Langzeitergebnisse der ASAP-Studie: Nicht der Remissionsstatus, sondern das Krankheitsrisiko bestimmt die Transplantationsergebnisse bei AML
Bislang galt, dass eine allogene Stammzelltransplantation bei Patienten mit akuter myeloischer LeukƤmie (AML) kurativ sein kann ā aber nur, wenn die AML zuvor in Remission gebracht werden konnte. Oft werden Patienten abgelehnt, wenn diese Remission nicht erreicht werden kann. In der vorliegenden Studie wurden Patienten mit AML, bei denen keine Remission erreicht werden konnte oder die ein Rezidiv hatten, randomisiert zwischen RIST (Remissions induzierendes Salvage-Treatment) und einer sofortigen allogenen Stammzelltransplantation mit sequenzieller Konditionierung, d. h. einer aplasierenden Chemotherapie, gefolgt von einer Stammzelltransplantation. Insgesamt wurden 281 Patienten multizentrisch eingeschlossen. Das 5-Jahres-Ćberleben betrug 46,1 % (Soforttherapie) vs. 47,5 % (RIST) in beiden Gruppen. In dieser Langzeitanalyse wurde gezeigt, dass die genetische ELN-Risikogruppe (European Leukemia Net) und in geringerem Umfang KomorbiditƤten, jedoch nicht die Studienarmallokation, mit dem Langzeitüberleben assoziiert waren.
Quelle
Matthias Stelljes, et al. on behalf of the Study Alliance Leukemia and the German Cooperative Transplant Study Group
BLOOD 2025; 146(19):2293-2305
Allogene CD19-CAR-T-Zellen bei Erwachsenen mit B-ALL: Wirksamkeit, ToxizitƤt und Stellenwert der Lymphodepletionschemotherapie
Bei der akuten lymphoblastischen LeukƤmie vom B-Zell-Typ haben sich CD19-gerichtete CAR-T-Zelltherapien etabliert. Dabei handelt es sich um autologe Produkte, die aus den T-Lymphozyten des Patienten gewonnen werden. Ihre Wirksamkeit ist gut, aber nicht hervorragend. In dieser Studie wurden allogene CD19-CAR-T-Zellen untersucht. Diese wurden bei Patienten mit Rückfall nach allogener Stammzelltransplantation im Sinne einer Spenderlymphozytentransfusion angewendet, jedoch mit dem zusƤtzlichen, transfizierten CD19-chimƤren Antigenrezeptor. Es wurden zwei Fragen untersucht: die Wertigkeit einer prƤinfusionellen lymphodepletierenden Therapie und die wiederholte Gabe der CAR-T-Zellen. 14 Patienten (im Durchschnitt 43 Jahre alt) wurden behandelt. Die Blastenlast betrug 50,5 %. Die ersten sieben Patienten erhielten CAR-T-Zellen allein, die Patienten 8ā14 erhielten vor der CAR-T-Verabreichung eine lymphodepletierende Therapie mit Fludarabin und Cyclophosphamid. Das Ansprechen und die Expansion der CAR-T-Zellen waren wesentlich hƶher (ca. 20-fach) nach der lymphodepletierenden Therapie und die CAR-T-Persistenz war lƤnger (197 vs. 32 Tage). Die Patienten nach der lymphodepletierenden Therapie hatten ein besseres PFS und OS (57 % vs. 29 %; 83 % vs. 29 %). Eine Wiederholung der CAR-T-Therapie war nicht wirksam.
Quelle
Claire Roddie, et al. Blood. 2025 Oct 2;146(14):1664-1676
Ibrutinib in der Erstlinie der CLL/SLL: Ergebnisse nach bis zu zehn Jahren Follow-up aus RESONATE-2
Die RESONATE-2-Studie verglich bei Patienten mit chronisch lymphatischer LeukƤmie (CLL) den BTK-Inhibitor der ersten Generation Ibrutinib mit Chlorambucil. Ćber diese Studie wurde erstmals 2017 berichtet. Die finale Analyse dieser Daten zeigt einen anhaltenden PFS- und Ćberlebensvorteil von Ibrutinib. Von besonderem Interesse an dieser Langzeitstudie sind die LangzeitvertrƤglichkeit, die durch Dosisreduktion (25 % der Patienten) verbessert werden konnte, sowie die Langzeitwirksamkeit. Ursprünglich wurden Patienten, die Ƥlter als 65 Jahre waren und an bisher unbehandelter CLL litten, in die Studie eingeschlossen. Das progressionsfreie Ćberleben (PFS) betrug 8,9 Jahre im Ibrutinib-Arm vs. 1,3 Jahre im Chlorambucil-Arm. Das 9-Jahres-Ćberleben (OS) betrug 68 %. Die hƤufigsten Nebenwirkungen waren Diarrhƶ, Husten, Nausea, Arthralgien, Ćdeme und Hypertonie. Zum Studienende nahmen 27 % der Patienten immer noch Ibrutinib ein. Diese Daten stellen Ibrutinib ein gutes Langzeitzeugnis aus. Neue BTK-Inhibitoren, nichtkovalente BTK-Inhibitoren und die noch neuere Generation der BTK-degradierenden Substanzen werden sich daran messen lassen müssen.
Quelle
JA Burger et al. BLOOD 2025; 146 (18): 2169-76
Ropeginterferon alfa-2b als wirksame Zweitlinie bei HydroxyurearefraktƤrer Essentieller ThrombozythƤmie (ET): Ergebnisse der SURPASS-ET-Studie
Zu den myeloproliferativen Neoplasien gehören die essenzielle Thrombozythämie (ET), die Polyzythämie vera (PV) und die primäre Myelofibrose (PMF). Pegyliertes Interferon ist bereits für die Behandlung der PV zugelassen. In der SURPASS-ET-Studie wurde Ropeginterferon alfa-2b bei Patientinnen und Patienten mit behandlungsbedürftiger, hochrisikobewerteter ET untersucht, die auf Hydroxyurea nicht angesprochen hatten oder diese nicht vertrugen. Eingeschlossen wurden ET-Patienten mit begleitender Leukozytose nach Versagen oder Intoleranz gegenüber Hydroxyurea. In der randomisierten, offenen Phase-III-Studie erhielten sie entweder Ropeginterferon alfa-2b (subkutan alle zwei Wochen) oder Anagrelid (oral). Primäres Ziel war das Erreichen einer ELN-Response nach 9 und 12 Monaten Therapie.
Von 245 gescreenten Patienten wurden 174 in die Studie aufgenommen. Die Ansprechrate, definiert nach ELN-Kriterien, betrug 43 % im Ropeginterferon-alfa-2b-Arm gegenüber 6 % im Anagrelid-Arm. Nebenwirkungen ℠Grad III traten bei 34 % der mit Anagrelid und bei 23 % der mit Interferon behandelten Personen auf. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren Infektionen. Ropeginterferon alfa-2b erwies sich damit in dieser Studie als wirksame und besser verträgliche Zweitlinientherapie im Vergleich zu Anagrelid.
Quelle
Lancet Hematology 12(11): e862-e875 November 2025
Ruben Mesa et al the SURPASS-ET Study Group
Sequenzielle Therapie beim Multiplen Myelom: Talquetamab als Brückentherapie vor BCMA-CAR-T-Zellen
Für Patienten mit fortgeschrittenem Plasmazellmyelom stehen verschiedene Therapien zur Verfügung. Von einer BCMA-gerichteten CAR-T-Therapie verspricht man sich besonders langfristige Remissionen. Nach dem Versagen verschiedener Therapielinien kƶnnen bispezifische Antikƶrper als Brücke zur CAR-T-Therapie dienen. Von Interesse sind zwei bispezifische Antikƶrper: Teclistamab adressiert ebenfalls BCMA und Talquetamab GPRC5D. Hier stellt sich die Frage, ob für die Ćberbrückung eine gleiche oder eine unterschiedliche Zielstruktur verwendet werden soll, bevor anschliessend eine CAR-T-Therapie erfolgt. Dies ist eine Beobachtungsstudie, die Daten von 20 Zentren ausgewertet hat. Von den 134 mit Talquetamab behandelten Patienten erhielten 119 anschliessend eine BCMA-CAR-T-Behandlung. 15 Patienten erhielten keine CAR-T-Therapie aufgrund von Progression, Herstellungsversagen oder Patientenentscheid. Die Patienten waren im Median 65 Jahre alt und hatten fünf Behandlungslinien hinter sich. Die CRS- und ICANS-Nebenwirkungen nach CAR-T waren meist mild. Unter Talquetamab erreichten 71 % der Patienten ein Ansprechen, nach CAR-T waren es 88 %. Die Autoren schliessen daraus, dass Talquetamab eine wirksame Ćberbrückungstherapie vor CAR-T ist.
Quelle
Binod Dhakal et al, Blood. 2025 Oct 23;146(17):2063-2072
Zweitkrebserkrankungen bei Frauen mit invasivem Brustkrebs im Frühstadium
Das Ziel dieser kürzlich publizierten Studie war es, die Langzeitrisiken für sekundäre Nicht-Brust-Primärtumoren und kontralaterale Brustkrebserkrankungen bei Frauen mit invasivem Brustkrebs im Frühstadium nach einer Primäroperation zu beschreiben.
Es handelte sich um eine bevƶlkerungsbasierte Beobachtungskohorten-Studie mit routinemƤssig erhobenen Daten des National Cancer Registration and Analysis Service for England.
Die 476ā373 Teilnehmerinnen waren Frauen, bei denen zwischen Januar 1993 und Dezember 2016 in England Brustkrebs als erster invasiver (Index-)Krebs diagnostiziert wurde. Sie wurden bis Oktober 2021 nachbeobachtet.
Ergebnisse
Obwohl 64ā747 Frauen einen zweiten PrimƤrtumor entwickelten, war das absolute zusƤtzliche Risiko im Vergleich zur ĀAllgemeinbevƶlkerung gering. Nach 20 Jahren hatten 13.6ā% (95ā%-Konfidenzintervall: 13.5ā% bis 13.7ā%) der Frauen einen Nicht-Brustkrebs entwickelt. Das sind 2.1ā% (2.0ā% bis 2.3ā%) mehr als in der Allgemeinbevƶlkerung erwartet. Zudem hatten 5.6ā% (5.5ā% bis 5.6ā%) einen kontralateralen Brustkrebs entwickelt, was 3.1ā% (3.0ā% bis 3.2ā%) mehr als erwartet sind. Das absolute Mehrrisiko für kontralateralen Brustkrebs war bei jüngeren Frauen grƶsser als bei Ƥlteren. Unter den spezifischen Arten von Nicht-Brustkrebs waren die grƶssten absoluten Mehrrisiken nach 20 Jahren für GebƤrmutter- und Lungenkrebs zu verzeichnen. Obwohl die standardisierten Inzidenzraten von Krebserkrankungen der GebƤrmutter, der Weichteile, der Knochen und Gelenke sowie der Speicheldrüsen und von akuten LeukƤmien diejenigen der Allgemeinbevƶlkerung um mindestens den Faktor 1.5 überstiegen, lagen die absoluten Mehrrisiken nach 20 Jahren für jede einzelne Krebsart ausser Brustkrebs unter 1ā%.
Bei der Einteilung der Patientinnen nach adjuvanter Behandlung wurde eine Strahlentherapie mit einem erhƶhten Risiko für kontralateralen Brust- und Lungenkrebs, eine endokrine Therapie mit einem erhƶhten Risiko für GebƤrmutterkrebs (aber einem verringerten Risiko für kontralateralen Brustkrebs) und eine Chemotherapie mit einem erhƶhten Risiko für akute LeukƤmie in Verbindung gebracht. Diese Ergebnisse stimmten mit den in randomisierten Studien berichteten Wirkungen überein, jedoch wurden auch positive ZusammenhƤnge für Weichteil-, Kopf-Hals-, Eierstock- und Magenkrebs festgestellt, die in Studien bisher nicht beobachtet worden waren. Dies deutete darauf hin, dass etwa 2ā% aller 64.747 Zweittumoren und 7ā% der 15.813 zusƤtzlichen Zweittumoren in der Kohorte auf adjuvante Therapien zurückzuführen sein kƶnnten.
Schlussfolgerungen
Das Risiko einer zweiten PrimƤrtumorerkrankung ist bei Frauen, die wegen eines invasiven Brustkrebses im Frühstadium behandelt wurden, etwas hƶher als bei Frauen in der Allgemeinbevƶlkerung. Kontralateraler Brustkrebs macht etwa 60ā% des Gesamtanstiegs aus, wobei das Risiko bei jüngeren Frauen hƶher ist. Das mit adjuvanten Therapien verbundene Risiko ist gering.
Quelle: Second cancers in 475 000 women with early invasive breast cancer diagnosed in England during 1993-2016: population based observational cohort study BMJ 2025;390:e083975
Die Untersuchung auf mehrere Krebsarten mit einem einzigen Bluttest hat das Potenzial, bahnbrechende VerƤnderungen zu bewirken
In einer kürzlich publizierten Arbeit wurden die Vorteile, die Genauigkeit und die Nachteile von Vorsorgeuntersuchungen mit blutbasierten Multicancer-Detection-Tests (MCD-Tests) bei asymptomatischen Erwachsenen bewertet.
Die Datenquellen waren MEDLINE, die Cochrane Library, Studienregister und relevante Websites bis MƤrz 2025. AusgewƤhlt wurden kontrollierte Studien zu MCD-Tests (z.āB. zellfreie DNA) bei asymptomatischen Populationen, die über Krebserkennung, MortalitƤt, LebensqualitƤt und Nachteile (psychosoziale Aspekte, unerwünschte Ereignisse, Rückgang der Standard-Vorsorgeuntersuchungen) berichten und unkontrollierte Studien zu den Nachteilen der diagnostischen Bewertung und Studien zur Testgenauigkeit.
Datenextraktion und -synthese
Ein Reviewer extrahierte die Daten, ein zweiter überprüfte sie auf Richtigkeit; zwei Reviewer bewerteten unabhängig voneinander das Risiko für Bias (ROB) und die Stärke der Evidenz.
Es gibt keine kontrollierten Studien, die den Nutzen von Vorsorgeuntersuchungen evaluieren. Zwanzig Studien (nā=ā109ā177) berichteten über die Genauigkeit von 19 MCD-Tests. Sieben Studien (5 mit hoher ROB, 2 mit unklarer ROB) berichteten über die Genauigkeit der zukünftigen Krebserkennung bei asymptomatischen Personen, die 1 Jahr lang beobachtet wurden (PrƤdiagnostikleistung); die übrigen schƤtzten die Genauigkeit anhand von Fall-Kontroll-Studien mit hoher ROB bei klinisch bestƤtigten KrebsfƤllen und gesunden, krebsfreien Kontrollteilnehmern (Diagnostikleistung). Ćber alle Tests hinweg lag die SensitivitƤt zwischen 0.095 und 0.998, die SpezifitƤt zwischen 0.657 und 1.0 und die FlƤche unter der Kurve (AUC) zwischen 0.52 und 1.0. Die SensitivitƤt und die AUC waren in Studien zur diagnostischen Leistung hƶher als in Studien zur prƤdiagnostischen Leistung. Es waren keine weiteren Muster in der Genauigkeit erkennbar. Eine Kohortenstudie berichtete über SchƤden; diese Daten waren jedoch begrenzt.
EinschrƤnkungen
Nur englischsprachige Studien. Die HeterogenitƤt schloss eine quantitative Synthese der Genauigkeit aus; SchƤtzungen aus den Studien zur diagnostischen LeistungsfƤhigkeit sind mƶglicherweise nicht auf das Screening anwendbar.
Schlussfolgerung
Es liegen keine kontrollierten Studien vor, die über Vorteile des Screenings mit MCD-Tests berichten; die Evidenz wurde als unzureichend bewertet, um Schäden und Genauigkeit zu bewerten. Die Genauigkeit variiert je nach Test und Studiendesign.
Quelle: Kahwati LC et al Multicancer Detection Tests for Screening: A Systematic Review. Annals of Internal Medicinehttps://doi.org/10.7326/ANNALS-25-0187
Seit einem Vierteljahrhundert setzt die Swiss Bridge Foundation mit dem SWISS BRIDGE AWARD ein starkes Zeichen für die europƤische Krebsforschung. In der diesjƤhrigen Ausschreibung zur PrƤzisionsmedizin wurden zwei Projekte ausgezeichnet, die neue therapeutische Angriffspunkte erschliessen wollen ā und dafür insgesamt 500ā000 Franken Fƶrdergeld erhalten.
Seit 25 Jahren eine der bedeutendsten Auszeichnungen in der Krebsforschung
Wie Philipp Lübcke, der CEO der SWISS BRIDGE FOUNDATION, in seiner Begrüssung betonte, wird der mit insgesamt 500ā000 CHF dotierte SWISS BRIDGE AWARD seit 25 Jahren von der Stiftung Swiss Bridge an herausragende Forscher verliehen. Damit ist der SWISS BRIDGE AWARD eine der bedeutendsten Auszeichnungen in der europƤischen Krebsforschung.
Bedeutende Fortschritte der Krebsforschung in den letzten beiden Jahrzehnten
Der Präsident der SWISS BRIDGE FOUNDATION, Prof. Jakob Passweg, wies in seiner Eröffnungsrede auf die Fortschritte in der Behandlung von Krebserkrankungen hin und erläuterte dies am Beispiel einer seiner Patientinnen mit einer akuten myeloischen Leukämie die noch vor zehn Jahren an ihrer Krankheit verstorben wäre. Sie hat eine Stammzelltransplantation erhalten und darauf einen Rückfall erlebt. Sie hat Ivosidenib darauf erhalten, ein gezieltes Antikrebs-Medikament, welches die mutierte Isocitrat Dehydrogenase-1 (IDH1) hemmt und bei Patienten, die diese Mutation aufweisen, eingesetzt werden kann. Nach anderthalb Jahren Therapie ist nichts mehr von der Leukämie feststellbar.
IDH1 wurde vor etwa 15 bis 20 Jahren entdeckt, Medikamente etwa vor 4-5 Jahren, auf dem Markt sind sie seit letztem Jahr.
«Das sind etwa die Zeiträume mit denen wir arbeiten. Die Entdeckungen, die heute gemacht werden, werden etwa in 15 Jahren zur Anwendung kommen» so Prof Passweg. Er dankte allen Spendern, die ein Fortbestehen der Stiftung und die Unterstützung weiterer Forschungsprojekte ermöglichen. Die diesjährige Ausschreibung des SWISS BRIDGE AWARDS war denn auch der Erforschung neuer Angriffspunkte in der Präzisionsonkologie gewidmet.
Mechanismen der PrƤzisionsonkologie
Der Präsident der Wissenschaftlichen Jury, Prof. Adrian Ochsenbein, gab einen kurzen Einblick in die Mechanismen der Präzisionsonkologie. Dabei nutzt man die Spezifität von Antikörpern zur Behandlung von Tumoren. Er nannte insbesondere das Medikament Herceptin, das zur Behandlung einer spezifischen Form von Brustkrebs eingesetzt wird und welches die Rückfallrate dieser Patientinnen fast halbiert hat. Prof. Ochsenbein erwähnt die Immuncheckpointinhibitoren, die vielleicht nicht ganz so spezifisch sind, aber erfolgreich eingesetzt werden und die Antikörper-Drug-Konjugate, bei denen das Medikament an einen Antikörper gebunden ist. Das Medikament wird durch den Antikörper spezifisch an das Zielorgan, die mit Chemotherapie behandelt werden müssen und wo neue Ziele fehlen. herangebracht. Dadurch gibt es weniger unerwünschte Nebenwirkungen und es wird mehr Medikament an den Ort des Tumors geführt. Es gibt aber auch bispezifische Antikörper, die auf der einen Seite eine Krebszelle erkennen und auf der anderen Seite eine Immunzelle. Die Immunzelle wird dann die Krebszelle eliminieren. Ferner ist die CAR T Zelltherapie in den Medien stark präsent. Diese Zellen sind so verändert, dass sie einen Antikörperrezeptor haben, der das Ziel erkennt. Diese CAR-T-Zellen sind sehr effektiv aber auch sehr teuer. Trotz dieser Entwicklungen gibt es immer noch einen grossen Teil von Patienten, die mit Chemotherapie behandelt werden müssen und wo neue Ziele fehlen. Deshalb war die Idee für die diesjährige Ausschreibung die Entdeckung neuer Ziele für die Precision Onkologie. Auf diese Ausschreibung gab es ein grosses Echo. Es gab 61 Bewerbungen, die in einem zweistufigen Prozess mit externen Reviews beurteilt wurden, woraus die beiden Gewinnerprojekte von Frau Dr. Inmaculada Martinez Reyes und Prof. Andreas Moor selektioniert wurden.
Smartes Protein-Targeting gegen Lebermetastasen bei Darmkrebs
Das Team unter der Leitung von Prof. Andreas Moor von der ETH Zürich erforscht innovative AnsƤtze zur Verhinderung von Lebermetastasen bei Darmkrebs, die bei rund einem Drittel aller Patientinnen und Patienten auftreten und die Sterblichkeit deutlich erhƶhen. Die Forschenden haben herausgefunden, dass ein Protein namens PlexinB2 auf Leberzellen die Ausbreitung von Darmkrebs in die Leber begünstigt. Um dieses ĀFortschreiten gezielt zu unterbinden hat das Team Ā«smarteĀ» Moleküle entwickelt, die PLEXINB2 und Ƥhnliche metastasierungsfƶrdernde Proteine in Leberzellen erkennen und abbauen. Ā«Wir verwenden ein spezielles Leberprotein, das als Navigationshilfe für die Leber dient und kombinieren es mit einem Miniprotein, das gezielt an Zielproteine wie PlexinB2 bindet. So kƶnnen diese selektiv zerstƶrt werdenĀ» erklƤrt Prof. Moor. Ziel des Projekts ist es, mehrere dieser Ā«smartenĀ» Proteinmoleküle zu entwickeln, ihre Wirkung zu verbessern und sie in Tiermodellen zu testen. Dieser innovative Ansatz kƶnnte künftig dabei helfen, Lebermetastasen zu verhindern und somit die Behandlungsergebnisse bei Darmkrebs deutlich zu verbessern.
Das 6. «ESMO in the Alps» wurde im KKL Luzern mit einer inspirierenden Eröffnungsrede von Prof. Dr. med. Miklos Pless, (Winterthur) dem Präsidenten des Swiss Cancer Institute eröffnet. Schweizer Experten hatten die neuesten Erkenntnisse aus der Onkologie ausgewählt, die auf dem ESMO-Kongress 2025 in Berlin präsentiert wurden, und kommentierten sie.
Das Steering Committee mit Prof. Dr. Jörg Beyer (Bern) und Dr. Daniel Helbling (Zürich) hatte auch dieses Jahr eine glückliche Hand bei der Auswahl der Präsentatoren, die interessante Studien aus ihrem Fachgebiet vorstellten und diskutierten. Entsprechend positiv fiel die Beurteilung durch die Teilnehmer des Meetings aus.
Die Experten PD Dr. Sabine Schmid (Bern) und Prof. Martin Früh (St.āGallen) prƤsentierten ausgewƤhlte Ergebnisse aus der Lungenkrebs-Session.
ChatGPT und Krebsbehandlung
Die Zukunft? Vorhersage ist sehr schwierig, insbesondere wenn es sich um die Zukunft handelt (Niels Bohr) stellte Prof. Jakob Nikolas Kather, der sich seit Jahren mit künstlicher Intelligenz befasste, einleitend fest. Die Entwicklung und behördliche Zulassung vieler KI-Modelle für einzelne Aufgaben erfolgte in den frühen 2020er Jahren. 2023 war der ChatGPT Augenblick. Large Language Models (LLMs) wie GPT-4, Gemini und Llama 3.1 sind heute fortschrittliche KI-Systeme, die auf Transformer-Architekturen basieren und anhand riesiger Datensätze trainiert werden, um menschenähnliche Texte zu verstehen und zu generieren. 2022: GPT-3 weist einige medizinische Kenntnisse auf. Ein Patient mit metastasierendem NSCLC stellt sich im onkologischen Ambulatorium vor. Welche potenziellen Therapieoptionen diskutieren Sie? Die potenziellen Behandlungsoptionen für diesen Patienten schliessen Chirurgie, Strahlentherapie, Chemotherapie und zielgerichtete Therapie ein.
Prof. Kather verglich die heutigen Large Language Models Ā«zero-shotĀ», Ā«web search contextĀ» und Ā«user provides explicit contextĀ». Ćrzte setzen diese in grossem Umfang ein, und Anbieter behaupten, dass es medizinische FƤhigkeiten besitzt. Bald werden LLMs besser sein als Ćrzte in allen Belangen, besser in der Konversation, besser in der Psychotherapie besser in Beziehungen.
ESMO Initiative ELCAP. Evaluierung von Language ĀModels in der klinischen Praxis
Die ESMO hat die ESMO-Leitlinien zur Verwendung grosser Sprachmodelle in der klinischen Praxis (ELCAP) veröffentlicht, die ersten strukturierten Empfehlungen für den sicheren und effektiven Einsatz von KI-Sprachmodellen in der Onkologie. Die Veröffentlichung der ELCAP in der von Fachkollegen begutachteten Fachzeitschrift Annals of Oncology der ESMO fiel mit einer Sitzung zum Thema Chat GPT und Krebsbehandlung auf dem ESMO-Kongress 2025 in Berlin zusammen, was die wachsende Bedeutung der KI in der Onkologie unterstreicht.
Da der Einsatz von Large Language Models (LLMs) in der Onkologie zunimmt, erkennt ELCAP an, dass Chancen und Risiken je nach Nutzer ā ob Patienten, Ćrzte oder Einrichtungen ā variieren, und verankert die Empfehlungen daher in einer dreistufigen Struktur, die allgemeine GrundsƤtze in 23 KonsenserklƤrungen für die tƤgliche Praxis umsetzt:
Typ 1: patientenorientierte KI-Systeme: Symptomabfragen, PatientenaufklƤrung, Lebensstil-Verfolgung
Typ 2: Gesundheitsexperte und AI-Systeme: Unterstützung bei klinischer Entscheidungsfindung
Typ 3: Hintergrund-KI-Systeme, Datenextraktion, Hintergrund-Warnsysteme
Wie KI-Agenten die Forschung und Onkologie verƤndern werden. Alles, was ein Mensch mit einem Computer macht, kann automatisiert werden.
LLMs heute und wie man sie benutzt
Der Referent stellte den «Zero-shot», den Websuchkontext und den vom Benutzer explizit gelieferten Text einander gegenüber.
Zusammenfassung ā ELCAP ā Typ 2
Gesundheitsdienstleister sollten in die Aneignung von KI-Kenntnissen investieren. Gesundheitsdienstleister, die mit LLMs arbeiten, kƶnnten die Gesundheitsversorgung verbessern. Die Ergebnisse von LLMs sollten systematisch und empirisch bewertet werden.
Bedenken:
Automatisierungsverzerrung, Dequalifizierung von FachkrƤften, negative Auswirkungen auf die Arzt-Patienten-Beziehung, Datenschutz.
Gastrointestinale Krebsarten
Die Experten Prof. Dieter Kƶberle, St.āClaraspital Basel und Dr. Christian Weisshaupt, Onkozentrum Zürich stellten 5 Studien zu diesem Thema vor.
ctDNA
Die Aussicht, das Vorhandensein bzw. Fehlen von zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) als Entscheidungshilfe nutzen zu kƶnnen, hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die auf dem ESMO-Kongress vorgestellten Studienergebnisse zeigen jedoch, dass ctDNA-Tests noch nicht den Standardpraktiken entsprechen.
Zwei Studien verfehlten ihre primären Endpunkte, was die Notwendigkeit unterstreicht, die Sensitivität von ctDNA-Tests zu verbessern, bevor sie in die klinische Praxis eingeführt werden.
Dynamic III
In der Dynamic III-Studie, die von Prof. Jeanne Tie (Melbourne) prƤsentiert wurde, konnte bei 702 Patienten mit Kolonkarzinom im Stadium III, die sich einer Resektion unterzogen hatten und ctDNA-negativ waren, keine Nichtunterlegenheit zwischen einer ctDNA-gesteuerten Behandlung und einer adjuvanten Standard-Chemotherapie bestƤtigt werden. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 47 Monaten betrug das 3-Jahres-rezidivfreie Ćberleben, der primƤre Endpunkt, 85,3ā% in der ctDNA-gesteuerten Gruppe gegenüber 88,1ā% in der Standardgruppe (absolute Differenz ā2,8ā%; 95ā%-Konfidenzintervall ā8,0ā2,3) und überschritt damit die Untergrenze von ā7,5ā%.
PEGASUS
Auch die Phase II-Studie PEGASUS, die von Dr. Silva Masoni, Milano, prƤsentiert wurde, verfehlte ihren primƤren Endpunkt. Insgesamt traten bei 100 ctDNA-negativen Patienten mit hochriskantem Kolonkarzinom im Stadium II oder III nach zwei Jahren 12 Rezidive auf (was 12ā% falsch-negativen FƤllen entspricht). Als statistischer Grenzwert für den primƤren Endpunkt wurden weniger als 14 Rezidive bei 134 ctDNA-negativen Patienten festgelegt, aber die Studie umfasste nur 100 ctDNA-negative Patienten. In der Gesamtpopulation war das Vorhandensein von ctDNA im Vergleich zum Fehlen von ctDNA mit einer schlechteren krankheitsfreien Ćberlebensrate (3 Jahre: 58,4ā% gegenüber 82,8ā%; Hazard Ratio [HR] 2,70; p = 0,0036) und Gesamtüberlebensrate (79,7ā%) assoziiert.
Die PEGASUS-Studie belegt die operative Durchführbarkeit und das klinische Potenzial einer durch Flüssigbiopsie gesteuerten adjuvanten Therapie bei reseziertem Kolonkarzinom im Stadium III und bei Hochrisiko-Kolonkarzinomen im Stadium II.
Durch die Anpassung der Behandlungsdauer und -intensitƤt an das molekulare Risiko kann dieser Ansatz unnƶtige ToxizitƤt reduzieren und die postoperative Ćberwachung optimieren.
Matterhorn
Auf dem ESMO-Kongress stellte Prof. Josep Tabernero (Vall dāHebron Institute of Oncology, Barcelona) die endgültigen Ergebnisse zur Gesamtüberlebenszeit aus der Phase-III-Studie MATTERHORN vor ā einer globalen Doppelblindstudie.
Diese zulassungsrelevante Studie verglich Durvalumab (Imfinzi) plus FLOT-Chemotherapie (5-Fluorouracil, Leucovorin, Oxaliplatin und Docetaxel) mit Placebo plus FLOT bei Patienten mit resektablem Adenokarzinom des Magens oder des gastroƶsophagealen Ćbergangs (G/GEJ). Die abschliessende Analyse bestƤtigt einen statistisch signifikanten Vorteil hinsichtlich der Gesamtüberlebenszeit und unterstützt Durvalumab plus FLOT als potenziellen neuen Standard in der perioperativen Behandlung.
Fortitude 101
Die FORTITUDE-101-Studie, die von Prof. Sun Young Rha vorgestellt wurde, untersuchte Bemarituzumab (BEMA), einen ersten monoklonalen Anti-FGFR2b-Antikƶrper seiner Klasse, in Kombination mit einer mFOLFOX6-Chemotherapie bei Patienten mit FGFR2b-überexprimierendem, nicht-HER2-positiven, inoperablen oder metastasierten Magen- und gastroƶsophagealen Ćbergangskrebs (G/GEJC). BEMA blockiert gleichzeitig die onkogene FGFR2b-Signalübertragung und aktiviert die antikƶrperabhƤngige zellvermittelte ZytotoxizitƤt (ADCC) und bietet damit einen neuartigen therapeutischen Ansatz für diese durch Biomarker definierte Untergruppe mit schlechter Prognose.
Fortitude erreichte ihren primƤren Endpunkt der Gesamtüberlebenszeit und den sekundƤren Endpunkt der progressionsfreien Ćberlebenszeit bei Patienten mit FGFR2b-überexprimierendem Magen- und gastroƶsophagealem Ćbergangskarzinom (ā„10% der Tumorzellen) und etablierte FGFR2b als validiertes therapeutisches Ziel in dieser Population. Der in der primƤren Analyse beobachtte OS-Vorteil war zwar statistisch signifikant, schwƤchte sich aber in einer anschliessenden deskriptiven Nachbeobachtung ab, was wahrscheinlich auf Behandlungen nach Fortschreiten der Erkrankung und einer lƤngeren Beobachtungszeit zurückzuführen ist.
Das Sicherheitsprofil von Bemarituzumab war in erster Linie durch unerwünschte Ereignisse an der Hornhaut geprägt, darunter vorübergehende Abnahme der Sehschärfe Diese Augenwirkungen waren jedoch bei angemessener Behandlung reversibel.
IKF-035/ABC-HCC Studie: Atezo/Bev vs TACE bei intermediƤrem HCC
Die von Prof. Peter Galle (Mainz) prƤsentierte Studie zeigte, dass die Kombination des PD-L1 Antikƶrpers Atezolizumab und dem anti-VEGF Antikƶrper Bevacizumab im Vergleich zu transarterieller Chemoembolisation (TACE) bei Patienten mit hepatozellulƤrem Karzinom im mittelschweren Stadium (HCC) die Ćberlebenszeit in der Erstlinientherapie verlƤngert. Dieser erste direkte Vergleich zwischen Immuntherapie und TACE kƶnnte die Behandlung von HCC im mittleren Stadium neu definieren und einen Paradigmenwechsel hin zur systemischen Therapie in früheren Krankheitsstadien einlƤuten.
Fortsetzung
Eine Ćbersicht zu den Lungen-, Brust-, gynƤkologischen und urogenitalen Krebserkrankungen folgt in der nƤchsten Ausgabe der info@onco-suisse.
In a context of demographic ageing and a shortage of healthcare staff, robotics is emerging in geriatric institutions as a potential solution to support caregiving work. This article explores this new paradigm through the lens of care ethics, as defined by Joan Tronto. Rather than opposing technology and humanity, it invites us to consider robots not as substitutes, but as potential peripheral tools of careāprovided they are integrated into a relational dynamic that respects the vulnerability of both patients and caregivers. Three concrete examples (interactive, physical assistance, and rehabilitation robots) serve to examine the benefits, limitations, and ethical conditions for their use. Keywords: robotics, geriatric care, care ethics, aging, assistive technologies, care relationship, Tronto, humanity
Le robot peut participer Ć lāentretien du monde corporel, environnemental ou cognitif, Ć condition de ne pas rompre le lien humain qui fonde le sens du soin.
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