Highlights EHA 2019: Multiples Myelom

Die Behandlung des rezidivierten und refraktƤren multiplen Myeloms ist eine Herausforderung. Der EHA-Kongress 2019 bot mehrere Highlights zu diesem Thema. Im Folgenden werden 3 Studien zusammengefasst.

COLUMBA Trial: Intravenous versus subcutaneous administration of daratumumab

Daratumumab, ein monoklonaler Antikƶrper gegen CD38, bewies seine Wirksamkeit beim multiplen Myelom über alle Therapielinien hinweg. Ƅhnlich wie beim Anti-CD20-Antikƶrper Rituximab dauert die intravenƶse Verabreichung jedoch mehrere Stunden, insbesondere die erste Infusion dauert im Durchschnitt sieben Stunden (1). Eine subkutane Infusion hingegen benƶtigt nur 3-5 Minuten.
Die von Dr. Maria Victoria Mateos, aus Salamanca, vorgestellte Columba-Studie ist eine randomisierte Phase-III-Studie, die die intravenƶse (IV) versus subkutane (SC) Verabreichung von Daratumumab bei Patienten mit rezidiviertem und/oder refraktƤrem multiplem Myelom (R/R MM) verglich (2). 522 Patienten mit R/R MM und ≄ 3 vorausgegangen Therapielinien wurden eingeschlossen und 1:1 randomisiert: Sie erhielten entweder Daratumumab SC (1800 mg) oder Daratumumab IV (16 mg/kg). Die Gesamtansprechrate (ORR) sowie die Talspiegel der Medikamente, als die beiden primƤren Endpunkte, waren zwischen der subkutanen und intravenƶsen Verabreichung von Daratumumab vergleichbar (41,1% vs. 37,1% ORR und Talspiegel dara-SC/dara-IV: 107,93%).
Darüber hinaus war das Sicherheitsprofil zwischen den beiden Verabreichungsarten Ƥhnlich. Daratumumab SC war sogar mit einer signifikant niedrigeren Rate an Infusionsreaktionen verbunden (12,7% für SC gegenüber 34,5 % für IV; p < 0,0001).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die subkutane Verabreichung von Daratumumab sowohl sicher als auch effektiv ist und aufgrund der kürzeren Verabreichungszeit von den Patienten und dem Gesundheitspersonal als angenehmer empfunden wird.

The ICARIA-MM trial: Isatuximab plus pomalidomide and dexamethasone a new therapy option in patients with R/R MM?

Die von Dr. Paul Richardson vom Dana-Farber Cancer Institute, Boston, vorgestellte ICARIA-MM-Studie untersuchte Isatuximab, einen weiteren monoklonalen Anti-CD38-Antikörper (3). Die Funktion von Isatuximab ist in vielerlei Hinsicht ähnlich wie diejenige von Daratumumab. Isatuximab hat jedoch eine geringere komplementabhängige Zytotoxizität als Daratumumab. Daher führt Isatuximab möglicherweise zu weniger Infusionsreaktionen und hat eine kürzere Infusionszeit als Daratumumab.
In der ICARIA-Studie, einer internationalen Phase-III-Studie, wurden 307 Patienten mit R/R-MM und ≄ 2 vorausgegangen Therapielinien eingeschlossen und erhielten entweder Isatuximab in Kombination mit Pomalidomid und Dexamethason (Isa-Pd) oder eine alleinige Behandlung mit Pomalidomid und Dexamethason (Pd) (4).
Das mediane progressionsfreie Überleben war signifikant hƶher in der Patientengruppe, die Isa-Pd erhielt (11,53 Monate für den Isa-Pd-Arm gegenüber 6,47 für den Pd-Arm, (95% CI 0,44-0,81), P = 0,001). Im Einklang mit diesen Ergebnissen war auch die Gesamtansprechrate (ORR) mit 60,4% im Isa-Pd-Arm signifikant hƶher als mit 35,3% im Pd-Arm.
Das Sicherheitsprofil war beherrschbar trotz einer hƶheren Neutropenie- und Infektionsrate in der Kohorte mit Isatuximab. Zusammenfassend lƤsst sich sagen, dass Isatuximab in Kombination mit Pomalidomid und Dexamethason eine neue Therapieoption bei R/R MM darstellt.
Fragen bleiben jedoch offen: Ist Isatuximab noch wirksam bei Myelompatienten, die auf Daratumumab und/oder Elotuzumab nicht ansprachen? Kann Isatuximab nach einer Behandlung mit Daratumumab verabreicht werden? Diesbezüglich bräuchte es weitere Studien.
Bezüglich Pomalidomid ist aktuell für Patienten mit R/R MM in der Schweiz die SAKK 39/16-Studie, OptiPOM, verfügbar, die ein alternatives Dosierungsschema von Pomalidomid prüft.

AMG 420, an Anti-BCMA Bispecific T-Cell Engager (BITEĀ®) Immunotherapie

Das B-Zell-Maturationsantigen (BCMA) ist ein Zelloberflächenrezeptor, der zur Superfamilie der Tumornekrosefaktorrezeptoren (TNFR) gehört und fast ausschliesslich auf Plasmazellen und Plasmablasten exprimiert wird (5). In den letzten Jahren wurden mehrere Immuntherapien gegen BCMA entwickelt, wie zum Beispiel BCMA CAR-T oder BCMA-BiTE®. BCMA-BiTE® bindet an CD3 auf T-Zellen sowie am BCMA auf Plasmazellen.
Auf der EHA Tagung präsentierte Prof. Dr. Max Topp aus Würzburg, die Ergebnisse einer First-in-Human Phase I Dosisfindungsstudie mit dem anti-BCMA BiTE® AMG 420. Primäre Endpunkte waren die dosislimitierende Toxizität (DLT) sowie die maximale verträgliche Dosis (MTD) (6).
AMG 420 wurde über eine kontinuierliche Infusion in 6-Wochen-Zyklen über 5 Zyklen, bis zur Krankheitsprogression(PD), oder bis zur nicht kontrollierbaren ToxizitƤt verabreicht. Die DLT wurde bei drei von 42 Patienten und in zwei FƤllen bei einer Dosis von 800 ug/d beobachtet. Die maximal vertrƤgliche Dosis betrug somit 400 ug/d.
Insgesamt sprachen 13 von 42 Patienten auf die Behandlung an. Die hƶchste Ansprechrate von 70% wurde bei einer Dosis von 400 ug/d erreicht (7 von 10 Patienten). Daher ist die empfohlene Dosis für weitere Untersuchungen 400 ug/d.

1. DARZALEX® (Daratumumab)-Injektion, zur intravenösen Anwendung[Beipackzettel]. Horsham, PA:: Janssen Biotech, Inc.; 2019
2. Mateos M-V. et al., COLUMBA-Studie, mündliche Präsentation EHA 2019, Abstract S823
3. Richardson PG et al, Isatuximab plus Pomalidomid/Dexamethason versus Pomalidomid/Dexamethason bei schubfƶrmig/refraktƤrem Multiplem Myelom: ICARIA Phase-III-Studiendesign, Future Oncol. 2018 Mai;14(11):1035-1047
4. Richardson PG et al., ICARIA-MM-Studie, mündliche Präsentation EHA 2019, Abstract S824
5. Yu-Tzu Tai & Kenneth C Anderson (2019), B cell maturation antigen (BCMA)-based immunotherapy for multiple myeloma, Expert Opin Biol Ther. 2019 Jul 11:1-14
6. Topp M et al., Oral presentation EHA 2019, Abstract S825

Highlights ESTRO 2019: Therapeutische Implikationen

Die European Society of Radiation Oncology (ESTRO) wurde 1980 gegründet. Im Jahr 2019 wurde der 38. Jahreskongress mit mehr als 6000 Teilnehmern aus 100 Ländern durchgeführt. Im Folgenden werden 3 Studien vorgestellt, die sich auf die Wirksamkeit der Kombination verschiedener Medikamente als Zielmoleküle mit Strahlung, die Verbesserung der Lebensqualität der Patienten konzentrieren oder die Behandlungszeit verkürzen.

Hypofraktionierte vs. konventionelle Strahlentherapie bei Prostatakrebs: 7 Jahre Ergebnisse des HYPRO trial. Abstract OC-0272. Prof. L. Incrocci (1), Rotterdam

Die Studie basiert auf der Verbesserung der Wirksamkeit der Behandlung von Prostatakrebs mit moderater hypofraktionierte Strahlentherapie (HF). Die Verwendung des linear-quadratischen Modells deutet darauf hin, dass das HF-Schema weniger toxisch und bei Prostatakrebs effektiver ist. HYPRO ist eine randomisierte Phase-III-Studie, die bei 804 Patienten die Überlegenheit der hypofraktionierten (HF) gegenüber der konventionell fraktionierten (CF) Strahlentherapie für Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs in der mittleren und in der Hochrisikogruppe untersucht und nach einer 7-jƤhrigen Nachbeobachtung aktualisiert wurde. Die Patienten wurden randomisiert zu HF (64,6Gy, in 19 fr) oder CF (78Gy in 39 fr). Der primƤre Endpunkt war das rezidivfreie Überleben (RFS) nach 7 Jahren. Die Ergebnisse zeigen ein RFS 71,7% (95% CI 66,4-76,4) für HF gegenüber 67,6% (95% CI 62-72,5) für CF (p = 0,52). Die lokale RFS-Subanalyse zeigte eine signifikante Interaktion zwischen Behandlungsarm und dem Gleason-Score ≄ 8. Der HF-Therapiearm zeigte keine überlegene Tumorkontrolle. Unserer Meinung nach hat sich nun in mehreren RCTs-Studien gezeigt, dass moderate HF Ƥhnliche Ergebnisse bei der Prostata-Krebskontrolle erzielt mit einer Ƥhnlicher Inzidenz und Schweregrad von SpƤttoxizitƤten verglichen mit einer konventionellen Fraktionierung. In Anbetracht der kürzeren Behandlungszeit für die Patienten und den niedrigeren Kosten (falls individuelle Strahlentherapiesitzungen verrechnet werden) der Behandlung kƶnnen beide Optionen als mindestens gleichwertig betrachtet werden.

Stereotaktische Strahlentherapie (SRT) für oligoprogressive NSCLC: klinische Szenarien, die das Überleben beeinflussen. Zusammenfassung OC-0059. Dr. S. Kroeze, Zürich

Die TOaSTT Studie ist eine DEGRO initiierte Multicenter Register Studie. Sie untersuchte das Outcome bei 108 SRT Patienten mit 192 LƤsionen die in 16 Zentren behandelt wurden. OS, PFS, LC und die Zeit bis zum Wechsel einer Systemtherapie nach SRT wurden analysiert. Eine gleichzeitige Behandlung von SRT und Medikamenten erfolgte zu 60% mit ALK- oder EGFR-TKI, zu 31% PD-L1/PD-1-Inhibitoren und zu 8% mit Bevacizumab. Die Patienten wurden in 3 Gruppen unterteilt: SRT von ≤ 5 Metastasen ohne zusƤtzliche Tumormanifestationen, SRT mit ≤ 5 progressiven Metastasen und kontrollierter Tumorerkrankung (aller anderen Metastasen) und SRT von ≤ 5 Metastasen mit gemischter oder unkontrollierter Tumorerkrankung. Die Ergebnisse zeigen, dass die LC nach SRT in allen 3 Gruppen sehr gut war und die Behandlung gut toleriert wurde (kaum Grad 3/4 ToxizitƤten). Mit diesen ermutigenden Ergebnissen braucht es nun dringend prospektive Studien (2).

Darmmikrobiota SCFAs modulieren die PrƤsentation und Wirkung von dendritischen Zellantigenen in der Strahlen-therapie. Zusammenfassung SP-0331. Prof. A. Facciabene, Philadelphia

Die Rolle von Mikrobiota bei der Immunmodulation kann die Reaktion auf eine Strahlenbehandlung, die die spezifische T-Zell-Subpopulation fƶrdert, beeintrƤchtigen (3). In dieser Studie wurde Vancomycin verwendet, um diesen Einfluss zu untersuchen. Die Autoren beschreiben, dass Vancomycin die RT-induzierte Anti-Tumor-Immunantwort und Tumorwachstumshemmung in einem Melanom- und Lungentumormodell verstƤrkt. Die Synergie zwischen Vancomycin-RT war abhƤngig von der TAA (Tumor-assoziierte Antigene) KreuzprƤsentation zu zytolytischen CD8+ T-Zellen und von IFN-g. Die Vancomycin-Behandlung erhƶht die allgemeine und spezifische T-Zell-Infiltration im Tumor. Zusammenfassend lƤsst sich sagen, dass die passagere Verminderung/Eliminierung von vancomycinempfindlichen Bakterien die Anti-Tumor-AktivitƤt von RT erhƶht, was relevante klinische Auswirkungen haben kƶnnte. Meiner Meinung nach ist die Schlussfolgerung aus dieser Arbeit, dass Inhibitoren von SCFA mƶglicherweise in Kombination mit Strahlung als Radiosensibilisatoren wirken kƶnnen.

1. De Vries KC et al. Hyprofractionated versus conventionally fractionated radiotherapy for patients with intermediate- or high-risk, localized, prostate cancer: 7-year outcomes from the randomized, multi-centre, open-label, phase 3 HYPRO trial. Int J Radiat Oncol Biol Phys. 2019 Oct 5.
2. Kroeze SGC et al. Toxicity of concurrent stereotactic radiotherapy and targeted therapies or immunotherapy: a systematic review. Cancer Treat Rev. 2017 Feb;53:25-3
3. Heather M. McGee et al. Targeting the Tumor Microenvironment in Radiation Oncology: Proceedings from the 2018 ASTRO-AACR Research Workshop. Clinical Cancer Research 2019 Feb; 25(10)

Karzinosarkome des weiblichen Genitaltrakts (MMMT)

Karzinosarkome / MMMT des weiblichen Geschlechtstrakts sind, Ƥhnlich wie Endometriumkarzinome hochmaligne biphasische Tumoren mit mesodermalen sowie epithelialen Komponenten und haben eine schlechte Prognose, wobei die erfolgte Therapie ausschlaggebend ist. Wegen ihres seltenen Vorkommens fehlen bisher grosse epidemiologische Studien. Die Autoren diskutieren die verschiedenen Therapiemƶglichkeiten und fassen die Literatur zur Systemtherapie zusammen, mit Einbezug der Daten ihrer retrospektiven Kohortenstudie.

Les carcinosarcomes  /MMMT de l’appareil reproductif fĆ©minin sont, comme les carcinomes endomĆ©triaux, des tumeurs biphasiques hautement malignes avec des composantes mĆ©sodermiques et Ć©pithĆ©liales et ont un mauvais pronostic, le traitement effectuĆ© Ć©tant dĆ©terminant. En raison de leur raretĆ©, les grandes Ć©tudes Ć©pidĆ©miologiques font encore dĆ©faut. Les auteurs discutent des diffĆ©rentes options thĆ©rapeutiques et rĆ©sument la documentation sur la thĆ©rapie systĆ©mique, y compris les donnĆ©es de leur Ć©tude de cohorte rĆ©trospective.

Karzinosarkome/MMMT des weiblichen Genitaltraktes sind hochmaligne biphasische Tumoren, die sowohl maligne mesodermale als auch epitheliale Komponenten besitzen (1). Typischerweise besteht die Histologie der Metastasen meist aus karzinosarkomatƶsen Elementen (2, 3, 4). Aufgrund der RaritƤt der MMMT, gibt es keine grossen epidemiologischen Studien. In Analogie zum Endometriumkarzinom wurde das MMMT des Corpus uteri entsprechend dem aggressiven Typ II Karzinom des Endometriumkarzinoms subsumiert. Generell ist die Prognose bei MMMT des Corpus uteri nicht gut, mit einem medianen Überleben von 21 Monaten aufgrund des fortgeschrittenen Stadiums in 35% der MMMT, bei denen der Tumor zum Diagnosezeitpunkt nicht auf den Uterus begrenzt ist (5, 6). Allerdings ist hierbei die erfolgte Therapie wichtig und ausschlaggebend, d.h. eine gynƤkologisch-onkologisch durchgeführte Hysterektomie, Adnexektomie und mindestens pelvine Lymphonodektomie (11). Im Falle einer metastasierten Erkrankung jedoch braucht es die komplette zytoreduktive Operation (siehe auch Abb. 1-3). Das 5-Jahres-Überleben bei MMMT des Corpus uteri betrƤgt 59% im FIGO Stadium I-II, 22% im Stadium III und 9% im Stadium IV (7). Ein Problem dabei ist das Auftreten von mƶglichen okkulten Metastasen im Bauchraum, die dann zum Rezidiv führen (8-10). Die Zytoreduktion kann auch in den metastasierten Stadien zu einer deutlichen Verbesserung der Prognose führen (12).

«Mutational Landscape» des MMMT

Eine kürzlich publizierte Studie untersuchte die Ā«Mutational LandsacpeĀ» des MMMT und verglich dies mit dem epithelialen Ovarialkarzinom. Hierbei wurden 110 MMMT des Ovars (MMMT-O), 141 MMMT des Corpus uteri (MMMT-U) und 1587 Ovarialkarzinome (OC) aller Histotypen miteinander verglichen. Eine p53 Mutation war die am HƤufigsten nachzuweisende (76.4% in MMMT-O, 68.8% in MMMT-E und 69% in OC)(20). Genetische VerƤnderungen in den PI3K/AKT/mTOR und MAPK Pathways waren Ƥhnlich hƤufig vorhanden bei den MMMT des Ovars und Ovarialkarzinomen, aber weniger hƤufig bei MMMT des Corpus uteri (p<0.001). Bei den Ovarialkarzinomen bestand die grƶsste Chance eine BRCA1 Mutation nachzuweisen (20% und 9-18% bei den MMMT). Kein Unterschied bestand bei RB, NOTCH, Angiogenese und FGFR Pathways, wƤhrenddessen Ɩstrogen- sowie Androgenrezeptoren weniger hƤufig bei den MMMT exprimiert waren als beim Ovarialkarzinom. Dies hat sicher therapeutische Konsequenz, da Ovarialkarzinome mehr und mehr mit Aromatasehemmern behandelt werden.

Systemtherapie beim MMMT

Der prognostische Benefit der Chemotherapie bei den MMMT des Corpus uteri wurde bewiesen. Die wichtigsten Substanzen sind: Cisplatin, Carboplatin, Ifosfamid, Anthrazykline und Paclitaxel (13, 14, 15). Eine Cochrane-Analyse an 579 Patientinnen verglich adjuvante Radiotherapie mit Kombinations-Chemotherapie (mit Ifosfamid und Paclitaxel versus Ifosfamid allein) in rezidivierten Stadien III/IV MMMT. Die Autoren fanden hierbei ein verbessertes Überleben in den Kombinations-Chemotherapie Armen, so dass man einer Kombinations-Chemotherapie vor Radiotherapie den Vorzug geben sollte (13, 16, 17, 18). Beim MMMT-U hat sich in Analogie zum Endometriumkarzinom die Systemtherapie mit 6 Zyklen Carboplatin/Paclitaxel (qw3) durchgesetzt. Hierzu gibt es allerdings prospektiv randomisierte Daten gegen ein Platin/Anthracyline-haltiges Schema (11, 15). Viele TherapieansƤtze wurden von Studien zum Endometrium- oder Ovarialkarzinom exploriert, was die Biologie der Erkankung nicht immer widerspiegelt (21). Tabelle 1 gibt eine Übersicht über die wichtigsten Systemtherapiestudien für das MMMT.

«Quo vadis» Anthracyline?

Wir haben selbst eine grosse Kohorte an MMMT des Corpus uteri und Ovars am Gynecological Cancer Centre im Royal Hospital for Women retrospektiv analysiert, bestehend aus Patientinnen mit Carboplatin/Anthrazyklinen, Carboplatin/Ifosfamid oder Carboplatin/Paclitaxel. Zusätzlich haben wir NGS- und IHC-Analysen durchgeführt (41 und unpublizierte Daten). Unsere Daten zeigen, dass jede Kombination ohne Paclitaxel besser ist als die Kombination Carboplatin/Paclitaxel.
Am ASCO 2019 hat Matthew Powell die GOG261-Studie vorgestellt (42). Hierbei wurden Patientinnen mit FIGO-Stadium I-IV persistierendem oder rezidiviertem MMMT des Corpus uteri in 2 Arme randomisiert: im ersten Arm erhielten die Patientinnen Ifosfamid und Paclitaxel, im zweiten Arm erhielten sie Carboplatin und Paclitaxel. Die Resultate zeigten eine bessere VertrƤglichkeit in der Kombination von Carboplatin und Paclitaxel bei identischem Outcome, was das Gesamtüberleben und die Rezidivrate betrifft. Diese Studie führt zu einer Ƅnderung unseres Standards bei Patientinnen mit persistierendem oder rezidiviertem MMMT des Corpus uteri. Was die Studie vermissen lƤsst, ist ein experimenteller Arm, der die Rolle der Anthracyline prospektiv untersucht.

Literatur zur Systemtherapie (Tabelle 1)

Tabelle 1 gibt einen Überblick über die Studien mit Systemtherapie beim MMMT. Insgesamt wurden 1214 Patientinnen in verschiedene Studien eingeschlossen, davon waren aber nur 21.5% MMMT des Ovars. Cisplatin-basierte Chemotherapie wurde in den meisten adjuvanten Studien untersucht (67%).

Zielgerichtete Therapie und personalisierte Therapien

Da MMMT insgesamt sehr selten sind, gibt es noch wenige Daten zur Ā«targeted TherapyĀ». Eine Studie mit VEGF-gerichteter Therapie, eine zu Pazopanib (nur in MMMT des Corpus uteri) und einer mit Aflibercept (in allen MMMT) zeigte leider nur einen minimalen Effekt in der Gruppe der MMMT. (22, 23).
Auch neuere Ansätze aus der Immuntherapie werden zur Zeit geprüft. Aus dem TGCA-Atlas geht hervor, dass rund 3.5% der uterinen Karzinosarkome eine hohe Mikrosatelliteninstabilität haben und damit eine Immuntherapie mit einem Checkpointinhibtor vielversprechend ist (40). Behandlungsstrategien für MMMT unabhängig vom Organ sollten zukünftig auf die Driver-Mutationen p53 oder KRAS/PI3KCA ausgerichtet werden und so Studienmedikationen zielgerichtet auf den genetischen Ursprung ausgerichtet verabreicht werden. Hierfür benötigt es jedoch grosse kollaborative Studien mit vorgeschalteter molekularer Untersuchung.

Prof. Dr. med. Viola Heinzelmann-Schwarz

Leiterin Frauenklinik & GynƤkologisches Tumorzentrum
ChefƤrztin GynƤkologie/Gyn. Onkologie
Frauenklinik
UniversitƤtsspital Basel
Spitalstrasse 21
4031 Basel

viola.heinzelmann@usb.ch

PD Dr. med. Marcus Vetter

Zentrum Onkologie und HƤmatologie
Tumorzentrum Baselland
Kantonsspital Baselland
Rheinstrasse 26
4410 Liestal
Schweiz

marcus.vetter@ksbl.ch

Die Autoren haben keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Beitrag deklariert.

  • Die Behandlung des MMMT bleibt eine Herausfordernung.
  • Wie beim Ovarialkarzinom braucht es ein optimales zytoreduktives Vorgehen bzw. Staging.
  • Bezüglich der Systemtherapie sind die Bücher noch nicht geschlossen, eigene Daten weisen einen Vorteil einer platin-/anthracylin-haltigen Chemotherapie auf.
  • Personalisierte AnsƤtze sind in der Erprobung. Bei der geringen Zahl an Patientinnen werden diese Tumore meist in Basket-Studien oder Endometriumkarzinom/Ovarilakarzinom-Studien behandelt.

Messages Ć  retenir

  • Le traitement des carcinosarcomes / MMMT demeure un dĆ©fi.
  • Comme pour le cancer de l’ovaire, une procĆ©dure cytoreductrice optimale resp. un Staging est nĆ©cessaire.
  • En ce qui concerne la thĆ©rapie systĆ©mique, les livres ne sont pas encore fermĆ©s, nos propres donnĆ©es montrent un avantage de la chimiothĆ©rapie contenant du platine et de l’anthracyline.
  • Des approches personnalisĆ©es sont en cours d’expĆ©rimentation. Etant donnĆ© le petit nombre de patientes, ces tumeurs sont gĆ©nĆ©ralement traitĆ©es dans le cadre d’Ć©tudes de panier ou d’Ć©tudes de carcinome endomĆ©trial / ovarien.

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37. Lorusso D, Martinelli F, Mancini M et al. Carboplatin-Paclitaxel versus Cisplatin-Ifosfamide in the treatment of uterine carcinosarcoma: a retrospective cohort study. Int. J. Gynecol. Cancer 2014; 24(7):1256–61.
38. Otsuki A, Watanabe Y, Nomura H et al. Paclitaxel and carboplatin in patients with completely or optimally resected carcinosarcoma of the uterus: a phase II trial by the Japanese Uterine Sarcoma Group and the Tohoku Gynecologic Cancer Unit. Int. J. Gynecol. Cancer 2015; 25(1):92–7.
39. Vandenput I, Trovik J, Vergote I et al. The role of adjuvant chemotherapy in surgical stages I-II serous and clear cell carcinomas and carcinosarcoma of the endometrium: a collaborative study. Int. J. Gynecol. Cancer 2011; 21(2):332–6.
40. Bonneville R, Krook MA, Kautto EA, Miya J, Wing MR, Chen HZ, Reeser JW, Yu L, Roychowdhury S. Landscape of Microsatellite Instability Across 39 Cancer Types. JCO Precis Oncol. 2017;2017. doi: 10.1200/PO.17.00073. Epub 2017 Oct 3
41. Heinzelmann-Schwarz VA et. al. J Clin Oncol 37, 2017 (suppl; abstr 5563) and Heinzelmann-Schwarz VA, Kind A, Vetter Met al. Should MMMT still be treated with adjuvant taxane-based combination chemotherapy? JCRCO 2019 (accepted)
42. Powell MA et. al., J Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr 5500)

ImplƩmenter le Patient Blood Management

Le Patient Blood Management est un concept basĆ© sur lā€™ā€ŠĆ©vidence scientifique qui vise de maniĆØre prĆ©ventive Ć  diminuer la transfusion de produits sanguins labiles pour amĆ©liorer la sĆ©curitĆ© et le devenir de nos patients. Il a fait ses preuves aussi sur le plan financier avec une rĆ©duction importante des coĆ»ts pour les hĆ“pitaux. Il apparaĆ®t actuellement comme un standard qui devrait ĆŖtre implĆ©mentĆ© Ć  lā€™ā€ŠĆ©chelle mondiale, proposant la prise en charge optimale concernant la gestion de la masse sanguine des patients.

Das Patient Blood Management ist ein wissenschaftlich fundiertes Konzept, das darauf abzielt, die Transfusion von labilen Blutprodukten präventiv zu reduzieren, um die Sicherheit und Zukunft der Patienten zu verbessern. Es hat sich auch finanziell mit einer deutlichen Kostensenkung für Krankenhäuser bewährt. Es erscheint derzeit als ein Standard, der weltweit umgesetzt werden sollte und ein optimales Management der Patientenblut-Gesamtmasse bietet.

BasĆ© sur la dĆ©finition, le Patient Blood Management est une approche multidisciplinaire et sā€™ā€Šadresse Ć  chaque individu chez qui une perte sanguine significative associĆ©e Ć  la transfusion de produit sanguin est attendue.
Le Patient Blood Management est basĆ© sur trois piliers (cf. fig. 1) : le traitement prĆ©opĆ©ratoire de lā€™ā€ŠanĆ©mie et du dĆ©ficit en fer, la rĆ©duction pĆ©ri-opĆ©ratoire des pertes sanguines et lā€™ā€Šoptimisation de la tolĆ©rance Ć  lā€™ā€Šā€ŠanĆ©mie, incluant le recours Ć  des seuils transfusionnels restrictifs.
A lā€™ā€Šheure de la Ā«ā€ŠSmarter medicineā€ŠĀ», une initiative lancĆ©e en 2014 en Suisse, qui prĆ“ne lā€™ā€ŠidĆ©e que Ā«ā€Šplus nā€™ā€Šest pas toujours plusā€ŠĀ» afin de soigner moins pour soigner mieux par une mĆ©decine plus intelligente, le Patient Blood Management doit devenir un standard dans tous nos hĆ“pitaux.
Chaque spĆ©cialitĆ© de la mĆ©decine est concernĆ©e et nous observons une rĆ©elle prise de conscience de lā€™ā€Šimportance dā€™ā€Šun tel programme parmi les diffĆ©rentes sociĆ©tĆ©s savantes, notamment en GynĆ©cologie-ObstĆ©tricale, comme en tĆ©moigne la publication rĆ©cente dā€™ā€Šune dĆ©claration de consensus de la NATA Ć  ce sujet pour la prise en charge de lā€™ā€ŠhĆ©morragie du post-partum (1).

En effet, bien que le programme de Patient Blood Management est plus connue dans la phase pĆ©ri-opĆ©ratoire, particuliĆØrement en cas de procĆ©dures chirurgicales Ć©lectives majeures, ses concepts peuvent ĆŖtre appliquĆ©s Ć  nā€™ā€Šimporte quelle procĆ©dure rĆ©sultant en un saignement excessif nĆ©cessitant lā€™ā€Šadministration de produits sanguins labiles.
Althoff et al (2) ont prĆ©sentĆ© une mĆ©ta-analyse sur des Ć©tudes qui ont Ć©valuĆ©s lā€™ā€Šimpact de lā€™ā€ŠimplĆ©mentation dā€™ā€Šau moins une mesure du Patient Blood Management dans chacun des 3 piliers. Les rĆ©sultats sont impressionnants (tab. 1).

On pourrait se demander pourquoi, Ć©tant donnĆ© lā€™ā€Šimpact si positif en terme de sĆ©curitĆ© et dā€™ā€ŠefficacitĆ©, chaque hĆ“pital ne propose pas un Programme de Patient Blood Management comme un standard de pratique. Probablement, que les cliniciens sont accablĆ©s par les innombrables mesures dĆ©crites dans le cadre dā€™ā€Šun tel programme (3). Il est cependant possible de dĆ©buter avec 7 mesures dans la phase initiale puis de dĆ©velopper le programme progressivement selon la taille de lā€™ā€ŠhĆ“pital et le temps mis Ć  disposition au responsable du Patient Blood Management dans la structure hospitaliĆØre, personne clĆ© et qui doit ĆŖtre dĆ©finie dĆØs le dĆ©part (4).

Les 7 mesures initiales proposĆ©es sont :
1. Le traitement de lā€™ā€ŠanĆ©mie prĆ©opĆ©ratoire (cf. fig. 2)
2. Des techniques dā€™ā€ŠĆ©pargne sanguine chirurgicale avec une hĆ©mostase mĆ©ticuleuse
3. Lā€™ā€Šusage du cell-saver
4. Lā€™ā€Šusage de lā€™ā€Šacide tranexamique
5. Une prise en charge de la coagulation ciblĆ©e et individualisĆ©e incluant un monitoring Ā«ā€Špoint of careā€ŠĀ» de la coagulation et lā€™ā€Šusage de concentrĆ©s de facteurs de la coagulation
6. Le traitement de lā€™ā€ŠanĆ©mie post-opĆ©ratoire avec du fer intraveineux
7. Des seuils transfusionnels restrictifs

Pour aider les cliniciens dans cette dĆ©marche, lā€™ā€ŠUnion EuropĆ©enne et la Ā«ā€ŠNational Blood Authority of Australiaā€ŠĀ» ont rĆ©digĆ©s des guides dā€™ā€ŠimplĆ©mentation (5, 6).
De plus il est crucial de pouvoir agir sur la base de donnĆ©es. Cela signifie quā€™ā€Šune rĆ©colte informatisĆ©e et systĆ©matique des donnĆ©es doit pouvoir ĆŖtre obtenue concernant lā€™ā€ŠanĆ©mie prĆ©opĆ©ratoire, les pertes sanguines peropĆ©ratoires, les transfusions et les complications postopĆ©ratoires, ainsi que la durĆ©e de sĆ©jour et les coĆ»ts hospitaliers. Il faudrait pouvoir effectuer une rĆ©colte de donnĆ©es bien avant le lancement du programme de Patient Blood Management, pour avoir une ligne de base afin dā€™ā€Šobserver lā€™ā€ŠĆ©volution et dā€™ā€Šavoir une rĆ©fĆ©rence, permettant Ć©galement dā€™ā€Šeffectuer une comparaison avec dā€™ā€Šautres hĆ“pitaux. Ces donnĆ©es permettront Ć©galement de convaincre les mĆ©decins impliquĆ©s et dā€™ā€ŠamĆ©liorer lā€™ā€ŠadhĆ©rence au programme. Cela permettra Ć©galement de convaincre les chirurgiens afin dā€™ā€ŠĆ©tendre le programme Ć  toutes les disciplines chirurgicales, Ć  commencer par la chirurgie orthopĆ©dique Ć©lective, où il est aisĆ© de programmer bien Ć  lā€™ā€Šavance une opĆ©ration pour une prothĆØse de hanche ou de genou et par consĆ©quent, de mettre en place un traitement de lā€™ā€ŠanĆ©mie prĆ©opĆ©ratoire (cf. fig. 2). Finalement, ces donnĆ©es auront le pouvoir de convaincre les directeurs mĆ©dicaux de lā€™ā€Šimportance dā€™ā€Šun tel programme et de les inciter Ć  allouer suffisamment de ressources pour son implĆ©mentation.
Le potentiel du Patient Blood Management est extrĆŖmement grand. Les patients traitĆ©s dans des centres nā€™ā€Šayant pas encore implĆ©mentĆ©s le Patient Blood Management pourront nettement bĆ©nĆ©ficier des mesures listĆ©es dans le tableau 1.
Il est a notĆ© Ć©galement un aspect important du Patient Blood Management, Ć  savoir lā€™ā€Šimpact financier positif avec une rĆ©duction des coĆ»ts liĆ©s aux produits sanguins dans son implĆ©mentation en Australie (7) ou en Suisse (8), par exemple. A cela sā€™ā€Šassocie Ć©galement une rĆ©duction des coĆ»ts liĆ©s aux activitĆ©s hospitaliĆØres engendrĆ©s par la transfusion, une part importante Ć  prendre en compte pour les hĆ“pitaux.
De plus, le patient blood management initialement implĆ©mentĆ© en chirurgie, et un concept de prise en charge parfaitement applicable et profitable aux patients des diffĆ©rentes spĆ©cialisations de la mĆ©decine interne, incluant lā€™ā€Šoncologie (9).
Un autre domaine Ć“ combien important dans lequel le Patient Blood Management a toute son importance, est reprĆ©sentĆ© par lā€™ā€ŠhĆ©morragie du post-partum, une des urgences obstĆ©tricales les plus importantes. Bien quā€™ā€Šau cours des derniĆØres dĆ©cennies, le taux de mortalitĆ© liĆ© Ć  lā€™ā€ŠhĆ©morragie du post-partum a clairement diminuĆ© dans les pays dĆ©veloppĆ©s, cela reste une cause majeure de mortalitĆ© dans le reste du monde (10). En dĆ©pit des avancĆ©es thĆ©rapeutiques faites dans sa prise en charge, lā€™ā€ŠhĆ©morragie massive du post-partum reste mortelle et un des plus grands dĆ©fis pour les obstĆ©triciens et gynĆ©cologues.
MuƱoz et collaborateurs (1) ont publiĆ© une dĆ©claration de consensus sur la prĆ©vention et le traitement de lā€™ā€ŠhĆ©morragie du post-partum durant lā€™ā€ŠannĆ©e 2019. La force de ce rapport Ć©mane du fait que les recommandations proposĆ©es sont le fruit dā€™ā€Šune collaboration de sociĆ©tĆ©s les plus importantes du domaine, Ć  savoir Ā«ā€Šthe Network for the Advencement of Patient Blood Management, Haemostasis and Thrombosis (NATA), Ā«ā€Šthe International Federation of Gynaecology and Obstetrics (FIGO)ā€ŠĀ», Ā«ā€Šthe European Board and College of Obstetrics and Gynaecology (EBCOG)ā€ŠĀ», and Ā«ā€Šthe European Society of Anesthesiology (ESA)ā€ŠĀ». Cā€™ā€Šest Ć©galement une approche multidisciplinaire dĆ©veloppĆ©e par des cliniciens experts dans le domaine de la gestion complexe de lā€™ā€ŠhĆ©morragie du post-partum (cā€™ā€Šest-Ć -dire obstĆ©triciens, anesthĆ©sistes, hĆ©matologues, spĆ©cialistes en mĆ©decine transfusionnelle).
Cette publication paraĆ®t un outil indispensable pour la pratique clinique quotidienne dans le domaine de lā€™ā€ŠhĆ©morragie obstĆ©tricale et il est recommandĆ© Ć  chaque unitĆ© obstĆ©tricale dā€™ā€ŠimplĆ©menter des mesures efficaces et basĆ©es sur les preuves scientifiques pour la prise en charge des complications obstĆ©tricales sĆ©vĆØres (cf. fig. 3).

Dr GuƩnolƩ Addor

SMIA, FMH AnesthƩsiologie
Coordinateur du Patient Blood Management CHUV
Rue du Bugnon 46
1011 Lausanne

Guenole.Addor@chuv.ch

Lā€™ā€Šauteur ne dĆ©clare aucun conflit dā€™ā€ŠintĆ©rĆŖts en relation avec cet article.

  • Das Patient Blood Management hat sich sowohl in Bezug auf Sicherheit und Effizienz in der Patientenversorgung als auch in finanzieller Hinsicht bewƤhrt und führt zu einer deutlichen Kostensenkung für KrankenhƤuser, welche die vom Patient Blood Management empfohlenen Massnahmen umgesetzt haben.
  • Die Patientensicherheit steht auch im Vordergrund mit neuen Empfehlungen für das Management von postpartalen Blutungen, die auf den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin beruhen.
  • Dieses Programm wird in allen Fachgebieten von der Chirurgie bis zur Medizin ausgebaut und entwickelt sich derzeit zu einem Standard, der weltweit umgesetzt werden sollte, um ein optimales Management im Hinblick auf das Patientenblutmassenmanagement zu gewƤhrleisten.

Messages Ć  retenir

  • Le Patient Blood Management a fait ses preuves tant sur le plan de la sĆ©curitĆ© et de lā€™ā€ŠefficacitĆ© pour la prise en charge des patients, mais Ć©galement sur le plan financier avec une rĆ©duction importante des coĆ»ts pour les hĆ“pitaux qui ont mis en place les mesures prĆ“nĆ©es par le Patient Blood Management.
  • La sĆ©curitĆ© des patients est Ć©galement mise au premier plan avec les nouvelles recommandations dans le domaine de la prise en charge de lā€™ā€ŠhĆ©morragie du post-partum, selon les principes de la mĆ©decine basĆ©e sur les preuves.
  • Ce programme prend de lā€™ā€Šampleur dans toutes les spĆ©cialitĆ©s de la chirurgie Ć  la mĆ©decine, et il apparaĆ®t actuellement comme un standard qui devrait ĆŖtre implĆ©mentĆ© Ć  lā€™ā€ŠĆ©chelle mondiale afin de proposer la prise en charge optimale en termes de gestion de la masse sanguine des patients.

1. MuƱoz M, Stensballe J, Ducloy-Bouthors A-S, et al. Patient blood management in obstetrics : prevention and treatment of postpartum haemorrage : NATA consensus statement. Blood Transf 2019; 17:112-36
2. Meybohm P, Richards T, Isbister J et al. Patient blood management bundles to facilitate implementation. Transfus Med Rev. 2017;31:62-71
3. Althoff FC, Neb H, Herrmann E, et al. Multimodal patient blood management program bsed on a three-pillar strategy: a systematic review and meta-analysis. Ann Surg. 2016;264:203-211.
4. Spahn D, Patient Blood Management: What Else? Annals of Surgery. 269(5):805–807, MAY 2019
5. Supporting Patient Blood Management (PBM) in the EU- A Practical ImplementationGuide for Hospitals. Available at: https://ec.europa.eu/health/sites/health/files/blood_tissues_organs/docs/2017_eupbm_hospitals_en.pdf,
6. National Patient Blood Management Implementation Strategy 2017-2021. Available at: https://www.blood.gov.au/implementing-pbm
7. Leahy MF, Hofmann A, Towler S, et al. Improved outcomes and reduced costs associated with a health-system-wide patient blood management program: a retrospective observational study in four major adult tertiary-care hospitals. Transfusion. 2017;57:1347-1358.
8. Mehra T, Seifert B, Bravo-Reiter S, et al. Implementation of a patient blood management monitoring and feedback program significantly reduces transfusions and costs. Transfusion. 2015;55:2807-2815.
9. Leahy MF, Trentino KM, May C, et al. Blood use in patients receiving intensive chemotherapy for acute leukemia or hematopoietic stem cell transplantation: the impact of a health system-wide patient blood management program. Transfusion. 2017;57:2189-2196.
10. GBD 2017 Causes of Death Collaborators. Global, regional, and national age-sex-specific mortality for 282 causes of death in 195 countries and territories, 1980-2017: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2017. Lancet 2018; 392: 1736-88.
11. Spahn DR. Goodnough LT. Alternatives to Blood Transfusion. Lancet 2013; 381:1855-65.
12. Hofman A. Farmer S. Towler SC. Strategies to preempt and reduce the use of blood products : an Autralian perspective. Curr Opin Anaesthesiol. 2012 ; 25 :66-73.
13. Isbister JP. The three-pillar matrix of patient blood management – an overview. Best Pract Res Clin Anaesthesiol. 2013 ; 27 :69-84.

Das Mikrobiom

Die intestinale Mikrobiota ist in den letzten Jahren in den Fokus des wissenschaftlichen wie ƶffentlichen Interesses gerückt. Die Zahl der Publikationen zum Thema und der Spekulationen über therapeutische Mƶglichkeiten hat exponentiell zugenommen. In diesem Artikel werden die aktuellen Einsichten zum Thema der Mikrobiota zusammengefasst, um Ƅrzten eine fundierte und kritische Beratung ihrer Patienten zu ermƶglichen.

Die intestinale Mikrobiota, das Ā«MikrobiomĀ» oder die Ā«DarmfloraĀ», ist in den letzten Jahren in den Fokus des wissenschaftlichen wie ƶffentlichen Interesses gerückt. Hierzu haben zwei Entwicklungen beigetragen. Zum einen konnte gezeigt werden, dass die Ā«TransplantationĀ» von gesunder Spender-Mikrobiota, als sogenannte Stuhltransplantation oder Fecal Microbiota Transplantation (FMT) bei der rezidivierenden Clostridien-Kolitis eine sehr hohe Heilungsrate (> 90%) aufweist, die man mit Antibiotika Therapien nicht annƤhernd erreicht. Als Folge dieser Ergebnisse wurde die Wertigkeit der FMT auch bei anderen Erkrankungen getestet. Firmen, die FMT und Ā«SpenderstuhlĀ» anbieten, werden vielfach gegründet. Die Federal Drug Administration der USA (FDA) hat die FMT als Behandlungsmethode für die rezidivierende Clostridien Kolitis (nach anfƤnglichen Bedenken) anerkannt. Weltweit wurden inzwischen Tausende FMTs mit sehr gutem Erfolg in der genannten Indikation durchgeführt.
Zum anderen wurde durch neue Verfahren und Techniken zur Sequenzierung der bakteriellen DNA aus dem Stuhl und anschliessende bioinformatische Analysemethoden ZusammenhƤnge zwischen einer ganzen Reihe verschiedener Erkrankungen und der Zusammensetzung der Darm-Mikrobiota hergestellt (oder besser Assoziationen, da fast nie KausalzusammenhƤnge gezeigt werden konnten). Diese Erkenntnisse haben zum einen dazu geführt, dass nun eine Vielzahl von Anbietern in einem unkontrollierten Markt Stuhl-Mikrobiota Analysen als diagnostischen Test anbieten. Diese Firmen liefern nicht nur eine (oft scheinbare und zweifelhafte) quantitative Auswertung, sie geben gleichzeitig Empfehlungen für therapeutische Interventionen, zumeist ErnƤhrungsinterventionen oder Therapien mit Probiotika – allerdings weitestgehend ohne genügende Evidenz. Probiotische Interventionen sind bei der Colitis ulcerosa und der Vorbeugung antibiotika-assoziierter DurchfƤlle sinnvoll und mit guter Evidenz belegt, nicht jedoch beim Morbus Crohn und vielen anderen Erkrankungen. Ob der Einsatz bei einer Ā«Dysbalance der MikrobiotaĀ» oder Ā«DysbioseĀ» sinnvoll ist, muss als fraglich gelten.
Daher ist es sinnvoll, die aktuellen Einsichten zum Thema der Mikrobiota noch einmal zusammenzufassen, um für Patienten eine fundierte und kritische Beratung zu ermöglichen.

Mikrobiota und Mikrobiom – einige Fakten

Die normale Darm-Mikrobiota des Menschen besteht aus einigen wenigen eukaryotischen Pilzen, Viren und einigen Archaeen, die vorwiegend den unteren Darmtrakt besiedeln (1). Der mit Abstand auffƤlligste, hƤufigste und zugleich bisher am besten erforschte Bestandteil der normalen Mikrobiota sind jedoch die Bakterien (2). Bis zu 100 Billionen (1014) Mikroorganismen pro Mensch besiedeln den Darm und machen etwa 2 kg des Kƶrpergewichts aus. Sie reprƤsentieren mindestens 300-1000 verschiedene Arten (3).
Interessanterweise kann derzeit niemand genau definieren, wie viele Bakterienarten tatsƤchlich in einer Darm-Mikrobiota-Probe vertreten sind. Dies hƤngt von dem mathematischen Algorithmus ab, der für die Analyse verwendet wird, und von dem Grenzwert für die Ƅhnlichkeit der 16S-RNA-Sequenz (normalerweise wird eine SequenzidentitƤt von 97% gewƤhlt, um verschiedene Ā«ArtenĀ» abzugrenzen und eine sogenannte operative taxonomische Einheit (OTU) zu definieren (4)). Das Wissen über die mikrobielle Zusammensetzung des Darminhaltes hat durch die Verwendung kultur-
unabhƤngiger Analysemethoden (der Grossteil der Mikroben war lange Zeit nicht kultivierbar) erheblich zugenommen.
Bei kulturunabhƤngigen Analyse-Methoden werden hauptsƤchlich Variationen von Genen (meist der 16sRNA) sequenziert, die einerseits bei allen Bakterien gemeinsam sind und in der Evolution stark konserviert wurden, andererseits jedoch mit speziesspezifischen Unterschieden behaftet sind (5-8). KulturunabhƤngige Methoden wie die Pyro-Sequenzierung erlauben eine genauere Untersuchung der mikrobiellen Zusammensetzung unter standardisierten Methoden der Probengewinnung. Noch ist wenig darüber bekannt, wie die komplexe Zusammensetzung der Darm-Mikrobiota durch Umweltfaktoren wie ErnƤhrung, Medikamentenkonsum, Lebensweise, Toxine, das Alter und Geschlecht des Wirtes, der geographische Lebensraum, das Ausmass der regelmƤssigen kƶrperlichen Bewegung, das Klima und andere exogene Faktoren wie Rauchen moduliert wird (9, 10).
Neben Umwelteinflüssen sind genetische Einflüsse von Bedeutung und eine Anpassung zwischen der genetischen Struktur des Wirts und der mikrobiellen Komposition konnte gezeigt werden (11-15). Die Metaboliten des Wirtes und der Darmbakterien reagieren und interagieren miteinander, sodass ein Gleichgewicht entsteht (16).
Generell sollte man, wenn man die Gesamtheit der Mikroben meint, von der Mikrobiota sprechen. Der Terminus Ā«MikrobiomĀ» meint eigentlich nur die Gene also das Genom der Mikrobiota, deren Erbinformationen. Allerdings fokussieren fast alle bisherigen Analysenmethoden auf die genetische Information über Sequenzieren. Das bedeutet gleichzeitig, dass unsere Informationen über die Funktionen der Mikrobiota sehr mangelhaft sind. Wenn wir nur das Mikrobiom kennen, wissen wir nichts über dessen Metaboliten, das Metabolom. Die selbe Bakterien Spezies kann jedoch in unterschiedlichen Ɩkosystemen (sogenannten Ā«KonsortienĀ») sehr unterschiedliche Funktionen erfüllen. Das metabolische Profil verschiedener Bakterienspezies hƤngt von deren Umgebung und der Funktion anderer Spezies in der Umgebung ab. Die reine DNA Sequenzierung sagt uns daher sehr wenig über die Funktion oder die Pathologie aus. Daher bleiben Begriffe wie Ā«DysbioseĀ» auch sehr vage und eine Dysbiose kƶnnte funktionell sogar günstig sein.

Darm-Erkrankungen mit einer VerƤnderung des Mikrobioms

Die Zusammensetzung der Mikrobiota ist bei einer Reihe von Darmerkrankungen verändert, wie in den letzten Jahren gezeigt werden konnte. Hierzu zählen unter anderem die chronisch entzündliche Darmerkrankung (IBD) (17-19), Zöliakie (20-22) oder verschiedene Lebererkrankungen (23-26).
Die Ā«DysbioseĀ» bei IBD scheint am ausgeprƤgtesten zu sein, wenn die Entzündung aktiv ist (27-31). Reproduzierbar scheint bei Morbus Crohn eine relative Verminderung von Faecalibacterium prausnitzii und von Roseburia hominis zu sein, die beide Butyrat produzieren (29, 32-34). Eine solche Dysbiose wurde interessanterweise auch bei gesunden Verwandten von Morbus Crohn-Patienten gefunden (33). Bei Patienten der Swiss IBD Cohort Study (SIBDCS) fanden sich Stƶrungen für die Familien der Lachnospiraceae und Ruminococcaceae, die typischerweise kurzkettige FettsƤuren produzieren (35). Diese VerƤnderungen kennzeichneten besonders Patienten mit hƤufigen Relapsen und schlechter Therapieantwort auf die Behandlung mit Anti-TNF-α-Antikƶrpern (35). Bei Patienten mit IBD, die eine DiƤt einhielten, fanden sich eher depressive Symptome und eine VerƤnderung der Darm-Mikrobiota (36).
Bei IBD kann generell eine Ā«Reduktion der VielfaltĀ» (Ā«reduced diversityĀ») der Mikrobiota beobachtet werden (31, 37-39) und eine Ā«vielfƤltigereĀ» Mikrobiota wird in der Regel als vorteilhaft angesehen. Bei Patienten mit IBD findet sich auch eine verminderte Expression von Mucinen im Dickdarm (40). Dies führt dazu, dass die dysbiotische Mikrobiota nƤher an die Zellen der Darmschleimhaut vordringen kann (41, 42-45).
Die Transplantation fƤkaler Mikrobiota, FMT als ein Versuch, die gestƶrte mikrobielle Zusammensetzung und Vielfalt zu therapieren, wird bei IBD kontrovers diskutiert. WƤhrend bei Morbus Crohn wohl kein Nutzen belegt ist und entsprechende Studien negativ sind, zeigt sich bei Colitis ulcerosa in Meta-Analysen ein signifikanter therapeutischer Nutzen einer FMT (46-50). Allerdings wirken nur wenige Spender optimal (51). Daher wird nun in den meisten Studien der Stuhl von bis zu sieben Spendern für eine FMT kombiniert und eine wiederholte Therapie mit bis zu 40 EinlƤufen mit der Bakteriensuspension verabreicht (52). Auch wenn in einigen Studien ein signifikanter Nutzen bei Colitis ulcerosa gezeigt werden konnte, ist das Resultat (27% Remission versus 8% mit Placebo) bezogen auf den grossen Aufwand ein doch eher enttƤuschendes Ergebnis (52). Nicht zu vergessen – eine Transplantation einer hohen Zahl von Keimen ist auch mit potenziellen Risiken verbunden, wie ein erster dokumentierter Todesfall durch eine Infektion mit einem multiresistenten Keim übertragen durch eine FMT eindrücklich vor Augen führt. Die mikrobielle Vielfalt nahm mit der FMT im Stuhl zu und hielt an (53).
Probiotische Therapien haben sich bei Colitis ulcerosa als mƤssig wirksam erwiesen. Nur die Therapie mit E. coli Nissle zur Erhaltung der Entzündungsfreiheit (Remissionserhaltung) ist in den internationalen Behandlungsempfehlungen enthalten (54, 55).
Die potenzielle Rolle der Darm-Mikrobiota bei der Pathogenese des Reizdarmsyndroms (irritable bowel syndrome, IBS) wird ebenfalls diskutiert und u.A. durch eine kontrollierte positive Studie mit Rifaximin, einem nicht resorbierbaren Derivat von Rifamycin, nahegelegt (56). Zudem gibt es verschiedene Studien, die eine Ā«DysbioseĀ» bei IBS-Patienten im Vergleich zu Gesunden bestƤtigen konnten (57). Neben therapeutischen Mƶglichkeiten erƶffnen diese Einsichten natürlich auch ein diagnostisches Potenzial (charakteristische mikrobielle Ā«FingerabdrückeĀ» zur Identifikation und Charakterisierung von IBS (58)). In einer Studie mit Patienten mit mittelschwerem IBS-D oder IBS-M zeigten 65% der Probanden mit FMT gegenüber 43% Placebo Patienten nach 3 Monaten ein klinisches Ansprechen (p = 0,049) (59). In Meta-Analysen lƤsst sich jedoch kein sicherer Effekt bestƤtigen (60).
Die Darm-Mikrobiota und deren Zusammensetzung scheint auch eine wichtige Rolle für die Entwicklung von Darmkrebs (Colorectal Cancer, CRC) zu spielen (61-65). Es wird vermutet, dass Bestandteile der Darmbakterien oder Metabolite Ā«genotoxischenĀ» Stress induzieren, der genetische und epigenetische VerƤnderungen in den Darmepithelzellen verursacht und schliesslich zur unkontrollierten Proliferation führt (66, 67). Es wurden deutliche VerƤnderungen der Mikrobiota bei Darmkrebs, wie z. B. eine Zunahme der Fusobacterium-Sequenzen, beschrieben (68, 69). In einem Tiermodell für Darmkrebs konnte gezeigt werden, dass die alleinige Kolonisation mit dem kommensalen Bakterium E. coli NC101 das invasive CRC fƶrdert (70).

Rheumatologische und kardiovaskulƤre Erkrankungen mit einer VerƤnderung der Mikrobiota

Die intestinale Mikrobiota ist bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (71-73) und anderen rheumatologischen Erkrankungen verƤndert.
Die Darm-Mikrobiota spielt ausserdem mƶglicherweise eine wichtige Rolle für die Entwicklung verschiedener Herzkrankheiten (74). Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen – insbesondere bei Frauen – scheinen ein hƶheres Risiko für koronare Herzerkrankungen und zerebrovaskulƤre Ereignisse zu haben (75), obwohl weniger Ā«klassischeĀ» Risikofaktoren vorkommen, was auf zusƤtzliche Verbindungen zwischen Darm und Herz-Kreislauf-System hinweist. Eine beeintrƤchtigte Darmbarrierefunktion, gefolgt von einer bakteriellen Translokation und dem Vorhandensein bakterieller Produkte im Kreislauf, kann zu Arteriosklerose und chronischer Herzinsuffizienz führen, wie jüngste Daten belegen (74, 76-78).

Erkrankungen des Zentralnervensystems und das Mikrobiom: Die «Gut-Brain Achse»

Die bidirektionale Kommunikation zwischen dem Gehirn und dem Magen-Darm-Trakt, die sogenannte Ā«Gut-Brain AxisĀ» oder Ā«Gehirn-Darm-AchseĀ», basiert auf einem komplexen System, das den Nervus vagus, aber auch endokrine, immun- und humorale Verbindungen sowie den Einfluss der Darm-Mikrobiota beinhaltet (79). So wird einerseits die gastrointestinale Homƶostase reguliert. Andererseits scheinen dadurch emotionale und kognitive Bereiche des Gehirns mit Darmfunktionen verbunden zu sein (80). Die Gehirn-Darm-Achse wird als therapeutisches Target für psychiatrische Erkrankungen wie Depressionen (81) und posttraumatische Belastungsstƶrungen (PTBS) (82) diskutiert.
Eine Veränderung der Zusammensetzung der menschlichen Mikrobiota wurde bei einem Mausmodell für Depressionen (83) sowie bei Patienten mit depressiven Symptomen (84, 85) gefunden. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass Depressionen mit einer Reihe von Verhaltensänderungen wie Nahrungsaufnahme, Ernährung und körperlicher Aktivität einhergehen, die die Zusammensetzung der Darm-Mikrobiota beeinflussen können. Zudem finden sich charakteristische Veränderungen des Mikrobioms bei Autismus (86-88). Eine Interventionstherapie mittels FMT konnte bei Patienten mit Autismus die Symptome verbessern (89).
Eine gezielte Mikrobiota-Behandlung könnte zu Verbesserungen der emotionalen Symptome von Patienten führen, die an Depressionen oder Angstzuständen leiden. Es gibt Hinweise darauf, dass Probiotika (90-92) einen Einfluss auf die Aktivität des Nervus vagus haben. Dieser Effekt ist jedoch individuell sehr variabel.
Beim Menschen kƶnnten Probiotika mit entzündungshemmender Wirkung, aufgrund ihrer antidepressiven und anxiolytischen Wirkung nützlich sein, um Patienten mit psychiatrischen Stƶrungen zu behandeln (85, 93-95). Unterschiede in der Zusammensetzung der Darm-Mikrobiota bei Patienten mit Depressionen im Vergleich zu gesunden Personen wurden nachgewiesen (96) und kürzlich wieder bestƤtigt (97, 98).

Endokrine Erkrankungen und die Rolle der Darm-Mikrobiota

Die Darm-Mikrobiota spielt nach jüngeren Erkenntnisse auch eine wichtige Rolle in der Pathogenese von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes (99, 100, 101-107) metabolisches Syndrom (108-110) oder Nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH) (111, 112).
Interessanterweise hat sich gezeigt, dass der adipƶse PhƤnotyp bei MƤusen durch eine FMT übertragbar ist (113-115). Einer aus fetten MƤusen extrahierten und auf magere MƤuse übertragenen Mikrobiota folgte eine signifikante Gewichtszunahme bei den mageren MƤusen. Eine Ƥhnliche Gewichtszunahme wurde auch in EinzelfƤllen bei Menschen nach einer FMT von Übergewichtigen berichtet (116, 117). Leider funktioniert dies nicht in die entgegengesetzte Richtung (114, 115). Dennoch wird die VerƤnderung der Darm-Mikrobiota bereits als zukünftige Behandlungsstrategie für Adipositas diskutiert. VorlƤufige Daten aus einer kleineren Studie am Menschen, die sich eher auf die Insulinresistenz als auf das Kƶrpergewicht konzentrierte, legten jedoch nur eine sehr bescheidene Wirkung nahe (118).

Zweitabdruck aus «der informierte Arzt» 10-2019

Prof. Dr. med. Dr. phil. Gerhard Rogler

Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie
UniversitätsSpital Zürich
RƤmistrasse 100
8091 Zürich

gerhard.rogler@usz.ch

PD Dr. med. Luc Biedermann

Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie
UniversitätsSpital Zürich
RƤmistrasse 100
8091 Zürich

Die Autoren haben in Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte deklariert.

  • Wir haben erst begonnen, die Bedeutung unserer Darm-Mikrobiota für unsere Gesundheit und die Pathophysiologie einer Vielzahl von Erkrankungen zu verstehen.
  • Eine Reihe von Erkrankungen wurde mit einem Ā«UngleichgewichtĀ» oder einer Ā«DysbioseĀ» der mikrobiellen Zusammensetzung der Darm-Mikrobiota in Verbindung gebracht, wie z. B. IBD, rheumatoide Erkrankungen, maligne Erkrankungen wie das CRC, metabolisches Syndrom und sogar psychiatrische Erkrankungen.
  • Bisher sind diese Ergebnisse leider hƤufig deskriptiv, was den Mangel eines kausal-funktionellen VerstƤndnisses widerspiegelt. Ein eben solch tieferes VerstƤndnis der Wechselwirkungen wird allerdings notwendig sein, um endlich den Weg zu neuen und gerichteten Therapeutika zur Behandlung dieser chronischen Krankheiten zu ebnen.
  • Ein vielversprechender Hinweis darauf, dass in Zukunft Mikrobiota Therapien mƶglich sein kƶnnten, ist der klinische Erfolg der FMT für rezidivierende Cl. difficile Kolitis. Aus offensichtlichen Gründen erfordern andere Krankheiten spezifischere AnsƤtze.
  • Es wird wichtig sein, derzeit weder übertriebene Erwartungen zu wecken noch unausgewogene oder enthusiastische Versprechungen zu machen.
  • Der Stuhl-Dysbiose Test oder das Darm-Mikrobiota Monitoring, die Analyse der Mikrobiota Zusammensetzung im Stuhl wird derzeit von über 200 Labors in Europa angeboten. Medizinisch sind diese Tests bedeutungslos.
  • Die Mechanismen, über welche die Darm-Mikrobiota zu Gesundheit und Krankheit beitrƤgt, müssen genauer untersucht werden.

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Sex and Gender in Medicine

Brauchen Frauen und Männer jeweils andere Medizin? Gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern in den Krankheitsleitsymptomen oder der Wirkung von Therapien und Medikamenten? Diese Fragen wurden am Symposium über «Sex and Gender in Medicine» diskutiert, das am 15. November in Zürich stattfand.

Das Thema ist noch nicht ganz Mainstream, stellte die Direktorin Frau Prof. Dr. med. Beck-Schimmer, Direktorin Universitäre Medizin, Zürich, einleitend fest. Eine neue Sichtweise auf die Behandlung von Frauen und Männern ist heute angezeigt.

Die Referentin zitierte den französisch-kubanischen Maler und Dichter Francis Picabia: «Unser Kopf ist rund damit das Denken die Richtung wechseln kann».
Durch das Symposium führte in interaktiver und dynamischer Manier Frau Conny Czymoch.
Conny Czymoch, Journalistin und international tƤtige Moderatorin

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Interaktion zwischen Herz und Gehirn

Die Anzahl der vaskulären Todesfälle bei Frauen übertreffen heute diejenigen der Männer. 40% der kardiovaskulären Todesfälle werden bei Männern registriert im Vergleich zu 49% bei Frauen, so Frau Prof. Dr. med. Catherine Gebhard, Zürich.

Kardiovaskuläre Risikofaktoren haben eine höhere Prävalenz und eine grössere klinische Bedeutung bei jungen Frauen im Vergleich zu Männern und/oder älteren Frauen und nach einem Herzinfarkt sind Frauen mehr gestresst als Männer. Die Nervenbelastung bei kardiovaskulärer Erkrankung unterscheidet sich bei Männern und Frauen. Bei Frauen wird eine stärkere Reaktion beobachtet, was darauf hindeutet, dass Frauen disproportional anfällig für die negativen psychischen Auswirkungen chronischer Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind. Die hochregulierte Aktivität der Amygdala ist mit einem erhöhten Entzündungszustand bei weiblichen Patienten verbunden. Ein Fokus auf Entzündungsmarker und Belastungsindikatoren könnte die Ergebnisse bei Frauen mit koronarer Herzkrankheit verbessern.
Zukünftige Studien werden die klinische Bedeutung der neuronalen Bildgebung bei der Phänotypisierung von Patienten mit Risiko für künftige kardiale Ereignisse bewerten müssen, so die Perspektiven der Referentin.

Gibt es nur den «kleinen Unterschied» zwischen Mädchen und Knaben?

Zunächst erinnerte Prof. em. Dr. med.-David Nadal, Zürich, mit dem kleinen Unterschied an Alice Schwartzer vor 40 Jahren.
Der Referent zeigte den genetischen Unterschied zwischen Mädchen und Knaben, die Geschlechts-Chromosomen XX vs. XY, und stellte fest, dass eigentlich die Knaben das schwache Geschlecht darstellen. Er erwähnte den Dresscode mit blau und rosa und das Lied von Herbert Grönemeyer: «Männer führen Kriege Männer sind schon als Baby blau».

Die Unterschiede in Sterblichkeit und MorbiditƤt bei Zwillingen mit unterschiedlichem Sex untermauern, dass MƤnner eigentlich das schwache Geschlecht darstellen, zumindest medizinisch.
So zeigen sie vermehrte kongenitale Abnormalitäten, höhere neonatale Mortalität vermehrte Häufigkeit von Atemstörungssyndromen. In der Frühkindlichen Entwicklung gibt es geringe Unterschiede in der Feinmotorik, im Sprechen.
Mädchen reden in der Regel einige Wochen früher als Knaben, haben einen grösseren Wortschatz und eignen sich Mamas Mimik und Gestik früher an als Knaben. Bei der Kraftanwendung sind allerdings Knaben früher als Mädchen.
Gender-Stereotypien beeinflussen das Verhalten. So werden hochrangige intellektuelle FƤhigkeiten (Brillanz, GenialitƤt, etc.) mehr mit MƤnnern als mit Frauen in Verbindung gebracht. Diese Stereotypien entmutigen Frauen bei der Suche nach prestigetrƤchtigen Karrieren.
MƤdchen und Knaben kƶnnen – sei es als Neugeborene, Kleinkinder, Schulkinder oder Jugendliche – medizinisch nicht unbedingt über den gleichen Kamm geschoren werden.
Für eine menschenwürdige Medizin braucht es epidemiologische, diagnostische und therapeutische Forschung und Lehre, welche den alters-, sex- und gender-bedingten Unterschieden Rechnung tragen, so die Schlussfolgerungen des Referenten.

Geschlechtsunterschiede und -Ƥhnlichkeiten aus der Perspektive der Neuropsychologie

Die Kernthesen sind: Geschlechtsspezifisches Verhalten wird determiniert durch geschlechtsspezifische Gehirne (Anatomie & Neurophysiologie), Testosteron und Ɩstrogenkonzentration etc. und Genetik, so Prof. Dr. rer. nat. Lutz JƤnke, Zürich.

Der Referent erinnerte an das Buch von Allan und Barbara Pease, Warum MƤnner immer Sex wollen und Frauen von der Liebe trƤumen. Er nannte die Gebiete, bei denen Frauen im Vorteil und solche, bei denen MƤnner im Vorteil sind.
Um die Unterschiede mathematisch zu erfassen, definierte er die EffektstƤrke als Unterschied = (Leistung MƤnner – Leistung Frauen) / Streuung. Er wies auf die verschiedenen EffektstƤrken hin, die von 0.9 (VertrƤglichkeit: Offenheit für Erfahrung) zugunsten von Frauen bis 2.0 für Werfen und Geschwindigkeit zugunsten von MƤnnern reicht. Die durchschnittlichen Effektgrƶssen zeigen 88% Überlappungen zwischen MƤnnern und Frauen, also praktisch keinen Unterschied. Das für Frauen vielgenannte Multitasking zeigt eine Effektgrƶsse von weniger als 0.1 (sogar zugunsten von MƤnnern). Der Referent schloss mit dem Zitat von Janet Shibley Hyde Ā«MƤnner und Frauen sind in den meisten (nicht allen!) psychologischen Funktionen Ƥhnlich bzw. identisch!Ā» (Janet Shibley Hyde. The gender similarities hypothesis. Amer. Psyhologist 2005;60:581-592).

Was ist Gender-Medizin und wie kann sie im klinischen Alltag umgesetzt werden?


Menschen werden weiblich oder mƤnnlich geboren, aber lernen MƤdchen oder Buben zu sein, welche zu Frauen oder MƤnnern heranwachsen, so Frau Univ. Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer, Wien.
Ein Mann oder eine Frau zu sein, hat einen signifikanten Einfluss auf die Gesundheit, sagt die WHO.

Die Definition von Sex und Gender

Ein Drittel (6500) der untersuchten Gene in MƤnnern und Frauen werden unterschiedlich exprimiert. Gene, welche vor allem in einem Geschlecht aktiv sind, spielen womƶglich eine zentrale Rolle in der Evolution und Gesundheit.
Beispiele für geschlechtsspezifisch stärker exprimierte Gene sind bei Männern der Haarwuchs (in der Haut), der Muskelaufbau, Gene in der Brust (vermutlich um die Laktation zu unterdrücken). Bei Frauen sind es die Fettspeicher, Gene in der Leber, die den Metabolismus von Medikamenten beeinflussen, sowie unterschiedliche Gene des Zuckerstoffwechsels.

Gendermedizin: Verhalten und gesundheitliche Belastungen

Frauen nehmen hƤufiger an Vorsorgeuntersuchungen teil und haben insgesamt mehr medizinische Konsultationen. MƤnner schƤtzen dagegen Bewegung eher als gesundheitsfƶrdernd ein. ErnƤhrung spielt wiederum im Gesundheitskonzept von Frauen eine zentrale Rolle.
Rauchen und Alkoholkonsum waren früher männlich dominiert und sind NOCH für einen wesentlichen Teil des Gender-Gaps in der Lebenserwartung verantwortlich.

Pathologische Geschlechter-Unterschiede des Stoffwechsels und Energiehaushalts

Frauen zeigen öfter gestörte Glukosetoleranz und später Diabetes, mehr Adipositas, häufiger auch Depressionen, höheres Risiko für Komplikationen (Herz, Hirn u.a.). Diätetische Hauptrisikofaktoren für Mortalität sind wenig Vollkorn bei Frauen und hoher Salzkonsum bei Männern. Männer weisen eine höhere Mortalität wegen ungesünderer Ernährungsgewohnheiten auf.

Gendermedizin und Medikamente

Frauen sind in klinischen Studien generell unterreprƤsentiert, sie zeigen mehr Nebenwirkungen bei ACE-Hemmern, β-Blockern, Ca-Antagonisten, Statinen und mehr Blutungen unter antithrombotischer Therapie. Frauen zeigen eine 10-20% grƶssere Wahrscheinlichkeit für fehlende TherapieadhƤrenz. Die Ursachen kƶnnen geringeres Bewusstsein für kardiovaskulƤre Erkrankungen oder mehr Nebenwirkungen sein. Unterschiede wurden auch bei der Behandlung von Patientinnen durch weibliche gegenüber mƤnnlichen Ƅrzten festgestellt. Die MortalitƤts- und Wiederaufnahme-Raten von Patientinnen waren bei Internistinnen geringer als bei Internisten.
Die Referentin schloss mit dem Zitat von Rosa Meyreder, 1905: «Die beiden Geschlechter stehen in einer zu engen Verbindung, sind von einander zu abhängig, als dass Zustände, die das eine treffen, das andere nicht berühren sollten.»

Sex- und Gender-Unterschiede bei Alzheimer-Krankheit – Update des Women’s Brain Project

Frauen weisen im Mittel mehr Neurotismus (vermehrte Ƅngstlichkeit, niedrigere Stresstoleranz) auf als MƤnner. Dies mag zu einem hƶheren Mass an Ƅngstlichkeit beitragen, von dem Frauen auf Googleghost berichten, und zu der geringeren Anzahl von Frauen in hochbelasteten Berufen, stellte Dr. Maria Teresa Ferretti, Zürich, fest.

35% des Risikos für Alzheimer-Krankheit sind modifizierbar. Sex und Gender beeinflussen die modifizierbaren Risikofaktoren. Spezifisch weibliche potentielle Risikofaktoren sind frühe Menopause, hypertensive Komplikationen während der Schwangerschaft, Schwangerschaften, und Migräne. Bei Frauen wird eine schnellere Krankheitsprogression festgestellt. Es gibt aber auch geschlechtsbedingte Unterschiede bei den Biomarkern für Alzheimer-Krankheit. So zeigen Frauen eine vermehrte Tau-vermittelte metabolische Dysfunktion im Vergleich zu Männern.
Die Referentin rief zum Handeln von der «One size fits all medicine» zur Precision Medicine auf. Dies bedeutet Sex-sensitive Präventionskampagnen, Frühdiagnose, Behandlung sowohl bei präklinischem Studiendesign als auch in der präklinischen Forschung.
Das Women’s Brain Project hat 4 HauptarbeitsablƤufe: W51: prƤklinische Wissenschaft, W52: Medikamententwicklung, W53: Neue Technologien, W54: Soziale Determinanten der Gesundheits- und Politikwissenschaft.

Geschlecht als biologische Variable in der Grundlagen- und prƤklinischen Forschung

Das Geschlecht ist eine wichtige biologische Variable in der medizinischen Forschung, stellte Prof. Dr. rer. nat. Thorsten Buch, Zürich, einleitend fest. In der Präklinik kommen oft nur männliche Tiere zum Einsatz. Sind die Geschlechter in der biomedizinischen Forschung gleich?

In der Zellkultur nehmen weibliche Neurone Dopamine zweimal so schnell auf wie männliche Neurone. Weibliche Neurone und Nierenzellen sind empfindlicher gegenüber Chemikalien, die den Zelltod auslösen. Weibliche Leberzellen haben mehr CYP3A-Protein, welches wichtig für den Abbau der Hälfte aller Medikamente ist. Beim Schmerz brauchen männliche Mäuse Mikroglia für mechanisches Schmerzempfinden, weibliche Mäuse brauchen dagegen T-Lymphozyten.
Von 71 Forschungsarbeiten mit MƤusen oder Ratten, die in der Zeitschrift Pain im Jahre 2015 publiziert wurden, waren 56 nur mit MƤnnchen, nur 6 mit Weibchen, 6 Studien erwƤhnten das Geschlecht überhaupt nicht. Viele Forscher benutzen MƤnnchen statt Weibchen. Die Gründe sind eine mƶgliche VariabilitƤt aufgrund schwankender Hormonspiegel, die Befürchtung, dass die Gutachter der Studien fordern kƶnnten, dass jede Phase des Ɩstruszyklus zu wiederholen sei. Zudem glauben viele Forscher, dass die Stichprobengrƶsse verdoppelt werden müsste, was die Kosten für Experimente erheblich erhƶht. De vero weisen weibliche Tiere eine geringere VariabilitƤt auf als mƤnnliche Tiere, wie der Referent zeigte.

Warum brauchen wir Gendermedizin?

Handlungsfelder an der Universität sind Gender in Klinik, Therapie und Prävention, Gender in der Forschung, Gender in der Lehre, stellte Frau Prof. Dr. med. Vera Regitz-Zagrosek, Berlin, z.Z. Anna Fischer Dückelmann Gastprofessorin an der Universität Zürich, fest. Die Referentin bezog sich insbesondere auf die kardiovaskuläre Forschung.

Junge Frauen zeigen weltweit eine erhöhte Sterblichkeit nach Bypass-Operation. Das klassische Bild der koronaren Herzerkrankung ist ein älterer rauchender Mann. Herzerkrankungen sind aber heute der «Killer Nr. 1» bei Frauen. Männer zeigen die klassischen Erkrankungen der grossen Koronargefässe. Frauen weisen Plaqueerosionen, Spasmen, Dissektionen, Erkrankungen der kleinen Gefässe auf. Sie haben ein grosses Spektrum an Beschwerden und zeigen ein unterschiedliches Ansprechen auf Therapien.
Geschlechterunterschiede gibt es auch bei psychischer Gesundheit/Krankheit. Frauen leiden hƤufiger an psychischen Krankheiten wie Angsterkrankungen, versuchtem Suizid. MƤnner zeigen antisoziale Persƶnlichkeitsstƶrung, Sucht und vollendeten Suizid. Endokrine und muskuloskelettale Erkrankungen sind bei Frauen hƤufiger als bei MƤnnern. Die Osteoporose gilt als Frauenerkrankung. Bei MƤnnern wird sie unterschƤtzt und ist unterdiagnostiziert.
Frauen sind auch bei der COPD überrepräsentiert. Sie weisen die Symptome in jüngerem Alter auf als Männer und bei geringerer Tabakexposition.
Die PrƤvalenz von kardiometabolischen Stƶrungen bei Frauen und MƤnnern hat weltweit zugenommen und ist mit einem Anstieg von Adipositas und Fettleibigkeit, damit verbundenen Konzentrationen anderer kardiometabolischer Risikofaktoren wie Bluthochdruck, beeintrƤchtigter Glukosemetabolismus und DyslipidƤmie verbunden. Die Referentin ruft zu den folgenden Handlungsfeldern an der UniversitƤt auf:
Geschlechtsunterschiede sollen bei allen Erkrankungen und in der Arzneimitteltherapie systematisch aufgearbeitet werden. In der Forschung müssen Geschlechter-Unterschiede in Tiermodellen berücksichtigt werden.

Quelle: Kickoff Symposium «Sex and Gender in Medicine», Universitäres Zentrum Zürich, 15.11.2019.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

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