni assumer la responsabilitĆ© morale dā€™ā€Šun soin donnĆ©. Ce sont les ĆŖtres humains qui lā€™ā€Šentourent – soignants, proches, organisations – qui lui confĆØrent, ou non, une fonction dans lā€™ā€Šespace du care. PensĆ©e comme substitut Ć  la relation, la technologie peut conduire Ć  une dĆ©shumanisation du soin, en relĆ©guant lā€™ā€Šinteraction humaine au second plan. ƀ lā€™ā€Šinverse, envisagĆ©e comme un soutien ciblĆ© – allĆ©geant certaines charges, favorisant la qualitĆ© humaine de la relation – elle peut sā€™ā€Šinscrire dans une dynamique Ć©thiquement recevable. Enfin, penser la robotique dans le champ du care suppose de reconnaĆ®tre une vĆ©ritĆ© anthropologique essentielle: nous sommes tous, Ć  diffĆ©rents moments de nos vies, dĆ©pendants du soin dā€™ā€Šautrui. La robotique ne saurait effacer cette vulnĆ©rabilitĆ© partagĆ©e. Au contraire, elle devrait nous inviter Ć  la reconnaĆ®tre, et Ć  organiser nos environnements de maniĆØre Ć  ne pas lā€™ā€Šoublier (11).

Robots et contribution en gériatrie: trois exemples concrets à la lumière de la grille de Tronto

Lā€™ā€Šapproche du care dĆ©veloppĆ©e par Joan Tronto nous invite Ć  penser les robots non comme des substituts, mais comme des soutiens potentiels Ć  la prĆ©servation du monde corporel, sensible et organisationnel des personnes. Voici trois dispositifs robotiques pouvant ĆŖtre utilisĆ©s en gĆ©riatrie et la maniĆØre dont ils peuvent, sous certaines conditions, participer Ć  une dynamique de care (Tab. 1).

1. Paro – le robot phoque interactif: soutenir un lien sensible au monde

Paro est un robot zoomorphe (en forme de phoque) utilisĆ© dans de nombreux Ć©tablissements mĆ©dico-sociaux (Fig. 1). DotĆ© dā€™ā€Šune intelligence artificielle, il rĆ©agit aux caresses, Ć©met des sons doux et cherche Ć  Ć©tablir une interaction affective. Il est particuliĆØrement destinĆ© aux personnes atteintes de troubles cognitifs de type dĆ©mence (12).

En quoi contribue-t-il au care? Paro nā€™ā€Šadministre pas de soin mĆ©dical au sens strict, mais il favorise une continuitĆ© sensorielle et Ć©motionnelle, lĆ  où la solitude ou le retrait menacent. Il peut Ć©galement susciter des expressions, stimuler une prĆ©sence Ć  soi, produire un apaisement dans un moment dā€™ā€Šagitation (13).

Dans la grille de Tronto:
• Care receiving: il permet lā€™ā€ŠĆ©mergence dā€™ā€Šun mieux-ĆŖtre subjectif.
• Entretien du monde sensible: il agit sur lā€™ā€Šenvironnement sensible et Ć©motionnel.
• Limite Ć©thique: sa pertinence repose sur une mĆ©diation humaine. Hors cadre relationnel, il risque de renforcer lā€™ā€Šisolement.

2. Les robots lĆØve-personne: prĆ©server le corps sans lā€™ā€ŠĆ©puiser

RIBA (Robot for Interactive Body Assistance) est un robot conƧu pour transfĆ©rer des patients Ć  mobilitĆ© rĆ©duite de maniĆØre sĆ»re (14). Il remplace partiellement lā€™ā€Šeffort physique des soignants, en rĆ©duisant les troubles musculosquelettiques et les blessures.
En quoi contribue-t-il au care? Le soin inclut aussi la maintenance corporelle. Un robot comme RIBA prévient la douleur, protège les corps, et soulage le personnel, rendant possible une attention plus qualitative.

Dans la grille de Tronto:
• Care giving: il prolonge le geste technique sans le substituer.
• Entretien du monde physique: il prend soin des corps fragiles.
• Limite Ć©thique: Son utilisation requiert une attention particuliĆØre: il doit ĆŖtre maniĆ© avec tact, prĆ©sence et considĆ©ration, afin dā€™ā€ŠĆ©viter toute forme dā€™ā€Šobjectivation de la personne accompagnĆ©e. Sā€™ā€Šil allĆØge efficacement la charge physique des soignants – notamment en prĆ©servant leur dos – il comporte aussi le risque de rĆ©duire le contact humain, en mĆ©diatisant ou en appauvrissant la relation corporelle.

3. Les robots de rƩhabilitation: restaurer les capacitƩs motrices et soutenir la rƩappropriation corporelle

Le robot Lokomat (15) est utilisĆ© pour la rƩƩducation de la marche. Ce dispositif guide les jambes du patient sur un tapis roulant en simulant un mouvement de marche physiologique, tout en permettant un ajustement prĆ©cis de lā€™ā€Šeffort et de lā€™ā€Šassistance selon les besoins.
En quoi contribue-t-il au care? Ce robot soutient le maintien et la restauration des capacitĆ©s motrices. Il permet Ć  la personne de rĆ©investir son corps, de retrouver des sensations de mouvement, et parfois dā€™ā€Šenvisager une reprise partielle de lā€™ā€Šautonomie. Il agit ainsi comme vecteur de continuitĆ© corporelle et identitaire, en restaurant un lien entre soi et son propre corps. Du point de vue du thĆ©rapeute, ce dispositif constitue un appui prĆ©cieux, en allĆ©geant certaines tĆ¢ches physiques, ce qui lui permet de se recentrer sur la qualitĆ© de la relation, la communication et lā€™ā€Šaccompagnement individualisĆ© (16).

Dans la grille de Tronto:
• Care giving: il accompagne un acte de soin actif en coopĆ©ration avec un professionnel.
• Maintien du monde corporel: il soutient la rĆ©habilitation physique et la mobilitĆ©.
• Limite Ć©thique: il suppose un cadre thĆ©rapeutique solide; le robot nā€™ā€Ša de sens que dans une alliance thĆ©rapeutique où le corps est reconnu comme sujet, non comme objet de performance.

Conclusion

Lā€™ā€Šintroduction de la robotique dans les soins gĆ©riatriques nous oblige Ć  reconsidĆ©rer ce que nous entendons par soin. Loin de se limiter Ć  une suite dā€™ā€Šactes techniques, le soin, dans sa dimension Ć©thique et anthropologique – ce que nous avons appelĆ© dans cet article le cœur du soin – engage une prĆ©sence humaine, une attention ajustĆ©e Ć  la vulnĆ©rabilitĆ© de lā€™ā€Šautre, une capacitĆ© Ć  maintenir les conditions dā€™ā€Šune vie encore habitable. ƀ la lumiĆØre de la dĆ©finition de Joan Tronto, le care apparaĆ®t comme un tissu complexe dā€™ā€ŠactivitĆ©s de maintien du monde – corps, relations, environnements – que la robotique peut, dans certaines circonstances, venir soutenir. Quā€™ā€Šil sā€™ā€Šagisse de robots dā€™ā€Šassistance, de stimulation ou de mobilisation, leur apport potentiel rĆ©side moins dans leur autonomie technique que dans leur capacitĆ© Ć  allĆ©ger certaines charges, prolonger des gestes humains, ou structurer un quotidien fragilisĆ©, sans jamais rompre le lien relationnel.

Cā€™ā€Šest prĆ©cisĆ©ment Ć  ce niveau que se pose lā€™ā€Šexigence Ć©thique: la technologie ne doit pas masquer lā€™ā€Šabsence humaine, ni se substituer Ć  la relation. Elle peut contribuer au care si elle est pensĆ©e comme outil au service dā€™ā€Šune attention humaine, et non comme une rĆ©ponse fonctionnelle Ć  la pĆ©nurie de main-dā€™ā€ŠÅ“uvre ou Ć  la complexitĆ© du soin. Penser la place du robot dans les soins gĆ©riatriques, cā€™ā€Šest donc penser le soin en premier lieu: dans sa visĆ©e, sa structure et sa portĆ©e. Ce faisant, la robotique ne constitue pas une menace en soi, mais peut ĆŖtre considĆ©rĆ©e comme un rĆ©vĆ©lateur de nos choix Ć©thiques. Elle nous oblige Ć  rĆ©pondre Ć  cette question fondamentale: quel type de relation, au cœur des soins gĆ©riatriques, voulons-nous prĆ©server? Et plus encore: quel monde voulons-nous maintenir vivable pour celles et ceux qui, Ć  un moment de leur vie, dĆ©pendent du soin des autres? PlutĆ“t quā€™ā€Šun remplacement ou une menace, les robots pourraient devenir les rĆ©vĆ©lateurs de nos prioritĆ©s Ć©thiques. ƀ lā€™ā€Šheure du vieillissement dĆ©mographique, ils nous obligent Ć  reformuler cette question essentielle: quel monde voulons-nous construire pour bien vivre (vieillir) ensemble?

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

Dre StƩphanie Perruchoud

Chercheuse en Ʃthique (CIRE-UNIL)
PrĆ©sidente du Conseil d’éthique de l’AVALEMS
Interdisciplinary Research Centre in Ethics (UNIL)
1015 Lausanne

L’autrice dĆ©clare qu’il n’y a aucun conflit d’intĆ©rĆŖt.
Soutiens pour la recherche: Fonds National Suisse (Projet PASOR). Fondation Leenaards (Projet IPARC).

  • La robotique en gĆ©riatrie soulĆØve des enjeux Ć©thiques majeurs, notamment lorsqu’elle est envisagĆ©e comme une solution aux dĆ©fis liĆ©s au vieillissement et Ć  la pĆ©nurie de personnel.
  • En s’appuyant sur la dĆ©finition du care de Joan Tronto, l’article propose de penser les robots non comme substituts, mais comme soutiens techniques au service du soin relationnel.
  • Le robot peut participer Ć  l’entretien du monde corporel, environnemental ou cognitif, Ć  condition de ne pas rompre le lien humain qui fonde le sens du soin.
  • Trois exemples – robot interactifs, robot d’assistance physique et robot de rĆ©habilitation – illustrent les potentialitĆ©s mais aussi les limites de ces dispositifs.
  • L’enjeu n’est pas seulement technique, mais profondĆ©ment anthropologique: il s’agit de maintenir une qualitĆ© de prĆ©sence dans un univers de soin de plus en plus technologisĆ©.

1. OMS (2015). World report on ageing and health. https://www.who.int/publications/i/item/9789241565042 (Juin 2025)
2. Alzheimer Suisse (2019). https://www.alzheimer-schweiz.ch/fileadmin/dam/Alzheimer_Schweiz/Dokumente/Publikationen-Produkte/07.03F_2019_Cout-des-demencesCH.pdf. (Juin 2025).
3. Seedsman T. (2019). Aging, Informed Consent and Autonomy: Ethical Issues and Challenges Surrounding Research and Long-Term Care. OBM Geriatrics. 3 (2) doi:10.21926/obm.geriatr.1902055.
4. Stegner, L., Senft, E., Mutlu, B. (2023). Situated Participatory Design: A Method for In Situ Design of Robotic Interaction with Older Adults. In Proceedings of the 2023 CHI Conference on Human Factors in Computing Systems (CHI ā€˜23), April 23–28, 2023, Hamburg, Germany. ACM, New York, NY, USA 15 Pages. https://doi.org/10.1145/3544548.3580893
5. Flandorfer, P. (2012). Population ageing and socially assistive robots for elderly persons: The importance of sociodemographic factors for user acceptance. International Journal of Population Research. https://doi.org/10.1155/2012/829835
6. Becker, H., Scheermesser, M., Früh, M., Treusch, Y., Auerbach, h., Hüppi, R., et al. (2013). Robotik in Betreuung und Gesundheitsversorgung. Zürich: VDF.
7. Perruchoud, S., Banwell, N. , Jox, N. R., Eggert, N. (2023). Social robots in care homes in French-speaking Switzerland: A qualitative and reflective study. Ethics, Medicine and Public Health. 29. https://doi.org/10.1016/j.jemep.2023.100918
8. Sharkey, A., & Sharkey, N. (2012). Granny and the robots: Ethical issues in robot care for the elderly. Ethics and Information Technology. 14, 1, 27-40. https://doi.org/10.1007/s10676-010-9234-6
9. Tronto, J. (2009). Un monde vulnƩrable: pour une politique du care. Tr. Maury. Paris: La dƩcouverte, p. 27.
10. Tronto, J. (1993). Moral Boundaries. Londres et New York: Routledge, p. 114.
11. Damamme, A., Paperman, P. (2009). Temps du care et organisation sociale du travail en famille. TemporalitƩs. 9. 10.4000/temporalites.1036.
12. Site officiel franƧais: https://www.phoque-paro.fr/ (juin, 2025).
13. Meunier, V., Foletti, T., B. (2021). Approches non mĆ©dicamenteuses sensorielles et dĆ©mence. Aide Ć  la prise en charge des troubles du comportement en unitĆ© de psychiatrie de l’âge avancĆ©. Rev Med Suisse. 7, 744, 1225-1228.
14. Ding, M., Ikeura, R., Mukai, T., Nagashima, H., Hirano, S., Matsuo, K., Sun, M., Jiang, C., Shigeyuki, H. (2012). Comfort estimation during lift-up using nursing-care robot — RIBA. Proceedings of the 2012 1st International Conference on Innovative Engineering Systems, ICIES 2012. 225-230. 10.1109/ICIES.2012.6530874.
15. https://www.hocoma.com/us/solutions/lokomat/
16. Baronchelli F, Zucchella C, Serrao M, Intiso D, Bartolo M. (2021). The Effect of Robotic Assisted Gait Training With LokomatĀ® on Balance Control After Stroke: Systematic Review and Meta-Analysis. Front Neurol. Jul 6;12:661815. doi: 10.3389/fneur.2021.661815. PMID: 34295298; PMCID: PMC8289887.

Verbesserte QualitƤt der Versorgung von Patient/-innen mit chronischen Nierenerkrankungen

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