Matro – Wehrhafter Aussichtsgipfel

Die Bergkrete zwischen der Piano di Magadino und der Val d’Isone bietet nicht nur mit der Cima di Medeglia einen herrlichen Aussichtsgipfel. Ein Geheimtipp ist der weiter östlich gelegene, auf drei Seiten abschüssige Felskopf des Matro, der im Gegensatz zur Cima di Medeglia deutlich seltener bestiegen wird. Matro oder Màtar sind im Tessin Flurnamen, die markante, oft felsige Erhebungen im Gelände bezeichnen. Wir beginnen unseren Aufstieg bei der Kirche San Bartolomeo in Medeglia, an deren Aussenwänden Fresken einer Madonna (15. Jahrhundert), einer Verkündigung und des Martyriums einer Heiligen aus dem 18. Jahrhundert, sowie Reste einer möglicherweise spätgotischen Beweinung erhalten sind.1 Wir folgen den engen Gassen bergwärts in Richtung der Colma Piana bis zum oberen Rand des Dorfs. Dort stossen wir gegen Westen auf den durch die Val di Treccio führenden Zuweg zu den Monti di Medeglia. Dieser ist über eine weite Strecke noch sehr gut erhalten und gepflastert, auch wenn er seine frühere Funktion verloren hat, da die Maiensiedlungen in der Val di Treccio längst durch Fahrstrassen erschlossen sind. Auf einem markanten Felsrücken stossen wir auf eine alte Wegkapelle mit Fragmenten farbenfroher Fresken. Später kommen wir an den Häusern von Cugnöö du Göpp vorbei, bevor wir die Maiensiedlung Al Sass de Premusán erreichen. Dort steht zwischen den Häusern eine prächtige Buche mit weit ausladenden Ästen.

Wir umgehen den Hügel mit der Höhenquote 962 Meter gegen Westen und gelangen so auf ein Strässchen, das gegen Nordosten zu den Häusern von Camarè hinaufführt. Nach der Rechtskurve zweigt in nördlicher Richtung ein schmaler Pfad ab, der uns zu den Häusern von In Sèll bringt, die – nomen est omen – in einem Sattel liegen. Dort öffnet sich erstmals der Blick über die Piano di Magadino zu den Berghängen des Sopraceneri. Gleichenorts stossen wir auf die alte Militärstrasse, die nördlich der Krete, also geschützt vor einem in den Weltkriegen erwarteten Beschuss aus dem Süden, die Stellungen im Bereich des gesamten Bergkammes zwischen Cima di Dentro und Cima di Medeglia erschliesst. Bis unterhalb der Häuser von Pedrinasco kommen wir zweimal an in den Felsen geschlagenen Unterständen vorbei. Die Militärtrasse quert den stotzigen Südhang des Matro in ­Richtung des Westgrats. Kurz nachdem wir diesen passiert haben und die Strasse sich zu senken beginnt, zweigt bergwärts ein unscheinbarer schmaler Pfad ab, der offensichtlich vor nicht langer Zeit vom Gestrüpp befreit worden ist. Dieser führt uns in mehreren Kehren durch den steilen, von Felsen durchsetzten Hang direkt zum Gipfel des Matro hinauf. Hier gebietet das im Herbst und Winter am Boden liegende, ­trockene Gras zur Vorsicht und verlangt gutes Schuhwerk sowie Trittsicherheit. Es besteht die Möglichkeit, diese ­stotzige Wegpartie gegen Osten zu umgehen und über den nordöstlichen Gratrücken den Gipfel zu gewinnen.

Je mehr wir uns dem Gipfel auf dem direkten Pfad nähern, desto häufiger stossen wir auf alte Wegbefestigungen in Form von Trockensteinmauern und Treppen. Zuoberst ­erwarten uns dann gemauerte Lauf- und Schützengräben, die den gesamten Gipfel umschliessen. Im Schutz der Schützengräben wurden während des 1. Weltkrieges zudem Unterstände nach amerikanischem Vorbild erstellt. Diese bestehen aus halbkreisförmigen Tunnels aus Wellblech, die mehrere Meter in den Berg getrieben und mit einer dicken Schicht aus Erde uns Gestein überdeckt wurden. Gegen Süden führt zudem ein Laufgraben steil zu einem vorgelagerten Schützengraben hinunter, der auf einem Felsvorsprung liegt und den kleinen Passübergang bei Pedrinasco dominiert (Abb. 1 bis 3).


Für den Abstieg wählen wir den gemütlichen Pfad über den nordöstlichen Rücken bis zur Cima di Fuori, wo wir uns gegen Südosten wenden und der asphaltierten Fahrstrasse bis zu den Häusern von Boffalora folgen. Am Ende der Strasse beginnt talwärts des dort stehenden Gebäudes ein schmaler Pfad Richtung Medeglia. Um das Neujahr 2020 finden wir dort neue rot-weiss-rote Wegmarkierungen, der Zustand der Trasse dagegen ist schlecht. Vorerst führt diese noch gut sichtbar in wenigen Kehren zu Gebäuderuinen hinunter und verläuft von da an praktisch eben aus, aber kaum erkennbar bis in die erste Runse. Zahlreiche Wildwechsel sollen nicht dazu verleiten, sich bereits in diesem Bereich talwärts zu wenden. Erst nach der Runse fällt der Pfad stetig, an einer Stelle sogar stotzig Richtung Medeglia ab. Hier ist erneut und insbesondere bei viel trockenem oder feuchtem Laub am Boden Vorsicht sowie Trittsicherheit notwendig.

Kurz vor Medeglia lassen wir den markierten Weg Richtung Westen bergwärts liegen und gelangen so zur Wasserfassung beim Sasso di Rovegno. Durch das Tälchen zwischen dem Felskopf und dem Südhang der Colma Piana finden wir auf Pfadspuren zu einer von Trockensteinmauern gesäumten Gasse hinunter, durch die wir im Dorf auf den Beginn unserer Aufstiegsroute stossen (Abb. 4).

Leserinnen und Leser, die gerne einmal eine Bergtour mit dem ­Autor der Wandertipps unternehmen möchten, können ihr ­Interesse per E-Mail an christian.besimo@bluewin.ch anmelden und werden darauf über geplante Wanderungen informiert.

Prof. Dr. med. dent. Christian E. Besimo

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Kleine Wanderung zum Hochmoor am Pilatus

Die gedeckte Holzbrücke über den Ränggbach zwischen Oberrodel südwestlich von Kriens bei Luzern und Hergiswald wurde 1791 von Josef Ritter erbaut. Diese historische Druckbogenbrücke musste im Lauf der Zeit mehrfach den sich wandelnden Erfordernissen des Verkehrs angepasst werden. So wurde neben anderen Massnahmen das Dach angehoben, bis die Brücke den wachsenden Fahrzeugdimensionen und Belastungen endgültig nicht mehr gewachsen war. 2012 erfolgte deshalb flussabwärts ein neue, filigranere Brückenkonstruktion in Zugbogenbauweise. Die alte Hergiswaldbrücke wurde durch feine Zimmermannsarbeit in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt und gilt heute als älteste erhaltene Holzbogenbrücke der Schweiz. Dieses gelungene Nebeneinander von Alt und Neu zeigt die faszinierende Weiterentwicklung des modernen Holzbaus.


Wir beginnen unsere gemütliche Rundwanderung beim Parkplatz gleich neben den Holzbrücken. Wir benutzen den Weg zwischen Ränggbach und Hergiswaldstrasse bergwärts bis zum Zufluss des Rotbachs. Durch dessen stotziges Tobel steigen wir nun zum Hochmoor südwestlich der Krienseregg hinauf. Kurz vor Erreichen der ersten Ebene überwinden wir auf einer sehr steilen Steintreppe die letzte Felsstufe des Tobels (Abb. 1).

Wir queren das Fahrsträsschen gleich nach der Schlucht und durchsteigen auch noch den Hang im Wald östlich der Gibelegg bis zur Ricketschwendistrasse. Dieser folgen wir nach Osten bis zur Einmündung in die Kreuzstrasse. Dort liegt das heimelige Naturfreundehaus Krienseregg, wo wir im Anblick des verschneiten Pilatus einkehren und währschaft zu Mittag essen (Abb. 2).

Mit vollem Magen wenden wir uns nach Norden, überschreiten nach wenigen Metern den hier noch harmlosen Rotbach und durchqueren auf dem Kriensereggweg das Foremoss bis zum ersten nach Norden abgehenden Weg. Dieser führt uns nach kurzem Anstieg durch den Wald von Schärersrüti zum Chäsgade hinunter. Hier öffnet sich der Blick auf die Kirche von Hergiswald sowie über den Sempachersee hinaus bis zum Jura (Abb. 3).

Die Dampfsäulen der Kernkraftwerke von Leibstadt und Gösgen helfen bei der Orientierung. An der Wegkreuzung beim Geländepunkt 973 Meter wenden wir uns weiter talwärts Richtung Westen und gelangen so bald einmal an den Rand des Rotbachtobels, dem wir bis zum Bauernhof von Oberschwendi folgen. Auf dem Fahrsträsschen Richtung Vorderschwendi erreichen wir den Waldstreifen, in dem der Chrienbach verläuft. Diesem entlang gelangen wir zur Zufahrtsstrasse von Hinterschwendi, wo ein Weg beginnt, der Richtung Nordwesten zum nächst tieferen Waldrand hinunterführt. Bei der Weggabelung wenden wir uns dem linken, exakt nach Norden weisenden Hohlweg zu, über den wir steil abwärts an den unteren Waldrand bei den Häusern von Oberrodel gelangen. Nun sind es nur noch ein paar Schritte bis zur alten Hergiswaldbrücke und dem Ausgangspunkt unserer kurzen Wanderung zurück, der südwestlich liegt (Abb. 4).

Prof. Dr. med. dent. Christian E. Besimo

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Eine Zweitagestour fern touristischer Hektik

Diese herrliche Zweitagestour hoch über der Piano di Magadino ist in der vorliegenden Form erst aus einer Improvisation heraus entstanden, zu der uns der unerwartet viele Neuschnee in den Bergen gezwungen hat. Am Ende der Zweitagestour hat uns aber die angepasste Routenwahl überzeugt, weshalb wir dieser einen speziellen Namen gegeben haben – die Via alta Magadinese VAM.

Die erste Tagesetappe beginnt in Monte Carasso bei der Bushaltestelle Cunvént. 150 Meter südwestlich zweigt bergwärts eine Strasse ab, die uns zum Beginn des Saumpfades führt, über den wir, an der Chiesa Santa Trinità vorbei, nach rund einer Stunde jene von San Bernardo erreichen. Wer die Kirche betritt, wird von einem unerwartet farbigen und stilreichen Bilderzyklus überrascht, der vom späten Mittelalter über die Renaissance bis in die Barockzeit reicht (Kirche in der Hauptsaison tagsüber geöffnet, übrige Zeit Schlüssel im nahe gelegenen Ristorante Ostello Curzútt erhältlich). Uns haben die Fresken über eine Stunde lang in ihren Bann gezogen, deren Beschreibung würde aber den Rahmen dieses Tourenberichts bei weitem sprengen. Bergwärts der mehrfach umgebauten und erweiterten Kirche sind noch das Pfarr- und Beinhaus erhalten. Im Gegensatz zu heute lagen die Dauersiedlungen früher nicht in der von Malaria verseuchten und wiederkehrend von Hochwassern heimgesuchten Piano di Magadino, sondern im unteren Teil der vor allem nach Süden ausgerichteten Berghänge. In Curzútt lebten bis zu 900 Personen, deren Siedlungsspuren noch heute im Wald deutlich zu erkennen sind. Die frühere Grösse und somit Bedeutung dieser Siedlung dürften die prunkvollen Fresken erklären, die zum Teil der berühmten Malerfamilie der Seregnesi aus Lugano zugeschrieben werden.

Gegen Osten vorerst an-, dann absteigend erreichen wir nach kurzer Zeit den Ponte Tibetano, eine weit gespannte Hängebrücke über die Valle di Sementina. Diese stabile Stahlkonstruktion bietet zwar einen atemberaubenden Tiefblick in das tief eingeschnittene Tal, vermag aber nicht den Nervenkitzel zu verursachen, den wir vor vielen Jahren auf Hängebrücken in Nepal erlebten, die auf das absolut Notwendige reduziert waren und erbärmlich schaukelten.

Auf der gegenüberliegenden Talseite erreichen wir die südwestliche Talkante und die verstreut in Waldlichtungen liegenden Monti della Costa. Über weite Kehren durch lichten Birkenwald und vorbei an den Maiensiedlungen Gana, Cantìr Marsc, Ghiringhelli und Canva gewinnen wir schliesslich den Sattel westlich des Mött. Nun bleibt noch ein letzter Hang mit Buchenwald zu überwinden, bevor wir aus dessen kühlendem Schatten auf die Breite Hangschulter mit der ehemaligen Alp und der Capanna Mognone hinaustreten. Hier weitet sich der Blick weit über die im Dunst liegende Piano di Magadino hinaus, ein herrlicher Ort zum Übernachten. Die Selbstversorgerhütte bietet allen notwendigen Komfort vom Gas- und Holzkochherd, Schlafraum mit Decken bis hin zur Toilette und Dusche. Nur eben den Proviant muss er oder sie selbst hochtragen. Noch luftiger liegt die Alpe Morisciolo, deren malerischen Anblick man sich auf einem kleinen Abendspaziergang auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Zudem gewinnt man von der nahe gelegenen Cimetta d’ Orino aus einen eindrücklichen Blick auf die Siedlungen der Alpe di Ruscada.

Der zweite Tag beginnt gemütlich mit einer Traverse zur etwas tiefer gelegenen Alpe Orino im Westen, wo eine weitere Selbstversorgerhütte liegt. Über eine weite Kehre gegen Nordosten gelangen wir zu einer Carbonera, einer Stelle, wo früher Kohlenmeiler betrieben wurden. Noch heute finden sich an diesen Stellen Holzkohlestücke in der schwarzen Erde. Hier zweigt nach Westen der schmale Pfad zum Corte di Mezzo der Alpe di Ruscada ab. Dieser Wegabschnitt ist in seinem ersten Teil exponiert und erfordert Trittsicherheit. Nach Erreichen der Alphütten verlassen wir diesen obersten Teil der Valle di Cugnasco gleich wieder in westlicher Richtung zur Forcola hinauf, da uns der viele Schnee den Übergang zur Capanna Borgna verwehrt. Die Forcola gewährt einen wunderbaren Blick in die Val della Porta mit seinen diversen Alpsiedlungen und auf den Pizzo di Vogorno.

In südwestlicher Richtung steigen wir zu den Monti di Colla und Monti della Gana ab, bei deren untersten Häusern der Verbindungsweg zu den gleich hoch gelegenen Monti di Gola Secca nach Westen abzweigt. Auf den Monti di Gola Secca beginnt bei der obersten Ruine der Weg zur Alpe di Foppiana hinauf, den wir aber kurz nach einer Wasserfassung eben aus wieder verlassen, um die Gratschulter am Ausgang der Valle Verzasca zu erreichen, die uns über die Monti della Scesa zu den Monti di Motti hinunterleitet. Das kurze Stück Fahrstrasse ist zwar lästig, dafür braucht man sich auf diesem Abschnitt für einmal nicht darauf zu konzentrieren, wohin man seine Füsse stellt. Zudem entschädigt die Sicht auf die Verzascheser Berge für die Unbequemlichkeit des Hartbelags. Nach kurzer Einkehr im Grotto steigen wir über die immer gleiche Talkante und die Monti di Metri nach Gordemo ab, einem Dorfteil von Gordola. Hier führen viele Wege zu den an der Strasse in die Valle Verzasca gelegenen Häusern von Scalate hinunter, wo, ‚nomen est omen‘, uns ein steiler Treppenweg erwartet. Dieser lässt uns nochmals die vielen überwundenen Höhenmeter spüren und bringt uns zur Strassenbrücke über die Verzasca hinunter. Beim Dorfplatz von Tenero wenden wir uns gegen Süden und erreichen nach wenigen Minuten den Bahnhof (Abb. 4).

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Adlerhorst hoch über dem Glacier du Trient

Diese aussichtsreiche Bergtour beginnt auf dem Col de la Forclaz im Unterwallis und führt auf den Bonhomme, einem Gipfel der Arête de la Lys, die neben anderen Gipfeln die Täler von Champex und Trient voneinander trennt. Der Name des Gipfels ist auf der Landeskarte 1:25000 nicht aufgeführt. Es handelt sich um den Geländepunkt 2700 Meter südöstlich der Pointe Ronde. Wie häufig in diesem Sommer herrscht schon am Morgen eine Gewitter versprechende Schwüle. Deshalb brechen wir schon zeitig auf und verlassen den Col de la Forclaz gegen Osten auf dem Weg nach Champex, der Teil des Rundweges um den Mont Blanc ist. Doch zu so früher Stunde ist die solchen Wegen folgende Masse von Touristen noch nicht unterwegs und haben wir den Aufstieg für uns alleine.

Zu Beginn verläuft der Weg fast eben aus und beginnt nur allmählich anzusteigen, bis er sich in mehreren steilen Kehren durch den Bergwald bis zur Alp La Giète hinaufwindet. Diese liegt im engen Kessel von La Lui unterhalb des Gratrückens, den wir später auf dem Weg zum Gipfel des Bonhomme begehen werden. Glockengeläute empfängt uns auf der Alplichtung und die Eringerkühe sprenkeln schwarz die kargen Weiden oberhalb der Alphütten.

Der Weg durch den immer steiler gegen Martigny abfallenden Wald nach der Alp wird wesentlich steiler und eröffnet eine atemberaubende Aussicht das Rhonetal aufwärts und hinaus in Richtung Genfersee. Dort, wo wir den Wald kurz vor der Alpage de Bovine verlassen, wenden wir uns, der Einkehr vorerst einmal entsagend, gegen Süden und folgen den stellenweise spärlichen Wegspuren hangaufwärts entlang des Gratrückens, der nach La Giète abfällt.

Auf dem Buckel, der die Höhenquote 2259 Meter trägt, orientieren wir uns erneut (Abb. 1). Der Gipfel scheint kein bisschen näher gekommen zu sein. Doch der Schein trügt etwas und man sollte sich keinesfalls entmutigen lassen. Am einfachsten benutzt man die Pfadspuren, die vom kleinen Sattel im Süden durch das Tälchen von Les Combés hinaufführt. Sobald das Gelände unterhalb der Kuppe mit der Höhenquote 2528,0 Meter steiler wird, weichen wir gegen Westen zum Grat aus und gelangen so zu diesem Geländepunkt oberhalb der Senke mit dem kleinen Lac de Bovine. Hier oben weidet, dem Ortsnamen entsprechend, eine Reihe von Rindern und scheint auch rege den See zu benutzen, wie die bräunliche Brühe vermuten lässt. Wir vermeiden Pfadspuren, die in den steilen Wiesenhang hineinführen und erreichen entlang dem Grat den Gipfel des Bonhomme.

Atemberaubend ist nun der Tiefblick in das Tal von Trient und auf den zerschrundenen, in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangenen Glacier du Trient. An den steilen Hängen der gegenüberliegenden Talseite kleben die Alphütten von Les Petoudes und Les Grands, wo die gleichnamige Schutzhütte der SAC-Sektion Les Diablerets liegt. Ein herrlicher Höhenweg, den wir bereits früher einmal beschrieben haben, verbindet diese Hütte mit jener auf dem Col de Balme.

Nur schweren Herzens können wir uns von dieser herrlichen Rundsicht trennen, die von den Dents du Midi, über die Aiguille du Tour, Aiguille d‘Argentière, Aiguilles Dorées, bis hin zur Ruinette, dem Mont Blanc de Cheilon und zur Dent Blanche reicht. Auf der gegenüberliegenden Seite des Rhonetals dominieren die Dent de Morcle, Grand Chavalard, Haut de Cry, Les Diablerets und das Wildhorn (Abb. 3).

Bis in den kleinen Sattel vor der Kuppe 2259 Meter halten wir uns an die Aufstiegsroute. Wir queren deren Südosthang bis zum Kreuz auf 2098 Meter Höhe. Von da weg folgen wir vorerst dem Gratrücken gegen Nordosten bis zum nächsten Sattel und steigen dann direkt zu den Alphütten von Bovine ab, die zwischen Juni und September offen ist und Unterkunft sowie Verpflegung anbietet (Abb. 2).

Hier erfrischen wir uns mit einem kalten Getränk, bevor wir auf gleichem Weg zum Col de la Forclaz zurückkehren (Abb. 4). Rasch aufziehende Gewitterwolken bewahren uns auch jetzt vor einer grösseren Völkerwanderung. Auf dem Bonhomme braucht man sich dafür kaum vor einer grösseren Menschenansammlung zu fürchten. In der Regel hat man diesen Gipfel für sich oder teilt ihn mit Gleichgesinnten.

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Ein stotziger Grat für schneefreie Zeiten

Dicker Nebel lastet auf dem Zugerberg, während wir von Walchwil die steile Strasse über Äsch, Obergaden und den Hof Chatzen­strick zur Chatzenbergegg hochfahren. Hier biegen wir gegen Südosten ab und folgen dem Strässchen bergwärts bis zum Waldrand vor dem Hochmoor Heumoos, Höhenquote 1042 m. Hier beginnt unser Anmarsch zum Nordgrat des Gnipen, dem westlichsten Gipfel des Rossbergs. Es ist ein düsterer Januartag und wir haben für einmal keine Hoffnung, die hoch liegende Nebeldecke zu durch­stossen. Föhn und Regen haben den Schnee auf der Süd- und Westseite des Rossbergs bereits wieder stark abgetragen, wogegen wir auf der Nordseite noch winterliche Verhältnisse erwarten.

In östlicher Richtung verläuft ein Weg entlang des Waldrandes zur Heumoosegg, wo dieser sich verzweigt. Wir wählen den oberen Weg, über den wir immer mehr gegen Süden drehend auf den Nordgrat des Gnipen gelangen (Abb. 1). Der untere Weg würde ins Alpli­bachtal hineinführen, durch welches man ebenfalls zum Gnipen und Wildspitz aufsteigen kann. Am Anfang des Gnipengrätlis steht eine kleine Schutzhütte mit Kochherd, Tisch und Bänken. Nach kurzer Rast steigen wir entlang des zu Beginn breiten Gratrückens auf.
Hier ist der verregnete Schnee nun aber beinhart gefroren und je steiler der Grat wird, desto häufiger müssen wir mühsam Stufen treten, was der Vereisung wegen nur schwer gelingt.

Der Nordgrat des Gnipen schwingt sich in zwei Steilstufen über Unter und Ober Beichli zum Gipfel hoch. An beiden Stellen verschmälert er sich und fällt gegen Osten steil ab. Die vereinzelten Nagelfluhbänder wären im Sommer problemlos zu meistern, doch unter den gegebenen Verhältnissen gerät der Aufstieg zu einer Eistour, bei der Steigeisen und ein Pickel sehr hilfreich wären. So bleibt uns nichts anderes übrig, als kräfteraubend Stufe für Stufe zu treten, jeden Sturz vermeidend, der des vereisten Schnees wegen nicht aufzuhalten wäre. Eine Winterbegehung des Grates soll also jenen vorbehalten bleiben, die in Firn und Eis ausgebildet und trittsicher sind.

Auf Unter Beichli erlaubt ein kurzer ebener Abschnitt eine Verschnaufpause, bevor es wieder steil wird und der Ausstieg zum Ober Beichli durch eine letzte, mehrere Meter hohe Nagelfluhbank führt, die mit einem Stahlseil gesichert ist (Abb. 2). Dieses liegt aber unter Schnee und Eis begraben und muss vorerst mit Hilfe der Stöcke und von Hand freigelegt werden, bevor wir es als Steighilfe im
vereisten Fels verwenden können. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Gipfel des Gnipen und zur Abrissstelle des Goldauer Bergsturzes vom 2. September 1806. Der Tiefblick über die rund 30° gegen Süden geneigten Nagelfluhbänke wäre atemberaubend. Nur verwehrt uns heute der Nebel weiterhin die Sicht und müssen wir uns mit der Lektüre der Informationstafeln zufrieden geben (siehe auch www.goldauerbergsturz.ch) (Abb. 3). Damals donnerten auf nach wochenlangem Regen seifig aufgeweichten Mergelschichten zwischen 30 und 40 Millionen Kubikmeter Gestein zu Tal und zerstörten die Dörfer Röthen, Buosingen und Goldau. 457 Menschen verloren dabei ihr Leben. Mitursache für den Bergsturz war ein Seitenarm des Reussgletschers, der den unteren Teil der schräg gegen Norden aufgerichteten Gesteinsschichten abgetragen und so ihres Widerlagers beraubt hatte. Der Schuttkegel war mehrere hundert Meter breit und fast zwei Kilometer breit. Er erreichte eine Höhe von bis zu 80 Metern und füllte den westlichen Teil des Lauerzersees auf. Eine Flutwelle zerstörte in Lauerz Häuser und kostete auch dort einigen Menschen das Leben. Noch grösser war der prähistorische Oberarther Bergsturz kurz nach der letzten Eiszeit. Zudem hatte 1222 ein nordwestlich des Gribsch abgegangener Bergsturz schon einmal das Dorf Röthen getroffen. Auch heute noch kommt der Berg nicht zur Ruhe, brachen doch 2005 am Gribsch weitere rund 100‘000 m3 Gestein ab und fuhren in den darunter liegenden Wald.

Abb. 4: Routenverlauf

Unser Abstieg führt uns über den Gratkamm gegen Südwesten zu den Weideflächen der Spitzbühlalp hinunter. Des vereisten Schnees wegen verzichten wir auf den Zickzackpfad, der beim Stallgebäude auf der Höhenquote 1388 m gegen Nordosten zum Dürrenboden hinunterführt. Wir folgen weiter dem Gratrücken bis zur Höhenquote 1278 m, wo wir das Fahrsträsschen erreichen, das den Dürrenboden mit der oberen Hütte der Spitzbühlalp verbindet. Auf Dürrenboden wenden wir uns gegen Norden und erreichen über einen Feldweg nach kurzer Zeit wieder das Moor Heumoos und den Ausgangspunkt unserer kleinen, bei winterlichen Verhältnissen herausfordernden Rundtour.

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Über Eggen, Flüe und Stöcke

Den Auftieg zur Rotenflue, den wir schon oft zu allen Jahreszeiten hinauf wie hinunter gegangen sind, ersparen wir uns und benutzen die Gondelbahn, die mit dem Generalabonnement gratis benutzt werden kann, mit dem Halbtax zum halben Preis. Die Talstation in Rickenbach ist mit dem Bus vom Bahnhof oder Hauptplatz in Schwyz erreichbar. Nach Verlassen der Bergstation wenden wir uns dem Skilifthäuschen im Osten zu und finden so den in gleiche Richtung weisenden Gratrücken, der uns weglos zum Karrenweg zur Müsliegg und weiter zur Alpwirtschaft und Alpkäserei Zwäcken hinunterbringt. Hier bietet sich nach dem Bergstubli auf der Rotenflue die nächste Einkehrmöglichkeit. Gleich bei der Hütte zweigt ein Weg gegen Nordosten ab und führt bei der Halbegg zum Grat hinauf, über den wir den Furggelenstock erreichen. Hier erwartet uns ein weites Panorama über das Hoch-Ybrig-Gebiet hinaus zum Glärnisch, Tödi, Clariden und Schärhorn, bis hin zu den Urner Bergen (Abb. 1). Im Vordergrund liegen die Klippen des Grossen und Kleinen Mythen, des Chli- und Gross-Schijen, des Roggenstocks sowie des Chli und Gross Aubrig, die während der alpinen Gebirgsbildung von ihren Deckenfronten abgebrochen und auf teilweise jüngerem Untergrund gegen Norden abgeglitten sind. Wir befinden uns nun inmitten des weitläufigen Naturschutzgebietes der Ibergeregg, das eine einmalige Hochmoorlandschaft umschliesst.

Etwas stotzig steigen wir zur Furggelen ab, wo die gemütliche und gastfreundliche Alpwirtschaft Furggelen liegt. Hier wartet die herzliche, aus Bayern stammende Gastwirtin mit allerlei Spezialitäten auf. Selbst die Sonnencreme auf jedem Tisch der Terrasse darf nicht fehlen. Nördlich der Hütte tauchen wir in einen besonders reizvoll, nordisch anmutenden Teil des Hochmoors ein. Jetzt im Spätsommer blühen hier der blaue Eisenhut und der Schwalbenwurz-Enzian. Zwischen den Bäumen tauchen immer wieder die jenseits des Alptals wuchtig aufragenden Mythen auf (Abb. 2 und 3). Über ein paar steile Kehren erreichen wir schliesslich die Butziflue. Hier teilt sich der Grat in zwei Schenkel, die die Jäntenenruns begrenzen. Wir wählen den Weg über den östlichen Grat, der im Bereich des längsgezogenen Gschwändstocks stellenweise recht schmal ist und vor allem gegen Norden über Felsbänke mitunter senkrecht abfällt. Der Weg ist aber gut und kann bei entsprechender Achtsamkeit ohne Schwierigkeiten begangen werden. Im Winter jedoch kann diese Passage in Abhängigkeit der Schneeverhältnisse gefährlich sein. Durch dunklen Wald gelangen wir schliesslich zu den Weiden der Rägenegg, wo sich der Blick wieder weitet.

Weiter dem erneut breiten Gratrücken folgend führt uns der Weg zur nächsten Erhebung, dem Spital. Von hier aus queren wir am Stall der Bögliegg vorbei und über einen Sattel zum nördlich gelegenen Hügel mit der Höhenquote 1498 Meter hinüber. Noch vor Erreichen des höchsten Punktes zweigt gegen Norden ein Waldweg ab, der durch den Mösliwald und über den Hummel mit herrlichem Blick auf den Siehlsee zu den Häusern von Unterhummel hinunterleitet. Gleich bei dieser Abzweigung fallen wir im Wald der Blauzungenkrankheit zum Opfer, die, wie deren Name besagt, schlagartig nicht nur die Zunge, sondern auch die Finger dunkelblau zu färben vermag. Die Ursache ist natürlich ein Feld von grossen Heidelbeeren, die wir gleich hampfelweise geniessen.

Am Stallgebäude von Unterhummel vorbei folgen wir gegen Nordosten dem Wiesenrücken bis zum Waldrand hinunter. Hier beginnt ein Zickzackpfad, der stotzig und direkt zu den Höfen von Rotmoos hinunterführt. An Fleugenberg mit der Damhirschzucht vorbei erreichen wir schliesslich über Wiesen den Grossbach. Der Verlauf dieses Wegabschnitts lässt sich anhand der in den Wiesen verlegten Steinplatten erkennen. Gleich über die erste Brücke finden wir nach Ebenau und zur dortigen Bushaltestelle (Abb. 4). Gleich gegenüber dieser befindet sich der Landgasthof Seeblick, der sich als kulinarischer Abschluss zu dieser doch etwas längeren Wanderung geradezu anbietet. Im warmen Spätsommer ist natürlich auch ein erfrischendes Bad im nahen Sihlsee nicht falsch; also den Badeanzug nicht vergessen.

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