Psychiatrische Erkrankungen in der Schwangerschaft und im Wochenbett

Am traditionellen 22. Kongress für praktische Gynäkologie und Geburtshilfe in Näfels widmete sich Frau Dr. phil. Kathrin Degen, St. Gallen, den psychiatrischen Erkrankungen in der Schwangerschaft und im Wochenbett.

Peripartale Depression

Peripartale Depressionen lassen sich unterteilen in antepartale Depression (Schwangerschaftsdepression) und postpartale Depression. Die antepartale Depression tritt mit einer Prävalenz von 10-12% auf. Fünfzig Prozent der postpartalen Depressionen beginnen bereits in der Schwangerschaft, wie die Referentin ausführte.

Dr. phil. Kathrin Degen

Die postpartalen Depressionen kommen mit einer Prävalenz von 10 bis 15% vor, bei Einschluss der minoren Depressionen und depressiven Anpassungsstörungen kommt man auf eine Prävalenz bis 19%. Dazu kommt ein gehäuftes Auftreten von Angstsymptomatik und Panikattacken. Ein Jahr nach Geburt sind ca. 30% der Betroffenen immer noch depressiv. Die Rückfallrate für spätere peripartale und nichtperipartale Depressionen beträgt ca. 40%.
Die Depressionen können innerhalb von vier (DSM-5) bis sechs (ICD-10) Wochen nach Entbindung auftreten. Im klinischen Kontext ist eine Ausweitung auf 5 bis sogar 12 Monate sinnvoll. Tritt eine depressive Verstimmung mit frühem postpartalen Beginn auf, deutet dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auf hormonelle Auslöser hin.
Es können verschiedene Typen der postpartalen Depression unterschieden werden, stellte die Referentin fest: Beim «Insuffizienztyp» ist eine depressive Verstimmung mit Versagens- und Schuldgefühlen im Vordergrund. Beim «Zwangstyp» treten neben einer depressiven Verstimmung Zwangssymptome auf und beim «Paniktyp» ist die depressive Verstimmung begleitet vom meist erstmaligen Auftreten von Panikattacken. (1, 2)

Postpartum-Psychosen

Die Behandlungsprävalenzen betragen zwischen 0,1 und 0,2%. Meistens erfolgt ein abrupter Beginn mit kurzer Latenz nach Entbindung. Es besteht eine erhöhte Suizid- und Infantizidgefahr. Diese treten meistens im Rahmen einer bipolaren Erkrankung auf. Die isolierten Postpartum-Psychosen sind deutlich seltener. Vermutet wird eine erhöhte Vulnerabilität für endokrinologische und immunologische Veränderungen als Auslöser. (1)

Posttraumatische Belastungsstƶrungen

Geburtstraumata mit Vollbild einer posttraumatischen Belastungsstƶrung kommen in 2% vor. Das subjektive Erleben der Geburt ist dabei entscheidender als ein objektiver medizinischer Geburtsverlauf, so die Referentin. Traumatisch erlebte Entbindungen mit daraus folgender posttraumatischer Belastungsstƶrung treten zehnmal hƤufiger auf als die postpartale Psychose.
Frauen mit Vortraumatisierung sind besonders gefährdet, eine posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln. Peritraumatische Dissoziation während der Entbindung ist ein relevanter Prädiktor für die Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sexueller Missbrauch in der Kindheit ist ausserdem mit einem vielfach erhöhten Risiko einer postpartalen posttraumatischen Belastungsstörung assoziiert, weshalb eine sorgfältige Anamnese diesbezüglich im Vorfeld der Geburt zentral ist. (1, 2)

Zwangsstƶrungen

Eine antepartale Zwangssymptomatik kommt in 2.1% vor, eine postpartale Zwangssymptomatik in 2.4%. Häufige Inhalte der Zwänge sind Kontamination oder Gefährdung des Kindes. Im Gegensatz zu Zwangsgedanken beim «Zwangstyp» der postpartalen Depression werden die Zwangsgedanken ich-fremder erlebt. Aggressive Zwangsgedanken sind jedoch selten mit Handlungsumsetzung verbunden. (1)

Angststƶrungen

Es besteht keine erhöhte Prävalenz für Angststörungen in der Peripartalzeit. Die Komorbidität mit postpartaler Depression mit ungünstigem Einfluss auf den Verlauf ist jedoch hoch. Die isolierte Panikstörung wird nur diagnostiziert, wenn Panik das zentrale Symptom ist und depressive Verstimmung lediglich eine Begleiterscheinung darstellt. (1, 2)

VulnerabilitƤt

Vorbestehende psychische Erkrankungen sind ein wichtiger prädiktiver Faktor für das Auftreten einer peripartalen psychischen Episode. Postpartale Depressionen mit kurzer Latenz nach Entbindung (bis vier Wochen) sind assoziiert mit einer in der Vorgeschichte bestehenden prämenstruellen dysphorischen Störung und einer familiären Vorbelastung mit postpartalen Depressionen. Es besteht zudem ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer bipolaren Erkrankung.
Frauen mit anamnestisch gehäuften depressiven Episoden und Rückfällen (auch ausserhalb der Peripartalzeit) haben hohe Rückfallraten in der Schwangerschaft bei Absetzen der Medikation.
Risikofaktoren für eine postpartale Psychose sind insbesondere frühere bipolare Episoden oder schwere frühere postpartale Episoden.
Das Rückfallrisiko bei einer bipolaren Störung ist in der Schwangerschaft bei Absetzen der Medikation deutlich erhöht. (1)

Auswirkungen auf fetale und kindliche Entwicklung

Bei unterschiedlichen Störungsbildern zeigen sich erhöhte Frühgeburtenraten, geringes Geburtsgewicht, ein erhöhtes Risiko für Fehl- und Totgeburten sowie plötzlicher Kindstod. Als korrelierende Faktoren müssen ungünstige Umweltfaktoren (z.B. Substanzgebrauch, schlechte Ernährung und häusliche Gewalt) berücksichtigt werden.
Peripartale psychische Störungen erhöhen das Risiko für emotionale, kindliche Probleme.
Depressive Symptomatik, welche nach der Postpartalzeit anhält, wirkt sich zudem ungünstig auf die kindliche kognitive Entwicklung aus.
Ein erhöhtes Risiko für Bindungsstörungen besteht bei schweren postpartalen depressiven Episoden.
Ante- und postpartale Angsterkrankungen scheinen insbesondere das Risiko für ADHS und Störungen des Sozialverhaltens zu erhöhen. (1)

Diagnostische Klassifikation

Peripartale Störungen sollen im ICD-10 unter der entsprechenden Hauptkategorie klassifiziert werden (F1-F6). Die Zuordnung der aktuellen Episode zur Peripartalphase erfolgt über den Zusatz O99.3 (Psychische Krankheiten sowie Krankheiten des Nervensystems, die Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett komplizieren).
Kategorie F53 (Psychische oder Verhaltensstörungen im Wochenbett, anderenorts nicht klassifiziert) stellt lediglich eine Restkategorie für Störungen dar, welche nicht die Kriterien einer anderen Störung erfüllen und deren Beginn innerhalb der ersten sechs Wochen nach Entbindung liegt. (1)

Quelle: 22. Kongress für praktische Gynäkologie und Geburtshilfe, Näfels, 7.-8. November 2019

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

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1. Kühner, C. Psychiatrische Erkrankungen in Schwangerschaft und Stillzeit: HƤufigkeit, Verlauf und klinische Diagnostik. In: Der Nervenarzt 2016; 87: 926–936.
2. Rohde, Anke; Dorn, Almut (2007): GynƤkologische Psychosomatik und GynƤkopsychiatrie. Das Lehrbuch. Stuttgart New York: Schattauer.

Die Diagnose von Osteoporose bei Statintherapie ist abhƤngig von der Dosis

Die Beziehung zwischen Statintherapie und Osteoporose ist bisher nicht vollständig geklärt. Frühere Studien haben darauf hingedeutet, dass Osteoporose bei Statinbehandlung unterrepräsentiert ist (1-3). Eine neue Studie hat nun gezeigt, dass die Diagnose der Osteoporose bei Statinbehandlung dosisabhängig ist (4).

Statine spielen eine entscheidende Rolle bei der Behandlung der Hypercholesterinämie, was sie zu einem der häufig verwendeten Medikamente macht. Die aktuellen Richtlinien für die Behandlung der Hypercholesterinämie bei Hochrisikopatienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) oder Diabetes empfehlen, den Cholesterinspiegel so niedrig wie möglich zu halten (5). Aufgrund dieser grossen Anzahl von Patienten unter Statintherapie ist die Forschung über den Zusammenhang zwischen Statinverbrauch und Osteoporoserisiko von grosser Bedeutung. Insbesondere sind die zugrundeliegenden pathophysiologischen Mechanismen eines möglichen osteoprotektiven Schutzes der Statine noch nicht vollständig etabliert (3, 6, 7).
Obwohl viele Beobachtungsstudien positive Auswirkungen der Statinbehandlung auf die Knochendichte und/oder Frakturen berichten, sind die bestehenden Daten nicht ausreichend, um die Einnahme von Statinen zur Prophylaxe von Osteoporose zu unterstützen. Dies ist hauptsächlich auf die Heterogenität der Daten über die Wirkung der Statintherapie auf den Knochen, die Knochenbildungsfaktoren, die Knochendichte bei Frauen, die Knochendichte insgesamt und das Frakturrisiko (3) zurückzuführen sowie auf den Mangel an Daten bezüglich der Beziehung zwischen verschiedenen Arten und Dosierungen von Statinen und der Diagnose von Osteoporose.
In der vorliegenden Studie wurde die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen aller Oesterreicher von 2006 bis 2007 dazu verwendet, alle mit einem Statin behandelten Patienten zu identifizieren und die täglichen Dosen von 6 verschiedenen Statinen zu berechnen. Mit Hilfe der multiplen logistischen Regression wurde für jede Statistik einzeln das dosisabhängige Risiko für Osteoporose analysiert.
In der Gesamtpopulation war die Statinbehandlung mit einer ÜberreprƤsentation der Osteoporose-Diagnose im Vergleich zur Kontrollpopulation vertreten. Dabei stellte die Dosis einen wesentlichen Risikofaktor dar. Bei niedriger Statindosierung (0-10 mg) zeigte sich dagegen eine UnterreprƤsentation von Osteoporose.
Das Risiko für Osteoporose stieg unter der Einnahme von Atorva-statin und Rosuvastatin ab einer Einnahme von 20 mg tƤglich an. Unter Simvastatin wurde dieser Effekt ab einer Dosis von 40 mg beobachtet. Die Odds Ratio lag bei Atorvastatin bei 1,78 (95% CI 1,41 bis 2,23; p < 0.001), die für Rosuvastatin sogar bei 2,04 (95% CI 1,31 bis 3,18; p < 0.01), und eine Einnahme von mindestens 40 mg Simvastatin ergab eine Odds Ratio von 1,64 (95% CI 1,31 bis 2,07; p < 0.01).

Fazit

Die Resultate zeigen, dass die Diagnose einer Osteoporose bei mit Statin behandeltem Patienten dosisabhängig ist. Bei niedriger Dosierung ist sie unterrepräsentiert, bei hoher Dosierung überrepräsentiert.
Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass Patienten mit hohem Risiko für Osteoporose unter Hochdosis-Statinbehandlung häufiger überwacht werden sollten.

Dr. med. Urs N. Dürst

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1. Stone MD et al. Treatment of osteoporosis: current and future. Ann Rheum Dis1991;50:663
2. An T et al. Efficacy of statins for osteoporosis: a systematic review and meta-
analysis. Osteoporos Int 2017;28:47–57
3. Lin T-K et al. Long-Term effect of statins on the risk of new-onset osteoporosis: a nationwide population-based cohort study. PLoS One 2018;13:e0196713.doi:10.1371/journal.pone.0196713
4. Leutner M et al. Diagnosis of osteoporosis in statin-treated patients is dose-
dependent. Ann Rheum Dis 2019; O: 1-6
5. Catapano AL, Graham I, De Backer G, et al. 2016 ESC/EAS guidelines for the
management of Dyslipidaemias. Eur Heart J 2016;37:2999–3058
6. Sugiyama M, Kodama T, Konishi K, et al. Compactin and simvastatin, but not
pravastatin, induce bone morphogenetic protein-2 in human osteosarcoma cells. Biochem Biophys Res Commun 2000;271:688–92
7. Wei W, Schwaid AG, Wang X, et al. Ligand activation of ERRα by cholesterol
mediates statin and bisphosphonate effects. Cell Metab 2016;23:479–91

Karpaltunnelsyndrom und Amyloidose

Eine Patientengruppe bei der es Sinn machen kƶnnte, aktiv nach einer Transthyretin-Amyloidose (ATTR) zu suchen, sind die Patienten mit Karpaltunnelsyndrom. Wenn diese operiert werden, lƤsst sich in 10% bis 15% der FƤlle TTR-Amyloid nachweisen. Dies konnte mittlerweile in mehreren kleineren Studien gezeigt werden.

Im Rahmen einer nationalen Auswertung dƤnischer Versorgungsregister wurde jetzt analysiert, inwieweit es einen Zusammenhang zwischen Karpaltunnelsyndrom und der HƤufigkeit von Herzinsuffizienz und anderen negativen kardiovaskulƤren Ereignissen gibt.
Wie erwartet, war das Karpaltunnelsyndrom mit einem deutlich (nƤmlich zwƶlfmal) hƶheren Risiko einer zukünftigen Diagnose von Amyloidose verbunden (Hazard Ratio: 12,12; 95% Konfidenzintervall: 4,37 bis 33,60). Die Diagnose wurde im Median 3 Jahre nach der Operation gestellt, wobei die absolute HƤufigkeit der Amyloidose mit 0.1 Prozent in der Gruppe mit Operation wegen Karpaltunnelsyndrom sehr gering war. Es wurde keine signifikante Interaktion mit dem Geschlecht gefunden (p = 0,5). Das Risiko für andere negative Ereignisse war ebenfalls mit dem Karpaltunnelsyndrom verbunden (p < 0,0001 für Vorhofflimmern, atrioventrikulƤren Herzblock und Herzschrittmacherimplantation).
Kommentar: Vor allem beim beidseitigen Karpaltunnelsyndrom bei MƤnnern >50 oder Frauen >60 Jahre ohne rheumatoide Arthritis oder Trauma sollte man an eine mƶgliche spƤtere kardiale Amyloidose denken. Dabei sind alle 3 Formen (AL-, ATTRwt-, hereditƤre Amyloidose) mƶglich; am hƤufigsten findet man das Karpaltunnelsyndrom bei der ATTRwt-Amyloidose. Dieses tritt 3-10 Jahre vor der manifesten kardialen Amyloidose auf. Aktuell ist nicht bekannt, wie stark das Herz beim Auftreten des Karpaltunnelsyndroms befallen ist.
Der Handchirurg sollte öfters eine Biopsie des entfernten Gewebes veranlassen. Leider wird diese routinemässig von der Krankenkassen nicht übernommen. Bei positiver Biopsie sollte man aktiv nach einer kardialen Amyloidose mittels Echokardiographie inkl. Speckle-Tracking mit Apical Sparing suchen (bei positivem Echo: DPD-Knochenszintigraphie oder Kardio-MRT). Ebenso sollte man mittels einer Eiweiss- und Immunelektrophorese im Serum und Urin eine AL-Amyloidose ausschliessen. Diese Untersuchungen muss man wahrscheinlich bei negativem Befund im Verlauf wiederholen. Weitere «red flags» sind auch ein enger Spinalkanal oder eine spontan abgerissene Bizepssehne. Eine frühe Diagnose ist bei den heutigen spezifischen Therapiemöglichkeiten entscheidend. Eine Risikostratifizierung mit Hilfe der kardialen Biomarker NT-proBNP und Troponin T ist bei der kardialen Amyloidose möglich.
Ein sehr gutes umfassendes Positionspapier zur Amyloidose wurde von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie im September 2019 publiziert (Yilmaz A et al. Diagnsotik und Therapie der kardialen Amyloidose. Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreilsaufforschung (DGK). Der Kardiologe 2019;13:264-291).

Fazit

Patienten, die sich einer chirurgischen Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms unterziehen, haben ein höheres Risiko für Amyloidose und Herzinsuffizienz im Vergleich zu adjustierten Kontrollpersonen aus der Allgemeinbevölkerung. Auch das Risiko für andere kardiovaskuläre Ereignisse ist bei Patienten mit Karpaltunnelsyndrom erhöht.

Quelle: Fosbol EL et al. Association of Carpal Tunnel Syndrome With Amyloidosis, Heart Failure, and Adverse Cardiovascular Outcomes. J Am Coll Cardiol. 2019 Jul 9;74(1):15-23. doi: 10.1016/j.jacc.2019.04.054.

Dr. med. Urs N. Dürst

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Blutdrucksenker-Einnahme am Abend

Die Hygia Chronotherapy-Studie, die im Rahmen der klinischen Grundversorgung durchgeführt wurde, hatte zum Ziel zu testen, ob die Medikamenteneinnahme zur Schlafenszeit im Vergleich zur üblichen Hypertonie-Therapie nach dem Aufwachen eine bessere Risikoreduktion bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) bewirkt.

In dieser multizentrischen, kontrollierten, prospektiven Endpunktstudie wurden 19 084 hypertensive Patienten (10 614 MƤnner/8470 Frauen, 60,5 ± 13,7 Jahre alt) in zwei Gruppen (1:1) eingeteilt: Solche, die die gesamte Tagesdosis von ≄1 Bluthochdruckmedikament vor dem Schlafengehen (n = 9552) einnahmen oder solche die ihre Tagesdosis beim Erwachen (n = 9532) einnahmen. Bei der Aufnahme und bei jedem geplanten Klinikbesuch (mindestens einmal jƤhrlich) wƤhrend der Nachsorge wurde eine ambulante Blutdrucküberwachung (ABP) wƤhrend 48 Stunden durchgeführt. WƤhrend der 6,3-jƤhrigen medianen Nachsorge der Patienten erlebten 1752 Teilnehmer das primƤre CVD-Ergebnis (CVD-Tod, Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz oder Schlaganfall). Patienten, die die Blutdrucksenker vor der Schlafenszeit einnahmen, zeigten im Vergleich zu Patienten mit Einnahme der blutdrucksenkenden Medikamente nach dem Aufwachen eine signifikant niedrigere bereinigte Hazard Ratio.

Fazit

Die routinemƤssige Einnahme von Bluthochdruckpatienten von ≄ 1 verschriebenen blutdrucksenkenden Medikamenten vor dem Schlafengehen führt im Gegensatz zur Einnahme der Blutdrucksenker nach dem Aufwachen zu einer verbesserten ABP-Kontrolle (signifikant erhƶhter Rückgang des Blutdrucks wƤhrend der Schlafenszeit und erhƶhte relative Blutdrucksenkung in der Schlafzeit, d.h. Blutdruck-Dipping) und vor allem zu einem deutlich verminderten Auftreten von schweren CVD-Ereignissen. ClinicalTrials.gov, Nummer NCT00741585.

Quelle: Hermida RC et al. Bedtime hypertension treatment improves cardiovascular risk reduction: the Hygia Chronotherapy Trial. Eur Heart J. 2019 Oct 22. pii: ehz754. doi: 10.1093/eurheartj/ehz754. [Epub ahead of print]

Dr. med. Urs N. Dürst

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KardiovaskulƤre PrƤvention nach ACS

Strukturierte sekundäre kardiovaskuläre Präventionsprogramme (SSCP) nach akuten koronaren Syndromen (ACS) können die wichtigsten unerwünschten kardiovaskulären Ereignisse (MACE) durch bessere Einhaltung der Post-ACS-Empfehlungen reduzieren.

Diesem Konzept ging eine Schweizer Forschungsgruppe durch Vergleich der Ergebnisse von zwei aufeinanderfolgenden Post-ACS-Patientenkohorten nach, wobei die erste eine Standardversorgung (SC) erhielt, gefolgt von einer weiteren, die zusƤtzliche Massnahmen (SSCP) zur Verbesserung der PatientenaufklƤrung sowie der Leistungserbringer- und der Spitalsysteme gemƤss ELIPS enthielt (1). ELIPS (NCT01075867) (Protocole 07-131) ist Teil eines Verbundprojekts – Inflammation and acute coronary syndromes (ACS)-novel strategies for prevention and clinical management –, unterstützt durch den Schweizerischen Nationalfonds in 4 Schweizer UniversitƤtsspitƤlern (Bern, Genf, Lausanne und Zürich).
Über 18-jährige Personen, die mit der Hauptdiagnose eines ACS hospitalisiert waren, wurden von Januar 2009 bis Dezember 2012 eingeschlossen. ACS wurde definiert als Symptome, die mit Angina pectoris (Brustschmerzen, Atemnot) und mindestens einem der folgenden Kriterien vereinbar ist: (a) ischämische Veränderungen des EKG, wie z.B. persistente oder dynamische ST-Segment-
abweichung, T-Wellen-Inversion, neuer Linksschenkelblock);
(b) Nachweis von positivem konventionellem oder hochempfindlichem Troponin anhand lokaler Laborreferenzwerte; (c) bekannte koronare Herzkrankheit (CHD), definiert durch bereits bestehenden Myokardinfarkt (MI), Bypasstransplantat der Koronararterie (CABG), perkutane Koronarintervention (PCI) oder dokumentierte > 50%-ige Stenose einer epikardialen Koronararterie in einer früheren Angiographie (2).
Ausschlusskriterien umfassten Index Revaskularisierung mit CABG, schwere körperliche Behinderung, Zustimmungsunfähigkeit (Demenz) und eine Lebenserwartung von weniger als einem Jahr aus nicht kardialen Gründen. Zur Bewertung der Wirksamkeit der ELIPS-Intervention entschied man sich für ein prospektives sequentielles Vorher-Nachher-Interventionsdesign, wie es für komplexe Interventionen üblich ist (3). Die Gruppe der Standardversorgung (SC) (Beobachtungsphase) umfasste Patienten, die von Januar 2009 bis Dezember 2010 eingeschlossen wurden, während die ELIPS Add-on Gruppe (SSCP, Interventionsphase) Patienten umfasste, die von Januar 2011 bis Dezember 2012 eingeschlossen wurden.

Die ELIPS-Intervention

Die ELIPS-Intervention umfasst Massnahmen auf der Ebene der Patienten, der Gesundheitsdienstleister und des Gesundheitssystems, die darauf abzielen, die Ergebnisse der Patienten durch eine bessere Einhaltung der Post-ACS-Instruktionsprogramme zu verbessern (4, 5).

ELIPS auf Patientenebene

Auf der Patientenebene bestand ELIPS aus einem AufklƤrungsprogramm, das dem Patienten in angemessenen ZeitabstƤnden und Intervallen zur Verfügung gestellt wurde, basierend auf individuellen, auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmten Massnahmen. Die Patienten wurden ermutigt, einen gesunden Lebensstil mit Unterstützung durch geschultes medizinisches Fachpersonal zu erreichen – ein Ansatz, der darauf abzielte, beim Patienten die Motivation zur VerƤnderung hervorzurufen und zu stƤrken (6). Ferner wurden die Patienten gebeten, ihre kardiovaskulƤren Risikofaktoren mit Hilfe eines interaktiven Plans selbst zu bewerten und sie wurden eingeladen, einen 27-minütigen Film (in Form einer DVD) zum Patientenalltag zu sehen. Die Patienten erhielten auch personalisierte Lifestyle-Broschüren und wurden mit einer standardisierten Entlassungskarte ausgestattet, welche die jeweiligen Gründe für die Medikamentenverschreibungen sowie eine Zusammenfassung der Ziele in der SekundƤrprƤvention enthielt. Eine eigene Website (https://www.hug-ge.ch/elips) ermƶglichte sowohl den Patienten als auch den Leistungserbringern, über den therapeutischen Ausbildungsprozess und das Ausbildungsprogramm auf dem Laufenden zu bleiben.
Die Phase 2 der kardialen Rehabilitation und Trainingsverordnung wurde in national registrierten Herzrehabilitationszentren nach der Entlassung aus dem Krankenhaus durchgeführt.

ELIPS auf der Ebene der Gesundheitsdienstleister

In jedem der 4 Krankenhäuser wurden engagierte Krankenpflegerinnen geschult, um Interviews mit Patienten zur Motivierung und in kardiovaskulärer Gesundheit durchzuführen. Im Zentrum stand dabei, beim Patienten eine ambivalente Motivation zu lösen und gleichzeitig dessen intrinsische Motivation für Veränderungen zu stärken (7).

ELIPS auf Systemebene

Auf Systemebene waren die Projektleiter der teilnehmenden Krankenhäuser für die Organisation einer Reihe von Schulungen zur Unterstützung der Umsetzung der ELIPS-Intervention verantwortlich. Die vorgenannten standardisierten Behandlungsentlassungskarten wurden mit dem Ziel entwickelt, Folgeinformationen an Hausärzte oder ausgewiesene Kardiologen weiterzugeben.
Die vielseitige ELIPS-Intervention umfasste ein Programm mit Anreizen zur Therapieanpassung und Lebensstiländerung ohne pharmakologische oder invasive Eingriffe. Daher kann es sich nicht um eine klinische Studie handeln. Um jedoch einen öffentlichen Eintrag der Studie zu gewährleisten, den Veröffentlichungsbias zu reduzieren und die ethischen Verpflichtungen gegenüber den Teilnehmern vollständig zu erfüllen, wurde die Studie bei den National Institutes of Health U.S. National registriert.
Der primäre Endpunkt von MACE nach einem Jahr war ein Komposit aus Tod jeglicher Ursache, Wiederauftreten von MI, ungeplanter koronarer Revaskularisation, Krankenhausaufenthalt wegen instabiler Angina, Ischämie der niedrigen Gliedmassen und Schlaganfallereignisse. Die Bewertung aller klinischer Endpunkte wurde von einem Gremium unabhängiger Experten (drei zertifizierten Kardiologen) für die Allokationsgruppen verblindet durchgeführt.
Sekundäre Endpunkte waren die Dokumentation empfohlener Therapien wie z.B. Aspirin, Statine, Betablocker ACE-Inhibitoren/Angiotensin-Rezeptorblocker bei der Entlassung und bei der einjährigen Nachbeobachtung (8). Angesichts der Kontroversen darüber, wie lange die optimale Behandlungsdauer von P2Y12-Inhibitoren dauern sollte, wurde dieser Punkt aus den sekundären Endpunkten entfernt.
Die Zahl der Teilnehmer an den Instruktions-Programmen wurde anhand von Daten bewertet, die bei der Entlassung (direkter Transfer) und bei der einjƤhrigen Nachbeobachtung erhoben wurden, wobei die Patienten gefragt wurden, ob sie an einem Programm (stationƤr oder ambulant) teilgenommen hatten. Empfohlene sekundƤre PrƤventionsziele nach einem Jahr wurden definiert als Low-Density-Lipoprotein (LDL)-Cholesterin < 1,8 mmol/l (70 mgā€Š/ā€Šdl), systolischer Blutdruck < 140 mm Hg, Nüchtern-Plasma-Glukose < 7 mmol/l bei Nichtdiabetikern, glykosyliertes HƤmoglobin < 7% bei diabetischen Patienten und Gewichtsreduktion von ≄ 5% bei übergewichtigen (Body-Mass-Index 25,0-29,9 kg/m2) oder fettleibigen Patienten (≄ 30,0 kg/m2) (9).
Für verhaltensbezogene Endpunkte wurden folgende Ziele definiert: Raucherentwöhnung bei Rauchern (basierend auf 7-tägigen Punktprävalenzraten), hohe Medikamenteneinhaltung (definiert durch einen Wert von Null unter Verwendung der Morisky Medical Adherence Scale (MAS)), Gesundheitsnutzenindex (basierend auf den Euroqol-5-Dimensionen (EQ-5D)) und Grad der körperlichen Aktivität (definiert durch mindestens 3 Tage/Woche hohe Intensität oder 5 Tage/Woche mittlere Intensität), gemäss dem internationalen Fragebogen zur körperlichen Aktivität (IPAQ)).

Resultate

Insgesamt wurden 2498 Patienten eingeschlossen, davon 1210 in der SC-Gruppe (2009-2010) und 1288 in der ELIPS Add-on-Gruppe (2011-2012). Das Durchschnittsalter betrug 62,3 ± 12,3 Jahre, 21,1% waren Frauen, 54,7% hatten STEMI, 40,2% NSTEMI und 5,0% instabile Angina. Die gemeldete Nutzung von ELIPS-Tools für Bildungseinrichtungen durch Gesundheitsdienstleister war wie folgt: 68,6% für motivierende Interviews, 54,5% für den interaktiven Plan, 68,7% für den Einsatz von AufklƤrungsbroschüren, 74,2% für den auf DVD bereitgestellten Film, 52,7% für die Website und 82,8% für die Entlassungs-Medikamentenkarte.
Abgesehen vom Einsatz von Beta-Blockern wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen der SC und der ELIPS-Add-on-Gruppe bezüglich der Verschreibung von empfohlenen Medikamenten bei der Entlassung oder der gemeldeten Verwendung der genannten Medikamente nach einem Jahr festgestellt (Tabelle 1). Der Einsatz von Beta-Blockern war in der ELIPS-Add-on-Gruppe nach einem Jahr hƶher (80,2% vs. 76,0%, RR 1,05 95% CI 1,01-1.10, P = 0.019). Auch die Teilnahmequote an einem CR-Programm war in der Berichtsperiode deutlich hƶher im ELIPS Zusatzarm (72,9% vs. 65,6%, RR 1,08, 95% 1,02-1,14, P = 0,006).

Der primƤre Endpunkt von MACE nach einem Jahr trat bei 151 Patienten (12,5%) in der SC-Gruppe gegenüber 153 Patienten (11,9%) in der ELIPS-Add-on-Gruppe (alters- und geschlechtsangepasst) ein. HR 0,97, 95% CI 0,77-1,22, P = 0,79). Es wurden keine signifikanten Unterschiede in der HƤufigkeit der individuellen Ereignisse festgestellt. Die kumulative Hazardkurve für den kompositen Endpunkt von Herztod, MI und Schlaganfall deutet auf einen Trend zu niedrigeren Ereignisraten im ELIPS-Add-on-Arm vs. SC hin, insbesondere nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. In Post-hoc-Analysen wurden signifikante Senkungen von Herztod, MI und Schlaganfallereignissen im ELIPS-Add-on-Arm im Vergleich zu den Patienten ≄ 65 Jahre in der SC-Gruppe beobachtet (HR 0,53, 95% CI 0.30-0.93; P für Interaktion = 0,016), die gleiche Beobachtung wurde bei Patienten ≤ 55 Jahre gemacht. Es gab auch einen nicht signifikanten Trend zu einer hƶheren Rate unerwünschter Ereignisse bei Patienten > 75 Jahre. Nach der Anpassung an die Aufenthaltsdauer wurde die Assoziation bei den ≄ 65-JƤhrigen abgeschwƤcht (HR 0,61 (95% CI 0,35-1,09, P = 0,09), wƤhrend die Interaktion noch signifikant war (P = 0,023). Nach der Anpassung an die kardiale Rehabilitation blieb die Assoziation für die ELIPS-Intervention bei Patienten ≄ 65 Jahre bestehen, aber mit einer Verringerung der statistischen Signifikanz (HR 0,55, 95% CI 0,20-1,49, P = 0,240). Ebenso war auch die Teilnahme an der kardialen Rehabilitation mit einem fast signifikanten Rückgang von Herztod, MI und Schlaganfallereignissen verbunden (HR 0,54, 95% CI 0,26 -ā€Š1,14, P = 0,106).
Nach einem Jahr wurde eine signifikante Verbesserung in der ELIPS-Gruppe festgestellt, in Bezug auf die empfohlenen Ziele wie LDL-Cholesterin (74,4% vs. 69,8%, RR 1,07, 95% CI 1,02-1,15, P = 0,012), systolischer Blutdruck (73,4% vs. 66,5%, RR 1,06, 95% CI 1,01-1,13, P = 0,029) und kƶrperliche AktivitƤt (54,2% vs. 48,3%, RR 1,10, 95% CI 1,01-1,20, P = 0,024).

Fazit

Das ELIPS-Programm wurde nach Untersuchung der Bereiche des Gesundheitswesens, die das grƶsste Potenzial zur Verbesserung der VersorgungsqualitƤt von ACS-Patienten bieten, entwickelt. Obwohl die erwarteten Auswirkungen auf die klinischen Ergebnisse in der Gesamtkohorte nicht beobachtet wurden , war die Umsetzung des ELIPS-Programms mit einer signifikanten Verbesserung der Teilnahme an CR-Programmen und der Kontrolle von kardiovaskulƤren Risikofaktoren verbunden. Diese Ergebnisse sollten dazu ermutigen, langfristige, krankenhausbasierte, sekundƤre PrƤventionsprogramme nach ACS weiter zu verfolgen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

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1. Carballo D et al. Clinical impact of a structured secondary cardiovascular
prevention program following acute coronary syndromes: A prospective multicenter healthcare intervention. PLoS ONE 2019 ; 14(2): e0211464. https:// doi.org/10.1371/journal.pone.0211464
2. Thygesen K et al . Third universal definition of myocardial infarction. Eur Heart J 2012;33:2551-2567
3. Auer R et al. Efficacy of in-hospital multidimensional interventions of secondary prevention after acute coronary syndrome: a systematic review and meta-analysis. Circulation 2008; 117:3109-3117
4. Ockene JS et al Task force #4-adherence issues and behaviour changes: achieving a long-term solution. 33rd Bezhesda Conferenc JACC 2002;40: 630-640
5. Lambert-Kerzner A et al. Patient-centered adherence intervention after acute
coronary sybdrome hospialization. Circulation Cardiovacular quality and outcomes 2012;5:571-576
6. Miller NH. Motivational interviewing as a prelude to coaching in healthcare settings. The Journal of cardiovascular nursing 2010;25:247-251
7. Rubak S et al. Motivational interviewing: a systematic review and meta-analysis. The British journal of general practice: the journal of the Royal College of General Practitioners 2005;55:305-312
8. Auer R et al Qiality of care after acute coronary syndromes in a prospective cohort with reasons for non-prescription of recommended medications. PloS one 2’14;9: e93147 Epub 2ā€˜14/03/29.10.1371/journal pone.0093147
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Ein wichtiges Instrument in der nichtinvasiven IschƤmiediagnostik

Das PET-CT ist eine relativ junge Modalität und wird zurzeit mehrheitlich an hochspezialisierten Zentren durchgeführt. Dank der rasanten Entwicklung wurde es in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Pfeiler in der kardialen Diagnostik, und in mehrere internationale Richtlinien integriert. Neben der ischämischen Herzkrankheit und Viabilitätsdiagnostik spielt das PET-CT eine zentrale Rolle in der Abklärung von mikrovaskulärer Angina, kardialer Sarkoidose und infektiöser Endokarditis.

Le PET-CT est une modalitĆ© relativement jeune et se dĆ©roule actuellement principalement dans des centres hautement spĆ©cialisĆ©s. GrĆ¢ce Ć  son dĆ©veloppement rapide, il est devenu ces derniĆØres annĆ©es un pilier important du diagnostic cardiaque et a Ć©tĆ© intĆ©grĆ© dans plusieurs directives internationales. En plus des cardiopathies ischĆ©miques et du diagnostic de viabilitĆ©, le PET-CT joue un rĆ“le central dans le diagnostic de lā€™ā€Šangine microvasculaire, de la sarcoĆÆdose cardiaque et de lā€™ā€Šā€Šendocardite infectieuse.

Geschichte

Die erste klinische Anwendung der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) geht auf das Jahr 1953 zurück, als die Wissenschaftler Brownell und Sweet mittels Positronen-basierter Bildgebungstechnik einen Hirntumor lokalisieren konnten (1). Der klinische Durchbruch gelang der Technologie aber erst durch die Fusion mit der Computertomographie (CT), welches 2001 weltweit erstmals am Universitätsspital Zürich installiert wurde.

Technische Aspekte

Die Emissions-Bildgebung in der Nuklearmedizin basiert auf der Detektion von radioaktivem Zerfall. Im Fall des PET werden Radionuklide, die Positronen emittieren (β+-Strahlung), intravenös verabreicht. Prallt ein Positron auf ein Elektron, werden bei der Annihilation zwei Photonen in 180°, also genau in entgegengesetzter Richtung, freigesetzt. Die ringförmig angeordneten Detektoren können die Photonen auf je gegenüberliegender Seite registrieren und anhand der zeitlichen und räumlichen Verteilung ein Bild erstellen. Verschiedene Radiopharmaka (z.B. Fluorodesoxyglucose [FDG] oder Ammoniak [NH3]) werden mit einem Radionuklid (z.B. 18F-Fluor oder 13N-Stickstoff) markiert. Da die radioaktiven Isotope von einem Zyklotron produziert werden und/oder eine sehr kurze Halbwertszeit haben, ist ihre Anwendung meistens auf Zentren mit einem Zyklotron vor Ort limitiert. Ausnahmen sind 18F-Fluor, das eine Halbwertszeit von 110 Minuten hat, und 82Rb-Rubidium, das durch den Zerfall eines instabilen Vorläuferisotops in einem Radionuklidgenerator entsteht.

Myokardperfusion

Die am meisten verbreitete Indikation für ein PET-CT in der Kardiologie ist die IschƤmiediagnostik bei symptomatischen Patienten mit Verdacht auf oder bekannter koronarer Herzkrankheit (2). Ƅhnlich wie bei der Myokardperfusions-SPECT (Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie) oder dem Herz-MRI (Magnet-Resonanz Imaging) kann im PET-CT mit 13N-NH3 oder mit 82Rb-Rubidium die myokardiale Durchblutung genau beurteilt werden (3). Neben der sehr hohen SensitivitƤt und SpezifitƤt in der Diagnose einer obstruktiven koronaren Herzkrankheit bietet das PET-CT die Mƶglichkeit, den myokardialen Blutfluss nichtinvasiv zu quantifizieren und die koronare Flussreserve zu berechnen. Diese Vorteile zahlen sich insbesondere bei adipƶsen Patienten und bei Patienten mit koronarer DreigefƤsserkrankung und einer balancierten IschƤmie (d.h. alle drei Koronarien haben hƤmodynamisch relevante LƤsionen) aus. Von noch grƶsserer Bedeutung ist die Quantifizierung des Blutflusses in der Beurteilung von Patienten mit mikrovaskulƤrer Angina (4). Dazu gehƶren Patienten, bei denen kein angiographisches Korrelat als Ursache für ihre Symptome identifiziert werden konnte. Ist die koronare Flussreserve erniedrigt, kƶnnen die Beschwerden als mikrovaskulƤre Angina diagnostiziert werden.
Neben der Diagnostik der ischƤmischen Herzkrankheit ist das PET-CT ein wertvolles Instrument zur EinschƤtzung der Prognose der Patienten. Es erlaubt – wie andere nicht-invasive ModalitƤten (z.B. Myokardperfusions-SPECT oder Herz-MRI) – anhand des Ausmasses von IschƤmie und Narbe eine feinere Risikostratifizierung (5). Diese Erkenntnis hat denn auch direkte Implikationen auf das Patientenmanagement: Patienten mit einer IschƤmie, die über 10% des Myokards betrifft, profitieren von einer Revaskularisation (6). Der gegenüber anderen nicht-invasiven ModalitƤten zusƤtzliche prognostische Nutzen des PET-CT widerspiegelt sich in der Bestimmung der koronaren Flussreserve. Sie ist ein bedeutender Risikomarker – und zwar unabhƤngig von klinischen Faktoren oder dem Vorhandensein einer IschƤmie oder Narbe (7). Dieser Zusammenhang ist zentral bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (8), aber konnte inzwischen auch für ein breites Spektrum weiterer Erkrankungen (z.B. dilatative oder hypertrophe Kardiomyopathie, Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion oder kardiale Amyloidose) bestƤtigt werden (9-12).

ViabilitƤtsdiagnostik

Die Interaktion zwischen IschƤmie und linksventrikulƤrer (LV) Funktion fasziniert die kardiovaskulƤre Forschung und die Welt der Kardiologie seit Jahrzehnten (13). Ist das Myokard wiederholten Phasen von myokardialem Stunning ausgesetzt (z.B. durch eine hƤmodynamisch relevante Stenose) oder kommt es zu einem schleichenden Verschluss einer Koronararterie (z.B. subakuter Myokardinfarkt) kƶnnen die Myokardzellen in ein Stadium des Winterschlafs gehen – das sogenannte Hibernating Myocardium. Die Funktion und die Ruheperfusion sind zwar eingeschrƤnkt, die Myokardzellen sind aber dank Anpassungen im Glukose-Metabolismus noch vital (14). Klinisch ist dieses PhƤnomen deshalb relevant, weil sich die Wandbewegungsstƶrungen erholen kƶnnen, wenn die Durchblutung wiederhergestellt wird (15). Zur Differenzierung zwischen avitaler Narbe und Hibernating Myocardium kƶnnen unterschiedliche nicht-invasive ModalitƤten angewendet werden. Neben dem Herz-MRI mit Darstellung des Late Gadolinium Enhancement (LGE), ist die Methode mit der hƶchsten SensitivitƤt das 18F-FDG-PET-CT (16), welches die Darstellung der Glukose-Speicher von hibernating Myokardzellen erlaubt. Zeigt sich zum Beispiel in der Myokardperfusions-PET mit 13N-NH3 eine hypokinetische Narbe, aber erhaltene ViabilitƤt in der 18F-FDG-PET, sollte eine Revaskularisation zur ReversibilitƤt der regionalen und globalen LV-Dysfunktion sowie zur Verbesserung der Prognose des Patienten angestrebt werden (17) (Darstellung 1). Vorzugsweise wird das 18F-FDG-ViabilitƤts-PET-CT bei Patienten mit Herzinsuffizienzsymptomen, bekannter (oder Verdacht auf) koronarer Herzkrankheit und einer LV-Auswurffraktion unter 40% empfohlen (18).

Kardiale Sarkoidose

Die Sarkoidose ist eine systemische, granulomatƶs-entzündliche Erkrankung mit Beteiligung oder isoliertem Befall des Herzens. Da die SensitivitƤt der Endomyokardbiopsie zur histologischen Dia-gnose einer kardialen Sarkoidose niedrig ist (19), hat unter anderem das Herz-MRI einen zentralen Stellenwert in der klinischen Dia-gnose (20). Im Vordergrund steht dabei die Darstellung von Fibrose, welche oft ein fleckfƶrmiges, epikardiales Verteilungsmuster mit Aussparungen der subendokardialen Wandabschnitte hat. Neben dem Herz-MRI ist das PET-CT eine weitere wertvolle Methode für die Diagnostik und zusƤtzlich für das Monitoring des Therapieerfolgs. Mittels 18F-FDG kann die Entzündung durch die hohe EntzündungsaktivitƤt in den von Makrophagen infiltrierten, nicht-verkƤsenden Granulomen direkt dargestellt werden (21). Zur Minimierung von falsch-positiven FƤllen ist es entscheidend, dass die Patienten optimal vorbereitet werden. Um den physiologischen Glukosemetabolismus zu unterdrücken und die 18F-FDG-Aufnahme auf die myokardialen Makrophagen zu beschrƤnken, sollten die Patienten für mindestens 12 Stunden fasten und am Tag vor der Untersuchung eine strenge Kohlenhydrat-arme, Fett-reiche DiƤt einhalten. Durch die komplementƤre Rolle von Herz-MRI und PET-CT hat sich die kardiale Sarkoidose als geeignete Indikation für die Durchführung eines Hybrid PET/MRI herauskristallisiert (Darstellung 2). Obwohl der klinische Nutzen evident ist (22, 23), ist die Verfügbarkeit von Hybrid PET/MRI-GerƤten auf wenige hochspezialisierte Zentren limitiert.
Bei Patienten mit einer bekannten extrakardialen Sarkoidose und einem pathologischen kardiologischen Screening sind weiterführende AbklƤrungen indiziert, um eine kardiale Beteiligung auszuschliessen (24). Bei Patienten unter 60 Jahren ohne extrakardiale Sarkoidose gilt ein hƶhergradiger atrio-ventrikulƤrer Block, eine monomorphe ventrikulƤre Tachykardie oder eine Kardiomyopathie, die nicht anderweitig erklƤrt werden kƶnnen, als ausreichender Verdacht auf eine isolierte, kardiale Sarkoidose, um weiterführende AbklƤrungen (d.h. Thorax-CT und Hybrid PET/MRI, Herz-MRI oder PET-CT) einzuleiten (25, 26). Da die PET-CT eine exakte Bestimmung der inflammatorischen AktivitƤt der kardialen Sarkoidose erlaubt, ist sie zum Monitoring der immunosuppressiven Therapie bei Patienten mit bekannter kardialer Sarkoidose indiziert (27).

Infektiƶse Endokarditis

Die Duke-Kriterien mit insbesondere mikrobiologischem und/oder echokardiographischem Nachweis einer BakteriƤmie bzw. einer Vegetation sind bei klinischem Verdacht für eine Endokarditis massgebend. Ist eine Endokarditis anhand der Duke-Kriterien Ā«mƶglichĀ» aber noch nicht definitiv, oder sogar Ā«verworfenĀ» (aber der klinische Verdacht ist hoch), wurde das 18F-FDG-PET-CT dank der hohen SensitivitƤt für eine Klappenprothesen-Endokarditis als Major Kriterium in die aktuellen Richtlinien der EuropƤischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) aufgenommen (28). Ein vergleichbarer klinischer Nutzen der 18F-FDG-PET wird auch bei Device-Infektionen vermutet; die Erfahrung ist aber bisher auf Fallserien limitiert (29). Wichtig zu erwƤhnen ist zudem, dass ein 18F-FDG PET-CT mindestens 3 Monate oder lƤnger nach Klappenoperation erfolgen soll, da kurz nach der Operation eine unspezifische metabolische AktivitƤt im Bereich der Prothese mƶglich ist. Für den Nachweis einer Endokarditis an einer nativen Klappe ist die 18F-FDG-PET-CT weniger geeignet – die SensitivitƤt für die kleinen, mobilen Vegetationen ist zurzeit noch ungenügend.

Blick in die Zukunft

In Anbetracht der rasanten Entwicklung der PET-CT und der zeitnahen Integration in aktuelle Richtlinien, kƶnnen weitere Indikationen, die aktuell noch experimentell sind, rasch an klinischer Bedeutung gewinnen. Durch die Darstellung der myokardialen sympathischen Denervation (mittels 11C-Meta-Hydroxyephedrin im PET-CT) kann die Risikostratifizierung eines plƶtzlichen Herztodes und damit der Entscheid für den Einsatz eines implantierbaren Cardioverter Defibrillator bei Patienten mit ischƤmischer Kardiomyopathie deutlich verbessert werden (30). Die kardiale ATTR-Amyloidose kann heute mittels Skelettszintigraphie dargestellt werden – mit neueren Radiopharmaka wie 18F-Florbetapir wird in Zukunft auch die Darstellung der AL-Amyloidose mƶglich sein (31). In der Identifikation einer vulnerablen koronaren Plaque und der zuverlƤssigen Vorhersage ihrer Ruptur konnten erste, vielversprechende Ergebnisse mit 18F-Fluorid-PET-CT erzielt werden (32), siehe auch nachstehende Tabelle.

Dr. med. Dominik C. Benz

- Klinik für Nuklearmedizin, UniversitƤtsspital Zürich,
Rämistrasse 100, 8091 Zürich
- Klinik für Kardiologie, UniversitƤtsspital Zürich,
Rämistrasse 100, CH-8091 Zürich
- Advanced Clinician Scientist Programm,
Universitäre Medizin Zürich (UMZH)

dominik.benz@usz.ch

Prof. Dr. Dr. med. Christoph GrƤni

PhD, FESC, FACC, FSCCT, FSCMR
Leiter kardiale Bildgebung
Universitätsklinik für Kardiologie
Inselspital Bern
Freiburgstrasse 18
3010 Bern

christoph.graeni@insel.ch

Dr. Benz hat ein Forschungsstipendium der Theodor und Ida Herzog-Egli Stiftung erhalten.

  • Das Myokardperfusions-PET-CT mit 13N-Ammoniak oder 82Rb-Rubidium ist ein wichtiges Instrument in der nichtinvasiven IschƤmiediagnostik, insbesondere bei Patienten bei koronarer 3-GefƤsserkrankung und Verdacht auf mikrovaskulƤre Angina.
  • Das ViabilitƤts-PET-CT mit 18F-FDG unterstützt den Entscheid zur Revaskularisation von Patienten mit ischƤmischer Kardiomyopathie.
  • Das Hybrid PET/MRI ist eine geeignete ModalitƤt bei Verdacht auf eine kardiale Sarkoidose.
  • In der AbklƤrung eines Klappenprothesen-Infekts gilt das PET-CT mit 18F-FDG neu als Major Kriterium.

Messages Ć  retenir

  • Le PET-CT par perfusion myocardique avec 13N-ammonia ou 82Rb-rubidium est un outil important dans le diagnostic dā€™ā€ŠischĆ©mie non invasive, en particulier chez les patients atteints de maladie coronarienne Ć  3 vaisseaux et dā€™ā€Šangine microvasculaire soupƧonnĆ©e.
  • La viabilitĆ© du PET-CT avec 18F-FDG appuie la dĆ©cision de revasculariser les patients atteints de cardiomyopathie ischĆ©mique.
  • Lā€™ā€Šhybride PET/MRI est une modalitĆ© appropriĆ©e pour les patients soupƧonnĆ©s de sarcoĆÆdose cardiaque.
  • Dans la clarification dā€™ā€Šune infection dā€™ā€Šune prothĆØse valvulaire, le TEP-CT au 18F-FDG est dĆ©sormais considĆ©rĆ© comme un critĆØre majeur.

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