PET-gesteuerte Behandlung des Hodgkin Lymphoms im Frühstadium
Endergebnisse der internationalen, randomisierten Phase III-Studie HD16 der GHSG
In dieser Phase III Studie wurden 1.150 Patienten mit Hodgkin-Lymphom im Frühstadium randomisiert, die sich einer Behandlung mit Standard-Adriamycin/Bleomycin/Vinblastin/Dacarbazin (ABVD) über 2 Zyklen mit anschliessender FDG-PET-Untersuchung unterzogen. Im Standard-Arm wurden 20 Gy-Involved-Field-Radiotherapie (IFRT) appliziert, wƤhrend im experimentellen Arm die IFRT nur bei Patienten mit PET-positiven Restbefunden nach 2 Zyklen ABVD durchgeführt wurde. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 47 Monate. Bei Patienten mit PET-negativer Erkrankung nach zwei Zyklen ABVD (PET-2) betrug das progressionsfreie 5-Jahres-Ćberleben (PFS) 93,4 % (90,4-96,5%) mit sequentieller Chemo- und Radiotherapie und 86,1% (81,4-90,9%) nur mit Chemotherapie (Hazard Ratio 1,78; 95% Konfidenzintervall 1,02-3,12). Die PFS-Differenz resultiert in erster Linie aus einem signifikanten Anstieg der In-Feld-Rezidivraten (2,1 vs. 8,7%, pā=ā0,0003), wobei es keinen Unterschied bei den Out-of-Field-Rezidiven gibt. Die Fünf-Jahres-Gesamtüberlebensrate betrug 98,1% mit kombinierter Behandlung vs. 98,4% nur mit Chemotherapie. In der kombinierten Behandlungsgruppe betrug die 5-Jahres-PFS 93,2% bei PET-NegativitƤt vs. 88,1% bei PET-PositivitƤt. Bei Verwendung des Deauville-Scores 4 für PET-PosititƤt war dieser Unterschied bei der 5-Jahres-PFS mit 93,1% gegenüber 80,1% noch ausgeprƤgter.
Schlussfolgerung: Bei einem Hodgkin Lymphom im Frühstadium verbessert RT das PFS nach 2 Zyklen ABVD, auch wenn die PET negativ ist. Eine positive PET nach 2 Zyklen ABVD ist ein Risikofaktor für ein schlechteres PFS, selbst bei 20 Gy Konsolidierungs-RT, insbesondere bei einem Deauville-Score von 4. In einer zwischenzeitlich erschienenen Vollpublikation der Studie (Fuchs M et al, JCO 2019) empfiehlt die Studiengruppe daher explizit, dass die konsolidierende Strahlentherapie als Standardbehandlung bei den Patienten, die nach 2 Zyklen ABVD ein Ansprechen im PET zeigen, beibehalten wird.
Kƶrperstereotaxie im Vergleich zur externen Standardbestrahlung bei lokaler Metastasierung der WirbelsƤule
Ergebnisse der Phase III der NRG Oncology/RTOG 0631
In dieser Phase III NRG Oncology/RTOG Studie wurden 339 Patienten mit WirbelsƤulenmetastasen 2:1 zu einer stereotaktischen Kƶrperbestrahlung (SBRT, 16 oder 18 Gy in 1 Fraktion) gegenüber einer konventionellen Strahlentherapie (RT, 8 Gy in 1 Fraktion) randomisiert. Der primƤre Endpunkt war die Schmerzkontrolle, definiert als eine 3-Punkt-Verbesserung auf der numerischen Schmerzskala (0-10). Die 3-MonatsverƤnderung des Schmerzscores unterschied sich nicht zwischen den Armen (-3,00 bei SBRT gegenüber -3,83 bei konventioneller RT). Ausserdem wurde kein Unterschied in der Ansprechrate der Schmerzreduktion nach 3 Monaten beobachtet (40,3% bei SBRT vs. 57,9% bei konventioneller RT, pā=ā0,99).
Schlussfolgerung: Die SBRT der WirbelsƤule konnte im Vergleich zur konventionellen RT die Schmerzreduktion aus Patientensicht nach 1, 3 und 6 Monaten bei Patienten mit lokalisierten WirbelsƤulenmetastasen nicht verbessern.
Zwei Jahre Anti-Androgen-Behandlung erhöht die Sterblichkeit bei Männern, die eine frühe Salvage-Strahlentherapie erhalten
Eine SekundƤranalyse der randomisierten Phase III-Studie NRG/RTOG 9601
Diese Phase III NRG Onkology-Studie randomisierte 760 Patienten mit Prostatakrebs nach radikaler Prostatektomie mit biochemischem Rezidiv (post-op PSA 0,2-4,0āng/mL und mit initial entweder pT2-Stadium mit positiven chirurgischen RƤndern oder pT3), die dann eine Salvage-RT (64,8 Gy/36 Fraktionen) plus 150āmg Bicalutamid tƤglich gegen Placebo für 24 Monate erhielten. Diese SekundƤranalyse zeigte einen signifikanten Gesamtüberlebensvorteil (OS) für Bicalutamid bei MƤnnern mit PSA >ā1,5āng/mL (Hazard Ratio [HR] 0,45; 0,25-0,81), jedoch nicht für PSA 0,2-1,5āng/mL (HR 0,87; 0,66-1,16). MƤnner mit PSA ā¤ā0.6 ng/mL hatten eine erhƶhte anderweitige MortalitƤt durch Bicalutamid (HR 1,94; 1,17ā-ā3,20). Im Bicalutamid-Arm gab es erhƶhte kardiale Ereignisse des Grades 3-5 (pā=ā0,04).
Schlussfolgerung: PSA ist sowohl prognostisch als auch prƤdiktiv für den Nutzen einer Hormontherapie mit Salvage RT. Eine langfristige Androgenentzugstherapie verbessert das OS bei Patienten, die eine frühzeitige Salvage-RT mit PSA <ā1.5āng/mL erhielten, nicht und kann die MortalitƤt anderer Ursachen erhƶhen.
Eine Phase III Multi-Center randomisierte Studie zum Vergleich von Adjuvanter versus Früh-Salvage Strahlentherapie nach radikaler Prostatektomie
Ergebnisse der TROG 08.03 und ANZUP-Studie «RAVES»
Diese Phase III Studie randomisierte 333 Patienten mit extraprostatischer Extension (EPE), Samenblaseninvasion (SVI) oder positiven RƤndern und PSA <ā0,10āng/mL zur adjuvanten Strahlentherapie (RT) innerhalb von 6 Monaten nach radikaler Prostatektomie im Vergleich zur Salvage RT, die bei einem Anstieg des PSA ā„ā0.20āng/mL durchgeführt wurde. Die Behandlung bestand aus 64 Gy/32 Fraktionen auf das Prostatabett, mit oder ohne Androgenentzugs-Therapie. PrimƤres Ziel war es, eine 10%ige Unterlegenheit in der Freiheit von biochemischem Versagen (FFBF) im Salvage-RT-Arm auszuschliessen. Die Rekrutierung wurde aufgrund der geringen Anzahl von Ereignissen vorzeitig beendet. Es wurde kein Unterschied zwischen 8-yr FFBF für adjuvante RT und Salvage RT (79% vs. 76%; NS) festgestellt. ~50% der MƤnner erhielten aufgrund des steigenden PSA-Wertes eine Salvage RT. Die Grad ā„2 genito-urinƤre (GU) ToxizitƤtsrate war im RT-Arm des Salvage-RT-Armes geringer (Odds Ratio 0,34; pā=ā0,002). Es gab keinen Unterschied bezüglich Grad ā„ā2 gastrointestinaler ToxizitƤt.
Schlussfolgerung: Das Konzept der Salvage RT verschont die HƤlfte der MƤnner nach radikaler Prostatektomie vor einer RT und ist mit einer geringeren GU-ToxizitƤt verbunden.
Randomisierte Beobachtungsstudie der Phase II versus stereotaktische Ablativbestrahlung bei oligometastatischem Prostatakrebs (ORIOLE)
PrimƤre Ergebnisse
In dieser Phase II-Studie wurden 54 Patienten mit rezidivierendem, hormonsensitivem oligometastatischem (1-3 Stellen) Prostatakrebs für eine stereotaktische Kƶrperbestrahlungstherapie (SBRT) versus Beobachtung randomisiert. PrimƤrer Endpunkt war die Progression nach 6 Monaten. Bei der SBRT wurde eine signifikant geringere Progression nach 6 Monaten festgestellt, 19% gegenüber 61% in der Beobachtungsgruppe. Alle 35 Patienten in der SBRT-Gruppe hatten eine verblindete PMSA-PET-CT zu Beginn und nach 6 Monaten. Patienten, die eine vollstƤndige Konsolidierung der PET-positiven LƤsionen hatten, entwickelten nach 6 Monaten weniger wahrscheinlich neue Metastasen (16% vs. 63% pā=ā0,006) und hatten ein signifikant lƤngeres progressionsfreies Ćberleben (PFS, nicht erreicht vs. 11,8 Monate, pā=ā0,003) sowie ein verbessertes fernmetastasenfreies Ćberleben (29 vs. 6 Monate, pā=ā0,0008).
Schlussfolgerung: SBRT der Metastasen bei Patienten mit oligometastatischem, hormonsensitivem Prostatakrebs ist mit einem verbesserten PFS verbunden.
Strahlentherapie versus Trans-Oral-Roboterchirurgie bei oropharyngealem Plattenepithelkarzinom
Ergebnisse einer randomisierten Studie
In dieser Phase II Studie wurden 68 Patienten mit T1-T2, N0-N2 (ā¤ā4ācm, keine extrakapsulƤre Ausbreitung in der Bildgebung) Oropharynx-Plattenepithelkarzinom (OPSCC) randomisiert in einen Arm mit trans-oraler Roboterchirurgie (TORS) versus definitive Radiotherapie (bei T1-2N0) respektive definitive Radiochemotherapie (bei T1-2N1-2). Die Bestrahlungsdosis betrug 70 Gy/35 Fraktionen), als Chemotherapie wurde Cisplatin gegeben. Die Patienten wurden nach dem p16-Status stratifiziert. Der primƤre Endpunkt der Studie war die LebensqualitƤt beim Schlucken nach 1āāJahr (Beurteilung gemƤss dem MD Anderson Dysphagie Inventory MDADI). Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 27 Monate. Der Bestrahlungsarm zeigte eine statistisch signifikante Verbesserung der MDADI-Scores nach 1 Jahr (pā=ā0,04), erfüllte jedoch nicht die vorgegebene Definition einer klinisch sinnvollen VerƤnderung (d.h. 10-Punkte-Verbesserung des MDADI). In Subset-Analysen wurde keine Untergruppe identifiziert, die TORS begünstigt. Es gab einen TORS-bedingten Blutungstod.
Schlussfolgerung: Die Toxizitätsmuster unterschieden sich zwischen den Gruppen. Patienten mit OPSCC sollten über beide Behandlungsoptionen informiert werden.
Internationale randomisierte kontrollierte Phase-III-Studie PACE-B
Patienten-berichtete akute ToxizitƤt, bei der die stereo-taktische Kƶrperbestrahlung mit konventionell fraktionierter oder mƤssig hypofraktionierter Strahlentherapie bei lokalisiertem Prostatakrebs verglichen wurde
In dieser Phase III non-inferiority Studie wurden 874 Patienten mit Prostatakrebs mit niedrigem und mittlerem Risiko (Gleason-Score 4ā+ā3 ausgeschlossen) randomisiert in einen Arm konventionelle (78 Gy in 39 Fraktionen) oder mƤssig hypofraktionierte (62 Gy in 20 Fraktionen) Strahlentherapie versus stereotaktische Kƶrperbestrahlung (SBRT, 36.25 Gy in 5 Fraktionen über 1-2 Wochen). PrimƤrer Endpunkt: Freiheit von biochemischem oder klinischem Versagen (bereits publiziert). Co-PrimƤrer Endpunkt: Rate akuter Grad 2 oder schwerere genito-urinƤre/gastrointestinale (GU/GI) ToxizitƤt (Patienten-berichtet). Es gab keinen Unterschied zwischen den Armen hinsichtlich der ToxizitƤt-Raten des Grades 2 oder mehr (GI oder GU).
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse von PACE-B zeigten keine signifikanten Unterschiede in den wichtigsten patientenberichteten Endpunktmassen, was darauf hindeutet, dass SBRT weder die GI- noch die akute GU-ToxizitƤt erhƶht.
Klinische Phase III Studie NRG Oncology/NSABP B39-RTOG 0413
Kosmetische Ergebnisse der Post-Lumpektomie-Bestrahlung der ganzen Brust (WBI) gegenüber der Bestrahlung der partiellen Brust (PBI)
In dieser Phase III NRG Oncology/NSABP-RTOG-Studie wurden Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium nach Lumpektomie in Teilbrustbestrahlung gegenüber einer Vollbrustbestrahlung randomisiert. Bereits zuvor publiziert wurden die 10 Jahres lokalen Kontroll-Daten, die einen Unterschied von weniger als 1% bei den Brust-Rezidivraten zeigten. In der vorliegenden Teilstudie zur LebensqualitƤt (900 analysierbare Patientinnen) wurden die kosmetischen Ergebnisse zwischen den Armen von Patientinnen, Ćrzten und der zentralen Ćbersichtsarbeit verglichen. Die von den Patientinnen bewerteten kosmetischen Ergebnisse waren gleichwertig. Bei der Bewertung durch den Arzt waren die anfƤnglichen Ergebnisse gleichwertig, wƤhrend die Bestrahlung einer Teilbrust nach 3 Jahren zu schlechteren kosmetischen Ergebnissen führte. Bei der verblindeten zentralen Ćberprüfung wurde nach 3 Jahren kein Unterschied in den kosmetischen Ergebnissen festgestellt.
Schlussfolgerung: WƤhrend die kosmetischen Ergebnisse der Teilbrustbestrahlung aus Ćrzte-Sicht schlechter waren als die der Vollbrustbestrahlung, zeigte die Patientinnen-Beurteilung und der verblindete Review kosmetisch gleichwertige Resultate.