Golan T et al. Maintenance olaparib for germline BRCA1-mutated metastatic pancreatic cancer. N Engl J Med 2019; 381: 317
Zusammenfassung: die Phase III-Studie rekrutierte Patienten mit konstitutioneller BRCA1-Mutation und metastasiertem Pankreaskarzinom, die auf eine palliative Erstlinientherapie mit einer platinhaltigen Chemotherapie angesprochen hatten. Eine Erhaltungstherapie mit Olaparib (à 600 mg täglich) erzielte eine Verbesserung des progressionsfreien Überlebens PFS im Vergleich zum Kontrollarm (7.4 Monate versus 3.8 Monate). Gesamtüberleben und Lebensqualität zeigten keine Verbesserung.
Tumor-DNA als Marker für Rezidivrisiko beim Kolon-CA
Tie J et al. Circulating Tumor DNA Analyses as Markers of Recurrence Risk and Benefit of Adjuvant Therapy for Stage III Colon Cancer. JAMA Oncol. doi:10.1001/jamaoncol.2019.3616
Zusammenfassung: bei Patienten mit Stadium III Kolonkarzinom wurde nach Chirurgie und nach Abschluss der adjuvanten Chemotherapie quantitativ zirkulierende Tumor-DNA im Serum bestimmt. Patienten, die nach Chirurgie bzw. nach Chemotherapie immer noch zirkulierende Tumor-DNA aufwiesen, hatten gemessen am rückfallfreien Intervall eine deutlich schlechtere Prognose.
Wirkung von Komödienfilmen bei postoperativen Tumorpatienten
Saritas S et al. The effect of comedy films on postoperative pain and anxiety in surgical oncology patients. Complement Med Res 2019; 26: 231.
Zusammenfassung: In dieser kleinen randomisierten Studie wurden türkische Tumorpatienten, die einem chirurgischen Eingriff unterzogen worden waren, randomisiert in eine Gruppe, die sich kurze lustige Videos aus alten türkischen Komödien ansehen durfte, und in eine Gruppe, die diese Gelegenheit nicht erhielt. Der primäre Endpunkt war Lebensqualität, gemessen mit postoperativen Schmerz-Skalen und anderen «assessment tools». Die Video-Gruppe schnitt dabei etwas besser ab.
Konzepte und Grundlagen der personalisierten Krebsmedizin
Yurkovich JT et al. A systems approach to clinical oncology uses deep phenotyping to deliver personalised care. Nat Rev Clin Oncol 2019. doi: 10.1038/s41571-019-0273-6.
Zusammenfassung: Die Integration des «molecular profiling» von Krebsgewebe mit tiefem, longitudinalem Profiling des physiologischen Zustands eines Individuums («tiefe Phänotypisierung») ist der Schlüssel zum Verständnis der Prävention, der Initiierung, der Progression und des Ansprechens auf die Behandlung von Krebs. Systembiologische Ansätze können einen beispiellosen Fundus an Daten für die Früherkennung von Krankheitsverläufen, die Vorhersage von therapeutischen Reaktionen und klinischen Ergebnissen sowie für das Design personalisierter Behandlungen liefern.
Prof. em. Dr. med. Martin Fey
Bern
martin.fey@insel.ch
Beratungsmandat bei Nestlé Health Sciences, Epalinges, Aktien von Novartis, Roche und Johnson & Johnson
Pegyliertes Interferon alfa-2a bei Patienten mit Polyzythaemia vera oder Essentieller Thrombo-zythaemie, welche gegenüber einer Therapie mit Hydroxyurea resistent oder intolerant sind
Quelle: Yacoub A et al. Pegylated interferon alfa-2a for polycythemia vera or essential thrombocythemia resistant or intolerant to hydroxyurea. Blood 2019;134:1498-1509.
Hintergrund
Frühere Studien haben hohe Ansprechraten bei der Therapie mit rekombinantem Interferon (rIFN-α) bei Patienten mit essentieller Thrombozythämie (ET) und Polycythaemia vera (PV) ergeben. Zur weiteren Definition der Rolle von rIFN-α wurde die Wirkung von pegyliertem-rIFN-α2a (PEG) bei ET- und PV-Patienten, die zuvor mit Hydroxyharnstoff (HU) behandelt wurden, untersucht.
Methoden
Die Myeloproliferative Disorders Research Consortium (MPD-RC)-111 Studie war eine von Wissenschaftlern initiierte, internationale, multizentrische Phase-2-Studie, welche die Wirkung der PEG-Therapie bei Patienten mit Hochrisiko-ET oder PV, die entweder HU-refraktär oder intolerant waren, evaluierte. Die Endpunkte waren das Erreichen einer vollständigen (CR) und partiellen (PR) hämatologischen Remission.
Resultate
Die Studie umfasste 65 Patienten mit ET und 50 Patienten mit PV. Die Gesamtansprechraten (ORRs; CR/PR) nach 12 Monaten lagen bei 69,2% (43,1% und 26,2%) bei ET-Patienten und 60% (22% und 38%) bei PV-Patienten. Die CR-Raten waren höher bei CALR-mutierten ET-Patienten (56,5% vs. 28,0%; P 5.01), verglichen mit denen bei Patienten ohne CALR-Mutation. Die mediane absolute Reduktion der JAK2V617F-Allelfraktion lag bei 26% (-84% bis 47%) bei Patienten, die eine CR erreichten, gegenüber 14% (-18% bis 56%) bei Patienten mit PR oder fehlendem Ansprechen. Die Therapie ging mit einer signifikanten Inzidenz von Nebenwirkungen (AEs) einher; die meisten waren kontrollierbar und der Abbruch der PEG-Therapie im Zusammenhang mit AEs erfolgte nur bei 13,9% der Patienten.
Schlussfolgerungen
Die Autoren kamen zum Schluss, dass PEG eine wirksame Therapie für Patienten mit ET oder PV ist, die zuvor refraktär und/oder intolerant gegenüber HU waren. Diese Studie wurde unter www.clinicaltrials.gov als #NCT0125259856 registriert.
Gilteritinib oder Chemotherapie bei rezidivierter oder refraktärer FLT3-mutierter akuter myeloischer Leukämie
Quelle: Perl AE et al. Gilteritinib or chemotherapy for relapsed or refractory FLT3-mutated AML. New Engl J Med 2019381 :1728-1740
Hintergrund
Patienten mit rezidivierter oder refraktärer akuter myeloischer Leukämie (AML) mit Mutationen im FMS-ähnlichen Tyrosinkinase-3-Gen (FLT3) sprechen selten auf eine Salvage-Chemotherapie an. Gilteritinib ist ein oral wirksamer, selektiver FLT3-Inhibitor mit Einzelwirkstoffaktivität bei rezidivierter oder refraktärer FLT3-mutierter AML.
Methoden
In einer Phase-3-Studie erhielten Erwachsene mit rezidivierter oder refraktärer FLT3-mutierter AML randomisiert im Verhältnis 2:1 entweder Gilteritinib (bei einer Dosis von 120 mg pro Tag) oder Chemotherapie. Die beiden primären Endpunkte waren das Gesamtüberleben und der Anteil der Patienten, die eine vollständige Remission mit vollständiger oder partieller hämatologischer Regeneration erreichten. Sekundäre Endpunkte umfassten das ereignisfreie Überleben (Freiheit von Therapieversagen (i.e. Rückfall oder fehlende Remission) oder Tod) und der Prozentsatz der Patienten, die eine vollständige Remission erreichten.
Resultate
Von 371 Patienten wurden 247 in die Gilteritinib-Gruppe und 124 in die Chemotherapie-Gruppe randomisiert. Das mediane Gesamtüberleben in der Gilteritinib-Gruppe war signifikant länger als in der Chemotherapie-Gruppe (9,3 Monate vs. 5,6 Monate; Hazard Ratio für Tod 0,64; 95% Konfidenzintervall (KI) 0,40 bis 0,83; p < 0,001). Das mediane ereignisfreie Überleben betrug 2,8 Monate in der Gilteritinib-Gruppe und 0,7 Monate in der Chemotherapie-Gruppe (Hazard Ratio für Therapieversagen oder Tod 0,79; 95% KI 0,58 bis 1,09). Der Prozentsatz der Patienten, die eine vollständige Remission mit vollständiger oder partieller hämatologischer Regeneration erreichten, betrug 34,0% in der Gilteritinib-Gruppe und 15,3% in der Chemotherapie-Gruppe (Risikodifferenz 18,6 Prozentpunkte; 95% KI 9,8 bis 27,4); 21,1% bzw. 10,5% erreichten eine komplette Remission (Risikodifferenz 10,6 Prozentpunkte; 95% KI 2,8 bis 18,4). In einer an die Therapiedauer angepassten Analyse traten in der Gilteritinib-Gruppe weniger häufig unerwünschte Ereignisse vom Grad 3 oder höher auf und schwerwiegende Nebenwirkungen erfolgten weniger häufig in der Gilteritinib-Gruppe als in der Chemotherapie-Gruppe; die häufigsten Nebenwirkungen Grad 3 oder höher waren in der Gilteritinib-Gruppe fieberhafte Neutropenie (45,9%), Anämie (40,7%) und Thrombozytopenie (22,8%).
Schlussfolgerungen
Die Gilteritinib-Therapie führte zu einem signifikant längeren Überleben und einer höheren Remissionsrate als die Salvage-Chemotherapie bei Patienten mit rezidivierter oder refraktärer FLT3-mutierter AML (finanziert von Astellas Pharma; ADMIRAL Clinical Trials gov number, NCT02421939).
Prof. Dr. med.Markus G. Manz
Zentrum für Hämatologie und Onkologie
UniversitätsSpital Zürich
PD Dr. med. Alexandre Theocharides
Zentrum für Hämatologie und Onkologie
UniversitätsSpital Zürich
Karzinosarkome / MMMT des weiblichen Geschlechtstrakts sind, ähnlich wie Endometriumkarzinome hochmaligne biphasische Tumoren mit mesodermalen sowie epithelialen Komponenten und haben eine schlechte Prognose, wobei die erfolgte Therapie ausschlaggebend ist. Wegen ihres seltenen Vorkommens fehlen bisher grosse epidemiologische Studien. Die Autoren diskutieren die verschiedenen Therapiemöglichkeiten und fassen die Literatur zur Systemtherapie zusammen, mit Einbezug der Daten ihrer retrospektiven Kohortenstudie.
Les carcinosarcomes /MMMT de l’appareil reproductif féminin sont, comme les carcinomes endométriaux, des tumeurs biphasiques hautement malignes avec des composantes mésodermiques et épithéliales et ont un mauvais pronostic, le traitement effectué étant déterminant. En raison de leur rareté, les grandes études épidémiologiques font encore défaut. Les auteurs discutent des différentes options thérapeutiques et résument la documentation sur la thérapie systémique,
y compris les données de leur étude de cohorte rétrospective.
Karzinosarkome/MMMT des weiblichen Genitaltraktes sind hochmaligne biphasische Tumoren, die sowohl maligne mesodermale als auch epitheliale Komponenten besitzen (1). Typischerweise besteht die Histologie der Metastasen meist aus karzinosarkomatösen Elementen (2, 3, 4). Aufgrund der Rarität der MMMT, gibt es keine grossen epidemiologischen Studien. In Analogie zum Endometriumkarzinom wurde das MMMT des Corpus uteri entsprechend dem aggressiven Typ II Karzinom des Endometriumkarzinoms subsumiert. Generell ist die Prognose bei MMMT des Corpus uteri nicht gut, mit einem medianen Überleben von 21 Monaten aufgrund des fortgeschrittenen Stadiums in 35% der MMMT, bei denen der Tumor zum Diagnosezeitpunkt nicht auf den Uterus begrenzt ist (5, 6). Allerdings ist hierbei die erfolgte Therapie wichtig und ausschlaggebend, d.h. eine gynäkologisch-onkologisch durchgeführte Hysterektomie, Adnexektomie und mindestens pelvine Lymphonodektomie (11). Im Falle einer metastasierten Erkrankung jedoch braucht es die komplette zytoreduktive Operation (siehe auch Abb. 1-3). Das 5-Jahres-Überleben bei MMMT des Corpus uteri beträgt 59% im FIGO Stadium I-II, 22% im Stadium III und 9% im Stadium IV (7). Ein Problem dabei ist das Auftreten von möglichen okkulten Metastasen im Bauchraum, die dann zum Rezidiv führen (8-10). Die Zytoreduktion kann auch in den metastasierten Stadien zu einer deutlichen Verbesserung der Prognose führen (12).
«Mutational Landscape» des MMMT
Eine kürzlich publizierte Studie untersuchte die «Mutational Landsacpe» des MMMT und verglich dies mit dem epithelialen Ovarialkarzinom. Hierbei wurden 110 MMMT des Ovars (MMMT-O), 141 MMMT des Corpus uteri (MMMT-U) und 1587 Ovarialkarzinome (OC) aller Histotypen miteinander verglichen. Eine p53 Mutation war die am Häufigsten nachzuweisende (76.4% in MMMT-O, 68.8% in MMMT-E und 69% in OC)(20). Genetische Veränderungen in den PI3K/AKT/mTOR und MAPK Pathways waren ähnlich häufig vorhanden bei den MMMT des Ovars und Ovarialkarzinomen, aber weniger häufig bei MMMT des Corpus uteri (p<0.001). Bei den Ovarialkarzinomen bestand die grösste Chance eine BRCA1 Mutation nachzuweisen (20% und 9-18% bei den MMMT). Kein Unterschied bestand bei RB, NOTCH, Angiogenese und FGFR Pathways, währenddessen Östrogen- sowie Androgenrezeptoren weniger häufig bei den MMMT exprimiert waren als beim Ovarialkarzinom. Dies hat sicher therapeutische Konsequenz, da Ovarialkarzinome mehr und mehr mit Aromatasehemmern behandelt werden.
Systemtherapie beim MMMT
Der prognostische Benefit der Chemotherapie bei den MMMT des Corpus uteri wurde bewiesen. Die wichtigsten Substanzen sind: Cisplatin, Carboplatin, Ifosfamid, Anthrazykline und Paclitaxel (13, 14, 15). Eine Cochrane-Analyse an 579 Patientinnen verglich adjuvante Radiotherapie mit Kombinations-Chemotherapie (mit Ifosfamid und Paclitaxel versus Ifosfamid allein) in rezidivierten Stadien III/IV MMMT. Die Autoren fanden hierbei ein verbessertes Überleben in den Kombinations-Chemotherapie Armen, so dass man einer Kombinations-Chemotherapie vor Radiotherapie den Vorzug geben sollte (13, 16, 17, 18). Beim MMMT-U hat sich in Analogie zum Endometriumkarzinom die Systemtherapie mit 6 Zyklen Carboplatin/Paclitaxel (qw3) durchgesetzt. Hierzu gibt es allerdings prospektiv randomisierte Daten gegen ein Platin/Anthracyline-haltiges Schema (11, 15). Viele Therapieansätze wurden von Studien zum Endometrium- oder Ovarialkarzinom exploriert, was die Biologie der Erkankung nicht immer widerspiegelt (21). Tabelle 1 gibt eine Übersicht über die wichtigsten Systemtherapiestudien für das MMMT.
«Quo vadis» Anthracyline?
Wir haben selbst eine grosse Kohorte an MMMT des Corpus uteri und Ovars am Gynecological Cancer Centre im Royal Hospital for Women retrospektiv analysiert, bestehend aus Patientinnen mit Carboplatin/Anthrazyklinen, Carboplatin/Ifosfamid oder Carboplatin/Paclitaxel. Zusätzlich haben wir NGS- und IHC-Analysen durchgeführt (41 und unpublizierte Daten). Unsere Daten zeigen, dass jede Kombination ohne Paclitaxel besser ist als die Kombination Carboplatin/Paclitaxel.
Am ASCO 2019 hat Matthew Powell die GOG261-Studie vorgestellt (42). Hierbei wurden Patientinnen mit FIGO-Stadium I-IV persistierendem oder rezidiviertem MMMT des Corpus uteri in 2 Arme randomisiert: im ersten Arm erhielten die Patientinnen Ifosfamid und Paclitaxel, im zweiten Arm erhielten sie Carboplatin und Paclitaxel. Die Resultate zeigten eine bessere Verträglichkeit in der Kombination von Carboplatin und Paclitaxel bei identischem Outcome, was das Gesamtüberleben und die Rezidivrate betrifft. Diese Studie führt zu einer Änderung unseres Standards bei Patientinnen mit persistierendem oder rezidiviertem MMMT des Corpus uteri. Was die Studie vermissen lässt, ist ein experimenteller Arm, der die Rolle der Anthracyline prospektiv untersucht.
Literatur zur Systemtherapie (Tabelle 1)
Tabelle 1 gibt einen Überblick über die Studien mit Systemtherapie beim MMMT. Insgesamt wurden 1214 Patientinnen in verschiedene Studien eingeschlossen, davon waren aber nur 21.5% MMMT des Ovars. Cisplatin-basierte Chemotherapie wurde in den meisten adjuvanten Studien untersucht (67%).
Zielgerichtete Therapie und personalisierte Therapien
Da MMMT insgesamt sehr selten sind, gibt es noch wenige Daten zur «targeted Therapy». Eine Studie mit VEGF-gerichteter Therapie, eine zu Pazopanib (nur in MMMT des Corpus uteri) und einer mit Aflibercept (in allen MMMT) zeigte leider nur einen minimalen Effekt in der Gruppe der MMMT. (22, 23).
Auch neuere Ansätze aus der Immuntherapie werden zur Zeit geprüft. Aus dem TGCA-Atlas geht hervor, dass rund 3.5% der uterinen Karzinosarkome eine hohe Mikrosatelliteninstabilität haben und damit eine Immuntherapie mit einem Checkpointinhibtor vielversprechend ist (40). Behandlungsstrategien für MMMT unabhängig vom Organ sollten zukünftig auf die Driver-Mutationen p53 oder KRAS/PI3KCA ausgerichtet werden und so Studienmedikationen zielgerichtet auf den genetischen Ursprung ausgerichtet verabreicht werden. Hierfür benötigt es jedoch grosse kollaborative Studien mit vorgeschalteter molekularer Untersuchung.
Zentrum Onkologie und Hämatologie
Tumorzentrum Baselland
Kantonsspital Baselland
Rheinstrasse 26
4410 Liestal
Schweiz
marcus.vetter@ksbl.ch
Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Beitrag deklariert.
Die Behandlung des MMMT bleibt eine Herausfordernung.
Wie beim Ovarialkarzinom braucht es ein optimales zytoreduktives Vorgehen bzw. Staging.
Bezüglich der Systemtherapie sind die Bücher noch nicht geschlossen, eigene Daten weisen einen Vorteil einer platin-/anthracylin-haltigen Chemotherapie auf.
Personalisierte Ansätze sind in der Erprobung. Bei der geringen Zahl an Patientinnen werden diese Tumore meist in Basket-Studien oder Endometriumkarzinom/Ovarilakarzinom-Studien behandelt.
Messages à retenir
Le traitement des carcinosarcomes / MMMT demeure un défi.
Comme pour le cancer de l’ovaire, une procédure cytoreductrice optimale resp. un Staging est nécessaire.
En ce qui concerne la thérapie systémique, les livres ne sont pas encore fermés, nos propres données montrent un avantage de la chimiothérapie contenant du platine et de l’anthracyline.
Des approches personnalisées sont en cours d’expérimentation. Etant donné le petit nombre de patientes, ces tumeurs sont généralement traitées dans le cadre d’études de panier ou d’études de carcinome endométrial / ovarien.
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42. Powell MA et. al., J Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr 5500)
Die Betreuung von Frauen in der Nachsorge bei gynäkologischen Tumorerkrankungen stellt vielfältige Ansprüche. Neben der frühen Erkennung eines Rezidivs sind mögliche Langzeitnebenwirkungen sowie psychoonkologische und psychosoziale Themen für die Betroffenen von hoher Relevanz. Aufgrund der ungünstigen Langzeitprognose des Ovarialkarzinoms sowie der Seltenheit der epithelialen / mesenchymalen Tumore des Corpus uteri richten wir unser Augenmerk im Beitrag lediglich auf das glanduläre Endometrium- und das epitheliale Zervixkarzinom.
La prise en charge pour le suivi d’une patiente atteinte d‘une tumeur gynécologique doit satisfaire à de multiples exigences. Outre le diagnostic précoce d’une récidive, les potientiels effets secondaires à long terme des traitements et les répercussions psycho-oncologiques et psycho-sociales ont une grande importance pour les patientes. Vu le pronostic à long terme défavorable du cancer de l’ovaire et la rareté des tumeurs mésenchymateuses et épithéliales du corps utérin, l’article proposé se concentre sur le suivi en cas d’adénocarcinome du corps utérin et de cancer épidermoïde du col utérin.
Während bei Frauen mit der Diagnose einer gynäkologischen Tumorerkrankung in der Betreuung die oft beeinträchtigenden Therapien und deren Nebenwirkungen im Zentrum stehen, rückt in der Nachsorge insbesondere auch die Lebensqualität in den Fokus. In der Nachsorgephase beginnt für die Patientin häufig erst die intensivere Auseinandersetzung mit sich selbst, der Prognose und der Angst vor dem Rezidiv.
Standardisierte versus symptomorientierte Nachsorge – weniger ist oft mehr
Die Nachsorge wird einheitlich empfohlen, obwohl die Datenlage zur Nachsorge bei gynäkologischen Malignomen spärlich ist. Es liegen keine prospektiven oder gar randomisierten Studien vor, welche die Wirksamkeit einer standardisierten Untersuchung von asymptomatischen Frauen im Vergleich zu einer symptomorientierten Nachsorge untersuchen.
Endometriumkarzinom – Rezidivrisiko und Nachsorge
Die Rezidivrate des Endometriumkarzinoms ist insgesamt niedrig und liegt über alle Stadien verteilt bei 13%, wobei die Rückfallrate für die Patientinnen mit niedrigem Risiko bei lediglich knapp 3% liegt. In den vergangenen Jahren verbesserte sich die mittlere 5- bzw. 10-Jahresüberlebensrate auf 77% bzw. 70% (1). Die serösen oder klarzelligen Karzinome (Typ-II-Karzinome) sind insgesamt zwar seltener (10-15%), dennoch sind sie auf Grund ihre aggressiveren Biologie für 50% der Rückfälle verantwortlich. (2). Die Mehrheit der Patientinnen mit einem Rezidiv äussert Symptome und nur 30% aller Rezidive sind klinisch asymptomatisch. Bedenkt man, dass sich die Rezidive in etwa gleichen Teilen auf loko-regionäre Rezidive und auf Fernmetastasen aufteilen, erklären sich auch die häufigsten Symptome wie vaginale Blutungen, unspezifische Abdominalbeschwerden, Gewichtsverlust, Lymphödem und persistierender Husten (3). Je nach Studie traten 68-100% der Rezidive innerhalb der ersten drei Jahre nach Ende der Primärtherapie auf. Die PORTEC-1 Studie zeigt, dass die 3-Jahres-Überlebensrate bei einem isolierten Vaginalrezidiv nach Endometriumkarzinom mit 73% deutlich günstiger ist als bei einem pelvinen Rezidiv (14%) oder bei Fernmetastasierung (8%) (4). Nicht einheitlich ist die Studienlage bezüglich der Frage, ob die Überlebensdauer bei asymptomatischen Frauen mit Rezidiv länger ist als bei symptomatischen Rezidiven (5).
Beim Endometriumkarzinom beginnt die leitliniengerechte Nachsorge nach Abschluss der Primärtherapie und sollte in den ersten drei Jahren viertel – bis halbjährlich und in den Jahren vier und fünf in sechsmonatigen Abständen durchgeführt werden (6).
Die Nachsorge umfasst eine sorgfältige Anamneseerhebung hinsichtlich Beschwerden eines Rezidivs sowie Evaluation von Spät-/Langzeitfolgen der Primärtherapien mit ihren Auswirkungen auf die Lebensqualität. In der körperlichen Untersuchung inklusive Allgemeinstatus, gynäkologischer Spekulumeinstellung und rektovaginaler Palpation sowie Vaginalsonographie beziehungsweise Sonographie der ableitenden Harnwege ist die Erkennung eines Rezidivs oder Spätfolgen (6) der Therapie möglich. In einigen Studien konnte bereits durch die gynäkologische Untersuchung inklusive rektovaginaler Palpation eine Detektionsrate für Vaginalrezidive von 35–68 % erreicht werden ohne weitere apparative Diagnostik (7). Auch der zytologische Abstrich wird beim Endometriumkarzinom nicht mehr empfohlen, da er nicht kosteneffizient ist und in nur ca. 10% zur Diagnose beim asymptomatischen Rezidiv führt.
Zervixkarzinom – Rezidivrisiko und Nachsorge
Das mittlere 5- bzw 10 Jahresüberleben beim Zervixkarzinom liegt derzeit in der Schweiz bei 70% bzw. 60% (1). Eine systematische Literaturübersicht von 17 eingeschlossenen retrospektiven Studien von kurativ therapiertem Zervixkarzinom zeigt ein mittleres Intervall bis zum Rezidiv von 7-36 Monaten, etwa ¾ aller Rezidive treten somit in den ersten 2 Jahren nach Abschluss der Primärtherapie auf (8). Die Rezidivrate betrug 8-26 %, davon 14-57 % mit lokalem Beckenrezidiv und 15-61% mit Fernmetastasen (9). Unbestritten ist dabei, dass die Rezidivrate abhängig vom primären Tumorstadium ist (10), wobei bereits ab dem FIGO-Stadium ≥ IIB von einem fortgeschrittenen Stadium gesprochen wird und das Rezidivrisiko über 25% liegt. Klinisch asymptomatisch sind 25% der Patientinnen (11). Insbesondere das lokale Rezidiv äussert sich mit Symptomen wie Ausfluss, Blutungen, Schmerzen und Lymphödem. Patientinnen mit Metastasen haben häufiger unspezifische Symptome. Bei Frauen mit einem lokalen Rezidiv kann die Therapie mit einem kurativen Ansatz erfolgen, deshalb sind diese möglichst frühzeitig zu diagnostizieren. Insgesamt sind die Überlebensraten nach Therapie eines Rezidivs sehr ernüchternd.
Entgegen der noch gültigen S3-Leitlinie 2014 wird an anderen Stellen keine routinemässige Zervixzytologieabnahme nach Radiotherapie im Rahmen der Nachsorge empfohlen. Die technische Auswertung der Zytologie nach erfolgter Radiotherapie ist aufgrund von radiogenen Veränderungen oft erschwert und nur bedingt aussagekräftig. Weiterhin empfohlen wird die Zytologie des Vaginalstumpfes hingegen bei Frühstadien des Zervixkarzinoms, welche mit Hysterektomie therapiert wurde (12). Zum Nutzen der Kolposkopie in der Nachsorge des Zervixkarzinoms gibt es keine publizierten Daten. Sie kann hilfreich sein zur Detektion beim zentralen Rezidiv oder bei Residualtumoren sowie bei präinvasiven Rezidiv-/Zweitläsionen (VIN, VAIN). Ebenfalls ist die HPV-Bestimmung speziellen Fragestellungen vorbehalten (13).
Bildgebung in der Nachsorge des Endometrium- und Zervixkarzinoms
Die in jeder gynäkologischen Praxis zu Verfügung stehende Sonographie kann in der Nachsorge eingesetzt werden (6, 13, 14). Die transvaginale Sonographie ist kosteneffizient und zeigt eine hohe Detektionsrate für Rezidive gynäkologischer Malignome. Zusätzlich ermöglicht die transabdominale Sonographie eine frühzeitige Entdeckung eines Harnstaus als Komplikation der Operation oder Strahlentherapie.
Erst beim Vorliegen des klinischen Verdachts auf ein Rezidiv ist die Durchführung weiterführender diagnostischer Massnahmen empfohlen. Das frühzeitige Erkennen von Fernmetastasen führte in keiner Studie zu einer Verbesserung des Überlebens (3, 15, 16). Bildgebende Untersuchungen wie PET-CT, CT, MRI und Tumormarkerbestimmungen sind daher in der Nachsorge asymptomatischer Patientinnen nicht indiziert (12, 13).
Im Falle eines lokalen Rezidivs oder einer Fernmetastasierung ist nach der histologischen Sicherung, die immer erfolgen soll, eine Festlegung des weiteren Procedere abhängig von der Art der Primärtherapie und der Lokalisation des Rezidivs interdisziplinär zu diskutieren.
Die Tabellen 1 und 2 zeigen je ein Schema der Nachsorge bei Patientinnen mit Endometriumkarzinom bzw. Zervixkarzinom (Tabellen 1 und 2 nach 6, 13).
Psychoonkologische, psychosoziale und sexualmedizinische Beratung
Mit der Rückkehr in den Alltag nimmt das Thema Lebensqualität, einschliesslich sexueller Bedürfnisse, wieder an Bedeutung zu. Betrachtet man die aktuellen Langzeitüberlebensdaten des Endometrium- und Zervixkarzinoms, beinhaltet die Tumornachsorge eine Langzeitbetreuung der Frau im Beziehungsfeld von Familie, Partnerschaft, Beruf. Bei Patientinnen mit einer gynäkologischen Tumorerkrankung finden sich Anpassungsstörungen mit etwa 13%, gefolgt von Angststörungen mit 12% sowie depressive Störungen von 8% (17).
Ziel ist, im Gespräch diese Thematik zu erkennen, anzusprechen und geeignete Massnahmen einzuleiten. Weiter sollen standardisierte und validierte Screeningverfahren (Bsp. NCCN Distress Thermometer) zur Feststellung der psychosozialen Belastung sowie des psychoonkologischen Behandlungsbedarfs eingesetzt werden (18). Sekundäre Prävention im Sinne eines gesundheitsfördernden Verhaltens mit Beratung hinsichtlich Ernährung, Nikotinabstinenz, Gewichtskontrolle, körperlicher Aktivität sowie Stressreduktion spielen eine wichtige Rolle. Gewichtsabnahme bei vorbestehender Adipositas und regelmässige körperliche Aktivität wirken sich positiv auf krebsassoziierte Mortalität und die Lebensqualität aus. Fatigue ist ein unterschätztes Problem, welches oft lange nach Therapieende persistiert und auch durch körperliche Aktivität reduziert werden kann (min. 150 Minuten pro Woche moderate körperliche Aktivität und / oder in Kombination von allgemeinem Krafttraining zwei Mal pro Woche) (12, 19). Analog zur individualisierten Therapie sollte auch die Nachbetreuung individualisiert werden und neben den wenigen empfohlenen klinischen Untersuchungen Zeit für die individuelle Beratung der Patientin bieten.
Die Autorinnen haben in Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte deklariert.
Trotz fehlender Evidenz wird einheitlich eine Nachsorge empfohlen.
Sinnvoll erscheint eine Begleitung der Patientinnen mit symptomorientiertem Fokus sowie Erhebung des Ernährungszustandes und psychoonkologisches Screening.
Die meisten Rezidive treten innerhalb der ersten 3 Jahre nach Therapie auf.
Einzig das frühzeitige Erkennen eines heilbaren Rezidivs hat Einfluss auf die Überlebensrate.
Die Diagnose und Therapie einer asymptomatischen Metastasierung führt zur Einschränkung der Lebensqualität und zeigt keine Verbesserung der Überlebensrate.
Messages à retenir
Un suivi post-thérapeutique est généralement recommandé – malgré l’ absence d’évidence fondée sur des preuves.
Le suivi des patientes ciblé sur les symptômes tout comme l’ évaluation de l’ état nutritionnel et un dépistage psycho-oncologique semble bénéfique.
La plupart des récidives se manifeste dans les trois ans après le
traitement.
Uniquement la découverte précoce d’une récidive qui est curable
a une influence sur le taux de survie.
Le diagnostic et le traitement d’ une métastase asymptomatique
n’ a comme effet qu’ une diminution de la qualité de vie mais ne montre aucune amélioration du taux de survie.
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Die bisherige Entwicklung neuer Therapien war dadurch gekennzeichnet, dass für eine bestimte Tumorentität ein neues Medikament gegen den bisherigen Standard verglichen wurde. Ein vertieftes molekularbiologisches Verständnis und die Erkenntnis, dass bestimmte genetische Veränderungen das Tumorwachstum antreiben, stellen diesen Grundsatz nun in Frage. Neue Medikamente werden basierend auf genetischen Veränderungen und unabhängig von der Tumorlokalisation – sogenannt tumoragnostisch – entwickelt.
Le développement précédent de nouvelles thérapies était caractérisé par le fait qu’ un nouveau médicament était comparé à l’ ancien standard pour une entité tumorale spécifique. Une meilleure compréhension de la biologie moléculaire et la reconnaissance du fait que certains changements génétiques sont à l’ origine de la croissance des tumeurs remettent maintenant ce principe en question. De nouveaux médicaments sont mis au point en fonction des modifications génétiques – et dans une approche dite agnostique – indépendamment de la localisation de la tumeur.
Die onkologische Therapie hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Neben den herkömmlichen Chemotherapeutika wurden neue Medikamente entwickelt. Neuzulassungen von Medikamenten basierten in aller Regel auf randomisierten Phase III Studien, die eine Verbesserung des Gesamtüberlebens oder zumindest der progressionsfreien Zeit im Vergleich zur bisher bei dieser Tumorentität etablierten Standardtherapie zeigen mussten. Ein verbessertes molekularbiologisches Verständnis der Tumorentstehung und Tumorzellentwicklung mit Nachweis von spezifischen molekularen Veränderungen hat zur Entwicklung sogenannt zielgerichteter Medikamente geführt. Für zahlreiche Tumoren sind bestimmte somatische Genmutationen oder andere genetische Aberrationen bekannt, die für das Tumorwachstum verantwortlich sind (sogenannte «Treibermutationen»). Diese Treibermutationen können in Tumoren ausgehend von unterschiedlichen Ursprungsorganen auftreten. Diese Erkenntnis hat zur Entwicklung von zielgerichteten Medikamenten geführt. Solche Medikamente wirken entsprechend nur dann, wenn die entsprechende molekulare Veränderung in der Tumorzelle vorliegt. Solche spezifischen molekularen Veränderungen können innerhalb einer Tumorentität in unterschiedlicher Häufigkeit auftreten. Beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (non-small cell lung cancer) beispielsweise liegt bei kaukasischen Patienten in rund 10-15% eine EGFR-Mutation vor (1). EGFR-TKIs wurden in randomisierten Phase III Studien gegen konventionelle Chemotherapie verglichen und zeigten in der Erstlinientherapie eine Verbesserung der progressionsfreien Zeit (2). Für die meisten Studien konnte kein Überlebensvorteil nachgewiesen werden, da ein grosser Teil der Patienten, die auf den Chemotherapie-Arm randomisiert wurden, später einen EGFR-TKI erhalten haben (sogenanntes «cross-over»). Dies ist dadurch begründet, dass schon vorgängig die hohe Aktivität von EGFR-TKIs gezeigt wurde und es daher unethisch gewesen wäre, den Patienten im Chemotherapie-Arm die nachgewiesenermassen aktive Therapie zu verwehren. Dieser Umstand führt jedoch dazu, dass es gelegentlich schwierig sein kann, Patienten für prospektiv randomisierte Studien zu rekrutieren, weil sowohl die behandelnden Ärzte als auch gut informierte Patienten eine hohe Erwartungshaltung an die neue Therapie haben. Dies wird insbesondere dadurch erschwert, wenn solche neuen Substanzen ausserhalb von Studien bereits verfügbar gemacht werden.
Basket-Studien für die Untersuchung zielgerichteter Therapien
Gewisse molekulare Veränderungen kommen in einigen Tumorentitäten nur sehr selten vor. Als Beispiel sei hier die BRAF-Mutation beim NSCLC genannt, welche bei rund 2% aller Patienten vorkommt (1). Beim metastasierten Melanom dahingegen sind diese Mutationen bei rund der Hälfte der Patienten zu finden. Nachdem gegen BRAF gerichtete Therapien beim Melanom etabliert wurden, stellte sich die Frage, ob sie auch beim NSCLC wirksam sind. Erste Hinweise zur Aktivität von BRAF-gerichteten Therapie beim NSCLC stammen aus Fallberichten (3, 4). Im weiteren Verlauf hat eine internationale retrospektive Kohortenstudie den Stellenwert von BRAF-gerichteten Therapien gezeigt (5). Auch in einer sogenannten Basket-Studie, in welcher 122 Patienten mit verschiedenen Tumorentitäten mit Vorliegen einer BRAF-Mutation eingeschlossen und mit dem BRAF-Inhibitor Vemurafenib behandelt wurden, zeigte sich bei 20 Patienten mit NSCLC eine vielversprechende Ansprechrate von 42% nach meist ausgiebiger chemotherapeutischer Vorbehandlung (6). Zur Zulassung von Dabrafenib und Trametinib führte die prospektive Phase II Studie BRF113928 mit insgesamt 93 Patienten. In Kohorte B wurden 57 Patienten nach Vorbehandlung mit Chemotherapie eingeschlossen (7) und in Kohorte C 36 therapie-naive Patienten (8). Dieses Beispiel zeigt bereits die Schwierigkeit der Etablierung neuer Therapien bei seltenen molekularen Subgruppen. Hier sind randomisierte Studien.
die traditionell die beste Evidenz liefern, aus vielerlei Hinsicht nicht durchführbar. Für solche Situationen werden häufiger sogenannte Basket-Studien durchgeführt, in welchen Patienten mit unterschiedlichen Tumorentitäten auf eine bestimmte molekulare Veränderung hin untersucht und bei Vorliegen derselben mit einer entsprechenden zielgerichteten Therapie behandelt werden. Dieser Ansatz wird auch als tumoragnostisch bezeichnet. Eine direkte Kontrollgruppe gibt es bei Basket-Studien nicht. Ihre hohe Aussagekraft erreichen sie durch das gezielte medikamentöse Ansteuern eines biologischen Mechanismus. Bis dato hat dieser Ansatz in der Schweiz noch nicht zu einer tumoragnostischen Zulassung von Medikamenten geführt. In den USA wurden in den letzten zwei Jahren durch die staatliche Zulassungsbehörde FDA erstmals neue Medikamente tumoragnostisch zugelassen. Auch die europäische Zulassungsbehörde EMA hat im Sommer diesen Jahres erstmals eine tumoragnostische Zulassung vorgenommen.
Tumoragnostische Studienprotokolle und Zulassungen neuer Medikamente
NTRK-Fusionen kommen bei rund 1% aller Tumoren vor (9). Am häufigsten zu finden sind sie bei Speicheldrüsenkarzinomen, bestimmten Weichteilsarkomen sowie beim infantilen Fibrosarkom. Zudem kommen sie bei einer Vielzahl weiterer solider Tumoren (u.a. Schilddrüsenkarzinom, NSCLC) vor. Basierend auf einer Phase I Studie (NCT02122913), einer Phase I/II bei Kindern (SCOUT, NCT02637687) sowie einer Phase II Basket-Studie für Patienten mit NTRK-Fusionen (NCT02576432) mit insgesamt 122 Patienten in allen drei Studien zusammen wurde der spezifische Inhibitor Larotrectinib in den USA und jüngst auch in Europa tumoragnostisch zugelassen (10-12). Die EMA hat eine bedingte Zulassung erteilt. Bedingte Zulassungen können erteilt werden, wenn ein hoher therapeutischer Bedarf vorliegt und die verfügbaren Daten zu einer günstigen Nutzen-Risiko-Abwägung führen. Die Zulassungsinhaber sind aufgefordert, weitere klinische Daten zu liefern, um dann später eine definitive Zulassung zu erreichen. Dies wird häufig über sogenannte Phase IV Studien erreicht. Ebenfalls durch die FDA zugelassen wurde Entrectinib, ein weiterer NTRK-Inhibitor, basierend auf der kombinierten Analyse der beiden Phase I Studien ALKA-372-001 und STARTRK-1 sowie der Phase II Studie STARTRK-2 (13, 14).
Eine weitere tumoragnostische Zulassung durch die FDA erfolgte für Pembrolizumab bei Patienten mit mikrosatelliteninstabilen (MSI-H) beziehungsweise Mismatch Repair defizienten (dMMR) Tumoren nach entsprechender Vorbehandlung und ohne etablierte Therapiealternativen. Erstmals konnte in einer Phase II Studie mit 10 Patienten mit dMMR kolorektalem Karzinom und 7 Patienten mit anderen Tumoren eine hohe Aktivität von Pembrolizumab bei Patienten mit dMMR-Tumoren gezeigt werden (15). In einer Expansion mit insgesamt 86 Patienten konnten diese Resultate bestätigt werden (16). In der Folge wurden zwei unabhängige Phase II Studien für Patienten mit MSI-H bzw. dMMR Tumoren initiiert, eine für Patienten mit kolorektalem Karzinom (KEYNOTE-164) (17) und eine für Patienten mit anderen soliden Tumoren (KEYNOTE-158) (18). In der zweiten Studie wurden 233 Patienten mit insgesamt 27 verschiedenen Tumoren eingeschlossen. Diese tumoragnostische Entwicklung von Pembrolizumab bei MSI-H/dMMR-Tumoren basiert auf einer biologischen Rationale, da diese Tumoren eine erhöhte Mutationslast und eine höhere Zahl von Neoantigenen tragen (19).
Tumoragnostischer Ansatz – ein Paradigmenwechsel mit Folgen
Die tumoragnostische Zulassung von neuen onkologischen Therapien bedeutet einen Paradigmenwechsel, da dadurch neue – durch Biomarker definierte – Krankheitsentitäten entstehen. Mit dieser tumoragnostischen Zulassung definiert neu das Vorhandensein eines bestimmten Biomarkers die Erkrankung nicht mehr das Ursprungsorgan. Auch schon früher wurden bestimmte Medikamente basierend auf einer Biomarkeranalyse zugelassen, jedoch stets für eine bestimmte Tumorentität. Für die zukünftige Entwicklung hat diese eine grosse Bedeutung. Wie bereits vorgängig diskutiert, ist die Durchführung von tumoragnostischen klinischen Studien schon seit längerem etabliert. Als Beispiel tumoragnostischer Studien wurden Basket-Studien erwähnt, es gehören aber auch sogenannte Plattform-Studien dazu, in welchen mehrere Studien in einem Masterprotokoll durchgeführt werden, als Beispiel hierzu sei die NCI-MATCH Studie erwähnt. Solche tumoragnostischen Studien können wichtige Resultate liefern, die dann in adaptierten Studien weiter untersucht werden und können gegebenenfalls in eine tumoragnostische Entwicklungsstrategie übergehen, in welcher dann neben weiteren klinischen Daten auch pharmakokinetische Daten und Medikamenteninteraktionen tumoragnostisch eingeschlossen werden. Die Durchführung solcher Studien mit adaptivem Studiendesign, bei welchem im Laufe der Studie basierend auf ersten Auswertungen Hypothesen verworfen und neue aufgestellt werden und diese dann die Weiterführung der Studie direkt beeinflussen, stellt ebenfalls grosse Herausforderungen an die Planer und Durchführer, aber auch an die Zulassungsbehörden, da viele der bisherigen Beurteilungskriterien ihre Gültigkeit verlieren. Diese Entwicklung bietet jedoch nicht nur Chancen, sondern bedarf auch einer kritischen Beurteilung. Es gilt, die Heterogenität und die unterschiedliche Biologie innerhalb einer Biomarker-definierten Gruppe von Tumoren zu berücksichtigen, was gegebenenfalls zusätzlicher Studien für bestimmte Tumorentitäten braucht. Hier können in Anbetracht der Seltenheit bestimmter Tumorentitäten und molekularer Veränderungen Daten aus Register- und Kohortenstudien von Bedeutung sein. In der Schweiz wird demnächst die SAKK 86/18 (ONCONAVIGATOR) Studie anlaufen. In diese Kohortenstudie können alle Patienten eingeschlossen werden, deren Tumor mittels moderner Sequenzierung (next-generation sequencing, NGS) analysiert wurde. Basierend auf der Sammlung von molekularen und klinischen Daten sollen durch artifizielle Intelligenz Behandlungsalgorithmen erstellt werden, die dann in einer nächsten Phase des Projekts prospektiv geprüft werden. Eine weitere Schwierigkeit tumoragnostischer Studien ist die Frage des klinischen Endpunktes. Progressionsfreie Zeit und Gesamtüberleben sind in solchen Studien aufgrund der Heterogenität und der damit verbundenen unterschiedlichen Prognose schwierig zu prüfen. Auch sollte man sich der Tatsache bewusst sein, dass eine rasche Zulassung basierend auf einem tumoragnostischen Ansatz gegebenenfalls die Weiterentwicklung, beispielsweise durch die Untersuchung von Therapiekombinationen bei bestimmten Tumorentitäten, verzögern oder verunmöglichen kann. Ein weiteres wichtiges Themengebiet bei der Entwicklung neuer zielgerichteter Therapieansätze ist die molekulare Testung. Wird ein Medikament aufgrund des Vorhandenseins eines bestimmten Biomarkers zugelassen, so muss die Detektion dieses Markers zuverlässig und reproduzierbar erfolgen können.
Zusammenfassend darf gesagt werden, dass ein verbessertes molekularbiologisches Verständnis der Tumorentstehung und -entwicklung zu einem Paradigmenwechsel in der klinischen onkologischen Forschung geführt hat. Die heutige Medikamentenentwicklung erfordert in vielen Fällen die Implementierung neuer Studiendesigns. Dies führt in vielen Fällen dazu, dass neue Medikamente schneller zu den Patienten kommen und damit deren Prognose verbessern können. Es gilt in dieser Entwicklung aber, kritische Punkte bei der Diagnostik, der Studienplanung und der Validierung von Studienergebnissen zu berücksichtigen.
Prof. Dr. med. Dr. phil. nat. Sacha Rothschild
Kantonsspital Baden
Zentrum für Onkologie & Hämatologie
Im Ergel 1
5404 Baden
sacha.rothschild@ksb.ch
Honorare für Advisory Boards von AstraZeneca, BMS, Boehringer-Ingelheim, Eisai, Eli-Lilly, Merck Serono, MSD, Novartis, Pfizer, Roche und Takeda (an die Institution). Forschungsgelder von AstraZeneca, Boehringer-Ingelheim, BMS, Eisai und Merck Serono.
Ein verbessertes molekularbiologisches Verständnis der Tumorentstehung und -entwicklung hat zu einem Paradigmenwechsel in der klinischen onkologischen Forschung geführt
Die Entwicklung zielgerichteter Therapien erfordert neue Studiendesigns, wie zum Beispiel Basket-Studien oder Plattform-Studien
Die tumoragnostische Entwicklung neuer Medikamente bietet sich für zielgerichtete Therapien für gut validierte prädiktive Marker an
Messages à retenir
Une meilleure compréhension de la biologie moléculaire de l’ apparition et du développement des tumeurs a conduit à un changement de paradigme dans la recherche clinique en oncologie.
Le développement de thérapies ciblées nécessite de nouvelles conceptions d’ études, telles que des études de panier ou des études de plateforme.
L’ approche dite agnostique du développement de nouveaux médicaments se prête à des thérapies ciblées pour des marqueurs prédictifs bien validés.
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Krebsbetroffenen stehen zahlreiche Hilfsmittel zur Verfügung, welche zur Bewältigung ihrer Situation beitragen können. Die Welle der Digitalisierung aller Gesellschaftsbereiche erfasst erfreulicherweise auch diesen Bereich, so dass immer mehr digitale Hilfsmittel, Apps oder «Tools» angeboten werden.
Les personnes atteintes de cancer disposent de nombreux outils qui peuvent les aider à faire face à leur situation. Heureusement, la vague de digitalisation de tous les domaines de la société affecte également ce domaine, de sorte que de plus en plus d’aides numériques, d’applications ou de «tools» sont ainsi mis en place.
Diese digitalen Helfer können zu verschiedenen Zwecken eingesetzt werden, so beispielsweise zur Unterstützung bei der Krebsfrüherkennung, zum Erfassen individueller Symptome, zur Kommunikation zwischen Betroffenen und Behandelnden, zur Beratung bezüglich Nebenwirkungen von Therapien sowie generell zum Umgang mit der belastenden Situation einer Krebserkrankung.
Die Krebsliga Schweiz hat im Rahmen eines Projekts der Nationalen Strategie gegen Krebs bereits im 2018 einen Kongress zu solchen Apps durchgeführt. In diesem Rahmen kamen die Experten zum Schluss, dass einer der kritischen Momente auf dem Weg solcher Tools zum Patienten der Übergang von der Studienphase – welche solche Tools meistens durchlaufen – in den Alltag der Betroffenen, also in die Regelversorgung darstellt. Unklarheiten bezüglich Finanzierung, Betreuung bzw. Weiterentwicklung solcher Tools in dieser Phase stellen grosse Hürden dar.
Um sich über Herausforderungen und Erfahrungen in Zusammenhang mit diesem Übergangsmoment auszutauschen, wurde im Oktober 2019 ein Folge-Anlass zur ersten Tagung organisiert. Im Rahmen des «Forum SELF», der entsprechenden Plattform des Bundesamts für Gesundheit BAG, diskutierten insgesamt über 50 Personen aus Praxis, Verwaltung, Industrie und weiteren Kreisen, wie diese Implementierung von Tools im Bereich Selbstwirksamkeit von Krebspatienten in die Regelversorgung idealerweise angegangen werden sollte. In diesem Artikel wird auf zwei der dort besprochenen Tools eingegangen und die «Take Home Messages» dieses Anlasses werden vorgestellt.
Krebsbetroffene leiden aufgrund ihrer Erkrankung oder der erhaltenen Therapie an den verschiedensten Symptomen, welche sich negativ auf den Alltag der Betroffenen und deren Angehöriger auswirken können. Solche Symptome werden in der Onkologie mittels supportiver Therapien angegangen. Mit dem Symptom-Navi-Programm können krebserkrankte Menschen ihre Symptome auch im Selbstmanagement angehen. Laut Prof. Manuela Eicher (IUFRS, Universität Lausanne/CHUV), Verantwortliche des Symptom-Navi-Programms, wurde gezeigt, dass Menschen, die den Umgang mit den Auswirkungen ihrer Erkrankung auf ihren Alltag verbessern können, gesünder weiterleben, weniger Probleme haben und besser im Alltag zurechtkommen.
Das Symptom-Navi-Programm besteht aus 16 Informationsblättern mit schriftlichen Kurzinformationen zu häufigen Symptomen sowie einem Schulungskonzept für Pflegefachpersonen zur Patientenedukation bei der Abgabe der Informationsblätter. Jedes dieser 16 Informationsblätter ist einem Symptom gewidmet. Ziel der verschiedenen Produktangebote ist, Betroffenen dabei zu helfen, auftretende Symptome mit einem Ampelsystem «Grün, Gelb, Rot» in ihrer Intensität richtig einzuschätzen und wirksame Massnahmen zu treffen.
Das Symptom Navi ersetzt keineswegs die Betreuung und das Gespräch mit einer Fachperson. Es soll vielmehr die Information und Beratung durch Fachpersonen unterstützen. Es liegt nahe – und wurde aus Betroffenenkreisen auch nachgefragt – diese Informationen in einer Smartphone-App zusammenzufassen bzw. zur Verfügung zu stellen. Dies hat viele Vorteile: Beispielsweise, dass sich Videos und Audio-Files leicht einbinden lassen. So drückt der Nutzer auf einen Link, der ihn direkt zu Videos und weiteren Informationen und Vernetzungen führt. In der digitalen Version findet der Patient zudem die Koordinaten möglicher Ansprechpartnerinnen und -partner in seiner Gegend, wie etwa die Telefonnummer der wichtigsten Personen seines Behandlungsteams.
Aus der Patientenperspektive sind das klare Verbesserungen. Auch aus Sicht der Anbieter bringt die elektronische Version Vorteile. So können beispielweise Statistiken zur Nutzung der einzelnen Informationen angelegt und analysiert werden. Allerdings sind es, wenig überraschend, hauptsächlich Aspekte zur Finanzierung sowie zum Datenschutz, welche die Initianten beim Prozess der Digitalisierung und Implementierung vor grosse Herausforderungen stellen, so dass die Implementierung in die Regelversorgung noch nicht so weit fortgeschritten ist, wie sich dies die Initianten wünschten.
STREAM: Stress aktiv mildern
Das Online-Programm STREAM hilft neudiagnostizierten Krebserkrankten dabei, den erfahrenen Stress zu senken und die Lebensqualität dadurch zu steigern. STREAM ist ein Akronym und steht für «Stress aktiv mindern». Anhand von acht Modulen mit Fragen, Informationen, Übungen und verhaltenstherapeutischen Anleitungen erhält der Krebsbetroffene eine Unterstützung bei der Bewältigung der Belastungen, welche die Krankheit auslöst. In den Übungen arbeitet sie oder er Themen durch wie: Was löst Stress aus, wer kann mich wie unterstützen, wie finde ich Ressourcen? Innerhalb des Programms steht der Krebspatient in einem regelmässigen schriftlichen Kontakt mit einem Psychoonkologen.
Nach acht Wochen der gestützten Selbsthilfe kann der Betroffene laut Prof. Vivianne Hess (Leitende Ärztin Onkologie USB), Studienleiterin STREAM, mit seiner Krankheit besser umgehen. Ein digitales Programm wie STREAM hat den Vorteil, dass man Betroffene in einem grossen geographischen Raum erreichen kann. Die Teilnehmer schätzen es, dass sie selbständig entscheiden können, wann, wo und wie oft sie das Programm inklusive den Übungen zum Runterladen (eigens produzierte Videos und Audio-Files) benutzen.
Weitere Vorteile sind, dass sich die Betroffenen die «Sitzungen» zeitlich einteilen und dazu einen bequemen Ort wählen können. Trotz der Schriftlichkeit bauen die Betroffenen gemäss Pilotstudie eine persönliche Beziehung zum Therapeuten auf, die ähnlich stark ist wie bei der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht. Diese Beziehung ist wichtig und führt zu einer Steigerung der Wirksamkeit der Intervention im Vergleich zu reinen Selbsthilfeprogrammen. Man darf sogar die Frage aufwerfen, ob in gewissen Situationen die digitale Psychoonkologie vielleicht sogar besser geeignet ist als Sitzungen von Angesicht zu Angesicht es sind.
Über die ganze Zeit der Behandlung – bei STREAM über elf Wochen – gesehen, ist das digitale Programm wahrscheinlich zeit-
effizienter: die schreibenden Psychoonkologinnen wendeten pro Woche im Durchschnitt nur 13 Minuten für einen Patienten auf. Persönliche Sitzungen dauern in der Regel schnell eine Stunde. Das Alter der Teilnehmer an der STREAM-Pilotstudie hat nachweislich keinen Einfluss in Bezug auf die Nutzung des digitalen Angebots.
Wie beim Symptom-Navi-Programm sind auch bei STREAM Finanzierung und Datenschutz zwei zentrale Probleme in Bezug auf die Implementierung in die Regelversorgung. Ein privates Unternehmen interessierte sich zwar für den Kauf des ganzen Programms, den Initiantinnen ist es aber wichtig, dass das Programm auf mehrere Stakeholder abgestützt ist, bzw. eine Anbindung an eine öffentliche oder Non-Profit Organisation wie der Universität Basel oder der Krebsliga Schweiz besteht.
Erkenntnisse aus der Tagung «Forum SELF» des BAG
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat am 29. Oktober 2019 das zweite Forum der «Plattform SELF» mit dem Jahresthema «Good-practice-Angebote der Selbstmanagement-Förderung» durchgeführt. Ausgehend von den Ergebnissen des Zwischenberichts «Nachhaltige Finanzierung und Qualität in der Selbstmanagement-Förderung – eine Studie mit Beispielen guter Praxis», wurden im Rahmen von Workshops die Empfehlungen des Berichtsentwurfs diskutiert sowie verschiedene der porträtierten Good-practice-Beispiele vorgestellt.
Als Teil der Veranstaltung bot die Krebsliga Schweiz einen Workshop an, in welchem sowohl das Symptom-Navi-Programm wie auch STREAM durch Projektbeteiligte vorgestellt und die Inhalte der Präsentationen mit dem Publikum diskutiert werden konnten. Dies als Folgeveranstaltung zur Tagung «digiself 2018». Dabei bestätigte sich, dass die Frage nach der Finanzierung der Transition solcher Apps vom akademischen ins Regelversorgungs-Setting für Projektverantwortliche eine zentrale Herausforderung darstellt.
Die während der Diskussion genannten, dafür benötigten finanziellen Mittel – 250’000 Franken als Richtwert für die Durchführung einer Studie zu einem solchen digitalen Tool und gar eine halbe Million Franken für die Implementierung in die Regelversorgung – wurden in einem ersten Moment ungläubig aufgenommen. Allerdings: Allein die Zertifizierung eines solchen Tools bringt Kosten in der Grössenordnung von CHF 100’000 mit sich.
Weitere gewichtige Kostenpunkte sind laut den Projektverantwortlichen das Online-Marketing des Tools bei der Zielgruppe durch Social Media oder auch bezahlte Google-Werbung sowie insbesondere das Sicherstellen von Datenschutz und die ständige Aktualisierung des Inhalts. Wenn man zusätzlich den Aufwand bezüglich Aufbereitung für die verschiedenen technischen Plattformen (inkl. Updates) berücksichtigt, erklären sich die hohen Beträge.
Benutzerfreundliche Ausgestaltung
Ein Knackpunkt beim Erfolg der Implementierung eines solchen Tools ist des Weiteren die Benutzerfreundlichkeit. So sind die User-Präferenzen, beispielsweise bei Art und Häufigkeit der erforderlichen Interaktion mit dem Tool stark individualisiert. Nebst persönlichen Vorlieben (Zitat Workshop-Teilnehmer: «Ich will nicht ständig vom Handy zu etwas aufgefordert werden.») gibt es auch stratifizierte Unterschiede, je nach Art der Unterstützungsleistung des Tools bzw. der angestrebten Wirkung bei der Zielgruppe.
Den Gedanken des richtigen Masses weiterführend, wurde auch die «Schwemme» von Apps und Webseiten, mit denen wir in Kontakt kommen, kritisch hinterfragt. Um ein drohendes Überangebot zu vermeiden, aber auch um Synergien zu nutzen, zielte das Schlusswort von Astrid Grossert, Vertreterin von STREAM, auf alle Anbieter von Patienten-orientierten Tools und es soll auch hier multipliziert werden: im Sinne der Effizienz, aber auch um es den Betroffenen zu vereinfachen, sollten Ressourcen unbedingt gebündelt und Projekte in grösstmöglicher Vernetzung geplant und vor allem implementiert werden.
*Der Abschnitt enthält Passagen aus Interviews mit den im Text erwähnten Personen, zu finden auf www.nsk-krebsstrategie.ch
Dr. sc. nat. Michael Röthlisberger
Co-Gesamtprojektleiter NSK
Nationale Strategie gegen Krebs
c/o Oncosuisse
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michael.roethlisberger@nsk-krebsstrategie.ch
Der Autor hat keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Beitrag deklariert.