EVOPACS-Studie

Der Beginn einer Therapie mit Evolocumab während der Akutphase eines akuten Koronarsyndroms (ACS), zusätzlich zur hochintensiven Statintherapie, führte zu einer signifikanten Reduktion von LDL-Cholesterin (LDL-C) bei Patienten, die im Krankenhaus mit ACS behandelt wurden, wobei die Patienten bis Woche acht mehrheitlich die angestrebten LDL-C-Werte erreichten.

Dr. K. Koskinas

Dies sind die Ergebnisse der EVOPACS-Studie, die am 31. August in einer Late-Breaking-Session von Dr. Konstantinos Koskinas, Bern, vorgestellt und gleichzeitig im Journal of the American College of Cardiology (Koskinas K et al. JACC 2019;pii: S0735-1097(19)36274-6. doi: 10.1016/j.jacc.2019.08.010. Epub ahead of print) verƶffentlicht wurden.
EVOPACS ist die erste randomisierte, doppelblinde Studie zur Beurteilung eines PCSK9-Hemmers in dem sehr risikoreichen Umfeld eines ACS. Dabei wurde die Machbarkeit, Sicherheit und LDL-C-senkende Wirksamkeit dieses Therapieansatzes untersucht. Ausgangspunkt der Studie war die Feststellung, dass die im Krankenhaus für ACS-Patienten eingeleitete hochintensive Statintherapie frühe Ereignisse zwar reduziert, der Wirkungseintritt jedoch verzögert stattfindet und viele Patienten mit dieser Therapie allein die LDL-C-Zielwerte nicht erreichen.
Patienten, die mit ACS (n = 308) mit erhƶhten LDL-C-Werten ins Krankenhaus eingeliefert wurden, erhielten randomisiert eine Behandlung mit Evolocumab 420 mg (n = 155) oder Placebo (n = 153). Die Therapie wurde im Krankenhaus eingeleitet und dann alle vier Wochen fortgeführt. Allen Patienten wurde Atorvastatin 40 mg verordnet. Die meisten Patienten (78,2 Prozent) waren bisher nicht mit einem Statin behandelt worden.
Das berechnete LDL-C war zu Studienbeginn und nach acht Wochen bei 277 Patienten (90 Prozent) verfügbar. In der achten Woche sanken die durchschnittlichen LDL-C-Werte von 3,61 mmol/L (139,59 mg/dL) auf 0,79 mmol/L (30,5 mg/dL) unter Evolocumab und von 3,42 mmol/L (132,25 mg/dL) auf 2,06 mmol/L (79,66 mg/dL) unter Placebo.
Nach acht Wochen war der primƤre Endpunkt der prozentualen VerƤnderung von LDL-C gegenüber dem Ausgangswert -77,1±15,8% in der Evolocumab-Gruppe gegenüber -35,4 ± 26,6% in der Placebogruppe (p < 0,001). Die LDL-C-Reduktionen wurden nach vier Wochen beobachtet und über acht Wochen aufrechterhalten.
Mehr Patienten erreichten in der Evolocumab-Gruppe eine LDL-C-Reduktion auf < 1.8 mmol/L als in der Placebogruppe (95,7 Prozent vs. 37,6 Prozent).
Evolocumab wurde gut vertragen und Nebenwirkungen (sekundƤrer Endpunkt) unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Gruppen.
Ā«Die Behandlung mit Evolocumab ermƶglichte es, die derzeit empfohlenen LDL-C-Zielwerte bei > 95 Prozent der Patienten schnell zu erreichen, verglichen mit einem Drittel der placebobehandelten PatientenĀ», schloss der Referent.

Quelle: ESC-Kongress, Paris, 31.08.-04.09.2019

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter F. Riesen

riesen@medinfo-verlag.ch

Herz-CT zur Darstellung der Koronararterien

Das Herz–CT erlaubt eine umfassende Beurteilung des Herzens. Koronarkalk verrƤt unser biologisches Alter, hat grossen prognostischen Wert und hilft bei Therapieentscheidungen. Bei Patienten mit tiefer bis intermediƤrer Vortestwahrscheinlichkeit für eine koronare Herzkrankheit (KHK) erlaubt das Koronar-CT hƤufig den nicht-invasiven Ausschluss einer KHK. Bei ausgeprƤgtem Koronarkalk wird die Stenose überschƤtzt, und es sollte eine nicht-invasive IschƤmiediagnostik oder invasive Koronarangiographie erfolgen.

Le CT coronaire permet une Ć©valuation complĆØte du cœur. La calcification coronarienne rĆ©vĆØle notre Ć¢ge biologique, a une grande valeur pronostique et aide dans les dĆ©cisions thĆ©rapeutiques. Chez les patients prĆ©sentant une probabilitĆ© de prĆ©-test faible Ć  intermĆ©diaire pour une coronaropathie, le CT coronaire permet souvent l’exclusion non invasive de la coronaropathie. Si la calcification coronarienne est prononcĆ©e, la stĆ©nose est surestimĆ©e et un diagnostic d’ischĆ©mie non invasive ou une angiographie coronarienne invasive doit ĆŖtre effectuĆ©.

Das Herz–CT ist die einzige nicht-invasive ModalitƤt, die eine komplette, routinemƤssige Darstellung der Koronararterien erlaubt. Zur Quantifizierung der koronaren Verkalkungen wird zunƤchst ein kontrastmittelfreier Scan des Herzens durchgeführt. Im Anschluss erfolgt meistens ein zweiter kontrastmittelunterstützter Scan zum Zeitpunkt der optimalen Kontrastierung der Koronarien. Hiermit kƶnnen mƶgliche Stenosen durch verkalkte oder nicht-verkalkte (soft) Plaques evaluiert werden. Zudem lassen sich die Ostien und der Verlauf der Koronarien darstellen (Abb. 1), wodurch die Diagnostik von Koronaranomalien ermƶglicht wird.

Koronarkalk (Calciumscore)

Gesunde Koronarien weisen keine Verkalkungen auf. Der Koronarkalk stellt den Summationseffekt aller schädigenden Einflüsse der bekannten Risikofaktoren auf die Koronarien dar. Das Ausmass des Koronarkalks lässt zumindest auf kardio-vaskulärer Ebene Rückschlüsse auf das biologische bzw. koronare Alter eines Menschen zu (1).
Für die Erfassung des Koronarkalkes bedarf es einer kontrastmittelfreien, EKG-getriggerten CT-Untersuchung. Die Strahlenbelastung dabei ist minimal (< 0.2 – 0.4 mSv). Das Ausmass der Koronarverkalkung wird mit dem dimensionslosen Agatston-Score erfasst. Die Wahrscheinlichkeit für eine signifikante Stenose bei einem Calciumscore von 0 betrƤgt bei asymptomatischen Patienten unter 1% (2). Generell gilt, je hƶher der Calciumscore ist, desto wahrscheinlicher wird das Vorliegen einer hƤmodynamisch relevanten Koronarstenose (3).
Der Calciumscore hat neben der diagnostischen eine wichtige prognostische Bedeutung: In einer grossen Studie mit 9715 Individuen zeigte sich, dass Individuen mit einem Calciumscore von 0 über einen Beobachtungszeitraum von 15 Jahren eine hervorragende Prognose mit tiefer Sterblichkeit von < 3% hatten; im Gegensatz dazu hatten Patienten mit einem Score > 1000 eine neun Mal hƶhere MortalitƤt (28%) (Abb. 2)(4).
Patienten mit ausgeprƤgteren Koronarverkalkungen (Calcium-score > 100) profitieren deutlich mehr von einer prophylaktischen Statintherapie bezüglich künftigen kardiovaskulƤren Ereignissen als Patienten mit geringen oder keinen Koronarverkalkungen (Calciumscore < 100). Bei grenzwertiger Indikation für ein Statin kann die Bestimmung des Calciumscores hilfreich sein für den Beginn aber auch Nicht-Beginn bzw. Beendigung einer Statintherapie (Ā«De-RiskingĀ») (5, 6).
Vergleichbare Daten gibt es auch für den vieldiskutieren Einsatz von Aspirin im prƤventiven Setting: In der Ā«Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis (MESA)Ā» hatten Teilnehmer im primƤrprƤventiven Setting mit einem Calciumscore > 100 ein günstiges Risiko/Nutzen VerhƤltnis bei Einnahme von Aspirin. Bei einem Calciumscore von 0 überwog allerdings das Risiko (7). Dies steht in Einklang mit den grossen, kürzlich publizierten Studien (ASPREE, ARRIVE und ASCEND), die den Nutzen von einem generellen primƤrprophylaktischen nicht Ā«massgeschneidertenĀ» Einsatz von Aspirin in Frage gestellt haben und den Vorteil einer personalisierten Risikostratifizierung z.B. mittels Calciumscore unterstreichen.

Die CT-Koronarangiographie

Für die Durchführung der CT-Angiographie bedarf es einer kontrastmittelunterstützten EKG-getriggerten Akquisition. Um eine mƶglichst gute BildqualitƤt und vor allem auch minimale Strahlenbelastung für den Patienten zu erreichen, bedarf es eines regelmƤssigen Herzrhythmus mit tiefer Herzfrequenz um die 60/ min, was meist die Gabe von Betablockern unmittelbar vor der Untersuchung bedingt. Heutzutage kƶnnen Herz-CTs mit einer Strahlenbelastung von 2-3 mSv routinemƤssig durchgeführt werden, bei modernsten CT-Scannern auch unter 1 mSV. Die benƶtigte Kontrastmittelmenge ist gering (ca. 30-60 ml).
AusgeprƤgte Koronarverkalkungen führen dazu, dass der Stenosegrad systematisch überschƤtzt wird, wodurch eine KHK in der Regel nicht mehr sicher ausgeschlossen werden kann. Daher sollte bei ausgeprƤgten Koronarverkalkungen (Calciumscore > 400-1000) auf andere Untersuchungsmƶglichkeiten ausgewichen werden, um eine unnƶtige Strahlenbelastung und Kontrastmittelgabe zu vermeiden. Solche Patienten kƶnnen von der Mƶglichkeit einer Hybridkamera profitieren, da in einem solchen Fall direkt eine IschƤmiediagnostik mittels Myokardperfusionsszintigraphie (MPS) oder Positronemissionstomographie (PET) angeschlossen werden kann.
Ein normales Herz-CT (Calciumscore = 0, normale CT-Koronarangiographie) bei guter BildqualitƤt hat einen sehr hohen negativ prƤdiktiven Wert (97-99%) und kann damit zum Ausschluss einer relevanten koronaren Herzkrankheit dienen (8-10). Sobald Stenosen nachgewiesen werden, kann mit dem rein anatomischen Ansatz des CT keine Aussage über die hƤmodynamische Relevanz der Koronarstenose gemacht werden. Es wurden zwar CT-FFR Untersuchungen entwickelt, für den tƤglichen Gebrauch sind die Verfahren aber noch zu rechenintensiv, wenig robust und zu wenig validiert.

Revaskularisierte Patienten

Patienten mit Koronar-Stents eignen sicher weniger für eine CT-Koronarangiographie. Ƅhnlich wie bei ausgeprƤgten Verkalkungen der Koronarien führen Koronar-Stents zu Bildartefakten, was eine verlƤssliche GefƤssbeurteilung meist verunmƶglicht. Anders verhƤlt sich die Situation bei Patienten nach erfolgter Bypassoperation. Hierbei kƶnnen die meist deutlich verkalkten oder gestenteten nativen Koronarien oft nicht mehr sicher beurteilt werden, eine Lokalisierung und Beurteilung der BypassgefƤsse ist aber meistens gut mƶglich.

Herz-CT über die Koronarien hinaus

Aufgrund ständiger technischer Weiterentwicklungen des Herz-CTs und neuen Studienergebnissen nehmen die diagnostischen Einsatzmöglichkeiten des Herz-CTs zu und haben zum Teil auch schon Einzug in die entsprechenden Guidelines gefunden. Insbesondere durch seine anatomische Genauigkeit eignet sich das Herz-CT als ideale Planungsmethode vor den immer häufiger interventionell angehbaren Aorten-, Mitral- und Trikuspidalvitien. Hierbei können in einem «Funktions-CT» auch dynamische Strukturen wie der Klappenanulus oder angrenzende Strukturen während des gesamten Herzzyklus evaluiert werden, um so die geeignetste Methode des Klappenersatzes besser bestimmen zu können. Speziell bei diskordant schweren Aortenstenosen (low-flow low-gradient) ist eine Bestimmung des Calciumscores der Aortenklappe hilfreich, ob wirklich eine schwere Aortenstenose vorliegt (siehe ESC Guidelines 2017 Valvular Heart Disease) (11).
In Zeiten erhƶhten Kostendrucks im Gesundheitssystem eignet sich das Koronar-CT als kosteneffizienter Gate-Keeper in der AbklƤrung von Patienten mit Verdacht auf KHK (bei dazu geeigneten Patienten) (vgl. NICE Guidelines 2016)(12).

Was sagen die Guidelines?

Die Anamnese und das AbschƤtzen der Vortest-Wahrscheinlichkeit stehen am Anfang jeder KHK – AbklƤrung und auch zur Wahl der zielführendsten bildgebenden ModalitƤt für die Patienten. Die AbschƤtzung der Vortestwahrscheinlichkeit erfolgt z.B. mittels Tabellen, wie sie in den neuesten Guidelines des ESC publiziert ist (Tabelle 1; modifiziert nach (13)). Unter Hinzuziehen von kardiovaskulƤren Risikofaktoren, Ruhe- und Belastungs-EKG, linksventrikulƤrer Pumpfunktion oder aber auch der Hƶhe des Calciumscores kann die Bestimmung der klinischen Wahrscheinlichkeit für eine KHK weiter verbessert werden. Insgesamt sind die Vortestwahrscheinlichkeiten für eine KHK im Vergleich zu den vorherigen ESC Guidelines (2013 Ā«Stable Coronary Artery diseaseĀ») deutlich tiefer. AnsƤtze der Ā«Artificial IntelligenceĀ» kƶnnen helfen, die Vortestwahrscheinlichkeiten für eine KHK noch weiter zu verbessern (14).

Patienten mit einer intermediƤren Vortest-Wahrscheinlichkeit für eine KHK von 15 bis 50% kƶnnen mittels Koronar-CT evaluiert werden. Wichtig ist, dass die Patienten hinsichtlich Atemanhaltemanƶvern mitarbeiten kƶnnen und einen regelmƤssigen Herzrhythmus aufweisen. Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz (Clearance <30 ml/min) qualifizieren wegen der nƶtigen Kontrastmittelgabe nicht für eine CT-Koronarangiographie. Die abnehmende Aussagekraft und SpezifizitƤt bei zunehmender Verkalkung in den Koronarien wurde bereits oben erwƤhnt.
Abgesehen werden sollte von einem ungeeigneten Einsatz des Herz-CTs (z.B. Massen-Screening) insbesondere bei asymptomatischen Patienten ohne kardiovaskuläre Risikofaktoren. Zum einen kann dies wie bei jeder diagnostischen Untersuchung unnötige Folgeuntersuchungen nach sich ziehen. Zum anderen sei auch das Problem der «incidental findings» erwähnt, die oft eine fragliche klinische Relevanz haben, aber häufig zu Folgeuntersuchungen und nicht zuletzt Verunsicherung des Patienten führen.

Integrierte Beurteilung des Koronar-CT

Neben der Beurteilung der extrakardialen Befunde, die in den miterfassten Abschnitten des Körpers beachtet werden müssen (insbesondere Lungenrundherde) gibt es folgende Szenarien nach Durchführung des Koronar-CTs (Abb. 3):

  • Weder Koronarverkalkungen (Calciumscore = 0), noch nicht-kalzifizierte Plaques oder Stenosen: Ausschluss einer koronaren Herzkrankheit. Keine weiteren Massnahmen hinsichtlich Koronarien erforderlich.
  • Koronarverkalkung (Calciumscore > 0) und/oder nicht-kalzifizierte Plaques ohne Stenose (VerƤnderungen < 50% Stenosegrad): Ausschluss einer stenosierenden koronaren Herzkrankheit. Je nach Hƶhe des Calciumscores und Vorhandensein von Risikofaktoren Einleiten einer medikamentƶsen Therapie (dann im Prinzip schon sekundƤr-prƤventiv).
  • Situation mit unklarem Stenosegrad (50-75%): Je nach Anamnese und Lokalisation der Stenose weiterführende nicht-invasive IschƤmiediagnostik versus direkt invasive Koronarangiographie neben Evaluation einer medikamentƶsen Therapie.
  • Hinweise für hƤmodynamisch relevante Stenosen (> 75%): Je nach Anamnese und Lokalisation der Stenose primƤr invasive Koronarangiographie oder nicht-invasive IschƤmiediagnostik.

Prof. Dr. med. Michael J. Zellweger

Kardiologische Klinik
UniversitƤtsspital
Petersgraben 4
4031 Basel

michael.zellweger@usb.ch

PD Dr. med. Philip Haaf

Kardiologische Klinik
UniversitƤtsspital
Petersgraben 4
4031 Basel

Es besteht kein Interessenskonflikt.

  • Das Herz-CT (Calciumscore/CT-Koronarangiographie) eignet sich gut zum Ausschluss einer koronaren Herzkrankheit bei Patienten mit einer intermediƤren Vortestwahrscheinlichkeit bis 50%.
  • Somit eignen sich Patienten für diese Untersuchungen bei denen wir vermuten, dass sie keine koronare Herzkrankheit haben, und wir dies Ā«beweisenĀ» müssen.
  • Das Koronar-CT liefert neben der Diagnostik wichtige prognostische Aussagen. Es kann Patienten im intermediƤren Bereich der Risikoscores (AGLA, Framingham, etc.) reklassifizieren und somit therapeutische Entscheide erleichtern.
  • Das Koronar-CT ist mit neuer verfügbarer Technik wenig strahlenbelastend, rasch durchführbar und für die Patienten wenig belastend.

Messages Ć  retenir

  • La tomodensitomĆ©trie cardiaque (score calcique / angiographie coronarienne) est bien adaptĆ©e pour exclure la coronaropathie chez les patients prĆ©sentant une probabilitĆ© intermĆ©diaire de prĆ©-test jusquā€˜Ć  50 %.
  • Par consĆ©quent, les patients que nous soupƧonnons de ne pas ĆŖtre atteints d’une coronaropathie et où nous devons « prouver » ceci sont aptes pour ces examens.
  • La tomodensitomĆØtre coronarien fournit des renseignements pronostiques importants en plus du diagnostic. Elle permet de reclasser les patients dans la fourchette intermĆ©diaire des scores de risque (AGLA, Framingham, etc.) et donc de faciliter les dĆ©cisions thĆ©rapeutiques.
  • La tomodensitomĆ©trie coronarienne avec la nouvelle technologie
    disponible a une faible exposition aux rayonnements, elle est rapide Ơ rƩaliser et faible exposition du patient.

1. Shaw LJ, Raggi P, Berman DS, Callister TQ. Coronary artery calcium as a measure of biologic age. Atherosclerosis 2005.
2. Iwasaki K, Matsumoto T, Aono H, Furukawa H, Samukawa M. Prevalence of non-calcified coronary plaque on 64-slice computed tomography in asymptomatic patients with zero and low coronary artery calcium. The Canadian journal of cardiology 2010;26:377-80.
3. Mittal TK, Pottle A, Nicol E, Barbir M, Ariff B, Mirsadraee S et al. Prevalence of obstructive coronary artery disease and prognosis in patients with stable symptoms and a zero-coronary calcium score. European heart journal cardiovascular Imaging 2017;18:922-9.
4. Shaw LJ, Giambrone AE, Blaha MJ, Knapper JT, Berman DS, Bellam N et al. Long-Term Prognosis After Coronary Artery Calcification Testing in Asymptomatic Patients: A Cohort Study. Annals of internal medicine 2015;163:14-21.
5. Nasir K, McClelland RL, Blumenthal RS, Goff DC, Jr., Hoffmann U, Psaty BM et al. Coronary artery calcium in relation to initiation and continuation of cardiovascular preventive medications: The Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis (MESA). Circulation Cardiovascular quality and outcomes 2010;3:228-35.
6. Mitchell JD, Fergestrom N, Gage BF, Paisley R, Moon P, Novak E et al. Impact of Statins on Cardiovascular Outcomes Following Coronary Artery Calcium Scoring. J Am Coll Cardiol 2018;72:3233-42.
7. Miedema MD, Duprez DA, Misialek JR, Blaha MJ, Nasir K, Silverman MG et al. Use of coronary artery calcium testing to guide aspirin utilization for primary prevention: estimates from the multi-ethnic study of atherosclerosis. Circulation Cardiovascular quality and outcomes 2014;7:453-60.
8. Budoff MJ, Dowe D, Jollis JG, Gitter M, Sutherland J, Halamert E et al. Diagnostic performance of 64-multidetector row coronary computed tomographic angiography for evaluation of coronary artery stenosis in individuals without known coronary artery disease: results from the prospective multicenter ACCURACY (Assessment by Coronary Computed Tomographic Angiography of Individuals Undergoing Invasive Coronary Angiography) trial. Journal of the American College of Cardiology 2008;52:1724-32.
9. Marwan M, Hausleiter J, Abbara S, Hoffmann U, Becker C, Ovrehus K et al. Multicenter Evaluation Of Coronary Dual-Source CT angiography in patients with intermediate Risk of Coronary Artery Stenoses (MEDIC): study design and rationale. Journal of cardiovascular computed tomography 2014;8:183-8.
10. Meijboom WB, Meijs MF, Schuijf JD, Cramer MJ, Mollet NR, van Mieghem CA et al. Diagnostic accuracy of 64-slice computed tomography coronary angiography: a prospective, multicenter, multivendor study. Journal of the American College of Cardiology 2008;52:2135-44.
11. Baumgartner H, Falk V, Bax JJ, De Bonis M, Hamm C, Holm PJ et al. 2017 ESC/EACTS Guidelines for the management of valvular heart disease. Eur Heart J 2017;38:2739-91.
12. Assessing and diagnosing suspected stable angina (NICE pathways). http://pathwaysniceorguk/pathways/chest-pain 2018.
13. Knuuti J, Wijns W, Saraste A, Capodanno D, Barbato E, Funck-Brentano C, et al. 2019 ESC Guidelines for the diagnosis and management of chronic coronary syndromes. Eur Heart J. 2019 Aug 31; epub ahead of print
14. Zellweger MJ, Brinkert M, Bucher U, Tsirkin A, Ruff P, Pfisterer ME. A new memetic pattern based algorithm to diagnose/exclude coronary artery disease. Int J Cardiol 2014;174:184-6.

Thrombozytose

Die Thrombozytose stellt mit ihrem sehr breiten Ursachenspektrum aus zahlreichen reaktiven aber auch primär neoplastischen Erkrankungen eine ernst zu nehmende und stets abklärungsbedürftige Blutbildveränderung dar. Dieser Artikel legt den Fokus auf die ersten, weichenstellenden diagnostischen Schritte in der Abklärung einer Thrombozytose. Anhand des klinischen Kontextes sowie laboranalytischer Basisabklärungen sollen einerseits reaktive Ursachen identifiziert, andererseits Hinweise auf eine primäre Thrombozytose («red flags») erkannt werden, um den Patienten einer hämatologischen Abklärung zuzuführen.

Die Thrombozytose ist eine sehr hƤufige, typischerweise im Sinne eines Zufallsbefundes nachgewiesene LaborabnormitƤt, stellt aber keine Diagnose dar. Sie wird bei gut einem Drittel der intensivpflichtigen Patienten und einem Fünftel der Traumapatienten verzeichnet (1, 2). Obwohl im ambulanten setting etwas weniger prƤvalent (3), hat sie als mƶglicher Hinweis auf ein zugrundeliegendes solides Malignom oder aber eine primƤr hƤmatologische Neoplasie einen hohen klinischen Stellenwert.
Unter einer Thrombozytose versteht man einen Thrombozytenwert, der den oberen Normwert übersteigt (4). Eine einheitliche numerische Definition hingegen existiert nicht, dies nicht zuletzt aufgrund unterschiedlicher AnalysegerƤte und ungenügender Validierung der Normwerte. In der Literatur findet sich hƤufig ein oberer Grenzwert von 450G/l (5, 6), wobei ein Wert unterhalb dieses cutoffs eine hƤmatologische Stammzellerkrankung nicht auszuschliessen vermag. Bei uns am Luzerner Kantonsspital kommt der obere Normwert mit 330G/l deutlich tiefer zu liegen. In Anbetracht dessen erachten wir anstelle einer strikten numerischen Grenze die Zusammenschau aus Thrombozytenwert und klinischem Kontext (Ā«red flagsĀ», siehe unten) als essentielle Grundlage für das Einleiten allfƤlliger weiterführender AbklƤrungen.

HƤufige Ursachen der Thrombozytose

SekundƤre (reaktive) Thrombozytose

Die Differentialdiagnose der Thrombozytose beinhaltet primƤre sowie sekundƤre (reaktive) Ursachen, wobei die reaktiven Ursachen über alle Altersgruppen hinweg deutlich überwiegen. In einer Serie von 732 medizinischen und chirurgischen Patienten waren 88% der Thrombozytosen (Thrombozyten > 500G/l) reaktiver Natur (4), Ƥhnlich auch in einer Serie von 91 Patienten, in welcher 70% der Thrombozytosen (Thrombozyten > 600G/l) einer sekundƤren Ursache zugeordnet werden konnten (7). Etwas erstaunlich lƤsst auch das Ausmass der Thrombozytose keine klaren Schlüsse auf deren Ƅtiologie zu, so liess sich in einer Serie von 280 hospitalisierten Patienten mit extremer Thrombozytose (Thrombozyten > 1000G/l) bei ebenfalls 82% ein ursƤchlich reaktiver Prozess eruieren (11).
Die hƤufigsten reaktiven Ursachen sind (4-7): Gewebetrauma inkl. vorausgehende Operationen, Infekte und (chronische) Entzündungen, Neoplasien, Eisenmangel und Hypo-/Asplenismus (siehe auch Tab. 1).
Bei den meisten Patienten sind klinische Zeichen einer der Thrombozytose zugrundeliegenden systemischen Erkrankung vorhanden. Jedoch kƶnnen auch subklinische Erkrankungen eine reaktive Thrombozytose triggern, wobei an dieser Stelle insbesondere auf okkulte solide Neoplasien hingewiesen werden soll.
In einer gross angelegten prospektiven Kohortenstudie (Patienten der Grundversorgung > 40Jahre) musste bei 11.6% resp. 6.2% der MƤnner und Frauen mit Thrombozytose im nachfolgenden Jahr die Diagnose eines soliden Tumors gestellt werden (was einem positiv prƤdiktiven Wert vergleichbar demjenigen einer HyperkalzƤmie entspricht). Insbesondere Lungen- und kolorektale Karzinome wurden bei Patienten mit Thrombozytose überproportional hƤufig diagnostiziert, wobei über ein Drittel dieser FƤlle nebst der Thrombozytose keine anderweitig relevanten Symptome aufwies. Auch weitere Daten (10) legen nahe, dass die Thrombozytose ein nicht zu unterschƤtzender Risikomarker für eine (okkulte) Neoplasie darstellt. Darüber hinaus wird postuliert, dass die Thrombozytose nicht nur als reines Epiphenomen zu betrachten ist, sondern das Tumorwachstum per se fƶrdert und z.B. beim Ovarialkarzinom einen prognostisch ungünstigen Risikofaktor darstellt (12).

PrimƤre Thrombozytose

Die häufigste Ursache einer primären Thrombozytose ist die Essentielle Thrombozythämie (ET), welche sich häufig als isolierte Thrombozytose manifestiert. Die ET gehört zu den myeloproliferativen Neoplasien (MPN), einer Gruppe von hämatologischen Stammzellerkrankungen, welche durch eine vermehrte Produktion reifer Blutzellen charakterisiert wird. Aus dieser Gruppe kann sowohl die Polyzythämia vera (PV, charakterisiert durch eine Polyglobulie), die rimäre Myelofibrose (PMF, charakterisiert durch Anämie, Splenomegalie und Nachweis unreifer Vorstufen im peripheren Blut [leukoerythroblastäres Blutbild]) wie auch die chronische myeloische Leukämie (CML, charakterisiert durch eine Leukozytose mit Linksverschiebung bis zum Blasten) ebenfalls mit einer Thrombozytose vergesellschaftet sein, meist liegen aber die zusätzlich charakteristischen diagnostischen Befunde der jeweiligen Erkrankung vor. Insbesondere bei älteren Patienten ist bei Nachweis einer Thrombozytose und gleichzeitiger Anämie (häufig makrozytär) differentialdiagnostisch an ein myelodysplastisches Syndrom (MDS) oder aber ein overlap aus myelodysplastischem Syndrom und myeloproliferativer Neoplasie (ein sogenanntes MDS/MPN) zu denken, wobei der Blutausstrich wichtige diesbezügliche Hinweise liefert (dysplastische Veränderungen einer oder mehrerer Blutreihen sind häufig bereits im Blutausstrich zu sehen). Selten kann auch eine akute myeloische Leukämie mit einer Thrombozytose einhergehen. Die Ursachen der primären Thrombozytose sind in Tabelle 1 zusammengefasst.
Die familiƤren Thrombozytosen sind sehr seltene, hereditƤre Erkrankungen, welche bei auffƤlliger Familienanamnese in Betracht gezogen werden.

Hinweise auf eine primƤre Thrombozytose – Ā«red flagsĀ»

Sowohl anhand des klinischen Kontexts wie auch begleitender BlutbildverƤnderungen lassen sich wichtige Hinweise auf eine primƤre Thrombozytose identifizieren (hier Ā«red flagsĀ» genannt, siehe Tab. 2). Diese werden im Folgenden etwas genauer beleuchtet:
Ein äusserst bedeutsamer klinischer Hinweis sind thromboembolische und hämorrhagische Ereignisse. Patienten mit einer MPN zeigen paradoxerweise sowohl ein deutlich erhöhtes Thrombose- wie auch Blutungsrisiko. Gemäss verschiedenen Studien liegt bei Erst-diagnose bei 19-39% der PV-, bei 7-26% der ET- und bei 7-22% der PMF-Patienten ein thromboembolisches Ereignis vor. Mit einem Anteil von ca. 2/3 überwiegen die arteriellen gegenüber den venösen Ereignissen, wobei überwiegend die grossen Gefässe betroffen sind (zerebrale, koronare und periphere Gefässe, Häufigkeit in absteigender Reihenfolge) (14). Auf der venösen Seite ist die atypische Lokalisation (abdominal [Budd-Chiari-Syndrom, Pfortaderthrombosen, Mesenterialvenenthrombosen], Sinusvenen) charakteristisch, so lassen sich ca. 40% aller abdominalen Thrombosen auf eine MPN zurückführen (15). Ebenfalls ist multiplen simultanen sowie rezidivierenden und unprovozierten thromboembolischen Ereignissen eine erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken.
Das erhƶhte Risiko für HƤmorrhagien (Gesamt-inzidenz schwerer Blutungen gut 5%) (14) wird zumindest teilweise auf ein erworbenes von Willebrand Syndrom zurückgeführt, wobei von einem Thrombozytose-bedingten selektiven Verlust hƤmostatisch sehr aktiver hochmolekularer von Willebrand Moleküle ausgegangen wird (9, 15). Obwohl die Laborkonstellation eines erworbenen von Willebrand Syndromes ebenfalls bei reaktiver Thrombozytose verzeichnet werden kann, sind spontane Blutungen in diesem Kontext Ƥusserst selten (9).
Im Weiteren stellen B-Symptomatik, vasomotorische Symptome wie flushing, Kopf- oder atypische Thoraxschmerzen, Erythromelalgie (schmerzhafte, häufig brennende Sensationen und Rötung der Akren), Pruritus sowie eine Splenomegalie (kann sich klinisch als abdominaler Dyskomfort manifestieren) weitere klinische «red flags» dar.
Zu den laboranalytischen Hinweisen zƤhlen: Nachweis von Blasten, ein leukoerythroblastƤres Blutbild (kernhaltige Erythrozyten und myeloische Vorstufen im peripheren Blut) sowie der Nachweis dysplastischer VerƤnderungen im Blutausstrich.

Diagnostisches Vorgehen in der hausƤrztlichen Praxis

Ein einfacher, auf die Grundversorgung ausgelegter Algorithmus zur laboranalytischen BasisabklƤrung einer Thrombozytose ist in Abbildung 1 dargestellt. In einem ersten Schritt soll zum einen ein Blutbild mit manueller Blutbilddifferenzierung und laboranalytischen BasisabklƤrungen (CRP, allenfalls BSG; Ferritin und allenfalls lƶslicher Transferrinrezeptor) veranlasst werden und zum anderen eine Erƶrterung des klinischen Kontextes (siehe Tab. 1 und 2) erfolgen. Aufgrund der Mƶglichkeit einer paraneoplastischen Genese sollte insbesondere bei Ƥlteren Patienten Wert auf eine sorgfƤltige Anamnese hinsichtlich gastrointestinaler oder pulmonaler Beschwerden, Noxen und eine Familienanamnese erfolgen. Zudem ist eine klinische Untersuchung unerlƤsslich (Splenomegalie? Erythromelalgie?). Bei Rauchern empfehlen wir in diesem setting überdies niederschwellig eine pulmonale Bildgebung und bei Patienten > 50 Jahre eine Screening-Kolonoskopie.
Nach Ausschluss einer Pseudothrombozytose (durch das Analysegerät fälschlicherweise als Thrombozyten erkannte Zellfragmente) erlauben diese einfachen Massnahmen auf der einen Seite die «red flags» zu erkennen und auf der anderen Seite ein breites Spektrum an Ursachen einer reaktiven Thrombozytose zu identifizieren.
Bei Vorliegen von «red flags» ist eine weiterführende hämatologische Abklärung an-gezeigt. Im Falle eines Blastennachweises im Blutbild sollte diese bald erfolgen.
Bei reaktiver Thrombozytose mit transientem Stimulus ist eine Blutbildverlaufskontrolle zur BestƤtigung der Normalisierung der Thrombozytenzahl empfohlen.
Ergeben die Abklärungen weder einen Hinweis auf eine reaktive Thrombozytose noch liegen «red flags» vor, empfehlen wir eine Verlaufskontrolle nach 2-3 Monaten und bei Thrombozytosepersistenz ebenfalls eine hämatologische Abklärung.

Therapeutisches Management bei reaktiver Thrombozytose

Die Therapie einer reaktiven Thrombozytose besteht in erster Linie in der Behandlung der Grunderkrankung.
Im Gegensatz zur breiten Anwendung bei Patienten mit MPN ist der Einsatz von Aspirin bei reaktiver Thrombozytose sehr umstritten. Es gibt weder kontrollierte klinische Studien noch Beobachtungsstudien, welche den Nutzen von Aspirin in diesem Kontext belegen. Die Thrombozytose per se scheint das Thromboserisiko nicht relevant zu erhƶhen, gleichzeitig vorhandene prothrombogene Faktoren beeinflussen das Thromboserisiko jedoch durchaus (8, 9).
In diesem Spannungsfeld empfehlen wir klar, von einem generellen Einsatz von Aspirin bei reaktiver Thrombozytose abzusehen. Ein allfƤlliger Behandlungsentscheid soll nur individualisiert unter AbwƤgung von Blutungs- und Thromboserisiko erfolgen.

Dr. med. Sabine Ruosch-Girsberger

Abteilung für Hämatologie
Luzerner Kantonsspital Luzern
6000 Luzern 16

sabine.ruosch@luks.ch

Dr. med. Axel Rüfer

Abteilung für Hämatologie
Luzerner Kantonsspital Luzern
6000 Luzern 16

Es bestehen keine Interessenskonflikte im Zusammenhang mit diesem Beitrag.

  • Die Thrombozytose hat ein sehr breites Ursachenspektrum, wobei die überwiegende Mehrheit (um 70-80%) reaktiver Genese ist
  • Eine Thrombozytose kann einziges Zeichen einer zugrundeliegenden soliden Neoplasie sein (Paraneoplasie), so dass jeder Patient einer diesbezüglichen klinischen Evaluation unterzogen werden soll
  • Klinischer Kontext und einfache laboranalytische BasisabklƤrungen (Blutbild mit Blutausstrich; CRP, allenfalls BSG; Ferritin, allenfalls lƶslicher Transferrinrezeptor) helfen in der Unterscheidung reaktive vs. primƤre Thrombozytose
  • Bei Hinweisen auf eine primƤre Thrombozytose (Ā«red flagsĀ») soll eine hƤmatologische AbklƤrung veranlasst werden

1. Banach M, et al. Etiology and clinical relevance of elevated platelet count in ICU patients: A retrospective analysis. Med Klin Intensivmed Notfmed. 2018 Mar;113(2):101-107
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10. Bailey SE, et al. How useful is thrombocytosis in predicting an underlying cancer in primary care? a systematic review. Fam Pract. 2017 Feb;34(1):4-10
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Unklare Thrombozytopenie

In jeder medizinischen Disziplin kƶnnen wir mit einer Thrombozytopenie konfrontiert werden. Dabei kann es sich um einen Zufallsbefund ohne Krankheitswert, aber auch um einen lebensbedrohlichen Notfall handeln. Dieser Artikel sollte bei der EinschƤtzung und Zuordnung von Thrombozytopenien helfen.

Der Normbereich für Thrombozyten weist mit 150 – 450 G/l eine hohe Streubreite auf. Frauen weisen durchschnittlich hƶhere Werte auf als MƤnner und Patienten mit schwarzer Hautfarbe hƶhere Werte als Weisse (1). Intraindividuell besteht hingegen eine hƶhere Konstanz (2). In der Schwangerschaft kommt es zu einem physiologischen Abfall der Thrombozyten bis zum Nadir am Geburtstermin. Mehrheitlich liegen die Werte dabei im unteren Normbereich, in ca. 10% der Schwangerschaften fallen die Thrombozyten unter 150 G/l. Gestations-Thrombozytopenien < 100 G/l sind selten und sollten Anlass zur weiteren AbklƤrung geben (3).

Wie Ƥussert sich eine Thrombozytopenie?

Leitsymptom der Thrombozytopenie sind Haut- und Schleimhaut-
einblutungen (Petechien, HƤmatome, Zahnfleischblutung, Menorrhagie, Epistaxis). Weichteil- und Gelenkeinblutungen sind in der Regel durch eine Verminderung der Gerinnungsfaktoren (z.B. HƤmophilie, Antikoagulantien) bedingt. Eine Blutungsneigung ist bei sonst Gesunden ohne blutverdünnende Medikation erst bei Thrombozyten < 100 G/l zu erwarten. Bei Thrombozyten < 50 G/l kommt es zu verstƤrkten Blutungen bei Verletzungen und Operationen, Werte zwischen 10 und 30 G/l führen zu Petechien und Schleimhautblutungen. Bei Thrombozyten < 10 G/l kƶnnen Spontanblutungen auftreten. Eine gestƶrte Thrombozytenbildung führt bei gleichem Thrombozytenwert zu einer stƤrkeren Blutungsneigung als ein gesteigerter Thrombozytenverbrauch oder ein Hypersplenismus (Tab. 1).

Welche Fragen führen weiter?

Anamnestisch ist die Einnahme von Medikamenten zu erheben, die eine Thrombozytopenie verursachen kƶnnen. Nebst Heparin sind dies vor allem Antibiotika wie Sulfonamide, Penicilline, Cephalosporine, Vancomycin und Antiepileptika. Thrombozytopenien entwickeln sich hierbei innerhalb von 1-2 Wochen nach Einnahme (bei Vorexposition auch nach wenigen Stunden) und sollten sich innerhalb einer Woche nach Sistieren des Medikamentes erholen (4). Des Weiteren zu erfragen ist ein Alkoholkonsum, welcher ab Tagesmengen von 80 g/l direkt knochenmarktoxisch ist oder via Hepatopathie oder einen Hypersplenismus zu einer Thrombozytopenie führen kann. Eine HIV- oder Hepatitis C-Risikoexposition und Symptome, die auf einen viralen Infekt (z.B. EBV, Parvovirus, Varizellen) hindeuten, lassen eine infektiƶs bedingte Thrombozytopenie vermuten. B-Symptome (Gewichtsverlust, Nachtschweiss, Fieber) deuten auf ein zu Grunde liegendes Malignom hin. Im seltenen Fall einer Thromboseneigung muss an eine Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT), ein Antiphospholipidsyndrom, eine disseminierte intravasale Koagulopathie (DIC), eine paroxysmale nƤchtliche HƤmoglobinurie (PNH) oder aber eine thrombotische Mikroangiopathie (z.B. TTP/HUS) gedacht werden. Eine familiƤre Blutungsneigung kann auf eine kongenitale Ursache (z.B. Bernard-Soulier-Syndrom) hinweisen, welche – wenn erst im Erwachsenenalter erfasst – meist als ITP fehlinterpretiert wird.

Welche Untersuchungen nehme ich vor?

In der Abbildung 1 ist eine Flowchart zur AbklƤrung einer Thrombozytopenie dargestellt. Petechien sind hƤufigstes klinisches Zeichen einer Thrombozytopenie, HƤmatome kƶnnen ebenfalls auftreten. Lymphadenopathien deuten auf eine hƤmatologische oder infektiologische Grunderkrankung hin, Hepato- und Splenomegalie kƶnnen zusƤtzlich auf eine Hepatopathie hinweisen.
Labordiagnostisch sollte bei asymptomatischen Patienten mit isolierter Thrombozytopenie eine EDTA-Pseudothrombozytopenie ausgeschlossen werden. Hierbei handelt es sich um ein in vitro PhƤnomen, bei dem es im mit EDTA-antikoagulierten Blutrƶhrchen zur Bildung von Thrombozytenaggregaten kommt, die maschinell nicht erkannt werden. Passend dazu finden sich im Blutausstrich gruppierte Thrombozyten (Abb. 2.)
Dieses Phänomen wird in 0,1% der Blutproben beobachtet und ist klinisch bedeutungslos. Die Analyse in Heparin- oder Citratblut lässt die Pseudothrombozytopenie von der echten Thrombozytopenie unterscheiden. Das mikroskopische Blutbild liefert Hinweise für eine Mikroangiopathie (Fragmentozyten), eine Leukämie (Blasten), ein Lymphom, ein MDS (Dysplasien) oder eine hereditäre Thrombozytopenie (grosse Thrombozyten).
Kreatinin, LDH, CRP, Bilirubin, AST/ALT, ANA, HIV-, HCV- und EBV-Screening, INR, aPTT, Fibrinogen sollten je nach klinischem Kontext erhoben werden. Eine Knochenmarkuntersuchung kann weiterhelfen bei unklarer Ƅtiologie und bei Verdacht auf eine primƤre hƤmatologische Erkrankung.
Bleibt eine isolierte Thrombozytopenie < 100 G/l trotz umfassender Untersuchung unklar, besteht der Verdacht auf eine primƤre Immunthrombozytopenie (ITP). Diese wird verursacht durch eine Autoimmunreaktion gegen Thrombozyten und Megakaryozyten (5). Die ITP ist eine Ausschlussdiagnose, da dafür kein pathognomonischer Test existiert. Bei typischen Befunden kann eine Knochenmarkpunktion entfallen. Die Therapie richtet sich nach AusprƤgung und Symptomatik und besteht in der Erstlinie aus Steroiden. Bei steroidrefraktƤren FƤllen stehen Thrombopoietin-Rezeptor-Agonisten (Eltrombopag, Romiplostim), der CD20-Antikƶrper Rituximab und die Splenektomie zur Verfügung.

Wann ist unverzügliches Handeln geboten?

Die Mehrzahl der leichten, ambulant diagnostizierten Thrombozytopenien verlaufen gutartig und sind durch Infektionen oder Medikamentennebenwirkungen erklƤrt. In jedem Fall empfiehlt sich eine kurzfristige Nachkontrolle, um einen weiteren Abfall nicht zu verpassen. NotfƤlle sind – nebst Blutungen bei schwerer Thrombozytopenie – die thrombotische Mikroangiopathie (TTP-HUS), LeukƤmien, Lymphome und die Heparin-induzierten Thrombozytopenien (HIT). In diesen FƤllen sollte umgehend ein Spezialist konsultiert werden.
Zu den thrombotischen Mikroangiopathien gehören das Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS), häufig nach blutiger Enteritis mit E. coli, und die Thrombotische Thrombozytopene Purpura (TTP). Diese Erkrankungen gehen oft mit einer Coombs-negativen hämolytischen Anämie (LDH und Bilirubin erhöht) und einer Niereninsuffizienz einher. Gelegentlich bestehen Fieber und neurologische Symptome (Verwirrtheit, fokale neurologische Ausfälle, Krampfanfälle). Da die Prognose unbehandelt infaust ist, sollte eine unverzügliche Zuweisung an ein Zentrumsspital erfolgen.
Tritt die Thrombozytopenie nach Exposition mit Heparin auf, ist die Wahrscheinlichkeit einer Heparin induzierten Thrombozytopenie (HIT) mit dem 4T-Score abzuschƤtzen (6). Bei mittlerer bis hoher Vortest-Wahrscheinlichkeit empfehlen wir die Kontaktaufnahme mit einem HƤmatologen und die Bestimmung der HIT-Antikƶrper.
Bei einer lebensbedrohlichen Blutung im Rahmen einer ITP sind nebst Steroiden intravenƶse Immunglobuline und Thrombozyten zu verabreichen.

Dr. med. Friederike Vetter

Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie
Universitätsspital Zürich
RƤmistrasse 100
8091 Zürich

Dr. med. Anouk Widmer

Zentrum für Hämatologie und Onkologie
UniversitätsSpital Zürich
RƤmistrasse 100
8091 Zürich

Die Autorinnen haben in Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte deklariert.

  • Thrombozytenwerte zeigen interindividuell eine starke Streubreite, sind intraindividuell jedoch relativ stabil
  • Ein Blutungsrisiko im Rahmen von Operationen ist bei Thrombozytenwerten < 50 G/l zu erwarten, bei einer Thrombozytopenie < 10 G/l besteht die Gefahr für Spontanblutungen
  • Bei isolierter Thrombozytopenie im ambulanten Setting sind Hepatopathien, MDS, virale Infekte und Medikamente hƤufige Ursachen
  • Besteht neben der Thrombozytopenie eine hƤmolytische AnƤmie und/ oder eine Niereninsuffizienz, muss an eine thrombotische Mikroangiopathie (TTP-HUS) gedacht und der Patient unverzüglich an ein Zentrumsspital zugewiesen werden
  • Bei Exposition mit Heparin sollte die Berechnung der PrƤtest-Wahrscheinlichkeit einer Heparin-induzierten Thrombozytopenie mittels HIT-Score erfolgen und ein HƤmostase-Experte kontaktiert werden.

1. Segal, J.B. and A.R. Moliterno, Platelet counts differ by sex, ethnicity, and age in the United States. Ann Epidemiol, 2006. 16(2): p. 123-30.
2. Buckley, M.F., et al., A novel approach to the assessment of variations in the human platelet count. Thromb Haemost, 2000. 83(3): p. 480-4.
3. Reese, J.A., et al., Platelet Counts during Pregnancy. N Engl J Med, 2018. 379(1): p. 32-43.
4. Rousan, T.A., et al., Recurrent acute thrombocytopenia in the hospitalized patient: sepsis, DIC, HIT, or antibiotic-induced thrombocytopenia. Am J Hematol, 2010. 85(1): p. 71-4.
5. Sukati, H., et al., Mapping helper T-cell epitopes on platelet membrane glycoprotein IIIa in chronic autoimmune thrombocytopenic purpura. Blood, 2007. 109(10): p. 4528-38.
6. Lo, G.K., et al., Evaluation of pretest clinical score (4 T’s) for the diagnosis of heparin-induced thrombocytopenia in two clinical settings. J Thromb Haemost, 2006. 4(4): p. 759-65.

PolyzythƤmie, Polyglobulie und Erythrozytose

Eine erhöhte Konzentration an Erythrozyten wird nicht selten als Zufallsbefund entdeckt. Die Abklärung des zugrunde liegenden Leidens stellt eine Herausforderung für den Kliniker dar. Entsprechend muss einerseits zwischen der relativen und der absoluten Erhöhung der Erythrozyten und anderseits zwischen reaktiv und maligne unterschieden werden. Die Anamnese zusammen mit der Labordiagnostik inkl. Bildgebung liefern entscheidende Hinweise, welche zu der korrekten Diagnose führen. Erst daraufhin können entsprechend die adäquaten therapeutischen Massnahmen eingeleitet werden.

Die Begriffe PolyzythƤmie (maligne), Polyglobulie (benigne, reaktiv) und Erythrozytose (beides) beziehen sich auf die Zunahme des Erythrozytenvolumens im Kƶrper und spiegeln sich in der Praxis als Konzentrationszunahme der Blutwerte für HƤmoglobin, HƤmatokrit und v.a. Erythrozytenzahl wider. Hierfür müssen die Werte über dem physiologischen Normbereich für Alter und Geschlecht liegen. Für Erwachsene hat die WHO in 2017 (1) Grenzwerte definiert (Tab. 1.).

Abhängig von der zugrunde liegenden Ursache einer Erythrozytose müssen verschiedene Zustände voneinander abgegrenzt werden:
Eine relative Polyglobulie ist durch eine HƤmokonzentration gekennzeichnet, die bei Abnahme des Plasmavolumens ohne Zunahme der Erythrozytenmasse auftreten kann. Die hƤufigsten Ursachen sind die Einnahme eines Diuretikums, Erbrechen, Durchfall, starkes Schwitzen, Polyurie, HypoalbuminƤmie, und teils durch lƤngeren Aufenthalt in grosser Hƶhe (> 2000 m). Dazu kƶnnen eine arterielle Hypertonie und Nikotinabusus beitragen. Darunter wird das sogenannte Gaisbƶck-Syndrom oder stressbedingte Polyglobulie beschrieben, welches überwiegend bei MƤnnern mit sitzender Lebensweise und regelmƤssig hochkalorischer Nahrungseinnahme auftritt. Das klinische Bild besteht aus leichter Adipositas, arterieller Hypertonie und reduziertem Plasmavolumen, ohne Splenomegalie. Oft sind Raucher betroffen und werden aufgrund der arteriellen Hypertonie mit Diuretika behandelt. Therapeutische Massnahmen, darunter ein Nikotinstopp führen nach einigen Tagen zu einer Abnahme des HƤmatokrits um 4% (2).
Im Fall einer absoluten Erythrozytose ist die Erythrozytenmasse gesteigert, entweder aufgrund einer autonomen Erythropoese im Knochenmark (primƤre Erythrozytose = PolyzythƤmie) oder einem erhƶhten EPO-Spiegel oder anderen, die Erythropoese stimulierenden endogenen und exogenen Substanzen (sekundƤre Erythrozytose = Polyglobulie).
Eine (primƤre) PolyzythƤmie liegt vor, wenn die erythropoetische Stammzelle durch angeborene oder erworbene Mutationen verƤndert ist. Angeboren wie im Fall einer Chuvash PolyzythƤmie (VHL-Mutation), erworben, wie im Fall einer myeloproliferativen Neoplasie (JAK2V617F- oder JAK2 im Exon 12 Mutation). Tab.  2 gibt die WHO-Kriterien zur Diagnose der PolyzythƤmie Vera (PV) wieder.
Eine (sekundƤre) Polyglobulie liegt vor, wenn v.a. der Erythropoetinspiegel (EPO) gesteigert ist. Die Gründe sind hierfür vielfƤltig: Hypoxie durch verschiedenste kardiopulmonale Erkrankungen, Aufenthalt in Hƶhen über 2 000 müM, chronische Kohlenmonoxyd-exposition (u.a. Raucher), Nieren-assoziierte Stƶrungen oder autonome Produktion von EPO (Tumoren). Schliesslich kƶnnen verschiedene gesundheitsgefƤhrdende Schadstoffe an ArbeitsplƤtzen (z.B. Cyanid, Nitrite) oder Medikamente (Sulfonamide) zu Entstehung von HƤmoglobinderivaten führen, welche die Sauerstoffbindung beeintrƤchtigen.
Auch gibt es angeborene Ursachen wie Mutationen des EPO-Rezeptors oder andere seltene Mutationen oder Defekte (u.a. kongenitales MethƤmoglobin, HƤmoglobin mit erhƶhter SauerstoffaffinitƤt, angeborene Herzfehler).

Anamnese und klinische Untersuchung

Nicht die Definition, sondern die AbklƤrung des zugrunden liegenden Leidens stellt eine Herausforderung für den Kliniker dar. Erst nachher kƶnnen entsprechend die adƤquaten therapeutischen Massnahmen eingeleitet werden. Bereits die Anamnese kann uns wegweisende Hinweise über die zugrundeliegende Erkrankung liefern. Die Einnahme eines Diuretikums, Erbrechen, Nikotinabusus, orthostatische Symptome kƶnnen auf eine Volumen-Depletion hinweisen. Ebenso chronische Lungenerkrankungen, Dyspnoe mit Husten, Schlafapnoe, ausgeprƤgte Tagesmüdigkeit, Nierenerkrankungen in der Vorgeschichte oder bekannte chronische Herzerkrankung mit Zyanose sind wichtige Informationen. Relevant für die Diagnose ist natürlich auch die Anwendung von Medikamenten, wie z.B. EPO-stimulierende Substanzen insbesondere bei Athleten um die Leistungsperformance zu verbessern. Die Familienanamnese ist ebenfalls richtungshinweisend, wenn mehrere Familienmitglieder betroffen sind. In diesem Fall muss u.a. an eine HƤmoglobinopathie mit erhƶhter SauerstoffaffinitƤt gedacht werden. ErwƤhnenswert sind auch Symptome und klinische Anzeichen, welche auf einen myeloproliferativen Prozess hindeuten kƶnnten, wie sie in Tab. 3 abgebildet sind.

Labor-diagnostische AbklƤrung

Häufig wird eine Erythrozytose als Zufallsbefund im Rahmen einer Untersuchung mittels Zählung der Erythrozytenkonzentration erfasst. Die Erhöhung der Erythrozytenzahl allein ist nicht ein Kriterium für eine Erhöhung der Erythrozytenmasse. Als Beispiel für eine Polyglobulie, welche häufig mit einer Anämie, Mikrozytose und Hypochromie assoziiert ist, sei als Beispiel eine Thalassämie erwähnt.
Auch die Bestimmung des Sauerstoffpartialdrucks, bei dem das HƤmoglobin zu 50% gesƤttigt ist (p50), hat einen wichtigen Stellenwert in der Diagnostik einer Erythrozytose, um eine HƤmoglobinopathie mit gestƶrter SauerstoffaffinitƤt ausschliessen zu kƶnnen (3). Des Weiteren kƶnnen andere VerƤnderungen des roten Blutbildes, wie Linksverschiebung, VerƤnderungen der Thrombozytenzahl, leukoerythroblastƤres Blutbild mit TrƤnenformen der Erythrozyten auf eine myeloproliferative Neoplasie hinweisen. Weitere AbklƤrungen beinhalten ein Basislabor mit Serumelektrolyten, Nieren- und Leberparameter, EPO-Spiegel, Urinstatus. Bei dringendem Verdacht auf eine myeloproliferative Erkrankung ist die Untersuchung nach einer JAK2 Mutation unerlƤsslich.
Ein niedriger Erythropoetin-Spiegel ist spezifisch für das Vorliegen einer Polyzythämia Vera oder anderer myeloproliferativer Erkrankungen. Seltene Ursachen sind noch Mutationen der EPO-Rezeptoren und nicht selten Blut-Doping im Sinne von Autotransfusionen.
Bei dringendem Verdacht auf eine myeloproliferative Erkrankung muss die Untersuchung des Knochenmarks erwogen werden. Im Fall einer PolyzythƤmia Vera zeigt sich im Knochenmark eine Panmyelose mit gesteigerter trilineƤrer HƤmopoese inkl. gesteigert abnormer Megakaryopoese mit grossen und hypersegmentierten Formen, die nesterfƶrmig gelagert sind (Cluster) (1).
Weiter gilt eine Pulsoxymetrie als nicht invasives Verfahren zur Ermittlung des Verhaltens der arteriellen SauerstoffsƤttigung, um eine Hypoxie als mƶgliche Ursache der Erythrozytose ausschliessen zu kƶnnen. Wird eine Hypoxie als mƶgliche Ƅtiologie postuliert, ist der Ausschluss einer kardiovaskulƤr/pulmonaler Erkrankung oder eines obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms (OSAS) unerlƤsslich. Bei anamnestischem Verdacht auf ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom, welches eine PrƤvalenz in der Bevƶlkerung von 2-4% (4) hat, ist eine weiterführende Diagnostik mittels respiratorischer Polygraphie und sogar Polysomnographie, welche als Goldstandard- Untersuchung gilt, angezeigt (5). Schliesslich kann eine erweiterte Blutgasanalyse Hb-Modifikationen wie CO-Hb, Met-Hb, Sulf-Hb ausschliessen oder belegen.
In einigen sehr seltenen FƤllen ist die Messung der Erythrozytenmasse und des Plasmavolumens mittels radioaktivem Chrom-51 erforderlich, um eine PolyzythƤmie von einer Polyglobulie abzugrenzen. Dabei werden die Erythrozyten mit der radioaktiven Substanz Chrom-51 markiert, die RadioaktivitƤt der Erythrozyten gemessen und daraus die Erythrozytenmasse berechnet. Diese Untersuchung ist nicht weit verbreitet und nur begrenzt etabliert (6).
Die Tumor-assoziierte Erythrozytose ist durch einen erhƶhten EPO-Spiegel gekennzeichnet. Die zugrundeliegenden Ursachen sind Hepato- (ca. 25% der FƤlle), Nierenzellkarzinome (in 1-5% der FƤlle), Phaeochromozytome, Uterus-Leyomatosis (7) oder HƤmangioblastome.
Andere seltene Ursachen einer Polyglobulie sind autologe Transfusionen, selbstverabreichte rekombinante EPO-Medikamente, Einnahme von Androgenen und Anabolika, welche die Sport-Performance der Athleten im Rahmen eines Dopings verbessern sollen.

Dr. med. Adriana MƩndez

Institut für Labormedizin
Kantonsspital Aarau
Tellstrasse 25
5001 Aarau

adriana.mendez@ksa.ch

Prof. Dr. med. Andreas Huber

Private Universität im Fürstentum Liechtenstein
Dorfstrasse 24
FL-9495 Triesen

andreas.huber@ufl.li

Die Autoren haben in Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte deklariert.

  • Eine Erythrozytose wird als Erhƶhung der Blutbildparameter HƤmo-globin, HƤmatokrit und v.a. Erythrozytenzahl festgehalten. Grenzwerte für Erwachsene nach Geschlecht wurden von der WHO 2017 definiert (Tab. 1) (1)
  • Meistens wird sie als Zufallsbefund im Rahmen eines Check-ups entdeckt
  • Für die Therapie ist die Abgrenzung zwischen primƤren und sekundƤren Erythrozytosen, will heissen PolyzythƤmie oder Polyglobulie, unerlƤsslich
  • Die Anamnese liefert meist richtungsweisende diagnostische Hinweise
  • Bei der AbklƤrung der Ƅtiologie einer PolyzythƤmie kann initial das Blutbild inkl. mikroskopischer Untersuchung des peripheren Blutes schon wichtige Hinweise (leukoerythroblastƤres Blutbild, TrƤnenformen der Erythrozyten, Normoblasten, Linksverschiebung, etc.) liefern, welche zu einer myeloproliferativen Neoplasie passen kƶnnen
  • Polyglobulien und Pseudoerythrozytosen (HƤmokonzentration) sind viel hƤufiger, haben aber vielfƤltige Ursachen.

1. WHO Classification of Tumours of Haematopoietic and Lymphoid Tissues, revised 4th edition, Swerdlow SH, Campo E, Harris NL, et al. (Eds), International Agency for Research on Cancer (IARC), Lyon 2017
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Impfungen im Herbst

Jeden Herbst wird das Thema Impfschutz durch die saisonale Grippeimpfung aktuell. Der jährlich im Frühling aktualisierte Schweizerische Impfplan des BAG ist Basis der Impfberatung. Die aktuellen Informationen zu den empfohlenen Impfungen und zur Impfstoffversorgung finden sich auch auf www.infovac.ch.

Jede Arztkonsultation bietet Gelegenheit zur Überprüfung des Impfschutzes und Durchführung allfälliger Nachholimpfungen. Bei fehlender oder unbekannter Grundimmunisierung soll der Impfschutz in jedem Alter evaluiert und ergänzt werden.
Einige Grundregeln sind dabei hilfreich:

  • Die Anzahl nƶtiger Impfdosen ergibt sich aus dem Vergleich der Ā«Soll-ImpfdosenĀ» (altersentsprechend gemƤss Impfplan) mit den bisher erhaltenen Impfdosen.
  • Es sind nie mehr Dosen indiziert als für die Grundimmunisierung von komplett Ungeimpften nƶtig wƤren (bei Totimpfstoffen wie z.B. dTpa-IPV, FSME, HPV, Hepatitis B sind dies in der Regel 3 Dosen).
  • Die empfohlenen ZeitabstƤnde sind MindestabstƤnde zur Ausbildung einer optimalen Impfantwort; lƤngere AbstƤnde sind immer mƶglich.
  • Jede Dosis zƤhlt! Eine begonnene, noch unvollstƤndige Impfserie nicht wieder von vorne beginnen – auch wenn die letzten Dosen schon viele Jahre zurückliegen.
  • Lebendimpfstoffe (MMR, Varizellen, Gelbfieber, Typhus, Herpes zoster (ZostavaxĀ®)) sind bei Schwangeren und immunsupprimierten Personen kontraindiziert.
  • Mindestens 4 Wochen Abstand zwischen 2 verschiedenen viralen Lebendimpfstoffen einhalten (MMR und Varizellen auch am gleichen Tag mƶglich).
  • Alle Totimpfstoffe kƶnnen gleichzeitig oder in beliebigen zeitlichen AbstƤnden zueinander verabreicht werden.
  • Das Impfschema wird definiert durch das Alter, in dem die Impfserie begonnen wurde.
  • Patienten mit oraler Antikoagulation oder Thrombozytenaggregationshemmern dürfen und sollen intramuskulƤre Impfungen erhalten (Druckverband!).
  • Serologien/Impfantikƶrperbestimmungen sind grundsƤtzlich nicht hilfreich zur Festlegung einer Impfindikation / eines Impfschemas und sollten deshalb nicht durchgeführt werden.

Die Kosten für fast alle im schweizerischen Impfplan empfohlenen Impfungen werden, abzüglich Franchise und Selbstbehalt, von der Krankenkasse übernommen (Ausnahmen: Pneumokokkenimpfung bei Personen > 5 Jahre, Impfung gegen Herpes zoster). Eine Übersicht der aktuellen Impfempfehlungen findet sich in der Synopsis des Schweizerischen Impfplans (siehe Abb. 1 und Tab. 2; Link aktiv in Online-Version).
Zu zahlreichen speziellen Patientengruppen (z.B. Schwangere, Immunsupprimierte, Splenektomierte) existieren separate Empfehlungen, die für die Impfberatung hilfreich sind. Eine Übersicht findet sich in Tab. 2.

Saisonale Grippeimpfung

Schweregrad und Auswirkungen einer Influenza-Infektion werden oft unterschƤtzt. Patienten mit Influenza-Infektion haben u.a. auch ein deutlich erhƶhtes Risiko für einen akuten Myokardinfarkt im folgenden Jahr (1). Influenza und influenzaƤhnliche Erkrankungen führen in der Schweiz jedes Jahr zu über 330 000 Arztkonsultationen und ca. 1500 TodesfƤllen (2). Die saisonale Grippeimpfung reduziert das Risiko einer Influenza-Infektion sowie die GesamtmortalitƤt und Hospitalisationsrate für Pneumonie und Influenza (3, 4) und ist bezüglich Schutzwirkung und mƶglichen Nebenwirkungen deutlich besser als ihr Ruf. Die hƤufig verwendeten, trivalenten inaktivierten Influenzaimpfstoffe zeigten in einer Metaanalyse eine Wirksamkeit von 59% bei gesunden Erwachsenen (5). Der Impfschutz hƤngt vom saisonalen Antigen-Match sowie von Alter und Immunstatus des Patienten ab. Durch die Verwendung von tetravalenten Impfstoffen, die einen zusƤtzlichen Influenza-B-Stamm enthalten, kann die Wahrscheinlichkeit eines Antigen-Mismatch reduziert werden. Der adjuvantierte Impfstoff (FluadĀ®), welcher für Erwachsene ≄ 65 Jahre zugelassen ist, lƶst bei diesen eine bessere Immunantwort aus, ist jedoch trivalent. Die Schutzwirkung einer Influenzaimpfung setzt nach 10-14 Tagen ein und hƤlt etwa 3-4 Monate an. Da die ImmunogenitƤt der Influenzaimpfung bei Patienten in hƶherem Alter oder bei Grunderkrankungen vermindert sein kann, ist der Umgebungsschutz (Ā«CocooningĀ») enorm wichtig. Durch die Impfung naher Kontaktpersonen und dadurch Verminderung der Ansteckungsgefahr werden die besonders gefƤhrdeten Personen indirekt geschützt. Dies gilt vor allem auch für Personen, die im Gesundheitswesen tƤtig sind und somit besonders oft Kontakt zu Risikopersonen haben. Die Grippeimpfung ist in der Schweiz für alle Personen mit erhƶhtem Komplikationsrisiko sowie für Personen mit erhƶhtem Übertragungsrisiko und deren Kontaktpersonen empfohlen (Tab. 1).

Pneumokokkenimpfung

Seit 2014 wird bei Risikopersonen mit entsprechender Indikation (siehe Abb. 1 und Tab. 2; Link aktiv in Online-Version) eine einmalige Impfung mit dem 13-valenten konjugierten Impfstoff
(Prevenar®) empfohlen. Diese führt bei älteren Erwachsenen zu einer Reduktion von invasiven Pneumokokkenerkrankungen um 75% und von Pneumokokkenpneumonien durch Impfserotypen um 45% (6).
Die Indikationen zur Pneumokokkenimpfung bei Risikopersonen entsprechen bis auf wenige Ausnahmen weitgehend denen der Influenzaimpfung (siehe Abb. 1 und Tab. 2; Link aktiv in Online-Version). Für SƤuglinge ist die Pneumokokkenimpfung neu seit 2019 als Basisimpfung empfohlen. Leider ist der Impfstoff in der Schweiz nur für Kinder < 5 Jahren zugelassen, weshalb bei Ƥlteren Kindern und Erwachsenen keine Kostenübernahme durch die Grundversicherung der Krankenkasse erfolgt. Ein Antrag auf Kostenübernahme durch die Krankenkasse mit entsprechender Begründung zur Indikation kann hier oft helfen.

Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Seit 2019 gilt die ganze Schweiz ausser den Kantonen Genf und Tessin als FSME-Risikogebiet. Die Grundimmunisierung mit 3 Dosen sowie Boosterimpfungen alle 10 Jahre sind für alle Personen ab 6 Jahren empfohlen, welche in den Risikogebieten wohnen oder sich zeitweise dort aufhalten und die beruflich oder während der Freizeit ein Zecken-Expositionsrisiko aufweisen. Der ideale Zeitpunkt für den Impfbeginn ist die kalte Jahreszeit, um vor der vermehrten Zeckenaktivität im Frühling bereits mit 2 Dosen geschützt zu sein. Für die Langzeitimmunität braucht es eine dritte Dosis («Gedächtnisdosis») nach einem längeren Intervall von minimal 5 Monaten. In der Schweiz sind 2 FSME-Impfstoffe zugelassen, die austauschbar sind und äquivalent eingesetzt werden können (FSME-Immun® und Encepur®). Wenn möglich sollte eine Impfserie mit dem gleichen Impfstoff komplettiert werden, mit dem sie begonnen wurde, es kann jedoch bei Lieferengpässen auf den jeweils anderen Impfstoff ausgewichen werden. Dabei sollte grundsätzlich ein minimales Intervall von 2 Wochen zwischen den ersten beiden Dosen und ein minimales Intervall von 5 Monaten zwischen der 2. und 3. Dosis eingehalten werden. Bei Impfbeginn in der wärmeren Jahreszeit ist eine Verkürzung des Intervalls zwischen den ersten beiden Dosen auf 14 Tage empfehlenswert, um möglichst rasch einen Schutz aufzubauen. Eine FSME-Impfung direkt nach einem Zeckenstich ist möglich und sollte auch nicht verzögert werden, da ja offensichtlich ein Expositionsrisiko = Zeckenstich besteht. Der Schutz vor einer FSME-Infektion wird aktuell höher gewichtet als die Überlegungen zur allfällig erschwerten Diagnostik bei einer zeitnahen FSME-Infektion. In jedem Fall muss die geimpfte Person darüber informiert werden, dass eine FSME-Impfung nach Zeckenstich nur vor zukünftigen Infektionen schützt. Sie hat keine Wirksamkeit als postexpositionelle Prophylaxe und wirkt sich weder positiv noch negativ auf eine allfällige Infektion durch den aktuellen Zeckenstich aus.

Impfung gegen Herpes zoster

Die Impfung gegen Herpes zoster ist gemäss Schweizerischem Impfplan für alle Personen im Alter zwischen 65-79 Jahren sowie für in naher Zukunft immungeschwächte Patientinnen und Patienten im Alter von 50 bis 79 Jahren empfohlen (7). Aktuell ist in der Schweiz nur der virale Lebendimpfstoff gegen Herpes zoster (Zostavax®) verfügbar und zugelassen. Die Impfung erfolgt mit einer einzelnen, subkutan verabreichten Dosis und zeigt eine gute Wirksamkeit mit Verhinderung von ungefähr 51% der Herpes-zoster-Fälle und 67% der Fälle von postherpetischer Neuralgie bei gesunden 60-jährigen oder älteren Personen (8). Leider werden die Kosten für die Herpes zoster-Impfung nicht durch die Grundversicherung der Krankenkassen übernommen. In Europa und anderen Ländern ist ein rekombinanter Subunit-Impfstoff (Shingrix®) zugelassen und verfügbar, der auch bei immunsupprimierten Personen eingesetzt werden kann. Der Zeitpunkt einer Markteinführung dieses Impfstoffes in der Schweiz ist nicht bekannt. Im Einzelfall kann ein Import aus dem europäischen Ausland und die off label Anwendung des Subunit-Impfstoffs in Erwägung gezogen werden. Zu beachten ist dabei der Preis (keine Kostenübernahme durch die Krankenkasse) sowie die Notwendigkeit von 2 Impfdosen mit 2-6 Monaten Intervall.

Impfempfehlungen bei besonderen Patientengruppen

Bei besonderen Patientengruppen wie z.B. immunsupprimierten Personen, Reisenden oder Schwangeren ist das Ziel ebenfalls ein mƶglichst kompletter Impfschutz gemƤss den Empfehlungen im Schweizerischen Impfplan. Erster Schritt ist dabei immer die Beurteilung des aktuellen Impfstatus, das Vorgehen zur ErgƤnzung und Komplettierung des Impfschutzes muss dann unter Berücksichtigung der individuellen Voraussetzungen festgelegt werden. Dabei helfen Ihnen die eingangs in diesem Artikel erwƤhnten Grundregeln, die entsprechenden Empfehlungsdokumente des BAG (Tab. 2) oder eine Mail-Anfrage an die Infovac-Experten (www.infovac.ch).

Migranten

Der Impfschutz von Migrantinnen und Migranten sollte bald mƶglichst nach Einreise überprüft und entsprechend ihrem Alter gemƤss Schweizerischen Impfempfehlungen ergƤnzt werden (9). Im Zweifelsfall – bei fehlender Dokumentation und unsicherer Anamnese – kann die Person als ungeimpft betrachtet und entsprechend grundimmunisiert werden. Wichtig ist die Dokumentation der neu durchgeführten Impfungen mittels Impfausweis und die Sicherstellung und Überprüfung des Informationsflusses, z.B. bei Wechsel des Aufenthaltsortes.
Für die Praxis kann bei Jugendlichen > 12 J. und Erwachsenen folgendes Vorgehen gewƤhlt werden (9):

  • Erstkontakt: 1 Dosis dTpa-IPV (Boostrix PolioĀ®) + 1 Dosis MMR + 1 Dosis Varizellen
  • 1 Mo. nach Erstkontakt: jeweils 2. Dosis MMR und Varizellen, erste Dosis Hepatitis B
  • 2 Mo. nach Erstkontakt: eine Dosis dT-IPV (RevaxisĀ®) und zweite Dosis Hepatitis B
  • 8 Mo. nach Erstkontakt: eine Dosis dT-IPV (RevaxisĀ®) und dritte Dosis Hepatitis B
  • HPV: 3 Dosen (0, 1-2, 6 Mo.) bei Alter 15 – 26 J.; vor 15. Geburtstag 2 Dosen (0, 6 Mo.)
  • Meningokokken (Impfung mit MCV-ACWY, MenveoĀ®): 1 Dosis bei Alter 11-15 J., nachholen bis zum 20. Geburtstag
Dr. med. Ana Steffen

Klinik für Infektiologie/Spitalhygiene
KSSG und Ostschweizer Kinderspital
St. Gallen

ana.steffen@kssg.ch

Prof. Dr. med. Werner Albrich

Klinik für Infektiologie/Spitalhygiene
KSSG und Ostschweizer Kinderspital
St. Gallen

Dr. med. Anita Niederer

Reisemedizin, Klinik für Infektiologie/Spitalhygiene
Kantonsspital St. Gallen
Rorschacher Strasse 95
9007 St. Gallen

Die Autoren haben in Zusammenhang mit diesem Artikel keine Interessenskonflikte deklariert.

  • Das Berücksichtigen von Grundregeln bezüglich Anzahl, Abstand und Kombination von Impfdosen erleichtert die Impfberatung in der Hausarztpraxis.
  • Die Grippeimpfung ist jƤhrlich sowohl für Risikopatienten als auch für ihr berufliches und familiƤres Umfeld indiziert; dazu zƤhlen auch alle Medizinalpersonen.
  • Der Impfstatus sollte insbesondere vor geplanter Schwangerschaft, Immunsuppression, Splenektomie oder auch vor Auslandsreisen überprüft werden; für die Impfungen in diesen Patientengruppen gelten spezielle Impfempfehlungen zusƤtzlich zu den für alle Personen empfohlenen Impfungen gemƤss schweizerischem Impfplan.
  • Die Impfungen von Migrantinnen und Migranten sollten auch ohne Vorliegen eines Impfausweises mƶglichst bald nach Einreise begonnen, ergƤnzt und dokumentiert werden.

1. Kwong JC et al: Acute myocardial infarction after laboratory-confirmed influenza infection. N Engl J Med 2018;378:345-53
2. Bundesamt für Gesundheit (BAG) und Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF): Bericht zur Grippesaison 2017/18. BAG Bulletin 2018; No32:9-21
3. Fireman B et al: Influenza vaccination and mortality: differentiating vaccine effects from bias. Am J Epidemiol 2009;170(5):650-6
4. Baxter R et al : Effect of influenza vaccination on hospitalizations in persons aged 50 years and older. Vaccine 2010;28(45):7267-72
5. Demicheli V et al: Vaccines for preventing influenza in healthy adults. Cochrane Database Syst Rev. 2018 Feb 1;2:CD001269
6. Bundesamt für Gesundheit (BAG) und Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF): Pneumokokkenimpfung: Empfehlungen zur Verhinderung von invasiven Pneumokokkenerkrankungen bei Risikogruppen. BAG Bulletin 2014;No8:129-141
7. Bundesamt für Gesundheit (BAG) und Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF): Empfehlungen zur Impfung gegen Herpes Zoster / « Gürtelrose». BAG Bulletin 2017;No47:12-15
8. Oxman MN et al: A vaccine to prevent herpes zoster and postherpetic neuralgia in older adults. N Engl J Med 2005;352(22):2271-84
9. Tarr P et al: Impfungen bei erwachsenen Flüchtlingen. Swiss Med Forum 2016;16(49-50):1075-1079