Behandlungen verbessern dank Forschungsfƶrderung

Im Jahr 2018 haben die Stiftung Krebsforschung Schweiz, die Krebsliga Schweiz und die kantonalen und regionalen Ligen 175 verschiedene Forschungsinstitutionen und -vorhaben mit insgesamt 30,1 Mio. Franken unterstützt. Dies geht aus dem neu publizierten Bericht «Krebsforschung in der Schweiz» hervor.

Um die Ursachen von Krebs besser zu verstehen, die Entstehung von Krebserkrankungen zu vermeiden und Krebs wirksamer zu behandeln, ruht auf der Forschung grosse Hoffnung –nur dank einem vertieften VerstƤndnis von Krebserkrankungen lassen sich letztlich bessere Behandlungsmethoden entwickeln. Deshalb kommt gerade auch der Forschungsfƶrderung eine tragende Rolle zu. Im vergangenen Jahr erreichte die Fƶrdersumme, die in vielversprechende Projekte investiert wurde, einen neuen Spitzenwert.
Der Bericht «Krebsforschung in der Schweiz» gewährt vertieften Einblick in die geförderten Projekte in den Bereichen klinische, psychosoziale, epidemiologische, Grundlagen- und Versorgungsforschung. Die Bandbreite an Themen in der neuen Publikation ist gross: Es geht um die neuen zellulären Therapien und deren Potenzial zur Heilung von bisher nicht behandelbaren Erkrankungen, um regionale Unterschiede in der Versorgung von Krebspatienten oder um die psychischen Herausforderungen, die Betroffene und ihre Partner nach dem Ende der Behandlung meistern müssen, um wieder an ihr Leben vor der Erkrankung anzuknüpfen.

Intensiver Wettbewerb

Mit dem grössten Teil der Fördergelder unterstützen Krebsforschung Schweiz (KFS) und die Krebsliga Schweiz (KLS) die freie Projektforschung, bei der die Forschenden bestimmen, welcher Fragestellung zu Krebs sie nachgehen wollen. Im Jahr 2018 sind bei den beiden Partnerorganisationen insgesamt 185 Forschungsgesuche eingegangen. Nach der sorgfältigen Prüfung aller Projekte hat die dafür zuständige Wissenschaftliche Kommission (WiKo) 110 Projekte als solid und erfolgsverheissend eingestuft und deshalb zur Finanzierung empfohlen.
Aufgrund der begrenzten Fördermittel konnten der Stiftungsrat der KFS und der Vorstand der KLS allerdings nur 73 Projekten die Bewilligung erteilen, das sind knapp 40 % aller eingereichten Projekte. Für die anderen 37 qualitativ hochstehenden Projekte reichten die Mittel in der freien Projektförderung leider nicht aus: Obwohl die Vorhaben bei der Evaluation durch die WiKo sehr gut abgeschnitten hatten, mussten KFS und KLS den Projektleitenden eine Absage erteilen.
Der Wettbewerb um die beschränkten Fördergelder war auch im KFS-Förderprogramm Versorgungsforschung zu spüren. Dort haben im Jahr 2018 acht von 33 Projekten eine Förderung erhalten. Die Projekte im Bereich Versorgungsforschung werden nicht wie alle anderen von der WiKo, sondern von einem eigens für das KFS-Förderprogramm eingesetzten Expertenpanel begutachtet, in dem auch Personen mit ausgewiesenen Fachkenntnissen in Gesundheitsökonomie oder Pflegewissenschaften Einsitz haben.
Der 108-seitige Bericht ist in gedruckter Form kostenlos in Deutsch, Franzƶsisch und Englisch erhƤltlich und auch als PDF-Datei abrufbar unter www.krebsliga.ch/forschungsbericht.

Dr. Rolf Marti, PhD

Leiter des Bereichs Forschung, Innovation & Entwicklung der Krebsliga Schweiz &
Leiter der GeschƤftsstelle der Stiftung Krebsforschung Schweiz

rolf.marti@krebsliga.ch

Weiterentwicklung von zellulƤren Immuntherapien

Am 23.10. wurden in Zürich die diesjƤhrigen PreistrƤger des SWISS BRIDGE AWARD gekürt. Den Preis im Wert von 500 000 Franken durften sich ein Forschungsteam aus Genf und eines aus Heidelberg teilen. Beide Gruppen beschƤftigen sich mit der Weiterentwicklung von zellulƤren Immuntherapien, die eine Verringerung der Nebenwirkungen und eine Ausweitung der Anwendung von zellulƤren Immuntherapien zum Ziel haben. Die Laudatio hielt Prof. Gordon McVie, PrƤsident der wissenschaftlichen Jury, nach einer Einführung durch den PrƤsidenten des Stiftungsrates, Prof. Jakob Passweg, Basel.

Insgesamt 52 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich um den Swiss Bridge Award 2019 beworben. Die aus international renommierten Expertinnen und Experten zusammengesetzte Jury wƤhlte in einem zweistufigen Verfahren zwei Projekte aus. Die Projektleiter Dr. med. Denis Migliorini, Genf und Dr. med. Lukas Bunse, Heidelberg, erhielten die Preise zur Realisierung ihrer Forschungsvorhaben. Der diesjƤhrige Preis der privaten Stiftung Swiss Bridge ging an Projekte zur zellulƤren Immuntherapie. Bei dieser neuen Therapieform werden kƶrpereigene Abwehrzellen von Tumorpatientinnen und -patienten ex vivo gentechnisch verƤndert und vervielfacht dem Kƶrper zurücktransfundiert, wo sie dank der genetischen Aufrüstung verstƤrkt gegen die Tumorzellen vorgehen kƶnnen. Diese neue Anwendung der zellulƤren Immuntherapie hat bei einigen Patienten zu spektakulƤren Erfolgen geführt. Diese Therapien kƶnnen aber mit schwerwiegenden Nebenwirkungen einhergehen und sie haben sich bislang vor allem bei verschiedenen Arten von Blutkrebs als erfolgreich erwiesen. Der Preis ging deshalb an eine Forschungsgruppe, die sich vorwiegend mit den Nebenwirkungen befasst und eine, die eine Ausweitung der Therapie auf Hirntumore untersucht.

Neurotoxische Nebenwirkungen verringern


Die Forschungsgruppe um Dr. med. Denis Migliorini am Laboratory of Tumor Immunology and Department of Oncology, am UniversitƤtsspital Genf arbeitet daran, die betrƤchtlichen neurotoxischen Nebenwirkungen, die mit den aktuell zugelassenen zellulƤren Immuntherapien einhergehen, zu verringern. Bei bis zu 30 bis 50 Prozent der behandelten Patientinnen und Patienten treten neurotoxische Nebenwirkungen auf. Diese reichen von vorübergehenden neurologischen AusfƤllen, wie Beschwerden beim Gehen oder Sprechen, bis zu schweren AnfƤllen mit komatƶsen ZustƤnden, die in einigen wenigen FƤllen sogar tƶdlich enden kƶnnen.
Dr. Migliorini und sein Team haben herausgefunden, dass das Zielmolekül der genetisch veränderten Abwehrzellen nicht nur auf der Oberfläche von Krebszellen vorhanden ist, sondern auch auf der Oberfläche der Perizyten. Diese sind zusammen mit den Endothelzellen und den Astrozyten für Funktion sowie Aufbau und Entwicklung der Blut-Hirn-Schranke von grosser Bedeutung. Die Gruppe um Dr. Migliorini hat in ihrem Forschungsprojekt das Ziel, die Abwehrzellen mit einem zusätzlichen Gen auszurüsten, welches den gentechnisch veränderten Zellen erlaubt, zwischen den Krebszellen und den Perizyten zu unterscheiden. Dadurch würden nur noch die Krebszellen abgetötet.

Immuntherapien für Hirntumoren


ZellulƤre Immuntherapien haben bisher vor allem bei der BekƤmpfung verschiedener Arten von Blutkrebs Erfolge gezeitigt. Dr. med. Lukas Bunse und sein Team sind nun daran, die Behandlungsmethode auf Gliome auszuweiten. Das sind Hirntumoren, die umgebendes Gewebe infiltrieren und aufgrund ihres invasiven Wachstums mit einer operativen Entfernung derzeit nicht zu heilen sind. Die Forscher um
Dr. Bunse haben in bisherigen Studien vielversprechende Zielmoleküle in den Gliomzellen ausfindig gemacht und beabsichtigen, im geplanten Forschungsprojekt neue genetisch verƤnderte Abwehrzellen herzustellen, die sich gezielt gegen diese Strukturen der Hirntumorzellen richten. Anschliessend planen die Wissenschaftler – zunƤchst an MƤusen und anschliessend bei Patienten – zu überprüfen, ob diese Abwehrzellen in der Lage sind, die Ausbreitung der Gliome zu verhindern.
Dr. Lukas Bunse leitet die Gruppe Translationale Vakzinentwicklung und zelluläre Therapien in den neuroimmunologischen Laboratorien von Prof. Dr. Michael Platten, dem Direktor der Neurologischen Klinik der UMM und der Klinischen Kooperationseinheit «Neuroimmunologie und Hirntumorimmunologie» am DKFZ.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Eleonore E. Droux

droux@medinfo-verlag.ch

Halbjahrestagung der SAKK

Am 22./23. November fand in Zürich die traditionelle Halbjahrestagung der SAKK statt. Der folgende Beitrag beschränkt sich auf die Berichterstattung der beiden Arbeitsgruppen Lungenkarzinome und Sarkome:

Arbeitsgruppe Sarkome (prƤsidiert durch PD Dr. med. Christian Rothermundt, St. Gallen)

SAKK-Studie 17/16: Lurbinectidin as second oder third line palliative chemotherapy in malignant pleural mesothelioma (MPM): a multi-center, single-arm phase II trial (Metaxas Y, Früh M et al.)

Dr. Michael Mark

Die Studie wurden von Dr. med. Michael Mark, Chur, vorgestellt.
Man schƤtzt, dass die Inzidenz des MPM in den kommenden Jahren zunehmen wird. Platin-Pemetrexed (+/- Bevacizumab) ist die Erstlinien-Standardtherapie. Es gibt keine Standard-Zweitlinien-Therapie (meistens Vinorelbin oder Gemcitabin). Das mediane PFS lag unter 2-3 Monaten, das mediane OS unter 9 Monaten. Eine Vielzahl von Studien schlug fehl und es gab keinen wirklichen Fortschritt in der Zweitlinien-Therapie seit 2005. Es existiert daher ein hoher therapeutischer Bedarf für diese Situation.
Die Studie wurde am ESMO 2019 vorgestellt. Sie schloss Patienten mit histologisch oder zytologisch bestƤtigtem MPM ein, die unter Platin-Pemetrexed-Therapie progredierten. Eine zusƤtzliche Immunotherapielinie ergab ECOG 0-1, Knochenmark und Chemie waren adƤquat. Ausschlusskriterien waren mehr als eine Chemotherapielinie, ZNS-Erkrankung, vorheriges Malignom vom Grad ≄2, unerwünschte Nebenwirkungen unter vorheriger Therapie.
Die Studie zeigte AktivitƤt von Lurbinectidin bei progressivem MPM. Das mediane PFS betrug 4.1 Monate, das mediane OS 11.1 Monate. Die ToxizitƤt was akzeptabel. Lurbinectidin wirkt unabhƤngig von Histologie und früherer Immuntherapie – sowohl Patienten mit Ā«slowĀ» als auch Ā«fastĀ» Progression unter Platin-Pemetrexed profitieren von Lurbinectidin. Die Daten unterstützen die Evaluation von Lurbinectidin in einer randomisierten Phase-III-Studie.

ETOP-PROMISE-meso Trial (Popat S, Curioni-Fontecedro A et al.)
A multicentre randomized phase III trial comparing pembrolizumab vs. single agent chemotherapy for advanced pre-treated malignant pleural msothelioma (MPM): results from the European Thoracic Oncology Platform (ETOP 9-15) PROMISE-meso trial

PD Dr. med. Alessandra Curioni-Fontecedro

Die Studie wurde von Frau PD Dr. med. Alessandra Curioni-Fontecedro, Zürich, vorgestellt.
ETOP-PROMISE-meso ist die erste randomisierte Studie, die die Wirksamkeit von Pembrolizumab vs. «single agent» Chemotherapie bei MPM-Patienten, die nach vorgängiger Platin-basierter Chemotherapie progredierten. Die Studie verfehlte ihren primären Endpunkt, Verbesserung des PFS mit Pembrolizumab im Vergleich zu «single drug» Chemotherapie bei PD L-1 unselektierten Patienten. Das mediane PFS unterschied sich nicht zwischen Pembrolizumab und Chemotherapie. Trotz Korrektur für Crossover ergab sich kein OS-Nutzen. Pembrolizumab ging aber mit einem signifikant besseren ORR einher. Das Sicherheitsprofil von Pembrolizumab entsprach früheren Erfahrungen.

Arbeitsgruppe Lungentumore (präsidiert durch PD Dr. med. Martin Früh, St. Gallen)

SAKK-Studie 19/18: Fibroblast growth factor receptor (FGRFR) inhibitor rogaratinib in patients with advanced pretreated squamous-cell non small-cell lung cancer (SQCLC) overexpressing FGFR mRNA

Dr. med. Alfredo Addeo

Die Studie wurde von Dr. med. Alfredo Addeo, Genf, dem koordinierenden Untersucher, vorgestellt.
Es handelt sich um eine Single-arm, multizentrische Phase-II-Studie, die Rogaratinib bei Patienten mit einem vorbehandelten metastasierten Plattenepithelkarzinom der Lunge und Vorliegen einer EGFR-Überexpression untersucht. Primärer Endpunkt war PFS nach 6 Monaten, sekundäre Endpunkte waren OR nach RECIST v1.1, PFS, OS, unerwünschte Ereignisse. Die Studie wurde am
29. Juni 2019 gestartet, Ende der Einschlussphase ist das 2. Quartal 2021.

ETOP 13-18 BEAT meso

Dr. med. Amina Scherz

BEAT-meso ist eine multizentrische randomisierte Phase-III-Studie, in welcher die Kombination von Atezolizumab plus Bevacizumab und Standard-Chemotherapie im Vergleich zu Bevacizumab und Standard-Chemotherapie als PrimƤrtherapie bei fortgeschrittenen malignen Pleura-Mesotheliomen untersucht wird. Die Studie wurde von Frau Dr. med. Amina Scherz, Bern, vorgestellt.
Die Studie wird in insgesamt 45 Zentren in 8 verschiedenen Ländern durchgeführt. Die Schweiz partizipiert mit 9 Zentren. Der erste Patient wurde am 30. April eingeschlossen, das Studienende ist für April 2022 geplant.

ETOP 12-17 ALERT-lung.
ALERT-lung: ALEctinib for the treatment of pretreated RET-rearranged advanced non-small cell lung cancer

ETOP 12-17 ist eine Einzelarm-Phase-II-Studie, die die Wirkung von Alectinib bei der Behandlung von vorbehandeltem RET-re-arrangiertem fortgeschrittenem NSCLC untersucht.

Prof. Dr. med. Matthias Guckenberger

Die Studie wurde von Prof. Dr. med. Matthias Guckenberger, Zürich, präsentiert.
Das RET-Gen kodiert für einen Transmembranrezeptor mit Tyrosinkinaseaktivität. Es ist an der Zellproliferation, der Migration, der Differenzierung und der neuronalen Navigation beteiligt. RET-Umlagerungen treten bei 1% bis 2% der Patienten mit Adenokarzinom auf. Alectinib ist ein hochselektiver ALK-Hemmer der nächsten Generation, der in präklinischen Studien und Frühphasenstudien eine starke Anti-Tumor-Aktivität bei RET-rearrangiertem NSCLC gezeigt hat. Ziel dieser Studie ist es, die Aktivität von Alectinib als Zweitlinienbehandlung von vorbehandeltem RET-rearrangiertem fortgeschrittenem NSCLC zu bewerten.
Primärer Endpunkt: Bestes Gesamtansprechen (OR = CR oder PR) nach Beurteilung des Untersuchers. Sekundäre Endpunkte: Bestes Gesamtansprechen gemäss unabhängigem Review, Krankheitskontrolle nach 24 Wochen PFS, OS. Den Vorsitz der Studie haben Prof Dr. med. Enriqueta Felip, Barcelona, und Prof. Dr. med. Jürgen Wolf, Köln.

EORTC-HALT

Zielgerichtete Therapie mit oder ohne dosisintensivierter Strahlentherapie für oligo-progrediente Krankheitsprogression bei onkogenabhängigem Lungentumor. Diese Studie wurde schon früher präsentiert, hielt Prof. Guckenberger fest.

Quelle: SAKK Halbjahresversammlung, Zürich, 21.-22. November 2019

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

ESMO 2019: Gastrointestinale MalignitƤten

Der diesjährige ESMO-Kongress war ein Feuerwerk an spannenden neuen Daten. Dabei wurde eine Vielzahl von interessanten und lang erwarteten Daten über gastrointestinale Malignome präsentiert. Hier stellen wir Ihnen drei hochrelevante Studien vor.

HepatozellulƤres Karzinom – CheckMate-459

Bei fortgeschrittenem hepatozellulƤrem Karzinom bestehen die Erstlinienbehandlungsoptionen in der VEGF-gerichteten Tyrosinkinase-Inhibition (TKI) mit Sorafenib oder Lenvatinib (1). Die Immuncheckpoint-Blockade zeigte in einer Phase I/II-Studie vielversprechende Ergebnisse (2). Allerdings wurden Immuntherapie und TKI-Therapie nie in einer Phase-III-Studie verglichen, was das Ziel der CheckMate 459-Studie war (LBA38_PR, Ann. Oncol. 2019;30: suppl 5). 743 Patienten mit bisher unbehandeltem, fortgeschrittenem HCC wurden randomisiert auf Nivolumab oder Sorafenib. Leider zeigte sich der primƤre Endpunkt Gesamtüberleben (OS) nicht signifikant unterschiedlich (16,4 vs. 14,7; HR  0,95; p = 0,075). Für Nivolumab wurde eine objektive Ansprechrate (ORR) von 15% gegenüber 7% mit Sorafenib beobachtet. Bei Patienten mit PD-L1-positiven Tumoren (≄ 1%) stieg die ORR auf 28% (20 Patienten) mit Nivoumab gegenüber 9% in der Sorafenib-Gruppe. Die Analyse von Sicherheit und LebensqualitƤt favorisierte ebenfalls die Nivolumab-Gruppe mit der bekannt niedrigen Grad 3/4-ToxizitƤtsrate. Obwohl das Gesamtüberleben gegenüber Sorafenib nicht überlegen war, zeigte Nivolumab klinisch bedeutende Ansprechraten und Langzeitüberleben mit einem günstigen Sicherheitsprofil. Wegen der spƤteren Trennung der Überlebenskurven, Nivolumab begünstigend, sollten die endgültigen OS-Ergebnisse nach langem Follow-up bewertet werden. Zwischenzeitlich wurden die Ergebnisse der IMbrave 150-Studie (Atezolizumab/Bevazizumab vs. Sorafenib; Phase III) in einer Pressemitteilung verƶffentlicht, in der der IO-Arm als überlegen bezüglich OS und PFS bezeichnet wurde (3).

Lokal fortgeschrittenes Pankreaskarzinom – NEOLAP

Die Mehrheit der Patienten mit neu diagnostiziertem, duktalem Adenokarzinom des Pankreas (PDAC) befindet sich in einem lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Stadium. Die Konversion von Patienten mit inoperablem, lokal fortgeschrittenem PDAC, die eine intensive Induktionstherapie erhielten, hat gezeigt, dass diese das Gesamtüberleben verbessert. Die deutsche, multizentrische, Phase II NEOLAP-Studie (#6710) verglich die Induktionschemotherapie mit Gemcitabin/Nab-Paclitaxel (G/nP) mit der sequentiellen Therapie mit G/nP und FOLFIRINOX. 168 Patienten mit lokal fortgeschrittenem PDAC wurden randomisiert auf 4 Zyklen G/nP vs. 2 Zyklen G/nP und 4 Zyklen FOLFIRINOX, gefolgt in beiden Armen von Resektion und 3 weiteren Zyklen G/nP. Aufgrund der geringen Stichprobengrƶsse wurde weder in der Resektionsrate (primƤrer Endpunkt; 45,0 vs. 30,6%, p =v0,135) noch bei OS und PFS (sekundƤre Endpunkte) ein signifikanter Unterschied festgestellt. Der 15%ige Unterschied in der Resektionsrate führt jedoch zu einem klinisch bedeutsamen Nutzen der intensiven Induktionstherapie mit G/nP gefolgt von FOLFIRINOX. Darüber hinaus war das Studiendesign dieser kleinen randomisierten Studie leider suboptimal; eine Randomisierung der Induktionschemotherapie mit FOLFIRINOX vs. G/nP wƤre sinnvoller gewesen. Insgesamt scheint FOLFIRINOX bei lokal fortgeschrittenem PDAC als Induktionschemotherapie aktiver zu sein. TatsƤchlich haben grosse Kohortenstudien in diesem Zusammenhang Resektionsraten von bis zu 60% gezeigt (4).

Metastasierendes kolorektales Karzinom (mCRC) – BEACON

Das BRAF V600E mutierte mCRC stellt einen sehr aggressiven PhƤnotyp mit schlechter Prognose bei etwa 10% der mCRC-Patienten dar (5). Es besteht daher ein hoher Bedarf an einer zielgerichteten Therapie nach Scheitern der Erstlinienchemotherapie. Die BEACON-Studie (Phase 3, # LBA32) verglich zwei gezielte Therapieschemata bestehend aus Encorafenib, Binimetinib und Cetuximab (Triplet) oder Encorafenib und Cetuximab (Doublet) gegenüber der Standardchemotherapie plus Cetuximab. 665 zuvor behandelte mCRC-Patienten wurden eingeschlossen. Beide zielgerichteten Chemotherapie-Behandlungsarme zeigten signifikante Verbesserungen bei ORR (primƤrer Endpunkt; 35% (Triplet) und 29% (Doublet) vs. 7%, p< 0,0001) und Gesamtüberleben (9,0 (Triplet), 8,4 (Doublet) vs. 5,4 Monate, HR 0,52, p< 0,001). Ein Vergleich zwischen den beiden TKI-Armen war bei dieser frühen Zwischenanalyse nicht mƶglich. Alle drei Arme erwiesen sich als sicher mit tolerierbaren Raten von Grad 3-ToxizitƤt, die im Triplet-Arm jedoch hƶher waren als im Doublet-Arm. Aufgrund dieser positiven Ergebnisse sollte die gezielte Doublet- oder Triplet-Therapie als neuer Behandlungsstandard in der beschriebenen Patientengruppe angesehen werden.

1. Vogel A et al. Hepatocellular carcinoma. ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treament and follow-up. Ann. Oncol 2019;30:871-873
2. El.Khouairy AB et al. Nivolumab in patientd with advanced hepatocellular carcinoma (CeckMate 040); an open-labled, non-comparative, phase 1/2 dose escalation and expansion trial Lancet 2017; 389: 2492-2502
3. Ltd, H—L. Media Realease: Roche’s tecentriq in combination with avastin increased overall survival and progression-free survival in people with unresectable hepatocellular carcinoma (2019)
4. Hackert T et al. Locally advnced pancreatic cancer: Neoadjuvant therapy with folfirinox. Results in resectability in 60% oft he patients. Ann Surg. 2016;264: 457-463.
5. Tran B et al Impact of BRAF mutation and microsatellite instability on the pattern of metastatic spread and prognosis in metastatic cororectal cancer. Cancer 2011;117:4623-4632

Highlights ESMO 2019: Lungenkarzinom und Mesotheliom

CheckMate-227 Studie (1,2)

Die Phase-III-Studie CheckMate-227 hat Patienten mit metastasiertem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) ohne vorherige Behandlung eingeschlossen. Part 1 der CheckMate-227-Studie bestand aus 2 Kohorten: Patienten mit einer PD-L1-Expression von ≄1% (Part 1a) sowie solche mit einer PD- L1 Expression von < 1% (Part 1b). In Part 1a wurden die Patienten 1:1:1 in die folgenden Therapiearme randomisiert: Nivolumab plus niedrig dosiertes Ipilimumab (1mg/kg 6-wƶchentlich), Nivolumab-Monotherapie (3 mg/ā€Škg 2-wƶchentlich) oder eine platinbasierte Chemotherapie. In Part 1b wurden die Patienten 1:1:1 einem Arm mit Nivolumab plus Ipilimumab, einer Chemotherapie oder einer kombinierten Immuno-Chemotherapie mit Nivolumab plus Chemotherapie zugeordnet. Die beiden unabhƤngigen primƤren Endpunkte der Studie verglichen Nivolumab plus Ipilimumab mit Chemotherapie im Hinblick auf das progressionsfreie Überleben in der Population mit hoher Tumormutationslast (TMB ≄ 10 Mutationen pro Megabase) (diese Ergebnisse wurden bereits publiziert (3)) und das Gesamtüberleben in der Population mit einer PD-L1 Expression von ≄ 1%. Am diesjƤhrigen ESMO Kongress wurde nun der letztgenannte Endpunkt vorgestellt. In der Population mit einer PD-L1 Expression von ≄ 1% konnte ein signifikant verlƤngertes medianes Überleben mit Nivolumab und Ipilimumab gegenüber der Chemotherapie gezeigt werden (17,1 vs. 14,9 Monate; HR 0,79; 95% CI, 0,65-0,96; p = 0,007). Das mediane Überleben einer alleinigen Nivolumab-Therapie betrug 15,7 Monate. In der PD-L1 negativen Kohorte (Part 1b) steigerte die Kombination von Nivolumab und Ipilimumab das mediane Überleben von 12,2 Monaten (Chemotherapie) auf 17,2 Monate. In einer explorativen Subgruppenanalyse wurde der prƤdiktive Wert der Tumormutationslast auf die Immuntherapie (Nivolumab plus Ipilimumab) gegenüber der Chemotherapie untersucht. Interessanterweise zeigte sich die Tumormutationslast (cut-off ≄10 Mutationen pro Megabase) als kein guter prƤdiktiver Faktor.

Fazit: Nivolumab plus Ipilimumab ist eine neue Erstlinientherapie-Option für das metastasierte nicht-kleinzellige Lungenkarzinom. Der Stellenwert dieser Therapie im Kontext der kombinierten Immuno-Chemotherapie muss jedoch noch definiert werden.

FLAURA Studie (4)

In die Phase-III-FLAURA Studie wurden Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen oder metastasierten NSCLC mit einer sensibilisierenden EGFR-Mutation (Exon 19 Deletion oder L858R Mutation) eingeschlossen. Patienten wurden 1:1 in einen Osimertinib-Arm oder einen Standard-Therapie-Arm (Erlotinib oder Gefitinib) randomisiert. Ein Cross-Over vom Standard-Therapie- in den Osimertinib-Arm war bei Progression und Nachweis einer T790M Mutation erlaubt. Als primärer Endpunkt der Studie wurde das Progressions-freie Überleben (PFS) definiert. Wie bereits publiziert (5) wurde das mediane PFS mit Osimertinib gegenüber der Vergleichsgruppe signifikant verbessert (Mediane PFS 18,9 vs. 10,2 Monate). Auch das Ansprechen (80% vs. 76%) und die mediane Ansprechzeit (17,2 vs. 8,5 Monate) waren in der Osimertinib-Gruppe deutlich höher. Am diesjährigen ESMO Kongress wurden nun die Daten zum Gesamtüberleben (OS) präsentiert. Das mittlere OS im Osimertinib-Arm betrug 38,6 Monate im Vergleich zu 31,8 Monaten im Standard-Therapie-Arm (HR 0,799; 95% CI, 0,647-0,997; p = 0,0462). Die Zeit bis zur Zweitlinien-Therapie wurde mit Osimertinib signifikant verlängert (25,4 vs. 13,7 Monate). Ein Cross-Over zu Osimertinib erfolgte bei 30% der Patienten. 30% aller Patienten in beiden Behandlungsarmen erhielten keine weiteren Anti-Tumor Therapien nach Progression.

Fazit: Osimertinib ist die neue Erstlinien-Therapie der Wahl für Patienten mit einem metastasierten NSCLC mit einer sensibilisierenden EGFR-Mutation.

PROMISE-meso Studie (6)

Die Phase-III-Studie PROMISE-meso hat Patienten mit einem malignen Pleuramesotheliom und einem Rezidiv nach einer platinbasierten Chemotherapie eingeschlossen. Die Patienten wurden im VerhƤltnis 1:1 randomisiert und erhielten den PD-1 Inhibitor Pembrolizumab oder eine Chemotherapie der Wahl (Gemcitabine, Vinorelbine). Ein Cross-Over vom Chemotherapie- auf den Immuntherapie-Arm war erlaubt. Das PFS als primƤrer Endpunkt der Studie wurde verfehlt. Das mediane PFS mit Pembrolizumab betrug 2,5 Monate, verglichen mit 3,4 Monaten im Chemotherapie-Arm. Auch im OS zeigte sich kein signifikanter Unterschied (Medianes OS 10,7 mit Pembrolizumab vs. 11,7 Monate mit Chemotherapie). Es zeigte sich zwar eine hƶhere Ansprechrate unter Pembrolizumab (22% vs. 6%), diese liess sich aber leider nicht in ein verlƤngertes Therapieansprechen übersetzen (4,6 Monate vs. 11,2 Monate).

Fazit: Die Pembrolizumab-Monotherapie ist der Standard-Chemotherapie in der zweiten Therapielinie nicht überlegen.

Dank: Mein Dank gilt der SAKK, die mir die Teilnahme an der Young Oncology Academy ermöglicht hat. Ein spezieller Dank gebührt Prof. Miklos Pless und PD Dr. Sacha Rothschild für ihre Unterstützung und das Feedback während des Förderungsprogrammes.

1. Peters S, Ramalingam S, Paz-Ares L, et al. Nivolumab + low-dose ipilimumab versus platinum- doublet chemotherapy as first-line treatment for advanced non-small cell lung cancer: CheckMate- 227 part 1 final analysis. Presented at 2019 ESMO Congress. Abstract LBA4.
2. Hellmann MD, Paz-Ares L, Carbo RB, et al. Nivolumab plus ipilimumab in advanced non–small- cell lung cancer [published online September 28, 2019]. N Eng J Med. doi: 10.1056/NEJMoa1910231.
3. Hellmann MD, Ciuleanu T-E, Pluzanski A, et al. Nivolumab plus ipilimumab in lung cancer with a high tumor mutational burden. N Engl J Med 2018; 378: 2093–2104.
4. Ramalingam SS, Gray JE, Ohe Y, et al. Osimertinib vs comparator EGFR-TKI as first-line treatment for EGFRm advanced NSCLC (FLAURA): Final overall survival analysis. Presented at 2019 ESMO Congress. Abstract LBA5_PR.
5. Soria J-C, Ohe Y, Vansteenkiste J, et al. Osimertinib in untreated EGFR-mutated advanced non– small-cell lung cancer. N Engl J Med. 2018; 378:113-125.
6. Popat S, Cunoni-Fontecedro A, Polydoropoulou V, et al. A multicenter randomized phase III trial comparing pembrolizumab (P) vs single agent chemotherapy (CT) for advanced pre-treated malignant pleural mesothelioma (MPM)—results from the European Thoracic Oncology Platform (ETOP 9-15) PROMISE-meso trial. Presented at 2019 ESMO Congress. Abstract LBA91.

ESMO 2019: Urogenitale Tumore 2019

Auf dem diesjährigen Jahreskongress der ESMO wurden viele interessante Studienergebnisse aus dem Bereich der urogenitalen Onkologie vorgestellt. Wir stellen hier vier Studien vor, die für die tägliche Praxis wichtig sind.
In der RADICALS-Studie wurde die Wirkung der adjuvanten Strahlentherapie mit derjenigen der frühen Salvage-Strahlentherapie nach radikaler Prostatektomie untersucht. Der primƤre Endpunkt – das Metastasen-freie Überleben – wurde zwar noch nicht erreicht, die Ergebnisse zum biochemischen Rezidiv-freien Überleben wurden aber bereits vorgestellt. Patienten nach radikaler Prostatektomie (mit mindestens einem der folgenden Kriterien: pT3/4, Gleason Score 7-10, prƤoperatives PSA ≄ 10 ng/ml und/oder positiver Resektionsrand) mit einem postoperativen PSA-Abfall auf ≤ 0.2 ng/ml wurden zur adjuvanten oder frühen Salvage-Strahlentherapie (verabreicht bei konsekutivem PSA-Anstieg und PSA > 0.1 ng/ml) randomisiert. Von 1 396 rekrutierten Patienten hatte die Mehrheit ein lokal fortgeschrittenes Tumorstadium (pT3/4: 75%) und/oder einen positiven Resektionsrand (R1: 63%). Nach einer medianen Beobachtungszeit von 5 Jahren wurde zwischen den beiden Studienarmen hinsichtlich des biochemischen Rezidiv-freien Überlebens kein Unterschied festgestellt (Hazard Ratio [HR]: 1.1 [95%-CI: 0.81-1.49]; p = 0.56). Im Salvage-Therapie Arm benƶtigten 63% der Patienten keine Bestrahlung. Diese vorlƤufigen Ergebnisse der RADICALS-Studie untermauern das Konzept einer frühen Salvage-Strahlentherapie, mit dem > 60% der Patienten eine Strahlentherapie erspart bleibt.
Die CARD Studie verglich in der Drittlinientherapie des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC) die Behandlung mit Cabazitaxel gegenüber einer Therapie mit einem der neuartigen Hormontherapien (NHA: Abirateron oder Enzaltumid) (1). Patienten mit mCRPC, die mit Docetaxel vorbehandelt wurden und innerhalb von 12 Monaten unter einem NHA einen Progress zeigten, wurden zur Behandlung mit Cabazitaxel (n = 129) oder dem zuvor nicht verabreichten NHA (n = 126) randomisiert. Sowohl in der Cabazitaxel wie auch in der NHA-Gruppe wurden viele Ƥltere Patienten eingeschlossen (medianes Alter ≄ 75 Jahre bei 35% respektive 27% der Patienten) und die Tumorprogressionsart war in 67% respektive 71% klinisch mit Schmerzen. Der primƤre Endpunkt des radiologischen Progression-freien Überlebens zeigte sich in der Cabazitaxel-Gruppe mit einem Median von 8 Monaten (95%-CI: 5.7-9.2) im Vergleich zu 3.7 Monaten (95%-CI: 2.8-5.1) in der NHA-Gruppe deutlich und statistisch signifikant verbessert (HR: 0.54 [95%-CI: 0.40-0.73]; p< 0,0001). Das mediane Gesamtüberleben (OS) konnte mit Cabazitaxel mit 13.6 vs. 11.0 Monaten im NHA-Arm ebenfalls statistisch signifikant verbessert werden (HR: 0.64 [95%-CI: 0.46-0.89]; p = 0,0078). Die Resultate der CARD-Studie sind somit practice changing und machen Cabazitaxel bei mCRPC-Patienten, welche nach Docetaxel und innerhalb von 12 Monaten unter einem NHA einen Progress aufweisen, zum neuen Drittlinienstandard.
In einer Phase II-Studie wurde bei mCRPC-Patienten mit Aberrationen im DNA-Reparaturmechanismusapparat bereits die Wirksamkeit einer PARP-Inhibitor Therapie aufgezeigt (2). Aufbauend auf dieser Vorkenntnis wurde in der Studie PROFOUND bei mCRPC-Patienten mit Aberrationen des homologen Rekombinationsreparaturmechanismus (HRR), welche unter der NHA-Therapie einen Progress aufwiesen, die Wirksamkeit des PARP-Inhibitors Olaparib mit derjenigen eines weiteren NHA verglichen. Die 632 rekrutierten Patienten wurden anhand der vorhandenen Genaberrationen in die Kohorte A (VerƤnderungen in BRCA1, BRCA2 oder ATM; n = 245) und Kohorte B (ein anderes Gen des HRR betroffen; n = 142) eingeteilt. Patienten aus beiden Kohorten wurden 2:1 zur Therapie mit Olaparib oder einem NHA (Abirateron oder Enzalutamid; Wahl des behandelnden Arztes) randomisiert. Alle Patienten waren mit einem NHA vorbehandelt, wobei 19% sowohl bereits Abirateron als auch Enzalutamid erhalten hatten. Zudem waren 65% mit Docetaxel, Cabazitaxel oder beidem vorbehandelt. In der Kohorte A wurde der primƤre Endpunkt des radiologischen progressionsfreien Überlebens (rPFS) durch Olaparib mehr als verdoppelt (HR: 0.34 [95%-CI: 0.25-0.47]; p< 0,0001). Dieser rPFS-Vorteil kam bei Patienten der Kohorte A mit einer BRCA2-Mutation am stƤrksten zum Tragen. PROFOUND ist die erste positive Biomarker-selektierte Phase-III-Studie beim mCRPC und untermauert die Testung von HRR-Aberrationen bei Patienten, die unter einem NHA einen Progress aufweisen, um ein Ansprechen auf den PARP-Inhibitor Olaparib vorauszusagen.
In der Studie IMvigor130 wurden 1’213 Patienten mit einem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, welche für eine Platin-haltige Chemotherapie qualifizieren, aber noch keine Behandlung erhalten hatten, zum Goldstandard einer Platin/Gemcitabin-Chemotherapie, einer Monotherapie mit dem anti-PD-L1-Inhibitor Atezolizumab oder der Kombination von Platin/Gemcitabin und Atezolizuamb randomisiert. Nennenswerterweise erhielt ein betrƤchtlicher Anteil der Patienten Carboplatin anstelle von Cisplatin, obwohl deutlich mehr Patienten entsprechend den Galsky-Kriterien für Cisplatin qualifiziert hƤtten. Es ist unklar, welche Auswirkungen dieser Umstand auf die Studienergebnisse hat. Der primƤre Endpunkt eines besseren PFS für die Kombinationsbehandlung vs. Chemotherapie war positiv (HR: 0.82 [95%-CI: 0.70-0.96]). In einer Interimsanalyse zeigte sich das OS für die Kombinationstherapie vs. Chemotherapie mit 16.0 vs. 13.4 Monaten numerisch verbessert, überschritt aber nicht die vordefinierte statistische Schwelle. Es wird eine lƤngere Beobachtungszeit benƶtigt, um eine Aussage bezüglich eines mƶglichen Überlebensvorteils der Kombinationstherapie von Platin-haltiger Chemotherapie und Atezolizumab gegenüber dem jetzigen Goldstandard einer Platin-haltigen Chemotherapie machen zu kƶnnen.

1. deWit R et al. Cabazitaxel versus abiraterone or enzalutamid in metastatix prostate cancer. N Engl J Med NEJMoa1911206(2019).doi:10.1056/NEJMoa1911206
2. Mateo H et al DNA repair defects and olarib in metastatic prostate cancer N Engl J Me 2015;373:1697-170