Rheumatoide Arthritis in der Hausarztpraxis – Was ist vor und wƤhrend der Therapie zu beachten?

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Akutes oligurisches Nierenversagen – Bauchgefühl gegen Bildgebung

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Mit dem Delir auf Irrwegen

Anamnese und Befunde

Ein 75-jähriger Patient stürzte auf der Treppe. Nach Ausschluss schwerer Verletzungen wurde der Patient zur geriatrischen Akutrehabilitation und Sturzabklärung aufgenommen. Auf der Notfallstation wurden ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, diverse Kontusionen sowie Elektrolytstörungen (Hyponatriämie 132 mmol/l, Hypokali­ämie 2.8 mmol/l) diagnostiziert. Zudem zeigten sich erhöhte Creatin-Kinase- (509 U/l, Referenz < 200 U/l) und erhöhte Myoglobinwerte (189 µg/l, Referenz < 140 µg/l). Bekannte Vorerkrankungen waren eine Hepatitis-B-bedingte, kompensierte Leberzirrhose Child Pugh A, eine chronische Bronchitis, eine arterielle Hypertonie, ein Diabetes mellitus Typ 2 und rezidivierende Lumbago. Bei Übertritt in die Geriatrie fanden wir keine weiteren Verletzungen. Fremdanamnese und kognitive und psychiatrische Tests ergaben eine leichte Beeinträchtigung (MMS 25/30, UT 2/7), jedoch keine affektive Störung (Geriatric Depression Scale [GDS]). Der Medikationsplan zeigte eine Polypharmazie mit Tiotropium, Budesonid Nasenspray, Acetylcystein, Losartan, Hydrochlorothiazid, Torasemid, Metoprolol, Amlodipin, Gliclazid, Tenofovir, Zolpidem und Lorazepam.

Aufgrund der Anamnese, klinischer Untersuchung, repetitiv normwertiger Blutzuckerwerte, unauffƤlliger SchƤdel-CT und unauffƤlligem EKG erschien uns ein zentraler oder peripher Schwindel sowie kardiale, metabolische oder neurologische Ursachen trotz leichter orthostatischer Dysregulation in der Schellong-Untersuchung unwahrscheinlich. Die erhƶhten Creatin-Kinase- und Myoglobinwerte schrieben wir den Kontusionen und der Nierenfunktionsstƶrung und den Elektrolytstƶrungen der diuretischen Therapie zu.

Die erste Woche des Krankenhausaufenthalts verlief ereignislos. In der Nacht zum 8. Tag war der Patient motorisch unruhig mit gesteigertem Antrieb und nestelndem Verhalten. Er war rasch reizbar, abschweifend, sprunghaft, zeitlich desorientiert und litt unter Schlaflosigkeit. Am folgenden Tag klagte er über Rückenschmerzen und stromschlagartigen Missempfindungen in den Oberschenkeln ohne Dermatombezug. Die Symptome blieben über den Tag stabil.

Erste differenzialdiagnostische Über­legungen

Wir stellten die Verdachtsdiagnose eines hyperaktiven Delirs, wofür die einzige Therapie die Ursachenbehebung darstellt. Daher sollten rasch eine strukturierte Ursachensuche mit Anamnese und Fremdanamnese, insbesondere zu Alkohol, Suchtmitteln und Medikamenten, sowie eine fokussierte neurologisch-psychiatrische körperliche Untersuchung erfolgen. Vervollständigt wird diese mit den notwendigsten apparativen Tests. Ziel ist das rasche Erkennen behebbarer Ursachen wie Entzugssyndrome, Fehlmedikationen, Harnverhalt, Obstipation oder metabolischen, kardialen und zentralnervösen Störungen. Eine Überdiagnostik ist häufig und sollte vermieden werden (1). Wir konnten keine erklärende Ursache finden. Aufgrund der starken Agitation verschrieben wir niedrig dosiert Quetiapin.

Weiterer Verlauf

Am folgenden Abend traten tonisch-klonische KrampfanfƤlle auf, die wir mit Midazolam durchbrachen. Ein EEG zeigte keine epilepsietypischen Potenziale. Zur Prophylaxe weiterer KrampfanfƤlle verordneten wir Clobazam. Die geplante SchƤdel-MRT mussten wir wegen des Verdachts auf Aspiration kleiner Magneten von der Magnettafel im Patientenzimmer absagen. Die Magnete waren in Thorax- und Abdomen-Rƶntgen nicht nachweisbar.

Die nun erst geführte Fremdanamnese ergab eine bisher unbekannte Einnahme von Amitriptylin (Saroten retard®, mindestens 150 mg täglich). Die Indikation und der Bezugsweg blieben trotz Nachfragen beim Gastroenterologen (gleichzeitig Hausarzt), Chiropraktiker und lange nicht konsultierten Psychiater unklar. Der behandelnde Psychologe war nicht erreichbar. Fremdanamnestisch wurde eine unipolare Depression vermutet.

Diagnose

Wir revidierten die Diagnose eines hyperaktiven Delirs. Retrospektiv war das Diagnosekriterium der Fluktuation der Symptome nicht erfüllt. Die anderen Kriterien, nämlich plötzlicher Beginn, Aufmerksamkeits-, Bewusstseins- und kognitiv-emotionale Störungen, waren vorhanden (1).
Wir diagnostizierten ein Antidepressiva-Entzugssyndrom (ADS) nach abruptem Absetzen von Amitriptylin. Die KrampfanfƤlle interpretierten wir als akute symptomatische AnfƤlle durch die hohe Amitriptylin-Dosis, den plƶtzlichen Stopp und das neu eingeführte Quetiapin. Zu diskutieren bleibt eine unzureichende Lorazepam-Dosierung und Abgabe. Aufgrund der Anfallsfreiheit, fehlender fokal-neurologischer Defizite, normalisierter Laborwerte und unauffƤlligem cCT am Eintrittstag verzichteten wir auf eine SchƤdel-MRT. Im weiteren Verlauf normalisierte sich das Verhalten, und es trat keine affektive Stƶrung auf, sodass Amitriptylin nicht erneut verabreicht wurde. Wir konnten den Patienten nach Hause entlassen. Der zeitliche Ablauf ist in Abb. 1 dargestellt.

Kommentar

Ein ADS kann nach Absetzen der meisten Antidepressiva (AD) auftreten (2), mit dem grƶssten Risiko bei MAO-Hemmern, trizyklischen Antidepressiva (TZA), Paroxetin und Venlaflaxin (3, 4). Die Inzidenz liegt etwa bei 15 %, davon entwickeln ca. 3 % schwerwiegende Symptome (5). HƤufigkeit, Schwere und Dauer eines ADS kƶnnten allerdings unterschƤtzt werden (6). Begünstigende Faktoren sind in Tab. 1 zusammengefasst. Symptome treten meist innert der ersten 7 Tage nach Absetzen auf (3, 4).

Das Akronym «FINISH» (flu-like symptoms, insomina [with vivid dreams and nightmares], nausea, imbalance, sensory disturbances, hyperarousal) fasst die häufigsten Symptome zusammen (4). Der Patient beschrieb stromschlagartige Missempfindungen in den Beinen («body zaps»/»brain zaps»), die typischerweise mit dem Absetzen von SSRI assoziiert sind (3, 4). Eine Nennung im Zusammenhang mit dem Absetzen eines TZA konnten wir in der Literatur nicht finden. Das ADS ist meistens selbstlimitierend und dauert typischerweise ca. 2 Wochen (3, 6), kann jedoch auch Monate bis Jahre andauern (2, 6, 7).

Krampfanfälle werden in der Literatur nicht direkt mit einem ADS in Verbindung gebracht. Depression (8) und die Einnahme von Antidepressiva (AD) erhöhen jedoch das Risiko für Krampfanfälle, wobei unklar bleibt, welche AD das höchste Risiko bergen (9, 10). Ein erhöhtes Risiko besteht besonders kurz nach Beginn oder Absetzen der Medikation (10).

Ein ADS wird oft als Rezidiv der psychiatrischen Grunderkrankung oder als Therapieversagen fehlinterpretiert. Bei unipolaren Stƶrungen kann dies fƤlschlicherweise zur Diagnose einer bipolaren Stƶrung führen, wenn das ADS hypomanische oder manische Symptome zeigt (3). Diagnosekriterien des ADS nach DSM-5 sind in Tab. 2 zusammengefasst. Zur Unterscheidung zwischen ADS und Grunderkrankung ist die Beurteilung der SymptomverlƤufe nach Absetzen und Wiederaufnahme der Medikation hilfreich. Ein ADS tritt meist innerhalb von zwei Wochen auf, wƤhrend eine depressive Episode eher nach 4–8 Wochen einsetzt (11). ZusƤtzlich zu den psychischen Symptomen sind kƶrperliche Beschwerden (7) oder exzessives TrƤumen oder AlbtrƤume (4) hƤufig. Die Symptome zeigen typischerweise einen wellenfƶrmigen Verlauf (7). Bei einem Rezidiv Ƥhneln die Symptome der Grunderkrankung und gehen meist mit weniger kƶrperlichen Beschwerden einher. Nach erneuter Einnahme der abgesetzten Medikamente klingt ein ADS typischerweise innerhalb weniger Tage ab (2, 3, 7).

Ein langsames Ausschleichen des AD über mindestens 4 Wochen oder über Monate kann das Risiko eines ADS mƶglicherweise reduzieren (4, 7, 11). Die Geschwindigkeit sollte individuell angepasst werden, basierend auf Wirkstoffklasse, Dosierung, Erfahrung des Patienten und Risikofaktoren (Tab. 1) (3). Fluoxetin birgt, aufgrund seiner langen Halbwertszeit, das geringste ADS-Risiko. Bei hohem ADS-Risiko kƶnnen ein Wechsel zu Fluoxetin vor dem Absetzen eines SSRI oder Venlafaxin und anschliessendes Ausschleichen sinnvoll sein (4, 7). Ein ADS kann jedoch nach dem Ausschleichen von Fluoxetin auch verzƶgert auftreten (6, 7).

Eine Therapie ist aufgrund der häufig milden und selbstlimitierenden Symptome selten notwendig. Kurzfristig können symptomatisch Benzodiazepine oder nach TZA-Stopp Anticholinergika eingesetzt werden. Bei starken ADS-Symptomen kann das AD wieder gestartet werden (3, 4). Zur Vermeidung von Fehldiagnosen und Übertherapie sollten das ADS frühzeitig thematisiert und ein Therapieplan erstellt werden (2, 4).

Beim Absetzen eines AD in der Behandlung einer unipolaren Depression sollten ein Rezidiv als auch ein ADS frühzeitig erfasst und entsprechende Massnahmen ergriffen werden (12–14). Eine Idee, wie das Absetzen durchgeführt werden kƶnnte, findet sich in Tab. 3.

Dieser Fallbericht betont die Wichtigkeit einer vollständigen Anamnese und Fremdanamnese für die Differenzialdiagnose sowie die Herausforderungen bei Multimorbidität und Polypharmazie. Durch eine frühzeitige und umfassende Anamnese hätten wir das ADS bei unserem Patienten möglicherweise verhindern können.

Eine korrekte Medikamentenanamnese und ein vollstƤndiger Medikationsplan sind essenziell für die Patientensicherheit. Die Stiftung Patientensicherheit schƤtzt, dass jƤhrlich 20 000 Spitalaufenthalte auf medikamentenbedingte Probleme zurückzuführen sind (15). Insbesondere an Schnittstellen (z. B. Wechsel von ambulant zu stationƤr) kommt es zu Medikamentenfehlern (15). Ein vollstƤndiger Medikationsplan umfasst verschriebene, alternativmedizinische und nicht verschreibungspflichtige Medikamente sowie unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) und Allergien. Handschriftliche PlƤne erhƶhen das Risiko für Medikamentenfehler (16). Die Medikamentenanamnese ist am sichersten, wenn der Plan mit Patienten, Angehƶrigen und dem Behandlungsteam besprochen und mit der Patientengeschichte abgeglichen wird. Nach Schnittstellenereignissen ist eine zeitnahe Überprüfung sinnvoll. MedikationsplƤne sollten aktuell gehalten und den Patienten mitgegeben werden. Veraltete Versionen sollten vernichtet werden (17).

Die Polypharmazie, definiert als die Einnahme von fünf oder mehr Medikamenten, steigert das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) und erhöht die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen von potenziell inadäquater Medikation (PIM). Es sollte regelmässig geprüft werden, ob Medikamente indiziert sind, ihr Nutzen den Schaden überwiegt (18) und ein Deprescribing möglich ist. Deprescribing beschreibt einen systematischen Vorgang zur Medikamentenreduktion. Es erfordert regelmäßige Planbewertung und Identifikation von PIM gemeinsam mit dem Patienten (17). Entscheidungshilfen wie Beers-, Priscus- oder START-/STOP-Listen sowie Online-tools wie acbcalc.com oder medstopper.com unterstützen den Prozess.

Ob Polypharmazie ein eigenständiger Risikofaktor für ein ADS ist, bleibt unklar. Sie könnte jedoch durch vermehrte Medikamenteninteraktionen das Risiko erhöhen. Weitere gezielte Forschung ist erforderlich, um den Einfluss der Polypharmazie auf das Auftreten eines ADS eindeutig zu bestimmen (14).

Abkürzungen
MMS Mini-Mental-Status
UT Uhrentest
GDS Geriatrische Depressionsskala
EKG Elektrokardiogramm
EEG Elektroenzephalographie
MRT Magnetresonanztomographie
ADS antidepressant discontinuation syndrome
cCT Craniale Computertomographie
AD Antidepressivum
TZA Trizyklisches Antidepressivum
DSM-V diagnostic and statistical manual of mental disorders
UAW unerwünschte Arzneimittelwirkung
PIM potenziell inadƤquate Medikation
DIA-S Depression-im-Alter-Skala
HAMD Hamilton Depressionsskala
BDI II Beck-Depressions-Inventar II
CSDD Cornell-Skala für Depression bei Demenz

Wann und wo sich der Fall zugetragen hat
2019, Kantonsspital Winterthur, Klinik für Akutgeriatrie

Historie
Manuskript eingegangen: 02.09.2024
Angenommen nach Revision: 23.12.2024

Benjamin Hutter

Medbase Wil
Friedtalweg 18
9500 Wil

benjamin.hutter@medbase.ch

Die Autorenschaft hat keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel deklariert.

– Ein Antidepressiva-Absetzsyndrom tritt in ca. 15 % der FƤlle unabhƤngig des verwendeten Antidepressivums auf.
– Die Symptome, die Symptomdauer und die SymptomintensitƤt sind Ƥusserst variabel, hƤufig aber meist mild und selbstlimitierend.
– Zur Prophylaxe eines Antidepressiva-Absetzsyndroms ist die AufklƤrung der Patienten sowie ein vorsichtiges Ausschleichen sinnvoll.
– Die Indikation von Medikamenten ist stets kritisch zu prüfen. Die Mƶglichkeit eines Deprescribing sollte regelmƤssig geprüft werden.

1. Maschke M, et al. Delir und Verwirrtheitszustände inklusive Alkoholentzugsdelir, S1-Leitlinie. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie; 2020. register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-006;letzter Zugriff: 11.06.2024.
2. Fornaro M, Cattaneo CI, De Berardis D, Ressico FV, Martinotti G, Vieta E. Antidepressant discontinuation syndrome: A state-of-the-art clinical review. European Neuropsychopharmacology. 2023;66:1–10.
3. Haddad PM, Anderson IM. Recognising and managing antidepressant discontinuation symptoms. Adv psychiatr treat. 2007;13(6):447–57.
4. Henssler J, Heinz A, Brandt L, Bschor T. Antidepressant Withdrawal and Rebound Phenomena. Deutsches Ƅrzteblatt international. 2019. www.aerzteblatt.de/10.3238/arztebl.2019.0355; letzter Zugriff 07.04.2024
5. Henssler J, Schmidt Y, Schmidt U, Schwarzer G, Bschor T, Baethge C. Incidence of antidepressant discontinuation symptoms: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Psychiatry. 2024;11(7):526–35.
6. Davies J, Read J. A systematic review into the incidence, severity and duration of antidepressant withdrawal effects: Are guidelines evidence-based? Addictive Behaviors. 2019;97:111–21.
7. Horowitz MA, Taylor D. Distinguishing relapse from antidepressant withdrawal: clinical practice and antidepressant discontinuation studies. BJPsych advances. 2022;28(5):297–311.
8. Steinert T, Baier H, Frƶscher W, Jandl M. Epileptische AnfƤlle unter der Behandlung mit Antidepressiva und Neuroleptika. Fortschr Neurol Psychiatr. 2011;79(03):138–43.
9. Hill T, Coupland C, Morriss R, Arthur A, Moore M, Hippisley-Cox J. Antidepressant use and risk of epilepsy and seizures in people aged 20 to 64 years: cohort study using a primary care database. BMC Psychiatry. 2015;15(1):315.
10. Coupland C, Dhiman P, Morriss R, Arthur A, Barton G, Hippisley-Cox J. Antidepressant use and risk of adverse outcomes in older people: population based cohort study. BMJ. 2011;343(aug02 1):d4551–d4551.
11. Lee EA, Wong CA, Barrio L, Godoy ER, Hackett D, Thompson N, et al. An Approach to Deprescribe Antidepressants for Depression in Older Adults: Consensus, Multidisciplinary Practice Recommendations. TPJ. 2023;27(2):1–8.
12. Van Leeuwen E, Van Driel ML, Horowitz MA, Kendrick T, Donald M, De Sutter AI, et al. Approaches for discontinuation versus continuation of long-term antidepressant use for depressive and anxiety disorders in adults. Cochrane Common Mental Disorders Group, Herausgeber. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2021. doi.wiley.com/10.1002/14651858.CD013495.pub2; letzter Zugriff: 08.11.2024
13. Holsboer-Trachsler E, Hättenschwiler JA, Beck J, Brand S, Hemmeter UM, Keck ME, et al. Erhaltungstherapie und Rezidiv­prophylaxe unipolarer depressiver Störungen. Swiss Med Forum. 2016. doi.emh.ch/smf.2016.02705; letzter Zugriff: 19.08.2024
14. Hatzinger M, Hemmeter U, Hirsbrunner T, Holsboer-Trachsler E, Leyhe T, Mall JF, et al. Empfehlungen für Diagnostik und Therapie der Depression im Alter: Therapy Recommendations for Diagnosis and Treatment of Depression in Old Age. Praxis. 2018;107(3):127–44.
15. Bestmƶgliche Medikationsanamnese bei Spitaleintritt. 2017. www.youtube.com/watch?v=pIDKgPAfG4o; letzter Zugriff: 08.11.2024
16. FitzGerald RJ. Medication errors: the importance of an accurate drug history. Brit J Clinical Pharma. 2009;67(6):671–5.
17. Kühlein T, Van Der Wardt V, Viniol A. Das Absetzen von Medikamenten. CME. 2022;19(12):8–11.
18. Lee EA, Brettler JW, Kanter MH, Steinberg SG, Khang P, Distasio CC, et al. Refining the Definition of Polypharmacy and Its Link to Disability in Older Adults: Conceptualizing Necessary Polypharmacy, Unnecessary Polypharmacy, and Polypharmacy of Unclear Benefit. TPJ. 2020;24(1):18.212.
19. American Psychiatric Association, American Psychiatric Association, Herausgeber. Diagnostic and statistical manual of mental disorders: DSM-5. 5th ed. Washington, D.C: American Psychiatric Association; 2013. 947 S.

Die etwas andere Embolie

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Was wissen Schweizerinnen und Schweizer über ­kardiovaskuläre Risikofaktoren?

Einleitung

KardiovaskulƤre Erkrankungen stellen in der Schweiz die hƤufigste nicht übertragbare Erkrankung dar und sind zudem auch die hƤufigste Todesursache. Die individuelle Krankheitslast durch kƶrperliche BeeintrƤchtigungen und frühzeitigen Tod ist ebenso erheblich wie die gesundheitsƶkonomischen Belastungen. So summierten sich die direkten und indirekten Kosten in der Schweiz im Jahr 2021 geschƤtzt etwa auf 27.8 Mrd CHF, somit 4 % des Bruttoinlandsprodukts (1).

Dabei sind die prƤventiven und therapeutischen Massnahmen sowohl interventioneller als auch medikamentƶser Art so umfangreich und wirksam wie in keinem anderen Krankheitsgebiet. Ausser Alter und Geschlecht lassen sich nahezu alle weiteren kardiovaskulƤren Risikofaktoren derart beeinflussen, dass es zu einer starken und signifikanten Reduzierung des kardiovaskulƤren Risikos kommt (2). Neben einem allfƤlligen Rauchstopp und kƶrperlicher AktivitƤt ist vor allem die leitliniengerechte Einstellung von Blutdruck, Lipiden und einem eventuellen Diabetes von entscheidender Bedeutung. Studien zeigen hier aber sowohl auf europƤischer Ebene wie auch in der Schweiz erhebliches Verbesserungspotential (3–8). Wichtig für die Akzeptanz und AdhƤrenz von primƤr- und sekundƤrprƤventiven Massnahmen, sowohl medikamentƶser wie auch nichtmedikamentƶser Art, ist sicher auch das Wissen der Patienten über die einzelnen Risikofaktoren. Zwar existieren in vielen LƤndern nationale Gesundheitssurveys etwa zur PrƤvalenz von kardiovaskulƤren Erkrankungen, aber erstaunlicherweise finden sich relativ wenig Studien, die gezielt das Wissen von Menschen zu kardiovaskulƤren Risikofaktoren und deren Beeinflussbarkeit untersucht haben. Vorhandene Studien deuten darauf hin, dass das Rauchen, der Blutdruck und ein eventuell vorhandener Diabetes mellitus als Risikofaktoren wahrgenommen werden, dass aber insbesondere die Lipide, respektive das Cholesterin, als Risikofaktor eher zu wenig wahrgenommen oder unterschƤtzt werden – nicht zuletzt auch aufgrund kontroverser Medienberichte (9, 10).

Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es daher zu untersuchen, welche Faktoren in der Allgemeinbevölkerung als Risikofaktoren wahrgenommen werden und wie die Einschätzung über deren Beeinflussbarkeit ausfällt. Dies sind zentrale Erkenntnisse, um künftige Präventionskampagnen effektiver zu gestalten, aber auch um die individuelle Arzt-Patienten-Kommunikation gezielter auf unterschätzte Risiken und Interventionsmassnahmen abzustellen und die Adhärenz zu erhöhen.

Methodik

Via die Zeitschrift «Doktor Stutz», eine etablierte Schweizer Zeitschrift, die sich an medizinische Laien richtet, wurde ein Link zu einem Online-Survey versandt. Zudem war der Link via die Online-Ausgabe der Zeitschrift erreichbar. Der Fragebogen war von 28.11.24 bis 8.1.25 verfügbar. Die Umfrage war vollständig anonymisiert, eine Identifikation der Teilnehmer nicht möglich, daher kam das Schweizer Humanforschungsgesetz (HFG) nicht zur Anwendung und ein Ethikvotum war nicht notwendig. Der Survey erfasste neben soziodemographischen Angaben auch Informationen zum individuellen Gesundheitszustand und kardiovaskulären Vorerkrankungen. Abgefragt wurden zudem Aussagen zu kardiovaskulären Erkrankungen im Allgemeinen, denen mit «ja», «eher ja», «eher nein» und «nein» zugestimmt, respektive widersprochen werden konnte, zudem gab es die Antwortmöglichkeit «ich weiss es nicht».

In einer weiteren Frage wurde erhoben, ob die Teilnehmenden ihre eigenen Werte für Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin und den Body Mass Index (BMI) «sehr genau», «ungefähr» oder «gar nicht» kennen.

Der Frage nach den Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen wurde ein aufsteigender Zahlenwert zugeordnet, je nach der Einschätzung des potentiellen Einflusses auf das kardiovaskuläre Risiko durch die Befragten, von 1 für «gar nicht» bis 5 für «sehr stark». Diese Gewichtung seitens der Befragten wurde mit der Anzahl der jeweiligen Antworten multipliziert und aufaddiert um so eine Gesamtgewichtung der einzelnen Risikofaktoren zu erreichen. Zudem erfolgte die Berechnung des Mittelwerts, des Medians und des Interquartilsabstandes (IQR).

Ergebnisse

Insgesamt wurden 3166 Antworten erfasst, in 2671 FƤllen wurde der Fragebogen vollstƤndig ausgefüllt. Frauen waren mit 79.5 % (2.149) deutlich überreprƤsentiert gegenüber MƤnnern mit 20.5 % (554). 3108 Teilnehmende beantworteten die Frage zum Gesundheitszustand. 1025 (32.9 %) Personen gaben an, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu leiden, 2059 (66.2 %) verneinten dies. Mit 61.2 % (1902) war die Mehrheit der Teilnehmenden zwischen 59 und 79 Jahren alt, 513 (16.5 %) Personen waren zwischen 39 und 58 Jahren, 266 (8.6 %) über 79 Jahre und 24 (0.8 %) unter 39 Jahren alt. Hinsichtlich des Bildungsstands gab die Mehrheit (1542, 49.6 %) an, die obligatorische Schulpflicht absolviert zu haben, 1435 (46.2 %) Personen verfügten über eine hƶhere Berufsausbildung (eidgenƶssische Berufs-/Fachprüfung), 302 (9.7 %) Personen über einen Fachholschulabschluss und 174 (5.6 %) über einen UniversitƤts- oder ETH-Abschluss.

Die Mehrheit 1871 (60.2 %) schƤtzte den persƶnlichen Gesundheitszustand als gut ein, 804 (25.8 %) als mittel, 387 (12.4 %) als sehr gut und nur 46 (1.5 %) als schlecht (Abb. 1).

Aussagen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Diese Frage wurde von 2793 Teilnehmenden beantwortet. 2560 (91.6 %) Personen stimmten der Aussage zu, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen hƤufig sind (ja: 1587, eher ja: 973) und nur ganz wenige negierten dies vollstƤndig (34, 1.2 %). Ƅhnlich wurde die Frage zur medikamentƶsen Behandlungsmƶglichkeit eingeschƤtzt, die Mehrheit stimmte der Aussage voll 1505 (53.9 %) oder überwiegend 1079 (38.6 %) zu, dass kardiovaskulƤre Erkrankungen gut medikamentƶs behandelbar sind. 70 (2.5 %) Befragte negierten dies. Bei der Frage, ob es sich bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen um eine normale Alterserscheinung handelt, waren 1289 (46.1 %) Personen der Meinung dies trƤfe (eher) zu, wƤhrend nahezu Ƥhnlich viele 1210 (43.3 %) dies vƶllig oder eher verneinten. Der positiven Beeinflussbarkeit durch Bewegung (2720; 97.3 %) oder gesunde ErnƤhrung (2413; 86.4 %) wurde überwiegend zugestimmt. 78.5 % (2194 Personen) lehnten die Aussage ab, kardiovaskulƤre Erkrankungen wƤren überwiegend eine Erfindung der Pharmaindustrie (Abb. 2).

Kenntnis der eigenen Werte

2766 Befragte machten Angaben hierzu. Der eigene Blutdruck war den meisten Befragten bekannt: 1781 (64.3 %) gaben an, ihn sehr genau zu kennen, 913 (33 %) kennen ihn immerhin ungefƤhr. Der zweitgelƤufigste Wert war der Body Mass Index, den 1543 (55.7 %) sehr genau kannten. Nur 217 (7.8 %) war er vƶllig unbekannt. Den Blutzucker kannten 1031 (37.2 %) respektive 891 (32.2 %) Personen sehr genau oder zumindest ungefƤhr. Beim Cholesterin gaben 1086 (39.2 %) an, den Wert sehr genau zu kennen, wƤhrend 697 (25.2 %) Personen angaben, ihnen sei ihr Cholesterinwert gar nicht bekannt (Abb. 3).

Risikofaktoren für Herz- und Kreislauf-Erkrankungen

2706 Befragte gaben ihre EinschƤtzung zu den kardiovaskulƤren Risikofaktoren ab. Mit einem aufaddierten Gesamtwert von 10 687, respektive einem Mittelwert von 3.97 war Rauchen der am stƤrksten gewichtete Risikofaktor (Abb. 4). Mit 1366 Befragten (50.5 %) werteten knapp über 50 % diesen Faktor als sehr starken Risikofaktor, allerdings waren auch 16.1 % (435 Personen) der Meinung, Rauchen sei überhaupt kein Risikofaktor. Cholesterin und Blutdruck wurden nahezu gleichauf als starke Risikofaktoren eingestuft, mit Summenwerten von 10 706, respektive 10 650 und Durchschnittswerten von 3.97 und 3.95 (Median jeweils 4, IQR 4–5). Mit einem Summenwert von 10 641 (Durchschnitt 3.95) folgte Bewegungsmangel (Median 4, IQR 4–5), hier waren 1073 (39.7 %) der Befragten der Meinung, dies sei ein sehr starker Risikofaktor. Geringer gewichtet wurde ein Diabetes mellitus als kardiovaskulƤrer Risikofaktor mit einem Summenwert von 9465 und einem Durchschnittswert von 3.51 (Median 4, IQR 3–5). Immerhin 367 (13.6 %) Befragte werteten Diabetes überhaupt nicht als Risikofaktor. In der weiteren Rangfolge folgte eine familiƤre Vorbelastung (9509, 3.52), Konsum von Fast Food (9105, 3.39), Stress (8861, 3.28), Konsum von Alkohol (8542, 3.16) und erhƶhtes Kƶrpergewicht (8301, 3.08). In Abb. 5 werden die Angaben in einer Likert-Skala abgebildet, die die Abweichung von einer neutralen EinschƤtzung des jeweiligen Risikofaktors darstellt.

Diskussion

Die vorliegende Umfrage ist nach unserem Wissen die erste Erhebung in der Schweiz unter medizinischen Laien, die Einschätzungen zum kardiovaskulären Risiko im Allgemeinen, Kenntnisse über individuelle Risikofaktoren und die grundsätzliche Beeinflussbarkeit dieser Risikofaktoren erfasst. Die Ergebnisse zeigen eine erfreulich gute Orientierung über die Risikofaktoren, aber auch einige Ansatzpunkte für eine vertiefte Aufklärung in der Primär- und Sekundärprävention von kardiovaskulären Erkrankungen.

Die Ergebnisse unseres Surveys sind im Kontext des befragten Samples zu betrachten. Dieses reflektiert hinsichtlich der Altersverteilung die typische Leserschaft eines Gesundheitsmagazins, so waren über 60 % der Teilnehmenden zwischen 59 und 79 Jahren alt, einem Alter, in dem das Interesse an Gesundheitsthemen und insbesondere hochprƤvalenten kardiovaskulƤren Erkrankungen in den Vordergrund rückt. Studien zeigen, dass der Bildungsstand, nicht aber das Einkommen, Einfluss auf kardiovaskulƤre Risikofaktoren und hier insbesondere wohl via ErnƤhrung auf den Cholesterinspiegel hat (9). Auch wenn der Bildungsstand unseres Samples keine Verzerrung zu Akademikern (15.3 %) hin erkennen lƤsst, so ist doch davon auszugehen, dass bei den meisten Teilnehmenden bereits eine Auseinandersetzung mit dem Thema stattgefunden hat und die Teilnehmer diesbezüglich als gebildeter gelten müssen. Die selbstdeklarierte PrƤvalenz der Herz-Kreislauf-Erkrankung liegt mit 33.9 % im zu erwartenden Bereich, so leiden laut Schweizer Gesundheitssurvey 27.6 % der 55–64-jƤhrigen und 45.8 % der 65–74-jƤhrigen an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung (11). Zu berücksichtigen ist auch, dass der Frauenanteil mit fast 80 % bei den Teilnehmenden stark überwog, was deren hƶheres Interesse an Gesundheitsthemen widerspiegeln dürfte.

Zwiegespalten waren die Teilnehmenden bei der Frage, ob kardiovaskulƤre Erkrankungen eine natürliche Alterserscheinung darstellen. Dies mag daran liegen, dass ein hoher Prozentsatz der Überzeugung war, man kƶnne diese Erkrankungen durch einen aktiven Lebensstil (97.3 %) und gesundheitsbewusste ErnƤhrung (86.4 %) positiv beeinflussen. Auch diese hohe SelbstwirksamkeitseinschƤtzung dürfte ein Spezifikum des befragten Samples sein. AdhƤrenz-Probleme sind im Ƥrztlichen Alltag hƤufig, daher hatten wir eine skeptische Haltung gegenüber medikamentƶsen Therapien, respektive gegenüber der Pharmaindustrie erwartet. In unserem Survey zeigt sich allerdings eine grosse Mehrheit von der medikamentƶsen Beeinflussbarkeit der Herz-Kreislauf-Erkrankungen überzeugt.

Besser denn erwartet, aber immer noch ungenügend, ist auch die Orientierung der Befragten über die eigenen Werte: 64.3 % kannten ihren Blutdruck nach eigener Angabe Ā«sehr genauĀ». In einer Studie von Oliveiria et al. unter Hypertonikern gaben beispielsweise 91 % an, dass ihnen bewusst sei, dass eine Blutdrucktherapie für sie wichtig ist, aber nur 41 % kannten ihren eigenen Blutdruck (12). In einer Ƥlteren Studie von Murdoch et al. befragte man Patienten, die eine Cholesterinmessung erhalten hatten, zu ihrem Lipidstatus und Cholesterinwerten, nur 19 % konnten ihren Wert genau erinnern, dies war insbesondere der Fall, wenn er mit DiƤtempfehlungen verbunden war (13). Dieses Ergebnis passt zu den qualitativen Ergebnissen von Goldman et al., die zeigen, dass insbesondere konkrete Behandlungsempfehlungen für Patienten wichtig sind (14).

Zum Kenntnisstand der Bevölkerung bezüglich kardiovaskulärer Risikofaktoren existieren erstaunlicherweise nur wenige Studien jüngeren Datums aus Westeuropa, und wenn beziehen sie sich meist auf Personengruppen, die beispielsweise ein höheres Risiko mitbringen, wie Menschen mit familiärer Hypercholsterinämie oder einem Schwangerschaftsbluthochdruck (15).

Bisherige Studien, etwa an US Veteranen, haben ein deutliches Verbesserungspotential hinsichtlich des Kenntnisstands kardiovaskulärer Risikofaktoren auch unter betroffenen Patienten gezeigt (16). Aber auch Studien mit jüngeren Personen, meist selbst mit einem hohen kardiovaskulären Risiko behaftet, zeigten eher geringe Kenntnisse über die Risikofaktoren (15, 17, 18).

Im Widerspruch zu der von uns gefundenen guten Orientierung über Risikofaktoren und eigene Werte mag die Aussage aus unserem Surevy erscheinen, dass 435 (13.5 %) Befragte das Rauchen nicht oder nur als geringen (29; 1.1 %) Risikofaktor bewerteten. In einer Ƥhnlichen Befragung aus den Arabischen Emiraten beispielsweise werteten 91 % Rauchen als Risikofaktor und nur 9 % negierten dies, in einer Studie in Ƅthopien beurteilten nur 12 % Rauchen nicht als Risikofaktor (18, 19).

Die in der Literatur beschriebene und durch die Medien gelegentlich weiter angetriebene Skepsis und damit einhergehenden AdhƤrenz-Probleme in Bezug auf die Statine (10, 20), bilden sich in unseren Ergebnissen nicht ab, so wurde Cholesterin als Risikofaktor hoch gewertet. Insgesamt stehen unsere Ergebnisse fast etwas im Widerspruch zu Daten, die zeigen, dass ein relevanter Prozentsatz der kardiovaskulƤren Risikopatienten nicht die von den Leitlinien geforderten Grenzwerte für Blutdruck und insbesondere das LDL-Cholesterin erreicht – in der Schweiz wie auch in ganz Europa (5, 7, 21, 22).

Limitationen

Unsere Ergebnisse weisen teilweise eine bessere Orientierung über Risikofaktoren aus als sonst in der Literatur widergespiegelt, zudem ist insbesondere die Skepsis hinsichtlich medikamentƶser Behandlungsmƶglichkeiten geringer ausgeprƤgt. UrsƤchlich hierfür dürfte ein selection bias sein – ein Gesundheitsmagazin, über das die Befragung kommuniziert wurde, adressiert per se eine eher gesundheitsbewusstere und besser informierte Population mit besonderem Interessen an dem Thema. Von daher sind unsere Ergebnisse sicherlich nicht auf die Schweizer Bevƶlkerung generell übertragbar. Eine StƤrke des Surveys ist jedoch seine vergleichsweise grosse Zahl an Teilnehmenden und die Tatsache, dass sie genau jene Altersgruppe adressierte, die das hƶchste kardiovaskulƤre Risiko aufweist.

Schlussfolgerungen

Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Wissen um die Bedeutung kardiovaskulƤrer Risikofaktoren in für die kardiovaskulƤre PrƤvention relevanten Bevƶlkerungsgruppen grƶsser ist als angenommen. Wissen allein garantiert noch keine TherapieadhƤrenz, ist aber dennoch eine entscheidende Voraussetzung. Vielleicht unterschƤtzen viele Ƅrzte die Bereitschaft der Patienten evidenzbasierte Therapien umzusetzen. Unsere Ergebnisse sind dahingehend ermutigend, als dass das vorhandene Grundwissen ergƤnzt um eine umfassende AufklƤrung, beispielsweise mittels Risikoscores (14), die Voraussetzung schaffen sollte, hƶhere Zielerreichungsgrade umzusetzen, als dies derzeit noch der Fall ist.

Prof. Dr. Dr. med.Thomas Rosemann

Institut für Hausarztmedizin
Universitätsspital Zürich
Pestalozzistrasse 24
8091 Zürich

thomas.rosemann@usz.ch

Prof. Dr. med. Thomas F. Lüscher, FRCP, FESC

Professor für Kardiologie
King’s College and Imperial College
Royal Brompton & Harefield Hospitals
Director of Research, Education & Development
London SW3 6NP, UK

cardio@tomluescher.ch

Dr. med. Andrea Rosemann

Leiterin Guidelines |
OberƤrztin, FachƤrztin Kardiologie,
Angiologie, Innere Medizin
Universitätsspital Zürich
Institut für Hausarztmedizin
Pestalozzistrasse 24
8091 Zürich

andrea.rosemann@usz.ch

Thomas F. Lüscher hat – unabhƤngig von der vorliegenden Umfrage – Forschungsgrants von folgenden Firmen erhalten: Abbott, Amgen, AstraZeneca, Boehringer-Ingelheim, Daichi-Sankyo, Menarini Foundation, Novartis, Novo Nordisk, Roche Diagnostics, Sanofi sowie Honorare von Amgen, Dacadoo, Daichi-Sankyo, Menarini Foundation, Novartis, Novo Nordisk, Philips and Pfizer.

Schweizerinnen und Schweizer sind vergleichsweise gut über Herz-Kreislauf-Erkrankungen orientiert, unterschƤtzen aber Risiken wie Rauchen und sind über ihren Cholesterinwert zu selten orientiert. Die Überzeugung, diese Erkrankungen durch Bewegung, ErnƤhrung aber auch Medikamente positiv beeinflussen zu kƶnnen, sollte Ƅrztinnen und Ƅrzte motivieren, all diese prƤventiven Massnahmen zu adressieren.

1. Rosemann T, Bachofner A, Strehle O. [Cardiovascular diseases in Switzerland – Prevalence and care]. Praxis (Bern 1994). 2024;113(3):57-66.
2. Roth GA, Johnson C, Abajobir A, Abd-Allah F, Abera SF, Abyu G, et al. Global, Regional, and National Burden of Cardiovascular Diseases for 10 Causes, 1990 to 2015. J Am Coll Cardiol. 2017;70(1):1-25.
3. Marz W, Dippel FW, Theobald K, Gorcyca K, Iorga SR, Ansell D. Utilization of lipid-modifying therapy and low-density lipoprotein cholesterol goal attainment in patients at high and very-high cardiovascular risk: Real-world evidence from Germany. Atherosclerosis. 2018;268:99-107.
4. Aminorroaya A, Yoosefi M, Rezaei N, Shabani M, Mohammadi E, Fattahi N, et al. Global, regional, and national quality of care of ischaemic heart disease from 1990 to 2017: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2017. European Journal of Preventive Cardiology. 2021;29(2):371-9.
5. Ray KK, Molemans B, Schoonen WM, Giovas P, Bray S, Kiru G, et al. EU-Wide Cross-Sectional Observational Study of Lipid-Modifying Therapy Use in Secondary and Primary Care: the DA VINCI study. Eur J Prev Cardiol. 2021;28(11):1279-89.
6. Huber CA, Meyer MR, Steffel J, Blozik E, Reich O, Rosemann T. Post-myocardial Infarction (MI) Care: Medication Adherence for Secondary Prevention After MI in a Large Real-world Population. Clin Ther. 2019;41(1):107-17.
7. Di Ganghi SB, R. Grischott, T. Burgstaller, J. Senn O., Rosemann, T. Markun S. Arterial Hypertension Control and Treatment in Swiss General Practice – cross sectional study using routine data from the FIRE primary care database. . submitted.
8. Rosemann T, Bachogner, A. Strehle, O. KardiovaskulƤre Erkrankungen in der Schweiz – PrƤvalenz und Versorgung. Praxis (Bern 1994). 2024;in press.
9. Potvin L, Richard L, Edwards AC. Knowledge of cardiovascular disease risk factors among the Canadian population: relationships with indicators of socioeconomic status. Cmaj. 2000;162(9 Suppl):S5-11.
10. Nielsen SF, Nordestgaard BG. Negative statin-related news stories decrease statin persistence and increase myocardial infarction and cardiovascular mortality: a nationwide prospective cohort study. Eur Heart J. 2016;37(11):908-16.
11. 2023;Pages. Accessed at OBSAN at https://ind.obsan.admin.ch/indicator/monam/herz-kreislauf-erkrankungen-praevalenz-alter-15 on 26.06.2023 2023.
12. Oliveria SA, Chen RS, McCarthy BD, Davis CC, Hill MN. Hypertension knowledge, awareness, and attitudes in a hypertensive population. J Gen Intern Med. 2005;20(3):219-25.
13. Murdoch M, Wilt TJ. Cholesterol awareness after case-finding: do patients really know their cholesterol numbers? Am J Prev Med. 1997;13(4):284-9.
14. Goldman RE, Parker DR, Eaton CB, Borkan JM, Gramling R, Cover RT, Ahern DK. Patientsā€™ā€Š perceptions of cholesterol, cardiovascular disease risk, and risk communication strategies. Ann Fam Med. 2006;4(3):205-12.
15. Slater K, Taylor R, Collins CE, Hutchesson M. Awareness of cardiovascular disease risk and care received among Australian women with a history of hypertensive disorders of pregnancy: a cross-sectional survey. BMC Pregnancy Childbirth. 2025;25(1):15.
16. Batie CM, Axon RN, Pope C. Challenges to Cardiovascular Health Among Female U.S. Veterans and Future Implications: A Scoping Review. Mil Med. 2025.
17. Plisyuk AG, Orlova IA, Zimakova EI, Begrambekova YL, Krasilnikova ES, Daudov IS, et al. The Frequency of Occurrence of Cardiovascular Risk Factors and Awareness of Them Among Young People in Higher Education Institutions. Kardiologiia. 2024;64(12):19-26.
18. Birarra MK, Baye E, Tesfa W, Kifle ZD. Knowledge of cardiovascular disease risk factors, practice, and barriers of community pharmacists on cardiovascular disease prevention in North West Ethiopia. Metabol Open. 2022;16:100219.
19. Syed W, Samarkandi O, Alanazi AA, Alotaibi N, Al-Rawi MBA. Assessment of myocardial infarctions knowledge, attitudes and beliefs among adults living in Riyadh Saudi Arabia – insights from cross-sectional study. Sci Rep. 2024;14(1):31457.
20. Rosenberg J, Lampridou S, Moores A, Garfield S, Wingfield D, Judah G. A Systematic Review Uncovering Modifiable Influences on Statin Adherence. Patient Prefer Adherence. 2025;19:29-48.
21. Rachamin Y, Markun S, Grischott T, Rosemann T, Meier R. Guideline Concordance of Statin Treatment Decisions: A Retrospective Cohort Study. J Clin Med. 2020;9(11).
22. Meier R, Rachamin Y, Rosemann T, Markun S. The Impact of the 2019 European Guideline for Cardiovascular Risk Management: A Cross-Sectional Study in General Practice. J Clin Med. 2020;9(7).

Partie 9: collaboration des professions de la santĆ© avec l’ industrie

L’ AcadĆ©mie Suisse des Sciences MĆ©dicales (ASSM) publie des directives mĆ©dico-Ć©thiques depuis 50 ans. Celles-ci fournissent des informations et des recommandations pour l’ activitĆ© quotidienne des mĆ©decins et des autres professionnels de santĆ©. La plupart des directives font partie du code de dĆ©ontologie de la FMH. La revue Ā«Primary and Hospital CareĀ» a prĆ©sentĆ© le contenu de quelques directives de l’ ASSM Ć  l’ aide d’ exemples tirĆ©s de la pratique, sous forme de sĆ©rie. La partie 9 paraĆ®t pour la premiĆØre fois dans Ā«la gazette mĆ©dicaleĀ». Les articles prĆ©cĆ©dents de la sĆ©rie sont disponibles sur: www.assm.ch/directives/cas-pratiques

Une offre de formation continue d’ une entreprise pharmaceutique Ć  un cercle de qualitĆ© de mĆ©decins de famille soulĆØve des questions sur d’ éventuels conflits d’ intĆ©rĆŖts. Les directives de l’ ASSM soulignent que les dĆ©cisions mĆ©dicales doivent ĆŖtre indĆ©pendantes des incitations financiĆØres et exigent des conditions cadres transparentes. Les Ć©chantillons gratuits, les honoraires et les programmes cadres luxueux, en particulier, se trouvent Ć  la croisĆ©e des chemins entre l’ élargissement des connaissances et les intĆ©rĆŖts du marketing.
An offer of further training from a pharmaceutical company to a GP quality circle raises questions about possible conflicts of interest. The SAMS guidelines emphasize that medical decisions must be independent of financial incentives and require transparent framework conditions. In particular, free samples, fees and luxurious supporting programs are caught between knowledge expansion and marketing interests.
Key Words: SAMS guidelines, conflict of interest, free samples, honoraria

Exemple de la pratique: offre de formation continue par un reprƩsentant commercial

Le Dr L.M. dirige un cercle de qualitĆ© pour mĆ©decins de famille en Suisse centrale. Les dix membres de ce cercle, travaillant tous dans le rayon d’ action du mĆŖme service d’ urgences, se rencontrent une fois par mois Ć  titre professionnel.

Un jour, le reprĆ©sentant commercial de l’ entreprise X est en visite chez le Dr L.M. et lui prĆ©sente un nouveau mĆ©dicament hautement efficace pour traiter l’ asthme et la broncho-pneumopathie chronique obstructive (BPCO). La substance active de ce mĆ©dicament n’ est absolument pas comparable aux autres substances disponibles sur le marchĆ© pour ces indications. Le mĆ©dicament doit d’ ailleurs ĆŖtre administrĆ© au moyen d’ un inhalateur spĆ©cialement dĆ©veloppĆ© pour ce produit.

Voici ce que le commercial propose au Dr L.M.: le conseiller mĆ©dical de l’ entreprise X, lui-mĆŖme mĆ©decin spĆ©cialiste en mĆ©decine interne et pneumologie, pourrait venir faire une confĆ©rence sur l’ asthme et la BPCO spĆ©cialement pour les membres du cercle, lors d’ une de leurs prochaines rencontres. Les mĆ©decins et leurs assistants pourraient Ć©galement apprendre Ć  utiliser l’ inhalateur. ƀ la fin de la prĆ©sentation, les dix membres du cercle de qualitĆ© recevraient chacun 10 inhalateurs et 10 emballages originaux gratuits du nouveau mĆ©dicament, afin de se familiariser personnellement avec leur utilisation. L’ entreprise souhaiterait que les mĆ©decins rĆ©pondent ensuite Ć  trois questions Ć  l’ aide d’ un formulaire spĆ©cifique. Pour chaque formulaire renvoyĆ©, l’ entreprise pourrait verser 250 CHF de dĆ©dommagement. Si les mĆ©decins devaient avoir besoin de plus d’ inhalateurs et d’ emballages du mĆ©dicament, ils et elles pourraient les acheter Ć  un prix prĆ©fĆ©rentiel. ƀ la fin de la rencontre, le reprĆ©sentant commercial se ferait un plaisir d’ inviter les dix mĆ©decins, leurs assistant.e.s et le conseiller mĆ©dical Ć  prendre un repas ensemble dans un restaurant voisin, rĆ©compensĆ© d’ une Ć©toile au guide Michelin.

Que disent les directives de l’ ASSM Ć  ce sujet?

L’ activitĆ© mĆ©dicale doit toujours ĆŖtre axĆ©e sur le bien-ĆŖtre des patients et les intĆ©rĆŖts de la sociĆ©tĆ©. Lorsque des professionnels et des organisations de la santĆ© collaborent avec l’ industrie, les intĆ©rĆŖts personnels et les conflits d’ intĆ©rĆŖts peuvent influencer le comportement de ces professionnels et affecter leur crĆ©dibilitĆ©, ainsi que la confiance qui leur est accordĆ©e.

Selon la dĆ©finition, un conflit d’ intĆ©rĆŖts se compose d’ une sĆ©rie de circonstances conduisant ensemble Ć  un risque significatif que des intĆ©rĆŖts secondaires influencent la capacitĆ© de jugement professionnel de maniĆØre exagĆ©rĆ©e par rapport aux intĆ©rĆŖts primaires.

La collaboration entre les professionnels de santĆ© et l’ industrie est rĆ©glementĆ©e par diverses dispositions lĆ©gales. Les principales sont la loi sur les produits thĆ©rapeutiques (LPTh), la loi sur l’ assurance-maladie (LAMal), l’ ordonnance sur l’ intĆ©gritĆ© et la transparence dans le domaine des produits thĆ©rapeutiques (OITPTh) et l’ ordonnance sur la publicitĆ© pour les mĆ©dicaments. Les professionnels ont le devoir de respecter ces rĆ©glementations. Les directives mĆ©dico-Ć©thiques complĆØtent et concrĆ©tisent ces dispositions.

Les directives de l’ ASSM prĆ©sentent des principes d’ action permettant:
– d’ identifier les conflits d’ intĆ©rĆŖts,
– d’ éviter les conflits d’ intĆ©rĆŖts et
– de gĆ©rer les conflit d’ intĆ©rĆŖts de maniĆØre transparente et
proactive.
Les principes suivants, expliqués dans les directives, méritent ici une attention particulière:

Principe de sĆ©paration: l’ activitĆ© mĆ©dicale touchant aux patients ne doit pas ĆŖtre influencĆ©e par des prestations ou par des avantages offerts, promis ou obtenus. De telles Ć©ventualitĆ©s doivent ĆŖtre clairement mises de cĆ“tĆ© au moment de prendre des dĆ©cisions.

Principe de transparence: les liens d’ intĆ©rĆŖt et les possibles conflits d’ intĆ©rĆŖts qui en dĆ©coulent doivent ĆŖtre annoncĆ©s. Les prestations ou les avantages financiers doivent ĆŖtre dĆ©clarĆ©s et le montant des avantages financiers reƧus devrait ĆŖtre rendu public.

Principe de l’ équivalence: les conflits d’ intĆ©rĆŖts doivent ĆŖtre Ć©vitĆ©s dans toute la mesure du possible. Pour Ć©viter les incitations favorisant l’ apparition de conflits d’ intĆ©rĆŖts, les prestations et leurs contreparties doivent toujours ĆŖtre proportionnĆ©es. Lors de l’ évaluation de la valeur de la contrepartie, il faut vĆ©rifier si celle-ci n’ est pas dĆ©jĆ  versĆ©e via d’ autres prestations lĆ©gales.

Les directives incitent Ć  une rĆ©flexion autocritique concernant les liens de dĆ©pendance et les intĆ©rĆŖts personnels. Lorsqu’ un risque de conflit d’ intĆ©rĆŖts se prĆ©sente, il y est Ć©galement recommandĆ© que les contrats avec l’ industrie soient toujours signĆ©s par deux personnes de chaque institution. Les accords concernant l’ octroi de prestations et d’ avantages pĆ©cuniaires doivent ĆŖtre fixĆ©s par Ć©crit. Les cadeaux ou avantages de valeur modeste (au maximum CHF 300/an) ne peuvent ĆŖtre acceptĆ©s que lorsqu’ ils sont liĆ©s Ć  l’ exercice de la profession, utiles Ć  la pratique mĆ©dicale et bĆ©nĆ©fiques pour les patients.

L’ intĆ©gritĆ© professionnelle en relation avec le soutien d’ activitĆ©s de formation prĆ©graduĆ©e, postgraduĆ©e et continue signifie que:
– les contenus de la formation et les intervenant.e.s sont choisis indĆ©pendamment des organismes de soutien;
– les thĆØmes spĆ©cialisĆ©s sont traitĆ©s de maniĆØre objective et reposent sur des critĆØres scientifiques;
– la collaboration avec l’ industrie est rĆ©glĆ©e par Ć©crit;
– le soutien accordĆ© par l’ industrie est Ć©galement dĆ©clarĆ© par l’ organisateur;
– les sessions de formation continue sont soutenues par plusieurs entreprises (multisponsoring).

Signification des directives pour les mƩdecins du cercle de qualitƩ

Il est important d’ identifier les conflits d’ intĆ©rĆŖts liĆ©s Ć  la situation dĆ©crite en dĆ©but d’ article. Elle comporte un risque Ć  ne pas sous-estimer que les intĆ©rĆŖts primaires soient influencĆ©s par des intĆ©rĆŖts secondaires. Les intĆ©rĆŖts primaires correspondent dans ce cas Ć  la prĆ©servation et Ć  l’ amĆ©lioration de la santĆ© des personnes atteintes d’ asthme et de BPCO, conformĆ©ment aux critĆØres d’ efficacitĆ©, d’ adĆ©quation et d’ économicitĆ© (EAE) au sens de l’ art. 32 de la LAMal. Les intĆ©rĆŖts secondaires comprennent la distribution d’ emballages de mĆ©dicaments gratuits, le dĆ©dommagement pour avoir rempli le formulaire et le repas offert. Le montant de CHF 250 par formulaire de trois questions rempli, ainsi que le repas dans un restaurant Ć©toilĆ© sont disproportionnĆ©s par rapport Ć  l’ effort fourni par les mĆ©decins, ce qui signifie qu’ ils dĆ©rogent au principe de l’ équivalence. Selon les directives de l’ ASSM, le repas proposĆ© constitue ce que l’ on nomme un programme annexe, dont le financement par une entreprise pharmaceutique n’ est pas autorisĆ©. Du point de vue de l’ intĆ©rĆŖt des patients, l’ offre de fournir des instructions sur la maniĆØre correcte d’ utiliser l’ inhalateur ne semble pas problĆ©matique.

En ce qui concerne les commentaires attendus des mĆ©decins sur les expĆ©riences qu’ ils et elles auront faites avec le mĆ©dicament, on peut partir du principe que l’ objectif visĆ© n’ est pas d’ acquĆ©rir de nouvelles connaissances scientifiques ou utiles pour la pratique mĆ©dicale, mais plutĆ“t de servir les intĆ©rĆŖts marketing de l’ entreprise X. De plus, mĆŖme si le conseiller mĆ©dical de l’ entreprise X est mĆ©decin spĆ©cialiste en mĆ©decine interne et pneumologie, sa fonction au sein de l’ entreprise l’ empĆŖche d’ être neutre, ce qui signifie qu’ il n’ entre pas en ligne de compte comme confĆ©rencier.

Conclusions

Il est reconnu dans les directives que la collaboration entre le corps mĆ©dical et l’ industrie est une pratique Ć©tablie depuis longtemps. Elle favorise, en principe, une bonne prise en charge mĆ©dicale et contribue Ć  l’ enrichissement des connaissances, au dĆ©veloppement de nouvelles thĆ©rapies, Ć  l’ amĆ©lioration des traitements existants et globalement au progrĆØs mĆ©dical. Elle peut toutefois Ć©galement gĆ©nĆ©rer des liens de dĆ©pendance et des conflits d’ intĆ©rĆŖts.

Les directives s’ adressent au personnel mĆ©dical, et plus particuliĆØrement aux mĆ©decins, et non Ć  l’ industrie. En effet, ce n’ est pas aux entreprises pharmaceutiques, mais bien aux professionnel.le.s de santĆ©, tel.le.s que mentionnĆ©.e.s dans notre exemple, que revient le devoir de reconnaĆ®tre les conflits d’ intĆ©rĆŖts et d’ agir dans le respect des principes expliquĆ©s ci-dessus. L’ entreprise devrait toutefois respecter les rĆØgles du code de conduite de l’ industrie pharmaceutique en Suisse (Code pharmaceutique, CP).

Sur le principe, c’ est tout Ć  fait envisageable que le cercle de qualitĆ© invite un spĆ©cialiste d’ un domaine prĆ©cis pour donner une confĆ©rence, en complĆ©ment au travail collĆ©gial du groupe. Cette personne doit en revanche ĆŖtre libre de toute relation de dĆ©pendance envers les entreprises pharmaceutiques dont elle prĆ©sente les produits dans sa confĆ©rence. Il n’ est pas uniquement question ici de dĆ©pendances financiĆØres ou de conflits d’ intĆ©rĆŖts, mais aussi, par exemple, du soutien d’ un projet de recherche par une entreprise.

Dans le cas où une entreprise pharmaceutique montrerait de l’ intĆ©rĆŖt pour des comptes rendus d’ expĆ©riences pratiques Ć  propos de mĆ©dicaments ayant dĆ©jĆ  obtenu une autorisation, il convient d’ examiner cette demande d’ un œil trĆØs critique. Il est clairement mentionnĆ© dans les directives de l’ ASSM que les Ć©tudes sur des mĆ©dicaments qui sont rĆ©alisĆ©es aprĆØs leur autorisation de mise sur le marchĆ© ou l’ évaluation de produits par les utilisateurs doivent porter sur une question scientifiquement pertinente. La mise Ć  disposition de produits Ć  Ć©valuer en Ć©change d’ une apprĆ©ciation par l’ utilisateur est a priori autorisĆ©e. Cette mise Ć  disposition de produits Ć  Ć©valuer et de services associĆ©s ne doit toutefois pas rĆ©compenser le personnel mĆ©dical de maniĆØre disproportionnĆ©e et l’ encourager Ć  acheter, Ć  recommander, Ć  prescrire ou Ć  utiliser les produits ou services en question.

Le Dr L.M., responsable du cercle de qualitĆ© de Suisse centrale, et ses collĆØgues mĆ©decins de famille rĆ©pondent aux exigences des directives de l’ ASSM, du moment qu’ ils ou elles:

– invitent un professionnel indĆ©pendant.e, connu.e de leur milieu de travail, Ć  venir donner la confĆ©rence;
– considĆØrent la demande de l’ entreprise X Ć  propos d’ un compte rendu de leurs expĆ©riences d’ utilisateurs d’ un regard critique et n’ acceptent de collaborer que si l’ objectif premier de cette enquĆŖte est d’ obtenir des informations utiles du point de vue scientifique;
– acceptent pour les comptes rendus tout au plus un dĆ©dommagement qui soit raisonnable par rapport au travail fourni;
– sont conscient.e.s que la distribution d’ échantillons de produits est un moyen de faire de la publicitĆ© pour le mĆ©dicament et que cela peut influencer leur comportement professionnel;
– ne revendent pas ces emballages dans le sens de l’ art. 9, OITPTh;
– acceptent tout au plus de se voir offrir un repas modeste, dont le sponsoring est assurĆ© par plusieurs entreprises, et que ces entreprises n’ ont aucune influence sur le choix du confĆ©rencier ou de la confĆ©renciĆØre, ni sur le contenu de la prĆ©sentation.
Pour terminer, nous recommandons Ć©galement de consulter Ć  ce sujet le site web de l’ initiative MEZIS, Ā«Mein Essen zahl’ ich selbst (Je paie mon repas moi-mĆŖme)Ā», lancĆ©e en Allemagne contre la corruption des mĆ©decins, cf. (https://mezis.de).

Autres directives mĆ©dico-Ć©thiques de l’ ASSM: www.assm.ch/fr/Publications/Directives.html

PD Dr Klaus Bally 1
Bianca Schaffert-Witvliet 2
lic. theol., dipl. biol. Sibylle Ackermann 3
1 UniversitƤres Zentrum für Hausarztmedizin, beider Basel et membre de la Commission Centrale d’ Éthique (CCE) de l’ ASSM jusqu’ en 2024
2 APN, Spital Limmattal Schlieren et Vice-PrĆ©sidente de la CCE de l’ ASSM
3 Responsable du ressort Ɖthique de l’ ASSM et membre de la CCE de l’ ASSM

Copyright
Aerzteverlag medinfo AG

PD em Dr. med. Klaus Bally

Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH
Universitäres Zentrum für Hausarztmedizin beider Basel, uniham-bb
Kantonsspital Baselland
Rheinstrasse 26
4410 Liestal

Les auteurs n’ ont pas dĆ©clarĆ© de conflit d’ intĆ©rĆŖts en rapport avec cet article.

1. Collaboration des professions de la santĆ© avec l’ industrie. Directives mĆ©dico-Ć©thiques de l’ ASSM. 2022, cf. www.assm.ch/collaboration-industrie
2. Emanuel EJ, Thompson DF: The Concept of Conflicts of Interest. In: The Oxford Textbook of Clinical Research Ethics. edn. Edited by Emanuel EJ, Grady C, Crouch RA, Lie RK, Miller FG, Wendler D. Oxford: Oxford University Press; 2008: 758–66.